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oͤmiſqe Profaiker
in
—
neuen Weberfegungen.
Herausgegeben
von
G. 2 F. Tafel, Profeſſor zu Tübingen,
E. R. v. Dfiander, Profeffor zu Stuttgart,
und ©. Schwab, Pfarrer zu Gomaringen
bei Tübingen,
— rm
Hundertfunfundfuͤnfzigſtes Bändchen.
Stuttgart,
Berlag der I. 8. Mesz ler'ſchen Buchhandlung.
1840. |
Cajus Plinius Secundus
372573
Rarurgefdiäte
Ueberfest und erläutert
von
Ph. H. Külb,
Stadtbibliothekar zu Mainz.
Erle Binden. -
Stuttgart,
Verlag der 3. B. Megler'ſchen Buchhandlung.
4840. W
\ Er
“den beiten
. „ 4} ur...
Cinleitung.
. Leben und Werke des Plinius.
Man hat nur fehr wenige zuverläfftige Nachrichten
über das Leben .des älteren Plinius, aber eine fo
große Menge von Bermuthungen, daß man damit
einige Bände füllen könnte. Schon mit feiner Ge:
burt beginnen. die Streitigkeiten der Gelehrten, und
die Beſtimmung feiner Vaterſtadt veranlaßte einen
fünfhundertjährigen, nicht felten mit lächerlicher Er-
bitterung geführten Kampf, den Manche als jest
noch nicht völlig entſchieden anfehen wollen.
Während des Mittelalters hielt man gewöhnlich
die beiden Plinius, den Naturhiftoriker und den Epi-
ſtolographen, für eine und diefelbe Perfon, und da
fi der letztere in feinen Briefen häufig -felbft einen
vr
x
_ Einleitung. *
——
wird man dieſem Beweiſe des Johannes keinen grö⸗
ßeren Glauben ſchenken, als feinem Maährchen, daß
Plinius ir Sizilien, wo er die Romiſchen Legionen
angeführt Habe, durch einen Ansbruch des Aetna
umgekommen, und dort begraben morben fey. *) -
. Während die Bürger von Como den beiden
Hlinins in ihrer Stadt Marmorftatuen errichteten
‚ (4480), und dadurch ftillfchweigend ihr Recht wahrs
ten, wurden die Beronefer defto lauter, und bemühten
fih aus allen Kräften, den einmal angeregten Streit
zu ifrem Bortheil zu entfcheiden : fte nahmen fogar
zu serwerflichen Mitteln ihre Zuflucht, indem fie ein
angeblich uraltes Porträt des älteren Plinius vor⸗
zeigten, und in ihrem Gebiete vorhandene Inſchriften,
in welchen der Name Plinius vorkommt, bekannt
machten, die aber offenbar entweder durchaus unächt
oder willkũtzrlich ergaͤnzt waren. 9”) Dieſes Beginnen
.ou
Plinius (VI, 34.), der unftveitig von Como war,. bie
" Beronefer „bie unſrigen“ (nestros), -und Catullus
XXXIX, 15.) die Transpadaner überhaupt „die mei⸗
nigen“ (meos) nennen.
*%) Bergl. U. J. a Turre Rezsonice, disguisitiones
| Plinianae, Parm. 1765—67. Fol. Tom. I. p. 6-8.
°* Die von Paul Guardus (1519) angeführte, angeblich
an dem Benacus— (Gardaſee) gefundene Furgeitt
| ’
- — · —-
—
Einleitung 9
- . 4 .
Glauben ſchenken, und den zahlreihen, zu Como
gefundenen ächten Inſchriften, *) in welchen einzelne
Glieder der Familie Plinia vorfommen, feine De:
weiskraft zugeſtehen; ſo müſſen wir uns doch durch
eine Andeutung des jüngeren Plinius, die ſeither
wenig beachtet wurde, für Como beſtimmen laſſen.
Dieſer bietet nämlid) der Corellia, einer Freun⸗
din ſeiner Mutter, welche an dem Eomerfee Güter
zu befigen wünſchte, von feinen au deſſen Ufern. ge-
legenen Ländereien, fo viel fie wolle, an, mit Aus⸗
nahme jedoch der von feinem Vater und feiner
Mutter ererbten; denn diefe, betheuert er, künne er _
audy feiner beften Freundin nicht abtreten. **) Darf
man. nit aus dieſer Aeußerung mit ' ziemlicher
Wahrſcheinlichkeit fchließen , daß Como weit eher die
Baterftadt der Mutter des jüngeren Plinius, fo wie
—
ihres Bruders, des älteren Plinius, genannt werden
fönne, als Berona? Die, bedeutendften Gelehrten
baben ſich denn auch in neuefter Zeit entfchieden für
die eritere Stadt ausgefprochen. Eine eigene Anficht
bat Hardouin, 5), Der bekanntlich immer am liebſten
*) Man findet fie bei Rezzonico da. p. 7.
**) Epist, VII, 44.
? =) In der @inleitung zu feiner zweiten Ausgabe der
Naturgefchichte des Plinius (1723).
—8
b
— —
* v
‘
Einleitung rt
genannt, um Ihn von ſeinem Neffen, dem Gpiſtolo⸗
graphen Plinius, zu unterſcheiden, wurde im neunten
oder zehnten Jahre der Regierung des Tiberius,
unter dem Conſulate des C. Afinius Pollio und des
C. Antiſtins Veins, im Jahre der Stadt 776 (23 '
nad Chr.) geboren, *) und -verlebte die Zeit feiner
Kindheit wahrfcheinlih auf einem. der zahlreichen,
feiner Familie angehörenden Landgüter in der Um⸗
gegend von Como. Lim einen gründlichen Unterricht
zu genießen, Fam er im früher Jugend (vielleicht in
feinem zehnten Jahre) nad) Rom, wo er jedoch den
Wärtling Tiberius wicht mehr fah, der bereits feinen -
beftändigen Wohnfeh zu Eapreä aufgefchlagen hatte.
In feinem dreizehenten und vierzebenten : Lebensjahre
befand er fich zunerläffig in der Hauptfladt der Rö⸗
mifchen Welt; denn er ſah nach feiner eigenen Aus:
fage **) um dieſe Zeit die Eonfuln M. Servilius
Romanus (35 nah Chr.) und Gertus. Papinius
Allenius (36 nad) Ehr.), -
Bon welchen Lehrern er ſeine wiſſenſchaftliche
Man folgert diefe Augabe aus der Bemerkung des
jüngern Plinius (IE, 5. VI, 16., daß fein Oheim
im 5öften Jahre‘ feines Alters beim Ausbruche des
Befuns, im Jahre 79 nad Chr,. umaefommen fer.
»e) H. N. XXXVU, 21. XV, 10 _
\ Einleitung. 13
Cohorten erlegt wurde, perfänlich bei. *) Er beſchreibt
dieſes Ereigniß mit ſo fihtbarem Wohlgefallen,, daß
man daraus unbedenklich. auf feine frühe Vorliebe
für die Naturwiſſenſchaften fehließen darf.. Auch geht
aus manchen Stellen feines Werkes **) hervor, daß
die feltenen Thiere, Die er während feiner Jugend
bei den Öffentlichen Spielen, welche- die. Kaifer und
reichen Bürger dem. Molke gaben, ſah, fo. wie ans
dere merkwürdige Naturprodäfte,, die aus der ganzen,
damals bekannten Welt nad) Rom. geirhleppt und von
den üppigen Reichen zur Schau geftellt wurden, fein
Rachdenken reizten, und »ielleicht ſchon damals die
Idee, eine Naturgefchichte zu verfuchen, hervorriefen.
Der Umfang, feiner Kenntniffe läßt jedenfalls auf
ſehr frühen und fehr anhaltenden Fleiß Schließen.
Die Liebe. zu den. Wiffenfchaften hielt aber
Dlinius keineswegs ab, feine Bürgerpflichten zu er
- füllen, und fich eine bedeutende Stellung im Gtaate
zu gewinnen. Nach einer freilich durch Eeinen bes
ſtimmten Beweis unterftüsten Vermuthung foll er .
fih Hauptfächlich dem Seewefen, gewidmet, und feine
erſten Kriegsdienfte auf der Flotte, mit welcher Kaiſer
Claudius nach Britannien ging (43 n. Chr.), geleiftet
— ‘
lbid. L IX. c. 5
* 3. B. . XVII. c. 4. l. XXIX. % 12.
'.
AU, Binleitung
haben; *) und doch fpridyt Ptinius wie als Ar
jeuge von irgend einem Sreigniſſe in Sritan
Bas et fonft bei feiner Gelegenheit verfäumt.
gegen verrathen feine VBenierkungen aber A
ſeine perſonliche Anweſenheit in dieſem Erbtheile,
fchon man über bie Zeit, in welche diefer B
fallt, nichts Zuverlaſſiges Außern kaun. Wach
gewoͤhnlich angenommenen Meinung machte Pi
entweder ale Seemann, oder zu feiner -weitenen
ſenſchaftlichen Ansbitdung diefe Reife nach Afril
feinem zweiundzwanzigſten Jahre (44 nad €
2er Beweis jedoch, weichen man für dieſe A
beibringt, zerfätt in Nichte, ſobald man ihn ı
betrachtet. Plinius erzählt naͤmlich *) bei Belege
der närriliben Behauptung, daß Weiber in WR
verwandelt werben Tonnen, er felbfi babe in
Afrikaniſchen Stadt Thhodrus (EI Dſchemme)
gewiſfen L. Eoſſiecus geſehen, der an feinem. !
| Jeittage · ploͤtzlich aus einem Weibe in einen Dan
‚wandelt worden: fey. Da mım Phlegon Trallianus
ein Ähnliches Ereigniß, welches unter dem Con
EM. Vinicius und T. Statitins Taurus (Ab *
9 Rezzonico, Tom. I, p. 141. 142.
**) H. N. l. VI. c. 6.
***) De mirabil, 4, &
m. — —
Einleitung. 45
zu Antiochia in Kleinaſien vorgefallen ſeyn foll, ans
führt, fo Hat man beide Wunder, obſchon Phlegosn
feinen Mamen nemmt, mit einander in Berbinbung
gebracht, und daraus Die Zeit, in welcher Ptinius
fih in Afrika aufbielt, gefoigert. Man ſieht daraus,
daß bisfe Hypotheſe bei weitem nicht hinreicht, um
Diejenigen , weiche Die Reife des Plinius nach Afrika
fpäter, ‚und zwar in »ie erſten Megieringsjapre
Bespaitans ſetzen, zu ‚widerlegen. Ob dieſe Reife
ührigews her auf den Sandfkri bed heutigen Tunis,
den er genau und in den mannigfaltigften Beziehungen
durchforſchte, *) ſich beſchraͤnkte, ober ob er auch nad
Aegypten und Griedientand Fam (wie man deßwegen,
weil er die Obelisken und bie Werke bes Phidias
ſo genau beſchreibt, #4) annehmen zu müſſen glaubt),
wollen wir nieht weiter unterfuchen, weil eine ſolche
Bemühang dorb zu Feinem beſtimmten Raſultate
führen wäürbe.
"Lange fann dieſe Neiſe des Plinius in beinem
Folle gedauert haben; denn ſchon im folgenden Jahr
(45 nah Ehr.) finden wir ihn bei dem Röoͤmiſchen
Heere in Germanien, wo er unter den Befehlen des
befannten Feldherrn Lucius Pomponius, den er ſelbſt
N; N. Lu XKXVI. PR RESET BE
46 Einleitung.
einen eben ſo ausgezeichneten Bürger als Re
‚nennt, =) ftand!. Er diente bei der Reiterei,
“erwarb fi) durch feine militärifcehe Geſchicklichkei
wie durch feine übrigen Kenntniſſe die Zufrieden
- des Generals in jo hohem Grade, daß er zum
führer eines Gefchwaders ernannt wurde. Viell
hatte‘ er diefe fchnelle Beförderung zum Theil
feinem um bdiefe Zeit verfaßten Werkchen „Ueber
Speerwerfen der Reiterei“ gu verdanken; denn
im. Lager beſchäftigte er fih unermüdlich mit
Wiſſenſchaften. Seine. forfchenden Blicke nach <
Seiten. hin richtend, durchſtreifte er das. feind
Land allenthalben, wo ihm die Anwefenheit Ri
{her Truppen die Befriedigung .feiner Wißbegi
erlaubte. Er kam bis an die Mündung der Donau
und in das Land der Chaufen, **") eines deuti
Volksſtammes, der zwifchen der. Ems und der
wohnte. Die Bermuthung, daß er bei dieler
legenheit die Küfte des Mordmeeres befahren 1
entipricht zu ſehr dem Forfchungsgeifte des Plit
als daß man fie völlig zurückweifen dürfte. -
“ H.N.L XIII. c. 26.
» Ibid. 1. XXXI. c. 19.
id, 1. XV. 4.
—
- Einbettung. 17.
An dire Zeit befuchte Plenins auch das Bei⸗
aifhe Gallien, wo Der Vater des Geſchichtſchrei⸗
bers Tacitus das Amt eines Eaiferlichen Proairätors
defleidete. Ein anderer Sohn dieſes reihen Beamten
sog hefohders die Aufmerkſamkeit des Naturforſchers
auf fi. Diefer Hatte nämlich In feinem fecheten
Jahre die Geſtalt eines ausgewachſenen Mannes,
woraus man auf einen. frühzeitigen Bob ſthließen
Eonnte. Das Rind ftarb auch bald duranf; *) aber
die freundfchaftlichen Berhältniffe zwiſchen Minius
und ben betrüdten Sttern dauerten fort, und. er
neuerten ſich zwiſchen dem Sohne des Prornrators,
welcher in der hiſtoriſchen Kunſt als einer der erſten
— —
Sterne glänzt, und dem Meffen des Minins, welcher
in feinen Briefen von der Innigkett diefer Freand⸗
ſchaft der Nachwelt Zeugntiß gibt.
Die mit fo großer Anſtrengung geſührten Kriege
der Römer an Ben Ufern des Rheins nnd der
tapfere Widerſtand der Germanen gegen die in allen
‚ andern Länderti Tiegreihen Waffen des weltbeherr⸗
Menden Bölkes Mußten Plinius ein würdiger Se:
%Ibid,. 1, VIE c. 49. Bat. Ajeffon de Grandfagnee
‚Ercurs zu diefer Stelle in der Parifer Ausgabe des
Plinius (1827), Tom. II. p. 365—270.:
€. Pihiind 9atargeſch. 18 Bode. 2
48 | ‚ Einleitung.
genftand der Behandlung ſcheinen, und er glaubte
ſich zu dieſem Unternehmen verpflichtet, als ihm die
Geſtalt des Druſus im Traume erſchien, und ihn
aufforderte, fein. Andenken der Schmach der Ver—
geſſenheit zu entreiffen. *) - Er fammelte nun wäh=
rend des unruhigen Yagerlebens in Germanien, mitten
unter den alten Kriegern, welche fo vielen gefahrvollen
und erfolglofen. Feldzügen beigewohnt hatten, die
nöthigen, Materialien, um fie fpäter nah Muße zu
bearbeiten.
Dieſe Zeit war nicht mehr ferne; denn ale
Pomponiusnac, dem Siege über die Katten Germanien
verließ, um zu Nom die Belohnung feiner Thater
zu erhalten (52 nach Chr.), begleitete ihn Plinius
‚und verließ nach fiebenjährigen Dienften die milit&
riihe Laufbahn. Daß er ſich fogleich nach Rom be
gab, läßt fih aus feiner Aeußerung, **) daß e
dem von Claudius gegebenen Schaufpiel eines Sex
treffens, welches zu Ende des Jahres 52 nah CH:
ftattfand, beiwohnte, mit Zuverläjfigkeit fchließeı
Nach dem Beilpiele anderer großen Staatsmänne
Melche zuerft Die Waffen getragen und dann ihre:
Daterlande ale Sachwalter gedient hatten, widnne
2) Plin, Epist. III, 5. —
*) H. N. 1. XXXIII. c, 49. Val. Taciti Annal. zur, 56.
ai .'ıN:
x
Einleitung. 19
er fih nun der gerichtlichen Beredfamfeit; doch fcheint
ihn dieſe Befchäftigung nicht lange. Zeit angefprocden
zu haben, *) theils weit feine Bemühungen nicht
von dem erwünfchten Erfolge gekrönt wurden (er war.
wohl ein gemandter Grammatiker und Rebdekünft er,
beſaß aber ſchwerlich das cigentliche NRednertalent),
theils auch, weil er felbft feinen Zwech, die Sophi⸗
ftenfünfte von der Rednerbühne, wo fie fich unter
den fchlechten Fürften feftgefegt hatten und ihre
Rechnung fanden, zu vertreiben, als unerreichbar
erkannte. Er gab fih nun ganz wieder den For:
ſchungen im Gebiete der (Heichichte und ter Natur:
wiſſenſchaften Hin, und vollendete suerft die Biographie -
feines Feldherrn und Freundes Pomponius. Godann
ließ er fein Werk über die Germanifchen Kriege er:
icheinen, und erwarb fich dadurd eine. bedeutende
Stelle unter den gefchäßteften Hiſtorikern.
> Man darf der Vermuthung, daß ſich Plinius
waͤhrend dieſer Zeit, in welche feine meiſten ſchrift⸗
ſtelieriſchen Arbeiten fallen, abwechſelnd zu Rom und
| zu Como aufhielt, um fo cher Raum geben, weil
die leßtere Studt der Wohnort feiner Schweſter, die
ihm bereits einen Meinen Neffen geboren hatte (61
nach Chr.), war. Dort faßte er auch wahrſcheinlich
*) Plin. Epist, 111, 5. | '
28.
20 — EHinleitung.
Ve Idee zu feiner Schrift über die wiſſenſchaftl
Ausbildung junger. Lente, welche feinem Treffen
Leitfaden dienen: follte.
Die erften Regierungsjahre Merd's, welcher
Schuͤker des Kriegers und Gtaatsmannes Afrau
Burrhus und des Philoſophen Marcus Annaͤus
era zu den ſchönſten Hoffnungen berechtigte, ſchie
beffere Zeiten für literarifche Unternehmungen ber
Führen zu. wollen, und Minis ließ fich dadurch |
Kelten, eine Geſchicht⸗ ſeiner Zeit auszuarbeiten.
AH aber ſpäter der wahre Charakter des grauſan
Herrſchers zum allgemeinen Schrecken nur zu
. entwickelte, und auch die mäßigiten Ermartun:
taͤuſchte, erfannte der Sefchichtichreiber die Gefa
mit feinem Werke hervorzutreten, und fing an,
mit etymologifhen Forſchungen zu, befaffen. So «
ftand feine Schrift über unbeftimmte Worte, wei
freilich von dem Throne herab keine Ahndung zu
fürchten brauchte, aber einen furchtbaren Lärm m
den an bergebrachten Anſichten feftflebenden Sn
matikern erregte. *)
Die Vermuthung, Plinius könne unter der
gidrung Nero's zum zweitenmal, und zwar mit Til
deffen freundliches Benehmen im gemeinſchafttit
—V
Einleitung, 24
Lager er rühmt, *) in Sermanten geweſen ſeyn, **)
> ermangelt fo ſehr jedes auch nur einigermaßen wahre
ſcheinlichen Stüspunftes, daß man fie entfchieden zu⸗
rückweiſen muß. . Literarifche Arbeiten kheinen ihn
bis zu dem Augenblicke in Anſpruch genommen zu
haben, wo ihn Nero zum Procurator in Spanien
3 ernannte (67 nad Er.)
Wie es Fam, daß der Kaifer fein Augenmerk
auf Plinins warf, möchte ſchwer zu etrathen ſeyn.
Vieleicht hrelt er den gelehrten und fi) in grammas
tiihen Spitfindigfeiten gefallenden Mann für gänzlich
‚ unichädlich, vielleicht hatte ſich auch Minius durch
2 feinen fehr bedeutenden Reichthum dieſe einträgliche
Stelle zu verihaßen gewußt. Da zu. foldden Ber
waltungsämteen gewöhnlid Leute aus dem Ritter⸗
itande genommen wurden, fo darf man annehmen,
dag Plinius bereits zur Belohnung der gelaifteten
,„ Mititärdienfte in diefe Klafle der Roͤmiſchen Bürger
hinaufgezogen worden war. Auf disje Weife laäßt
fih aud Die gauz beſondere Vorliebe, weiche er an
vielen Stellen feines‘ Werkes für dieſen Stand zeigt,
am natürtichften erfläxen. Die Geſchaͤfte eines Pro⸗
curators beſtanden in der Eintreibung und Verwaltung
0) lbid. 6. 3.
22) Rezzonico, Tom, I. p. 160. 468.
-
22 Einteitung.,
der kaiſer ichen Gefälle, und mußten nothwendig viel
Zeit in-Anfpruch nehmen. Der wißbegierige Plinius
benüste aber mahrfcheinlich doch jeden freien Augenblick,
um fsine Kenntniffe zu erweitern, und manche Aus:
flüge mögen zur Beficht'gung einzelner Merkwürbig-
keiten unternommen worden feyn. SKeinem Zweifel
unterliegt 28, daß er das Rarbonenfiiche Gatlien
befuchte; denn er bezeichnet feıbft feinen Aufenthalt
in der Stadt der Bocontier ( Raijon) deutlid) genug. 9)
Doh kann er auch fpäter als Admiral der Miſeni-
Shen Flotte. welchem die einzelnen Schiffeabtheilungen
an ten Küſten von Stalien, Sizilien, Sardinien,
Afrika, Spanien und Gallien, mith'n auch das zu
Forum Julii (Frejus) ftarionirfe Gefchwader, unter-
geordnet waren, **) «in dieſe Gegend gefommen feyn,
und man darf alio keineswegs aus dem Aufenthalte
des Plinius in dem Narbenenfiihen Gallien, deſſen
Zeitpunfe fich nicht : ‚genau beitimmen läßt, die vor=
eilige Folgerung zieben, daß er Procurator in dem
Dieffeitigen Epanien (Hispania citerior) müſſe ge—
wejen ſeyn. ****)
Waͤhrend feiner. Abweſenheit ftarb zu Como fein
\ A N. IT c 59. Bat. Regyonico, Tom. I, p- 164. 165.
**) Vegetius de re milın |, 5.
***, Rehzonico, Tom. ]. p. 160. 161.
uw
u
.
Einlestung. 23
Schwager C. Eäcilins, und hinterließ einen minder:
jährigen Sohn: Plinius forgte fogleich väterlich für
denfeiben, und beitellte Verginius Rılfus, einen der
angefehenften Staatömänner, zu feinem Vormund. *)
Bald darauf verließ er Spanien, und ging wahr
fcheintich über Eomo, wo er feinen Neffen an Kindes:
itatt annahır, nah Rom zurück. Dabin folgten ihm
auch feine Schwefter und fein Adoptisfohn, dem er -
die ſorgfaͤltigſte Erziehung geben ließ.
In Rom hatte ſich im Verlauf weniger Jahre
Manches geändert. Nero hatte ein ſchändliches Ende
genommen; alba, Dtho und Bitelllus waren nur _
ichnell vorübergehende Erjcheinungen gewefen, und
Beipafian hatte bereits den Thron beftiegen. Streng
und fparfam von Jugend anf fuchte diefer Kaifer
eine Reform der fehr im Argen liegenden Sitten
feiner Unterthanen zu bewirfen, den Gejegen Achtung
zu verfchaffen, "und die Wiſſenſchaften und Künfte
durch angemeflene Belohnungen zu fördern. Boten
fih alfo schon überhaupt jedem verdienftoollen Manne
beffere Ausfichten , fo hatte beſonders Plinius nicht
Geringes von "der Gnade eines Kaiſers zu hoffen, .
mit dem er jchon in früherer Zeit im Lager Freund:
haft geichloffen, mit dem er in Germanien Die Mügen
°) Plin, Epist, II, ı.
>
24 Einleitung,
und Gefahren nmiehrexer Feldzüge getheilt hatte. Dies .
fer würdigte ihn. denn auch feiner befonderen Freund⸗
(haft, uyd überhäufte ihr. mit Gynftbezeugungen.
Der. Kaiſer arheitete gewoͤhnlich ſchon vor Tagesan⸗
bruch, und Plinius durfte ihn um dieſe Zeit befu=
cheu, *) was wenigen Auserwäplten geſtattet war.
Man hat nicht gezögert, aus dieſem engen, Verhaͤltuiß
den Schluß zu ziehen, Bespafign müſſe feinen Günft- |
‚ling fogleih zum Senator gemacht haben, **) und
bald war diefe Bermuthung von vielen Literarhiſto⸗ |
rifern zur Gewißheit erhoben, Man darf aber nur
bedenken, daß Vespaſian, obſchon er im Anfange
"feiner Regierung tie alte Würde des Senats wieder⸗
herfielken zu wollen ſchien, fpäter dieſe Korporation,
durch ihre allzugroßen Anfprüche ärgerlich gemacht,
nicht mehr wohl leiden modte, und alſo gewiß nicht
ernie feine Günitlinge zu Mitgliedern derjelben be-
Örderte; taß ferner Plinius in feinem ganzen Werke
ten Senat faft gar nit der Erwähnung werth hält,
während er im Lobe ber Nitterfchaft allenthalben
überfließt, fo, wird man diefe Hypotheſe höchſtens ale
eine foldhe betrachten können. Eine andere Dermu-
thung, daß Plipius auch den: Feldiug in Indäa
*) Plin. Epist. III, 6. |
**) Rezaonico, Tom, I. p. 167.
R
un 2
wi
Einleitung — 2 2a
mitgerageht und der Groberung Jearufalems beige
gewohnt habe, follte ınan wohl gar nicht anführen,
da fie geradezu Dem bisher angeführten Thatſachen
widerfpricht. Als Pinius aus Spanien zurüekkam,
war der jüdische Krieg längſt heendigt, und wäre er
in Palaäͤſtina geweſen, fo hätte er als Augenzeuge i in
ſeiner Naturgeſchichte Genaueres und Zuverlaͤſſigeres
über dieſes merkwürdige Land barichtet, als wir darin
finden. Wohl ſehen wir aus der Vorrede zur Naturge⸗
ſchichte, daß Plinius in ſehr freundſchaftlichen Verhaͤlt⸗
niſſen mit Titus, dem Eroberer Jernſalems, ſtand,
und dieſe Thatſache mag zu dem Maͤhrchen von ſeinen
Kriegsdienſten in Judäa Veraulaſſung gegeben haben.
Es läßt ſich übrigens keineswegs bezweifeln, daß
Vespaſian feinen Günſtling von Stelle zu Gtelle .
hob, bis er ihn endlich zum Admiral der Miſeniſchen
Flotte machte, *) und ihm dadurch nicht nur zur Erwer⸗
- bung bedeuteuder Schaͤtze, ſondern auch zur leichteren
Vermehrung feiner Kenntniffe Gelegenheit gab: Plinius
arbeitete nun raſtlos an feiner Naturgeichichte,, Die.
‚er auch, da die. Materialien in einer langen Reibe
von Fahren bereits gefammelt waren, bald vollendete,
Seine naturwiffenichafttihen Studien feste er jedoch
immer uoch fort, bis ar durch feine Wißbegierde, hin
*) Plin. Epist, 1, 5. . s. "
nd .. —
b
26 Finleituns.
ihn keine Gefahr ſcheuen ließ, bei ‚tem ſchrecklichen
Ausbruch des Veſuv (79 nach Chr.), welcher Pompeji
und Herkulanum verſchüttete, den Tod fand.
Plinius hielt ſich gerade zu Mifenum, wo er die
Flotte in eigener Perſon befehligte, auf, als dieſer
Ausbruch erfolgte. Seine Schweſter benachrichtigte
ihn am 23 Auguſt um.4 Uhr Nachmittags, daß eine
Wolfe von ungewöhnlicher Größe und Geſtalt aufn
fteige. Er hatte fich bereits nad feiner Gewohnheit
gefonnt, kalt gebadet, und war nad) dem Eifen, auf
ein, Ruhebett hingeſtreckt, mit feinen Studien bes
fchäftigt; er forderte aber auf jene Meldung feine
Schuhe und beitieg eine Anhöhe, von mo aus man
die wunderbare Erfcheinung am beften beorachten
konnte. Eine mächtige Wolfe wirbelte aus dem Ve⸗
fup empor; fie flieg zuerit, Durch den unterirdifchen
Druc getrieben, gleich einem langen. Stamme in
die Höhe, und goß fich dann durch ihre eigene Schwer⸗
kraft in die Breite, fo daß fle ungefähr die Geftait
eines Sonnenfchirms bekam. Hie und da war fie
weiß, an andern Gtellen dunkelgrau und gefleckt, je
nachdem fie mit Aſche oder Steinen gefchwängert war.
Die ungewöhntiche Erfcheinung erregte die Aufmerk⸗
famkeit des wißbegierigen Naturforfchers in fo hohem
Grade „daß er ſie in der Nähe zu beobachten beſchloß.
—
—
Einleitung. 27.
Schon Hatte erden Befehl gegeben, ein leichtes Schiff
ſegelfertig zu halten, als von den zu Reſina in der
Bai von Neapel liegenden Seeleuten ein Schreiben
ankam, er möge fie aus großer Noth erretten. Pli⸗
nius änderte fogleich feinen Plan, und lief mir der
Flotte aus, um der ganzen bedrohten Küſte zur Dülfe
zu eilen. Gefahr fonnte ihn nie irre machen, und fo
dictirte er auch hier alle Begebenheiten und Geftal-
tungen der Unglücksſcene. Je näher fie dem Schau:
plate des furchtbaren Naturereigniffes kamen, defto
dichter fielen glühende Aſche und Bimsſteine auf die
Schiffe, welche bald der plößlichen Untiefe wegen
nicht weiter vordringen, und auch an der Küfte, welche
der Auswurf des Berges unzugänglich gemacht hatte,
nicht landen konnten. Man war einige Minuten un:
ſchlüſſig, und der Steuermann rieth zur Rückfahrt,
als Plinius ihm zurief: „fahre mic zu Pomponianus;
das Glück begünftigt den Muth!“ Pomponianus
wohnte auf der andern Geite-der Bai, zu Gtabiä
(Sartello a Mare), und hatte bereits, ale er die
Gefahr immer näher Eommen fah, feine Habe auf
Schiffe bringen lafien, um, fobald der Wind die Ab-
fahre erlauben würde, zu entfliehen. Plinius ermun⸗
terte,den Zagenden, und ließ fich, um feinem Freunde.
alle Furcht zu benehmen, in's Bad bringen, und fpeiste .
28 Einleitung.
nach dem Bade mit der größten Heiterkeit. Unter⸗
deſſen fliegen au mehreren Stellen des Veſuv Flame
men empor, deren Glanz durch die Dichte Finfternig
noch mehr erhöht wurde. Plinius mochte wohl. ſekbſt
die Größe der herannahenden Gefahr nicht ahnen;
denn er. fuchte feine Umgebung immer nad durch die
Behauptung zu ermuthigen, die Flamman ſeyen nichts
anderes als brennende Häufer, weiche Die erichveekten
Landleute verlaffen hätten, Gr begab ſich fagar zur
Rue, und fchlisf furchtlos und feſt ein; denn die
Diener vor der Thüre hörten ihn deutlich Athem
holen, was ihm ſeiner bedeutenden Beleibtheit wagen
ſchwer fiel. Bald aber haͤuften ſich in dem Vorhof,
ans welchem man in das’ Schlafzimmer trat, die
Aſche und die ausgebrannten Steine fo fehr, daß man
ihn aus der gegründeten, Beforguiß, er müde bei
längerem Zögern nicht mehr herauskommen Rönnen,.
weckte. Alle Anderen hatten gewacht, und man es
rathſchlagte nun gemeinſchaftlich, ob man fih im'e:
Freie begeben, oder im Haufe bleiben. folle. Beides
mar gefährlich: die Hänfer wanften durch die anbal⸗
tenden: ftarken Erdftäße, und mau mußte jeden Au⸗
gonblick fürchten, unter ihren Trümmern hegrabem
a4 werden; im Freien Dagegen fielen die Bimsſteine
und die gkühende Aſche immer dichter. Man wählte.
Einleitung. 9
jeboch bald einftimmig das Letztere, band Polſter auf
die Köpfe, und fuchte Das Meer, auf welchem man
allein Rettung Hoffen Tonnte, zu erreichen. Ander⸗
wärts war bereits der Tag angebrochen; aber bie
Senne Yied gänzlich unführder, and man mußte mit
Fackeln ben Weg ſuchen. Dad Meer fand man fo
wild und ungeſtüm, daß man, fi nicht ihm anzu⸗
vertrauen wagte, ‘ Plüriüs legte ſich auf ein ausge⸗
Dreitttes Tuch, und ſuchte feinen Durjt mit kaltem
Waſſer zu ftillen. Die Flammen famen immer näher,
und der ihnen vorausgehende Schwefelgeruch ſcheuchte
Aue indie Flucht, auch Plinius verſuchte aufzuite-
den, fank aber ſogleich todt nieder, wahrſcheinlich
durch den Dampf erſtiekt: denn feine Luftröhre mar
vn Natur ſchwach und 'enge, und litt häufig an
Krämbfen. Drei Tage fpäter, als man fih der Ge:
gend wieder nähern konnte, fand man ihn völlig un:
verletzt und in dem Zuſtande, wie er niedergeſunken
wor, eher einem Schlafenden, als einem Torten
apntich )
°, ey Plio, Epist. VI, 46. In der dem Suetonius zugeſchrie⸗
benen Bi ographie Des Piinius wird die Nachricht mit:
getheift, er habe ſich, als er feinen Tod dur die
glühende Aſche dorausſah, von einem feiner @claven
entleiben laſſen. Da aber fein Nıfe wicht der Art
30 | Einleitung.
So art Plinius in dem 56 Jahre feines 2
ters: er gilt mit vollem Recht als der gelehrtei
Mann Roms im erften Jahrhundert der Kaiferzeit.
„Du wunderft dich,“ ſagt fein Reffe, **) „de
diefer mit Geſchäften überhäufte Mann fo viele B
‚cher und unter diefen manche von Außerft ſchwierige
Inhalt fchrieb; du wirft dich noch mehr wunder:
wenn Du erfährft, daß er einige Zeit Nechtehänd
führte, daß er die wichtigften Staatsämter befleidet
und daß ihm ein nicht geringer Theil feiner Ze
durch feinen vertrauten Umgang mit dem ihm gewı
genen Hofe entzogen wurde, Uber er befaß eine
durchdringenden» Geift, unglaublichen Fleiß und dı
beharrlichite Negfamkeit. Schon im Auguft arbeiter
er bei Licht, im Winter von ein oder zwei Uhr de
Nachts, oft aber auch ſchon von Mitternacht ar
Schlafen Eonnte er, wann er wohte und wann es ihı
gelegen war,. und nicht felten überfiel und verließ ih
der Schlummer während der Arbeit. Bor Tagesanbruc
begab er fi) zum Kaifer Vespaſian (denn auch Diefe
——
ſagt, oder auch nur ahnen laßt, fo ſcheiut es fpätere
Gerede zu ſeyn.
9 Die Bilduiffe des Plinius bei Rezzonico (Tom. ]
p. 126 und 190) find offenbar unächt.
®*, Plio. Epist, 11], 5. |
\
Einleitung.’ 34
arbeitete des Nachts) und von 9— an feine Berufes
geichäfte. Sobald er aber diefe abgethan hatte, Fam
er nah Haus, und widmete alle übrige Zeit den
Studien. Nach einem mäßigen und einfachen Maple
legte er fih im Sommer, wenn er Zeit hatte, in die
Sonne, lad ein Bud und machte Anmerkungen und
Auszüge; denn er las Nichts, ohne Diefes zu thun,
und pflegte immer zu fagen, Bein Buch fen fo Schlecht,
dag man nicht wenigftens Etwas daraus lernen könne.
Nachdem er fich gefonnt hatte, nahm er gewöhntich
ein faltes Bad, aß dann ein wenig, fchlief eine kurze
Zeit und fludierte dann wieder bis zum Nachteffen.
Während deffeiben wurde ein Buch vorgelefen, und
flüchtige Bemerkungen dazu gemacht. Ich erinnere
mich, daß mein Oheim, ale einer her Freunde
den Borlefer, welchen Etwas falfch „ausgefprochen
hatte, unterbrach, und ihm das Geleſene noch einmal
zu wiederholen befahl, zu ihm fagte: „„du batteft es
doch wohl verſtanden?““ und als Jener es bejahte,.
erwiederte : „„nun — warum hielfeft du ihn denn im
Leſen auf?-Du haft uns Dadurch um mehr, als zehen
Zeilen gebracht.““ So übertrieben fparfam war er
mit feiner Zeit. Im Sommer ftand er noch bei Tag
von dem Abendeflen auf, im Winter fogleich nad
Anbruch der Nacht, und darauf hielt er fo fireng,
k "Einleitung.
als wenn ihn ein uihbertretbares Geſetz dazu
zwangen hätte. So febte er mitten im Geräuf
der Stadt und unter feinen Amtsgeſchäften; befe
er fi aber auf dem Land, fo war nur die Bade;
frei vom Gtadiren, und zwar nur fo fang, als
wirklich im Babe ſaß; denn während er abgetiel
‚und abgemifcht wurde, mußte ihm vorgelefen werd
dber er diktirte Etwas. Sogar anf Reifen war
einzig und allein mit den Studien beſchaͤftigt, und
feiner Seite ſaß ſtets ein Schreiber mit dem Bu:
und der Schreibtafel. Diefer hatte des Winte
Handſchuhe an, damit die Studien zu keiner Jahre
zeit auch nur einen Augenblick unterbrochen würde:
ans derſelben Urfache bediente er fih auch in Re
einer —— Gärfte."
Wie wenig Minius von Pebantisinus frei we
fiebt man ſchon and diefer Schilderung. Hätte
nicht ftets nur Bücher befragt, fondern ſich auf fein
Reifen mehr mit der Natur und dem Leben felt
veihäftigt, fo wäre feine Natureſchichte mit we
weniger Albernheiten, die auch eine nur ganz oberfläc
liche Beobachtung als ſolche erkennen muß, angefüll
und würde für uns eine weit reichere Fundgrube di
alten Gelehtſamkeit ſeyn, als fie wirklich ft.
% % | & ”
En
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1
Einleitung. 35
Ehe wir jedoch zur näheren Charakteriſtik der
Raturgefhicdte übergehen, wollen wir die Werke
des Plinius, welche nicht mehr vorhanden find, nam:
haft machen, und die fpärlihen Nachrichten über
ihren Inhalt zufammenftellen. : |
4, Ueber das Speerwerfen der Reiterei
(De jaculatione equestri), e in Buch. Plinius ſchrieb
dieſes Werkchen (um 47 oder 48 nach Chr.) als Be⸗
fehlshaber eines Reitergeſchwaders in Germanien, *)
machte es aber wahrfcheinlich erft nach feiner Zurüd:
kunft nah Rom bekannt. Rezzonico **) glaubte
diefe Erftlmgsarbeit des Plinius wiedergefunden zu
haben, als er in einer Handfcheift in einer Bibliothek
zu Rom den Xitel: „‚Incipit liber de jaculatione
equestri Plinii Secundi‘‘ las; es fand fid) aber
weiter nichts vor, als eben der Titel.
2. Das geben. des Pomponius Secundus
(De vita Pomponii Secundi), zwei Bücher. ***)
Pomponius, unter welhem Piinius in Germanien
diente, itarb bald, nachdem ihm die Ehre des Triumphs
zu Theil geworden war (6i nad) Ehr. ) , und- es it
) H. N. l. vm. o. 65. Plin. Epist, m,s 5.
*®) Disquis. Plinian, Tom; I. P. 150. |
ı "*) Plia, Epist, Il, 5.
€. Plinins Matungefc, 18 Bochn. 3—
34 - Einke it un &
wahrſcheinlich, daß Plinius die Biographie des vr
hochgeachteten Feldherrn nicht lange nach deſſe
herausgab.
5 Die Germaniſchen Kriege, in zu
Büchern (Belloram Germaniae libri viginti), |
er, durch einen Traum, in dem ihm Drufus er|
‚angefeuert, während feines Aufenthalts in Germ
begaun, und nad feiner Zurückkunft nad: Ron
öffentlichte (um bi nad Chr.). Der Berluft |
ausgebehnten Werkes, das bie Geichichte aller K
weiche die Römer mit den Deutſchen führten,
faßte, *) if fehr zu bedauern, Wir würden Dr
den damaligen Zuſtaud unferes Baterländes g
genau Eennen lernen. Man trug fi deßhalb fi
‚gerne mit: einem unverbirgten. Gerücht, es be
ſich eine Handſchrift diefer Bücher über die Ge
niſchen Kriege im Augsburg oder zu Dortmun
Weſtphalen; **) neuere Nachforſchungen aber h
die Sage zu einer. offenbaren Züge geftempelt.
- Wert mar übrigens fchon. im vierten Sahrbur
nicht haufig mehr anzutreffen, wie ung Sommadas,
ein Schriftfteller diefer Zeit, berichtet.
*) Plin, Epist, Ill, 5. Tacit. Anaal, I, 69.
®*) Monumenta Paderbornensia (Francof, et Lips, 1713
p. 72. Vgl. Rezzonico, Tom, 1. p. 453.
®se) Epist. IV, 48,
Ä
- Einleitung. "Ss
4, Der Gelehrte, In drei Blichern (Stadiosi
Ubriſtees), im welchem Werke Jeder, ver ſich der
Redekunſt widmete, den nötigen Unterricht von der
Wiege an bis zu feiner Vollendung fand. Es ging
{9 fehr ins Kleinliche, daß es fogar die Art und
Weiſe vorſchrieb, mie ein Rednet den Schweiß im
Geſicht abzuw iſchen habe, damit feine Haare nicht in
Unsrdnung kämen. *) Plinius ſchrieb es wahrſchein⸗
lich zur Belehrung ſeines Neffen, und er mag die
Ausarbeitung" bald nach deſſen Gebutt (61 nach Chr.)
begonnen Haben.
5. Ueber unbeftimmte Worte (Dubii ser-
monis libri VIIL), ein Werk grammaliſchen Inhalts,
welches fpätere Grammatiker, wie Priscian, Diome⸗
des und. Chariſius, fleißig benützten. Plinius ſchrieb
es in den letzten Regierungsjahren Mero's, in welchen
die unertraͤglichſte Tyrannei jeden Aufſchwung bes
Geiſtes und jedes etwas freiere und ſelbſtſtaͤndigere
Studium gefaͤhrlich machte. **) Die gleichzeitigen
Philologen fanden Vieles an dieſer Arbeit zu tadeln;
Plinius vergalt ihnen aber ihre Angriffe durch eine
derbe Züchtigung in der Vorrede feiner Naturge⸗
®) Quintilian, instit, orat, x, 3, 183.
* Plin. Epist, IL, 8.
ge _
s6 . Einleitung.
ſchichte. ) Vielleicht findet ſich diefes Wert nt
einmal wieder; denn Johannes Tortellius von Arez;
ein Schriftfteller des:fünfzehnten Jahrhunderts, vi
ſichert in der Dedication feiner oft gedruckten Gra
matik #9) an den Papft Nikolaus V., daß er vi
Bücher. des Plinius über Grammatik benüßt hal
Vielleicht irrte fih aber der gute Mann, 'oder wol
er durch eine Lüge feinem Machwerke ein größer
Anfehen geben.
6. Eine Geſchichte ſeiner Zeit, in iD:
chern, welche da anfing, wo Aufidius Baſſus, e
geſchaͤtzter Roͤmiſcher Hiftoriker, deffen Werk über t
Bürgerkriege nicht mehr vorhanden ift, aufhörte. »*
Wahrſcheinlich begann Plinius mit der Regierung
zeit Nero’s.+) Das Werk kam erft nad fein
Tode heraus, weil man ihm, wie er felbft jagt, +
die Herausgahe bei feinen Lebzeiten als Schmeiche
gegen das Faiferliche Haus und als einen Verfuch,
hohen Ehrenftellen zu gelangen, hätte deuten könne
*) In I. $: 22—22.
**, Commentarii grammatici de orthographia, erſte Au:
Rom. 41471. Fol, Bgl. Rezjonico, Tom. I. p. 457. 1!
°**) Piin. Epist, II, 5. Plin. H. N, I. §. 43.
H H. N. I II. c. 86. 9. 2. c. 106. $. 12.
D LI. 16. 16.
Einleitung. 37
7. Eine Naturgeſchichte, in 37 Büchern,
von welder fogleich weiter die Rede feyn wird.
8. Auszüge aus verfhiedenen Schriften Ä
(Electorum commentarii), in 160 Bänden, für welche
ihm, als er in Spanien Procurator war, Licinius Largus
vierhunderttauſend Seſtertien (ungefähr 32,965 fl.)
bot. *) Dieſe Excerptenſammlung war ohne Zweifel
eine ungeordnete Maffe, die ſchwerlich zur Veröffent⸗
lichung taugte, und wohl auch nie veröffentlicht
wurde.
Daß Plinius auch eine Roͤmiſche Geſchichte von
Anfang der Stadt bis auf ſeine Zeit und eine allge⸗
meine Geographie geſchrieben habe, ſind Annahmen
einer früheren unkritiſchen Zeit, die auf falſch ver⸗
ſtandenen Stellen alter Autoren und auf Verwechſe⸗
lungen mit den angeführten Werken beruhen.
“ ar
2*
„Die Naturgeſchichte (Historia naturalis) iſt
das einzige Werk des älteren Plinius, welches der
Zerflörung der Zeit entgangen iſt, aber ein Wert
von unerfhöpflich reihem Inhalt, eine Encyclopaͤdie
des gelammten Willens des Alterthums, die uns für
-
®) Plin.’Epist, III, 5.
FB Ä Ginteitung. |
den Verluſt vieler. alten Schriftſteler in der Haupt:
fache wenigſtens entſchaͤdigt. Es umfaßt nicht nur
das Meifte; Was wie jetzt unter Naturgeſchichte
verſtehen, Zoologie, Botanik und Mineralogie, ſon⸗
dern: auch viele andere Zweiga des menfchlihen Wil:
ſens, Medizin; Phyſik, Afteonomie, Geographie und
Kunſtgeſchichte. Uber eben diefe große Ausdehnung.
bes Werks ift auch fein größter Fehler. Denn Pli⸗
nius haste füch fehwerlich einen beitimmten Plan, ein
wiſſenſchaftliches Syſtem bei der Anlage deſſelben ge⸗
dacht; auch war er weder Aſtronom, noch Geograph,
noch Naturforſcher, noch Arzt, noch Kuͤnſtler, ſondern
ein Staatsmann, der in ſeinen freien Stunden keine
ehrenvollere Beſchaͤftigung kannte, als die mit den
Wiſſenſchaften. Er las die vorzuͤglichſten Schrift:
fteller der Griechen und Römer, fchrieb, was ihm
merkwürdig fchien, nieder, und vereinigte fpäter die
Ercerpte in ein umfaffendes Werk, welches er, weil.
es die geſammte Welt mit allen ihren Erfcheinungen
berührte, am zwechmäßigften eine Naturgefchichte
nennen zu können glaubte. ' |
Die Heransgabe des Werkes fällt in die letzten
Regierungsjahre Vespaſians, wahricheinlih in das
Jahr 78 nah Chr., wie Rezzonico aus der Zuſam⸗
⸗
vw
..-
Einleitung , ' 39:
menftelung ‚miehverer Zeitbeſtimmungen in ber Nas
turgefehicdhte richtig folgert. *)
Das Wert iſt in ſiebenundoreißig Bücher abges
teilt, von weichen das erfte die Zufcheift an Titus:
und das Inhaltsverzeichniß über alle übrigen Bücher,
fo wie das Berzeihniß der benuͤtzten Gchriftſteller
enthaͤlt. Manche, befonders Harbonin und Poinfimet
de Sivry, der franzöftfehe Ueberſetzer des Plinius,
haben an der Aechtheit dieſes erſten Buches gezweifelt.
Da ſich aber in der Zueignung an Titus manche
Stetten: finden, die fein ſpäterer Berfäticher erdenken
konnte; da ferner Gelius, ein Schriftſteller des
zweiten Jahrhunderts nach Chr., dieſe Zuſchrift offen:
bar vor Augen Hatte; 2) da endlich: Plinius felvſt
9 Plinius nahlt zweimal (XIV, 5 XXVIII, 3.) von der
Erbanung ber Stadt: bis zu der Zeit, wo er die anges
führten Stellen rebigirte, 850 3. == 77 nad) Ehr., und
. vos der Bolkszählung durch Wespafian und Titus
(827 U. G. = 74 p. Chr.) an vier Jahre; alfa kann
dieſe letzte Zeit beſtimmung (VII, 50.) fruheſtens im
dJahr 77 niedergeſchrieben ſeyn. Vergl. Rezzonico I,
472-175.
**) Dgl. den Unfang ber Vorrede bes Gellius mit der
De dication des Plinius, $. 18. 49, 26.
d
40 ., Einleitung.
"das zweite Buch als das zweite anführt, *) weich
doch, wenn Borrede und Inhaltsverzeichniß ‚und
wären, Das erfte feyn müßte, fo fann man nid
umhin, jeden Zweifel für unbegründet zu halte
Was übrigens das Inhaltsverzeichniß betrifft, fo zei:
ſchon der Augenfchein, daß es im Laufe der Zeit fa
bis zur Unfenntlichkeit entftellt, und von den A
fhreibern ‚wahrhaft gemißhandelt worden. if. D
Grundlage ift jedoch äͤcht; benn Plinius felbft *
bezieht fid darauf. |
Das zweite Bud) beichäftigt fich mit der Kvı
mologie; ihr folgt in vier Büchern (356) die Sei
graphie der damals bekannten Welt: dann wird d
Zoologie in fünf (7—A11) und, die Botanik in ad
Büchern (11—19) abgehandelt. Die Arzneimitte
lehre nimmt einen großen Raum ein, und zwar meı
‚ ben die Arzneimittel‘ aus der Thierwelt in ad
(20-27), die ans der Pflanzenwelt in fünf Bücher
(28—32) aufgezählt. Die fünf lebten Bücher (3
bis 37) umfaffen, die Mineralogie, mit Einfchluß de
anf dad Mineralreih bezüglichen Arzneimittellehr:
und in Berbindung mit dem fchönen Künften und be
©) XVIL,.2. XVIO, 75. uch der jüngere Pfiniu
(II, 5.) zählt 57 Bücher.
*°) ], $. 16. 25. XVII, 5
Einleitung, 4
Technologie. Manche Bemerkungen ſtehen jedoch an
Stellen, wo man fie nicht fucht: fo fpricht Plinius
übe® viele Erfindungen am Ende bes fiebenten Buchs,
und: befchreibt mandherlei Kunftdenfmäler in den geo⸗
graphiichen Büchern.
Die Naturgeſchichte des Plinius hat manchen
Tadel erfahren müſſen. Namentlich find es zwei
Hauptvorwürfe, die an ihr haften: einmal bie obers
flaͤchliche unkritiſche Benuͤtzung der zu Gebote ftehen-
den Quellen; zweitens die ſchlechte, unfpftematifche
Anordnung des Ganzen.
Die Anflage, daß Plinius häufig. mit Weberei-
lung und zu großer Schnelligkeit beim Ercerpiren
verfahren, und an eine kritiſche Auswahl der Quellen
gar nicht gedacht habe, tft zu jehr begründet, als daß
man verſuchen dürfte, fie zurüchzumeilen. Plinius
war Bein Naturforfcher, um darin liegt die Lrfache
faft aller feiner Mißgriffe. Jeder Schriftfteller,, der
ihm Merkwürdiges bot, war ihm angenehm: "ob er
alt oder neu, ob er glaubwürdig oder voll Lügen
mar, wurde ‚nicht nur ſelten beruͤckſichtigt, ſondern
häufig ſogar das Ungewöhnliche, Wunderbare und .
Abentenerliche mit fichtbarer Vorliebe hervorgehoben,
and Unfinn, der ſchon von früheren - Naturforfchern
genügend widerlegt war, von Meuem aufgetiſcht;
42 Einleitung.
Phautaſiegeſchopfe, wie geflügelte Pferde, ſind in der
Zwlogie eben. fo ernftgaft aufgezaͤhlt und behandelt,
wie die wirklich vorkommenden Tiere, . Oft!verftept
auch Minius die Griechiſchen Kunſtausdrücke nicht,
und gibt eine Ueberfegung , die etwas Anderes fagt,
ald das Original; oft find gerade die charakterifti:
hen ‚Merkmale bei der Beſchreibung der Thiere,
Pflanzen und Steine übergangen, wodurch das Wie:
dererfennen erfchwert, ja häuflg völlig unmöglich ge:
macht if. Nicht ſelten wird verfelbe Gegenfland
unter verfchiedenen Namen zweimal nnd noch öfter
aufgeführt, und an diefer Stelle dieſe Anſicht über
eine Naturerſcheinung mitgetheilt, an jener wieder
eine verſchiedene: wie wäre Dies anders möglich, da
Plinius die philofopgifchen Spfteme, welchen. bie von
ihm benützten Gchriftfteller folgen, nicht beachtet,
fondern nur Notizen auszieht und bunt zufammten:
reiht? Wie Häufig mag er auch durch mündliche
Nachrichten, die fein nengieriges Fragen hervorlockte,
betrogen, wie oft durch den fehlerhaften Vortrag
feines Vorleſers getäuſcht worden ſein!
Doch es würde hier zu weit führen, alle Itr⸗
thumer und verkehrten Anſichten in der Kosmologie,
Naturgefchichte, Geographie und Medirin näher zu
bezeichnen; auch iſt es um. fo weniger nothwendig,
Einleitung. 48
„als Die Nachweiſung und Berichtigung der einzelnen.
Fehler an den betreffenden Stellen (in fo weit es.
w
nämlich möglich if) erfolgen wird.
Der zweite Tadel, die unſyſtematiſche Anbrd⸗
nung Des ganzen Werks, erfcheint als nicht gang
gerecht, wenn man überlegt, wie wenig überhaupt
die alten Aſtronomen, Naturhiſtoriker und Aerzte
nach fireng fnftematifcher Anordnung fragen, und:
wenn man bedenkt, daß die feinausgedachten Syſteme
und Anordnungsmethoden ein Verdienſt der neueren
Zeit find. Wir wollen es defhalb ruhig überfeben,
wenn Plinius Aſtronomie, Aſtrologie und Meteoros
logie zufammenwirft, wenn er Kunftgeichichte und.
Technologie in die Mineralogie einmifcht, wenn er-
die Nrzneimittellehre zwifchen die Botanik und Mi⸗
neralogie einfchiebt, und wollen ihm dankbar feyn
für die Mittheilung unzählbarer Nachrichten . und.
. Bemerkungen, ohne bie wir das Willen der alten:
Welt nicht genügend beurtheilen könnten, und über
jo Manches in ewigem Dunkel bleiben müßten.
Der Styl des Werkes ift an den nicht fehr zahle:
reichen Stellen, we eine fortlaufende Darftellung
moglich ift, gewöhnlich Fräftig und maleriſch ſchönz
‚oft aber" mangelt ihm Die Einfachheit und Beitimmt=
heit des Ausdrucks. uebrigens wird man in dem
„54 Einleitung.
Theile des Werkes, welche ans trockener Nomenclat
beftehen, Feine Eleganz der Darftellung fuchen.
Um nicht einer Auslaffung bezüchtigt zu werde
müflen wir hier weiter bemerken, daß wir den Bo
wurf, Plinius habe den Divscorides, einen befannt
Arzt und Naturforiher, von dem wir einige Wer
befigen, ausgefchrieben, ohne ihn zu nennen, für u
gegründet halten. "Denn abgefehen davon, daß me
noch nicht über das Zeitalter dieſes Griechen ein
iſt, ſo konnten er und Plinius aus derſelben Quel
ſchöpfen. Warum ſollte auch der Letztere, der m
der größten Gewiſſenhaftigkeit jeden benützten Schril
fteller anführt, und fi in der Vorrede dieſes De
fahren zur Ehre anrechuet, gerade den Dioscorid
nicht genannt haben?
Doch es finden ſich für jeden Schriftſteller Ta
ler, die oft abſichtlich das Geringfügigſte herve
heben, und zu einer Reihe von Vorwürfen ausſpi
nen, darüber aber „das Gute und Robenswerthe fi
gänzlich unberüdfichtigt laffen. Man vernehme de
Halb zum Schluſſe diefer Einleitung ein Urtheil üb
Plinius von - einem Richter, deſſen Competenz i
Fache der Naturwiffenfchaften nicht leicht Jemand
Abrede ftellen wird.
„Die Naturgefchichte des Plinius,“ fagt E
Einleitung. | 5
‚ vier, ®)-„ift eines ber koſtbarſten Denkmäler, die uns
w
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}
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aus dem Alterthum übrig geblieben find, und zugleich
der Beweis einer erfiaunenswerthen Gelehrfamteit,
eines Kriegs: und Staatsmannes. Um diefes weit⸗
läufige und berühmte Werk nah Gebühr zu würdi-
gen, muß man daran drei Dinge unterjcheiden: dem
Dan, den Inhalt und den Styl. Der Plan ift un⸗
geheuer. Plinius will nicht nur eine Naturgefchichte
in dem beichränkten Sinne, in. welchem wir jet diefe
Wiſſenſchaft nehmen, d. h. eine mehr oder minder
ausführliche Befchreibung der Thiere, der Pflanzen
und der Mineralien liefern; er umfaßt aud die
Aftronomie, die Phyſik, die Geographie, die Lands
wirthfchaft, den Handel, die Arzneifunde und bie
Künfte: dabei durchwebt er feinen Vortrag mit ‘Bes
merkungen über die moraliiche Erkenntniß des Men
ſchen und über die Sefchichte der Völker, fo daB man
in vielfacher Beziehung diefes Werk die Encyclo⸗
pädie feiner Zeit nennen Fann. Ueberſchaut man
die wunderbare Maſſe von Gegenſtaͤnden, die ſich
darin finden, ſo kann man nicht genug den Fleiß
bes Verfaſſers rühmen, und muß ſich um fo mehr
über. bie Ethaltung dieſes Schatzes freuen, als manche
In der Biographie universelle, Tom: XXXV. (Par.
1823. 8.) p. 69-73.
6 | Einleitung.
wichtige Nachrichten nur in ihm und in keinem We
eines anderen Schriftſtellers zu finden find. U
ungluͤcklicher Weiſe verringert die Art, wie Min
das Material gefammelt und dargesegt hat, fehr \
Werth deſſelben. Denn erftene ift Wahres mit‘ F
ſchem gemifcht, und man findet das Eine fo hän!
wie das Andere; zum Andern ift es in vielen
umnmöglich, ju ahnen, von welchem Naturgegenite
er eigentlich reden wollte. Plinius mar Bein fche
finniger Beobachter, wie Ariftoteles, noch weni
‚ein: Genie, das die Geſetze und Verwandtfchaft
nach welchen die Natur ihre Erzengniffe zufamm
geſtellt bat, zu. erfaſſen mußte. Er iſt überhai
‘mir ein Sammler, und zwar in ben meiften Fäl
ein Sammler, der, weil en keinen richtigen Beg
von den Bingen, über welche er die Zengniffe 9
derer zufammenträgt‘, hat, weder bie Richtigkeit i
‚fer Zeuguiffe würdigen, noch überhanpt ihren Inh
ſich völlig Mar machen konnte. Mit einem Wo
er ift ein Schriftſtoller ohne Kritik, der die Auszü
die er in vielen Jahren gemacht bat, in verſchie
nen Abfchuitten zufampwenftellt und mit Benwerkun:
durchflicht, die fich keineswegs auf den von ihm
bandelten Zweig des Wiffens beziehen, fondern bı
den abgejchmackteften Mberglauben verrathen, bald
>
Einleitung. 7
Oeklamatienen einer graͤmlichen Philoſophie, die ofme
Unterlaß, die Dienfchen, die Ratur und die Götter
ſelbſt anklagt, ausarten. Wan darf alfo die von
ihm angehäuften Thatſachen nicht von feinem Ges
ſichtspunkt aus betrachten, fondern muß fih Die
Schriftſteller, aus melden. er fie gezogen hat, in
Gedanken vorführen, nnd an diefe., fo weit es un⸗
jere größere oder geringere Kenntniß ihrer Verhält⸗
nie und Syſteme erlaubt, den Maßſtab der Kritik
anlegen. Studirt man auf diefe Weile die Natur⸗
gefchidhte des Plinius, fo muß fie ung als eine der
reichften Yundgruben des menſchlichen Willens gelten.
Denn fie ift nad feinem eigenen Zeugniß *) aus ben
Auszügen von mehr denn 2000 Bänden zufammen-
geſetzt: von den Durch ihn benüsten Gchriftitelleen
alter Art, Meifebefchreibern, Hiſtorikern, Geographen,
Philoſophen und Nerzteu, Fennen wir nur etwa vier⸗
zig aus ihren noch vorhandenen Werken; von den
meiften haben wir nur nod Fragmente oder ſolche
Werke, die von denen, aus welchen Plinius geſchöpft
bat, verſchieden find; der Name und das frühere
Daſeyn vieler wären der Bergefiendeit anheimgefallen,
wenn er. fie nicht als Quellen angeführt hätte. Die
»
° H. N. L, I, 5. 15.
J
&0 ., Einleitung.
"das zweite Buch als das zweite anführt, *) welt
doch, wenn Borrede und Inhaltsverzeichniß un
wären, das erfte feyn müßte, fo fann man n
umpin, jeden Zweifel für unbegründet zu hal—
Was Übrigens das Inhaltsverzeichniß betrifft, fo z
fhon der Augenſchein, daß es im Laufe der Zeit
bis zur Unfenntlichkeit entftellt, und von den |
fchreibern ‚wahrhaft gemißhandelt worden. ift.
Grundlage ift jedoch aͤcht; benn Plinius ſelbſt
bezieht ſich darauf.
Das zweite Buch beichäftigt fih mit der K
mologie; ihr folgt in vier Büchern (35—6) die G
graphie der damals befannten Welt: dann wird
Zoologie in fünf (7—11) und. die Botanik in a
Büchern (11—19) abgehandelt. Die Arzneimit:
lehre nimmt einen großen Raum ein, und zwar w
. ben die Arzneimittel‘ aus der Thierwelt in a
(20—27), die aus der Pflanzenwelt in fünf Büch
(28—32) aufgezählt. Die fünf lebten Bücher (
bis 37) umfaffen, die Mineralogie, mit Einfchluß I
anf dad Mineralreih bezüglichen Arzneimittelleh
und in Verbindung mit den fchönen Künften und |
9 XVII, 2. XVII, 75, Auch) der jüngere Plin
UII. 5.) zählt 37 Bücher.
*%) J, $. 16. 2b. XVII, 6.
Einleitung, 4
Technologie. Manche Bemerkungen ftehen jedoch an
Stellen, wo: man fie nicht ſucht: fo ſpricht Plinius
übe viele Erfindungen am Ende des fiebenten Buchs,
und- befchreibt mandherlei Kunſtdenkmaͤler in den geo⸗
graphiſchen Büchern.
Die Naturgeſchichte des Plinius hat manchen
Tadel erfahren müſſen. Namentlich ſind es zwei
Hauptvorwürfe, die an ihr haften: einmal die ober⸗
flaͤchliche unkritiſche Benügung der zu Gebote ſtehen⸗
den Quellen; zweitens bie fchlechte, unſyſtematiſche
Anordnung des Ganzen. —
Die Anklage, daß Plinins häufig ‚mit Weberei-
lung und zu großer Schnelligkeit beim Epcerpiren
verfahren, und an eine kritiſche Auswahl der Quellen
gar nicht gedacht habe, tft zu fehr begründet, als daß
man verfuchen dürfte, fie zurückzuweiſen. Plinius
war kein Naturforſcher, und darin liegt die Urſache
faft aller feiner Mißgriffe. Jeder Schriftſteller, der
ihm Merkwürdiget bot, war ihm angenehm: ‘ob er
alt oder neu, ob er glaubwürdig oder voll Lügen
war, wurde ‚nicht nur felten berüdfichtigt, ſondern
häufig fogar das Ungewöhnliche, Wunderbare und .
Abenteuerlihe mit fihtbarer Vorliebe hervorgehoben, -
and Unſinn, der ſchon von früheren - Naturforſchern
genügend widerlegt mar, von Neuem aufgetiſcht;
) x
42 | . Einleitung.
| Phantafiegefchöpfe, wie geflügelte Pferde, ſind in d
Zoologie eben fo ernſthaft aufgezählt und behande
wie die wirklich vorfommenden Tiere, . Oft!verfte
auch Plinius die Griechiſchen Kunſtausdrücke nid
und gibt eine Weberfegung , die etwas Anderes ſag
ald das Original; oft find gerade die charakteriſti
fhen ‚Merkmale bei der Beſchreibung der Thier
Pflanzen und Steine übergangen, wodurd das Wi
dererfennen erfchwert, ja häufig völlig unmöglih g
macht if. Nicht felten wird derfelbe Gegenſtan
unter verfchiedenen Namen zweimal nnd noch öfte
aufgeführt, und an diefer Stelle dieſe Anſicht übe
eine Naturerſcheinung mitgetheilt, an jener wiede
eine verſchiedene: wie wäre Dies anders möglich, d
Plinius die philoſophiſchen Syſteme, welchen die vo:
ihm benützten Schriftſteller folgen, nicht beachtei
ſondern nur Notizen auszieht und bunt zuſammen
reiht? Wie Häufig mag er auch durch mündlich
Nachrichten, die fein neugieriges Fragen hervorlockte
betrogen, wie oft durch den fehlerhaften Vortrat
ſeines Borlefers getäufcht worden fein!-
Doch es würde Kier zu meit führen, alle Ir
thümer und verkehrten Anfichten in der Kosmologie
Naturgeſchichte, Geographie und Medicin näher zu
bezeichnen; auch iſt es um. fo weniger nothwendig,
u
Einleitung 43.
‚as Die Maqhweiſung und Berichtigung der einzelnen
Fehler an den betreffenden Stellen (in ſo weit es
nämlich möglich iſt) erfolgen wird.
Der zweite Tadel, die unſyſtematiſche Anerbs
unng Des ganzen Werks, erfcheint als nicht gang
gerecht, weun man überlegt, wie wenig überhanpt
> die alten Aftronsmen, Naturhiſtoriker und Aerzte
nah fereng ſyſtematiſcher Anordnung fragen, und
wenn man bedenkt, daß die feinausgedadhten Syſteme
und Anorönungsmethorten ein Berdienit der neueren
Zeit find. Wir wollen es deßhalb ruhig überfehen,
‚ wenn Minius Aſtronomie, Aſtrologie und Meteoros
logie zufammenwirft, wenn er Kunftgeichichte und .
Technologie in die Wineralogie einmifcht; wenn er-
die Arzneimittellehre zwiſchen die Botanik und Mi⸗
neralogie einfchiebt, und wollen ihm dankbar ſeyn
für die Mittheilung unzählbarer Nachrichten . und.
. Bemerkungen, ohne die wir das Willen der alten:
Welt: nicht genügend beurtheilen ‚Eönnten, und über
fo Manches in ewigem Dunkel bleiben müßten. Ä
Der Styl des Werkes ift an den nicht fehr zahle:
reichen Stellen, wo eine fortlaufende Darftellung
möglich ift, gewöhnlich Fräftig und maleriſch ſchönz
oft aber mangelt ihm die Einfachheit und Beſtimmt-⸗
heit des. Ausdrucks. Uebrigens wird man in dem
‚54 Einleitung.
Theile des Werkes, weldhe aus trockener Nomencl
beftehen, keine Eleganz der Darftellung ſuchen.
Um nicht einer Auslaffung bezüchtigt zu weri
müffen wir bier weiter bemerken, daß wir den 2
wurf, Plinius habe den Dioscorides, einen befanr
Arzt und Naturforfcher, von dem wir einige We
befigen, ausgefchrieben, ohne ihn zu nennen, für.
gegründet halten. Denn abgefehen davon, daß m
noch nicht über das Zeitalter dieſes Griechen eii
ift, fo Eonnten er und Plinius aus derfelben Quı
ſchöpfen. Warum follte auch der Lebtere, der r
der. größten Gewiſſenhaftigkeit jeden benützten Schri
ſteller anführt, und ſich in der Vorrede dieſes V
fahren zur Ehre anrechuet, gerade den Dioscorid
nicht genannt haben?
Doch es finden fich für jeden Schriftiteller Ta
ler, die oft abfichtlic das . Geringfügigfte herve
heben, und zu einer Reihe von Vorwürfen ausfpi
nen, darüber aber „das Gute und Lobenswerthe fa
gänzlich unberückſichtigt laſſen. Man vernehme de
halb zum Schluffe diefer Einleitung ein. Urtheil üb
Plinius von einem Richter, deſſen Competenz i
Fache der Naturwiffenfchaften nicht leicht Jemand |
Abrede ftellen wird.
„Die Naturgefchichte des Plinius,“ fagt Ch
Einleitung. 46
| vier, @).,‚ift eines der koſtbarſten Denkmäler, die uns
' aus dem Altertum übrig geblieben ‚find, und zugleich
' der Beweis einer erftaunenswerthen Gelehrſamkeit
eines Kriegs: und Steatsmannes. Um diefes weit⸗
läufige und berühmte Werk nad) Gebühr zu würdi-
gen, muß man daran drei Dinge unterjcheiden: ben
> Dan, den Inhalt und den Styl. Det Plan ift un-
geheuer. Piinius wit nicht nur eine Naturgefchichte
in dem befchränkten Sinne, im welchem wir jebt diefe
Wiffenfchaft nehmen, d. h. eine mehr oder minder
ausführliche Befchreibung der Thiere, der Pflanzen
und der Mineralien liefern; er umfaßt auch die
Aſtronomie, die Phyſik, die Geographie, die Lands
wirthfchaft, den Handel, die Arzneifunde und die
Künfte: dabei durchwebt er feinen Vortrag mit Bes
merkungen über die. moralifche Erfenntniß des Mens
ſchen und über die Geſchichte der Völker, fo daß man
in vielfacher Beziehung diefes Wert die Encyclo-
pädie feiner Zeit nennen kann. Ueberfhaut man
die wunderbare Mafle von Gegenftänden,' die fich
darin finden, fo kann man nicht genug den Fleiß
des Verfaflers rühmen, und muß fih um jo mehr
über. die Ethaltung dieſes Schatzes freuen, als manche
—— —
In der Biographie universelle, Tom. XXXV. (Par.
1823. 8.) p. 69-73.
as Einleitung.
wichtige Nachrichten nur in ihm und in feinem Ü
eines anderen Schriftſtellers zu finden ſind.
uunglucklicher Weife verringert die Art, wie Mi
das Material gefammeli und dargetegt hat, ſehr
Werth deſſelben. Denn erftens ift Wahres mit |
ſchem gemifcht,, und. man Ündet das Eine fo hä:
wie das Andere; zum Andern ift es in vielen
-mmmöglich, zu ahnen, von weiden Naturgegenfl
er eigentlich reden mollte. Ptlinius mar Bein fh
finniger Beobachter, wie Ariftoteles, noch wen
‚ein. Genie, das die Geſetze und Verwandtfchaf
nach welden bie Natur ihre Erzengniffe zufamnm
geſtellt hat, zu erfallen wußte. Er. ift überha
nur ein Sammler, und zwar in ben meiften Faͤ
ein Sammler, der, weil er keinen richtigen Bey
von den Dingen, über welche er die Zeugniffe :
derer zuſammentraͤgt, hat, weder die Richtigkeit |
fer Zeuguiſſe würdigen, noch überhampt ihren Ya
fih völlig Mar machen Eonste. Mit einem Bo
er iſt ein Schriftſteller ohne Kritik, der die Auszü
‚die er in vielen Jahren gemacht bat, in vericie
. nen Abfchuitten zufammrenftellt und mit Bemerkung
durchflicht, Die ſich keineswegs auf den von ihm |
handelten Zweig des Willens beziehen, fondern br
den abgeichmackteften Aberglauben verrathen, bald
" .
Einleitung. &7
Oeklamationen einer graͤmlichen Philoſophie, die ohne
Unterlaß die Dienfegen, die Ratur und die Götter
ſelbſt anklagt, ausarten. Man darf alfo die von
ihm angehäuften Thatſachen nicht von feinem Ges
fihtöpuntt aus betrachten, fondern muß fi die
Schriftfteller, aus welden. er fie gezogen bat, in
Gedanken vorführen, und an diefe, fo meit es un⸗
ſere größere ober geringere Kenntniß ihrer Verhaält⸗
nie und Syſteme erlaubt, den Maßſtab der Kritik
anlegen. Studirt man auf diefe Weile bie Natur⸗
gefchichte des Plinius, fo muß fie uns als eine der
reichften Fundgruben des menſchlichen Willens gelten.
Denn fie ift nad feinem eigenen Zeugniß *) aus ben
Auszügen von mehr denn 2000 Bänden zufammen-
geſetzt: von den duch ihn benützten Schriftitellern
aller Art, Meifebeichreibern, Hiftorikern, Geographen,
DPhiloſophen und Aerzten, kennen wir nur etwa vier⸗
zig aus ihren nod vorhandenen Werken; von den
meiften haben wir nur noch Fragmente oder folche
"Werke, die von denen, aus welchen Plinius geſchöpft
hat, verfehteden find; der Name und das frühere
Daſeyn vieler wären der Bergellendeit anheimgefalien,
wenn er. fie nicht als Quellen angeführt hätte. Die
9) H. N. l. I. 9. 15. I
48 Einleitung. |
Vergleihung dei, Auszüge mit den noch vorhander
. . ODtiginalen, befonders mit Ariftoteles, zeigt zur €
nüge, dag es Plintus nicht Barum zu thun war, rn
das Widtigfte und Zuverläßigfte aus den gelefen
Schriftſtellern zu nehmen, fondern daß er fi ı
wöhnlich an auffallende und wunderbare Dinge hä
die ihm Stoff zu- recht grellen Eontraften_und
Borwürfen, die er bei jeder Gelegenheit der Bı
ſehung madıt, geben. Wahr ift es freilih, daß
nicht Allem, was ‚er beibringt, gleichen Glaub
ſchenkt; aber feine Stimme für oder gegen eine A
. fh hängt gewöhnlich nur vom Zufall ab, und g
rade die abgefhmackeften Mähren erregen a
feltenften irgend einen Zweifel in ihm. So nimn
er alle Fabeln der Griechiſchen Reifebeichreiber üb
Menſchen ohne Kopf, ohne Mund. oder mit eine
Fuße, oder mit langen Ohren, mit der größten 3ı
verfiht auf, und hält tiefe Phantaflegebilde für Spie
‚der erfinderifhen Natur. Man kann daraus .leid
ſchlioßen, welden Unfinn er erft über fremde un
:wenig bekannte Thiere beibringt.. Die fabelhaftefte
Thiere, Thiere mit Menfchenköpfen und Gcorpioı
ſchwaänzen, geflügelte Pferde, Thiere, deren blofı
Anblic den Zod zu bringen vermag, Tpielen ruhi
ihre Rolle an: der Seite des Elephanten und de
e
Einteitung. u 49
Swen, Man darf jedoch deßwegen nicht Alles für
falſch halten, felbit nicht in den Abfchnitten, die-am .
meiften von Irrthümern firogen. Zuweilen läßt ſich
die Wahrheit, aus welcher fih mande Lüge ent:
w
—
w
wictelte, errathen, wenn man fich erinnert, Daß man
Auszüge aus Reifebefchreibern vor ih hat, und an-
nimmt, daß die Unmiffenheit der alten Reiſenden
und ihre Liebe zum Wunderbaren fie zu den nämlichen
‚Uebertreibungen gebracht, und ihnen diefelben unbe⸗
ftimmten und oberflächlichen Befchreibungen in die
Feder gegeben haben, die uns auch in einer großen
Anzahl neuerer Reifen ärgert. — Ein anderer fehr
großer Fehler des Plinius ift, daß er nicht immer
den richtigen Sinn der Schriftfteller, welche er über-
ſetzt, am menigften bei der Bezeichnung der einzelnen
Gattungen, wiedergibt. Trotz der geringen, ung jetzt
noch zu Gebote ftehenden Mittel, um mit Zuverficht
über diefe Art von Fehlern zu nrtheilen, kann man
doch leicht nachweiſen, daß er in mehreren Fällen _
die Sriehifhe Benennung eines XThieres mit einer
Lateinischen vertauſcht hat, die einem völlig verfchie-
denen Thiere zukommt. Es ift jedoch auch nicht zu -
leugnen, daß die Beftimmung der Nomenklatur eine
ber größten Schwierigkeiten war, welche die alten
E. Plinius Naturgeſch. 18 Bhdn. 4
60 ’ Einleitung.
Naturforſcher in Verlegenheit brachten, und di
Tebler aller von ihnen verjuhten Methoden trete
bei feinem Schriftfteller deutlicher hervor, .ald b
Plinius. Die Beichreibungen oder vielmehr die ur
vollftändigen Andeutungen, Die er gibt, veichen fa
nie zur Kenntlibmadhung der Gattungen hin, wen
ung die Ueberlieferung deren Namen nicht erhalte
bat; bei fehr vielen nennt er auf) nur die Ramer
ohne ‚irgend nähere Beltlimmungen. oder irgend ei
Unterfcheidungsmerfmal anzugeben. Könnte ma:
noh an den VBortheilen der von den Neueren eı
fonnenen Metpoden zweifeln, fo würde man fic
fchon durch den einzigen Umftand überzeugen laſſen
daß fat Alles, was die Alten über die Eigenfchafte:
der Pflanzen gejagt haben, für uns verloren ift, wei
wir nicht ausmitteln können, weichen fie diefelbe:
zufchrieben. Unfer Bedauern über diefen Berluf
wird freilich fehr Durd die Wahrnehmung herabge
ſtimmt, daß die Alten, namentlich Plinius, nich
die geringfte- Sorge trugen, die Deilkräfte, weiche fi
diefen oder jenen Pflanzen nahrühmten, zu erprobeı
oder zu beweilen. Gie theilen denen, welche maı
‚Eennt, ſo viele unwahre und abgeſchmackte Eigen
fchaften zu, daß wir ung über die Nichtkenntniß dei
SHeilträfte anderer, welche uns unbefannt find, woh
/
Einleitung 61
tröften dürfen. Will man der Abtheilung des Werks,
in welcher Plinius die Arzneimittellehre abhandelt,
Glauben ſchenken, fo gibt es Eeine menſchliche Be:
ihwerde, gegen welche die Natur nicht wenigftens
zwanzig Mittel in Bereitfhaft hat, und unglückſe⸗
ligermweife ſchienen fi) die Aerzte nach der Wieder-
erweckung der Wiſſenſchaften fait zwei Jahrhunderte
hindurch in der Wiederholung diefer Kindereien zu
gefallen. Dioscorides und Plinius bilden die Grund:
lage einer großen Menge von Werken, die mit
einer Unzapl von Rezepten angefüllt find, welche
nur bie Argfte Pedanterie fo lange Zeit dulden und
anwenden fonnte, die aber jest die wahre Wiſſen⸗
fhaft aus der Heilkunde verbannt bat. Man muß
alfo eingeftehen, dag Plinius, wenn man blos That:
ſachen berückfichtigt, heut zu Tage Fein weiteres ge:
gründetes Verdienft hat, als daß wir durch ihn die
Gitten und Gebräuche der Alten, ihre Verfahrungs⸗
weiſe in dem’ verſchiedenen Künften, ſo wie einige
geſchichtliche Züge und manche geogräphifche Einzel«
heiten, die man ohne ihn nicht willen würte,
kennen lernen, Die Abtheilung über die. Künfte
möchte vielleicht die feyn, welche am meiften ein'tie-
feres Studium verdient:, er entwickelt darin bie
| 4*
52 Einleitung. ' |
Fortfchritte der Kunſt, beichreibt ihre vorzügliciten
Erzeugniſſe, nenut.die berühmteften Künftler, zeigt
die Art und Weif: an, in welcher fie ihre Werke
arbeiteten, und man kann durdaus nicht leugnen,
‚Daß, wenn man immer begreifen. könnte, Was er
fagen will, man mande geheime Kunftgriffe wieder
-auffinden eönnte, durch deren. Anwendung die Alten
Werke ausführten, deren Nachahmung uns bis jest
noch nicht gelungen, ift; aber gerade hier zeigt fich
die Mangelhaftigkeit. der !alten Nomenklatur am
deutlichften. Plinius nennt eine Menge Subftanzen,
aus welden die Mittel zur Berfertigung diefes
oder jenes Kunftartifels zufammengefeßt werden
müflen ; dieſe Subftanzen kennt man aber größten:
theils nicht, auf andere fann man nur aus zweideu—
tigen Merkmalen ſchließen. Uebrigens haben wit
auch noch feine genügende Erläuterung der Narurge:
fhichte des Plinius, welde freilich eine der ſchwie
rigſten gelehrten Arbeiten waͤre. Denn um ſie mi
Erfolg zu verſuchen, müßte man mit der genaueſter
Kenntniß der alten LXiteratur eine eben fo genau
Bekanntſchaft mit den der alten Welt bekannte:
Naturproduften verbinden. Hat aber auch Plinin
als Kritiker und Naturforfcher für uns jetzt nu
geringes Berdienft, fo müffen wir. doch fein Taler
. Einleitung _ | 55
als Schriftfteller und den unerfchöpflichen Schatz von
lateiniſchen Worten und Redensarten, zu deren An⸗
wendung ihn die Fülle ſeines Stoffes zwang, und die
ſein Werk zu einer der reichſten Fundgruben der
Römiſchen Sprache gemacht haben, ganz anders
beurtheilen. Man hat mit vollem Rechte behauptet,
daß ohne Plinius die Wiederherſtellung des ganzen
lateiniſchen Sprachſchatzes unmöglich geweſen wäre, und
man muß Dieſes nicht allein von dem Wortreichthum,
ſondern auch von der Mannigfaltigkeit der Bedeu⸗
tungen und der Wendungen verſtehen. Man kann
auch nicht in Abrede ſtellen, daß überall, wo es ihm
möglich iſt, allgemeine‘ Ideen oder philoſophiſche
Anſichten zu entwickeln, ſeine Sprache Kraft und
Lebhaftigkeit, und ſeine Gedanken etwas Kühnes und,
Ueberraſchendes annehmen, Was ung für die trockene
Nomenklatur an andern Stellen entfchäbdigt, und ihm
bei vielen Lefern für die Unzwlänglichkeit feiner wiſ—
fenfchaftlichen Angaben Berzeihung bewirken fann.
Vielleicht haſcht er zu fehr nach wißigen Einfällen,
und Gegenfäßen, und vermeidet nicht genug den
Schwulftz mandmal findet. man auch eine gewiſſe
Härte und an mehreren Stellen eine große Dunkelpeit,
die nicht dem Stoffe, fondern feinem Bemühen, recht
gedrängt und kurz zu ſeyn, zugefchrieben werden muß,
/ J
54 Einleitung.
Aber immer ift er edel und ernft, voll glühenber
Liebe für die Gerechtigkeit, voll Achtung für die Tu:
gend und voll Abfchen gegen Grauſamkeit und Ge:
meinheit, deren Folgen er vor Augen ſah; mit Ber:
achtung blickt er auf ten üb.rtriebenen Aufwand und
die zügellofe Leppigfeit, die das Römiſche Volk be:
reits durch und durch verdorben hatten, herab. In
dDiefer Beziehung fann man Plinius nicht genug lo—
ben, und muß. ihn, troß der vielen Fehler, von
denen man ihn ale Naturforſcher nicht frei fprechen
kann, als einen der empfehlensivertheften Särift:
fteller betrachten, und ihm unter den Claffifern aus
der Periode nad Auguftus einen Ehrenplag einräus
men. Wir fchließen mit der Bemerkung, daß Pli—
nins atheiftifchen Anfishten huldigt, oder wenigſtens
keinen andern Gott anerkennt, als die Welt, und daß
noch wenige Philofophen das Syſtem des Pantheig-
mug fo klar und fo kraftvoll dargelegt haben, als
er gleich im Anfange des zweiten Buche.‘
Ueber die gegenwärtige Ueberfegung foll Nichts
gefagt. werden, als daß fie keinem beftimmten Terte
folgt, und daß dabei nicht nur die Älteren, fondern
auch: die neueſten Hülfsmittel benützt wurden. Die
‚Einleitung. 55
ı Anmerkungen mußten fi auf das Nöthige befchräns
fen, um nicht die vorgezeichneten Grenzen zu über:
ſchreiten. Die Behauptung, immer Las Richtige
getroffen zu haben, müßte bei feinem anderen
Schriftſteller ſo fehr als Lüge bezeichnet werben, ale
bei Plinius.
SEELE
€. Plinius Secundus Naturgefchichte.
Erfles B u d..
X ’
’ — — —
Vorrede. *)
€. Plinius Secundus dem Caͤſar Titus Ves pa⸗
fianug feinen Gruß!
1. Bon den Büchern meiner Naturgefchichte, einem
von den Camönen Deiner Quiriten noch nicht verfuchten
Werke, **) meinem jüngften Kindlein, will ih Did),
hulbvollfter Imperator (denn diefer Ehrenname gebührt Dir
⸗
*) Die Ueberſetzung fucht abſi qhtlich den vochn geſchraubten
Styl dieſer Vorrede, welche üperhaupt noch ber Fritifchen
Läuterung eines tüchtigen Philotogen ebarf, nicht zu ver:
wifchen.
29), Miinius war ber erfie Roͤmer, welcher eine Naturgefchichte
ſchrieb.
Erites Buch. I 57
mit allem Recht, ſo lange der des Größten mit Deinem
Vater altert,) *) in einem etwas freien Schreiben unter⸗
halten. E .
Denn’ Du yflegteft
Meine Poſſen für etwas doch zu achten,
um mid hinter. Eatullus, ») meinem Landemanne (-Du
kennſt wohl diefen Soldatenausbrud), zu verſchanzen. Denn
Diefer , wie Du weißt, nahm ed etwas übel, ald man ihm
feine Sätabiichen Zafdyentücher verwechfelte, bie er als Ber
‚Tchente feines Veranchens und feines Fabullchens geſchätzt
wiffen wollte. ***) 2. Zugleich bezwede ich durch dieſe
meine Kühnheit, eine Unterlaffungsfünde, bie Du an einem
andern kecken Schreiben von mir getadelt haft, wieder gut
zu machen, und Deinem Wunfche gemäß durch ein öffentli⸗
ches Aktenſtück zu zeigen und zur allgemeinen Kenntniß zu
‚bringen, in weldyem fchönen Verhältniß Dein Volk mit
Dir lebt. 3. Du haft triumphirt, warft Eenfor und feche-
maf Conſul. Du bift Inhaber der tribuniciſchen Gewalt, und,
“, Da Du den Namen bed Größten nicht führen kannſt, fü
lange Dein Vater, der ihn führt, noch lebt.
”*) Carm, I, 3. 4. Weber Catullus, fo wie Über alle andere
in dieſer Vorrede genannten Schriftfteller, vergleihe man
die fiterarifchen Bemerkungen vor dem zweiten Bud.
”*, Aſinius Hatte bem Catullus bei einem Xrinkgelage bie
feinen Taſchentücher, die ihm von feinen Sreunden Vera⸗
nius und Fabullus verehtt worden waren, entwendet:
Catullus flellte ihn bewegen in einen bittern Gebicht
(X1.) zur Rete. — Saͤtabiſche heißen die Tücher, weil
fie aus der Spanifchen Stadt Sätabis, wo die feinfte Lein⸗
wand fabrizirt wurde (Plinius XIX, 1.), Bamen,
58 C. Plinins Naturgefchichte. -
was noch mehr als alles dieß Deine edle Geflunung zeigt,
Du biſt Befehlshaber der Leibwache, *) wodurch Du Deinen
Bater eben fo fehr als den Ritterftand ehrſt. Alles bift Du
dem Staate, uns aber nody immer Derfelbe, wie bei uns
ferem Zufammenteben im LZagerzelte, ** und die Größe des
Glücks hat bei Dir Feine Veränderung hervorgebradt, ale
daß Du jest eben fo viel nüsen kannſt, ald Du willf.
4. Da aber alles Das Allen bekannt ift, und Dir Alle deß⸗
halb ihre Verehrung gollen, fo Eönnen wir nur zu der Kühns
heit, Dir diefelbe auf eine vertraulichere Weife zu bezeugen,
nnfere Zuflucht nehmen. Du haft alfo diefe Kühnheit Dir
ſelbſt zujufchreiben, und mußt unfere Schuld Dir verzeihen.
Obſchon ich aber die Keckheit ſo weit treibe, ſo komme
ich doch wieder in Verlegenheit. Denn auch auf einer an⸗
deren Bahn trittſt Du mir in gleicher Größe entgegen, und
ſcheuchſt mich noch weiter zurück — durch die Allgewalt Deines
Geiſtes. So glänzte noch Niemand durch bie Kraft der
Rede im vollen Ginne des Wortes; nod nie hörte man
eine fo hinreißende Beredſamkeit von der Rednerbühne.
5. Mit welcher Donnerflimme verfündeft Du das Lob Deines
Baters! Mit welcher Liebe das Deines Bruders! Wie groß -
bit Du in der Dichtkunſt! O der erftaunlichen Fruchtbarkeit
*) Titus teiumphirte mit feinem Vater nad Beendigung bei,
jüdifchen Krieges 71 nad Chr, Eenfor war er im J. 74,
ſechsmal Sonſul in den J. 70, 72, 74, 75, 76, 77; Kris
bun im 5. 71. Befehlöhaber ber Leibwache war früher
immer einer aus bem Ritterſtande. |
*e) Während der Germaniſchen Feldzlige. | \
Erftes. Buch. 69
des Geiſtes! Auch Deinen Bruder nachzuahmen haft De
Mittel gefunden. 9 Doc wie könnte einer Das alles ohne
Zagen würdigen, ber felbft im Begriffe ſteht, fich dem Urs
theile -Deines Geiftes, das er Überdieß noch herausfordert,
zu uutermerfen ? Denn ein Anderes ift ed, wenn man feine,
Echriften blog Herausgibt , ein Anderes, wenn man fie Dir
namentlicy widmet. In dem erſten Falle Eönute ich fagen:
warum liest Du fie, Imperator? Gie find für das gemeine
Bolt, für den großen Haufen der Landlente und Handwerker
und für folhe, die ſich nicht mit, tieferen Studien befaffen,
gefchrieben.. Warum witffl- Du Did zum Richter auf?
Als ich mir die Abfaffung diefes Werkes zur Aufgabe machte,
hatte ic) Dich nicht im Auge. 6. Ich hielt Dich für viel
zu groß, als daß ich glauben Zonnte, Du würdeſt Dich fo
weit hera blaſſen. Ueberdieß Haben auch die Schriftfteller ein
gewiſſes Recht, ſich manche Richter, Öffentlich zu verbitten.
Selbſt M. Zullins, deſſen Genie doch über allen Tadel ers
haben iſt, bediente ſich dieſes Rechts, und führt fogar, Was
gewiß wunderbar ik, feine Bertheidigung durch. einen
Anwalt: | —
Nicht Perſius, von Allen den gelehrteſten,
Den Junius Longus wuͤnſch' ich mir zum Leſer nur. )
—
), Domitian, ber Bruder des, Titus, hatte ben jüdiſchen Krieg
in’ einem größeren Gebichte befungen, welches, von den
Zeitgenoffen fehr gepriefen, von fpäteren Sarififielieen als
ein ſchlechtes Machwerk geſchildert wird.
*”, Zwei Verſe and den nicht mehr vorhandenen Satyren des
Luecilius.
60 | | C. Plinius Meturgeſchichte |
Wenn num Encitius, der zuerſt die fatprifche Schreibart ver:
ſuchte, Dieß fagen, und Cicero fogar in feiner Schrift über
den Staat *) ihm Dieß entlchnen zu müflen glaubte, können
wir und dann nicht mit weit größerem Rechte weigern,
Dieſen oder Tenen als Richter anzuerkennen?" 7. Ich
habe mir aber ſelbſt diefe Ausflucht. dadurch unmöglich ges
macht, daß id) Die mein Wert widmete: denn es ift ein-
großer Uinrerfchied, ob man fidy feinen Richter durch's Loos
beftimmen läßt, oder db man ihn ſich ſelbſt wählt; und die
Bewirthung eines geladenen Gaſtes iſt eine ganz andere,
als die eines zufällig eingefroffenen. Als bei Eato, diefem
Feind alter Beftehhung, der fich eben fo fehr freute, wenn
ihm Ehrenftellen abgefchlagen wurden, ald wenn er folche
erhielt, die Sandidaten während bed Sturms der Volksver⸗
ſammlungen Geld niederlegten, **) erklärten fle ,- daß Dieß
zue Beurkundung ihrer Unſchuld, die fle für die höchſte
Zugend im Leben hielten, gefchehe. 8. Dieß gab aud) Ver⸗
anlaffung zu M. Eicero’s edlem Ausruf: „o du glücklicher
M. Porcius, von dem Niemand efwas Ungerechtes zu ver:
langen wagt!“ "*) Us L. Scipio Aftaticus an die Volks⸗
tribunen appellivte, T) unter weichen fib auch Gracchus
befand, wollte er dadurch zeigen, daß ev auch vor einem
feindlich gefinnten Richter gerechtfertigt werden könne.
*) In den bis jetzt aufgefundenen Fragmenten dieſes Werkes
findet fih bie Stelle des Lucilius nicht.
**) gl. Cicero Epist. ad Qnint, frat, II, 414. x
>39, Diefe Phrafe findet ſich nicht in den borhandenen Schriften
Cicero's
+) Kivins Kxxvum, 58 60. Balerins Marimus IV, 1.
'
)
Erſtes Buch. | 61 |
Jeder macht alfo Den zum höchſten Ridkter‘in feiner Sache,
welchen er wählt, und man wennt mit Recht eine ſolche
Wahl eine Herausforderung (provocatio).
Daß Du auf dem höchſten Gipfel des menfclichen
Glückes ſtehſt; daß Du mit ber glänzendften Beredfamteit,
mit der größten Belchrfamteit begabt bift; daß felbft Die,
weihe Dir nur ihre Aufwartung machen, fih! Dir mit
der größten Ehrfurcht nahen, weiß ‚ich recht wohl, und ges
tabe deßwegen muß man vor allem Andern mit der ängſt⸗
lichſten Sorgfalt darauf bebacht fen, daß Das, was man
Dir widmet, auch Deiner würdig fey. 9. Uber auch zu
ben Göttern flehen die Landleute und viele Völker mit
Milchſpenden, und Wer Leinen. Weihrauh hat, opfert
Salztuchen: und doch hat man ed noch Feinem Menfchen
zum Verbrechen angerechnet, daß er die Götter gerade fo
viel verehrte, als in feinen Kräften ftand. Meine Kühnheit
muß freilich um fo mehr auffallen., als ic Dir gerade diefe
Bücher, deren Ausarbeitung Leinen großen Schwierigkeiten
unterlag , widmete; denn fie erfordern weder Genie, Was
id) übrigens auch nur in fehr mäßigem Grade befike, noch
geftatten fie Abfchweifungen,, oder Neden und Gefprädhe,
oder die Erzählung wunderbarer Vorfälle und mannigfalti⸗
ger Begebenheiten, nody überhaupt ſolche Genenflände, die
ih ſchön barflellen und angenehm leſen Tafien. 10. Ein
trockener Stoff, die Natur der Dinge, d. 5. Alles, was
sum Leben gehört, wirb adgehanbelt, und zwar ‚von ber
unfcheinbarften Geite, wobei die meiften Gegenflände. nur
mit gemeinen, oder fremden und oft fogar barbarifchen
Ausdrüden, die jedesmal einer Entſchuldigung bedürfen, '
64
2 :° €. Plinius Naturgeſchichte.
"bezeichnet werden können. Außerdem ift der von mir ge-
wählte. Weg weder von vielen Schriftftellern betreten, noch
kann Überhaupt der Geift angelockt werden, auf ihm zu
wandeln. Bei uns gibt es Niemand, der fih in “diefem
Sache verfucht, bei den Griechen Niemand, der es allein
in feinem ganzen Umfange behandelt hätte. Wir gehen
größtentheild nur unterhattenden Studien nad, und wenn
wir hören, daß Andere einen ſchwierigen Etoff mit unges
meinem Scharfiinn bearbeitet haben, fo laffen wir ihn ge:
rade feiner Dunkelheit wegen unbeachtet. 11. Es mußte
hier Alles berührt werden, Was die Griehen „Encyclos
pädie“ nennen, und von Dem Vieles noch völlig unbekaunt,
oder durch allerlei Ausſchmückungen entſtellt, Anderes aber
ſchon ſo vielfach erörtert iſt, daß es Ekel erregen muß.
Es iſt freilich eine ſchwierige Sache, dem Alten ten Reiz
der Neuheit, dem Neuen Anſehen, dem Unſcheinbaren Glanz,
dem Dunkeln Licht, dem Verachteten Gnade, dem Zweifel:
haften Glauben zu verfchaffen, und überhaupt Alles natur
gemäß und die Natur nach ihrem ganzen Umfange darzu⸗
ſtellen. Grreiht man aber auch diefes Biel nicht, fo ift
doch das Streben darnadı ſchon ſchön und ehrenvoll genug.
oe 12. Wenigftens ich hege die Ueberzeugung,. daß Dies
jenigen eine befondere Berüdfichtigung bei ihren Studien
verdienen, welche nach Ueberwindung aller Schwierigkeiten
mehr den Nutzen, den fie fliften koͤnnen, als die Eitelkeit
der Gefallfuht im Auge haben. Ich felbft Habe Dieß in
anderen Werken *) gethan, und kann meine Verwunderung
Piinins meint bier vieleicht fein Bud über das Speer⸗
Erſtes Bud. = 63
nicht bergen, dab T. Living, diefer hochberühmt e Schrift⸗
ſteller, ein Buch *) feiner Geſchichte, welche mit dem Urs
ſorung der Stadt [Rom] beginnt, mit den Worten anfängt:
„er habe ſich bereite Ruhm genug erworben, und könnte jegt
aufhören, wenn nicht fein unruhiger Geiſt fi 'an dem
Werte weidete.“ Denn wahtlid es geziemte ſich, zum
Ruhme des ‚meltdefiegenden Volkes und des Römifchen Nas
mens, nicht. aber zu feinem eigenen, das Werk zu fchreiben;
und ein weit größeres Verdienft ift es, aus Liebe mm Werte
feibft und nicht der Gemüthsergösung wegen, bei feinem
Vorhaben zu beharren, und es des Rönifchen Volkes, nicht
aber feiner felbft wegen auszuführen.
13. Smwanzigtaufend merkwürdige Gegenftände (web:
bald auch, wie Domitins Pifo **) ſagt, dieſe Bücher eher
Shastammern heißen follten) habe ih aus ungefähr
zweitaufend von mir gelefenen Bänden. von denen bis jest nur
wenige ihres fchwerverfländlichen Inhaltes wegen in die Hände
der Gelehrten kamen, und aus hundert auserlefenen Schrift:
ftellern in feheunddreißig Büchern zuſammengefaßt, und eine
Menge Sachen, die meine Vorgänger entweder nicht wußten,
oder erſt das ſpätere Leben erfand, hinzugefügt. 44. Wir
aweifeln jedoch keinesweges, daß auch uns noch Vieles ek
werfen ber Reiterei, und fein Were über die unbeſtimm⸗
ten Redensarten. S. die Einleitung.
*) Welches wir nicht mehr befigen. |
**, Diefer Domitius Pifo if eine unbekannte Perfon; er
fheint ein Freund des Plinius gewefen zu ſeyn, und
ihm mundlich dieſes Eompliment gemacht zu haben,
64 C. Plinius Naturgeſchichte.
gangen ſeyn mag; wir find ja Menſchen, und haben unſere
Amtspflichten zu erfüllen. Nur in unſeren Freiſtunden, das
heißt bei Nacht, beſchäftigen wir uns mit dieſen Dingen, und
Ihr dürft nicht glauben, daß dadurch die Euch gebührende
Arbeitszeit verkürzt werte. Den Tag verwenden wir für
Euch; mit dem Schlaf Fargen wir fo viel, ald ed die Ges
fundheit erlaubt, und find ſchon ganz allein damit zufrieden,
daß wir gerade jo viele Stunden, als wir und auf dieſe
Weiſe, wie M. Varro fagt, amü ſiren, länger leben: denn
doch nur das Wachen iſt Leben.
15. Da ich nun aus dieſen Urſachen und dieſer Schwie⸗
rigkeiten wegen Nichts zu verſprechen wage, ſo muß mir-
Deine Erlaubniß, an Dich fchreiben zu dürfen, aus der
Noth helfen: Dieß ift meine ganze Hoffnung, Dieß Die
Empfehlung des Werkes. *) Vieles fcheint ja nur deßhalb
von ſehr hohem Werth, weil es in Tempeln ald Weihge⸗
ſchenk aufgehängt iſt. Uebrigens haben wir Euch Alle, den
Bater, Dich und den Bruder in einem geziemend ausgearbei⸗
teten Werk, in dr Geſchichte unſerer Zeit,“) welche
da beginnt, wo Aufidius Baſſus aufhört, verherrlicht. Du
fragſt, wo fie ſey? Sie iſt längſt vollendet, und erwartet
von der Zeit ihre Beſtätigung. Auch habe ich den feſten
Vorſatz gefaßt, ihre Herausgabe meinem Erben zu über:
laſſen, damit man nicht glauben möge, ich habe bei meinem
Leben etwas aus Ehrſucht gethan. 16. Ich bin alſo eben
) Nach ber Lesart: haec fidueia operis est, haec indicatura,
*) ©, die Einleitung,
Erftes Bu. _ 65
fo wenig Denen, welche Mch jebt des größten Anfſehens er:
feenen, neidifh, Als ben Nachkommen, werde zuverfäffig
mit uns gerade fo wetteifern werben, wie wir ed mit ihnen
gethan Haben.
Einen Beweis tiefer meiner Laute magſt Du auch da⸗
rin finden, daß ich biefen Büchern die Namen der [benägten]
Shriftfteller vorgefeht habe. EB iſt nämlich nad) meiner.
Uederzeugung ‚billig, und verräth eine edle Befcheidenbeit,
wenn man eingeſteht, Was man Jedem zu verbanten hat,
und nicht handelt, wie fehr viele von denen , welche ich bes
nügte, gefhan haben, 17. Denn Du mußt willen, daß ich
bei der Bergleichung der Schriftfieller gefunden habe, daß
gerade die neuften and als die zuverläffigiten Bekannten die
alten wörtlich ausgeſchrieben, aber nicht genannt haben:
nicht, wie Birgilius, in der lobenswerthen Abficht, mis
ihmen zu wetteifern; nicht mit jener Einfalt Cicero's, wel⸗
cher in den Büchern von dem Staate befennt, daß er dem
Plato nadyfirebe, und der in der. Tröflung über den Tod
feiner Tochter fagt: „ich folge dem Erantor,“ und: „ich folge
dem Pandtind,* in feinem Wert über die Pflichten, welches
man doch, wie Du zugeftehen wirft, nicht nur täglich in
den Händen haben, fondern auswendig kennen ſoll. 18. Es
vereäth wahrlich eine gemeine Geſinnung und einen armſe⸗
tigen Geift, lieber auf einem Diebſtahl ertappt fepn zu
wollen, als das Geborgte zurückzuerſtatten, befondere wenn
man fi durch die Nupnießung ein Kapital erworben hat. *)
*), Wenn man aus ben entliehenen Stellen ein eigenes Wert
jufammengefegt, und fih baburch Ruhm. ertvorbem hat.
6
€, Plinins Nalurgefch, 18 Bochn.
66 C. Plinius Naturgefhichte,
Im Erfinden der Titel haben die Griechen ein wunder:
bares Geſchick. Dieſer nennt fein Buch Kuplor, was ſo viel
heißen ſoll als „Honigſeim;“ Jener Kioas "Analdsias (Horn
der Amalthea), was „Büllhorn“ bedeutet: fo daß man faft
glauben follte, man könne aus einem: ſolchen Buch einen
Schluck Hühnermilch *) thun. Andere wählen die Benens
nungen Movoa, (Mufen); Hoandexeo, (Inbegriff aller Wiſſen⸗
ſchaft); Eyzsspidsor.. (GHandbüchlein); Acunv (Wieſe)3
Hhyaxidıov (Gemälde) — Titel, um deren willen man einen
Termin’ verfäumen könnte! 49. Kommft Du aber zu
dem Inhalte ſelbſt, o ihr Götter und Göttinnen, - wie
ſo gar Nichts findet Du da! Die Unfrigen nannten ſchlicht
+‘
und einfältia ihre Bücher „Alterthümer“, „Beifpielfamm:
kungen“, „Künfte”, und die recht wisig feyn wollten,
„Lichtarbeiten“ , gerade wie Jener Säufer. hieß und aud)
einer war. ») Varro wählte noch ſpaßhafter für feine Sa-
tyren die Ueberfchriften „Anderthalbulyſſes“ und „Wetter⸗
fahnen“. ***) Bei den Griechen ließ zuerſt Diodorus von
En Romilche Sprichwort für eine wunderſam ſeltene
ache.
er, Pliniud will fagen: die Benennung „Richtarbeiten‘ (Lucu⸗
brationen) ift ganz paſſend, weil die meiften Bücher bet
Sicht gemacht. werden, gerade wie jener Bibaculud (Säufer),
«m NRömifher Dichter aus dem Iegten Jahrhundert vor
Chr., nicht nur fo hieß, fondern audy ein Säufer war.
*r, Anderthalbulgfies” (Sesculixes), fo viel als ein abgefeirhter
| Betrüger, trompeur et demi, „Wetterſahnen“ (Flexibula).
infonfequente Schurken, Girouettes. Die ganze Stelle ift
übrigens in allen Handſchriften fo verborben, baß jede
Ueberfegung verzeihlich iſt.
.
20 Erftes Bud) | 67
dieſen Poſſen ab, und überſchrieb feine Geſchichte „Bibliothek“.
20. Freilich behauptete noch fpäter der Grammatiker Apion
(Derfelbe, welchen der Kaiſer Tiberius die Welteymbel
nannte, der aber bei weitem eher die Lärmtrommel des
öffentlichen Gerlichtes heißen könnte) in feinen Büchern, er
verewige Denjenigen, dem er eines widme. — Mich gerent
es gar nicht, "Beinen preunkoplleren Zitel erdacht zu haben.
Damit es aber nicht feinen möge, als tadfe ich die Grie⸗
chen in Allem, ſo wünſche ich recht ſehr, daß man mich
nach jenen großen Meiſtern in der Malerei und Bildhauer⸗
kunſt beurtheilen wolle, welche, wie Du in dieſen Büchern
finden wirft, ihren vollendeten Werken, und ſogar jenen,
weiche wir jest nod) nicht genug bewundern können, ſtets
eine unbeſtimmte Ueberfährirt gaben, wie „Apelles arbeitete
daran“, oder „Polycletus arbeitete Daran“, ald wenn das
Kunftwerk zwar immer in der Arbeit, aber noch nich fertig
wäre, wodurch dem Künftler gegen. den Tadel jeder Kritif
ftetd ein Ausweg zu der Entfchuldigung blieb: er würde,
Was man daran auszuſetzen hätte, noch verbeflert haben,
wenn er nicht ldurch den Zod] unterbrochen ‘worden wäre.
21. Es iſt gewiß ein Zeichen der größten Befcheidenheit, _
daß fle jedes ihrer Werke als das neuefte ausgaben, und den
Glauben unterhalten wollten, als feyen fie an der Bollen:
dung eines jeden durch das Schickſal gehindert worden.
Drei Kunftwerke nur, und, wie ic) glaube, durchaus nicht
mehr, follen die beftimmte Lleberfchrift führen: „RN. N. hat
es gemacht“ ; id) werde an ben geeigneten Stellen *) von
*) Vielleicht XXXV, 10,39, \
n 5%
,
68 C. Plinius Naturgeſchichte.
- ihnen ſprechen. Jedenfalls geht daraus hervor, daß dieſe
Küuftler von der WVortrefflichkeit ihrer Werke volllommen
überzeugt waren, weßhalb fle daun auch vielfach angefeindet |
wurden, ' Ä
22. Jh gebe recht gerne zu, daß nicht nur dieſe Bücher,
fondern alle andern, die ih herausgab, mancher Bufäpe fähig
- find. Ich geftebe Diefes um ſo lieber ein, um mich im Vor⸗
übergehengegen jene Homersgeißeln *) ſicher zu ſtellen; denn
ich höre, daß die Stoiker und Dialektiter, fo wie andy die
Epicureer (wie man von den Grammatikern ohnehin nichts
Anderes erwarten Fonnte) mit einer Widerlegung der Bücher,
die ich über die Grammatik heransgad , »H ſchwanger gehen,
und fchon zehn Fahre ‚lang fortwährend in Geburtsnöthen
And, da doch fogar die Elephanten *°%) fehneller - gebären,
35. Freilich if mir nicht unbelannt, daß gegen Theos
shraftud ,. einen Mann, der in der Beredfamkeit fü groß
war, daß er ſich dadurch den Namen des Göttlichen erwarb,
fogar ein Weib +) ſchried, und daß daher das Sprichwort
entſtand: „man möchte ſich einen Baum. zum Hängen für
chen.“ Ich Bann mich nicht enthalten, einige ‚hierher gehörige
Worte des Eenford Eato anzuführen, um dadurch zu zeigen,
wie ſogar Cato (der unter [Scipio] Africanus, ja Tetbft
unter Hannibal das Kriegshandwert erlernte, und nicht
*) Ungerechte und grobe Recenſenten.
"*) Ueber unbeſtimmte Rebensarten (dubii sermones), 6%
Einleitung.
»eo) S. B. VII, 8. 10. / —
+ Die Buhlerin Leontium. Cicero às nat, Deor. L 40.
Erftes Bud. 69
einmal den Africanus als Meifter anerkennen wollte, dem
ſelbſt als Feldherr die Ehre des Zrinmphe zuerkannt wurde),
als er fein Werk Über die Kriegstunft herausgab, fhnell«
fertige Anfeinder fand, die dur den Zabel eines ihnen
fremden Willens Ruhm zu erhafchen dachten. 24. Was
fagt er aber in dem erwähnten Buche? „Ich weiß mohl,
daß gegen diefe Schrift, wenn fle herausgegeben iſt, Biele
auftreten und fie begeifern werden, hauptſaächlich aber ſolche,
die jedes Inahren Lobes baar find. Die Reden diefer Leute
laffe ich verhallen.“ Auch Plancus eriwieherte, ald man
ihm hinterbrachte, Aflnius Pollio *) wolle Reden gegen ihn
ausarbeiten,, die aber von ihm oder von feinen Kindern
erſt nach dem Tode des Plaucus Herausgegeben werben
folten, damit er nit antworten könne, wicht ohne
Wiss „mit den Todten kämpfen nur Geſpenſter.“ Durch
weldye Bemerkung er fhon im Voraus jene Reden fo auf
wiberlegte, daß fle von den Gelehrten als ein unverſchämtes
Machwerk betradıfet wurden.
25. Nachdem ich mid num auch gegen bie Geiferer
(die Cato mit einem aus „Vitium“ [Zehler] und „Litiga⸗
tor“ LZanker] zufammengefegten Worte „Bitiligatoren “
nennt — und Was wollen fie deun auch anders, als zanken
oder Zank fuchen?) fiher geſtellt, fo will ich das Wenige,
Was id) nocd zu fagen babe, vorbringen. Da ich Deine
Zeit der Arbeiten für das allgemeine Wohl wegen fchonen ,
mußte, fo habe ich ein Verzeichniß ») alles Defien, Was
?) Ueber Afınius Pollio und Eato vgl, bie Bemerkungen
” vor bem erften Buch.
. Su der Ueberfegung wurde dieſes Inhaltsverzeichniß (Buch I),
70 C. Plinius Naturgeſchichte.
in den einzelnen Buͤchern enthalten iſt, dieſem Briefe bei⸗
gefügt, und mit der größten Sorgfalt dahin getrachtet, daß
Du fie nicht zu leſen brauchſt. 26. Auf dieſe Weile er⸗
wächst audy durch Dich Andern der Vortheil, daß fie diefes
Werk nicht ganz durchzuleſen brauchen; fondern Jeder, der
Etwas zu wiffen wünſcht, darf nur in dem Regiſter nach⸗
ſchlagen, und wird fogleich fehen, an welder Stelle das
Berlängte zu finden if. In unferer Literatur that das
Naͤmliche Valerins Soranus in ſeinen Büchern, welche er
„Epoptiden“ (Geheimniſſe) betitelte. Lebe wohl!
das den jegigen Anforderungen an ein ſolches durchaus nicht
. entfpricht, getheilt, und jedem folgenden Buche das betreffende
Stüd, mit Eurzen Bemerkungen Über bie barin angeführten
Schriftfielfer , vorangeſchickt. Vollſtaͤndige Regiſter follen
am Ende bed Werkes beigefügt werben.
».
' s
— —
Zweites Bud.
Von der Welt und den Elementen.
Inhalt.
Kay. I, Ob die Welt endlich „und ob nur eine Welt fey.
1, Bon ihrer Geftalt. III, Bon ihrer Bewegung Warum
ſie „Mundus“ genannt werde. IV. Von den Elementen und
Planeten. V. Bon der. Gottheit. VI. Von der "Natur der
Geftirne [und von dem Lauf der Planeten]. VIL Bon den
Mond: und Sonpenfinfternifien. VII Won ber Größe der
Sefirne.. IX, Was Diefer und Iener bei ber Beobachtung des
Himmels entdeckte. X. In welchen Zwiſchenraͤumen bie Sonnens
und Mondfinſterniſſe ſich wiederholen. XI. Von dem Laufe des
Mondes. XI, Der Lauf der Planeten; allgemeine Geſetze ihres
Sichted. XIII. Warum bieſelben Planeten bald entfernter, und
bald näher fcheinen. XIV. Woher. die Verſchiedenheit ihrer Bewe⸗
gung rühre. XV, Allgemeine Geſetze der Planeten. XVI. Durch
welche Urfache bie Veränderung ihrer: Sarbe Hewirkt - wird,
XV, Der Lauf der Sonne und bie Urfache der Lingleichheit
der Tage. XVIII. Warum man dem Jupiter die Blide zu⸗
ſchreibt. XIX. Der Abſtand der Gefttene von der Erde, XX. Mur
fitalifhe® von den Geftirnen. XXI. Geometrifched von ber Welt.
XII. Bon den plöglich erfcheinenden Sternen ober Kometen.
XXI. Won ihrer Eigenfchaft, dem Orte ihres rfcheinens
und ihren verfchiebenen Arten, XXIV. SHipvard’3 Anſicht
von den Sternen: XXV. Wunderbare Erſcheinungen am
Himmel, nebſt Beifpielen aus ber: Gefchichte, Fackeln, Leuchten,
72 C. Plinius Naturgeſchichte.
Geſchoſſe. XXVI. BSalken am Himmel; Oeffnung bed Himmels.
XXVII. Von den Farben des Himmels und dem himmliſchen
Feuer. XXVIII. Von Kränzen am Himmel. XXIX. Von
piöglich entſtehenden Kreiſen. XXX. Längere Sonnenfinſter⸗
niſſe. XXXI. Mehrere Sonnen. XXXII. Mehrere Monde.
XXXIII. Tageolicht bei Nacht. AXXIV. Brennende Schilde,
XXXV. Eine einmal gefehene wunderbare Erſcheinung am
Himmel, ° XXXVIL Von den Fortſchießen ber Sterne.
XXXVU, Boy den Sternen, hie fih auf der Erbe und auf
dem Meere zeigen. XXXVIN. Won der Luft, und warum es
Steine regne. XXXIX, Von ben beſtimmten Urfachen der
Witterung. XL, Bon dem Aufgange bes Hundéſterns. XL. Bon
den -befimmten Einfluß der Sahreözeitn. XLII. Bon den
u unbeſtimmten Zeiten «intverfenben Gewittern und Wegen.
LIII. Vom Donue und Bis. ZLIV. Bom Usrfpruug ’ker
Binde XLV. Werfhisdege Bemerkungen Über - bie Winde,
KLVf, Arten der Winde. ALVU. Elm weiche Seit bie vers
ſchie denan Winde gehen.) XLVXII. Gigenſchaften ber Winde,
XLIX. Der Eenephias und ber Tyahen. Eu Drebmwinte, glühente
Drehminde, Wirbel. und audere wunderbare Arten von Stürmen.
Li. Bon ben Blien. In welchen Rändern man keine bemarkt,
unb merum. Lil. Arten der "Bine und wanderbare Eigen⸗
fihaften derſelhen. LIE Hatrustiſche und Römische Anfichten
ner die Blige. LIV. Men dem Herabtecken ber Blüte
LV. Wiigemeinns vom den Bien LVL Weihe Gegemitinde
Nie vom Blitze geiueffen werten. LIVE. Daß es fen
Mi, Blut, Fleiſch, Gifen, Wolle und Ziegelſteine geragmet
babe. LVIII. Waffengeräuch und Trompetengeſchmetter nom
Himmel hereb anhört. LIX. Mon den vom Himmel herab⸗
fallenden Steinen. Worautreentändigung. berfelten buch Auaxa⸗
onsad. LA, Der Regenhogen. LXI. BVeſchaffenbeit des Hagels,
des Schnees, bei Reit, dad Wiebeld, des Thaus uud der Wolfen.
LXU. Befoubere Eigentholunlichteiten des Himmols an vers
fihiskeuen Orten. LXIII. Beſchaſſenbeit hen Erde. LXIV. Ben
mer Gafealt. LXV. Dh si Gegenfaͤßler gabe. LXVI. Mie
and Maffer wit. ber Erhe vorbugben iſt. LXVAII. Ob der Dunn
a
l
Zweites Buch. 73
die Welt umgebe. LXVIII. Wie viel von ter Erbe bewohnt
wird. LXIX. --Dap bie Erbe her Mittelpunkt ber: Welt fen,
LXX. Bon der Schieſe der Zonen. LXXL Bon der Uns
gleichheit der Elimate LXAIL. Mo men bie „Sinfterwirfe wit
fehe, und warum man fie nicht ſehe. LXXIII. Ben ber vers
ſchiedenen Dauer bes Tags auf ber Erbe LXXIV. Geome⸗
trifhe Bemerkungen ber denſelben Gegenſtand. LXXV. Wo
und wann es Feine Schatten gebe. LXXVI. Wo zweimal bes
Jahres die Schatten auf bie entgegengejeigte . Seite fallen.
LXXVI, Wo die Tage am Iängfien, und wo ſie am Elirzeften
find, LXXVIII. Won ber erfien Stundenuhr. LXXIX. Wie
man anf verfchiebene Weife dei Tag berechne. LXXX. Ber:
fchiedenheit der Volker nach 'ben Himmelöftrichen. LXXXI Bon
den Erbbeben. LXXXII. Bon den Erdriſſen. LXXXIII. Bor: _
zeichen eines nahen Erbbebens. LXXXIV. Schutzmittel gegen
bevorſtehende Erdbeben. LXXXV. Erdwunder, die nur ein mal
vorkamen. LXXXVI. Wunderbare Umfiänbe, welche manche
Erdbeben begleiteten. LXXXVU. An welchen Stellen has
Meer zurfdigetteten is, - XXXVIII. Auf. weiche Weife neue
Juſeln entfieben. LXXXIX. Wo und wann foiche Infeln ents
Banden find. XC. Weihe Länder das Meer voneinander ges
rifen bat. XCH Welche Infeln mit dem feften Land verbunben
wurden. XCII. Welche Länder ganz in Meer verwanbelt wurden.
XCII. Welche Länder ſich felbft verflungen baten. XCIV. Stäbte,
die had Meer verfchlungen bat: XCV. Bon den Luftlöchern
der Erde. XCVI.. Bon Läntern, welche immer zittern, und
von- ſchwimmenden Sufein. XCVII. Stellen, "auf welche kein
Regen fällt. XCVIII. Allerlei wunderbare Naturericheinungen
in verfchiebenen Ländern, XCIX. Auf weiche Meiſe die Meeres;
nuthen fleigen und fallen. C. Orte, wo bie Fluth Feiner ſeſten
Regel folgt.. CL, Wunderbare Cigeufchaften bes Meered, Cll. Wels
hm Einfluß der Mond auf bie Sands und Geeergeuguifle habe,
CUL Wehen Einfluß bie Soune äußere. CIV. Urfache bed
Salzgeaſchmackes des Meeres. CV, Wo es am tiefiten if.
CVI. Vunderbare Cigeuſchaften der Quellen und Fluſſe. CVII. Wun⸗
derbare Eigenſchaſten des Feuers in Verbindung mit ben Waſſer.
\
7h - €. Plinius Naturgeſchichte.
CVIII. Bon der Maltha. CIX. Bon der Naphtha. CX. Weilche
Orte immer brennen, CAT, Wunderbare Eigenſchaften bes
ZFeuers für fih allein. CXII. Mapbeftimmung ber ganzen Erde
nach ihrer Länge und Breite. CXIII. Bergleichenbe Verechnung
der Größe ber Welt.
Summe ber in diefem Bude enthaltenen Gegenftände , Ge⸗
ſchichten und Bemerkungen: 41T. )
‚Quellen
Nöõmiſchee. M. Warro, Sulpicing Gallus, der Smperator
Titus Chfar, D, Tubero, Tullius Tiro, 8. Piſo, T. Living,
Cornelius Nepos, Statius Sebofus, Cälius Antipater, Tabia-
nus, Antias, Mucianus, Kächna, ber Über die Hetrusfifche
Disciplin fchrieb, Tarquitius, welcher Über denfelben Gegenftand
fhrieb, Julius Aquila, der ebenfalld biefen Stoff behandelte,
Sergius Paulus,
Fremde. Plato, Hipparchus, Timaͤus, Soſigenes, Peto⸗
ſiris, Necepſus, die Pythagoreer, Poſidonius, Anaximander,
Epigenes ber Gnomoniker, Euclides, Ebranus der Philoſoph,
Eudoxus, Democritus, Gritodemuß , Thraſyllus, Serapion,
- Disdarhud, Archimedes, Oneficritus, Gratofihenes, Pytheas,
. Herobötug, Nriftoteles, Cteſias, Artemidorus von Eyheſus, Iſido⸗
rus von Charax, Theopompus.
2
Kurze Bemerkungen über dieſe Quellen.*)
Acten (acta populi), eine Art Zeitungen, welche unter
Zuftud Cäſar aufkamen. Sie enthielten die merkwürdigſten
2) Nur was zur Erläuterung bed erfien unb zweiten Buches
nöthig ift, fol hier von dem Leben und den Schriften ber
angeführten Autoren beigebracht werben. Derſelbe Grund⸗
fag wird bei ben Einleitungen zu ben folgenden Büchern
fefigehatten. Die Griechiſchen Schriftſteller ſind mit einem
Sternchen bezeichnet.
Zweites Bud). 75-
Staatsfahen und ungewöhnlichen Ereigniſſe der Natur
(c. 57. $. 2.) und des Lebens in jedem Jahr, und wurden in
den öffentlichen Bibliotheken aufbewahrt.
* Anarimanber von Milet, ein Schüler des Tha⸗
les, lebte im ſechsſten Jahrhundert vor Ehr., und war ein
eben fo großer Philoſoph als Mathematiker. Er beobachtete
zuerſt die Schiefe des Thierkreiſes (c. 6. $. 3.), und foll den
Lacedämoniern ein Erdbeben, welches faſt ihre ganze Stadt
zerſtoͤrte, vorhergeſagt haben (c. 81. $. 1.).
Annalen (Annales Pontiicum, Annales Maximi). was
ren von den Prieftern geführte Bücher über die Häuptereig-
niffe jedes Jahres, aus welchen die ſpäteren Hiſtoriker ihren
Stoff fchöpften. Die Stelle, bei welcher ſich Plinius auf
fie bezieht (c. 54.5. 1.), beweist, daB auch merkwürdige
Naturereigniffe darin aufgezeichnet wurden.
Antias (O. Balerius). 6. Valerius.
Antipater (L. Cöolius), ein Römiſcher Hiſtoriker und
Zeitgenoſſe dev Gracchen, wurde beſonders wegen feiner un,
parteiifchen und ‚gutgefchriebenen Gedichte der Puniſchen
Kriege , die nicht auf unfere Zeit gekommen ift, geihäpt.
Living benütte diefes Werk fleißig, und Plinius (c. 67. ”
$. 4.) fchöpfte aus ihm die merkwürdige Nacricht, daß
fhon im zweiten Jahrhundert vor Ehr. Schiffer von Spa⸗
nien aus um Afrifa nad Aethiopien gefegelt feyen.
* Apion, ein Aegypter und berühmter Schrift⸗
fteller aus der Zeit des Kaifers Tiberius, von deſſen zahl
reihen Werben wir Beined mehr befigen. Mit einer bedeu⸗
tenden Belehrfamkeit verband er einen nicht geringen Grad
-
‘
6 ‘g, Plinius Raturgefhichte.
von Prahlerei, die ihm häufig den Spott ber Zeitgenoffen
und der Nachwelt zuzog (I.-$. 20.).
Aquila (Julius), wabrſcheinlich ein Hetrusker, von dem
wir nur durch Plinius wiſſen, daß er ut die Hetruskiſche
Disciplin ſchrieb.
Archimedas aus Syrnkus, ein allbekannter Mas
thematiker aus dem dritten Jahrhundert vor Chr., weicher
bei der Eroberung ſeiner Vaterſtadt durch die Römer (212
vor Chr.) umkam, und von dem. wir uoch mehrere Werke
beſitzen. Plinius nennt ihn nuter den non ihm im zweiten
Buche benüsten Schriftſtellern, bezeichnet aber die Stellen,
welche er ihm verdankt, nicht genauer. '
. " Ariioteles,. der berühmtefte Schüler des Plato
und der Lehrer Alexanders des Großen, 384 vor Chr. zu
Stagira geboren, hinterließ ſehr zahlreiche Schriften, von
- denen die meiften. auf unfere Zeit gekommen find. Sie bilden
eine der. Hauptquellen des Plinius obſchon Dieſer ſie nicht
immer namentlich anführt. So benützte er die Meteorologie
hei den Bemerkungen. über die Kometen (c. 22. 23, ch
Meteorolog., II, 6. 7.); über den Regenbogen (c. 60. ck
‚Meteorolag. III. 2. 4 5.); über Hagel, Schuee, Duft und
Thau (c. 91. cf. Meteorolog, 1;.10-42.); über die Erd
beben (c. 82. 83. $. 3 84. $. 5. ef, Metæorolog. U, 8.);
das Bud, „von der Welt“ bei Befchreibung der Höhlen, aus
welchen gefährliche Ausbünftuugen auffleigen (c, 95. $. 3
ef, de mündo, c. 4.), und ein unbekanntes Merk bei ber
Lehre von der Ebbe und Fluth cc. 101).
>" Artemidorng von Ephefus, ein Geograph ans‘
dem zweiten Jahrhundert vor Ehr., welcher die Küften des
Zweites Buch. 77
Mittelmeeres, einige Gegenden des atlantiſchen Oceans
und das rothe Meer bereiste, und eine Geographie (Teuypa-
gorueve) ſchrieb, von der fih nur ein magerer Auszug zum
Theil erhalten hat. Plinins benüßte fle bei feiner Maßber
fimmung der den Alten Bekannten Erdoberfläche (e. 13.
45. 4. 4. 6.).
Afinins Pollio (E. J, ein berühmter Redner und
Hiſtoriker and der Zeit des Auguſtus, defien Werke fämmts
lich vertoren find. So fehr ihn feine Seitgennffen amd and)
fpätere Gchriftfteffer Toben, fo können nnd wollen ffe ihm
doch nicht eine allzugroße Neigung, Andere zu tabeln, vers
zeihen. Auch Plintus . 6. 24.) ſtimmt mit in dieſen Vor⸗
wurf ein.
Aufidins Baſſus, ein geſchätzter Hiſtoriker unter
Augnfins und Tiberius, ſchrieb eine Geſchichte der Römiſchen
Buͤrgerkriege, fo wie des Krieges in Deutſchland, welche von
Plinins fortgeſeßt wurde (I. 5. 15.) ©. die Einleitung.
Anguftus, der Kaifer, hatte ih and mit Glück
als Schriftſteller verſacht. Das mertwürbigfte feiner Werke,
die ſammtlich verloren find, war wohl eine Geſchichte des
eigenen Lebens, bis zum J. 26 our Chr. Aus biefer Wer
ſchichte ift wahrſcheinlich die Stelle Über einen im $. a4
vor Ghr. fihhtbaren Kometen, weiche Plinius (ec. 23. $. 4.)
woͤrtlich anführt, und eine andere (c. 5. 5. 8.), welche bes-
weist, baß biefer Kaifer keineswegs von Aberglauhen frei
war, genommen.
Cacina (Aulus) von Bolterra, der grundlichſte Be⸗
arbeiter der Hetruskiſchen Disciplin, deſſen Schrift „DE
Etrusca disciplina* bie Röomiſchen Schriftfteller hänfig
78 €. Plinius Naturgefchichte.
benützten (Vgl. Sendea, natur. quaest. c. 39 59q.). Es ift
gewiß ein großer Verluſt für die Alterthumswiſſenſchaft,
daß wir keines der zahlreichen Werke über die Etruskiſche
Lehre mehr beſitzen.
Cato (Marcus Porcius), der Cenſor, ein berühmter
Staatsmann, Redner und Schriftſteller (232-4147. vor E.), -
von deffen zahlreichen Schriften wir nur noch das Buch
über den Landbau befigen. Sein-Werk über die Kriegstunft
(de militari disciplina) rühmt Plinius (I. 6. 23—23.) fehr.
Catullus Q. Valerius, von Berona, einer der bes
ten Römiſchen Dichter aus dem Iepten Jahrhundert vor E.).
Die Stelle, welche Plinius (I. S. 1.) aus ihm anfährt,
findet fih unter den Gedichten, welche auf unfere Zeit ge«
kommen und durch Ramler’ö Ueberfegung (Leipz. 1793. 8.)
den Zreunden ber fchönen Literatur bekannt genug find.
Cicero (M. Tulius), der bekannte Römifche Staats⸗
mann, Redner und Philsfoph, ‚über deſſen Leben man ‘in
jeder Geſchichte der Römifchen Literatur genügende Aus⸗
kunft findet. - Plinius nennt fein exrft nur zum Theil wieder
aufgefundenes Werk „über den Staat“ CH $. 6. 17.), die
„Zröftung über den Tod feiner Tochter“ (I. S. 17.), von
der nur wenige Bruchflüde auf uns gekommen find, - -und
die Bücher „über die Pflichten“ dA. S. 17,), welche wir noch
vollſtändig beſitzen. Auch führt er (I, $. 8.) eine Stelle an, bie
ſich in den jest vorhandenen Schriften Eicero’s nicht findet.
. Sonderbar iſt's, daß Plinius weder in dem QAutorenvers
zeihniß zu dem zweiten Bud, noch in diefem felbft
Ficero nicht nennt, da er ihn doch an mehreren Stellen
Zweites Buch. 79
(c. 41. 6. 2 e..81. $. 1.) offenbar benũtzte. Bgl. abrigend
Zulfius Tiro,
Cölius Lucius. S. Antipater.
Cöranus, ein Griechiſcher Philoſoph, von welchem
wir nichts weiter wiffen, als daß er zur Zeit Nero's lebte
(Taeit, Annal. XIV, 59.) Weiche Werke er gefchrigben, und
welche Plinius, der ihn nur in dem Inhaltsverzeichniſſe Des
zweiten Buche nennt, benügt habe; laßt ſich nicht er⸗
rathen.
Cornelius Nepos, ein Beitgenofl und Freund
Cicero's, ſchrieb mehrere hiflorifche Werte, weldye bis auf
wenige Auszüge, die unter dem Zitel: De viris. illustribus
bekannt find, im Strome der Zeit untergingen. In diefen
noch vorhandenen Auszügen finden ſich die von Plinius au⸗
geführten Gtellen (c. 67. $. 4.) nicht.
Critodemus, ein Afteonom aus dem vierten Jahre
hundert vor Ehr., fehrieb ein aftrofogifches. Werk (amore-
Mouara —RX „welches ſich handſchriftlich auf der kaiſer⸗
lichen Biblidthek zu Wien befinden ſoll. Ob Plinius dieſes
oder ein anderes, oder an welchen Stellen er es benützte,
läßt ſich nicht ausmitteln, da er nur in dem Inhaltsver⸗
zeichniß des zweiten Buches den Namen dieſes Schriftſtel⸗
lers nennt.
* Stefias aus Gnidus, ein berühmter Hiſtoriker aus
dem vierten Jahrhundert: vor Chr., welder eine. Affprifche
und eine Indiſche Geſchichte ſchrieb, die bis auf menige
Bruchftüce verloren find. Seinen mit orientalifcher Phan⸗
taſie ausgeſchmückten Erzaͤhlungen und Nachrichten folgt
Plinius mit ſichtbarer Vorliebe. And der Aſſyriſchen
0. €. Plinius Naturgeſchichte.
Geſchichte nahm er die Bemerkung über einen- feıterfpeienden
Berg in Lycien (c. 4110. $. 4. cf. Photii bibl, eod. 73.
p. 146, wo fidy die. Griechifche Stelle, die Plinius vor Aus
gen hatte, erhalten bat).
+ Democritaus von Abdera (469-561: dor Ehr.), ein
bderühmter Philoſoph des. Alterthums, nah deſſen Anſicht
die Welt durch die Verbindung und Miſchung untheilbarer,
ſich urſprünglich kreisfförmig bewegender Körperchen (fo:
men) entſtand. Der Glaube an ein höheres Weſen, behauptet
er , fen aus der Furcht hervorgegangen , und zwiſchen Recht
nnd Unrecht gebe es von Natur Peinen Unterſchied, ſondern
Dieter fen eeft durch die bärgerfichen Geſetze geſchaffen wor⸗
den. Plinius fagt (a. 5. $. 4.), er habe zwei. Götter an:
„genommen, Belohnung und Strafe.
* Ditfäarhus von Meſſana, ein Schüler bes Ariſto⸗
tele, wurde im Alterthum feiner poötifchen, hiſtoriſchen
und gengraphifhen Schriften wegen, die Bis auf wenige
Bruchſtücke verloren find, fehr geſchaͤzt. Eines berfeiben,
über die Meffung der Berge im Peloponneb Inuranererjoex
zar iv Hlelonorsyou spdr), benũtzte Plinins, wie er ſelbſt
angibt (c. 65. 6. 3.).
* Diodorus von Agyrion in Sicilien, ein Hiſtoriker,
der zur Zeit des Julius Caſar und Auguſtus in Rom lebte,
und eine allgemeine (nur zum Theil noch vorhandene) Ge:
ſchichte fehrieb, welcher ex den Titel: „Hiſtoriſche Bibliothek“
eeBlsodyan, foropıxy), gab. Minius (I. S. 19.) rühmt diefen
Titel als einen fehr paffenden.
- * Dionpfodorns von Welos, ein bekannter Mathemas
Her des Alterthums, der die laͤcherliche Eitelkeit hatte, feine
weites Bud). 81
Meinung über den Umfang der Erbe durch einen Betrug
zu bekräftigen. Er nahm nämlich einen Brief mit in ſein
Grab, der auf feine Veranlaſſung wieder gefiinden wurde,
und in welchem er das Maß der Entfernung von feinem
Grabe bis zum Erdmittelpunkt angab (c. 442. $. 10. 14.) |
Diseiplin (Hetrnstifhe) Die gefammiten
Schriften über die Hetruskiſche Disciplin (literae Tascoram.
e. 53. $. 1. Volumina. Etruscae disciplinae, c..85. $. 1.)
faffen fih in folgende AUbtheilungen bringen: 1) alte Prodis
gien = ımd Orakelſammlungen (libri fatales). 2) Geſaͤnge
über die Disciplin. 3) Die vollſtändigere Aufzeichnung der
Disciplin, als Ritualbücher, Fulgutalbücher, Harufpicien-
bücher und Oſtentarien. Wer ſich näher über das Weſen
der Hetruskiſchen Disciplin und den Inhalt des darüber
Geſchriebenen zu unterrichten wünfcht, vgl. O. Müller, „die
Etrusker“ (Brest. 1828. 8.). Bd. I &. 20—79.
* Epigenes von Rhodus, ein geachteter Aſtronom
ans dem zweiten Jahrhundert vor Chr., ſoll befonders
Meiſter in der Gnomonik Sonnenfäjattenfunde) gewefen
ſeyn. Plinins nennt ihn im Inhaltsverzeichniß des zweiten
Buchs ſchlechtweg den Gnomoniker.
⸗2Evatoſthenes von Eyrene (276-196 vor CEhr.),
ein pielgenanmter ‚(Gelehrter des Alterthums, der ſich faft
mit allen Sweigen des menſchlichen Wiffens, vorzüglich aber
mit Geſchichte, Geographie, Aftromomie (c. 76.) Philoſophie,
Grammatik und Dichtkunſt befaßte. Seine Erdbefchreibung
(Teuygagıua) ,. and welcher Plinius (c. 449. 6. 8.) die Bes
fimmung des Erdumfangs mittheitt, ift bis auf wenige,
e Yinint Naturgeſch. 18 Sige, . 6
2. €, Plinius Naturgeſchichte.
von fpäteren Schriftſtellern. enthaltene ‚Sragmente dere
loren.
Eu clides, berühmter Mathematiker aus dem drit⸗
ten ‚Jahrhundert - vor Ehr., welcher zu Alexandria die.
Mathematik lehrte, und fie in feinen Werken, von welchen,
wir noch mehrere beſitzen, trefflich darftellte. Plinius neunt
ihn im Inhaltsverzeichniß des zweiten Buchs, ohne uns
durch nähere Andeutungen merken zu laffen, an weldyen
Stellen er ihn benützte. "
* Eudorus and Knidus, ein Schüler des Plato,
gleich berühmt als Geometer und ald Arzt, blühte um das
Jahr 360 vor Chr. Aus feinen Schriften, die nicht auf
unfere Zeit gekommen find, entlehnt Plinius (c. 48. $. 5.)
die Bemerkung, daß diefelben Winde, und überhaupt die-
felbe Witterung immer nad einem beflimmten Seitraum
- wieder eintreffen. — Bon Eudorus aus Cyzikus, einem
berühmten Reifenden (etwa 125 Jahr vor. Ehr.), fpridht
Plinius wohl (c. 67. & 4.), nennt ihn aber nicht als
Shriftfteller, was er audy nicht gewefen zu ſeyn ſcheint:
feine Notizen, mit welchen er die Erdkunde beveicherte,
gingen jedody in Strabo's Geographie über.
Fabianus Papirins, ein zur Zeit des Kaiſers Tibe⸗
rius blühender Naturforſcher (Senec. Epist. 42. 100.), fihrieb
über Boplogie (de auimalibus) und Über Naturerfcheinungen
(Causarum naturalium libri).. Yus dem letzten Werk nahm
Plinius wahrſcheinlich die Bemerkung, daß im. Aegupten
feine Südwinde wehen (c. 46. $. 4.), und die Beilimmiung
der Meerestiefe (c. 105.).
Gallus. S. Sulpicins Gallus.
Zweite Bud... . 83
* Hanno, Karkhagiiher Feldherr aus dem fechsten
Jahrhundert vor Chr., machte eine Entdedungsreife an
der Weſtküſte von Afrika, die er in Punifher Sprache
beſchrieb (oc. 67. $. 3.). Yu der Nechtheit der noch vorhan⸗
denen jedenfalls‘ -jüngern) Griechiſchen Ueberfegung haben
Biele gezweifelt.
* Herodbdtus von Halikarnaſſus (484—-408 vor Chr.),
der Vater der wahren Geſchichte, aus deſſen befanntem
Werke Plinius die Nachricht über einige Gegenden, die
früher dad Meer bedeckte, nahm (c. 87. $. 2. dgl. Herodot.
I, 10.).
°. HimilEo, ein Karthager, weldher im fecsten
Jahrhundert vor Ehr. eine Entdedungsreife an den Küſten
des weftlihen und nörblichen Enropa’s machte. Sein Reiſe⸗
bericht, den Plinius noch Fannte (c. 67. $. 3.), iſt nicht mehr
vorhanden.
Hipparchus von Nic, der Vater der Aftronomie
und der größte Aſtronom des Alterthums, lebte im zweiten
Jahrhundert vor Ehr. Er beftimmite zuerft die Dauer des
Sonnenzeichend auf eine mit der jebigen Annahme überein:
fimmende Weiſe; den Umfang der Erde (c. 112. $. 9.);
ferner fehr genau die Ercentricität der Mondbahn und das
Gefen für die Beredinung ber Mond: und Sonnenfinfterniffe
(c. 40. 6. 2.), umd verfaßte das erfte Sternverjeichniß (c. 24.
6. 2.), fo wie die erften afronomifchen Jahrbücher (c. -
4. 2). Die Länge eines Tages vechnete er von Mitters
nadyt zu Mitternacht ( n. $. 41.), alfe nad) iegiger |
Beiſe. |
6*
84 C. Plinius Naturgeſchichte.
“Homer, der Bater der Poeſie, über den wir
Nichts fagen, ald daß ihn Plinins als Quelle feiner
Bemerkungen über die Hochherrlichkeit der Sonne (c. 4
$. 4.) und über Das an Aegypten angeſchwemmte Land (c. 87.
.$. 4.) anführt.
»Iſidorus von Charax, ein geographiſcher Schrift
ſteller ans dem erſten Jahrhundert nach Chr., verfaßte eine
Beſchreibung Parthiens (Mapsias zegınynrson), aus der
:wir noch einen Auszug (Zraguoi TTapdıxod) beſitzen. Pli⸗
nius benüpte fie bei feiner Maßbeſtimmung der den Alten bes
fannten Erdoberfläche (c. 4112. $. A. 7.).
Julius Aquila. S. Aquila.
LiceiniusCraſſus Mucianus (M.), ein berühmter
Feldherr und Staatsmann aus der Zeit der Kaiſex Nero
und Belpaflan, fihrieb ein geachtetes Geſchichtswerk, über
deſſen Inhalt wir nichts Näheres wiſſen. Plinius nahm
and ihm eine Bemerkung über die wunderbare Eigenfchaft
einer Quelle auf der Infel Andrus (c, 106. $. 11.).
Livius (Titus), der bekannte Nömifhe Hiſtoriker,
wurde im zweiten Buche häufig benüst, ohne daß die ent⸗
lehnten Stellen genauer bezeichtiet find, Das Buch, über
deſſen Anfang er von Plinind getadelt wird d. —. 12.); ift
- Richt mehr vorhanden.
Lucilins (C.), ein Römifther Saturiter aud dem
‚gweiten Jahrhundert vor Ehr., weicher beſonders feines
feinen Witzes und feiner. leichten, durchgebildeten Sorache
wegen ſeht gefchäpt wurde, von beffen Werten wir nur
Brogmente übrig haben. Auch Plinius I. €. 6.) erhielt
ü Zweites Bud). 88
aus ein kleines Fragment, das. jedoch durch bie Nachlaßigkeit
der Abſchreiber ſehr entſtellt iſt.
Mucianus. S. Licinius Craſſus Macianus.
Necepſus, ein. Aegyptiſcher König aus dem fechsten
Jahrhundert nor Ehr., der mehrere Werke Über Aftronomie
geſchrieben haben fol. Daß ın den ihm mit. Redyt ander mit
Unrecht beigelegten Gchriften eine Berechnung des Abſtandes
der Planeten enthalten war, erfahren wir durch Plinins
(c. 21. $. 6.).
Nepos Bornelius. S. Cornelius Nepos.
* Dneficritus aus Aegina, Schüler des Dies
genes, von Sinope, begleitete Alexander den Großen auf
feinen Zügen, und war Steuermann des Hanptfchiffes der
von Nearchus befehligten Flotte. Seine nicht mehr vors
bandene Geſchichte der Feldzüge Alexanders wird als ein
Wert vol Unwahrbeiten und Ungereimtheiten geſchildert,
und man ficht Diefes Urtheil durch die Steffen, welche Plinius
aus ihm anführt (o. 75. $. 4. 6.), ziemlich beftätigt.
. Panätins von Rhodus, ſtoiſcher Philoſoph aus
dem zweiten Jahrhundert vor Ehr., von deſſen Werken wir
feines mehr deſitzen. Den Hauptinhalt feiner Schrift
„don den Pflichten“ (zug sudnxoreos) nahm Cicero in fein
Werk, weldes denfeiben Titel‘ (de oficiis) führt, auf (I.
$. 47. vgl. Cic. ad Autic..XVl, 11. und de.off, U, 3.).
Papiriuée Fabiatus. ©. Babianus.
Paulus Sergius, ein. Römiſcher Schriftfteller, von
dem wir nichts ‚willen, als daß ihn Plinius im. zweiten
Buche benüste, ‚ohne den Inhalt feiner Werke anzugeben,
oder zu fagen, Was er aus ihnen genommen bat.
86 €. Plinius Naturgefchichte.
° Detofiris, Aegyptiſcher Aftronom und. Mathe:
matiter aus dem fechdten Fabrhundert vor Chr., deſſen
(hoͤchſt wahrſcheinlich unterfhobene) Werke ih hands
ſchriftlich in der kaiſerlichen Bibliotheb zu Wien befinden
ſollen. Er berechnete in einem berfelben den Abftand der
Planeten von einander (c. 21. (. 5.); irrte ſich aber in
ſeiner Berechnung.
Pherecydes von Scyros, Philoſoph aus dem
ſechsten Jahrhundert vor Ehr. ‚ıwar einer der erſten, welche
in Griechiſcher Profa fhrieben. Bon feinen Schriften find
nur noch wenige Bruchflüde übrig. Plinius erzählt (c. 84.
6. 2.) von ihm, daß er aus einem Trunk friſch geſchöpften
Brunnenwaflers ein Erdbeben vorausgefagt habe.
* Pindar von Thebä, einer der berühmteſten Lyriker
Griehenlande (522—442 ver Chr.), von deſſen Sieges⸗
hymnen wir noch fünfundeierzig befigen. Plinius ſcherzt
(ec. 9. $. 23.) über feine abesgläubiiche Furcht bei-Gomenfin-
ſterniſſen.
Piſo (EC. Galpurnius) , ein rerdienter Staatsmann, der
im $. 133 vor Ehr. das Conſulat bekleidete. . Seine nicht
mehr vorhandenen Annalen in fieben Bitchern , von welchen
Plinius das erſte anführt lc. 54. 5 4.), ſollen in reinem
ſchmuckloſen Styl und etwas troden gefchrieben gewefen
feyn (Cicero, Brut, c. 27. Gell, XL, 44.).
* Dlato -(430—437. vor Chr.), Schüler des Sokra⸗
tes, Gründer der Akademie, einer der berühmteſten; Philos
fophenfhufen Griechenlands, lehrte. zu Athen, und fchrieb
hier feine unſterblichen Werke. Plinius beradt fie häus
l
Zweites Bud. Ä 87
fig , vorzüglich den Dialog „Zimänd", ans welchem er Bes
merfaungen über die Geſtalt der Welt (c. 3. $..2.), über
den Mond (c. :6.*$. 15.) und Über bie untergegangene
große Infel Atlantis (c. 92.) entlehnte. Sein Wert über
die Republik nennt er flüdtig (I. ©. 47.), mit der Be:
mertung , daß ed Cicero in feiner Schrift, die denſelden
Titel führt, nachgeahmt habe.
Pollio. ©. Aſinius Pollio.
e Poſidonius von Apamea, ein geſchätzter Philoſoph
und Aſtronom aus dem letzten Jahrhundert vor Chr. Die
Berechnung des Abſtandes der Planeten von einander, wel⸗
“de er in ſeinen nicht mehr vorhandenen Werken niedergelegt
hatte, war die genauefte von allen Beftimmungen, welde im,
Alterthume verſucht wurden (c. 21. $. 1.).
Pythagoras von Samos, Schüler des Pherecydes
(ec. 81. $. 2.), einer dee beruͤhmteſten Philofophen des Al:
terthums aus dem fünften Jahrhunderf vor Ehr. und der
Stifter der Pothagoräifchen Schule, fol felbft keine Schrif⸗
ten hinterfaffen Haben. Seine philoſophiſchen und aftrono:
miſchen Anfichten wurden von feinen Schülern (welche Pli⸗
nius in dem Jnhaltöverzeihniß unter dem Gefamminamen
„Pythagoreer“ aufführt) in zahlreichen Werben ‚niedergelegt.
Aus diefen nahm Plinins die Bemerkungen über die Har:
monie der Sphären (c. 5. 5. 1.), Über die Eigenfchaften des
Mondes: (c. 6. 6. 7.) und ben Abſtand der Planeten vou
der Erde (c. 19. 20.).
»Pytheas von Maſſtlia, berühmter Reifender
und Gengraph aus dem vierten Jahrhundert vor Eyr., foll
auf feinen Reifen bis nach Thule (JIsland?) gekommen ſeyn.
v
+
ss... € Plinius Naturgefchichte.
Aus feinen Werken (einer Beichreibung des Ozeaus uud
einer Erdumſchiffung), die nicht mehr vorhanden ſind, nahm
Ptinius tie Nachrichten über die Länge der Nächte und
Zage (c. 77. $. 2.), und über die Ebbe und dluth im Nor⸗
den Englands (oc. 99. $., 6.).
Seboſus Statius. S. Statius.
* Serapion von Antiochia, ein nicht näher bekannter
Schriftfteller, der über Geggraphie ſchrieb (Cicero ad. Attic.
U,4.6) Da aud Plinius im Imhaltsverzeihniß zum
zweiten Buch nur feinen Nanıen nennt, fo läßt. fih nicht
errathen, Was er aus feinen Werken entnommen haben mag.
GSergius Paulus. ©. Paulus Sergius.
eSoſigenes von Alexandria, ein Aſtronom unb
Anhänger der Ppthagoriſchen Lehre, wurde von Julius
Eäfar mit der Verbefferung des Kalenders beauftragt. Aug
feinen nicht mehr vorhandenen aftronomifchen Schriften nahm
Plinius die Bemerkung über den Abſtand des Merkur von
der Sonne cc. 6. $. 10.).
Statins Sebofus, ein uns nicht näher befannter
Zeitgenoffe Eicero’d , der über indifhe Merkwürdigkeiten
gefchrieben haben foll. An weldyer Etelle des zweiten Buches
ihn Plinius benügte, läßt ſich nicht beſtimmen.
Steſichorus aus Himera in Sicilien, ein Griechi⸗
ſcher Lyriker, der um das Jahr 570 vor Chr. blühte, von-
deffen Gedichten wir nur nody wenige Fragmente bes
figen. Plinins fcherzt (c. 9. $. 2.) über feine aberglaubiſche
Furcht bei Sonnenſinſterniſſen. Fr
Sulpicius Gallus (Eajus), ein: angefehener Rö⸗
mer, weldyer 473 vor Chr. die Prätur und 466 das Gonfulat
' Zweites Bud. :. 89
bekleidete, war einer der Erften, weldye die Schriften der
Griechen über Aſtronomie flndirken., Sur großen. Verwun⸗
derung des Römiſchen Heeres fagte er eine Mendiinfterniß
(468 vor Ehr.) vorans, und fehrieb auch ein nicht mehr vor⸗
handenes Buch über die Mondfinfterniffe, . weiches. Plinius
(c. 9. $. A... c. 19. $. 2.) benüste,
Tarquitius, ein Hetruskiſcher Schriftſteller, der
über Die Deutung bee himmlifſchhen Erſcheinungen ſchrieb
(Masrob, Saturn. HH, 7:), und deffen Ausfprüche und Anz
fihten nody zur Beit des Kaifers Julian ‚bei den Hetrugtenn
ihre volfe Beltung hatten (Ammian, Marcellin. XXV, 2.).
eThales von Milet, einer der fieben Weifen,
aus dem fechsten Jahrhundert vor Ehr., fammelte feine
Kenntniffe in WUegppien und andern Ländern des Orients,
weihe er burchreiste, und gilt als. der Vater der Griechi⸗
ſchen Philoſophie. Durch die Borherkeilimmung einer Son⸗
nenfinfterniß , weldhe am 28. Mai 585 vor Chr. eintraf
(c 9, $. 1.), erregte er allgemeines Erftaunen,, da vor ihm
Niemand eine foldye Vorausſagung gewagt hatte.
° Theophrafku:s von Erefus auf Lesbos (393-286
vor Ehr.), ein herünmser Philoſonh und Naturforfcher,
von dem wir mehrere Werke befigen, Alle Schriftfteller
des Alterthums loben feine Beredſamkeit, und Plinius fagt
I. $. 23.), er ſey deßhalb „der Göttliche“ genannt. worden.
Nur .die berühmte Buhlerin Leontium , eine Sreundin des
Epicur, ſchrieb ein phileſophiſches Werkchen gegen ihn,
deſſen Eleganz und Attifche Schreibart Cicero (de natura
deor, I, 33.) rühmt.
. Theny ompus von Chios Cum 360 vor Ehr.), ein-
\ 1
‚
' |
90 €. Plinius Naturgeichichte.
geſchätzter Hifkoriter, deſſen Schriften fämmtlid, verloren
find, Aus feiner Geſchichte Griechenlauds oder aus feiner
Geſchichte des Königs Philipp von Macebonien nahm Plinius
die Bemerkungen über einen Gauerwafferbrunnen in Mace,
donien (c. 106. $. 14. vgl. 1. XXXI. c. 43.) und über den
feuerfpeienden Berg Nymphäum bei Apollonid (ec. 4110. 6. 3.).
.Thprafplius von Mende, ein phifofophifcher and
aſtrologiſcher Schriftſteller, der im erften Jahrhundert nad
Chr. lebte, und dem Nero bie Kaiferwürde weiffagte (Facit.
Annal. VI, 23.). Ron feinen zahlreichen Werken, von wel
dien Plinius nad) feiner Angabe im Anhaltsvergeichniß zum
zweiten Bud) eines oder das andere denützte, iſt Leines auf
unfere Seit gefommen.
Timaus, ein Pythagoreer aus dem vierten Jahr:
hundert vor Ehr. und der Lehrer Plato's, fehrieb mehrere
Werke über Phyſik und Mathematik, die nicht mehr vors
handen find (denn an der Aechtheit dee unter feinem Na:
men heransgegebenen Buchs „von der Weltſeele“ wird mit
Bedyt gezweifelt), und ans denen Plinius einige Bemerkungen
‚Über den Umfang des Thierkreiſes (c. 6. F. 9.), über den
Abftand des Merkur von der Sonne (c. 6. $. 10.) und über
feuerfpeiende Berge (c. 89. $. 3.) nahm.
Täro. ©. Tullius Tiro.
Zitus (Kaifer), bei weidem Plinius in hoher
Gunſt ſtand, war von ſeinen Zeitgenoſſen auch als Dichter
geſchätzt (1. J. F. 5.). Unter feinen Gedichten, von denen
keines auf unſere Zeit gekommen iſt, befand ſich eines,
welches einen im J. 76 nad) en. ſichtbaren Kometen genau
beſcried (E. 22. 9 2.).
% j .
Zweites Bud). J 9
Tubero (D. Aelins), Neffe des Scipis Africanns,
galt als einer der eiftigften Anhänger der Stoiſchen Philo⸗
fophie, und war nicht minder ald Rechtsgelehrter und Redner
gefhäst (Vater, Max. VIEL, 5.). Plinius nennt ihn im: In⸗
baltöverzeichniß des zweiten Buchs unter deu benüsten
Schriftſtellern, ohne ihn im Buche felbft anzuführen. Man
kann alfo nicht mehr entfcheiben, Was er von ihm entlehnte.
Tullins Tiro, ein Freigelaffener des Eicero, deſſen
Leben er befchrieb. Eine einzige. Stelle (c. 39. $. 3. vgl.
Gellins, XUL, 9.) könnte ſich vielleicht als aus ihm
genommen nachweiſen laſſen. Wahrſcheinlicher ift aber, daß
TullinsTiro ein Schreibfehler.ift, ſtatt Tullius Cicero,
weichen Plinius im zweiten Buch fo häufig benützt, daß bie
Austaffung feines Namens in: dem Autorenverzeihniß nicht
wohl .deukbar ifl. |
Balerinus Antias (O.), ein Hiftoriter von nicht
fehr gerühmter Wahrhaftigkeit aus dem lebten Jahrhundert
vor Ehr., fchrieb Annalen in wenigfiens 75 Büchern (Gel-
kus, VII, 9.), welche von der Erbauung Noms bis “auf
Sylla reichter, von Denen nur wenige Sragmente auf
uniere Zeit gekommen find. Plinins führt eine Gtrelle aus .
dem Abfchnitte an (c. 4111. $. 4.), welcher bie Geſchichte
der Scipionen behandelte.
Balerius Soranus, ein Arzt und Seitgenoſſe Ci⸗
ceros, von dem wir nur durch Ptinius (I. 6. 26.) wiſſen,
daß er ein Werk, welches den Titel „Epoptiden“ (Geheim⸗
niffe) führte, und wahrfcheintidy mebizinifchen Anhalts war,
geihrieben Hatte,
Barrd m. Terentiut), ber ‚geiebriefe 9 Römer feiner:
92. , ° 8. Plinius Naturgeſchichte.
Zeit, 116 vor Ehr. geboren, ſtammte aus einer angeſehenen
Familie und wählte zuerſt die militäriſche Laufbahn. Unter
Pompejus focht ‚er genen die Geeräuber und in Spanien
gegen Cäſar; fpäter z0g er fi von dem öffontlichen Les
ben zurück, uud widmete fid. ausfchließend den Willen:
fdyaften. Faͤſt Bein Zweig der Gelehrfamkeit biieb ihm
fremd, und er foll nicht weniger als 490 Werte ges
ſchrieven Haben (Gell. N, A. HI, 10.). EAfar und Auguſtus
wußten. feine- Kenntniffe zu würdigen, und machten ihn vn
Auffeher Öffentlicher Bibliotheken. Won feinen Gatyren, bie
Plinius nennt (IL. $. 19.), haben wir nichts, von feinem
Werke über die lateinische Sprache in’ 24 Büchern, and
denen Plinius (c. 3. $. 5.) eine Stelle anführt, nur ſechs
Bücher (4-9) übrig, in welchen fi) die angeführte Stelle
findet , nicht aber eine andere, auf weiche Blinins (I. 6. 14.)
hindeutet.
‚ Birgilius Maro, der betannte Fhollendichter, Di:
dabliker und Epiker, wird von Plinius ih der Dedication
($. 47.) gelegentlich angeführt, und über feine Art und Weife,-
die Griechen nachznahmen oder ihnen dieimehr nachzueifern,
gelobt.
J. () 4. Das bie Welt ſammt Dem, was man
mit einem andern Namen den Himmel, durch deſſen
Ummwölbung Alles bededt wird, zu nennen beliebt hat,
eine ewige, unermeßlide, nie erzeugte und unvergängs
liche Gottheit fey, muß mothwendig geglanbs erden.
Zweites Bud. - . 9
Die Erforſchung des außer der Welt Liegeriden frommt die
Menſchen Nichts ; auch faßt es Leine Ahnung des menſch⸗
lichen Geiftes. Gie ift heilig, ewig, unermeßlich, ganz in
dem Ganzen, ja ſelbſt das Banze. *) Gie ift endlihh, und
Doch ähnlich dem Unendlichen; regelmäßig in allen ihren
Erſcheinungen, und doch ähnlich dem Regellofen; fie faßt
Alles in ſich, das zu Tage Liegende und das inwendig Ber:
borgene; **) fle iſt ein Werk der Natur der Dinge und zus
gieih die Natur dee Dinge ſelbſt. 2. Wahnflın wars,
wenn Manche an- eine Maßbeſtimmung der Welt dachten,
oder gar eine ſolche auszuſprechen wagten, oder wenn Ans
dere, entweder durch diefen Irrthum veranlaßt, oder ihn
feibft verantaffend,, das Dafeyn unzählbarer Welten lehrten,
fo daß man eben fo. viele Naturen der Dinge, oder, wenn
auch eine Natur alle Welten in ſich fehlöße, doch eben fo
viefe Sonnen, eben fo viele Monde und eben fd viele andere
unermeßsiche und unzählbare Geſtirne, wie in diefer Welt,
angunchmen gezwungen feyn würde; als wenn bei dem
Berdangrsi nad) irgend einem Ende au der Grenze der Er⸗
kenntniß nicht fletd dieſelbe Frage wieberfehren müßte, oder
2) D 5 bie Welt in für fih ein Ganzes im ben AU, zus
— aber auch das Ganze (das All) ſelbſt, weil nach der
Anſicht des Plinius außer ber Welt nichts if.
“* Die Worte extra, intra laſſen Feine andere Erklärung zu.
Denn extra kann nicht das außer ber Welt Liegende be⸗
.deuten; fonft widerſpraͤche Puͤnius der kurz vorher aufge
ſtelltren Behauptung, daß außer ber Melt Nichts mehr ſey.
Der Gebrauch ber angeführten Worte an einer andern
‚Stelle des Plinius (VI, 38,) in einem Shnlihen Sinn
Bricht für die Richtigkeit Yer gegebenen Ueberſetung. |
—
% €, Plinius Naturgefhihte,
als wenn diefe Unendlichkeit, wenn man fle ber Natur, der
Schöpferin alter Dinge, überhaupt beilegen könnte, richt
viel feichter in diefer einen Welt, die dady ein fo unges
heures Werd ift, zu begreifen wäre! 3. Wahnfinu iſt's,
ja baarer Wahnfinn, fib über die Welt hinauszuwagen,
und, als wäre ſchon Alles, was in ihr iſt, hinlänglich be⸗
Pannt, das außer ihr Liegende ergründen zu wollen; als
wenn Jemand, der fein eigenes Maaß nicht Bennt, das -
Maaß irgend einer andern Sache beſtimmen, oder als wenn
der Geiſt des Menſchen Das wahrnehmen könnte, was die
Weit ſelbſt nicht umfaßt. —
II (m). 4. Daß: die Welt die Geſtalt einer vollſtändig
Ereisförmig abgerundeten Kugel habe, lehrt Schon ihr Name -
„Orbis“ (Kreis) und die allgemeine Uebereinflimmung ber
Sterblichen in diefer Benennung; ſodann aber auch andere
aus der Natur der Sache felbft "hergeleitete Beweiſe; und
zwar geht 28 weder allein daraus hervor, weil eitte foldye ,
Geſtalt Ach in allen ihren Theilen gegen fich felbft neigt,
ſich ſelbſt trägt, ſich ſelbſt umfchließt und ſich felbft zufam-
'menbält, ohne anderer Bindemittel zu bedürfen, oder weil
‚ an Peinem ihrer Theile ein Ende oder ein Anfang zu be
merken iſt, 2. oder weit fie ſich bei diefer Beichaffenheit am
‚beften zu. der Bewegung, der fie, wie wir bald fehen wers
ben, bei ihrer Umdrehung folgen muß, eignet: fondern ad
der Augenfchein thut ed dar. Denu die Welt erfcheint, von
jedem beliebigen Standpunkt aus gefehen„ gewölbt und zur
Hälfte, Was bei einer andern Geftatt nicht der Fall ſeyn könnte.
III (m). 4. Daß fidy diefe fo geitaltete Welt in ewigem
und raſtloſem Umfchwunge mit unfäglicher Schnelligkeit in
\
Zweites Bud. 96
einem “ gZeitraume von vierundzwanzig Slunden herumdrehe,
bat der Auf⸗ und Untergang der Sonne laͤngſt außer
Zweifel geiest. D Daß der Schall diefer ungebeuern, in ffeter
Ummälzung , forfrolienden Maffe unermeßlich fen; und beß«
halb unfer Hörvermögen überfteige, möchte ich wahrlid) eben
fo wenig. geradezu behaupten, als daß der - Klang. der fi)
zugleid) umdrehenden. und: ihre Kreisbahnen befchreibenden
Geſtirne eine entzüdende und unglaublich fanfte Harmonie
fen. **) Uns, die wir mitten darin feben, eilt die Welt bei
Tag wie bei Nacht fill dahin. Daß ihr unzählbare Beftalten
von Thieren und allen andern Dingen eingebrüct ſeyen, und
daß ſie nicht eine gleich einem Vogelei allenthalben glatte, _
ſchlũpfrige Maffe ſey, wie die berühnmterten Schriftfteller **9
behauptet haben, geht aus natürlichen Gründen hervor;
denn aus den, von dort herabfallenden, meift vermifchten
Samentheilen aller ‚Dinge entſtehen, befonders im Meere,
unzählige abenteuerkiche Gebilde, T) 5. Außerdem beweist
*, Man muß fich bei der Kosmologie bed Plinius ftets bie
Erde als in ber Mitte der Welt befinblich, und als unbe⸗
weglich vorftellen (Mor, K. IV, 6. 2.)
9), Die fogenennte Harmonie der —8 welche die Py⸗
thagoreer lehrten. Plinius ſcheint aber ihre Lehre nicht
vollkommen verſtanden zu haben. Denn biefe philoſophiſche
Schule behauptete nicht, dag der Schall, welchen bie Melk
bei ihrer Umbrehung hervorbringe, beiwegen ımferen Ohren
unvernehmbar bleibe, weil er unermeßlich fen (ein uners
meßliher Schall ift undenkbar), ſondern weil wir ihn
fhon von unferer Geburt an „hören, und weil er Peine
Pauſe mache. S. Aristoteles de coelo, I, 9.
‘®*%, Cicero de natura deor, II, 18. nach Plato.
7) Diefe im Alterthum oleverbagitete Auficht ſcheint aus
N
\ N
96 C. Plinius Naturgeſchichte.
es der Augenſchein; denn wir ſehen hier die Geſtalt eines
Wagens, dort die eined Bären, anderwärts bie eines
Stieres, und wieder an einer andern Stelle die eines Buch⸗
ſtabens, *) während ſich mitten durch den Scheitelpunkt
ein heller fchimmernder Kreis ”*) zieht.
(av). Auch Die Uebereinftimmung aller Völker bewegt
wid, wenigftens zu diefer Unnahme Denn die Griechen
nannten die Welt „Kosmos“ (Koonos), was fo viel heißt
als Zierde: wir [Römer] gaben ihr wegen ihrer tadelloſen,
volltommenen Schönheit den Nanıen „Mundus“ [Echmud].
Den Himmel nannten wir „Exelum“ , ohne Zweifel wegen
feiner Aehnlichkeit mit getriebener Arbeit (caelartum), wie es
M. Barro ***) erklärt. Die natürliche Drdnung der Dinge
unterftügt ebenfalls meine Meinung, nämlidy die Eintheilung
des Kreifes, welchen man Thierfreis nennt, in zwölf
Thierbilder, und der feit fo vielen Yahrhunderten unverändert
gebliebene Lauf der Sonne durch diefelben.
dem Oriente zu ſtammen, und mit der dort beliebten Lehre
von ben Emanationen ber Gottheit zuſammenzuhängen.
*) Das Delta ober Deitoton, ein dreieckiges, nach dem Gries
hifhen Buchſtaben A benanntes Sternbild zwifchen ben
Füßen ber Andromeda und bein Kopfe des Widders.
**, Wahrſcheinlich iſt hier die Milchſtraße gemeint, Was von
ben der Welt eingebräcdten Gebilden und den herakfallenden
Samenſtoffen gefagt wird, gehört gu. ben altın Fabeln,
die Feiner Wiberlegung bebfürfen. Eben fo wenig ents
fprehen,, wie Plinius meint, bie Geſialten der Stern⸗
bilder ben ihnen beigelegten Namen.
—* De lingua latina ms
Zweites Bud). 20097
IV (vn). A. Daß es vier Elemente gebe, wird, wie
ib fehe, von Niemand bezweifelt. Das höchſte iſt das
Beuer: aus ihm beifehen jene zahliofe gleich Augen herab»
leuchtende ‚Sterne. . Das nächſte ift bie Luft, welche die
Griehen und wir mit demfelben Wort „Aer“ nennen. Gie
iß.befebend, Alles durchdringend und mit dem All innigft
verbunden; durch ihre Kraft, hält ſich die Erde mit’ dem
vierten Element, dem Wafler, mitten in dem Raume im
Gleichgewicht. Durch dieſe ‚wechfelfeilige Umfpaunung °)
entfieht die Verbindung des Verfhiedenartigen, fo daß das
Leite durch das Schwere am VBerfliegen gehindert, das
Schwere Dagegen von dem fletd aufwärtsftrebenden Leichten
getragen und vor.dem Ballen geſichert wird. 2. Anf diefe
Weiſe bleibt durch ein gleich ſtarkes Gtreben nach verſchie⸗
denen Richtungen hin Jedes an feinem Orte, **) und wird
durch Die flete Umwälzung der Welt ſelbſt zufammengehalten,
Während diefe ſich nnaufhörlich um ſich felbit dreht, bes
hauptet die Erde die unterfie und mittelfte Gtelle in dem
Banzen. Gie. hängt ſchwebend an der Weltaxe feit, und haͤlt
zugleich Das, durch deffen Kraft fie fchwebend gehalten
wird, im Gleichgewicht; fie allein iſt alſo unbeweglid),
°) plinius denkt fih die vier Elemente ald vier Gphären,
von denen eine bie andere umgibt und einfchließt; eine
Theorie, die eben fo wenig genligt, als manche neuere.
*”, Mac) der gewöhslihen Lesart in suo, weldhe weit mehr
als die Verbeſſerung vi sua ber in diefem Kapitel entwis
delten Anſicht entfpricht.
5. Plinius Naturgeſch. 18 Boͤchn. 7
98 C. Plinius Naturgefchichte.
während ſich das Univerſum um fie dreht: fie wird durch
Alles gehalten, und auf fie ftünt fi wiederum Alles.
(m) -3. Swifhen ihr und dem Himmel fchweben: in
derjelben Luft, durch beflimmte Zwiſchenräume von einander
getrennt, fleben Geflirne, ) welche wir, ‚weil fie ſich fort
beivegen , Irrſterne [Planeten] nennen, obſchon keine we-
niger irren als fle. In ihrer Mitte läuft die Sonne, body
herrlich an Größe und Macht, nicht nur der Jahreszeiten
und Klimate, fondern- andy ſelbſt der Geſtirne und des
Himmels Lenterin. Daß. ile das Leben oder vielmehr die
Seele der ganzen Welt, daß fie die höchſte Beherrfcherin
der Natur und eine Gottheit ſey, muß Jeder glauben, der
"Über ihre Wirkungen nachdentt. 4. Sie fpeudet allen '
Dingen Licht und verbannt die SZinfterniß; die - übrigen
Beftiene verbirgt und erleuchtet fie; **) fie bewirkt die. res
gelmäßige Abwechslung der Jahreszeiten und das nach dem
Laufe der Natur ſich ſtets verjüngende Jahr; fle unterbricht
- die traurige Einförmigkeit des. Himmels, und verſcheucht bie
Wolfen des menfchlichen Geiſtes; Nie leiht ihr Licht ben
übrigen Geſtirnen, iſt herrlich, hehr, - allfhauend und
*) Saturn, Jupiter, Mars, die Sonne, Venus, Merkur und
der Mond nach der von Plinius (K. 6.) angenommenen
Neihenfolge. Die evidente Wahrheit, baß die Sonne ben
Mittelpunkt bilde, um welchen fich die Planeten breben,
und baß bie Erbe felbft ein folcher Planet fey, konnte, fo
Tange ‚man von ber Anſicht ausging , bie Erde Hilde ben
Mittelpunkt , um welchen ſich Alles bewege, nicht gefunden
werben.
..
ur
und erleuchtet fie durch ihre Abwefenheit (bei Nacht).
Sie verbirgt bie Geflirne durch ipre Anweſenheit (bei Tag),
|
Zweites Bud, . j 99
elhörend, Was, wie id) fche, der Bater ber Belchrfamkeit,
Homer, *) nur ihr allein nachrühmt.
V «vn. & Deßhalb Halte ich es für mexvſchliche
Schwäche, nah einem Bilde, nach einer Geſtalt der Gottheit
umherzufpähen. Wer auch die Gottheit iſt, wenn es über
haupt eine andere gibt [ald die Eonne], und wo fie auch
ſeyn mag, fo ift fie ganz Gefühl, ganz Geſicht, ganz Ber
hör, ganz Seele, gang Geift, ganz Ich. Un unzählige
Bötter zu glauben, und gar ans Den Tugenden und Laftern
der Menfhen ſolche zu machen, wie die Schamhaftigkeit,
die Eintracht, den Geift, die Hoffnung, die Ehre, die
Güte, die Treue, oder auch (mie es Demokrit beliebte) nur
überhaupt zwei anzunehmen, Gtrafe und Belohnung, gränzt
an nod ‚größeren Unverftand. 2. Die hinfälligen und
mühebeladenen Sterblihen haben im Bewußtſeyn ihrer
Schwäche die Gottheit in Theile zerlegt, damit Jeder Die
jenigen Theile verehren Pönne, deren er am meiften bedarf,
Deshalb finden wir bei verfchiedenen Völkern verfchiebene
Bötfernamen und unzählbare Gottheiten; fogar Die unter
irdischen Mächte, Krankheiten und viele andere Uebel wurs
den zu den BötterBlaffen gezogen, weil wir in banger
Furcht von ihnen verſchont zu bleiben wünſchen. So wurde
auf Öffentliche Koſten dem Bieber eig Tempel auf dem Pas
latinifhen Berge, ein anderer der Orbona *%) neben dem
°, Il. UI, 277.
7) Die Göttin der Eltern, welche Ihrer Kinber beraubt waren,
‚oder beraubt zu werben fürchteten. Der Palatinifche und
der Esquiliniſche Berg find zwei ber ſieben Hügel Noms,
Bol. Livius I, 3 ff.
| 7%
00 €. Plinius Naturgeſchichte.
Tempel ber Zaren [Hausgötter) und ein Altar dem böfen
Geſchicke auf dem Esquiliniſchen Hügel geweiht. 3. Dan
. Bann alfo die Menge der Himmlifhen für bei weitem ‚größer
anfehen,, ale die der Menfchen; denn die Lepteren machen
ja aus ſich noch eben fo viele Götter, als fie ſelbſt find,
indem fle fid, Junonen und Genien *) aneignen; einige
Völker aber halten Thiere, und darunter foaar unfaubere,
und viele andere Gegenftände, die man ſich zu nennen
ſchaͤnt, für Götter, und ſchwören bei f[hmusigen Speiſen
und andern ähnlichen Dingen. »8) — Zu glauben, daß
Ehen unter den Göttern beftehen, und dody in fo langer
Zeit Niemand geboren werde, daß einige’ alt und ſtets
gran, ***) andere Jünglinge und Knaben, +) einige ſchwarz, ++)
geflügelt, +++) hinkend, +*) andere aus einem Ei entfproffen,
und abwecdfelnd den einen Tag lebendig und den andern
todt feyen, T**) gränzt an kindiſche Faſelei. A. Alle Uns
verfchämtheit überfteigt e8 aber, wenn man ihnen Ehebruch,
Streit und Hab andichtet, oder gar Götter für Diebsränte
und Laſter 7***) annimmt. Dem Sterblichen ift der ein
) Die Genien (für bie Männer) und bie Sunonen (für bie
Frauen) entfprehen den Schugengeln der chriſtlichen Welt.
**) Ohne Zweifel find hier bie Hegppter gemeint,
®) Saturn, Uranus, Aesculap u. ſ. w.
FH Wie Apollo, Bacchus, Hebe, bie Grazien.
+}) Grebuß, die Nacht.
44H Mercur, Amor die Horen. . u
T°) Bulcan,
4%) Caſtor und Pollux.
4%) Mercur, bie Woluft u. ſ. w. -
—0
Zweites Bud). — 108
Gott, der dem Gterhlichen hilft, und Dieß ift der. Weg
zum ewigen Ruhme. Auf tiefem wandelten die hohen Rö⸗
mer, anf ihm wandelt, jet nebft feinen Kindern der größte
Herrſcher aller Zeiten, Veſpaſſauus Auguftus, indem er der
allgemeinen Noth fleuert. 5. Es ift ein uralter Gebrauch,
bochverdieuten Männern dadurch den geziemenden Dank
atzufrageh, daß man fie unter die Götter verſetzt. Ja die
Namen aller andern Götter und der Geftirne, von welchen
ich weiter oben fprach, ehtflanden aus verdienftlichen Thaten
der Menſchen. Wer möchte deshalb nicht zugeflehen, daß
ed einen Jupiter, einen Mercur oder andere zn ihrer wech⸗
felfeitigen Unterfcheidung anders genannte Götter, daß es
eine ganze Reihe hinmlifhher Namen gab, wenn man die
Sache nur natürlich erklärt? 6. Lächerlich aber iſt Die
Meinung, daß ſich das höchſte Weſen, Was es auch ſeyn
mag, um tie menfchlicheh: Angelegenheiten befümmere.
Müffen wir nicht vielmehr glauben, oder Bönuen wir auch
nur bezweifeln, daß es ſich durch dieſe traurige und viel:
fältige Dienflleiftung entwürdige? Kaum möchte es fidy
entfcheiden faffen, ob es dem menſchlichen Geſchlechte zuträg-
tidyer fey , wenn man die Götter gar nicht, oder wenn man
fie auf eine Weife verehre, deren man ſich fchämen muß.
Manche bequemen ſich zu ausländifchen Neligionsübnungen,
tragen die Götter und die Ungeheuer, welde fie anbeten,
an den Fingern, *) erdenken ſich [neue] Speifen, während fie
andere [gewöhnlidye] verdbammen, und legen ſich felbft fo .
firenge Geſetze auf, daß fie nicht einmal ruhig fihlafen
°, His Zaliömane in Ringe gefaft,
2 -
- -
102 C. Plinins Naturgeſchichte.
können. ) Sie ſchreiten weder zur Ehe, noch. zur Annahute
vom Kindern, noch zu irgend einem andern Geſchäfte, ohne
ſich zuvor heiligen Webräucyen zu unterwerfen. Andere
betrügen auf dem Kapitol ſelbſt, *) und ſchwören falfch
bet dem donnernden Jupiter. Diele ziehen Vortheil aus
ihren Verbrechen, während Jene durch ihre Frömmigkeit
ſelbſt in Jammer und Elend verſett werben.
7. Doch die Menſchheit hat ſich ſelbſt zwiſchen beiden
Anſichten ein Mittelding, eine eigene Gottheit erdacht, damit
die Frage über diefen Gegenſtand ja immer noch verwidhditer
werde. In der ganzen Weit; an allen Orten, zu allen
Stunden und von allen Zungen wird das Glück allein ver-
ehrt; es allein wird genannt , es allein angeklagt, ihm
allein wird die Schuld von Allem aufgebürdet ; an es allein
wird gedacht, es allein wird gelobt, es allein getadelt und
nicht felten mit Schmähungen afgernjen ;. und doc fchildert
man es faft allgemein als blind, veränderlid, unſtet, um:
beftändig, unzuverläßig, Taunifd und als Bönnerin Unwür⸗
Ä diger. Ihm wird aller Verluſt, ihm. aller Gewinn ***) zus
*) er Üiberfege. nach dem Texte der ältern Ausgaben. Har⸗
douin’d Aenderung - gibt einen völlig verfchiedenen Sinn.
Erwaägt man: die hijtorifche Thatfache,, dab zur Zeit des
‚Plintus fat alle Religionsäbungen in Nom befannt und
gebuldet waren ; erinnert man fich ferner an ben Aegypti⸗
fhen, jüdiſchen und chriſtlichen Cultus, ſo wird man die
Stelle nicht dunkel finden,
°. Bo man Contrakte abfchloß und Eide leiftete, um fie defion
. heiliger und unverleglicher zu machen.
ve), Nach der gewöhnlichen Ledart. Hardouin's Auslaſſung der
‚ Worte omnia a erpean, huic iſt durch Nichts begruͤndet.
“ Zweites Bud. 105
geſchrieben und in dem gatzen Rednnngetuh der Sterb⸗
lihen füllt es allein beide Geiten [Soll und Haben]. Ja
wir ſind ſo ſehr dem Zufall unterworfen, daß uns der
Zufall fetbft als ein Bott gilt, wodurch der Beweis von dem
Dafenn einer Gottheit immer noch unzuverläßiger wird.
8. Eine andere Partei will auch von dieſer Gottheit
[dem Glück oder dem Zufall] Nichts wiffen, und fchreikt
die Schickſale eines Jeden dem bei feiner Geburt obwaltenden
Geſtirne zu. Gott habe, fagen fie, ein für allemal das
Loos aller Menfhen vorausbeſtimmt, und trete fürder nicht
mehr aus feiner unthätigeg Ruhe. Diefe. Anficht hat ange
fangen, feften Fuß au faflen, und das gelchrte wie. das unges
lehrte Volk fällt ihr Haflig zu. Hier haben wir die Anzeigen
der Blige, die Boransfagungen der. Orakel, bie Prophezei⸗
ungen ber Wahrfager, und, Was man feiner Beringfügigkeit
wegen gar nicht berühren follte, das Nießen bei den Aus
aurien und das Gtrauceln der Füße. Der göftlihe Aus
guftus erzählte, daß ihm an bem Tage, der ihm dureh einen
Soldatenaufruhr beinahe den Untergang gebracht hätte, der .
inte Schuh flatt des rechten angezogen worden, fey. *)
9. Alles Dieb zufammengendmmen verwirrt die kurzſichtige
Menſchheit, und nur das Eine iſt gewiß, daß Nichts gewiß
iſt, und daß es kein erbärmlicheres und doch zugleich ſtol⸗
zeres Weſen gibt, als den Menſchen. Denn die übrigen
Geſchöpfe kümmern ſich bloß um ihre Nahrung, die ihnen
die gütige Natur von freien Stücken und zur Genüge ges
währt, und haben noch überbieh Eines voraus, das aber
— ⸗
*,.Sneion. Aug, 14 92.
4108 . €. Plinius Naturgeſchichte.
alten andern Gütern vorzuziehen ift, daß fie nämlich weder
an Ruhm, Geld und Ehrgeiz, noch an den Tod denken,
10. Den meiften Nugen im Leben gewährt jedoch von
allen diefen Anſichten der Glaube, daß fich die Bötter um
die menfchlichen Angelegenheiten befümmern 5; daß. den Miffe-
thaten die Strafen — wenn auch (ba die Gottheit durch eine
ungeheure Menge von Geſchäften gedrängt ift) fpät folgen;
baß fie aber mie ausbleiden, und daß der Menfdr nicht def:
wegen das der Gottheit am nächften ſtehende Geſchöpf ſey,
um an Armſeligkeit den: Tieren zu gleihen. Der ‚größte
Troſt der unvolltommnen Natur ‘des Menfchen bfeibt aber
immer der, daß die Gottheit ſelbſt nicht Alles kaun.
41. Denn fie Bann ſich weder den Tod geben, wenn fle
auch wollte, welche unihäsbare Wohlthat fie‘ doch dem
Menfhen in diefem unendlihen Sammer des. Lebens vers
lichen hat, noch Gterbliche mit ber Unſterblichkeit beſchenken,
oder Todte wieder erwecken, noch machen, daß Jemand, ber
gelebt hat, miche gelebt, oder Jemand, der Ehrenftellen
bekleidet hat, fie nicht bekleidet habe. Ueberhaupt bar fie
auf Alles, was einmal gefchehen ift, Bein anderes Recht,
als es vergeffen zu Pönnen. Ferner vermag fie (um unfere
Aehulichkeit mit der Gottheit auch durch ‚minder ernſte
Gründe zu erweifen) nicht zu bewirken, daß zweimal zehn
nicht zwanzig ſey, und viel‘ Aehnliches; wodurch ı die
Madıt der Natur über allen Zweifel erhoben wird, und
woraus klar hervorgeht, daß fle eigentlih Das fey, was
wir Goit nennen. — Diefe Abfchweifung durfte wohl hier
'ihre Stelle finden, da die Frage, Was die Gottheit -fey,
fortwährend und allgemein aufgeworfen wird,
Zweites Bud. | .105
VI (vin). 4. Kehren wir nun zu den übrigen Werken
der Natur zurück! Die Sterne, welde, wie wir gefagt
haben, *) an dem Himmel feftpalten [&irfterne], ſind nicht,
- wig der große Haufe wähnt, einzeln einem jeden Einzelnen
von uns zugetbeilt, Sp daß Die hellen den Reichen, die
Meinen den Armen, die dunkeln den Kranken, und über:
haupt alle den Sterblichen, Jedem nad) dem ihm beflimmten
Schickſal, leuchten; auch **) fterben fle weder mit dem Men⸗
ſchen, bei deflen Geburt fie aufgegangen find, nody zeigen
die herabfallenden an, dab ein Menſchenleben erlöfche. Go
groß if unfere Gemeinfchaft mit dem Himmel nicht, daß
- andy der Glanz der Gterne das Loos der Sterblichkeit mit
uns theilen müßte. 2. Daben die Sterne vermöge ihrer
Feuerkraft eine; allzugroße Menge von Feuchtigkeit Ange:
zogen, fo ſtoßen fle den Ueberfluß von fid, und es dünkt
uns daun, ald fielen fie herab. ine ähnliche Erfceinung
Pönnen wir an brennenden Lichtern, die mit Del getränkt
find, wahrnehmen. — Uebrigens iind. die Himmelskörper
ewiger Natur; fie umſchlingen die Welt, und find felbft in
Diefe Umfchlingung feſt verwoben. Diejenigen von ihnen,
Die wir, trog ‘der obwaltenden Schwierigkeit, ihrer Wir:
Zungen, ihres Lichtes und ihrer Größe wegen erkennen
konnten, äußern einen bedeutenden Einfluß anf die Erde,
2) Kap. 3., wo von den der Welt eingebrükten Sternbildern
die Rede iſt.
©) Nach ber gewöhnlichen Lesart. Hardouin's erklaͤrendes
Einſchiebſel (quia) iſt Ares,
‘
\ \
96 C. Plinius Naturgeſchichte.
ed der Augenſchein; denn wir fehen hier die Geſtalt eines
Wagens, dort Die eines Bären, anderwärts bie eines
Stieres, und wieder an einer andern Stelle bie eines Bud)-
ftabens , *) während ſich mitten durch den Scheitelpunkt
ein heller. fhimmernder Kreis **) zieht.
(ıw). Auth Die Uebereinftimmung aller Völker "bewegt
mich wenigftend zu diefer Annahme. Denn die Griechen
nannten die Welt „Kodmas“ (Koonos), was fo viel heißt
als Zierde: wir [Römer] gaben ikr wegen ihrer tadellofen,
volltommenen Schönheit den Namen „Mundus“ [Schmuck).
Den Himmel nannten wir „Exelum“ , ohne Sweifel wegen
feiner Uehntichkeit mit getriebener Arbeit (caelartum), wie es
M. Varro *"*) erklärt. Die nafürlihe Drönung der Dinge
unterftügt ebenfalls 'meine Meinung, nämlich die Eintpeilung
des Kreifes, welchen man Thierfreis nennt, in’ zwölf
Thierbilder, und der feit fo vielen Jahrhunderten unverändert
gebliebene Lauf der Sonne durch dieſelben.
dem Oriente zu ſtaͤmmen, und mit der dort beliebten Lehre
von den Emanationen der Gottheit zuſammenzuhangen.
*) Das Delta ober Deitston, ein breisdiges,, nach dem Gries
cyiiſchen Buchſtaben A benannte Sternbild zwifchen ben
Füßen der Andromeda und beim Kopfe bes Mibders,
*, Wahrſcheinlich it hier die Milchjiraße gemeint, Was von
ben ber Welt eingebrücdten Gebilden und den herakfallenden
Samenftoffen gefagt wird, gehört gu. ben alten. Fabeln,
die Feiner Wiberlegung bedürfen. Gben ſo wenig ents
ſprechen, wie Plinius meint, bie GSeſtalten der Stern⸗
bilder ben ihnen beigelegten Namen.
on, De lingua latina m:
Sn
Zweites Buch. 97
IV (vn). 4. Daß es vier Elemente gebe, wird, wie
ih fehe, von Niemand bezweifelt. Das bödfte ift das
Beuer: aus ihm beifehen jene zahliofe gleich Augen herab»
leuchtende ‚Sterne. Das nächſte ift die Luft, welche die
Griechen und wir mit demfelben Wort „Aer“ nennen, Gie
it. befebend, Alles. durchdringend und mit dem AH innigft
verbunden ; Duck) ihre Kraft, hält ſich die Erde mit’ dem
vierten Element, dem Wafler, mitten in dem Raume im
Gleichgewicht. Durch dieſe wechielfeilige Umfpaunung °)
entficht die Verbindung des Verſchiedenartigen, fo daß das
Leichte durch das Schwere am VBerfliegen gehindert, das
Schwere dagegen von dem ſtets aufwärtsftrebenden Leichten
getragen und vor.dem Fallen gefihert wird. 2. Unf Diefe
Weife bleibt durch ein gleid) flarkes Streben nach verſchie⸗
denen Richtungen hin Jedes an feinem Orte, **) und wird
durch die ſtete Ummälzung der Welt felbit sufammengehalten,
Während diefe fi unanfhöriih am ſich ſelbſt dreht, bes
banptet die Erde die unterfte und mittelfte Stelle in dem
Ganzen. Sie. hängt ſchwebend an der Weltare feſt, und ‚hält
zugleich Das, durch deifen Kraft fe fchwebend gehalten
wird, im Gleichgewicht; fie allein iſt alſo unbeweglid,
©, plinius denkt fi) die vier Elemente als vier Gphären,
von denen eine die andere umgibt und einfchließtz eine
Theorie, die eben fo wenig genligt, ald manche nehere,
e5) Nach ber gewöhglichen Ledart in suo, welche weit mehr
als die Werbefferung vi sua ber in diefem Kapitel entwis
delten Anſicht entſpricht.
E. Plinius Naturgeſch. 18 Bihm, 7
|
* J
N
98 C. Plinius Naturgefchichte.
während ſich das Univerſum um ſie dreht: fie wird durch
Alles gehalten, und auf ſie ſtützt ſich wiederum Alles.
nm) 3. Zwiſchen ihr und dem Himmel ſchweben in
derjelben Luft, durch beflimmte Zwifchenränme von einander
getrennt, fieben Geftirne, *) welche wir, weil fie ſich fort⸗
bewegen , Irrſterne [Planeten] nennen, obichon keine we⸗
niger irren als file. In ihrer Mitte läuft die Sonne, hoch⸗
herrlich an Größe und Macht, nicht nur ber Jahreszeiten
und Klimate, fondern- aud) felbft der Geflirne und des
Himmels Lenkerin. Daß Ile das Leben oder vielmehr die
Seele der ganzen Welt, daß fie die höchſte Beherrſchexin
der Natur und eine Gottheit fen, muß Jeder glauben, der
über ihre Wirkungen nachdenkt. 4. Gie fpendet allen '
Dingen Licht und verbannt die Sinfterniß; die- übrigen
Weſtirne verbirgt und erleuchtet fie; **) fie bewirkt die. re:
gelmäßige Abwechslung der Jahreszeiten und das nad, dem
Laufe der Natur id) flets verjüngende Jahr; fie unterbricht
Die traurige Einförmigkeit des Himmels, und verſcheucht Die
Wolken des menſchlichen Geiſtes; fe leiht ihr Licht ben
übrigen Geſtirnen, iſt herrlich, hehr, allſchauend uud
*) Saturn, Jupiter, Mars, die Sonne, Venus, Merkur und
der Mond nach der von Plinius (8. 6.) angenommenen
Meihenfolge, Die evibente Wahrheit, daß die Sonne den
Mittelpunkt bilde, um welchen fich bie Planeten drehen,
und daß die Erde felbft ein ſolcher * ſey, konnte, ſo
Lange man von ber Anſicht ausging , bie Erde bilde ben
Mittelpunkt, um welchen fi) Alles bemäge, nicht gefunden
werben,
*. Eie verbirgt bie Geſtirne durch ihre Anwe fenheit (bei Tag),
und erleuchtet fie durch ihre Abwefenheit ‚(Hei Nacht).
’ i Zweites Buch. 99
allho rend, Was, wie id) ſehe, der Vater ber Gelehrſamkeit,
Homer, *) nur ihr allein nachrühmt.
V «rm. 3 Deßhalb halte ich es für weufchliche
Schwäche, nad einem Bilde, nad) einer Geſtalt der Gottheit
umberzufpähen. Wer auch die Gottheit iſt, wenn es über-
haupt eine andere gibt [als die Sonne], und wo fie auch
ſeyn mag, fo ift fie ganz Gefühl, ganz Geſicht, ganz Ber
hör, ganz Geele, gang Geiſt, ganz Ich. An unzählige
Götter zu glauben, und gar ans den Tugenden und Laftern
der Menſchen foldye zu machen, wie die Schamhaftigkeit,
die Eintracht, den Geift, die Hoffnung, die Ehre, die
Güte, die Treue, oder auch (mie ed Demokrit beliebte) nur
überhaupt zwei anzunehmen, Gtrafe und Belohnung, grängt
an nody größeren Unverftand. 2. Die hinfälligen und
mühebeladenen Sterblichen haben im Bewußtſeyn ihrer
Schwäche die Gottheit in Theile zerlegt, damit Feder bier
jenigen Theile verehren könne, deren er am meiften bedarf.
Deßhalb finden wir bei verfhiedenen Völkern verfchiedene
Bötternamen und unzählbare Gottheiten; fogar die unter
irdischen Mächte, Krankheiten und viele andere Uebel wurs
den zu den Bötterklaffen gezogen, weil wir in banger
Furcht von ihnen verfhont zu bleiben wünfchen. So wurde
auf Öffentliche Koften dem Bieber ein Zempel auf dem Pas
Iatinifchen Berge, ein anderer der Orbona **) neben dem
e, Ji. UI, 277.
+), Die Göttin der Eltern, welche Ihrer Kinder beraubt waren,
‚oder beraubt zu werben fürdhteten. Der Palatinifhe und
der Esquiliniſche Berg find zwei der fieben Hügel Rom’,
Bol. Livius IL, 5 ff.
| 7
a
100° 6. Plinius Naturgeſchichte.
Tempel der Laren [Hausgötter) und ein Altar dem böfen
Geſchicke auf dem’ Esquiliniſchen Hügel geweiht. 3. Man
. Tann alfp die Menge der Himmlifchen für bei weiten ‚größer
anfehen,, als die -der Menſchen; denn die Letzteren machen
ja aus fih noch eben fo viele Götter, als fie ſelbſt find,
indem fie fid, Junonen und Genien ) aueignen; einige
Völker aber halten Thiere, und darunter foaar unfaubere,
und viele andere. Begenflände, die man ſich zu nennen
fhämt, für Götter, und ſchwören bei fhmusigen Speiſen
und andern ähnlichen Dingen. »8) — Zu ˖ glauben, daß
Ehen unter den Göttern beftehen, und doch in ſo langer
Zeit Niemand geboren werde, daß einige' alt und ſtets
grau, ***)andere Jünglinge und Knaben, +) einige ſchwarz, 1*7T)
geflügelt, 14717) hinkend, 78) andere aus einem Ei entfproffen,
und abwechfelnd den einen Tag Iebendig und den andern
todt feyen, T**) gränzt an. kindiſche Faſelei. 4. Ale Un:
verfchämtheit überfteigt es aber, wenn man ihnen Ehebruch,
Streit und Haß andichtet, oder gar Götter für Diebsränke
und Laſter +?**) annimmt. Dem Sterblichen ift der ein
2) Die Genien (für bie Männer) und die Sunonen (für bie
Frauen) entfprehen den Schugengeln ber chriſtlichen Welt.
+) Ohne Zweifel find hier die Aegypter gemeint.
*) Saturn, Uranus, Aesculap u. ſ. w.
H Wie Apollo, Bachne, Hebe, die Grazien.
+) Grebuß, die Nacht,
1}H Mercur, Amor , bie Horen.
*) Bulcan,
+’) Caſtor und Poliux.
22°) Mercur, die Wolluſt u. fi w. J —
en
*
Zweites Bud. . | 101
Gott, der dem Sterblichen hilft, und Dieß ift der. Weg
zum ewigen Ruhme. Auf tiefem wandelten die hohen Nö«
mer, anf ihm wandelt jegt nebft feinen Kindern der größte
Herrſcher aller Seiten, Befpaflanud Auguftus, indem er der
allgemeinen Noth ſteuert. 5. Es ift ein uralter Gebraudy,
bochverdienten Männern dadurdy den geziemenden Dank
abzufragen, daß man fle unter die Götter verfest. Ja die
Namen aller andern Götter und der Geflirne, von welden
ich weiter oben ſprach, entflanden aus verdienftlichen Thaten
ber Menſchen. Wer möchte deshalb nicht zugeftehen, daß
es einen Jupiter, einen’ Mercur oder andere zn ihrer wech⸗
feifeitigen Unterfheidung anders genannte Götter, baß es
eine ganze Reihe himmlifher Namen gab, wenn man die
Sache nur natürlidy erlärt? 6. Lächerlich aber ift die
Meinung, daß fid das höchſte Weſen, Was es aud) ſeyn
mag. um Die menſchlichen Angelegenheiten befümmere.
Müffen wie nicht vielmehr glauben, oder Pönuen wir auch
nur bezweifeln, daß es ſich durch dieſe traurige und viel:
fältige Dienſtleiſtung entwürdige? Kaum möchte es fidy
entfcheiden Iaffen, ob ed dem menſchlichen Geſchlechte zuträg-
tier fen, wenn man die Götter gar nicht, oder wenn man
fie auf eine Weife vercehre, deren man fidy fchämen muß.
Manche beguemen ſich zu ausländifchen Religionsübungen,
tragen die Götter und die Ungeheuer, welche fie anbeten,
an den Fingern, *) erdenten ſich [neue] Speifen, während fie
andere [gewöhnlidye] verdammen, und legen ſich felbit fo
firenge Geſetze auf, daß fie nicht einmal ruhig fchlafen
* Als Talismane in Ringe gefaßt,
*
- —
102 C. Plinins Naturgeſchichte.
konnen. 9 Sie ſchreiten weder zur Ehe, noch zur Annahnie
von Kindern, noch zu irgend. einem andern Geſchäfte, ohne
ſich zuvor Heiligen Webräuchen zu unterwerfen. Andere
beteügen auf dem Kapitol ſelbſt, *%) und Tchwören falfch
bet dem donnernden Jupiter. Diefe ziehen Vortheil aus
ihren Verbrechen, während Jene durd ihre Frömmigkeit
feibit in Iammer und Elend verfegt werben.
7. Doch die Menfchheit hat ſich ſeldſt zwiſchen beiden
Anſichten ein Mittelding, eine eigene Gottheit erdacht, damit
die Frage über dieſen Gegenſtand ja immer uoch verwickelter
werde. In der ganzen Welt; an allen Orten, zu allen
Stunden und von allen ungen wird das Glück allein ver-
ehrt; es allein wird genannt , es allein angeklagt, ihm
allein wird die Schuld von Allem aufgebürdet ; an es allein
wird gedacht, es allein wird gelobt, es allein getadelt und
nicht felten mit Schmaͤhungen angerufen; und doc ſchildert
man es faft allgemein als blind, veränderlih, unftet, um
beftändig, unzuverläßig, launiſch und ats Bönnerin Unwür—
biger. Ihm wird aller Verluſt, ihm aller Gewinn **") zu⸗
©) Ich Aberſetze nach dem Texte ber ältern Ausgaben. Har⸗
donin’d Aenderung - gibt einen völlig verfchiedenen Sinn,
Erwägt man: bie biftorifche Thatſache, dab zur Zeit des
Plinius faft alle NReligionsfibungen in Nom befannt und
geduldet waren; erinnert man fich ferner an ben Aegypti⸗
ſchen, jübifhen und chriſtlichen Cultus, fo wird man bie
Stelle nicht dunkel finden.
°. Wo man Contrakte abſchloß und Eide Leiftete, um fie defto
. heiliger und unverleglicher zu machen.
vr, Nach der gewöhnlichen Lesart. Hardouin’® Auslaffung ber
‚ Worte omnia expensa, huic iſt busch Nichts begränbet,
‚. Zweites Bud. . 105
ceſchrieben, und in dem garzen Rechnungsbuch der Sterb⸗
lichen füllt es allein beide Geiten [Goll und Haben). Ja
wir find fo fehr dem Zufall unterwotfen,. daß und der
Zufall feibft als ein Bott gilt, woburd, der Beweis von dem
Dafeyn einer Gottheit immer noc, unzuverläßiger wird.
8. Eine andere Partei will aud von dieſer Gottheit
[dem Glück oder dem Zufall} Nichts willen, und fchreikt
die Schidfale eines Feden dem bei feiner Geburt obwaltenden
Seftirue zu. Bott habe, fagen.fie, ein für allemal das
Loos aller Menſchen vorausbeſtimmt, und trete fürder nicht
mehr aus feiner unthätigen Ruhe. Diefe. Anſicht hat ange⸗
fangen, feften Fuß zu faſſen, und das gelchrte wie. das unges
lehrte Volk fällt ihr Haflig zu. Hier haben wir die Anzeigen
der Blige, die Boransfagungen der Orakel, die Prophezeis
ungen ber Wahrfager, und , Was man feiner Beringfügigkeit
wegen gar. nicht berühren follte, das Nießen bei den Aus
aurien und das Gtraucdeln des Füße. Der göttliche Au⸗
guſtus erzählte, daß ibm an dem Zage, ber ihm durch einen
Soldatenaufruhr beinahe den’ Untergang gebracht hätte, der .
Iinte Schub flatt des ‚rechten angezogen worden, fey. *)
9. Alles Dieb zufammengenbmmen verwirrt die kurzſichtige
Menſchheit, und nur das Eine iſt gewiß, daß Nichts gewiß
it, und daß ed kein erbärmlicheres und doch zugleich ſtol⸗
seres Wefen gibt, ald den Menfchen. Denn die übrigen
Befchöpfe Fümmern fi) bloß um ihre Nahrung , die ihnen
die gütige Natur von freien Stüden und zur Genlige ges
währt, und haben noch überdieß Eines voraus, das aber
°, Sueion, Aug, 44. 92,
104 EG. Plinius Naturgeſchichte.
allen andern Gütern vorzuziehen iſt, daß fie nämlich weder |
an Ruhm, Geld und Ehrgeiz, noch an den Tod denken.
10. Den meiften Nutzen im Leben gewährt jedoch von
allen diefen Anſichten der Glaube, daß ſich die Götter um
die menfchlihen Angelegenheiten befümmern ; daß den Miſſe⸗
thaten die Strafen — wenn auch (da die Gottheit durch eine
ungeheure Menge von Geſchäften — iſt) ſpät folgen;
daß fie aber mie ausbleiben, und daß der Menfdr nicht deß—⸗
wegen das der Gottheit Am nächſten ftehende Geſchöpf ſey,
um an Armſeligkeit den‘ Thieren zu gleihen. Der größte
Troſt der unvolliommnen Natur des Menfchen bieibt aber
immer der, daß die Gottheit ſelbſt nicht Alles kaun.
41. Denn fie Bann ſich weder den Tod geben, wenn fie
auch wollte, welche unſchäzbare Wohlthat fe: doch dem
Menfchen in diefem unendlihen Jammer des Lebens vers
lieben hat, noch Sterbliche mit der Unfterblichkeit befchenten,
oder Todte wieder erwecken, noch machen, daß Jemand, der
gelebt hat, nicht gelebt, oder Jemand, der Chrenftellen
bekleidet hat, fie nicht ‚bekleidet habe. Weberhaupt has fie
auf Alles, was einmal gefchehen ift, Fein anderes Recht,
als es vergeffen zu Pönnen. Ferner vermag fie (um unfere
QAenutichkeit mit der Gottheit auch durch minder 'ernfte
Gründe zu erweifen) nicht zu bewirken, daß zmeimal zehn
nicht zwanzig fen, und viel‘ Aehnliches; wodurch ı die
Macht der Natur über allen Zweifel erhoben wird, und
woraus klar herdorgeht, daß fie eigentlih Das fey, was
wir Goit nennen. — Diefe Abfchweifung durfte wohl hier
'ihre Stelle finden, da die Frage, Was die Gottheit -fey,
fortwährend und allgemein aufgeworfen wird.
|
Zweites Buch. .405
VI (vn). 4 Kehren wir nun zu den übrigen Werken
der Natur zurück! Die Gerne, welde, wie wir gefagt
baden, ) an dem Simmel feſthalten [Kirfterne], ſiud nicht,
mie der große Haufe wähnt, einzeln einem jeden Einzelnen
Dr uns zugetheilt, fp daß Die hellen den Reichen, die
Meinen den Armen, die dunteln den Kraufen, und über:
haupt alle den Sterblichen, Jedem nad) dem ihn beftimmten
Schickſal, leuchten; auch **) fterben file weder mit dem Mens
fen, bei defien Geburt fie aufgegangen find, noch zeigen
die herabfallenden an, daß ein Menfchenichen erlöfche. Go
groß: ift unfere Gemeinfchaft mit dem Himmel nicht, daß
aut) der Glanz der Gterne das 2008 der Sterblichkeit mit
uns theilen müßte. 2. Daben die Sterne vermöge ihrer
Beuerkraft eine: allzugroße Menge von Feuchtigkeit ange⸗
zogen, fo floßen fie den Ueberfluß von fidh, und es dünkt
uns dann, als fielen fie herab. Eine ähnliche Erfcheinung
innen wir an brennenden Lichtern, die mit Del getränft
find, wahrnehmen. — - Uebrigens ind die Himmelskörper
ewiger Natur; fie umſchlingen die Welt, und find ſelbſt in
diefe Umfchlingung feſt verwoben. Diejenigen von ihnen,
die wir, trog der obwaltenden Schwierigkeit, ihrer Wirs
tungen, ihres Lichtes und ihrer Größe wegen erkennen
tonnten, äußern einen bedeutenden Einfluß auf die Erde,
*) Rap. 3., wo von den ber Welt eingedruͤckten Sternbildern
die Rebe if.
“) Nach ber gewönticgen Leſsart. Hardouin’s erklaͤrendes
Einſchiebſel (quia) iſt überftüfiig.
106 | C. Plinius Naturgeſchichte.
wie wir an dem geeigneten Orte *) zeigen werden. 3. Auch
die Lehre von den Himmelskreiſen wird füglicher bei der
Beſchreibung der Erde **) vorgetrage werden können, da
fie ganz dahin gehört. Nur die ben ThierPreis betreffenden
Erfindungen wollen wir, hier nicht unerwähnt laffen. -Seine
Schiefe foll zuerft Anarimander 'von Milet in der. achtunds
fünfzigten Olympiade [zwiſchen 548 und 545 vor Ghr.]
entdedt, und ſomit die Thüre zur weiteren Erkenntniß ges
öffnet haben. Die Zeichen beffelden faud Cleoſtratus, "**)
umd zwar zuerft die des Widders und des Gchügen. Die
Sphäre (Himmelskugel] ſelbſt erfann lange vorher Atlas. +)
— Doch wir wollen jest den [äußern] Körper der. Welt
ſelbſt verlaffen, und zur Betrachtung Deffen, was ſich jwie
(hen Himmel und Erde befindet, übergehen.
4. Daß das. Geftirn, welches man Saturn nennt, das
höchfte fe, und deßwegen das kleinſte zu ſeyn ſcheine; daß
*) Buch XVII. ‚und vun, die von Der Landwirthſchaft
handeln.
20) B. VI. K. 29.
*00) Weder Anaximander (über welchen man das Schriftſteller⸗
verzeichniß in der Einleitung zu dieſem Buche vergleichen
kann), noch Cleoſtratus, ein Aſtronom des ſechſsten Jahr⸗
hunderts vor Ehr,, find bie Urheber dieſer ihnen bier zus
geichriebenen aſtronomiſchen Entdeckungen. Gie brachten
fie aus dem Orient, wo fie lange vor ihnen bekannt waren,
zuerſt nach Griechenland.
7) Utlas, eine mythiſche Perſon aus dem vierzehnten Jahr⸗
hundert vor Chr., fol König von Mauretanien, großer
Aftronom und Lehrer des Herkules in biefer MWiſſenſchaft
gewefen ſeyn.
Zweites Buch. 407
es den größten Kreis deſchreibe, und nad) dreißig Jahren ®)
wieder 'zu dem. Anfangspunkte feiner Bahn zurüdtomme,
unterliegt einem Zweifel. Alle Wandelfterne, aber, und
alfo auch die Soune und der Mond, nehmen einen [dem
Umſchwunge)] der Weit entgegengefegten Lauf, nämlich nach
der finden Geite Hin, während diefe ih flets nach der
rechten dreht; und obſchon fie durd) - Die unaufhörliche,
ungeheuer ſchnelleè Ummälzung der Welt ergriffen und nach
Welten hin mitfortgeriffen werden ‚: fo befchreibt doch jeder
von ihnen durch eine entgegengefegte Bewegung feine eigene
Bahn. Auf diefe Weife kann ſich bie Luft nicht: durch den
ewigen Umfhwung der Welt nad) einer Seite zufammens
Drängen und zu einer trägen Maffe erflarren, fondern muß
durch den entgegengeſetzten Drud der Geſtirne durchſchnitten,
getrennt und gleichmäßig vertheilt werden. *) 5. Das
Geſtirn des Saturn ift Falter, eiflger Natur. Weit unter
ihm und deßhalb auch ſchneller durdlänft Jupiter feine
Kreisbahn in zwölf Jahren. ***) Mars, ber dritte Planet, +)
*) Die Umfanfzeit des Saturn beiträgt nicht volle 30 Sahre,
: fondern genau berechnet nur 10,749 Tage, 7 Stunden,
31 Minuten und 50 Secunden. Der äußerfte jest in
unferem Sonnengebiete bekannte Planet ift der im Jahre
1781 von Herſchel entdeckte Uranus. |
°*) Diefe Anficht der alten Phyſiker über die Bertheilung der
2 Bufr zerfällt in ſich ſelbſt, ba. ber Raum, in welchem ſich
die Planeten bewegen, unmbalic mit Luft angefüllt feyn
kann. 2
In 11 Jahren und 314 Tagen
gr Zwiſchen Jupiter und Mars het man in unferem Jahr⸗
108 C. Plinius Naturgefchichte.
den Einige auch Herkules nennen, ift fenriger Beſchaffenheit
wegen der Nähe der glühenden Sonne, und vollendet ſeinen
Lauf in ungefähr zwei Jahren. ) Durch die übergroße
Hitze der Sonne und die Kälte des Gatuin wird der zwiſchen
beiden wandelnde Jupiter gemäßigt und heilbringend. ») —
6. Die num folgente Bahn der Sonne beträgt 360 Theile
[Grade]: damit aber ihre Schatten genau wieder zu den:
felben Strihen [der Sonnenuhr) zurückkommen, werden
fedem Jahre fünf Tage und ein Vierteltag zugefügt. Aus
diefer Urſache wird auch jedem fünften Sahr ein Schalttag
beigegeben, damit die ‚Seiteintheilung mit dem Laufe ber
Soare übereinflimme,
- Unterhalb der Sonne on, kreist ein überaus großes
Seien. Benus genaunt; fein abwechſelnder Lauf, +) fo
hundert vier neue Planeten entbedt: Ceres (1801), Pallas
(1802), Juno (1804) und Veſta (1807).
9 In 1 Sahr, 331 Tagen und 22 Stunden, “
0°). Diefe Anficht, von dem heilbringenden Einfluß des Supiter,
3. 8. auf Geburten u. f. w., gehört zu ben aftrologifchen
Träumereien der Alten _
*.., Nach dem alten Planetenfpiem muß man fi Venus,
Merkur und den Mond ald unterhalb der Sonne, Satur-
nus, Supiter und Mars als oberhalb berfelden wandelnd
denken. Jetzt nennt man Merkur und Venus untere
Planeten, weil ihre Bahnen, als ber Sonne näher’ fte
‚hend , von der Erbbahn eingefchloffen find. Mars, Befta,
uno, Ceres, Pallas, Jupiter, Saturnus und Uranus
heißen jest obere, weil ihre Bahnen, ber weiteren Cut:
fernung wegen. die Erbbahn einfchließen.
+) Abwechſelnd wirb ber Lauf ber Venus genannt, weil fie
j einmal ber ‚Sonne vorausgeht, und dann wieder ihr nach⸗
folgt.
Sn
—
%
Zweites Bud. - 409
wie fihon feine Beinamen beweifen, daß es mit der Gonne
und dem Monde wetteifert. Denn eilt ed der Sonne voraus
und geht vor der Morgenröthe auf, fo führt es, weil es,
wie eine zweite Sonne, den Tag befchlennigt, den Namen
Morgenftern (Lucifer); glänzt es aber am abendlichen Hims
mel, fo heißt es, weil ed den Tag verlängert und die
Stelle des Mondes vertritt, Abendſtern (Vesper). Diefe
Eigenſchaft der Venus bemerkte zuerft Pythagoras von Gas
mos um die zweiundfechzigfie Diympiade, ) in weldye das
Fahr 222 der Stadt Rom [532 vor Ehr.] fällt. 8. Un
Größe übertrifft fie alle übrigen Geflirne, **) und ihr Licht
ift fo Helle, daß nur allein durdy ihre Strahlen Schatten
hervorgebracht werden. **) Deßhalb hat fie auch eine
Menge Namen erhalten: denn Einige nennen fie Juno, Andere
ZIſis und wieder Andere Göttermutter [Epbele]). 9. Durch
ihre natürliche Kraft wird Wlled auf der Erde erzeugt:
denn bei ihrem zweimaligen Aufgange [am Morgen und
Abend] verbreitet fle einen befrudhtenden Than, und bewirkt
nicht nur die Hervorbringungen der Erbe, fondern fiachelt
audy alle Lebende Weich zur Befruchtung. Den Umfang des
Thierkreiſes durchläuft fie in 348 Tagen, und ihr Abftand
°) Nach Brotier’d Lesart, welche beffier "mit ber Gefchichte
Gbereinftimmt, als die anderen Lesarten. Olymp. 4 *
A. V. 142. Olymp. 32 =A,\V., 113,
“*, Nur fcheinbar, Hera fie ber Erde, die ungefähr gleiche
Oröße mit ihr Hat, am nächften iſt. Der größte Planet
ift Tupiter,
“), Nach ben Beobachtungen der neueren Aſtronomen werfen
auch Tupiter und Merkur Schatten.
J
10 C. Plirius Naturgefchichte.
don der Gonne beträgt, wie Timäus annimmt, nie über
36 Grabe. °
10. Bon ähnficher Beihhaffenheit, ”) aber keineswegs
ron gleihher Größe und gleichem: Einfluſſe, if das ihr zu⸗
nächte wandelnde Geflirn des Merkur, welches auch Einige
Apollo nennen. Es beſchreibt feine tiefere Bahn in einem
um neun .Tage fchnelleren Umlauf, glänzt bald vor dem
Aufgang der Sonne und bald nach dem Untergange ber:
felben, und ift nie weiter als 23 Grade von ihr entfernt, ***)
wie Derfelbe (Timäus] und Soflgenes Ichren. 414. Diefe
tbeiden] Geftirne find alfo-von befonderer uud ganz anderer
Beſchaffenheit, als die obengenannten. Denn ſie ſtehen um
ein Viertheil und ein Drittheil des Himmels von der Sonne
ab, und oft ſieht man ſie der Sonne gerade gegenüber; auch
beſchreiden ſie alle bei ihrer vollen Umwälzung ganz andere,
größere Bahnen, von denen bei der Lehre von dem großen
Jahre die Rede feyn wirt. 7) »
*) Die Venus vollendet nach ber jegigen genaueren Berech⸗
nung ihren auf in 224 Tagen und 17 Stunden, unb
entfernt fi) nie fiber 48 Grabe von der Sonne Won
ihrem befruchtenben Einfluſſe weiß die neuere Aſtronomie
Nichts.
”., Was nämlich fein Erſcheinen vor Sonnenuntergang und
nad Sonnenuntergang betrifft.
°.., Merkur vollendet feinen Lauf in 87 Tagen und 23 Stun⸗
den. Sein größter Abſtand von der Sonne beträgt 29
" Grabe.
+) Bon dem großen Jahre, das von einer Conjunctior der
Planeten mit ber Sonne bis zu ber anbern währt, unb 15,000,
nach andern 18,000 Jahre beträgt, ift in ber Naturges
Zweites Buch. 141
(12). 43. Das bewunderungsmwärbigfte von allen iſt
jedoch das legte, der Erde am meiften befreundete Geftizn,
welches die Natur als Mittel gegen die. Finfterniß erfand
— der Mond. Durch feinen vielgeftaltesen Lauf hat es den
Beift der Beſchauer, die mit Unwillen ihre geringe Kenntr
niß des nächſten Geſtirnes einfahen, wahrhaft gefoltert.
Stets wachſend oder abnehmend ift er bald [wie ein Bogen]
in zwei Hörner gekrümmt, bald geigt er. und gerade feine
Hälfte und bald feine ganze volle Scheibe; einmal erfcheint
er uns matt und dann plößtzlich wieder hellglängend; bei
voller Scheibe iff er überaus groß, und dann ift er wieber
anf einmal gar nicht. vorhanden ; bald fcheint er die ganze
Naͤdht hindurch), bald fleigt er erft fpät herauf, und unter
ſtützt einen Theil des Tages hindurdr das Sonnenlicht; er
wird verfintert und bleibt bei der Verfinfterung doch ſicht⸗
. bar, am Ende des Monats verfchwindet er aber gänzlich,
und doch ſoll er dann nicht verfinſtert ſeyn. 43. Einmal
erſcheint er niedrig und ein andermal hoch, und auch Dieß
wieder nicht auf eine und dieſelbe Weiſe. Denn bald iſt er
dem Himmel nah, bald fhheint er die Berggipfel zu berühren,
einmal ſteht er hoch im Norden, das anderemal tief im
ſchichte des Plinius nirgends die Rede. Uebrigens hat man
dieſe Stelle oft dunkler gefunden, als ſie wirklich iſt, und faſt
immer falſch überſetzt. Plinius will ſagen, daß die untern
Planeten von den obern, wie in andern Dingen, ſo auch
in der Größe ihrer Bahnen und der Dauer ihrer Um⸗
laufzeit, die von einer Conjunction der Sonne mit ihnen
bis zur andern reicht, und das große Jahr bildet, und
weiche er ihre volle Umwaͤlzung nennt, verſchieden ſeyen.
u ——
\
- !
-
98 C. Plinius Naturgeſchiche.
während ſich das Univerſum um fie dreht: fie wird durch
Alles gehalten, und auf fie ftüpt fi wiederum Alles. ’
(uw) -3. Zwiſchen ihr und dem Himmel fchweben: in
derielden Luft, durch beſtimmte Zwiſchenräume von einander
getrennt, fleben Geſtirne, *) welche wir, weil fie ſich fort⸗
beivegen , Irrſterne [Pianeten) nennen, obſchon keine wes
niger irren als fie. Ju ihrer Mitte läuft die Sonne, body»
herrlich an Größe und Macht, nicht nur der Jahreszeiten
und Klimate, fondern- and) ſelbſt der Geflirne und des
Himmels Lenterin. Daß ſie das Leben oder vielmehr die
Seele der ganzen Welt, daß fie die höchſte Beherrſchexin
der Natur und eine Gottheit fey, muß Jeder glauben, der
über ihre Wirkungen nachdenkt. 4. Sie fpendet allen
Dingen Licht und verbannt die Zinfterniß; die - übrigen
Beftirue verbirgt und erleuchtet fie; **) fie bewirkt die. re:
gelmäßige Abwechslung ber Jahreszeiten und das nach dem
Laufe der Natur ſich ſtets verjüngende Jahr; fle unterbricht
- die traurige @införmigkeit des. Himmels, und verfcheucht Die
Wolken des menfchlichen Geiſtes; fie leiht ihr Licht ben
übrigen Geftirnen , ift herrlich, hehr, - allfhauend und
*) Saturn, Supiter, Mars, die Sonne, Venus, Merkur und
der Mond nach der von Plinius (K. 6.) angenommenen
Reihenfolge. Die evidente Wahrheit, daB bie Sonne ben
Mittelpunft bilde, um weichen fi bie Planeten drehen,
und baß die Erbe felbft ein folder Planet fey, konnte, fo
ange man von ber Anſicht ausging , bie Erbe bilde den
Mittelpunkt, am welchen fi ih Alles beivege, nicht gefunden
werben.
vo. Sie verbirgt bie Geſtirne durch ipre Anweſenheit (bei Tag),
und ‚erleuchtet fie durch ihre Abweſenheit (dei Nat).
weites Bud. ' 99
allhörend, Was, wie ich fche, der Water ber Gelehrſamkeit,
Homer, ®%) nur ihr allein nachrühmt.
Vcvm. 3 Deshalb Halte ich es für wmeufchliche
Schwäche, nad einem Bilde, nach einer Geſtalt der Gottheit
umherzufpähen. Ber auch die Gottheit iſt, wenn es über⸗
haupt eine andere gibt [als die Eonne), unb wo fie auch
ſeyn mag, fo iſt fie ganı Gefühl, ganz Geſicht, ganz Ber
hör, ganz Geele, gang Geiſt, ganz Ich. An unzählige
Götter zu glauben, und gar ans den Tugenden und Laftern
der Menſchen ſolche zu machen, wie die Schamhaftigkeit,
die Eintracht, den Beift, die Doffnung, die Ehre, bie
Güte, die Treue, oder auch (mie es Demokrit beliebte) nur -
überhaupt zwei anzunehmen, Gtrafe und Belohnung, grängt
an nod) ‚größeren Unverſtand. 2. Die hinfälligen und
mühebeladenen Sterblichen haben im Bewußtſeyn ihrer
Schwäche die Gottheit in Theile zerlegt, damit Feder Dies
jenigen Theile verehren Pönne, deren er am meiften bedarf.
Deßhalb finden wir bei verfhiedenen Völkern verfchiedene
Götternamen und unzählbare Gottheiten; fogar die unters
irdischen Mächte, Krankpeiten und viele andere Uebel wur:
den zu den Bötterklaffen gezogen, weil wir in bauger
Furcht von ihnen verſchont zu bleiben wünſchen. Go wurde
auf Öffentliche Koften dem Fieber eig Tempel auf dem Pas
latinifhen Berge, ein anderer der Orbona *”) neben dem
°, &r, UI, 277.
*) Die Bbttin der Eltern, weiche ihrer Kinder beraubt waren,
‚oder beraubt zu werben fürchteten, Der Palatinifhe und
der Esquiliniſche Berg find zwei ber fieben Hügel Rom.
Bol. Livius I, 5 ff.
Ä 7%
ı
100° ©. Plinius Naturgeſchichte.
Tempel der Laren [Hausgötter) und ein Altar dem böfen
Geſchicke auf dem Esquiliniſchen Hügel geweiht. 3. Dan
Nkann alfo die Menge der Himmliſchen für bei weitem größer
anfehen , als die ‚der Menfchen; denn die Letzteren machen
ia aus fi noch eben fo viele Götter, als fie felbnt find,
indem fie fi, Junonen und Genien *) aueignen; einige
Völker aber halten Thiere, und darunter ſogar umfaubere,
und viele andere Gegenflände, die man ſich zu nennen
ſchaͤnt, für Götter, und ſchwören bei ſchmußigen Gpeifen
und andern ähnlichen Dingen. **%) — Zu ˖ glauben, dag
Ehen unter den Göttern beſtehen, und dody in fo langer
Zeit Niemand geboren werbe, daß einige’ alt und ſtets
gran, ***")andere Jünglinge und Knaben, +) einige ſchwarz, tr)
geflügelt, +++) hinkend, T*) andere aus einem Ei entfproffen,
und abwechfelnd den einen Tag lebendig und den andern
todt feyen, T**) gränzt an. kindiſche Zafelei. 4. Alle Uns
verfchämtheit überfteidt e8 aber, wenn man ihnen Ehebrud,,
Streit und Hab andichtet, oder gar Götter für Diebsränke
und Lafter T***) annimmt. Dem Sterblichen ift der ein
2) Die Genien (für bie Männer) und die Sunonen (für bie
Frauen) entſprechen den Schugengeln ber chriſtlichen Welt.
2) Ohne Zweifel find hier bie Aegppter gemeint,
=») Saturn, Uranus, Aedculap u. ſ. w.
+ Wie Apollo, Bacchus, Hebe, die Grazien.
++) Grebus, die Nacht,
T+r) Mercur, Amor , bie Horen.
T”) Bulcan.
+9 Caſtor und Pollur.
42°) Mercur, die Wolluſt u. ſ. w.
Pan. 22
s
Zweites Bud. | 101
Gott, der dem Gterblichen hilft, und Dieß in der. Weg
zum ewigen Ruhme. Auf tiefem wandelten die hohen Rö⸗
mer, auf ihm wandelt iept nebft feinen Kindern der größte
Herrſcher aller Seiten, Vefpaflanus Auguſtus, indem er der
allgemeinen Noth feuert. 5. Es ift ein uralter Gebraudy,
hochverdienten Männern dadurch den geziemenden Dank
abzufragen, daß man fie unter die Götter verfest. Ya die
Namen aller andern Götter und der Geſtirne, von welchen
ih weiter oben fprach, entflanden aus verbienftlichen Thaten
ber Menſchen. Wer möchte deshalb nicht zugeſtehen, baß
es einen Jupiter, einen Mercur oder andere zn ihrer wech—⸗
feifeitigen Unterfcheidung anders genannte Götter, daß es
eine ganze Reihe hinımlifher Namen gab, wenn man die
Sache nur natürlich erklärt? 6. Lächerlich aber iſt die
Meinung, daß fid das höchſte Weſen, Was ed auch feyn
mag. um tie menfchlicheh Angelegenheiten befümmere,
Müffen wie nicht vielmehr glauben, oder könuen wir aud)
nur bezweifeln, daß ea ſich durch diefe fraurige und viel-
fältige Dienftleitung entwürdige? Kaum möchte es ſich
entfcheiden laffen, ob ed dem menſchlichen Geſchlechte zuträg-
fidyer fen, wenn man die Götter gar nicht, oder wenn man
fie auf eine Weife verehre, deren man fidy fchämen muß.
Manche begusmen fid zu ausländifhen Religionsübungen,
tragen die Götter und bie Ungeheuer, welche fie anbeten,
an den Fingern, *) erdenten fidh [neue] Speifen, während fie
andere [gewöhnlidye] verdammen, und legen fi felbft fo
firenge Geſetze auf, daß fie nicht einmal ruhig fihlafen
*, Als Zaliömane in Ringe gefaft,
a
- —
102 C. Plinins Naturgeſchichte.
koͤnnen. ) Gie ſchreiten weder zur Ehe, noch zur Antahute
von Kindern, noch zw irgend einem andern Geſchäfte, ohne
fich zuvor heiligen Webräuchen zu unterwerfen. Andere
betrügen auf dem Kapitol ſelbſt, *) und Tchwören fatfch
bet dem donnernden Jupiter. Diefe ziehen Vortheil aus
ifren Verbrechen, während Jene durch ihre Frömmigkeit
ſelbſt in Jammer und Elend verfept werben.
7. Doch die Menfchheit hat fidy feibft zwiſchen beiden
Anſichten ein Mittelding, eine eigene Gottheit erdacht, damit
die Frage über diefen Begenftand ja immer uody verwicktlter
werde. In der ganzen Welt; an allen Orten, zu allen
Stunden und von allen Zungen wird das Glück allein ver-
ehrt; es allein wird genannt , ed allein angeklagt, ihm
allein wird die Schuld von Allem aufgebürdet ; an es allein
wird gedacht, es allein wird gelobt, es allein getadelt und
nicht felten mit Schmähnngen angerufen ;. und doc ſchildert
man es faft allgemein ale blind, veränderlich, unflet, uns
beftändig, unzuverläßig, launiſch und ats Bönnerin Unwür⸗
Ä biger. Ihm wird aller Beriuft, ihm aller Gewinn **%) zus
°) Ich überfege. nach dem Texte der ältern Ausgaben. Har⸗
donin's Aenberung - gibt einen völlig verfchiedenen Sinn,
Erwäyt man: die hiftorifche Thatfache, daß zur Zeit des
Plinius faft alle Religionsübungen in Nom bekannt und
geduldet waren; erinnert man fich ferner an ben Aegypti⸗
then, jübifhen und chrififihen Cultus, fo wird man bie
- Stelle nicht dunkel finden,
°. Mo man Contraßte abſchloß und Eide Ieiftete, um fie deſis
heiliger und unverletzlicher zu machen.
vr), Nach der gewöhnlichen Lesart. Hardouin's Auslaſſung ber
‚ Worte omnia expensa, hnie ift busch Nichts begründet,
" Zweites Bud. 105
aihhrieben , und in dem gauzen Resnnngsiud) der Sterb⸗
lichen füllt es allein beide Geiten [Goll und Haben). Ja
wie find fo ſehr dem Sufall unserwotfen ,. daß uns Der
Zufall ſelbſt als ein Bott gilt, woburd der Beweis von dem
Dafeyn einer Gottheit immer npdy unzuverläßiger wird.
8. ine andere Partei will auch von dieſer Gottheit
[dem Glück oder dem Zufall} Nichts wiffen, und fchreikt
die Schidfale eined Jeden dem bei feiner Geburt obwaltenden
Seftirne zu. Gott habe, fagen fie, ein für allemal das
2008 aller Menfchen vorausbeflimmt, und trete fürder nicht
mehr aus feiner unthätigen Ruhe. Diele. Anſicht hat anges
fangen, feften Buß zu fallen, und das gelchrte wie. das unges
lehrte Volk fälkt.ihr ‚Haflig zu. Dier haben wir die Anzeigen
der Blige, die Vorausſagungen der Orakel, bie Prophezeis
ungen ber Wahrfager, und, Was man feiner Geringfügigkeit
wegen gar. nicht berühren follte, das Nießen hei den Au⸗
gurien und dag Gtrauceln der Füße. Der göttliche Aus
guſtus erzählte, daß ihm an dem Tage, der ihm durgh einen
Soldatenaufruhr beinahe den Untergang gebracht hätte, der .
Iinte Schuh ſtatt des rechten angezogen worben fen. ”)
9. Alles Dieb zufammengenommen verwirrt die Furzfichtige
Menſchheit, und nur das Eine ift gewiß, daß Nichts gewiß
it, und daß es Bein erbärmlicheres und doch zugleich flols
zeres Weſen gibt, als deu Menſchen. Denn die übrigen
Geſchöpfe Fümmern fid) bloß um ihre Nahrung, die ihnen
die gütige Natur von freien Stüden und zur Genüge ges
währt, und haben noch überdieß Eines voraus, das aber
*) Susion. Aug. 14. 92,
4108 .. €. Plinius Naturgeſchichte.
alten andern Gütern vorzuziehen ift, daß fie nämlich weder
an Ruhm, Geld und Ehrgeiz, noch an den Tod denken.
10. Den meiften Nusen im Leben gewährt jedody von
allen diefen Anfichten der Staube, daß fich die Bötter um
die menfchlichen Angelegenheiten bekümmern; daß den Miffe-
thaten die Strafen — wenn aud (da die Gottheit durch eine
ungeheure Menge von Geſchäften gedrängt ift) ſpät folgen;
daß fie aber mie ausbleiben, und daß der Menfdr nicht deß⸗
wegen das der Gottheit am nächften ſtehende Geſchöpf ſey,
um an Armſeligkeit den: Thieren zu gleichen. Der ‚größte
Troft der unvolliommnen Natur des Menſchen bleibt aber
immer der, daß die Gottheit ſelbſt nicht Alles kaun.
41. Denn fie Bann fi weder den Tod geben, wenn fle
auch wollte, welche unſchätzbare Wohlthat fie doch dem
Menfhen in diefem unendlichen Sammer des. Lebens vers
lichen hat, noch Sterbiiche mit ber UnfterbiichBeit beſchenken,
oder Todte wieder erwecken, noch machen, daß Jemand, ber
gelebt hat, nice gelebt, oder Jemand, der Ehrenſtellen
bekleidet hat, fie nicht bekleidet habe. Ueberhaupt bat fie
auf Alles, was einmal gefchehen iſt, Bein anderes Nedht,
als es vergeffen zu Bönnen. Kerner vermag fie (um unfere
Aehnlichkeit mit der Gottheit auch durdy minder 'ernfte
Gründe zu erweifen) nicht zu bewirken, daß zweimal zehn
nicht zwanzig ſey, und viel Aehnliches; wodurch ı die
Macht der Natur Über allen Zweifel erhoben wird, und
woraus Plar hersorgeht, daß fle eigentlih Das fey, was
wir Goit nennen. — Diefe Abfchweifung durfte wohl hier
ihre Stelle finden, da die Frage, Was die Gottheit -fey,
fortwährend und allgemein aufgeworfen wird,
\ " {)
Zweites Bud. | 105
VI (vui). 4. Kehren wir nun zu den übrigen Werken
der Natur zurück!‘ Die Sterne, welde, wie wir gefagt
haben, *) an dem Himmel feithalten [Fixſterne], ſind nicht,
wice der große Haufe wähnt, einzeln einem jeden Einzelnen
von uns zugetheilt, fp daß die hellen den Reichen, die
Meinen den Armen, die dunteln den Kranken, und über:
haupt alle den Sterblichen, Jedem nad) dem ihm beflimmten
Schickſal, leuchten; auch **) fterben file weder mit dem Mens
fchen, bei deflen Geburt fie aufaegangen find, nody zeigen
Die herabfallenden an, dab ein Menſchenleben erlöfche. Go
groß. ift unfere Gemeinſchaft mit dem Himmel nit, daß
anch ber Glanz der Sterne das Loos der Sterblichkeit mit
ung theilen müßte. 2. Haben die Sterne vermöge ihrer
Feuerkraft eine; allzugroße Menge von Beuchtigkeit Ange:
zogen, fo ftoßen fle den Ueberfluß von fi, und es dünkt
uns dann, als fielen fie herab. ine ähnliche Erfcheinung
können wir an brennenden Lichtern, die mit Del geträntt
find, wahrnehmen, — Uebrigens ind die Himmelskörper
ewiger Natur; fie umfchlingen die Welt, und find ſelbſt in
Diefe Umfchlingung feft verwoben. Diejenigen von ihnen,
Die wir, trog der obwäaltenden Schwierigkeit, ihrer Wir:
Zungen, ihres Lichtes und ihrer Größe wegen erkennen
Zonnten, äußern einen bedeutenden Einfluß anf die Erde,
*") Kap. 3., wo von ben ber Welt eingebrückten Sternbildern
die Rebe: ift.
“*) Nah ber gewöhnlichen Ledart, Hardouin's erklaͤrendes
Einſchiebſel (quia) iſt überftiig.
‘
16 C. Plinius Naturgefchichte,
wie wir an dem-geeigneten Orte *) zeigen werden. 3. Auch
die Lehre von den Himmelskreiſen wird fünlicher bei der
‚Befchreibung der Erde **) vorgetragen werben fönnen, da
fie ganz dahin gehört. Nur die den Thierkreis betreffenden -
Erfindungen wollen wir, hier nicht unerwähnt laffen. -Seine
Schiefe foll zuerft Anarimander von Milet in der: achtunds
‚ fünfzigen Olympiade - [zwifchen 548 und 545 vor Chr.)
entdedt, und ſomit die Thüre zur weiteren Erßenntniß ger
öffnet haben. Die Beichen deffelden fand Cleoſtratus, "**)
und zwar zuerft die des MWidders und des Gchügen. Die
Sphäre [Himmelstugel] felbft erfann lange vorher Atlas. +)
— Doc wir wollen jent den [äußern] Körper der. Welt
ſelbſt verlaffen,, und zur Betrachtung Deffen, was ſich zwi
(hen Himmel und Erde befindet, übergehen.
4. Daß das. Geflirn, welches man Saturn nennt, das
höchfte fep, und beßwegen das Meinfte zn ſeyn feine ; ; daß
2) Buch xvn. und xvin, die von der Landwirthſchaft
handeln.
29) B. VL-R. 29. |
0, Weber Anaximander (über welchen man bas Schriftfteller:
verzeichniß in ber - Einleitung zu diefem Buche vergleichen
kann), nod) Cleoſtratus, ein Aftronom des ſechſsten Jahr⸗
hunderts vor Ehr., find die Urheber biefer ihnen bier zus
gefchriebenen aftronomifhen Entdeckungen. Gie brachten
fie aus dem Orient, wo fie lange vor ihnen bekaunt waren,
zuerii nach Griechenland. ’
FT) Atlas, eine mpthifche Perſon aus dem vierzehnten Jahr⸗
hundert vor Chr., fol König von Mauretanien, großer
Aftronom und Lehrer bes Herkules in dieſer Wiſſenſchaft
gewefen ſeyn.
Zweites Bud, 0.407
es den größten Kreis befähreibe, und nach dreißig Jahren *)
wieder 'zu dem. Anfangspuntte feiner Bahn zurüdtomme,
unterliegt Feinem Zweifel. . Ulle Wandelfterne, aber, und
alfo auch die Soune und de Mond, nehmen einen [dem
Umſchwunge)] der Welt entgegengefepten Lauf, namlich nad
der linken Geite hin, während diefe ſich ſtets nad der
zehten dreht; und obſchon fie durd) - die unaufhörliche,
ungeheuer fchnelle Ummwälzung der Welt ergriffen und nad
Weſten hin mitfortgeriffen werben „ fo befchveibt doc jeder
von ihnen durch eine entgegengefegte Bewegung feine eigene
Bahn. Auf dieſe Weile kann ſich bie Luft nicht buxch den.
ewigen Umſchwung der Welt nad einer Seite zufammens
Drängen und zu einer trägen Maſſe erflarren, fondern muß
durch ben entgegengeſetzten Druc der Geſtirne durchſchnitten,
getrennt und gleichmäßig vertheilt werden. ) 5. Das
Geſtirn des Saturn ift Falter, eiflger Natur. Weit unter
ihm und deßhalb auch fchneler durchläuft Jupiter feine
Kreisbahn .in zwölf Fahren. ***) Mars, der dritte Planet, +)
*) Die Umtanfzeit des Saturn beträgt nicht volle 30 Jahre,
fondern genau berechnet nur 10,749 Tage, 7 Stunden,
31 Minuten und 50 Secunden. Der äußerfte jetzt in
unferem Sonnengebiete bekannte Planet ift der im Jahre
1781 von Herſchel entdeckte Uranus.
o0) Diefe Anficht der alten Phyſiker aber die Bertheilung der
» Bufr zerfällt im ſich ſelbſt, da ber Raum, in welchem ſich
die Planeten bewegen, unmbglic mit Luft angefaui ſeyn
kann.
In 11 Jahren und 314 Tagen
gr Zwiſchen Jupiter und Mars hat man im unferem Jahr⸗
108 C. Plinius Naturgeſchichte.
ben Einige auch Herkules nennen, ift fenriger Beſchaffenheit
wegen der Nähe der glühenden Sonne, und vollendet ſeinen
Zauf in ungefähr zwei Jahren. ») Durch die übergroße
Hitze der Sonne und die Kälte des Saturn wird der zwiſchen
beiden wandelnde Jupiter gemäßigt und heilbringend. *%)—
6. Die nun folgende Bahn der Sonne beträgt 360 Theile
Grade]: damit aber ihre Gcatten genau wieder zu den: .»
felben Strihen [dee Sonnenuhr) zurückkommen, werden
fedem Jahre fünf Tage und ein Bierteltag zugefügt. Aus
diefer Urſache wird auch jedem fünften Fahr ein, Schalttag
beigegeben, bamit die ‚Beiteintheilung mit dem Laufe ber
Sonne übereinftimme,
7. : Unterhalb der Sonne e., kreist ein überaus großes
Geſtirn, Benus genaunt; fein abwechjelnder Lauf, T) fo
hundert vier neue Planeten entbedt: Ceres (1801), Pallas
(1802), Juno (1804) und Bella (1807).
9 Suıı Jahr, 331 Tagen und 22 Stunden, ’
9%, Diefe Anficht, von bem 'heilbringenden Einfluß des Jupiter,
3. B. auf Geburten u. f. w., gehört zu den aftrologifchen
Zräumereien der Alten. _
*., Nach dem alten Planetenfpftem muß man fid Venus,
Merkur und den Monb als unterhalb der Sonne, Saturs
nus, Supiter und Mars als oberhalb derfelben wandelnb
denfen. Sept nennt man Merkur und Venus untere
Planeten, weil ihre Bahnen, ald ber Sonne rläher fie
‚hend, von ber Erbbahn eingefchloffen find. Mars, Defta,
-Tuno, Ceres, Dallas, Jupiter, Saturnus und Uranus
heißen jest ‚obere, weil ihre Bahnen, ber weiteren Cuts
fernung wegen, bie Erbbahn einfchließen,
+) Abwechſelnd wird ber Lauf der Venus genannt, weil fie
einmal ber Sonne voraudgeht, und dann wieber ihre nach⸗
folgt. ‚
S
f .
A
Zweites Bud). 409
wie fibon feine Beinamen beweifen, daß es mit der Sonne
und dem Monde wetteifert. Denn eilt ed der Sonne voraus
und geht vor der Morgenröthe auf, fo führt es, weil es,
wie eine zweite Sonne, den Tag befchleunigt,, den Namen
Morgenftern (Lucifer); glänzt es aber am abendlichen Hims
mel, fo heißt ed, weil es den Tag verlängert und die
Stelle des Mondes vertritt, Abendſtern (Besper). Diefe
Eigenſchaft der Venus bemerkte zuerft Pythagoras von Gas
mos um die zweiundfechzigfie Olympiade, *) in welche das
Jahr 222 der Stadt Rom [552 vor Chr. fällt. 8. An
Größe übertrifft fie alle Übrigen Geflirne, **) und ihr Licht
ift fo helle, daß nur allein durdy ihre Strahlen Schatten
hervorgebracht werden. »ꝛe) Deßhalb hat fie auch eine
Menge Namen erhalten: denn Einige nennen fie Juno, Undere
Iſis und wieder Andere Göttermutter [Epbele]. 9. Durch
ihre natürliche Kraft wird Alles auf der Erde erzeugt:
denn bei ihrem zweimaligen Aufgange [am Morgen und
Abend] verbreitet fle einen befruchtenden Than, und bewirkt
nicht nur die Hervorbringungen der Erde, fondern flachelt
and) alle lebende Weſen zur Befruchtung. Den Umfang des
Thierkreiſes durchläuft fie in 348 Tagen, und ihr Abftand
*, Nach Brotier’d Lesart, welche befier "mit der Gefchichte
Gbereinftimmt, als die anderen Ledarten. Olymp. 42 =
A. V. 142. Olymp. 32 = A, V, 113,
+, Nur fcheinbar, weil fie ber Erbe, bie ungefähr gleiche
Größe mit ihr Hat, am nächften iſt. Der größte Planet
ift Supiter.
“), Nah ben Beobachtungen der neueren Aftronomen ‚werfen
‚ auch Jupiter und Merkur Schatten.
110 C. Plirius Naturgeſchichte.
von der Sonne beträgt, wie Zimäns annimmt, nie über
36 Grade. ®)
10. Bon ähnticher Beſchaffenheit, ”) aber keineswegs
ron gleicher Größe und gleichem Einfluſſe, if das ihr zu⸗
naächſt wandelnde Geflirn des Merkur, welches auch Einige
Apollo nennen. Es beichreibt feine tiefere Bahn in einem
um neun Tage fchnelleren Umlauf, glänzt bald vor dem
Aufaang der Sonne und bald nad) dem Untergange ders
felben, und ift nie weiterald 23 Grade von ihr entfernt, ***)
wie Derfelbe (Timäus] und Soſigenes lehren. 44. Diefe
lbeiden] Geftirne find alſo von befonderer uud ganz anderer
Beſchaffenheit, als die obengenannten. Denn file flehen um
ein Viertheil und ein Drittheil’ des Himmels von der Sonne
‚ab, und oft flieht man fie der Sonne gerade gegenüber ; ; auch
beſchreiden ſie alle bei ihrer vollen Umwäaͤlzung ganz andere,
größere Bahnen, von denen bei der Lehre von dem großen
Fahre die Rede ſeyn wirt. +) »
*) Die Venus vollendet nad) der jegigen genaueren Berech⸗
nung ihre Sauf in 224 Tagen nub 17 Stunden, unb
entfernt fich nie fiber 48 Grabe von ber Sonne. Won
ihrem befruchtenben Einfluſſe weiß bie neuere Aſtronomie
Fichte. j
so, Was nämlich fein Erfcheinen vor Sonnenuntergang und
nad) Sonnenuntergang betrifft.
*.., Merkur vollendet feinen Lauf in 87 Tagen und 23 Stun:
den. Sein größter Abſtand von der Sonne beträgt 29
Grade.
+) Bon dem großen Jahre, das von einer Conjunction ber
Planeten mit der Sonne bis gu ber andern währt, unb 15,000,
nach) andern 18,000 Jahre beträgt, if in der Maturges
Zweites Bud). 441
(12). 42. Das bewunderungsmürbigfte von alen if
jedoch das legte , der Erde am meiften befreundete Geftisn, -
welches die Natur ald Mittel gegen die. Finfterniß erfand
—. der Mond. Durch feinen vielgeftalteten Lauf hat e6 den
Beift der Befchaner, die mit Unwillen ihre geringe Kennt:
niß des nächſten Geſtirnes einfahen, : wahrhaft gefoltert.
Stets wachſend oder abnehmend ift er bald [mie ein Bogen]
in zwei Hörner gekrümmt, bald zeigt er. und gerade feine
Hälfte und bald feine ganze volle Scheibe; einmal erfcheint
er und matt und dann plöglic wieder helfglänzend; bei
voller Scheibe iſt er überaus groß, und dann ift er wieder
auf einmal gar nicht. vorhanden; bald ſcheint er die ganze
. Nacht hindurch, bald ſteigt er erſt fpät herauf, und unter:
ſtützt einen Theil des Tages hindurch das Sonnenlicht; er
wird verfinftert und bleibt bei der Verfinfterung doc, ſicht⸗
. bar, am Ende des Monats verfchwindet er aber gänzlich,
und doc ſoll er dann nicht verfinſtert ſeyn. 13. Einmal
erſcheint er niedrig und ein andermal hoch, und auch Dieß
wieder nicht auf eine und dieſelbe Reife. Denn bald iſt er
dem Himmel nah, bald fcheint er die Berggipfel zu berühren,
einmal fteht er hoc im Norden, das anderemal tief im
ſchichte des Plinius nirgends bie Rede. Uebrigens hat man
dieſe Stelle oft dunkler gefunden, als ſie wirklich iſt, und faſt
immer falſch überſetzt. Plinius will ſagen, daß die untern
Planeten von den obern, wie in andern Dingen, ſo auch
in der Größe ihrer Bahnen und der Dauer ihrer Um⸗
laufzeit, die von einer Conjunction der Sonne mit ihnen
bis zur andern reicht, unb das große Jahr ‚bildet, und
welche er ihre volle Ummälzung nennt, verfchieden ſeyen.
—
12 C. Plinius Naturgeſchichte.
Süden. Ulle dieſe einzelnen Eigenſchaften entdeckte von
allen Menſchen zuerſt Endymion an ihm: daher die Sage,
daß er ſich in. ihn verliebt habe. Wahrlich wir find un»
dankbar gegen die Männer, welche durch Anftrengung und
Mühe uns Licht verfchafften über dieſes Lid, und der
menſchliche Geift findet in feiner wunderlichen Verderbniß
mehr Gefallen daran, Blut und Mord in den Jahrbüdyern
anfzuzeichnen, damit allen Denen, die auch nit das Ges
ringfte von dem Weltgebände wiffen, doc ja die Laſter der
Menfchen befannt werden !
44. Der Mond befchreibt ald der dem Mittelpunkte
der Welt *) nächte Planet die kürzefte Bahn, und durch⸗
wandelt in 27% Zagen **) dieſelben Räume, die das höchſte
Geſtirn, der Saturn, erft (wie oben geſagt wurde) in 30
Jahren durchläuft. Darauf verweilt. er zwei Tage in Con⸗
‘junetion mit der Sonne, und beginnt. dann fpäteftens am
dreißigften Tage feinen Wechſel wieder. Ihm haben wir
wohl Alles, was wir Eis jept von den Ericheinungen am
Himmel begreifen konnten, zu verdanken. Er lehrte uns,
daß man das Fahr in zwölf Monaträume eintheilen müße,
weit er eben fo oft die Sonne auf ihrer Rückkehr zu dem
Anfangspuntte ihrer Bahn erreicht; daß fein, fo wie der
übrigen Geſtirne Erſcheinen nur durch die Sonne bedingt
werde; daß er überhaupt nur durch das von ihr erborgte
Licht gerade fo leuchte, wie wir den Wiederſchein eines
[4
*).Der Erde. Kap. 64.
=*,) Mac) genauerer Berechnung In 27 Tagen, 7 Stunden, 43
Minuten und 11 Sekunden. ,
Zweits Bud. . 1443
Lichtes, durch deffen Zurückprallen auf dem Waffer flimmern
fehen; daß er deßwegen Durch feine geringere und unvoll⸗
Bommene Kraft die Feuchtigkeit nur auflöfe, oder aud) ver-
mehre, die Sonnenftrahlen aber Diefelbe verzehren; 45. daß
auch deshalb fein Lichte nicht immer gleidy groß erfcheine,
weil er nur voll ift, wenw er der Sonne: gerade gegenüber
ſteht, an den Übrigen Tagen aber der Erde nur fo viel
Licht zeigt, als er ſelbſt von der Sonne empfängt; 9 daß
er in der Eonjunction nidyt fihtbar fey, weil dann feine
uns nicht zugekehrte Seite alles auf fie fallende Licht wieder
dahin zurückwirft, woher fie es empfangen hat; daß, ohne
Zweifel die Geſtirne überhaupt dur die Erdfeuchtigkeit
genährt werden, weil man an dem Monde, wann er halb
it, manchmal Flecken beobachtet (denn aledann .hat er noch
nicht hinreichende Kraft, die. Dünfte gänzlich aufzufaugen,
and die Flecken fiud nichts Anderes, ale der mit der Feuch⸗
tigkeit von der Erde aufgezogene Schmutz); ”*)
”, Der Mond empfängt ſtets gleich vier Licht von ter Sonne,
d. h. er if ſtets zur Hälfte erleuchtet; aber wir fehen
diefe erleuchtete Hälfte von der Erde aus nicht immer ganz.
»5) Daß bie Erdfeuchtigkeit nicht fiber den Dunftfreid der Erde
hinaueſteige, ift eine jegt allgemein anerfannte Wahrheit; -
tie Anfiht von der Ernährung ber Geflirne und von bem
Entfiehen der Mondflecken zerfällt alfo im fi feldit. Die
Seen, welche an dem Monde, wenn er halb it, nicht
manchmal, wie Plinins fügt, fonbern fan immer gefehen wer:
den, entfiehen nach ber. Meinung ter Pythagoreer, fo wie
der neueren Aftronomen, durch die hoben Berge des Don:
bed, welche, -fo Tange bie Sonnenfſtrahlen fchief auf ihn
fallen, größere Schatten werfen,
€, Ptinius Naturgeſch. 18 Bochn. 8
v
1 C. Plinius Naturgeſchichte.
() daß endlih die Verfinſterungen des Mondes und
der Sonne — gewiß die bei der Naturbefdauung am meiften
auffallende und wunderähnliche Erfheinung — durch den
Schatten, den fie werfen, die Größe beider Geſtirne be⸗
ſtimmen.
VII. 1. &8 iſt namlich offenbar, daß die Sonne durch
die Dazwiſchenkunft des Mondes, und der Mond durch das
Davorliegen der Erde verfinftert werde; daß fich. beide, der
Mond der Erde, und die Erde dem Monde, wechfetfeitig
durch ihr Dazwifhentreten "die Sonnenftrahlen entziehen;
daß, wenn der Mond vor die Sonne tritt, ſich plötzlich
Finſterniß verbreite, und daß auf dieſelbe Weiſe der Mond
durch die Erde verdunkelt werde; daß auch die Nacht nichts
Anderes ſey, als der Schatten der Erde, und daß die Figur
dieſes Schattens einem Kegel oder umgekehrten" Kreiſel
gleiche, der aber nur mit der Spitze den Mond trifft und
die Höhe deſſelben nicht überfleigt: denn Bein anderes Ger
ftirn wird auf dieſelbe Weife *) verfinftert, und ein fogeftaf:
teter Schatten muß auch immer mit feiner Spike aufhören.
2. Daß die Schatten in der Entfernung aufhören, beweifen
schon fehr hoch fliegende Vögel. Ihre Grenze ift alſo da,
wo bie euft endet, und der Aether **) begiunt: Über dem
.*) Durch das Dazwiſchentreten der Erde.
9 Plinius macht einen Unterſchieb zwiſchen. Luft und Aether,
da er oben (Kay. 4. 6. 3. und Kap. 6. 5.4. ) bie Planeten
durch die Luft Iaufen läßt. Das übrigens der Erdfchatten
mit der Luft aufhöre, ift eine nichtige Hypotheſe. Gewöhns
lich nimmt man bie Höhe der Atmoſphäre zu 8 Meilen
V.
1: Zweites Buch. 115
Monte ift Ulled rein und voll ewigen Lichtes. * Die Ges
flirne ſind deßwegen in der Nacht fichtbar, weil fedes Licht
nur im Dunkeln Tenchtet. Aus diefer Urfache wird auch ber
Mond nur bei Nachtzeit, verfinftert. Wiber. weder Sonnen⸗
nody Mondfinjterniffe kehren regelmäßig ieden Monat wies
der, weil der Lauf beider Geſtirne wegen ber Sciefe des
Thierkreiſes und der vielfachen Abweichuugen des Moudes
(wie (how oben bemerkt wurde) nicht immer bis auf bie
Heinften Gradetheilchen übereinftimmt.,
VOII (zı,,. 4. Diefe Betrachtung erhebt ven Geiſt ber
GSterblihen zum Himmel, und enthüllt ibm, als wenn er
von dorther fchante, den Umfang der drei größten Theile *)
der Natur. Das Sonnenlicht. könnte gewiß nicht durch das
Dazwifchentreten des. Mondes der Erde gänzlich entzogen
werden, wenn die Erde größer wäre, als der Mont. +**
- oo
an; bie Länge des Erbfchattend reicht aber Bid zum Mond,
der 51,300 Meilen von der Erbe entfernt iſt.
*) Nach) den neueren aſtronomiſchen Beobachtungen fönnen
auch andere Planeten verdunkelt werben, 3. B. Jupiter
und Saturn durch den Durchgang ihrer Satelliten zwifchen
ihnen und der Sonne.
+, Der Sonne, des Mondes und der Erde Nur bie fchein:
.bare Größe biefer Weltrorver kann hier gemeint ſeyn, nicht
die wirkliche,
oeey Diefe irrige Behauptung, welche den Auslegern unſaͤgliche
Mühe gemacht hat, folgt natürlich aus ber ungegründeten
- Meinung bed Prinius, daß durch eine Gonnenfinfternig
die ganze Halbeugel der Erde verfinftert werde, da doch
eine ſolche, wie manche alte Aftronomen ſchon gut einfahen,
nur an einem verhaͤltnißmaͤßig kleinen Punkte ber” Erbe
ſichtbar iſt. g®
.
— — — — —
46 C. Plinius Naturgefchichte,
3. Durch beite [den Mond und die Erde] aber wird ber
ungeheure Umfang der Sonne. fo völlig außer Zweifel ges
ſetzt, daß es nicht nöthig ift, bei der Erforfchung ihrer Größe
zu Beweifen des Augenfcheins oder .zu Vermuthungen des
Berftandes feine Zuflucht zu nehmen, und fie deßhalb fhr
unermeßlich zu halten, weil fie die Schatten ber fich viele.
tauſend Schritte weit längs den Wegen hin erſtreckenden
Baumreihen gleidy weit von einander-werfe, als ffünde fie -
in dem ganzen Raumg überall in der Mitte; 3. oder weil
fie während der Tags und Nachtgleihe allen Bewohnern
der heißen Bone zugleich *) gerade über dem Scheitel ſtehe;
ober weil die Schatten der-um den Wendekreis Wohnenden
des Mittags gegen Norden, des Morgens aber gegen Wer
-ften fielen, Was nicht möglich ſeyn würse, wenn fle nicht
größer wäre, als die Erde; oder endlich, weil fle bei ihrem.
Anfgange den Berg Ida an Breite überträfe, den fie, obs
glei) durch einen fo großen Zwiſchenraum von ihm gefrennt,
auf der rechten und linken Seite weit und breit befcheine. °*)
2) D. h. an einem und demſelben Tage, nicht aber in einem
und demſelben Augenblick, welche Verkehrtheit man dem
Plinius mob! nicht aufpürden barf.
=’) Mag bier der Ida in Troas oder auf Kreta gemeint ſeyn,
die Behauptung laäßt fih in keinem Falle rechtfertigen.
Denn ein Stanbpunft auf der Erbe, von welbem man
den Ida ganz und von beiten-Eeiten von der Sonne bes
fhienen fehen Könnte, ift nicht denkbar. Uebrigens bes
weifen bie meiften angeführten Gründe, die Piinius ſelbſt
nicht für ſchlagend hält, wohl bie ungeheure Entfernung,
keineswegs aber bie Groͤße der ‚Sonne, - .
Zweites Bud. 447
a. Die Verfinfterung bes Mondes zeigt ihre Größe auf
eine unzweifelhafte Weiſe, fo wie fie felbft durch ihre Wer:
finfterung den geringen Umfang ber Erde darthut. Der,
Schatten geſtaltet ſich nämlich auf dreierlei Art, und zwar
wird er nad der allgemeinen Annahme in Form einer
Säule geworfen, und hat Fein Eude, wenn der Körper, wel
cher den Schatten wirft, dem Lichte an Umfang gleidy iſt;
ift aber der Körper größer als das Licht, fo gleicht der
Schatten einem aufrecht flehenden Kreifel, fo daß er unten
am fhmalften und feine Länge ebenfalld unendlich ift ; äft
jedoch der Körper Meiner als das Licht, fo erhält -der
Schatten eine oben fpis zulaufende Kegelgeftalt, uud einen -
foichen fehen wir bei der Verfinfterung des Mondes. 6
- tiegt 'alfo am Tage, daß wir ferner durchaus nicht mehr
bezweifeln bürfen,, daß die Erde von der Sonne an Größe
übertroffen werde, Was auch die Natur durch ſtillſchweigende
Winke andentet. 5. Denn warum entfernt fidh die Sonne
im Winter für die eine Hälfte des Jahres? Damit ſich bie
Erde durdy den Schatten der Nächte erhofe, welche fle ohne
Zweifel .ausbrennen würde, und welche ſie aud ohnehin an
einem Theile *) ausbrennt. Go ungeheuer ift ihre Größe!
IX am. 4. Der Erfte unter den Römern, welder
das Volk mit den Urſachen der Sonnen s und Mondfinfters
niffe befannt machte, vor Sulpicins Gallus, der zugleich
mit Marcellus das Conſulat bekteidete [166 vor Ehr.]; das
mals jedoch war er erft Kriegstribun, als er, am Tage vor
der Niederlage des Königs Perfens durch (Aemilius] Paulus,
—
°) In ber heißen Zone,
%
48. Plinius Naturgeſchichte.
von dem Feldherrn dem verſammelten Heere vorgeführt
wurde, um bie Finſterniß vorauszuſagen, wodurch er es
‚von der Furcht befreite.) Bald nachher ſchrieb er auch
ein: Buch darüber. Bei den Griechen ſtellte zuerſt vor
‚Allen Thales von Milet im vierten Jahre der Asften Oium-
piade [583 vor Chr.) folhe Forſchungen an, und fagte Die
-Sounenfinfterniß , welche ih unter dem König Alyaktes, *”)
im Jahre der Stadt 170 ereignete, vorher. 2. Nach ihnen
ſtellte Hipparchus eine Beredinung des Laufes beider Geſtirne
für einen Seitraum son 600 Jahren auf, und verzeichnete
‚darin die Zeitrechnung der Völler nach Monaten, Tagen
uud Stunden, fo wie die. verfchiedeien Lagen der Dexter
und die Getalt des Himmels. in den einzelnen Ländern.
‚Altes hat fidy durch die Seit bewährt, und man ſollte faſt
-alauden, er habe au den Rathiclägen der Natur Theil ges
-nammen. Ga groß und über die Natur der Gferblichen
exrhaben nd diefe Männer, welche die Gefebe fo gewaltiger
Gottheiten *7*) .erfaßten, und die jammervolle Geele der
*%, Mor, Livius XLIV, 37. mit Bat, Marimus VII, 11. und
‘ Eicero de,repabl, 1, 15. Nach Ideler (Handbuch her
mathematifhen Chronologie, Berl. 1826. 8. Bd. II.
S. 194) fand dieſe Mondfinſterniß im J. 168 vor Ehr, in
Ä der Nacht vom 21. auf den 22. Juni ftatt,
00) Mor, Herodot I, 74. Die angeführte Sonnenfinfterniß
wird von den meiften Chronologen in Uebereinſtimmung
mit Plinins auf den 28 Mai 583 vor Chr. angefeht. Gie
kann aber nach den neuefien Forfchungen nur am 30 Sep⸗
tember 610 vor Chr, fiattgefunben haben, S. Ideler a.
a. O. Bd. J. ©. 209. -
©, Der Sonne und bed Mondes.
r
- | Zweites Bh. 449
Menfchen- beruhigten, welde bei den Finſterniſſen abſcheu⸗
liche Vorbedeutungen oder irgend eine Zerſtörnng der Bes
flirne befürchteten (welche. Beforgniß fogar die Hochherrliches
fingenden Diditer Stefihorus und Pindar bei einer Sonnen⸗
finfterniß verrathen), und die in ihrer Befchränktheit an
Bersauberung des Mondes glauben, und ihm deshalb durch
ein mißtönendes Gelärm zu Hülfe zu kommen fuchen. *)
5. Wegen folder Furcht ſcheute fih auch Nicias, der Feld⸗
herr der Athener, dem die Urfadye [der Finſterniß] unbe:
Sanıt war, die Blotte aus. dem Hafen [von Gyratus] zn
führen, und fügte ihnen dadurd einen bedeutenden Schaden
zu. *) — Anerkennung alfo euerem Beifle, ihr &rklärer
bed Himmels, die ihr die Natar ber Dinge zu erfaffen and
Beweisgräude aufzubringen. verftandet, wodurch ihre Götter
und: Menfhen beflegt habt! Welcher Gterblichgebarene
weilte noch, wenn er alles Dieß und die vegelmäßig wiebers
Behrenden Wehen der Geflirne (wie man ſich anszudrücken
beliebt Hat) bedenkt, gegen ſein Schickfal murren ? — Ich
will nun, Was man mit Bewißheit von Dielen Dingen
weiß, kurz und fummarifcy berüßren, und die Beweisgrände
ur, wo »es durchaus mötbig ift, bündig anführen: denn
9, Man glaubte, Zauberinnen' wollten durch allerlei Formeln
und Gebete ben Mond vom Himmel herabziehen, und
maſhte deßhalb (wie es jeut noch bei manchen wilden
Völkern Sitte ift) ein furchtbares Gelaͤrm mit Elingenden
Inſtrumenten, damit der Mond bie Zauberfprüche nicht
höre, und ihnen alſo auch nicht zu folgen brauche.
*) Bol, Plutarch im Leben des Nicias 33. 34. Thucydides
+
€
4
410 C. Pinius Naturgefhichte.
einmal liegt eine vollftändige Beweisſührung nicht in dem
Diane des Werkes; zum Andern follte man fi wmeniger
vermindern, daß ich nicht die Urfachen aller Erfcheinungen
anzuführen vermag , als daß idy anch nur bei einigen zu
verweilen im Stande bin.
X (x): 4. Es iſt eine ausgemachte Sache, daß die
Finſterniſſe nach 223 Monaten. wieder in dieſelben Knoten
fallen; daß eine Sonnenfinſterniß nur um die Zeit, wann
der Mond ſeinen Lauf beendigt oder beginnt, Was man die
Conjunction neunt, eine Mondfinſterniß aber nur bei dem
Vollmonde, und zwar ſtets vor der Stelle, an welcher man
die zuletzt vorhergegarigene Finfterniß bemerkte, *) ftattfindet;
daß ferner in jedem Jahre Verfinfterungen beider Geſtirne
an beftimmten Tagen und Stunden unfer ber Erde vorkom:
men; daß man aber nicht einmat die Über der Erde ftatt-
“ findenden allenthalben fehen kann, manchmal der Wolken
wegen, häufiger jedoch, weil die Kugelgeflalt der Erde bie
Betrachtung des gewölbten Himmeld hindert. 2. Durch
bes Hipparchus fcharffinnige Berechnung , die ſich * eine
zweihundertjährige Erfahrung. bewährt hat, weiß man auch,
daß eine Moudfinfterniß zuweilen im fünften, eine Sonnen»
finfterniß aber im fiebenten Monat ber zuletzt vorhergegan:
genen folge, und daß die Gonne in dreißig Tagen zweimal
über der Erde verbunkelt werde; daß man Dieß aber nur
bald von dieſem, bald von jenem Orte aus wahrnehmen
Tonne. Bei diefen wunderbaren Erfcheinungen iſt jedoch am
wenigften zu begreifen, warum. Die VBerfinfterung des Mondes,
*), D. h. nm 2 Grade des Thierkreifes weiter weſtlich.
Zweites Buch. 42214
P f
die Doch durch den Erdfchatten bewirkt wird, bald von feiner
weſtlichen und bald von feiner öſtlichen Seite beginne, *)
und warum fogar ſchon einmal, während beide Geftirne
noch über der Erde ftanden, der Mond beim Untergange
verfinftert wurde, *°) da doc der verfinfternde Schatten
bei tem QAufgange der Sonne hätte unter die Erde fallen
follen. 3. Zu unferer Zeit, als nämlich der Imperator Veſpa⸗
lan, der Bater, zum viertenmal, und der Imperator Befpaflan,
ber Sohn, zum zweitenmal das Eonfulat bekleideten, trug es
fidy auch zu, daß man im Laufe von fünfzehn Tagen beide
Geſtirne am Himmel vermißte. **%
XI (iv). 4. Es unterliegt einem Zweifel, daß ber
Mond feine Hörner ftetd von der Sonne abwende, und beit
Baden nad Oſten, beim Abnehmen aber nach Welten hin
ſchaue; H daß er vom zweiten Tag [nad der Eonjunction]
*) Gewöhnlich beginnen die Werfinfterungen bed Mondes an
der öflichen Seite feiner Scheibe, manchmal auch an ber
°., Gine fogenannte ‚horizontale Finſterniß. Beide Geflirne
befanden ſich jedoch nicht, wie. Plinius meint, fiber ber
Erde; fondern bie Strahlen‘ ber noch 32 Minuten unter
de Horizont befindblihen Sonne brachen fi in ber.
Atmofphäre, fo baß man bie Sonne ſelbſt fchon zu fehen
glaubte. Solcher Finfterniffe finden in einem Zeitraum von
hundert Sahren fünf flatt: zur Zeit des Plinius hatte man
wahrfcheintich erſt eine beobachtet. |
e) D. 5 daß man in 15 Tagen eine Sonnen= und eine
Mondfinfterniß bemerkte. Die Sonnenfinfterniß fand am
8 Fehr. , die Mondfinfterniß am 22 Febr. 72 nad Ehr.
ftatt, und 'beide waren zu Rom fichtbar.
DD. 9 beim Wachfen befindet fih ber Mond oſtlich, beim
Abnehmen weſtlich von der Sonne.
422 C. Plinius Naturgefhichte:
on, bis feine Scheibe ‚voll ift, jeden Tag drei Viertheile
und den vierundzwanzigfien Theil einer Stunte länger
feuchte, *) und daß er in demſelben Verhältniß wieder ab:
"nehme, daß er aber nie ſichtbar fen, beror er vierzehn
Grade don der Eonne abſteht. 2. Aus diefem Umftande
laßt fid) folgern, DaB die Planeten größer feyn müſſen, ale
der Mond, weil fie manchmal ſchon in einer Entfernung
von ſieben Graden zum Vorſchein kommen. Degen ihrer
Höhe, müſſen fie uns aber kleiner feheinen; wie wir denn
auch die Fixſternre wegen des Gonnenglanzes bei Tag nicht
fehen können, obfchon fie eben fo gut Teuchten, wie bei
Nacht, Was man bei einer Sonnenfinfterniß oder in fehr
tiefen Brunnen deutlich wahrnehmen kann.
‚ Al Gav. 1. Bon den Planeten find jene drei, die,
wie wir gejagt haben, **) ſich Über der Sonne befinden,
fo lange unfihtbar, als fie mit der Sonne gehen. ***) Gie
baben aber ihren Morgenaufgang , 1) wenn ihr Abfland
noch nicht mehr als eilf Grade beträgt; +H darauf wird
2) Alſo 47%. Minuten. Un einer andern Stelle (XVII, 765.),
wo Plinius 51'/, annimmt ,. Fommt er ber Zeitbeſtim⸗
mung ber neueren Afronomen (48° 38°) nicht fo nahe.
Seine abweichende Angabe mag daher kommen, baß er
an der einen Gtelle von der Conjunction bis sum Boll:
monde 15 Tage, an der andern aber 14 zählt.
”*) Kap. VI S. 4. 5. Saturn, Mare; Jupiter. \
*) So lange fie en Sonfanction mit der Sonne find,
T Sie werden kurz vor Sonnenaufgang fichtbar.
Tr) Im vorhergehenden Kap. 5. 2. gibt Plinius dem Abſtand
auf 7 Grabe an. Er variirt nach ber ‚verfchiedenen Lage
des Horizonts durch die verfhiebene Wreite und bie uns
gleiche Schnelligkeit der einzelnen Planeten,
-
Zweites. Buch. 135
ihr Lauf durch die Berührung der Sonnenſtrahlen bedingt, 9
und zwar haben ſie ihren Morgeuſtillſtand, *°) weichen man
auch den erften nennt, im Gedrittfchein, in einem Abftand
von hundertundäwanzig Graben, und bald darauf der Sonne
gegenüber **°) in sinem Abftand von hundertundachtzig
Graden ihren AÜbendaufgang. Haben fie ih von der andern.
Seite der Sonne wieder bis auf hundertundzwanzig Grade
genäpert, fo halten fie ihwen Abendſtillſtand, welchen man
auch den zweiten neunt. Endtich kommen ſie wieder im
zwölften Grade in den Bereich der. Sonne, und werden von
ibe verdunkelt, Was der Abenduntergang 7) heift. 2. Der
Manet Mars fühle, weil er der: Sonne näher ift, ihre
Strahlen fon im Geviertfchein, in. einem Abſtand von
neunzig Braden ; deßhalb wird auch fein auf von den beiden
Aufgängen [bis zu den beiden“ Gtillftänden] der erfte und
zweite Neunziger genannt. Auch verweilt er während feines
Stiliftandes ſechs Monate in denfelben Zeichen, die er fonft
in zwei Monaten durchläuft, während die übrigen Planeten
zu ihren beiden Gtiliftänden nicht ganz vier Monate
branden.
3. Die beiden unteren Planeten ++) aber find bei
.*) Je nachdem nämlih (nach der Meinung ber Alten) bie
auf fie fallenden Sonnenſtrahlen fie anziehen oder abftogen.
.,.Dap ſowohl diefer Morgenftilifiand, als auch ber. Abends
Kiliftand der Planeken nur fheinbar fen, ift Iegt allgemein
befannt,
09), In der Oppoſition mit der Sonne.
) Wenn fie aufhören, nach Sonnenuntergang fi ſichtbar zu feyn.
tD Venus und Merkur.
.
12a C. Plinius Naturgeſchichte ic.
ihrer Abendeonjunction auf gleiche Weile unfihtbar: ihr
Morgenaufgang erfolgt, ſobald fie fich von der Sonne ents _
. fernt halten, in denfelben Graden. Haben fie den äußerften
Punkt ihres Abſtaudes *) erreicht, fo laufen fle wieder zur
Sonne, werden, wenn file in ihren Bereich kommen, bei
dem Morgenuntergang verdunfelt, und gehen weiter. Bald
daranf haben fle in demfelben Abſtande ihren Abendaufgang,
und wandeln bis zu den befagten äußerſten Grenzpunkte;
von diefem gehen fie zur Sonne zurüd, und verichhwinden bei
dem Adenduntergang. ‚Auch die Benus hat nach ihren beiden
Aufgängen an dem entfernteften Punkte ihres Abſtandes zwei
Stillſtände, einen Morgens und einen Abendftillftand. Die
Stillſtände des Merkur find von zu Burger: "Dauer, ats daß
‚man fie bemerken könnte.
* Bol. Kap, vi 6. 9. 10.
(Schluß. folgt.)
Jllırı Profaiter
„in
neuen Ueberfegungen J
Herausgegeben
yon? *
G. L. F. Tafel, Profeſſor zu Tübingen ,.
€ R. v. Oſiander, Profeffor zu Stutgart,
m G. Schwab, Pfarrer zu Gomaringen
bei Tühingen,
” Hunbdertfegpsundfünfzigften Bändchen.
Stuttgart, -
Derlag ver J. B. Mesl er'ſchen Buchhandfung.
41840. |
€ oo. | u
Cajus Plinfus Secundus.
Naturgeſſch iſchte.
Ueberſetzt und erlaͤutert
von!
DR Kalb,
DR zu» Dein.
Bmweites Bändden. th,
y . . ©.
Stuttgart,
Berlag der 3. B. Melerſchen Buchhandacus.
4. 8 4 0.
t
on
si
-
C. Plinins Secundus Natyrgeſchichte.
Zweites Bud.
(Schluß.)
XIII. 4. Dieß iſt die Lehre von dem Leuchten und
von dem Verſchwinden der Planeten. Sie wird aber, wenn
man die [unbefländige) Bewegurg derſelben und vielerlei
wunderbere Erſcheinungen berüdfichfigt ; ſtets verwickelter.
Denn ſie wechſeln ihre Größe und ihre Farbe: einmal eilen
ſie nach Norden, dann weicken ſie wieder nach Süden ab;
einmal fcheinen fie der Erde, dann plöglid) wieder dem
Himmel ganz nabe zu feygn. Wenn wit bei der Behandlung
dDiefer Dinge auch Vieles anters erklären, als unfere Vor—
gänger, fo geftehen wir doch gern ein, daß wir audı Diefes
ihnen verdanken, da fle und den Weg zur weiteren Forſchung
gezeigt haben; man bezweifle aber deßhalo nicht, daß in jes
dem Jahrhundert Fortſchritte gemacht werden.
€. Plinius Naturgeſch. 26 vechn. 2
*
4150 E. Plinius Natnrgefchichte. — ’
9. Alle diefe erwähnten Erfdieinungen haben mancher⸗
lei Urfachen, Die erfte Urfache find die Kreife, %) welche
die Griechen (denn wir werden uns hier Griechiſcher Wörter
berienen müffen) in ten Planetendahnen bie Apiten
(iyidas) nennen. Jeder Planet hat Aber feine eigenen Ap⸗
fiden, die ebenfalls von denen! des Himmels verſchieden find :
denn. die Erde bildet zwiſchen den beiden Echeitelpunkten,
- welche man Pole nennt, den Mittelpunkt der Welt *) and
auch des Thierkreiſes, welcher ſich ſchief zwiſchen ihnen hin⸗
zieht- 3. Alles Dieß ſteht durch die Meſſungen des Zirkels
unbezweifelbar feſt. Die Apſiden eines jeden Planeten wer⸗
den alſo durch einen anderen Mittelpunkt bedingt: deßhalb
haben fie [die Planeten] verſchiedene Kreife und ungleiche
Bewegung, weil die inneren [dem Mittelpunkt näßeren]}
"Upfiden nothwendig Fürzer feyn müſſen.
(vi). Die,von dem Erdmittelpunkt entfernteften Ap⸗
ſiden find alſo für den Saturn im Scorpion, für den Ju⸗
piter in der Jungfrau, für den Mars im Löwen, für die
Sonne in den Zwillingen, für die Venus im Schützen, ſür
P Plinius aberſetzt aus Mangel eines lateiniſchen Ausdrucks
das Griechiſche Wort durch Kreis (circulus). Die Alten
nannten aber nicht bie ganzen Kreife der Planetenbahnen
Apfiden, fondern nur die beiden Punfte berfelben, von de⸗
nen der eine ber Erbe am nächlten (Perigkum, Erdnähe),
ber andere am weiteflen von deufelben entfernt ist (Ayo:
gäum, Eedferde).' ’
#0) Hlile Erklaͤrungen ber altem Aftronomen gehen von diefer
falſchen Vorandfegung and, und deßhalb blieb ihnen
Vieles unerklaͤrbar.
us
‚Zweites Bud. | ET
den Merkur im Gteinbod, und zwar ſtets in dem mittelften
ifünfzehnten] Grade Liedes Zeichens): die niedrigften und
dem Erdmittelpundt nächſten Apfiden fallen gerade in die
entgegengefenten Zeichen. D 4. So gefchieht es, daß fi)
die Planeten langſamer zu bewegen ſcheinen, wenn fie die
entfernteften Punkte ihrer Bahn durdylaufen. Sie, befcdhleu:
nigen oder verzögern alſo Feineswegs ihre natürliche Bewe⸗
gung (denn jedem von ihnen iſt eine eigene und unabänder:
fie angewiefen) ; fondern die Linien, weldye man von ber
pöchften Apfide nach dem Mittelpunkte zieht, müſſen fi
nothwendig nach diefem bin immer mehr zufammendrängen,
wie in einem Rade die Speichen. und auf dieſe Weife kommt
uns diefelbe Schnelligkeit je nach der Nähe des Mittelpunktes
bald größer und bald geringer vor.
5. Eine andere Urſache der Höhen der Planeten liegt
darin, daß dieſe, von ihrem eigenen Mittelpunkt an ge⸗
rechnet, ihre höchſten Apſiden in andern Zeichen haben: Sa⸗
turn nämlich im zwanzigſten Grade der Waage, Jupiter im
fünfsehnten des Krebſes, Mars im achtundzwanzigſten des
Steinbocks, die Sonne im neunundswanzigften des W:dbers,
- Benus im fechhzehnten. der Fiſche, Merkur im fünfzehnten
der. Jungfrau, der Mond im vierten des Stieres. *%)
m) Alſo für Satury in den Stier, für Jupiter in die Fifche,
für Mars in den Waſſermann, für die Sonne in den
Schligen,, für Venus in bie Zwillinge und für Merkur im
- ben Krebe.
**) Die Ueberſetzung folgt, ber gewähnlichen Lesart der. Hand⸗
ſchrifien. Hardonin hat die Zahlen ohne Noth geändert;
benn die Stelle wird dadurch um nichts klarer. Einige
2 *
4
\
1353 E. Plinius Naturgeſchichte.
6. Der dritte Grund der Höhen der Planeten iſt der
ungeheure] Umfang .des Himmels, nicht der ihrer Kreiſe;
und oft ift es nur Täuſchung der Augen, wenn fie ſich in
dem Luftmeere zu nähern oder zu entfernen fcheinen.
7. Mit dem Gefagten verbinde man noch die Breiten
und die Gchiefe ded Ihierkreifes. Durch diefen bewegen ſich
die genannten Planeten, und nur derjenige Theil der Erde,
weicher inter ihm liegt, ift bewohnt; alles Uebrige nad)
den Polen bin ift öde ») Nur Venus überfchreitet dem
Thierkreis um zwei Grade, worin auch die Urfache liegen
mag, daß in den wüſten Weltgegenden nody einige Thier—
arten entftchen können. Der Mond durchfchweift feine ganze
Breite, -überfchreifet ihn aber niemals. Nach diefen geht
Merkur am weiteften, fo jedoch, daß er von den zwölf
Graden (fo viele beträgt nämlich Die Breite des Thierkreifes)-
nicht mehr als acht durchläuft, und dieſe nicht einmal gleiche
mäßig, fondern zwei in der Mitte, vier oberhalb und “zwei
unterhalb **) [der Mittelliniel. 8. Die Sonne bewegt ſich
in der Mitte zwifchen ben beiden Lexrften) Braden ***) in
beziehen die von Plinius angegebene zweite Urſache ber
Planetenhöhen auf die Epicykeln, Andere auf bie aftrolo-
giſche Höhe,
*) Die neuen Entdeckungen haben dieſe Anfiht der alten
Welt widerlegt..
**) Die Erklärung biefer Stelle unterliegt mancherlei Schwie⸗
rigkeiten. Gewoͤhnlich verſteht man unter „oberhalu“ feine
nörbliche, und unter „unterhatb“ feine fübn
von der Ekliptik. Jedenfalls beträgt nad, ben Sinne de
Plinius bie größte Breite des Merkur fünf Grabe,
”*) D, h. zwiſchen ben beiden ber Ekliptik naͤchſten Graben,
alſo in ber Erliptik ſelbſt.
⁊
he Entfernung
Zweites Bud. 133
ungleicher, dem Gange eines Dracheun ähnlicher Windung;
Mars durchläuft die vier mittelſten Grade, Jupiter den
mittelſten und zwei darüber, Saturn zwei [wie die Sonne]. *)
So verhält es fid) mit den Breiten der Planeten, fie mögen
nach Güden hin herablaufen, oder nad) "Norden aufs
fleigen: Sehxr Viele haben fälſchlich geglaubt, daß hier-
auf auch die dritte Urfache dev Höhen der Planeten, **)
wenn fie nämlich von der Erde zum Himmel auffteigen,
beruhe, und daß diefer Höhe dann immer aud die Breite
entfpreche : um diefe zu widerlegen, müſſen wir uns auf
eine unendlich fpisfindige, die Urfachen aller diefer Erſchei·
nungen enthüllende Entwidelung einlaffen.
-9. Man ift darüber einig, daß die Planeten Bei ihrem
Abenduntergang der Erde ſowohl der Breite, ald der Höhe
—
2) Der Text iſt verdorben. Die Worte „wie die Sonne“ find
ı Offenbar fpäterer Zuſatz eines unfundigen Abſchreibers.
R Denn Plinind fagt nicht nur einige Zeilem vorher, fondern
aut) weiter oben (Kay. 4.), daß fid, die Sonne in ber
Mitte des Thierkreiſes bewege. Vergleicht man die Theorie
des Plinius von ben fcheinbaren Breiten der Planeten mit
ber neueren Aftronomen, fo ergibt ſich folgendes
Reſultat:
Venus, mach Plinius 8°, nach des Neueren 9° 22°
Der Mond, ⸗ 60, ,. 5 2 6°
Merkur, ⸗ zo0, ⸗ ⸗ 60 54°
Die Sonne, ⸗ 0, - 3 2 0
Mars, - ⸗ 20, ⸗ ⸗ 10 51°
Jupiter, ⸗ 10 30, ⸗ ⸗ 10 30°
Saturn, ⸗ 19, =: 220 30
-#) ©, oben $. 6,
»
.
— ——
136 C. Plinius Naturgefchichte.
nach am nächſten ſind, und daß ihr Morgenaufgang in dem
Anfange beider, *) ihre Stillſtände aber in den mittelſten
Punkten der Breiten, weldhe man die Ekliptik nennt, ftatte
finden. Berner gibt man zu, daß ihre Bewegung ſchneller
fey , ſo lange fie fih in der Nähe der Erde befinden, daf-
fie aber wieder langfamer werde, wenn fle fidh in die Höhe
entfernen, welche Anſicht fi hauptſaäͤchlich durch die Höhen
des Mondes **) bewährt. Eben fo wenig läßt es fich bee
zweifeln, daß die Schnelligkeit der Planeten fich bei ihrem
Morgenaufgange fleigere, und daß fle bei den oberen ***)
fih von dem erſten Stillſtande an bis zum zweiten veringere.
10. Wenn nun alled Das. fich fo verhätt, fo wird man es.
eben fo Elar finden, daß von dem Morgenaüufgange an die
Breite fleigt,. weil in. dieſer Lage die Schnelligkeit der
Bewegung allmälig langfam zuzunehmen beginnt ; daß aber
bei dem erſten GStillftande die Höhe wächst, weil die Zahl
[der Grade ihres Woranfchreitene] fid) zu vermindern und
die Planeten zurüdtzugehen anfangen. Nach meiner Mei’
nung läßt ſich Die Urſache diefer Erfheinung anf folgende
Meife erklären. Wenn die Gonnenfrahlen die Planeten
iu dem ſchon oben angegebenen Grade .+) treffen, fo were
den fie durch den Gedrittfchein gehindert, ‚Ihren geraden
Lauf zu verfolgen, und durch die ſeuerkraft in die Hoͤhe
\
* Der Breite und ber Hobe.
+, Der Mond ſcheint ſich in ver Erdferne lanolomer zu be⸗
"wegen, als in ber Erdnaͤhe.
u.) Saturn, Jupiter, Mare, °-
7) Im 120%, ©, Kap. AL 6. 1.
Zweites Bud. . 135
gehoben. Da wir Diefes mit unferen Augen nicht fogleich
wahrnehnten können, fo glauben wir, fie fleben flill, wos
durch aucd der Name „Stillftand“ auffam. 41. Sodann
fteigert fih die Gewalt diefer Strahlen immer mehr, und
die äurücprallende Hitze zwingt die Planeten zurückzugehen.
Gewöhnlich geſchieht Diefes bei ihrem Abendaufgange, wenn
fie durch die gerade gegenüber flehende ganze Sonne in die
höchſten Anſiden getrieben werden, und am wenigften ſichtbar
find, weit fie dann am höchften flehen, und die Schnelligkeit
ihrer Bewegung am geringften ift; und zwar muß diefe am
geringften feyn, wenn fle in den hödrften Zeichen. der Ap⸗
fiten fattfindet. Bon dem Wbendaufgang an nimmt die
Breite ab, weil ih dann ſchon allmälig die Schnelligkeit
der Bewegung vermindert ;-dod) fleigert ſich diefe nicht eher
wieder, als nah dem zweiten Etillftande, wenn bie
Höhe daburd abnimmt, daß tie Eonnenftrahlen von der
andern Seite fommen, nnd die Planeten mit derfeiben Kraft -
wieder zur Erde herabdrücken, mit der fie diefelben bei dem
‚früheren Gedrittfchein zum Himmel hinauf getrieben haben,
13. So groß ift der Unterfchied, wenn die Strahlen von
unten kommen, und wenn fie von oben herabfallen., Die
angeführte Erfcheinung findet meift bei dem Abendnnters
gange flatt. — Dieß ift Die. Lehre von den oberen Planeten.
Die von den äbrigen *) iſt fehwieriger, und noch von Nie⸗
mand vor und dargelegt.
XIV (avi). 41. Da ſich dieſe Abrigen Planeten [in
ihrem Laufe von den oberen] unterfcheiden, fo wollen wie
©) Benus und Mer. a
156 C. Plinins Naturgeſchichte.
zuerſt erklaͤren, warum die Venus nie mehr als 46 und
Merkur nie mehr als 23 Grade von der Sonne abweichen, *)
und warum fie oft, .ehe fie dieſe Gradezahl erreicht haben,
zu ter Sonne zurüdtehren. Beide haben, da fie unterhalb
der Gonne liegen, umgekehrte [in der Lage verfchiedene con:
vere) Upfiden. Diele befchreiben unter der Sonne **) einen
ebenfo großen Bogen, als die Apfidef der obengenanngen
[pberen) Planeten.über derſelben; fie können alfo nicht weiter
abſtehen, weil die Krümmung der Apfiden daſelbſt ***) Leine
größere Länge [Ausdehnung] hat. Beiden Plaueten ift alfo
auf gleiche Weile durch Die Peripherie ihrer WUpfiden Die
. Weite ihres Abſtandes vorgeichrieben, und Was ihuen au
der Länge der Bahın abgeht, erſetzen fie durch ihre [größere}
Apweichung in die Breite. 7) 2. Aber warum erreichen
fie nicht. immer einen Abſtand von ſechsundvierzig und
son dreiundzwanzig Graden? Gie erreigen biefen wohl.
Unfere Theorie täufht uns nur. Es iſt nämlich offenbar,
daß ſich aud) ihre Apſiden bewegen , 17) weil fie nie durch
9 Mac den neueren Affroncmen betrifgt der größte Aoſtand
‚ber Venus 472/,0, der des Merkur 80°,
©) Nach der alten Brsart „sübter est,“ da ber Berbeiferung
Ä Karbouin’s „sub terra“ fein guter Sinn zu entlocken iſt.
”), In der beftimmten „Entfernung von ber Sonne.
+ Bol. 8. XU. s
+4) Die bier hunter us mitgetheilte Theorie bed Plinkus
von dem größeren ober geringeren Abſtand ber untern
Planeten, welche .fih auf die Sugereränderung bes Apſiden
ſfuͤtzt, if fo unſicher, daß fie Bein Aftronom nach ihm ans
nahm. Man vgl. Über dieſe höchſt fchwierige Stelle: J.
Ziegleri coumentar. ia lib. u. Plinii, Buil. 1531. Fol.
p- 195—196.
Zweites Bud. 437
die Sonne gehen. Wenn atfo die Endpunkte ihrer Bahnen
non der einen oder der andern Seite in den Brad, mworin
ſi h die Sonne befindet, fallen, fo haben, wie man annimmt,
auch die Planeten ihren weiteſten Abfland erreicht; wenn
aber die Endpunkte der Bahnen um eben fo viele [a6 und
233] Grade Ddieffeits kder Gonne) liegen, fo fcheinen die
BHiaueten felbft ſchneller zurückzukehren, da fie doch in bei-
den Fällen den entfernteften Punkt ihres Abftandes erreicht
haben. 5. Daraus it auch die völlig entgegengefehte Art
ihrer Bewegung erklärbar. Denn die obern Planeten laufen
- am fehnellften bei dem Übenduntergange; diefe am langſam⸗
ſten. Jene ſind am weiteften von der Erde entfernt, wenn
fie ih am langſamſten, dieſe, wenn fie. ſich am ſchnellſten
dewegen; denn wie bei jenen die Nähe des Mittelpunktes,
fo beſchleunigt bei dieſen die äußerſte Entfernung der Pe⸗
tipherie den Lzuf. Jene begimmen von dem Morgenaufgang
an ihre Schnelligkeit zu vermindern, dieſe aber zu vermeh⸗
ven 3 jene machen ihre rifgängige: Beweguug vom Morgens
ſtillſtand zum Abendſtillſtand, die Venus aber von dem
Mbdendflillftand zum Morgenſtillſtand. A. In die Breite
zu fleigen beginnt file vom. Morgenaufgang an; m die Höhe
aber, und der Sonne zu folgen, von denn Morgenftilldand
an. Um ſchnellſten und höchſten ift ihr Lauf beim Morgen:
untergang. : Bon dem WAbeutaufgang an aber: nimmt ihre
Berite ab, und ihre Schuelligkeit vermindert fih. Endlich
Faufı fie zuruck, und fleigt zugleich vom ihrer Söhe herab von
dem Abendſtillſtand an. Der Planet Merkur fleigt auf
deidertei Weiſe ) von dem Morgenaufgang an; feine Breite
”, In bie Breite und in bie Höhe, .
138 C. Plinius Naturgeſchichte.
nimmt aber ab von dem Abendaufgang an, nnd wenn er
ſich der Gonne big zu einer- Entiernu: g von fünfjehn Gra«
den genäherr hat, ſteht er vier Tage”) fat unbeweglich ftill,
5. Darauf fteigt ervon feiner Höhe herab, und gebt zurück
vom -Abentunteraang bis zum Morgenaufgang. Nur er und
der Mind fteigen in.eten fo viel Tagen herab, als fie aufs
fle gen. Benus braucht fünfzehnmal mehr zum Aufiteigenz
Eaturn und Jupiter dagegen haben toppelt fo viel, und
Mars gar viermal fo viel Zeit zum Herabſteigen nöthig
ſals fie zum Auſſteigen braudın]. *) So viel Mannigs
faltigkeit siegt in der Natur! Die Urfache ift jedoch Far.
Dean Ras zur Sonnengluth hinftrebt, entfernt fi u) auch
von ihr nur ungern. »»)
XV. 41. Es lußen fih in dieſer Beziehung noch viele
andere Geheimniſſe der Natur und Geſetze, denen fie ſelbſt
*, Nah. ben neuern Aftronomen währt biefer fcheinbare
Stillſtand zwei Tage; die Entfernung von der Sonne bes
träge 18°, 127°.
Nach) den neueren Aftronomen braucht Mars bis zur
Dpprfition 390, Venus 130, Saturn 186 und Jupiten
200 Tage.
++) Um bie Rapitel im, XIII, xiv. auch nur einigermaßen
—zu erläutern, bedürfte es eines größeren Commentars, als
der ben Anmerkungen zu dieſer Ueberſetzung gewährte
Raum zuläßt. ine weitlävfige Erklärung if in der franz
zbſiſchen Ueberſetzung von Ajaſſon be Grandſagne (Par.
1829. Tom.‘ 11,.p. 3152 367) verſucht. ‚Die Theorie
bes Plinius iſt jedoch dadurch um Nichts Elarer geworben,
und. wird ed auch wohl nie werden, da Plinius wahrfcheins
lich ſelbſt das bei den Srieqi cen Aſronamen Geleſene
nicht klar auffaßte. .
v
uk
“uw. - x x
> Zmeiled Buch. 139
unterihan ift, befpredhen. So Hält zum Beifpiel der Planet
Mars, deffen Lauf fi am meiften den Beobadtungen enfs
zieht, nie feinen Gerfifland, wenn Jupiter im Gedrittichein,
und nur felten, wenn diefer ſechzig Grade, weilte Zahl die
Melt in ſechs gleihe Winkel theilt, ſvon der Sonne] ents
fernt ift; andy gehen beide Planeten nur in zwei Zeichen
zugleich auf, nämlich in Denen des Krebſes und des Löwen.
2. Der Planck Merkur aber hat felten feinen Abendaufgang
in den Bifhen, am hänfigften in der Junafrau; feinen
Morgenanfgang hat er in- der Wange, ebenfo in tem Waſ⸗
fermann , fehr felten in dem Löwen. Rüdgängig wird er
in dem Gtier und in den Zwillingen nie, im Krebfe aber
nicht dor dem vierundzmwanzigften Brude *) Der Mond
kommt in feinem andern Zeichen, als in den Smillingen
mit der Sonne zweimal in Conjunction; nur in dem Sctügen .
findet diefe manchmal gar nicht flatt. An dem Tage, oder in
der Nacht, wann fein leptes Viertel aufhört nnd fein erſtes
beginnt, ift er in keinem andern Zeichen ſichtbar, als in
dem Widder, und ſeibſt diefer Anblick war nur wenigen
Sterblichen vergöunt ; daher aud) der Ruf von der Gehtraft
des Lynceus. ») 5. Gaturn und Mars find hödftens
*) Diefe Behauptung Ifk unrichtig. Merkur wird fogar in
deu Zeichen des Stieres und ber Zwillinge häufiger rilck⸗
gängig , als in dem Krebſe. Das ganze Kapitel enthält
Giberbaupt viel Falſches, welches ſich aber leicht durch jedes
autführtihere Handbuch der Aftronomie berichtigen läßt.
"w) Gin Selb der alten Fabel, welher an dem Argonautenzug
Theil nahm , and deffen Blick Himmel ‚ Erde und Unters
welt durchdrang.
n
gg 14 u a 7
10 €. Plinins Naturgeſchichte.
hundertundflebenzig Tage am Himmel unfidtbar, Jupiter
fehsunddreißig oder mindeſtens zehn Tage weniger, Venus
nennundſechzig oder mindeftens zweiuodfunfzig ‚ Merkur
dreizehn oder höchftens achtzehn. ' GE
XVI (vum), 4. Die Planeten ändern ihre Farbe nady
ihrer Höhe; ») denn fie werben denjenigen Geftirnen ähnlich,
in deren Luftkreis fie bei ihrem Wuffleigen kommen, unb ber
Kreis der fremden Bahn, welchem fie fi von der einen
oder von der endern Geite nähern, färbt fie [nach feiner Be⸗
fihaffenheit] ein’ Falter bleich, ein heißer roch und ein win⸗
diger fhanerlih: die Sonne, fo wie die Durchſchnittpunkte
[Knoten] der Upfiden und die entfernteften Endpunkte ihrer
Bahnen verhäflen fie in dichtes Dunkel. Jeder Planet
hat übrigens feine eigenthümliche Farbe. Saturn ift weiß,
Jupiter heil, Mars feurig, der Morgenftern glänzend , der
Abendſtern fhimmernd, Merkur firabfend, der Mond fanft,
. die Sonne, wenn fie aufgeht, atühend, nachher firablend.
2. Mit diefen Urfachen ift noch der Schein. der Äbrigen am
Himmel befindiihen Sterne **) zu verbinden. Denn bald
draͤugt ſich eine dichte Menge um. die Scheibe des Mondes,
wenn‘ biefe in einer ruhigen Nacht fie erleuchtet; bald find
ihrer fo wenige, daB man verwunbernd glaubt, fie ſeyen
entfloben, wenn nämlich der Bolmond fie verbirgt, oder
wenn bie Strahlen der Sonne odes ber oben genannten
2) Nach der richtigeren Bemerkung der neueren Aſtronomen
wird die Farbe der Planeten durch den unſere Erde umge⸗
benden Dunſtkreis Hebingt.
Bu Der Firfterne, -
® ;"
‚Zweites Bus, | | 148
Pioneten unfere Augen bienden. Der Mond ſelbit verfpürt
ohne Zweifel den Einfluß der Gonnenflrahlen je nach der
Weiſe, wie fie auf ihn fallen; denn durch ihre von der Com
verität des Himmeld bedingte Beugung wird ihre Kraft,
gehemmt, in dem Falle ausgenommen, wenn fie unter einem
rechten "Winkel auf ihn ‚fallen. 3. Im Geviertfcheine mit
der Sonne ift er alfo halb, rundet fih im Gedrittfchein B
zum halbgefüllten Kreis, und wird. vol im Gegenfchein ;
beim Abnehmen zeigt er in gieichen Swifchenräymen bie
ſelben Geſtaltungen, und ift darin den byei über der Sonne
befindlichen Planeten ähnlich.
XVII (zıx) 1. Bei der Sonne ſelbſt beobachtet mar
Fiährlih] vier Veränderungen. Sweimat, im Frühling und
im Herbfte, wenn fie auf den Mittelpunkt der Erde ſſenk⸗
recht] fällt, und im achten Grabe des Widders und der
Wange: fteht, macht fie Tag und Nacht gleih; ”) zweimal
verändert fie die Zeitdauer derfelben, indem fle im Winter,
im achten Grade des Steinbodd, den Tag verlängert, bie
Nacht aber bei der Sommerfonnenwende, in bemfelben
Grade des Krebſes. 2. Die Urfache diefer Ungleichheit ift
die Sciefe des Thierkreifes. Es befindet ſich freilich zu
jeder Zeit von der Welt gerade fo viel über der Erde ‚ als
*) Sur Zeit des Plinins fand bie Tag? und Rachtgleiche im
Frühjahr und im Herbſte nicht im 8° des Widders und ber
Waage, ſondern im 28° der Fifche und ber Jungfrau; bie
Winter s und Sommerfonnenwende nicht im 89 bed Stein-
bocks und des Krebſes, fondern im 28° des Schügen und
der Zwillinge fiatt, Die Angabe ded Plinius if nur für
das ſechste Jahrhundert vor Chr." richtig. -
[4
2. €. Plinius Naturgeſchichte.
fi unter derfeiben befindet. Aber die Zeichen, welche bei
ihrem Aufgange fentredt anffleigen, ) behalten. durdy ihren
langſameren Bang länger das Licht; jene hingegen, welche
ſchief auffteigen, ziehen in kürzerer Friſt vorüber.
XVII (x). .1. Den meiften Menſchen ift noch unber
kannt, Was die in der Wilfenfchaft ausgezeichneten Männer
durch fortwährende Beobachtung des Himmels entdedt ha⸗
ben: daß Das nämlich, was man Blig nennt, nichts anderes
if, als. Feuer, welches aus den drei oberen Planeten heraks
fallt, und zwar meiftens Zeuer aus dem mittelſten derſelben
[dem Jupiter nämlich), vielleiht weil er den zu großen
Zufuß von Feuchtigkeit and ber Über ihm liegenden Kreis⸗
Bahn ſdes Saturn] und von Hitze aus der unter ihm bes
findtidien [des Mare] auf diefe Weife von ſich ſtößt: deß⸗
halb fagt man auch, Jupiter ſchleudere die Blitze. 2. Wie
alfo rom brennenden Solze die Kohle praffeind losfährt, fo
von dem Planeten tas himmlifche Feuer, welches überdieß
noch Vorbedeutungen mit ſich dringt; denn nicht einmal ein
von dem Geftirn abgelöstes Theilchen ſtellt feine göttlichen
Verrichtungen ein. Meiftens findet Dieß bei getrübter Luft
ſtatt: entweder, weil die ſich in ihr anhäufende Feuchtigkeit
den Feuerüberflaß zur Entladung reist; oder auch, weil erf
Die Luft durch eine folche Entbindung des ſchwangern Pia:
neten getrübt wird, *°)
9) Krebs, Löwe, Sungfran , Wage, Ecorpion und Schütze.
#4) Der Inhalt diefe® Kapitels iſt laͤppiſche Kinderei. ‚ bie keine
‚ Wiberlegung verbient,
Zmeites Buch. 1443
XIX (ax). 1. Viele haben den Abſtand der Geſterne
von der Erde zu berechnen gefucht, und behanptet, Die Sonne
ſey neunzehnmal,mehr Grade von dem Monde entfeint, als
der Mond felbft- von der Erde. 2. Pothagoras aber, ein
-Maun von tiefeindringendem Geiſt, hat herausgefunden,
daß die Enffernung ven der Erde did zum Mond hundert⸗
undfechsundzwanzigtanfend Gtadien, die von ihm bis zur
Eonne das Doppelte, und Die von dieſer bis zu den zwörf
Zeiten das Dreifache betrage.) Derfelden Meinung war
aud) der Römer Gallus Eutpicius.
XX (xx). 4. Pythagoras nennt jedoch zuweilen mit
einem ter Theorie der Muſik entiehnten Worte die Größe
des Abſtändes der Erde von dem Monde einen Ton. Bon
tiefem bis zum Merfur zählt “er einen halfen Ion, von
diefem bis zur Venus faft eben fo viel, von Diefer bie zur
Sonne einen und einen halben, von der Sonne bis zum
Mars einen Ton, nämtid, gerade fo viel, wie von der Erde
Yis zum Mond. 2. ‚Bon Murs bis zum Jupiter‘ rednet
er einen halben, von tiefem bis zum Saturn wieder einen
halben , und von da.bis zum Thierkreiſe einen und einen
Haben Ton; zufımmen alfo ficben Töne, aus weichen bes
Panntfich die vollftändige Tontelter oder das ganze muſika⸗
liſche Soſtem beſteht. In diefer Harmonie nun foll ſich
Saturu nad) der Dorifcen , und Jupiter nady der Phrygi⸗
+) Nach den neueren Entbeckungen beträgt ber mittlere Ab⸗
ſtand ber. Sonne von der Erde 20,851,000 Meilen, der
des Mondes unachihr 51,300 Meiten. Plinius rechnet
Immer nach olpmpifchen Stadien, beren 40 auf eine geo⸗
gravhiſche Meile gehen.
Ahk- C. Plinius Naturgeſchichte.
ſchen Weiſe bewegen. Dieb, und Was er Achnliches pon
. ten übrigen Planeten beibringt, ift jetoch eine mehr ers
götzliche, als erſprießliche Grübelei. *)
XXI (xxui). 4. Ein Stadium betraͤgt hundertfünfund⸗
zwanzig unſerer Schritte, oder ſechshundertſünfundzwanzig
Buß. Nach Poſldonius iſt die Höhe, in welder ſich die
Nebel, Winde uud Wolfen bilden, nicht weniger als vierzig
Etadien von der. Erde entfernt; weiter. oben aber ift die
Luft rein, dünn und von ungetrübter Helle. Bon der Wols
‚Eenregion aber bis zum Monde zählt er zwei Miklionen, und
von da bis zur Sonne fünfhundert Millionen Stadien, und.
fchreibt es diefer großen Entfernung zu, daß die Sonne bei
iprem ungebeuern Umfang die Eıde nicht ausbrennt. 2. Nach
der gewöhnlichen Annahme fleigen die Wolfen bis zu einer
Höhe von eunzig Stadien. **) Alles Dieß ift aber uner⸗
wiefen und anerforfäbär: ich theile e8 nur: weiter mit, wie
ed mir mifgetheilt wurde. Eine auf untrügliche geometrifche
Grundfäge geſtützte Berechnung darf jedoch keineswegs ver⸗
ſchmäht werden, wenn irgend Jemand Luſt hat, dieſe Dinge
tiefer zu ergründen, nicht als wenn der forſchende Geiſt ein
zuverläßiges Maß ermitteln könnte (denn Dieß nur zu wollen,
wäre wahnfinniger Zeitverluft), ſondern damit er ſich nur
eine.annähernde Berechnung feſt aufftılle. 3. Da die Sonne
naͤmlich auf der Bahn, welche fie zuruͤcklegt, einen Kreis
"m Vgl. Censorinus, de die natali, cap. 13.
9, Die Höchfte Entfernung der Woiten von ber Erde betragt
nicht über 30,000 Fuß. Wenn fie ſich zu Regen aufiöfen,
fieben fie nur 2, 500 Fuß fiber und.
Zweites Bud. - 145
von ungtfähr dreihundertſechsundſechzig Graben befchreibt,
wie aus ihrem [jährlichen] Umlauf erhellt, der Durchmeſſer
aber immer den dritten Theil und etwas weniger als ein
Giebentel des dritten Theils der Peripherie beträgt, *) fo
ift Blar, daß, wenn man die Hälfte des Durchmeſſers abs
zieht (weil nämlicy die Erde gerade im Mittelpunkte [der
Weit) Liegt), fih für die Höhe der Sonne ungefähr der
fechöte Theil des ungeheuern Raumes, welchen wir für die
Kreisbahn derfelben um die Erde annehmen, ergeben müſſe;
daß aber die Höhe des Mondes nur den zwölften Theil bie:
fe8 Raumes betragen könne, weil feine Bahn in diefem
Berhältniß kürzer iſt, als die der Sonne, und daß er ſich
alfo mitten zwifchen der Sonne und der Erde bewege. 4. Es
ift wirtlih wunderbar, wie weit fidy die Verkehrtheit des
menfchlichen Geiftes verirrt: durch einen ganz Bleinen Er—
fofg, wie wir ihm fo eben mitgetheilt haben , gereizt, kennt
feine Frechheit Feine Grenzen. Nachdem man einmal gemagt
bat, die Entfernung der Sonne von der Erde zu errathen,
legt man denſelben Maßſtab aud) an den Himmel, weil ja
die Sonne [zwifchen ihm und der Erde] gerade in der
Mitte ſchwebt, und man redinet ohne weiteres die Größe
”„ Yo! + "ur (richtiger nach Archimedes 7:2). Das Verhaͤlt⸗
niß bed Durchmeſſers zur Peripherie Hat nody nicht genau
ausgemittelt werben koönnen. Gewöhnlich befiimmt man
| e8 nach dem Mathematiter Adrian Metius, wie 1: 3,1415926
... Da Übrigend.bie Borandfegungen bed Plinius, bag
die Erde der Mittelpunkt ber Welt fey u, ſ. w., falſch find,
fo müſſen es auch die Maßbeſtimmungen ſeyn.
€, Plinius Naturgeſch. 28 Bbehn. 3
r
446 © C. Plinius Naturgeſchichte.
ter Welt an den Fingern ab. Denn ſo viele Siebentel der
Durdymeffer hat, fo viele Aweiundzwanzigftel muß die Pe⸗
ripherie haben; als wenn fi das Maß des Himmels ohne
-alle Schwierigkeit durch- das Bleiloth feftftellen ließe.
5. Die Uegpptifhe Berechnung, welche Petoflris und
Necep.us aufbrachten, beſtimmt die Größe eines jeden Grä-
bes der Mondbahn, weldye, wie ſchon gefagt wurde, *) die
Bieinfte. ift, auf etwas mehr als breiumddreißig Stadien;
einin Grad der Bahn des Saturn, melde die größte iſt,
af das Doppelte [66), und einen der Sonnenbahn , welche,
wie wie [Eurz vorher) bemerkt haben, in der Mitte liegt,
auf die Hälfte der Stadienſumme beider [a9';). Diefe
Maßbeſtimmung ift noch die beſcheidenſte Lweil fie nicht zu
weit.geht]. Denn wollte man andy ten Raum zwiſchen ‘der
Bahn des Saturn und dem Zhierkreis ſelbſt berechnen , fo
- würde die Zahlenvermehrung in's Unendliche gehen.
XXI (xxiv). 4. Wir haben jegt noch siniges Wenige
über die Welt beizufügen. Denn am Himmel felbft entftehen
oft plöglichh Sterne; und zwar gibt es. mehrere ‚Arten der-
felben. ab 4
(xxv.) Die Griechen nennen Kometen (xourras) und
«wir Haarſterne (crinitas) jene, welche durch ihr blutiges
"Haar ein ſchreckliches Ausſehen haben, und wie mit einem
firoppigen Haupthaar umgeben find. Bartfterne (nuyurias),
heißen die, bei weldyen an dem unteren Theile eine Mähne,
gleich einem langen Barte, berabhängt; die Schiehifterrte
(ixovriar) fliegen wie ein Wurffpieß dahin, und zeigen ein
9) Kap. VI. 5 12.
Zweites Bud. 147
in ‚Kürze einfreffendes Ereigniß an. 2. 3a’ diefen gehörte
derjenige, weichen der Imperator Titns Eäfır in feinem fünften.
Conſulat [76-n. Ehr.} in einem herrlichen Gedicht genun
beihrieb: er war der lebte, den man bis auf den heutigen
Tag ſah. Sind die Sterne kürzer, und laufen fle nach Art
eines Schwertes zu, fo nennt man fie Schwertſterne
(Eipias): fie find von allen die bleichſten, haben ungefähr den
Glanz eines Schwertes, find aber ohne alle Strahlen, deren
auch ter Scheibenſtern (duoxsis), welcher diefen Namen von
feiner Geſtalt und die Farbe des Bernſteins Hat, nur fehr
menige von feinem Rande auswirft. 3. Der Tommenftern
{m Otðc) erſcheint in der Geſtalt einer Tonne, in deren
-Döhlung ein raudiges Licht brennt; der Hornftern (zeparias)
bat die Geſtalt eines Horns: ein folder war fihtbar, als
Griechenland bei Satamis focht [480 dv. Ehr.). Der Lam:
penitern (anzadias) gleicht einer brennenten Fackel, ber
Dierdefiern (inzeus) einer Pferdemähne, die ih fehr ſchnell
bewegt, und ſich um. ſich felbit im Kreife herumdreht. Es
erjcheint auch manchmal ein ganz weißer Komet, mit fil-
bernem Haare, von fo großem Glanze, daß man ihn kanm
anfeben kann, und Das Bild cines Gottes in wmenfchticher
Geſtalt an ſich darftellend. ) A. Auch ſieht man zuweilen
—
2) Man Fönnte diefe Stelle für eingeſchoben halten, weil fie
ber Aeußerung bed Plinius (Kay. V. 9. 1.), baf es IA:
cherlich fey , die, Geſtalt der Gottheit erforfihen zu wollen;
widerfpriht, Die Meinung, daß biefer weiße Stern kein
anderer Stern ald der der Weilen geweſen ſey, führen
wir der Sonderbarkeit wegen an.
J 3 *
48 C. Plinius. Naturgeſchichte.
Kometen, die zottig, wie Wolle, und mit einer Wolke ums
geben find. Erſt ein -einzigesmal veränderte fi die Form
einer Mähne in die eined Speered, in der hundertund-
achten Olympiade, im dreihundertachtundneunzigſten Jahre
der Stadt. ) Die kürzeſte Zeitfriſt, in der ein Komet ſicht⸗
bar ift, wird auf fieben ‚ ber längfte auf achtzig Tage **)
angegeben.
XXILI. 1. Einige Kometen bewegen ſich nach Art der
Planeten; andere hängen unbemweglich feſt. Faft alle erfcheis
nen im Norden, zwar an Seiner beftimmten Stelle, aber
dody .meiftens in dem weißen Gtreife, welchen man die
Miltchſtraße nennt. Wriftoteled behauptet, ***) daß min
auch. fehon mehrere zugleich gefehen habe: doch wurde Dies,
fo viel ich weiß, noch von feinem Anderen beobachtet. Sie
follen alddann Starken Wind und große Hitze bedeuten,
Manchmal erfcheinen. deren auch in den Wintermonaten und
an dem füblihen Himmel; aber fie find dort ohne allen
Glanz. 2. Als fehr unheilvoll erwies fich den Völkern Ae⸗
thiopiens und Aegyptens jener Stern, welcher von dem
‚gleichzeitigen König Typhon feinen Namen erhielt: er way
yon feuriger Geſtalt, fpiralförmig gewunden und von gräß«
lichem Anſehen, nicht fomohl ein Stern, als vielmehr ein
|
‚») Eine biefer Zahlen ift unrichtin. Denn bas J. .398 b. Er,
(356 v. Ehr.) fällt in die 106te Olympiade.
er) Wahrſcheinlich ein Kehler der Abfchreiber, ſtatt 180 (vgl. S$eneca,
natur. quacst. VII, 24.); welche Zahl aud) Hardouin in
den Ter aufgenommen bat. .
”) Meteorolog. I
‚Zweites Bud. : 449
feuriger Knänt. *) Manchmal zeigen fi auch an den Pla:
neten undam anderen Sternen Haare. — Die Kometen ‚erfcheis
nen nie am abendlichen Theile des Himmels. Schrecklich ik
ein folder Stern faft immer, und nicht leidht feine Border
deutung abzuwenden, wie jene beweifen, die bei den bürger:
fihen Unruhen unter dem Eonfulate des. Octavius [76 nor
Ehr.], dann bei dem Kriege zwiſchen Pompejus und Bäfar
[49 vor Ehr.], und zu unferer Zeit bei der Bergiftung,
durch welche das Reich von Claudius Cäſar an Domitins
Nero überging [54 nad) Ehr.], und unter feiner Regierung .
[nad Ehr. 64] erſchienen, und von denen der lebtere Tage
ſichtbar und von fehr ſchlimmem Einfluß war. 3. Bei den
Borbedeufungen,, glandt man, komme ed darauf an, nach
welcher Richtung hin die Kometen fortſchießen; von welchen
Eternen fie ihre Kraft erhalten; welchen Gegenftänden ſie
gleichen, und an welcher Stelle fie zuerfi auftauchen. Haben
fie die Geſtalt von Flöten, fo gilt ihre Vordedeutung der
Muſik. Erſcheinen ſie in den Schaamtheiien der Sternbilder,
fo gitt fie den unzüchtigen Sitten; dem Genie aber und der
Wiſſenſchaft, wenn fie mit einigen der nie verfchwindenden
Sterne ein Dreieck oder ein Biere mit gleiben Winkeln
bilden. WBergiftung bedeuten fie, wenn man fie in dem
Haupte der nördlichen oder der ſüdlichen Schlange wahrnimmt.
4. Rom ift die einzige Stadt in der ganzen Welt, wo ein
Typhon if eine faselhafte Perfon,, und ob der- nad, ihr
Genannte Komet wirelih ein folder, oder ein feuriges
Meteor war, möchte nicht leicht zu emtfcheiden ſeyn; und
doch Hat man ihn zu berechnen verfücht, und feinem Cine
fluſſe bie Sünbfiuth dugeſchrieben.
⸗ —
450 C. Plinius Naturgefchichte,
Komet in einen; -Iempel verehrt wird, meit nämlich der
göttliche Auguſtus ihn als eine fehr glückliche Vorbedeutnug
“für ſich anſah. Denn er erſchien gerade, 18 er beim Be⸗
ginne feirer Laufbahn , nicht fange 'nadh dem Tode feines
Vaters Eäfar und in dem noch von dieſem eingefeßten Col⸗
legium , *) die Spiele zur Ehre dee Allgebärerin Venus **).
feierte [a4. vor Chr.]. Er felbft äußert feine Freude darüber
in folgenden Morten: „gerade während Der Tage meiner
Spiele war ein Haarftern fleben Tage Sang in jener Ges
gend des Himmels, weiche nach Mitternacht hin liegt, ſicht⸗
bat. Er ging um die eilfte Stunde des Tages Auf, war
fehr glänzend, und wurde in cllen Ländern gefehen. Das
Volk glaubte, durch diefen Stern werde die Aufnahme der
Seele Eäfar’s unter die Zahl der unfterblichen Bötter anges
deptet; und aus diefer Rückſicht haben wir denn auch diefes
Zeichen »*) dem Kopie feines Stanbbilted, weldes wir
batd nachher auf dem Forum weihten, beigefügt.“ 5. So
ſprach er ſich öffentlich ans: in feiner inneren: Freude war
er aber überzeugt, dab der Stern ihm, und daß fein Glück
mit ihm aufgegangen fey, und zwar, wenn wir tie Wahıheit
geſtehen wollen, zum, Heile der Well. — Mande haben
geglaubt, aud) biefe Sterne ſeyen unvergäuglich, und wandeln
⸗
*) Julius Eaſar, der Adeptivvater Auguſts, hatte Eurz’ bor ſei⸗
nem Tode zur Feier dieſer Spiele ein wᷣriefierkollezium zu⸗
ſammenberufen.
e) Venus genitrix. Cäfar hatte ihr als Beſchützerin des‘ Its
- Tifchen Geſchlechtes einen vrachtvollen Tempel gebaut.
”., Ginen Stern.
J
*
€
Zweites Bi t51
ihre beſtimmte Bahn, ) können aber nur außer dem Bes
reiche des. Sonnenlichted gefehen werden. Andere meinen, fie
ensfländen zufällig durch Feuchtigkeit und Feuerſtoff, und.
lösten ſich eben fo wieder auf.
XXIV (sv). 4. Jener nämfiche, nie genug zu fobende
Hipparchus, °*) welcher beſſer als irgend Jemand bewies,
daß die Sterne mit dem Menfhen verwandt und unfere
-Serlen ein Ausfluß des Himmels ſeyen, entdeckte auch einen
neuen und [von den Kometen] verfchiedenen Stern, der zn
feiner Zeit entſtand, und wurde durch deffen Bewegung an
dem Tage felbft, wo er zu leuchten anfing , zu dem Zweifel
verleitet, ob Dieß nicht öfter. gefchehe, und ob nicht auch
diejenigen Sterne, die wir uns als feſtſtehend vorftellen,
ſich bemegen. 2. Er wagte fogar (was felbft einem Bott zu
ſchwer feyn dürfte), den Nachkommen die Sterne darsuzählen,
und fe namentlich zu verzeichnen. Er hatte nämlich In⸗
ſtrumente erfunden, vermittelft weld:er er den Standort uud
die Größe der einzelnen ‚Sterne beftimmte, fo daß man,
affo nicht nur leicht unterſcheiden konnte, ob Sterne vers
fhwinden.und andere entftehen; fondern auch, ob fle über:
haupt ihre Stelle am Himmel wechſeln, oder fid bewegen, und
ob im Zunehmen und Abnehmen. Er hinterließ auf Diele
Beife Allen den Himmel ale Erdſchaft, wenn nur irgend
⸗
8) Dieſe Vermuthung wurde von Halley 1708) zur Gewiß⸗
beit erhoben,
) Vol. Kap. 9 und 10 nebſt ben Bemerkungen über bie vom
Plinius bei feiner ‚Kedmologier benhgten Quellen vor dleſem
Buche.
x
2. rg, Plinius Naturgeſchichte.
einer Luſt hatte, von dem Bermähtniffe Beſitz zu ers
greifen. )
XXV. 1. Es eutſtehen = auch Fackeln, find aber nur,
wenn fie herabfalten, fihtbar. Eine folche fuhr, als Ge:
manicus Cäſax Fechterſpiele gab, am hellen Mittag vor den .
Augen des Volkes vorüber. Es gibt deren zwei Arten. -.
Die Leuchten Gaaradas) nennt man ſchlechtweg Fackeln
(faces), die andere Art aber Geſchoße (Bolidas). Ein ſolches
wurde zur Seit des Unglücks bei Mutina ***) gefehen.
2. Beide Arten unterfcheiden ſih dadurch, daß die Fackeln
ein? fange Gpur zurüdlaffen, und nur an dem vorderen ‘
Theite brennen; die Gefchoße aber durdaus brennen, und ,
einen größeren Raum einnehmen. ”
XXVI. Auf diefelde Weife entflehen . auch Balten
(trabes), doxo? genannt. Ein: folder zeigte ſich bei jener
Miederlage der Lacedämonier ‘zur See, +) durch melde
fie die Oberherrfchaft über Griechenland verloren. — Auch
zeigt mandymal der Himmel felbft eine Oeffnung, was man
zdona nennt. +7) |
7
*) D. h. Aſtrononie zu ſtudrren.
*) Die Meteore, weiche Plinius vom Himmel herabrom.nen
‚läßt, entſtehen in der Atmosphäre durch entzündete Dünfie,
a oder durch die Wirkung der Elektrizitaͤt.
”, Brutus Hatte ſich in Mutina (Modena) verſchanzt. mM.
Antonius belagerte die Stadt (44 vor Chr.), nad «8
blieben dabei "von beiden Seiten fo viele Menfhen, daß
diefe Belagerung ſprichwortlich wurde,
u;
+
395" vor Ehr.).
tt) Die Balken und Deffnungen: des Himmels, die Plinius
Durch die Athener unter Konon (Olymp. XCVI, 2. = °
>
Zweites Bud). 453
XXVII (zıvu), 4. Zuweilen eniſteht auch ein euer
von biuthrothem Anfehen, *) welches vom Himmel zur Erde
perabfäift — eine für die ‚furchtfamen Gterblichen höchſt
ſchreckliche Erſcheinung. in foldhes bemerdte man im dritten
Jahre der hundertundflebenten Olympiade [350 vor Ehr.],
als König Philipp [ron Macedonien] Griechenland erfchät:
terte. 2. Ich glaube, daß diefe Erfcheinungeh, fo wie alle
andere, zu gewiffen, von der Natur beflimmten Zeiten ſtatt⸗
finden, nicht aber, wie die Meiften wähnen, aus allerlei
Urfachen, die ſich die Grübelei der menſchlichen Einbildungs⸗
Eraft ausdentt. Sie mögen wohl. fhon die Borboten von
großen Ungtücsfällen gewefen ſeyn; aber ich bin der Ans
fiht, daß die Unglücksfälle nicht deßwegen eintrafen, weil
die erwähnten @rfcheinungen vorausgingen, fondern daß
diefe vorausgingen, weil jene’ eintreffen follten. *") Da fie
nur felten ſtattfinden, fo ift ung noch ihre Urſache verborgen,
und wir können ſie deßhalb nicht, wie die. Aufgänge [der Ges
flirne] , die Finfterniffe umd vieles Andere berednen.
XXVIII (zıvm), Manchmal find auch ganze Tage
hindurch nebft der Sonne Sterne fihtbar, oft auch um die
Sonnenfdeibe Kränge, wie aus Aehren geflochten, und
wechfeifarbige Kreiſe. Solche wurden bemerkt, als Auguſtus
zugleich mit ihren Griechiſchen Benennungen näher bes
. zeichnet, rechnet man gewoͤhnlich zu den Erſcheinungen des
Nordlichts.
*) Die Urſache dieſro Phänomens ift die Brechung der Sons
nenfirablen durch die Wolken.
ee) D, h. die Naturerfcheinungem find nicht die Urfache bes
eintreffenden Unheils, ſondern Borzeichen deſſelben.
454 C. Plinius Maturgeſchichte
Caſar in früher Jugend in die Stadt z09 -[a4 vor Ehr.],
- um nad) dem Tode feines Vaters den großen Namen deſ⸗
ſelben auf ſich zu übertragen. *)
(xxix). Ehen ſolche Kränze zeigen ſich um den Mond
und die vorzüglichſten Geſtirne, ſelbſt um Fixſterne.
XXIX. Einen Bogen um die Sonne ſah man unter dem
Conſulate des 2. Opimius und des Q. Fabius [121 v. C.];
einen Ring unter dem Conſulate des L. Porcius und des
M. Acilius [114 vor Chr.J;
(xxx) einen Kreis von rother Farbe unter dem Con⸗
fulate des 2. Julius und des P. Rutilius [9Q vor Ehr.].
XXX. Es finden auch feltfame und längere Sonnen:
finfterniffe flatt, wie bei der Ermordurig des Dictators Cäfar
und während des Untonianifchen. Krieges [44 vor Chr.), wo
das Sonnenlidt- faſt ein ganzes Jahr hindurch bleich
blieb. *
XXXI (ax). 1. Dagegen werden aud) manchmal
wieder mehrere Sonnen zugleich [NMebenfonnen] gefehen, und
zwar nie über oder unter der eigentlihen Sonte, fondern
in ſchräger Richtung von ihr; nie neben der Erde oder ihr
ı-
ö *
”) Bal. Seneca, “natural. quaest, I, 4, Die von Plinins in
.biefem und in dem folgenden Kapitel erwähnten Erſchei⸗
nungen möffen ‚ebenfalls der Brehung ber Lichtfirahlen
durch Dünfte zugefchrieben werden. Sterne Pönnen nebſt
der Sonne während de Tages nur bei Sonnenfinfteriffen
fithtbar werben.
**), Die andduernde Bläffe des Sonnenlichtes entfieht nicht
durch eigentliche Verfinfterung, ſondern durch die ſoge⸗
‚nannten Sonnenflecken.
}
= \ ‘ .
Zweites Buch. Abb
gerade gegenüber, auch nicht bei Nacht, ſondern bei Son⸗
nenaufs oder Untergang. Einmal ſollen jedoch am Bos-
yorus [anal des fchwarzen Meeres) auch weldhe um bie
Mittagszeit ſichtbar gemefen ſeyn, weil fie nämlich. vom
Morgen bis zum Abend dauerten. 2. Drei Sonnen fahen
die Alten öfter: ſo zum Beilpiel unter den Conſuln Sp.
Poſtumius and Q. Mucius [174 vor Ehr.),-D. Marcius
und M, Porcius [118 vor Ehr.), M. Antonius und P. Dos
Iabella [aa vor Ehr.], und M. Lepitus. und 2. Plancus
[a3 vor Ehr.). Auch unfere Zeit fah deren unter der Res
gierung des göttlichen Elandins, unter feinem und feines Eolles
gen Eormelius Orfitus Confulat [51 pad Chr.). Mehr als
drei Sonnen zugleidy follen bis auf uniere, Tage noch nie
wahrgenommen worden fegn. .
Il (xxxu). Auch drei, ‚Monde waren ſchon ſi chibar,
wie unter dem Conſulate des En. Domitius und des C. Fannius
[122 v. Chr.). Man hat fie häufig Nacht ſonnen genannt.*)
XXXIII (zıxu). Unter dem Confulate des E. Cäcilius
und Eu. Papirius [113 vor Chr.] und auch fonft fchon öfter
fab man des Nachts am Himmel ein Licht, durch welches
die Nacht faft fo heil wurde, wie der Tag. **)
AXXIV (ax), Ein brennender Schild »220) fuhr bei
Sonnenuntergang funfelnd von Weiten nad Often unter -
®) Die Nebenmonde entſtehen durch dieſelben Urſachen, wie
die Nebenſonnen.
+, pPlinius meint wohl nichts als das Norblicht.
*., Diefes Meteor gehört vielleicht, fo wie das im folgenden
\ Kapitel erwähnte, zu ben Feuerkugeln, welche mit greßem
Getöfe zerfpringen, und sich in einen Steinregen auflöfen,
J
— e —
166 C. Plinius Naturgeſchichte.
Dem Eonfulate des 2. Balerius und des E. ‚Marius [100 vor
Ehr.).
xxxv (xxxv). Ein einzigesmal, namlih _unter dem
Eonfulate des En. Octavius und des. Seribonius [(76 v. €.],
ſoll, wie man erzählt, ein Funken von einem Stern herab⸗
gefallen, und ſtets, je näher er der Erde kam, größer ge⸗
worden ſeyn. Nachdem er dem Monde an Umfang aleichge⸗
kommen war, 'foll er ein Licht, gleid) dem an einem neb-
ligen Tage, verbreitet haben, und dann zum Himmel zurück⸗
gekehrt, und zur Leuchte geworden ſeyn. Der Proconfutl
Gilanus fah nebft feinem Gefolge diefe Erfcheinung.
XXXVI (xxxvi). Auch fcheinen die Sterne manchmal
fortzuſchießen, und zwar nie ohne Bedeutung Denn es
entftehen gewöhnlich von derfelben Seite her fürchterlicht
Stürme. *)
XXXVII. 4. Auch anf dem Meere and auf der Erde
gibt es Sterne,
(xxxvii). Ich felbit ſah oft an den WBurffpießen der
vor dem Walle die Nachtwache verfehenden Soldaten einen
Schimmer von diefer Geſtalt *) hängen. Gie lafſen fidy -
auch auf die Gegelftangen und andere Theile der Schiffe
nieder, und machen dabei ein hörbares Grräufch, ungefähr
wie die Vögel‘, wenn fie von einer Stelle zur andern flattern.
. Kommen fie einzeln, fo bringen fie Unheil; denn fie verfenten
- alddann die Sphiffe oder verbrennen fie, wenn fie in den
*, Daß die fortfchießenden Sterne (Sternfhnupyen) nichts
anderes find, als Streifen entzüindeter Luft, iſt jegt allges
mein befannt.
*4), Bon der Geſtalt der Sterne.
N ’ +
® .s
| Zweites Bud. ‘457
unseren Raum binabfallen. 2. Erſcheinen aber zwei zus
gleich , fo find fie heilbringend und Vorboten einer glück⸗
lichen Fahrt; denn fie follen alddann durch ihre Ankunft
jene ſchreckliche und drohende fogenaunte Helena verſcheuchen.
Deßhalb ſchreibt man and) dieſe Anzeige dem Pollux und
Caſtor zu, und ruft diefe auf dem Meere als Schutzgötter
an.”) Manchmal fieht man auch in den Abendſtunden
foldye Sterne um das menſchliche Haupt glänzen, und fie
Ind dann von großer Vorbedeutung. — Die Urfache aller
dieſer Erfcheinungen ift ungewiß, und liegt i in bem Schooße
der hochherrlichen Natur verborgen.
XXXVIII GXVII). 1. So viet von der Welt ſelbſt
und- von den Sternen. Wir gehen jetzt zu den übrigen
Mertwürdigkeiten des Himmels über; denn unſere Vor⸗
fahren nannten aud Das Himmel, wag mit einem andern
Namen Luft heißt, jenen ganzen, anfcheinend leeren Raum
nämlich, der diefen belebenden Hauch ausftrömt. Die Res
gion der Luft befindet fih unterhalb des Mondes, und zwar.
(wie ich allgemein angenommen fehe) tief unter demfelben.
Gie bildet ſich aus zweierlei Beſtandtheilen, nämlich aus
einer Mifhung unzähliger Theilchen der höheren Luft mit
unzähligen Theilchen der irdifchen Ausdünſtung. 2. Daher
5 Helena, Kaſtor und Pollux find. Gefchwifler. Der Sage
nach wurden. fie alle drei umier bie Sterne-verfebt, und als
ſolche find Kaſtor und Pollur heilbringend, "Helena aber
gefährlich. — Man ertennt in ber Beſchreibung dieſer
Naturerfheinung beutlich das fogenannte St. Eimöfener,
sine Jrenrowans de der dem Glaichgewichte entruͤckten Elek⸗
ricitat
458 € Plinius Naturgeſchichte.
die Wolken, fo wie Donner und Blitz; daher der Hagel,
der Reif, der Regen, der Sturm und der. Wirbelwind ;
Daher die meiften Planen der Sterblichen und der Kampf
Der" Naturkräfte mit ſich felbft. Die Gewalt der Gterne'
drängt Das, was von der Erde zum Himmel ftrebt, herab,
und zieht Das, was nicht freiwillig auffteint, an fi. Der
Regen fällt herab, der Nebel fleigt auf, die Flüſſe trocknen
aus, der Hagel braust nieder, die Sonnenftrahlen erwärmen
die Erde und drängen fie von allen Seiten nad) der Mitte
bin; dann prallen fle, nachdem fle fih an ihr gebrochen ha⸗
ben, zurüd, und führen, Was fle können, mit fi fort.
Die Hige kommt von oben, und fleigt wicber nad) oben:
die Winde flürzen leer herbei, und eiten, mit Beute befäden,
zurück. 53. Der Athen fo vieler Thiere zieht die Luft aus
den höheren Räumen herab; diefe aber widerfirebt, und die
Erde ſtrömt dem [durch das Athmen der Thiere] gleichſam
entleerten Himmel die Luft zurüd. Während fidy die Natur
auf dieſe Weife ftets hin« und herbewegt, wird der Streit
der Elemente durdy die fchnelle Umdrehung der Welt, wie
hurch ein Triebwerk, angefacht. Nie Bann dieſer Kampf
raften, fondern er muß ſich, durch den Umſchwung fortge:
riffen, fortwährend mit umdrehen; und fo zeigt er uns bald
an dem ungeheuern, die Erde umgebenden Gewölbe die Up:
ſachen der Dinge: ”) bald fpiegelt er und durch die Wolken⸗
bededung einen andern Himmel vor Hier ift auch bas
Reich der Winde, und hier liegt alſo der Grundſtoff derſelben,
-_—
2) Die Sterne. Vgl. 8. 3. 9. 2. Die Ueberfegung folgt der
Lesart immenso rerum causas globo, osteudit,
Zweites Bud. 459
welcher die Urſachen der übrigen Erſcheinungen in ſich be⸗
greift; weßhalb anch die, Meiften deu Donner und Blitz der
Heftigkeit der Winde zufchreiben.. Da man, nebſt vielen
Anderen, fogar behauptet, es regne manchmal nur deßwegen
Steine, weil fie von dem Winde aufgezogen worden fegen,
fo müflen wir diejen Gegenftand nod) etwas weitläufiger
abhandeln. *)
AXXIX (xxxix). 1. Daß die Witterung und andere
natürliche Erſcheinungen zum Theil feſt beſtimmte, zum Theil
aber auch zufällige oder noch nicht erforſchte Urſachen haben,
iſt offenbar. Denn wer möchte bezweifeln, daß Sommer und
Winter, fo wie der beſtimmte Wechſel der Jahreszeiten
überhaupt, Durc) den Lauf ber Geſtirne bedingt werden ?
Wie es alfo anerkaunte Cigenfhaft Fer Sanne if, das
Jahr zu regeln, fo baden auch alle übrigen Geſtirne ihre
eigenthämliche Kraft,.die fid, in den der Natur eines jeden
entiprechenden Wirkungen äußert. @inige löfen durch ihren
Einfluß die Dünfte in Regen auf; andere verdichten fie zu ˖
Reif, oder preſſen fe zu Schnee, oder laſſen fie zu Hagel
gefrieren; andere bringen Wind, andere Wärme, andem
Hitze, andere Thau und andere Froſt. Man ſtelle fid) aber
auch nicht die Sterue fo Klein vor, wie fe unferen Augen
erfcheinen. Denn ſchon ihre unermeßliche Höhe beweist Lin:
länglin, daß Feiner von ihnen, Heiner ift, ald der Mond.
” Durd eine Windhofe Böen wohl Steine in die Höhe
gezogen werben, und gleich einem Regen wieder herabfallen,
Gewöhnlich find aber ſolche Steine bie Trüuͤmmer aervlater
Meteore, \
E “
460 C. Plinius Naturgefdichte.
2. Jeder äußert alſo während feines Laufes die ihm ein⸗
wohnende Kraft, mad am deutlichſten ans den Vorüber—
gängen des Saturn, die ſtets -mit Regen begleitet find,
‚erhellt. Aber nicht nur die Wandelfterne entwideln dieſe
Eigenſchaft, fondern auch viele der am Himmel feft fiehene
den, fo oft fie durch die Annäherung der Planeten [Con⸗
junction] angeregt, oder durd) die auf fie fallenden Strahlen.
derfelben [Oppofition] ‚gereizt werden, wie wir Dieß an dem
Regengeflirn *) wahrnehmen; weßhalb ihm auch die Grie—
chen den Regen bedeutenden Namen Hyaden beilegten.
Einige äußern fogar ihren influß aus. eigenem Antrieb.
und zu beftimmten Zeiten, wie die Böckchen *") bei ihrem
Aufgang. Ebenſo kommt der Stern des Arcturus » faſt
nie ohne Hagelſturm zum Vorſchein. +)
XL (zı). 1. Wer weiß ferner nit, daß bei dem
Aufgang des Hundsfterns Tr) fih Die Sonneuhige am
meiften fleigere? — wie denn ber bedeutende Einfluß dieſes
—
*%, Dad Regengefiirn (suculae) oder die Hyaden (Hicht zu vers
wechſeln mit bem Siebengeftirn oder ben Plejaden, wie
einige Ueberſetzer gethan haben) fiehen am Kopfe bes
‚ Stiered. Sie gehen im Oktober auf und im März unter.
se, An der weſtlichen Schulter bed Fuhrmanns. \Gie gehen
im September auf und unter,
”ss), Zwifchen ben Knieen des Bärenhüterd. Cr geht im Seps
tember auf, und im Mai unter,
} Der Einfluß der Geflirne auf bie Witterung läßt fi durch
Nichts erweifen, und Faum kann man bie Emmwirkung bed
nahen Mondes auf diefelbe behaupten.
+5 Der Hundsfiern (Sirius), am rechten Obr des großen
Hundes, geht jetzt im Auguſt auf.
—
6 Zweites Buch. 161
Sternẽ auf der ganzen Erde este wird. Wenn er ers
ſcheint, braust das Meer auf, der Wein gährt im Keller
und tie Sümpfe kommen in Bewegung. 2. Ein wildes:
Thier, welches die Aegyptier Oryx 9%) nwennen, foll ih nad
ihrer Behauptung ihm bei feinem Aufgauge gegenüber ftellen,
ihn betrachten nnd durch Nichen gleichfam verehrten. Daß
die Hunde während diefer ganzen Periode am meiften dur
Wuth geneigt ſind, unterliegt keinem Zweifel.
" XLI (su). 4. Sogar. den einzelnen Graden einiger
Zeichen ift eine .befondere Kraft eigen. Go fließen wir bei
der Herbſttagundnachtgleiche und an dem Lärzeften Tage aus
dem ſchlechten Wetter, daß die Sonnenwende vorüber if;
und nicht nur aus dem Regen und Ungewitter fihließen wir
es, fondern auch ans vielen Anzeigen an unferem Körper
und auf dem Felde. Einige werden von Schlagflüffen be:
fallen; bei Andern leidet zu beflimmten Seiten der Unter:
leid, das Nervenfpftem, der Kopf, das Gemütb. Der Oel⸗
baum , Die weiße Pappel und die Weite rollen bei der“
Sommerionnenwende ihre Blätter zufammen. *) 2. Am
Zage der Winterſonnenwende ‚e) ſelbſt blüht die unter
*) Gehört zum Gazellengeſhlecht, und iſt vielleicht die Anti⸗
lope Oryx.
20) Dieß bemerkt man faſt bei allen Pflanzen mit ſchmalen
Blättern, wenn nämlich die eine Seite des Blattes durch
Hitze oder Kälte mehr zufammengezogen wirb, ald tie an
dere ; gerate, wie fih bad Payier, wenn man ed ber Hitze
zu nohe bringt, zuſammenreilt.
”.., Elcero (de divinat, 11, 14.), welchem Plinius hier auf
€, Plinius Noturgeih,. 28 Dice, : 4’
>
462 C. Plinius Naturgefchichte.
Obdach aufgehängte getrocknete Poleipflanze, und mit Luft
angefüllte Blaſen zerſpringen. ) Nur Der mag ſich dar⸗
über wundern, welcher noch nicht die täglich vorkommende
Erſcheinung beobachtet hat, daß eine Pflanze, welche man
Sonnenwende (Heliotropium) nennt, ſtets der ſcheidenden
Sonne nachſehe, und ſich zu jeder Stunde mit ihr drehe,
ſelbſt wenn fie von Wolken verdeckt iſt; daß eben fo die
Auftern und alle Mufcheln und Schaalthiere durch den Ein=
fluß des Mondes an Umfang wachen und wieber abschmen. .
3. Fleißigere Forſcher haben fogar gefunden , daß die Leber⸗
fibern der Spigmäufe der Tageanzahl des Mondes entfpre=
den, und daß das Beine Tierchen, die Ameife, bie Ein⸗
wirkung‘ Diefes Geſtirns fpüre und deßhalb am Neumond
ſtets raſte. Die Unwiffenheit in folchen Dingen gereiche
dem Menſchen um fo mehr zur Schande, als er felbit nicht
in Abrede ftellen kann, daß befonders die Augentrankheiten
einiger Saumthiere mit dem Monde zunehmen und abnehmen.
Zur Entſchuldigung dient ihm jedoch der ungeheure Umfang
Tree und Glauben nachſchreibt, hat ben Arifioteles, dem
er diefe Bemerkung entnahm, mißverfianden. Denn Diefer
fagt (Problem. XX, 2[.): ;um bie Sommerfonnenwende
(rregi teonas)" : wie es denn auch nicht anders feyn kann.
Das, übrigens die in biefem Kapitel angeführten (zum
Theil nur in ber Einbilbung ber Alten befiebenden) Er⸗
fcheinungen von andern Urfachen abhängen, als von dem
Einfluß der Geflirne, ift bekannt,
*) Die Nichtigkeit der Ueberfegung dieſes gemöhnlidy -falfch
verfiandenen Satzes ergibt ſich aus ber angefühuten Stelle
Cicero’ und aus Plinius feldft, welcher den Autdruck noch
einmal (Kap, 43, 2) in demſelben Sinne gebraucht.
Zweites’ Buch. 465:
und die unermeßliche Höhe des Himmels, welcher in zwei⸗
undſtebenzig Sterndilder *) geſchieden iſt: dieſe find Bilder
von Sachen uud Thieren, in welche die Gelchrien den
Himmel eingetheilt haben. : 4. Unten ihnen machen fie ſech⸗
zohnhundert nambaft, die bush ihre Wirkung. und buch.
ihren Glanz beſonders in die Augen fallen: zum Beifpiel
fieben im Schwanze des Stieres, welche man das Gieben-
geſtirn nennt; am. Kopfe deffelben das Regengeflirn und den
Bärenhüter, welcher dem großen Bär folgt.
XLV (au). 4.. Ic will nicht längnen, daß auch un⸗
abhängig von diefen Urſachen Regen: und Wind entftchen,
da ed gewiß Mt, daß die Erde einen feschten und off bei
. geoßer Hipe einen dampfenden Dunft aushaucht; auch will
ich micht Uagnen, daß aus in Die Höhe gefliegeuer Feuch⸗
tigßeit oder aus. zur Feuchtigkeit verdichteter Luft ſich Wolken
erzeugen. 2. ‚Ihre Dichtigkeit und-Rörperhaftigbeit ifk-fchon
dadurch unwiderlegbar bewiefen., daß fle die Sonne ver⸗
daunkeln, die body den Tauchern unter dem Waſſer in jeder
beliebigen: Tiefe ſichtbar bleibt.
- XLIH (um), 4. Ich will’ alfo auch keineswegs in
Adrede ſtellen, daß auf dieſe Wolken eben ſolches Stern⸗
feuer, wie wir es eft bei. heiterem Himmel fehen, **) von
ar berabfalten Tine. Durch diefen Fall muß die Luft
nothwendig erfchfittert : werben; denn abgefchoflene. Pfeile
*% Die Alten führen gewöhnlich nur 48 Sternbilder an.
Minins zaͤhlt wahyſcheinlich einzelne Theile derſelben noch
einmal mit,
2) Bol, Kan, 36 und 27.
⸗
+
4 *
J
2 - €, Plinius Naturgeidichte. j
Obdach anfgehängte getrodnete Poleipflanze, und mit Luft
angefüllte Blafen zerfpringen. *) Nur Der mag fid) dar⸗
über wundern, welcher nody nicht die täglich vorkommende
Erfhyeinung beobachtet hat, daß eine Pflanze, welche man
Sonnenwende (Helivtropium) nennt, flets der fcheidenden
Sonne nachfehe, und ſich zu jeder Stunde mit ihr drehe,
feldft wenn fle von Wolken verdedt ift; daß eben fo die
Auftern und alle Mufcheln und Schaalthiere durch den Ein⸗
fluß des Mondes an Umfang wachen und wieber abnehmen. .
5. Bleißigere Forſcher haben fogar gefunden, Daß bie Leber⸗
fibern der Spitzmäuſe der Zageanzahl des Mondes entfpre=
Gen, und daß dad Beine Thierchen, Die Ameife, die Ein⸗
wirkung dieſes Geſtirns fpüre und deßhalb am -Nenmondb
ftets raſte. Die Unwiſſenheit in folchen Dingen gereicht
dem Menſchen um fo mehr zur Schande, als er felbft nicht
in Abrede ftellen Fann, daß befonders die Augenkrankheiten
einiger Saumthiere mit dem Monde zunehmen und abnehmen.
Zur Entfhuldigung dient ihm jebody der ungeheure Umfang
[4 «
Treue und Glauben nachſchreibt, hat den Ariſtoteles, dem
er dieſe Bemerkung entnahm, mißverſtanden. Denn Dieſer
ſagt (Problem, XX, 2f.): ;um die Sommerſonnenwende
(regt tgonas)" : wie es denn auch nicht anders feyn kann.
Daß Übrigend die in diefem Kapitel angeführten (zum
Theil nur in ber Einbildung ber Alten hefichenden) Ers
fheinungen von andern Urfachen abhängen, ald von dem
Einfluß der Geflirne, ift bekannt,
*) Die Nichtigkeit ber Ueberfegung dieſes gewöhnlich "falfch
verfiandenen Satzes ergibt fih aus der angefühsten Stelle
Eicero’8 und aus Plinius feldit, welcher den Audbrudt noch
- einmal (Kap, 43, 2) in demſelben Sinne gebraucht.
1
Zweite Buch 68
und bie unermebliche. Höhe. des Himmels, welcher: in zwei⸗
undflebenzig. Sternbitder *) gefchieden iſt: diefe find Wilder
von Sachen und Thieren, in welche bie Gelchrien den
Simmel eingetheilt haben. 4. Unter ihnen machen fie ſech⸗
zehnhundert nambaft, die durch ihre Wirkung. und durch
ibron Glanz beſonders in die Augen fallen: zum Beifpiel
fieben im Schwanze des Gtieres, welche man das Gieben-
geſtern neunt; am. Kopfe deifelben das Regengeftirn und den
Bärenhüter, welcher dem großen Bär folgt.
- XLH (zu). 3. Ic will nicht läugnen, daß auch un⸗
abbäugig- von diefen Urſachen Regen: und Wind entftchen,
Ba: ed gewiß Mt, daß die Erde einen feuchten und off bei
groser Hipe .einen dampfenden Dunft aushaucht; auch mil
ich wicht Uagnen, daß aus in die Höhe gefliegener Feuch⸗
tigkeit oder aus zur Feuchtigkeit verdichteter Luft ſich Wolden
erzeugen. 2. Ihre Dichtigkeit und Körperhaftigkeit iſt ſchon
2aburd) unwiderleghar bewieſen, daß fle die Sonne ver⸗
dankeln, die doc, den Tauchern unter dem Waſſer in jeder
beliebigen: Ziefe ſichtbar bleibt.
: ALIH Gm), 4. Ich will alfo auch keineswegs in
Adrede fielen, daß auf dieſe Wolken eben ſolches Stern⸗
feuer, wie wir es off bei heiterem "Himmel fehen, **) yon
oben herabfallen edinne. Durch dieſen Fall muß die Luft
nothwendig erfchfittert werden; denn abaeſchoſſene Pfeile
*% Die Alten führen getwöhntich nur 48 ‚Sternbilder am,
Minius zählt wahvſcheiulich einzelne Theile derſelben noch
einmal mit,
) Wal. Kay, 36 und 2.
a
. .
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‘ Ja
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164° C. Plinius Naturgefhiht: —
fogar ſchwirren. Wenn aber dad Feuer in die Wolfen ges
Tangt ift, fo erzeugt Ach «in zifhhender Dampf, wie wenn
man glühendes Eifen in’s Waſſer tandht, und es bittet ſich
ein Rauchwirbel. Daher entftehen die Gewitter. Kämpft
der Wind oder ter Dunft im den Wolken, fo erfolgt der
Donner ; bricht aber der entzündete Dunft hervor, fo ent⸗
ſtehen die, Btige, und wenn er eine längere Gtrede dahin
Fährt, die MWetterftrahlen : durch diefe werden die Wolken
geſpalten, dur jene zerriffen. 2. Der Donner entſteht
durch die Schläge des herabdrückenden Feners, und beßhalb
verbreiten and) fogfeich Daranf die Riffe der Wolken eirien
- fehrigen Schein. Auch die vori ber Erde mufgeftiegene Luft
Bann, wenn fle durch den Gegenſtoß der Geflirue zurückge⸗
kränge und von einer Wolke aufgehalten wird, donnern.
60 lange die Luft kämpft, erſtickt die Natur jeden Pant;
dricht fie aber hervor, fo entſteht ein Knall, wie bei dem
Zerfpringen einer mit Luft angefüllten Bafe. Auch kann
ſich tie Luft, von welcher Befchaffenheit ſie auch ſeyn mag,
während des ſchnellen Herabflürgens burd) Reibung entzän-
den; eben fo können, wie aus. zwei zu ammengeſchla⸗
genen Steinen Bunten, aus dem Sufammenftoßen ber
Wolfen Britze erzeugt werden. 3. Dod alles Das ift nur
zufällig, und ſolche Btige find blind und nichtig, weil fie
nach keinem Naturgefege erfolgen: fie treffen :Berge und
Meere, uud fahren überhaupt ohne allen Zwei herab. Jene
anderen fdicdfalverfüntenden aber fommen aus höheren Re⸗
gionen, aus beftimmten Urſachen und aus ihren Geſtirnen. *)
*), ©. Kap. 18, 1. Weide vergebliche Mühe gaben ſich bie
4
x
Zweites Bud. | 165
XLIV: 4. Ich will nicht läugnen, daß auf ähnfiche Art
die Winde oder vielmehr. Luftrüge aus der dünnen und fros -
denen. Ausdunſtung der Erde ſich erzeugen können. Auch
tönnen fie aus der von dep Waſſer ausgehauchten Luit,
Die ſich weder zu Nebel verdichtet, noch zu Wolken ans
fhwillt, ferner durch den bewegenden Einfluß der Sonne
(denn der Wind ift, wie man weiß, nichts anderes, als eine
Sırömung der Luft) und endlich auf manche andere Weife
entfichen. 2. Denn man ficht deren aus den Flüſſen, aus
den Meerbufen, aus dem Meere felbft, fogar wenn es ruhig
it, nnd aud von dem Lande aus ‚auffteigen. Man nennt fie
Seewinde (alıanos) ; kehren fie von dem Meere zurüd, fo
heißen fie. Retourwinde (tropaei): wehen fie aber gerade
fort, Landwinde (apogei).
ur) S. Die Bergzũge aber ‚die zahlreichen Anhöhen
und die wie Ellbogen zuſammengedrückten, oder wie in zwei
Schultern gebrochenen Gipfel, fo wie die hohlen, Bufen der
. <häler, durchſchneiden durch ihre Ungleichheit die ay fie an«
prallende Luft (wodurd auch an vielen Orten die ſich wies
derholenden Etimmen [Edy0’$] entflehen), und erzeugen ohne
Unterlaß Winde.
(sıv.) 4. Daſſelbe gilt von den Höhlen. Un der Küfte
von Dalmatien befindet ſich eine folche von ungeheurer jäher
Ziefe, aus welcher, wenn man andy nur einen leichten Ge⸗
Alten ,. die Urfachen bed Donnerd und bed Blitzes aufzu⸗
finden, und wie natärtich erklaͤren fich dieſe Erfcheinungen
jegt durch die Clectrichtät! Mehr Wahre fagt wind
üiver Die Entfiehung der Winde,
N
466 C. Plinius Naturgeſchichte.
genſtand ud an einem ganz ruhigen Taͤge hineinwirft, ein
dem Wirdefwind ähnlicher Sturm hervorbricht. Der Ort
Heißt Senta [Seta]. In der Provinz Eyrene [Barca] ſoll
ſtich der Sage nad) fogar ein dem Südwinde geheiligeer
Felſen befinden, ‘weichen Peine menfchlihe Hand zu berühren
fi ertühnen darf, ohne Daß augenbliclih der Sudwind
die Sandmaffen aufwirbelt. ) Auch in vielen Häufern
haben manche Behälter, die dadurch, daß kein Licht in ſie
fättt, feucht geworden ind ‚ihren eigenen Wind. **r Es fehlt
ihm daher nie au einer Urſache.
XLV. 4. Ein fehr großer Unterfäjied ift jedoch zwi⸗
ſchen den Luftſtrömen und den Winden. ene wehen zu bes
flimmten Zeiten und anhattend, nad find nicht in einem oder
dem anderen Striche, fondern durch bedeutende Ländew
ſtrecken fühlber: ſle ſind weder fanfte Lüftchen, nody-Stürme,
fondarn die eigentlihen Winde, und ihnen allein gebührt
Diefer mäunliche Namen. Entweder verdankt der Wind dem
fleten Umſchwung der Welt und dem entgegengefebten Laufe
der Geſtirne feinen Urſprung; »5) oder er iſt ſelbſt jener
In den Afrikraniſchen Wuͤſten finden ſich häufig Sandyüger,
die unbeweglich bleiben, fo lange ſie mit nichta in Beruhs
‚rung kommen, bie aber, wenn nur. ber geringſte Anſtoß
erfolgt, vom Winde fortgeführt werben, Daher mag bie
Fabel von einem dem Südwinde heilinen Felſen herruͤhren.
ee) Nach der Lesart in domibus etiam multis madefacta in-
clusa opacitate oonceptecula, welche ſich als die ver⸗
nünftigfie bewährt, wenn man bedenkt, daß bei dem
Oeffnen ſolcher feuchten Gemäder ſich bie darin befindliche
feuchte Luft auchehnt, and als Wind ausftrömt,
e, Mol, Kap, 6, 4 .
u’
Zweites Buch. 467
ergengende Hauch der Natur, der gleichfam im Muttenleibe
der Welt Hin uud her ſchweift; oder er ift die von dem nach
verſchiedenen Richtungen mirkenden Druck der Plaueten
und dem vielgeſtalteten Strahlenwurf gepeitſchte Luft; ober
er kommt van diefen und näheren Geſtirnen; oder er fällt
von ben Zirfternen. Jedenfalls ift gewiß, daß auch em
einem beſtimmten Naturgefese folgt, das zwar. nicht unbes
kannt, aber noch nicht genugfam erforihht if. -
Gruxxi.)2. Mehr als zwanzig alte Griechiſche Schrift⸗
fteler haben und Bemerkungen über diefen Gegenſtand hin⸗
terlaſſen, und ich kann mich nicht: genug darüber wundern,
daß in einen. ſtets uneinigen und in verfhiedene Staaten,
Das beißt, in einzelne Glieder, getrennten. Lande, unter
fortwährendem Kriegsgefünmel, wo man ſich nicht auf das
Gaſtrecht verlaffen konnte, und die Geeräuber, dieſe Feinde
aller Menfchen, jeden Verbindungsweg befept hielten, fo
viele Männer ſich diefe äußerft fchwer zu erforfchenden Dinge
fo febr-angefegen feyn ließen, daß noch ‚heut zu Tage Jeder.
Alles, was feine Heimath betrifft, wohin fie doch nie Bas
men, aus ihren Schriften genauer erfahren kann, als durch
Die Kunde der Gingeborenen ; daß wir .aber jebt während
eines fo köſtlichen Friedens und unter einem Fürſten, der
ſich fo sehr Über alle Kortfchritte der Wiſſenſchaſten unb
Künfte freut , nicht nur durdyneue Forſchungen nidyts weiter
erkennen, fondern nicht einmal die Erfindungen der Alten
uns aneignen... 5. Die Belohnungen. Eonnten damals nicht
größer ſeyn, da die Glücksgũüter unter Viele vertheilt was
zen. Auch befchäftigten ſich die Meiften mit diefen Unter
männgen nicht ſowoht des Zohnes wegen, als um der
v
TO — — — — — —
—
ass C. Plinius Naturgeſchichte.
Nachwelt zu nügen. Aber die Sitten der Menſchen. haben
ſich verſchlechtert, nicht die Vortheile Tdes Willens], Eine
unzählbare Menge durdſch'fft jetzt, da man an allen Ufern
bei der Landung gaſtliche Aufnahme findet, das allenthalben
zugängliche Meer, aber des Gewinnes, nicht der Wiſſenſchart
Segen. 4. Der blinde, nur der Habſucht zugewandte Sinn
überlegt nicht, daß er durch die MWillenfchaft feinen Zweck
noch weit ficherer erreichen Bann. Ic will deßhalb diefe
Zaufende von Geerfahrern im Auge behalten, und ron den
Winden etwas weitläufiger, als es ſich vielleicht mit dem
Plane meines Werkes verträgt, handeln. \
XLVI (zıvu). 4. Die Alten nahmen nach den vier
Weltgegenden aud in Allem nur vier Winde an (weßhalb
auch Homer *) nicht mehrere nennt). Diefe Eiutheilung
"war, wie man bald einſah, nicht genau genug; als aber Pie
Folgezeit noch acht hinzufügte, wurde fie allzufpikfindig und
kleinlich. Den nächtten Jahrhunderten gefiel ein Mittelweg
'zwifchen beiden Unnahmen, und fie fügten der Bleineren Zahl
vier von der größeren bei. Es kommen alfo je zwei auf bie
vier Weltgegenden. Vom Aufgange der. Sonne bei der
Tag⸗ und Nachtgleiche weht der Subſolanus ſOſt), von
ihrem Anfgange am kürzeſten Tage der Vulturnus [Sido] :-
jenen nennen bie Griechen Wpeliotes, diefen Gurus. 2.:Bon
Mittag her weht der Aufter FSüd), vom Untergange der
Sonne am kürzeften Zag der Africus Südweſt]: diefe heißen
bei den Griechen Notus und Libs: vom Gonnenunfergang
bei der Zags und Raqhtgleiche der Favonius [Weſt], von
+ ®). Odyſſee V, 295-
Zyeites Buch. 469
dem. Untergang der Sonne dei ihrer "Sommerweide ber
Corus [Mordwer], von den Griechen Zephyrus und Arge⸗
ſtes genannt, von Mitternacht her der Geptentrio [Nord],
und zwifchen ihm und dem Aufgange ber Sonne bei ihrer
Gommerwende der Aquilo [Nordofti: die Griechen nennen
‘fie Uparctias und Boreas. Die weitläufigere Eintheilung
"hatte zwifchen dieſe noch vier eingefchoben : ben Thrascias
[Rordnordwer] mitten zwifhen Norden und dem Unter⸗
gange der Sonne bei ihrer Sommerwende; den Gäcias ſOſt⸗
nordoſt] zwifchen den Yauilo und den Aufgang der Sonne
Dei der Tag⸗ und Nachtgleiche, in der Gegend des Auf—
gangs bei der Sommerwende; ten Phönir [EAdfÜdoR]
mitten zwifchen ben Aufgang der Sonne am Fürzeflen Tag
und Mittag ; zwiſchen Mittag und den Untergang ber Sonne
am ?ürzeften Tag, nämlich zwifchen den Libs und Notus,
‚einen aus beiden zufammengefesten, ben Libonotus (Südſüd⸗
we) 3 Damit war es aber noch. nicht genug. Denn Eis
nige febfen auch noch zwifchen den Boreas und Cäcias den
fogeuannten Mefes [Nordoſtnord), und zwiſchen ben Eurus
und Notus den @uronotus FEüdoftfäd]. Auch gibt es einige
Binde, die nur gewiflen Völkern zigentbümtid find, und
nie über einen beftimmten Strich hinauswehen : fo bei den
Athenern der nur wenig‘ von dem Argeftes abweichende
Seiron, der dem übrigen Griedhenlande unbekannt iſt. An
einem andern Orte heißt derfeibe Wind, wenn er etwas
mehr von Norden kommt, Diympias; man ift jedoch ges
wohnt, unter alten diefen Namen den Argefted zu verftes
ben, a. Auch den Eäciad nennen Manche Hellespoutias,
und fo haben dieſelben Winde an verfhiedenen Drie
10 C. Plinins Raturgeſchichte. _
verſchiedene Namen. In der Narbonifhen Provinz iſt
ber bekannteſte Wind der Eircins: *) er fteht Eeinem audern
an Heftigkeit nach, und flreicht gewöhnlich gerade über das
Liguſtiſche IGenueſiſche] Meer nad) Oſtia. Derfelbe Wind
iſt nicht ‚nur. unter den übrigen Himmelsſtrichen unbekannt,
fondern er fommt nicht einmal nad) Vienna [Bienne] , einer
Stadt derfelben Provinz, weil dicht vor ihrem Gebiete dies
fer ſo gewaltige Wind durch einen ihm entgegenftehenden
Bergrüden von nicht fehr bedeutender Höhe zurückgehalten
wird, So läugnet aud, Fabianus, daß ber Südwind bis nady
Aegypten dringe. Es offenbart fih in allem Dielem ein
maͤchtiges Naturgefes, das auch ben Winden Zeit und
Granzen ‚vorgefchrieben hat. ..
XLVII. 4. Der Frühling eröffnet den Schiffern bie
Meere. Bei feinem Beginn erweichen die Weſtwinde den
winterlihen Himmel, mit dem Eintritte der Sonne in den
23. Grad des Waſſermanns. Diefes geſchieht am ſechsſsten
"Tage vor den Idus des Februars [7. Februar]. Dafielbe
gilt faft von allen Winden, die -id) weiter ‚nnten anführen
werde. Nur bei jedem Schaltiahre treffen fie einen Tag
früher ein, folgen aber während des folgenden Luftrum *%
ihrer. alten Drbnung. Den Wellmind nenuen Einige vom
achten Zag der Ealenden des Mär; [22. Bebsuar) an
*) Dan foll diefen Eircins (Nordweſtnord) jet noch in dem
angeführten Landſtriche Cers nennen. Auch wird, vers
fihert, daß er nicht nach Vienne bringe. .
ID i. in den drei naͤchſten Jahren nad dem Schaltjahre.
L2uſtrum iſt hier ein Zeitraum von 4 Jahren,
2
Zweites Buch · —
Chelidonias [Schwalbenwind], weil man um dieſe Zeit die
Schwalben wieder fieht; Manche auch Ornithias fBogel⸗
wind], wegen der Wiederkunft der Vögel: er weht vom
7aſten Tag nad) der Winterſonnenwende an neun Tage
hindurch. 2. Dem Welt entgegengefest ift der Wind, wels
den wir Subfolanns LO] genannt haben.- Als feine Zeit
gilt der Aufgang des Gicbengeflirns in bemfelben [23]
Grabe des Stieres, ſechs Tage dor den Idus des Mai [9. Mai],
zu welcher Zeit der Südwind beginnt. Diefem ift der Nord:
wind entgegengefegt. In der heißelten Beit des Gommers
geht das Hundsgeſtirn anf, wenn nämlidy die Gonne- in den
erften Grad des Löwen tritt, was am fünfzehnten Zage
vor den Ealenden des Auguft [17. Juli] flättfindet. Unges
fähr acht Tage vor feinem Aufgange erfcheinen die Nord⸗
oſtwinde, welche deßhaib Vorläufer (prodromi) heißen.
Zwei Tage nach dem Aufgang wehen dieſe Nordoſtwinde
beſtändig während der Zeit der Hundstage, und man nennt
ſie alsdann Eteſi en [jährlihe Winde]. Die durch die Hitze
de Hundefterns verdoppelte Sonnenglut fol fie milder ma⸗
her. Keine andere Winde kehren fo regelmäßig wieder,
ald diefe. 3. Nach ihnen wehen wieder beftändig Südwinde
bis zum Anfgang des Arcturus, ) eilf Tage vor der Herbfls
Tags und Nadıtgleiche, mit welcher der Nordweit beginnt.
Der Nordweſt dauert den ganzen Herbſt hindurch; ihm
entgegengefent ift der Südoſt. A. Ungefähr vierundvierzig
Tage nach diefer Tags und Nachtgleiche beginnt -mit dem
Untergange des Siebengeſtirns ber Winter, welcher Zeitpunkt
6, Kap. 50.5.2 '
\
472 C. winiue Raturgefäiäte.
gewößntich auf den- dritten Tag der Idus des Novembers
(11. November) fält. Mit ihm beginnen and die winters
lichen Nordoſtwinde, welche von den im Sommer ‚webenden
ſehr verfchieden find ; ihnen entgegengefebt ift der Sudweſt.
‚Sieben Tage, vor und eben fo viele nach dem kürzeſten Tag
ebnet ſich ‚das Meer zus Brust der Eisvögel, woher aud)
diefe Tage ihren Namen bekommen haken.”) Die. übrige
Zeit wintert es. Aber nicht einmas dag Ungelüm der
Witterung fchließt das Meer. Zuerſt zwang die Burdt vor
dem. Tode durch die Geeräuber dem Tode entgegenzugehen,
und das winterliche Meer zu befchiffen. Jetzt zwingt Die Habs
ſucht bazu.
-XLVUL, 1. Die kalleſten von allen Winden find bie, -
welche von Norden her wehen, und ihr. Nachbar, der Norbs
weil. Sie bändigen die übrigen Winde, und verfheuchen
die Wollen. Nuß find der Südwelt und befouders der Süd
in Stalien. In Pontus [an den Ufern bes fchwarzen Mee⸗
res] foll uud) der Oftnsrbof die Wolken aufziehen. Trocken
find der Nordweft und der Südoſt, ausgenommen,’wenn fie
‚bald aufhören zu wehen. Schnee bringen ber Nordof und
der Nord, Hagel der Nord und der Nordweſt. 2. Heiß iſt
‚ber Süd; lau find der Südoſt und der Welt, beide aber
trockner, ald. der Oſt. Ueberhaupt find alle von Mitternacht
und Abend ber wehende Winde trodner als die, welche von
Mittag und Morgen kommen. Der gefundefle-von alten ift
der Nordoft. Schaͤdlich ift der Süd, befonders, wenn er trecken
if, dielleicht weil er, mit, Feuchtigkeit gefchwängert, Fühler
*) Man nennt fie namlich Halcyonides (Eisvogeltage).
Sweited Buch. - 175
if. Die Zhiere follen, ſo lauge er weht, weniger” Hunger
fpüren. Die Etefien Hören nm die Nachtzeit auf, und ers
heben fidy wieder nm die dritte Stunde des Tages. *) Im
Spanien und Allen kommen file von Oſten, in Poutus von
Nordoſten, in den Übrigen Ländern von Mittag. - 5. Sie
wehen auch nocheinmal nad) der Winterfonnenwende, zu
weicher Zeit fie Ornichia [Bogelminde] heißen, aber gelin-
der und nur wenige Tage, Zwei Winde verändern and)
ihre Natur nad der Ortslage: ig Afrika nämlidy bringt der
Suͤd Heitered Wetter, der Nordoſt Wolken. Alle Winde.
wehen größtentHeils nach einer beſtimmten Reihenfolge, oder.
fo, taß, wenn einer aufhört, der ihm gerade enfgegenges
fegte beginnt. Erhebt fid) aber nad) dem Auſhören des
einen der diefem zunächflliegende, fo gebt Die Reihenfolge
von der Linden zue Rechten, wie die Sonne. — Welche
Winde in jedem Monate vorherrſchen, entſcheidet meift der
vierte Tag des Neumonds. — Man kann aber mit dem:
felden Th nady der entgegengefeuten Richtung ſchiffen,
wenn Wan das Zau an der einen Edle des Segels nadyläßt
favirt]; weßhalb auch häufig des Nachts Fahrzeuge, bie
von ganz enfgegengefesten Seiten kommen, zufamnienftoßen.
Aa. Der Eüd verurfacht größere Wogen, als ‘der Nordoſt,
‚weil jener. tief von. dem unterſten Erde des Meeres herweht,
diefer aber. gauz vn oben. *) Deßwegen felgen auch die
©) EN h. drei Stunten wach: Kufgang d der Sonne.
20) Die Alten bachten fich bie nerdüge Weltqegend weit We,
als die fübdliche,
t
174 C. Plinius Naturgeſchiche.
ſqhadlichen Erdbeben; beſonders anf Eädwinde. Der Sad
iſt bei Nacht, der Nordoſt bei Tag. heftiger. Die upn
Morgen wehenden Winde halten: länger an, als die an
Abend wehenden. Die Nordwinde hören gewöhnlich nach
einer ‚ungleichen Anzahl von Tagen auf; weile Bemerkang
andy in vielen andern Gebieten-der Natur gilt, weßhalb
Man auch die ungleichen Sahlen für männlich hält.) Die
Sonne verftärkt und unterdrintt bie Winde: fie verstärkt
fie. bei ihrem Auf⸗ und Untergange; fie. unterdrückt fie. bei
der Sommerhite um die Mittagszeit. Sie legen fich alio
gewöhnlich um die Mitte des Tages ober der Nacht, went,
fle darch allzugroße Kälte under Hitze vertrieben . werben.
And) bei dem Regen legen: ih die Winde - Am fitherften
darf man fle von der Seite her erwarten.,. wo zertheilte
Motten den Himmel durchblicken laſſen. 5. @udrzus glaube,
daß diefelbe Reihenfolge aller Winde nach einem Zeitraume
von vier Jahren (unter weichen man gewöhnliche kleine
Fahre **) verfiehen muß) wiederkehre; und zwar ganbt er
Diefes nicht nur von den Winden, ſoudern auch Yon. fa
allen auderen Witterangsveränderungen. Dieſe Zeitperisde
begiunt in jedem Schaltjahre mit dom Aufganuge des Bund⸗
ſterns. Op viel von den allgemeinen Winden.
XILIX (Arvin). 4. Nun von ben plotzlich entſtohenden
Winden, bie, wie gefagt, **”) ſich aus den von ber Erde
*, Alter Aberglaube.
” Plinius. hielt biefe Bemerkung. für nöthig, weil man unter
dem foge nannten Eudoxiſchen Jahr einen Zeitraum von
2.8 Jahren zu erſte hen gewohnt war.
206) Kap, 42, $. 1 + . x
-
\ t
.' Zweite Bud. 175
anffteigenden Dünften binden, daun aber, nachdem fie ſich
in eine Wolfenhälte eingewidelt, wieder heradgedrüdt wers
den, und in mancherlei Geſtalten erfcheinen. Unflät umher
fchweifenb und glei) Beraftrömen herabſtürzend, erzeugen
Re nach der ſchon angeführten ) Meinung Einiger Donner
and Blis. Fahren fie mit größerer Schwere und Schnelligkeit
baher, und zerreißen weit umd Breit die Frodene Wolke, fo
entficht ein Staem, weicher von den Griechen Ecnephias
genannt wird. Drkden fie aber die Wolke nur an einer
Gtelle herab, und brechen, nachdem fle ſich in dleſem Buſen
. in immer engerem Kreife gedreht, ohne Feuer, das heißt,
ohne Blitz hervor, fo bilden fle einen Drehwind, welchen
man Thphon nennt, wad nichts Anderes heißt, ald ein ges
wirbelter Eenephias. ») 2. Diefer führt ein vun der '
Balten Wolke abgerifienes Stück mit ſich, wickelt es zuſammen,
dreht ed, beſchleunigt durch dieſen Zuwachs an Schwere
feinen Ball, und wechfelt, indem er ſich fortwährend in reif
fendem Wirbel dreht , jeden Augenblick ſeine Stelle. Es iſt
die ärgite Plage der Geefahrer,, indem er nicht nur die Se—
gelſtangen, ſondern auch die Schiffe ſelbſt, nachbem er fle im
Kreife herumgeſchleudert Hat, zertrümmert. Ein nicht ande
zeidiendes Reitungemittel iſt der Weineſſtg, der bekanntlich
febr kaiter Natur it, And den man dem auflärmenden ent-
28 9. 43. 1 |
Der Eenephias in aus den Wolken) 'entfpricht dem
Drkan, der Typhon (Rauswiud) der Banbtrompete und der
Waſſerhoſe.
176 C. Plinius Naturgefhichte. .
gegengießf. ) Prallt ex nad) einem Anftoß zurück, fo führt
er Alles, was in feinen Bereich kam, mit fih gen Sims
mel, und berfchlingt es für die höheren Regionen.
L, 4. IR die Höhlung der berabgedrüdten Wolle,
aus welcher ex hervorbricht, größer , aber weniger breit als
bei dem Orkan, und gefchieht Diefes nicht ohne Krachen,
fo nennt man ihn Turbo (Wirbelwind). Er wirft Alles,
was in feine Nähe geräth, nieder. Iſt er glühender und
entzündet fidy, während er wüthet, fo beißt ee Preſter [fen
siger Wirbeiwind]), Was mit ihm in Berührung tommi,
verbrennt und zermalmt er zugleich. \
‚ (zu) Dee Typhon findet nie bei Nordoftwind, - der
Ecnephias nie bei Schneewetter, oder fo lange Schnee liegt,
ſtatt. Entzündet er ſich fogleich bei feinem Durchbrud, durch
die Welke, hält er das Feuer, und erzeugt diefes nicht erft
fpäter [wie der Prefter] , fo wird er zum Blitz. Er nnter
ſcheidet fi) vom Preſter, wie die Flamme vom euer. Die⸗
fer zerfährt durch fein Wehen weit und breit; jener [der
Big] drängt ſich durch feine eigene Kraft auf einen Punkt
zufammen. 2. Der Drehwind (vortex) unterſcheidet ſich
vom Wirbelmind (turbo) dadurch, daß. er zurüdkehre, und
wie das Praffeln von dem Krahen. Bon beiden unterſchei⸗
det fi der Orkan Dadurch, daß er die Wolke mehr ausein«
anderfhfeudert, als durchbricht. Manchmal zeiat ſich auch
eine dunkle Wolke, einem wilden Thiere ähnlich, und den
Echiffern Unheil bringend. Man nennt fie eine Säule,
=) Dieſes aberglänsifche Mitte} kann Beinen Erfoig haben.
Beſſer hilſt ein tuchtiges Kanonenſener.
2—
rn 3Zweites Bud. 477
wenn die verdichtete und. flarrende Fenchtigkeit ſich ſelbſt
aufrecht erhält. Zu dieſer Gattung gehört ferner die Wolke,
weiche das Waller wie eine lange Pfeife in die Höhe zieht. *)
-LI (2): 4. Im Winter und ım hohen Sommer *% find
Die Blinde felten, und zwar aus ganz enfgegengefehten Urs
ſachen.“ Im Winter nämlid, wird die ohnehin ſchon dide
Luft und- die fchwere Wolkendecke noch mehr verdichtet;
alle Ausdänftung der Erde iſt kalt und eiſig, und was fle
. an Beuesftoff enthält; erliſcht. Aus diefer Urfache ift Scy⸗
thien ſammt den umliegenden Eisländern don den Blitzen
befreit. Dagegen hat in Aegypten die allzugroße Hibe die⸗
gelben Bolgen ; ‚denn bie Duͤnſte der Erde find heiß und
xrocken, und verdichten ſich fehr felten, und dann nur in
Teichte Wolken. 2. Im Frühiahre und im Herbſte aber find
Die Blige häufiger, weil die Urfachen, die fie im Sommer
end im Winter verhindern, hinwegfallen. Deßhalb find die
Blige auch in Italien fehr häufig; denn die Luft bleibt durch
Den gelinderen Winter und den feuchten Sommer beweglich,
. and gleicht einigermaßen immer der Frühlings oder Herbſt⸗
Auft. Auch in denjenigen Theilen von Stalien, welche fih
ehr von Norden nad) dem heißeren Himmelsſtrich hin ent:
fernen, wie das Gebiet der Stadt [Rom] und Campanien
(Terra di Lavoro], biist ed im Winter und im Sommer,
was in- anderen Geaenden nicht der Fall iſt.
LU (u). 4. Man zählt mehrere Arten von Blitzen
Säulen und Pfeifen find Wafferhofen.
0%, Dies gilt nur für bie füblichen Gegenden.
E. Plinius Naturgeſch. 25 Bhchn, 6
178 C. Plinius Naturgeſchichte.
auf. Die trockenen zünden nicht, ſondern zerſtören nur; die
feuchten verbrennen nicht, ſondern verfengen nur. Eine
dritte Sattung, welhe man glänzende nennt, find größten:
theild von wunderfamer Eigenfhaft ; denn fie leeren Zäffer
aus, ohne das Aeußere derfelben zu verlegen, oder irgend
eine Spur zurückzulaſſen. 2. Gold, Erz und Silber fchmilzt
in den Säcken, ohne daß dieſe im geringfien verbrannt
werden, oder Daß auch nur das Wacheſiegel verletzt wird. *)
Marcia, die erfte der Römerinnen, » wurde ıwährend
ihrer Schwangerfchaft vom Blige getroffen: die Leibesfrucht
ſtarb, fie felbft lebte aber fort, ohne irgend eine Unbeqguem«
lichkeit zu fpüren. Zu den Wunderzeihen, welche den Eatilinas
riſchen Unruhen vorausgingen, gehört auch, daß der Decurio
[Rathöherr] M. Herennius aus der Yompejanifden Munis
- cipalftadt [Pompeji] bei heiterem Himmel om Diige er⸗
ſchlagen wurde. ***)
LI (um). 4. Rach den Schriften der. Tudcet » ſollen
neun Goͤtter Dlige werfen, und deren eilf Arten feyn; denn
*) Die electriſche Kraft Hat auf manche Stoffe, die man im
ber Phyſik fhlechte Leiter nennt, Beinen Einftuß.
**) Die Ausleger haben ſich vergebens mit der Erklaͤrung dies
ſes Ausdrucks abgemüht, Iſt ed die Frau bes erfien Se⸗
nators, oder iſt es die Matrone, bie bei dem weiblichen
Gottesdienſt den Borfig führte?
“.. Die Nichtigkeit der beiden legten Fälle mag dabin geſtellt
bleiben.
+) Die Tuscer (Hetrurier) hatten hen alten Aberglauben und
die darauf bezfiglichen Gebräuche am ſorgfältigſten ausge⸗
bildet, und ſogar allen Unſinn (von dem wir hier eine
Probe ſehen) in Ritualbüͤchern niedergelegt.
Zu r
‚ Zweites Buch. 179
Jupiter allein ſchleudere dreierlei. Die Römer haben von
dieſen nur zwei Arten beibehalten, die bei Tag und die bei
Naht vorkommenden: die erften fchreiben fle dem’ Jupiter, '
die andern, welche der fühleren Temperatur wegen feltener
find, dem Summanus *) zu. Die Hetrurier glauben auch,
Daß Blitze aus der Erde hervorbrehen,, »ey und nennen fie
unterirbifhe. Winden diefe zur Zeit der Winterfonnenwende
flatt, fo ſind fie meift bösarsig und unheilbringend; denn
ale,“ welche nad ihrer Meinung aus der Erde entftehen,
find nicht wie jene gewöhnlichen, von den Geſtirnen hers
rührenden, fondern gehören ber und nächften und unreineren
Natur an. 2. Bin augenſcheinliches Unterfcheidbungszeichen
ift, daß alle aus der höheren Himmeldgegend fallende Blite
eine fchiefe , die aber, welche man irdifche nennt, eine ges
zade Richtung nehmen. Weil fie num aus einem und näs
beren Gtoffe fallen, fo glanbt man, fie gehen ans der Erde
hervor, weil man ja nirgends eine Spur ihres Anprallens
finde; Was andy nur bei einem von oben fommenden, nicht
aber bei einem von unten kommenden Blige der Ball ſeyn
könne. Leute, welche diefer Sache noch weiter nachgegrü⸗
beit Haben, glauben, diefe Blitze fämen vom Platteten Sa:
turn herab, fo wie die zündenden vom Mars. Durch einen
foichen Blis wurde Volſinii [Volſena], die reichſte Stadt
*) Summanus (summus manium), ber Gott der Unter:
welt,
*. Wenn manchmal Wolren eleetriſchen Stop von ber Erde
an ſich ziehen, fo rounte man ſagen, es entſiehen Blitze
aus der Erde. 3*
480 E. Plinius Naturgefchichte.
der Tuscer, gänzlich verbrannt. 5. Zamilienblige nennt
man folhe, weldye einem, der ſich Bamilienverhältniffe bes
gründet, zuerft vorkommen: ihre Vorbedeiitung foll für das
ganze Leben gelten. Die Vorbedeutung der Privatblige
reicht, wie man glaubt, nicht Über zehn Jahre hinans,
ausgenommen, wenn fie bei der erften Verheirathung oder.
am Geburtstage fattfinden; die Staatsblitze deuten nicht
weiter ald dreißig Fahre, andgenommen, wenn fie. fich bei
Anlegung von Eoloniefädten ereignen.
LIV (um), 4. Aus der Ueberlieferung der Jabrbucher
er ſehen wir, daß man durch gewiſſe beilige Gebräuche Blige
erzwingen, oder doch erflehen könne. In Hetrurien geht.
ein uraltes Gerücht, daß ein Blitz erflcht worden fiy, als
ein Ungeheuer, Bolta *) genannt, nad) der Verwüſtung der
Aecker in die Stadt Volfinii Fam. Auch Porfenna, der König _
Diefes Landes, fol Blige hervorgebracht Haben. 2 Pifo, ein,
glaubwürdiger Schriftfteller, erzählt im erſten Buche feiner
Annafen, daB fon lange vor Porfenna Numa Daffeibe
gethan habe, und daß Tullus Hoftilins, als ex es ihm nach⸗
machen wollte, aber die Geremonien nicht genan beobachtete,
vom, Blitze erfhlagen worden fey. *) — Wir haben lzur
Herdorrufung der Blige] Haine, Altäre und heilige Ges
drauche; und nebem dem Jupiter Stator, **e) Tonans
») Die Bedeutung dieſes Hetrueciſchen Wortes laßt ſich nicht
errathen. Nach Otfried Muller (die Hetruscer, Bres⸗
lau 1828. 8. Band I. S. 280) war es ein gefpenfii-
ſches Werfen der Volksſage, wie bie Mania in den Romi⸗
ſchen Ammenmaͤhrchen.
*®, Noel. Livius l, 20, 31. .
r, © tator ESuͤufeher heißt Juviter, weil er auf Das Fle⸗
"Zweites Bud, | 184
[Donnerer] und Feretrins ) haben wir auch nod einen
Elicius [Oervorgelockten] angenommen. 2. Die Meinung
über dieſe Dinge iſt im Leben verſchieden, und richtet ſich
nach eines Jeden Ueberzeugung. Keck iſt's zu glauben, man
könne die Natur beherrſchen; eben ſo großen Schwachſinn
verräth ed aber, wenn man ihren Wohlthaten alle Kräfte
-ablängnen will, befonders da die Willenfchaft in der Deus
£ung der Blibe fo weit gekommen ift, daß man nicht nur
den Tag, an weichem fie eintreffen, mit Beſtimmtheit vor»
ausfagt, fondern auch, ob fie ein bereits obwaltendes Schick⸗
ſal endigen, oder ob ſie noch verborgene Schickſale beginnen ;
wie denn für beide Fälle unzählige Erfahrungen des Staats⸗
und Privatlebens vorliegen. Mögen alfo diefe Zinge, wie
es ihre Natur-mit fi bringt, Einigen gewiß, Andern zweis
felhaft, Einigen preiswürdig, Andern tadelnswerth vor⸗
kommen: wir wollen, Was nody weiter an ihuen merkwürdig
iſt, nicht uͤbergehen.
LV (um). 4. Gewiß iſt, daß man den Blitz eber
fieht,, als den Donner hört, obſchon fle zu gleicher Zeit flatt,
finden. Daran ift nichts Wunderbares; denn das Licht
pflanzt fich fchneller fort, als der Schall, Zwar hat es die
Natur fo eingerichtet, daß das Treffen des Blipes und der.
Schal in demfelben Momente zufammenfällen; aber der
Schall entfteht, wenn der Blitz abführt, nicht, wenn er trifft.
hen des Romulus die vor den Sabinern fliehenden Römer
zum Stehen brachte. Livius J, 12,
*, Feretrius (Beuteträger) heißt ee, weil ihm Romulus bie
ven Länikern abgenommene Beute in einem dazu erbauten
Tempel weihte. Livius I. 10. |
132€. Plinins Naturgeſchichte.
Auch die Luft ift fchneller, als der Blitz; deßhalb wird auch
Alles zuerft erfchüttert und angeweht, che es erſchlagen
wird, Ferner wird Niemand getroffen, der bereits den
Blitz gefehen oder den Donner! gehört Hat. 2. Die Blitze
zur Linken werden für glüdbringend gehalten, weil Morgen
‚auf der linken Seite. der Welt liegt. Auch hat man nicht
fowohl- auf das Herabfallen des Blitzes, als auf fein Wies
dererfcheinen [feine Wirkung] Acht, ob nämlich fogleich nach
dem Schlag Feuer emporlodert, oder ob nur, nachdem das—
Banze vorüber ift, und dad Teuer ſich feibft verzehrt hat,
ein Dunft auffteigt. Die Tuscer haben zum Behufe diefer
Beobachtungen den Himmel in fechzehn Zheile abaetheilt.
Die erfte Abtheilung reicht vom Mitternacht bis zu Sonnen⸗
aufgang bei der Tag: und Nachtgleiche; die zweite bis zu
Mittag ; die dritte bid zu. Sonnenuntergang bei der Tag⸗
und Nachtgleiche: die vierte begreift das noch Uebrige von
Abend bis zu Mitternacht. Jede diefer Abtheilungen theilten
fie. wieder in vier Theile, und nannten die acht gegen Mors
gen liegenden linke, und die andern acht anf der entgegen⸗
gefepten Geite rechte. 3. Bon allen Bligen find die, welche
von Abend nach Mitternacht Hin [im Nordweften] vorkommen,
die unheilvollften; es ift alfo fehr viel daran gelegen, woher
fie fommen und wohin fle fahren. Am beiten iſt's, wenn
fie in der Simmeldgegend, in welcher fie entfehen, bleiben.
Deßhalb bedeuten die, welche von der erſten Abtheilung bes
Simmeld [von Nordoften] kommen, und aud in diefelbe
fahren , das höchſte Glück: ein folhes Vorzeichen ward, wie
man erzählt, dem Dictator Sylla. Die Blige in den übrigen
Beltgegenden bringen weder fehr großes Glück, ed fehr
'
3weites Bud. 185
sroßes Unheil. Man hält es aud Für unreht, mande
Blige zu nennen oder nennen zu hören, man müßte file denn
einem Gaflfreunde oder einem Verwandten anzeigen. —
Die völlige Grundloſigkeit diefer Beobachtungen erwies fich
aber recht angenfcheintich zu Nom, als unter dem Eonfulat
des Scaurus [115 vor. Ehr.], der bald darauf Princeps
[&rfter des Senats] wurde, ſelbſt in den Tempel der Juno
der Blitz einſchlug. )
A. Blitze ohne Donner bemerkt man häufiger bei Nacht,
als bei Tag. Nur ein einziges Thier, den Menſchen näms
lich, tödtet der Blig nicht immer, alle anderen aber anf
der Stelle; ?*, die Natur Hat ihm wahrfcheinfich dieſen
Borzug gegeben, weil ihn fo viele Thiere an Kraft über
‚ Areffen. Gie alle fallen [wenn fle vom Bliztze erſchlagen
werden] auf die entgegengefepte Geite; der Menſch aber
Kirbt nicht, wenn er nicht auf die getroffene Geite geworfen
wird. 5. -Die gerade von oben Betroffenen feben ſich; die
wacend Erfchlagenen findet man mit zugedrüdten, bie im
Schlafe Getroffenen mit offenen Augen. Einen auf dieſe
Weiſe entſeelten Menſchen darf man nicht verbreunen: die
Religion gebietet ihn zu begraben. Kein Thier wird vom
Blig angezündet, es müßte denn ſchon vorher todt geweſen
2) Was gewiß nicht gefchehen wäre, wenn Jupiter, der Ges
mahl der FTuno, die Blitze ſchleuderte.
©, Der Beweis, daß die vom Blitz getroffenen Thiere noth⸗
wendig das Leben verlieren müfen, möchte fchwer zu fühs
ren ſeyn. Eben fo bedürfen bie von Plinius angeführten
Wirkungen bes Blitzes weiterer Beſiaͤtigung.
1:7 Be € Pünius Naturgeſchichte. |
ſeyn. Die Wunden der vom Blis Erſchlagenen find kalter,
als der übrige Körper.
-LVI (iv). 4. Bon allen &rdgewächfen wird der Lore
beerbaum allein nicht vom Blipe getroffen; aud) dringt die⸗
fer nie tiefer, als fünf Fuß ın die Erde. Burditfame Lente
wähnen fid) deßhalb am ficherften in tieferen Höhlen oder
in Selten and Hänten von. Meerkälbern; denw unter den
Geethieren ift dieſes das einzige, welches nicht vom Blige
getroffen wird, fo wie unter den Vögeln der Adler, *) der,
deßwegen auch in der Dichtung als Träger Diefes Gefhoffes
gilt. 23. In Italien baut man zu Kriegszeiten zwifchen
Terracina und dem Tempel der Feronia °*) Beine Thürme
mehr, weit bis jest nicht einer vom Blitze verſchont blieb.
LVU (iv). 4. Außerdem wird, was die untere Him⸗
meldregion betrifft, in hiftorifhen Denkmälern ergät ‚da
ed unter dem Gonfulate des M. Acilius und C. Porcius
[144 vor Ehr:} Milch und Blut, unter dem Sonfulate des
P. Bolumnius und Servius Sulpicius [461 vor Chr.] aber
Fleiſch geregnet habe, und daß die Stücke des letzteren, welche
*, Das in dieſem Kapitel Gelagte muß auf den San zurüds
geführt werben, daß manche Gegenftänbe beffere Leiter finb
als andere, und baß bie fchlechten Leiter derſchont bleiben, '
wenn beffere in ber Nähe find. — Nach ben neueften Uns
ſichten bringt der Big wicht im bie. Grbe; bie Dberfiche
derfelbeg müßte denn ein gar zu unvolllommener Seiter
ſeyn, wie Sandheiden, wo der Blig bie tiefer liegende
feuchte Erbe auffucht.
‘0, Der Tempel der Göttin Feronia lag an der Stene dh
heutigen Lago bi Ferona. Terracina hat feinen altem
Namen behalten, .
- Zweites Bd. 0.7485
Die Böogel sticht fortſchleppten, nicht einmal faulten.) 2. Eifen
regnete es in Lucanien [Bafllicata]', ein Jahr vorher [58
vor Ehr.), ehe M. Eraffas und mit ihm alle Lucanifche
Soldaten, deren ſich eine große Anzahl in dem Heere bes
fand, von den Parthern erfchlagen wurden. Das Eifen,
welches es regnete, glich feiner Geftalt nad) beinahe Schwäm⸗
men, und die Beichendeuser "bezogen cd auf Wunden von
oben. **) Wolle regnete es aber unter dem Eonfulate des
2, Paulus und C. Marcellus [50 vor Ehr.} in der Gegend
des Earuffanifhen Kaſtells, >*) hei welchem ein Jahr fpäter
T. Annins Milo getöbtet wurde. Während Diefer feinen
Rechtsſtreit führte, regnete es Biegelfteine, wie die: Denk⸗
wöürdigteiten jenes Jahres [52 vor Ehr.] berichten. D)-
‚. LVIUN (vn), Waffengeräufh und Trompetengefchmetter
ward, wie man erzählt, "während des Cimbriſchen Krieges .
[104 vor Ehr.], fo wie audy häufig in früheren und fpä-
teren Seiten vom Simmel herab gehört. tr) Während des
dritten Eonfulats bes Marius lioz dor CH. fahen die
%) Weil diefer fogeannie, Fleifchregen waheſcheinuich nicht ſo⸗
wohl aus animalifchen und vegetabiliſchen, als aus mes
. tellifhen Theilchen beſtand.
*", Durch die Pfeile der Parther. ⸗
“or, In der Nähe von Compſa Eonza). “
H Die in dieſem Kapitel angeführten wunderbaren Regen
kommen von Zeit zu Seit.nody immer vor, und laſſen ſich
ans natürlichen Urſachen erklären. , Bol. Gehler’s phyſika⸗
liſches Wörterbuch, Bd. VII, Asthl. 2 2. (Eeipg. 1834. &.).
©. 1220 — 1234,
+H Aucdh biefe Erſcheinung Een man in nnferer Reit: man
denke au bas wilde er. "
*
1866 CE. Plinius Naturgeſchichte.
Ameriner und Taderter Waffen am Himmel, welche von
Morgen und Abend gegeneinander fuhren, und von denen
die, welde von Abend kamen, zurüdgetrieben wurden.
Auch der Himmel kann in Flammen gerathen, was michts
Wunderbares iſt, und ſchon öfters gefehen wurde, went
die Wolken ein größeres Beuer ergriff. *)-
LIX (wvın), 4. Die Griechen rühmen dem Änaragiras -
von Slazomenä nach, daß er im zweiten Jahre der achtunde
ſiebenzigſten Olympiade [467 vor Ehr.] vermöge feiner gro⸗
Ben Erfahrung in der Himmelskunde vorausgefagt habe, an
welchen Tagen ein Belfen aus der Sonne fallen würde, und
daß Diefes auch in jenem Theile von Thracien, welcher an
dem Fluſſe Air **) liegt, am hellen Tag defchehen fen. Der
Stein wird noch jebt gezeigt; er hat die Größe einer War
‚ genlaft und eine Kohlenfarbe; wie denn aud, in jenen
Nächten ein Komet **%) brannte. 2. Wer aber die Rich⸗
tigkeit‘ diefer Voransfagung zugibt, muß auch nothwendig
*) Diefe Erfcheinung, deren Urfahe Plinius nicht Fennt, und
daher falfch erffärt, it nichts Anderes, als ber Norbfcheim,
Die Richtigkeit Deffen, wad die Ameriner und Xuberter ,
‚(Bewohner ber- Städte Amelia und Todi) ſahen, Laffen wir
. dahingeſtellt ſeyn. Es follte bie Niederlage der Teutonen
(welche von Norbweit herkamen) bebeuten.
Sp Überfegt Plinius das Griechifche Aiyos rorauos (Bies
gentuß), Stäßchen und Stadt (Galata) an der Dardanellen⸗
aße.
”*, Ein Komet war ed wohl nicht, fonberneine jener Feuerkuseln,
wie man ſie auch im neuerer Zeit ſah, bie ſich gewohnlich
Nin einen Steinregen auflöfen. Die Vorausſagung eines
ſolchen Phänomens iſt unmöglich.
.
VD
Zweites Buch. 187
eingeſtehen, daß die Sehergabe des Anaxagoras ein noch
weit größeres Wunder war; auch muß unſere ganze Einſicht
in die Natur der Dinge ſich in Nichts auflöſen und ſich
Alles verwirren, wenn man aunnehmen wollte, daß bie
Sonne ein Stein, *) oder daß überhaupt ein Stein in ihr
ſeyn könne. 3. Daß übrigens häufig Steine herabfallen,
kann nicht wohl geläugnet werden. In der Ningfchule zu
Abpdus [Avido] verehrt man deßhalb noch jetzt einen ſolchen
Stein, der zwar nicht fehr groß ift, von weichem aber ders
felbe Anaxagoras vorausgefagt haben fofl, daß er auf die
Mitte der Erde fallen werde. uch verehrt man einen zu
Caſſandria [Porte di Caffandro], welche Stadt fpäter Poti⸗
dãa **) genannt wurde, und wohin man aus diefer Urfache
eine Eptonie geführt hatte. Ich ſelbſt fah einen im Gebiete
der Vocontier [Baifon], welcher kurz vorher herabgefallen
war.
LX (ax), 4. Die Erfcheinungeh,. welche wir Regen⸗
bogen nennen , find zu häufig, als daß man fie für Wunder
ober Borbedentungen anfehen Eönnte; denn nicht einmal
reguerifche oder heitere Tage. zeigen fle mit Zuverläßigkeit
an. Es ift offenbar [daß ein Negenbogen dadurch fich bilder],
daß ein Sonnenſtrahl, der in eine hohle Wolke fällt, mit
der Spige nad) der Sonne zuräcgeworfen und gebrodgen
°), Und doch Bält man jetzt die Aufiht,, ba die Sonne eine
glähende Metall s oder Steinmaſſe fey, für die wahrſchein⸗
lichſte.
Weil naͤmlich der Meteerſtein eine Branbfarbe hatte. Denn
Poridaͤa iſt vielleicht von der Dorifchen Som wondalonas
(ih brenne au) abzmieiten, 0
188 C. Plinius Naturgefchichte.
wird; die Verſchiedenheit der Farben aber entſteht durch
die Miſchung der Wolken, der Luft und der Sonnenſtrah⸗
fen. 9) Gewiß ift, daß Regenbogen nur der Gonne ges
genüber vorkommen, und nie anders, als in Beflaft eines
Halbzirkels, auch nicht bei Nacht‘, obfchon Ariftoteled"**)
erzählt, daB man deren manchmal -gefehen habe; er
geſteht jedoch zugleich, daß Diefes nur, wenn der Mond
dreißig Tage alt ift, gefcheben könne. 2. Sie bilden ſich
. aber am häufigften im Winter, wenn von der Herbfl-Tags
und Nacıtgleiche an die Tage abnehmen; - Wenn aber diefe
von der Frühliugs-Tag- und Nachtgleiche an wieder zuneh⸗
'men, fo kommen fie eben fo wenig vor, ald an den laͤngſten
:Zagen um die Zeit der Sommerfonnenwende,, bei der Wine
"terfonnenwende aber,. das heißt, an den Pürzeften Tagen,
ſehr häufig. N) Sie find boch, wenn die Sonne niedrig,
p) Die Erklärung bes Regenbogens durch die Brechung ber
Sonnenſtrahlen iſt richtig, bie concave Wolke’ abgerechnet,
welche die Alten vorausſetzten, um ſich die Bogenform er⸗
klaͤren zu koͤnnen, die aber eine andere Urſache hat, wie
man aus den Lehrbüchern der Phyſik erſehen kann. Auch
die Farbenverſchiedenheit hat ihren Grund nicht in der von
Plinius angegebenen Miſchung, ſondern in ber ungleichen
Brechung der Sonnenſtrahlen, wie Newton zuerſt be⸗
merkt bat,
°®) Meteor. III, 4. Ariſtoteles hat Recht. Denn auch in
neuerer. Zeit hat man nicht ſelten ſolche Mondregenbogen
beobachtet. Ariſtoteles ſagt aber, beim Vollmonde (dv ei
ravasinyw); und vielleicht fand auch im Texte des Plis-
nins die Zahl XIV, welche von Aofchreibern in XXX
verwandelt wurbe,
se. Das Geſagte if unrichtig. Man fieht Regenbogen ya
= Zweites Bud: 489.
and niedrig, wenn diefe hoch fteht. Bei Sonnenauf⸗ und
Untergang find ſie kleiner, aber mehr in Die Breite gezogen;
um die Mittagszeit fchlanker, .aber von größerem Umfang.
Im Sommer fieht man fie nie um die Mittagszeit, nach
‚der Hersft:Tag: und Nachtgleiche aber zu jeder Stunde des
Zages, aber nie mehr ald zwei zugleich...
LXL- 4.. Ueber andere Naturerſcheinungen iſt man,
wie ich fehe, faft allgemein einverflanden.
(12.) Der Hagel entfteht demnach aus gefrorenem Platz⸗
regen, der Schnee aus derfelben , aber minder verbichteten -
Feuchtigkeit, der Reif aber aus gefrorenem hau. Im
- Winter füllt nur Schnee und Fein Hagel, der Hagel ſelbſt
Yäufiger bei Tag als bei Nacht; and) ſchmilzt er viel ſchneller,
als der Schnee. Nebel entfliehen weder im Sommer, nody
bei allzuheftiger Kälte. 2. Thau fällt weder: bei fehr kal⸗
tem, noch bei fehr heißem ,. nod, bei windigem Better,
fondern nur in heiferen Nächten. Durch’ Gefrieren ver:
mindert fid das Waſſer, und wenn baf Eid aufgethaut if,
findet man nicht mehr daffelbe Maaß.
(Txi.) 3. In den Wolken fieht man verſchiedene Farben
und Geſtalten, je nachdem das ihnen beigemifchte Feuer die
Oberhand behält, oder von ihnen überwältigt wird.
LXH (wm). Außerdem haben gewiſſe Gegenden ges
wiffe Eigenthämtichkeiten. So fällt in Afrika in den Som⸗
mernächten Thau; in Italien vergeht zu Locri [Bruzzano)]
und an dem Velinifchen See [Vie di Lugo)] kein Tag, ‚an
jeber Sahreözeit, aber nie, „wegu die Sonne Höher als
42° fieh oo.
t,
190° E. Plinius Naturgefchichte.
welchem nicht Regenbogen erſcheinen; zu Rhodus und Sy⸗
rakus [GSiragoffa] wird nie der Nebel fo dicht, daß man
nicht wenigſtens zu einer Tagesftunde bie Sonne fehen könnte.
Doc von diefen Dingen wollen wir an ben geeigneten
Stellen berichten, und jest die Bemerkungen über bie Luft
fchließen.
LXIII (ızın). 4. Es folgt nun die Erde, der wir allein
von allen Zheilen der Natur, ihrer ausgezeichneten Ver⸗
dienfte wegen, den ehrenden Deinamen „Mutter“ gegeben
haben. Gie ift und Das, was der Gottheit der Himmel ift.
Sie nimmt uns auf bei der Geburt; fie nährt uns nad) ber
Geburt, und find wir einmal da, fo erhält fle ung fort
während; am Ende, wenn uns die übrige Natur verfkößt,
nimmt fle uns auf in ihren Schooß und bededt uns, recht
wie eine Mutter; durd, Fein anderes Verbienft ift fie dep:
bald mehr heilig, als eben durch Dad, daß fie uns felbft
heilig madyt. *) Auch trägt fle unfere Denkmäler und unfere
Ehrentitel, pflanzt unfern Namen fort, und verlängert ins
fer Andenken über diefe kurze Lebengfrift hinaus. Sie iſt die
legte Gottheit, deren Strenge wir in unferem Zorne nod)
gegen die Abgefchiedenen anrufen, **) als wenn wie nicht
müßten, daß fie die einzige ſey, die hie einem Menichen
zürnt. 2. Das Wafler fteigt auf zu’ Regen, erflarrt zu
Hagel, ſchwillt an zu Fluthen und ſtürzt ſich daher in
zeiffenden Strömen; die Luft verdichtet ſich zu Wolken und
Die Todten waren den Alten heilig und unverletzlich.
9) Anfpielung auf die Verwänfhung: bir ſey die Erde
fhwer!
+
Zweites: Buch. on 194,
wöäthet im Sturme. Aber wie güfig, wie mild, wie nad
ſichtia if fie! Wie dient fie fortwährend jedem Bedürfniffe
ber Sterblihen! Was erzeugt le duch Zwang, und Was
fpendet fie nicht fchon freiwillig? Welche Gerüche, welche
Leckereien, welche Gäfte,, weiche Formen, welche Barben!
Wie ehrlich gibt fle uns das anvertrante Gut mit Zinfen.
zurück! Was ernährt fie nicht ünſertwegen! Was die ſchäd⸗
lien Thiere betrifft, fo iſt die beiebende Luft an ihrer
Erzeugung Schuld: ) die Erde muß gezwungen den Saa⸗
men derfelben aufnehmen, und fie, wenn fie einmal geboren
find, erhalten; aber der Ecyaden fällt nur der Schlechtigkeit
der erzeugenden.. Kräfte zu Laſt. 3. Die Erde nimmt bie
Schlange, welche einen Menſchen beſchädigt hat, nichtmehr
auf,**) und flraft fo auch im Namen Derer, welche es
ſelbſt verfäumen ; fie fpendet Heilkräuter, und leidet ſtets für
den Menfchen Beburtsichmerzen. Ja man darf fiher glau⸗
ben, daß fie-auch die Gifte nur aus Mitleid für uns her⸗
verbringe, damit ung nicht, wenn wir bes Lebens über
Müffig find, der Hunger, eine der Güte der Erde durch⸗
aus nicht entfpredjende Todesart, durch langfame Zehrung
aufreibe, oder ein Sturz von- einem Felfen unfern zerfchmet:
terten Körper zerfirene; damit wir und nicht durch den
Strick eine unfinuige Duat bereiten, indem wir dadurd) die
Seele, für weiche wir doch einen Ausweg füchen wollen,
N
2) Weil nad) der Anficht ber Alten ber. Saamen ber fhäbli-
hen Xhiere von oben herabfält. Daß Plinius ber Luft
Unrecht thue, braucht Baum erinnert zu werben.
2%, ©, XXlx, 23.
\ 192 €. Plinius Naturgeſchichte.
einſchließen; damit wir nicht, indem wir in der Meerestiefe
den Tod ſuchen, unſer Grab im Leibe der Fiſche finden, und
damit endlich nicht das marternde Eifen unfern Leib durch⸗
wähle. 4. Ja aus Mitleid erzengte fle das Gift, burdy
deffen mühelofen Genuß wir ohne Verlegung des Körpers,
ohne allen Blutverluſt und ohne Qual, Dürftenden gleich
fterben; damit ung, wenn wir auf diefe Weife gefchieden
find, Fein Vogel und fein Wild berühre, und ‚damit Jeder,
der für ſich felbft verloren ift, dody der Erbe erhalten werde.
Geſtehen wir yur die Wahrheit: die Erde bat uns ein
Mittel gegen alle Uebel erzeugt, wir. aber haben. ed zum
Gifte gemacht, um das Leben [Anderer] zu zerflören. Ge⸗
brauchen wir nicht Das Eifen, deffen wir nich entbehren
können, auf biefelbe Weife? — Wenn fie aber auch das
Gift: bernorgebradht hätte, um ung zu ſchaden, fo konnten
wir und doch nicht mit Recht beklagen, wenn wir nicht ges
tade gegen diefen einen Naturtheil” undankbar feyn wollen.
5. Zu welhen Vergnügungen, zu welchen Schandthaten
dient fie nicht dem Menfchen? Sie wird in dad Meer gewor⸗
‘fen, Oder, um und Kanäle zu ſchaffen, vom Waſſer duxch⸗
freffen. Eiſen, Holz, Feuer, Gteine, Früchte bereiten ihr
ſtündlich neue Dual, und zwar weit häufiger, um unfere
Gelüſte, als unfere Nahrungsbebürfniffe zu befriedigen.
Mag auh, Was fie an ihrer Oberfläche, an ihrer äußerften
Rinde leidet, nody erträglich fcheinen ; aber wir dringen auch
in fire Eingeweide und graben nach Bold» und Silberadern,
nad) Erz und Blei, wir wühlen Schädhte in die Tiefe und
ſuchen @derfteine und andere Beine Steinhen. Wir ziehen
ihr die Eingeweide heraus, um einen Edelſtein, den wie
d
Zweites Buch. 193
wünſchen, am Finger zu tragen. Wie viele Hände müſſen
fidy zerarbeiten, damit nur ein Glied glänge! Gäbe es eine
Unterwelt, die Minen der Habſucht ‘und der Prnunkliebe
wären wahrlich ſchon auf fie geftoßen. 6. Und wir wollen
und noch wundern, wenn die Erbe etwas zu unferem Nach⸗
theil hervorgebracht hat, weil auch die. fchädlichen Thiere
fie fo gut bewachen, und die entheiligenden, Menſchenhände
von ihr abhalten ? Graben wir nicht mitten unter Schlangen,
und beuten wir nicht die Goldadern aus, fammt den Gift:
murzeln? Doch die Göttin zürnt darüber weniger, weil
alle diefe Reichthümer Lafer, Mord und Krieg zur Folge
haben , und weil wir fie mit unferem Blute befeucdhten,, und
mit unferen unbegrabenen Geheinen bededen. Und bo)
breitet fie, nachdem fle uns über unſern Wahnſinn befhämt.
hat, ſich am Ende auch über diefe hin, und verbirgt fo die
Frevelthaten der Sterblidhen. — Zu den Verbrechen eines
undankbaren Gemüthes möchte idy auch die Unwiſſenheit
zählen ‚in der wir und in Bezug anf.ihre Natur befinden.
LXIV (ıixıv). 4. Zuerſt koͤmmt ihre Geſtalt in Betracht,
über welche nur eine einflimmige Meinung herrſcht. Wir
neunen fie ohne Bedenken Erdkreis, und glauben, daß dieſe
Kugel von den beiden Polen eingefchloffen werde. Gie kann
aber eigentlich der vielen Berghöhen und der weiten Belb-
flächen wegen nidyt vollfommen rund ſeyn; fondern ihr Ume
fang bildet nur daun, wenn man die Endpunkte der [von
ihren Centrum aus gezogenen] Radien durch eine Kreislinie
verbindet, eine vollfommene Kugelgeftalt. Su biefer Ans
nahme zwingt uns fchon das allgemeine Naturgefep, obs
fhon nicht die nämlichen Urfachen , bie. wir bei der
€. Pinins Neturseſch. 28 Buche, ' 6
194 E. Plinius Raturgeſchichte.
vom Himmel 9 angeführt haben, obwalten. 2. Denn bei
jenem neigt ſich die hohle Kugel gegen Ach ſelbſt, und ruht
allenthalben auf ihrer Angel, auf der Erde'nämlich. Diefe
aber, als ein fefter und dichter Körper. erhebt fih, einer
anſchwellenden Maſſe ähnlich, von innen heraus, und dehnt
fih nad) außen, Tie Welt neigt fidy gegen den Mittelpundt;
die Erde aber firebt vom Mittelpunkt ab, und ihr un:
geheurer Ball wird durch den fortwährenden Umfchwung der
Welt um Ile in der Kugelgeftalt erhalten.-
LXV (iv). 4. Wir kommen nun an einem großen
Streit zwifhen den Gelehrten und dem gemeinen Bolke.
Jene behaupten nämlich, die Erde fey rundum von Men:
ſchen bewohnt, und diefe kehren ſich einander die Füße zu.
Alle hätten ein ähnliches Himmelsgewölbe über fih, und an
einem Punkte, wie an dem andern, flehe man immer auf
ihrer Mitte. Diefes fragt Dagegen, warum die und gegen-
über Liegenden [Antipoden] nicht herabfallen, als wenn Diefe
ſich nicht aus derſelben Urſache wundern könnten, daß wir
nicht herabfallen. Eine andere Meinung hat ſich zwifchen
Beide geftelit, die aber nur dem ungebildeteh Haufen an:
nehmbar erfcheinen Bann, daß nämlich die Erde allerdings
rundum bewohnt ſeyn könne, wenn fie eine ungleiche Kugel
bilde, und ungefähr die Geftalt eines Fichtenapfels habe.
2. Über warum länger darüber ſprechen? Erſcheiut es
*, Kay. 2
22) Auch die Erde ſtrebt nad) dem Mittelpunkt, und erhält ba=
durch, nicht aber durch den Umſchwung der Welt um fie,
die Kugelform.
I.
⸗
3Zweites Bud. 0 195
Andern 5 ein weit größeres Wunder, daß die Erbe
fein frei Mwebdt, und nicht fammt uns berakfällt? Als
wenn die Kraft. der Luft, befonders da dieſe von ber Welt
eingefchloffen ift, nicht außer allen Zweifel geftellt wäre,
oder als wenn ein Derabfallen ber Erde möglich wäre, da
die Natur widerfirebt, und ihr den Platz verfagt hat, wohin
le fallen könnte! Denn fo wie der Gib des Feuers nnr in
Dem Feuer, des Waflers unr in dem Waller und der Luft
nur in der Luft ift, fo Hat aud die Erde, da fie allenthalben
zrrücdgepiefen wird, nur ihre Stelle in ſich ſelbſt. Wun—⸗
derbar iſt es jedoch, daß .fle bei fo großen Meeres: und
Feldflächen eine Kugel bildet. Diefe Anſicht vertheidigt auch
Ditäarhhus, ein überaus gelehrier Mann, der auf Befehl
der Könige *) tie Berge gemeffen hat, und die ſenkrechte
Höhe Bed Delion [Pekräs], welchen er für den höchſten hält, *)
auf 1,250 Schritte [5,859 Fuß ***) ] angibt, dabei aber die
Bemerkung macht, daß diefe Höhe im Verhältniß zu dem
ganzen Erdumfang in. Nichts verſchwinde. Mir fcheint diefe
Bermuthung unzuverläflig, da mir nicht unbekannt ift, daß
einige Alpengipfel fih in allmäliger Auffteigung zu einer
- 9) Der Nachfolger Aleranders bed Großen.
**) inter ben Bergen Griechenlands. Denn wohl nur kiefe _
hatte Dikaͤarchus gemeffen.
©, Bei ber Reduction bed Romiſchen Fußes und Schrittes
auf jegigeds Maaß find in der Ueberſeßung immer rheinifche
Tuße gemeint, Wir rechnen den Nömifchen Fuß zu 11%
Zoll rheiniſch. Nimmt man 103%, rhein. Fuß auf 100
Pariſer Fuß, ſo iſt die Ansgleigung für jeglich3 Maap
leicht,
. 6%
% —
x
16 €, Minius Naturgeſchichte.
Höhe von. nicht weniger als fünfzigtauſend *) Schritten
[234,375 F.] erheben. — 3. Am nteiften wilßeftrebt aber
Das ungebildete Bolt, wenn es glauben foll, daß auch das
Waſſer eine runde Geftalt habe. Und doch ift in der ganzen
Natur nichts leichter durch den bloßen Anblick zu begreifen.
Denn die irgendwo berabhängenden Tropfen bilden ſich zu
“Heinen Kugeln, und erfcheinen, wenn fie auf Staub fallen,
oder wenn man fie auf wollige'Blätter legt, vollkommen
rund. ») Auch in vollen Bechern fleigt das Waſſer in der
Mitte am höchſten; ***) was fid) aber wegen feiner Dünn⸗
beit und feiner ſich felbft zufantmendrängenden zarten
Theilchen Leichter durch Vernunftſchlüſſe, als durch ben
Augenfchein erkennen läßt. A. Noch wunderbarer ift, baf
bei vollen Bechern, wenn man nur die geringſte Maſſe
von Flüſſigkeit hinzugießt, Das, was zu viel iſt, ſogleich
überläuft; daß aber das Gegentheil ſtattſindet, wenn man
ſchwere Gegenſtaͤnde, die ſich oft bis auf ein Gewicht von
zwanzig‘, Denären +) belaufen können, hineingleiten läßt,
weil nämlich das Hineingefallene die Flüffigkeit in ber
Witte zu einer größeren Wölbung emporhebt, das auf die
‚” Diefe "Baht ift jedenfalls durch Abſchreiber entſiellt. Der
höchfte europeiſche Alpengipfel (Montblanc). mißt nur
15,180 Fuß.
Die runde Geftalt der Zropfen kommt daher, weil bie
andten Theilchen nach wechfelfeitigem Bufammenbange
reben
vr, Das Waſſer fieht am Rande voller Gefäße megen der Anz
ziehungsfraft ber. Seitenwände niedriger, als in der Mitte,
D Ungefähr %s Pfund,
\ . Zweites Bud). 4197
emporftehende Wölbung Gegofiene aber abfließt. Aus Feiner
anderen Urſache) kommt ed, daß man das Land, welches
fdjon vom Schiffsmaſte aus fihtbar iſt, auf.dem Schiffe
ſelbſt noch nicht fieht, und daß ein glänzender Gegenſtand,
welchen man an die Spige bes Maftes bindet, mit der Ent
fernung des Schiffes allmälig niedriger zu werben ſcheint,
und am Ende ganz verfchwindet. 5. Wie fönnte denn auch
ber Ocean, den wir den äußerſten nennen, bei einer au’
dern Geſtalt zufammenhängen nnd nicht herabfließen, da ihn
weiterhin Eein Ufer mehr umfchließt? Ja es bleibt immer
noch ein Wunder, warum auch. trog der Kugelgeflalt das
änpnerfte Meer nicht herabfällt. Daß Dieß Übrigens, auch
wenn dad Meer fo flach wäre, wie ed uns erfcheint, nicht
geſchehen könne, ſuchen Griechiſche Forſcher mit großer
Selbſtgefaͤlligkeit und mit großem Anrühmen durch eine
gesmetriſche Spitzfindigkeit zu erweiſen. 6.; Da nämlich das
Waſſer von der Höhe nach der Tiefe ſtröme; da dieſe ſeine
Eigenſchaft allgemein anerkannt ſey, und Niemand in Ab⸗
rede ſtelle, daß es noch an keinem Ufer höher geſtiegen fey,
als es deſſen Abſchüſſigkeit erlaubte, ſo müſſe man ohne alle
Widerrede annehmen, daß, je niedriger etwas fey, es ſich
auch um fo mehr dem Erdmittelpuntt nähere, und daß alle
Linien, welche man von diefem zu der nächſten Wafferobers
fläche ziehe, Bürger ſeyen, als diejenigen, weldhe man vox
% Wegen der Wölbung bed Meeres, welche ‘aber burdy aus
dere Urfachen, nämlid, durch das Hinſtreben aller einzelnen
Theile nach dem Erdmittelpunkt und durch den gleichmäs
pßigen Drud ber Luft bedingt wird,
188 C. Plinius Naturgefchichte.
wird; die Verſchiedenheit der. Farben aber entſteht durch
die Miſchung der Wolken, der Luft und der. Sonnenſtrah⸗
fen.) Gewiß iſt, daß Regenbogen nur der Gonne ges
genüber vorkommen, und nie anders, als in Geſtalt eines
Halbzirkels, auch nicht bei Nacht, obſchon Ariſtoteles **)
erzählt, daB man deren manchmal -gefehen habe; er
geſteht jedoch zugleih, daß Diefes nur, wenn ber Mond’
‚dreißig Tage alt ift, gefchehen könne. 2. Sie bilden ih
aber am bäufigften im Winter, wenn von der Herbfl-Tags
and Nachtgleiche an die Tage abnehmen: Wenn aber diefe
‚don der Frühlinge:Tag s und Nachtgleihe an.wieder zuneh⸗
'men, fo kommen fie eben fo wenig vor, als an den längften
"Tagen um die Zeit der Sommerfonnenwende, bei der Wine
"terfonnenwende aber,. das heißt, an den Bürzeften Tagen,
ſehr häufig. **%) Sie find boch, wenn die Sonne niedrig,
8 Die Erklaͤrung bed Regenbogens durch die Brechung ber
Sonnenſtrahlen iſt richtig, die concave Wolke’ abgerechnet,
welche die Alten vorausſetzten, um fi ch die Bogenform ers
Elären zu Eönnen, die aber eine andere lrfache hat, wie
man aus den Lehrbüchern der Phyſik erfehen kann. Auch
bie Sarbenverfchiedenheit hat ihren Grund nicht in der von
Plinius angegebenen Mifchung, fondern in der ungleichen
Bredhung der Sonnenftrahlen, wie Newton zuerft bes
merkt hat.
Meteor. III, 4. Ariſtoteles hat Recht. Denn auch in
neuerer. Zeit hat man nicht felten folche Mondregenbogen
beobadhtet. Ariſtoteles fagt aber, beim Vollmonde (iv «en
navaslya); und vielleicht fand auch im Texte bed Pli⸗
nius die Zahl XIV, welche von Abſchreibern in XXX
verwandelt wurde.
ee· Das Geſagte iſt unrichtig. Mau ſieht Regenbogen u
o
wer
J
gZweites Buch. | 189
uud niedrig ‚ wenn diefe hoch fteht. Bei | Gonnenauf s mb.
Untergang find fle Pleiner, aber mehr in die Breite gezogen;
um die Mittagszeit fchlanker, aber von größerem Umfang.
3m Sommer ficht man fle nie um die Mittagszeit, nad
der Herbft:Tag: und Nachtgleiche aber zu jeder Stunde des
Zages, aber nie mehr als zwei zugleich...
LXL- 4. Ueber andere Naturerfcheinungen ift man,
wie ich febe, faſt allgemein einverflauden.
(Ax.) Der Hagel eutfteht demnach aus gefrorenem Platz⸗
regen, der Schnee aus berfelben, aber minder verbichteten -
Seuchtigkeit, der Reif aber aus gefrorenem Thau. Im
- Winter fällt nur Schnee und kein Hagel, der Hagel ſelbſt
Häufiger bei Tag als bei Nacht; andh ſchmilzt er viel fchnefler,
als der Echnee, Nebel entflehen weder im Sommer, nody:
bei allzupeftiger Kälte. 2. Thau fällt weder: bei fehr kal⸗
tem, noch bei fehr heißem, noch bei windigem Wetter,
fondern nur in heiteren Nächten. Durch’s Gefrieren vers
mindert ſich das Waller, und wenn daß Eid aufgethaut ift,
Aindet man nicht mehr dafielbe Maaf.
(ax1,) 3, In den Wolken ficht man verſchiedene Farben.
and Gertalten, je nadydem das ihnen beigemifchte Feuer die
Oberhand behält, oder von ihnen überwältigt wird.
LXH (im). Außerdem haben gewiffe Gegenden ges
wiſſe Eigenthümlichkeiten. So fällt in Afrifa in den Eom-
mernäcten Than; in Italien vergeht zu Locri [Bruzzano]
und an dem Velinifhen See [Pie di Lugo] kein Tag, an
jeber ‚Sahreözeit, aber wie, .wegu die Sonne höher als
42° fieht, on
10 E. Plinius Naturgefchichte.
weichem nicht Regenbogen erfcheinen; zu Rhodus und Sy⸗
rafus TSiragoffa] wird nie ‘der Nebel fo dicht, daß man
nicht wenigftend zu einer Tagesftunde die Sonne fehen könnte.
Doc von .diefen Dingen wollen wir- an ben geeigneten
Stellen berichten, und jest die Bemerkungen über bie Luft
fchließen.
LXIII (izın). 4. Es folgt nun die Erde, der wir allein
von allen XTheilen der Natur, ihrer ausgezeichneten Ver⸗
Dienfte wegen, den ehrenden Beinamen „Mutter“ gegeben
haben. Gie ift und Dad, was der Gottheit der Himmel ift.
Sie nimmt und auf bei der Geburt; fie mährt und nad) der
Geburt, und find wir einmal de, fo erhält fle uns forte
während; am Ende, wenn uns die übrige Natur verfkößt,
nimmt fle uns auf in ihren Schooß und bededt uns, recht
wie eine Mutter; durch Bein anderes Verbienft ift fie deß⸗
bald. mehr heilig, als eben durch, Das, daß fle uns felbft
heilig macht. *) Auch trägt fie unfere Denkmäler und unfere
Ehrentitel, pflanzt unfern Namen fort, und verlängert Ins
fer Andenken über diefe kurze Lebengfrift hinaus. Sie iſt die
legte Gottheit, deren Strenge wir in unferem Zorne nod)
gegen bie Adgefchiedenen anrufen, **) ald wenn wir nicht
wüßten, daß fie die einzige fen, die nie einem Menſchen
zürmt. 2. Das Waſſer ſteigt auf zu’ Negen, erflarrt zu
Hagel, ſchwillt an zu Fluthen und ſtürzt Ad daher in
zeiffenden Strömen; bie Luft verdichtet fi zu Wolken unb
9 Die Zodten waren ben Alten heilig und unverletzlich.
9%) Anfpielung auf die Verwänfhung: dir ſey die Erbe
ſchwer!
*
Zweites: Buch. — 194,
mäthet im Sturme. Aber wie gütig, wie mild, wie nad)
ſichtia if fe! Wie dient fie fortwährend jedem Bedürfniffe
der Sterblihen! Was erzeugt fie durdı Zwang, und Was
fpendet fie nicht ſchon freiwillig? Welche Gerüche, weldye
Leckereien, welche Säfte, welche Formen, welche Barben!
Wie ehrlich gibt fie uns das anvertraute Gut mit Zinſen
zuräd! Was ernährt fie nicht Onferimegen! Mas die ſchäd⸗
lichen Thiere betrifft, fo if die beiebende Luft an ihrer
Erzeugung Schuld: *) die Erde muß gezwungen den Saas
men derfelben aufnehmen,. und fie, wenn fie einmal geboren
find, erhalten; aber der Echaden fällt nur der Schlechtigkeit
der erzeugenden. Kräfte zu Laſt. 3. Die Erde nimme die
Schlange, welche einen Menichen befchädigt hat, nichtmehr
auf, ») und flraft fe auch im Namen Derer, welche es
ſelbſt verfäunien ; fie fpendet Heilkräuter, und leidet ſtets für
den Menfchen Geburtsichmerzen. Ja man darf ficher glaus
ben, daß ſie auch die Gifte nur aus Mitleid für und her:
‚verbringe, damit uns nidt, wenn wir des Lebens über⸗
drüſſig And, der Hunger, eine der Güte der Erde durch⸗
aus nicht entiprecdhende Todesart , durch langſame Sehrung
aufreibe, oder ein Sturz von einem Felſen unſern zerſchmet⸗
terten Körper zerſtreue; damit wir uns nicht durch den
Strick eine unfinufge Dual: bereiten, indem wir dadurch die
Seele, für weiche wir doch einen Ausweg ſuchen wollen,
2) Weil nach der Anſicht der Alten der Saamen der ſchaͤdli⸗
chen Thiere von oben herabfällt. Daß Plinius ber Luft
Unrecht thue, braucht kaum erinnert zu werben,
20, 6, XXIX, 23.
4192 €. Plinius Naturgeſchichte.
einſchließen; damit wir nicht, indem wir in der Meerestiefe
den Tod ſuchen, unfer Grab im Leibe der Fiſche finden, und
damit endlich nicht das marternde Eifen unfern Leib durch⸗
wühle.. A. Ja aus Mitleid erzeugte fle das Gift, durdy
deffen mühelofen Genuß wir ohne Verlegung des Körpers,
ohne allen Blutverluſt und ohne Qual, Dürſtenden gleich
ſterben; damit uns, wenn wir auf dieſe Weiſe geſchieden
find, kein Vogel und kein Wild berühre, und damit Jeder,
der für fid) felbft verloren ift, doch der Erde erhalten werde.
Geſtehen wir nur die Wahrheit: die Erde hat uns ein
Mittel gegen alle Uebel erzeugt, wir. aber haben, ed zum
Gifte gemadyt, um das Leben [Anderer] zu zerflören. Ge⸗
brauchen wir nicht das Eifen, deffen wir nicht eutbehren
können, auf diefelbe Weife? — Wenn fie aber auch das
Gift hervorgebracht hätte, um ung zu ſchaden, fo könnten
wir und doc) nicht mit Recht beklagen, wenn wir nicht ges
tade gegen diefen einen Naturtheil” undankbar feyn wollen.
5. Bu welchen Bergnügungen, zu welchen Schandthaten
dient ſie nicht dem Menſchen? Sie wird in das Meer gewor⸗
fen, oder, um und Kanäle zu ſchaffen, vom Waſſer durxch⸗
freffen. Eiſen, Holz, Feuer, Steine, Früchte bereiten ihr
ftündfih neue Dual, und zwar weit häufiger, um unfere .
Gelüſte, als unfere Nahrungsbebürfniffe zu -befriebigen.
Mag auch, Was fie an ihrer Oberfläche, an ihrer äußerften
Rinde leidet, nody erträglich fcheinen; aber wir dringen auch
in ihre Eingeweide und graben nach Gold» und Silberadern,
nah Erz und Blei, wir wühlen Schädyte in die Tiefe und
ſuchen Edelſteine und andere Beine Steinden. Wir ziehen
ihr die ingeweide heraus, um einen Edelſtein, den wir
J
1}
Zweites Bud. 493
wünſchen, am Finger zu fragen. Wie viele Hände müſſen
fidy zerarbeiten, damit nur ein Glied glänze! Gäbe es eine
Unterwelt, Die Minen der Habſucht und der Prunkliebe
wären wahrtich fchon auf fie gefloßen. 6. Und wir wollen
und ndd) wundern, wenn die Erde etwas zu unferem Nach⸗
theil hervorgebracht hat, weil auch die. fchädfichen Thiere
-fle ſo gut bewachen, und die entheiligenden. Menfchenhände
vom ihr abhalten ? Graben wir nicht mitten unter Schlangen,
und beuten wir nicht die Goldadern aus, fammt den Gift:
murzeln? Doch die Göttin zürnt darüber ‚weniger, weil
alle diefe Reichthümer Laſter, ‚Mord und Krieg zur Folge
haben , und weil wir fle mit unferem Blute befeuchten , und
mit unſeren unbegrabenen Geheinen bebeden. Und doch
breitet fie, nachdem fie uns über nnfern Wahnſinn befchämt.
hat, ſich am- Ende auch über diefe hin, und verbirgt fo die
Grevelthaten der Sterblichen. — Zu den Verbrechen eines
undantbaren Gemüthes möchte ich audy die Unwifienheit
aählen ‚in der wir uns in Bezug auf ihre Natur befinden.
LXIV (aAxxv). 4. Zuerſt koͤmmt ihre Geſtalt in Betracht,
über welche nur eine einſtimmige Meinung herrſcht. Wir
nennen fle ohne Bedenken Erdkreis, und glauben, daß dieſe
Kugel von den beiden Polen eingefchlofien werde, Sie kann
aber eigentlich der vielen .Berghöhen und der weiten Feld⸗
flächen wegen nidyt vollkommen und ſeyn; fonbern ihr Um⸗
fang bildet nur daun, wenn man die Endpunfte der [von
ihrem Centrum aus gezogenen] Radien durch eine Kreistinie
verbindet, eine vollkommene Kugelgeſtalt. Zu diefer Ans
nahme zwingt uns ſchon das allgemeine Naturgefeg, obs
ſchon nicht die nämlichen Urſachen, die- wir bei der Ler
€, Plinins Naturgeſch. 28 Bbchn. 6
194 C. Plinius Raturgeſchichte.
vom Himmel ®) angeführt haben, obmalten. 2. Denn bei
jenem neigt ſich die hohle Kugel gegen Nic ſelbſt, und ruht
allenthalben auf ihrer Angel, auf der Erde nämlich. Diefe
aber, als ein fefter und dichter Körper, erhebt fih, einer
anfchwellenden Maſſe ähnlich, von innen. heraus, und dehnt
fi nady außen. Tie Welt neigt fich gegen den Mittelpundt;
Die Erde aber ſtrebt vom Mittelpunkt ab, **) und ihr nn:
geheurer Ball wird durch den fortwährenden r Umfopndung. der
Welt um fe in der Kugelgeftalt erhalten.-
LXV (u). 4. Bir kommen nun an einem großen
Streit zwiſchen den Gelehrten und dem gemeinen Volke.
Jene behaupten nämlich, die Erde fey rundum ‚von Men:
ſchen bewohnt, und diefe kehren ſich einander die Füße zu.
Alle Hätten ein Ähnliches Himmelsgewölbe über fi, und an
einem Punkte, wie an dem andern, ſtehe man immer anf
ihrer Mitte. Diefes fragt Dagegen, warum die ung gegen-
über Liegenden [Antipoden] nicht herabfallen, als wenn Dieſe
ſich nicht aus derſelben Urſache wundern könnten, daß wir
nicht herabfallen. Eine andere Meinung hat ſich zwiſchen
Beide geſtellt, die aber nur dem ungebildeten Haufen an:
nehmbar evfbeinen Tann, daß nämlich die Erde allerdings
rundum bewohnt ſeyn könne, wenn fie eine ungleiche Kudel
bilde, und ungefähr die Geſtalt .eines Fichtenapfels habe.
3. Über warum länger darüber ſorechen? Erſcheint es
*
) Kay. 2
,®) Much die Erbe firest nad, bem Mittelyunet, und erhält da⸗
burch , nicht aber durdy den Umſchwung bey Welt um fie,
die Kugelförm,
!
—
Zweites Buch. on 195
Andern er ein weit größeres Wunder, daß die Erde
ſelbſt Treiihwebt, und nicht ſammt uns herakfält? Als
weun die Kraft. ber Luft, befonders da Diefe von der Welt‘
eingefchloffen iſt, nicht außer allen Zweifel geftellt wäre,
oder ald wenn ein Herabfallen der Erde möglich wäre, ba
die Natur widerfirebt, und ihr den Platz verfagt hat, wohin
fie fallen Fönnte! Denn fo wie der Gib des Zeuers nur in
dem Heuer, des Waſſers unr in dem Waller und der Luft
nur in der Luft ift, fo hat aud die Erde, Ta fie allenthalben
zmüdgepielen wird, nur ihre Gtelle in ſich fell. Wun-
Derbar iſt es jedoch, daß .fle bei fo großen Meered: und
ZSeldflächen eine Kugel bildet. Diefe Anſicht vertheidigt auch
Ditdardius, ein überaus gelehrier Mann, der auf Befehl
der Könige *) Lie Berge gemeflen hat, und bie fentrerhte
Höhe des Pelion [Peträs], weichen er für den höchſten hält, **)
auf 4,250 Schritte [5,859 Fuß ***) ] angibt, dabei aber die
Bemerkung macht, daß diefe Höhe im Verhältniß zu dem
ganzen Erdumfang in. Nichts verfchwinde. Mir ſcheint diefe
Bermuthung unzuverläffig, da mir nidt unbekannt ift, daß
einige Alpengipfel fi in allmäliger Aufſteigung zu einer
⸗
°) Der Nachfolger Alexanders des Großen.
*®), Inter den Bergen Griechenlands. Denn wohl nur dieſe
hatte Dikaͤarchus gemeſſen.
=». Bei der Reduction des Nömirhen Fußes und Schrittes
auf jegiged Maaß find in der Lleberfegung immer rheinifche
Fuße gemeint, Wir rechnen den Nömifchen Fuß zu 11%.
Bol rheiniſch. Nimmt man 103% rhein. Fuß auf 100
Parifer Buß, fo ift die Ausgleihung für jeglich3 Maaß
leicht. " N .
N 6 r Zu
\
J —
242 "€. Plinius Naturgeſchichte.
fih unter derſelben befindet. Aber die Zeichen, welche bei
ihrem Aufgange fentredt auffleigen, *) behalten. durd) ihren.
langſameren Gang länger das Licht; jene hingegen, welche
ſchief auffteigen, ziehen in kürzerer Friſt vorüber.
XVÜI (ax). .4. Den meiſten Menfchen ift noch under
Fannt, Was bie in der Wilfenfchaft ausgezeichnetften Männer
durch fortwährende Beobachtung des Himmels entdedt has
ben: daß Das nämlich, was man Blig nennt, nichts anderes
iſt, als Feuer, welches aus dem drei oberen Planeten heraks
Salt, und zwar meiftens Feuer ans dem mittelften derfelben
[dem Jupiter nämlich), vielleicht weil er den zu großen
Zufuß' von Feuchtigkeit aus der Über ihm liegenden Kreis⸗
bahn [ded Saturn] -und von Hitze aus der unter ihm bes
findiidhen [res Mare) auf diefe Weife von fich ſtößt: deß⸗
halb fagt man auch, Jupiter fdileudere die Blite 2. Wie
alfo rom brennenden Holze die Kohle praffeind Iosfährt, fo
von dem Planeten das himmlifche Feuer, welches überdieß
nod, Vorbedentungen mit ſich dringt; denn nicht einmal ein
von dem Geflirn abgelöstes Thrithen ſtellt frine göttlichen
Berrichtungen ein. Meittens findet Dieß bei getrübter Luft
Statt: entweder, weil die ſich in ihr auhäufende Feuchtigkeit
Yen Zeuerlberfluß zur Entladung reist; oder auch, weil erft
die Luft durch eine folche Entbindung des ſchwangern Pia:
neten getrübt wird. **%)
%) Krebs, ebwe, Jungfrau, Wage, Ecorpion und Shäpe,
**) Der Inhalt diefe® Kapitels ift laͤppiſche Kinderei, ‚ bie Beine
‚ Wiberlegung verdient.
Zweit Bil. 0.0.7483
XIX (ax). 1. Biele haben den Abſtand der Belt rne
von der Erde zu berechnen geſucht, und behauptet, die Sonne
ſey neunzehnmal,mehr Grade von dem Monde entfent, als
der Mond ſelbſt von der Erde. 2. Pothagorad aber, ein
Mann von tiefeindringendem Geift, hat berandgefunden,
Laß die Enffernung-von der Erde bis zum Mond hundert
undfehsundzwanzigtaufend Gtadien, Die von ipm bis zur
Eonne das Doppelte, und die von dieſer bis zu den zwöf
- Zeiten. das Dreifache betrage. *). Derfelben Meinung war
auch der Römer Gallus Entpicius.
XX (Xxii). 4. Pythagoras nennt jedoch zumeilen mit
einem der Theorie der Muſik entiehnten Worte tie Größe
des Abftandes der Erde von dem Monde einen Ton. Bon
tiefem bis zum Merkur zählt “er einen halten Ton, von
diefem big zur Venus faft eben fo viel, von diefer bie zur
Sonnereinen und einen halben, von der. Sonne bie zum
Mars einen Ton, nämlich gerade fo viel, wie von ber Erde
Fis zum Mond. 2. ‚Bon Mars bis zum Jupiter’ rechnet
er einen halben, von dieſem bis zum Saturn wieder einen
halden, und von da.bis zum Thierkreiſe einen und einen
Haben Ton; zufımmen alfo fieben Töne, aus weichen bes
Panntlich die vollftändige Tontelter oder das ganze muflfas
liſche Syſtem beitebt. In diefer Harmonie nun ſoll ſich
Saturu nad) der Doriſchen, und Jupiter nach der Phrygi⸗
” Nach den neueren Entbeckungen beträgt ber mittlere Abs
ſtand der. Sonne von der Erde 20,851,000 Meilen, der
\ bes Mondes ungefähr -51,300 Meiten. Plinius rednet
Immer nad) olympiſchen Stadien, deren 40 auf eine geo⸗
graphiſche Meile gehen.
14
242 C. Plinius Naturgeſchichte.
ſich unter derſelben befindet. Uber die Zeichen, weiche bei
ihrem Aufgange fentredt aufſteigen, *) behalten. burd) ihren.
langſameren Gang länger das Licht; jene hingegen, welche
ſchief anffteigen, ziehen in kürzerer Friſt vorüber.
XVÜI (x). .1. Den meiften Menſchen ift noch unbe:
kannt, Was die in der Wiſſenſchaft ausgezeichnetften Männer
durd) fortwährende Beobachtung des Himmels entdeckt has
ben: daß Das nämlih, was man Blitz nennt, nichts anderes
iſt, als. Feuer, welches aus den drei oberen Planeten heraks
-$AUt, und zwar meiftens Feuer and dem mittelften derſelben
[dem Jupiter nämtich), vielleicht weil er den zu großen
Zuftuß von Feuchtigkeit aus der Über ihm liegenden Kreis:
bahn [led Gaturn) -und von Hitze aus der unter ihm bes
findtidhen [des Mare] auf diefe Weife von fi ſtößt: deß⸗
halb fagt man auch, Jupiter fdileudere die Blitze. 2. Wie
alfo rom brennenden Holze die Kohle praffelnd losfaͤhrt, fo
von dem Planeten das himmlifche Feuer, welches überdieß
noch Vorbedeutungen mit ſich dringt; denn nicht einmal ein
von dem Geſtirn abgelöstes Theilchen ſtellt feine göttlichen
Berrichtungen ein. Meiftens findet Dieß bei getrübter Luft
ſtatt: entwerer, weil die ich in ihr anhäufende Feuchtigkeit
den Beuerliberfluß zur Entladung reist; oder auch, weil erſt
Die Luft durch eine foldhe Entbindung des ſchwangern Dia:
neten getrübt wird, **)
%, Krebs, eowe, Jungſrau, Wage, Ecorpion und Saure.
en) Der Inhalt dieſes Kapitels iſt lappiſche Kinderti, die feine
Widerlegung verdlent.
Zweites Bud). n443
XIX (ax). 1. Viele haben den Abſtand der Geſterne
von der Erde zu berechnen gefucht, und behauptet, die Sonne
ſey neunzehnmal,mehr Grade von dem Monde entfent, als
der Mond ſelbſt von der Erde. 2. Pothagoras aber, ein
Mann von tiefeindringendem Geil, hat herausgefunden,
daß die Enffernung ven der Erde his zum Mond hunberts
undfehhsundzwanzigtaufend Gtadien, die von ihm bis zur
Eonne das Doppelte, und die von dieſer bis zu den zmöf
Zeiten das Dreifache betrage.) Derfelden Meinung war
auch ter Römer Gallus Gntpicius.
XX (zu). 4. Pothagoras nennt jedoch zuweilen mit
einem der Theorie der Muſik entiehnten Worte bie Größe
des Abftındes der Erde von dem Monde einen Ton. Won
tiefem bis zum Merkur zählt “er einen halfen Ton, von
diefem bis zur Venus faft eben fo viel, von Diefer bie zur
Sonnereinen nnd einen halben, von der Sonne bis zum
Mars einen Ton, nämlicd, gerade fo riel, wie von der Erde
Yis zum Mond. 2. ‚Bon Mars bis zum Jupiter” rechnet
er einen halben, von dieſem bis zum Saturn wieder einen
halben, und von da.bis zum Thierkreife einen und einen
halben Ton; zufammen alfo ficben Töne, aus weichen bes
kanntlich die vollftändige Tontelter oder das ganze muſika⸗
liſche Soſtem beſteht. In dieſer Harmonie nun ſoll ſich
Saturu nach der Doriſchen, und Jupiter nach der Phrygi⸗
” Nach den neueren Entbeckungen beträgt der mittlere Abs
ſtand der. Sonne von der Erde 20,851,000 Meilen, der
\ des Mondes ungehihr 51,300 Meilen. Plinius rehnet
Immer nad) oIpinpifchen Stadien, deren AO auf eine geo⸗
graphiſche Meile gehen.
%
oo |
242 C. Plinius Naturgeſchichte.
ſich unter derſelben befindet. Uber die Zeichen, welche bei
ihrem Aufgange fentredt auffleigen, *). behalten. burd) ihren
lanafameren Gang länger das Licht; jene hingegen, welche
ſchief anſſteigen, ziehen in kürzerer Friſt vorüber.
XVIII (ax). .4. Den meiſten Menſchen iſt noch unbe
kannt, Was die in der Wilfenfchaft ausgezeichnetften Männer
Durch fortwährende Beobachtung des Himmels entdedt ha⸗
ben: daß Das nämlih, was man Blitz nennt, nichts anderes
iſt, als Fener, welches aus den drei oberen Planeten heraks
fällt, und zwar meiſtens Feuer ans Dem mittelſten derſelben
[dem Jupiter nämlich), vielleicht weil er den zu großen
Zufiuß von Feuchtigkeit aus der Über ihm liegenden Kreis⸗
Bahn [ded Gaturn] und von Hitze aus der unter ihm bes
findiihen [des Mars) auf diefe Weife von ſich ſtößt: deß⸗
halb fagt man auch, Jupiter ſchlendere die Blige. 2. Wie
alfo vom brennenden Holze die Kohle praffelnd losfaͤhrt, fo
von dem Planeten das himmlifche Feuer, welches überbieß
noch Vorbedentungen mit ſich bringt; denn nicht einmal ein
von dem Geſtirn abgelöstes Thailchen ftellt frine göttlichen
Berrihtungen ein. Meiftens findet Dieb bei getrübter Luft
Statt: entweder, weil die ich in ihr anhäufende Beuchtigkeit
Yen Beuerüberfluß zur Entladung reist; oder auch, weil erft
die Luft durch eine foldhe Entbindung des ſchwangern Pia:
neten getrübt wird. **)
%) Krebs, Löwe, Sungfran, Wage, Ecorpion und Schütze.
#9) Der Inhalt diefe® Kapitels ift laͤppiſche Kinderti, die keine
‚ Miberlegung verdient.
Zweites Buch. - 443
XIX (zn). 41. Viele haben den Abſtand der Sell rne
von der Eede zu berechnen gefacht, und behauptet, die Sonne
ſey neunzennmal,mehr Grade von dem Monde entfent, als
der Mond ſelbſt von der Erde. 2. Porhagoras aber, ein
Mann von tiefeindringendem Geiſt, hat herandgefunden,
Daß die Enffernung ven der Erde did zum Mond hunderte
undfehsundzwanzigtaufend Gtadien, Die von ihm bis zur
Eonne das Doppelte, und Die von dieſer bis zu den zwöif
Zeiten das Dreifache betrage.) Derfelden Meinung war
auch ter Römer Gallus Sulpicius. '
XX (zu). 4. Pythagoras nenne jedoch zumeilen mit
einem ter Theorie der Muſik entlehnten Worte Lie Größe
des Abftındes der Erde von dem Monde einen Ton. Bon _
tiefem bie zum Merfur zählt er einen halben Ton, von
diefem bis zur Venus faft eben fo viel , von diefer bis zur
Sonne reinen und einen halben, von der Sonne bie zum
Mars einen Ton, naͤmlich gerade fo viel, wie von ber Erde
Yis zum Mond. 2. ‚Bon Mars bis zum Jupiter recnet
er einen halben, von tiefem bis zum Saturn wieder einen
halden, und von da.bis zum Thierkreiſe einen und einen
Hatben Ton; zufammen alfo fieben Töne, aus weichen bes
Banntlich die vollfländige Tontelter oder das ganze muſika⸗
liſche Softem beiteht. In dieſer Harmonie nun foll Ad
Satura nad) der Dorifcen , und Jupiter nach der Phrygi⸗
9) Nach den neueren Entbeckungen beträgt der mittlere Abs
ſtand der Sonne von der Erde 20,861,000 Meilen, der
des Mondes ungefähr 51,300 Meilen. Plinius rechnet
immer nach olympiſchen Stadien, deren 40 auf eine geo⸗
grapbifche Meile gehen.
⁊
1 - C. Plinius Naturgeſchichte.
ſchen Weiſe bewegen. Dieß, und Was er Aehnliches pon
den übrigen Planeten beibringt, iſt jedoch eine mehr ers
götzliche, ald erfprießliche Orübelei. *)
XXI (zu), 4. Ein Stadium beträgt hundertfünfunds
zwanzig unſerer Schritte, oder ſechshundertſünfundzwanzig
Buß. "Nach Vofltonius iſt die Höhe, in weicher ſich die
Nebel, Winde und Wolken bilden, nicht weniger als vierzig
Stadien von der. Erbe entfernt; weiter. oben aber ift die
Luft rein, dünn und von ungefrübter Helle. Bon der Wol:
„Lenregion aber bis zum Monde zählt er zwei Millionen, und
von da bis zur Sonne fünfhundert Millionen Stadien, und.
- fchreibt es diefer großen Entfernung zu, baß die Sonne bei
ihrem ungebeuern Umfang die Erde nicht ausbrennt. 2. Nach
der gewöhnlichen Annahme ſteigen die Wolken bis zu einer
Höhe von neunzig Stadien. »*) Alles Dieß iſt aber uner⸗
wieſen und unerforſchbär: ich theile es nur weiter mit, wie
es mir mitgetheilt wurde. Eine auf untrügliche geometriſche
Grundſätze geſtützte Berechnung darf jedoch keineswegs vers
ſchmäht werden, wenn irgend Jemand Luft hat, dieſe Dinge
fiefer zu ergründen, nicht als wenn der forfchente Geiſt ein
zuverfäßiges Muß ermitteln könnte (denn Dieß nur zu wollen,
wäre wahnfinniger Zeitverluft), fondern damit er fi nur
eine.annähernde Berechnung feſt aufftılle. 3. Da die Sonne
nämtich auf der Ban, welche fie surüdtegt, einen Kreis
"9 Mal. Censorinns, de die matali, cap. 13. J
»8) Die hochſte Eutfernung der Woiten von ber Erde betragt
nicht über 30,000 Fuß. Wenn ſie ſich zu Regen auflbſen,
ſtehen fie nur 2,500 Fuß Aver une,
Zweites Bub. - 145
von ungefähr dreihundertſechsundſechzig Graden befchreibt,
wie aus ihrem [jährlichen] Umlauf erhellt, der Durchmeffer
aber immer den dritten Theil und etwas meniger als ein
Siebentel des dritten Theils der Peripherie beträgt, *) fo
ift Bar, daß,. wenn man die Hälfte des Durchmeſſers ab»
zieht (weil nämlidy die Erde gerade im Mittelpunkte [der
Weit] Tiegt), fi für die Höhe der Sonne ungefähr der
fechöte Theil des ungehenern Raumes, welchen wir für die
Kreisbahn derfelben um die Erde annehmen, ergeben müſſe;
daß aber die Höhe des Mondes nur den zwölften Theil bie:
fes Raumes betragen könne, weil feine Bahn in diefem
Berhältniß kürzer iſt, als die der Sonne, und daß er fih -
alfo mitten zwifchen der Sonne und der Erde bewege. 4. Es
ift wirtli wunderbar, wie weit fid) bie Verbehrtheit des
menſchlichen Geiſtes verirrt: durch einen ganz Meinen Er:
folg, wie wir ihn fo eben mitgetheilt haben , gereizt, Senat
feine Frechheit Peine Grenzen. Nachdem man einmal gemagt
bat, die Entfernung der Sonne von der Erde zu errathen,
legt man benfelben Maßſtab auch am den Himmel, weil ja
die Sonne [zwifchhen ihm und der Erde] gerade in der
Mitte fchwebt, und man redinet ohne weiteres die Größe
!
e) Alſo ta + nr (richtiger nach Archimedes 3). Das Berhältz.
niß bed Durchmefjerd zur Peripherie hat noch nicht genau
ausgemittelt werben Fönnen. Gewöhnlich befiimmt man
es nad) dem Mathematiker Adrian Metius, wie 1: 3,1415026
... Da übrigens die Voransſetzungen bed Plinius, daß
die Erde der Mittelpunkt ber Welt ſey u. ſ. w., falſch find,
fo müſſen es auch die. Maßbeſtimmungen ſeyn.
€. Plinius Naturgeſch. 26 Bochn. 3
16 €. Plinius Naturgeſchichte.
der Welt an den Fingern ab. Denn fo viele Siebentel der
Durchmeſſer hat, fo viele Sweiundzwanzigftel muß die Pe⸗
ripherie haben; als wenn fid) das Maß des Himmels ohne
-alle Schwierigkeit. durch, das Bleiloth feſtſtellen Lichz.
‚5. Die Uegyptifhe Berechnung, welche Petoflris und
Necepſus aufbrachten, beflimmt die Größe eines jeden Grä-
des der Mondbahn, welche, wie ſchon gefagt wurde, *) Die
Pieinfte. ift, auf etwas mehr ald dreiunddreißig Stadien ;
einn Grad der Bahn des Saturn, melde die größte iſt,
auf tas Doppelte [66], und einen der Sonnenbahn, welche,
wie wie [Burg vorher) bemerkt haben, in der Mitte. liegf,
auf bie Hälfte ter Etadienfumme beider [A9'.]. Diefe
Maßbeſtimmung ift noch tie befcheidenfte Lweil fie nicht zu
. weit.geht}. Denn wollte man auch ten Kaum zwifchen ‘der
- Bahn des Saturn und dem Thierkreis felbft berechnen , fo
- würde die Zahlenvermehrung in’s Unentliche geben. |
‚ XXI (æxivj. 4. Wir haben jegt noch siniges neue e
über tie Melt beizufügen. Denn am Himmel felbft entftehe
oft plötzlich Sterne; und zwar gibt es mehrere Arten ber.
felben. a
(xıv.) Die Griechen nennen Kometen (kopirtas) und,
s wir Haarſterne (crinitas) jene, welche durch ihr blutiges
Haar ein ſchreckliches Ausſehen haben, und wie mit einem
ſtruppigen Haupthaar umgeben find. Bartfterne (noyuvias),
heißen die, bei weldyen an dem unteren heile eine Mähpne,
gleich einem langen Barte, herabhängt; die Schiekfterte
(Axorriar) fliegen wie ein Wurffpieß dahin, und zeigen eim
7) Sp VI. 5 12.
Zweites Buch. 447
in Kürze eintreffendes Ereigniß an. 2. Su’ diefen gehörte
derjenige, welchen der Imperator Titus Eäfarin feinem fünften
Conſulat [76-.n. Chr.} in einem herrlichen Gedicht genau
beſchrieb: er war der letzte, den man bis anf den heutigen
Tag ſah. Sind die Sterne kürzer, und laufen fie nach Art
eines Schwertes zu, fo nennt man fie Schwertſterne
(Eipios) : fie find von alfen die bleichſten, haben ungefähr den
Stanz eines Schwertes, find aber ohne alle Strahlen, deren
aud) ter Scheibenſtern (duoxzis), welcher diefen Namen von
feiner Geftatt und die Farbe des Bernſteins hat, nur fehr
wenige von feinem Rande auswirft. 3. Der Tommenftern
Ansdeis) erſcheint in der Geſtalt einer Tonne, in deren
-Höhlung ein rauchiges Licht breunt; der Hornſtern (zegarias)
hat die Geſtalt eines Horns: ein folder war fihtbar, al
Griedyentund bei Salamis focht [480 v. Ehr.]. Der Lam:
pentern (Aauzadias) gleicht einer brennenten Fackel, ber
Dierdefiern (irzeis) einer Pferdemähne, die ſich ſehr ſchnell
bewegt, and fih um. ſich ſelbſt im Kreife herumbreht. Cs
erscheint auch manchmal ein ganz weißer Komet, mit fil:
bernem Haare, von fo großem Glanze, Laß man ihn kaum
anfehen Bann, und das Bild eines Gottes in menſchlichet
Geſtalt an ſich darſtellend. ) A. Auch ſieht man zuweilen
2) Man Fönnte diefe Stelle für eingeſchoben halten, weil fie
ber Aeußerung bed Plinius (Kay. V. $. 1.), daß es IA:
cherlich fey , die. Seftalt der Sottheit erforfchen zu wollen:
widerſpricht. Die Meinung, baß biefer weiße Stern kein
anderer Stern ald der dev Weifen geweſen ſey, führen
wir der Sonderbarkeit wege. an,
1 N " 3 *
48 E. Plinius Raturgeihichte.
Kometen, die. zottig, wie Wolle, und mit. einer Wolke um«
geben find. Erſt ein -einzigesmal veränderte ſich die Form
einer Mähne in Pie eined Speered, in der hundertund⸗
achten Olympiade, im dreihundertachtundneunzigſten Jahre
der Stadt.) Die kürzeſte Zeitfriſt, in der ein Komet ſicht⸗
bar iſt, wird auf fieben, ber längfte auf achtzig Tage **).
angegeben.
xXiH, £, Einige Kometen bewegen fi nach Urt der
Planeten ; andere hängen unbewäeglich feſt. Faſt alle ericheis
nen. im Norden, zwar an Seiner beftimmten Stelle, aber
doch .meiftens in. dem weißen Gtreife, welchen man die
Milchſtraße nennt. Ariſtoteles behauptet, ***) daß min
auch. fehon mehrere zugleich gefehen habe : doch wurde Dies,
fo viel ich weiß, noch von Seinem Anderen beobachtet. Sie
follen alsdann flarten Wind und große Hitze bedeuten,
Manchmal erfcheinen. deren auch in den Wintermonaten und
an dem füdlihen Himmel; aber fie find dort ohne allen
Glanz. 2. Als fehr unheilvoll erwies fich den Völkern Ae⸗
thiopiens und Aegyptens jener Stern, welder von dem
‚gleichzeitigen König Typhon feinen Namen erhielt: er was
von feuriger Geſtalt, fpiralfürmig gewunden und von gräß⸗
lichem Anſehen, nicht fomohl ein Stern, ale vielmehr ein
‚) Eine biefer Zahlen ift unvichtig. Denn bad J. .398 d. Gt,
_ (356 v. Ehr.) fäut in die 106te Olympiade.
“es Wahrſcheinlich ein Fehler der Abfchreiber, ftatt 180 (vgl. Seneca, .
. natur, quaest, VII, 21.); welche Zahl auch Hardeuin in
den Text aufgenommen bat. \
”) Meteorolog, I 6.
‚Zweites Bud. 149
feuriger Knäut. *, Manchmal zeigen ſich auch an den Pla:
neten undam anderen Gfernen Haare. — Die Kometen: erſchei⸗
nen nie am abendlichen Theile des Himmels. Schrecklich iſt
ein ſolcher Stern faſt immer, und nicht leicht ſeine Vorbe⸗
deutung abzuwenden, wie jene beweiſen, die bei den bürger⸗
lichen Unruhen unter dem Conſulate des. Octavius [76 nor
Ehr.], dann bei dem Kriege zwiſchen Pompejus und Bäfar
149 vor Ehr.], und zu unferer Zeit bei der Vergiftung,
durch welche das Reich von Claudius Cäſar an Domitius
Mero überging [54 nad) Ehr.], und unter feiner Regierung .
[nach Ehr. 64] erſchienen, und von denen der letztere lage
ſichtbar und von fehr ſchlimmem Einfluß war. 3. Bei den
Vorbedeutungen, glaubt man, komme es darauf an, nach
weicher Richtung hin Die Kometen. fortfchießen ; von welchen
Eternen fie ihre Kraft erhalten; melden Gegenftänden fie.
gleichen, und an welcher Stelle fie zuerft auftauchen. Haben
fie die Geſtalt von Flöten, fo gilt ihre Vorbedeutung der
Muſik. Erſcheinen fle in den Schaamtheiten der Sternbilder,
fo gift fie den unzüchtigen Sitten; dem Genie aber und der
Wiſſenſchaft, wenn fle_ mit einigen der nie verfchwindenden
Sterne ein Dreieck oder ein Viereck mit gleihen Winkeln
bilden. Bergiftung bedeuten fie, wenn man fie in dem
Haupte der nördlichen oder der’ füdfichen Schlange wahrnimmt.
4 Rom ift bie einzige Stadt in der ganzen Welt, wo ein
*), Tooheon 1 eine faselhafte Perſon, und ob der nad ihr
Genannte Komet wirklich ein folcher, ober ein feuriges
Meteor war, möchte nicht leicht zu emifcheiben ſeyn; und
doch Hat man ihn zu berechnen verſucht, und feinem Ein⸗
fuſſe die Sundfluth dugeſchrieben.
-
«
18° EC. Plinius Naturgeſchichte.
Kometen, die zottig, wie Wolle, und mit einer Wollte une
geben find. Erft ein -einzigesmal veränderte ſich die Form
einer Mähne in die eined Speered, in der hundertund«
achten Olympiade, im dreihundertachtundneunzigſten Jahre
der Stadt. ) Die kürzeſte Zeitfriſt, in der ein Komet ſicht⸗
bar ift, wird auf fieben, ber längfle auf achtzig Tage **).
angegeben. |
XXIH, 4, Einige Kometen bewegen ſich nady Urt der
Planeten 5; andere hängen unbemweglich feſt. Faſt alle erfcheis
nen im Norden, zwar an Beiner beſtimmten Stelle, aber
doch .meiftens in dem weißen Gtreife, welchen man die
Miltchſtraße nennt. Ariſtoteles behauptet, ***) daß min
auch. fehon mehrere zugleich gefehen habe: doch wurde Dieß,
ſo viel ich weiß, noch von keinem Anderen beobachtet. Sie
ſollen alsdann ſtarken Wind und große Hitze bedeuten,
Manchmal erſcheinen deren auch in den Wintermonaten und
an dem ſüdlichen Himmel; aber ſie ſind dort ohne allen
Stanz. 2. Als ſehr unheilvoll erwies ſich den Völkern Aë—
thiopiens und Aegyptens jener Stern, welder von dem
‚gleichzeitigen König Typhon feinen Namen erhielt: er way
von feuriger Geftalt, fpiralförmig gewunden und von gräß«
lichem Anſehen, nicht fomohl ein Stern, als vielmehr ein
*) Eine dieſer Zahlen iſt unrichtig. Denn bad J. 298 d. St.
(356 v. Ehr.) faͤllt in die 100te Olympiade.
* Wahrſcheinlich ein Fehler ber Abſchreiber, ſtatt 180 (vgl. Seneca,
natur. quaest, VI I, 21.); welche Zahl auch Hardouin in
den Tat aufgenommen hat. .
»es) Meteorolog. I ‚6.
‚Zweites Bud). 149
feuriger Anäul. *) Manchmal zeigen ſich auch an den Pla⸗
neten und am anderen Sternen Haare. — Die Kometen. erſchei⸗
nen nie am abendlichen Theile Des Himmels. Schrecklich if
ein folder Stern fat immer, und nicht leicht feine Border
beutung abzuwenden, wie jene beweifen, die bei ben bürger⸗
lihen Unruhen unter dem Conſulate des. Octavius [76 vor
Ehr.], dann bei dem Kriege zwiſchen Pompejus und Eäfar
[49 vor Ehr.], und zu unferer Seit bei der Bergiftung,
durch welche: das Neid, von Claudius Cäſar an Domitius
Nero Üüberging [54 nad) Ehr.], und unter feiner Regierung .
[nad Chr. 64] erfhienen , und von denen der letztere lauge
fichtbar und von fehr ſchlimmem Einfluß war. 3. Bei den
BVorbedeutungen,, glaubt man, komme es daranf an, nach
welcher Richtung hin die Kometen. fortfchießen ; von welchen
Eternen fie ihre Kraft erhalten; welchen Gegenftänden fie.
gleichen, und an welcher Stelle fie zuerſt auftauchen. Haben
fie die Geſtalt von Flöten, fo gilt ihre VBorbedeutung ber
Muſik. Erſcheinen fle in den Schaamtheilen der Sternbilder,
fo gitt fie den unzüchtigen Sitten; dem Genie aber und der
Wiſſenſchaft, wenn fle mit einigen der nie verfchwindenden
Sterne ein Dreieck oder ein Viereck mit gleiben Winkeln
bilden. Bergiftung bedeuten fie, wenn man fie in dem
Haupte der nördlichen oder der ſüdlichen Schlange wahrnimmt.
4. Rom ift die einzige Stadt in der ganzen Welt, wo ein
”), Toobon ift eine faselhafte Perfon,, und ob ber- nad) ihr.
benannte Komet wirklich ein folcher, ober ein feuriges
Meteor war, möchte nicht leicht zu emtfcheiben ſeyn; und
doch hat man ihn zu berechnen verſucht, und feinem Eins
fluſſe die Sundiluth dugeſchrieben.
⸗ —
-
«
48 C. Plinius. Naturgeſchichte.
r
Kometen, die zottig, wie Wolle, und mit. einer Wolle uns '
geben find. Erſt ein -einzigesmal veränderte ſich die Form
einer Mähne in die eined Speered, in der hundertund⸗
achten Olympiade, im dreihundertachtundneunzigſten Jahre
der Stadt.) Die kürzeſte Zeitfriſt, in der ein Komet ſicht⸗
bar ift, wird auf fieben, der längfte auf achtzig Tage **)
angegeben.
XXuI. 1, Einige Kometen bewegen ſich nady Urt der
Planeten ; andere hängen unbemweglid, feſt. Faſt alle erſchei⸗
nen im Norden, zwar an Beiner beſtimmten Stelle, aber
doch .meiftens in dem weißen Gtreife, welchen man die
Milchſtraße nennt. Wriftoteles behauptet, ***) daß min
auch. ſchon mehrere zugleich gefehen habe: doch wurde Dies,
fo viel ich weiß, noch von feinem Anderen beobadytet. Sie
follen alsdann flarfen Wind und große Hipe bedeuten,
Mandımal erfcheinen. deren auch in den Wintermonaten und
an dem füdlihen Himmel; aber fie find dort ohne allen,
Stanz. 2. als ſehr unheilvoll erwies fich den Völkern Ues
thiopiens und Aegyptens jener Stern, welcher von dem
‚wleichzeitigen König Typhon feinen Namen erhielt: er was
von feuriger Geſtalt, fpiralförmig gewunden und von gräß-
lichem Anſehen, nicht ſowohl ein ein, ald vielmehr ein
‚” Eine diefer Zahlen iſt unrichtig. Denn das J. 398 d. St,
(356 v. Ehr.) faͤllt in die 106te Olympiade.
* Wahrſcheinlich ein Fehler der Abſchreiber, ſtatt 180 (vgl. Seneca,
natur. quaest. VII, 21.); welche Zahl auch Hardouin in
den Tert aufgenommen bat. \
»e®) Meteorolog. I, 6.
‚Zweites Bud. 149
feuriger Knäul.) Manchmal zeigen ſich auch an den Pla
neten und am anderen Sternen Haare. — Die Kometen. erſchei⸗
nen nie am abendlichen Theile Des Himmeld. Schrecklich if
ein folder Stern faft immer, und nicht leicht feine Borbe
Deutung abzuwenden, wie jene beiweifen, Die bei den bürger⸗
lichen Unrupen unter dem Gonfulate des. Octavius [76 vor
Ehr.], dann bei dem Kriege zwifchen Pompejus und Bäfar
[49 vor Ehr.), und zu unferer Zeit bei der Bergiftung,
durch welche das Neid, von Claudius Cäſar an Domitius
Nero überging [54 nad) Ehr.], und unter feiner Regierung |
[nad Ehr. 64] erfchienen , und von denen der letztere lauge
ſichtbar und von fehr ſchlimmem Einfluß war. 3. Bei den
Borbedeutungen,, glaubt man, komme es darauf an, nach
welcher Richtung hin die Kometen. fortfchießen ; von welchen
Eternen fie ihre Kraft erhalten; melden Gegenftänden fie.
gleichen, und an welcher Stelle fie zuerft auftauchen. Haben
fie die Geſtalt von Flöten, fo gilt ihre Vordedeutung ber
Mufit. Erſcheinen fie in den Schaamtheiten der Sternbilber,
fo gitt fie den ungüchtigen Sitten; dem Genie aber und der
Wiſſenſchaft, wenn ſle mit einigen der nie verfchwindenden
Sterne ein Dreieck oder ein Biere mit gleihen Winkeln
bilden. Bergiftung bedeuten fie, wenn man fie in dem
Haupte der nörblichen oder der ſüdlichen Schlange wahrnimmt.
4. Rom ift die einzige Stadt in der ganzen Welt, wo ein
) Tovhon if eine faselhafte Perſon, und 0b ber- nad) ihr
benannte Komet wirdlih ein folcher, oder ein feuriges
Meteor: war, möchte nicht leicht zu emtfcheiben ſeyn; und
doch Hat man ihn zu berechnen verſucht, und ſeinem Ein⸗
fluſſe die Sundiluth dugeſchrieben.
⸗ —
450 C. Pinins Naturgeſchichte.
Komet in einem Tempel verehrt wird, weil nämlich der
göttliche Auguſtus ihn als eine ſehr glückliche Vorbedeutung
für ſich anſah. Denn er erſchien gerade, als er beim Be⸗
ginne ſeiner Laufbahn, nidt fange 'nach dem Tode ſeines
Vaters Cäſar und in dem noch von dieſem eingeſehten Col⸗
legium, ) die Spiele zur Ehre der Allgebärerin Venus **).
feierte [a4. vor Chr.]. Er ſelbſt äußert feine Freude darliber
in folgenden Morten: „gerade während der Tage meiner '
Spiele war ein Haarftern fieden Tage Sang in jener Ge
gend des Himmels, weiche nach Mitternacht bin liegt, ſicht⸗
bat. Er ging um die eilfte Stunde des Tages Auf, war
fehr glänzend, und wurde in cllen Ländern gefehen. Das
Volk glaubte, durch diefen Stern werde die Aufnahme der
Seele Cäſar's unter die Zahl der unfterblichen Götter anges
deutet; und aus dieſer Rücficht haben wir denn auch dieſes
Zeichen *) dem Kopfe feined Standbilted, weldes wir
bald nachher auf Dem Forum weihten, beigefügt.“ 5. So
fpradh er ſich öffentlich ans: in feiner inneren: Sreude war
er aber überzeugt, daB der Gtern ihm, und daß fein Süd
mit ihm aufgegangen fen, und zwar, wenn wir fie Wahıheit
geffehen wollen, zum, Heile der Welt. — WMante haben
geglanbt, audy diefe Sterne ſeyen unvergänglidy, und wandeln
⸗
”, Julius Eaͤſar, der Adeptivvater Auguſts, hatte kurz vor feis
nem Tote zur Geier diefer Spiele ein Priederfoiteginm zu:
fammenkerufen.
20) Venus genitrix. -Cäfar hatte ihr als WBefchligerin bes‘ Ins
liſchen Seſchlechtes einen vrachtwouen Tempel gebaut.
°, Einen Stern,
Zweites Bud. j tb
itre beftimmte Bahn, ) können aber nur außer dem Bes
reiche des. Sonnenlichted gefehen werden. Andere meinen, fie
entfländen zufällig durch Feuchtigkeit und Feuerſtoff, und
löſsten ſich eben fo wieder auf.
XXIV (szvo). 4. Jener nämliche, nie yenug zu fobende
Hipparchus, ») welcher beſſer als irgend Jemand bewies,
dar die Eterne mit dem Menſchen verwandt und unfere
Seelen ein Ausfluß des Himmels ſeyen, entdedte auch einen
neuen und [von den Kometen] verfchiedenen Stern, ber zn
feiner Zeit entſtand, und wurde durch deſſen Bewerung an
Vem Tage ſeibſt, wo er zu feuchten anfing, zu dem Zweifel
verleitet, ob Dieb nicht öfter. gefchehe, und ob nicht auch
diejenigen Sterne , die wir und als feſtſtehend vorftellen,
ſich bemegen. 2. Er wagte fogar (mas felbft einem Bott zu
ſchwer ſeyn dürfte), den Nachkommen die Sterne darzuzählen,
und fie namentlich zu verzeichnen. Er hatte nämlich In⸗
ſtrumente erfunden, vermittelt welder er den Standort und
Me Größe der einzelnen Sterne beitimmte, fo daß man.
alfo nicht nur leicht -unterfcheiden konnte, ob Sterne vers
fhwinden-.und andere entfliehen; fondern auch, ob fle über:
haupt ihre Stelle am Himmel wechfeln, oder fidy bewegen, und
ob im Zunehmen und Abnehmen. Er hinterließ auf dieſe
Weile Allen den Himmel ald Erdſchaft, wenn nur irgend
⸗
9% Dieſe Vermuthung wurde von Halley (1709 jur Gewiß⸗
heit —8 N
»y Bol. Kay. 9 und 10 nebſt ben Bemerkungen über bie von
Plinius bei feiner ‚Kedwmolegie benützten Quellen vor biefem
Buche.
x
12. tk‘ Plinius Naturgefchichte.
einer Luft hatte, von dem Vermächtniſſe Bells zu ers
‘greifen. )
XXV. 1. €. entflehen auch Badeln, find aber nux,
wenn fie herabfallen, fichtbar. Eine ſolche fuhr, als Ger:
manicus Cäfay Fechterſpiele gab, am hellen Mitlag vor ben ,
Augen des Volkes vorüber. Es gibt deren zwei Arten.
Die Leuchten (Aauradas) nennt man ſchlechtweg Badeln
(faces), die andere Art aber Gefchoße (Bolidas). Ein ſolches
wurde zur Seit des Unglüds bei Mutina ***) gefehen.
2. Beide Arten unterfheiden Ih dadurch, daß die Fackeln
eine lange Spur zurädlaffen, und nur an dem vorderen “
Theile brennen; die Gefchoße aber durchaus brennen, und
einen größeren Raum einnehmen. “
XXVI. Auf dieſelbe Weife entſtehen auch Balken
(trabes), doxod genannt. Ein ſolcher zeigte ſich bei jener
Niederlage der Lacedämonier ‘zur See, 1) durch welche
fie die Oberherrfchaft über Griechenkand verloren. — Auch
zeigt manchmal der Himmel ſelbſt eine Deffnung, was man
ana nennt. 1m.
DH. Aſtronomie zu ſtudiren.
»*) Die Meteore, welche Plinius vom Himmel herabkommen
läßt, entſtehen in ber Atmosphäre durch entzündete Dünfie,
oder durch die Wirkung der Elektrizität.
°, Brutus hatte fih in Mutina (Modena) verſchanzt. M.
Antonius belagerte die Stadt (44 vor Chr.), und es
blieben dabei von beiden Seiten fo viele Menfhen, baß
diefe Belagerung ſprichwoͤrtlich wurde,
+) Dur bie Athener unter Konon (Olymp. XCVI, 2. =
395’ vor Ehr.).
tt) Die Balken und Deffnungen: bed Himmels, bie Plinius
[2
Zweites Bud. . 153
XXVII (zıvı1), 4. Zuweilen entfieht auch ein Feuer
von bluthrothem AUnfehen, *) welches vom Himmel zur Erde
herabfallt — eine für die furchtſamen Sterblichen höchſt
ſchreckliche Erſcheinung. Ein ſolches bemerkte man im dritten
Jahre der hundertundflebenten Olympiade [350 vor Ehr.],
als König Philipp [von Macedonien] Griechenland erſchüt⸗
-terte. 2. Ich glaube, daß diefe Erfcheinungeh,, fo wie alle
andere, zu gewiffen, von der Natur beflimmten Zeiten flaft:
finden, nicht aber, wie die Meiften wähnen, aus allerlei
Urfachen , die ſich die Gräbelei der menfchlichen Einbildungs⸗
kraft ausdentt. Sie mögen wohl. fon die Borboten von
großen Unglücsfällen gewefen ſeyn; aber idy bin der Anz
fiht, daß die Unglücsfälle nicht deßwegen eintrafen, weil
die erwähnten @rfcheinungen vorausgingen, fondern daß
diefe voransgingen,, weil jene eintreffen follten. *") Da fle
nur felten ſtattfinden, fo iſt uns noch ihre Urfache verborgen,
und wir können fie deßhalb nicht, wie die Aufgänge [der Ge⸗
flirne] , die Finfterniffe und vieles Andere berechnen.
XXVIII (zxvın), Manchmal ſind auch ganze Tage
Hilidurdy nebſt der Sonne Sterne ſichtbar, oft auch um die
Sonnenfceibe Kränze, wie „and ehren geflochten, und
werhfeifarbige Kreife, Solche wurden bemerkt, als Auguſtus
30 mit ihren Griechiſchen Benennungen näher bes
eichnet, rechnet man gewöähnlicy zu den Erfcheinungen bes
ordlichts.
*) Die Urſache biefes Phänomens if die Brechung ber- Sons
nenſtrahlen durch die Wolken,
ee) D. h. die Naturerfheinungen find nicht die Urſache bes
eintreffenden Unheils, ſondern Vorzeichen deſſelben.
454 C. Plinius Maturgeſchichte
‚ EAfar in früher Jugend in die Stadt z09 -[aa vor Ehr.],
- um nach dem Tode feines Vaters den großen Namen. deſ⸗
ſelben auf ſich zu übertragen. *)
(xxix). Eben ſolche Kränze zeigen ſich nm ken Mond
und die vorzüglichften Geſtirne, ſelbſt um Firfterne. j
XXIX. Einen Bogen um die Sonne fah man unter dem
Eonfulate des 2. Opimind und des DO. Fabius [121 v. C.];
einen Ring unter dem Gonfulate des 2. Porcius und des
TR. Acilius (114 vor Ehr.J;
(xxx) einen Kreis von rother Farbe unter dem Con⸗
fülate des 2, Julius und des P. Rutilius [9Q vor Ehr.].
XXX. Es finden auch feltfame und längere Sonnen:
finfterniffe ftatt, wie beider Ermordung des Dictators Caſar
und während des Antonianifchen Krieges [44 vor Ehr.), wo
das Sonnenlicht faſt ein ‚ganzes Jahr hindurch bleich
bie. ©
XXXI (zı) 4. Dagegen werden aud) manchmal
wieder mehrere Sonnen zugleich [Rebenfonnen] gefehen, and
zwar nie über oder unter der eigentlihen Sonne, fondern
in fchräger Richtung von ihr; mie neben der Erde oder ihr
/
*, Bol, Seneca, natural. quaest, 1, 2. Die von Plinius in
.biefem und in bem folgenden Kapitel erwähnten Erſchei⸗
nungen möffen ‚ebenfalls der Brechung ber Lichtſtrahlen
durch Dünfte zugeſchrieben werden. Sterne können nebſt
der Sonne während des Tages nur bei Sonnenfinftersiffen
fihtbar werben,
**, Die andduernde Bläffe des Sonnenlichtes entfieht nicht
durch eigentliche Derfinfterung, fondern durch die -foges
nannten Sonnenflecken.
» N
+
Zweites Bud. Abb
gerade gegenüber, auch nicht bei Racht, ſondern bei. Son⸗
nenauf⸗ oder Untergang. Einmal ſollen jedoch am Bos—
porus [Canal des ſchwarzen Meeres) auch welche um die
Mittagszeit ſichthar geweſen ſeyn, weil fie nämlich vom
Morgen bis zum Abend dauerten. 2. Drei Sonnen ſahen
die Alten öfter: ſo zum Beiſpiel unter den Conſuln Sp.
Poſtumius und Q. Mucius [174 vor Ehr.),-D. Marcius
und M. Porcius [148 vor Chr.), M. Antonins und P. Dos
labella [aa vor Chr.), und M. Lepidus und L. Plancus
[43 vor Epr.). Auch unſere Zeit ſah deren unter der Res
gierung des göttlichen Elandius, unter feinem und feines Eolles
gen Cornelius Orfitus Confulat [51 pach Chr.). Mehr ale
drei Sonnen zugleid, follen bis auf unjere Tage noch nie
wahrgenommen worden fegn. .
U (xsxu):.. Auch drei Monde waren ſchon ſichtbar,
wie unter dem Gonfulate des En. Domitius und des E. Fannius
[122 v. Chr.). Man hat fie häufig Nachtfonnen genannt.*)
XXXIII (zızmm). Unter dem Confulate des C. Eäcilius
und En. Papirius [115 nor Chr.] und auch fonft ſchon öfter
fab man des Nachts am Himmel ein Lidyt, durd) welces
die Nacht faft fo heit wurde, wie der Tag. **) |
XXXIV aaxıır), Ein brennender Schild ***) fuhr bei
Sonnenuntergang funkelnd von Weſten nach Oſten unter
*) Die Neben monde entſtehen durch dieſelben Urſachen, wie
bie Nebenſonnen.
ee) plinius meint wohl nichts als das Norblicht.
⸗es) Diefes Meteor gehört vielleicht, fo wie das im folgenden
\ Kapitel erwähnte, zu ben Feuerkugeln, welche mit großem
Getöſe zerfpringen, und fich in einen Steinregen anflöfen,
0) .
466 | C. Plinius Naturgeſchichte.
dem Eonfulate des 2. Balerius und des C. Rarius [(100 vor
Ehr.).
xxxv (xxxv). Ein einigesmal, namlich _unter dem
Conſulate des En. Octavius und des C. Scribonius [76 v. C.],
ſoll, wie man erzählt, ein Funken von einem Stern herab⸗
gefallen, und ſtets, je näher er der Erde kam, größer ges
worden ſeyn. Nachdem er dem Monde an Umfang gleichge-
kommen war, ſoll er ein Licht, ‚gleich dem an einem neb-
ligen Tage, verbreitet haben, und dann zum Himmel zurück⸗
gekehrt, und zur Leuchte geworden feyn. Der Proconſul
Silanus fah nebft feinem Gefolge diefe Erfcheinung.
XXXV (zzxvı), ’ Auch fcheinen die Sterne manchmal
fortiufchießen,, und zwar nie ohne Bedeutung. Denu es
entftehen gewöhnlich von derfelben Seite her fürchtertiche
Stürme. *)
XXXVO. 4. Auch anf dem Meere und auf der erde
gibt es Sterne.
(zuivu). Ih ſelbſt ſah oft an den Wurffpießen. der
vor dem Walle die Nachtwache verfehenden Soldaten einen .
Schimmer von diefer Geſtalt **) hängen. Gie lafſen ſich
and) auf die Segelftangen nnd andere Theile der Schiffe
nieder, und machen dabei ein hörbares Srräufch, ungefähr
wie die Vögel, wenn fie von einer Stelle zur andern flattern.
. Kommen file einzeln, fo bringen file Unheil; denn fie verienten
- alsdann die Sphiffe oder verbrennen fie, wenn fie in den
*, Daß die fortfchießenden Sterne (Sternſchnuppen) nichts
anderes find, als Streifen entzfindeter Luft, iſt jegt allges |
mein bekannt.
“+, Mon ber Geſtalt der Sterne.
' e »
IJ Zweites Buch. 457
unterſten Raum hinabfallen. 2. Erſcheinen aber zwei zus
gleih, fo find fie heilbringend und Vorboten einer glück⸗
lichen Fahrt; denn fie follen alddann durch ihre Ankunft
jene ſchreckliche und drohende fogenaunte Helena verfcheuchen.
Deßhalb .fchreibg man and, diefe Anzeige dem Pollue und
Caſtor zu, und ruft diefe auf dem Meere als Gchupgätter
an.) Manchmal fiht man auch in den Abendſtunden
ſolche Sterne um das menfhlihe Haupt alänzen, und fie
And, dann von großer Vorbedeutung. — Die Urſache aller
dieſer Erfcheinungen -ift ungemwiß, und liegt i in dem Schooße
der hochherrlichen Natur verborgen.
XXXVIII (asırın). 4. So viet von ber Welt feibft
und. von den Sternen, Wir gehen jest zu den übrigen
Mertwürdigkeiten des ' Himmels über; denn unſere Vor⸗
fahren nannten audy Das Himmel, was mit einem andern
Namen Luft heißt, jenen ganzen, anfcheinend leeren Raum
nämlich, der diefen beiebenden Hauch ausftrömt. Die Res
gion der Luft befindet ſich unterhalb des Mondes, und zwar.
(wie idy allgemein angenommen fehe) tief unter demfelben.
Sie bildet fid aus zweierlei Beftandtbeilen, nämlidy aus
einer Miſchung unzähliger Theilhen der höheren Luft mit
unzähligen Theilchen der irdifchen Ausbünftung: 2. Daher
®) Helena, Kaftor und Pollur find. Geſchwiſter. Der Sage
nach wurden. fie alle brei unter bie Sterne-verfeut, und als
ſolche find Kafor und Polls“ heilbringend, ‘Helena aber
gefährlich. — Man erkennt in ber Beſchreibung biefer
Naturerfcheinung beutlich das fogenannte St. Eimsfener,
an omung be der dem Brichgemichte entrfiten Elek⸗
ricität,
458 C. Plinius Naturgefchichte.
die Wolken, fo wie Donner und Blitz; daher der Hagel,
‚der Reif, der Regen, der Sturm und der. Wirbeiwind ;
Daher die meiften Plagen der Sterblidyen und der Kampf
‚ ber Naturkräfte mit ſich ſelbſt. Die Gewalt der Gterne'
drängt Das, was von der Erde zum Himmel ftrebt, herab,
und zieht Das, was nicht freiwillig auffteint, an fi. Der
Regen fällt herab, der Nebel fleigt auf, die Flüffe trodnen
ans, ber Hagel braust nieder, die Sonnenftrahlen erwärmen
Die Erde nnd drängen fie von allen Seiten nad) der Mitte
hin; daun prallen fle, nachdem fie ſich an ihr gebrochen Ha⸗
ben, zurüd, und führen, Was fie können, mit fi fort.
Die Hige kommt von“oben, und fleigt wieder nad oben:
die Winde ſtürzen leer herbei, und eilen, mit Beute beladen,
zurück. 3. Der Athem' fo vieler Thiere zieht Die Luft aus
den höheren Räumen herab; diefe aber widerfirebt, und die
Erde ftrömt dem [durch das Athmen der Thiere] gleidfam
entleerten Himmel die Luft zurück. Während ſich Die Natur
auf diefe Weiſe ftets hin» und herbewegt, wird der Streit
der Elemente durch die fchnelleE Umdrehung der Welt, wie
burch ein Triebwerk, angefacht. Nie kann biefer Kampf
raften, fondern ‘er muß .fidy, durch den Umſchwung fortges
riffen, fortwährend mit umdrehen; und fo zeigt er uns bald
an dem ungehenern, die Erde umgebenden Gewölbe die Ur:
fachen der Dinge: *) bald fpiegelt er und durch die Wolken⸗
bededung einen andern Himmel vor Hier if aud das
Reich der Winde, und hier liegt alfo der Orundftoft derfelben,
.
2) Die Sterne. Vol. 8. 3. 5 2. Die Ueberfegung folgt der
Lesart immenso rerum causas globo, osteudit,
Zweites Bud. 459
weicher die Urfachen- ber übrigen Erſcheinungen in fid bes
greift; weßhalb and) die. Meiften deu Donner und Blitz der
Heftigkeit der Winde zuſchreiben. Da man, nebft vielen
Anderen, fogar behauptet, ed regne manchmal nur deßwegen
Steine, weil fie von dem Winde aufgezogen worden fegen,
fo müflfen wir dieſen Gegenftand nod) etwas peitläufiger,
abhandeln. *)
XXXIX xxix). 4. Daß die Witterung und andere
natürliche Erfcheinungen zum Theil feſtbeſtimmte, zum Theil
aber auch zufällige oder noch nicht erforfchte Urfachen haben,
it offenbar. Denn wer möchte bezweifeln, daß Sommer und
Winter, fo wie der beflimmte. Wechfel der Fahreszeiten
überhaupt, durc) den Lauf der Geflirne bedingt werden ?
Wie es alfo anerdaunte Eigenſchaſt Ser Somne ift, das
Jahr zu regeln, fo haben aud) alle übrigen Geflirne ihre
eigenthümliche Kraft,.die fidy in den der Natur eines jeden
entiprechenden Wirkungen äußert. Einige löfen durch ihren
Einfluß die Dünfte in Wegen auf; andere verdichten fie zu-
Keif, oder preffen le zu Schnee, oder laffen fie zu Hagel
gefrieren; andere bringen Wind, andere Wärme, andeme
Hige, andere Thau und andere Froſt. Man ftelle fid) aber
auch nicht die Sterue fo klein vor, wie fle unferen Augen
erfcheinen. Denn ſchon ihre unermeßlidye Höhe beweist Line
länglich, daß Feiner von ihnen Bleiner ift, als ber Mond.
”5 Durdy eine Windhofe Bögen wohl Steine in die Höhe
‚gezogen werben, und gleich einem Regen wieder herabfallen.
Gewoͤhnlich find aber ſolche Steine bie Trüummer zervladter
Meteore.
v
460 C. Plinius Naturgefchichte. \
2, Jeder äußert alfo während feines Laufes die ihm eins
wohnende Kraft, wad am deutlichſten aus den Borüber:
gängen des Saturn, die fletd mit Regen begleitet find,
‚erhellt. Uber nicht nur die Wandelfterne eytwideln diefe
@igenichaft, fondern auch viele der am Himmel feft ſtehen⸗
den, fo oft fie durch die Annäherung der Planeten [Eon
junction] angeregt, oder durch die auf fie fallenden Strahlen.
derfelben [Oppofition] ‚gereizt werden, wie wir Dieß an dem
Regengeftirn.*) wahrnehmen; weßhalb ihm aud) die Grie-
chen den Regen bedeutenden Namen Hyaden beilegten.
Einige Außern ſogar ihren Einfluß aus. eigenem Antrieb
und zu beſtimmten Zeiten, wie die Böckchen *”) bei ihrem
Aufgang. Ebenfo kommt der Stern des Arcturus ***) fafk ,
nie ohne Hagelfturm zum Vorſchein. +)
XL (2). 4. Wer weiß ferner nivt, daß bei dem
Aufgang des Hundsflerns Tr) fih die Sonnenhige am
meiften fleigere? — wie deun der bedeutende Einfluß diefes
—
*) Dad Regengefiirn (suculae) oder die Hyaden (nicht zu ver:
wechfeln mit dem Siebengeftirn oder ben Plejaden, wie
einige Ueberſetzer gethan haben) fiehen am Kopfe des
Stiered. Sie gehen im Oktober auf und im März unter.
es) An ber weftlichen Schulter bed Fuhrmanns. Sie gehen
im September auf und unter,
»es) Zwischen den Knieen bes Bärenhüters. Cr geht im Seps
tember auf, und im Mai unter,
7) Der Einfiuß der Geflirne auf die Witterung läßt ſich durch
Nichts erweifen, und kaum kann man bie Emwirkung des
nahen Mondes auf dieſelbe behaupten.
+5 Der Hunbdsſtern (Sirius), am rechten Obe des großen
Hundes, geht jetzt im Anouſi auf.
0 Zweites Buch. 161
Sterns auf der ganzen Erde gefühte wird. Wenn er ers
ſcheint, branst das Meer anf, der Wein gührt im Keller
und die Gümpfe kommen in Bewegung. 2. Ein wildes
Thier, welches die Aegpptier Oryx *) rennen, foll ih nad
ihrer Behauptung ihn bei feinem Aufgange gegenüber flellen,
ihn betrachten und durch Nießen gleichfam verehren. Daß
die Hunde während diefer ganzen Periote am meiften zur
Wuth geneigt ſind, unterliegt keinem Zweifel.
XLI (axi). 4. Sogar den einzelnen Graden einiger
Zeichen ift eine befondere Kraft eigen. Go fließen wir bei
der Herbfltagundnachtgleiche und an dem Bürzeften Tage aus
dem fhlechten Wetter, daß die Sonnenwende vorüber iſt;
und nicht nur aus dem Regen und Ungewitter fihließen wir
es, fondern auch aus vielen Anzeigen an unferem Körper
und auf dem Felde. Einige werben von Schlagflüffen bes
fallen; bei Andern leidet zu beflimmten Zeiten der Unter:
‚leid, das Nervenſyſtem, der Kopf, das Gemütb. Der Oel:
baum, die weiße Pappel und die Weite rollen bei der”
Sommerjonneumwende ihre Blätter zufammen. *) 2. Am
Zage. der Winterſonnenwende ‚»**) ſelbſt blüht die unter
*) Gehört sum Gazellengeſchlecht, und iſt vielleicht die Anti⸗
lope Oryx.
2) Dieß bemerkt man faſt bei allen Pflanzen mit ſchmalen
Blättern, wenn nämlich die eine Seite des Blattes durch
Hitze ober Kälte mehr zufammengezogen wird, ald die ans
dere ; gerate, wie fih das Papier, wenn man es der Hitze
zu nohe bringt, zuſammenreilt.
=.) Elcero (de divinat, II, 14.), welchem Plinins hier auf
E, Plinius Natuͤrgeſch. 25 Woche, 4°
462 C. Plinius Naturgeſchichte. —
Obdach anfgehängte getrocknete Poleipflanze, und mit Luft
angefüllte Blaſen zerfpringen. *) Nur Der mag ſich dar⸗
über wundern, weldyer nody nicht die täglich vorfommende
Erfäyeinung beobachtet Hat, daß eine Pflanze, welde man
Sonnenwende (Helivtropium) nennt, flets der fcheidenden
Sonne nachfehe, und ſich zu jeder Stunde mit ihr drehe,
felbft wenn fle von Wolken verbedt ift; daß eben fo bie
Auftern und alle Muſcheln und Schaalthiere durch den Ein⸗
fluß des Mondes an Umfang wachſen und wieder abnehmen. .
3. Bleißigere Forfcher haben fogar gefunden, daß bie Leber:
fibern der Spitzmäuſe der Tageanzahl des Mondes entſpre⸗
dyen, und daß das Meine Thierchen, die Ameife, die Eins
wirkung diefes Geſtirns fpüre und. deßhalb am Neumond
ftets raſte. Die Unwiffenheit in ſolchen Dingen gereicht
dem Menſchen um’ fo mehe zur Schande, als er felbit nicht
in Abrede ftellen kaun, daß befonders die Augenkrankheiten
einiger Saumthiere mit dem Monde zunehmen und abnehmen.
Zur Eutſchuldigung dient ihm jedoch der ungeheure Umfang
Treue und Glauben nachſchreibt, hat ben Ariſtoteles, dem
. er biefe Bemerkung entnahm, mißverfianden. Denn Diefer
fagt (Problem. XX, 21.): „um die Sommerfonnenwende
(zrepi zgonas)" : wie es denn auch nicht anders feyn kann.
Daß übrigens die in biefem Kapitel angeführten (um
Theil nur in der Einbildung der Alten beſtehenden) Crs
fheinungen von andern Urfachen abhängen, ald von bem
Einfluß der Geflirne, ift bekannt, |
Die Richtigkeit der Ueberſetzung dieſes gewöhnlich -falfch
verfiandenen Satzes ergibt fi aus der angefühsten Stelle
Eicero’s und aus Plinius felöft, welcher den Ausdruck noch
einmal (Kap. 43, 2) in bemfelben Siuue gebraucht.
u
ws
Zweites‘ Bud. ‘©
mb die unermeßliche Höhe des Himmels, weiches in zwei⸗
undflebenzig. Sternbilder: *) geſchieden iſt: diefe find Bilder
don Sachen und Thieren, in welche die Gelchrien den
Simmel eingetheilt haben. 4. Unter ihnen machen fie ſech⸗
zehnhundert nambaft, die durch ihre Wirkung und durch
ibren Olanz befonders: in bie Augen fallen: zum Beifpiek
fieben im Schwanze des Stieres, melde man bas Giebeu-
geftirn nennt; am. Kopfe deffeiden das Regengeſtirn und. den
Bärenhüter, welcher dem großen Bar: folgt.
XLH (zu). 4.. Ich will nicht laͤugnen, daß auch un⸗
abhäugig: von diefen Urſachen Regen und Wind entfichen,
Ba: es gewiß iſt, daß die Erde einen feuchten und oft bei
groſer Hige .einen dampfenden Dunft aushaucht; auch will
ich nicht Angnen, daß aus in die Höhe gefiiegener Feuch⸗
tigkeit oder aus. zur Feuchtigkeit verdichketer Luft ſich Wollen
erzeugen. 2. Ihre Dichtigkeit und Körperhaftigkeit ift ſchon
dadurch nnwiderlegbar bewiefen, daß file die Sonne ve
dankeln, die body den Tauchern unter dena Waſſer in jeber
beliebigen: Tiefe ſichtbar bleibt.
- ALU (am) 41. Ich will’ alfo auch keingeswegs in
Abrede ſtellen, daß auf dieſe Wolken eben foldyes Stevn⸗
feuer, wie wir es oft bei. heiterem "Himmel fehen, **) von
oben herabfallen Tan. Durch dieſen Fall muß die Luft
wothenenbig erfchütsert werben; denn abgeſchoſſene Pfeile
* Die Alten führen hewbhnlich une 48 Sterubilder am,
pimins zahlt wahriheinlih einzelne Theile derſelben noch
- einmal mit,
. 9%, Bol, Kap, 36 und 37.
. >
|
A:
+
164 C. Plinius Naturgeſchichte. —
ſogar ſchwirren. Wenn aber das Feuer in die Wolken ge⸗
langt iſt, fo erzengt ſich «in ziſchender Dampf, wie wenn
man glühendes Eifen in’s Waſſer taucht, und es bildet fich
ein Rauchwirbel. Daher entftehen die Gewitter. Kämpft
der Wind oder der Dunft in den Wolfen, ſo erfolgt der
Donner ; bricht aber der entzündete Dunft hervor ,' fo ents
leben die, Blige, und wenn er eine längere Gtrede dahin-
Fährt, die Wetterftrahlen : durch diefe werden die Wolken
gefpalten, durch jene zerriffen. 2. Der Donner entſteht
durdy die Schläge des herabdrückenden Beners, und deßhalb
verbreiten and, fogleich Daranf die Niffe der Wolken einen
fenrigen Schein. Auch die von der Erde aufgeftiegene Luft
Bann, wenn fle durch den Gegenſtoß der Geflirne zurückge⸗
frängse und von einer -Molte aufgehalten wird, donnern.
So lange bie Luft Fämpft, erſtickt die Natur jeden Lant;
dricht fie aber hervor, fo entfleht ein Knall, wie bei dem
Zerfpringen einer mit Luft angefüllten Blafe. And Tann
ſich Die Luft, von welcher Befchaffenheit le auch ſeyn mag,
während des fchnellen Herabſtürzens durch Reibung entzun⸗
den ; eben fo können, wie and. zwei zu ſammengeſchla⸗
genen Steinen unten, aus dem Sufammenfloßen der
Wvolken Biige erzeugt werden. 3. Doch alles Das ift une
zufällig, und ſolche Btige find blind und nichtig, weil fie
sach reinem Naturgefege erfolgen: fie treffen Berge und
Meere, und fahren überhaupt ohne allen Zwed herab. Jene
anderen ſcdickſalverkündenden aber fommen aus höheren Ne .
gionen, aus beflimmten Urſachen und aus ihren Geſtirnen. )
e) ©, Kap. 18, 1. Welche vergebliche Mühe gaben ſich bie
+
Zweites Buch. | 465
XLIV. 1. Ich will nicht äugnen, daß auf ähnliche Art
die Binde oder vielmehr Luftzüge aus der dünnen und tros -
denen. Kusdünftung der Erde ſich erzeugen können. Auch
tönen fie aus der von dem Waſſer ansgehauchten Luft,
die ſich weder zu Rebel verdichtet, noch zu Wolken ans
ſchwillt, ferner durch den bewegenden Einfluß der Sonne
(deun der Wind ift, wie man weiß, nichts anderes, als eine
Gırömung se Luft) und endlih anf mandye andere Weiſe
entſtehen. 2. Denn man ficht deren aus den Flüſſen, aus
den eerbufen, aus dem Meere ſelbſt, fogar wenn es rubig
it, und auch von dem Lande aus ‚auffteigen. Man nennt fie
Geewinde (altanos); Lehren fie von dem Meere zurück, fo
heißen fie Retourwinde (tropaei): wehen fie aber gerade‘
fort, Landwinde (apogei).
(zur) 3. Die Bergzüge aber, die zahlreichen Anhöhen
und die wie Ellbogen zuſammeng „drücken, oder wie in zwei
Schultern gebrochenen Gipfel, fo wie die hohlen Bufen der
Thaͤler, durchfchneiden durch ihre Ungleichheit die an fle an«
prallende Luft (wodurch aud an vielen Drten die ſich wies
derholenden Etimmen ſEcho's] entflehen), und erzeugen ohne
Unterlaß Winde.
(sıv.) 4. Daflelbe gilt von den Höhlen. Un der Küfte
von Dalmatien befindet ſich eine ſolche von ungeheurer jäher
Tiefe, aus welcher, wenn man and) nur einen leichten Ge⸗
Alten ,. die Urſachen des Donners und bed Bliged aufzu⸗
finden, und wie natärtich erklären fich diefe Erſcheinungen
jegt durch die Gleetricität! Mehr Wahres fagt piixiu⸗
fiper die Entfichung ber Winde.
X
J
466 C. Plinius Naturgeſchichte.
genſtand und an einem gan; ruhigen Zage hineinwirft, ein
dem Wirdetwind ähnlicher Sturm hervorbricht. Der Ort
heist Senta ſSetaJ]). In der Provinz Eyrene [Barca] foll
ſich der Gage nad) fogar ein dem Säüdwinde geheiligter
Felſen befinden, weichen Beine menſchliche Hand gu berühren
fi erkühnen darf, ohne daB augenblidtid der Sudwind
die Sandmaſſen aufwirbelt. *) Auch in vielen Hänfern
haben manche Behälter, bie dadurch, daß kein Licht in fe
fättt, feucht geworben Ind ‚ihren eigenen Wind. *y Es feblt
ihm daher nie an einer Urſache.
XLV. 1. Ein ſehr großer. Unterſchied iſt jedoch zwi⸗
ſchen den Luftſtrömen und den Winden. Jene wehen zu bes
ſtimmten Zeiten und anhaltend, und find nicht in einem oder
dem anderen Striche, fondern durch bedeutende Länder⸗
ſtrecken fühlbar: feflad weder fanfte Lüftchen, nody-Stürme,
fondern die eigentlihen Winde, und ihnen allein gebührt
dieſer mäunliche Namen. Entweder verdandt der Wind bem
fleten Umſchwung der Welt und dem entgegengefesten Laufe
der Geſtirne feinen Urſprung; ») oder er iſt ſelbſt jener
In den Afrikaniſchen Wüſten finden ſich häufig Sandhügen,
die unbeweglich bleiben, fo lange ſie mit nichts in Berüh—
rung kommen, die aber, wenn nur der geringſte Anſtoß
erfolgt, vom Winde fortgeführt werden, Daher mag bie
Fabel von einem dem Südwinde heiligen Felſen herrühren.
ee) Nach der Legart in domibus etiam multis madefacta in-
clusa ‘opaoitate coaceptecula, welche ſich als die ver⸗
nuͤnftigſte bewährt, wenn man bedenkt, daß bei dem
Oeffnen ſolcher feuchten Gemächer ſich die darin befindliche
ſeuchte Luft auchehnt, und als Wind ausſtromt.
., Bol, Kap, 6, 4
Zweites Bud. 467
erjengende Hauch der Natur, ber gleichſam im Mutterleibe
der Welt Hin und her fdyweiftz oder er ift die von dem nad
verfihiedenen Richtungen mirkenden Drud der. Planeten
und dem vielgeftalteten Strahlenwurf gepeitfchte Luft; ober
er kommt van biefen uns näheren Geſtirnen; oder er fällt
von den Fixſternen. Fedenfalls iſt gewiß, Daß auch er
einen beſtimmten Naturgeſetze folgt, das zwar nidyt unbes
kannt, aber noch nicht genugfam erforſcht iſt.
CAxa.) 2. Mehr als zwanzig alte Griechiſche Schrift⸗
fteller haben uns Bemerkungen über biefen Gegenſtand hin⸗
terlaſſen, und id) Eaun.mid) nicht: genug darüber wundern,
daß in einem. ſtets uneinigen und in verfchiedene Staaten,
Das heißt, in einzelne Glieder, getrennten: Lande, unter
fortwaͤhrendem Kriegsgetünmel, wo man ſich nicht auf das
Gaſtrecht verlaffen Fonute, und hie Geeräuber, diefe Feinde
aller Menfcyen, jeden Verbindungsweg befegt hielten, fo
viele Männer fidy diefe. äußerft fchwer zu erforfchenden Dinge
fo fehr-angelegen ſeyn ließen, Daß noch ‚heut zu Tage Jeder
Alles, was feine Heimatb betrifft ‚ wohin fie doch nie Bas
men, aus ihren Schriften genauer erfahren Bann, als durch
Die Kunde der Eingeborenen ; daß wir aber jebt während
‚ eines ſo Pölllichen Sriedens und unter einem Kürften, ber
ſich fo ſehr Über alle Bortfchritte ber Wiſſenſchaften und
Künfte freut‘, nicht nur durdaneue Forſchungen nidyts weiter
ertennen , fondern nicht einmal die Erfindungen der Alten
uns aneignen... 3. Die Belohnungen. konnten damals nidyt
größer ſeyn, Da die Glücksgüter unter Viele vertheilt was
ven. Auch befchäftigten fidh die Meiften mit biefen Unter:
männgen nicht ſowoht des Lohnes wegen, als um der
.
168 C. Plinius Naturgeichichte. |
Nachwelt zu nüsen. Aber d’e Sitten der Menſchen haben
fidy verſchlechtert, nicht Die Vortheile Tdes Willens), ine
unzähldare Menge durdſchifft jetzt, da man an allen -Uiern
. beider Landung gaſtliche Aufnahme findet, das allenthalben.
zugängliche Meer, aber des Gewinnes, nicht der Wiſſenſchäft
Swegen. 4. Der blinde, nur der Habfircht zugewandte Sinn
übertegt nicht, daß er durch die Wiſſenſchaft feinen Zweck
noch weit ficherer erreichen Bann. Ich will deßhalb dieſe
Tauſende von Seefahrern im Ange behalten, und ron den
Winden etwas weitläufiger, als es fich vielleicht mit dem
Dane meines: Werkes verträgt, handeln.
XLVI (zıvu), "4, Die Uten nahmen nach den vier
Weltgegenden auch in Allem nur vier Winde an (weßhalb
aud Homer *) nicht mehrere nennt). Diefe Eintheilung
‘war, wie man bald einſah, nicht genau genug ; ald aber die
Folgezeit noch acht hinzufügte, wurde fle allzufpigfindig und
kleinlich. Den nächſten Jahrhunderten gefiel ein Mittelweg
‚zwifchen beiden Annahmen, und fie fügten der Pleineren Zahl
vier von der größeren bei. Es kommen alfo je zwei auf bie
vier Weltgegenden. Vom Aufgange der. Sonne bei der
Tag⸗ und Nachtgleiche weht der Subſolanus [Oſt]), von
ihrem Anfgange am kürzeſten Tage der Vulturnus ſSüdon]:
jenen nennen die Griechen Apeliotes, dieſen Gurus. 2. Bon
Mittag ber weht der Auſter Süd]), vom Untergange der
Bonne am kürzeften Tag der Africus ſSüdweſt]: diefe heißen
bei den Griechen Notus und Libs: vom Gonnenuntengang |
be der Tags und Ra qhtgleiche der Favonius [Weſt], von
2) Odyſſee V, 295-
"Zweites Bud | 469
Yen Untergang der Sonne Bei ihrer "Sommerwende Ber
‚Eorus [Nordweſt]), von den Griechen Zephorus und Arges
ſtes genannt, von Mitternacht her der Geptentrio [Nord],
und zwifchen ihm und dem Aufgange der Sonune bei ihrer
Gommerwende der Aquilo [Nordofti: die Griechen nennen
‚fie Aparctias und Boreas. Die weitläufigere @intheilung
hatte zwifchen diefe -noch vier eingefchoben: den Thrascias
l[Nordnordweſt] mitten zwiſchen Norden und dem linters
gange der Sonne bei ihre® Sommerwende; den Eäcias [Oſt⸗
nordofl] zwifchen den Aquilo und den Aufgang der Sonne
dei der Tag⸗ und Nachtgleiche, in der Gegend des Auf⸗
gangs bei der Sommerwende; ten Phönir [Sädiüder]
mitten zwifchen den Unfgang der Sonne am kürzeflen Tag
und Mittag ; äwifchen Mittag und den Untergang der Sonne
am Lürzeften Tag, nämlich zwiſchen den Libs und Netus,
‚einen aus beiden zufammengefesten, den Libonotus (Süͤdſüd⸗
- wein]. 3. Damit war ed aber noch nicht genug. Denn Eis
nige ſeßten auch noch zwifchen den Boreas und Eäciad dem
fogenannten Mefes [Nordoſtnord), und zwiſchen ben Eurus
und Notus den Euronotus [Südoſtſüd]. Auch gibt es einige
Winde, die nur gewiflen Völkern eigenthümlich find, und
nie über einen beftimmten Strich hinauswehen : fo bei den
Athenern der nur wenig‘ von dem Argeſtes abweichende
Sciron, der dem übrigen Griechenfande unbekannt if, Un
einem andern Orte heißt derfeibe Wind, wenn er etwas
mehr von Norden kommt, Diympias; man ift jedoch ges
wohnt, unter alten biefen Namen den Argeſtes zu verftes
ben. a. Auch den Caͤcias nennen Manche Hellespontias,
and fo haben dieſelben Winde an verſchiedenen Orte‘
0 , €. Plinius Raturgelchichte. F
verſchiedene Namen. In der Narbonifchen Provinz iſt
ber bekannteſte Wind der Circius: *) er ſteht einem andern
an Heftigkeit nach, und flreicht gewöhnlich gerade über das
Liguftifche IGenueſiſche] Meer nah Oſtia. Derfeibe Wind
ift nicht nur. unter den übrigen Himmelsſtrichen unbekannt,
fondern er fommt nicht einmal nah Vienna. [Bienne] , einer
Stadt derfelben Provinz, weil dicht vor ihrem Gebiete dies
fer ſo gewaltige Wind “durd einen ihm entgegenſtehenden
Bergrüden von nicht fehr bedeutender Höhe zurückgehalten
wird, So läugnet auch Fabianus, daß der Südmwind bis nad,
Aegypten dringe Es offenbart fi in allem Diefem ein
mächtiges Naturgefep, dad aud ben Winden geit und
Bränzen vorgefchrieben bat.
XLVII. 4. Der Frühling eröffnet den Schiffern die
Meere. Bei feinem Beginn erweichen die Weſtwinde ben
winterlihen Himmel, mit dem Eiutritte der Sonne in den
25. Grad des Waflermannd. Diefes geichieht am -fedheten
Tage vor den Idus des Februar [7. Februar]. Dafielbe
gilt faft von allen Winden, die -idy weiter unten anführen
werde. Nur bei jedem Schaltiahre treffen fie einen Tag
früher ein, folgen aber während des folgenden Luftrum 9%
ihrer alten Ordnung. Den Weſtwind nenuen Einige vom
achten Tag der Ealenden bes März L[22. Februar] an
*) Man foll diefen Eircins (Nordweſtnord) jetzt nocd in dem
angeführten Landfirihe Cers nennen. Auch wird, vers
fichert ‚daB er nicht nach Vienne bringe.
7». i. in ben drei naͤchſien Jahren nach dem Schaltjahre.
Luſt rum iſt hier ein Zeitraum von 4 Jahren.
Zweites Buch. ” a
Shelidonias [Schwalbenwind], weil man um diefe Zeit die
Schwalben wieder fieht; Manche auch Ornithias ſ[Bogel⸗
wind], wegen der Wiederkunft der Vögel: er weht vom
zaftn Tag nad der Winterſonnenwende au neun Tage
hindurch. 2. Dem Weſt entgegengeſetzt iſt der Wind, wel⸗
chen wir Subſolanus [OR] genannt haben. Als feine Zeit
gilt der Aufgang des Giebengeftirnd in demfelben [23]
Grade des Stieres, ſechs Tage vor den Idus des Mai [9. Mail,
zu welcher Zeit der Südwind beginnt. Diefem ift der Nord:
wind entgegengeſetzt. Im der heißeften Zeit des Sommers
geht das Hundsgeſtirn anf, wenn nämlich die Sonne-in dei
erften Grab des Löwen tritt, was am fünfzehnten Tage
vor den Calenden des Auguft [17. Juli] flattfindet. Unge
fähr acht Taye vor feinem Aufgange erfcheinen die Nord⸗
oftwinde, welche deßhalb Vorläufer (prodromi) heißen.
Zwei Tage nad) dem Aufgang wehen dieſe Rordoftwinde
beftändig während der Zeit der Hundstage, nud man nennt
fie alddann Eteſi ier Fiährliche Winde]. Die durch die Hige
des Hundsſterns verdoppelte Sonnenglut ſoll fie milder ma⸗
chen. Keine andere Winde kehren fo regelmäßig wieder,
als dieſe. 3. Nach ihnen wehen wieder befländig Suüdwinde
bis zum Aufgang des Arcturns, eilf Tage vor der Herbfls
Tag und Radıtgleiche, mit welcher ber Nordweft beginnt.
Der Nordweſt dauert den ganzen Herbſt hindurch; ihm
entgegengefeut ift der Südoſt. A. Ungefähr vierunbvierzig
Tage nach diefer Tags und Nachtgleiche beginnt ‚mit dem
Untergange des Siebengeſtirns der Winter, welcher Zeitpunkt
⸗
6, Say. 59. 5:2,’
J
172 ®. Minins Matumweſchicte.
gewohnlich anf den- dritten Tag der Idus ded November
-[11. November] fält. Mit ihm beginnen aud die winters
lichen Nordoſtwinde, welche von den im Sonmer ‚webenden
ſehr verfchieden find ; ihnen entgegengefept ift der Südweſt.
Sieben Tage_vor und eben fo viele nad) dem kürzeſten Tag
:ebnet ſich das Meer zur Brut der Eisvögel, woher ad)
Diefe Tage ihren Namen befommen baten.) Die. übrige
Zeit wintert es. Aber nicht einmal das Ungeflün der
Witterung fchließt das Meer. . Zuerſt zwang die Furcht vor
dem. Tode durch die Seeräuber dem Tode entgegensugehen,
und das winterliche Meer zu beſchiffen. Jeht zwingt die Habs
ſucht dazu.
. XLVUE 1. Die Bälteften von allen Winden find bie, -
‚welche von Norden ber wehen, und ihr Nachbar, der Nord:
wel. Sie bändigen die übrigen Winde, und verfiheuchen
die Wolten. Naß find der Südweſt und befonders der Süd
in Stalien. Ju Pontus [an den Ufern des fchwarzen Mee⸗
res] foll auch der Oftngrdof die Wolken aufziehen. Trocken
‚find der Nordweft und der Südoſt, ausgenommen, wenn fie
‚bald aufhören zu wehen. Schnee bringen ber Nordoft und
der Nord, Hagel der Nord und der Nordweſt. 2. Heiß iſt
‚ber Süd; lau find der Südoſt und der Wet, beide aber
trockner, als der Oft. Ueberhaupt find alle von Mitternadyt
und Abend her weheude Winde trockner als die, welche von
Mittag und Morgen Eommen. Der gefundefle-von allen ift
der Nordoft. Schadlich ift der Süd, beſonders, wenn er treden
if, vielleicht weil er, mit, Feuchtigkeit geſchwängert, Fühler
—
*) Man nennt fie nämiih Halcyonides (Eisvogeltage),
s
| Zweited Buch. - 175
if. Die Thiere follen, fo’Tauge.er weht, weniger Hunger
ſpüren. Die Etefien Hören um die Nachtzeit auf, und ers
hebem ſich wieder um bie dritte Etunde des Tages. ) Im
Spanien nnd Ailen kommen fie von Oſten, in Pontus von
Nordoſten, in den übrigen Ländern von Mittag. - 3. Gie
wehen and, nocheinmal nad; der Winterfonnenwende, zu
welcher Seit file Ornichiä [Bogelwinde] heißen, aber gelin-
der und nur wenige Tage, Zwei Winde verändern auch
ihre Natur nad der Ortslage: in Afrika nämlidy bringt der
Süd beiteres Wetter, der Nordoſt Wollen. Alle Winde
wehen größtentheils nad einer deflimmter Reihenfolge, oder.
fo , daß, wenn einer aufhört, der ihm gerade entgegenge⸗
feste beginnt. Erhebt fidy aber nad) dem Aufhören des
einen der biefem äunächflliegende, fo geht bie Reihenfolge
von der Linken zur Rechten, wie die Sonne. — Welche
Winde in jedem Monate vorherrſchen, entfcheidet meift der
vierte Tag des Neumonds. — Man Bann aber mit dems
felden ude nach der entgegengefesten Richtung fdyiffen,
wenn Wan das Tau an der einen Ede des Segels nadyläßt
Kavirt]; weßhalb auch Häufig des Nachts Fahrzeuge, die
VON ganz entgegengeſetzten Seiten kommen, aufammenftoßen.
4. Dee Eid vernrfacht größere, Wogen, als der Nordok,
"weil jener. tief von. dem unterften Ende des Meeres herweht,
dieſer aber. gauz von oben. *) Deßwegen felgen au die
°) 2 h. wei Stunden nach Aufgang der Sonne. .
20) Die Alten dachten fid) bie werde Weltgegend weit We,
als die füdliche,
n
474 G. Plinius Naturgeſchichte. NE
fhäblichen Erdbeben· befonders unf Eidwinde Dir Gäb
it bei Nacht, der Norboft bei Tag. heftiger. Die. new -
Morgen wehenden Winde halten. länger an, als die van
Abend wehenden. Die Norbwinde hören gewöhnlich nad)
einer .ungleihen Anzahl von Tagen auf; weldye Bemerkang
auch in vielen andern GBebieten-der Natur gilt, weßhalhb
man anch Die ungleichen Sahlen für männlidy hält. 9 Die
Sonne verftärkt und unterdrintt die Winde::fle verſtärkt
fie: bei’ ihrem Auf⸗ und Umtergange; fie unterdrückt ſte bei
der Sommerhitze um die Mittagszeit. Sie Iegen ſich allo
gewöhnlich um die Mitte des Tages oder ber. Naht, wenn.
ſie darch allzugroße Kälte under Hitze vertrieben . werben.
Auch bei dem Regen legen: fidy die Winde, - Am ſicherſten
darf man fie von der ‚Seite her erwarten... wo zertheilte
Motten den Himmel durchblicken laſſen. 5. Eudvxus glaubt,
Haß diefelbe Reihenfolge aller Winde nad einen Zeitraume
von vier Jahren (under weichen man gewöhnliche kleine
Fahre **) verfiehen muß) wieberkehre; und zwar- glaubt er
Diefed nicht nur von den Winden, ſondern auch Yon. ſaſt
allen. auderen Witterangsveränderungen. Diefe Zeitperiode
beginnt: in jebem Schaltjahre mit dem Aufgange des Sum
Sterns. So viel von den allgemeinen Winden, °
. . AUIX (sıyın), 4. Nun von ben plotzlich entfiehenden
Binden, bie, wie gefagt, »*) fid) aus den von ber Erde
*), Alter Aberglaube,
*” Plinius hielt diefe Bemerkung für nöthig, weil man unter
dem foge nannten Eudoxiſchen Jahr einen Zeitramm von
8 Jahren zu verfichen gewohnt war,
”) Kap, 42, 8. 1. . R
-
« N
— Zweites Bud. 175
anffteigenden Dünften bilden, dann aber, nachdem fle ſich
in eine Wolkenhülle eingewidelt, wieder herabgedrückt wers
den, und in mancherlei Geſtalten erfcheinen. Unfiät umhers
ſchweifend und gleich Bergftrömen herabſtürzend, erzeugen
Re nach der ſchon angeführten 9 Meinung Einiger Donner
und Blis. Fahren fle mit größerer Schwere und Schnelligkeit
Daher, und zerteißen weit und Breit die trockene Wolke, fo
entſteht ein Sturm, welcher von den Griechen Ecnephias
genannt wird. Drüucken fie aber bie. Wolke nur an einer
Gtelte herab, und brechen, nachdem fie ſich in dleſem Buſen
. ia immer engerem Kreife gebreht, ohne Fener, das heißt,
odhne Blitz hervor, fo bilden fie einen Drehwind, welchen
man Thphon nennt, wad nichts Anderes heißt, ald ein ges
wirbelter Eenephias. *) 2. Diefer führt ein von der
Balten Wolke abgeriſſenes Stick mit ih, wickelt es zuſammen,
dreht es, beſchlennigt durch dieſen Zuwachs an Schwere
ſeinen Fall, und wechſelt, indem er ſich fortwährend in reifs
fendem Wirbel dreht , jeden: Augenblick ſeine Stelle. Es iſt
die ärgite Plage der Seefahret, indem er nicht nur die Se⸗
geiftaugen, ſondern auch die Schiffe ſelbſt, nachdem‘ er fie im
Kreife herumgefihlenders Hat, zertrünmert: Ein nicht ande
reichendes Kettangsnriktel iſt der Weineſſtg, der bekanntlich
fehr kalter Natur Hr und den man dem arfflärmenden ents
?
* Say. 43. 51
Der Eenephias in aus win Molken) entſpricht dem
Orkan, der Typhon CRaunıiud) der Landtrompete und der
Waſſerhoſe.
176 €. Plinius Naturgefchichte. .
gegengießt. *) Prallt er nach einem Anftoß zurück, fo führt
er Alles, was in feine Bereich kam, mit ſich gen Sims
mel, und verſchlingt es für die höheren Regionen.
L 4. Iſt die Höhlung der herabgedrüdten Wolke,
aus welcher er bervorbricht, größer, aber weniger breit als
bei dem Orkan, und geſchieht Diefes nicht ohne Krachen,
fo nennt man ihn Turbo (Wirbelwind). Er wirft Alles,
was in feine Nähe geräth, nieder. Iſt er glühender und
entzündet fich, während er wüthet, fo beißt ee Breker [few«
ziger Wirbelwind). Was mit ihm in Berührung tommt,
derbrennt und zermalmt er zugleich.
‚ (zux.) Der Typhon findet nie bei Nordoſtwind, der
Eenephias nie bei Schneewetter, ober ſo lange Schnee liegt,
ſtatt. Entzündet er ſich ſogleich bei ſeinem Durchbruch durch
die Wolke, hält er das Feuer, und erzeugt diefes nicht erſt
fpäter [wie der Prefter], fo wird er zum Blitz. Er unter
ſcheidet fi) vom Preſter, wie die Flamme vom Feuer. Die⸗
fer zerfährt durch fein Wehen weit und breit; jener [der
Blip] drängt fich durch feine eigene Kraft auf einen Punkt
zufammen. 2. Der Drehwind (vortex) unterfcheitet ſich
vom Wirbelmind (turbo) dadurch, daß. er zurüdtehrt, und
wie das Praffeln von dem Krachen. Bon beiden. unterfcheis.
det ſich der Orkan dadurch, daß er die Wolke mehr ausein«
anderfchleudert, als durchbricht. Manchmal zeigt fih auch
eine dunkle Wolke, einem wilden Thiere ähnlich, und den
Ehiffern Unheil bringend. Man nennt fie eine Säule,
*) Diefes . aberglaͤubiſche Mittel kann keinen Srfotg haben,
Beſſer Hilfe ein tüchtiged Kanonenfener,
Pr
er Zweites Bud. 47 |
wWenn bie derdichtete und ſtarrende Fenchtigkeit fi felbſt
aufrecht erhält. Zu dieſer Gattung gehört ferner die Wolke,
welche das Waffer wie eine lange Pfeife in die Höhe zieht. *)
LI (2): 4. Im Winter und ım hohen Sommer *% find
Vie Blitze felten, und zwar’ aus ganz entgegengefehten Urs
ſachen. Im Winter nämlid wird die ohnehin ſchon dicke
Buft und die ſchwere Wolkendecke noch mehr verdichtet;
ale Ausbänftung der Erde ift kalt und eiſig, und mas fie
. an Beuerftoff enthält, erliſcht. Aus diefer Urfache ift Scy⸗
thien ſammt den umliegenden Eisländern don den Blipen
befreit. Dagegen hat in Aegypten die allzugroße Hitze die⸗
Gelben Folgen; denn die Dinfte ber Erde find heiß und
troden, und verdichten ſich fehr felten, und dann nur in
Seichte Bolten. 2. Im Frühiahre und im Herbſte aber find
Die Blitze häufiger, weil die Urſachen, die fie im Sommer
and im Winter verhindern, hinwegfallen. Deßhalb find die
Blige auch in Italien fehr häufig; denn die Luft bleibt durd)
den gelinderen Winter und den feuchten Sommer beweglich,
. and gleicht einigermaßen immer der Frühlings oder Herbſt⸗
Auft. Auch in denjenigen Theilen von Italien, welhe fi
ehr von Norden nady dem heißeren Himmelsſtrich hin ent:
fernen, wie das Gebiet der Stadt [Rom] und Eampanien
(Terra di Lavoro], blizt es im Winter und im Sommer,
was in- anderen Gegenden nicht der Fall ift.
LII (u). 4. Man zählt mehrere Arten von Blitzen
9 Ofulen und Pfeifen find Waſſerhoſen.
=», Dieß gut nur für bie füblichen Gegenden.
E. Plinius Naturgeſch. 25 Bin, 5
m
478 C. Plinius Naturgeſchichte.
auf. Die trockenen zünden nicht, fondern zerſtören nur; die
feuchten verbrennen nicht, ſondern verfengen nur. Eine
dritte Gattung, welche mau glänzende nennt, find größrens
theild von wunderfamer Eigenſchaft; denn fie leeren Fäſſer
aus, ohne das Aeußere derfelben zu verlegen, oder irgend
eine Spur zurxrückzulaſſen. 2. Gold, Erz und Gilber ſchmilzt
in den Gäden, ohne daß dieſe im geringften verbrannt
werden, oder daß auch nur das Wachsfiegel verleut wird. *)
Marcia, bie erfte der Römerinnen, *%) wurde ı während
ihrer Schwangerſchaft vom Blige getroffen: die Leibesfrucht
farb, fie ſelbſt lebte aber fort, ohne irgend eine Unbequem⸗
lichkeit zu fpüren. Zu den Wunderzeichen, welche den Catilina⸗
rifhen Unruhen vorausgingen, gehört auch, daß der Decurio
ſ[Rathsherr] M. Herennius aus der Pompejaniſchen Munis
cipalſtadt [Pompeji] bei heiterem Himmel vom Biige er⸗
ſchlagen wurde. » )
LIII (um. 4. Rach ben Schriften der Tuecet ſellen
neun Gotter Blitze werfen, und deren eilf Arten ſeyn; denn
*) Die electriſche Kraft hat auf manche Stoffe, die man in
ber Phyſik ſchlechte Leiter nennt, keinen Einfluß.
*2) Die Ausleger haben ſich vergebens mit der Erklaͤrung die⸗
ſes Ausdrucks abgemüht, Iſt es bie Frau bes erſten Ges
nators, oder iſt es die Matrone, die bei dem weiblichen
Gottesdienſt den Vorſitz führte?
—V Die Nichtigkeit der beiden letzten Fälle mag dabiu geſtellt
eiben.
PD Die Tuscer (Hetrurier) hatten ben alten Aberglauben und
die darauf bezuͤglichen Gebräuche am forgfältisfien ausge⸗
bildet, und ſogar allen Unſinn (von dem wir hier eine
Probe ſehen) in Ritualbüchern niedergelegt.
. % * ’ re
‚ Zweites Bud. 179°
‚Iupiter allein fdyiendere dreierlei. Die Nöuer haben von
diefen nur zwei Urten beibehalten, die bei Tag und die bei
Nacht vorkommenden: die erſten fchreiben ſie dem Fupiter,
die andern, welche der kühleren Temperatur wegen feltener
find, dem Summanus *) zu. Die Hetrurier glauben aud,
daß Blitze aus der Erbe hervorbrechen, **% und nennen fie
unterirdifhe. Winden diefe zur Zeit der Winterfonnenwende
ſtatt, fo ſind fie meift bösartig und unbeilbringend; denn
alle,” welhe nad ihrer Meinung aus der Erde entfliehen,
find nicht wie jene gewöhnlichen, von den Geſtirnen her⸗
rührenden, fondern gehören der und. nächſten und unreineren
Natur an. 2. Ein augenſcheinliches Unterfcheidungszeichen
if, daß alle aus der höheren Himmelsgegend fallende Blige
eine ſchieſe, die aber, welche man irdifhe nennt, eine ges
rade Richtung uchmen. Weil fie nun aus einem uns näs
beren Stoffe fallen, fo glaubt man, fie gehen and der Erde
hervor, weit man ja nirgends eine Spur ihres Anprallens
finde; Was andy nur bei einem von oben fommenden, nicht
aber bei einem von unten kommenden Blige der Ball ſeyn
Zönne. Leute, welche diefer Sache noch weiter nachgegrü-
beit haben, glauben, diefe Blize käͤmen vom Planeten Sa⸗
turn herab, fo wie die zündenden vom Mars. Durch einen
foichen Blig wurde Bolfinii [Volſena], die reichſte Stadt
*) Summanus (summus manium), ber Gott ber Unter-
welt.
“ Wenn manchmal Wolfen eleetrifchen Stoff von der Erde
an fich Beben, fo Eöunte man fagen, «8 entfiehen Blige
aus ber Er
| 6*
—
a78 C. Plinius Naturgeſchichte.
auf. Die trockenen zünden nicht, fondern zerſtören nur; die
feuchten verbrennen nicht, ſondern verfengen nur. Eine
dritte Gattung, welhe man glänzende nennt, And größrens
theild von wunderfamer Eigenſchaft; denn fie leeren Käffer
“aus, ohne das Aenbere derfelben zu verlegen, oder irgend
eine Spur zurückzulaſſen. 2. Gold, Erz und Silber ſchmilzt
in den Gäden, ohne daß diefe im geringfien verbrannt
werden, oder daß aud) nur das Wachsſiegel verleut wird, *)
Marcia, die erfle der Römerinnen, *e) wurde ı während
ihrer Schwangerfhaft vom Blige getroffen: die Leibesfrucht
ſtarb, fle felbft lebte aber fort, ohne irgend eine Unbequems
lichkeit zu fpüren. Zu den Wunderzeihen, welche den Batilinas
rifhen Unruhen vorausgingen, gehört auch, daß der Decurio
[Ratheherr] M. Herennius aus der Pompejaniſchen Muni⸗
cipalſtadt [Pompeji] bei heiterem Himmel vom Dlige eve
ſchlagen wurde. *%*)'
LII (un). 4. Rach den Schriften der. Tuecet » follen
neun Götter Dlige werfen, und deren eilf Arten feyn;. denn
*) Die electriiche Kraft hat auf manche Stoffe, die man in
der Phyſik ſchlhechte Leiter nennt, Beinen Einfluß.
+*) Die Ausleger haben fich vergebens mit der Erklaͤrung bie
ſes Ausdrucks abgemüht, Iſt es bie Fran bes erſten Ges
nators, ober. if 28 die Marrone, bie bei bem weiblichen
Gottesdienſt den Borfig führte?
vs) Die Nichtigkeit der beiden legten Fälle mag dahin geſiellt
eiben.
+) Die Tuscer (Hetrurier) hatten hen alten Aberglauben und
Die darauf bezuglichen Gebräuche am forgfältiafien ausge⸗
bildet ,„ und fogar allen Unſinn (von bem wir bier eine
Probe fehen) in Ritualbuͤchern niedergelegt,
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J
Zweites Buch. 179
Jupiter allein ſchieudere dreierlei. Die Roͤmer haben von
dieſen nur zwei Arten beibehalten, die bei Tag und die bei
Nacht vorkommenden : die erſten fchreiben fie dem Jupiter,
die andern, welche der Bühleren Temperatur wegen feltener
find, dem Summanus *) zu. Die Hetrurier glauben aud,
daß Blitze aus der Erde hervorbrechen, **% und nennen fie
unterirdifche. Binden Diele zur Zeit der Winterfonnenwende
ſtatt, fo ſind fie meift bösartig und ‚unbeilbringend; denn
alle," welhe nad ihrer Meinung ans der Erde entfliehen,
find nicht wie jene gewöhnlichen, von den Geſtirnen her
rührenden, fondern gehören ber uns. nächſten nnd unreineren
Natur an. 2. Ein augenſcheinliches Unterfcheidungszeichen
iſt, daß alle aus der höheren Himmelsgegend fallende Blige
eine ſchirfe, die aber, weiche man irdiſche nennt, eine ges
rade Richtung -uchmen. Weil fie nun aus einem und näs
beren Stoffe fallen, fo glaubt man, fie gehen ans ber @rte
hervor, weil man ja nirgends eine Spur ihres Anprallens
finde; Was andy nur bei einem von oben Fommenden, nicht
aber bei einem von unten kommenden Blige der Ball ſeyn
Zönne. Leute, welche dieſer Sache noch weiter nachgegrü⸗
beit haben, glauben, diefe Blitze fämen vom Planeten Sa⸗
turn herab, fo wie die zündenden vom Mars. Durch einen
foichen Blis wurde Bolfinii [Bolfena], die reichſte Stadt
*) Gummanus (summus manium), ber Gott ber Inter
welt,
”, Wenn manchmal Wolben electriſchen Stoff von ber Erde
an ſich ziehen, fo bunte man fügen, es entfiehen Blige
"aus ber Erbe. 5.
—
a8 C. Plinius Naturgeſchichte.
auf. Die trockenen zänden nicht, fondern zerflören nur; die
feuchten verbrennen nicht, fondern verfengen nur. @ine
dritte Gattung, welche man glänzende nennt, find größten:
theild von wunderfamer Cigenfhaft; denn fie leeren Käffer
aus, ohne das Aeußere derfelben zu verlegen, oder: irgend
eine Spur zurückzulaſſen. 2. God, Erz und Gilber ſchmilzt
in den Gäden, ohne daß dieſe im geringften verbrannt
werden, oder daß aud) nur das Wachsfiegel verlept wird, *)
Marcia, die erfte der Römerinnen, *%) wurde. ı während
ihrer Schwangerſchaft vom Blige getroffen: die Leibesfrucht
ſtarb, fie ſelbſt lebte aber fort, ohne irgend eine Unbequem⸗
lichkeit zu fpüren. Zu den Wunderzeichen, welche den Catilina⸗
riſchen Unruhen vorausgingen, gehört auch, daß der Decurio
[Rathsherr] M. Herennius aus der Pompejanifden Munis
cipalſtadt [Pompeji] bei heiterenm Himmel bom Dlige eve
fdylagen wurde, ***)
LI (um). 4. Rach den Schriften der. Zuecet 9 (offen
neun Götter Bliße werfen, und deren eilf Arten ſeyn; denn
*) Die electriſche Kraft hat auf manche Stoffe, bie man im
ber Phyſik ſchlechte Leiter nennt, feinen Einfuß.
+) Die Ausleger haben fi) vergebens mit der Erklaärung die
ſes Ausdrucks abgemüht, Iſt es bie Fran des erfien Ges
nators, oder iA es die Matrone, bie bei bem weiblichen
Gottesdienſt den Vorſitz führte?
“..). De Nichtigkeit der beiden leuten Faͤlle mag dabin geſtelit
eiben.
+) Die Tuscer (Hetrurier) hatten ben alten Aberglauben und
die darauf bezliglichen Gebräuche am forgfältisfien andges
bildet , und fogar allen Unſinn (von dem wir bier eine
Probe fehen) in Nitualblichern niedergelegt.
% 2 ?
‚ Zweites Bud. 179
‚Jupiter allein ſchieudere dreiertei. Die Römer haben von
Diefen nur zwei Arten beibehalten, die bei Tag und die bei
Nacht vorkommenden: die erſten fchreiben fle dem’ Fupiter,
die andern, welche der tühleren Temperatur wegen feltener
find, dem Summanus *) zu. Die Hetrurier glauben aud,
daß Blise aus der Erbe hervorbrechen, *% und nennen fie
unterirdiſche. Winden diefe zur Seit der Winterfonnenwende
ftatt, fo find fie meiſt bösartig und unheilbringend; denn
alte,“ welche nad ihrer Meinung aus der Erde entflehen,
find nicht wie jene gewöhnlichen, von den Geſtirnen her
rührenden,, fondern gehören ber uns nächſten und unreineren
Natur an. 2. Ein augenſcheinliches Unterfcheidungszeichen
iſt, daß alle aus der höheren Himmelsgegend fallende Blige
eine fhirfe,, die aber, welche man irdifche nennt, eine ge:
rade Richtung nehmen. Weil ſie nun aus einem nnd nä⸗
beren Gtoffe fallen, fo glanbt man, fie gehen ans der Erde
hervor, weil man ja nirgends eine Spur ihres Anprallens
finde; Was andy nur bei einem von oben Fommenden, nicht
aber bei einem von unten kommenden Blige der Ball ſeyn
könne. Leute, weldye diefer Sache noch weiter nachgegrüs
beit Haben, glauben, dieſe Blige kämen vom Planeten Sa⸗
turn herab, fo wie die zündenden vom Mars. Durch einen
foihen Blig wurde Bolfinii [Bolfena], die reichſte Stadt
*) Summanus (summus manium) ber Gott ber Unter:
welt.
* Wenn manchmal Wolren eleetriſchen Stoff von ber Erbe
an ſich ziehen, fo Könnte man fügen, es entfiehen Blige
"aus ber Erbe, 5.
478 _ C. Plinius Naturgefhichte. ,
auf. Die trodenen zünden nicht, fondern zerflören nur; die
feuchten verbrennen nicht, ſondern verfengen nur. Eine
dritte Gattung, welche man glänzende nennt, lud größten:
theild von wunderfamer Eigenfchaft ; denn fie leeren Fäſſer
“ aud, ohne das Aeußere derfelben zu verlegen, oder irgenb
eine Spur zurüdzulaffen. .3. Gold, Erz und Silber fhmilzt
in den Süden, ohne daß diefe im geringften verbrannt
- werden, oder daß auch nur das Wacheſiegel verlegt wird, *)
Marcia, die erfte der Römerinnen, *%) wurde ı während
ihrer Schwangerfchaft vom Blige getroffen: die Leibesfrucht
ſtarb, ſie ſelbſt lebte aber fort, ohne irgend eine Unbequem⸗
lichkeit zu fpüren. Zu den Wunderzeichen, welche den Catilina⸗
rifchen Unruhen vorausgingen, gehört auch, daß der Decurio
[Rathsherr] M. Herennius aus der Pompejanifhen Munis
cipalſtadt [Pompeji] bei heiterem Himmel vom Diige er⸗
ſchlagen wurde, »ey
LIH (um). 4. Rach den Shriften der. Tutcet 9» ſellen
neun Götter Blige werfen, und deren eilf Arten ſeyn; deun
*) Die slectriiche Kraft hat auf manche Stoffe, die man im
ber Phyfie ſchhechte Leiter nennt, Beinen Einfluß.
+*) Die Audleger haben fi) vergebens mit der Erklaͤrung bie
fed Ausdrucks abgemüht, Iſt es bie Fran bes erfien Se⸗
nators, oder ik es die Marrone, die dei bem weiblichen
/ Gottesdienft den Borfig führte?
“es, De Nichtigkeit der beiden letzten Fälle mag dahin geſlellt
eiben.
) Die Tuscer (Hetrurier) hatten hen alten Aberglauben und
‘die darauf bezüglichen Gebräuche am forgfältiaften audges
bitdet , und fogar allen Unſinn (von dem wir bier «ine
. Probe fehen) in Ritualbuchern niedergelegt,
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‚ Zweites Bad. 179
Jupiter allein ſchieudere dreierlei. Die Röuter haben vom
biefen nur zwei Arten beibehalten, die bei Tag und die bei
Naht. vorkommenden: die erften fchreiben fie dem Jupiter, '
die andern, welche der Bühleren Temperatur wegen feltener
find, dem Summanus *) zu. Die Hetrurier glauben auch,
Daß Blitze aus der Erde hervorbrechen, *°% und nennen fie
unterirbifche. Winden diefe zur Zeit der Winterfonnenwende
ſtatt, fo ſind fle meift bösartig und unheilbringend; denn
alte," weiche nad ihrer Meinung aus der Erde entftehen,
find nicht wie jene gewöhnlichen, von den Geſtirnen her⸗
rührenden, fondern gehören der und. nächſten und unreineren
Natur an. 2. Ein angenfheintiches Unterfcheidungszeichen
iſt, daR alle aus der höheren Himmelsgegend fallende Blige
eine ſchieſe, die aber, welche man irdifche nennt, eine ges
zade Richtung nehmen. Weil fie nun aus einem und näs
beren Stoffe fallen, fo glaubt man, fie gehen and der Erde
hervor, weil man ja nirgends eine Spur ihres Anprallens
finde; Was andy nur bei einem von oben Fommenden, nicht
aber bei einem von unten kommenden Blitze der Zall ſeyn
könne. Leute, welche dieſer Sache noch weiter nachgegrüs
beit haben, glauben, diefe Blitze fämen vom Platieten Sa⸗
turn herab, fo wie die zündenden vom Mars. Durch einen
foichen Blis wurde Bolfinii [Bolfena], die reichſte Stabt
*) Summanus (summus manium), ber Gott der Unter
welt.
**) Henn manchmal Wolben eleetriſchen Stop von ber Erde
an —* ziehen, fo konnte man fagen, es entfiehen Blige
aus ber Erbe, 5*
—
478 _ C. Plinius Naturgefhichte. ,
auf. Die trodenen zünden nicht, fondern zerflören nur; die
feuchten verbrennen nicht, ſondern verfengen nur. ine
dritte Gattung, welche man glänzeude nennt, find größten
theild von wunderfamer Eigenfhaft ; denn fie leeren Fäſſer
“ aud, ohne das Aeußere derfelben zu verlegen, oder irgend
eine Spur zurückzulaſſen. 2. Gold, Erz und Silber ſchmilzt
in den Gäden, ohne daß dieſe im geringfien verbrannt
werden, oder daß aud) nur Das Wacheſiegel verletzt wird. *)
Marcia, bie erfte der Römerinnen, »e) wurde ı während
ihrer Schwangerfchaft vom Blige getroffen: die Leibesfrucht
ftarb, fie felbft lebte aber fort, ohne irgend eine Unbeguem:-
lichkeit zu fpüren. Zu den Wunderzeichen, welche den Eatilinae
riſchen Unruhen vorausgingen, gehört auch, daß der Decurio
[Rathsherr] M. Herennius aus der Pompejanifden Muni⸗
cipalſtadt [Pompeji] bei heiteren Simmel bom Diige ers
fdylagen wurde. ***)
LIH (um), 4, Rach den Schriften der Tutcet » (ofen
neun Götter Bliße werfen, und deren eilf Arten ſeyn; denn
*) Die electrifche Kraft Hat auf manche Stoffe, bie man im
ber Phyſik fhlehte Leiter nennt, feinen Einfluß.
+*) Die Ausleger haben ſich vergebens mit der Erklaͤrung dies
ſes Ausdrucks abgemüht, Iſt es die Frau bes erfien Ges
nators, ober iſt es die Marrone, die dei bem weiblichen
Gottesdienſt den Borfig führte?
“es, ee Richtigkeit der beiden legten Fälle mag dabiu geſtelit
eiben.
PD Die Tuscer (etrurier) hatten ben alten Aberglauben und
‘die darauf bezüglichen Gebräuche am forgfältiefien audges
bildet, und fogar allen Unſinn (von dem wir bier eine
Probe fehen) in Ritualbuchern niedergelegt,
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‚ Zweites Bud). 179
Jupiter allein fchieubere dreierlei. Die Röwer haben vom
diefen nur zwei Arten beibehalten, die bei Tag und die bei
Nadht vorkommenden: die rien ſchreiben Ale dem Jupiter,
die andern, welche der fühleren Temperatur wegen feltener
find, dem Summanus *) zu. Die Hetrurier glauben auch,
daß Blitze aus der Erbe hervorbrechen, ») unb nennen fle
wmterirbifhe. Winden dieſe zur Zeit der Winterfonnenwende
ſtatt, fo And fle meift dösartig und unpeilbringend; denn
alle,“ melde nad ihrer Meinung aus der Erde entflehen,
find nicht wie jene: gewöhnlichen, von den Geſtirnen her⸗
rührenden, fondern gehören ber und nächſten nnd nnreineren
Natur an. 2. Bin augenfdeinliches Unterfheidungszeichen
iR, dab alle aus der höderen Himmelsgegend fallende Blige
eine fhiefe , die aber, welche man irdifche nennt, eine ges
rade Rihkung nehmen. Weil fie num aus einem und när
heren Gtoffe fallen, fo glanbt man, fie gehen and der Erde
herdor, weil man ja nirgends eine Spur ihres Anprallens
finde; Was and) nur bei einem von oben Fommenden, nicht
aber bei einem von unten kommenden Blipe der Fall ſeyn
Zönne. Leute, welche diefer Sache noch weiter nachgegrü⸗
beit haben, glauben, diefe Blige kämen vom Planeten Sa—
turn herab, fo wie die zündenden vom Mars. Durch einen
ſolchen Blig wurde Volſinii [Bolfena], die reichte Stadt
Summanus (sommas manium), der Got
weit,
*) Wenn mandmal Wolken eleetriſchen ©
gan ic sieben, fo Fünnte man fagenyr
and ber Erbe.
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478 _ C. Plinius Naturgefhichte, .
auf, Die trodenen günden nicht, fondern zerftören nur; bie
feuchten verbrennen nicht, ſondern verfengen nur. Eine
dritte Sattung, welche man glänzende nennt, find größtene
theild von wunderfamer Eigenfchaft ; deun fie leeren Käffer
aus, ohne das Aenbere derfelben zu verlegen, oder irgenb
eine Spur zurückzulaſſen. 2. Gold, Erz und Gilber ſchmilzt
in den Gäden, ohne daß dieſe im geringften verbrannt
werden, oder daß aud nur das Wacheſiegel verletzt wird. *)
Marcia, die erfte der Römerinnen, *%) wurde swährend
ihrer Schwangerfchaft vom Blitze getroffen: die Leibesfrucht
ftarb, fle felbft lebte aber fort, ohne irgend eine Unbequem⸗
lichkeit zu fpüren. Su den Wunderzeichen, welche den Catilina⸗
rifhen Unruhen vorausgingen, gehört auch, daß der Decurie
[Rathsherr] M. Herennius aus der Pompejanifden Munis
- eipalftadt [Pompeji] bei heiteremm Himmel vom Die ers
ſchlagen wurde, ***y'
LIH (um), 4. Rach den Schriften der. Tutcet » ſollen
neun Goͤtter Blide werfen, und deren eilf Arten ſeyn; denn
*) Die electriſche Kraft hat auf manche Stoffe, die man im
ber Phyfie ſchhechte Leiter nennt, Beinen Einfuß.
+*) Die Audleger haben ſich vergebens mit der Erklärung bie:
fe8 Ausdrucks abgemüht, Iſt ed bie Frau bes erfien Se⸗
nators, oder if es die Marrone, die Bei dem weißtichen
Gottesdienn den Borfig führte?
“es, Die Nichtigkeit der beiden letzten File mag dabiu geſtellt
eiben.
D Die Tuscer (Getrurier) hatten ben alten Aberglauben und
die darauf bezfiglichen Gebräuche am forgfältigften ausge⸗
bildet, und fogar allen Unſinn (von dem wie bier eine
Probe fehen) in Ritualbüchern niedergelegt.
—W 7
‚ Zweites Bud. 179
‚Jupiter allein fchieudere dreieriei. Die Nöwer haben von
biefen nur zwei Urten beibehalten, die bei Tag und die bei
Nat vordommenden: die erfien fchreiben fie dem Jupiter, '
die andern, welche der fühleren Temperatur wegen feltener
And, dem Summanus *) zit. Die Hetrurier glauben auch,
daß Blitze aus der Erde hervorbrechen, *% und nennen fie
unterirdifche. Winden dieſe zur Zeit der Winterfonnenmende
ſtatt, fo ſind ſie meift bösdartig und unheilbringend; denn
ale,“ welche nach ihrer Meinung aus der Erde entfliehen,
Mind nicht wie jene gewöhnlichen, von den Geſtirnen her⸗
rührenden, fondern gehören der und. nädften und unreineren
Natur au. 2. Ein augenfheintiches Umterfcheidungszeichen
if, daß alle aus der höheren Himmelsgegend fallende Blitze
eine ſchiefe, die aber, welche man irdiſche nennt, eine ges
zade Rihtung nehmen. Weil fie nun aus einem und näs
heren Gtoffe fallen, fo glanbt man, fie gehen ans der Erde
hervor, weil man ja nirgends eine Spur ihres Anprallens
finde; Was auch nur bei einem von oben Fommenden, nicht
aber bei einem von unten kommenden Blitze der Hall ſeyn
könne. Leute, welche diefer Sache noch weiter nachgegrü⸗
beit haben, glauben, diefe Blitze kämen vom Planeten Gas
turn herab, fo wie die zündenden vom Mars. Durch einen
foichen Blig wurde Bolfinii [Volſena], die reichte Stadt
*) Summanus (summüs manium), ber Gott der Unter
welt,
* Menu manchmal Wolken eleetriſchen Stop von der Erde
au ſich ziehen, ſo kbunte man ſagen, es entſiehen Blitze
"aus ber Erbe. 3*
180. 6. Pinius Naturgeſchichte.
der Tuscer, gänzlich verbrannt. 3. Kamilienblige nennt
man folhe, weldye einem, der ſich Familienverhältniffe bes
gründet, zuerft vorkommen : ihre Vorbedeütung foll für das
ganze Leben gelten. Die Vorbedeutung der Privatblige
reicht, wie man glaubt, nicht Über zehn Jahre hinand,
ausgenommen, wenn fie bei der erften Verheirathung oder
am Geburtstage ftattfinden; die Staatsblitze deuten nicht
weiter ald dreißig Jahre, ausgenommen, wenn fie ſich bei
Anlegung von Eolonieflädten ereignen.
LIV (cm), 4. Aus der Ueberlieferung ber Saprhücher
er ſehen wir, daß man durch gewiſſe heilige Gebräuche Blitze
erzwingen, oder doch erflehen könne. In Oetrurien gebt.
ein uraltes Gerücht, daß ein Blitz erfleht worden ſey, als
ein Ungeheuer, Volta *) genannt, nach der Verwüſtung der
Aecker in die Stadt Volfinii kam. Auch Porfenna, der König
Diefes Landes, foll Blige hervorgebracht haben. 2. Pifo, ein.
glaubwürdiger Schriftfteller, erzählt im erften Buche feiner
Annalen, daß ſchon lange vor Porfenna Numa Daffelbe
gethan habe, und daß Tullus Hoftilins, als er es ihm nach⸗
machen wollte, aber Die Ceremonien nicht genan beobachtete,
Dom, Blige erfhlagen worden fey. **) — Wir haben lzur
“ Herdorrufung ber Blitze] Haine, ‚Altäre und heilige Ges
bräuche ; und nebem dem Jupiter Gtator , ***) Tonans
*, Die Bebentung dieſes Hetrueciſchen Wortes TAB ſich micht
errathen. Nach Otfried Müller (die Hetr uscer, Brebs
lau 1828. 8. Band I, S. 280) war ed ein gefpenfii-
ſches Weſen der Volksſage, wie die Mania in 2 ben Rbomi⸗
Shen Ammenmährden.
**, Mol. Livtus J, 20, 31.
er), Stator (Stiffteher) heißt Jupiter, weil er uf das Fle⸗
"Zweites Bud). 184
EDonnerer] und Feretrius *) haben wir auch noch einen
@licius [Hervorgelodten] angenonimen. % Die Meinung
über diefe Dinge it im Leben verfchieden,, und richtet (ich
nad) eines Jeden Ueberzeugung. Keck iſt's zu glauben, man
koͤnne die Natur beherrſchen; eben fo großen Schwachſinn
verräch ed aber, wenn man ihren Wohlthaten alle Kräfte
-abläugnen will, befondere da die Willenfchaft in der Deus
tung der Blitze fo weit gefommen ift, daß man nicht nur
den Tag, an weichem fie eintreffen, mit Beftimmtheit vor»
ausfagt, fondern auch, ob fie ein bereits obwaltendes Schick⸗
ſal endigen, oder ob ſie noch verborgene Schickſale beginnen;
wie denn für beide Fälle unzählige Erfahrungen des Staats⸗
und Privatiebens vorliegen. Mögen alfo diefe Zinge, wie
es ihre Natur mit fi) bringt, Einigen geviß, Undern zweis
felhaft, Einigen preiswürdig, Audern tadelnswerth vor⸗
komwen: wir wollen, Was noch weiter an ihnen merkwürdig
iſt, nicht übergeben.
LV (wur) 4. Gewiß "if, daß man den Blig eher
ſieht, al6 den Donner hört, obſchon fle zu gleicher Zeit fatt,
finden. Daran ift nichts Wunderbares; denn das Licht
pflanzt fich fchneller fort, als der Schall. Zwar hat es die
Natur fo eingerichtet, daß das Treffen bes Blipes und der.
Schall in demfelden Momente zufammenfällen; aber der
Schall entſteht, wenn der Blig abfährt, nicht, wenn er trifft.
hen des Romulus die vor den Sabinern niehenden Römer
zum Stehen brachte, Livius I, 12,
9% Feretrius (Benteträger) heißt er, weil ihm Nomulus die
den Eänikern abgenommene Beute in einem dazu erbanten
Zemvei weihte . Livius I, 10.
4182 C. Plinius Naturgeſchichte.
Auch die Luft iſt ſchneller, als der Blitz; deßhalb wird auch
Alles zuerſt erfchüttert und angeweht, ehe es erſchlagen
wird. Ferner wird Niemand getroffen, der bereits den
Blitz geſehen oder den Donner! gehört Hat. 2. Die Blite
zur Linden werden für glükbringend gehalten, weil Morgen
‚ auf der linken Seite der Welt liegt. Auch hat man nicht
fowohl auf das ‚Herabfallen des Blitzes, als auf fein Wie:
dererfcheinen [feine Wirkung] Acht, ob nämlich ſogleich nach
dem Schlag Fener emporlodert, oder ob nur, nachdem das
Ganze vorüber ift, und das Feuer fi feibft verzehrt bat,
ein Dunft auffteigt. Die Tuscer haben zum Behufe diefer
Beobachtungen den Himmel in fechzehn Theile abgetheitt.
Die erfte Abtheilung veicht vom Mitternacht bis zu Sonnen⸗
aufigang bei der Tag: und Nachtgleiche; die zweite bis zu
Mittag ; die dritte bis zu. Sonnenuntergang bei der Tag⸗
und Nachtgleiche: die vierte begreift das noch Uebrige von
Abend bis zu Mitternacht. Jede diefer Abtheitungen theilten
fie wieder in vier Theile, und nannten die acht gegen Mors
gen liegenden linke, und die andern acht auf ber entgegen⸗
gefepten Geite rechte. 3. Bon allen Bligen find Die, welche
von Abend nach Mitternacht hin [im Nordweften] vorkommen,
die unheilvollſten; es ift alfo fehr viel daran gelegen, woher
fie kommen und wohin fle fahren. Am beften iſt's, wenn
fie in der Himmelsgegend, in welcher fie entfichen, bleiben.
Deßhalb bedeuten die, welche von der erſten Abtheilung des
Himmels [von Nordoften] Tommen, nnd aud) in diefelbe
fahren, das höchfte Glück: ein folches Vorzeichen ward, wie
man erzählt, dem Dictator Sylla. Die Blige in den übrigen
Weltgegenden bringen weder ſehr großes Glück, noch ſehr
3weites Buch. 4185
großes Unheil. Man hält es auch für unrecht, mandıe
Blige zu nennen oder nennen zu hören, man müßte fie deun
einem Gaflfreunde oder‘ einem Verwandten anzeigen. —
Die völlige Grundloſigkeit diefer Beobachtungen erwies fich
aber recht angenfcheintich zu Rom, als unter dem Gonfulat
des Scaurus [115 vor. Ehr.], der bald darauf Princeps
[&rfter des Senats] wurde, feibf in den Tempel der Juno
der Big einſchlug. *)
4 Blige ohne. Donner bemerft man häufiger bei Nadıt,
als bei Tag. Nur ein einziges Ihier, den Menſchen näms
lich, tödtet der Blißz nicht immer, alle anderen aber anf
der Stelle; **, die Natur Hat ihm wahrſcheinlich diefen
Vorzug gegeben, weil ihn fo viele Thiere an Kraft übers
ireffen. Sie alle fallen [wenn fie vom Bike erſchlagen
werden] auf die entgegengefehte Seite; der Menſch aber
ſtirbt nicht, wenn er nicht auf die getroffene Geite geworfen
wird. 5. -Die gerade von oben Betroffenen ſetzen ſich; Die
wacend Erſchlagenen findet man mit zugedrüdten, die im
Schafe Getroffenen mit offenen Augen. Einen auf biefe
Weiſe entfeelten Menſchen darf man nicht verbrennen: die
Religion gebietet ihn zu begraben. Kein Thier wird vom
Blig angezündet, es müßte denn ſchon vorher todt geweſen
2) Mas gewig nicht gefchehen wäre, wenn Supiter, der Ges
mahl der Jund, die Blitze ſchleuderte.
©, Der Bewes, daß die vom Blitz getroffenen Thiere noth⸗
wendig das Leben verlieren muͤſſen, möchte fchwer zu füh⸗
zen ſeyn. Eben fo bebfirfen die von Plinius angeführten Ä
Wirkungen bes Blitzes weiterer Beliätigung.
7 C. Plinius Naturgeſchichte.
ſeyn. Die Wunden der vom Blitz Erſchlagenen ſind kalter,
als der übrige Körper.
LVI (iv). 4. Bon allen Erdgewaͤchſen wird der Lor⸗ |
beerbaum allein nicht vom Blipe getroffen; auch dringt dies
fer nie tiefer. ale fünf Fuß in die Erde. Burditfame Lente
mwähnen ſich deßhalb am ſicherſten in tieferen Höhlen oder
in Selten aus Häuten von Meerfälbern; denn unter den
Geethieren ift diefes das einzige, welches nicht vom Blige
getroffen wird, fo wie unter ben Bögeln der Adler, *) der,
deßwegen audy in der Dichtung als Träger dieſes Befcofles
gift. 2. In Italien baut man zu Kriegszeiten zwifchen
Zerracina und dem Tempel der Beronia **) feine Ihürme
mehr, weil bis jet nicht einer vom Blitze verſchont blieb.
LVU (in). 4. Außerdem wird, was bie untere Him⸗
melsregion betrifft, in hiſtoriſchen Denkmälern erzählt, daß
es unter dem Conſulate des M. Acilius und C. Porcius
[114 vor Chr.] Milch und Blut, unter dem Conſulate des
P. Volumnius und Gervins Sulpicius [a61 vor Ehr.] aber
Fleiſch neregnet habe, nnd daß die Stücke des letzteren, welche
*) Das in dieſem Kapitel Geſagte muß auf den Gay zuräds
geführt werben, daß manche Gegenftände beffere Leiter finb
als andere, und daß bie fchlechten Leiter verſchont bleiben,
wenn beffere in der Nähe find. — Nach ben neueſten Ans
fihten dringt ber Blitz nicht in bie Erde; bie Oberflche
derſelben müßte benn ein gar zu unvollkommener Leiter
ſeyn, wie Sandheiden, wo der Blitz die tiefer liegende
feuchte Erbe auffucht.
de, Der Tempel der Göttin Seronia lag an ber She dei
heutigen Lago bi Ferona. Terracina hat feinen altem
Namen behalten, - ‚
Zweites Bud. "185
die Bogel mcht fortſchleppten, nicht einmal faulten.“) 2. Eiſen
regnete es in Lucanien [Bafllicata]', ein Jahr vorher [
vor Ehr.], che M. Eraffus nnd mit ihm alle Lucanifche
Soldaten, deren fid eine große Anzahl im dem Heere bes
fand, von den Parthern erfchlagen wurden. Das Eiſen,
weldyes es regnete, glich feiner Geſtalt nad) beinahe Schwäm⸗
men, und die Zeichendeuser bezogen es auf Wunden von
oben. ») Wolle regnete ed aber unter dem Eonfulate des
2, Paulus und C. Marcellus [50 vor Ehr.} in der Gegend
des Saruffanifchen Kaftells, ***) bei welchem ein Jahr fpäter
T. Annius Milo getödtet wurde, Während Diefer feinen
Rechtsſtreit führte, regnete es Biegelfteine, wie die: Denk:
würdigkeiten jenes Jahres [52 vor Chr.] berichten. Y)-
LVIII (wva), Waffengeräufc und Trompetengefchmetter
ward, wie man erzählt, während des Eimbrifchen Krieges
[104 vor Ehr.], fo wie auch häufig in früheren und fpäs
teren Zeiten vom Simmel herab gehört. +r) Während des
dritten Couſulats bed: Marius Los vor en] ſahen die
*, Weil dieſer fogenannte, FSleifchregen weheſcheinlich nicht ſo⸗
wohl aus animaliſchen und vegetabiliſchen, als aus me⸗
talliſchen Theilchen beſtand.
25) Durch bie Pfeile der Parther.
or, In der Raͤhe von Compſa Eonza).
HD Die in dieſem Kapitel angeführten wunderbaren Regen
Fommen von. Zeit zu Zeit.nocd immer vor, und laſſen fid)
ans natfrlichen Urſachen erPlären. Den. Gehler's phyſika⸗
Hifches Wörterbuch, Bb. VII Asthl. 2. (Beipg. 1834. 8.)
S. 1220 — 1234,
+) Auch dieſe Erſcheinung kennt mau in unſerer Beit: man
denke an das wilde Heer.
r
'
165 - €. Plinius Naturgefhichte,
Ameriner und Iuderter Waffen am Himmel, welche von
Morgen und Abend gegeneinander fuhren, und von denen
die, welde von Abend kamen, zuridgetrichen wurden.
Auch der Himmel kann in Flammen gerathen, was nichts
Wunderbares iſt, und fchon öfters gefehen wurde, went
die Wolfen ein größeres euer ergriff. ”)-
LIX (wru). 4A, Die Griechen rühmen dem: Anaragsras "
von Elazomenäd nach, daß er im zweiten Jahre der achtund⸗
fiebenzigffen Olympiade [467 vor Ehr.] vermöge feiner gro⸗
sen Erfahrung in der Himmelskunde vorausgefagt habe, an
‘ welchen Tagen ein Belfen aus der Gonne fallen würde, und
daß Diefes auch in jenem Theile von Thracien, welcher an
dem Fluſſe Aix **) liegt, am heilen Tag gefchehen fen. Der
Stein wird noch jetzt gezeigt; er hat die Größe einer War
‚ genlaft und eine Kohlenfarbe; wie denn auch in jenen
Nächten ein Komet ***) drannte. 2. Wer aber die Rich⸗
tigkeit biefer Borausfagung zugibt, muß auch nothwendig
* Diefe Erfcheinung, deren Urfahe Plinius nicht kennt, und
daher falſch erklaͤrt, ift nichts Anderes, als ber Norbſchein.
Die Richtigkeit Deſſen, was bie Ameriner und Tuderter
(Bewohner der-Stäbte Amelia und Todi) ſahen, laſſen wir
dahingeſtellt ſeyn. Es ſollte bie Niederlage der Teutonen
(welche von Nordweſt herkamen) bedeuten.
20) Go Überfegt Plinius das Griechifche Alyos' rorauòoc (Bies
genfluß), VTlußchen und Stadt (Galata) an der Dardanelen⸗
&
1
ftraße.
ee⸗) Ein Komet war es wohl nicht, fonderneine jener Feuerkugeln,
wie man ſie auch in neuerer Zeit ſah, bie ſich gewbhnulich
in einen Steinregen auflöfen. Die Vorausſagung eines
ſolchen Phänomens if unmögli, on
Zweites. Bud. 187
eingefiehen, daß bie. Gchergabe des Anaxagoras ein nad)
weit größeres Wunder war; auch muß unfere ganze Einſicht
in die Natur der Dinge fidy in Nichts auflöſen und fi
Alles verwirren, wenn man annehmen wollte, daß bie
Sonne ein Gtein,, *) oder daß überhaupt ein Stein in ihr
fegn könne. 3. Daß übrigens häufig Steine herabfallen,
kann nicht wohl geläugnet werden. In der Ningfchule zu
Abydus [Mvido] verehrt man deßhalb noch jegt einen ſolchen
Stein, der zwar nicht fehr groß ift, von welchem aber ders
felde Anaragoras vorausgefagt haben foll, daß er auf bie
Mitte der Erde fallen werde. Auch verehrt man einen zu
Sapandria [Porte di Cafſandro], welche Gtadt fpäter Poti⸗
dãa **) genannt wurde, und wohin man aus dieſer Urſache
eine Eplonie geführt hatte. Ich felbft fah einen im Gebiete
ber Bocontier [Baifon], welcher kurz vorher herabgefallen
war.
LX (zum). 4. Die Erfcheinungeh, welche wir Regen⸗
bogen nennen , find zu hänfig, als daß man fe für Wunder
ober DBorbedentungen anfehen koͤnnte; denn nicht einmal
reguerifche oder heitere Tage zeigen Ne mit Zuverläßigkeit
an. Es iſt offenbar [daB ein Regenbogen dadurch fich bilder],
daß ein Sonnenſtrahl, der in eine hohle Wolke fällt, mit
ber Spige nad) der Sonne zurückgeworfen und gebroden
”, Und do& Hält man jetzt die Anſicht, daß die Sonne eine
— Metall⸗ oder Steinmaſſe ſey, für die wahrſchein⸗
ul)
* Beil naͤmlich der Meteorfiein eine Braubfarbe hatte. Denn
Poridäa If vielleicht von ber Dorſchen Sorm —
(ih brenne au) abzuleiten.
188 - €. Plinius Naturgefchichte.
‚wird; die Verſchiedeuheit der Farben aber entfteht durch
die Mifhung der Wolken, der Luft und der. Sonnenſtrah⸗
ten. ) Gewiß if, daß Regenbogen nur der Gonne ges
genüber vorkommen, und nie anders, als in Geſtalt eines
Halbzirkels, auch nicht bei Nacht, obfchon Ariftoteled"**)
erzählt, daß man deren mandymal -gefehen habe; er
geſteht jedoch zugleich, daß Diefes nur, wenn der Mond’
dreißig Tage alt iſt, gefheben könne. 2. Sie bilden ſich
. aber am häufigften im Winter, wenn von der Herbſt⸗Tag⸗
und Nachıtgleihe an die Tage abnehmen, Wenn aber diefe
von der Frühlings-Tag s und Nachtgleiche an wieder zuneh⸗
‘men, fo kommen fie eben fo wenig vor, als an den längften
Tagen um die Zeit der Sommerfonnenmwende,, bei der Wine
"terfonnenwende aber, das heißt, an den Lürzeften Tagen,
ſehr haufig. N) Gie find hoch, wenn die Sonne niedrig,
* Die Erklärung bes Regenbogens durch die Brechung ber
Sonnenſtrahlen iſt richtig, die concave Wolke: abgerechnet,
weiche die Alten vorausſetzten, um ſich die Bogenform er⸗
Elären zu Binnen, die aber eine andere Urſache hat, wie
man aus ben Lehrbüchern der Phyſik erfehen kann. Auch
bie Sarbenverfchiedenheit bat ihren Grund nicht in der vom
Plinius angegebenen Mifhung, fondern in der ungleichen
Brehung ber Sonnenfirahlen, wie Newton zuerſt bes
merkt hat,
°®) Meteor, III, 4. Ariſtoteles hat Neht. Denn auch in
. neuerer Zeit hat man nicht felten folche Monbregenbogen
beobachtet, Arifioteles fagt aber, beim Vollmonde (dv «ij
navarlgrp); und vieleicht ftand auch im Texte des Pli=-
nius die Zahl XIV, weiche von Abfchreibern im XXX
verwandelt murbe,
'.., Das Gefagte iſt unrichtig. Man flieht Regenbogen u
. - ‚
—— —
Zuweites Buch. | 4189
und niedrig ‚ wenn diefe hoch ſteht. Bei | Eonuenauf und.
Untergang And fie kieiner, aber mehr in die Breite gejogen;
um Die Mittagszeit fchlanker, aber von größerem Umfang.
Im Sommer flieht man fie nie um die Mittagsreit, nad)
der Herbft:Tag: und Nachtgleiche aber zu jeder Stunde des
Tages, aber nie mehr als zwei zugleich.
LXI. 4. Ueber andere Naturericheinungen ift man,
wie id) ſehe, faft allgemein einverflauden.
(Ax.) Der Hagel entfteht demnach aus gefrorenem Platz⸗
regen, der Schnee aus derfelben, aber minder verdichteten -
Beuchtigkeit, der Reif aber aus gefrorenem Zhau. Im
- Winter fällt nur Schnee und Bein Hagel, ber Hagel felbft-
Yäufiger bei Tag als bei Nacht; andy ſchmilzt er viel fchneller,
ald der Schnee. Nebel entfliehen weder im Sommer, nody
bei allzuheftiger Kälte. 2. Thau fällt weder. bei fehr kal⸗
tem, noch bei fehr heißem, noch bei windigem Better,
fondern nur in heiteren Nächten. Durch’6 Gefrieren ver:
mindert ſich das Waſſer, und wenn baf Eid aufgethaut ift,
findet man nicht mehr daſſelbe Maaß.
(Axi.) 3. In den Wolken ſieht man verſchiedene Farben
und Gerlalten, je nachdem das ihnen beigemiſchte Feuer die
Oberhand behält, oder von ihnen überwältigt wird.
LXH (irn). Außerdem haben gewiffe Gegenden ge:
wife Eigenthümlichkeiten. So fällt in Afrika in den Som⸗
mernäcten Thau; in Italjen vergeht zu Locri [Bruzzano)
und an dem Beliniſchen See [die di Zugo] kein Tag, an
jeder Jahreszeit, aber nie, „wen die Sonne höher als
42° fieht, 0
190 E. Plinius Naturgeſchichte.
welchem nicht Regenbogen erfcheinen; zu Rhodus und Sy⸗
rakus [Siragoffa] wird nie der Nebel fo dicht, daß man
nicht wenigftens zu einer Tagesſtunde die Sonne fehen könnte.
Doch von diefen Dingen wollen wir- an ben geeigneten
Stellen berichten, und jest die Bemerkungen über bie Luft
ſchließen.
LXIII (ie). 4. Es folgt nun die Erde, der wir allein
von allen Theilen der Natur, ihrer ausgezeichneten Wer:
dienfte wegen, den ebrenden Beinamen „Mutter“ gegeben
haben. Gie ift und Das, was der Gottheit der Himmel if.
Sie nimmt uns auf bei der Geburt; fie nährt und nad) der
Geburt, mund find wir einmal da, fo erhält fie ung fort
während; am Ende, wenn uns die übrige Natur verftößt,
nimmt fle uns auf in ihren Schooß und bedeckt und ,- recht
wie eine Mutter; durch Fein anderes Werbienft ift fie deß⸗
bald. mehr heilig, als eben durch Das, daß fie und felbft
heilig madıt. *) Auch trägt fie unfere Denkmäler und unfere
Ehrentitel, pflanzt unfern Namen fort, und verlängert un⸗
fer Andenken über diefe kurze Lebengfrift hinaus. Sieift die
letzte Gottheit, deren Strenge wir in unferem Sorne noch
gegen die Abgefchiedenen anrufen, ee) als wenn wie nicht
wüßten, daß fie die einzige fey, die nie einem Menſchen
zürnt. 2. Das Waſſer feige auf zu’ Negen, erftarrt zu
Hagel, ſchwillt an zu Fluthen und ſtürzt ſich daher in
zeiffenden Strömen; die Luft verdichtet ſich zu Wolken und
Die Todten waren den Alten heilig und unverletzlich.
) Anſpielung auf die Verwuͤnſchung: dir ſey de Erbe
f dwer:
ed
Zweites‘ Buch. ZZ 494;
mäthet im Sturme. Aber wie gütig, wie mild, wie nad):
ſichtia if He! Wie dient fie fortwährend jedem Bedürfniffe
der Sterblichen! Was erzeugt fie durd Zwang, und Was
fpendet fie nicht fchon freiwillig? Welche Gerüche, welche
Leckereien, welche Gäfte, weiche Formen, welche Barben!
Wie ehrlich gibt fie uns das anvertraute Gut mit Zinfen.
zurück! Was ernährt fie nicht Anſertwegen! Was die ſchäd⸗
lien Thiere betr:fft, fo ift die belebende Luft an ihrer
Erzeugung Schuld: *) die Erde muß gezwungen den Saas
men derfelden aufnehmen,. und fle, wenn fle einmal geboren
find, erhalten; aber der Echaden fällt nur der Schlechtigkeit
der erzeugenden.. Kräfte zu Laſt. 3. Die Erde nimmt die
Schlange, welche einen Menichen beichädigt hat, nicht: mehr
auf, ») und firaft fo auh im Namen Derer, weldhe es
felbft verfäunien ; fie fpendet Heilkräuter, und leidet ſtets für
den Menfchen Beburtsichmerzen. Ja man darf licher glaus
beu, daß fie-auch die Gifte nur aus Mitleid für uns her⸗
vorbringe, damit uns nicht, wenn wir des Lebeus über
Müffig And, der Hunger, eine der Büte der Erde durch
aus nicht entfprecdyende Todesart, durch langſame Zehrung
aufreibe, oder ein Sturz von einem Felſen unſern zerſchmet⸗
terten Körper zerſtreue; damit wir uns nicht durch den
Strick eine unfinuige Dual bereiten, indem wir dadurch die
Seele, für welche wir doch einen Ausweg ſuchen wollen,
2) Weil nach ber Anſicht der Alten der Saamen der ſchaͤdli⸗
hen Thiere von oben herabfällt. Daß Plinius ber Luft
Unrecht thue, braucht kaum erinnert zu werben,
*0) 6, KXIxX, 23,
J 192 €. Plinius Naturgeſchichte.
einſchließen; damit wir nicht, indem wir in der Meerestiefe
den Tod fuchen, unfer Grab im Leibe der Fiſche finden, und
damit endlich nidyt dad marternde Eifen unfern Leib durch⸗
wühle. 4A. Ja aus Mitleid erzeugte fle das Gift, durch
deffen mühelofen Genuß wir ohne Verlegung des Körpers,
ohne allen Blutverluſt und ohne Qual, Dürſtenden gleich
ſterben; damit uns, wenn wir auf dieſe Weiſe geſchieden
find, Fein Vogel und kein Wild berühre, und ‚damit. Jeder,
der für ſich ſelbſt verloren iſt, doch der Erde erhalten werde.
Geſtehen wir yur die Wahrheit: die Erde bat uns ein
Mittel gegen alle Uebel erzeugt, wir. aber haben. ed zum
Gifte gemacht, um das Leben [Anderer] zu zerflören. Ge⸗
brauchen wir nicht das Eifen, deffen wir nicht eutbehren
können, auf dieſelbe Weife? — Wenn fie aber auch das
Gift hervorgebracht hätte, um ung zu fhaden, fo könnten
wir uns doc) nicht mit Recht beklagen,“ wenn wir nicht ges
tade gegen diefen einen Naturtheil” undankbar feyn wollen.
5. Su welchen Bergnügungen, zu welchen Schandthaten
dient fie nicht dem Menſchen? Sie wird in das Meer gewor⸗
fen, oder, um uns Kanäle zu ſchaffen, vom Waſſer duxch⸗
freffen. @ifen, Holz, Feuer, Gteine, Früchte bereiten ihr
ſtündlich neue Dual, und zwar weit bäufiger, um unfere
Gelüſte, als unſere Nahrungsbedürfniffe zu -befriedigen.
Mag auch, Was fie am ihrer Oberfläche, an ihrer äußerften
- Rinde leidet, noch erträglich fcheinen; aber wir bringen auch
in thre Eingeweide und graben nach Bold» und Silberadern,
nach Erz und Blei, wir wühlen Schädte in die Tiefe und
ſuchen Ebdelfteine und andere Beine Steinden. Wir ziehen
ihr die @ingemweide heraus, um einen Edelſtein, den wie
J
— — —
Zweites Bud. | 193
wünfchen, am Finger zu fragen. Wie viele Hande müſſen
fid) zerarbeiten, damit nur ein Glied glänze! Gäbe es eine
Unterwelt, die Minen der Habſucht ‘und der Prunkliebe
wären wahrlich fchon auf fie gefloßen. 6. Und wir wollen
und ndch wundern, wenn die Erde etwas zu unferem Nach⸗
theil hervorgebradyt hat, weil aud) die ſchädlichen Thiere
fie fo gut bewachen, und die entheiligenden, Menſchenhände
von ihr abhalten ? Graben wir nicht mitten unter Schlangen,
und beuten wir nicht die Goldadern aus, fammt den Gift
murzeln? Doch die Göttin zürnt darüber ‚weniger, weil
alle diefe Reichthümer Lafer, Mord und Krieg zur Folge
baden, und weil wir fle mit unferem Blute befeuchten,, und
mit unferen unbegrabenen Geheinen bededen. Und do
breitet fie, nachdem fle ung über unfern Wahnflun befhämt.
hat, ſich am Ende auch über diefe hin, und verbirgt fo die
Frevelthaten der Sterblihen. — Zu den Verbrechen eines
undankbaren Gemüthes möchte idy auch die Unwiflenheit
zählen, in der wir und in Bezug auf ihre Natur befinden.
LXIV (ıxıv). 4. Zuerft koͤmmt ihre Beftalt in Betracht,
über melde nur eine einflimmige Meinung herrſcht. Wir
nennen ſie ohne Bedenken Erdkreis, und glauben, daß dieſe
Kugel von den beiden Polen eingeſchloſſen werde. Sie kann
aber eigentlich der vielen Berghöhen und der weiten Feld⸗
flächen wegen nidyt vollkommen rund ſeyn; fondern ihre Um⸗
fang bildet nur daun, wenn man die Endpunkte der [von
ihrem Eentrum aus gezogenen] Radien durch eine Kreistinie
verbindet, eine vollkommene Kugelgeſtalt. Su dieſer Ans
nahme zwingt uns ſchon das allgemeine Naturgeſetz, ob⸗
ſchon nicht die nämlichen Urſachen, die. wir bei der 2
e. Pinins Raturseſch. 26 Buch, 6
\
294 € Plinius Raturgeſchichte. |
von Himmel 9% angeführt haben, obwalten. 2. Dem bei -
jenem neigt fid) die hohfe Kugel gegen ſich ſelbſt, und ruht
allenthalben auf ihrer Angel, auf der Erde nämlich, Diefe
aber , als ein fefter und dichter Körper,. erhebt fih, einer
anſchwellenden Maffe ähnlich, von innen heraus, und dehnt
fih nach außen. Tie Well neigt fi gegen den Mittelpunkt; "
die Erde aber firebt vom Mittelpunkt ab, **) und ihr nn:
geheurer Ball wird durch den fortwährenden numſchwung der
Welt um ſſe in der Kngelgeftalt erhalten.
LXV (wuv), A. ®ir kommen nun an einem großen
Streit zwifhen den Gelehrten und dem gemeinen Volke.
Jene behaupten nämlich, die Erde fey rundum ‚von Mens
ſchen bewohnt, und diefe Fehren ſich einander Die Füße zu.
Alle hätten ein ähnliches Himmelsgewölbe über fih, und an
einem Punkte, wie an dem andern, ſtehe man immer auf
ihrer Mitte. Diefes fragt dagegen, warum die und gegen⸗
über Liegenden [Antipoden] nicht herabfallen, als wenn Dieſe
ſich nicht aus derfelben Urfache wundern könnten, daß wir
nicht heradfallen. Eine andere Meinung hat fi) zwiſchen
Beide geſtellt, Die aber nur dem ungebildeten Saufen an«
nehmbar erſcheinen kann, daß nämlich die Erde allerdings
rundum bewohnt feyn könne, wenn fie eine ungleiche Kugel
bilde, und ungefähr bie Geftalt .eines Bichtenapfels habe.
2. Über warum länger darüber fprechen ? Erſcheiut es
Kap. 2
“, Auch die ‚Erbe firebt nad) dem Mittelpunet, und erhält da⸗
durch, nicht aber durch den Umſchwung bey Welt um fie,
"die Kugelförm,
\ f
._
Zweites Buch. . 195
Andern —* ein weit größeres Wunder, daß die Erde
ſelbſt frei
eingeſchloſſen iſt, nicht außer allen Zweifel geſtellt wäre,
--Hder als wenn ein Herabfallen der Erde möglich wäre, ba
die Natur widerfirebt, und ihr den P lab verfagt hat, wohin
fle falten könnte! Denn fo wie der Sitz des Feuers nur in
dem euer, des Waflers unr in dem Waller und der Luft
uur in der Luft ift, fo hat aud die Erde, da fie allenthalben
zurücgewieien wird, nur ihre Stelle in fich fell. Wun⸗
derbar iſt es jedoch, daß ſie bei fo großen Meeres: und
Feldflächen eine Kugel bildet. Diefe Anſicht vertheidigt auch
Ditdarthus, ein überaus gelehrtee Mann, der auf Befehl
der Könige *) Lie Berge gemeſſen hat, und die ſenkrechte
Höhe Bes Pelion [Peträs], welchen er für ben höchiten hält, **)
auf 1,250 Schritte [5,859 Fuß ***) ] angibt, dabei aber die
Bemerkung macht, daß diefe Höhe im Verhältniß zu dem
ganzen Erdumfang in. Nichts verfchwinde. Mir ſcheint diefe
Bermuthung unzuverläffig, da mir nicht unbekannt iſt, daß
einige Alpengipfel ſich in allmäliger Aufdeigung zu einer
/
+) De Nachfolger Alexanders des Großen,
**), Unter ben Bergen Griechenlands. Denn wohl nur tiefe .
hatte Ditdarchus gemeſſen.
=, Bei der Nebuction bed Romiſchen Fußes und Schrittes
auf jeziges Maaß find in der Ueberſetzung immer rheiniſche
Fuße gemeint. Wir rechnen ben Nömifhen Fuß zu 11%
Zoll rheiniſch. Nimmt man 103% rhein. Fuß auf 100
Pariſer Fub, ſo iſt die Ausgleichuns für jeglich3 Maaß
leicht.
. 6—
J
NY —
webt, und nicht ſammt uns herabfält? Als
wenn bie Kraft der Luft, beionderd da dieſe von ber Welt‘
\
1)
196 | C. Plinius Naturgeſchichte.
Höhe von. nicht weniger als fünfzigtauſend *) Schritten
[234,375 8.) erheben. — 3. Am meiſten wißßieftrebt aber
Das ungebildete Volk, wenn es glauben foll, daß auch das
Waſſer eine runde Geſtalt habe. Und doch ift in der ganzen
Natur nidyts leichter durd) den bloßen Aublick zu begreifen.
Denn die irgendwo herabhängenden Tropfen bilden fi zu
Heinen Kugeln, und erfcheinen, wenn fie auf Staub fallen,
ader wenn man’ fie auf wollige Blätter legt, volllommen
ennd. "*) Auch in vollen Bechern fleigt das Waſſer in. der
Mitte am höchſten; ***) was ſich aber wegen feiner Dünn⸗
heit und feiner fich ſelbſt sufannmendrängenden zarten
Theilchen leichter durch Vernunftſchlüſſe, als durch den
Augenfchein erkennen läßt. A. Nocd wunderbarer ift, daß
bei vollen Bechern, wenn man nur die geringſte Maſſe
von Flüſſigkeit hinzugießt, Das, was zu viel ift, fogleich
überläuft; daß aber das Gegentheil flattfindet, wenn man
schwere Begenflände, die ſich oft bis auf ein Gewicht von
zwanzig. Denären H belaufen köunen, bineingleiten läßt,
weil nämlich das Hineingefallene die Flüffigkeit in der
Witte zu einer größeren Wölbung emporhebt, das auf die
. Diefe “Baht if jebenfalls durch Abſchreiber entſiellt. Der
höchſte europeiſche Alpengipfet (Montblanc). mißt nur
15,180 Fuß.
* Die runde Geftalt der Zropfen kommt baher, weil bie
Ixzpoten Theilchen nach wechſelſeitigem Zuſammenhange
reben
eer) Das Waſſer ſteht am Rande voller Gefäße wegen der Anz
ziehungskraft der: Seitenwände niedriger, als in der Mitte,
2) Ungefähr %s Pfund,
\ Zweites Bud, | 497
emporftehende Wölbung Gegoflene aber abfließt. Aus Feiner
anderen \sface *) kommt es, daß man das Land, welches
fdion vom Schiffsmaſte and fihtber ift, auf.dem Schiffe
fesbft noch nicht fieht, und daß ein glänzender Gegenſtand,
welhen man an die Spige bes Maftes bindet, mit der Ent⸗
fernung des Schiffes allmälig niedriger zu werben fdeint,
und am Ende ganz verfhwindet. 5. Wie Fönnte Denn auch
der Ocean, den wir den äußerſten nennen, bei einer au’
dern Geſtalt zufammenhängen nnd nicht herabfließen, ba ihn
weiterhin Eein Ufer mehr umſchließt? Ja es bleibt immer
nody ein Wunder, warum auch troß der Kugelgeflalt das
änßerfte Meer nicht berabfällt. Daß Dieb Übrigens, auch
wenn das Meer fo lady wäre, wie es uns erfcheint, nicht
geſchehen koͤnne, ſuchen Griechiſche Forſcher mit großer
Selbſtgefaͤlligkeit und mit großem Anrühmen durch eine
geometriſche Spitzfiudigkeit zu erweiſen. 6. Da nämlich ‘das
Waſſer von der Höhe nach der Tiefe ſtröme; da dieſe ſeine
Eigenſchaft allgemein anerkannt ſey, und Niemand in Ab⸗
rebe ſtelle, daß es noch an keinem Ufer höher geſtiegen fey,
als es deſſen Abſchüſſigkeit erlaubte, fo müffe man ohne alle
Widerrede annehmen, daß, je niedriger etwas fey, es fid)
auch um fo mehr dem Erdmittelpuntt nähere, nnd .daß alle
Linien, welde man von diefem zu der nächſten Waflerober-
fläche ziehe, kürzer ſeyen, als diejenigen, weldhe man vox
% Wegen der Wolbung ded Meered , welche ‘aber burdy aus
dere Urfachen, nämlicd, durch das Hinſtreben aller einzelnen
Theile nach dem Erbmittelpuntt und durch den gleichmä:
figen Drud ber Luft Kebingt wird,
108 Ä E. Plinius Naturgeſchichte.
dem. das Ufer befpülenden Waſſer bis zu dem Außeriten
Meere ziehe; daß mithin alles Waller nad), Fem Mittels
- punkte firebe, und deßwegen nicht herabfließe,. weil ed nad)
unten drüde, ,
LXVI. 41. Man muß annehmen, Daß die Bildnerin
Natur Diefes. fo eingerichtet habe, damit die dürre und
trodene Erde, melde für fin und ohne Feuchtigkeit nicht
beftehen Tann, und das Waller, welches auch Beinen
Haltpunkt hat, wenn es die Erde nicht trägt, ſich durch
wechſelſeitige Verſchlingung vereinigen. Dieſe öffnet ihre:
Bufen ; jenes durchdringt es ganz, inwendig, auswendig
und oben, durd) allenthalben, wie Bande, durdyzieheude _
Adern. Sogar anf den höchſten Berggipfeln bricht es here
vor, und, ſpringt daſelbſt, durch Die Luft getrieben und durch
die Schwere der Erde gedrückt, wie aus Nöhren hervor. )
Es iſt alfo, von der Gefahr, herabzugleiten , fo weit ents
fernt, daß es fogar auf den ſteilſten Höhen zum Borfchein
kommt. 2. Auf diefe Weife wird es andy begreiflich, warum
das Meer durd ben täglihen Zufluß ſo vieler Ströme
nicht wächst.
(»v3.) Die Erde iſt alſo in ihrer ganzen Rundung
gerade in der Mitte von dem umflrömenden Meer umgürtet.
Und zwar braucht man Diefes nicht Durch Vernunitfchläffe
zu ergründen, fondern bie Erfahrung bat es längit date.
gethan.
—
⸗
—
2) Man leitet jetzt das Anehwafer auf den Bergen von be
Wolken her.
—
. Zweites Buch "49
LAXVH (usrm). 4. Bon Gates [Cadix] und den Säu⸗
len des Derdules [der Meerenge von G.braltar] an wird
jegt das ganze weftlihe Meer, längs den Küften von His:
panien und Gallien, befahren. Der nördiide Ocran
wurde größtentheils befchifft, als. unter der Regierung des
göttlichen Auguſtus eine Flotte um Bermanien bis zu dem
Eimbrifchen Borgebirge [SPfagencap in Yütland] herumfuhr,
und weiterhin ein unermeßliches Meer fah, oder doch durch
das Gerücht von einem ſolchen hörte, das bis zu dem Scyh⸗
thifchen Lande und die durch übermäßige Zeuchtigkeit Eulten.
Gegenden reihe. Es iſt alfo deßwegen keineswegs wahrs
ſcheinlich, daß dort das Meer aufhöre, wo das Element bes
Waſſers porherrfcht. 2. Eben fo. ift im Oſten, von dem Indi⸗
fihen Meer aus, immer nach derfefben Richtung hin der ganze
Theil des Oceans, welder zum. Caspiſchen Meere reicht, **) .
von Macedoniſchen Kriegern durchſchifft worden, und zwar
unter des Regierang des Seleucus und des Antiochus, ***)
welche auch Diefes Inenentdedte] Meer nah fih das Ge
leucifheund Antiodifche genannt wiflen wollten. Auch
um das Easpifche Meer wurden viele Beflade des Oceans
unterfucht, und das ganze Nordmeer ift alſo bis auf eine
Heine Strecke ganz von diefer oder von jener Geite durch⸗
rudert. Auf dieſe Weile kann alfo ‘Die große Streitfrage
°», Die von Drufus unternommene ‚Expedition in ber Nords
ee ift gemeint. Tacitue, Annal. 11, 8.
©) Die Alten hielten das Gaspifhe Meer für einen Buſen bes
. , nÖrblinen Dceans. Bol. B. VI. 8. 15. 17.
1), Im letzten Viertel des dritten, und km erſten Viertel des
zweiten Jehrhunderis vor Ehr.
-
10 C. Plinius Naturgeſchichte.
weichem nicht Regenbogen erfcjeinen; zu Rhodus und &ps
rakus [Siragoffa] wird nie der Nebel fo dicht, daß man
nicht wenigſtens zu einer Tagesſtunde bie Sonne fehen könnte.
Doc, von diefen Dingen wollen wir au ben geeigneten
Stellen berichten, und jest die Bemerkungen über bie Luft
fchließen.
LXIII (zum). 4. Es folgt nun die Erde, der wir allein
von allen Theilen der Natur, ihrer ausgezeichneten Ver⸗
dienfte wegen, den ehrenden Beinamen „Mutter“ gegeben
haben. Sie ift und Das, was der Gottheit der Himmel ift.
Sie nimmt und auf bei der Geburt; fie nährt und nad) der
Geburt, und ud wir einmal de, fo erhält fie uns fort,
während; am Ende, wenn uns die Übrige Natur verſtößt,
nimmt fie und auf in ihren Schooß und bedeckt nns, recht
wie eine Mutter; durch Fein anderes Verbienft ift fie deß⸗
bald. mehr heilig, als eben durch Das, daß fle und felbft
heilig macht. *) Auch trägt fie unfere Denkmäler und unfere
Ehrentitel, pflanzt unfern Namen fort, und verlängert un⸗
fer Andenken über dieſe kurze Lebengfrift hinaus. Sie iſt die
legte Gottheit, deren Strenge wir in unferem Sorne nod)
gegen die Abgefchiedenen anrufen, ee) als wenn wie nidit
wüßten, daß fie die einzige fey, die nie einem Menfchen
zürnt. 2. Das Waſſer fteigt auf zu’ Regen, erftarrt zu
Hagel, ſchwillt an zu Fluthen und flürzt fi daher in
reiffenden Strömen; die Luft verdichtet fid, zu Wolken und
?) Bie Todten waren ben Alten heilig und unverleglich,
99) Anfpielung auf bie Verwänfhung: dir fey die Erbe
ſchwer!
+
Zweites: Bud. - 494,
mwöüthet im Sturme. Uber wie gütig, wie mild, wie nadı:
ſichtia if file! Wie dient fie fortwährend jedem Bedürfniffe
der Sterblihen! Was erzeugt fle dur Zwang, und Was
fpendet fie nicht ſchon freiwillig? Welche Gerüche, welde
Leckereien, welche Gäfte, weiche Bormen, welche Barben!
Wie ehrlich gibt fie uns das anvertrante Gut mit Zinſen
zurück! Was ernährt file nicht Anſertwegen! Was die ſchäd⸗
lien Thiere betrfft,- fo it die belebende Luft an ihrer
Erzeugung Schuld: *) die Erde muß gezwungen den Saa⸗
men derfelben aufnehmen, und fle, wenn fie einmal geboren
find, erhalten; aber der Echaden fällt nur der Schlechtigkeit
der erzeugenden. Kräfte zu Laſt. 3. Die Erde nimmt bie
Schlange, welche einen Menſchen befchädigt hat, nicht: mehr
auf, *) und firaft fo auch im Namen Derer, welhe es
ſelbſt verfäumen ; fie fpendet Heilfränter, und leidet ftetd für
den Menfchen Beburtsichhmerzen, Ja man darf fiher glau⸗
beu, daß fie-auch die Sıfte nur aus Mitleid für uns hers
verbringe, damit ung nicht, wenn wir des Lebens übers
Müffig And, der Hunger, eine der Büte der Erde durch«
aus nicht entſprechende Todesart , durdy langſame Zehrung
aufreibe, oder ein Sturz von einem Felſen unſern zerſchmet⸗
. texten Körper zerſtreue; damit wir und nicht durch den
Strick eine unfinuige Dual bereiten, indem wir dadurch die
Seele, für weiche wir doch einen Ausweg ſuchen wollen,
e) Weil nach ber Anficht der Alten ber Saamen ber ſchaͤdli⸗
hen Thiere von oben herabfält. Daß Plinius ber Luft
Unrecht thue, braudt kaum erinnert zu werden.
”*) ©, XXIx, 23,
J 492 €. Plinius Naturgeſchichte.
einfchließen; damit wie nicht, indem wir in ber Meerestiefe
den Tod fuchen, unfer Grab im Leibe der Fifche finden, und
damit endlich nicht das marternde Eifen unfern Leib durch⸗
wühle. 4. Ja aus Mitleid erzengte fie das Gift, durch
deffen mühelofen Genuß wir ohne Verlegung des Körpers,
ohne allen Blutverluft und ohne Dual, Dürftenden gleich
fterben; damit ung, wenn wir auf diefe Weiſe gefchieben
find, Fein Vogel und fein Wird berühre, und ‚damit Geber,
der für ſich felbft verloren iſt, doch ber Erbe erhalten werde.
j Geſtehen wir vur die Wahrheit: die Erde hat uns ein
Mittel gegen alle Uebel erzeugt, wir aber haben es zum
Gifte gemacht, um das Leben [Anderer] zu zerflören. Ge⸗
brauchen wir nicht das Eifen, deffen wir nicht eutbehren
Lönnen, auf diefelbe Weife? — Wenn fie aber auch das
Gift bervorgebracht hätte, um ung zu ſchaden, fo könnten
wir uns doch nicht mit Recht beklagen, wenn wir nicht ge⸗
rade gegen dieſen einen Naturtheil” undankbar ſeyn wollen.
5. Zu welchen Vergnügungen, zu welchen Schandthaten
dient fie nicht dem Menſchen? Sie wird in das Meer gewor⸗
fen, oder, um uns Kanäle zu ſchaffen, vom Waſſer durdy:
freffen. @ifen, Holz, Feuer, Steine, Früchte bereiten ihr
fündlich neue Dual, und zwar weit häufiger, um unfere
Gelüfte, als unſere Nahrungsbebürfniffe zu -befriebigen.
Mag aud, Was fie an ihrer Oberfläche, an ihrer äußerften
. Rinde leidet, noch erträglich ſcheinen; aber wir dringen auch
in thre Eingeweide und graben nad) Gold - und Silberadern,
nad) Erz und Blei, wir wühlen Schädte in die Tiefe und
ſuchen Edelfteine und andere Beine Steinchen. Wir ziehen
ihr die Eingeweide heraus, um einen Edelſtein, den wir
I}
Zweites Bud. 493
wünſchen, am Finger zu tragen. Wie viele Hände müſſen
ſich zerarbeiten, damit nur ein Glied glänze! Gäbe es eine
Unterwelt, die Minen der Habſucht und der Prunkliebe
wären wahrlih fchon auf fie geftoßen. 6. Und wir wollen
uns nbch wundern, wenn die Erde etwas zu unferem Nach⸗
theil hervorgebradyg hat, weil auch die. fchädlichen Thiere
fie fo gut bewachen, und die entheiligenden Menfchenhände
om ihr abhalten ? Graben wir nicht mitten unter Schlangen,
und beuten wir nicht die Soldadern aus, fammt den Gift:
wurzeln? Doch die Göttin zürnt darüber weniger, weil
alle diefe Reichthümer Lafter, ‚Mord und Krieg zur Folge
baten, und weil wir fle mit unferem Blute befeuchten , und
mit unferen unbegrabenen Gebeinen bededen. Und doch
breitet fie, nachdem fie uns über unfern Wahnflun befhämt.
hat, fid) am Ende auch über diefe hin, und verbirgt fo die
Zrevelthaten der Sterblihen. — Zu den Verbrechen - eines
undantbaren Gemüthes möchte ich auch die Unwiſſenheit
zählen ‚in der wir und in Bezug auf ihre Natur befinden.
LXIV (axıy). 4. Zuerſt koͤmmt ihre Geſtalt in Betracht,
über welche nur eine einfimmige Meinung herrſcht. Mir
nennen fle ohne Bedenken Erdkreis, und glauben, daß diefe
Kugel von den beiden Polen eingefchloffen werde. Sie kann
aber eigentlich der vielen .Berghöhen und der weiten Feld⸗
flächen wegen nicht vollfommen rund ſeyn; fondern ihr Um⸗
fang bildet nur daun, wenn man die Endpunfte der [von
ihrem Centrum aus gezogenen] Rabien durch eine Kreislinie
verbindet, eine vollkommene Kugelgeftalt. Zu diefer Ans
nahme zwingt uns fchon das allgemeine Naturgefep, obs
ſchon nicht Die nämlichen Urſachen, die wir bei der Lehre
€, Punins Raturseſch. 26 Bochn. 6
\
194 € Plinius Raturgelchichte.
vom Himmel 9 angeführt haben, obmwalten. 2. Dem bei _
jenem neigt ſich die hohle Kugel gegen ſich ſelbſt, und ruht
allenthatben auf ihrer Angel, auf der Erde nämlich, Diefe
aber, als ein feſter und dichter Körper,. erhebt ſich, einer
anfhmellenden Maffe ähnlih, von innen heraus, und dehnt
fih nach außen. Tie Well neigt fich gegen den Mittelpunkt;
die Erde aber ftrebt vom Mittelpuntt ab, ») und ihr un:
gebeurer Ball wird durch den fortwährenden Umſchwung der
Welt um ſſe in der Kugelgeftalt erhalten.-
LXV (um). 4. Wir kommen nun -an eitem großen
Streit zwiſchen den Gelehrten und dem gemeinen Wolke.
Jene behaupten nämlich, die Erde fey rundum ‚von Mens
ſchen bewohnt, und diefe kehren fidy einander die Füße zu.
Alle hätten ein ähnliches Himmeldgewölbe über fi, und an
einem Punkte, wie an dem andern, flebe man immer auf
ihrer Mitte. Diefes fragt Dagegen, warum die ung gegen:
über Liegenten [Antipoden] nicht herabfalten, als wenn Diefe
ſich nicht aus derfeiben Urfache wundern könnten, baß wir
nicht herabfallen. ine andere Meinung Hat fih zwiſchen
Beide geſtellt, die aber nur dem ungebildeten Haufen an:
nehmbar erfcheinen Bann, daß nämlich die Erde allerdings
rundum bewohnt fenn könne, wenn fie eine ungleiche Kugel
bitde, und ungefähr die Geftalt .eines Fichtenapfels habe.
3. Über warum länger darüber fprechen ? Erſcheint es
*», Ray. 2.
©) Much die Erde firebt nach dem Mittelpunet, und erhält da⸗
durch, nicht aber durch den Umſchwung bey Welt um fie,
bie Kugelform.
N
!
—
Zweites Buch. 195
Andern u ein weit größeres Wunder, daß bie Erbe
ſelbſt frei Mwebt, und nicht fammt uns herabfält? Als
wenn die Kraft der Luft, beſonders da dieſe von der Welt
eingefchloffen iſt, nicht außer allen Zweifel geftellt wäre,
sder ald wenn ein Herabfallen der Erde möglich wäre, ba
die Natur widerfirebt, und ihr den Platz verfagt hat, wohin
fie fallen Bönnte! Denn fo wie der Gig des Feuers nur in
dem Zeuer, des Waſſers unr in dem Waller und der Luft
nur in der Luft iſt, fo Hat auch die Erde, Ta fie allenthalben
ztrrückgenieſen wird, nur ihre Stelle in fich fell. Wun-
derbar iſt es jedoch, daß .fle bei fo großen Meered: und
Zeldflähen eine Kugel bildet. Diefe Anſicht vertheidigt auch
Dikaarchus, ein überaus gelehrter Mann, der auf Befehl
der Könige *) die Berge gemeſſen hat, und die ſenkrechte
Höhe des Delion [Pekräs], welchen er für den höchſten hält, **)
‚auf 1,250 Schritte [5,859 Buß ***) ] angibt, dabei aber die
Bemerkung macht, daB diefe Höhe im Verhältniß zu dem
ganzen Erdumfang in. Nichts -verfchwinde. Mir fcheint dieſe
Bermuthung unzuverläffig, da mir nicht unbekannt ift, daß
einige Alpengipfel ſich in allmäliger Aufſteigung zu einer
⸗
9) Der Nachfolger Aleranders des Großen.
*) Inter den Bergen Griedyenlands. Denn wohl nur iefe
hatte Ditäarchus gemeffen.
”., Bei der Nebuction bes Römischen Sußed und Schrittes
auf jetziges Maaß find im der Ueberſeßsung immer rheiniſche
Fuße gemeint, Wir rechnen den Römifchen Tuß zu 11%
Zoll rheiniſch. Nimmt man 103% rhein. Fuß auf 100
Darfer Fuß, fo ift die Ausgleicuns für jeglich3 Maaß
leicht.
6 42
8 —
x
196 ° € Plinius Naturgeſchichte.
Höhe von. nicht weniger als fünfzigtauſend *) Schritten
[234,375 5. erheben. — 3. Am meiſten wißeitvebt aber
Das ungebildete Volk, wenn es glauben. foll, daß auch das
Waffer eine runde Geitalt habe. Und doch ift in der ganzen
Natur nidyts leichter durch den bloßen Anblick zu begreifen.
Denn die irgendwo herabhängenden Tropfen bilden fich zu
Beinen Kugeln, und erfcheinen, wenn fie auf Staub fallen,
oder wenn man fie auf wollige Blätter legt, vollkommen
rund. **) Auch im vollen Bechern fleigt das Wafler in der
"Mitte. am höchſten; ***) was ſich aber wegen feiner Dünn⸗
beit und feiner ſich felbft zufaunmendrängenden zarten
Theitchen feichter durch DVernunftfchlüfle, als durch den
Augenfchein erkennen läßt. A. Noch wunderbarer ift, daß
bei vollen Bechern, wenn man nur die geringſte Maſſe
von Fluͤſſigkeit hinzugießt, Das, was zu viel iſt, ſogleich
überläuft; daß aber das Gegentheit ftattfindet, wenn man
ſchwere Gegenflände, die fidh oft bis auf ein Gewicht ven
zwanzig. Denaren H belaufen können, bineingleiten läßt, -
weil nämlich das SHineingefallene die Flüffigkeit in bey
Witte zu einer größeren Wölbung emporhebt, das auf bie
” Diefe “Baht if jedenfalls durch Abſchreiber entſiellt. Dir
höchſte europeishe Alpengipfel (Montblanc). mipt nur
15,180 Fuß.
*) Die runde Gefialt der Tropfen Eommt daher, weil bie
bien Theilchen nad) wechfelfeitigem Bufammenhange
reben
*, Das Waſſer fteht am Rande voller Gefäße wegen der Ans
ziehungsfraft der Seitenwände niedriger, als in der Mitte,
‚D) ‚Ungefähr Pfund.
\ Zweites Bud. 4197
em porſt ehende Wolbung Gegoſſene aber abfließt. Aus keiner
anderen Unſache *) kommt es, daß man das Land, welches
ſchon vom Schiffsmaſte aus ſichtbar iſt, auf dem Schiffe
ſelbſt noch nicht ſieht, und daß ein glänzender Gegenſtand,
welchen man an die Spitze bes Maſtes bindet, mit der Ent⸗
fernung des Gciffes alimälig niedriger zu werben fcheint,
und am Ende ganz verfchwindet. 5. Wie Eönnte denn auch
der Ocean, den wir den äußerſten nennen, bei einer au:
dern Geſtalt zufammenhängen nnd nicht herabfließen, da ihn.
weiterhin Bein Ufer mehr umfchließt? Ja es bleibt immer
nodh ein Wunder, warum auch. troß der Kugelgeftalt das
änßerfte Meer nicht herabfällt. Daß Dieb übrigens, aud
wenn das Meer fo flach wäre, wie ed ung erfcheint, nicht
geſchehen könne, ſuchen Griechiſche Boriher mit großer
Selbſtgefaͤlligkeit und mit großem Anrühmen durch eine
gesmetrifhe Spitzſindigkeit zu erweiſen. 6. Da nämlich das
Waſſer von der Höhe nach der Tiefe ſtröme; da dieſe feine
Eigenfchaft allgemein anerkannt fey, und Niemand in Ab⸗
. zede flelle, daß es noch an keinem Ufer höher gefliegen fey,
als es deffen Abfchüffigkeit erlaubte, fo müffe man ohne alle
Widerrede annehmen, daß, je niedriger etwas ſey, es ſich
and um fo mehr dem Erdmittelpunkt nähere, und daß alle
Linien, welche man von diefem zu der nächſten Waflerober-
fläche ziehe, kürzer ſeyen, als diejenigen, weldye man vox
% Wegen ber Wolbung bed Meeres, welche ‘aber durdy aus
dere lirfachen, nämlich durch das Hinſtreben aller einzelnen
Theile nach dem Erdmittelpunkt und durch dem gleihımär
figen Druck der Luft bedinst wird.
198 C. Plinius Naturgefchichte.
dem. das Ufer befpülenden Waller bis zu dem .Außerften
Meere ziehe; daß mithin alles Wafler nad) em Mittels
punkte ſtrebe, und deßwegen nicht herabfließe,. weil ed nad)
unten drüde,
LXVI. 4. Man muß annehmen, daß die Bildnerin
Natur Diefes. fo eingerichtet habe, damit die bürre und
trodene Erde, welche für fi und ohne Feuchtigkeit nicht
beftehen Tann, und das Waller, welches auch feinen
Haltpunkt bat, wenn es die Erde nicht trägt, ſich dur
wechſelſeitige Verſchlingung vereinigen. Dieſe öffnet ihre:
Bufen ; jenes durchdringt es ganz, inwendig, auswendig
und oben, durch allenthatben, wie Bande, durchziehende
Adern. Gogar auf den höchſten Berggipfeln ‚bricht ed her«
vor, und ſpringt daſelbſt, durch die Luft getrieben und durch
die Schwere der Erde gedrücdt,, wie aus Möhren hervor. )
Es ift alfo, von der Befahe, herabzugleiten, fo weit ent⸗
fernt, daß es fogar auf den fteilften Höhen zum Vorſchein
tommt. 2. Auf diefe Weife wird es andy begreiflich, warum
das Meer durch den täglichen Zufluß fo vieler Ströme
nicht wächst.
(vi.) Die Erde iſt alſo in ihrer ganzen Rundung
gerade in der Mitte von dem umflrömenten Meer umgürtet.
Und zwar brascht man Diefes nicht durch Vernunftſchlüſſe
zu ergründen, fondern die Erfahrung bat es laͤngſt dar»
gethan.
—
—*
2) Man leitet jetzt das duelwoſer auf den Bergen von den
Wolken her.
—
Zweites Buch, "499
EXVI Gatu). 4. Bon Gates ſ[Cadix] und den Gäus
ten des Sperkuled [der Meerenge von G.braitar] an wird
jebt das ganze weftlihe Meer, längs den Küften von His⸗
panien und Gallien, befahren. Der nördiihe Dcran
wurde größtentheils befchifft, als. unter der Reyierung des
göttlihen Auguſtus eine Flotte um Bermanien bis zu dem
Eimbrifchen Borgebirge [Sfagencap in Yütland] herumfuhr,
and meiterhin ein unermeßfidded Meer ſah, oder body burdy
»as Gerücht von einem ‚foldyen hörte, das bis zu dem Gcy
thifchen Lande und die durch übermäßige Feuchtigkeit kalten.
Gegenden reihe. Es iſt alfo deßwegen keineswegs wahre
fcheintich, daß dort das Meer aufhöre, wo das Element bes
Waſſers vorherrfcht. 2. Ehen fa ift im Often, von dem Indi⸗
fchen Meer aus, immer nad derfefden Richtung hin der ganze
Theil des Oceans, welder zum Easpifhen Meere veicht, *°) .
von Macedoniſchen Kriegern durdyfchifft worden , und zwar
unter der Regierang des Seleucus und des Antiohus, ***)
welche auch dieſes Ineuentdedte] Meer nach fih das Ges
Leucifheund Antiochiſche genannt willen wollten. Auch
um das Caspiſche Meer wurden viele Geſtade des Dcenns
unterfaht, und das ganze Norbmeer iſt alſo bis auf eine
Heine Strecke ganz von diefer oder von jener Geite durch⸗
rudert. Auf dieſe Weiſe kann alfo ‘die große Streitfrage
”) Die von Drufus unternommene Exvedition in der Norbs
fee ift gemeint. Tacitue, Aunnal. 11, 8.
9) ‚Die Alten hielten bas Saspifhe Meer füu einen Buſen des
nÖrblighen Oceans. Bat. 8. VI. 8. 15. 17.
19), Im letzten Viertel des dritten, und hm "erfien Viertel des
zweiten Zehrhunderis v vor Ehr,
200. ! €. Plinius Naturgeſchichte.
über den Mäotifhen Sumpf [Azowſche Meer] Peine Veran⸗
Taffung mehr zu Muthmaßungen geben. Denn entweder ift er
ein Bufen jenes Oceans, was, wie ic) fehe, Viele glaubten;
oder er ift ein, durch eine ſchmale Landenge von ihm ger
trenntes , ſtehendes Waſſer. ) 3. Auf ‚der anderen Seite
von Bades nad Welten hin, wird jest ein großer Theit
‘des um Mauritanien [Marocco] herumreichenden füdlidhyen
Bufens befchifft. Die Siege Aleranders des Großen machten
und mit einem noch weit größeren Theile diefed, fo wie des
öftlihen Deeans, bis zum Nrabifchen Meerbufen hin, bes
kannt. *) Als Cajus EAfar, Angnſt's Sohn, auf dem
legteren Krieg führte, foll man daſelbſt Merkmale von ge-
fheiterten Spaniſchen Schiffen entdeckt haben. **) Auch
Hanno fchiffte in der Blüthezeit der Macht Karthagos von
Gades aus nad) der Küſte Arabiens, und beſchrieb diefe
Fahrt in einem Werte, und um diefelbe Zeit wurde auch
Himilco ausgeſchickt, um die äußerſte Küſte Europa's zu
etforſchen. 4 Außerdem berichtet Cornelius Nepos, daß zu
— Die Mäotifche See reichte faſt bis an bie Örenzen bed Ro⸗
mifhen Reichs; und body, follten ihn bie Nömifchen Geo:
graphen fo ſchlecht gekannt haben! Wahrfcheinticher ift,
daß Plinius hier ohne Kritie ältere Nachrichten, ohne
Beachtung der gleichzeitigen Seographen, nachſchreibt.
eo) Alexander befchiffte nie ben Ocean weſtlich von -Ufrika,
Nach der Anſicht der Alten reichte aber Afrika nicht viel
weiter herab, . al ber Arabifche Meerbufen, und Plinins
meint alfo wohl bas fühlicy von Afrika gedachte Meer.
—8 Bel. B. VI. K. 31, 14. Ueber Hanno und Himilko fehe
bie. ummerfungen. zu bem Soriftgellarverzeicuiß vor
—* Buch.
»
Zweites Bud). | 301
feiner. Zeit ein gewiſſer Endoxus, als er vor dem König
Lathurue N die Flucht ergreifen mußte, ans ‘dem Arabiſchen
Meerbnfen audlief, und bis nach Bades fuhr; und fange vor
ihm will Cällus Antipater einen geſehen haben, der des
Handels wegen von Spanien nad) Aethiopien ſchiffte. Der:
felbe Nepos erzählt in Beziehung auf die nördliche Um⸗
ſchiffung, daß dem Quintus Metellus Eeler , dem ‚Eollegen
des 2. Afranius im Conſulat, der aber damals [63 v. €.)
Procanful in Gallien war, von dem Könige der Sueven
Indier zum Geſchenk gemacht worden ſeyen, **) bie bes
Handels wegen aus Indien fortgefchifft, und durd Stürme
nad) Germanien verfchlagen worden waren. 5. Go ent-
Nehen uns die den Erdkreis allenthalben in der Mitte um:
flrömenden Meere einen Theil deffelben, von welchem kein
Weg zu und, und Peiner von nnd zu ihm führt. Diefe
Betrachtung ift trefflich geeignet, die @itelkeit der Sterbli⸗
hen in ein helles Licht zu ſtellen, und ſcheint mich aufzu⸗
fordern, Die ganze und bie jent befannte Erde, auf wel⸗
Piolemane VIII., mit bem Beinamen gathurns,
bersfhte vom J. 1177 — 81 vor Ehr. über Aegypten.
Eilius Antipater lebte etwa 20 Jahre früher, alfo nicht
lange vor biefem Ptolemäus.
"©®) Die Ausleger haben fidy mit biefer Stelle ohne Noth ab:
gequält, Wahrſcheinlich kamen bie Indier Über dad Cas⸗
piſche Meer, über weiches ‚fie Handel trieben (Herodot.
"VI, 28.), nad) dem ſchwarzen Meer ober nad) ber Oſtſee;
und da man beide Meere als Theile des nördlichen Oceans
betrachtete‘, fo ifk bie irrige Meinung von einer unmittel⸗
baren Fahrt aus Indien nach Deutfchland leicht erklaͤrbar.
. 202 ° E. Pliniug Ratungelhichte. | 2 '
cher Niemand für ſich genug bekommen kayn, gleichſam den
Augen rorzuführen, und zu zeigen, wie groß. fie iſt.
LXVIII (vwvin). :4. Man ſcheint gewoͤhnlich das feſte
Land als die Häifte der Erde anzunehmen, als wenn man.
dadurdy den Ocean an feinem Theil. nicht verkürzte, @r
umgibt die ganze Erde in der Mitte, ſtromt alles Gewäſſer
aus, und nimmt es wieder, auf, und gibt. den Wolfen und
fogar den vielen und großen Geſtirnen *) Nahrung. Welchen.
weiten Raum muß er alfouicht einnehmen? Unberechenbar
. und unendlich muß das Reich einer fo ungeheuren Maſſe
feyn. Man bedeute ferner, was uns nody der Himmel:vom,
dem übriggelaffenen Erdetheil entzogen hat. Diefer wirb nänıs
ih in fünf Theile geſchieden, welche man Zonen nenn.
Alles, was unter den beiden Außerften, die fih au den Po⸗
len, von ‚denen ber eine der Nordpol, und der andere ihm,
entgegengefegte der Südpol heißt, hinzieben, liegt, iſt vom
unerträglicher Kälte und ewigem Life heimgeſucht. 2. Un⸗
unterbsochene Finſterniß herrſcht an diefen beiden Erdenden,
und nie genießen fie den Anblick der milderen Geſtirne; fon:
Rern nur ein karger, durch den Reif erzeugter, weißlicher
Schimmer erhellt fie. Die mittlere Erdzone aber, um
welche die Sonne kreist, ift wegen der allzunahen Hige völlig
dürr, und durch die Sonnengiut, verſengt und ausgebrannt.
Nur die beiden Zonen alſo, welche zwiſchen der gluͤhenden
und ten beiden eiſigen liegen, find gemäßigt; und auch dieſe
ftehen nicht einmal wegen des ſdazwiſchenliegenden] Feuers
der Geſtirne mit einander in Verbindung. Dem feften Rande
*) Bol, Kap. 6, % *. | J
Zweites Bud. 203
hat alſo der Himmel drei Theile entzogen: des Oee ans
Raub iſt unbeſtimmbar.
3. Ich möchte aber auch nicht einmal behaupten, daß
dieſer kleine, und übrig gelaſſene Theil nicht in großer Ge⸗
fahr ſchwebe. Denn der Ocean, welcher, wie wir zeigen
werden, *) in viele Buſen einſtrömt, wüthet in fo nabem
Andrang gegen die inneren Meere, Sag der Arabifche Bus
fen nur nod) 445,000 Schritte [23 Meilen **) ] von dem
Aeghptiſchen Meer, nnd der Caspiſche Buien nur nody
375,000 Schritte [75 Meilen] von dem Pontifchen ſſchwarzen
Meere} entfernt if. Eben fo bildet der Dcean, in das Land
eindringend, viele Meere: und wie viel Land nimmt er ſchon
dard) jene hinweg, durch welche er Afrika, Europa und
Alten von einander trennt! Nun zähle man die Menge
der Ftüffe und grüßen Landfeen, nnd rechne die Gümpfe nnd.
Teiche dazu. 4. Dann ziehe man die in die Wolken ras
genden, nicht einmal mit den Augen zu erklimmenden Berg-
'höhen, die Wälder, tiefe Schluchten, Einöden und andere,
aus Lanfend verfchiedenen Urſachen verlaſſene, Gegenden noch
davon ab. Und diefes Erdſtückchen, oder vielmehr, wie fi
Manche ausdrädten, diefer Punkt in der Welt (denn die
Erde ift nichts Anderes in dem AN) if der Gegenſtand
und der Sitz unferer Ruhmfucht! Hier bekleiden wir Ehren⸗
ftellen ; bier üben wir Herrſchaft; hier bafchen wir nad
Shägen ; bier balgen wir uns Menfchenbinder ; hier Piften
s Sp den geographiſchen Büchern (II VI.).
©) In der Ueberſetzung find ſiets geographifche Meilen (eine
zu 5000 Rom. Schritten) gemeint. Uebrigens ift bie Lands
enge von Sue nur 12 aneiteg breit.
204 ° C. Plinius Naturgeſchichte.
wir and) Bürgertriege an, und machen durch mwechfelfeitigen
Mord die Erde geräumiger. 5. Und um das MWüthen
ganzer Völker mit Stillfchweigen zu übergehen: hier ver-
treiben wir nnferen Mitbürger, und graben diebifch. die
Scholle des Nachbars zu unferen Felde. Und dody wie groß
ift denn endlich das Stückchen, welches Einer von der Erde
befist, wenn er den Umfang feiner Aecker auch nody fo weit,
ausgedehnt, und die Anwohner Über die Grenzen getrieben
hat? Dder wie viel wird Einem von Allem Beſitzthum,
wenn er es auch nach Maßgabe feiner Habſucht erweitert
bat, nach feinem Tode zu Theil ?
BLXIX (Axix). Daß die Erde den Mittelpunkt der
Welt bilde, fchließt man aus unlängbaren Beweifen, am
‚Harften aber aus der gleichen Bertheilung der Stunden bei
der. Tags und Nachigleihe., Denn wenn fle ſich nicht in
der Mitte befände, fo könnten auch die Tage und Nächte
nie gleich werden, wie man aud) an den Dioptern, *) ‚weiche
Dieb am beften beflätigen, wahrnimmt. Denn zur Seit ber
Tags und Nachtgleiche ſieht man die Sonne bei ihrem Auf⸗
and Untergang auf derfelben Linie, und eben fo fällt fie bei
ihrem Aufgang bei der Sontmerwende und bei ihrem Unter:
gange bei ber Winterwende auf ejue Linie, was auf keine»
Beife der Fall ſeyn könnte, wenn die Erde nicht im Mittel:
punkte läge.
LXX (11x). Die Ungleichheit der Zeiten aber beffimmen
.” Dioptra (Sonnenquartant) ift ein Infirument, an welchem
‚ bie Sonne dburd, eine Deffauns auf eine Flaͤche fäut, und
die Zeit angut. 9
Zweites Bud. | 7.906
drei über die genannten Zonen gezogene Kreife: der Som⸗
merwendekreis, welcher an der von uns am weiteſten nach
Norden hin entfernten Seite des Ihierkreifes liegt; der
Winterwendetreid, der fi am der entgegengefehten Geite
nad dem andern Pol hin befindet; der Wequinoctialkreis,
weicher fich mitten durch den Thierkreis zieht.
LXXI, 4. Die Urfache der übrigen, uns wunderbar
vorkommenden Erfcheinungen liegt in der Geſtalt der Erde
feibft, und wir können fogar aus ihnen wieder anf die
Kugelform der Erde, mit Inbegriff des Waſſers, fchließen.
Auf dieſe Weife kommt es ohne Zweifel, daß uns die Sterne
des nördlichen Himmels niemals untergehen, die des ſüd⸗
lichen dagegen uns nie aufgehen ; die Güdländer können aber
unfere Sterne nicht fehen , weil die Kugelgeftalt der Erde
in. der Mitte das Weiterfehen hemmt. 2. In dem Lande
der Troglodyten [Nubien und Abeſſinien] und in dem be:
nachbarten Aegypten fieht man den großen "Bär nicht,
Dagegen in Italien nicht den Canopus, *) noch den Stern,
welchen man das Haar der Berenice **) nennt, und einen
andern, welchem man unter“ der Regierung des göttlichen
Auguftus den Namen „Kaiferthron“ beifegte, welche doc)
alle in jenen Ländern Achtbar find. Fa die Wölbung. der
x
®) en „Stern erfier Groͤße im fübtichen Ruder bes Schiffes.
*°) Das Haar ber Berenice kann nicht das Sternbild fepn,
welches jegt diefen Namen trägt, und fich am nördlichen
Himmel befindet. Eben fo wenig if uns bie Lage bes
Kaiferthrons berannt, welcher jegt fogar and bem Namen
“nah aus ben Sternverzeichniffen verſchwunden iſt.
.
‚ G
D ” |} .
“. N ‚*
206 e. Plinius Naturgeſchichte.
Erde ift jo bedeutend und bemerklich, das der Canopus den
Beobachtern zu Alexandria faft nur um den vierten heit
eines Zeichens [7!/: Grade} über dem Horizonte gu ſtehen,
und. derfelbe, von Rhodus aus geſehen, faſt die Exde zu
ſtreifen ſcheint; in Pontus [Süptäfle des ſchwarzen Mee⸗
res] iſt er gar nicht mehr ſichtbar, dagegen ſteht hier der
große Bär am höchſten. 3. Diefer iſt aber nicht auf Rho⸗
dus und noch weniger zu Alexandria fihtbar. In Wrabien
ift er im Monat November während der erften Nachtwache *)
‚verborgen, äeigt ſich aber in der zweiten; in Merog (Me:
ramwe] erfcheint er bei der Sommerfornenwende des Abends
eine ganz kurze Zeit, und wenige Tage vor dem Aufgang
des Arcturus [21. Bebrnar) fleht man ihn mit Zagesanbruc.
Alles Das können die Seeleute auf ihren Fahrten am beften
beobachten „indem das Meer auf ber einen Seite in bie
Höhe fteigt, und auf der andern ſich wieder herabientt,
-wodurd. denn die Sterne, welde hinter der Wolbung des
Erdballs ‚verborgen waren, plötzlich fihtbar werden, und
gleichſam aus dem Meer anfzutauchen fcheinen. A. Es if
alfo keineswegs (wie Manche behauptet haben) der Himmel
über dieſem [nördlichen] Pole höher gewölbt; fonft müßte
man diefe [nördlichen] Sterne überalt fehen.. Sondern Die:
felben Gterne fcheinen Denen, welhe ihnen näher find,
höher, und niedriger Deuen, welche weiter von ihnen ent:
fernt lad; und fo wie biefe [nördliche] Himmelswölbung
*) Die Römer theilten die Nacht in vier gleiche Theite, welche
fie Nachtwachen naynten, und deren erfie mit Sonnen
untergang begann. . „
v
%
” Zweites Buch. | 207
Denen hoch erſcheint, welche ſich unter ihr befinden» fo
müffen Denen, melde in jenen [üblichen] Theil der Erd:
kugel Übergehen, jene [ſüdlichen]) Sterne aufiteigen, und die,
weiche hier [im Norden] hoch fanden, ſich herabfenten, was
Alles nicht ſtatifſinden könnte, wenn, die Erde nicht die
BSeftalt einer Kugel häfte.
LXXIÜ, 4. Deßmwegen werden anch die am Abend ſich
ereignenden Sonnen⸗ und Mondfiuſterniſſe nicht von den
Bewohnern des Oſtens, und die am Morgen ſtattfindenden
nicht von den Bewohnern des Weſtens beuerkt; die am
Mittag vorkommenden aber häufig von beiden. Als Ale:
xander der Große den herrlichen Sieg bei Arbeila [Arbir]
erfocht [21. Sept. 331 vor Ehr.], foll der Mond daſelbſt in
der zweiten Stunde der Nacht verfinftert worden ſeyn, in
Gizilien aber fchon bei feinem Aufgang. Die Sonnenfins
fberniß , welche vor wenigen Fahren unter dem Eonfulat des
Bipſtanus und Fonteins [59 nad) Chr.] am Tage vor den
Eatenden des Mai f30. Apr.) fich ereignete, bemerkte man
in Campanien [Terra di Lavoro] zwifchen der flebenten und
achten Tagesſtunde: Corbuld, welcher als Feldherr in Ar:
menie⁊ ſtand, *) hat berichtet, daß er ſie zwiſchen der zehnten
und eilſten Tagesſtunde geſehen habe. So enthüllt oder
verbirgt die Kugelgeſtalt der Erde Dieſen Das, den Ande—
ten Jenes. 2. Wäre die Erde eineebene Fläche, fo müßten
alle Menfchen ſolche Erfheinungen zw derfelben Zeit fehen, -
und die Nächte, würden nicht von ungleicher Dauer ſeyn;
denn fe müßten nicht nur für Diejenigen, weiche in der
Mol. Tacitus, Ynnal, XW, ». ee u
»
’
208 €. Piinius Naturgeſchichte. “nn
Miste der Erde wohnen, fondern auch für alle Andern
zwölf Stunden von gleicher Länge haben, während diefe jetzt
nirgends völlig mit einander übereinflimmen.
LXXUI (ızx21), 4. Deßhalb ift es auch nie auf der
ganzen Erde zugleich Nacht oder Tag; deun die eine Hälfte -
der Erdkagel, welche von. der Sonne abgewendet ift, Hat
Nacht, die andere, welche ihr zugekehrt -ift, Tag. Diele
Erfahrungen haben Dieß beflätigt.. In Afrika und in
Hispanien wurden von Hannibal Thürme, und in Affen
ähnliche Warten wegen des Unfugs der Seeräuber errichtet.
Wenn man nun auf diefen um die feste Stunde des Tages
Signalfeuer anzündete, fo machte man oft die Erfahrung,
daß es von den rüdmärts [nad Dften) zuletzt liegenden
Thürmen um die dritte Stunde der Nacht *) gefehen wurde.
3. Philonides, der Läufer, des erwähnten Alexander, madfte
den zwölfhundert Stadien [30. Meilen) weiten Weg von
Sicyon [Bafllico) nah Elis [ala] in neun Tagesſtunden;
von da zurücd kam er aber, obichon der Weg bergab ging, .
oft erft in der dritten Stunde der Nacht. Die Urfadye liegt.
darin, daß er anf dem Hinwege mit der Sonne Tief, auf
dem Rückwege aber an der Sonne, die er ren vor >
‚”) Das kann wol ber FA feyn, wenn man den Aufent⸗
halt, der bei dem Anzũnden der Feuer ſtattfinden mußte,
in Anſchlag bringt. ' Falfıh aber iſt's, wenn Plinius
dadurch das Fortrücken. des Tages auf der Erdkugel be⸗
weiſen will. Denn ein ſo großer Unterfhieb ber Stunben
‚hätte nur ftattfinden können, wenn die Testen Thürme
2000 Meilen von bem erfien entfernt oeweſen waͤren, was
wohl Niemand glauben wird.
BR Zweites Buch. 200
hatte, vorbeilief, und fie in feinem Rüden ues. *) Aus
derſelben Urſache legen auch die Seefahrer, wenn ſie nach
BWeſten ſteuern, an den kürzeſten Tag eine größere Strecke
zurück, als in der längften Nacht, weil fie nämlich immer
der Sonne folgen. *)
LXXIV (zu). Auch kann man dieſelben Stunden⸗
uhren wicht überall brauchen, da die Sonnenſchaiten ſich mit
jeden dreihundert oder höchſteus fünfhundert Stadien [724
ober 12%. M.] ändern, So beträgt der Schatten bes Bei:
gers, welden man Gnomon nennt, in Aegpypten bei ber
Tag: und Nacıtgleiche zur Mittagszeit etwas mehr als Die
halbe Länge des Zeigers. In der Stadt Rom ift der Schatten
um den neunten Theil des Gnomons kürzer, in Ancona um
den fünfuubdreißigften Theil größer; *) in dem heile
x
») Wieder eine falfche Behauptung. Denn die Uhr Pan '
zwifhen Sieyon und Elis, weiche Städte Übrigens nur 18
Meilen von einander Tiegen, kaum fünf Minuten betragen,
Nach jeniger Stundeneintheilung hätte Philonides «vergl,
B. VII, 8. 20,) den Hinweg in zwölf, den Rüdweg in
fiebzehn Stunden’ gemacht.
Nicht aus biefer Urfache, fondern weil bie Seeleute des
Alterthums in der Nacht größere Vorficht anwenden muß⸗
ten, und deßhalb langſamer fuhren.
0°) Nach ber alten Lesart: quinta iricesima. In parte. , da
KHarbouin’d Verbefierung: quinta. Decima in parte, fid durch
Richts rechtfertigen läßt. Uebrigens kann ber Schatten zu
Venedig nicht kürzer ſeyn, als zu Ancona, da es noͤrdlicher
Uegt, und der Schatten ſich nad ber ‚Entfernung vom
Acquatop verlängert, U
€, Plinius Naturgeſch. 28 Boͤchn. 9
ss
ws
240 C. Plinius Naturgeſchichte.
‚Statiens aber, welchen man Venetia nennt, iſt in denſelben
Stunden der Schatten dem Gnomon gleich. .
LXXV (vu). 4. Ebenfo erzählt man, daß in der
Stadt Spene [Affuan], welche fünftaufend Stadien [125 M.]
binter Alexandria liegt, die Sonne bei der Gommerwende
um die Mittagszeit feinen Gchatten werfe, und daß fie dann
einen B:uunen, den man, um diefe Erſcheinung genauer‘ zır
beobachten, gegraben habe, ganz erleuchte; woraus erhelle,
daß alsdann die Sonne gerade im Echeitelpuntte diefes
Ortes ftehe, was audı, wie OÖneflcritus fchreibt, zu der:
felben Zeit *) in Indien Über dem Fluſſe Hupans IBeyah]
der Full ſeyn fol. 2. Man weiß ebenfalls mit Beſtimmt⸗
beit, daß zu Berenice [Salaca] , einer ‚Stadt der Troglo⸗
dyten, und 4.820 Stadien [120% M.) weiter, zu Ptolemais
[Kae⸗Ahehas], einem demfelben WBoike gehörenden Orte,
der an der Küfte des rothen Meeres zum Behufe der, erften
Elephantenjagden erbaut wurde, dieſelbe Erſcheinung fünf⸗
undvierzig Tage vor, und eben ſo viele nach der Sommer⸗
ſonnenwende tattfinde, und daß dieſe neunzig Tage hindurdy |
die Schatten gegen Mittag fallen. *) Auch zu Meroe
q
*, Die it wieder eine Unmbglichkeit. Denn die Miinbung
des Hyvafid legt unter dem 287 N, B.; Syene aber, wo
diefe Erfcheinuug wirklich ftattfinbet , gerade unter bem
Wenbebreife des Krebfed (23° 30° RN. 8.)
°*) Ptolemois lag alſo zwifchen dem Aeguator und bem Wen⸗
bekreiſe des Krebſes, ungefähr unter. dem 15 N. B.; fo
daß es zweimal (am Unfange bed Mai und des Auguſt)
die Sonne im Zenith, in des Zwifchenzeit die Sonne nörbs
lich hatte,
”
Zweites Bude 211
Daſchur], der Hauptſtadt des Aetbiopiſchen Volkes, welche
auf einer Juſel des Fluſſes Nil fünftanſend Stadien [125 M.]
von Syene liegt, fol zweimal im Jahr Bein. Schatten feyn,
wenn nämlich die Sonne im achtzehnten Brade des Gtieres
und im vierzehnten des Löwen *) ftebt. 3. Bei dem Volke
der Dreten ift ein Berg, Malens genannt, der im Sommer
feine Schatten nach Süden, im Winter. nach Norden wirft; »e)
in dieſer Gegend ift auch der große Bär nur fünfzehn.
Nähte ſichtbar. »*) Fu. demfelben Indien, in tem be
rühmten Sechafen Patale, T) geht die. Sonne rechts auf, und _
tie Schatten fallen nad) Süden. Während des Aufenthalts
Alerauders daſelbſt bemerkte man, daß der große Bär nur
mährend des erſten Theiled. +7) der Naht fihtbar war.
*) Mithin Tag Merve unter 16° 30° N. B., und die Sonne
. warf einen Schatten am 10. Mai und am 4, Auguſt
oe) Das Nämliche kann man von allen ſüdlichen Bergen Ins
diens fafen. Da ferner in Indien mit den Worte „Mas
leam“ jeder Berg bezeichnet wird, und Oreten nichts Ans
deres zu heißen fcheint, ald Bergbewohner, fo hat
wohl Plinius das für bad ganze Land Geltenbe auf einen
einzelnen Theil deſſelben Übertragen. .
“m, Der große Bär muß an den von Plinius bezeichneten Or⸗
ten, der Lage berfelben gemäß, dad ganze Jahr hindurch
fihttar ſeyn.
4) Eine Stadt an einer der Mündungen bed Sim, deren
Lage wir nicht mehr genau beſtimmen konnen. Jebenfalls
lag fie aber bieffeitd des. Wenbefreifed , und, bie Gonne
konnte alfo nicht. rechts aufgehen ; Plinins müßte denn von
der Gewohnheit ber Aftronomen, bei ihren Beobachtungen
ſtets das Geficht; nach. Süden zu richten, hier abweichen. '
1D äpren ber erften drei Stunden nach Sounenuntergang.
7%
212 C. Plinius Naturgeſchichte.
Deeficritus, Alexanders Admiral, zeichuete auf; daß an allen
Orten Indiens, wo keine Schatten fehen, aud) der große
Bär wicht fihtbar fen; daß man dieſe Orte Askia ſſchatten⸗
dofe] nenne, und daß man daſelbſt auch Feine Stunden
‚ LXRVI (1xxiv). Daß in dem ganzen Lande der Troglody⸗
ten fder Afrifanifchen Küfte des rothen Meeres] zweimal im
Jahre die Schatten fünfundvierzig Tage hindurch anf die
entgegengefeste [rübliche] Seite fallen, Ichrt Eratoſtheues.
LXXVU (ısıv). 4. Auf diefe Weife kommt es andy,
daß je nad) der verfchiedenen Dauer des Gonnenlichts der
längfte Tag in Meroe [Hafchur]. zwölf Aequinoctialſtun⸗
den und acht Theile einer Stunde, 9 in. Alerandria wier-
zehn, in Stalien fünfzehn und in Britannien ſiebzehn
Stunden hat. Ju dem letzteren Lande find während. des
Sommers die Nächte heil, wodurd die Annahme, wozu fidy
Die Vernunft gezwungen flieht, außer allen Zweifel gefebt
wird, dag nämlich in den Tagen der Sommerwente, wenn
‚die Sonne dem Pole näher ift, und ihr Licht einen engeren
Kreis befchreibt, die in dieſem Himmelsſtriche Legenden
Zander ſechs Monate hindurch fortwährend Zag, dagegen,
wenn die Sonne fih bis zu ihrer Winterwende entfernt
hat, eben fo Lang Nacht haben müffen. 2. Daß Diefes
auch wirklich auf der Infel Ihule, **) weiche ſechs Schiffe:
2) Die Aıten theilten die Stunden in 12 Theile; 'alfo 12 St.
40 M. Die‘ Arquinoetialfiunden ſind die jetzt allgemein
angenommenen.
J * Wenn man Ahule für Island nimmt ‚fo if bie Ausfäge
\
Zweites Bud, 215
fagreifen nördlich von Britannien fiegt, ber Sat ſed,
erzählt Pytheas von Maſſilia [Marfeille]. Manche behanpten
Diefes fogar ſchon von der Inſel Mona [Anglefea], weiche
etwa zweimalhunderttaufend Schritte a0 M.] von der
Britannifchen Stadt Camalduuum [Eoichefter] eutfernt ift.
„LAXVII (iv), Diefe Lehre won. den Schatten, und
die Kunſt, welche Gnomonik heißt, erdachte Anaximenes von
Mile, ein Schüler des Anarimander, von welchem wir
sben geſprochen haben; *) er zeigte zuerſt zu Lacedämon
die Stundenuhr, welche man Stiotherikon [Schattenfänger)
nennt.
LXXIX (uwvı), 4. Was die Dauer des Tages bes
trifft, fo beftimmten fie Diefe fo, Andere wieder andere. Die
Babylonicr rechnen. von einem Sonnenaufgang bis zum an»
dern; die Uthener von einem Sonnenuntergang bis zum
andern; die Umbrier **) von Mittag zu Mittag; der große
Haufen von Morgen bis zum Abend ; bie Römiſchen Prieſter
und Die, welche den bürgerlichen Tag feſtſetzten, ebenfo bie
Aegypter und Hippardius von Mitternacht zu Mitternächt:
2. Daß aber in den befagten Zwiſchenräumen von einem
Sonnenaufgang zum andern die Abwefenbeit des Tageslicht
zur Beit der Sommerfonnenwende von fürzerer Dauer ſeyn
möffe, als zur Zeit der Tag» uud Nachtgleiche, iſt Bar;
bes Potheas wahr. Daß aber die Alten in ſechs Tagen
Island von England aus erreichen konnten, möchte nicht
leicht “ reifen ſeyn.
"® Kay. 8 + 6.53 ”
“ Ein Bolt wifchen dem Piſatello, der Nera und dem Ubria-
tifhen Meere, _
[4
⸗
214 C. Plinius Naturgeſchichte.
deun die Lage des Thierkreiſes iſt nach feiner Mitte [dem
Yequator] hin fchiefer, *) um die Zeit Der Sommerſonnen⸗
wende aber ſenkrechter [über ung].
LXXX (Axxviu). 4. Mit dem Gefagten verbinden wir
jegt diejenigen Erſcheinungen, welche durch die Himmels⸗
körper nothwendig hedingt werden. Es wird nämlich Nie⸗
mand in Abrede ſtellen, daß die Aethiopier durch die Hitze
des ihnen nahen Geſtirns [der Sonne] geſchwärzt werden,
und Verbrannten gleich mit gedränfeltem Bart und Haupt:
haar auf die Welt kommen, und daß die Völker in dem
entgegengefegten, eifinen Himmelsſtrich ein weiße Haut und-
langes, bloudes Haar haben ; daß Diefe wegen der Strenge
des Klima’s wild, Jene aber wegen der Milde deffeiben ſtumpf⸗
ſinnig find; daß felbft die Beine als Beweis unferer Bes
hauptung dienen können, indem bei den Erfleren, der Natur
‘der Hitze gemäß, die Säfte nach oben gezogen, bei den Leg:
teren aber, durch bie abwärts firebende Feuchtigkeit nach
den unteren Theilen gedrängt werden; daß’ endlich in bier
—
ſem [nördlichen] Lande grimmige Beſtien, in jenem aber
allerlei Thiergeſtalten, und beſonders Vögel, welche in den
mannigfaltigſten Varigtionen vorkommen, erzeugt werden.
2. In beiden Himmelsftiichen aber iſt die Leibesgeſtalt der
Bewohner ſchlank, **) dort durch Die freibende Kraft der
Hige, bier durch die Nahrung ter hzeuchtigkeit. In der
— J
*) Mehr nach Süden geneigt, und entfernter von uns,
' wi) Daß die Leibesgeftalt unter dem gemaͤßigter Himmels⸗
ſtriche am ſchlankſten iſt, möchte jetzt wohl Niemand
laͤugnen.
+
. zweites Bud, 246
Mitte der Erde iſt eine heilſame Miſchung aus beiden Ele⸗
menten, eine Alles hervorbringende Gegend. Hier hat der
Körper Mittelgröße und eine angenehme Färbung: die Gitten
find hier fanft, der Verſtand Par, der Geift fruchtbar und
fähig zur Erfaſſung der ganzen Natur. Hier beftehen auch
große Reiche, was nicht Teiche bei jenen, an den beiden Erb:
enden Wohnenden, der Fall feyn möchte; fo wie auch Diefe
nie Jenen, von weldhen ſie Tosgeriffen und durd die
Strenge des auf ihnen laſtenden Klima’s völlig geſchieden
find, gehorchen werden, |
‚LXXXI (ixux). 41. Nach der Anſicht der Babylonier
rühren die Erdbeben, Erdriffe und die anderen Erſcheinungen
dieſer Art ron dem Einflufſſe der Geſtirne her, und zwar
jener drei, *) welchen fle aud) die Blitze zuſchreiben. Diefe
Erſcheinungen follen aber dann eintreffen, wann bie ges.
nannten Geflirne mit der Sonne gehen, **) oder wann fle
in einem Aſpect, und hauptſächlich im Geviertſchein find.
Eine ansuehmende und fat goͤttliche VBorherfehungsgabe
war, wenn man äherhaupt der Sage Gtauben ſchenken darf,
dem Naturforſcher Anarimander von Milet eigen. Die Las
cedämonier follen von ihm voraus gewarnt worden feyn, auf
ihre Stabt und ihre Häuſer Acht zu haben, weil eim Erd⸗
heben bevorfiche ; und wirklich flürgte die ganze Stadt
iufammen, und ein großes Stück des Berges Taygetus
[Monte die Marna], welches gleich dem Hintertheile eines
Schiffes hervorragte, löste ſich los, und fiel much über die
») Saturn , Zupiter und mare. vl, 8. 18. S. 1
© In ber Eonjunction, ' '
—
a
1
216: C. Plinius Naturgeſchichte.
Trümmer. 2. Auch Pherechdes, dem Lehrer des Pythago⸗
ras, wird eine andere, aber nicht minder göttliche Vor⸗
ausſagung zugeſchrieben: er ſoll naͤmlich durch eimen Trunk
Waſſer aus einem Brunnen ein Erdbeben an dieſem Ort )
vorauserkannt und verkündigt haben. Wenn Dieſes wahr
if, wie wenig müffen dann folhe Männer, fo lange fie
Leben, von der Gottheit unterfchiehen feyn ? Dody Das mag,
- dem Ermeſſen eines Jeden anheimgeftellt bleiben. Daß. aber
die Winde zu ben Urfachen der Erdbeben gehören, halte ich
für eine unbezweifelbare Sadıe. 3. Denn die Erde erzittert
‚ uur dann,“ wann Dad Meer völlig ftilt und die Atmofphäre
fo rubig it, daß die Vögel, aus Mangel aller ſtützenden
Luft, nicht mehr von ihren Schwingen getragen, werden;
und nur.dann, wann nach einem Sturme ſich der Wind in
die Adern und verborgenen Höhlen der Erde verftedt. *%
Das Beben der Erde entſteht auf dieſelbe Weiſe, wie in
den Wolfen der Donner, und die Erde wird eben fo zers
ziffen, wie die Wolke, aus welder der Blitz hervorbricht,
indem die eingefchloffene Luft ankämpft, und fich in Freiheit
zu ſetzen ſtrebt. °)
9). Bu Samos (Sufam:Abafl).
* Noch jetzt nimmt man gewöhnlich an, daß Luft oder Dämpfe,
die in unterirdiſchen Höhlen eingeſchloſſen find, bei ihrer
Ausdehnung burh Hitze, und ben dadurch verurſachten
Bewegungen. und — *2 — den- größten Antheil an ber .
KHervorbringung ber Erbbeben haben. Andere fchreiben fie
dem gefiörten Gleichgewichte ber: Gtectrieität, wieder An⸗
en der plötzlichen Weränderung ber Schwere in einer
end. zu.
er), ats. hätte, hier wohl Recht, wenn das aufgehoben
x
, Zweites Buch. 2247.
LXXXII (ir), 4. Die Erdbeben außer ſich auf ver⸗
ſchiedene Weiſe, und find oft von wunderbaren Widkungen
begleitet. Hier ftürzen Mauern ein, eder werden von einen
"tiefen Abgrund verfhlungen; dort werden ganze Erbmaflen
susgeworfen; hier brechen Flüſſe hervor, mandmal aud)
Fenerſtröme oder warme Quellen; dort bekommt deu. Lauf
der Slüffe eine, andere Richtung. Ein ſchreckliches Getöſe
oder ein dDunipfed Gemurmel geht ihnen voraus, und begleitet
fie: bald zleicht diefes einem Gebrüll, batd menſchlichem Ge⸗
jammer, bald dem Schall aneinandergefchlageuer Waffen, je
nad) der Eigenſchaft des Stoffes, auf welchen ed ſtößt, und
der Geſtalt der Höhlen .oder Minen, durch welche es führt;
ed it grell, wenn es durch enge, Dumpf, wenn es burd)
winfelige, wiederhallend, wenn es durch trockene, braufend,
wenn es durch feuchte, wogend, wenn es durch “umpfige
Räume, und heulend, wenn es gegen fefle Körper tost. Oft
hört man jedoch auch einen folhen Lärm, ohne dag ein
Erdbeben erfolgt. 2. Die Erbe erhält aber nie einen ein⸗
fachen Stoß, fondern zittert und ſchaukelt. Bald bieibt bes
entftandene Schlund, und zeigt, Was er verfchlungen hat;
bald fchließt er den Rachen, und verbirgt den Raub: eine
frifche Erddecke zieht ſich fo dicht darüber hin, daß auch
nicht die geringſte Spur von ben verfchlungenen Städten
und ben verfuntenen Feldſtrecken übrig. bleibt, Die Küs
ftenländer find am meiften deu Erdbeben unterworfen; doch
find audy die Berggegenden von biefem fuͤrchterlichen Uebel
Gleichgewicht der Electrieitũt die Urſache ber Erdbeben
wäre.
28 €. Plinius Naturgeſchichte.
nicht befreit, und ic) weiß felbit mit Gewißheif,, daß: bie
Alpen und die Apenninen ſchon öfter erſchüttert wurden.
Wie die Blitze, fo And auch die Erdbeben im Serbfte und .
im Brüpjahr am hänfigften. 3. Gallien und Aegypten fpü- -
ren fie deßhalb am feltenften.. weil ſie bier die. große Hitze,
dort Die firenge Kälte verhindert. Bei Nacht find fie häu-
figer, als am Tag, am ſtärkſten des Mosgend und am
Abend; am gewöhnlichen aber zeigen fie fi Eurz vor
Tagesaubruch und während des Tages um die Mittagezeit.
Auch finden fie bei Sonnen» und Mondfinfterniffen ſtatt, )
weil. dann Die Winde ruhen, befonders aber, wenn auf
Plapregen große Hige, oder auf große Hitze Plagregen folgt.
LXXXII (isıu). 4. Auch die Seeleute fpüren das
Eröbeben durd, ein untrügliched Zeichen, wenn nämlich die .
Bogen ohne Sturm ploͤtzlich anfchwellen, oder wenn ein
Stoß das Schiff erſchüttert. Auf den Schiffen zittert alles
Geräth eben fo, wie in den Hänfern, und verräch das Er⸗
eigniß durch fleted Gekrach. Auch Die Vögel bleiben ruhig
und furchtſam ſitzen. 2. Am Himmel ift- ebenfalls ein’ Zeis
hen bemerklich, welthes dem nahen Erdbeben voraufgeht,
nämlich ein larger, fich gleich einer ſchmalen Linie hinzie⸗
hender Wolkenftreif, der fih entweder bei Tag, oder kurz
nach Sonnenuntergang bei völlig hellem Wetter zeigt.
Auch ift in den Brunnen das Waſſer trüber, und nicht ohne
widerlihen Geruch. *°)
!
*) Die Erfahrung wiberlegt dieſe Anficht.
**) Sichere Merkwale eines bevorſtehenden Erdbebens hat man ‘
eigentlich keine.
"Zweites Bud. MI.
"LXXXIV (isn), '4. Das beſte Schutzmittel gegen
Erdbeben find eben dieſe Brunnen, fo wie zahlreiche Höhlen;
denn fie flrömen den anfgefangenen Wind aus.) Man
kann Dieb am beiten an manchen Gtäbten fehen, die Bei
weitem feltener erfchüftert werden, weil fle durch zahlreiche
Abzugtandie unterminirt ud. In eben diefen Städten Aub
die Stellen, welche auf Gewölben ftehen, bei weitem: fidhe:
rer, wie man an Neapel in Italien deutlihh wahrnehmen
Bann ; denn gerade der Stadttheil, welcher auf feſtem Boden
ruht, iſt am meiſten ſolchen Zufällen unterworfen. Die
fiherften Plätze find aber‘ die Gewölde der Häuſer und
die Winkel der Wände, weil da die Kraft des Stoßes
durch den Begenftoß aufgehoben wird; auch Mauern aus
Backſteinen leiden weniger Gchaden. 2. Einen großen
Unterſchied macht and die Art des Erdbebens ſelbſt; denn
die Erſchütterungen änßern ſich auf verſchiedene Weiſe.
Am wenigſten hat man zu befürchten, wenn die Erde eine
ſchaukelnde Bewegung annimmt und die Gebäude krachend
bin⸗ und herwanken, oder wenn fie ſich bei einem Stoße
erhebt und aufſchwillt, und ſich bei dem andern wieder ſenkt;
eben ſoͤ ruhig kann man ſeyn, wenn die Häufer durch zwei
entgegengelegte Stöße, wie Sturmböde, jufammenprallen:
denn der.eine Stoß bricht die Gewalt des andern. 3. Große
Gefahr aber ift vorhanden, wenn die Erbe ſich wellenförmig
0) Die Urſache der Erdbeben. Bann auch tieſer Niegen: mit⸗
bin iſt dieſes Schutzmittel unzureichend. Niedrige, leicht
gebaute Haͤufer gewähren an Stellen , die häufigen Erder⸗
fhhtterungen unterworfen fi find, die mie Sicherheit.
Pd
220: €. Plinius Raturgeſchichte.
biegt, und faft wie eine Woge ſich wälzst, oder wenn ber
Stoß mit ganzer Kraft nach einer Geite hin wirkt, Die
Erſchütterungen nehmen gewöhnlich ein Ende, wenn fidy
der Wind erhebt. "Sören fie aber dann: nidyt auf, fo währen
fie noch vierzig Tage, und oft auch länger fort; wie benn
manche ein ganzes Fahr und ‚fogar zwei Jahre gebanert
baben.
LXXXV (rsxuum). 14. Einmal ereignete fih auch, wie
ich in den Büchern über die Etruscifche Lehre las, ein un-
gebeures Erdwunder in dem Gebiete von Mutina [Modena],
unter dem Eonfulate des. 2. Marius und.des Sextus Julius
[94 vor Epr.]. Es waren nämlidy zwei Berge mit einander
im Kampf begriffen: ſie ſſürzten mit furchfbarem Getöfe
gegen einander, und wichen wieder zurück, während zwifchen
ihnen Flammen und Raud zum Himmel aufwirbeifen. Es
geſchah Dieb am hellen Tage, und eine- große Menge Roͤmi⸗
ſcher Ritter, Dieherfchaft und Wanderer faben von der Ae⸗
milifhen Straße *) ber zu. 2. Durch dieſes Zuſammen⸗
ſtoßen wurden alle Landhäufer zermalmt, und fehr viele’
Tpiere, welche fi darin befanden, kamen um. Das Uns
glückliche Ereigniß fällt gerade in das lebte Jahr vor dem
Kriege mit den Bundesgenofien, welcher, wenn mic, nicht
Alles trügt, für ganz Italien bei weitem ärgere Bolgen
hatte, ?*) als die Bürgerfriege. Ein nicht minder erſtaun⸗
*, Diefe von dem Conſul M. Aemilius Lepidus im 9. 187
vor Chr. angelegte Straße führte von Rimini nach Mai:
land, und von ba auf einem großen Umwege nach Yauileja.
*.) gl. Storus B. III. 8. 18,
Zweite Bud. - 224
liches Wunder ſah unfere Seit im leßzten Regierungsjahre
des SKaiferd Nero [68 nad Chr.], wie wir in deffen Ge⸗
schichte erzählt haben: °) es vertanfchten nämlid in dem
Maruciniſchen Gebiete, *) auf den Landuütern bes Römi-
ſchen Ritters Vectius ‚Marcellus , des Sachwalters Nero’s,
Wieſen nnd Delgärten, zwiſchen welchen die Landſtraße hin-
308 „ wechfelfeitig ihre Lage.
LXXXVI (iv). 4. Mit den Erdbeben find auch
Ueberfchhwennmungen des Meeres verbunden, wenn dieſes
namlich durch denfelben Wind anſchwillt, und in-die Bucht
der fidh ſenkenden Erde einſtrömt. Das ſtärkſte Erdbeben
feit Menfchen Gedenken ereignete fich unter der Regieruug
Des Kaifers Tiberius [17 nad) Ehr.], und ed wurden durch
daſſelbe in einer Nacht zwölf Städte Aflend zertrümmert. ***)
Die haͤufigſten Erderfchätterungen fpürte man zur Zeit des
[sweiten] Punifchen Kriege, und man erhielt in einem und
Demfelben Fahr von nicht weniger ald fiebennudfünfzig zu
Rom Nachricht. Weber die Karthager, noch die Römer,
welche ſich in bemfelben Jahre, [217 vor Ehr.] an dem See
Traſimenus [Lago di Perugia] ein Treffen lieferten, bes
merkten das fürdhkerlidye Erdbeben. 2. Nie kommt aber
Died Uebel allein, und die Gefahr befteht . nicht blos in dem
Erdbeben ſelbſt, ſondern Diefed bedeutet auch ein gleich
großes, ‚oder ein nod) größeres Unglück. Die Stadt Rom
*) Mol. die Einleitung über die Schriften des Plinius.
29 Am Fluſſe Pescara, in der Gegend von Epieti. 2
”.., Dal. Tacitus Annalen, B. U. K. 47.
222. €. Plinius Raturgefcichte.
wurde nie erfgättert, ohne daß dadurch irgegb ein autünfe
tiges Ereigniß angezeigt worden wäre.
LXXXVII (ASxxv). 4. Die Erdbeben find auch die
Urfache neuentſtehender Landſtücke, wenn nämlich ber .er:
..wähnte Wind wohl Eräftig genug ift, den Erdboden zu. er-
heben, aber nicht Durdhgubrechen vermag. Es entſteht alfo
nicht nur Land durch die Anſchwemmung der Klüffe,: wie --
die Echinaͤdiſchen Infeln [Curzolari] , welche der. Fluß Ache⸗
lous [Aspropotamo] bildete, und der größte, vom Nil ge⸗
fchaffene Theil Aegyptens, deſſen Küfte, wenn man dem
Homer *) glaubf, von der Infel Pharus [Pharillon] eine
Tag⸗-⸗ und Nachtreife entfernt wars fondern and durch
den Rücktritt ded Meeres, wie derſelbe Dichter *% von
den Eirceifhen Inſeln [Borgebirg Eircello] behauptet.
2. Eben fo foll, wie man angibt, das Meer in dem Dafen
-von Ambracia [Arte] einen Raum von zehntanfend Schritten
[2 M.J, und an dem Atheniſchen Hafen Piräeus einen-Raum
von Fünftanfend Schritten [1. M.] angeſetzt haben;- zu Ephe⸗
ſus [Ajaſaluk] befpülte es einft den Tempel der Diane.
Wollen wir einer Nachricht des Herodot **) Glauben
fhenten, fo: reichte ehmald dad Meer oberhalb Memphis
[Minieh) von den Etenen Arabiens, bie zu den Aethiopi⸗
fhhen Bergen; aud) war Meer um Ilium [Bunarbafchil
*) Obyſſ. IV, 354-356. Diefe Anfhwenmung mag jedoch
nieht fo bedeutend geweſen ſeyn.
*r) Odyſſ. X, 194. foll gemeint ſeyn. Plinius Hat aber dan
diefe' Stelle mißverſianden. Vol. B. III. K. o. 5. 6.
911, $. 10,
.
\
- Zweites Bud) 223
und in ge; Zeuthranien, *) we der Maander [Bojuk
Minder] das Land augeſchwemmt haben mag.
- LXXXVIU (ıxsıyı). 4. Auch auf andere Weiſe ent:
fieht-Land, und taucht unvermuthet aus irgend einem Meere
hervor, gleichfam als woße die Natur ſich ſelbſt nichts
fyuldig_bieiben, und was an einer Stelle ein Erdſchlund
° verfchlang. an einer andern wieder erſetzen.
LXXXIX (Xxvm). 4. Auf diefe Weife follen nad)
®yer Ueberlieferung die: Tängft berühmten Inſeln Delos
[Delo] und Rhodos entſtanden ſeyn; fpäter noch meh:
rere kleinere, Anaphe [Nanſi] hinter Melos (Milo), Nea
- [Naiofratil, zwiſchen Lemnus (Stalimene] und dem Helles⸗
pont ſMeerenge der Darbanellen], Halone [Alone] zwiſchen
Lebedus Lebedißzi Hiſſar) und Teos IPuſor), Thera [San⸗
forin] und Theraſia [Asproniſi]), zwiſchen den Cycladen, im
vierten Jahr der 135ften Olhmpiade [237 vor Chr.), zwi⸗
ſchen denfelben, 430 Jahre fpäter, Hiera (die große Kams
meni], weiche auch Automate Fdie von ſelbſt entflandene]
heißt, and zwei Stadien [!/ Grunde) von diefer, 110 Jahre
fpäter , zu unferer Seit, nämlich unter tem Eonfülat des
M. Junius Silanus und des L. Balbus [19 nach ehr.) am
8. Juli, 29a [die Meine. Kammeni). W |
, Ein Pleines Land in Myfien, am Fluß Baicus (Girmafti).
"m, 0 müßten alfo zwiſchen der Entſtehun; ven Hiera ‚und
‘ver von Thia nicht 110, fondern 125%. liegen. Die
Zahlen fcheinen Gberhaupt in biefem Kapitel fehr verborben
zu ſeyn; denn auch Thera iſt viel aiter, als Plinius |
angibt. '
2% - ...E. Plinius Naturgeſchichte.
(esxıvı,) 2, Bor unferer.-Zeit tauchte and) dicht an
Italien eine Der Aedliſchen [Lipariſchen) Inſeln "aus dem
Meere hervor; eben fo eine dicht un Creta, welche 2,500
Schritte [1 M.] groß war, und auf der ſich warme Quellen
befanden. ine andere Sam im dritten Fahre der 163ſten
Dlpmpiade [126 vor Ehr.] im Tusciſchen [Xoscanifchen)
Meerbufen zum Vorſchein, und brannte bei heftigem Winde,
Man erzählt, daß eine Menge Fiſche um fie herumgeſchwom⸗
men, und daß Alle, verce von dieſen gegeſſen, augenblick
lich geſtorben ſeyen. So ſollen auch die Pithecuſen
IIſchia) in dem — [Neapolitaniſchen] Merbuſen
entſtanden, and bald darauf der auf ihnen gelegene Berg’
Epopon, nachdem plötzlich Flammen - aus ihm hervordras
hen, der Ebene völlig gleich geworden feyn. Auf: derfeiben
Inſel fol eine Stadt dom Meer verfchlungen,, und bei ei
nem anderen Erdbeben ein Sumpf enfftanden feyn: bei
einem dritten foll ſich die Inſel Prochyta ſProcida] aus zu⸗
fammengeflärgten und in das Meer gewälzten Bergen geil:
det heben.
Denn auch auf diefe Weife hat die Natur Infefn
gebiet So riß fie Gicilien von Ftalien, Cypern von Sp:
rien , Enbda [Negroponte} von Böotiem [Xivadien}, Atalante
[Zalanda] und Maͤcris [Elena] von Enbba, Besbycus [Ras --
lolhymunoe] von Bithynien (Sandſchak Bigha] und Lencoſia
[Piana] vom Vorgebirg der Sirenen lLicoſo] los.
XCI (AXxXIxc) Umgekehrt hat ſie dem Meere gInſeln
entzogen und mit dem feſten Lande verbunden: fo Antiſſa
mit Lesbus [Metelino], Zephyrium '[Zefre) mit Halicar⸗
nafſſus Bodru], Aethuſa mit Myndus [Menteſche] Dromiscus
0 Ziveites Bud). 2285
und Perne mit Miletus [Palatſchia]), Narthecuſa mit dem
Vorgebirg Parthenium [Eski⸗Burun]. Hybanda *) in Io:
nien, einſt eine Inſel, iſt nu zweihundert Stadien [5 M.]
vom Meere entfernt, Epheſus (Ajaſaluk] hat jegt Sprie
mitsen in feinem Gebiet, und das ihm nahegelegene Mag:
nefia [Guzelhifſar] die Derafiden und Sophonia mitfen in
dem feinigen, . Auch Epidaurus FRagufl veedhio] and Dricum
LOrfo] Haben aufgehört, Infeln zu fegn.
XCII (zo). Auch entzog fie und ganze Ränder , haupt:
fächlidy aber basienige, weiches, wenn man dem Plato **)
glaubt, deu ungeheuren Raum, , wo fi jebt der Atlantiſche
Ocean befiidet, einnahm. Im mittelländischen Meer wur:
den, wie wir jept noch fehen, Acarnanien durch den Ambra⸗
ciſchen Meerbufen [Golf von Arta], Achaia durch den Co⸗
rinthiſchen IGolf von Lepanto], Europa und Aſien durch
die Propontis [Mar di Marmora] und Pontus ſdas
ſchwarze Meer] zum Theil unter Waſſer geſetzt anch durch⸗
‚brach das Meer Leucas ISanta Maura)], Antirrhium [Ea-
ſtello di Romelia], den Hellespont [Dardanellenftraße) und
die beiden Bosporen [Meerengen von Konftantingpel und
von Caffa].
XCH (xcı). Doch warum länger von deu Meerbufen
uud Landfeen reden? Die Erde verzehrt ſich ja ſelbſt. So
) Die Lage dieſes Ortes, fo wie der anderen mit dem fefien
Laube vereinigten Pläge, bei welchen bie neuere Benennung
nicht beigefegt iſt, wurde bis jeut noch nicht ausgemittelt.
‚”, Im Zimäus, ©, 25. Die vielbefprochene Infel Atlantis,
€, Plinins Naturgeſch. 28 Bin, "8
®
236 C. Plinius Naturgeſchichte.
verſchlang fie den ſehr hohen Berg Cybotus mit der Stadt
Curite, den Sipylus in Magnefla Lin Kleinaſien] und früher
in derfelben Gegend die weltberühmte Stadt, welche Tan⸗
talis hieß; in Phönizien die Städte Galanis und Ga⸗
male, ſammt ihren Feldern; in Aethiopien den Phegius,
den höchſten Bergrücken im Lande, als wenn die truͤgeriſchen
Küſten nicht ſchon genug Schaden anrichteten.
XCIV (xcu). Am Maͤotis [Azow’fchen Meer] verſchlang
das Meer Pyrrha und Antiffe, im Corinthiſchen Meerbuſen
Eiice und Bura, ‚deren Spuren noch in ber Tiefe bemerkbar
find ; von der Inſel Cea [3ia] riß es ein Stüd ‚von mehr
als dreißigtaufend Schritten [6 M.] los, und verfchlang ee
mit den meiften Bewohnern; eben fo in Sicilien die Hälfte
der Stadt Zyndaris [Tindare], und was an Italien fehlt, I
und in Böotien [Livadial @feufis.
XCV (sc). A. Uber fchweigen wir jeßt von den Erd⸗
beben und vndern Zerſtörungen, die doch wenigſtens die
Schutthaufen der Städte übrig laſſen, »e) und ſprechen wir
jest lieber von den Wundern der Erde, al® von den Gräueln
der Natur. Aber, beim Herkules, Die Darftellung ber .
himmliſchen Erfheinungen möchte nicht ſchwieriger geweſen
feyn [ats die. dieſer Wunder if]. 2. Man betrachte den fo
mannigfaltigen, fo reichen, fo unerfchöpflichen Worrath von
Metallen, der ſich ſchon feit fo vielen Jahrhunderten immer
wieder erneuert, obfhon auf der ganzen Erde täglich fo viel
“
*) Der Raum zwifchen Italien und Siellien.
“+ Was bei den Berheerungen durch das Meer nicht der
Fall iſt.
J 3 Zweites Buch. 227
durch Feuer, Berwüſtung⸗ , Schiffbruch, Krieg und Betrug
zexſtört, fo viel durch die Leppigkeit und den Gebrauch uns
zuhliger Menfchen verborben wird ; bie unendlich verfchier
dene Seichnung der Edelſteine, die vielfarbigen Flecken an⸗
derer Steine, und unter dieſen beſonders einen, welcher,
das Licht ausgenommen, Alles an Glanz übertrifft; *)
Die Kraft der Heilquellen; die an fo vielen Orten her:
vorbrechenden, und fdyon ſo viele Jahrhunderte hindurch
ſortlodernden Flammen; die tödtlichen Dünfte, die ents
weder aus Gruben hervorſteigen, oder Durch die Lage des
Drted erzeugt werden, die hier nur den Vögeln, wie zu
Sorarte [Monte S. Oreſte], in einer nicht weit von der
Stadt. [Rom] entfernten Gegend, dort, den Menfchen
ausgenommen, allen Thieren, manchmal aber, audy dem
Menfchen, wie in dent Siuneffanifhen und Puteolaniſchen
Gebiete [zu Mondragone und Puzzuoli], den Tod bringen. **)
Manche henhen dieſe Duyſthoͤhlen auch Charoniſche ***)
Gruben, weil ſie einen tödtlichen Qualm aushauchen. 3. So
iR and) im Hirpiniſchen zu Amſanctus [Mufiti] bei dem
. Tempel-ber Mephitis, v ein Bits den Niemand beireten
pe
*) Bol. 8: XXXVI. 8, 46. «
”*) Man kennt jegt an den Gereichneten: Orten Eeine Höhlen,
aus denen ein tödtlicher Dunft auffteigt; wohl aber an anz
> bern Plägen, wie bei Neapel die berfichtigte . Hundobebie
(Grotta ” del cane)..
**). Bon Charon, dem. Fährmann in der Unterwelt,
H Der Göttia ber verborbenen Lufl. Man weiß in ber be
— zeichneten Gegend jet. nichts mehr von einer foren Stelle.
8
=
228. €. Plinius Naturgeſchichte.
kaun, ohne fogleich zu ſterben; eine ähnliche Stelle ift zu
Hierapolid [Bambuk-Katefi], die nur dem Priefler der gro⸗
Gen Mutter *) unſchädlich iſt; anderwärts gibt ed wahrfa«
gende Höhlen, in denen die Menschen, von der Ausdünſtung
trunfen, die Zukunft vorausverfünden, wie zu Deipbi
[Kaftri] das weltberühmte Drake. Welcher Sterbliche
könnte wohl für alle diefe Dinge eine andere Urſache anger
ben, als die Gottheit der alles burchdringenden Natur,
welche ſich hier ſo, und dort anders offenbart?
XCVI (acıv), 1. Einige Gegenden zittern, wenn man
darüber hingebt; **) fo bewegt ſich im Gebiete der Gabler
[Campo Gabio] ein Stüd von beinahe 200 Morgen, wenn
man darauf reitet. Daſſelbe bemerkt man im Reatinifchen
[dei Rieti]. |
(scv,) 2. Einige Infeln (hwimmen immer bin und her,
and man findet deren in dem Gebiete von Cäcpbum- [Caſtro ves
tere], Reate [Rietil, Mutina [Modena] und Statonia [Scan
kino]. Auf dem See Vadimon [Lago di Baflano) und auf
den Cutiliſchen Gewäflern [Cotila] ift ein. Dunkler Wald,
den man weber bei Zag, noch bei Nacht am derſelben Stelle
fieht.*") In Lydien [Sandihat Szarukhan] findet man
die fogenannten Ealaminiſchen Inſeln, 7) welche nicht une
9% Der Gbttin Eybele. Die Prieſter verbreiteten vielleicht
ſelbſt diefe ihnen einfrägliche Meinung.
m Dieb iſt befonders bei Moorgruͤnden ber Fall,
”s, Mon diefen Naturmerkwärbigkeiten findet man jetzt keine
Spur mehr. Doc darf ihr früheres Dafeyn nicht in Abs
rede gefkellt werden. Leber den See Vadimon vergleiche
man des jüngeren Plinius Briefe, VIII, 20,
) Ihre Stelle IE nicht mehr zu ermitteln,
D
Zweites Buß, x 299
durch den Wind, föndern auch durch Stangen, wohln man
wit, fortgeRoßen werden Fönnen, und auf welchen viele
Bürger in dem -Mithridatifhen Kriege *) ihre Rettung
fanden. 3. Auch auf dem Fluß Nymphäus Tla Nimpaj
befinden fih Beine Infeln, welche Zanzinfeln heißen; weil
fie ſich Heim Bortrage eines Muſikſtückes nach ben Teitten
Der takthaltenden Füße bewegen. Auf dem Tarquiniſchen
See [Lago Bi Bracciano], einem der bedentendften. Italiens,
treiben zwei mit Wald bewachſene Inſeln herum, welche,
je nachdem ber Wind anf fie einwirkt, bald ein Dreieck,
bald einen Kreis, nie aber ein Viereck bilden. **)
XEVvIl (zer). Paphos TPaffa] hat einen berühmten
Tempel der Venus, und in diefem einen Altar, auf wilden
es nie regnet; eben fo regnet ed nicht zu Nea [Fenifcheer],
einer Stadt in Troas [Sandihat Bigha], um die Bild:
ſanle der Mineiba herum; an derſelben Stelle faulen auch
Die Ueberbleibſel der Opferthiere nicht. * *)
XCVIII. tr. Bei Harpaſa Arpas⸗Kaleſi], einer Stadt
‚An After, ſteht ein ungeheurer Wels, der ſich 'mit_ einem
Singer bewegen läßt, aber dem Drude des ganzen
Körpers widerftehf. +) Auf der SHalbinfel ber Taurier
9) Wahrfcheinlich zu der Zeit, als Mithribates alle in feinem
Relthe befinblichen Römer zu tödten befahl (88 vor Chr.)
7e) Mer möchte jest beftimmen , ‚in wie weit diefe Merkwür⸗
digPeiten wirklich Glanben verdienen ?
— Dieß iſt an Orten, wo die beiden Haupturſachen der
Faͤulniß, Hitze und Naͤſſe, entfernt find, möglich. Daß
aber geradl ein ganz. kleiner Erdileck vom Regen verſchont
bleiben könne, möchte noch gu erweiſen ſeyn.
T) Ein. großer Felſen Könnte wohl durch einen Singer bewegt
,
250° C. Plinjus Naturgefchichte. .
[Krim], in der Stabt Paraſinus, ) findet ſich eine Erbe,
"Die ade Wunden heilt. ** Bei Aſſos [Bagtſche Ri] in
Troas wächst ein Stein, der -alle Körper verzehrt, und
Sarcophagns [Sleiſchfreſſer] heißt. **") An dem Biufe‘
Indus [Sind] befinden ſich zwei Berge, von benen der eine
die Eigenſchaft hat, daß er alles Eifen- anzieht; der andere
aber die, daß. er es abftößt. 4) Wer 'alſo die Schuhſohlen
mit Nägeln befchlagen bat, kann auf ben einen die Süße
nicht weiter dringen, und auf dem andern: nicht feſtſtellen.
3. In Locri [bei Bruzzano] und Eroton [Cotrone] herrichte,
wie man ausdrücklich anfgezeichnet hat, nie die. Pefl, auch
fpürte man‘ dafelbft nie ein Erdbeben; in Lyeien [(Sandſchak
Tekke] folgen jedesmal auf ein Erdbeben ‘ao heitere Tage,
In dem Gebiete von Arpi [Arpino] geht das gefücte Ges
treide nicht auf. Bei den Mucifchen Altären TH im Bei
fchen [bei Oſteria del Foffo], bei Tusculum [Brascati] und in
werden, wenn er in vollkommenem Gleichgewicht auf einer
ſchmalen Unterlage ruht. Dieß kann jedoch nunteinmeal
ſeyn; denn wenn er aus dem Gleichgewichte gebracht‘ ist,
wird er unbeweglich bleiben. '
*), Vielleicht ein Schreibfehler, ſtatt Characene, Charax Alupkqh.
**) Alſo eines ber vielen Univerſalmittel.
©, Wahrſcheinlich Alaunſchiefer, Alumen schisti, Linn.
+) Daß magnethaltige Berge bas Eiſen anziehen, ift bekaunt.
Von Bergen aber, bie das Eifen abfiopen, weiß man bis
jeut Nichts,
TH Ad aras Mucias, Andere lefen ad aras Murtias. lieber
keine biefer beiden Lesarten weiß man eine nähere Erläu=
terung zu geben. Hardouin meint dieſe Altaͤre fenen zur
Ehre des Mucius SeAvolg errichtet worben.
” v
N .
Zweites Buch, 231
dem Cimitifgen Walde Monte Fogliand] aibt es Gtellen,
wo, was men in die Erde fledt, nicht mehr herausgegogen
werben kann. Das Den, weiches auf dem Gruftuminifchen
Seide [Monte Rotondo] wächst, if daſelbſt ſchädlich, aus⸗
waärts aber gefund. *)
r ACX (xcvn). 4. Auch über die Eigenſchaft des Waſſers
haben wir ſchon mancherlei geſagt; das Wunderbarſte bleibt
aber, daß die Meeresfluth anſchwillt und wieder zurücktritt,
und zwar auf mehrfache Weiſe. Urſache davon ſind die Sonne
und der Mond. Zwiſchen zwei Mondaufgängen, alſo jedes;
mal in vierundzwanzig Stunden, **) ſchwillt die Fluth
zweimal an und tritt zweimal zurüd; und zwar Täuft fie
zuerſt an, wenn das Himmelsgewölbe mit dem Monde aufs -
fleigt, ***) und fällt, wenn biefer fich von. dem. Mittags⸗
punkte [von dem Meridian über dem Horizonte] nad) feinem
Untergange hinneigt: zum. zweitenmal fteigt die Fluth,
wenn der Mond nad) feinem Untergange an dem unterften
heil des Himmels die Stelle, welche dem Mittagspunßte
gerade gegenüber liegt [deu Meridian unter dem Horizonte),
erreicht bat, und verläuft fi von da an wieter bie zum
nachſten Aufgang des. Mondes. 2. Die Sluth erfcheine nie -
um diefelbe Zeit, wie am Tage vorher, da zer Mond, dem
- 9, Dasß Plinius in diefem Kapitel mancherlei Unfinn zufams
menreiht, braucht‘ wohl nicht erſt bemerkt zu werden.
”*) Genau ‚genommen in 24 St. 48° 44” 1, Denn baß
Waſſer fällt und ſteigt immer 6 Stunden lang, und ruht
zwiſchen jedem Fallen und Steigen etwa 12 Minuten,
, Man vergeffe nicht, daß ſich nach der Anfiht ber Alten ber
Himmel mit allen Planeten und Sternen um die Erde dreht.
—8
R
22. € Diinins Naturgeihichtee
fie bienftbar iſt, ) -und der das Meer mit gitrigem Bugean
fich reißt, flets an einer anderen Stelle aufgeht, als am
Tage vorher. Sie Fahrt jedoch in gleihen Zwiſchenräumen
zurüd, nämlich jedesmal nad ſechs Stunden, woörunter
man jedoch Feine beliebigen Zages:, Nacht⸗ oder Dress.
ſtunden, ſondern Aequinsctialſtunden *9 zu verfichen hat;
Denn rechnet man nad) den gewöhnlichen Standen, fo trifft
bie Fluth nicht regelmäßig ein, fondern bleibt Lje nach ber
Jahreszeit] entweder‘ bei Tag oder bei Nacht länger aus,
und ift. nur zur Zeit des Aequinoectiums allenthalben gleich.
5. Alles Dieb ift ein fchlagender Beweis, der fo Flar ik.
wie die Sonne, und uns täglich zuruft, Daß alle Die thü
richt fegen, welche nicht glauben wollen, daß die Geſtirne
aud) unter dem Horizonte. hinwandeln, und dann wieder
aufgehen; daß mithin die Erde, ja bie ganze Natur auf
der andern Seite die nämliche, Beftalt habe, und daß ber
Auf⸗ und Untergang. ber Geſtirne gerade fa vor ſich gehe,
wie bei und: denn der Mond bat ja offenbar unser ber
Erde keinen andern Lauf und Peine änbere Wirkung, ats
wenn er vor uufern Augen hineilt,
a. Einen mannigfachen Einfluß äußert. auch ber Mond
wechſel/ und zwar hauptſächlich von fleben zu fleben Tagen;
denn die Fluth ift mäßig vom Neumonde an bis zum erfien
Biertel: von da fchwillt fie flärker an, und fleigt am höd-
fien bei dem‘ Vollmonde; dann wird fle wieder ſchwaͤcher
und ſteigt bie zum flebenten Tage nicht höher, als na
: ») Die Ueberfegung folgt ber retart: ut aneillantes sideri 4
**) Mol, Kay. 19.
Zweites. Buch. 233
zum BReumonde; im lebten Viertel wirb fie wieher flärker,
nnd erreicht bei ber Eonjunetion des Mondes mit der Sonne
dieſelbe Höhe, wie bei dem Bollmonde. Schwächer ift auch
die Sluth, wenn der Mond im Norden ficht, und atfe
weiter non der Erde entfernt it, ”) als wenn er nah Sü⸗
den hinläuft, und durch feine größere Nähe einen flärkeren
Einfuß äußert. 5: Nach jedesmal acht Fahren oder nach
hundert Mondumläufen kehrt Die Fluch wieder zu ihrer alten
Drdnung und zu gleichem Wachstum zurück. Einen groe
Ken Einfluß auf fle übt aber auch der jährliche Sonnenlauf>
denn zur Zeit der beiden Tag: und Nachtgleichen ſchwillt
fie am meiſten au, und zwar noch mehr bei der Herbſt⸗,
als bei der Bräpfings:Tag und Nachtgleiche: ſchwach iſt fie
aber an dem kürzeſten Tag, und am ſchwächſten bei der
Eommerſonnenwende. Uebrigens trifft fie nicht gerade ganz
genau in den von mir angegebenen Seitpunkten ein, fondern
erft einige Tage ſpäter; alſo nicht gerade beim Vollmonde
ner beim Reumonde, fondern bald daranf: auch wicht ge
rade in dem Augenbiid, wenn nnd der Himmel den Mond
zeigt oder verbirgt, oder wenn diefev durch den Meridian
‚geht, fürfbern ungefähre zwei- Aequinoctialſtunden ſpäter;
weit wir naͤmlich alle Erſcheinungen, welde am Himmel
dorgehen, früher ſehen, als wir ihre Wirkung auf der Erde
ſpüren, wie beim, Meiterfeuchten, beim Donner und beim
5 6. Alte Fluthen find in dem Ocean flärter, und’ über:
9) Daß biefe größere Gntfermung nur ſcheinbar iſt, iſt bekannt
genug.
23 E. Plinius Natargefhichte.
ſchwemmen größere Strecken, als in den übrigen Meeren,
entweder, weil das Meer, wo es in feiner ganzen Größe
waltet, wilder ift, als in einem feiner Theile ; oder weit bie
ungehenre Fläche den Einduß des weithin wirkenden Ges
flirnes. ſtärker fpürt, eingeſchränkte Räume aber bemfelben
nicht unterliegen. Ans diefer Urſache bemerkt man andy
feine ähnliche Bewegung an den Seen und Flüſſen. Ober⸗
halb Britannien feige, wie uhs Pytheas von Mafflfien ver-
fidhert, ‚die Fluth bie auf achtzig Een 1130 F.]). 9) Die‘
inneren Meere find durch das Land, wie durch einen "Hafen,
geihäst; au manchen Stellen jebod,, mo fie eine breitere
Fläche darbieten, mäffen fe auch dem Einflaſſe des Mondes
gehorchen, wie man denn mehrere Beilpiele hat, daß bei
völlig ruhigem Meer und ohne Beihilfe der Segel :die
Ueberfahrt von Italien nad Utica 1Booshater] durch -die
bohe Flush **) in. drei Tagen gemacht wurde. 7: An den
Ufern find diefe Bewegungen des Meeres bei weiten mehr
bemerkbar, als auf der hoben See; gerade wie aud am
Körper die äußerften Theile den Schlag ber Adern, das
heißt, der Lebensluft, *°*) mehr fpüren. Faſt in allen-
Buchten zeigt ſich die Such, wegen des. ungleichen Aufgangs
”) Diefe Angabe ift fibertriehen. Die Stuth- fteigt in der
Themfe, wo fie am fiärkfien iſt, kaum auf 14 Yuß.
**) Man barf bie fchnelle Fahrt nicht allein der Fluth, ſondern
auch der Strömung bes mittelländifchen Meeres nach be‘
Afrikaniſchen Küften zufchreisen.
»s) Mac der Anficht des Plinius find bie Arterien nicht mit
win, fondern mit belebender Enft angefäht. ©», X.
88. 89,
" Zweites. Buch. | 285
der Geſtirne an jedem Ort, anders; doch ift fie nur, was
die Zeit ihres Eintreffens, keineswegs aber, was ihre Natur
betrifft, verfchieden,, wie man im, den Syrien *) wahrneh⸗
men kann.
-C. 41. Einige Orte haben jedoch hierin beſondere Ei⸗
genheiten. So kehrt die Fluth in der Meerenge von Taure⸗
meninm [Taormina] öfter, und auf Eubda [Negroponte]
fiebenmal **) im Laufe eines. Tags und einer Nacht wieber.
Auch bleidt die Waſſerhöhe in jedem Monat drei Tage lang,
nämlich den ſiebenten, achten und neunten nach dem Neu⸗
mond, unverändert, ***) Zu Gades [Eadir] befindet ſich
ganz nahe an bem Tempel bes Herküles eine als Brunnen,
gefaßte Duelle, weldye bald gleichzeitig mit dem Dcean, bald
aber- zu ganz enigegengefegten Zeiten fleigt und fällt.
2, An bemfelben Orte ift eine andere Duelle, welche
fih- nach. den Bewegungen des Oceans richtet. An dem
Ufer des Baetis [Guadalquivir] liegt eine Stadt, in wel
cher die Brunnen bei anfchwellender Fluth fallen, und bei
fchwindender Fluth fleigen, in der Swifchenzeit -aber ihren
Stand nicht verändern. Dieſelbe Eigenſchaft Hat in der
Shadt Hispalid [Sevilla] ein einziger Brunnen; die übrigen
unterfcheiden ſich in Nichts von den gewöhnlichen, Der
u) a. Suchten von Sydra und Cabes, an der Nordeuſie
frika's.
*2) givius (XXVIII, 6.) wiberſpricht mit Recht dieſer Angabe,
und meint, bie Ebbe und Fluth auf Eubba richte fich nach
Wind.
*#) Die Staliener fagen : dalli otto alli nove —R no’ si
muore.
%
235° C. Plinius Naturgeſchichte.
Pontus [dad ſchwarze Meer) frömt fortwährend heraus in
Die Propontis [Mar di Marmora]; niemals fießt aber das
Meer wieder zurück in den Pontus.
CL (xcvin). Alle Meere reinigen ih. beim Vollmond, *)
manche auch nur zu einer gewiffen Seit. Bei Meſſana
{Meffina] und Mylä ſMilazzo] wirft das Meer einen milk:
ähnlichen Unrath ans Ufer, woher auch Die Gage entilanden
ift, die Rinder der Sonne hatten hier ihre Ställe. Ariſto⸗
teled (um Nichts zu übergehen, Was mir bekannt iſt) fügt
nod hinzu, daß Bein Thier zu einer anderen Zeit ſterbe,
als wenn ſich die Fluth wieder verlduft. Man hat dieſe
Beobachtung am Galliſchen Ocean häufig angeftellt, und
wenigtens am Menfchen bewährt gefunden. **%
CIT cxcıx). 4. Darans ergibt ſich die richtige Ver:
muthung, daß man- nicht ohne Grund den Mond für bad
‚ belebende Geſtirn halte; daB er es fen, welcher die Erde
fättige, und der bei feinem Erfcheinen die Körper anfchwelle
und bei feinem Scheiden leere; daß daher mit. feinem Ju«
nehmen aud die Conchylien wachen, und daß befonbers .
biejenigen Weſen, welche Fein Blut haben, feine belebende
Kraft fühlen. 2. Uber auch das Bint des Menfchen fell
mit feinem Lichte ſich mehren und abnehmen, und fogar das
Laub und die Futterkräuter follen (wie wir an der geeigs
neten Stelle ***) Herichten werden) feinen infse, ber ale
Altes durchdringt, ſpüren. .
9) Weil die Fluth um biefe Zelt am ı Rörkfien iſt.
* no | jegt herrſcht Biefer Aberglaube an manden Küften,
”»+) 9, XVHR 8. 7
T) Der Einftup des Mondes auf die Erde und Ihre Erzeugniffe
Zweites Bud. 2237
cur (ec). Die Gluth der Sonne aber trocknet die Fench⸗
tigkeit auf; wir halten auch deßhalb dieſes Geſtirn für ein
mäunliches, *) weil es Alles ausdörrt und verzehrt. -
. . GV. 4. So wird auch dem offenen Meere der Balzs
gefchmad eingekocht, entweder, **) weil ihm bie füßen und
dünnen Beflandtheile, welche die Kraft des Feuers leicht an
fidy reißt, entzogen, und nur die herberen und dickeren zus
rüdgelaffen werden (weßhalb auch da6 Geewafier in ber
Tiefe füßer ift, als auf der Oberflähe, *"*) und‘ weßhalb
man denn auch den herben Geſchmack aus diefer Ur:
ſache natürlicher erklärt, als aus der Annahme, daß das
Meer der ewige Erdſchweiß +) fey); oder weil fi ein
großer Theil der trodenen Dünfe mit ihm miſcht; ober
weil es bie. Natur der Erde gerade fo, wie Die Heilquellen,
ſchwängert. 2. Als! einen fehr wunderdaren Vorfall führt
laͤßt fih nicht Kiugnen, Mie groß ober wie gering fibris
send diefer Einfluß iſt, laͤßt fich nicht wohl beftimmen.
*) Die deutſche Sprache bezeihugk. im Gegentheil bie Goune
als ein weibliches, und den Mond als ein männliche
Geſtirn. „N
er) Plinius gibt drei Urſachen bed Salzyeſchmacks an. 1. Das
- Einkochen des Merred burd; He Sonne. 2. Die Ver:
ſetzung. deſſelben mit beu trodenheißen Dünften ber Erde.
3. Die Schwängerung burc ben falzbaltigen Sünden bed
Meeres. Nach ber jekigen gewöhnlichen Anſicht ift ber
Salzgeſchmack dem Meere urfprünglic, witgetheilt, weſent⸗
lich und eigenthümlich, wird aber wahrſcheinlich durch die
Salzlager bed Meeresbodens unterhalten und vermehrt.
2) Jeyt glaubt man das Gegentheil.
‚» Die Auſicht des Empedoeles. S. Ariſioteles Meteorolog, I I, 1.
238 C. Plinius Naturgeſchichte.
man an, daß zur Seit, als Dionyſius, der Tyhraun von Si⸗
citien, von dem Throne gefloßen wurde, *) das Meer in
dent Hafen [von Syrakus] einen ganzen Tag hindurch füß war.
’ (a1), 3. Dagegen foll der Mond, als ein weibliches,
ſanftes und nächtliched Geſtirn die Beuchtigkeit anflöfen und
anziehen, aber nicht zerflören. Dieb ſoll daraus hervorgehen,
daß er durch feinen Schein die Leichen der Thiere zur Fäul⸗
niß bringt, den im tiefen Schlafe Liegenden die Betänbung
in dem Haupte zuſammenzieht, *) Bas Eis ſchmilzt und
Alles mit feinem, befenchtenden Hauch erweiht. 4. Go
haften‘ ſich die Kräfte der Natur das- Gleichgewicht, und
reichen ftetd‘- aus, indem dieſe Beftirne die Elemente vere
binden, jene aber fle zerſtreuen. ») Der Mond zieht
alfo feine Nahrung aus dem füßen Waſſer, die Sonne aber
aus dem Seewaſſer. +) .
- CV can), Die größte Tiefe des Meeres gibt Fabianus
. auf 45 Stadien [8,789 F.J an. +7) Nach Andern ſoll im
Dontus, dem Lande des Volkes ber Eorarer 47) gegenüber,
») Um das J. 357 vor Chr. Vol. Valerius Merimys VI, 9.
Das Wunder, wenn ed. wahr it, Fann zufällig durch ein
Erbbeben bewirkt worden feyn. -
.0*) Die angeführten Erfcjeinungen find Beine Folgen bes Monb-
Uichtes, fondern ber nächtlichen Feuchtigkeit. Ueber die
Wärme bed Mondes hat man viele Vermuthungen aufges
ftellt , ohne eine, erweiſen zu können.
—* Bol. Kay. 38. '. 2.
D Sonne und Mond ziehen Feuchtigkeit an, aber ohne Kid:
fiht auf die Beſchaffenheit derſelben.
TI Nach Laplace fol die großte Tiefe ungefähr 4000 Toiſen
betragen
1tD Em Bol in Eolchis Mingrelien).
. Zweites Buch. 239
ungefähr dreihundert Stadien [7% M.] vom Land eine un:
ermeßliche Ziefe haben, und bie jest nody kein Boden ges
funden worden ſeyn: man nennt diefe Stellen die Abgründe
(Basia) des Pontus. "
CVI (cam). 41. Noch wunderbarer find die Eigenfchaften
des füßen Waflers, welches dicht an dem Meere wie aus
Röhren herborfpzingt: auc dem Waſſerreiche fehlt es nicht
an Wundern. Das füße Waller ſchwimmt auf dem Meere,
ohne Zweifel, weil es leichter ift; *) deßhalb trägt auch das
Seewaſſer, weil es ſchwerer ift, bei weitem größere Laſten.
2. Oft ſchwimmt aber audy ein füßes Wafler auf dem atı-
dern, ») wie auf dem Kucinifhen Bee [Lago di Eelano]
der in-ihn mündende Fluß [Giovencolo], auf dem Larifchen
[eago bi Eomo] die Adduna [Udde], auf dem Verbaniſchen
[Lago maggiore] det Ticinus [Tefino] , auf dem Benacifchen
[Lago di Guarda] der Mincins [Mincio), auf dem Sevini⸗
fchen [Lago di Sen] der Ollins [Oglio], auf dem Lemanifchen
Fenferfee) der Rhodanus [die Rhone] — der leptere jenfeits
der Alpen, die übrigen in Italßen. Alle ftrömen freund«-
nachbarlich durch diefe Seen hin, und nehmen nur ihr eier
genes und durchaus nicht mehe Wafler, als fie hineingeführt
haben, mit. fi) heraus, -Dafielbe behauptet man. aud) vom
Drontes [AR] in Syrien und vielen andern Zlüffen.
*%) Die Schwere bed Seewafferd verhält fi zu ber des füßen
Waſſers wie 73 zu 70.
”*,, Die Urfache biefer (übrigens von Willen in Abrede ges
ſtellten) Srfcheinung ift wohl Beine andere, als bie Kältere _
Temperatur biefer meift aus gefhmolzgenem Schnee beſte⸗
henden Seen, und bie größere Wärme des Flußwaſſers.
”
*
2
d
—*
240 C. Plinius Naturgefchichte.
3. Einige Flüffe laufen aus Widerwillen gegen das
Meer unter demfelben hin. So kommt in der Duelle Ares
thuſa zu Syracus Alles wieder zum Borfchein, was man im
den Aipheus [Rufial, der durch Olympia [Miratam] fließt,
und anf dem Ufer des Pelopaunes [Morea] in das Meer
fällt, geworfen bat. *) In die Erde hinein fallen und
fommen wieder zum Borfhein der. Lycus [Kulhiſſar] im
"Alten, der Erafinus [Rephalari] in Argolis [Kanton Arhos],
der Tigris [Tigr] in Mefopotamien [DſheſtraJ. Was man
zu Athen in die Duelle des Aesculap verſenkt, wirft eine
andere im [Mtbenifchen Hafen] Bhalerum wieder aus. Ein
Fluß, **) welcher im Gebiete von Atinum [Ateno]) unter
die Erde ſtrömt, koͤmmt nad einer Gtrede von 20,000
‚Schritten [4 M.) wieder jum Borfhein, eben fo in dem.
Gebiete von Aquileja ber Timavus [Timavo]. |
4 Auf dem Asphaltifhen See [XTodten Meere], der
das Erdpech hervorbringt, gebt Nichts unter, **) und eben
fo audy nicht auf dem See Arethuſa FRAME] in Großarme⸗
- nien [im Ejalet Wan]; body nährt ber letztere, obſchon er
fatpeterhaltig iſt, Fiſche. Im Salentiniſchen Gebiete Bei ber
Seadt Manduria [Mandula] befindet ſich ein. See, ber ſtets
bis an den Rand: voll ift, und weder, wenn man Waſſer
heransfhöpft, Fällt, noch, wenn man welches hineingießt,
N Plinins nimmt hier poetifche Zehnmerei als Wahrheit.
»s) Der Tanager (Negro),
*) Unwahre Uebertreibung. Das Pechwaſſer trägt nur ſchwe⸗
tere Korper. |
Zweites Bud. . 244
ſteigt. ) 5. In dem ZSluſſe der - Eicouen ) und im
Veliſchen See [Pie di Lugo] im’ Picenifchen wird hinein⸗
geworfenes Holz mit einer Steinkruſte überzogen, eben ſo
in dem Flufſe Surius [Dfhedfho], in Colchis [Mingrelien],
und zwar anf eine Weiſe, daß die Rinde noch in ihrem ua
tärfichen Zuftande ‚bleibt, went das. Innere ſchon in Gtein
verwandelt iſt. Auch im Silarus [Silaro], unterhalb Sur⸗
rentum [Sorrento] , verfteinern nicht nur bie hineingetauchten
Zweige , fondern auch die Blätter derfelben ; ***) übrigens
ift fein Waſſer ein "ganz gefunder Trank. Am Ausfuffe des
Reatinifhen Sees [Lago di Rieti] wachſen Zelfen, +) und
im rothen Meere fproffen Delbäume und grüne Geſtraͤuche
empor. TI)
6. Biele Quellen Ind aber auch ihres heißen Waſſers
wegen merkwürdig; man trifft deren auf den Gipfeln der
Alpen 471) und felbft in dem Meere, zwifſchen Italien und
der Inſel Aenaria IIſchia], fo wie in dem Bajaniſchen
Meerbufen [Golfo di Puzzuolo], im Liris Garisliano] und.
Dieb kann wohl der Sal feun, wenn er durch gioße
anterivdifche Kanäle mit andern Gewaͤſſern in Verbindung
ſteht.
”*, Der Fluß der Ciconen, eines Volksſtammes in Thracien
(Rumelien), ift wahtfcheinlich der Reſtus (Rarafı). \
”. Jetzt weiß man Nichts Kr biefer Eigenfchaft des Silaro.
+ * cheinbar, weil ber Grand zwiſchen den Felſen hin:
fit wird.
+4) ans Rinus vielleicht die im rothen Meere hänfigen Li⸗
tho
+rm) Die neuere Beit kennt baſelbfi reine beißen Quellen.
E. Plinius maturgeſc. 26 Bdchn. ‘9
-
242 | C. Plinius Naturgeſchichte.
in andern Flüſſen. Auch ſußes Waſſer trifft man im Meer
an vielen Stellen, wie bei den Chelidoniſchen Infeln [Che⸗
lidoni], bei Aradus [Rund] und im Ocean bei Babes [Eas
- Bir). 7. In den beißen Quellen der Pataviner [Paduaner}
wachen grüne Kräuter, in denen der Piſaner Fröſche, und
in denen bei Vetulonia [Torre vecchia] Fiſche. Im Gebiete
von Caffnum [Eafino] findet ſich ein Fluß, *) der Gcatebra
heißt, und der im Sommer Palt und waſſerreich ift: in
ihm, fo wie in dem See Stymphalis [bei Sarte] in Arca⸗
dien [Kanton Teipolisa] wachſen Waſſermäuſe. Der Quell
Des Yupiter in Dodona [Bonila] ift Balt, und löſcht hinein«
getauchte Fackeln aus; wenn man ihm aber ausgetöfchte
nahe bringt, fo zündet er fie an. Um die Mittagszeit hört
er auf zu laufen (weßhalb er aud ’Avranzavousvos [der Auf⸗
hörende] heißt) ; fräter fängt er an zu wadfen bis um-
Mitternacht, und läuft dann Über; von da an.fällt’er all⸗
mälig wieder. 8. Auf einer Falten Duelle in Illyrien ent⸗
zünden (id) die Kleider, welche man darüber breitet; der
Duell des Jupiter Hammon iſt bei Tag kalt, und in der
Nacht heiß. **) Der fogenannte Sonnenquell bei ben Tro⸗
glodyten [am Arabifhen Meerbufen] ift bei Tag ſüß und
.) ‚Vielmehr ein Bach bei der Stadt San Germano.
8%), Da in ber Bleinen Dafe CA Wah el Garbi), wo jetzt noch
viele Tempetruinen fichtbar find, ſich bei dem Dorfe El
Kaſſar wirklich eine ſolche Quelle befindet (Saspari's Hand⸗
buch der Geographie, 6 Abthig. Bd. 1. Weimar, 1824.
8. ©, 719),f0 muß man, die Berbefferung Hardouin's, ber
fons in stagnum verändert, um fo.mehr zurücweifen, als
Plinius hier meift nur von Quellen redet.
Zweites Bud. 243
ſehr kalt; fpäter fängt er an warm zu werden, und um
Mitternacht iſt er durdy Hipe und Bitterkeit untrinkbar.
9. Die Quelle des Padus [Po] Hält im Sommer um
die Mittagszeit gleichfam ihre Ruheſtunde, und wirb ganz
troden. Auf der Inſel Tenedos [Bokdsja⸗Adaſi] ift eine
Duelle, die nad) der Sommerfonnenwende: regelmäßig von
der dritten bie zur fehsten Nachtſtunde [9 bis 42 Uhr] -
überläuft. Die Duelle Inopus auf der Inſel Delos [Deio]
wächst und fällt auf dieſelhe Weife, wie der Nil, und zus
gleich mit ihm. Auf einer Pleinen Infel, der Mündung bes
Fluſſes Timavus [Timavo] gegenüber befinden fih warme
Duellen, welche mit der Ebbe und Fluth fallen und fleigen.
Der Fluß Bomanns [Bomano) in dem Gebiete von Piti⸗
num [Pedecino] , jenfeitd des Apenninus, ift- jedesmal bei der
Sommerfonnenwende reißend, am kürzeſten Tag aber troden.
10. Alles Waffer im Gebiete von Faliscum IS. Mas
ria di Salari} macht die Rinder, welde davon trinken,
weiß; der Fluß Melas *) in Böotien [Livadien] macht die
Schaafe fchwarz, der Cephiſſus [Maurogero] , der aus dem
nämlidyen See ») entfpringt, weiß, der Peneus [Salams
bria] wieder ſchwarz und der Kanthus [Effenide] bei Ilium
[Bunarbaſchi] röthlich, woher er auch feinen Namen hat. ***)
Die Stuten, weldye auf den Geldern am Pontus [Schwarzen
J
*) Nach Strabo IX. (©. 624), ‚verfhwand biefer Fluß durch
ein Erdbeben,
*) Yus dem See Copals Xovokia),
„N Zandoc, gelb, röthlid).
9%
a
”
*
— — —
244 C. Plinius Naturgeſchichte.
TReere] ‚«bie der Aftaces *) bewäffert, weiden, geben fchwarze
Milch, von welcher fi) die Einwohner nähren. Im Gebiete
von Reate [Rieti] iſt eine Quelle, Neminie genannt, , welche
bald an dieſer, bald an jener Stelle ausbricht, und die
größere oder geringere Ergiebigkeit der Ernte andeutet.
In dem Hafen von Brundiſium [Brindifi) gibt eine Duelle
zen Gerfahrern ſtets frifches und unverborbenes Waſſer.
711. Das Waſſer in Lynceſtis, **) welches man Sauerwafler
nenut, macht, wie ber Wein, trunken. Aehnliches Waſſer
findet man in Paphlagonien [Sandfchat Kaftemuni] und im
Gebiet von Eales [Ealvi]. Auf der Infel Andros [Andro]
im Tempel des Vaters Liber [Bachus] ift eine Quelle,
weiche, wie Mucianus,.der dreimal Eonful war, **°) glanbt,
jedesmal an den Nonen des Januar [5. FJan.] einen Weinge: _
ſchmack annimmt; man nennt fle dos Heodoola (Gottesgabe).
Der Styr [Mauronero] bei Nonacris [Naukria] in Arka⸗
‚ bien, deſſen Waſſer ſich weder burd) Geruch, noch durch Farbe
von dem gewöhnlichen unterfcheidet, tödtet, auf der Stelle
Jeden, der daraus trinkt. Auf dem Bügel Libroſus P in
*), Man hat bis jetzt die Lage dieſes Fluſſes nicht ausmitteln
kösnnen. Die ſchwarze Milch iſt jedenfalls ein albernes
Mahrchen.
) In Ober⸗Macedonien. Noch jetzt findet man Mineral⸗
quellen in verſchiedenen Theilen Macedoniens.
ver. Inden J. 52, 70 und 76. ©. das Schriftfieller:
verzeihniß vor biefem Buche. -
D Andere Hanbſchriften Iefen Bero ſus. In weiber Ge
Zweites Bud). | 25
Zaurien (Ind drei Quellen, die ohne Rektung und ohne
Schmerz tödten. Indem Earrinifchen Gebiete [bei Garra]
in Spanien fprudeln zwei Quellen neben einander, von
denen die. eine Alles auswirkt, und die andere Alles vers
ſchlingt. Bei demfelben Volke iſt eine andere Quelle, in
welcher die Kifche goldfarben ſcheinen, fi aber, wenn man
fie aus dem Waſſer zieht, in Nichts von anderen Zifchen
unferfheiden. 42. In dem Gebiete von Como, am Lari⸗
fhen See ſLago di Eomo], ift eins flarfe Quelle, welche in
jeder Stunde wächst und wieder fällt. Auf ber Inſel Eye
donea [Quitteninfel] bei Lesbos [Midily] ifk_eine warme
Quelle, die nur im Frühjahr fließt. Der See Ginnand in
Aſien *) nimmt von dem an feinen Ufern wachſenden Wer-
muth den Sefhmad an: Zu Edlophon [ALLObosco] ir der
Höhle des Clariſchen Apollo *”) iſt eine Pfüge: wer daraus
trinkt, gibt wunderbare Orakelſprüche von fih, verkürzt
fiy aber dadurch das Leben. Das Flüſſe aufwärts fließen,
bat man auch zu unferer Zeit in den letzten Negierungd-
jahren Nero’s geſehen, wie ich in deſſen Geſchichte erzabit
habe.)
43. Wem iſt wohl unbekannt, daß alle Quellen im
Sommer kälter find, als im Winter? Eben fo kennt Jeder
end ber Halbinfel Taurien (Krim) bieſer Hügel war, laͤßt
ſich nicht befionmen,
N) Weahrfheiniih in Phrygien Eandſchar Kutaja). Die 2age
des Sees laͤßt ſich nicht mehr. ausmitteln.
2 Bol. V, 31. Tacit. Annal. IE, 54,
) “in ber Fortfegung ber Gedichte des Aufidius Bafat.
©. d. Einleitung.-
246 C. Plinius Naturgeſchichte.
die höchſt wunderbaren Naturerſcheinungen, daß Erz und
Blei in Kiumpen untergehen, breitgefchlagen aber ſchwim⸗
men; daß Gegenflände, die genan baffeide Gewicht haben,-
theild unterfinfen, theils oben bleiben; daß fich Laften auf
dem Wafler leichter fortbewegen laſſen; daß der Scyrifche
Stein :*) in großen Stüden fhwimmt, wenn man ihn aber
Bein fchlägt, untergeht ; daß frifche Leichen zu Boden finfen,
"wenn fie aber aufgefchwollen find, wieder auf die Oberfläche
kommen; baß leere Gefäße nicht Leichter aus dem Waſſer zu
ziehen find, als volle; 44. daß Regenwaſſer in den Salz⸗
gruben beffer ift, als anderes; daß es überhaupt kein Salz
gibt, wenn man nicht ſüßes Wafler beimiſcht; ») daß das
Geewafler fchwerer gefriere, ſich aber leichter enizündbe; ***)
daß das Meer im Winter wärmer, im Herbſte ſalziger
iſt; daß es ſich durch Det befänftigen laſſe, und daß’ die
Tancher deßhalb folhes aus dem Munde fprigen, weil es
die herbe Natur des Meeres mildert und Licht herableitet; +)
415. daß auf der Hohen See Pein Schnee fällt; daß die
Duellen emporfprudeln, obſchon alles Wafler abwärts ſtrebt,
und daß .man fogar deren am Füße bes Aetna finde, der
®) Stein von der Ze Seyro; wabeſcheinheh eine Art Bims⸗
ſtein. S. XXXVI
‚+, ‚Eine falſche Anficht. - "Das Serwaifer muß nolhwentig bei
der Werdunftung bie Salztheile zurüdlaffen:
) ge nacem es mit Chlor, Schwefel u. f. w. gefchwns
gert i
» —* Aberglaube. Aus den bigetrãnkien Schwaͤmmen
druckten die Taucher die Luft mit dem Munde and, wenn.
fie athmen mußten, |
“
Zweites Bud). 247
doch eine ſolche Gluth in ſich fchließt, daß bie Feuermaſſe
den Sanb bundertundfünfzigtaufend Schritte [30 M.] weit
ſchleudert. *)
CVII. Nun wollen wir aud) einige wunderbare @igen-
ſchaften Bes Feuers, welches in der Natur das vierte Ele⸗
ment if, anführen, und zwar zuerſt ſolche, die nd) aus
feiner Berbindung mit dem Waſſer ergeben.
CVIN (civ). Sn der Stadt Samoſata [Schemifat] in
Sommagene [Gandichat Simafat} ift ein Sumpf, welcher
brennenden Schlamm, Maltha genannt, auswirft. Cr
bängt fi an jeden feſten Körper, den er erreichen kaun,
and Wer ihn berührt, dem folgt er, wenn er audy flieht.
Die Einwohner vertheidigten ihre Stadt damit, als fie von
Zucullus belagert wurde [68 vor Ehr.]; die Soldaten brann:
ten ſammt ihren Waffen. Das Wafler vermehrt noch den
Brand, und uur mit Erde kann er gelöfcht werden, wie bie
Erfahrung gezeigt hat.
CIX (cv). Eine ähnliche Eigenjchaft hat die fogenannte
Naphtha, **) weldye in der Umgegeud von Babplon [bei
Hille] und im Lande der Aflacenen in Parthien FRubifanl
wie flüffiges Del hervorquilt. Sie hat eine große Ber⸗
*) Eine nähere Erklärung der in dieſem Kapitel berührten
Eigenfchaften bed Waſſers, die bis auf einige Mähzchen und
Uebertreibungen wahr find, wuͤrde zu weit führen. Auch
wirb fie ber wißbeglerige Lefer fich Leicht in phyſikaliſchen
Merken nachſuchen Pönnen,
”) Zwiſchen Maltha und Naphtha ift Bein Unterſchied, als daß
die erſie zaͤh iſt (wie Pe), die andere Ba (wie Sn.
Ä 8 x
x “ -
-
248 €. Plinius Noturgefihichte.
wandtfhaft mit dem Feuer, und diefes ſpringt auch fogleich,
wo fie ihm vorkommt, auf fie über. So foll auch von der.
Medea das Kebsweib [bes Jaſon] verbrannt worden feyn,
‚indem ihre Krone, als fie, um zu opfern, an ben Alter
trat, vond m Feuer ergriffen wurde.
CX (ovı). 4. Uber auch die Berge haben munberbare -
Eigenfchaften. Der Vetna brennt ftets des Nachts, und ber
Zeuerftoff reicht nad) fo vielen Jahrhunderten immer’ nad) '
ans ; im Winter iſt er mit Schnee bedeckt, und Reif über
zieht die ausgeworfene Aſche. Wber nicht in diefem allein
wüthet die Natur, und droht der Erde Verbrennung; in
Dhafelis [Fgeder] brennt der Berg Ehimära,- und zwar
Tag und Nacht hinduch in ewiger Flamme 9) Durch
Wafler wird fein euer nody mehr angefaht, durch Erde
aber oder Heu gelöfcht,, wie Etefias von Gnidus berichtet.
Die Hephäftifchen [outkanifhen] Berge in denfelben Lycien
brennen, wenn man fie mit einer flammenden Badel berührt,
fo fehr, daß auch Flußkieſel und Sand felbft in dem Wafler
glühen; and) der Regen nährt diefes Beuer. 2. Wem
Zemand mit einem daran angezündeten Stock Furchẽn zieht,
fo folgen ihm, wie man erzählt, Feuerbäche. In Bactrien
[Balkh] brennt der Gipfel ded Eophantus. In Medien
[Fran] und Sittacene [Dfbefira] an der Grenze von Per:
fien [gibt es ebenfalls Teuerfpeiende Berge]; *°) zu Suſa
[ISchuſter] au dem weißen Thurm ſteigt das Feuer aus 15
) Noch jetzt ſteigen in ber’ Gegend von Igeder, im ehmaligen
Lycien (Saubfchae Tekke), Rauchfänten aus Höhlen, auf.
**, Der Text bed Minius ift im dieſer Stelle ſehr verdorben.
=
s
"Zweites Buch. 249
Kratern, nnd aus Dem größten berjelben auch bei Tag.
5. Auch bei Babylon brennt ein Stück Feld, weiches faft einem
Bifhteihe von der Größe einer Juchart ”) gteiht. Um
Den Hes periſchen Berg **) im Lande der Aethiopier furkeln
die Felder, wie Sterne; biefelbe Erfcheinung bemerkt man
in dem Gebiete der Megalopolitauer [bei Ginano], und es
ift ergöglicy anzufehen, wie ber ganz im Walde verborgene
funkelnde Berg nicht einmal das dichte Laubwerk der auf
ihm ſtehenden Bäume anzündee. Auch der Krater des
Rampbaum [Nimfio] brennt immer dicht neben einer kalten
Duelle, und bedeutete ſchon oft den Bewohnern des nahen
Apollonia [Polina} großes Unglüäd, wie Theopompus ers
zählt. Regenmwetter fleigert feine Wirkſamkeit, und er wirft
dann Erdpech aus, welches, obgleich es ohnehin fon Müf-
figer ift, ale jedes andere Erdpech, duͤrch jene untrinkbare
Quell verdünnt werden, kann. 4. Doch Wer mollte ſich
über diefe Dinge wundern? Brannte doch mitten im Meere
Die Aeoliſche Inſel Hiera [Bulcano] bei Italien ſammt
Dem Meere während des Krieges mit den Bundesgensfs
fen ») einige Tage lang, bis eine Befandtichaft des Ser
nats ein Sühnopfer darbrachte. In der furchtbarſten Gluth
brenut jebod) der Aethiopiſche Berg, Geir örnua [Götter
ft
*, Die NRömifhe Iuchart ift ein Stüd Feld von 240 $. in
ber, Länge , und 120 F. in ber Breite,
”) Wahrſcheinlich dad grüne Worgebirg auf der Wertüfe von
Afrika. Zufällig von den Wilden angezündete Feuer mö-
gen ben alten Seefahrern die Meinung vom fundeinden
Feldern beigebracht haben,
09%) Diefer Krieg begann im J. 91 vor en. Bol. 8. 85, 5.2,
20. € Plinius Naturgeſchichte.
wagen] genannt, *) und wirft unter den ſengenden Strahlen
der Sonne ganze Flammenſtröme aus. An fo. vielen Orten
und durch ſo viele Fener verbrennt- Die Natur die Erde,
-CXI (cvn). 4. Da außerdem diefed einzige Element
feiner Natur nad) fi). fortpflanzt, ſich felbft erzeugt und aus .
dem Bleinften Funken emporwuchert, Was follen am Ende
die. Folgen dieſer fo zahlreichen, über Die ganze Erbe ver-
breiteten Scheiterhaufen ſeyn? Wie groß muß dieſe Natur
ſeyn, welche die gierigſte Gefräßigkeit in der ganzen Welt,
ohne ſelbſt Schaden zu nehmen, nährt? Dazu rechne man
noch die unzählbaren Geftirne ,. die. ungeheure Sonne; man
rechne noch dazu das Feuer, weldyes die Menfchen anzün⸗
den, welches in den Steinen verborgen liegt, welches aus
aneinandergeriebenen Hölzern entfteht, und‘ endlid das
Feuer der Wolken, das die Blige veranlaßt. 2. Ja wahr
lich, ein Wunder ift es Über alle Wunder, daß nür em
Tag vergeht, ohne daß nicht Altes verbrennt, da auch fogar
Hohifpiegei, die man den Sonnenſtrahlen entgegenhätt,
leichter zünden, ald irgend ein anderes Fener. Und wie.
unzählige Peine, aber natürliche Feuer fprubeln nicht-allent-
halben herpor! Auf dem Nymphäum bricht aus einem
Belfen eine Flamme, die ſich durch den Regen entzündet,
hervor; **) eben fo bei den Scantiſchen Quellen : *"*) hoc)
verliert die lestere Flamme ihre Kraft, wenn fie auf andere .
”) Das Vorgebirg Sierra⸗Leona auf der Küfte von Oninea.
) Daſſelbe jagte Plinius kurz vorher (Kay. 110. 6. 3.).
"SE, Diefe Quellen finb jegt unbekannt. Wahrfcheinfich Tagen
fie in Campanien (Terra bi Lavoro)
,
J x > >
Zweites Bud. 251
- Gegenftände übergeht, nnd haftet nicht fange an einem
fremdartigen Stoffe; eine Eiche, welche den Zeuerborn be
det, grünt immer. 3. Im Gebiete von Mutina [Mo:
dena] bricht. an den dem Vulkan geheiligten Tagen [im
Auguſt] Feuer hervor. Auch findet man hei Schriftfiellern
angegehen,, daß in den um Aricia- [Riccia] liegenden Ge⸗
fiden die Erde ſich entzünde, wenn eine Kohle darauf falle;
daß in dem Gebiete der Sabiner *) und Bidiciner [bei
Teano)] ſich ein Stein befinde, welcher brenne, wenn man ihn
fatbe; daß in der Galentinifchen Stadt Egnatia [Zorre di
Adanazzo] das Holz, welches may auf einen, dafelbft bes
findlihen geheiligten Stein legt, fogleih in Flammen aufs
Indere; und daß auf dem unter freiem Himmel ftehenden
Altar *”) der Lacinifchen Juno die Ufche feſt liegen bleibe,
von welcher Seite auch die Stürme heranbranfen.
u 4. ESs entftehen. fogar andy manchmal plögliche Slam:
men, fowohl auf dem Wafler, ald aud am lee
Körper. So ſoll einmal der - ganze Trafimenifche See
[Lage di Perugia] gebrannt haben. Dem Servius Tullins
flug in feinee Jugend während des Scylafes eine Flamme
aus dem Haupt; ***) eben fo foll, wie Valerius Autias
erzählt, dem 2, Marcius, ald er in Spanien nach dem Tode
der Gcipionen eine Rede hielt, und die Soldaten zur Rache
2) Die Sabiner wohnten zwifchen den Flfiffen Anio (Teverone),
Ziber, Nar (Nera) und dem Gebirge Fiscellus (Monte di
Sibvylla).
20) Im Laciniſchen Gebiete in Bruttium, bei Erotond (Eos
. trone in Ealabrien). .
”.) 'Bgl. XXXVI, 70. Balerins Marimus I, 6, 1.
y s ”
252 C. Plinius Naturgefchichte.
anſpornte, das Haupt gebrannt haben. *) Später mehr
. und Genaneres hierüber: ‚hier ſollten nur wunderbare Er⸗
ſcheinungen jeder Art in bunter Reihe zuſammengeſtellt
werden. Nachdem ich nun aber die Erklärung ber, Natur
im Allgemeinen beendigt habe, beeile ich mich, den Geiſt
des Leſers gleichſam an der Hand über den ganzen Erd⸗
kreis zu führen.
CXU (cvın). 4. Der. von und bewohnte Theil ber
Erde, von welhem ich fprede, und ber, wie geſagt, **)
gleichſam auf dem Dcean fchwimmt, bat feine größte Aus
Dehnung von Morgen nad) Abend, das heißt, von Indien
bis zu den Säulen des Herkules, die ihm zu Bades [Eadir]
. geweiht find. . Diefe Ausdehnung beträgt nach dem Gchrifte,
. fleller Artemidorus .8,568,000 Schritte [1,714 M.], nach
Iſidorus aber 9,818, 000 [1,964 M.]. Artemidorus fügt noch
für die Strecke von Bades um das heilige Vorgebirg [S.
Vincente] herum, bis zu dem VBorgebirg Artabrum [Orte⸗
gal], dem äußerfien Punkte der Spanifhen Küfle, noch
494,000 Schritte [98 M.] Hinzu. 2. Zu diefer Maßbeſtim⸗
mung gelangt man auf einem doppelten Wege. *) Bon
Sluffe Ganges umd feiner Mündung, wo er fih in den
) Val. Livins XXV, 32-36. Wal. Marimus I, 6,2. —
Auch die in biefem Kapitel erwähnten wunderbaren Ere.
fheinungen Iaffen ſich bis auf- wenige, bie den Stempel des
Aberglaubens deutlich genng an fich tragen, recht gut
theild. durch Vulkane, theils durch fid) aus dem Waſſer
entwickelnde Dunſte, theils durch die Electricität ertlaͤres.
**) Kap. 66. 5. 2.
*”e), Zur See und zu Land.
&
>
U
”
Zweites Buch. 253
öfttichen Dcean ſtürzt, durch Indien und Partien [Perfien],
bis zu der Syriſchen Stadt Mpriandrus [bei Alerandrette]
am Iſſiſchen Meerbufen [Skanderun] zählt man 5,245,000
Schritte [1,043 M.]; von da auf dem EZürzeften Geeweg
über die Infel Cypern, Patara [Patira]- in Lycien [Sand⸗
shat Muntefha], die Inſeln Rhodus und Aſtypaläa
[Stampalia] im Garpathifchen Meer [Mar di Scarpanto],
Tänarum [Kaino] in Laconien LMaina], Lilybaum [Mar:
fala] in Sicilien, Ealarid [Cagliari] in Sardinien, 2 ‚105,000
Schritte [424 M.], und von da bis Gades 1,250,000 [250 M.].
Das Geſammtmaß vom öſtlichen Meere an beträgt alfb
8,568,000 Schritte [1,714 M.].
3. Bei weitem zuverläßiger in die Ansmeſſang auf
dem Laudwege. Nach diefer beträgt die Entfernung vom
Ganges bis zum Euphrat [Brat] 5,169,000 Schritte
[1,053%; M.]; von da bis nach Mazaca [Kaifarie] in Cap:
padocien [Sandſchak Kaifarie] 349,000 [63% M.]; von da
durch Phrygien [Sandſchak Kufahia] und Earien [Sandſchak
Munteſcha] bis nad) Epheſus [Ajaſaluk] 415,000 [83 M.];
von Epheſus durch das Aegäiſche Meer bis nach Delus
IDeto] 200,000 . [40 M.]; bis zum Iſthmus [Landenge von
Korintd] 212,500 [42'/2 M.]; A. von da zu Land, dann über
Das Lehäifche Meer *) und’ den Korinthifhen Meerbuſen
Golfo bi gepanto] bis nah Paträ [Datraffo] im Pelo—⸗
yonnes [Morea] 90,000 [18 M.]; bis Leucas [Santa Maura]
37,500 [17 M.]; bis Corchra [Corfu] eben fo ‚viel; bis zu,
5 So hieß der zunachn va Kein) Yiegende Thril des Golfs
von Lepanto.
,
+
-
254. C. Plinius Naturgeſchichte.
dem Acroceranniſchen Gebirge [Chimera] 152,500 [26%; M.];
bie Brundiflun [Brindifi] .87,500 [17% M.]; bie Rom
360,000 [72 M.]; dis zu dem Bleden Scingomagus [ Sezanne)
in den Alpen 519,000 [1037/;M.]; durdy ' Gallien bıs Illi⸗
beris [Eine] an den: Pyhrenäen 927,000‘ [185%; M.]; bis
um Ocean und zur Küfte Spaniens 531,000 [66'/ M.];
ie Ueberfahrt nach Bades 7,500 [12 M.]. Das Gefammts
maß ‚beträgt alfo nady der Berechnuug des Artemidorus
8,945,000 Schritte [1,789 M.]. *)
5. Bür die Breite der Erde von Mitfag nach Mitter-
nacht nimmt man ungefähr die Hälfte dieſes Maßes, nam⸗
Ih 4,280,000 Schritte [898 M.], an. »*) Man erſieht
daraus ganz deutlich, wie viel auf der einen Geite die
Hise, und auf der andern die Kälte uns entzogen. hatz
denn ich glaube nicht; daß an der Erde etwas fehlt, oder
daß fie Feine volltommene Kugelgeftalt hat, ‚fondern baß die
an beiden Enden liegenden unbewohnbaren Gegenden nody
nicht entdedt find. Bei der Beflimmung des angegebenen
Maßes beginnt man an der Küfte des Aethiopifchen Dceans,
fd weit Ddiefe. nämlidy bewohnt ift, ***) und zählt non -da
Dis Meroe [Merawe] 1,000,000 Schritte [200 M.]; von da
bis Wlerandria 4,250,000 [250 M.]; bis Rhodus 563,000
[412% M.]; bis Gnidus [Mei am Kap Krio] 87,508
17% M.]; bis Eos [Standho] 25,000 [5 M.]; bis Samus
LSufam:Adafi] 100,000 [20 M.]; bis Chius 1Stio] 94,0P0
[18% M.]; bis Mitylene [Caſtro auf Metelino] 65,000 -
[135 M.]; bis: Tenedos [BoEdsja-Abdafi] 44,000 [3% M.];
bie zum Vorgebirg Sigeum [ SIenifhehr ] 12,500 [2'215
6. bis zu der Mündung des Pontus [Schwarzen Meeres]
342,500. T622 M.]; ‚bie zum Vorgebirg Larambis [Ke:
rempe] 350,000 [70 M.]; bie zur Mündung des Mäotıfdyen
*) Der gerabe Weg vom -Banged bis Cadix beträgt ungefähr
.. 1,260. M. . -
“, Mach richtigerem Mag ungefähr 6 -M.
”**) Ungefähr vom Aequator an.
ı
J
Zweites Buch. 255
[fowfchen] Meeres 512,500 [62'; M.]; bis zur Mündung
des Tanais [Don] 275,000 [55 M.]: diefe Strede Tann je
doch, wenn man den nächflen Seeweg nimmt, um 89,000
Schritte [17% M.] abgekürzt werden. Für das Land von
der Mündung des Zanais aufwärts haben die fleißigffen
Schriftſteller ein Maß angegeben. Artemidorus zeigt durch
das Eingeſtändniß, die Sarmatifchen Völker wohnen am
Zanais, und fenen die nördlichſten, daß er Die weiter hin
liegenden . Gegenden für unbekannt hielt. 7. Iſidorus fügte
ned) zu dem angegebenen Make für die Strecke bis nad
Thule *) 1,250,000 Schritte [250 M.]. Dieß ift aber eine aus
der Phantafie gegriffene Vermuthung. Wie ich höre, foll
die Strecke bis zu den Grenzen der Sarmaten nicht Pleiner
ſeyn, als die fo eben angegebene [von Wethiopien- bis zum
Don]. Und wie groß muß nicht Diefes Land denn auch wirt:
iih ſeyn, da es unzählige Völker, die fortwährend ihre .
Wohnſitze wechfeln, umfaßt! Ich glaube deßhalb, daß das
. weitere Maß für die unbewohndare Erdgegend viel ‘größer
angenommen werden müffe: denn auch weit über Germanien
hinaus Tolfen, wie ich in Erfahrung gebracht habe, vor nicht
langer Seit unermeßlihe Infeln entdedt worden feyn.
8 Die iſt's, Was ih Über die Länge und Breite '
für bemerkenswerth halte. Den ganzen Umfang ber Erde
aber hat Eratofthenes — ein Mann, der faft alle Zweige
des Willens erfhöpfend behandelte, und befonders in Dies:
fem jeden Andern an Genauigkeit übertrifft, weßhalb ihm,
wie ich fehe, auch Alle beiftimmen — zu_252,000 Gtadien,
welche nach Römiſchem Maß 31,500,000 Schritte [6,300 M.]
ausmachen, angegeben: 9. ein großes Wagniß, aber auf
eine fo triftige Beweisführung geſtützt, daB man fid)
ſchämen muß, ibm feinen Glauben fchenten zu mollen.
Hipparhus, der in der Verbeſſerung des Eratofthenes, fo
wie überhaupt in .allen anderen Dingen einen. bewunde-
°) Island oder Nowwegen, ober die Shetlands⸗, Orkney⸗
oder Farderinfeln ? j
256 €, Plinius Naturgeſchichte. ꝛc.
rungswürdigen Scyarffinn beweist, fügt noch etwas weniger
ald 25,000 Stadien [625 M.] hinzu. *) !
(cıx). 10. Anders verhält es fi mit der Glaubwür⸗
digkeit des Dionyſodorns, und ich will abfichtlich dieſes
auffalfende Beifpiel Griechiſcher Eitelkeit nicht überachen.
Er war von Melos [Milo] , und hochbberühmt durch feine
Kenntnifie in der Geometrie. Er farb in hohem Alter in
feiner Baterftadt, und fein Leichenbegängniß wurde von
‚feinen Anverwandten, melden die Erbfchaft zufiel,. beforgt.-
ALS diefe in den nächſtfolgenden Zagen die gebräuchlichen
Eeremonien verrichteten,, follen fie in dem Grabe einen im
Namen des Dionpfodorus an die Obermelt gefchriebenen
Brief gefynden haben, in welchem (land, daß er von feinem
Grabe aus in das Junerſte der Erde gekommen, und daß
Bis dahin 42,000 Stadien [1,650 M.] feyen. 11. Es fehlte
nidyt an Geometern, weldye die Sache dahin erklärten, daß
der Brief vom Mittelpuntte der Erde ausgeſchickt fen;
denn bis dahin müfle von der Oberfläche die weiteſte Strede,
und dieſe alfo die Hälfte des Erddurchmeflers fenn. **
‚ Daraus folgte nun die Berechnung, nad) welcher fie den
Umfang der Erde auf 252,000 Stadien beflimmten,
CXUI. Eine ausgleichende Berechnung , welde ſich auf
die nothwendige Uebereinflimmung der Natur mit allen ihren
Theilen flügt, fügt biefem Maße noch 12,000 Gtadien
[300 M.] hinzu, und macht fomit die Erde zum ſechsund⸗
neunzigftien Theile der Welt. ***) ‘
” Alſo 6,925 M. Die jegige Berechnung gibt ben Erdum⸗
fang zu 5,400 M. an.
**) Der Durchmeffer der Erbe beträgt 1,719, ber Halbmeſſer
859% M. Die alte Berechnung ift alfo zu hoch.
”2*, Der Umfang der Welt wäre demnach 5,979,600 M. Cine
befchyäntte Anfiht. Die Welt ift unermeßlich, und die
Erbe ein winzig Eleiner Punkt in derſelben.
!
Roͤmiſche profaiker
in
neuen Üeberfegungen.
Herausgegeben.
von
G 2. F. Tafel, Profeffor zu Tübingen,
C. N. v. Dfiander, Profeffor zu Stuttgart,
und G. Schwab, Pfarrer zu Somaringen
ı „bei Tübingen.
— —
Hundertfievenundfünfzigftes Bändchen.
Oo Stuttgart,
Berlag Ker J. B. Mepterichen Buchhandlung
u 1 8 4 0.
%
A
Cajus Plinius Secundus:
Naturgeididte,
LU]
Aa
Ueberfegt und erläutert
von.
Dr. Ph. H. Rülb,
Stadtbibliothekar zu Mainz.
Drittes Bändchen.
Stuttgart,
Berlag der J. B. Meplerfchen Buchhandlung,
1840
8
*
*
®
CE. Plinius Secundus Naturgeſchichte.
Drittes Bud.
Ueber die Lage der Länder, ihre Bewohner,
Meere, Städte, Häfen, Berge, Flüſſe,
‚die Entfernungen derDrte von einander
und über die Völker, welhe noch da find,
. vder da waren. | |
GG
[4
Inhalt
Worwort. Eintheilung des Erdkreiſes. Kay. I. Guropa;
feine Lage und feine Grenzen im Allgemeinen. II. Hiſpanien
-überhaupt.]. II. Die Bätifhe Provinz. IV. Das bieffeitige
Hispanien. V. Die Narbonenfifhe Provinz. VI, Italien.
VO. [Der neunte Bezirk Statiens, VI, Der fiebente Yezire
Italiens. IX, [Der erſte Bezire Staliend.] Der Tiber. Rom.
X. [Der dritte Bezirk Italiens.) XI. Vierundſechzig Infeln,
darunter die Balearen. XI, Eorfica ZU, GSarbinien, |
XIV, Sicilien. XV, ſGroßgriechenland. XVI. Der zweite
Bezirk Italiens. XVII. Der vierte Bezirk Staliend. XVII. Der
fünfte Bezirk Italiens. XIX, Der fehste Bezirk Italiens,
‘
262 C. Plinius Naturgeſchichte.
XX. Der achte Bezirk Italiens.! Vom Padus. XXI. [Der
eitfte Bezirk Itallens.] Italien jenſeits des Padus. XXII. [Der
zehnte Bezirk Italiens] XXI. Lage und Bewölterung Iſtriens.
XXIV, Die Alpen und bie Alpenvölter. XXV. tTipuruten
und Juyrieum. XXVI. Dalmatien. XXVIl. Die Norifer,
XXVIII. Pannonin, XXIX, Möften. XXX. Inſeln im
Joniſcheñ und Abriatifhen Meer.
Summg ber Städte und Böller . . .....
ss" der bedeutendern Fluſſe Pr zur er rer
s der bedeutendern Berge . . . +. \
5 der Inſeln.. ....
⸗ der verſchwundenen Städte und Völker.....)
Summe aller Segenfiände, Geſchichten und Bemerkungen 826.
Duellen.
INömifhel Turranius Gracilis, Com... Nepos, T. Li⸗
vins, Cato der Cenſor, M. Agrippa, M. Varro, der göttliche
Augufus, Barro von Altace, Antias, Hpginus, 2. Vetus,
Mela Pomponius, Curio der Vater, Caͤlius Arruntius, Seboſus,
Licinius Mucianus, Fabricius Tuscus, E. Atteius Capito, Ver⸗
rius Flaccus, L. Piſo, Gellianus, Valerianus.
Fremde: Artemidorus, Alexander Polyhiſtor, Thucydides,
Theophraßzus, Iſidorus, Theopompus, Metrodorus von Scepſis,
Callicrates, Renophon von Lampſacus, Diodorus von Syracus,
Ealliphanes, Timagenes.
u ⁊
“) Wie Zahlen fehlen in allen Handſchriften.
J
— — —
Drittes Bub, 263
Bemerkungen über die in bdiefem Bude
von Plimius benützten Quellen. *)
Agrippa (M. Vipfanins), Berwandter. und Sremd
des Kaiſers Auguſtus, welcher ſich um die Geographie große
Berdieuſte erwarb. Zwar hatte ſchon unter Julius Cäſar
ein Senatsbefchluß eine allgemeine Meſſung des Römiſchen
Reiches verordnet; aber erſt Auguſtus (S. D.) braßite fie
durch Agrippa’s Bemühungen zu Stande. Dieſer legte die
gewonnenen Reſultate in einem Werke nieder, aus welchem
Plinius eine Menge von Nachrichten, beſonders aber Maß⸗
beſtimm ungen ſchöpft: fo die Beſtimmungen der Entfernung
Des Borgebirges Lacinium von Cauls (Kap 15. 8. 2.); bei
Umfangs des Adriatiſchen Meeres (Kap. 29. 6. 2.); ber
Größe des Bätiſchen Spaniens (Kap. 3. S. 13,)5 der Nar⸗
Wonenfifhen Provinz (Kap. 5. 8. 6.) nud Gicitiend (K. 44.
$ 1). Diele Belimmungen find übrigens nicht immer '
richtig. Durch Plinins (Kap. 3. $. 3.) _srfahren wir, daß
er die Küftenbewohner der Bätifchen Provinz für Abkömm⸗
linge der Kartbager hielt. Agrippa hatte den Pan, in
einem runden Bebände die zu feiner Zeit bekaunten Theile
der Erde bildlich darzuftellen. Der Zob binderte ihn
an ber Musführung (Kap. 3. |. “e. Vergl. Augus
Aus -
"m Der Strid ) vor einem Artikel zeigt an, daß vom bem
Schriftfteller ſchon beim zweiten MWuche bie Rebe war. Die
Green Autoren find wit einem Sternchen bezeichnet.
Drittes Bud. - 265
Zuhaltövergeichniffe zu biefem Bude unter feinen Quellen
anführt, ohne Daß wir beſtimmen können, melde Barte
deſſelben er vor Augen hatte.
— Auguftus, der Kaifer, den wir ſchon im vorigen
Bude als Hiftoriter keunen lernten, erwarb ſich auch große
Berdienite um Die Geographie. : Er lieh eine große Karte
DE Römischen Reiches fertigen, und in.dem Reichtarchiv
hitberlegen. Auch vollendete er den von’ Agrippa (©. D.)
Drojestivten, und von deſſen Schweſter begonnenen Zempel,
in Melhem Die damals bekannten Theile der Erde bildlich
Uurgefeitt waren (Kap. 5. 6. 44.). Plinins folgt in feiner
Desgtaphie Auguſt's Wintheilung Italiens in Bezirke
a6. 8.8. Kap. 7. 3. Kap. 9. 5. 10.).'
Cilius., ©. Antipater E. Eälins).
* Gatlicrates, ein nns unbekannter Griechiſcher
Gäröftfteller , der wahrſcheinlich ein geographiſches Merk
herausgegeben hatte. Denn Plinius führt ihn im Inhalts⸗
verzeihniffe zu diefem Buche als eine der von ihm benügsen
Duelen an.
*Eallimahns aus Eyrene, ein b:tannter Schrift⸗
Reller des dritten Jahrbunderts vor Ehr., welcher Ad in
den mannigfaltigfien Iweigen des Wiſſens verſachte. Bon
feinen zahireichen poetiſchen Werten Aub nur feine Hymuen,
die jedoch Leinen befonderen poetiſchen Werth haben, und
Erigeamme auf unfere Zeit gekmmen. Mehr zu bebauern
in ber Bertap feiner Hißorifchgeographifhen Er"
Air Geftichten über Gründungen von Jaſein uud
nie vieur zai mel), uud „Mundermerke &
Güpine). Uns dem erferen Diefer Werke nahm
*
256 C. Plinius Naturgeſchichte. ꝛc.
rungswürdigen Scharfſinn beweist, fügt noch etwas weniger
als 25,000 Stadien [625 M.] hinzu. _ "
(cix). 10. Anders verhält es ſich mit der Glaubwür⸗
digkeit des Dionyſodorns, und ich will abfichtlich dieſes
auffallende Beifpiel Griechiſcher Eitelkeit nicht übergehen.
Er war von Melos [Milo] , und hochbberühmt durch feine _
Kenntniffe in der Geometrie. Er flarb in hohem Alter in
feiner Baterftadt, und fein Leichenbegängniß wurde von
„feinen Anverwandten, welchen die Erbfchaft zufiel, beforgt.,
Als diefe in den nächſtfolgenden Zagen die gebräuchlichen
Geremonien verrichteten , follen fie in dem Grabe einen im
Namen des Dionpfodorus an die Dbermelt gefchriebenen
Brief gefyuden haben, in welchem fland, daß er von feinem
Grabe aus in das Junerſte der Erde gekommen, und daß
bis dahin 42,000 Stadien [4,650 M.] ſeyen. 11. Es fehlte
nicht an Geometern , welche die Sache dahin erklärten, daß
der Brief vom Mittelpuntte der Erde ausgeſchickt fen;
deun bis dahin müfle_von der Oberfläche die weitefte Strede,
und Diefe alfo die Hälfte des Erddurchmeflers ſeyn. **)
‚ Daraus folgte nun die Berechnung, nad) welcher fie den
J Umfang ber Erde anf 252,000 Stadien beflimmten.
CXHI. Eine ausgleichende Berechnung, welche fich auf
die nothwendige Uebereinffimmung der Natur mit allen ihren
Theilen flügt, fügt biefem Maße nod 12,000 Gtadien
[300 M.] hinzu, und macht fomit die Erde zum fechsund:
neunzigfteu Theile der Welt. ***) \
* Alſo 6,925 M, Die jegige Berechnung gibt den Crbum:
fong zu 5,400 M. an.
*+, Der Durchmefler ber Erbe beträgt 1,719, der Halbmeſſer
859% M. Die alte Berechnung ift alfo zu hoch.
“#*), Der Umfang ber Welt wäre demnach 5,979,600 M. Cine
befchräntte Anfiht. Die Welt ift unermeßlih, und bie
Erde ein winzig Fleiner Punkt in berfelben.
B
'
Rbmiſqe. Proſaiker
in
neuen Ueberfegungen.
Herausgegeben.
von
G 2% F. Tafel, Profeſſor zu Tübingen,
C. N. v. Dfiander, Profeffor zu Stuttgart,
und G. Schwab, Pfarrer zu Somaringen
bei Tübingen.
— —
s
Hundertfiebenundfünfzigftes Bändchen.
we
Stuttgart,
Bering Kr J. B. Mesterfchen Buchhandlung
1 8 4 0
%
Cajus Plinius Secundus
Naturgeſchichte.
ueberſetzt und erläutert
von.
Dr. Ph. H. Külb,
Stadtbibliothekar zu Mainz.
Drittes Bändchen.
Stuttgart,
Verlag der J. B. Meh le r'ſchen Buchhandlung.
1840.
‘
«
€ Plinius Secundus Naturgeſchichte.
Drittes Bud.
Meber die Tage der Länder, ihre Bewohner,
Meere, Städte, Häfen, Berge, Flüſſe,
die Entfernungen der Orte von einander
und. über die Völker, welhe noch da find,
e x
„ . dder da waren. ,
oo —Jnbalt.
- Worwort, Eintheilung des Erdereiſes. Kay. I. Europa;
. fette Lage und feine Grenzen im Allgemeinen. Il. Hiſpanien
-überhaupt.). III, Die Bätifhe Provinz. IV. Das bieffeitige
Hispanien. V. Die Narbonenfifhe Provinz. VI, Italien.
VII [Der neunte Bezire Italiens. VIII. Der fiebente Yezire
Italiens. IX, [Der erſte Bezirk Staliend.] Der Tiber. Rom.
X. [der dritte Bezirke Italiens.) XI. Vierundſechzig Infeln,
darunter die Balearn. XI, GEorfica XIII. Sardinien,
XIV, Sicilien. XV. [®roßgriedheniand. XVI. Der zweite,
Bezirk Italiens. XVII, Der vierte Bezirk Italiens. XVIII. Der
fünfte Bezirk Iteliens. XIX, Der ſechste Bezirk Stalins.
‘
-
1
262 C. Plinius Naturgeſchichte.
XX. Der achte Bezirk Itariend,]. Vom Padus. XXI, [Der
eifte Bezirk Itallens.] Italien jenſeits des Pabus. XXII. [Der
zehnte Bezirk Italiens] XXI, Lage und Bevölkerung Iſtriens.
XXIV. Die Alpen und bie Alpenvölter. XXV. Tisurmien
und Juvyrieum. XXVI Dalmatien. XXVI. Die Noriter,
XXVIII. Pannonin, XXIX, Möften. XXX. Infen im
Sonifchen und Atriatifchen Meer.
Summf ber Städte und Böller . . . . 0...
⸗der bedeutendern Stäffe. ... ..
3 der bedeutendern Berge . oo. 0.0. t
⸗ ber Inſeln......
⸗ ber verſchwundenen Städte und Volker..... *
Summe aller Gegenſtände, Geſchichten und Bemerkungen : 326.
Quellen.
IRômfſche] Turranius Gracilis, Corn. Nepos, T. Li⸗
vius, Cato der Cenſor, M. Agrippa, M. Varro, der göttliche
Auguſtus, Barro von Utace, Antias, Hpginus, 2. Vetus,
Mela Pomponius, Curio der Vater, Caͤlius Arruntius, Seboſus,
Licinius Mucianus, Fabricius Tuscus, L. Arteius Capito, Ber:
rius Flaccus, &, Piſo, Gellianus, Valerianus.
Fremde: Artemidorus, Alexander Polyhiſtor, Thucydides,
Theophraſtus, Iſidorus, Theopompus, Metrodorus von Grepfis,
Eallicrates, Zenophon von Lampſacus, Diodorus von Syracus,
Ealliphanes, Timagenes.
Die Zahlen fehlen im allen Handſchriften.
r " — — — *
Drittes ih | 263
Bemerkungen über die im diefem Bude
von Plinius-benügten Quellen. ®)
Agrippa (M. Vipfſanius), Verwandter: uud Fremd
des Kaifers Auguſtus, welcher ſich um tie Geographie große
Berdieuſte erwarb; Zwar hatte fhon unter Julius Cäſar
ein Senatsbeſchluß eine allgemeine Meflung des Römiſchen
Reiches verordnet; aber erſt Auguſtus (©. D.) bradite fie
durch Agrippa’s Bemühungen zu Stande. Diefer legte bie
gewonnenen Refultate in einem Werke nieder, and welchem
Plinius eine’ Menge von Nachrichten, befonders aber Maß:
deftimmungen ſchöpft: fo die Beftimmungen der Entfernung
des Borgebirges Lacinium von Caulo (Kap 15. $. 2.); bed
Umfangs des Adriatiſcheu Meeres (Kap. 29. 6. 2.); Ber
Größe des Bätifchen Spaniens (Kap. 5. 6. 13,);5 der Nar⸗
Konenfifhen Provinz (Kap. 5. $. 6.) uud Gicitiend (K. 24.
$. 1). Diele Beflimmungen find übrigens nit immer '
richtig. Durch Dlinins (Kap. 3. $. 3.)_erfahren wir, daß
er die Küfenbewohner der Bätifchen Provinz für Abkömm⸗
linge der Karthager hielt. Agrippa hatte den Wan, in
einem runden Gebände die zu feiner Zeit bekaunten Theile
der Erde bildlich darzuſtellen. Der Tod hinderte ihn
an der Ausführung (Rap. 3. $. 44.). Vergl. Augus
Kus. | \-
9 Der Strih (—) vor einem Artikel zeigt an, daß vom dem
Schriftfteller ſchon beim zweiten Buche bie Rebe war. Die
Griechiſchen Autoren find mit einem Sternchen bezeichnet,
264 C. Plinius Naturgeſchichte.
RAlexander von Kotyäum in Phrygien, oder (wie
Suidas angibt) von Milet, ein Griechiſcher Schriftſteller
ans dem letzten Jahrhundert vor Chr., war Sclave des
Cornelins Lentulus, der ihm die Freiheit ſchenkte, nnd den
Unterricht feiner Kinder übertrug. . Ulerander nannte Ad)
deßhalb auch Cornelius. Seiner ausgebreiteten Keuntniffe
wegen hieß er Polyhiſtor. Er fchrieb ein gesgrapbifdgkäfi«
ſtiſches Werk über die damals befaunten Länder,-und eine
Sammlung von. wunderbaren Erzählungen- (Savkaviur ov-
sayayı). Aus welchem ber, beiden nicht mehr vorhandenen
Werte Plinius die Nachricht (Kap. 21. $. 3.).über die Abs
ſtammung der Orobier, eines Volkes im nörbjichen, Stalien,
nahm, läßt fidy nicht ermitteln.
Antias. S. Balerius Antias.
— Antipater (L. Eälins). Aus ſeiner Geſchichte der
—* Kriege nahm Plinius (Kap. 23. 6. 5.) die Bes
Wiamung der Länge der. Alpen:
Arruntins (Eucins), ein Römiſcher Hifforiker aus der
Zeit Auguſt's, welcher eine nicht mehr vorhandene Geſchichte
des erften Bunifchen Krieges fchrieb, in welcher er den Styl
des Salluſtins nachgekünftelt habeh foll. . Plinius nennt ihn
im Inhaltsverzeichniffe zu dieſem Buch unter deu von ihm
benügten Schriftſtellern. |
— * Urtemiborus von Ephefud. Un welchen
Stellen Plinins die geographiſchen Werke diefes Schriftſtel⸗
lers benügte, taßt ich nicht beftimmen. . Bermnthlich dient
er ihm oft bei den Befchreibungen der Küften als Zahrer.
Atteius Eapito (Lucius), ein berühmter Römifcher
Rechtsgelehrter zur Seit Auguſt's, welchen Plinius im
\
BT
Drittes Buq. 268
Jahalts verzeichniffe au diefem Buche unter feinen Quellen
anführt, ohne daß wir beſtimmen können, welche Werte
deſſelben er vor Augen hatte.
— Anguſtus, der Kaifer, ben wir ſchon im vorige
Bude als Hifforiter Tonnen lernten, erwarb ſich aud große
Berdienfte um die Bengraphie. : Er lieh eine große Karte
des Röomiſchen Reiches ferfigen, und in. dem Reichsarchiv
nieberlegen.' Auch vollendete er den von Agrippa (S. D.)
projectirten, und von deffen Schwefter begonnenen Tempel,
in welchem die damals befannten Theile ber Erde bildlich
dargeftellt waren (Kap. 3. $. 44.). Plinius folgt in feiner
Geographie Auguſt's | Eintheilung Italiens in Bezirke
(Rap. 6. 9. 8. Kap. 7. 6. 3. Kap. 9. $. 410.) ’
Eilius. .S. Antipater (E. Cäliueh.
Calli icrates, ein uns unbefannter Griechifcher
Schriftſteller, der wahrſcheinlich ein geographifches Werk
herausgegeben hatte. Denn Plinius führt ihn im Inhalks⸗
verzeichniffe zu diefem Due als eine bet von ihm „benügten. |
Quellen an.
* Eallimahus aus. Enrene, ein bekannter Schrift:
flellex des dritten Jahrhunderts vor Chr., welcher Ah in
den mannigfaltigfien Iweigen des Wiſſens verſuchte. Bon
feinen zahlreichen poetiſchen Werken find nur feine Hymnen,
die jedoch Feinen beſonderen poetifchen Werth haben, und
Epigramme auf. unfere Zeit geommen. Mehr zu bebauern
iß der Verluſt feiner Hiftorifchgengraphifchen Schriften:
„Alte Geſchichten Über Gründungen von Inſeln und Städten“
(srlouıs vro0v zul öl), und „Wunderwerke der Malt“
(Hcvudosa). Aus dem erfieren diefer Werke nahm Plinins
4
266 C. Plinius Naturgefchichte. |
vielleicht bie Bemerkungen, daß bie Peucetier ein Illyriſches
Volk feyen (Kap. 25. $. 1.), und daß die Melitäifchen
Händchen (eine Art Bologueferhändchen) ihren Namen von
der Inſel Melita haben (Kap. 50. $. 3.).
Calliphanes, ein Griechiſcher Schriftſteller, von
dem wir Nichts wiſſen, als daß er ein nicht mehr vorhau⸗
denes Werk über Geographie geſchrieben hat. Plinius nennt
ihn im Inhaltsverzeichniß zu: dieſem Buche als eine feiner
Quellen.
— Catv (Marcus Porcius), der Cenſor. Eines ſeiner
Hauptwerke, das nicht auf unſere Zeiten kam, war eine um⸗
faſſende Unterfayang über dem Urſprung Rom’s und der
übrigen Italiſchen Städte (Origines) in fieben Büchern.
Aus ihm fchöpfte Plinins Die Bemerkungen ber eine alte
Stadt Thebä in kucanien (Kap. 15. 8. 3.); über die Ein:
theilung der Bojer in 112 Volksklaſſen (Kap. 20. $. 2.);
über den Urfprung der Colonie Balisca (Kay. 8. $. 2.);
ber Stadt Almeria (Rap. 19. .$. 3.); der Stadt Novaria
(Rap. 24. $. 2.); der Bevölkerung des Lundflrihes von
Como und Mailand (Kap. 24. $. 3.); der Bergomater
(Kap. 21. $. 3.); der Beneter und der Eenomaner (K. 23
$..3.), fo wie der Euganeer, ber Levontier und der Salaſſer
(Kap. 24. (F. 4. 2.).
Clitarchas aus Aeolis, ein Griechiſcher Hiſtoriter,
weldyer Alexander den Großen auf feinen Feldzügen bes
gleitete,, und deſſen Thaten befchrieb. Aus biefer nicht mehr
vorhandenen ,. von alten Schriftſtellern wenig gepriefenen
Geſchichte theilt Plinius (Kap. 9 $. 5.) die Nachricht
Drittes Buch. 267
mit, daB auch, die Römer eine Geſaudtſchaft an "Algander
geſchickt hätten. j
Eornelius Alerander. ©. Alerander von
Kotyäaum.
— Eornelins Nepos. Die Beilimmungen ber Länge
und Breite der Meerenge von Gibraltar (Vorwort $. 6.),
der Breite der. Alpen (Kap. 28. $ 5.) und der Epoche
der Zerfiörung der Stadt Melpum (Kap. 21. 6. 3.), fo
wie eine falfche Behauptung über den Iſter (Kap. 22. 8. 2.),
welche Plinius aus feinen Schriften nahm, finden ſich nicht
in den auf und gefommenen Auszügen feines Wertes:
De viris illustribns,
Eurio, der Bater, ein Röomiſcher Sachwalter und Redner
zur, Zeit des Julins Caͤſar (Sueton. Zul. Eäf. 49), weicher
sermuthlich auch ein hifforifches oder ein geographifdyes Werk
ſchrieb. Denn Plinius nennt ihn im Inhaltsverzeichniſſe
diefes Buches unter den von ihm benützten Quellen.
— * Diodorus von Agyrion in Sicitien. Plinius
nahm auch in diefem Buche Mauches ans Diodor's „hiſto⸗
riſcher Bibliothek. «“Da jedoch dieſes Wert nicht mehr
voftftändig vorhanden iſt, fo laſſen ſich die Stellen, an wel⸗
chen er es benützte, nicht nachweiſen.
— *Eratoſthenes von Eyrene. Aus feiner. nicht
mehr vorhandenen Erdbefcreibung führt Plinius (Kap. 10.
& 4.) die Namen an, weldhe diefer Geograph den einzeln
Theulen des mittellan diſchen Meeres gab.
Fabricius Tuscus, ein und unbekaner Sarift⸗
teller, der vermuthlich ein hiſtoriſches oder ein geographi⸗
S
-
, |
266 €. Plinius Naturgeſchichte. | |
Bert verfaßte, da ihn Plinius in dem Inhalts verzeichniffe
zu dieſem Buche als eine feiner Quellen anführt.
Gellianns, ein und unbebannter Römifcher Schrift⸗
ſteller, dem Plinius (Kap. 17. 6. 2.) die Nachricht ent⸗
lehnt, daß die Marſiſche Stadt Archippe vom Fucinerſee
verſchlungen worden ſey.
| — * Homer. Eine Stelle diefes Dichters (Otpffee
X, 498) , weiche von der Infel der Eirce ſpricht, verfieht
Plinius (Kap. :9. 6. 5.) falſch, und wendet fle auf die
Stadt Circeji an. Eben fo irrig führt er (Kap. 12. $. 3.)
Homer (Il. II, 783.) als Gewähremann an, daß die Inſel
Aenaria ſonſt Inarime geheißen, und daß die Inſel Ogygia
(Odyſſ. VII, 244. XII, 448.) bei dem Vorgebirge Lacinium
gelegen habe (Kap. 13. 6. 2.).
| Hyginus (E. Julius), ein Breigelaflener Auguſt's,
der ſich als Vorſteher der Palatiniſchen Bibliothek und als
Grammatiker Ruhm erwarb. Er ſchrieb mehrere hiſtoriſch⸗
geographiſche Werke, welche nicht mehr. vorhauden find.
Eines derfelben über die Städte Italiens (de urbibus Italiae)
benügte wahrſcheinlich Plinins in dieſem Buche.
— * Iſidorus von Eharar. Plinius benüßte deſſen
geographifches Werk in diefem Bude; wir Fönnen aber
nicht beflimmen,, an welchen Stellen.
— Licinjus Mucianus Aus feiner und nicht
näher bekannten Geſchichte nahm Plinius (K. 9. $. 6.) Pie
Bemerkung, daß. an der Stelle der Pontinifchen Sümpfe
einft 35 Städte gelegen hätten.
— Livins (Titus). Die Bellimmungen der Känge
und Breite der Meerenge von Gibraltar Gorwort, 6. 5.)
\-
|
Drittes Buch. 269
und der Breite der Alpen (Kap. 25. $. 5.), weiche ihm
Plinius entlehnt, finden fidy nicht in, den’ noch vorhandenen
Büchern feiner Gedichte. -
Mela Pomponins ans Spanien, der vorzuͤglichſte
Oeograph Roms, lebte zur Seit des Kaiferd Claudius, und
frieb eine Geographie (de situ orbis) , welche .wir noch be⸗
ften, und die Plinins allenthaiben benützte.
* Metrodorus von Gcepfis, ein Griechiſcher Philos
ſohh des zweiten Jahrhunderts vor Ehr., aus der Schule
des Karneades. Er war zugleich Maler, und wurde das
ber von Paulus Aemilins als Lehrer feiner Kinder und
als Künftler zur Ausſchmückung feines Triumphs von Athen
—
nach Rom berufen. Er ſchrieb wohl auch über Geographie.
Denn aus einem Werke ſolchen Inhalts mag Plinius die
Bemerkung Kap. 20. $. 8.) über den Urſprung ‚des Na:
mens des Fluſſes Padus und über deffen Benemung bei
den @ingeborenen genommen haben. - . _
Mucianus. © Licinius Mucianus.
eMyrtilus oder Myrſilus, ein Griechiſcher Schrift⸗
ſteller, von welchem wir nichts wiſſen, als daß er von
Lesbos war, und einige nicht mehr vorhandene hiſtoriſch⸗
geographiſche Werke ſchrieb. Aus einem berfelben nahm
Plinins (Kap. 13. $. 3.) die Bemerkung, daß die Inſel
Sordinien auch Ichnuſa hieß. | .
— Piſo (2. Ealpurnins). Aus feinen nicht mehr
torhandenen Annalen ſchöpfte Plinius (Kap. 23. S. 4.) die
Nachricht, daß Claudius Marcellus eine Stadt, 12 Millien
von Anuifeja, wider Willen des Senats zerflörte.
"Yolybins von Megalorolis, einer der berühmteften
« :
270 C. Plinius Naturgeſchichte.
| Geſchichtſchreiber des Alterthums, lebte im zweiten Jahr⸗
hundert vor Chr. (205 — 125), und zeichnete ſich als Gtanis-
mann und Feldherr gleich vortheilhaft aus. Nach der Zer⸗
aörung des Achäiſchen Bandes kam er nach Rom, und be⸗
ſchaͤftigte ſich daſelbſt mit der Ausarbeitung eines Werkes
über die Nömifche Gefhichte in ao Büchern. In einem ders
ſelben (vielleicht. dem vierunddreißigfien) behandelt er biſon⸗
ders die Geographie der alten Welt. In den nody vorhan⸗
Denen fünf. erften ‚Büchern dieſes Wertes, fo wie in den
‚einzelnen Bruchſtücken der übrigen findet fih Die vom
Plinius angeführte Stelle. (Kap. 10. $. 4.), worin er den
heutigen Golf von Tarent dad Aufonifag Meer nenut, nicht.
Pomponius Mela © Mela p.
— Statins Seboſus. Seine nicht: mehr vorhan⸗
denen Schriften benützte Plinins in diefem Buche, wie aus
Dem Inhaltsverzeichniſſe hervorgeht.
— * Theophrogſtus von Erefud auf Lesbos. Aus
einer Stelle des Plinius (Kap. 9. 6. 5.), bie jedody von
Manchen anders ausgetegt wird, erfahren: wir, daß er feine
Botanik (zepi gurüs iorogia, historia plantarum) dent Athes
nifben Archon Nitodorus widmete. Aus dieſem noch vor:
bandenen Werke führt Plinins eine Stelle (CV, 9.) au, in
welcher von der Stadt Rom die Rede ift. «
— * Theopompns von Chiod. Aus feinen wicht
mehr vorhandenen Geſchichtswerken nahm Plinius Die Nach⸗
ridt (Kap. 9 $. 5.) Über die Einnahme der Stadt Rom
durch die Gallier, und die Bemerkung (Kap. 15. $. 3.),
daß Ulerander von Epirus in Pandoila umgekommen fen.
Thucydides, der.befannte Geſchichtſchreiber des
\ . n“
w,
Drittes Bud.’ 2714
Peloponneſiſchen Krieges, über welchen hier nichts weiter
gefagt werden foll, als daß ihn Plinius bei der Bemerkung
(R. 14. $. 1.), daß Gicilien früher Gicania geheißen Date,
als Gewährsmann (VI, 2.) anführt.
* Timäns von Tauromenium in Gicilien, ein Grie⸗
chiſcher Geſchichtſchreiber aus dem dritten Jahrhundert vor
Ehr. (um 260), wurde. von Agathocles aus feinem Vater⸗.
fande verbannt, und ließ fich am Athen nieder, wo er ein
großes biftorifches Wer über Griechenland, Italien und Si⸗
cilien (Hiinvıxa xai Zinelsna , Oder "Iralıza za Zexehsd)
ausarbeitete, das nicht mehe vorhanden ift. Plinius (K. 13.
$. 8.) nahm ans ihm die Bemerkung, daß die Inſel Sar⸗
dinien auch Sandaliotis geheißen habe.
Timagenes von Alexaudria, ein Sohn hochſte⸗
hender Eltern, verlor bei der Eroberung feiner Vaterſtadt
durch Die Römer (55 vor Eye.) feine Freiheit, und kam
durdy Kauf an Fauſtus, Sylla's Gohn,. der ihn frei gab.
Später Ichrte er in Rom die Rhetorik mit großem Beifall.
Beine „Geſchichte Alexanders bed Großen,“ welche Curtius
als Hauptquelle benützte, ſo wie fein Werk über Gallien,
ans weichem Plinius die Beflimmung der Länge der‘ Alpen
nahm (Kap. 35. $. 5.), And nicht mehr vorhanden. :
TZurranius Bracitis, ein Romiſcher Schrifiſteller,
über deffen Lebensverhäftniffe- wir Nichts willen, als daß er.
bei Mellaria im Bätifhen Spanien geboren war, nnd wahre
fheintich zn Eicero’s Zeit lebte (Vgl. Cio. ep. ad Attic,
1, 6.). Aus einem feiner und nicht näher bekannten Werke
nahm Plinius (Borwort' 6. A.) die Beſtimmung der Fänge
und Breite der Meerenge von Gibraltar.
* °.
J
72 €. Plinius Naturgeſchichte.
Varlerianus (Cornelius), ein Römifcher Schrift:
ſteller, der wahrſcheinlich kurz nach Tiberius lebte, und über
deſſen Werke nus Nichts bekannt iſt. Plinius (Rap. 17.
$. 2.) entichut ihm die Nachricht, daß die unbetannte Stade
des unbekannten Volkes ber Biticiner durch die Römer
zerflört wurde. |
. — Balerius' Antias O.. Aus ſeinen Annalen
ſchöpft Plinius (Kap. 9. |. 47.) die Nachricht, daß ber
König 2%. Tarquinius die Stadt Apiolä in Latium erobert,
und. von der dafeibft gemachten Beute den Ban des Kapi:
tofiums begonnen habe.
— Barro (M. Terentius). Aus welden feiner zahl:
reichen verlorenen Schriften Plinins bie falfche Beſtimmung
der Entfernung Italiens von Africa (Kap. 6. $. 7.) und
die Nachricht über Die Bevölkerung Spaniens (Kap. 3. $. 3.)
nahm, läßt ſich nicht beſtimmen.
Varro (P. Terentius) von Atace im Narbonifchen
Gallien, ein Römiſcher Dichter, welcher im erſten Jahr:
ı hundert vor Ehr. Ichte, von deſſen Werten jedoch Nichts
anf unfere Zeit getommen iſt. Aus feiner Weltbefchreibung.
(Chorographia oder Cosmographia) , einem großen Gedichte,
nahm, Plinius wahrfcheintid Die falſche Beflimmung der
“Ränge Großgriechenlands (Kap. 15. $. 4.), die Behaupfung,
daß der Cutiliſche See der Mittelpunkt Italiens fey (K. 17.
$. 3.), und Die Angabe, daß 89 Städte zum Gerichtsbezirke
von Narona gehörten (Kap. 26. $. 2.).
‚Berrius Flaccus, ein Römiſcher Grammatiker,
welchs; Auguſtus zum Erzieher feiner Enkel beftimmte, und
der bie zur Zeit des Tiderius lebte. Er ſchrieb außer feinen
Drittes ul a
grammmatifchen Werken and) einige Bücher üher merkwindige
Dinge (libri rerum memoria dignarum), welche Plinins bes
nützte. Keines feiner Werke ift auf unfere Zeit gekommen.
Vetus (Lucius), ein Römiſcher Feldherr in Ger—⸗
manien unter Nero (Tacit. Ann. XIII, 44.), der wahrſchein⸗
lich auch über Geographie ſchrieb. Denn Plinius nennt ihn
im Inhaltsverzeichniffe zu dieſem Bude als eine feiner
Quellen. FB . nl
° Kenophon von Lampfacus, ein uns unbekannter
Grieche, der wahrfcheintidh über Geographie ſchrieb. Denn
Plinius führe ihn im Snhaltsverzeichniffe zu diefem Bude -
unter den von ihm benüpten Quellen an. ’
Aumerbung Dei den alten Ortsnamen find ſtets
zur Bequemlichkeit - der Leer die neueren entiprecheuden
Benennungen beigefügt. Ueberaft das Richtige au treffen,
ift unmöglid ; doch wurde bei zweifelhaften Fällen immer
das Wahrfdeinlichfte gewählt. Wo man Feine neuere Ber
nennung beigefügt findet, darf man anf Die Unmögfichkeit,
diefe auszumitteln, ſchließen.
c. Minins Naturgefh, 38 Vochn. 2
» Br »
Borwort.
4. Bisher haben wir von der Lage und den Wundern
der Erde, der Gewäſſer und der Gefirne, fo wie von der
Beichaffenheit und Maßbeſtimmung des Alls gefprochen:
jest gehen wir zu den Theilen Über. Auch diefed Unter
nehmen muß als ein unendliches betrachtet werden, an das
ſich noch Niemand leichtſinnig wagte, ohne daß ihm Tadel
geworden wäre. Bei keiner andern Art Arbeit iſt jedoch
Nachſicht billiger, wenn man es nur natürlich finden will,
daß ein ſterblicher Menſch nicht alles menſchliche Willen im
fih vereinigen Pünne. 2. Deßhalb werde ih auch feinen
Schriftſteller ausſchließend folgen, fondern in jedem einzelnen
Abfchnitte immer dem, der fi mir als der zuverläßigfte
herausftellt ; denn faft Alle Haben Das miteinander gemein,
daß Feder diejenigen Begenden am genaneften befdyreibt, in
weldyen er fein Merk verfaßte. Aus diefer Urfache werde ich
auch Keinen tadeln oder widerlegen. — Die bloßen Nawen
der Orte follen fo kurz als möglic) aneinander gereiht wer
den , ohne Nüdit wicht auf Merfwürdigfriten und Entitehung
dereiben, die wir für befonders dazu beſtimmte Abſchnitte
verfparen wollen; denn hier ift,immer nur noch die Rede
vom Migemeinen. 3. Man möge deßhalb die Schhe fa
4 “ ®
ES
x
Drittes Bub. 2786
weinen, old folkten die Namen, von allem Ruhme enfblöst,
gerade, wie ſie bei ihrem Entſtehen und ehe fie indie Ge⸗
ſchichte eingreifen, waren, genannt, und ais ſollten fie in
diqſes Verzeichniß nur in Bezug auf die Belt nnd die Nas
fir eingeträgen werben.
- 4, Der ganze Erdkreis wird in drei Theile getheilt,
Gurepa, Aſten und Afrika. Wir keg'nnen von der weil:
lichen Seite und der Babitauifhen Meerenge [Straße von.
Gibraltar], durch welche der Atlantiſche Ocean hereinbricht,
und die inneren Meere bildet. Dieſer hat alſo bei ſeinem
Eintritte Afrika zur Rechten und Europa zur Linken; zwi⸗
fen beiden liegt Aſten: die Grenzen bilden die Flüſſe Ta:
nais [Don] und Nil. Der genannte Eugpaß des Deeaus
hat nad) Zurranius Gracilis, welcher in feiner Nähe ges
boren ift, in der Länge 15.000 Schritte [3 Meilen] und in
Der Breite von dem Flecken Mellaria [ZTorremilano] in
Spanien, bis zu dem weißen Vorgebirg [Punta del Sainar]
in Afrika 5000 Schritte [I Meile). *) 5. Titus Living
und Cornelius Nepos geben feine geringfte Breite auf 7000
Schritte [1 M.] und feine größte auf 10,000 Gchritte
[2 M.] an. Duirch eine founbedeutende Oeffnung ergießt
fid) eine fo ungeheure Waſſermenge; auch erklärt fid, das
=) Nach den neufen' Meffungen beträgt bie geringfte Breite
‚ (zwifhen - Punta Gualmeſi und. Punta de Cired) 10,000.
Epritte (8 d Meilen). Die Merreuge beginnt eigentlich
ſchon bei hen Worgebirge der Iune (Cabd Trafalgar). und
reiht bis Calpe (Gibraltar); ſie bat alſo eine Länge von
-42,000 ‚Schritten. 8'/2 MI.
=) . 2,*
*
ie
X
276 C. Plinius Naturgeſchichte.
Wunder nicht durch eine ſehr große Meerestiefe. Denn zahle .
reiche Streifen von weißſchimmernden Sandbänken ſchrecken
die Schiffe; weßhalb auch Viele dieſen Ort die Schwelle⸗
des mittelländiſchen Meeres genaunt haben. An dem ſchmal⸗
ſten Theile des Kanals erheben ſich auf beiden Ufern Berge
und verengen noch mehr den Durchgang , vämlich AbHa
[Dſchibbet el Satute] in Afrita und Ealpe [Bihraltar} in.
Europa, durdy welche Herkules feinen Arbeiten ein Biel fepte;
weßhalb auch die Eingeborenen diefe Berge die Säulen Die-
ſes Gottes nennen, und glauben, daß er durch die Durch⸗
ftechung derfelben dem vorher ausgeſchloſſenen Meer einen
Zugang verfchafft, und dadurch der Natur eine. andere Ges.
ftalt gegeben babe. on
Kap. I). 4. Suerft alfd von Europa, der Ernährerin
des Volkes, welches alle Nationen befiegt hat, und dem bei
weiten fchönften Lande, welches die Meiften mit Recht nicht
als den dritten Theil, fondern als die Hälfte des ‚ganzen
Erdfreifes beftimmen, *). indem fie diefen durch eine von
dem Tanais bis zu der Baditanifhen Meerenge gezogene
Linie in zwei Theile theilen. 2. Der Ocean, welder durd)
die genannte Straße das Atlantifche Meer hereinſtrömen
läßt, und in ‚gierigem Andrans die bei ſeiner Annäherung
*) Diefer Anficht if per Herodot (U, a2. 85.). Wunder⸗
Ulich erſcheint aber, daß Plinius biefem zu feiner Beit bereits
widerlegten Irrthum (osl. Strabo l. 11,’ p. 107) ſeinen
Beifall zollt.
Drittes Bud. — 277
furchtſem nachgebenden Länder verſchlang, bie widerſtehenden,
aber an ihren in vielfachen Krümmungen ſich hinwindenden
Geſtaden befpült, bat Europa am meiſten durch zahlreiche
Buchten ausgehöhlt, und beſonders vier große Buſen ge⸗
diidet, von denen der erſte ſich von dem Berge Calpe, dem
eben genannten äußerſten Punkte Spaniens, in einem un⸗
gehenren Bogen bis nad Locri *) und dem Bruttifcyen
Borgebirg [Capo Spartiveuto] herumzieht. -
U. 1. Das erfte Land in diefem Bufen ift das ienfeitige
Spanien, auch das Bätifche genannt; fodann beginnt bei
dem Grenzorte Urgi [Abrucenna] das bieffeitige Spanien,
auch das Zarraconifhe genannt, und reicht bis zur Py⸗
renäenkette. Das jenſeitige wird der Länge nach im zwei
Provinzen getheilt, und -zwar zieht ſich Lufltanien an. der
nördlichen Seite der [eigentlichen] Bätifhen Provinz hin,
von welcher es durd) den Fluß Anas [Guadiana] getrennt
iſt. Diefer entipringt in dem Gebiete von Laminium [Al
hambra] im. dieffeitigen Spanien ; dehnt fid) bald in Sümpfe
aus, bald zwängt er ſich in Engpäffen zufammen, ober ver:
birgt ſich ganz, als freue es ihn, öfter zu entfpringen, in
unterirdifche Gänge, und ergießt fid in den Atlantiſchen
Dean. 2. Das Tarraconifhe Spanien ſtößt ‚an die Pyre⸗
näen, und erſtreckt ſich längs der ganzen Seite derfelben,
indem es id) von dem Iberiſchen Meere [Kanal der Das
learen] dis zu dem Gallifchen Ocean [Golf von Biskava]
quer hinzieht; von Ber Baͤtiſchen Provinz und Luſitanien
*, Wenicçe Trammer dieſer einſt mächtigen Stadt findet man
bei Zorre di Pagliapoli.
TB, €. Plinius Naturgeſchichte.
wird-es durch Deu Berg Solorius ſSierra de Salctia] und
durch die Oretanifchen‘, Carpetanifchen und Aſturiſchen Ge⸗
birgetetten *) geſchieden.
. UL 4. Die Baͤtiſche Provinz, **) welche ihren Namen
von dem fie in der. Mitte durchfchneidenden Fluß ***) er⸗
hatten hat, übertrifft alle übrige Provinzen durch ihre reiche
Kultur und dard) eine eigenthümliche, üppigfchöne Vegetation.
Sie hat. vier Obergesichtähöfe: 7) den Gaditaniften [Gas
die]; den "Eordubenfifhen [Cordova]; den Afigitanifchen
[IEcija] und den Hiſpalenſiſchen [Sevilla]. Die Geſammtzahl“
der. Etädte beträgt 175. Won diesen find 9 Gelonien, 8 Mu⸗
nieipien, TH) 29 mit dem alten Lateiniſchen Bürgerreht.x++)
bdeſchenkt, 6 freie, 3 verbündete und 120 zinspflichtige Städte,
Die vorzüglichiten, oder doch in Lateinifcher Sprache leicht
‚ausdrüdbaren Merkwürdigkeiten dieſer Provinz find, vom
*) Die Oretaniſche Gebirgskeite iſt wahrſcheinlich bie Sierra
Morena, die Earpetanifche ber Monte de Toledo, bie Aftus
riſche die Sierra de lad Aſturlas.
”*), Die Batiſche Provinz umfaßte das jebige Andaluſien, ae
grobßten Theil von Granada, Eſtremadura und den weh:
lichen Theil von la Masche,
, Dem Bätis (Guadalquivir).
+) Sie hatten die Streitigkeiten ter Ihnen untergenrbneten
‚Bezirke als Oberappellationsgerichte zu entſcheiden, und in
Abweſenheit des Gtattbalterd ober in Gemeinſchaft mit
diefem bie Cilangelegenheiten zu orbnen.
Tr) Fremde Städte wit Romiſchem Bürgerrechte, aber mis
eigenen Gaſetzen und eigenen Beamten.
tt) Diefes geftattete Allen, welche es; beſaßen, ten Dienft in
ben Romiſchen Legionen und bie Wewerbung um ale mis
Vitärifchen Aemter und Chrenfielen.
I
m x
⸗ Dvyittes Buch 279
Zune Supt- amgefangen, lüngs des Meererufers, die Stadt
Onoba [ämelvoj, mit tem Beinamen Aeſtnaria [Finthftadt];
die Swifchenfäffe *) Luria [Ddiel] und Urium [2 nto]; die
Sandberge [Dünen]; »e) der Flaß Batis ESusdaignivir];
das Corenfifche Geflade, das eine Bucht *°*) bildet, weicher
gegenüber Gıdes’[&adiz] liegt, von dem bei den Inſein +)
Bier Rede fenn wird; 2, das Vorgebirg der Juno ſCabo
Zrofalgar] ; der Hufen Bäſtppo [Beier de la Frontera]; die
Seudte Brilon [Bolonia] und Meltaria [Torremifano] ;
He Gtraße aus dem Atlantiſchen Meer [Meerenge von
Gibraltar]; Earteia, FF) von den Griechen Tarteſſus ge:
nqaut; der Berg Calpe [Gibraitar]: weiterhin am Geftade
dd wittelländifchen Meeres die Stadt Barbefnla [Torre di
*, Bwifchen dein Anas und Bätis. Nach W. vom Humboldt
Mrifung der Unterfuhnngen Gber bie Urbe
- wobhner Hifyaniens vermittelft ber Baski⸗
ſchen Sprache, Berlin 1821. 8. S. 25.) waren Luria
und Urium auch Städte, iegt Lucena und Xorre bei Oro j
genannt.
“) Gtatt arenas montes leſen Andere Ariani (ober Marlani)
montes , und verfiehen darunter die Sierra Morena.
, Sept Bahia de Cadix genannt. .
. 9» B. IV. K. 36.
44) Die Ruinen dieſer Stadt befinden fi ch bei S. Rogue an dem Küs
ſtenfluß Guadarranque. Das beruhmte Tarteſſus Tag jes
doch nach der wahrſcheinlichen Vermuthung Ehr. Th. Rei⸗
chard's «(Thesaur. iopogr. Norimb. 1824. Nro. VII.)
"an der Stelle des heutigen Ortes Cartaya, weicher wohl
auch fon im Atterthume Carteja geheißen, unb zu ber
irethfimlihen Angabe. des Piinins und anderer alten
Schriftſteller Veranlaſſung gegeben haben mag
.
220 ° €. plinius Naturgeſchichte.
Guadiaro] an dem gleichnamigen Fluſſe [Guadiaro]; deie
gleichen Salduba [Marbella] ; die Stadt Suel [Buengerola];
Malaca [Malaga] an dem Bluffe gleihes Namens ſGua⸗
balmedina]; - eine -verbündete Stadt weiterhin Maͤnoba
[Velez Malaga] an dem gleichnamigen Fluſſe (Belez]; Sexti
Firmum [Mmunnegar], mit dem Beinamen Julium; Salam⸗
bina [Satlobrena]; Abdera ‚[Adra] und Murgis [Mujas
car], der Greuzort der Bätifchen Provinz. 3. M. Uarippa
dlaubte, daß bie Bevölkerung biefer ganzen Küfte Puniſchen
Urfprungs ſey. Die vom Anas an längs des Atlantifchen
Oceans ſich hinziehende Strede diefer Küfte it von ben
Bastulern und Turdulern bewohnt. Nach M. Barro Hafen
fid) in gang Spanien Iberier, Perfer, Phönizier, Eelten und -
Punier niebergelaffen. Ein Spiel (Iusus) des Waters Liber
[Bachus], oder ein mit ihm fhmwärmender Lyſas fol Lu⸗
fitanien, und Pan, fein Statthalter, dem ganzen Lande
feinen Namen gegeben haben. Was man aber von Herku⸗
les und der Pprene, oder von Saturn erzählt, betrachte ich
ohne weiteres ald Fabel. *)
4. Der Bätis entſpringt in der Tarracmnenfifchen Pro:
vinz, aber nicht, wie Manche behauptet haben, in der Stadt
* Man erinnere fi an den Kampf bed Herkules mit Ge:
yon u, ſ. w. Pyrene, Tochter des Königs. Bebryr,
weiche Herkules raubte, ſoll den Pprenden, wo fi) ans
geblih ihr Grab befindet, den Namen gegeben haben.
Saturn if, wie Aberall, fo auch in Spanien, der Reyräs
fentant des hochſten Alterthums. Was Plinius aus Varro
anführt⸗ — auch ungereimt. Der Same Hiſpanien iſt
wahrſchein lich Phoönicifchen Urſprungs, und bon Kanin⸗
henlaud bedeuten.,
Dristes Bud. 284
Menteſa [Baeza], fondern in dem Tigienfifchen Forſt [terra
de Huescar], in defien Nähe audy der Fluß Tader [Gegura],
welcher das Gebiet: von_ Carthago [&artagena] bewäffert,
feme Quelle hat. Bei dem Grabmal des Scipio [Sepnlero
de Scipion] in der Gegend von Ilorcum [Lorca] wendet er
‚db, nimmt feinen Lauf gegen Abend, und mündet, nachdem -
er der Provinz feinen Namen gegeben hat, in den Atlantis '
ſchen Ocean. Aufangs ift er nicht bedeutend ; fpäter nimmt
er aber viele Ftüffe anf, denen er Namen und Waller ent⸗
zieht. In die Bätifche Provinz tritt‘ er unmittelbar aus
dem Dffigitanifhen Gebiet [bei Maquiz]; fein Lieblicher
Waſſerſpiegel ift fehr anlodend, umd rechts und links mit
zahlreichen Staͤdten bebaut.
5. Die berühmteſten Staͤdte, welche zwiſchen dieſem
Kluſſe und der Küſte des Oceans im Inneren des Landes
: Biegen, find: Segeda [6. Jago bella Higuerra), mit dem,
Beinamen Augurina; Julia [Buente dei Rep], auch Fidentia;
Urgao [Yurdyena], auch Alba; Ehura [Alcala la Real,
and) Cerealis; Iliberi, *) auch Liberini; Ilipula [Loja], auch
Raus; Artig- [Ecija], auch das Juliſche; Vesci [Archidona],
auch Fadentia zubenannt; Singili [Mira Xenti]; Attegua;)
2) Manche haben Jliberi für dad jehige Granada gehalten,
wofür fi) aber Fein Beweis aufbringen Iäßt,. Wahrfcheinz -
licher fucht man die Spuren disfer nicht mehr vorhandenen
‚Stadt auf der Anhöhe Sierra de Elvira , einige Stunden
dſtlich von Granada.
ee) Ueber bie Lage dieſer Stadt Hat man viel geſtritten. er⸗
wägt man, was Hirtius (de bello Hisp. c. 7.) von ihr °
ſagt, genan, » mu man wog! Denen beinimwen- welche
-
22 €. Plinius Neturgeſchichta
Ariaidunum; *) Klein⸗Agla [Mguifar}> Bäbro; Caſtra Bir
naria [Caſtro et Rio]; Epiſibrium [&speia]; Neu⸗Hippo; ***)
Illurco [Illora]; Oeca [Huescar]; Escua IJEscuzar]; Suc⸗
cubo; Nuditanum; Alt⸗Attuati. .+) Alle dieſe Städte liegen
in dem ſich nach dem Meere tin eiſtreckenden Baſtetanien, und
gehören zü dem Eordubenfifchen Gerichtsbezirk. 6. Aa dem
Fluſſe [Bätie] fetbft liegt Offigi Maquiz], welches den
Beinamen „das Laconifche“ führt; Illiturgi Ubeda Ia vieja] ;
zauch Forum Julium; Ipasturgi, aud das Triumpbalifche
zubendunt; Eitio, ++) und 14,000 Schrit e [2% MI] weiter
im Inneren des Landes Obulco [Bujalance]. - weides. an
auch das Pontificiihe nennt; nicht weit davon Ripepora
[Riopar], eine verbündete Stadt; Sacili [(Chiclana] Mars
tialium ; Onoba ; +rr) auf dem rechten Ufer Corduba [Gar
dooa], eine Eolonieftadt, welche den Beinamen „die Patei⸗
eifche“ fühst, und von wo an der Baͤtis ſchiffbar wird; Die
— —
fie nicht weit, weſtlich von dem beutigen Flecken S. Ern;
am rechten Ufer des Guadajoz ſuchen.
*) Unbekannt. Andere leſen Avia, Eldanum, und haltgu
van erfie für das Heutige Villalon, das ambere für Mon⸗
.s), a Andere eearten: Ubeda und Aegabrum Gept
ra)
po nora. Unbekannt, "und ſchwerlich das von Livius
3:7 IX, 30) genanzıte KHipvo (jegt Vepes) bei Toledo.
7) Die Lage Diefer drei Städte if unbekannt, '
+1) Die Lage von Ipasturgi und Sitia hat noch picht ermittelt
werben koͤnnen.
TH Unbekannt; jedenfalls aber von dem oben (K. $, 3.)
genannten Dnoba er Muelva). weiches an der Kuſte
* *
a *e, >
.
, Dristen Buch. » 295
Gäste Earbala [Eorbur) und Decuma, ) weiche auf der
nämlichen Geite,- auf welcher der Fluß Singulis ſenin
dem Bätis zuſtrömt, liegen.
7. Die Städte des Hispalenſiſchen Gerichtsbezirks nd:
Gelti [Buadaltanal] ; Urua [Alcolea]; Canama; Evia; **)
ZIlipa [Nietla], mit dem Beinamen Ilia; Italica [Sauti⸗
vpouce]; links die Colenie Hiepalis [Sevilla]), mit dem
Beinamen „die Rommliſche;“ ihr gegenüber die Stadt Oſſet
[&afiello de la Cueſta], welche den Beinamen Inlia Con⸗
ſtautia führt; Vergentum [Gelves], Julii Genius zube⸗
nannt; Orippo [Dos Hermanos], Caura ſCoria]; Giarum
GaracatinJ. Der Fluß Mensba [Guadalimar], welcher
*. ebenfalld von der rechten Seite in den Bätis fällt. Beider
Mündung des Bätis liegen die Colonieſtädte Nebriffa
[Robrija],, mit dem Beinamen Veneria, und Eolobona [Chi⸗
piena]; ferner Uta [Mefa de Aſta], aud dus Königliche,
und im Juneren des Landes Aſido [Medina Sidohia], auch _
Das Gäfarifche zubenannt.
8. Der Flus Singulis, der an der fchon- bezeichneten
Stelle in den Bätis fällt, beſpült die Aſtigitaniſche Colonie
[®chyo], welche den Beinamen Auguſta Firma führt, und
wird von hier an ſchiffbar. Die übrigen fteuerfrrien Gelmie:
liegt, verfchieten , und deßhalb wohrſcheimich den Bei⸗
namen Martialium führend. ü
·Man kennt biß jet die Lage Liefer Stadt nicht. °
) Diefe Weiden Namen hat Hardonin aus vielen verfchiedenen
Lesarten ankgewählt, Wer wollte aber für ihre Nichtigkeit
Mrgen? oder gar bie, Egger ‚diefer Städte beftimmen 7 Ca⸗
nama it vielleicht das jehige Cuntiuana. | vi
} > .
284 C. Plintus Naturgeſchichte.
Gtaãdte dieſes Gerichtebezirkes find: Zucci [Mattos], auch
Auguſta Gemella; Zeueci,*) aud Virtus Julia; Atuk
[Aldendin], auch Elaritas Julia; Urfo [Ubrique], auch
‚Genua Urbanorum genannt. Zu diefen Colonien gehörte
fonft auch Munde, **) bei deren Einnahme [45 vor Chr.]
der Sohn des Pompejus gefangen wurde. 9. Freie Städte
find : Alt-Aftigi [Alamela)] und Oſtippo [&ftepa]; zinspfliche
tige: Callet, Ealucula [Calabra], Eaftra Gemina [Eam-
pillo}, Kleine Jlipula [Dfvera], Merucra [Mairena], Sn:
erana, Obulcula [Monclon] , Oningis. **%) Den nicht. weit
von der Küfte entfernten Landftrich am Fluſſe Maänoba
[Belez] , der ebenfalls ſchiffbar iſt, bewohnen die Alontigi⸗
celer und Aloſtiger. )
10. Die übrige, noch nicht erwähnte Zandftrede zwi⸗
ſchen dem Bäatis und dem Anas wird Bäturia genannt, in
zwei Theile getheilt, und von eben fo vielen Völkerſchaften
bewohnt: nämlich den Celtikern, weiche bis nach Luſitanien
*, Unbekannt. Wielleiht lag es am Zenil, nicht weit von
Mira Zenit. .
*5) Die Stadt wurde, wie fich ans ben Worten des Plinius
fchließen laͤßt, vermuthlich gerfiört, oder hatte fie ihre Steuer⸗
freigeit verloren, Ihre Lage bezeichnet das jeßige Dorf Monda.
*,) Soll nad) Einigen bad von Livius (XRXVIII, 3.) erwähnte
Oringis Getzt Origuela) feyn. Die Lage von Callet und
Sucrana ift unbekannt. Ueberhaupt bemerken mir bier, -
um unnöthige Wieberhotungen zu vermeiden, ein für alle
mal, daß bie Lage aller Städte, bei benen ber neuere
Name nicht angegeben ift, bis jest nicht ermittelt werben
kounte.
D In der Gegend von Frigiliana und Alinogia.
⸗ >
Drittes Buch. 285
reichen und zum Hispalenſiſchen Gerichtübezirk "gehören,
and den Zurbulern, weiche an der Grenze Lüftaniens und
dor Tarraconenfifhen Provinz wohnen, und ihr Recht zu
Eorduba fuchen. *) -Daf bie Eeltifer von ben Eeltiberiern
in Sefltanien abftammen, zeigt ſich dentlich burch ihre hei⸗
Ligen Gebräuche, ihre Sprache und die Benennungen ihrer
Städte, die in. dev Bätiſchen Provinz zur Unterfcheibung
[von. den gleichnamigen in Eeltiberien] Beinamen führen.
So heißt Geria ſXeres de Eavalleros] auch Fama Julia;
Nertobriga [Balera la Vieja] and) Concordia Julia; Ges
gida auch Reſtituta Julia; Contributa [Medina de las
Torres] auch Julia; Ucultuniacum auch Turiga; **) Laco⸗
nimurgi [Couſtantina] auch Conſtantia Julia; Tereſes [Ni⸗
colo del Puerto] auch Sortunales, und Callenſes [Calannas]
auch —
‚ Außer dieſen Städten liegen noch im Gebiete der
Geltiter. Acinippo, Arunda [Ronda], Arunci [Arondes],
Zurobrica [Torre Merian], Laftigi [Bahara] , Alpefa [Elvas],
Säpone, *"*)-Serippo. Der andere Theil Bäturiens, in
weichen wir die Turduler verfebt haben, und der zum Cor⸗
duben ſiſchen Gerichts bezirk gehört, hat die nicht.unbedeutenden "
Städte Arſa [Aracena], Mellaria [Torremilano], Mirobrica
(Capilla] und Sifaro [&lnraden] in dem Offntiatifcyen Gebiet.
— —
2) Die Geititer wohnten zwiſchen dem Guabalquivir und ber
Guadiana bis nach Babajoz, die Turduler von da an
in dem Öflihen Theile von Eftremadura und in dem nörd⸗
-fichen von Sevilla,
*., Der Text ſcheint hier fehr verborben zu ſeyn.
Be Ruinen biefer Stadt find in be Sorfte hei Konde,
®
Ss
“«r
260 C. linius Naturgelchichte.
12. :Bu dem GBuditanifchen Gerichtebezirk gehören:
mis Römifchem Bürgerrecht Regina [Puebla de fa: Reynaf
mit Lateinifhem Regia Cariffa ſCarixa], mit dem Bei—
namen Aurelia; Urgia [Lad Cabezas]; Caſtrum Julium und-
auch CAfaris Safurarienfis zubenannt. Sinspflichtig And
Befaro, Belippo, Barbefula [Torre di Guadiara], Lacippo
[Alecippe], Bihppo [Brjer de Ta Brontera], Eatlet, Cappa⸗
gum,'Dieaftro [Dimia], Itneci, Brana [Santilfane], Racidi,
Saguntia [Xigonza], Andorifa.
43. M. Agrippa hat die ganze Bänge der Bätiſchen
Provinz auf 465 000 Schritte [95 M.] und die Breite auf
"257,000 Schritte [52 M.] angegeben, aber zu einer Bit,
wo fich die Grenzen noch bie nach Carthago [Eortagenaf
kin ausdehnten. Auf ſolche Weiſe entſtehen häufig große
Serthämer in den Maßbeſtimmungen, indem fich entweder
der Umfang der Provinzen reräntert bat, oder die Entfer⸗
nungen nach größeren oder Pleineren Schritten genommen
werden. Auch hat ſich das Meer im Laufe fo vieler Jahre
Kunderte hier in das Land eingedrängt: dort ift das Geſtade
vorgerückt, die Krümmungen der Flüſſe haben fich hier ver:
mehrt, und dort hat fih ihr Lauf mehr geregelt. Außerdem
hat falt Jeder feine Meflung an einem antern Orte begonnen
und eine andere Richtung eingeſchlagen, und fo fommt:ch,
daß nie Zwei miteinander übereinſtimmen.
(m. 44. Die Länge der Bätiihen Brovinz beträgt
jest von der Greniftadt Caſtulo [PCazorle] bis nach Bades
250,000 Schritte [50 WM}, von tem an der Seeküſte liegen⸗
den Margi [Aimerin] an 25,000 Schritte [5 M.] mehr;
die Breite von der Garteinnifhen Küftean 256,006 Schritte
” . .
sv )
wa
| | Drittes Und. + 287
[47.M.). Wer follte nun glauben, dag MA Apippa bei
- feinem ungemeinen Bleiß- und befonderd dei ter großen
Sorgfalt, die er auf fein Werk, das den Erdkreis den
Aungen der ganzen Welt vorführen follte, verwendete, fo fehr
geirrt habe, uud mit ihm der göttliche Auguftus? Denn Diefer
vollendete die von feiner Schweſter nad) der Unordnung, umb
den ſchriftlichen Rotizen des M. Agrippa begonrene Gän«
lemnhalle, in weicher der Erdkreis vorgeſtellt war. ») *
IV (m), 4. Die alte Geſtalt des dieſſeitigen Hiſpa⸗
‚wien **) hat, fo wie die mehrerer anderen Provinzen, fich
etwas’ geändert: denn Pompeins der Große bezeugt auf
feinen Siegeszeichen, die er auf den Pprenden errichtete,
Daß er von den Alpen bis zu den Grenzen des jenfetigen
Hiſpaniens 876 Etädte unter feine Botmäßigkät gebrachkẽ
babe. Jeyt aber wird die gange Provinz in leben Gerichtsbezirke
geteilt: in den Earthagifchen [Eartagena], Tarraconenfifden
‚EZerragona]. Cäfaraugufliichen (Saragoſſa], Clunienſtſchen
TEeruna}, Aſturiſchen ſAſtorga], Lucenfifhen” [Lugo] und
Bracariſchen [Braga]; dazı kommen mod die Iufeln.
Zieht wian. aber wiefe bier nicht in Betracht, fo enthält Die
Provinz, außer 294 andern untergeorbnetn Gemeinden,
179 Städte. Davon find 12 Eolonien, 413 Gtätte mit Rö⸗
miſchem, 418 mit Atiateiniſchem Baͤrgerrecht, eine verbundete
und 135 zinspflichtige, -
”») ©, die Bemerkungen zu den” von Plmins in Jiefem Buche
benügten Quellen unter dem Werte Agrippa.
* Das dieſſeitige Hiſpanien begriff mit Ausnahme der Bäs
nſchen und Eufifanifdyen Provinzen das > ganje jegige Spas
ni ſich. ’
« .
- .
238 6. Pinius Naturgeſchichte.
2. Zunächſt an der Küfte wohnen die Baſtuler [x
der Provinz Murcia]. Hinter ihnen weiter nach dem Zu
neren kommen in folgender Ordnung: die Mentiſanet fin -
dem Partivo de Epinchilla], die, Oretauer Lim Partido de
Ciudad. Real] und am Tagus [Xafo] die Carpetaner [in
- den Provinzen Madrid und Toledo], neben ihnen die
Baccder [in den Provinzen Zamora und Salamanca], die Vec⸗
tonem» [in Eſtremadura und Leon] und bie Celtiberiſchen
Arevaker Lin der Provinz Valladolid am nördlichen Ufer
des Duero bis zu den Quellen dieſes FSluſſesJ. Die der
Küfte am nachſten liegenden Städte find: Urci [Abrucenna],
Barea [Vera], welches auch zu der Bätifhen Provinz ge
rechnet wird; darauf folgt dad Gebiet der Mapitaner, Deis
taner und Gonteftaner [die Küftenftrihe von Murcia ud
Balencia], dann die Colonie Neucarthago [Eartagena].
Bon dem Saturnifchen Vorgebirg [Capo de Palos] bei dies
fer Stavt bis nad) Cäſarea [Ten] in Mauritanien bes
trägt die Ueberfabrt 187,000 Schritte [37° M.]. Sonf
find an der Küfte noch bemerkenswerth ‚ber Fluß Tader [Se⸗
gusa] und die abgabenfreie Colonieſtadt Illici [Eichel], von
welcher der Zllicitanifche Meerbufen [Golfo be Alicante]
feinen Namen hat; ihr (ind die Icoſitaner untergeordnet.
Darauf folgen Lucentum [Alicante], mit Lateinifhem Bür⸗
gerrecht; Dianium [Denia] ein ‚zinspflühfiger Ort 3, der
Fluß Sucro [Xucar] nnd früherhin eine Stadt gleiches
Namens TSueca], der Grenzpunkt Eonteftaniend; das Ede⸗
tanifche Gebiet [in Valencia], vor welchem fih-ein reizener-
Binnenfte [Albufera] hinzieht, und das fich nad) dem Innern
des Landes bis zu ben Geltiberiern erſtreckt; die Eloonjeſtadt
. Li
- *
Drittes Buch. a.
Salenttaa ſBalencia], welche 3000 Schritte [11,062: Buß]
vom Meere -mtfernt iſt; der Fluß Turium ſGuabeolaviar],
wud gerude in der angegebenen Entfernung vom leere
Saguntum [Murviedro], eine Etart mit Römiſchem Bür⸗
gerrecht und berühmt durch ihre Trene ; *) der Fluß Maba
FMijarts] ; das Gebiet der Jtergeonen ſawiſchen dem Mi«
fares and Ebro]. 4. Kerner der Iberus [Ehre], ein durch
biithende Handelsſchiffahrt bedeutender. Fluß, welcher in
Canfabrien, nicht weit von der Stadt Jutiobrira [Briae].
entfpringt, einen Raum von 450, 000 Schritten [90 M.]
durchſtrömt, und 260,000 Schritte [53 M.] weit, nämlid
von ter Stadt Varia fBogronno] an, Griffe trügt; nach
ihm haben tie Britchen ganz Srilpanien Iberien genannt.
Dunn folgen das Eoffetanäfche Gebiet [die Begerias de: Tarra⸗
gona und de Zoriofol; dir Fluß Subi [Brancdli]; die
Edlonieſtadt Tarraco [Tarragane], ron Den Scipionen er-
bant, to wie Barthago- von den Puniern; bad Gebiet ber
Jiergeten Der Küſtenſtrich zwiſchen Tarragona und Bar«
celona ]; die Stadt Subur [Villanova]); der Fluß Rabrica⸗
tum ſ[tsobregat]; jenſeits diſſelben die Laol taner [egerias
de Barcelona und de Mataro] und die Indigeter [Vegeria
de Gerono]. 5. Hinter dieſen, weiter nach dem Inneren
bin, am Buße der Pyrenaͤen, tiegen in folgender Ordnung :
die Auſetaner [Begeria.de Vique] und Lacefaner ſVegerias
de Eervera und de Mantefa], in den Pyrenäen die Gerres
taner [Begeria de Buigcerda]; dann die Batconer [Provinz
D
96, Florus 1, 6. Sivins.KXT, 7 fi —
€. Ptinius Noturgefh, 38 Ban. ' 3:
x
290 C. Minius Naturgeſchichte.
Guipustoa]. An der Küuſte aber liegt Die Eolonieftiht Bar⸗
cino [Barcelona], mit dem Beinamen Faventia. Daum
kommen: Bätulo [(Badalona] and Iluro [Pineda] mit Romi⸗
fhem Bürgerrecht; der Fluß Larnum [Tordera]; Blandä
[Blanag]; der Fluß Alba ſTer]; Emporia [Ampurias], eine
Doppelſtadt, die eine Hälfte von den alten Eingeborenen,
die andere von Griechen, den Nachkommen der Phocäder, bes -
wohnt; der Fluß Tihis [(Fluvia]). Bon dieſem bis nad)
Benus Pyrenäa [Erens] auf der andern Seite des Wörge⸗
dbirgs beträgt die Entfernung 40,000 Schritte [8 .M.]. |
6 Nun foll, Was außer dem Gefagten noch merk:
würdig ift, nach den einzelnen Bezirken mitgetheilt werben.
Zu Tarraco [Tarragona] fuchen 45 Völkerſchaften ihr Recht.
Bon diefen find die merkwärdigften: die Dertuſaner [Tor-
tofa] und Bisgargitaner. [Berrus]. mit Römiſchem Bürger-
recht; die Auſetaner; Gerretaner, auch Julianer [Llivia] umd
Auguflaner zubenanut; die Edetaner; bie Gerondenfer J[Gi⸗
zona]; die Gefforienfer und Tearer, uud) Yulienfer genannt,
mit Lateinifchem Bürgerrecht, und die zinspflichtigen Aqui⸗
ealdenfer [Ealdes], Dnenfer und Bächtonenfer [Banfen]. *)
77. Cõſarauguſta [Baragnza], eine fleuerfreie Eofonier.
ftadt, im Lande der Edetaner, vom Fluß Iberns beſpült,
und früher Salduba genannt, begreift 152 Völterfchaften im
ihrem Gerichtsbezirk. Unter diefen find Römiſche Bürger
die Belitaner [Belchite] und Eelfenfer [Kelfal; Eolonien bie
*) Ueber die Aufetaner und Eerretaner fiehe in biefem Kae
pitel 5. 5.5 über bie Edetaner 5. 3. Die Lage der Geſſo⸗
vienfer, Zearer und Onenfer iſt unbekannt,
» Ealggutritaner [&paree], welche auch ben Beinam
Drittes Buch. 203
Ber führen ; die Ilerdenſer [Xerida], zum Wolke der bricenſer
ner gehörend, und dicht am Flufſe Gicoris (Segrdaften
Dscenfer Huesca] in dem Landſtrich Bescitania, und 69.
Turiafonenfer [Iarrazona]. 8. Wltlateinifches Bürgessen)
haben die Sascantenfer [Cascante], Ergavicenfer [Drejal,
Graccuritaner [Corella], Leonicenfer [Billar Luengo] und .
Dffigerdenfer [Irar]. Verbündete find die Tarragenfer -
[Zarraga] ; Zinspflichtige die Arcobricenfer [Arcos], Ando⸗
Iogenfer [Andofila], Arocelitaner [Miranda], Burfaonenfer
[Burgos], Calaguritauer [Ealahorra], auch Fihularenfer zus
benannt, Eompflutenfer [Alcala de Henares], Earenfer [Ca⸗
rascoſa], Cincenſer [Eifuentes], Eortonenfer [Eardona],
Damanilaner [Mediana], "Larnenfer [Larna], LZurjenfer
[Zuezas], LZumberitaner [Lumberitta], Lacetaner, ) Lus
‚ bienfer. [£ubia],. Pampelonenfer [Pamplona] und Segienfer
[Seema].
-9, Zu Carthago [Eartagena] fuhen 65 Völkerfchaften
ihr Recht, die AInfelbewohner nicht mit einbegriffen. Unter
Diefen haben die Gemellenfer ans der Uccitanifchen Colonie
[Suadir] und Libifofona [Resnzal, auch Foroauguſtana zu⸗
benannt, das Italiſche Bürgerrecht; die Caſtulonenſer aus
der Salarienſiſchen Colonie [Eazorie], and) Cäſars Käufs
linge **) genannt; bie Setabitaner [Xativa], auch Auguflaner
*, 6, in diefem Kap. 5.5. \
.=*) Caesari venales, weil fie ihr Gebiet an Eäfar verkauft
hatten. y " - -
38
290 €. Plinius Naturgeichichte.
Buipu/ and die Balerienfer [Balera fa Bieja] das Aitta⸗
cind,se Bürgerredit. Die berühmteſten der zinepflichtigen
korerſchaften ſind: die Alabaneuſer [Abefada]; Baſtitaner
3430]; Evnſaburenſer [Sonfnegre]; Diänenfer [Denia] ;
Egeleſtauer [Inieſta]; Ilorcitaner [Xorca] ; Laminitaner [ Ak
hambra]; Mientefaner [Betanaeı] , mit dem "Beinamen
‚Dritatter, Mentefaner [Busza]. mit dem Beinamen Baſtu⸗
“fer ; Dretäner [Oreto]. auch Germaner zübenannt; die Gego- -
drigenfer [driege]. tie Bewohner ter Haupiſtadt ron Celti⸗
berien; die Toletaner [Totedv], die Einwohner der Hauptflatt ‚
von Garpetanien, am Fluſſe Tagus [Taje] ; 3 endlich die
Biatienſer [Bakqa] und Birgilienſer [Murcia].
10. Zu dem Clunienſiſchen Gerichtsbezirk [oral
führen die Varduler *) 44 Völkerſchaften, von welchen wir
nur tie Albanenſer [PAUtvana] nennen wollen; die Turmodiger
"Lim nördlichen Theil der Provinz Burgos] vier Völkerſchaften,
ron welchen die Segiſamonenſer ISaſamon] und Segiſama⸗
julienſer lin Palencio] die merkwürdigſten ſind. Zu dem⸗
| fetben Gerichtshof Fommen die Carieter **) und Vennenſer
"iano] mit fünf Gemeinden, zu Denen auch die Velienſer
IVillanneva de las Caretes] gehören; ferner bie Velen
donen [Provinz Eoria]. cin Eettiberifcher Stamm, mit vier
Völkerſchaften, von Denen beſonders die Numantiner [Pnente
Guarren] Yerühmt find; 18 Gemeinden der Baccäer [in der
Provinz Valladolid], von denen wir die Intercatienſer [Villa⸗
—
”, In der Ofthälfte von Vizcaia und Mia, und in dem
Weſilichen Theile von Navarra.
8*' Von der Mündung ber Deva ſudlich sis zum Ebro,
v
uneva be Azuagur), Pallantiner [Palencia], Lacobricenfer
Leobera] und Eancenfer [Coca] anführen; 7 Bölkerſchaften
der Eautabrer, ) kei denen nur Die Stadt Yuliohrica,
[Zriae] merfwürtig if, and 10 Gemeinden. Der Autrigouer, *°).
wozu Zıitium [Tricio] und Virovesca [Driviedca] gebören.
41. Die Urevater haben ihren Namen vom Fluſſe Arena,
[Artanza]. Ihnen gehören feds Etaͤdte: Suguntia [Bis
guenza] und Urama [Osma], Städtenamen,, weihe man
audı häufig in anderen Gegenden antrifit; ferner Eegovia
[Eigutofa], NeurAugufg [Muro], Termes [Tiermer] und
Eiunia ſeibſt, der Srenzort Eelriberiene, Die übrigen Ges
meinden [dieied Berichtäbezints ] liegen, ſo mie die ſchen
genannten Varduler und Cautabrer, nad dem Ocean’ hin.
42. Un diefe Jepten grenzen die 22 Bölßerfchaften der
Aſturer, *°*),. welche in die Auguſtaner und Trangmone.
taner +) zerfallen, mit der prädtigen Gtadt Aſturica
KAftorgs] : unter ihnen find zu erwähnen die Cigurrer [&is
gurri], Paãſi ker [am Capo de Penas)], Lancienſer [&ollanca]
uud Zesler [Bivero]. "Die Geſammtzahl des Volkes helauft
ſich auf. 240,000 freie. Köpfe
*) Sie bewohnten den weitfühen Theil ber Landichaft. Mon⸗
tana und die Norbbälfte der Provinzen Palencla uns Toro,
es) In der Öfilihen Hälfte von Montana, /eirem weftlichen
Stücke von Wizcaya und Alava, und dem. weſlichen Theile
von Burges.
) Sie Hatten die äftliche Hälfte von Aſturien und ben größten
Theil des Reiches Leon inne,
+) Die Traudmontoner find bie Berabewobner; Üngufaner
‚Dig Vemebner ber. ſuͤhlichen, ceencren amden, in Wels
"chen Aftorga liegt.
Drittes Bud, 293.
_
29% E. Pinius Naturgeſchichte.
43. Der Lucenſiſche Gerichtsbezirk [Lugo] umfaßt 16
Völkerſchaften, welche außer den Celtikern und Lebunern )
unbekannt ſind, und barbariſche Namen führen, aber doch
ungefähr 166,000 freie Köpfe ausmachen.
14. Eben fo verhält es ſich mit den Brafarern [Braga], "
deren 24 Gemeinden 475,000 Köpfe enthalten, von denen
man aber außer den Brafarern felbft nur die Bibaler [Biana’
de Bollo], Cöleriner [Tim nördlichen Galizien], Galläter
[Galizier], Hequäfer [Tierra de Queyja], Limiker [Ponte
de Lima] und Querguerner [Rio caldo] opne Widerwillen
‚nennen Tann,
45. Die Länge des dieffeitigen Hiſpaniens beträgt von
den Pyrenäen bis zur Grenzſtabt Eaftuto [Cazorla]
607,600 "Schritte [121% M.), und big zur Küfte etwas
mehr; die Breite aber von Xarraco [Tarragona] bis zum
Geftade bei Dlarfo [&apo de Higuera] beträgt 507,000 ©. -
[61% MI.) Bon dem Fuße der Pprenden an, wo ed
keilförmig zwiſchen zwei Meere eingeengt ift, dehnt es ſich
allmälig aus, und wo es an das jenſeitige Hiſpanien grenzt,
iſt ſeine Breite um mehr als das Doppelte gewachſen. —
An Metallen, namentlich an Blei, Eiſen, Erz, Silber und
Gold, bat fat ganz Spanien Ueberfluß; das dieſſeitige auch
2) Plinius meint hier die Eeltiſchen Prãſamarker (om Flũß⸗
chen Tamaro) und Nerier (um das Vorgebirg Finisterre);
vgl. B. VI. Kap. 34. 53, Die Lase ber Lebuner laͤßt
ſich nicht beſtimmen.
o) Die wirkliche Länge von Cazorla bis zu den Pyrenäen. be:
— 94 M.; die Breite zwiſchen den angegebenen panften
Dritte Bud. . 296
on Spiegelftein, *) und die Bätifche Provinz au Mennig **);
auch findet man Marmorbrüche. — Der Kaifer Befpaflanıs
Auguſtus ertheilte, durch die fürmifchen Zeiten des Stantes
gedrängt ,*’*) ganz Hifpanien das Lateinifche Bürgerrecht.
— Die Porenäentette trennt Bifpanien und Gallien, und
ihre Endpunkte eritreden ſich als Vorgebirge in zwei ver
fchiedene Meere.
V av) 4. Die Narbonenfifhe Provinz wirb jener Theil
von Ballien genannt, welchen das mittelländifche Meer bes
fpült, und der früher Braccata +) hieß ; non Ftalien ift er durch
den Klub Varus [Bar] und durch die dem Römifchen Reiche
fo heilfamen T+) Alpenhöhen geſchieden; von dem übrigen
Gallien wird diefe Provinz auf der nördlichen Seite durch
bie Gebirge Gebenna [Eevennen] und Jura getrennt: TtH)
*) Lapis specularis (vgl. B. xxxvi. Kap. 45.), natrum
laciale Linn,
.**) Minium (vgl. 8. XXXUI, Kay. 36. 37.), einnabaris
nativa der Steuern.
“or, Im Kriege gegen wvitellius (69 nad) Ehr.).
3) Bon deu Beinkleidern (braccae) ber Einwohner.
+D mir fie nämlich oft ben Andrang barbarifcher Möller abs
ielten.
+4D Das Narbonenfifhe Gallien umfaßte die jetzigen Departe⸗
mente de FArriége (Bbſil. Theil), des Pproͤnées⸗Orientales,
be la Haute⸗Garonne (hſtl. Theil), bu Tarn (fühl. Theil),
de PAude, de PHorault, du Gard, de l'Ardeche, de LAin
(dit. Thein, be U’Ifere,.de la Drome, bes Hautes⸗Alpes,
‚be Vaucluſe, bes Baffed:Atpes, des Bouches du Rhöne und
du War; ferner Savoyen und die Schweizerkantone Genf.
und Wallis. RN
2 C. Plinius- Natmegekhichte.
- Mn Srirag der Beiden, an Mürte der Maͤuner und Bew
- Sitten, au- Fülle des Reichthums ſteht diefe Provinz keiner
anddren nad), und fle ik, um es mit einem Wortezu fas
gen, cher ein, The von Italien, als eine Provinz zu
"nennen. 2. Ad der Küfle Heat dad Gebiet der Garboner
E Departement des Pprenced»-Drientales] ; im Juneren bed
Landes das der Conſuaraner [Depart. del’ Arriege]. Flieſſe: der
Zecum [Tech] und: Bernadubrum [ia Ep]. Städte: Illiberis
[Elne], ein unbebentender Neft einer fon großen Stadt;
Rustino [la Tour de Rouſſillon], mit Lateinifchem Bürgerrecht.
Kerner der Fiuß User [P-Ande}, welcher in den. Pprenden
entfpeinge nad den Rubrenfifchen See [Etangs de: Bages
sd de Sigean] durchſtrömt; Nacba Martins [Rarbonne},
eine Golonie der zehnten Legion, 12,000 Schritte [2% Mi
Vom Meere entfernt; die Klüffe Arauris (Hoͤrault] und Li⸗
via [Rei]. Die. Städte ſind übrigens in diefer Gegend
felten, da fich allenthalben Sümpfe hinziehen. Zu hamerken
ind Ugasha. [Bade], das einſt den Maſſiliern [Marſeille]
gehörte ; das Gebiet der Volcä Tectofages *) und die Stelle,
wo einft das von Rhodiern erbaute Khoba *") fand. - Bon
diefem bat der ergiebigite Fluß Galliens, der Rhodanus
[NRHene) , feinen Nomen. Er flürzt von den Alpen herab
durch den Lemanifchen See [&enferfee], und reißt ben
trägen Arar [la Saone] und bie ihm an Wildheit aleichen
*) In bes Deyartements be P’ilzriöge, be la Haute⸗Garonne,
de P’Aude, du Tarn und be lHexault.
0) Rach Einigen an dem Orte, ber jsut Foz les Martigues
genannt wird; nad Andern if es der Flechen led Saintes⸗
Maries.
- Deittes. Bus. 297
‚Ströme Iſara [1’Ifere] und Draentia [le Durance] mit -
fi fort. 3. Seine beiden Pleineren Mändungen nennt man
Die Abyſchen ſſudweſtlichen], und von diefen wieder bie. eine
die Hifpaniſche [fe Petit Nyöne], die andere die Metapi⸗
nifche [ie Vieur Mne], die dritte und größte aber die
Maffatietifche [vie jegige dreifache Mündung Gras du Midi,
Geas de Gainteinne und ‚Gras‘. de Sanſe]. Manche
Schriftſteller behaupten auch, an der Mündung des Rue:
dauus habe ſonſt eine Stadt Heraelea gelegen.
4. Weiterhin kommen die non ©. Marius aus dem
Mhodanns geleiteten, und nach ihm benannten Kanäle; *)
Ber. Sumpf Maflramela [r’ctang de Berre]; die Stadt Mas
ritima [Martigues] im Avatiſchen; weiter aufwärts bie
Stxinfelder [fa Crau], eine-Erinnerung an die Kämpfe des
Herkules; **) Das. Gebiet der Anatilier [AUrtes], und im
Inuneren bed Landes das Gebiet der Defuviater [Tarascon]
und dey Gavarer [aufider öftidien Seite der Rhone zwiſchen
den Biäffen Ifare uud Dürance}: dann, wieder nom Meere
angefangen, das Gebiet der Tricorer [an der Durance);
weiter nach dem Inneren Das der Tricoller [Gifteron], der
Wocontier [im öſtlichen Theile der Departemente de la
Dröme und de Bauclufe] und- ber Segovellaner [im weſt⸗
9 Dieſe von Marius im Limeriſchen ariege (102 vor Er.)
gegrabenen Kandıe find wahrfcheinlich her jeut fogenanute
Canal de navigation d’Arles au port de Bouc.
”*, Herkules fol hier gegen Neptuns Söhne Albion und Ges
. zyon gekaͤmpft haben, unb als ihm keine Pfeile mehr zu
Grbote Handen, von Jupiter durch einen Steinregen unter⸗
fügt „worden ſeyn. Pomp. Mes U, 6.
298 C. Plinius Naturgefchichte.
lihen Theile der genannten Departemenfe] / and nit weit
davon das der Allobroger. )
5. Un der Küfte folgen dann das von Dhocäifchen
Griechen erbaute Maſſilia [Marfeilie], eine verbündete
Stadt , das ‚Borgebirg Zao [Eap be FAigte], der Hafen
Eitharifta [fe port de la Ciotat), das Gebiet der Camatu⸗
liker [der füdöfttliche Theil des Departements du Bar], wel⸗
terbin die Guelterer [die Mitte Des genannten Departements],
und hinter ihnen Die Verruciner [dee nördliche Theif des
genannten Departements]; ferner an der Kälte das den
Maffitiern gehörende Athenopolis [Napoute] ; Forum Julii
[Frejus], eine Colonie der achten Legion, auch Pacentis
und Elaſſiea genannt; dabei der Fluß Argentens ſArgens];
das Gebiet der Oxubier und Ligauner ſſüdoͤſtlicher Theil
ned Departements du War]; hinter ihnen die Suetrer [im
Departement des Baſſes Alpes], Auariater Fin Departement
des Hautes Alpes] und Adunicater [im Departement des
Bafles Alpes]; dann au der .Küfe die Stadt Antipolis
ſAutibes], mit Lateinifhem Bürgerrecht; das Gebiet ber
Deciater [norböftlicdher Theil des Departements bu War];
der Fluß Barus [Bar], der von bem Berge Cema lEeme⸗
lione] in den Alpen herabkommt.
6. Im Inneren bed Landes find die Eplonieen Arelate
[Arles], von der fechsten Legion, Beterrä [Beziers], von
‘ Ser ſtebenten, und Arauſio [Orange] » von der heiten
*) Diefe bewohnten ben südlichen Theil des Departements be
TYin, bad Departement de rIſere, den Kanton Senf und
einen Theil von Gavoyen,
1
Drittes Bud. 2%
gegeiudet; im Gebiete der Cavarer liegt Balentia [Balence),
in. dem der Allobroger Bienna [Bienne]. Gtäpdte mit Las
seinifhem Bürgerrecht find: Aquã Sertiä [Air] bei den '
Galluviern ; Avenio (Avignon] bei den Cavarern; Apta
Inlia [Apt] bei den Bnlgientern; Alebece ſRiez] bei ben
Apollinariſchen Reiern; Alba [Alps] bei den Heldern; Au⸗
guſta [Saint PaulsTrois-Ehateaur) bei den Tricaſtinern;
Anatilia [Atais]; Adria [Mont Ventonx]; die Bormanner
[um Bormes]; Eomatina, Eabellin [Cavaillon], Earcafum
[Sarcafoıne} bei den Bolca Teckofages, Ceſſero [Eifteron],
Earyentoracte [Earpentras] bei deu Meminern, die Beni:
cenfer fam Fluß Arc], die Cambolectrer Cambo⸗Haut et
Eambv: Bas. de Elarence]), auch Atlautiker zubenannt,
Zorum Boconii [le ECanet], Slanım Livii [S. Remy]; die
Lutevaner [Lotäve], and) Boroneronienfer- genannt; Nemans
ſum [Nismes] bei den Arecomikern, Piscenä [Yerenas], die
Ketener. [Rhodez], die Sanagenfer [Senez]; die Tolofaner
[Tontonfe] , weiche zu den Tectoſagern gehören, und an
Aquitanien *) grenzen; die Tasconer [Montauban] ; die Tas
zusconienfer [Taradcon]; die Umbraniter [Rombes]; bie
zwei Hauptpläte des verbündeten‘ Staates der Vocontier,
Baflo [Baifon} und Lucus Auguſti [ke Luc]: außerdem
findet man noch 19 undebentende Städte, fo wie deren aud)
24 den Nemanfiern zugetheilt find..- Diefem Berzeichniß
hat Der Kaifer Balba von. den Alpenbewohnern die Anantiker *
[am Avançon] und die Bodiontiter, deren Stadt Diniz.
[Diane]. heißt „ beigefügt. Die Länge der Narbonenflfchen
“ . »).©, SB. IV. K. 33.
300 C. Piinins.Naturgefähichte,
Moxrinz gibt Yarippa auf 270,000. Schritte 154 M], Tre.
Breite aber auf 248,060 Schritte [40° Mi] an.
VI (V). 4. Run. folgt Italien und in demfelben ziterk
Ligurien, dann @truxien, Umbrien und Latium, ‘wo fid ‚Pie
Mändungen bei Ziber finden, und. 16 008 Schritte [5% M.T
vom Meere, Rom, die. Haupiftadt der Melt. Weiterhin
folgen: das Uferland der Volsker; Campanien; dann das
Picentinishe, Das Lucaniſche uud had Bruttifche Gebiet, wo,
non der. Alpengrenze an gerechnet, Italien am weiteſten
ſüdlich in das Meer in: halbmoudförmigen Gebirgen ausläuff.,
Ban. bier an kommt zuerſt die Hüfte Großgriecherlands;
dann folgen die Salentiner, die Pediculer, die Apulier, die
Peliguner, die Freutaner, die Morruciner , bie Befkiner, Die
Gabiner, bie Picenter, die Ballier, die limbrer, die Etrus⸗
Ber , die Veneter, die Carnor, die Yapider , die Threr und
Die Liburner. ) 2. Sch. verhehle mir: nicht, Daß mau: mich
mit Recht eines undankdaren Gemüthes zeihen könne, worum.
ich nad) der bie jest beſolgten Weife nur kurz und. im Vor⸗
beigehen von einem Laude rede, das die Nährerin und zugleich
bie, Mutter aller Länder iſt; das. bie Bätter ausgemähls:
baben., un felbft dem. Himmel mehr Glanz zu verleihen, )
um die zerftreuten Neiche zu vereinigen, die Sitten zu mile
dern, Die verſchiedenartigen und.-ropen Sprachen fa nielan
Bötter in eine gemeinkame Sprache zu verſchmelzen, die
| Menſchen Geſelligkeit und Bildung zu behren, karz, um das
9 Ueber die Lage aller dieſer Wörter: wird weiter - ante de:
Rede ſeyn. _
”) Durd) die zu Göttern erhobenen Kaiſer.
-
Dritte Buch. 3661
alleinige Vaterland alter Boͤlter des gunzen Erdkrriſes zu
werben. 3. Aber wie ſoll ich es anfangen? Die fo große
Berühmtheit aller Orte, anf die man nur ſtößt, dev fo hohe
Glauz aller ringehten Gegeuſtände und Wörter Halt wich
Jurück. Wie autgedehnt müßte nicht fdyon Das Werk wer
den, in welchem man auch nur Die einzige Stadt Rum,
das eines fo ſtaftlichen RNackens würdige Antlitz, *) befchrei-
ben wollte? Wie könnte man nur. allein die Küfte Cams
deaniens, dieſes gfüdfelige und anmuthige Land, genugſam
preiſen, um Jſdem Bar zu machen, daß es das Werk einer
Ih diefer. Stelle mit beſonderer Vorliebe freuenden Natar
ſey? Wie belebend und fortwährend geſund iſt überhaupt
die Witterang unter dem Italiſchen Himmer! Wie fruchtbar
find Die Seſilde, wie ſonnig die Hügel, wie gefahrlos bie
Verfte, wie ſchattig die Haine, wie reihh an Baben alle
Arten von MBaldımgen! Wie heilfam 'iſt die Bergiuft, wie
‚groß der Ueberfluß an Früchten, Reben und Deibäumen, wie
. Anbgezeichwef tie Wolle des Schafviehes! Wie feiſt find bie
Gäft der’ Biere ; wie groß.ift die Menge der Seen, wie
groß der. Reichthum an Stüfen und Quellen, die allent⸗
halben Italien durchſtrömen nad’ bewäflern, mie zahlreich
And die Meere, Häfen und die von allen ‚Seiten dem Ver⸗
dehr offenen Barfen des Landes, weiches ſich ſetbſt gleichſam
a amen der Menfchen gierig in Die Meere hinant-
ih - . ü
A Die geiftigen und gefelligen Vorzüge des Landes,
. ) ‚Pinins tenrt ſich die Provinzen des Römifthen Reichs als
Mrper, Italien als Nacken and Mom als Antlig.
r
2
2 L. Plinins Naturgefchichte.
fo wie feine großen Männer, und wie viele Bölter 'ed-mit
Wort und That überwältigte, will idy gar nicht erwähnen.
In diefer Beziehung haben die Griechen, ein in ber Lob⸗
preifung ihres Ruhmes nnerfhöpfliches Volt, das Urtheil
feftgeftellt,, indem fle einen winzigen Theil Italiens Groß⸗
--griechenland nannten. Ueberhaupt müflen wir hier gerade
fo verfahren, wie bei der Beſchreibung des Himmels, wo
wir nur einige Merkmale und wenige Geſtirne näher be
rührten. Die Lefer mögen nur bedenfen, daß -uus, um
die einzelnen Merkwürdigkeiten des ganzen Erdkreiſes auf⸗
. führen zu tönen, vor Allem Eile noth thut. R
5, Italien gleicht am meiften einem @ichblatte, und
erſtreckt fidy bei weiten mehr in bie Länge, als in die
Breite ; anf der linken Seite macht es eine hervorfpringende
Beugung FProvinz Otranto], und endigt dann in Geſtalt
eines Amazonenfchildes, ) indem es von dem in der Mitte
liegenden Borfprung aus, welcher Eociuthos [Capo di Gtilo]
heißt, zwei mondförmige Buſen bildet, und zwei Spigen,
rechts Leucopetra ICapo dei’ Armi] und Tinte Lacinium
[Capo delle Colonne], hervorſtreckt. Die Länge Italiens
beträgt von Prätoria Auguſta [Uofta], weiches die Grenze
mad) den Alpen hin bildet, über Nom und Gapua bis zur.
Stadt Rhegium [Reggio], welche gleichſam auf der Schul⸗
ter des Landes liegt, nnd wo die Beugung feines Nadens
beginnt, 1,020,080 Schritte [208 .M.]; **) wolite mau bis
nad) Lacinium fortmeflen, fo würbe die Schrittezahl bei
*, Dem Halbmonde ähnlid). |
..) Die wirkliche Länge von Aofia bis Reggio Seträgtuu 160 R.
’
Drittes Bud, . 303
weiten gräßer. ſeyu: man: muß aber dieſe Richtung als ſchief
nach der Seite hin abigufend betrachten. 6. Die Breite ift
verichieden : zwifchen den beiden Meeren, dem unteren [Tyr⸗
rhenifchen] und dem oberen [Adriatiſchen], und deu Flüſſen
Barıs [Bar] und Arfia [Arſa] beträgt fie 410,000 Schritte
ſ82 M.1; in der Mitte des Landes, ungefähr in der Ge⸗
gend der Stadt Rom, von der Mündung des Fluſſes Ater⸗
nus [Pescara], welcher in das Adriatiſche Meer fällt, bis
zu dem Ausfuffe der Ziber 436,000 Schritte [27 M.]
und etwas weniger zwiichen Caſtrum Novam [Giulia Nova]
am Adriatifchen und Alftum .[Pale] am Zuscifchen Meere;
von bier an üherfchreitet die Breite nirgends das Maß von
300,080 Schritten [60 M.]. Der Umfang des ganzen Landes
vom Barus bie zum Arfia beträgt 3,059,000 Schritte
[611% M.].
7. Die Entfernungen Italiens von den umliegenden
Ländern ſind folgende: von Iſtrien und Liburnien [nördlichen
Dalmatien) an einigen Orten 100,000 Schritte [20 M.];
von Epirns [füblihen. Albanien] und Illyricum 50,000
[ıo M.]; von Afrika etwas. weniger als 200,000 [40 M.],
nach M. Barro’d Ungabe; von Sardinien 120,000 [24 M.]; von
Gicilien 1500 [540 M.]; von Eorfita etwas weniger als
70,000 [14 M.], uud von Iſſa L[Eifa] 50,000 Schritte
GO M.].”) Es erſtreckt ſich, mas feine Lage betrifft, durch
Das Meer nad) der fühlichen Himmelsgegend hin, und zwar,
*) Die von Plinius angegebenen Maße find nicht genau; der
Lefer kaun fie Übrigens durch einen Blick ‚uf die Sand:
arte sicht berichtigen,
‘
304. E. Plinins Maturgolchichte.
wenn man ſich auf eine genauere Umerſuchung eintäßte wi⸗
ſchen der ſechſten und erſten Stunde der Winterfonnenwende. % .
8 Wir gehen jegt zu der Beirhreibung feines Umfangs und
zur Aufzählung‘ der Städte Über, and ſchicken Lie nöthige
Bemerkung voraus, Daß wir dabei ald Quelle dem göttlichen
Anguſtus und feiner Eintheilung von ganz Italien :in eilf
Bezirke folgen, .mit dem Unterfchiede jedoch, daß wir..bie
‚Krönung, iu welcher fie ſich an der Küfle anzinanderreihen,
beobaddten. Wir können ans«in unferer flüchtigen Darſtel⸗
fung natürlich nicht nach ‚den Entfernungen der einzelum
Städte von einander richten, und müſſen fonach im aneyen
des Landes die von dem erwähnten ‚Kaifer ‘angenommene
alphabetifhe Reihenfolge feRhalten, und Die Colonieen,
welche ex bei dieſer Aufzaͤhlung nambaft macht ,. als falde
bezeichnen. Auch laſſen ſich die Lage und.der Urfprung der
einzelnen Völker nicht Leicht angeben; denn wur allein dem
Ingaunifden Liguriern [um Albenga], anderer gar richt zu
gedenken, wurden Dreißigmal nene Ländereien angewieſen.
VII. 4. Bon dem Fluſſe Varus an alſo ſolgen die von
den Mafiitiern erbaute Stadt Nicda [Nigza], der Fluß
Dalo [Paglion], die Alpen nnd die Alpenvölfer mit vielerlei
Namen, größtentheils jedoch Capillati ”*) genannt, Ceme⸗
lion .[Eimiez], der Hauptort des Staates der Vediantier,
der Hafen des Herkules Monöcus , die Liguftifhe [Genueſiſche]
Küſte. Die berühmteſten Stämme der: Ligurier jenfeits der
ig ie — —
“*) Kacdı unferer Weie ficy auszudrucken: zwiſchen Sud und
°*) Mit yingem; fiber die Squttern fallenden Hauothaet.
Hritted Buch. i 505
Alpen find die Salluvier, Deciaten und. Drenbier;*) dieſſeits
der Atpen die Benener [um Binadio); die von den Catu⸗
gigern [bei Chorges) abflammenden Vagieuner [im weſtli⸗
dien Theil der Provinz Bay]; die Gtatieller [im
der Provinz Acqui]; die Bibeller [in der Provinz
Biella]; die Mageller, die Euburiaten, Casmonaten und
Belisten , **%) deren Städte wir an der zunächſt lie⸗
genden‘Küfte nennen werden. 2. Weiterhin kommen: ber
Fluß Netuba [Roya], die Stadt Albium Intemelium
(Binttmiglia], : der Find Merula [Aroscia],, die Stadt
Albium Ingaunum [Albenga], der Dafen von Badum Gas
batium [Vado], der Fluß Porcifera [Potcevera], die Stabt
Genua, der Fluß Beritor [Befagno] , der Hafen Deipbini
[Porto Fino]; Zigullia [Trigofo]; weiter im Juneren Ge '
seta Zigulliorum [Seſtri di Levanse], der Fluß Macra
[Magra], die Grenze von Ligurien. 3. Im Rüden aller
genannten Städte liegt der Upennin, das ansgedehntefte
Gebirg Italiens, welches ſich in fortlaufenden Gipfein von
den Alpen dis zur Siziliſchen Meerenge binzieht. Bon der
andern Geite diefes Gebirges bis zum Badus [Po], bem |
gefegnetfien Fluſſe Italiens, praugen allenthalben die herr⸗
lichſten Staͤdte: Libarna [Monte Ehiaro] ‚ die Kolonie
*) Ueber diefe Siourifhen Volker jenſeits der Alpen vergl.
Kap. 6. $. 5.
“s, Die Lage der drei "nieht genannten Stämme laßt fi) nicht gez
nau nachweifen. Man kann nur mit Beſtimmtheit fagen,
dag fie den nörblihen Abhaͤng ber. Apenninen bis zur
Duelle der Magra bewohnten. j
8 Punius Naturgeſch. 26 Bochn. 4
3
\
506 C. Plinius Naturgeſchichte.
Dertona [Tortona], Iria [Boghera] , Barderate [Bardi],
Induſtria [Berrua], Pollentia [Polenza], Carrea [Earro], °
mit dem Beinamen Potentia; Forofulvi [Balenza], auch
Balentinum genannt; YUugyfla Bagiennorum [Basco], Alba
Pompeia [Alba] , Alta [Ari], Aquis Statiellorum ſAcqui].
Diefer Bezirk ift nad der Beichreibung des Auguftus der
neunte. Die Länge der Ligurifhen Küfte zwiſchen den
Flüſſen Varus und Macra beträgt 211,000 Schritte [421 M.].
VII, 4. Un diefen Bezirk grenzt der flebente, weicher
Etrurien in fid) begreift, und an dem Fluſſe Macra beginnt.
Er Hat oft feinen Namen gewechſelt. In alten. Zeiten
wurden die Umbrer von den Pelasgern daraus vertriebeit,
und Diefe wieder von den Lydiern, weiche auch nad) ihrem
König Tyrrhener, und fpäter, von ihren Opfergebräuchen,
in Griedhifher Sprache Ihuscer *) genannt wurden» Die
erfte Stadt Etruriens.ift Luna [erici], berühmt durch ihren
Hafen. Dann fommen: die Eolonie Luca [Lucca], etwas vom
Meere entiernt; die näher daran Tiegeude Colonie Pifä,
zwifchen den Flüſſen Aufer [(Serchio] und Arnus [Arno),
weiche von Pelops und Den Pillen, oder vou den Teutanern,
‚einem Griedifhen Stamme, ihren Uriprung herleitet; **)
Bada Bolaterrana [Torre di Vada]; der Fluß Cecinna
[Cecina]; Populonium, ***) die einzige Stadt, welche fonft
*) Bon Hver, Opfern, Bol. Über die Geſchichte der Bevbl⸗
terung Etruriens, Mannert's Geographie ber Or. u. Röm.
Bd. IX. Abthi. 1. ©, 302 fi.
*, Mol. Mannert a. a. O. ©, 348 fi.
*. Ruinen bei Piombino,
x
J
Drittes Buch. 307
die Etrurier an der Meeresküſte hatten. 2. Ferner der Fluß
Prille (Briunna]; nicht weit davon der fchiffbare Umbro
[Ombrone], ‚bei welchem bie Laudſchaft Umbrien begindt ;
der Hafen Telamon [Talamone]; Eoffa bei den, Volcien⸗
tern ; *) eine von dem Römiſchen Wolke angelegte Eolonie;
Graviscä; *) Caſtrum novum ISt. Marinello); Pyrai
[St. Severa] ; der Cäretanutfluß [Baccina];' die Stadt
Eäre [Eerveteri], weile 4000 Schritte [ss M.] von der
Küfte entfernt ift, und von ihren Erbauern, den Peladgern, -
Agylla genannt wurde; Alſium [Palo]; Fregenä [Torre
Macarefe] ; der Fluß Ziberis, 284,000 Schritte [56% M.]
vom Macra entfernt. *"*) Im Inneren bed Landes liegen
die Eolonien Falisca [S. Maria di Falari], nach Cato’s
Angabe, von den Argivern gebaut, und den Briuamen „das
Etrus ciſche“ führend; Lucus Beronik [Serofano]; die Rufel⸗
‚ Sanifche [Rofello], die Senenfifhe [Siena] und die Sutrinifche
* &olonie [Sutri). 3. Bon den Übrigen Gemeinden find nody
zu nennen: die alten Aretiner ſGiovi]; Die Kidentifchen
Aretiner [Eaftiglione d'Arctino]; die Julienſiſchen Aretiner
[Arezzo]; die Aminitenſer; die Aquenſer [Bagni di Bica⸗
rello] , welbe auch den Beinamen Tauriner führen; die
Btleraner (Bieda], @ortonenfer [Cortona], Sapenaten, 7)
*) Ruinen bei Orbitello.
*s) Spurlos verſchwunden; lag etwas noͤrdlich von der Müns
dung des Mignone.
s, Die wahre Entfernung beträgt 46 M.
}) Eapena ift jeut verſchwunden, Tag jedoch webrſceinich as
dem Beinen See Straccia Cappa.
4 *
‘
508 C. Plinius Naturgeſchichte.
die nenen Cluſiner FEhiufil, Die alten Cluſiner Edlari di
Chiuſt), die Fluentiner [Blorenz], welde an dem vorüber:
firömenden Arnus liegen, Befulä [iefole], Zerentini, )
Fescennia, **) —— IOrta), Herbanum [Biterbe],
Nepet (Nepi), Novem Pagi [Bracciano], die Claudiſche
Präfectur zu Forum Clodii [Orivolo] , Piſtorium (Piſtoja],
Veruſia ſPerugia], die Suanenſer [Soana], die Saturniner
ſ[Capalbio], welche früher Aurininer genannt wurden, die
Subertaner [Sopretto). Statoner, ***) die Tarquinienſer, y
"die Tuscanienſer [Toscanella), die Vetulonienſer [Torre
Bechia], die Beientauer, Tr) die Veſentiner [Bifentio},
die Bolaterraner [Bolkerra), die Bolcentiner [Broffeto], die
Etrusciſchen genannt, die Volſinienſer [Bolfena]. - In die⸗
fer Gegend haben auch einige Streden von früher dafeibft
befindfichen Städten den Namen beibehalten, fo das Cruſtu⸗
miniſche und Caletrauiſche Gebiet.
„1X. 4. Der Tiberis, ſonſt Tybris und noch früher
Albuta genannt, entſpringt ungefähr in der Mitte der
Apenninentette, an den Grenzen der Aretiner; er if zuerft
unbedentend, und kann nur, fo wie die in ihn einmündenden
Flüſſe Tinia [Timia] und Glanis ſChiana)], dadurch ſchiffbar
*) ag in der Nähe des jegigen Vitorchiano.
60) Ruinen bei dem Dorfe Galleſe.
“er, Ruinen der Stadt Stutonia findet. man zwiſchen bem rago
di Mezzano und dem Fluſſe Albegna.
+) Bei Corneto. Der Hügel, auf welchem es Tag, heißt jegt
noch Tarchino.
FH Wenige Trümmer von Bell bet Ofteria ber doſſo und,
Iſola Farneſe.
Drittes Buch. 509
gemacht werden, daß man fein Wafler in Teiche zuſammen⸗
Seitet, und dann wieder loslaͤßt. Zu dieſem Einſammein find
neun Tage nöthig, wenn nicht Regengüffe behülflich Aud,
2. Zrog diefer Vorkehrung kann aber ber Tiberis feines
unebenen und felfigen Bettes wegen nur mit Flößen, ober
beffer geiagt, .nur mit einzelnen Balken befahren werden.
In vielen Krümmängen durchfließt er eine Gtrede von
450,009 Schritten [30 M.] nahe an Tifernum [Ti].
Derufia [Perugia] und Ocriculum FOtricolo] vorbei, und
ſcheidet Etrurien von den Umbrern und Gabinern; *) ferner
trennt er nicht ganz 13,000 Schritte [2% M.] oberhalb der
Stadt das Bejentiſche Gebiet von dem Cruſtuminiſchen, **)
und dann dası Fidenatifche und Lateinifhe von dem Batica-
niſchen. ***) Unterhalb ded aus dem Aretiniichen kommen⸗
ben Glanis erhält er den Zuwachs non 42 Flüffen, unter
deyen der Nar [Nera] und Anien: [Teverone], der ſelbſt
ſchiffbar it und Latium von hinten einfchließt, Die vorzüg⸗
lichſten ſtnd. Keinen geringeren Bufinß gewähren bie in die
Stadt geleiteten Gewäſſer und vielen Quellen. Und obſchon
er jest die großen Fabhrzeuge des Italiſchen Meeres. trägt,
fo ift er Doch der gefälligfte Kaufpere in allen Produkten
Des ganzen Erdbreifes, und in feinen Fluthen ſpiegeln ſich
zablreichere Landhäufer,, ald in den übrigen Flüſſen aller
Länder. 3. Keinem anderen Fluſſe wird, weniger‘ Freiheit
geftattet, indem er. von beiben Seiten eingebämmt if; und
2) Die Grenze durchüicht die jetzige Delegation Perugia.
” Bei Monte Rotunbo.
"», Wahrſqheinlich bei ©. Giubiteo.
310 C. Plinius Naturgeſchichee.
doch wũthet er nie, obſchon er häufig und ſchnell anfchmilit,
und fein Wafler fich befonders in der Stadt weit ausdehnt:
ja man kann ihn weit‘ cher als einen Vorausverkünder und
Warner betrachten, und ihn bei feinem Unfchwellen mit mehr
Recht fromm als wild nennen. *) ’
4 Das alte Latium hat feine Grenzen nicht verändert :
ed reicht von dem Tiberis bis nad) Circeji [Monte Eircello),
und ift 50,000 Schritte [io Meilen] lang. So winzig waren
die erften Keime des Reichs. Die Beſitzer des Landes haben
bäufig gewechfelt, und zu .verfchiedenen Seiten wohnten darin
die Aboriginer, Peladger, Arcadier, Siculer, Anruncer,
Rutuler: jenfeits Circeji die Volscer, Oscer und Au⸗
ſonier; *) weßhalb der Name Latium allmälig bie zum
Einfle Liris [Oarigliano] ausgedehnt wurde. Den Anfang
des Landes macht Oftia, eine von einem Römifchen Könige ***)
* Man betrachtete das Anfchwellen ber Tiber ald eine Mah⸗
Hung, ben — Goͤttern Suhnopfer Li bringen.
Bol. Horatius, Open I, 2.
) Aboriginer, Urbewohner Italiens ; Peladger und Arbabier,
‘ Griechiſche Stämme. Die Siculer wurden fyäter bis nad
Gizilien gebrängt, und gaben der Infel ihrem Namen, Die
Auruncer hatten urfprünglih in Campanien gewohnt,
wurben aber von ben Peladgern nad) Latium getrieben;
"die Rutuler, ein Eleined Volkchen in der Gegend des heu⸗
tigen Ardia; die Volsker an beiden Ufern des Garigliann.
‚Die Oscer faßen in Samnium und Campanien, und ges
hörten zu dem Auſoniſchen Wölkerflamme, welcher ben
größfen Theil bed heutigen Neapels einnahm.
., Von Ancus Martins. Mor. Livius I, 33. Oftia bat bis
un feot feinen alten Namen behalten.
\
*
Drittes Bud). !
gegrändese Eolonie. Dann kommen: bie Stadt Laurent
[Torre Bajanico], der Hain des Jupiter Indiges [des ı
beimifchen Inpiters], der Fluß Numicius [Rumico], Ur
[QArdia], von Dani, der Mutter des Perſens, erbe
5. WBeiterbin folgen die Ueberrefte des Aphrobifium [T
peld der Benus] ; die Eolonie Antium [Torre D’Anzo] ;
Fluß und die Inſel Aliura; *) ber Fluß Nymphäns
Nimpa]; Eloſtra Romana [Zorre di Zogliano]; Cir
(Monte Circello], eine einſt (wenn man dem Homer
glauben will) von dem unermeßlichen Meere, jest aber '
einer Ebene umgebene Inſel. Wunderbar it, Was
über diefen Gegenſtand zur allgemeinen Kenntniß. brin
können. Theophraftus, welcher unter den Ausländern zu
etwas Genaneres über Rom ſchrieb (denn Xheopomp
- wor dem Niemand Nom’s erwähnte, erzählt nur, baß
Stadt von den, Galliern eingenommen worden fey, nnd |
tarchus zunachſt nach ihm nur, daß ſie eine Geſandtſchaft
Alexander geſchickt habe) — dieſer Theophraſtus nun, ı
cher ſchon mehr als Gerüchte weiß, ſetzt in jenem Buche,“
das er dem Atheniſchen Magiſtrate Nicodorus, deſſen 8
waltung in das Jahr aao unſerer Stadt ˖ [314 vor EI
fällt, widmete, die Eröße der Infel Eircefi auf 80 Stat
[2 Meilen) an. Alles Land alfo, welches Über dieſe Ausdehnt
*), Tragen bee noch deu alten Namen.
*., HOdpffee X, 194. Diefe Stelle wurbe Abrigend von !
nine —8 mißverfianden; denn Homer’: Infel der €
iſt nicht bier zu ſuchen. War Danuats gerszaohie
Griechen und ‚Römer, Bd. IK. Might. I ©. 622.
u Histor, plant, v2 9;
s2= 6. Plinius Naturgeſchichte.
vor 10,000 Schritten ſich der Juſel artgehängt hat, iſt feit
jenem Jahr Ftalien zugewachſen.
6. Noch eine antere Merkwürdigkeit: bei Eirceji liegt
der Pompfinifhe Sumpf, deſſen Stelle, nad) dem Bericht
des Mucianus, weicher dreimal Eonful war, einft 35 Städte
eingenommen baben follen. Weiterhin folgen.der Fluß Ufens
ISiſto]; an ihm die Stadt Zerracina, in der Sprache ber
VBolster Anxur genannt; der Pia, wo Ampclä -lag [Torre
di S. Wnaftafio], das vom Schlangen zerſtört wurde; %
dann Die Stelle der [Umpeläifhen] Höhle [Sperionga]; ber
Bundanifche See ſLage di Fondi]); der Hafen Caieta ſGaëta);
die Stadt Formiä [Mole], im früheren Seiten Hormiä ge»
nannt. und, wie Manche glauben, ber, alte Si der Laͤſtrygo⸗
nen ; **) ferner Die Stelle, wo Dyrä fland,[Barea]; die Colonie
Minturnä, **)oom Sluſſe Liris [Barigliano], der auch aians
beißt, durdhfloffenz. Die Stadt Ginneffa [Mondbragene], vie
beste in dem Latium beigefügten Gebiete, die nach Einiger
Meinung früher den Namen Cinope geführt haben ſoll.
71. Run betritt man das glüdlidhe Eampanien. Bon
diefem Bufen beginnen bie rebentragenden Hügel: bier
bereitet «in weitberühmter Saft eine köſtliche Trunkenheit:
hier iſt (wie die Alten fi ausdrückten) der gewaltigfie
Streit des Vaters Liber mit Ceres. Von bier an erſtrecken
ſich die Setiniſchen und ‚Cäcubifhen Gefilde [Sezza und
2 Bel. 8. VUI. 8.43. Gervius zu Virgil, Aen. X, 564.
, 9%) .Disfe Sage fügt fih anf Komer (Op. X, 8% f.). Das
wilde Wolke ber Läfirpgonen wohnte in Sütiien,
vr, Stuinen bei Scaffa Bi Garigliano. F
—
Drittes Buch. 313
Eaſtro vetere]. Wu dieſe ſchließen ſich die Falerniſchen und
Caleniſchen. ) Weiterhin erheben fi die Maſſiſchen, Gau⸗
rauiſchen und Surrentiniſchen Berge [Maſſico, Gauro und
die Anhöhen bei Sorrento]. 8. Hier liegen auch die Labo⸗
riniſchen Felder [in der Provinz Terra bie Lavoro], wo man
die Ernte verdirbt, um leddere Graupen zu gewinnen, **)
Die Geftade werden non warmen Quellen bewäßlert, und
Das fie befpülende Meer liefert zu den übrigen Produkten
die köſtlichſten Mufcheln und Fiſche. Nirgends erpreßt man
aus der Deiberre einen köſtlicheren Saft. ”*) Auch diefen
Zummelplab der menſchlichen Ueppigkeit beſaßen die Osker,
Die Griechen, die Umbrer, die Thuster und die Campauer.
9 Yu der Küfte findet man den Fluß Savo [Riccio];
Die Stadt Bultusnum [Caſtello di Voktorno], mit dem
gleidmamigen Einh Boltoyno; Liternum [Torre di Patria];
KBumä,r) von den Chalcidiern erbaut; Milegum ; Tr) den
Sechafen Bajä [Bajal; Bauli [Bacolo]; den Lucriniſchen ++r)
nnd Arerniſchen See [Averno], an welchem einſt die Stadt
9 Das Falnerniſche Gebiet erſtreckte ſich von dem heutigen
Eebpano bis nach Atife Hin. Das Caleniſche iſt die Umgegend
des jepigen Staͤdtchens La, .
4) Bol. 8. XV 8. 2
©), Die Berchreibung ni Ziunins paßt jetzt noch zum Theil
auf dieſe Küfte, wie man aus jehem Handbuch ber Geo⸗
graphie erſehen kann.
+») Ruinen in einer peſtilenzialiſchen wüßte bei Baja.
. TH Ruinen beim Sayo di Mifeno, °
44 Der Lubrinifhe See wurde Im J. 1638 durch ein. Erb:
beben in einen flinkenden Sumpf verwandelt.
_
514 C. Plinius Raturgefchichte.
Cimmerium lag. *) Weiterhin kommen Puteoli (Puzzuoli],
auch unter dem Namen der Eolonie Dikäarchia befaunt;;
dann die Phlegräifchen Felder; ») ber Sumpf Aderufla
[&ufaro], in.der Nähe von Eumä. An dem Geftade liegen
ferner Neapolis [Napoli], ebenfalls von den Epateidiern
erbaut, und von dem dafelbft befindlichen Grabe einer Si⸗
rene **%) Parthenope genannt; Herkulanium und Pompeji, »
weiches vom Fluſſe Sarnus [Sarno] beſpült wird, und in
deſſen Nähe ſich der Berg Veſuv erhebt; das Nucerinifche
Gebiet, und 9,000 Schritte [1 M.] vom Megre entfernt
die Stadt Nuceria [Nocera] felbft. 10. Berner Surrentum
[Sorrento] mit dem Vorgebirge der Minerva [Capo della
Campanella], dem einftigen Aufenthalt der Sirenen. Der
Seeweg von Eirceji bie hierher beträgt 78,000 Schritte
(153: M.] tt) , und der ganze Landſtrich von dem Ziberis
an bildet nadı ber Eintbeitung des Anguſtus den erſten
Bezirk Italiens.
44. Im Innern des Lande⸗ liegen die Colonien Capua
[S. Maria Maggiore], von der fie umgebenden Ehene
campus) fo genannt, Aquinum ſAquino], Sueſſa [6cha]
Benafrum [Benafro], Sora [Sora], Teanum [Teano),
2) Fabel, zu weicher Homer Cieſ. XI, 14.) Veranlaſſung gab.
°., Der Landſtrich zwifchen Cumaͤ und ben Veſuv.
”*e, Melche Parthenope hieß.
T) Daß dieſe Heiden Städte von dem Veſuv durch einen
Aſchenregen im F. 79 verſchüuttet wurden, und jegt zum
Theil wieder aufgebedtt find, weiß Jeber
+D Die’ wirkliche Entfernung beträgt 17 M.
}
PP — m
Drittes Buch. StB
weldes ten Beinamen das Sidiciniſche *) führt, und Note -
[Nola]; tie Städte Aberliuum [Avellino], Aricia [Riccia],
Mlbalonga ſAlbano], die Acerraner [Acerra], die Allifaner
[Alifel, die Atinater [Atina], die Aletrinater [Alatri], die.
Anagniner [Anagni], die Atellaner [Averfa], die Affitaner
[AfflE), die Arpinater [Arpino], die Auximater, die Avella⸗
ner [Avella vechia]; die Alfaterner, welche nach ihren
Wohnſitzen die Lateinifchen,, die Herniciſchen und bie Labicas
niſchen zubenannt werben; **) Bovillä, **%) Kalatiä [Ca⸗
jafſſo]), Caſinum [Eafino], Calenum [Ealri], Eapitulum
[Saspoti] im Lande der Hernicer; die ereatiner, welche
auch Marianer genannt werden ; Die Coraner [Core], weldye
von dem Trojaner Dardanns abflammen; die Subniteriner
[S. Maria bi Covultere]; die Eaftrimonienfer [Eaftro Pig⸗
nano]; die Eingulaner [Eicoli]; die Fabienfer , +) auf dem
Alhanergebirge; Die Boropopufienfer [Rocca Bi Papa]. zum
Falerner Gebiet gehörig; die Fruſinater [Frofinone] ; bie
Serentinater [Berentino] ; die Freginater; die alten Fabra⸗
derner; die neuen Fabraterner [Balvaterra] ; die Ficolen⸗
fer; +t) die Foroappier [Caſarillo di ©. Maria]; die
*) Zum Unterfchiebe yon einem andern Zeanum in Apulien.
XZeanum war die Hauptflabt des Sidiciniſchen Volsſtammes.
20) Die Lage ber Aifaterner (fo wie bie ber Aurimater) if
unbekannt. Das Hernicifhe Gebiet begriff das Thal des
Fluſſes Sacco, das Labicanifche die Umgegend von La
Eolonna in fi.
“er, Pag. zivifhen ben heutigen Dörfern Fratocchio und Capo
di Leva. \
+) Das Gtäbtcyen ber Yadienfer lag nicht weit von Albano.
‚19 Ficutmen lag bei S. Ginbileo, ungefähr 2 M. von Rom.
* Bu \
346 . €. Plinius Raturgeſchichte.
Forentaner [Borenza); die Gabiner; *)die Succaſiniſchen Ju⸗
teramnater (auch Lirinater genannt); ») die Ilionenſer
[Magliano]; die Lavinier [Civita Lavinia]; die Norbaner
[Norma]; die Nomentaner [La Mentana]; die Präneftiner
[Pateftrina], deren Stadt einftend auch Gtephane genannt
wurde; die Privernater [Piperna]; die Getiner (Sezza]; die
Signiner [Gegni]; die Sueſſulaner [Eaftel di Seſſola]; die \
Zeliner ; die, Trebulaner [Trebulano], welche den Beinamen
Batlinienfer führen; die Trebaner [Trevi]; die Tusenlaner
IFrascati]; die Berulaner [Beroli]; die Beliterner [Belletri];
die Wubrenfer ; ”**) die Ulvernater [Tuliverna], und endlich
Kom ſelbſt, deffen anderen Namen 7) die geheimnißvollen
Religionsgebräude zu uennen verbieten, und der beßbatb”
in der beften und heilfamften Abſicht abgeſchafft wurbe:
Balerius Soranus, der ihn dennoch) ausſprach, mußte Fin
bald dafür bäßen. +1) 12. Es fheint mir. nicht unpaflend,
4‘
*) Auf der fübweftlihen Seite bes Lago bi. Eafliglione,
»*%) Die Interamnater heißen. Succofinifche und Lirinater, weil
Anteramna an der Mündung bed Gafinus [Eafino} in den
Liris lag. Die Stadt iſt völlig verſchwunden; man finder
_ aber auf fig bezüglihe Iufchriften in dem weitlicher lies
genden Ponte Corvino und in afbern kenachbarten Orten.
©. Mannert's Geogr. ber Gr. und NRöm. Bu. IX. &b
theilung I. ©. 675.
r.. Ulubräͤ war ein kleines unbebentenbes Stadtchen an ben
Pomptinifchen Sumpfen, dad fpurlos verſchwunden if.
HD Diefer aubere Nams fol Valentia geheißen haben, dime
Ueberſetzung des Griechiſchen Wortes 84 ẽSiãrrej.
n) —e— udorfcuekeit haste nämlich ben Tod zur Folge.
olin. Kap.
x . .
x
Drittes Buch. 317
hier beiſpielsweiſe einen alten Religionsgebrauch, der haupt⸗
fächlidy dieſes Schweigens wegen eingeführt wurde, zu ers:
währen. Es Wird nämlich das Bild der Göttin Angerona,
welcher man vor dem zwölften Tage. der_Ealenden des Ja⸗
nuar [21. Dezember] opfert, mit verbundenem und verfles
geitem Munde dargeftellt.
43. Bei dem Tode des Romulns hatte Rom drei, oder
(wenn man Denen, welche die größte Zahl angeben, glauben
will) vier Thore. Der Umfang der Mauern betrug im 9.
der Stabt 827 [nah Ehr. 73], in welchem die Kaifer
Bespaflan, Vater und Sogn, die Cenſorwürde be£feideten,
43,200 Schritte [2% M.], und fie umfcließen fieden Hügel.
Die Stadt feldft wird im vierschn Bezirke eingetheilt, und -
zählt 265 Kreuzwege.) Mißt man den Flächenraum ber
Stadt von den vorn auf dem Römifchen Forum flehenden
Meilenzeiger **) in gerader Linie bis zu den einzelnen Thoren,
Deren Anzahh ſich jetzt auf ſlebenunddreißig beläuft (wenn
man nämlich zwölf ***) derſelben nur einmal zählt und
fieben alte, die aufgehört haben gangbar zu ſeyn, unberüd:
fichtigt läßt), fo beträgt er 38,765 Schritte [6 Meilen und
3,586 Buß]. 14. Mist man aber den inneren Raum von
dem befagten Meilenfleine an bis zu dem Ende ter Hänfer
*, Eompita Carus, Stellen, wo vier Wege mündeten, und
die Larven ihre‘ Helligtiffimer hatten,
) Bon biefem Meilenzeiger an, weichen Auguſtus im Jahre
20: vor Chr, ſetzen ließ, wurden elle Entfernungen von
Rom aus bis zu den entlegenfien Provingen gemeffen, unb
bei ihm Tiefen alle Straßen ded Reiches zufammen.
20) Welche Doppelthore waren.
5
548° C. Plinius Naturgeſchichte.
(das Pratorianiſche Lager *) mit inbegriffen) durch alte bie
Häufermaffen durchfhneidende Straßen, fo beläuft er ſich
‚auf etwas mehr ats 70,000 Schritte [14 M.]J. Bringt man
nun nody die Höhe der Häuſer in Anſchlag, fo wird man
fid) einen würdigen Begriff von Nom machen können, und
eingefteben müffen, daß ſich Feine andere Stadt der ganzen
Welt mit ihm an Größe vergleihen dürfe 415. Von der
öftlihen Seite wird die Stadt durd, den Wall des Zarquis
nius Superbus, **) ein überaus bewunderungswürdiges
Werk, gefchloffen: er ließ ihn da, wo fie durch eine Ebene
dem Anlaufe am meiften offen fand, bis zu der Höhe der
Mauern aufführen. Un allen übrigen Punkten war fie
“durch fehr hohe Mauern oder feile Berge gefhüst, bie durch
den fortwährenden Anbau von neuen Häufern nöd) viele
Städte um fie entflanden.
" 46. In dem erften Bezirk befanden fih außerdem. in
früherer Zeit noch in Latium folgende berühmte Orte: ***)
Batricum [Pratica], Pometia [Torre Petrara], Scaptia,
Pitulum, Politorium [Pocigliano], Tellene, Tifata, Ei
nina [Monte Gentile], Ficana, Eruftumerium [Monte
*) Die befefligten Kaſernen der prätorianifchen Cohorten wur:
ben von Tiberius angelegt (Tacit. Annal. IV, 2.), unb
"befanden fih an dem Wiminelifhen Thore
*0) Er lag zwifchen bem Esquiliniſchen und ben Eollinifchen Thore.
0, Da fie ſchon zur Zgit des Plinins nicht mehr vorhanden
waren, fo läßt ſich nicht immer und genau ihre Lage bes
ſtimmen. Später entfianden an den Stellen mancher zers
"amerten Städte wieber andere, wie bie angegebenen
m zeigen. "
“
Drittes Bud). 519
Rotondo); Ameriola [Marigliano]; Medullia [S. Giubileo],
Eornicuſum; Saturnia, an der Stelle, wo jetzt Rom liegt;
Antipolis, jest der Stadttheil Roms, welcher Janiculum
[Montorio] Heißt; Antemnä, *) Camerium, Collatia, Amis
tinum, Norbe, Sulmo und die AUlbenfifchen Stämme, welche
mit diefen auf dem Albänerberge nady einer alten Gewohn⸗
beit Fleiſch bekommen: *°) die Wlbaner, die Nefolaner
[Quarto della Bajola], die Acienfer - die AUbolaner [Ania
Antica),, die Bubetaner, die Bolaner [Poli], die Cusve⸗
taner , die Eoriolaner [Carocello], die Fidenater, die Fore⸗
tier, die Hortenfer, die Latinienfer, die Longulaner, die Mar
water, die Macraler, die Mutucumenfer, die Munienfer, die
PTruminienfer, die Dlliculaner, die Octulaner, die Pedauer, die
Pollusciner, die Auerquetulaner, die Sicaner, die Sifotenfer,
die Tolerienfer, die Tutienfer, die Vimitellarier, die Velienfer,
die Benekulaner, die VBitellenfer. In dem alten Latiam find
alfo 53 Bölfer fpurlos verfhwunden. 17. In dem Gampa:
nifchen Geblete lag Stabiä [Eaftell’-a mare di Stabia],
eine blühende Gtadt bis zum Couſulate des En. Pompejus
und bes 2. Eato [89 vor Ehr.], und zwar bis zum Tage
vor den Galenden des Mai [30. April], an welchem der
Legat 2. Sylla im Bundesgenofienkriege fie fo zerftörte, daß
fie jetzt bis zu einer Meierei herabgeſunken ift. In derfelben
Gegend verſchwand auch Taurania [Toretto], und bier findet
% Lag.an dem Z3uſammenfluſſe des Tiber und des Teverone,
Vermuthlich Opferfeifh. Wal. Livins XXXII, 1. Die
alten Schriftſteller geben über biefe Sitte Peine gendgende
Weptlisung.
520 C. Plinius Naturgeſchichte.
man auch die Trümmer des zerfallenden Caſiliuum [Capua].
Ferner erzählt Antias, daß Apiola [Apeloſa], eine Stadt
der Lateiner, don dem Könige 2. Tarquinius eingenommen
worden ſey, und daß Dieſer von ber daſelbſt ‚gemachten
Beute den Bau des Gapitolium begonnen habe. Bon Sur:
rentum [Sorrento] bis zum Fluſſe Silarns [Silaro] erſtreckt
fidh das ehmals den Tuskern gehörende Picentinifche Gebiet,
in einer Länge von 30,000 Shhritten [6 M.]; es ift beſon⸗
ders durch den von Jaſon erbauten Zempel der Argivifchen
- Suno berühmt. *) Im Guneren des Landes liegen die Stadt
Saternum [Salerno] *) und Picentia [Picenza].
x. 1. An dem Silarus beginnt der dritte Bezirk, und
mit ihm’ das Lucanifhe und Bruttiſche Gebiet. **) Auch
bier haben die Einwohner nicht felten gewechſelt. Das Land
befaßen nach einander die Pelasger, die Oenotrier, +) die
Italer, die Morgeter, +4) Nie Siculer, meift Griechiſche
..%) Dieſer Tempel lag bei dem heutigen Dorf Gt, Varra,
etwas ſüdlich vom Silaro.
ees) Salernum lag am Meere. Plinius irrt hier ſehr, pber
der Text it verdorben. Hardouin's Erklärung, daß Pi⸗
centia im Jnnern die eigentliche Stadt zu.dem am
Meere gelegenen Römifchen Garniſonsplatze geweſen fey,
iſt zu gekünſtelt.
* Lucanien entſpricht der jetzigen Provinz Principato Cite⸗
riore, das Bruttiſche Gebiet ber Provinz Calabria Ulteriore.
‚» Wahrfcheintich ein nur eingebilbeted Bolt, Denotria heißt
nichts mehr unb nichts weniger als Weinland, welchen
Namen der fruchtbaren Küſte bie erften Griechifchen Säifer,
weiche am ihr landeten, Leicht geben konnten.
» So genannt von dem König Morges, welcher vor uralten
"siten in Galabrien herrichte.
Dritte Buch. .
Bölter ; zulegt die von den Samnitern abflammenden Lu⸗
caner unter ihrem Anführer Lucius. Zu bemerken find hier
die Stadt Päſtum [Peftil, von ben Griechen Poſidonia ger
naunt; der Päſtaniſche Meerbufen [Golfo di Salerno]; die
Stadt Helia , weldye jebt Elea [Caſtell' a märe della Brucca]
heißt ; dad Vorgebirg Palinurum [Punta beila Spartimento],
don welchem ans die Fahrt über den in das Land fretenden
Meerbufen nad) Columna Rhegia (Calanna] 100,000 Schritte
[29 M.] beträgt. *, Zunächſt nach dem Vorgebirge foigen
der Fluß Melpes Melpa]; die Stadt Burentum [Policafiro],
Griechiſch Pyxus; der Buß Laus [Lan]. Früher gab eß
andy eine Stadt deffelben Namens [Laghino]. 2. Hier bes
‚ginnt die Bruttiſche Küfte, und es folgen: bie Stadt Blanda
{&t. Biaflo]; der Fluß Baͤtum [Deila Noce]; der von de ey
Phoceern angelegte Hafen Parthenius [@etraro] ; dr Bi
bonenſiſche Meerbufen [Golfo di S. Eufemia]; die Skur,
wo Clampetia [Torre di Mezzo) lag; die Stadt Temfa, **)
von den Griehen Temefe genannt; fertter das von den
Erokonienfern erbaute Terina [Terrati] und der große Teri-
näifhe Meerbufen. ***2) Im Innern liegt die Stadt Gon-
fentia TEofenza). Auf der Hatbinfel +) find zu bemerken:
der Fluß Acheron [Mucone], von welchem die Bewohner
*) Die Ueberfahrt beträgt 29 Meilen. .
“=, Trümmer derfelden flieht man bei Torre di Lupo,
se) Gr-reichte von Tropen bis Eitraro, und bildet mit dem.
Vibonenſiſchen den Golfo bi S. Eufemia,
>) So nat Plinins die an ber Siziliſchen Meerenge liegende
Spitze Italiens.
EC.imius Naturgeſch. 88 Bihn. 3
522 e ©. Plinius Naturgefchichte,
der Stadt Acherontia [Yeri) ihren Namen haben; Sippe,
welches wir jest Vibo Valentin (Vibona] nennen; der Hafen
des Herkules [Briatico]; der Fluß Metaurus [Marro]; die.
Gtadt Taurventum [Palmil; der Hafen des Dreftes [Gioja]
und Mebma [Melia]; die Stadt Scylläum [Scilla]; das -
Flüßchen Kratais [Ballace], die Mutter der 'Scylla, wie
man fagt.”) 3. Berner Eolumna Rhegia [Salanna], die
Siziliſche Meerenge und die beiden in einer Entfernung von
zwölf Stadien [1'/; Stunde] fid) einander gegenüberliegenden
Vorgebirge, Eänys [Eenide] in Italien nnd Pelorum [Capo
di Faro] in Gizilien. Bon hier [dem Vorgebirg Cänis] bis
nad Rhegium [Regio] beträgt der Weg 12,500 Schritte
[2'!, M.] Weiterhin kommt der Apenninenwald Sila
Monte belle pece] und noch 12,000 Schritte [22/, M.] wei: -
er „das Borgebirg Leucopetra [Pellara]; dann folgen bie
Locrer, **) welche ihren Beinamen [Epizephyrier] von dem
Borgebirg Zephyrium ſSpartivento] Haben, und 303,000 Schr.
[60° M.] von dem Silarus entfernt find. .
4. Damit fchließt fidy der erfte Bufen Europas. Das
Meer, weldyes ihn bildet, trägt folgende Namen. Der Ozean,
ans welchem es hereinftrömt, beißt der Atlantiſche oder audy
der große: die Stelle, wo es hereintritt, nennen die Gries
en Porthmos, wir die Baditanifhe Meerenge [Straße
von Gibraltar]. Nach feinem Eintritt heißt es, fo weit es
Hispanien : beipükt, das Hispanifhe, an der Küfte der
*) Die Sage entſtand durch Homer, welcher (Odyſſ. XIL,
124, 125.) die Mutter der Scylla Kratais net.
‚+#), Die Stadt der Locrer Ing an ber Stelle bes jehigen Gerace.
L
-
Drittes Buch. 323
Narbonenfichen Provinz das Ballifhe Golfe de Lyon] und
weiterhin das Liguftifche [Ligurifche] , von biefem aber bis
zu der Inſel Sizilien das Tuscifhe [Golf Yon Corſika und
Eisitifhed Meer]: das Iegtere nennen manche Griechen das
Notiſche Lfüdliche], andere das Tyrrheniſche, die meiften der
Unfrigen aber das untere. Jenſeits Giziliens bis zu den
Salentinern [Galentino] nennt ed Polybius das Aufonifche
[Golf.von Tarent]. Eratoftpenes nennt das Meer zwiichen
der Mündung des Ozeans [Straße von Gibraltar] nud
Gerdinien das Sardoiſche, von da bis nach Gizilien das
Iprehenifche „von diefer Infel bis nad) Ereta das Gizififche
und von da an weiterhin das Eretifche. -
X. 4. Die erften Infeln, welden wir in biefem
Meere begegnen, wurden von dem auf ihnen wachſenden
Fichtenſtranche (zirus) von den Griechen Pityufen ”) ge
nannt. Jetzt heißen beide Ebuſus, haben eine mit uns vers
bündete Stadt, Ebufus Liest Iviza], und find nur durch
eine fhmale Meerenge von einander getrennt. Ihre Länge
befrägt 46,000 Schritte [9% M.], **) ihre Entfernung von
Dienium [Denis in Spanien] 700 Stadien [17 M.], und
eben fo weit ***) ift es zu Lande von Neu⸗Carthago [Carta⸗
gene] bis nach Dianium. In gleicher Entfernung +) von
*) Sie heißen jegt noch die Pityufen. Die beiden von Plis
nius erwähnten Inſeln find Jviza und Formentera.
Nach genauer Meſſung nicht ganz 7 Meilen.
Diefe Entfernung iſt um die Hälfte zu groß angegeben.
“D Das richtige Map beträgt 13%, M.
5 *
.-—
324 €. Plinius Naturgefchichte.
den Pityufen liegen auf dem. hohen Meer die beiden Ba⸗
' Iearen, und nach dem Sucro [&£ucar] hin Coluhraria [Eo-
Iumbretes]. Die Balearifchgn Infeln, deren @inwohner bes
fonders aut mit der Schleuder umzugehen wiffen, nennen Die
Griechen die Gymnaſiſchen. 9 Die größere [Mallorca] hat
eine Länge von 100,000 Schritten [30 M.] und einen Um:
fang von 375,000 Schritten [75 M.]. *) Bon ihren
Städten haben Römiſches Bürgerreht: Palma [Ciudad de
las Palmas] und Pollentia [Pollenzia], Lateinifches Cinium
[Sinen] und Eunici [Alcudia] ; eine verbändete Stadt war
Bocchorum. »ꝛe) Non der größeren iſt bie Kleinere [Mi-
norca] 30,000 Schritte [6 M.) entfernt: ihre Länge beträgt
40,000 Schritte [8 M.], ihr Umfang 150,000. Schritte
[30 M.). H Ihre Städte find Jamno [Eindadela], Sani⸗
fera [Fornells] und Mago [Mahon]. 2. Nach. der hohen
See hin, 12,000 Schritte [2 M.] von ber größeren ent:
fernt, 77). liegt Capraria [Eabrera], übel berüchtigt durch
die an ihr nicht felten vorkommenden Schiffbrüche. In der
Richtung der. Stadt Palma NHegen die Mänarien [Mal:
‚grates]) , ferner Ziquadra [Dragonera] und die Zleine
Hannibalsinfel [Toro]. Auf Ebuſus duldet die Erde feine
Schlangen, erzeugt diefelben aber auf Eolubraria , die deß⸗
halb auch Allen gefährlich ift, welche Feine Ebufitanifche
*) Won yuuvos (malt), weil die Einwohner nadt gingen. >
+, Die wirkliche Länge beträgt 14 M., ber Umfang 50 M.
»eey Sie beftand fchon zur Zeit bed Pliniue nicht mehr, und
ihre Lage läßt ſich nicht beſtimmen.
+) Die Länge beträgt ungefähr 7 M., ber Umfang 22 M.
IP) Genau gemeffen nur 1% M.
+‘
Drittes Bud. 325
Erde mitbringen. Die Griechen nennen fie Ophiuſa [Schlan⸗
geninfel]. Ebuſus bringt Beine Kaninchen hewvor , welche
Die "Ernten der Balearen zerflören. Außerdem liegen noch
ungefähr zwanzig andere Bleine Inſeln in biefem feichten
Meere.
5. Un der Galliſchen Küflte in der Mündung bes Rho⸗
danus liegt Metina Jamatan], und nicht weit Davon die
Inſel, welche Blascon [Brescon] heißt; dann Tommen die
drei Stöchaden [Hyeren], wegen der Reihenfolge, in welcher
fie liegen , von den nahen Mafillienfern fo genannt. Auch
haben fie alle befondere Namen. Die erfte heißt Drote [Por⸗
auerofles]; die andere Mefe [Port Eros], auch Pomponiana
genannt; die Dritte Hnpaa [Levant vder Titan]. Nach diefen
folgen Eturium [Ribaudas], Phönice. [Langauſtier], Phito
- FBagseau]; ferner Antipolis [Antibes] gegenüber Lero
(St. Margnuerite] und Lerina [St. Honorat], wo fidy noch
Das Andenken an die nicht mehr vorhandene Stadt Vergoa⸗
num erhält. -
XU cv). 4. In dem Liguſtiſchen Meere, jedoch mehr
nach dem Tusciſchen hin, liegt die Inſel Corſika, melde die
Griechen Kyrnos nannten. Sie erftredt fid, von Norden
nady Süden, ift 150,000 Edhritte [30 M.] fang und an
den meiften Stellen 50,000 Schritte [10 Mi) breit; ihr
Umfang beträgt 325,000 Echritte [65 M.]: von den Vola⸗
ferranifhen Untiefen [Maremma Bolterrana] ift fie 72,000
Schritte [14:5 M.] entfernt. Sie hat 33 Städte und die
.n De wirkliche Sutferanng beträgt 18 M.
326 C. Plinius Naturgefchichte.
beiden Colonien Mariana, *) von C. Marius, und Alleria, *)
von dem Dictator Sylla angelegt. Weiter dieſſeits [nach
Italien hin] liegt Oglaſa [Monte Chriſto) und ungefähr
460,000 Schritte 112 M. M von Corſika Planaria EBor-
micole], von ihrer Geſtalt ſo genannt; denn ſie iſt ro
dem Meere gleidy und deßhalb den Schiffen gefährlig
2. Größer find Urgo [Borgona] und Eapraria [Eaprara,
welche die Griechen Aegilon nannten ; deßgleichen Kegitinm
[&iglio] und Dianium [Gianuti], welche bei’ den Griechen
Artemifia heißt, beide dem Cofanifhen Beftade [der Halb⸗
inſel Argentaro] gegenüber ; ferner Barpana [&ormiche bi
Sroffeto), Mänaria [Meleora], Columbaria [Palmajola]
und Benaria [Eervoli]. Ilda [Elba), mit Eifengruben,
hat einen Umfang von 400,000 Schritten [20 M.], if
40,000 Schritte [2 M.] von Populonium [Piombino] ent⸗
fernt, und wird von den Griechen Aethalia genannt. Von
ihr bis nach Planaſia [Pianoſa] beträgt die Entfernung
38,000 Schritte [73; M.]. T) Nach diefen kommen jenfeits
der Mündung ber Tiber im. Antianifhen Meere [Torre
D’Anzo gegenüber] Aftura, 74) weiterhin Palmaria [Pals
marola] ; Sinonia [Gennone] und Formid [Mola] gegen
über Pontiä [Ponza]. 3. In dem Puteolaniſchen Meer
*) Fr findet nur noch wenige Trümmer derfelben am Fluſſe
olo
*) Diefed an der Mündung bed Tavignano gelegene Städtchen
wurde erft im I. 1730 zerftört.
*, Nur 6 2; M.
T) Yianofe M- kaum 1 2, M. vom Eiba entfernt,
rt) Tragt jest noch den alten Namen, '
Drittes Bud. 327
buſen [Bolfo Die Napoli] liegen Pandataria [Bentotiene] und
Prochyta [Procida], welche nit von der Amme des Aeneas
diefen Namen führt, *) fondern weil fle von der Inſel
YAenaria [dur ein Erdbeben] losgeſchleudert wurde ; ferner
Yenaria felbft [Iſchia]), fo genannt, weil Aeneas hier mit
feiner Flotte Iandete: bei Homer **) heißt fie Inarime, bei
den Griechen Pithecuſa, aber nicht (wie Manche glaub⸗
ten) von einer Menge dafelbft befindliher Affen, fondern
von den TIöpferwerkflätten, in weldhen irdene Tonnen
(xi90:) gemacht werden. Zwiſchen Panfilipus [Pofilipo]
und Neapel liegt Megaris [Eaftello dell’ Ovo], und weiters
bin, 8000 Schritte [1Ys M.] von Surrentum [Sorrento]
entfernt, die durch deu Palaft des Kaiferd Ziberius bes
rühmte Inſel Eapreä [Capri], , welde 11,000 Schritte
[2 M.] im Umfange hat.
- XIN, 4. Weiterhin liegt Bencothen [Lungo], und außer
dem Geſichtskreiſe [Italiens], dicht an dem Afrikaniſchen
Meere, die Infel Sardinien. Gie ift kaum 8000 Schritte
[123 M.] *"*) von der Küfte Korfita’s entfernt, und die
ſchmale Meerenge [Straße S. Bonifacio] wird außerdem
woch durch die kleinen Eilande, welche Eunicularien heißen, +)
und durch die Juſeln Phintonis [Cavallo] und Sofa [Lo⸗
voſſi], von welcher letzteren die Meerenge felbft den Namen
Zaphros befommen hat, ++) gefperrt.
Bol, Dionyfins von Halikarnaß R. ©. 1, 53,
**, Il. 1], 783. Mißverftandene Stelle.
**©, Die Outferuung beträgt kaum eine Meile.
D Sind zehn, und heißen jest bie Bneinarifchen Sufeln,
1Pp Fossae = vügga = Gräben,
33 ,€. Plinins Naturgefchichte.
(ru) Die öftlihe Küfte Sardiniens iſt 188,000 Schritte _
[37% M.], die weſtliche 175,000 [35 M.], bie ſuͤdliche
27,000 F157/; M.] und die nördliche 125,000 Schritte [25 M.}
lang; der Umfang beträgt 565,000 Schritte [113 M.] : vom
Earalitanifhen Vorgebirge [Capo -Earbonara] and beträgt
ihre Entfernung *) von Afrika 200,000 Schritte [40 M.],
200 Bades 400,000 Schritte [80 M.]. 2. Um Serdinien
liegen nod) ferner an dem Gorditanifchen Borgebirg: IFal⸗
cone] die beiden @ilande, welche Herkulesinfeln [Aſinara
und Piane] genannt werden, an dem Sulcenſiſchen Vor⸗
gebirg ”*) Enotis [San Antieco], an dem Garalitanifchen
Ficaria [Cortellazz0]. Manche fegen auch in die Nähe von
Sardinien die Bereliden [Toro, Bacca und Vitello]; ferner
Eollodes [Matdivente} und das Eiland, weldes man Heras
Lutra [S.- Pietro] nennt. Die berühmteflen Völker ber
Juſel find die Ilienſer, bie Balaren und die Corſen. ***) Von
“den achtzehn Gemeinden find die berühmseften die Sulci⸗
taner [Palma di Solo], die WBalentiner [(Igleſias], Die.
Neapolitaner [Oriftang], die Boſenſer [Bofa], die Carali⸗
taner [Cagliari] wit NRömifhem Bürgerrebt, und die
Norenfer [Banura]. Auf der ganzen Infel findet man aber -
nur eine einzige Golonie, weldhe den Namen Zum Thurm
des Libyſo [Porto Torre] führe. 53. Timäus nennt die
*) Die Entfernung von Afrika ift fat um bie Hälfte zu groß,
die von Cadix um mehr als bie Hälfte zu Plein angegeben.
**) Hat jegt Eeinen beſonderen Namen, und ifk mit ber Inſel
Antioeo durch eitte alte fleinerne Brücke verbunden.
“, Bol, Mannert’s. Geographie der Br. und Nom. BB. IX.
Abth. II. ©. 478—480, ». ‚
. ®
+
S
‚ | |
Drittes: Da. , - 329
Infel Sardinien Sandaliotis, weil fie einer Pantoffelfohle
gleicht; Myrtilus Ichnuſa, wegen ihret Aehnlichkeit mit
einer Fußſpur. — Dem Päſtaviſchen Meerbufen: [Bolfo di
Galerno] gegenüber liegt Leucafia [Piana], fo genannt von
einer daſelbſt begrabenen Sirene; Velia [Eaftell’ a mare]
gegenüber liegen Pontta [Ponza] und Iscia [Jsca], weiche
auch beide unter dem gemeinfchaftlihen Namen Denotriden
betaunt find und den Beweis liefern, daß die Denotrier
einmal Italien befaßen; Vibo [Bibona] gegenüber einige
Heine Inſeln [Toricella, Praca u. f. w.], welche von ber
auf ihnen befindlihen Warte des Ulgffes die Ithaceſiſchen
genannt werden.
XIV (vn, 4. Alle andern Jaſeln aber übertrifft an
Ruhm Gicilien, von Thucydides Sicania , *) von Mehrern
wegen ihrer dreiedigen Geſtalt Trinacria oder Triquetra
genaunt. Ihr Umfang beträgt, nad) der Angabe des Agrippa,
618,008 Schritte [123% M.]. Einſt hing fie mit dem Brut
tiſchen Gebiete zufammen; [päter riß fie das dazwiſchenſtrö⸗
mende Meer von ihm los, und bildete eine 15,000 Gchritfe
(3 DR. ] lange und bei Columna Rhegia ſCalanna] 1500 Schritte
[72 Minuten] **) breite Straße [Faro di Meffina]. Diefes
Abreißen war die Veranlaſſung, daß die Griechen die an
dem Endpuntte Ftaliens liegende Stadt Nhegium nannten.
2. In diefer Gtraße ie die Klippe Scylla und der Meer—
13V. 82%
2) Die geringke Breite der Meerenge beträgt %ı M., bie
" Bänge über 4 M., ber. Umfang von Gisilien ungefähr
105 M. ,
230 C. Plinins Naturgeſchichte.
ſtrudel Charvbdis, beide von weltbekannter Gefährlichkeit. *)
Das Vorgebirg der Inſel Triquetra, welches der Scylla
gegenüber nach Italien zu liegt, heißt, wie wir ſchon geſagt
haben, **) Pelorus, das nach Griechenland hin liegende
Pachynum [Paflaro], und iſt 460,000 Schritte [92 M.]
vom Peloponnes entfernt; das Vorgebirg Lilybäͤum [Capo di
Boco] liegt nad Afrika hin, und ift von dem WBorgebirg
des Merkurius (Cap Bon] 180,000. Schritte [36 M.], von
dem Garalitanifchen Borgebirg anf Sardinien 190,000 Schritte
[38 M.] entfernt. ***) Die Maße der Entfernungen zwis
fen diefen Vorgebirgen und die Länge der einzelnen Geiten
verhalten ſich, wie folgt: Der Landweg von Pelorus nach
Pachynum beträgt 191,000. Schritte [38% M.], von da
bis Lilybäum 200,000 Schritte [ao M.] und von da bis
Delorus 170,000 Schritte [34 M.]. 7) Man findet anf
dieſer Inſel fünf Colonien und 63 Städte und Bemeinden.
5. Auf der Küfte nach dem Tonifdien Meere hin liegen
von dem Vorgebirg Pelorus an die Stadt Meffana [Mieffina],
deren Einwohner Römifche Bürger find und Mamertiner T+)
*) rm weiß jegt nichts mehr von ber Gefaͤhrlichkeit dieſer
llen.
”*, Ray. 10. 6. 3
sr) Die Entfernung vom Car Bon beträgt 15 M., von Capo
Sarbonara ungefähr 42 MM.
7) Die wirklichen Entfernungen betragen zwifchen Pelorns
und Pachynum 30 M., zwifchen Pachynum und Lilybaͤum
42 M. und zwiſchen Lilybäum und Pelorus 46
+9 Die Veranlaſſung zu diefer Benennung erzählen Polybius,
— or von Sizilien XXI, 13.
Drittes Bud. 354
gewannt werden; das VBorgebirg Drepanum [Broffo]; bie
Eolonie Zauromenium [Taormina], weiche früher Naxos
hies; der Find Aſines [Gantara]; der Berg Aetna, merk⸗
würdig durch feine nächtlichen Fenerausbrüche (fein Krater
Kat 20 Stadien [eine Stunde] im. Umfang; die glühende
Aſche Lommt bis nad) Zauromenium und Catina [Eatania],
Bas Setöfe aber reiht bi nad Maro [Maretto] und bis
zu ber Anhöhe Gemelli [Monte di Mele]); ferner die drei
Felſen der Cyclopen [i Sariglioni], der Hafen des Ulyſſes
[6. Aleſſio), die Eotonie Catina, die Flüſſe Symaͤthum
[Giaretto] und Terias [Gnaralunga], die weiter im Innern.
liegenden Läfrugenifchen Gefllde, *) die Stadt der Leontiner
[Lentini], Megaris, *%) der Fluß, Pantagies [Porcaro],
Die Eolonie Gyracufä [Siragoffa] , mit der Quelle Are
thuſa. **%) Außer ‚biefer teindt man auf dem Gyrachfanifchen
Gebiete auch die nelten Temenitis ſFonte de Canali], Ardhis
demia [Eefalino], Magaa [Fontana della Maddalena), Eyane
[ Bonte Eiane] und Milidhie [Lampismotta). a. Weiterhin fol:
gen der Hafen Nanſtathmus [Asparanetto], der Fluß Elorum
(Mbiffo] , das Worgebirg Pahinum. Bon diefer Spitze au
liegen : der Sins Hirminium [Biume di Ragnfa] ‚die Stadt
Camarina Camerina], der Fluß Gelas [Binme di terra
nova], die Stadt Ucragas, welche wir Agrigentum [Gir⸗
genti] nennen, die Colonie Thermä [Termini], die Fluſſe
Achates [Dirillo], Majara [Fiume di Mazzara] und Hypſa
” Banbeiniwärts von Lentini.
*e, Ruinen bei Militello.
90) Iſt noch vorhanden, wirb aber ° jet wur zur Wäfche benützt.
\
L
32 —_ 6. Plinius Naturgeſchichte.
Belice finifire], die Stadt Selinus. ) Dann kommt das
Borgebirg Litybäum, und von diefem an folgen: Drepana
Trapani], der Berg Eryr [Trapaus dei Monte], die Städte
Panhormum [Palermo], Solus [Solanto], Himera, **) mit
dem gleichnamigen Bluffe [S. Leonardo], Cephalödis [Cefalu),
Aluntium [Driando), Agathyrnum [S. Agata], die Colonie
Tyndaris [Tindare], die Stadt Mylä [Milazzo] und endlich
das Vorgebirg Pelorus, bei welchem wir begonnen haben.
5. Im Innern liegen die Centuripiner [Centorbi], die
Netiner [Noto vetere] und die Segeſtaner, »c«) mit Latei⸗
nifchen Rechten ; fteuerpflichtig find die Afforiner Azaro],
die Aetnenſer [Nicoloſi), Die Agyriner IS. Filippo d’Argpro],
die Aceſtäer [Agofta], die Acrenſer [Palazzuola], die Bis
diner [S. Giovanni di Bidini] , die Eetariner [Eatarra],
die Eacyriner [Gaffaro] , die Drepanitaner [Trapani] , Die
Ergetiner [Artefina] , die Echetlienfer [Branmichele], die
Eryciner [Trapano dei Monte], die Entelliner [Entella],
die Etiner ſAidone]), die Enguiner [Gangi vetere), die _
Belaner [Terra Nova], die Salatinee [@alatil, ‚die Sales
iner [Torre di Pitineo], „die Eunenfer (Caſtro Giovanni],
bie Hyblenſer [Paterno], die Serbitenfer JErba], die Her⸗
beſſenſer [2i Grutti], Die Herbulenſer, die Halicyenſer [Ro⸗
calcale], die Hadrauitaner [Aderno], die Imacarenſer
Maccara], die Ichanenſer ſ(Icana], die Jetenſer LIatel,
die Mutuſtratiner (Monta)], die Magelliner [Macellaro,
*) Ruinen bei Gaftelvetrano,
**) Eine Menge Ruinen findet man bei der Stadt Tarmim.
#04) Mrächlige Ruinen ber Stadt Segeſte bei Aleamo.
Drittes Bub. . - 355
die Margentiner [Mandri Bianchis, die Muthcenſer [(Mo⸗
dica], die Menaniner (Mineo], die Naxier [(Schiſſo]), die
Noäuer [Noara], die Petriner [Petralia Soprana], die
Paropiner [Parco], die Phtinthienſer, *) die Semellitaner,
Die Scheriner [Ealogero], die Selinuntier, **) die Syma⸗
thier, +, Die Zalarenfer [Tatria], die Tifiinenfer [Ran«
dazza], die Trivcaliner [Colatraſi Eaftello}, die Tiracienfer
[Torciſi] und die zu den Meffeniern gehörenden Bancläer
an der Gizitifhen Meerenge. +)
6. Radı Afrika hin liegen die Eilande Gaulos [0330] ;
Melita [Malta], 34,000 Schritte [16% M.] von Eamerina,
4113900 Schritte [22° M.] vom VBorgebirge Lilybäum ent«
-fernt ; Coſhra [Pantalaria], Hieronefos [Maretimo], Cäne
[2imofa], Galata [Balito], Lopaduſa [Lampedofa], Aethuſa
[Bavignata], weiten. Namen Andere Aeguſa fchreiben ;
Bucinna [Levanzo], ferner Aſteodes [liche] , 80,000 ©.
[16 M.] von Solus I[ISolanto] entfernt, und Ullica, ben
Darppinern [Parco] gegenüber. Diefleits Giziliend aber,
Dem Fluſſe Metaurus [Marro] gegenüber, ungefähr 25,000 ©.
[5 M.] von Italien, Fr) liegen die Weolifhen Inſeln: fie
beißen auch die Liparifchen; die Griechen nennen fle die
SHephäfiaden, die Unfrigen die Vulcaniſchen. Die Aroliſchen
heißen fie, weil Aeblus zu den Seiten Iliums hier herrſchte.
—
2 Poithia lag wahrſcheinlich an'der Mündung des Dirillo.
**) ©, oben $. 4, _
os) Yın Stufe Symaͤthum (Giaretta).
+). Meſſana hieß in fruͤherer Zeit Zaukle.
| 71) Die Snifernung if um 4 M, zu Elein angegeben.
*
ws
[4
34 6. Plinius Naturgeſchichte.
(ıx.) Lipara [Lipari], fammt der gleihnamigen Stadt,
mit Römiſchem Bürgerrecht, bat ihren Namen von dem
König Liparus, dem Nachfolger des Aeolus. Früher wurde
fie Melogonis oder Meligunis genannt; fie ift 25.000 ©.
[5 M.] von alien entfernt, D und mag beinahe eben fo
Diele Schritte im Umfange haben. 7. Zwiſchen ihe -und
Sizilien liegt eine andere Fnfel, welche früher Theraſia ges
nannt wurde, jetzt aber Hiera [Bolcano] heißt, weil fie
dem Vulkan Heilig ift; ein Berg auf ihr fpeit des Nachts
Flammen. Die dritte, Strongyle [Strongoli], liegt 1000 ©.
[5 M.] öftidy von Lipara. ») Auf ihre herrſchte Aeolus;
ihr Vulkan unterfcheidet ſich von dem auf Lipara nur durch
feine helleren Flammen. Nach dem aus ihm apffleigenden
Rauch follen die Einwohner drei Tage voraus beftims
men können, welche Winde wehen werden; wodurd andy
die Sage entftanden feyn map, daß die Winde dem Aedlus
gehordyten., Die vierte heißt Didyme [Galine] (fie ift
Heiner ale Lipara); die fünfte Erienfa [Alicudi], die fechete
Dhönicufa [Felicudi]; fie dient den zunaͤchſt liegenden Ans
dern als Weide; die letzte und kleinſte iſt Evonymos [Pa⸗
narial. — So viel von dem erften Buſen Europa's.
XV (x) 4. Mit Locri beginnt die Vorderfeite Ita⸗
liens, welche man Großgriechenland nennt, und welche fich
um drei Bufen 9**) jenes Meeres binzieht, welches bas
*, Die Entfernung beträgt wenigfiend 9 Meilen,
”) Strongoli ift von Lipari 5 Meilen entfernt.
**) Den Meerbufen von Spartivento bis Capo di Stile, und
die Bolfe von Squilace und Tarent.
-
Drittes Bud). 355 -
Auſoniſche heißt, weil es die Uufonier zuerſt beherrſchten.
Es nimmt, nach der Behauptung Barro's, eine Strecke von
36,000 Schritten [275 M.], nad) den meiſten Audern,
von 000 Schritten [15 M.]”) ein. Auf dieſer Küſte
findet man unzählige Flüſſe. Als merkwürdig nennen wir
aber, von Locri an, die Sagra [Novito], die Ruinen ber
Stadt Caulo [dei Pietra Persia], Myſtia [Maida] nfl-
linum Caſtrum [E&onfignano], Cociuthum [Capo d fo],
nach Einiger Meinung das längfte Borgebirg Italiens;
ferner der Scylacifhe Meerbufen ſ[Golfo di Squillace] und
Schlacium ſ[Squillace], von den Uthenern, als fe es bauten,
Scylletinm genannt. Der am der entgegengefehten Geite
liegende Terinäifhe Meerbufen ſ[Golfo di S. ufemia]
drängt hier das Land zu einer Halbinfel zufaınmen, auf
weldher der Hafen, weldhen man Baftra Hannibalis [Zorre
di Eantazaro] nennt, liegt. Nirgends ift Italien ſchmaler,
und die ganze Breite beträgt hier nur 20,000 Gchritte
"fa M.]. 2. Der Ältere Dionyflüs wollte deßhalb Italien
‘ bier durchichneiden Laffen und dag getrennte Gtüd mit Gis
zilien vereinigen. Man findet bier die fchiffbaren Flüſſe
Carcines [Eorace], Erotalus [Ai], Semirus [Gimmari],
Arodya [Croda] und Targines [Tacina}, die Gtadt Perilia
[Strongoli] im Inneren des Landes, den Berg Elibanus, **)
das Borgebirg Lacinium [Capo belle Colonne). Diefer —*
—
*, Die letzte Maßbeſtimmung iſt die richtigere.
”., Iſt ein weit in das Meer hervortretender Arm ber Apen⸗
—57 — weicher den Golfo di Squillace auf der Nordſeite
t,
win
336 E. Plinius Ratargefchichte.
‚gegenüber, 10,000 Schritte [32 M.] vom Land, liegt Die
Inſel der Dioskuren, fo wie die der Ealypfo, weihe man
für die Ogygia bes Homer *) hält; ferner die Infeln Tiris,
Eranufa, Meloefia. *) Bon Eanlo ift das Vorgebich Laci⸗
nium nad) AUgrippa’s Angabe 70,000 Schritte [Ni m]
entfernt. ‘
Au dem Worgebirg Zacininm beginnt der zweite
B Eutopa's, zieht fi in einer großen Ausdehnung
herum, und endigt in Epirus an dem Acroceraunifchen Vor⸗
gebirge [Capo Linguetta], welches von dem eben genannten
75,000 Schritte [15 M.] entfernt ift. **) Zuerſt kommt bie
Stadt Eroto [Eotrone] und der Fluß Neäthug [Nietv], dann die
Etadt Thurii, +) zwiſchen den beiden Slüffen Eratpis [Erati]
und Sybaris [Mifofato], an welchem die gleihnamige Stadt
lag. 3. Eben fo liegt zwifchen dem Siris [Sinnp] und
Aciris [Agri] die Stadt Heraclia, 74) welche fonft. Siris
genannt wurde. Berner find zu bemerken: die Flüſſe Acalans
drum [ Scanzana] und Easventum [Baflento]; die Stadt
Metapontum, Trt) mit welcher der dritte Bezirk Italiens
endet. Im Inneren des Landes liegen von den Bruttiern
sur die Aprufiaher [Eaftrovillari],, von den Lucanern aber
\
\
*. Odyſſ. vn, oda. xu, 448,
”*) An der Stele aller Biefer Inſeln findet man jegt nur
Selfen ohne Namen.
‚*e*) Die wirkliche Entfernung beträgt 31 M.
+) Thurii und Spharis Iagen bei dem hentigen Stadechen
Terra nova. —
44) Ruinen bei dem Dorfe Policoro. ®
+) Schöne Ruinen noͤrdlich von der Mündung bed Bafiento,
” Drittes Bud). 337
die Atenater [Atena], die Bantiner [S. Maria di Banze),
die Eburiner [Eboli] , die Grumentiner [IT Palazzo], die
Potentiner [Potenza], die Sontiner [Sanza], die Siri⸗
ner, *) die Zergilaner [la Zerza], die Urfentiner [Turſſ]
und die Volcentaner Buccino], weichen man die Numeftra:
her [Nusco] noch beifügt. Außerdem foll nad) ‚der An-
gabe des Cato ein Lucanifches Thebä untergegangen feyn;
auch ‚erzählt Theopompus, daß Pandofla, wo Alerander
von Epirus feinen Tod fand [326 vor Er], eine Stadt
der Lucaner gewefen fen. +)
.XVL Es folgt nun der zweite Beirt, weicher die
Hirpiner, ») Calabrien, H Apufien TH. und die Salen⸗
tiner +47) umfaßt, und ld) 250,000 Schritte [50 M.J weit
um den-Meerbufen hinzieht, welcher von einer im innerſten
Winkel deſſelben liegenden Stadt der Lakoner, die aud) eine
daſelbſt am Meere befindliche Colonie i in ſich begreift, *t)
9. Sie wohnten etwas landeinwaͤrts von dem oben genannten
Herar lea,
“*, Mandofia fand wahrſcheinlich in ber Gegend des jetzigen
Caſtelfranco. Ueber Alexanders Tod vgl. Livins VII, 24.
+24), Sie bewohnten Theile „der jetzigen Provinzen Principato
Ulteriore und Baftlicata. j
"H Jest die Provinz Otranto.
+) Bon 'etwas ‚größerer Ausdehnung als bie Heutige Provinz
Bari)
rtH Sie bewohnten die guſten des Tarentiniſchen Meerbuſens.
) Die Lacebämonier, welche. Tarent anlegten, fanden daſelbſt
ſchon eine Anfiedelung an der Stelle, wo fpäter die Citas
beile fand,
6 Plinins Naturgefh, 38 Shhn. ' 6
338 . C. Plinius Naturgeſchichte.
der Tarentiniſche genannt wird. Bon dem Vorgebitg Laci—
nium iſt die Stadt Tarent 136,000 "Schritte [27% M.}
entfernt, und anf ihrer entgegengefehten Geite Debut fi
Calabrien zu einer Halbinfel.aus, ‚welche Die @riechen nach
einem Heerführer Meflapia nannten, und die vorher nad)
Deucetins, einem Bruder des Denotrus im GSalentinifchen
Gebiet, Peucetia bieß. Die Entfernung zwifchen den beiden
Borgebirgen *) beträgt 100,000 Schritte [20 M.], die
Breite der Halbinfel zwifchen Tarent und Brundiflum [Bren-
difl] auf dem Laudwege 35,000 Schritte [7 M.]; *" von
dem Hafen Saflna [Porto Ceſareo] aus iſt diefer weit
fürzer, 2. Die Städte im Inneren des Landes voh Tarent
an find Varia [S. Maria di Barietto], welches den Bei-
namen das Apulifche führtz Meſſapia [Mifagna] und Ale
tium [Patiana]. An der Küfte liegen Senum und Gallipofig
[Gallipolij, welches jetzt Auxa heißt, und 75,000 Schritte
‚T15 M.] von Tavent entfernt if. Noch 32,000 Schritte
[6% M.] weiter iſt das Vorgebirg , welches Acra Japogia
[S. Maria di Leuca] heißt, und wo Italien am weiteſten
in das Meer hinanstritt. Weiterhin kommt die Stadt
Baſta [Vaſte] und 19,000 Schritte [3% ] ***) weiter Hy⸗
druntum [Divanfo], au dem Grenzpunkte des Joniſchen
‘ \
*, Laeinium nämlich und Acra Japygia (Leuca). Die’ Ent:
fernung iſt Übrigens viel zu groß. angegeben, uhb Seträgt
nur 17°M.
>) Der Landiveg zwifchen Zarent und Brendifi beträgt 8 M.;
bei Porto Wefareo ift'die Halbinfel nur 4 M. breit,
”»s, Die Zahl ift unrichtig, mag man vom Gap Leuca ober von
Vaſte an rechnen. _
%
-
Drittes Bud. 339
un» des Adrlatiichen Meeres. Swiſchen bier und der ges
genüberkiegenuden Stadt der Apoll oniaten [Polina] ift die
‚ Bürgete Ueberfahrt nach Griechenland; denn die Breite der
dazwiſchenliegenden Meerenge beträgt wicht mehr ale
50,000. Schritte [10 M.]. 9 Pyrrhus, König von Epirus,
gedachte zuerſt die Landfivaße Über dieſen Zwifchenraum
wurch die Aufflellung einer Brücke fortzufepen; nach ihm
hatte M. Varro, als er im Seeräuberkrieg die Flotten tes
VPompejus befehtigte, dieſelbe Abſicht. Beide wurden an der
Ausführung Diefed Plans durch andere Sorgen gehindert.
3. Nach Hydrunt kommen Soletum [Solito], weiches jeht
verlafſen it; Frafuertium [Copertino], der Tarentiniſche
Hafen, die Station Miltopä, Lupea [Lecce)], Baleſium [©.
: Maria. dolla Lizza], Golium [Eeglia]; Brundifium [Brens .
DIR} 50,000 Schritte [10 M.] von Hndrent, mit einem ber bes
rüspmteften. Häfen Italiens, wo bie fidyerfte, wenn auch längere,
Weberfahrt nach der jenfeits liegenden, 225,000 Schritte [45 M.]
entfernten Illyriſchen Stadt Dyrrachium [Duraszo] **) ift.
nr Brundifium grenzt das Gebiet der Pediculer. *) Neun
Illypiſche Fünglinge und eben fo viele Yungfrauen find bie
Stammeltern ihrer dreizehn Völkerſchaften. Die Städte
der Pediculer find Rudiä Rotigliano], Eguatia [Torre bi
Adanazzo], Barium [Bari]. Die Flüſſe: Japyr, +), fo ge
*, Die wahre Entfernung beträgt ungefähr 12 M.
”*, Durazzo if von Brenkifi nur 20 M.. entfernt.
»ech , Der Landſtrich zwiſchen Brenbift und dem Ofanto.
+) Man weiß nicht, weiches Küftehrtäßchen dieſen Namen
.' führte, 6*
1
R
30. C. Plinins Naturgeſchichte.
nannt von dem König Fapyr ,. einem Sohne des Dädalus,
von weichem auch dad Land den Namen Fapygia führt;
Pactius [Patrica] und Aufidus (Ofanto], welcher von dem
Hirpiniſchen Gebirg herablommt, und an Canuſium [Eanofa]
vorbeifließt.
4. An ihm beginnt Aputien, auch das Danniſche ge⸗
nannt von dem Feldherrn Daunus, dem Schwiegervater des
Diomedes. In dieſem Lande liegen die Städte Salapia
[Salpi], berühmt durch eine [daher ſtammende] Geliebte
Hannibals; Sipontum [Manfredonia]y Uria [Ururi]; ber
Fluß Cerbalus [Cervaro], welcher die Grenze des Dauniſchen
Gebietes bildet; der. Hafen’ Agafus [Porto Greco); bie in
ein Vorgebirg auslaufende Spitze des Berges Garganus
[Sargano], welche, um den Garganus °) herum gemeffen,
234,000 Schritte [46° M.] von . dem Salentinifchen oder
Jappygiſchen Vorgebirg entfernt ift; der Hafen Garnä (Rodi];
der See Pantanus [Lago di Lefina]; der hafenreiche Fluß
Frento [Bortore]; das Apulifhe Teanum [Ehiati Vecchio)];
das Larinatifhe Eliternia [Antica Eliternia]; der Fluß
Zifernus [Biferno], an welchem das Frentaniſche Gebiet
[Provinz Abruzzo Eiteriore] beginnt. 5. Es gibt alfo drei
Apuliiche Stämme: die Teaner, welche unter einem Gries
chiſchen Feldherrn fidh hier niederließen; die Lucaner, welche
von Calchas unterjocht wurden, und deren Sige jetzt die
Atinater einnehmen; Die Dannier, bei Denen außer dem
fchon oben Angegebenen noch die Colonien Luceria [Lucera].
und Venufla [Benofa), fo wie die Städte Cauuſium [Canofa]
N
*) Der Iängd ber ganzen Küfte hinzieht.
- Drittes Bud. . 341
und Arpi [Arpino), welches nad feiner Erbauung durch
Diemedes Argos Hippium, fpäter aber Argyrippa hieß, zu
‚nennen find.‘ Diomedes vertifgte daſelbſt zwei Völker, tie
Monader und Darder, und die beiden Städte Apina und
Trica, *) die zu einem fcherzhaften Sprichworte geworben fInd.
6. In dem Inneren des Zweiten Bezirks liegen, außer
Der einzigen Colonie ber Hirpiner', welche ihren früheren
Namen Maleventum zur glüdiihen Stunde in Beneventum
1Benevento) verändert hat: die Aufeculaver; **) die Aqui⸗
Soner [Monte Chilone]; die AUbellinater (Avigliano], audy
Protoper genannt; die Compfaner [Eonza]; die Caudiner
[Bordyia ]; die Ligurer [Taurafle], welche auch die Bei⸗
namen Cornelianer und Bebianer führen; "N "die Vescel⸗
laner; ferner die Aeculaner; die Aletriner [Alatri]; Die
Abellinater (Marſico vetere], welche den Beinamen Marſer
führen; die Atrauer [Atripalda]; die Aecqner [Troja]; die
Alfellaner (Guarda Alkeral; die Attinater [Atena]; die
Arpaner [Arpaja]; die Borcaner [Citta Borella]; die Colla⸗
tiner [Coglionifil]; die Corinenſer [Cornito vecchio]; die
Cannenſer [Eanne], berühmt durch die Niederlage der Ns
‚mer ; die Diriner ; die Forentaner [Borenza]; die Genufiner
[Binofa]; die Herdonienfer Ordona]; die Hyriner (Orfa};
die. Larinater [Larino], Erentaner zubenannt ; die Dierinater })
am Garganus; die Mateolaner [Motta bella Regina]; die
*) So nannten die Römer Sirngefpinnge ı und euätsger.
+, Nuinen bei Mirabella.
”.”. Mor, Livius XL, 38,
+) Ruinen bei Viefte,
a⸗
Be |
342 C. Plinius Naturgeſchichte.
Netiner [Noja]; die Rubuſtiner [Ruvro]; die Silviner
[Savigtiane] ; die Strabelliner Rapollal; die Turmentiner
[Due Zorri], die Bibinater [Bovino]; die Venufiner [Be
nofa] ; die Uuztiner [Burigliano). 7. Bon den: Ealabrern
wohnen im Inneren des Landes die Aegetiner [Ajeta]; die
Apamefliner [Biete]; die Wrgentiner ; die Butuntinenfer
[Bitonto]; die Decianer; die Grumbeftiner; die Norbauens
fer ; die Paltonenfer [Wale]; Die Sturnitier [Torchiarolo];
die Tutiner [Titiano). Von den Salentinesn wohnen im
Inneren die Aletiner (Alezzano)], bie Bafterbiner (Paravita],
die Neretiner Nardo], die Valentiner und die Verentiner
[S. Berato].
XVII Kxır), 1. 6 folgt nun der vierte Bezirk, bes
wohnt von den tapferſten Völbern Italiens. Un der Küfle
wohnen vom Tifernus [Biferno] an die Erentaner. *) Im
ifrem Gebiete findet man deu hafenreihen Flus Trinium
[Trigno] ; die Städte Hikomium [Bao V’Ammone); Buca
[Termoli] ; Ortona [Drtona a mare]; den Fluß Aternus
[Pescara]). Im Inneren des Landes wohnen die Anxaner
(Ranciano vechio], die Frentaniſchen zubenannt; **) die
oberen Carentiner [Civita Burella]; Die unserm Carentiner
[GSarlentino]; die Lanuenſer; im Marruciniſchen die Teati⸗
ner [Chieti] ; im Peligniſchen die Corſinienſer [Pentinia];
die Superequaner [Caflel Vecchio Subrego]; die Sulmonen⸗
fer ISulmona]; im Marfifchen die Anrantiner [Avezzano];
*) In dir jegigen Provinz Abruzzo citeriore.
**), Zum Unterſchied von ben Anxanern im Galentinifchen.
‘
Drittes Bud. 343
die Atinater ICitita d'Antino]; Die Fucenter; ) die Luceuſer
[&uco]; die Maruvier; *H im Albenſiſchen Alta [Albi] am
Sucinerfee T£ago di Eelano]; im Aequiculaniſchen die Cliter⸗
niner, die Sarfeolaner [Carſoli]; im Veſtiniſchen die Angus
laner [Eivita ©. Angelo], die Pinnenfer [Eivita di Penna],
Die Peltuiuater [Monte bello] mit den Aufinatern [Dfena la
Pagliana], dieffeits bes Gebirge [der Apenninen]; im Gebiete
der Samniter, welche auch Sabeller und von ben Griechen
Sauniter genannt werden, die Colonie Alt-Boͤdianum [Bo⸗
jann], und eine andere gleiches Namens, welche auch die
Undecumaniſche heißt; **9) Ferner die Uufidinater [Alfidena];
die Sferuier [Iſernia); die Kagifulaner [Tojana]; die Fi⸗
toienfer; + die Säpinater [Sepino]; die Treventinater
[Trivento] ; im Sabinifchen die Amiterniner [Amatrice],
die Eurenfer [Rorrege], Forum Decii [Fara], Forum no:
„vum [Borhano]; die Fidenater IS. Giubileo]; die Iuteram-
nater [Teramo]; die Nurfiner [Norcia]; die Nomentaner
[2a Mentana]; die Reatiner [Rietil; die Trebnlaner, welche
in die Mutuscäifchen [Monte Leone bella Sabina] und bie
Stffenatifchen [Trivigliano] zerfallen ; die Tiburter [Tivoli];
Die Tarinater [Tarano], 2. In diefem Bezirke find im Ae⸗
quicnliniſchen die Cominer, +H) die Tabiater, bie Cädicer
*) Mahrfcheinlich am Lago bi Gelano.
' **, Ruinen von Maxuvlum am oͤſtlichen Ufer des Lago di
Celano.
vo, Weil fie von der eitften Legion gegrlindet wurbe.
+) DOefti von Fidenä 5. Giubileo); die genaue, Lage der
Stadt’ Fienlea if noch nicht ermittelt,
+4) An der Stelle des heutigen S. Gio in Saldo,
TE e Plinius Naturgeſchichte. | '
und die Alfaterner. Gellianus erzählt, daß ber Fucinerſee
die Marſiſche Stadt Ardyippe, ®. weiche von Marſyas, eis
nem ‚Anführer der Lyder, erbaut worden fey, verichlungen
habe; ferner wurde, nad) Valerianus, die Stadt der Viti⸗
ciner in Picenum von den Römern zerſtört. 3. Die Ga-
biner (weiche nad) -Einiger Meinung wegen.ibrer Frömmigkeit
"und Götternerehrung eigentlich Seviner **) heißen) wohnen
an den Belinifchen Seen ***) auf thanigen Hügeln. Der:
Fluß Nar [Mera], welcher viel Schwefel mit fih führe, _
verdirbt ihr Waffer; er kommt vom Berge Fiscellus [Monte
di Sibylla] herab, ſtürzt fid) bei den Hainen der Vacuna
[NRupegöttin] und bei Reate [Rieki] in diefelben Geen, und
führt, nachdem 'er fie, verlaffen hat, fein Waſſer "der Tiber
zu. Bon der anderen Geite leitet der Anio [Teverone],
welcher anf dem Trebaniſchen Berge [Monte di Trevi] ente
fpringt, drei durd) ihre Anmuth berühmte Seen, von wel«
hen Sublaqueum [Gubiaco] feinen Namen erhalten hat, in
die Tiber. In dem Reatiniſchen Gebiete befindet fid) der
Cutiliſche Gee [Lago di Eontigliano], in welchem eine Infel
ſchwimmt, +) und von welchem M. Vaͤrro behauptet, daß er
der Mittelpunkt Italiens fey. Unterhalb der Gabiner. liegt
Katium, zu ihrer Seite Picenum und in ihrem Rüden Um⸗
bria; von beiden Geiten werden fie von den Apenninenzl-
gen, wie von Wällen, eingefchloffen.
*), Bei niedrigem Waſſerſtand ſſeht man noch Ruinen dieſer
Stadt zwifchen Ortucchio und Trafacco. -
”, Bon dem Griehifchen Worte odßzu gas, verehren.
“r, Lago de Pie de Lugo und Lago di S. Sufanna,
» Bor 8. IL 8.66 52 \
— — vV.
Drittes Buch. a 545
XVIII (xım), 4. Den fünften Bezirk bildet Picenum, )
einſt ein überaus volßreicher Landſtrich; Deun -360,000 Picen»
ter feifteten dem Römiſchen Volke den Eid der Treue. 9
Gie find eine von den Sabinern in Folge eines angelobten
heiligen Frühliugs ***) abflammende Eolonie. - Ihre Wohn:
ſitze Dehnten fi vom Fluß Aternus [Pescara) an in der
Gegend aus, wo ſich jest. das Adrianifche Gebiet und die
Eotonie Adria [Ari], welche 7,000 Schritte [12/3 M.] vom
Meere liegt, befinden. Zu bemerken find: der Fluß Voma⸗
num [Bomano] ; das Prätutianiiche Gebiet [Bezirk Teramo])
und das Palmenfifche ; ferner Caſtrum novum [Giulia nova];
der Fluß Batinum [Salinello]; Truentum [Eivitela del
Tronto], ſammt dem Fluffe gleidyes Namens [Tronto], das
einzige Ueberbleibfel der Liburner +) in Italien; der Fluß
Aldula [Afo] ; Tervium [Grotte a mare], wo das Pratu⸗
tianifhe Gebiet aufhört und das. Picentiniſche beginnt.
2. Weiterhin kommt die Stabt Cupra; +) Caftellgm
Firmanorum [Fevmo] , und oberhalb deſſelben die Eolonie
Asculum [Ascolı], die begügmtefte in Picenum; Novana
*) Abruzzo ulteriore und ein Theil ber Delegation Ancona.
.*) Rad) ihrer Niederlage durch den Conſul Pubtins Sempro:
nins, 268 vor Ehr.
**0), Ginen heiligen Frühling angeloben, hieß niht nur alle.
Erzeugniffe eines Frühlings ben Göttern verfprechen, ſon⸗
bern auch bie mannbare Jugend, welche das Mutterland
nicht ernähren Fonnte, zur Unlegung einer Eolonie forts
ſchicken.
HH Weiche aus Jllyrien herübergekommen waren, und ſich an
der Italieniſchen Küfte angeſiedelt hatten,
Tp Ruinen bei dem Dorf Marano, ,
n
u
6. €, Plinius Naturgeſchichte.
[Monte di Novel, im Inneren des Landes; an der Küſte
Smana;*) Potentia [Monte Santo]; Numana,*"*) von ben
Siculern erbaut. Diefe gründeten auch die Colonie Ancona
an dem Vorgebirg Cumerum [Monte Gomero], gerade an
der Stelle, -wo fi, die Küfte wie ein Elibogen beugt,
‘483,000 Schritte [36% M.] vom Garganns entfernt). Im
Yuneren des Landes wohnen dig Uurimater [Oſimo]; Die
Beregraner [Monte Zilatrano]; Me Cingulaner [Eingolo] ;
Die Buprenfer [Ripatranfone] , welde den Beinamen Mon:
taner [Bergbewohner].führen; die Salarienfer [Balletoni] ;
die Panſalaner [Grotta Azzolino]; die Pieninenfer [S. Gine-
flo]; die Kicinenfer ;***) die Septempedaner [S. Geverino] ;
Die Tollentinater [Tolentino] ; die Treienſer [Treja] und Die
Bollentiner in Urbsſalvia [Urbifaglia]. |
XIX (am). A. An die Picentiner ſchließt fi MN der -
fechste Bezirk, +) welcher Umbrien und das Ballifche Se⸗
bit um Ariminum [Rimini] in ſich begreift. Wei Ancona
beginnt die Galliſche Küfe, weldhe den Beinamen Ballia
Togata ++) führt. Die Gigfez und Lihurner befaßen den
größten Theil dieſes Landftrichs, befonders das Palmenfirdye,
das Prätutianifhe und das Mdrianifche Gebiet. +++) Sie
wurden von den Umbrern daraus vertsieben : fo wie Diefe
9 Bag wahrſcheinlich an Ser Mundung des Fluſſes Chienti.
** Die Ruinen diefer Etadt nörbli von dem Flußchen Ends
eione beißen jetzt Umanabdiſtrutta.
+20), Ruinen der Stadt. Nicina bei Reecanati.
7) Der Laudſivich zwiſchen von Brüfen Efino nnd, error,
Fr) Ober Gallien dieſſeits der Alpen.,
44*6 Bel. das vor hergehende Kapitel 5 1.
* ..
Drittes Bud. 847
wieder von den Etruriern and Dieſe von der Galliern. Das
Bolk der Umbrer wird für das älteſte in Italien gehalten,
und die Griechen ſollen fie Ombrier genannt haben, weil
Te eine Ueberſchwemmung der Erde durch Regengüſſe übers
Iehten. *) Man liest, Daß Die Thuscer in ihrem Zande dreis
Hundert Stüdteꝰeroberten. 2. Jetzt ſindet man an der Küfte
sen Fluß Aeſis [Enno]; Genogalia [Ginigaglia]; den Fluß
Metaurus [Metauro]; die EColonien Fanum Fortund [Bano);
PDifaurum [Defaro], ſammt einem Stufe gleihed Namens
[Soglia], und im Inneren des Landes Hispellam [Speto] .
und Zuder [Todi]. Berner find’ anzuführen die Ameriner
[Amelia]; die Attidiater [Attigio)]; die Aflfinater TAME];
Die Arnater [Eivitela d'Arno]; die WUefinater [Fefl] ; die
Eameiter [Eamerino]; die Eafuentillaner Lim Caſentiner⸗
thall; bie Carſulaner [Monte Eaftrilli]; die Dolater, die
Salentinifcdyen zubenannt; bie. Fulginater [Foligno]; die
Boroflaminienfer; **, die Forojulienſer Zugliano], welche
den Beinamen Concubienſer führen; bie Firobremitiauer
[Formigine]; die Forofempronienſer [Foſſombrone]; die
Iguviner [Gubbio]; die Interamnater [Terni], Narter zu⸗
benannt; die Mevanater [’Bevagno]; die Mevanionenfer
[Gateata] ; die Matilicater [Moatelica]; die Narnienfer.
{Rarni], deren Stadt früßer Nequinum genannt wurde;
die Nuceriner [Nocera], die auch die Beinamen Favoniznfer '
. amd Eamelaner führen; bie Ocriculaner [Dtricolo] ; bie
Oftaner [Orzieno]; die Vitulaner ‚Poitigtiano] Die zum
„Bon dem Briechiſchen Wort Sußgos, Regen.
*) Forum Flaminii Iag bei bem Ievigen Dorfe -Eentefims,
v
.
{ | e |
348 C. Plinius Naturgeſchichte. —
Theil Piſuerter, zum Theil Mergentiner zubenannt werden;
die Peleſtiner IPiobbico]; die Sentinater ;.*) die Sarſinater
[Sarcina]; die Spoletiner [Spoleto]; die Suaſaner; **) die
Seftinater [Seftino]; die Suillater [Sigillo]; die Tadinater
[®ualdo] ; die Trebiater [(Trevi]; die Tuficaner [3icano] ; F
"Die Tifernater, welche in die Tiberiner Rifi] und in die
Metaurenfer [S. Angelo in Bado] zerfallen; die Veſioni⸗
cater [Badia del Vescova]; die Urbanater, welche ſich in die
Metaurenfer [Urbaria] und in die Hortenfer Flrbino] theilen ;
die Bettoneufer [Bettona]; die Vindinater [S. Venzauo]
amd die Viventaner [Eattolico]. 3. Ju diefem Landſtriche
find verfhwunden die Feliginater und die Bewohner von
- Eiufiolum, oberhalb Interamna ; : eben fo die Sarranater
mit den Städten Ucerrä, ***) welches den Beinamen Bar
.triaͤ führte, und QTurocelum, auch Netriolum genannt ;
ferner die Solinater; die Enriater; die Fallienater und
Apiennater. Auch find verfhwunden die Arienater mit [ihrer
Stadt] ‚ Erinovolum ; die Ufidicaner; die Plangenfer; Die
Difinater und die Eälefliner. — Nach der Angabe Eato’s
wurde tie obengenannte Stadt Ameria 964 Jahre or dem
Kriege des Perſeus erbaut. +)
RX (av). 45 Der achte Bezirk wird durch den Ari—⸗
minus [Marocchia], ven Padus [Yo] und den QApennin
») Die Stadt Sentis Yag in der“ ‚Nähe bes heutigen Eaffo
Serrato,
) Ruinen von Suafa find bei dem Gtäbtchen Gt. Lorenzo.
ses) Lag wahrſcheinlich an ber ‘Stelle bed heutigen Anzola.
+) Der Krieg des Perſeus begann 171 vor Chr. Ameria
(S. $. 2, dieſes Say.) wäre alfo 1035 vor Chr. erbaut, .
⁊
Drittes Bud. - "349
begränzt. An der Küſte findet mau den Fluß Cruſtumium
[ESonca]; die Eofonie Ariminum [Rimini], nebft den Fluͤſſen
Ariminus und Aprufa FAufa]; weiterhin den Fluß Rubico.
[Pifatelo], ehmals die Grenze Italiens. Auf diefen folgen‘
der Sapis [Savio]; der Bitis [Montone]; der Anemo
[Lamone]; Ravenna, eine Stabt der Babiner , nebft dem.
Flufſe Bedefis [Bevana], 105,000 Schritt ſ21 M.] von
Ancona entfernt; das von den Umbrern erbaute Butrium, *)
nicht weit vom Meere. Im Inneren des Landes liegen die
Eolonien Bononia [Bologna], früher, als es die Haupt:
ſtadt Etruriens war, Belfina genannt z. Bririllum [Bre⸗
gella] ; Mutina [Modena]; Parma; Placentia [Piacenza].
2. Die übrigen Städte -find: Eäfena [Eefena]; Elaterna
[Maggio]; Forum Elodii ſFornocchia]; Forum Livii [Forli];
Forum Popilii [Zorlimpopuli]; Forum Zruentinorum **)
[Brenta]; Forum Eornelit [Imola] ; die Faventiner ſFaenza];
die Fidentiner [Borgo &. Domino]; die Dtefiner; die Pas
Dinater [Bondeno]; die Negienfer [Reggio],, deren Stadt
Lepidus erbaute; die Solonater [Eitta dei Sole]; die Saltus
Galliani, ***) and Aquinater zubenannt; die Zanetaner-
[Taueto]; die Beliater [Monte Beglio], welche aud) ben
Beinamen Veterer führen; die Regiater . [Reggivto] und .
die Umbranater [Sapigno]. Verſchwunden find in. diefem
Raudftriche die Bojer, die nach Cato's Angabe in 112 Volks⸗
. Lag wahrfcheintih in ber Nähe von Palazzuolo.
) Sol wohl Brentanorum heißen,
***, ‚Andere lefen Saltus Sallicani. Beide gesarten gewähren
Beinen ˖Auſſchluß über den völlig unbekannten Ort. “
I)
50. C. Plinius Maturgeſchihhte.
Maften eingetheilt waren; ferner bie Genoner, welche Rom
eisnahmen [380 vor Ehr.].
(sv), 5. Die Padus [Ne], welchen aus dem Schoße
des Berges Veſalus [Bifo], einem der höchſten Alpengipfet
am den Grenzen der Ligurer und Vagienner, und zwar aus
einer ſehr merkwürdigen Duelte *) entſpringt, fidy erſt in
einen uaterindifchen Gang verbirge und auf dem Gebiete
Der Horovibienfer [Pignerate] wieder zu Tage kommt, ſteht
feinem anderen Fluſſe an Berühmtheit nad, En heißt bei
den Griechen Eridanıd, und if ihnen befonders durch Die
Strafe das Phacthon **) bekannt. Beim Aufgange des Hunds⸗
fleenes ſchwillt er. durch den geſchmolzenen Alpenſchnee an,
führt aber, obſchan er über die Felder hinſtrömt, nichts von.
feinem_Raube mit ſich fort, fondern macht, wenn er zu⸗
vucktritt, durch Hinterlaſſung feines fetten Schlammes Dies
ſelben noch fruchtbarer. ») Mährend feines Laufes, deſſen
Länge 388, 000 Schritte [77% M.] betragt, +) nimmt ev
nicht nur die von den Alpen und Apenninen herabſträmon⸗
den ſchiffharen .Btäffe, fonderu and ungeheure fich in ihn
ensieerende Seen auf, und führt übevbaupt 30 Flüſſe dem
76,9. IE 8. 106 6. 9. Die.Quelle heißt jeut Vifenda.
Sollte vielleicht bisfer Name aus biefer mißverflandenen
Gtelle des Plinius. (visendo fonıc) herzuleiten feyn?
x) Bol, Dvid’8’Metamorphofen B. H. V. 304—324,
so.) Der Text ift an dieſer Stelle fehr verdorben. Die Ueber:
fegung folgt Hardouin's Anficht. Uebrigens möchten wohl
ſchwerlich die heutigen Italiener in dieſes Lob des dem
Feldern verderblihen Po einfiimmen.
» Nur 68 Di. Cr nimmt 40 Nebenfläffe auf.
L . f
Drittes Bad, 51
Ad riatiſchen Meere zu. 4. Die werkwürdigften derſelnen
Kud- von der Upenuinenfeite der Zanarus [Zauaro] ; der
Zuebir [Trebbia] im Placentiniſchen: der Tarus [Tau] ;
Ver Nicias [Crofiolfo]; der Gabellus [Bavecello] ; die Seul⸗
tenna [Panaro]; der Rhenus [Reno]: von der Wipenfeite:
aber die Stura; den Organs [Orco]; die beiden Duria
[Dora Balten und Dora Nipera]; der. Geffites [Scha};
Der Zicinus [Tefino]; der Lambrus [Lambro]; der Addua
[dda]; der Ollius FOglio] und der Mincius [Mincio].
Ken anderer Fluß ſchwillt auf einer fo kurzen Gtrede fo
bedeutend au. Geine Waſſermaffe drängt deßhalb ſtets vor⸗
wärts, wühlt in die Ziefe, und wird auch dem Lande bes
ſchwerlich; und obſchen er zwifchen Ravenna und Altiaum
kElitine] gegen 120,000 Schritte [2A M.] weit in- mehrere
Slüffe und Kanäle abgeleitet if, fo fall er dad, wo er am
weiteften austrit#‘, fieben Meere bilden.
5. Der Kanal des Augufus zieht nach Ravenna bin,
wo ev Badufa [Porto nudvo della Bajona] beißt, früher
aber: Meflanicus genannt wurde. _ Die zunächſt folgende
Mündung bei die Größe eines Hafens, der den Namen
Batrenushafen *) [Porto di Primars] führt, und ans dem
der Raifer Claudius, ald er feinen Britanniſchen Triumph
feierte Faa nach Chr.], mit jenem ungebeuren Schiffe, oder
vielmehr Palaſte, in das Adriatiſche Meer austief. **) Diefe
Mündung murde früher die Eridaniſche ; von Andern die
mn Vom Stufe, Vatrenus Santerney, weicher in dieſen Arm
des Po faͤllt.
) Bol. Dio Caſſius B. Lx, Kap, 23.
332° €. Plinius Naturgeſchichte.
Spinetifche genannt , von der ehmals an ihr gelegenen Stade
Spina, welhe, wie man aus den [unter ihrem Namen] zu
Delphi vorhandenen Schatzen fchließen will, ſehr mädtig
. war, und von Diomedes erbaut wurde. Der Padus erhält |
hier durch den Fluß Vatrenus [Ganterno] , welcher aus
dem Gebiete von Forum Eornelii (Imola] kommt, neuen
Zuwachs.
6. Zunaͤchſt folge nun die Mündung, von Gaprafia
[Yorto di magna vacca]; dann die von Sagis, *) und dann
die Volaniſche [Porto di Volauo], früher die Olaniſche ge:
nannt. Alle diefe Eünftlichen Flüfe und Kanäle von Sa⸗
gis **) an bradyten die Thuscer. zu Stand; fie brachen Die
Gewalt des Stromes durd) Auerleitungen in die Atriatifchen
Sümpfe, welche die fieben Meere heißen, und bildeten
den herrlichen Hafen der Thusciſchen Stade trip, nad
welcher das Meer, .wetches jebt das Adriatiſche genannt
wird, früher das Atriatiſche hieß.
7. Sodann kommen die vollin Mündungen Garbonaria
[Bocca detta la Masſtra] und die Philiſtiniſchen Durch⸗
fAynitte [Porto de Pozzatini], weihe Untere Tartarus
nennen: alle entftehen durch den Waſſerüberfluß des Philis
ſtiniſchen Kanals [Polofela], welcher noch durd) den Athe⸗
ſis [Etſch], der aus den Tridentinifhen [Trientiner] Alpen,
und den Togiſonus [Teffina], der aus dem Gebiete der Pas
taviner [Paduaner] herkommt, vermehrt wird. Ein Theil den
ſelben bildet auch den naͤchſten Hafen Brundulusl Brondolo],
0) In jebt verfanbet. u u
* In ber abe des jegigen Lagevente. 5 F
»
Drittes Bug. 5353
« wie die beiden Medoacus [die Breutamundung und Porto
di Malamocco] und der Clodiſche Kanal ſPorto di Chiog⸗
gia] den Hafen Edron [Chioggia] bilden. Mit dieſen Ge⸗
wäffern vereinigt ſich der Padus und mündet mit ihnen in
das Meer. Er ſoll nach der Meinung der Meiſten zwiſchen
den Aipen und der Meerestüfte eine dreiedige Figur, von
einem Umfange von 2000 Stadien [50 M.] bilden, wie der
RÜ in Aegypten das fogenannte Delta. 8. So ſehr ich
mich fhäme, eine Nachricht über alien den Griechen zu
entiehnen, fo muß id doch anführen, daß Metrodorus von
Scepfis behauptet, DE Fluß babe von den um feine Duelle
häufig wachſenden Pechtannen, welche in der Ballifchen
Sprache „Baden“ hießen, feinen Namen erhalten, und in
der Sprache der Ligurer heiße er Bodincus, welches Wort
„bodenlos“ bedeute. Als Beweis dieſer Anſicht dient die
Stadt Induſtria [Verrua], deren alter Name Bodincoma⸗
gus iſt, und die gerade an ber Stelle liegt, wo die beden⸗
tende Tiefe des Fluſſes beginnt.
XXI (zvı). 4. Bon dem Padus wird ber eilfte Bes
zirt Italiens ber Transpadanifche Lienfeits des Po] genannt:
er liegt zwar ganz im Inneren des Landes, aber die Meere
führen ihm alle Produkte mittelft dieſes fegenfpendenden
Stromes zu. Zu bemerken find die Städte Bibi Forum
[Pignersfo] und Seguſio ſSuſa]: die Eolonien Angufte
Tanrinorum [Turin], ein von dem alten Lignrifchen Stamme
gegründeter Ort, von welchem an der Padus fchiffbar wird,
and Augufla Prätoria [Aoſta] im Lande der Selaſſer— an
€. Plinins Naturgeſch. 38 Bochn. 7
.
554 C. Plinins Naturgeſchichte.
den beiden Alpenpäſſen, dem Graiſchen ) nämlich und dem
Pöniniſchen: durch dieſe kamen‘, wie man angibt, die
Punier [Carthager]; durch die Graifhen fam Herkules.
2. Weiterhin liegt die Etadt @poredia [Yorea], von dem
- Römifchen Volke auf Befehl der Gibyllinifhen Bücher er-
baut. Die Gallier nennen gute Pferdebändiger Eporedier.
Vercellä [Bercelli],-im Gebiete der Likicer, verdankt feinen
Urfprung den Sallyern **) Novaria [Novara] den Ber-
tacomacoren, welche in einem noch jept. beftehenden Gaue
der Vocontier +) wohnten, und nicht (wie Cato meint) den
Ligurern. Bon’ Diefen ſtammen abeggbie Läver und Mari-
cer, welche Ticinum [Pavia] , nicht weit vom Padus, an⸗
legten, fo wie die Boier, welche über die Alpen gingen, und
Laus Powpeia [Lodi vechio), und bie Infubrer, welde
Mediolanum [Mailand] bauten, ab. 3. Eato gibt an, daß
"die Bewohner von Comum [Como], Bergomum [Bergamo]
und Liciniforum [Barlafina], fo wie einige umliegende
‚Gemeinden von den Drobiern abflammen, gefleht aber,
daß er den Urfprung dieſes Volkes nidyt Benne ; dagegen er= -
zaählt und Cornelius Alexander, daß es aus Griedenland
flamme, wie fchon der Name beweiſe, ber nichts Anderes
hebeute, als Leute, bie ihr Leben anf den Bergen zubrin«
® 1
*, Zwiſchen dem Mont Iſeran und dem Mont Blauc.
“ey ‚Zwifchen dem Mont Blanc nnd dem großen Gt. Bernhard.
”, Einem Liguriſchen Wolke, welches in ber heutigen Pro⸗
vence wohnte,
P Im üblichen Gallien (Departements Dröme und Hautes⸗
Alpes.
J x
‘
Drittes Bud. | 355
gen. *) In diefem Landſtrich verſchwand Barra, eine Stadt
der Drotier, von welcher, nad) Cato's Angabe, die Bergo:
mater heritammen, und deren Lage, jest noch beweist, daß
fie bei weitem nicht fo glücklich, als hoch **) gemefen fey. Auch
verſchwanden die von den Infubrern vertriebenen Gaturiger
und das oben ***) erwähnte Spina; eben fo die. durd, ihren
Reichthum berühmte Stadt Melpum, welche, nach der Ue⸗
berlieferung des Cornelius Nepos, von’ den Anfuhrern,
Boiern und Genonen an temfelben Tage zerftört wurde,
an welchem Eamillus Veji einnahm. +)
XXU (vn), 4. Es folgt nun der zehnte Bezirk Ita:
liens, weldyer am dem Adriatifhen Meere liegt. Zu ihm
gehören Venetia; der Fluß Sitis [Sille], welcher von den
Zarviſaniſchen Bergen [bei Treviſo] herabbommt; die Stadt
Altinum [Altino]; der Fluß Liquentia [Lidenza], welcher
auf den Opiterginiſchen Bergen [bei Obderzo] entfpringt,
und der gleichnamige Hafen; die Eolonie Eoncordia ; tm).
die Zlüffe und der Hafen Nomatinum; +++) der große und
Heine Fluß Zilaventum [tagtiamento]; der, Fluß Anaffım
*) Mon Opas (Berg) und Bios (Leben).
**) Die Stadt Barra, deren Lage ſich nicht mehr angeben
läßt, war vermuthlid auf einem Berasipfel erbaut.
280), Kap, 20. $. 5
+), 5m 5%. 395 vor Chr. Vol. eivius v3 Die Stabt
‚wurde fpäter wieder aufgebaut, und beißt jetzt Melzo.
++) Hat bis jegt feinen alten Namen behalten.
_ HD Die Füße heißen jest Lemene und Negene; der Haſen
wor Oruaro liegt zwifchen ihnen,
7*
356, C. Plinius Naturgefchichte. u
[Stella], in weichen der Varramus [Eanale ti Marano]
fällt; die Alfa [Aufa]; der Natifo [Matifone] und der.
Zurrus [Torre], welche an der Colonie Aquileia, Die
45,000 Schritte [3 M.] vom Meere liegt, *) vorbeifießen.
2. Diefer Landftrich if von den Earnern bewohnt, und’
der daranftoßende von den Japyhden. In dem leztteren find
zu bemerken der Fluß Timavus [Timavo]; das durch feinen
Wein berühmte Caftell Pucinum [Tybein]; der Tergefti-
niſche Meeibufen [Golf von Trieft] und die Colonie Ters
gefte [Triefl], 23,000 Schritte [ads M.] von Aquileia
entfernt; ») 'der Fluß Bormio [NRifano], 6000 Schritte
[1 M.] jenfeits Tergeſte und 189,000. Schritte [37% M.]
von Ravenna, die alte Grenze des vergrößerten Italiens,
nun aber Jftriend , weldyes feinen Namen von dem Bfuffe
ter hat. Diefer Iſter foll aus dem Strome Danubius
in das Adriatifche Meer Hießen, und er und die ihm ges
genüberliegenden Mündungen des Padus follen durch ihren
wechfelfeitigen Gegendrud das zwifchen ihnen liegende Meer
füß machen. Viele, und unter ihnen Nepos, der do am
Padus wohnte, behaupten Diefes fälfchlidy; denn aus dem.
Danubins fällt fein Fluß in das Adriatiſche Meer. 3. Sie
ließen ſich, wie ich vermuthe, durch die Nachricht irre mar
den, daß das Schiff Argo nicht weit von Tergefte auf einen.
Fluſſe, deffen Namen man aber nicht weiß, in das Adria
tifche Meer Fam. Genauere Forfcher behaupten, ed ſey auf
ten Schultern über die Alpen getragen worden ; feinen Weg
.
*) Iſt jent Baum eine Stunde vom Meer entfernt.
”*) Die Entfernung beträgt ungefähr 6 Meilen,
Drittes Buch. 567
aber habe es genommen *) zuerſt durch den Iſter, **) dann
durch den Savus [Gau] und dann durch den Nauportus
[Ladbach], welcher aud, dieſem Umfande feinen Namen ***)
verdankt, mund zwifchen Aemona [Laybach] und ben Alpen
entfpringt. -,
XXIU (zıx), 4. RPtrien erſtreckt fih als Halbinfel in
dad Meer ; feine Breite geben Einige auf 40,000 Schritte
[8 M.], feinen Umfang auf 125,000 Schritte [25 M.] «au.
Diefelde Größe geben We dem angrenzenden Liburnien und
dem Klanatifhen Meerbufen [Golfo die Duarnero]. Andere
nehmen die Größe Ziburniens zu 480,000 [36 M.] an.
&inige dehnen Japydien 130,000 Schritte [26 M.] weit
binter Iſtrien in den Blanatifhen Bufen aus, und ges
ben dann Liburnien eine Größe von 450,000 Schritten
[30 M.]. +) Zuditanus, ++) welder die Iſtrier unters
jochte, feßte auf feine in ihrem Lande errichtete Denkſaͤule
folgende Iufchrift: „Bon Aquileia bis zum Biuffe
Titius ++r) find 1000 Stadien.“ TH Hu bemerken
*
*, Nãmlich vom ſchwarzen Meere nad) ben Alpen.
s., ser und Danubins find einer und berfelbe Fluß, den aber
-die Alten vor ben Eroberungen ber Römer in ben von
ihm bewäfferten Gegenden wertig Pannten, wodurch mannig⸗
fahre Berwechfelungen und Fabeln entitanden.
+) Plinius Überfest Nauportus mit „Echiffhafen.“
+) Japydia und Liburnien find die Küftenftriche von Ervatien
und dem nörblihen Dalmatien,
+75 Sempronius Tubditanus triumphirte Über bie Iſtrier im
J.' 128 vor Er.
+trr) Ieut Kerka.
49 25 Meilen,
., R %
358° €. Plinius Naturgeſchichte.
find in Iftrien die Städte Aegita [Ifola] und Parentium
[Parenzo], mit Römiſchem Bürgerrecht; die Eolonie Pola,
welche jebt Pietas Julia heißt, ) und einft von den Col⸗
chiern erbaut wurde: fie ift von Tergefte 100,000 Sthritte
[20 M.]. entfernt. Weiterhin kommen die Stadt Nefactium
[Refonzi] und der Fluß Arfla [Arfa], welder jest die
Grenze Italiens bildet. Der Seeweg von Aucona nach
Pole beträgt 130,000 Schritte [26 M.]. **)
2. Im Inneren des zehnten Bezirks liegen die Eolos
nien Cremona und Briria [Brescia] in dem Gebiete,der
Cenomaner, in dem der Veneter aber Ateſte [ERe] nnd die
Städte Acelum [Aſolo), Patavium [Padua], Opitergium
[Dderzo], Belunum [Belluno] und Bicetia [Bicenza].
Mantua ift die einzige übrige Stadt der Thuscer jenſeits
des Padus. Cato' Abt an, daß die Veneter Trojanifhen
Urfprungs ſeyen, und daß die Eenomaner früher bei Maffilia
im Volciſchen °*%) wohnten. Die Feletriner [Beltie], Iris
dentiner [Trient] und Berunenfer Ind Rhätiſche Gemeinden ;
Berona liegt im Gebiete der Rhätier und ngancer; die
Julienſer [Fulia] gebören zu den Carnern. Dann nennen
wir noch, ohne Uns anf genauere Angaben einzulaffen, die
Alntrenfer [Xodrone] ; die Afferiater; +) die Slamonienfer,
von denen ein Theil den Namen Banienfer [Benzona], ein
*) Später aber wieder Pola genannt, welchen Namen fie jegt
noch führt.
**) Der direkte Weg beträgt kaum 20 Meilen,
ver) Das Land der Wolcer Iag an den beiden Ufern der Rhoͤne.
7) Ruinen der Stadt Afferia bei Benkovac.
Drittes Bud. 359 °
auderer den Namen Enticer ſFlagogna] führt; bie Foroju⸗
Tienfer [Bugliano], Transpadaner zubenannt; die Foretaner
. [8ortino] ; die Nedinater [Nadin] z, die Duarquener [Börz];
De Zaurifaner [Tauern]; die Togienfer und die Barbarer.
3. In diefem Landſtriche find verihwunden: ander Küfte
Iramine, Pellaon und Palfatinın; bei den Venetern Atina
and Eälina,; bei den Carnern Gegefle *) und Dera; bei
den Tanriscern Noreia. »e) Auch fol an dem zwölften
Meilenſtein [22 M.] vor Aquileia von Claudius Mars
elus eine Stadt wider den Willen des Senats zerflört
worden feyn, wie 2 Piſo berichtet. Im diefem Bezirke
ud auch eilf berühmte Seen und Flüſſe, weldhe aus
denfelben ihren Urfprung oder ihr Wachsthum haben ‚ wenn
Aberhaupe diefe Seen die in fie fließenden Ströme wieber
von fi) geben, wie der Larius [Comerſee] die Addůa
ſ[Adda]; der Verbanus [Lago Maggiore] den Ticinus
[Zefno]; der Benacus [ago di Garda] den Mincius
[Mincio]; der Sebinus [Lago d'Iſeo]; den Ollius [Oglio]
der Eupilis [tego bi Puſiano]; den Lambrus [Lambro],
welche Stüffe alle in den Padus fallen.
4.’ Die Ulpen ziehen fidy nad) der Angabe des Eätius
in einer Länge von 1,000,000 Schritte [200 M.] von dem
oberen [Abdriatifchen] bis zum unteren [JEtruriſchen] Meere ;
Zimagenes gibt 22,000 Schritte [4:6 M.] weniger an; ihre
Breite beſtimmt Eornelius Nepos auf 100,000 Schritte
[20 M.] und T. Living auf 3000 Gtadien [75 M.], jeder
*, An ber Stelle, wo jegt An⸗Sifer ſteht.
An der Steile des jetzigen Frleſach.
0 C.. Plinivs Naturgefchichte.
jedoch an einer andern Stelle. Wirklich Aberfteigen fie auch
manchmal da, wo fle Germanien von Ftalien trennen , die
Breite von 100,000 Schritten, während biefe an den übrigen
fchmateren ‚Stellen, wie durd) die gütige Vorſicht der Natur
oft nicht einmal 70,000 Schritte [14 M.] ausmacht. Die
Breite Italiens an dem Fuße der Alpen, vom Varus as
durch Vada Sabatia, Zaurinum, Comum, Briria, Verena,
Bicetia, Opitergium ) bis zur Arfia. gemeſſen, betrãgt
745,000 Schritte [149 M.].
XXIV (zz). 4. Die Alpen bewohnen bieferlei Boͤlker.
Von Pola bis in die Gegend von Tergeſte ſind die berühm⸗
teſten die Secuſſer [auf dem Berge Cocuſſo]; die Subocri⸗
ner; die Cataler; die Menocalener und neben den Carnern
Die Noricer,, **) welche früher Tauruscer genaunt wurben.
An diefe grängen die Rhätier [in Graubündfen] und die Vinde⸗
licer, ***") welche alle in viele Gemeinden getheilt find, Man
hält die Rhätier für Abkömmlinge der Thuscer, welche mit
ihrem Anführer Rhätus von den Galliern vertrieben worden
find. An der Italien zugekehrten Seite der Alpen wohnen
die Euganeifhen Stämme +) mit Lateiniſchem Bürgerrecht,
in deren Lande Cato 54 Städte aufzählt. Unter diefen ind
die Triumpitiner [Val Trompio], ein ſammt ihrem Gebiete
den Römern käuflich zugefallenes Voll. Die Gamuner
*
”, Bon allen dieſen Städten warſchon weiter oben die Rede.
*2) Ueber dieſe vgl, weiter ußten. Kap. 97.
”.., Sie wohnten vom Bodenfee bif zum Inn. .
+) In den Bergthaͤlern des nördlichen Italiens und im ans
grenzenden ſaͤdlichen Tyrol,
. Drittes. Bud. 361
"Bat Samenico] und andere ihnen in ihren Rerhältniffen
ühnliche Stämme find den benachbarten Munizipaltädten
zugetheilt. 2. Wach die Lepontier [Bal Leventina] und
Galaſſer [Ra Sala] hält Cato für Tanrissifchen Urfprunge;
faſt alle Übrige Gchriftfteflee aber erklären die Lepontier,
nad) der Bedeutung ihres Briechifhen Namens, ) für Ueber
Heibfel aus dem Gefolge des Herkules, deren Glieder bei
dem Webergange über die Alpen erſtarrt feyen. Soldaten
Deffelben Heeres des Herkules und Griechen ſollen nach ihnen
auch die Bewohner der Braifchen Alpen nnd die Buganeer,
weiche von edlerer Abkunft waren, und daher aud ihren
Namen *?) erhielten, gewefen fen. Der Hauptort derfelben
ift Stönos [&toro]. Bon ben Rhaͤttern wohnen die Ven⸗
soneter und die Saruneter an den Quellen des Rhenus
ſRhein], und diejenigen von ben Lepontiern, welche Viberer
heißen, an der nee red Rhodanus [Rhone], auf dem:
felben Alyenzuge. 3. Außerdem haben auch manche Stämme
Das Lateinische Bürgerrecht , wie Pie Dctodurenfer [Marti
. nach] und ihre Nachbarn, Lie Centroner [Eentron]; die
Enttiauiffhen Gemeinden ; **) die Eatneiger [um Chorges]
md die von den Caturigern abftammenden Bagienner, +)
welche in bie Sigurifgen und in die Montanifchen zerfallen,
*) Mon keine, ich laſſe zurück.
*, Euyevtĩic, wohlgeborene.
We) Wohnten von ben Quellen des Bar und ber Stura bis zum
Mont Iferan.
+) An der Oſtſeite der Alpen, am erſten Laufe des Po.
562' €, Plinius Naturgeſchichte.
fo wie viele Stämme der Eapillater in der Nähe des eigu⸗
ſtiſchen Meeres.
4. ‚Die Mittheilung der An dem Siegeszeichen auf den
Alpen befindlichen Jaſchrift fcheint mir hier ganz an ihrer
Stelle zu fepn. Sie lautet, wie folgt: Dem Imperator
Cäſar Auguftus, dem Sohne des göttlihen Cä—⸗
far, dem Pontifer marimus, dem vierzehnmas
ligen Imperator, dem mit der tribunicifben
Gewalt betleideten der Genat und das Volk
von Rom, weil unter feiner Unfüährung und
durch feine Fürſorge alle Aipenvölker, welhe
von dem oberen Meere bis zum unteren wohn»
ten, der Herrſchaft des Römiſchen Bolkes ums
terworfen wurden. Die bezwungenen QAlpen-
pvölfer find: die Triumpiliner, die Camuner,
die Benofer, bie Bennoneter, die Ffarcer, die
Breuner, die Genanner, die Focunater, vier
Stämme.der Binbelicer, nämlid die Eonfuas
neter, Die Rucinater, die Licater und die ECas
tenater; die Ambifunter, die Nugusger, die
Suaneter, die Caluconer, die Brirenter, bie
Lepontier, die VBiberer, die Nantuater, die
Geduner, die VBeragrer, die Salaffer, die Aci«
tavoner, die Meduller, die Ucener, die Catu—⸗
riger, die Brigianer, die Gogiontier, die
Brodiontier, die Nemaloner, die Edenater, die
Efubianer, die Beaminer, die Galliter, die
Trinlatter, die Ectiner, die Vergunner, die
@guiturer, die Nementurer, bie Drateller, die
Drittes Bud. - 368
Neruſer, die Velauner, die Suetrer.“) Dabei
ſind weder die zwölf Cottianiſchen Gemeinden, die nicht
feindlich geſinnt waren, noch Diejenigen, wilche nach dem
Pompeiſchen Geſetze **) den Munizipalſtädten bereits. zuge⸗
theilt waren, genannt. 5. Dieb iſt das den Göttern
beilige Italien. Dieb find feine Böker. Dieß die Städte:
feiner Bevölkerung. Dies ift das Italien, welches unter
"dem Eonfulate des 2. Aemilius Paulus und E. Attilins
*2) Um bie Infchrift im Drud nicht zu verunftalten , laſſen
wir hier bie neueren Benennungen ber Aipenvd.ker, in fo
weit fie ermittelt find, folgen: Xriumplliner (Bal Trom⸗
pio), Camuner (Val Camonico), Venofler (Minfigan),
Vennoneter (Wangen), Starcer (an ber Eyſachy, Breuner
' (Bruneden), Genauner (Wal Non), Focunater (Vocogna),
Eonfuaneter (Kenzingen) , Rucinater (Ruf) , Licater (am
Lech), Batenater (Rettenader), Ambifunter (Sontrio, im
Beltlinthat), Ruguscer (Nüffe), Suaneter (Sanen), Gas
lueoner (Satanbathal), Brirenter (Brixen), Lepontier (Wal
Leventina), Wiberer (Viſpach), Nantuater (am erften
Laufe des Rheins), Seduner (Sitten), Veragrer (Ber:
nayed), Salaffer (ka Sala), Acitavoner (St. Sean be
Maurienne), Meduller (die ehmalige Baronie Menouillon,
in dem jegigen Bezirk Montelimart), Ucener (Bourg d'Di⸗
fans), Gaturiger (um Chorges), Brigianer (Briançon),
Sogiontier (Sauze), Brodiontier (unbekannt), Nemaloner
(Meolan), Edenater (Wille de Seyne), Efubianer (Ubaye),
Beaminer (Senez), Galliter (Guilloͤtres), Triulatter (Alloz),
Ectiner (Eſtene), Vergunner (Vergons), Egquiturer (Guil⸗
laumes), Nementurer (unbekannt), Orateller (Le Puget
de Theniers), Neruſer (Vence), Velauner (Valdahon),
Suetrer (Serred).
Dieſes Geſetz ſoll vom J. 88 vor Ehr. ſeyn.
N
564 C. Plintus Naturgeſchichte.
Regulus [235 vor Chr.], als ſich die Kunde von einem.
Einfalle der ‚Batlier verbreitete ,„ allein, ohne irgend eine
fremde Hülfe,‘ und foggr ohne die Bewohner ienfeitd des
Padus win Heer von 80,000 NReitern uud 700.000 Fußgän⸗
gern ausrüftete. Auch an Reichthum aller Metalle flieht es
keinem anderen Lande nach; aber ein alter Beſchluß des
Genatd, melcher die Erde Italiens zu fchonen befahl, unter⸗
ſagt ihre Ausbeutunrg.
XXV (zz). 4. Bon der Arſia ſArſa] bis zum Fluſſe
Titius [Kerda] wonnt das Volk der Liburner. Die Mens
toren, Hymaner, Encheleer, Buuer und Die, werde Ealli«
machus Peucetier nennt, bildeten Beſtandtheile deffelben.
Sept bezeichnet man das ganze Grbiet mit dem Gefammt-
namen Illyrieum. "Nur wenige Namen dieſer Völker find
nennenswerth, oder leicht anszufpreden, Zu dem Gcarboni:
tanifhen Gerichtsbezirk [Sbardona] gehören die Japhder und
vierzehn Gemeinden der Liburner, von denen man allenfalls
noch die Lacinienfer ſLakza), die Stlupiner [Stuin], die
Burnifter *) und die Dibonenfer ohne Ueberdruß nennen
kann. In diefem Gerichtsbezirk haben Italiſches Bürger:
rechht: die Aluter [um Albona]; die Flanater ſFianona])],
von denen der Flanatiſche Meerbuſen [®olfo di Quarnero]
feinen Namen bat; die Lopfer [um Gospich]); die Barpar
siner [Verbonsto] ; die flewerfreien Aſſelater, **) und von
den Inſelbewohnern die Sertinater[Parwich ] und die Euricter
[Karet]._
*) Ruinen diefer alten Stabt nicht weit vom Kerka.
+) Nuinen bei Benkovac, ,
. Drittes Buch. . 365
2. Sonſt Tiegen noch von Neſactium [Refonzj] an,
"fängs der Küfle, die Gtädte Alvona [Albona]; Flanona
[Zianona]; Tarfatica [Terfict] ; Genia [Bengg]; Lopfica
[Gsepie]; Ortopnia [Starigrad] ; Vegium [Bezzo ]; Ars
gyrantum; *) Eorinium [Karin]; Wenena. [None]; die
Gemeinde von Pafinum ;**) der Fluß Tedanium [Bermanja],
welcher Die Grenze von Japydien bifdet. Die Fnfeln diefes
Bufens fammt ihren- Städten find außer ben ſchon ges
naunten: Abfyrtium [Dfero] ; Arba [Arbe}; Crexa [Groſſa];
Siffa [Giſto] und Portunata [Puntadura]. Wiederum auf
dem feſten Land-, und 460,000 Echritte [32 M.] von Pole
entfernt , liegt Jadera [Bara- Vecchia]; . 30.000. Schritte
[6 M.] von ihr die Juſel Eolentum [Mortera], und 18,000
Schritte [3% M.] weiter Die Mündung des Fluffes Tibius.
XXVI (zu). 4. Un dieſem Ftuffe, 12,000 Schritte
[25 M.] vom Meere, an der Stelle, wo Liburnien aufs
hört und Dalmatien beginnt, liegt Scarbona. Dann folgen:
das alte Gebiet der Tarioter und das Eaftell Tariona [Alte
GSebenico]; das Borgebirg des Diomedes [Trau Vecchio),
von Andern die Halbinfel Hyllis genannt, von einem Um—
fang von 400,000 Schritten [30 M.]; Zragsrium [Iran]
mit Römiſchem Bürgerrechte, und feines Marmord wegen
berühmt; Sicum [Sebenieo], wohin der göttliche Elaudius
” Man findet noch bedeutende Ruinen bei Obrivacz.
”) Bis jetzt hat Man nicht ermitteln Finnen, ob Eivitas
Paſini "ein Ort für fich, oder ob es ‚eine nähere Bezeichnung
für Aenona iſt. Vergl. Mannert, Geogr. ber Gr. u
Rbm. B. VI, 329. oo
» ‘
. \ ' N
SB. C. Plinins NRaturgefchiehte.
VBeteranen ſchickte; die Kolonie Salona, *) 143,000 Schritte
[22% M.] von Jadera. Zu ihrem Gerichtsbezirk **) ges
hören die Dalmatier mit 582 Decurien, die Decuner mit
22, die Ditioner mit 239, die Marder mit 69, die Gar:
Diater mit 52 Decurien. 2. In dieſem Landftriche Liegen
die durch Schlachten des Römiſchen Volkes *** berühmt
gewordenen Eaftelle. Burnum, H Andetrium [bei Namjane]
und Tribulium. Bon den Iufeibewohnern gehören ebenfalls
zu diefem Gerichtsbezirk die Iſſaͤer (Liſſa]; die Eolentiner
[Mortera]; die Separer und die Epetiner. Weiterhin fol:
gen die Eaftelle Piguntia [Pogosniga]; Rataneum [Rudu⸗
nich]; die Eolonie Narona , ++) der Hauptort des Dritten
Ger chtsbezirks, an dem gleitinamigen Fluſſe [Narenta),
72.000 Schritte [14/; M.] von Salona und 20.000 Schritte
fa M.] vom Meere entiernt. Nah M. Varro haben
früher 89 Gemeinden in diefer Stadt ihr Recht gefucht. Jeßtzt
| kennt man nur etwa die Gerauner mit 24, die Daorizer
[Dobor] mit 17, die Däfltiater mit 103, die Docleater
LDognidetag] mit 35, die Deretiner mit 14, die Deremifter
[Dernich] mit 30, die Dindarer mit 33, die Glinditioner
[Gtinbigne)] mis 44, die Melcomaner mit-24, die Narefler
[Marintva] mit 102, die Seirtarer mit 73, die Siculoter
mit 24, und die Bardärr [am Berge Verdovacz], welche
*) Ruinen bei Spalatro,
**) Die hier genannten Jllyriſchen Stämme find unbekannt.
es) Welche die Feldbherren Tiberius und Germanicus unter
Auguſt lieferten «7 nach Chr.).
+) Man findet noch einige Ruinen am Stufe Kerka.
+D Ryinen bei dem Slecken Mido,
Drittes Bud. | 367
‚einft Italien verwüfteten, mit nicht mehr als 206 Decurien.
3. Außer Diefen wohnten-nod- in diefem Landftride die
Diuder, die Varthener, die Hemaliner, die Arthiter und
Die Armifter. Vom Finffe Naro [Narenta] bie zur Eolonie
Epibtaurus*) find 400,000 Schritte [20 M.]. Nah Epi⸗
danrus folgen die von Römiſchen Bürgern bewohnten Städte
Rizinium [Rifano] ; Ascrivium [Andrics]); Butua [Bu:
dua] und Olchininm [Dulcigno], weldyes von den Colchern
erbaut, und deßhalb früher Goldyinium "genannt wurde;
ferner der Fluß Drilo [Drino), und an ihm die von Römi⸗
ſchen Bürgern bewohnte. Stadt Gcodra [IfEodar], 17,000
Schritte [3% M.] vom Meer entiernt. Un diefen Land:
ſtrich knüpft ſich auch das allmälig erldfchende Andenken
an viele Griechiſche Städte und mächtige Gemeinden. Denn
hier wohnten die Labeater [um Gcodra]; die Ender oduner
[um C. Roduni] ; die Saffäer [um Vaffoewip] ; die Grabäer
[um Grabovo]; die eigentlichen Illyrier; **) die Zaulautier
[im Sandſchak Ilbeſſan) und die Pyräer. Berner kommen
an der Küfte das Vorgebirg Nymphäum (Nimflo] , welches
feinen alten Namen behaften hat; hierauf bie von Römiſchen
Bürgern bewohnte Stadt Liffus [Aleflio], 100,000 Giritte
[20 M.] von Epidaurus ıntfernt.
(zırıı.) 4. Sogleich nach Liſſus beginnt die Provinz Mace⸗
donien [theilmeife Albanien). In ihr find zu nennen die Par:
theniſchen Stämme [im Sandſchak Ochri], und hinter ihnen
*) Lag mwahrfheinlih am weflichen Worgebiege bes Bufens
von Catftaro.
) Zwiſchen den Fluͤſſen Narenta: und Drino.
‘
368 | C. Plinius Naturgeſchichte.
die Daſſareter ſam See von Ochri]; die Candaviſchen
Berge [im Sandſchak Ilbeſſan], welche '78,000 Schritte
[155% M.] von Dyrrachium [Durasyzo] entfernt find. Ferner
an der Küfte: Denda mit Römifchem Bürgerrechte, die Co⸗
Ionie Epidamuum, deren unbeilbedentenden Namen *) die
Römer in Dyrrachium verwandelten, der Fluß Anus [Box
jusa], von Manchen Aeas genaunt; Apollonia [Polina],
einft eine Eolonie der Eorinthier, A000 Schritte [%s M.]
vom Meer entfernt. An der Grenze diefed Landſtrichs woh⸗
nen um das berühmte Nymphäum [im Sandſchak Aviona] **)
die barbarifchen Amanter [Avoſtma] und Bulioner [Boklin].
An der Küfe ift.nod) die von den Colchern erbaute Stadt
Oricum [Criho}. Hier beginnt Epirus, und es kommen
die Acroceraunifchen Berge [M. Ehimära], welche wir als
Grenzpunkt dieſes Buſens ven Europa angenommen has
ben. ***) Oricum ift von Dem Gatentinifhen Vorgebirge
[C. di Leuca] in Ftalien 85,000 Säritte [17 M.] +) ent⸗
fernt.
XXVU (zxıv). - Ruckwaͤrts von den Carnern und Ja⸗
pydern, wo ber große Iſter [Donau] daherfirömt „ ſchließen
fih an die Rhätier die Noricer. +) Ihre Städte find:
Birunum [Klagenfurt]; Celeia [Cilly]; Zeurnia [Lurn⸗
feld]; Aguntum [Iniching]; Bianiomina [Wien]; Claudia
*) Man leitete ihn von damnum (Schaden) ab.
28) Mol. B. II. Kap. 110. $, 3.
“*) Gap, 15. $. 2.
7) Die wirflihe Sntfernung beträgt 14 Meilen,
+H In Kärnthen und Steyermart,
0 Drittes Bud). 8569
[Rtana]; Blavinm Solvenſe [favamünde]. An die Noricer
ſtößt der See Peifo [Ptatten⸗See] fammt den Einöden der
Doier „die jedoch jetzt durch Sabaria [Stein am Anger],
eine Eblonie des göttlichen Claudius, und durch die Stadt
Scarabantia Fulia [Dedenburg]- Bewohner erhalten hat.
XXVIII (xxv). 4. Nun kommt: das eidhelntragende
Pannonien, *) wo bie Acatten niedriger werden, und
mitten durch Illhyrieum von Norden nach Süden hinziehend,
ſich allmälig rechts und links ſanft abdachen. Der nach
dem Adriatiſchen Meer hin liegende Theil bildet Dalmatien
und das oben befdjriebene Illyricum. Pannonien dehnt ſich
nah Norden aus, und wird durch den Danubius ſDo⸗
nau] bearenät, In diefem Lande liegen die Eofonien Yes
mona [Laydahı) und: Siscia [Siszek). In den Danubins
fließen bedeuteude und fchiffbare Ströme: der reißende Dra-
vus [Dran] von den Norifchen, und der fanftere-Gavus
(Sau von den Earnifcen Alpen; beide trennt ein Zwis
ſchenraum vom 120,000 Schritten [24 M.]. Der Dravus
firömt durch das Gebiet! der Gerreter [Beröcze], der Ser-
rapiller [um Pilish), der Tafer [um Jascza] und der San⸗
Dizeter [Sauritfh] ; der Savns durch das der. Eolapianer
[aur Fluſſe Kutya] und Breneer [in Stavenien]. Diefe find
die Hauptvötker. 2. Außer ihnen nd nod, zu nennen die
Ariester [Arlavisa]; die Water ſOzaly); die Amanter
[Manduszebes]; die Belgiter [Beller;]: die Catarer [Kot:
tori] ; die .Eornacater (Vukodar]; die Eradiscer [Agram];
die. Herenmiater' [Krrsdo] ; die Latavicer [Ritan]; die Die .
riater [Dfterez]' und: die Varcianer [Barasdın]. Werner
find zu erwähnen: der: Berg. Elaudius [Bader Ge⸗
. 9) Pannonien umfaßte das auf der rechten Donaufelte Ke-
gende. Ungarn, einen boftlichen Strid von Oeſtreich und
Steyermark, ben größten Theil von Krain, den nörb:
ld von der San liegenden Tbeil von Kroatien, Slavonlen
und einen fchmalen Streifen von Bosnien an der Sas.
€, Plinins Naturgeſch. 38 Bhchn,
368 €. Plinius Naturgeſchichte.
die Daffareier [am Gee von Ochri]; die Candapiſchen
Berge [im Sandſchak Ilbeſſan], welche '78,000 Schritte
[155% M.] von Dyrrachium [Duraszo] entfernt find. Ferner
an der Küfte: Denda mit Roͤmiſchem Bürgerrechte, die Co⸗
Ionie Epidamnum, deren unbeilbedbeutenden Namen ”) die
Römer in Dorrachium vermwandeltens der Fluß Anus [Vo⸗
juga], von Manchen Aeas genaunt; Apollonia [Polina],
einft eine Eolonie der Gorinthier, 4000 Schritte [ds M.]
vom Meer entfernt. An der Grenze diefed Landſtrichs woh⸗
nen um das berühmte Nymphäum [im Sandſchak Avlona] **)
die barbarifchen Amanter [Moofima] und Bulioner [BoPlin].
'An der Küfe iſt noch die von den Colchern erbanfe Stadt
Oricum [&riho}. Hier beginnt Epirus, und es kommen
die Acroceraunifhen Berge (M., Ehimära), welche wir als
Grenzpunkt diefed Bufens von Europa angenommen has
ben. ***) Oricum ift vow Dem Galentinifhen Vorgebirge
[C. di Leuca] in Italien 85,000 Saritte [117 M.] HD ents
fernt.
XXVU (zsıv). - Rüdwärts von den Garnern und Ya:
pydern, wo der große Ifter [Donau] daberfirömt „ ſchließen
fi an die Rhätier die Noricer. ++) Ihre Städte find:
Birunum [Klagenfurt]; Celeia [Cilly]; Teurnia [Lurms
feld]; Aguntum [Iniching]; Bianiomina [Bien] ; Claudia
*) Man leitete ihn von damnum (Gchaden) ab,
2*8) Mol. 8. II. Kap. 110. 5, 3.
*) Kap. 15. 6. 2.
+ Die wirkliche Entfernung beträgt 14 Meilen,
+ In Kärnthen und Steyermart.
—
⸗
Drittes Buch. 869
[Klana]; Fladium Solvenſe ſLavaäamünde]. An die Noricer
ftößt der See Peiſo [PtattenSee] ſammt den Eindden der
Boier „die jetocd jest dDurdy Sabaria [Stein am Anger],
eine Eolonie des göttlichen Claudius, und durch die Stadt
Scarabantia Julia [Dedenburg]- Bewohner erhalten hat.
XXVIII (xxv). 4. Nun komme das eichelntragende
Pannonien, *) wo die Aipenzidfek niedriger werden, und
witten durch Illyrieum von Norden nach Süden hinzichend,
ſich allmaälig rechts und links fanft abdachen. ‘Der nad
dem, Adriatifchen Meer bin Tiegende Theil bildet Dalmatien
und das oben befdjriebene Zuyricum. Pannonien dehnt fi
nah Norden aus, und wird durch den Danubius [Do:
nau] begrenzt. In diefem Lande liegen die Colonien Yes
mona [Koybadı) und: Sisria [Eiszef]. In den Danubius
fließen bedeuteude und fchiffbare Ströme: der reißende Dra«-
vus [Dran] von den Norifhen, und der fanftere-Gavırs
[Sau] von den Carniſchen Alpen; beide trennt ein Zwis
fyenraum vom 120,000 Schritten [24° M.]. Der Dravus
firömt dardy das Gebiet! der Gerreter [Veröcze], der Ser-
rapiller [um Piliſch), der Jaſer [um Jascza] und der San⸗
Dizeter [Sauritfh] ; der Savus durch das der. Colapianer
[anr Fluſſe Kulpa] und Breneer [in Sladonien]. Diefe find
die Hauptvöotker. 2. Außer ihnen (nd noch zu nenuen die
Ariester [Ariavitza); die Azaler ſOzaly); die Amanter
[Manduszebes]; die Belgiter [Bellerz]: die Catarer [Kot⸗
tori]; die Cornacater [Vukodar]; die Eradiscer [Agram];
bie. Hercuniater [Kerstb]; die Latavicer [Litan]; die Dfer .
riater [Dfteres]' und: die VBartianee [Barasdın]. Werner
find zu erwähnen: der: Berg Elaudius [Bader Ge⸗
. 9) Pannonien umfaßte bad auf der rechten Donaufelte lie⸗
genbe- Ungarn, einen Öflliden Strich von Deftreidh und
Gteyermart , ben ‚größten Theil von Krain, den nörb-
lih von der Sau liegenden Theil von Kroatien, Stavonien
und einen fchmalen Streifen von Bosmien an ber Sau,
€, Plinins Naturgeſch. 38 Bhhn, 8
570 C. Plinius Naturgefchichte.
birge], auf deffen. Vorderfeite die Scordiscer und auf der
KHücfeite die Tauriscer wohnen; die Inſel Metubarrie %
in dem Savus, die größte der Flußinſeln; der Fluß Cola⸗
pis [Kulpa), welcher bei feinem Ausfluffe in den Sabas bei
Siscia durd ein doppeltes Strombett eine Inſel bildet,
welche Segeflica heißt. Ein anderer Fluß, der Bacuntius
[Bofuth], mündet bei der Stadt Sirmium **) in dem Gaue
er Sirmienfer und Umantiner. Von da bis nady Tauru⸗
num [Semlin], wo der Savus in den Danubiug fließt, (Ind
45,000 Schritte [9 M.]. Weiter oben münden der Valdaſus
[Bosna] und der Urpanus [Verbasz), weldye ebenfalls nicht
“ unbedentend find. . |
XXIX (zxvı). 4. An Pannonien fchließt fi die Pro⸗
ping, welche Möflen heißt, und fi länge des Danubius bie
an den Pontus [das ſchwarze Meer] erftredt. *") Sie des
ginnt an dem oben erwähnten Zufammenfluffe [der Sau und
der Donau]. In ihr wohnen die Dardaner [im füdlichften -
Theile von Gervien] ; die Gelegerer; die Triballer [im weſt⸗
lichen Bulgarien]; die Zimacer; die Möfler; die Thracier
und die an den Pontus grenzenden Schthen. - Bedeutende
Flüſſe find im Gebiete der Dardaner der Margis [Morama] ;
der Pingus [Ipek] und der Timahus [Timof]; auf dem
Berge Rhodope [Despoto] entipringt der Oescus [Isker];
vom Hamus [Balkan] kommen der Utus [Bid], der Esca⸗
mus [Osme] und der Jeterus [Iantra].
1,2. Die Breite von Illyricum beträgt da, wo fle am
größfen ift, 325,000. Schritte [65 M.]; die Länge vom
Fluſſe Arfla bis zum Fluſſe Drinius 800,000 Schritte [160 M.].
Vom, Drinius bis zum Acroceraunifchen Vorgebirg find es
*) Auf diefer Infel, welche die Sau : und ihr Arm Veliki⸗
Struga bilden, Liegen der Ort Fascenovarz und der Wald
Mekjusztruxje.
»2) Ruinen bei Mitrovitz.
5 Alſo Servien und Bulgarien.
- \ j
« , ‘ u
Drittes Bud. 371
172,000 Schritte [33°/; M.]. Agrippa gibt den ganzen Um⸗
fang diefes durch Italien und Illyricum gebildeten Bufens
auf 4,700,000 Schritte [310 M.] an. Er begreift zwei
Meere in fih, deren Grenze wir angegeben haben: ) nam⸗
ih an feinem Eingange das Fonifche und im Inneren das
Adriatifhe, welches man auc das obere nennt.
XXX, 4. Inſeln liegen in dem Aufonifhen Meere
außer den fchon genannten Feine, die dee Erwähnnng werth
wären; auch in dem Sonifchen find nur wenige. Am Cala⸗
breifhen Ufer vor Bruudifium Jiegt die, durd welche der
Hafen gebildet wird; **) dem Aputifchen Geſtade gegenüber
Diomeden [G. Domenico], welche durch das Denkmal des
Diomedes berühmt ift, und eine andere gleiches Namens,
welche von Manchen audy Zeutria [Pianofa] genannt wird.
3. Die Küfte von Illyricum wimmelt von mehr als
taufend Infeln, da das Meer hier von Natur feicht ift, und
die Fluth allenthatben flache Buchten bildet. Die bedeu:
tendern Inſeln find: vor der Mündung des Timavus die,
deren heiße Quellen ‚mit der Meeresfluth wachen. *°*)
Längs dem Gebiete der Iſtrer, Eiffa und Pullaria, welche die
Griechen auch Abfyrtiden [Dfero] ‚nennen, von Abſortus
nämlid), dem Bruder der Medea, welcher hier getödtet
wurde. Neben biefe ſetzen dieſelben Griechen die. fogenannten
Eiektriden, auf weichen der Bernftein wachſen fol, "den fle
Elektrum nennen — ein fonnenklarer Beweis Griechiſcher
Zügenhaftigkeit: denn bis jegt hat man nod) nicht beſtimmen
können, welche Infel fie eigentlidy meinen. 3. Jader [Bara,
veccchia] gegenüber liegen Lila [Uglian} und die oben P)
fhon genannten Eilande, LZiburnien gegenüber, mehrere,
welche die Gruteifhen [Dervenih, Zirona, Orath, Krato
*) Rap. 16. 5. 2.
”°, ent Andreasinfel.
,) S. Buch II. 8. 106. 5. 9, ‘
DD Kay. 25:6. 2. i
373 €; Plinius Naturgeſchichke. I
Ktudi] heißen; die Liburniſchen, nicht weniger an ber Zahl,
und die Culadeſſen [Culaduſen, nämlih Kakagne, Kapri,
&fat ,' Brovidio genannt]; [der Inſei] Surium [3uri] ges
genüber *) Bavo [Bua] und die durch ihre Ziegen bis
rühmte Inſel Brattia [draszal; Iſſa [Lefina], mit Römi⸗
ſchem Buͤrgerreht und der-Stadt Pharia [Eitta vecchia].
Bon diefen Infeln ift Goreyra [(Curzola], weldie den Bei⸗
namen Meläna [die ſchwarze] führt, und auf welcher ſich
eine von den Bnidiern erbaute Stadt ſCurzola] _befindet,,
- 25,009 Schritte [5 M.] entfernt. Zwiſchen ihr und Illy⸗
ricum liegt Melitta [Meleda], von welcher, wie Callimachus
angibt, die Metitäifhen Hündchen:**) ihren Namen haben ;
45,000 Sheritte [3 M.] weiter liegen’ die drei Glaphiten
[Hirfinfeln, Giupaua, di Mezzo und Kalamata]. Im
Joniſchen Meere. ift noch die 3.000 Schritte [?/s_M. ];von
Drieum [Ericho] entfernte, und als Aufenthast der Seerduber
befannte Juſel Safonis [Safeno] zu bemerken.
2
e) Der Text dieſer Stelle liegt ſeht im Argen. Die Ueber⸗
ſetzung folgt keiner Emendation, ſondern der Ledart der
beſten Handfchriften.
‚99% Cine Art Bologneſerhündchen, bie bei den Damen bes
‚ Alterthbums beliebt waren.
NRöoͤmiſche Proſaiker
in
neuen Ueberſetzungen.
Herausgegeben
| en‘ " _
G. L. F. Tafel, Profeſſor zu Tuͤbingen,
E.N. v. Oſiander, Profefor zu Stuttoart,
und G. Schwab, Pfarrer zu Gomaringen
vei Tübingen,
‚Hundertadhtundfünfzigftes Bändchen.
Stuttgart,
Berlag der. I. B. Med ler'ſchen Buchbandlung.
1840.
8
373°. Plinius Naturgeſchichke.
Ktudi] heißen; die Liburniſchen, nicht weniger an der Zahl,
und die Euladeffen [Euladufen, nämlich Kakagne, Kapri,
Eſat, Providio genannt]; [der Inſel] Surium [Zurij ges
genüber *) Bavo [Bua] und die durch ihre Ziegen bee _
rühmte Infel Brattia Brazza]; Iſſa [Reina], mit Römi⸗
ſchem Bürgerreht und der Stadt Pharia [Citta vecchia].
Bon dieſen Inſeln iſt Corehra [Curzola], welche den Bei⸗
namen Meläna [die ſchwarze] führt, und auf welcher ſich
eine von den GBnidiern erbaute Stadt [Curzola] befindet,
- 25,009 Schritte [5 M.] entfernt. Bwifchen ihr und Illy⸗
ricum liegt Melita [Meleda], von welcher, wie Callimachus
angibt, die Melitäifhen Hündchen:**) ihren Namen haben ;
45,000 Schritte. [3 Mi] weiter ‚liegen die drei Elaphiten
[Hirfrinfeln, Giupana, di Mezzo und Kalamata]. Im
Joniſchen Meere. ift noch die 3.000 Schritte [s_M. ] don
Hricum [Ericho] entfernte, und als Aufenthalt der Seerduber
befannte Juſel Safonis [Safeno] zu bemerken.
e) Der Tert diefer Stelle Tiegt feht im Argen. Die lebers
fegung folgt Feiner Ementation ‚ fonbern ber Ledart der
beiten Handfchriften. " n ’
‚99 Eine Art Bologneſerhündchen, dic bei ben Damen des
‚ Alterthums beliebt waren.
—
Rbmiſche Proſaiker
in
neuen Ueberſetzungen. |
| Herausgegeben
von
8.895. Tafel, Profefor zu Tübingen,
EN. v. Oſiander, Profefor gu Stuttgart,
und G. Schwab, Pfarrer zu Gomaringen
bei Tübingen,
Hundertachtundfünfzigftes Bändchen.
Stuttgart,
Berlag der: 3.8. Meglerfchen Buchtandluns.
1840
!
Cajus Plinius Secundus
Naturgeſſcichte.
. ‚ Meberfest und erläutert
von IJ
Dr. Ph. H. Külb,
Stadtbibliothekar zu Mainz. —
Biertes Baändcen.
d u
Stuttgart,
Verlag der I. B. Meßz ler'ſchen Buchhandlung.
1 8.4 0. |
C. Plinius Secundus Naturgefchichte,
Biertes Buch
Ueber die Lage der Lander, ihre Bewohnen,
Meere, Städte, Häfen, Berge, Slüffe,
die Entfernungen der Orte von einander
und über die Völker, welche noch da ſind
oder ba waren.
» Ä Faha t.
Kap. I. Epirus. [II Ycarnanien, DI. Hetolien, IV. &o:
sis und Phocid. V. Der Peloponnes.] VI. Achaia. (VII. Mefs
fenien, VII. Saconien. IX. Argolis. X. Arkadien.] XI. Attika.
IXII. Bbotien. XII, Doris, XIV, Phthiotis), AV, Theſ⸗
fatien. XVI. Magneſia. XVII. Macedonien, ‘ XVII. Thra⸗
cin, [Das Negdifhe Meer). XIX. Die Infeln bei diefen Län-
dern, darunter: XX. Ereta. XXI, Eubba. XXI, Die Ep-
eladen. XXIH, Die Sporaden. XXIV. Der Selespont; ber
Maͤotis. XXV. Dacin; Sarmatien. XXVI Geythien.
XXVII. Die Ihfeln im Pontus. [Die Infeln im nördlichen
x
373°. €. Plinius Naturgeſchichte.
Dean). XXVIII. Germanien. XXIX, Die Infeln im Galli:
fhen Ozean, unter diefen: XXX. Britannien. XXXI Das
Belgiſche Sallien. XXXII. Das Eugbunenfifche Sallien. [XXXIL.
Das Aauitanifhe Gallien. XXXIV. Das bieffeitige Spanien,
vom Galliſchen Ozean an. XXXV. Eufitanin, XXXVI. Die
Inſeln im Atlantifhen Mer. AXXVI, Maßbeſtimmung bes
‚ganzen Europa. .
Geſammtzahl der Städte und Wölter ,. . +.
der berühmten Flüſſe...
der berühmten Berge,.....
der Infen .....
der verſchwundenen St dte und Volker ...
aller Gegenſtaͤnde, Gef ichten und Bemerkun⸗
gen.... *)
RömIPphel: M. Varro, Cato ber Cenſor, M. Agrippa,
der gottliche Augußus, Varro von Atace, Eorneliuq Nwos,
vwuuWoan-
Hpginus, 2, Vetus, Pomponius Mela, Licinius Mucianus, Fa⸗
bricius Tuscus, Ateius Capiio, Ateins ber Philolog.
Srembe: Polybius, Hecatäus, Hellanieus, Damaftes,
Eudoxus, Dikaͤarchus, Timoſthenes, Ephorus, Crates der Gram⸗
matiker, Serapion von Antiochia, Callimachus, Artemidorus,
Apollodorus, Agathacles, Eumachus, Timfaͤus aus Gisilien,
Myrſilug, Alexander der Polphiſtor, Thuchdides, Doſiades, Aua⸗
ximander, Philiſtides von Mallus, Dionyſius, Ariſtides, Callihes
mus, Menaͤchmus, Aaloſihenes, Anticlides, Heraclides, Phils⸗
mon, Aenophon, Pythegs, Iſidorxus, Philonides, Xmagoras,
Aſtynomuse, Staphylus, Metrodorus, Cleobulus, Poſidonius.
% Die Zahlen fehlen wieder in allen Handſchriften. ’
. ‚ - 6
Viertes Buch. 370,
Bemerkungen über bie in dieſem Bude
von Plinius Benüsten Quellen. ®
* Agathocles aus Babylon, ein Briehifher Schrift
ſteller, deſſen Lebenszeik fich nicht beftimmen läßt, und der
eine Gefchichte von Cyzicum gefchrieben haben foll (Athe-
naeus XII, p. 515). - Durch Plinius, der ihn nur im All
gemeinen in dem Berzeichniß feiner Quellen anführt, ers
fahren.wir auch nichts Genaueres über ihn,
Agloſthenes, ein Griechiſcher Hiffßriker, der
eine Geſchichte von Naxos ſchrieb, die nicht mehr vorhanden
ift, und felbft im Alterthum nicht fehr bekannt geweſen zu
ſeyn ſcheint. Ueber feine. Lebensverhältuiffe willen. wir
Nichts. Plinins verdankt ihm eine Bewertung (Kap. 22.
6. 3.) über die Iufel Delos. |
— Agrippa (M. Bipfanius).. Aus unferem Buche lernen
wir feine Beſtimmungen der Entfernung des. Iſter vom
Bosporus (Kapr 18. 9. 7.25 des Umfangs des ſchwarzen
Meeres (Kap: 24. $. 4. 5.); der Größe der Scythiſchen
Länder (Kap. 25. $. 5.)5 ber Länge der Halbinfel Dromos
Achilleos (Kap. 26, $.2.); der Größe von Sarmatien, Scy⸗
thien und Zaurien (Kap. 26. $. 1%); ber Ausdehnung von
Geumanien (Kap. 28. $. 1.) ; der Länge und Breite Britans
niens und Hiberniend (Rap. 30. $. 2.); der Größe Galliens
(Kap. 51. 5. 1.) und. Eufitäniens (Kap. 35. $. 7.) kennen.
\
2) Der Strich (—) vor einem Artitel zeigt an, daß von dem
Sqriftſteller ſchon bei einem ber früheren Bücher bie Rebe war,
Die Griechiſchen Autoren find mit einem Sternchen bezeichnet,
/
580 C. Plinine Naturgeſchichte.
— + Alexander von Kotyaum in Phrygien, ge⸗
wöhnlich Polyhiſtor genannt. Seine Geographie benützte
Plinius in dieſem Buche wahrſcheinlich an vielen Stellen,
die ſich aber, da eine nähere Bezeichnung fehlt, nicht nach⸗
weiſen laſſen.
»Anaximander von Mile. Ihm entlehnt
Plinins in dieſem Buche (Kap. 20. $. 1.) eine Bemerkung
über den Namen der‘ Infel Ereta. Anarimander entwarf
nad) Strabo dl, 17.) die erfte Erdkarte; ; vielleicht benügte
Plinius dieſelbe.
Anticlides, ein Griechiſcher Schriftſteller, über
deſſen Lebenszeit uns Nichts bekaunt iſt. Auch von ſeinen
Werken: Ueber die Heimkehr der Griechen (Fipi voorur.
Athen. XL p. 465) ; Über die Delifche Geſchichte (Andaxa.
“ Schol. Apoll. Rhod, I, 1207), wiffen wir kaum die Titet.
Aus feiner Delifchen Gefchichte nahm Plinius vielleicht die
Bemerkung (Kap. 22. $. a4.) über bie Inſel Rhene, eine
der Cyeladen.
Apollodorus von Artemita, ein Hiſtoriker und
Geograph, welcher kurz vor Strabo, der ihn häufig benützt,
lebte, von dem uns nichts weiter bekannt iſt, "ale daß
er eine Parthifche Geſchichte, ein Werk über die Infeln und
Städte und ein Verzeickuiß der Inſeln (v7auv xaraloyos),
welches’ vielleicht mit dem zweiten Werbe eines und baffelbe
if, und aus dem wahrſcheinlich Plinius bei der Beſchrei⸗
bung der Infeln Manches nahm, fchrieb. Keines derfelben
bat ſich erhalten,
* Ariftides von Milet, ein Griechiſcher Shhriftfteller,
befien Lebengzeit unbekannt if: Er ſchrieb eine Gizilifhe
\
>
Biertes Bud. | 581
und eine Perſiſche Geſchichte und noch andere Werke, unter
Denen die fihlüpfrigen Milefifchen Mährchen befonderd bes
rühmt waren, Keines derfelben ift auf unſere Zeit gekom⸗
men. Plinius entnimmet einem berfelben die Bemerkungen
über die früheren Namen der Infeln Eubda (Kap. 21. $. 5.)
aud Melos (Kap. 23. 6. 3.)
— + Ariftoteles. Minius entnimmt deſſen Schriften
in diefem Buche (Kap. 2. $. 1. 3. Kap. 23. 8. 5.) eis
nige unbedeutende Notizen über die Inſeln Tenus (vergl.
Siteph. Byz, de urb, s. v. Tnvos), Delos und Melos, die
aber in:den jebt unter dem Namen des Ariſtoteles vorhans
denen Werken nicht zu finden find. .
— *» Artemidborus von Epheſus. Aus feiner Geo:
graphie theilt Plinius in Diefem Buche die Beſtimmung des
Umfangs des ſchwarzen Meeres (Kap. 24. $. a.) unb der
Länge Europa's (Kap. 37. $. 1.) mit.
Aſtynomus, ein und nur durch Plinius, der ihn
in dieſem und in dem folgenden Buche benützte, und durch
Stephanus von Byzanz (s. v.. Kizgos) dem Namen nady
beBannter Schriftfteller. Wahrſcheinlich waren feine Werke
geographiſchen Inhalte.
— Atteins Eapito. Da Plinins dieſen berühmten
Rechtsgelehrten nur im Allgemeitien als eine feiner Quellen
nennt, fo läßt ſich nicht nachweiſen, bei welchen Gelegenheiten,
er ihn benügte.
Atteius Philologus, ein gelehrter Grammatiker,
welcher in: freundſchaftlichen Umgange mit C. Salluſtius
und Aſinius Pollio lebte, und mehrere grammatiſche Werke
ſchrieb, die nicht mehr vorhanden ſind. Die Bemerkungen,
J yo
3322 €. Plinius Naturgeſchichte.
welche ihm Plinins verdankt, Taffen ſich nicht näher bezeich⸗
nen, da er nur im Allgemeinen. ald Quelle angegeben iſt.
— Auguſtus. Bon ihm gilt bei.diefem Buche Daffelbe,
was fchon bei dem vorhergehenden bemerkt wurde.
* Saltidemns, ein uns mbekannter Griechiſcher
Schriftſteller, von weldyem Plinius die Bemerkung, (K. 21.
$. 3.) nahm, daß die Infel Eupda feäger Chafcis geheißen
babe. - .
— * Callimachu⸗ aus Eyrene. Aus feinen hiſtoriſch⸗
geographiſchen Schriften nimmt Plinius die Bemerkungen
über die verfchiedenen Namen der Inſeln Coreyra (RK. 19.
$ 4.), Andros (Kap. 22. 9. 1.), Telos, Melos (Kap. 23.
$. 5.) und Samothrace (Kap. 23. $. 9.)
— Eato (Marcus Porcius), der Eenſor. Er wurbe
‚in diefem Buche wahrſcheinlich häufig dendgf. Die einzelnen.
‚Stellen laſſen ſich jedoch, da Plinius ihn nie neunt, nicht
nachweiſen.
Cleobulus, ein unbekannter Sqriftſteller, ben
Plinius nur bei dem Verzeichniſſe der in dieſem Buche be⸗
nutzten Quellen anfünrt, Vielleicht waren feine Werke
geographiſchen Inhalts.
— Cornelius Nepos. In dem noch vorhandenen
Auszuge feines Werkes: De viris illustribus, findet ſich die
von ihm genommene Maßbeſtimmung des ſchwarzen Veeres
(Rap. 24. |. 4.) nicht.
Crates von Mallus in Eiieien, aewöhmuich der
Grammatiker genannt, ſtifſtete eine Schule in Perga⸗
mus, und erwarb ſich ein fo bedeutendes Anſehen, daß er
vom König Attalus als Geſandter nach Rom geſchickt wurde
*
Viertes Buch. 3883
(167 vor Eh), wo er zuerſt dem Studium der Griechiſchen
Literatur Eingang verſchaffte (Sueton. de illusir. grammät, 2}.
Keines feiner Werke ift auf unfere Zeit gefommen, oder nä⸗
her befannt; es "läßt ſich aiſo auch ‚nicht nadweifen, aub
weichem vderfelben Plinius die Bemerkung (Kap. 2o. $. 4.)
über Die verfchiedenen Benennungen der Inſel Ereta nahm.
° Damaftes von Gigeum, Schüler des Hellanicus und
Zeitgenoffe Herodots, fhrieb zwei Werke: ein Verzeichniß
der, Völker und Städte (dHyvar saraloyas xui nolewy), Und
eine Befchichte Griechenlands (zeoi rür iv "Ellads yerondsay),
deren Glaubwürdigkeit von dem fpäteren Beographen Gtrabo
nicht fehr gerühmt wird. Plinius benüste ihn in dieſem
Buche; es läßt fih aber nicht nachweiſen, an welchen
Stellen.
— * Dikäarchus von Meſſana. Plinius benüste
wohl die an Materialien reichen Werke dieſes Schriftſtellers
am meiſten in feiner Beſchreibung Griechenlands. Da er
ihn bei den ihm entlehnten Bemerkungen nirgends name
haft macht, fo ift eine nähere Nachweifung unmöglich.
° Dionpfius Da Plinius diefen Schriftfieller,, dem
es eine Bemerkung über den früheren Namen der Zufel
Eubda verdankt (Kap: 21. $. 3.), nicht näher bezeichnet, -
fo bleibt ungewiß, wen er meint, Vielleicht ift es Divny⸗
ſins von Byzanz (wenn man beffen nicht befannte Lebens⸗
zeit fo weit zurückſchieben darf), welcher eine nody-im ſechs⸗
zehnten Jahrhundert vorhandene Reife (dvamıovs) im Thra⸗
ziſchen Bosporus ſchrieb. Da in dem vorliegenden Bude
Die Geographie dieſer Beaend behandelt wird, fo darf man
‘
‘
sa ° €. Plinius Naturgeſchichte.
eher diefen Dionyſtus vermuthen, ald einen andern, welcher
Alexander den Großen auf feinen Feldzügen begleitete, und
fpäter unter Ptolemäus Philadelphus die gefehenen Merk»
würdigkeiten (Plin. VI, 42.) und vielleidht aud) die Aegyp⸗
tifchen Pyramiden (Bin. XXXVI 47.) beſchrieb. Bon dem
Geographen Dionyſius, deffen Periegeſis wir noch befiten,
Bann die Rede nicht feyn, da Diefer nach den neueften
Forſchungen früheſtens am Ende des dritten Jahrhunderts
lebte (Vgl. Geogr. gr. min. ed. Bernhardy. Lips. 1828.
8. Vol. I.'p. 497 513).-
° Dofiades, ein Griechiſcher Schriftſteller, deſſen Le⸗
benszeit und Vaterſtadt ſich nicht nachweiſen laſſen. Er
ſchrieb eine Geſchichte von Kreta (Athen. IV, p. 143: VI.
p. 264), aus welcher Plinins die Bemerkung (Kap. 20.
$. 1.) über die Abſtammung des Namens dieſer Inſel nahm.
* Ephorus aus Kumd, Schüler des Redners Iſo⸗
rated, war der erfte Griechiſche Hiſtoriker, welcher eine
Univerfalgefchichte, die in dreißig Büchern den Zeitraum vom
J. 14190 bis 340 vor Chr. umfaßte, und bei den Alten in
großem Anfehen fand, ſchrieb. Pfinius entnahm ihr einige
Bemerkungen über die Infeln Eubda (Kap. 21. $. 3.)
und Erythia (Rap. 36. 6. 2.). Die nody vorhandenen
Fragmente diefer Uniberfalgefchichte Hat Meier Marx (Karls⸗
ruhe 1815. 8.) gefammeelt.
— * Eudorus and Knidus. Plinius benügte ihn in
dieſem Buche, wie aus dem Verzeichniß der Quellen her⸗
vorgeht. Die einzelnen Stellen, an welchen Dieſes geſchah,
laſſen ſich nicht nachweiſen.
Biertes Bud. 885
Eumachus, ein von Plinins ohne weitere Be
merkung genannter Schriftfieller, über deſſen Lebenszeit wir
Nichts wiſſen. Ob es Derfelbe fey, welchem Phlegon (rer,
mirab, ce, 18,) eine Geographie .(megınynas) aufphreibt, oder
ein anderer Eumachus von Neapel, welchen Athenaus (XIII.
p. 577) als Berfafler einer Geſchichte Haunibals nennt,
läßt ſich nicht beſtimmen.
— Fabricius Tuscus. Auch in dieſem Buche läßt
uns Plinius über die Lebensumſtände und die Werke dieſes
undekannten Schriftſtellers im Ungewiſſen.
Hecataäus aus Milet, ein Hiſtoriker und Geograph
des ſechſsten Jahrhunderts vor Chr., legte die Reſultate
feiner Reifen in einer alle damals befannten Länder ums
faffenden Erdbefhhreibung (zegınynos y75) nieder, und wird
von deu fpäteren Schriftftellern, die ihn häufig benützen,
feiner einfachen und klaren Darftellnng wegen gerühmt. Die
wenigen auf unfere Zeit gefommenen Bragmente hat Ereuzer
Heidelb. 4806. 8.) und Klaufen (Berlin 4831) beransgeges
ben. Daß diefe Erdbeſchreibung auch die Nordländer ums
faßte,, beweist die von Plinius ihr entnommene Bemerkung
(Rap. 27. $. 4.) Über den nördlichen Ozean.
° Hellanicus and Mityiene, ein Briechifcher Hiſto⸗
rien, welcher 460 vor Ehr. blühte, fchrieb ein Wert über
die Entflehung der Stämme und Gtädte (urlauss iövav zas
sole), deſſen einzelne heile oft unter den Ramen der
darin behandelten Länder von .den alten Autoren angeführt
werden ; ferner ein Bud, Über die Benennungen der Völker
drin ivouaciu), Aus welcher diefer beiden Schriften
&, Yırniud Naturgeſch. 48. GBbchn. 2
v'
€
-
3365 €. Plinius Naturgefehichte.
Plinius die Bemerkung (Kap. 22. $. 4), daß die Sufl
Rhene, eing der Eycladen, auch Artemis genannt worden
fey, nahm,-läßt ſich nicht .beflimmen. Die auf ung gekom⸗
menen Fragmente des Hellanicus hat F. W. Sturz Leipz.
1787. Neue Aufl. 1826. 8.) geſammelt.
»Heraclides, ein Griechiſcher Schriftfteller, welchen
Plinius nicht näher bezeichnet, und von dem er nur eine
Bemerking (Kap. 23. $. 3.) Über Die Infel Melos nimmt.
Elemend von Ulerandrien (Protrept. p. 25) nennt uns einen
Heraklides ald Verfaffer einer Gefchichte von. Städtegrüns
dungen (zriass). Ob Diefer der von Plinius angeführte,
und ob er eine nud dieſelbe Perſon mit Heraklides von
Odeſſus, einem Schüler bes Ariſtoteles it, läßt ſich nicht
beſtimmen.
— * Homer. Piinius tä6t nicht leicht eine Belegen:
heit vorübergehen, ohne den Altvater der Dichter, deſſen
Grab er auf die Inſel Jos ſetzt Kap. 23. 5. 2.), als
Zeugen aufzurufen. In dieſem Buche nennt er ihn bei der
Beſchreibung von Phlius (Rap. 6. $. 2. Vgl. Il. II, 78.);
von Phthia und Hellas (Kap. 14. 5. 4. Vgl. II. II, 491.);
des Fluſſes Orcus (Kap. 15. $. 3. Vgl. Zt. II, 262.) nnd
der Infel Corfu (Kap. 19. 5 1. Vgl. Odyſſ. IV, 34. 55.
XUI, 460.) °
— Hyainus (E. Julius), Plinius nennt dieſen
Schriftftellee nur im Allgemeinen als eine feiner Quellen.
Die einzelnen Stellen, weiche er ihm entiehnte, laſſen ſich
nicht nachweiſen
— * Iſidorus von Eharar. Plinius nennt ihn ges
wöhnlich bei Maßbeſtimmumgen. In diefem Buche nahm
‘
® 3 v
Biertes Buch. Ä 387
er von ihm Bemerkungen über den Umfang des Peloponnes
(Kap. 5. 6.4.) und Britanniens (Kap. 50. 8. 1.), auch
über die Länge Europa's (Kap. 57. $. 4.).
— Licinius Mucianne Aus ihm hat Plinins die
Bellimmung des Umfangs der Infel Syros (Kap. 22. $. 4.)
und des ſchwarzen Meeres CKap. 24. $. 4.), fo wie bie
Widerlegung der Sage, daß Delos nie durch ein Erdbeben
gelitten babe (Kap. 22. $. 3.).
— Mela Domponins) aus Spanien. Plinius benägt
das noch vorhandene Werk dieſes vorzüglichiten der Römi⸗
ſchen Geographen faft in jedem Kapitel, hält es aber für
überfläffig , ihn fortwährend als feine-Quelle zu nennen.
Menaächmus ans Gicyon, ein Griechiſcher Bild⸗
hauer und Schriftſteller, deſſen Lebenszeit wir nicht kennen.
Er ſchrieb ein Bud, über die Künſtler (nepi reyvrär. Bol.
Athen. XIV. p. 655); über Zoreutit (Plin. XXXIV. 19);
eine Gefhichte von Sicyon in ſechs Büchern (Athen. III.
p. 274) und eine Geſchichte ber Thaten Alexanders (Suid,
‘3. V. Misasynos),. Plinius nahm and‘ einem. feiner Werke
die Bemerkung (Kap. 21. $. 3.), daß die Infel Eubda früs
ber Ybantias gebeißen habe.
— + Metrodorus Auch in diefem Buche benügte
Plinius die Werke diefes Schriftftellers, über deren Inhalt
wir im Dunkeln ſind.
Muſcianus. ©, Licinius Mucianus.
⸗Myrtil us oder Myrfilus von Lesbos. Plinius
nahm ans einem feiner Werke die Nachricht (Kap. 22. 5. 4.)
über die früheren Namen der Inſel Andros.
-
‘ -
388 €. Plinius Naturgeſchichte.
Nepos Cornelius. S. Cornelins Nepos.
⸗Philemon. Man kennt zwei Griechiſche Luſtſpiel⸗
dichter dieſes Namens: den älteren Philemon, einen Beit-
genoſſen und Nebenbuhler des Komikers Menander, und den
Sohn deſſelben. Keines ihrer Stücke iſt in der Urſprache
auf unſere Zeit gekommen. — Auch nennt die Literaturge⸗
ſchichte einen Grammatiker Philemon, deſſen Zeitalter ſich
nicht beſtimmen läßt. Bon welchem Vhilemon Plinius bie
Bemerkung (Kap. 27. $. a.) über das nördliche Meer hat,
if. ungewiß.
Philiſtides von Matlus | in Eilicien , von deſſen
Lebenszeit und Schriften wir nichte Näheres willen. Vielleicht
‚waren feine Werke geographifchen Jahalts. Denn Plinius,
der allein diefen Schriftſteller anführt, hat and ihm einige
Bemerkungen über die Infeln Creta (Kap. 20. S. 41.) und
Bades (Kap. 36. $. 2.) genommen.
ePhilonides. Es werden zwei medizinifche Schrift
ſteller dieſes Namens genannt: der eine von Dyrrachium;
der andere von Catina in Gizilien, über deren Lebensder⸗
hältniffe und Werte Nichts bekannt if. — Nah Harbonin
foll Plinius in dem Verzeichniß der Quellen zu Neem
Buche keinen dieſer Beiden, fondern den ebenfalls nicht
näher bekannten Luſt ſpieldichter Philonides von Alpen
meinen.
——Polpb ius von Megalopolis. Ans den nicht mehr volls
- Rändig vorhandenen Büchern feiner Befchichte find die Beſtim⸗
wungen der Entferrung des Thrazifchen Bosporus vom Gier
merifchen (Kap. 24. 5. a.); der Eröße der Fufel Gadir (K. 36:)
$. 4.) und der Länge Europa's (Kap. 57. 5. 1.) genommen.
. Diertes Buch. 389.
Pomponius Mela. 6. Mein
— » Poſidonius von Apamea. Außer ſeinem aſtro⸗
nomiſchen Buche über den Abſtand der Planeten von ein⸗
ander ſchrieb er ein großes Wert über Geſchichte (ioropia
zövy nera Iolον, „weiches wahrfheintih 52 Bücher ums
faßte, und bis zum %. 65 vor Chr. reichte. Der Berluft
deffeiben ift zu bedauern, da es ald zuverläßig angefehen
wurde, und wir keinen andern Hiſtoriker aus diefer Epoche
Baben. Plinius hätte fich Durch nähere Bezeichnung der
‘Stellen, welche er ihm entlehnte, unfern Dank verdient
Die nody vorhandenen Fragmente hat 3. Bake (Lugd,
Batav. 1810. 8.) gefammelt. \ |
— * Pytheas von Maſſtlia. Plinius betrachtet ihn
als eine Hauptquelle bei der Beſchreibung des Nordens
der Erde. So entnimmt er ihm in dieſem Buche einige
Bemerkungen über die Inſel Baltia (Kap. 27. 8. 5.) und
aber Britannien (Kap. 30. $. 7.).
* Serapionvon Antiohis. Auch in diefem Buche
benügte Plinius diefen und nicht näher bekannten Schrift⸗
fteller, ohne zu bemerken, was er von ihm nahm.
*Gilenus, ein Griechiſcher Hiſtotiker, deffen Lebende
- zeit unbekannt if. Er fchrieb eine ſehr genaue Geſchichte
Hannibal's (Cic. de.divin. I, 24. gl. Corn. Nep. Hanoib,
13. Livius 26, 49), aus weicher wahrscheinlich die Bemer⸗
tung über ‚die Inſel Erythia (Kap. 36. $. 2.) genommen iſt.
Staphylus, ein GSriechiſcher Arzt von Naukratis,
deſſen Zeitalter und Lebensverhältniſſe ung nicht näher ber
kaunt find. Geine von Plinius bei der Beſchreibung von
Griechenland. wohl leitie benuttan Werke über Arkadien
®
50 C. Plinius Naturgeſchichte.
(Sext, Empir, adv. Maib. I, 12.), über Theſſalien (Harpo-
‚cration s. v. Ilevdoras) und über die Pelasger (Schol. Apoll.
Rh, J, 580.) find nicht mehr vorhanden, .
— * Theopompus aus Chios. Plinius entnimmt ihm.
in diefem Buche eine kurze Notiz über den Berg Tomarus
Kap. % $. 2.), und führt ihn deßhalb in dem Quellenver⸗
zeichniffe nicht an.
*“ Thucybides. Er ift in dem Verzeihniß der Quellen
zu diefem Buche” genaunt, ohne, daß fi) in feinem Werke
eine Stelle findet, die ‚gerade ausfchließend ihm entlehnt
feyn müßte.
— * Timäus von Tauromenium in Sizilien. Aus
‚ feinem nicht mehr vorhandenen geographifchen Werte über
Griechenland und Ftalien nahm Plinius ‚die Bemerkungen
über die Bernfleininfeln (Kay. 27. $. 3.), über die Sinn
infel Mictid (Kap. 30. ©. 3.) und über die Inſeln Gades
und Erythia (Kap. 36. $. 2.).
*Timofthenes, Admiral der Flotte von Ptolemäus I.
Dhiladeiphus, benüste feine Stellung zur Ermeiterung der
Erdkunde, und foll zuerft die Windroſe in zwölf Winde
eingetheilt haben. Er verfaßte auch mehrere Werke: bon
der Ausmeffung der Erde (Zradıaonoi); über die Häfen
"(agb Arnbvor, vermuthlich ein und daſſelde Bud, mit den
von Agathemerus I, 2. angeführten ITepizio,)._ Keines der⸗
felben ift auf unfere Zeit gekommen. Plinius (höpfte wahr:
ſcheinlich Vieles aus ihnen, bezeichnet aber das Entiehnte
nicht genauer.
— Barro (M. Zerentind). Die Sqhtiſten bieſes ge⸗
ihriee Römers find eine Hauptquelle des Plinius. Auch
Viertes Buch. 391
in dieſem Buche benützte er fie häufig. Go entnahm er aus
ihnen die Beflimmungen der Größe des fchwarzen Meeres
(Kap. 241. $. 3.5.), der Entfernung der -Flüffe Minius und
Aeminius und des Promontorium faccum von den Pprenäen
(Kap. 35. $. 3. 4.); fo wie eine Bemerkung Über die Eeis
fen Prunfgewänter (Kap. 20.. 6. 6.).
— Barro (9. Terentins) von Atace. Es Täßt fih
nicht angeben, an weichen Stellen dieſes Buches er benützt
wird. Da überdieß Plinius nicht immer fagt, welchen Varro
er meint, fo kann Manches, was wir dem M. Barro zus
ſchrieben, von ihm gerommen feyn.
— Betus (Lucius), Wahrſcheinlich nahm von ihm
Minius einige Bemerkungen über. Germanien, die er nicht
näßer bezeichnet.
" * Zenagoras, ein Briedifcher Hiftoriter und Geo⸗
graph, defien Baterlaud und Lebensverhättniffe unbekannt
And. Er ſchrieb eine allgemeine Geſchichte (Chronik. Val.
Schol. Apoll, Rb. IV, 262) und ein Bud, über die Juſeln
(negi vjaws. Eiymol. magn., s. v. Zynsuu), Beide Werke
find nicht mehr vorhanden. Das zweite benüste wahrfchein«
lich Plinius.
— + Xenophon ven amyſaens. Ans den geograpfi«
fen Werten Diefes unr durch Plinius und Solinus (8. 19.)
dem Namen nad) bekannten Schriftftellers ift in diefem Buche
(Kap. 27. $. 5.) eine Bemerkung Über die Infel Baltia
Echweden 9» genommen.
Kap. I(ı) 4. Der, dritte Meerbufen Europa’s beginnt
an den Ücroceraunifchen Bergen [Monti ‚della Chimera],
No
592 C. Plinius Raturgefchicte.
endigt mit dem Hellespont [Meerenge der Dardauellen],
und. hat, neunzehn Heinere Buchten nicht mitgeredwmet, eine
Weite von 2.500,000 Schritten [500 M.]. An ihm liege:
. Epirus, Xcarnanien, Yetolien, Phocis, Locris, Achaia,
Meſſenien, Laconica, Argolis, Megaris, Attica, Böotien;
und dann an dem anderen [Yegäifhen] Meere wiederum
Phocis und Locris; dann Doris, Phthiotis, Xheffalien,
Magueſia, Macedonien und Thracien.*) Die ganze Gries
chiſche Fabelwelt, fo wie alle Herrlichkeit Der Wiſſenſchaft
ſtrahlten zuerft von dieſem Bufen aus, und wir wollen deß⸗
halb ein wenig bei ihm verweilen, |
2. Epirus, *%) im weiteflen Ginne des‘ Wortes, be
ginnt an ben Ucroceraunifchen Bergen. In ihm finden wir
zuerft die Chaoner, ***] von denen Ehaonia feinen Namen
hat; dann die Thesproter; 7) die Antigonenfer; ++) den
Platz Aornos [Aorna], mit feiner den Bögeln verberbene
bringenden Ausdünſtung; die Geftriner; +7) die Perrhäder
*), Die Enge und der Umfang biefer eander werden ſich unten
bei ihrer näheren Beſchreibung ergeben.
*s, Die Sandſchaks Janina und Delonia in ber Ausdehnung.
wie fie im dem Handbuch, der neuften Erdbefhreikung von
Gaſpari und Haſſel angegeben find.
) Sie bewohnten den ſchmalen Küftenfirih vom Vorgebirg
Chimera bis zur Meerenge, welche den nörblichen Theil der
Inſel Eorfu vom Feſtland trennt.
4),Gie reichten von ben Chaonern bis zum Meerbufen ven
Arte,
+D Im Sandſchar Avlona ſablich von Depedelen, der Geburts⸗
lade Ali Paſcha's.
TID Im Innern des. Sanbes am uörhtidgen Ufer ded Kalamat.
+
\
- Biertes Bud. 393
fim Kauton Sagori], in deren Gebiet ſich der Pindus
[Mezzovo] erhebt; die Gafflopäer Fam Agio Sarauta]; die
Dryoper; *) die Geller [Sulioten]; die Helloper [im Kanton
Saracovitzas]; die Moloſſer, **) in deren Lande der Tempel
Des Dodonäifhen Jupiter ſteht, welcher durch fein Orakel
berühmt if; * den Berg Zomarnd, wegen. der huudert
Quellen an feinem Buße, von Theopompus gepriefen.
3. Das. eigentliche Epirus, welches fih bie nach Mags
nefta und Mackdonien +) erfiredt, hat in feinem Rücken bie
oben ++) genannten Daffareter, ein freied Bolt; und dann .
das wilde Volk ter Darbanır; an der linken Geite [im
Dften] der Dardaner ziehen ſich die Triballer und die Mö«
ſiſchen Stämme hin; vorn fchließen ſich die Meder und
die Denfelater, +*) und an Diefe die Thracier, welche bis
zum Pontus [fhwarzen Meere] reihen, an. Bon diefen
Völkern find demnach die Höhen der Gebirge Rhodope
©») Auf der Eorfu gegenüber Fiegenden Kuͤfle.
er) Ihr Gebiet reichte vom nörblichen Ufer bed Sees von Ja⸗
nina bis vach Arte.
“, al, Pouqueville «Voyage en Grece, Par. 1820. T. TI.
p- 125) lag ber Tempel’ des Dobonätfcyen Jupiter bei Gar⸗
die am nördlichen Ende bed Gerd von Janina, und noch
jetzt heißt die Stelle ProsPynifie (Anbetung). Da der Tempel
am Fuße ded Berges Tomarus lag, fo Eönnte die jeut na⸗
menlofe Anhöhe bei Gardiki als biefer gelten.
+) Bon Masnefia, Macebonien und hracien iſt unten (Kap.
16 — 18) die Rebe.‘
B. UL Kay. 26. 5. 4.
h) Ueber die Dardaner, Triballer und Möfer ſ. B. III. K. 20.
19 Beide Volker wohnten weſtlich vom Bra Koran. - _
394 €, Plinius Naturgefchichte.
[Despotol und Hamus [Balkan] wie mit einem Walle
umgürtet.
. 4. An der Küfte: von @pirus auf dem Xeroceraunifchen
Gebirge liegt das“ Kaftell Ehimera [KRimara], und unter
ihm die Duelle des Königsbades. ) Berner find zu bes
merken: die Städte Mäandria und Ceſtria [Palaͤo⸗Kiſtes];
der Fluß Thyamis ſKalamas] in’ Thesprotia; die Colonie
Buthrotum [Betrinto] und ter überaus berühmte Ambra⸗
eifihe Bufen (Golf von Arta], welcher durch eihe 500 Schritte
[12 Minuten] breite Straße dad Meer aufnimmt, 39,000
Schritte [7° M.] lang und 15,008 Schritte [3 M.] breit
ift. **) Im ihn mündet der Acheron [Fanar], welder
56,000 Schritte [7% M.].weit aus dem See Achernſia
[Janina 7] Herfließe, *°% und durch eine 1000 Fuß [937'% rh.
Zuß] lange Brüde den Leuten, +) die Allee, was in
ihrem Bereiche it, bewundern, Gtoff zur Bewunderung
bietet. In dem Bufen ſelbſt liegt die Stade Ambracia
[Arta]._ Im Lande der Moloſſer findet man die Zlüffe
Aphas feurkha] und Arachthus [Arta], die Stadt Anac⸗
toria TH und den Ort, wo Pandofla ſtand. 744)
—* Dieſes noch im Mittelalter bekannte Bad iſt jetzt ver⸗
ſchwunden.
ee) Nach genaueren Meffungen beträgt bie Länge 7a, bie
- Breite 2a M.
“.. Bor, Bolfiändiged Handbuch ber neuſten CErbbefchreibung
von Basyari, Haffel u. ſ. w. Abthl. U. B. 4. (Weimar
1820, 8). ©. 682.
‚. D Plinius meint die Griechen,
+4) us feinen Trümmern entfland das Heutige Bunibfche,
+tr) Ruinen Hei Turko⸗Palaki.
[4
Biertes Buch. 395
11. 1. Die Städte Acarnaniens, *) welches früher En-
refis genannt wurde, find; Heraclia [Eutratil; Echinus
[Kotino Buni] und an der Mündung des Meerbuſens felbft
Auguſti's Colonie Actium, mit einem herrlichen Tempel.
Apollo's und der freien Stadt Nicopolid. **) Kommt man
aus dem Ambracifchen Bufen heraus in das Joniſche Meer,
fo befindet man ſich an der Zeucadifhen Küfte unb an dem
Borgebirge. Lentates [Cap Ducato). Dann folgen: der -
Leucadifhe Meerbüfen und bie SHalbinfel ***) Leucadia
[Sauta Maura] ſelbſt, welche früher Neritis hieß, und die
durch die Anftrengung der Bewohner vom feſten Lande los⸗
gelöst, durch die Windſtriche aber, weldhe eine Menge Sand
anhänfen, wieder damit verbunden wurde. Diefe Stelle
wird Dioryctos [Durchſtich] genannt, und ift drei Gtadien-
[1,758 Fuß] lang. 2. Auf der Hatbinfel liegt. die Stade
Lencas, +) font Neritum genannt. Die übrigen Gtädte
Acarnaniens find: Alyzea [Candili]; Gtratos ++) und Ars
906 [Bliha]; das Amphilochiſche zubenannt, Ferner ift
‚anzufüpren: der Fluß Achelous [Aspropotamo], welcher
2) Fruͤher Sandſchak Karli Ili, auch Woimobfchaft Zeros
meros genannt. Man hat jetzt den alten Namen Acarna⸗
nia wieder angenommen,
*) Die Ruinen von Nicopolid findet man bei Prevefa, die von
Actium auf dem Worgebirge Punta, Prevefa gegenÄber.
©“. Iſt jegt zur Inſel geworben.
DM nicht, wie gewöhnlid, angenommen wird, bad jetzige
Santa Maura, ſondern lag am Durchſtiche, wo man noch
zahlreiche Ruinen findet.
TH Schöne Ruinen bei dem Dorſe Lepenon.
—
*
306 C. Plinius Naturgeſchichte.
vom Pindus herſtrömt, Acarnanien von‘ Aetolien £vennt,
und durdy fortwährende Herbeiführung von Erde die. Infel
Artemita *) allmälig mit dem Feſtlande verbindet. |
II (a), 4. Aetoliſche Stämme ſind: die Athamaner ;
Zymphäer; Ephyrer ; Aenienſer; Perrhäber; Doloper ; Mas
racer und Atracer, **) aus deren Gebiet der in das Joni⸗
fhe Meer mündende Fluß Atrax herſtrömt. Aetoliens
Städte ſind: Ealpdon,.***) 7,500 Schritte [12 M.] vom
Meere, am Fluß Evenus [Bidaris]. Ferner Macynia +)
und Molycria, +7) in deſſen Rüden fid die Berge Chal⸗
eis [Efocovo] und Taphiaffus [Varaſova] erheben. 2. An
der Küfte, gerade am Eingang des Corinthiſchen Meerbufeng
[Solf von Lepanto), wo. diefer in einer Breite von etwas
weniger als 1000 Gchritten [4,688 F.] minbet, und die
Aetoler von dem Pelopornes trennt, ift das Vorgebirg Aus
tirrhium [Romeli Kavak]: das Borgebirg, welches ihm
gegenüber in das Meer heraustritt, heißt Rhion [Morab
Kavak]. Ig dem Eorinthiichen Meerbufen liegen die Yes
tolifhen „Städte: Naupactum [Ainabachti] und Pylene
*) Iſt jetzt mit bem feften Lande verbunden, .
*, Die Wohnfige dieſer Aetolifhen Stämme genau su bes
flimmen iſt jegt unmöglih, Auch ber Fluß. Atrar läßt
ſich nicht ermitteln. Denn ber Micro Tzygoto, den man
gewöhnlich dafür Hält, mündet nicht in das Joniſche Meer,
fondern in den Peneus (Salambria). Man Hat jeut ben
alten Namen Aetolia wieber hergefiellt.
*) Ruinen beim Dorfe Mauromati, nicht meit von Cortaga.
T) Am Abhange des Berges Varaſova.
IP) Lag wahrſcheinlich nahe weſtlich vom Schloffe von Lepanto.
Biertes Buch. 897
[Rufio Kaftro]; im Inneren des Landes Pleuron ) und
Halicyrna [Kavuro Limni]. Berühmte Berge find: der
Zomarus in Dobdone; **) der Erania [Gribovo] in Am:
bracia ; der Aracynthus [39908] in Acarnanien; der Acau⸗
thon [Dfiumarka]; Panätotinm [Kuduni] und Macyninum
[Rhigani] in Aetolien.
IV cm). 4. An die Aetoler grenzen bie eocrer, —
welche die Qzoliſchen ) zubeyaunt werden. Bu bemerken
find: die Stadt Oeanthe ſGalaxidi]; der Hafen des Phä⸗
ſtiſchen Apollo [Bai von Janaki]; der ECriffäifhe Meer:
bufen [Bai von Galona]; im Inneren des Landes die
Städte: Arayna, Eupalia, tr) Phäſtum 7174) nnd Calas
miſſus. Weiterhin in Phocis 1*) folgen: Die Girrhäifchen
* N
©) Die Ruinen zwifhen Miffolunghi und Anatolico, welche
jest ben Namen Ks tis Irinis (Schtoß ber Irene) führen.
., ©, oben Kay. I. %.
”°. Sie bewohnten ben Inte, Theil des Hmaligen Sand:
[hats Ainabachti und den weitlihen Strich bed ehmaligen
Sandſchaks Egribod. Das Land heißt jegt wieder Lokris.
4) Die ſtinkenden. Der Beiname wird ‘auf verfchledene Weiſe
erklärt. "©. Kruſe's Hellas B. II. Asthl. 2. ©. 155— 168.
++) Argyna, unbefannt. Ruinen von Eupalia beiim Kiofter
St. Jean am Fluffe Morno.
+rt) Lag etwas Ianbeinwärts von ber Bai Janaki. Ealamiſſus,
unbefannt,
Fey :Phochö-bildete ein Meines StüE des weſtlichen Theiles "des.
ehmatigen Sanbſchaks Egribos. Man Hat jagt für biefe
Briechiſche Provinz den alten Namen Phoeis wieder ange⸗
nommen. Die Eirrhäifhen Gefilde liegen unterhalb des
MParubeß ( khacura) uund des Eivphis (Bimeno).
598 C. Plinius Naturgeſchichte.
Gefilde; die Stadt Cirrha; *) der Hafen Chaläon ſAne⸗
mokampi]; 7000 Schritte [12. M.] weiter Iandeinwärts, am
Fuße des Berges Parnaffus [Liacura], die freie Stadt
-Delphi [Kaftri] „ durch das Orakel des Apollo in aller Welt
hochberühmt; die Kaftalifche Quelle; **) der Fluß Cephiſſus
[Mauropotamo], welcher an ber Stelle, wo ehmals die
Stadt Lilaͤa ***) ſtand, entſpringt und an Delphi vorüber⸗
fließt. 2. Außerdem find anzuführen: die Stadt Criſſa
[Kriſſo] und nebft den Bulenfern [beim Kiofter Dobo] Une
tichra [Aspro⸗Spiti]; Nautohum [Mgio Sideril; Phrrha;
das ſteuerfreie Amphiſſa— [Salona]; Tithrone [Mulchi];
Zeiten [Iurcohori]; Ambryſus [Diftomo].und das Drye
maäiſche Gebiet, Daulis [Daulia] genannt. Die Küfte gang -
am Ende des Meerbufens bildet ein Winter Böotiens +)
mit den Städten Siphä [Hafen Bathy] und Thebä [Hafen
Agiani], welches das Corſiſche zubenannt wird, nahe an
dem Helicon [Paläovuni]. Die dritte Stadt Böotiens von
dieſem Meere an ift Pagä [Dfato], vou wo aus der Nas
den des Peloponnes hervorfpringt.
V (m). 4. Der Peloponnes [Morea], früber Apia und
Pelasgia genannt, eine zwifchen zwei Meeren, dem Ae⸗
gäifchen und Joniſchen, liegende Halbinſel, welche keinem
*, Ruinen beim Dorfe Zero Pegadia.
**, Die nod) vorhandene Gaftalifhe Duelle bei dem Dorfe Ca⸗
firi dient jegt zum Reinigen ber Wäfche.
6%), Ruinen am nörblihen Fuß bed Parnaß zwifchen Sravie
und Dabi. -
7) Ungefähr die Mitte bes ehmaligen Sandſchars Egribos.
Heißt jetzt wieder Bbotia.
x
Viertes Buch.39
anderem Lande au Berühmtheit nachſteht, gleicht durch
ſeine winkeligen Einbiegungen einem Platanusblatte, und
bat nach der Angabe des Iſidorus einen Umfang von
563,000 Schritten [112% W.]. Mißt man aber das Innere
der Bufen, fo beträgt Diefer wohl beinahs Das Doppelte.
Die Landenge, womit er beginnt, beißt Iſthmos [dandenge
von Kordos]. Hier zernagen die von verſchiedenen Rich⸗
tungen her anftürmenden ſchon genannten Meere von Norden
and Often her feine ganze Breite, und durch ven gegenfeitigen
Andrang fo gewaltiger Gewäfler find feine beiden Geſtade
bis auf einen Smwifhenraum von 5000 Schritten [1 M.]
ausgefreſſen; fo daß Hellas [das eigentliche. Griechenland] -
den Peloponnes nur noch an einem fchmalen Halfe feithält.
‘
3. Der bieffeitige Meerbufen heißt der Gorinthifche; .der .
jenfeitige der Saroniſche [Soli von Engia]; dieſſeits iſt
Lecheã [Lecheo]; jenſeits Seüchreä ſKeukri], der Grenzpunkt
der Landenge. Schiffe, welche ihrer Größe wegen von
einem dieſer Orte zug andern nicht auf der Are gebracht
werden koͤnnen, müſſen einen weiten und unſicheren Umweg
nehmen; weßhalb auch der König Demetrius, der Dictator
Caſar, der Kaiſer Caius [Ealigula] und Domitius Nero
die Landenge mit einem ſchiffbaren Kanal zu vurchſtechen vers
fudyt haben : das Unternehmen brachte aber (wie das Ende
Aller bewies) *) nie Glück. 3. Mitten auf diefem Zwiſchen⸗
raum, welchen wir Iſthmos genannt haben, liegt, an einen
Hügel gelehnt, die Colonie Corinthus [Rordos], früher
Ephyra genannt, 60 Stadien [1 M.] von beiden Ufern
4
*) Gie fiarben naͤmlich Feines guten Todes.
30° + €. Plinius Naturgeſchichte.
entfernt, ) und gewährt von dem höcften Punkte feiner
Burg, welche Ucrocorinthus heißt, und auf der ‚die Auelle
Pirene entfpringt ,. die Ausſicht anf zwei verfchiedene Meere.
Die Ueberfahrt von Zeucas [auf der Inſel Santa Maura] -
bis zum Corinthiſchen Buſen nad) Paträ [Patras] beträgt
87,000 Schritte [172 M.]. Die Colonie Paträ ift auf dem
äußerften Vorgebirge des Peloponnes, Aetolien und dem
Fluſſe Evenus [Fidaris] gegenüber, erbaut, und liegt ges
rade am Eingange der Meerenge, die bier (wie ſchon gefagt
wurde) nicht ganz 1000 Schritte [Ys M.],-breit ift; Die
Länge des Corinthiſchen Meerbufens aber von bier bis zum
Iſthmos beträgt 85,000 Schritte [17 M.].
Nm. 4. Die erſte Provinz vom Iſthmos an führt
den Namen Achaia; *”) früher bieß fie Aegialos [Küftens
Sand], ‚weil ihre Städte in der Reihe an der Küfte hin
lagen. Anzuführen find: das ſchon erwähnte Ledheä; ‚ber
Hafen der Eorinther; dann Oluros [Ulogoca]; das Caſtell
der Pellenäer; die Städte Helice, Bura und bie Übrigen,
in welche ſich die Einwohner ber ebengenannten, nachdem
fle vom Meere verfchlungen waren, ***) Rüchteten, naͤmlich
Sicyon [Bafllico], Aegira [Paläo-Eaftrön], Aegion [Bor
-figa] und Erineos [Artotina]: im Inneren des Landes
Gheonä [Klenje) und Hyſiäã IBromo⸗Limni]; dann der Hafen
R
‚'®) Korinth iſt allerdings vom Solf von Lepanto 11 M. enut⸗
ſernt, vom "Golf von Engia aber 3 M.
.©9%, Der ‚nörblihe ‚Küftenfirih bed Sandſchaks Moͤrea. Des
. alte Name Achaia iſt jeut wieder hergeſtellt.
%, Durch ein fürdhterliches Erbbeben, 373 vor Ehe.
Viertes Bud. AOk
Panhormus [Teket]; das ſchon erwähnte Rhium, von weils -
chem Borgebirge das.oben angeführte Paträ 5000 Schritte
[1 M.] entfernt iſt ‚and die Stelle, wo Pherä *) fand;
der Gciveffk, der befanntefte unter ben neun Bergen
Achaia's; die Quelle Eymothek. 2. Jenſeits Paträ liegen
die Stadt Olenum; *") die Eolomie Dyme [Daldo-Eaftron];
die Stellen, wo Buprafium und Hyrmine ***) ſtanden;
das Borgebirg Araxum [Papas]; der Eyllenifche Meerbufen
[Golf von Clarenza]; das Vorgebirg Ehelonates [Eap Tors
nefe], von wo aus man nach CEhllene [Elarenza] 5000 Schritte
fi M.J bat; das Caſtell Phlins, +) deſſen Bezirk von Ho⸗
mer tr) Aräthyrea, fpäter Afopis genannt worde.: -
| 3. Weiterhin kommt das Gebiet dere Elier, HH welche
früher Epeer hießen. Elis [Lala} ſelbſt liegt im Inneren
des Landes, und 123,000 Schritte [2% Mi] von Pylos, 79
ebenfalts nach dem Inneren zu, der Tempel bes Olympiſchen
Jupiter, an weldien fi durd die Berühmtheit der bei ihm-
*) Ruinen · bei: den Dorſe Kato⸗Achaja.
“) £ag wahrſcheinlich nicht weit: von ber Mündung bes Ras
menttza.
se) —— — lag am Fluſſe Verga, Hormine nicht weit vom
Cap Clarentza.
+) Die Ruinen diefer Stabi will‘ Ponauedili⸗e fuͤnf Meiten
note von Korinth gefunden haben:
++) Sr. UI, 78, - £
+41 Die weſtuche Kaſte des Sanbfchate, Moren, jest wieder
Elis genannt.
79 Einige Ruinen nicht" weit von dem ;&ioen Tſchelebi; nach
Aundern heißt ber Ort jetzt noch Pilos.
: €, Plinius Naturgefch, 48 Wochn. 35°
102° C. Plinius Naturgefhichte.
ſtattſindenden Spiele die Griechiſche Zeitrechnung *) atı-
knüpft. Un dem dicht vorbeiſtrömenden Alpheus [Ryfo]
lag ſonſt die Stadt ber, Piſaer; **) an der Küſte aber iſt
das Vorgebirg Ichthys [Catacolo]. Der Fluß Alpheus
wird 6000 Schritte [1 M.] aufwärts bei den Staädten
Aulon [Avlon] und Leprion ***) ſchiffbar; weiterhin kommt
das Borgebirg Platanodes [Konello]. Alle diefe Orte lies
gen gegen Weiten hin.
VI. Nach Süden bin aber liegt der Eyypariſſiſche
Meerbuſen [Golfo d’Arcadia], mit der Stadt Eypariffe-
[Arcadia] und von einem Umfange von 72,000 Schritten
[142% M.]. Dann folgen die Städte: Pylos [AL:Navas
rino] nnd Methon® JModon]; der Ort Helos; das Wor⸗
gebirg Acritas [Cap Galld); der Aſlnäiſche Meerbufen
[Sof von Modon], welcher von der Stadt Aſine [Faratha]
und der Koronälfche IGolf von Koron], weicher von Eorone
[Koron] feinen Namen bat. Ihr Endpunkt ift das Borges.
birg Tänarum [Gap Gros). Alles Das gehört zu dem
Meſſeniſchen Gebiet, T) in dem man achtzehn Berge zählt.
Ferner find zu bemerken: der Fluß Pamifus [Pirnaßa];
im Inneren des Landes Meſſene TMauromathil felbft;-
e) ‚Die Rechnung nad Olympiaden nämlich,
7 Es iſt ſehr problematiſch, ob es je eine Stadt Pifa "gab.
Bol. Mannert Geogr. d. Gr. u. R. B. VIII. ©, 613. —
Ruinen von Ofympia finden ſich bei bem Dorfe Miraka.
”, Ruinen ſudlich vom Stabtchen Strobitza.
7) Meſſenia begriff. die Türkiſchen Diſtrikte Koron, Motun,
Avarin, Andoroſſa und Arkabia; jetzt iſt der alte Name
wieder hergeſtellt.
Biertes Buch. 508°
Ithome [Burkano]; Oechalia; Arene [Gareni]; "Yeleon;
Thryon ; Dorion; Bancle, alte zu verfchiedenen Seiten be⸗
rühmt. "Der Umfang dieſes Meerbuſens [von Koron] bes
trägt 80,000 Schritte [16 M.]; die Heberfahrt aber 50,000
Schritte [6 M.]. -
VIE Bon dem Vorgebirge Tänarnm an beginnt das
Gebiet der. Laconier, *) eines freien Bolkes und der Lacoı
niſche Meerbufen [Golfo di Kolokythia}, der einen Umfang
von 106,000. Schritten [21% M.] nnd eine Breite von
39,000 Schritten [7% M.] hat. Zu bemerken find:. die
Städte Tänarum [Kaino]; Amyclä [Selavochorion]; Pheraͤ
[Chidri]; Leuctra [Iſtechia]; und im gInneren Sparta [Pa⸗
leochori bei Milva]; Theramne, fo wie die Stellen, wo
Eardamyle, Pithane und Anthane flandenz der Ort Thy⸗
rea, Gerania; **) der Berg Tangetus [Pentebaktilil; ‚der
Fluß Eurotas [Bafllipotamo]; der Seoimpifte Meerbufen
[Porto Pulithra]; die Stadt Pſammathus [Porto delle.
Quaglie]; der Gytheiſche Bufen, von der Stadt Gytheum
[Kolochina] fo genannt, von mo- aus die ficherfte Ueberfahrt
nad) der Infel. Ereta ſCandia] if. Alle diefe Bufen liegen
hinter de Borgebirge Malea [Spathil.
IX. 4. Der nun folgende, bis zum Vorgebirge Scyl⸗
laum [Cap Skillo] reichende Meerbuſen beißt der Argoliſche
*, Der ehmalige € Santfar Minen ‚ jet wiehe Baconia ges
mnanut.
"#9, Therame, pithane, Anthane, Rhyren ‚und Gerania find
verſchwunden; Cardamyle wurde Tpäter wieber aufgebaut,
amd iſt rat noch ein berractuger Feaen. J
8 "
‘
.
x
4
494. C. Plinius Naturgeſchichte.
[GSoif von Nauplia]; feine Breite beträgt 50,000 Schritte
[10 M.], fein Umfang 162,000 Schritte [32% MI. Sm
bemerken find: die Stäͤdte Ba [Paleo Caſtron], Epidau⸗
rus, mit dem Beinamen: Limera [Paleo Malvafla], Zarax
[Porto⸗Kari] und der Hafen Enphanta [Stilo]; die Fluͤſſe
Inachus [Planißa], Eraſinus :[Kephalari] , zwifchen wel⸗
den, 2000 Schritte [!/; M.] oberhalb bes. Ortes Lerne
[Milos], Argos, mit. dem Beinamen Hippium [Argos],
“ Tiegt; 9000. Schritte [1% M.] weiter Mycenä- [Raria], die
Stelle, wo Tiryntha geftanden haben foll; *) der Ort Man«
tinea [Geribsja]; die Berge Artemins [Meganuni], Ape⸗
ſantus, Afterion, Parparus und moch eilf-andere 5 die
Duellen Niobe, Amymone und Pfamathe. 2. Vom Bor
gebirge Scylläum bis zum Iſthmus find 477,000 Schritte‘
[35% M.]. Hier find anzuführen: die Städte Hermione
[Kaftri], Trõzen [Terfibsje], Eorppbafium [Karvathi}, das
ſ[ſchon genannte] Argos, weldyes andy, bald das Inachiſche
und balb das Dipfiiche heißt; ) ber Hafen Gıhönitag
[Porto Eftremo}; der Saroniſche Meerbuſen [Golf von:
Egina], weicher -einft mit einem Sichenwalde umgeben war,
woher er aud) feinen Namen hat; denn fü Loapuris] nannte
das alte Griechenlaud die Eiche. In ihm liegen bie. GStadt
—
*) Trũmmer finden ſich bei dem Klofier Gt. Dimitri, nicht
weit von Nauplia.
**, Argos hieß das Inachiſche, von dem an ihm vor@benftießens
ben Inochus, der aber im Sommer. vertrocknet; da nun
die Stadt, ehe ihre vielen: Brunnen gegraben waren, im
der heißen Jabreſszeit an Waſſer Mangel litt, fo nannte
man fie die Dipfifche (duͤrſtende). |
n Biertes Buch. 405
Evpidaurus TPidavei] , berühmt dur) einen Tempel. bes
Mesculap;. dad Worgebivg Spiräum [&apo Brauco]; bie
Däfen. Anthedon und Bucephalus ; ) das oben **) bereits
erwähnte Gendyreä; die andere Seite des Iſthmus, mit
"einem Tempel Neptuns, der durdy alle fünf Fahre wieder:
Pehrende Spiele berühmt ift. 3. So viele Bufen zerreiffen
"Die Küfte des Peloponnes, fo viele Meere heulen fie an:
Denn son. Norden bricht das Joniſche herein, von Welten
"wird fle durch das Giciliſche gepeitfcht, von Efden wird fie
von dem Gretifchen bedrängt, fo wie von Nordoſten her von
Dem Wegkifhyen und von Güdoften her von dem Myrtoifchen,
welches an dem Megariſchen Buſen beginnt und ganz Attica
beſpuͤlt. **9)
X (m) 4. Das Binnenland des Peloponnes arhört
größtentheild zu dem affenthalben vom Meere entfernten.
Arcadia, +) welches. anfangs Drymodes [Waildiand], fpäter
aber Pelasgis hieß. Die Städte biefed Landes Ind: Pfophis
[Fakovo] , Mantinea [Goritsja], Stymphalum [Sarke],
9) Zwei Häfen der -Korinther: Anthedon (vieleiht Schreib:
fehler ftatt Athendon, wie ber Hafen bei Ptolemaͤus heißt)
nahe am Campo Franco, Bucephalus in ver Bai von
Kenkri.
”*) Ray. 5. $. 2.
“, Argolis, welches Piinins in dieſem Kapitel weſchreibt, be⸗
griff die Turkiſchen Kantone Archos und Anaboli, bat aber
jet feinen alten Namen wieber erhalten,
3) Asch dieſe Provinz, weiche die Türkiſchen Kantone Tripo⸗
Liga, Londar, Kartina und Firina uunfeßte, hat ‚seen alten
Namen wieder.
406 j €. Plinius Naturgeſchichte.
Tegea, Antigonea, *) Orchomenum [Katpati], Phenen m̃
IFonje], Palantium [Thana] ; von welcher [der Staditheil]
Palatium zu Rom feinen Namen bat; *) Megalopolis
[Sinano], Gortyna [Kartine], Bucolium [Trupiais], Ear:
nion, Parrhaſie [Birina], Thelpuſa [Telfuſa], Melänä
[Rhabli], Herda [Fri], Polä, Pallene, Agrä, Epium,
Cynatha [Kerpeni] , das ‚Arcadifche Lepreon, Parthenium,
Alea [Lavea] , Methydrium [Methaga], Enispe, Maciſtum,
: Rampe, Elitorium [Gardiki], Eleonä [Kienje]. Swifchen den
beiden legten Städten Liegt das Nemeifche Gebiet [Ehene um
Zriftena] , and) [von dem darin liegenden Flecken Bembina]
Bembinadia genannt. . Die Berge in Arcadien ind: ber
Pholos [Vodi] mit der gleihnamigen Stadt, der Epllene
[Chelmos], der Lncäus [Tetragi], auf welchem ber Tempel
des Lpeäifhen Jupiter, der Mänalus, der Artemiflus [Sym⸗
novuni], der Parthenius [Megavuni], der Lampens [Bembi],
der Nonacris [bei Naukria] uud außerdem noch acht andere
unbedeutende. Die Flüſſe find: der Ladon [Landona],, wels
cher aus den Sümpfen um Pheneus [Fonje], und der Exp
manthus [Azikol], weicher von dem gleichnamigen Berge
[Xiria] in den Alpheus ftrömt.
2. Die Übrigen noch anzuführenden Bemeinden in
Achaia find: Die Aliphiräer [Patlatia], die Abeater [3ar⸗
nata], die Pprgenfer [bei Dervifh Aga], bie Paroreater
*), Ruinen biefer beiden Städte bei Tripolitza.
**, Goanber fol nämlid von Palantium eine Arkabifche Kolonie
nad) Rom geführt, und den ermähnten Gtabttheil angelegt
> Haben, Livius I, 5. . .
Biertes Buch. 407
-[Beraria] , die Parageniter, die Tortuner, bie Topanter,
Die Tpriafler und die Tritienfer [Trite]. Domitius Nero
schenkte ganz Achaia die Freiheit, Die Breite bed Pelo⸗
ponnes beträgt von. dem Borgebirge Malen bis zur Stadt
Aegium amEorinthifhhen Meerbuſen 190,000 Schritte [28 M.J;
der Ouerdurchſchnitt aber von Elis bis nad) Epidaurus
125,000 Schritte. [25 M.] und von Olympia durch Arca⸗
dien nach Argos 68.000 Schritte [13% M,] Die Entfer
nung von diefem Orte bis nad) Phlius ift ſchon oben *) ans
gegeben. Die ganze Halbinfel aber erhebt fih, als wollte
die Natur für das allenthalben eindringende Wafler eine
Entſchädigung bieten, in ſechsundſiebenzis Bergen über das
Meer,
— XI (wm). 4. An der Landenge des Iſthmus beginnt
Heltas ſLivadien], von den Unfrigen Gräcia genanut; und
zwar kommt zuerft in ibm Attica, **) das vor alten Zeiten
Acte genannt wurde. Es berührt den Iſthmus mit demje⸗
nigen Theile, welcher von der Pagäã [Pfato] gegenüber lies
genden Colonie Megara [Megara] Megaris beißt. Diele
beiden Städte Liegen an den Endpunkten des Peloponnes
und von beiden Seiten her gleichfam auf den Schultern von
Hellas. Die Pagäer und eben fo die Aegoſthenienſer [St.
Bafllio] gehören zu den Megarenfern. Zu bemerken find
en der Küfte: der Hafen Schönus [Porto Cocoſi]; die
Städte Sidus [Rasfidi], Eremmpon [Rene], die Geires
*) Kap. 6.
*0) Attica fanimt Megarid gehörten während ber Zarriſchen
Herrſchaſt zum Sanbfchat Esrivoe, haben aber jent ihre
alten Namen wieder.
I)
N
ı
408 C. Plinius Raturgeſchichte.
niſchen Zelſen [Derveni Bouno], welche 6000 Schritt⸗
[1 'k M.] lang find, Geranea [Porto Germano], Megara
und Eleuſin [Leffins]. Hier ſtauden and) Denoa [bei Des
noe] und Probalinthos [bei Baflleopyrgos]. 2. In einer
Eutfernung von 55,000 Schritten [11 M.] vom Iſthmus
kommen jest bie Häfen: Piräus [Porto Dracone] und
Phalera [Phanari], weiche durdy cine 5000 Schritte [1 M.]
fange Mauer mit dem weiter Iandeinwärts liegenden Athen
verbunden find. Dies ift «ine freie Stadt und wohl keines
weiteren Lobes beduͤrftig: fo fehr überſtrahlt ihr Ruhm
Alles. In Attica find die Ouellen: Cephiſia [Quelle des
Sluffes Mauronero] , Larine, Eallirrhos Cnneacrunos [Kal-
firoi] ; die Berge: Brileflus [Turcovouni], Uegialeus [Sca⸗
ramagna], Icarius,*) Hymettus [Zrello Bonno], Lyca⸗
bettus; der Ort Iliſos; »e) das Vorgebirg Sunium [Es
lonna], welches vom Piräus 45,000 Echritte [9 M.] ent⸗
ferut iſt; das Borgebirg Thpricos [Mandri] ; die früheren
Städte ***) Potamos [Port Raphti], Steria [Siteri] und
Brauron [Branna];-der Flecken Rhamnus [Tauro Caſtro];
der Ort Marathon [Marathona]; die Thriaſiſche Ebene
[jwifchen Athen und @lenfis]; die Stadt Melita und Oro,
pus [Rope} an der Grenze Böotiens. +) ‘
*, Der weftliche Theil ded Scaramagna.
20) Soll vielleicht heißen: Fluß Jliſſus.
oee Plinius will wohl ſagen, daß dieſe früheren Städte ober
Feſtungen (oppida) zu ſeiner Zeit unbedentende Orte ober
- völlig verfhwunden‘ waren. -
+ Begreift nach der neuen Eintheilung bed Konigreichs Gries
chenlands bie Diftrikte Theben und Livabia im Kreife Attica
and Bbotien in fich,
+‘
Viertes Buch. 409
XN. 4. In diefem Lande [Böotien] liegen: Anthedon
Teudytfil, Oncheſtos, *) die freie Stadt Thespiä, ») Ler
badea [Fivadia]'nnd das an Ruhm Athen nicht nachitehende
Theba [Thiva], welches den Beinamen „das Böotifche“
führt, und (mie man vorgibt) die Baterſtadt zweier Götter,
des Liber und des Hercules, iſt. Auch der Mufen Geburts⸗
flätte will man in dem Haine des, Helicon [Palaͤoduni]
finden. Zu Thebä gehören auch der Forſt Eithäron [Elatea]
and der Fluß Ismenus. ***) Außerdem find in Böotien die
Duelfen Dedipodia, Pſamathe, Dirce, Epicrans, Arethufa,
Sippocrene, Aganippe und Gargaphie; +) und außer den
ebengenannten Bergen [Helicon und Cithäron] nody der
Mycaleffus ſKleptito Buno], der Hadylius and der Acon⸗
tins. +4) 2. Die Übrigen Gtädte zwiſchen Megara und
Thebaä find: Eleutherä ſContura], Haliartus, HH Pla:
ad, +°) Dherä, 19) Aspiedon, +79%*), Hyle, *+) Thisbe
2) Wenige Ruinen am See von Zopoglia (Copais).
, 9°) Ruinen bei Rimocafirp. .
so.) Gin Fleined durch Thiva fließendes Waſſer, das jept keinen
Namen hat,
+) Die neueren Namen aller diefer Quellen (wenn fie beren
haben) find unbefannt. Die Duelle Aganippe fol jet
Talatz heißen ;, Hippocrene ift bei dem Orte Tatatzi zu- fü:
hen ; Dirce ift die Quelle bed Fluffed Kanabari.
+4) Diefe beiden Berge haben jept Feine Namen; Ber Hadylius
erhebt fidy bei Talanta, ber Acontius bei Sceipn.
444) Ruinen bei dem Dorfe Maci.
4%) Bedeutende Ruinen bei dem Dorfe Kokla.
+9) War keine Stadt, fondern ein Dorf bei: Kanagra (Skimitari).
1”) Eine Fleine Ruine diefes Ortes bei Scrien (Orchomenus).
*H Ruinen bei Senjena, nicht weit von Kartige,
m
40° €. Plinius Roturgefchichte.
[&acofi], Erptbrä, ) Gliffas, *) Eopä, **) Larpmma
[farnes] und Anchoa [PutzomadiJ am Biuffe Cephiſſus
[Manronero], Medeon, ****, Phlygone, +) Acraephia
[Kartisa], Coronea [Korunied), Ebäronea [Capourua].
Unterhalb: Iheba’s an der Küfte ++) liegen Ocalee, Heleon
I[Ela], Scolos [Sialeſi), Schönes, t+H Peteon, Hi) |
Hyrie, +) Mycaleſſus, +7) Hileſion, Pteleon, Olyros,
Zanagra [Gkimitari], eine freie Gemeinde, und an der
Meerenge des Euripus [Egribo], welde die gegenüberlie-
gende Infel Eubba [Egribo] bildet, felbft Aulis, feines ges
ränmigen Dafend wegen berühmt. +°**) Die Böotier nannte
"man vor alten Zeiten Hyanten.
3. Dann kommen die Locrer, welche den Beinamen
„bie Epicnemidifchen“ führen, +?*°°) und früher Leleger ger
*) babe in ber Gegend bes jegigen Dorfes Platana gelegen
aben.
”*) Wenige Ruinen am Fuße des Berges Kieptito Bouni
"(Hypaton.)
“+, Ruinen bei dem Dorfe Topoglias.
eeoe) Ruinen (Palaͤocaſtro genannt) zwiſchen Stiri und Abs
proßpiti,
+) Ruinen nahe bei Dabdi.
++) Et alle von Plinius genannten, Städte negen an ber
14) Sag, wahrſcheinlich am See Hyliea, der jetzt eicharis heißt.
+49 Wenige Ruinen auf dem Wege von Thiva nach Luchefi.
+*) Lag zwiſchen Scimiteri und dem Kanal von Egribos.
+*°) Ruinen, eine Stunde von Egribos,
+”**) Diefer Hafen heißt jest Bathy. Bon Aulis if Feine Spur
jet zu finden.
70) Weil fie am Berge Enemis (Talanta) wohnten.
'
x
Diertes Bud. 414
nannt wurden; durch ihr Gebiet ſtrömt der Cephiſus in das
Meer. Städte find: Opus ſTalanta], von welchem der
Opuntiſche Meerbufen [Golf von Zalanta 7] feinen Namen
bat, und .Eynos. *) An der Küfte von Phocis Tiegt das
einzige Dapbuns.*) Im Juneren des Locrifchen Landes
findet man Elatea [Levta]; an dem Ufer bes Eephifus (wie
wir fchon fagten) ***) Liläa, und gegen Delphi hin Ene-
mis ""*) und Hyampolis [Bogdana]. Dann folgen wies
der an der Locrifhen Küſte Larymna +) und Thronium
FEpilikous], bei dem der Fluß Boagrius +H in das Meer
fällt; ferner die-Städte Narycion, +} Alope +H+F) uud
Gcarphia. +”) Weiterhin folgt der Maliäifche Meerbufen
[Golf Isdin], weldher von den Anwohnern [den Malieern]
feinen Namen hat. In ihm liegen die Städte Halchone,
Econia und Phalara. +**)
- KU. Dann kommt Doris mit den Städten Sperchivs, +***)
Pr Ruinen bei dem Dorfe Livanitis, eine Stunde von Talanta.
**, Wenige Ruinen bei Neochorio, vier Stunden nördlich)
von Livanitis,
°.*) Kay. 4.5. 2.
"24, Lag ungefähr eine halbe Stunbe von Neodyorio,
+) Das untere Larymna nämlih. Ruinen bei Pugomabi.
+) Der Boagrius ift jet ein namenlofer Bach.
+r}) Ruinen bei Tornitza.
4444) Ruinen, zwei Stunden nördlich von Livanitis.
+*) Ruinen, etiva zwei Stunden weftlih vom Boagrius.
u) Ruinen, zwei Stunden von Zeitun. Die Lage ber beiden
andern Städte ift nicht bekannt.
em In yye Gedend des heutigen Kamara. Die Lage von
Pindus und Eytinum iſt bie jegt noch nicht andgemittelt.
442 C. Plinius Naturgeſchichte.
Erineon [Erinei]), Boion [Bralo],- Pindus und Cytinuum.
Im Rüden von Doris iſt der Berg Deka ſKumayta)].
XIV. 4, Nun folgt Aemonia, weiches häufig feinen
Namen ‚wechfelte, und zwar ſtets nach feinen Königenz; es
hieß nad) der Weihe das Pelasgifche Argos, Hellas, Theſ⸗
‚falia und Dryopis. Hier wurde. andy der König Grä-
eus, von welhem Gräcia [Briedhenland] feinen Namen
hat; hier Hellen, nad weldem ſich die Hellenen nentien,
geboren. Homer *) nennt diefe Letzteren mit drei verfchie-
denen Namen, nämlich, Myrmidonen, Hellenen und Adder.
2. Diejenigen von ihnen, welcde an der Grenze von Doris
wohnen, beißen Phthioter. _Ihre Städte. find: Echinus
[Sfino] ; an der Mündung des Sperchius [Ellada], De
saclea, **) 4000 Schritte J[ M.] von dem Engpaffe Thers
mopylä [Bocca di lupo], von deifen Beſchaffenheit es den
Namen Trachin ***) führt. Hier ift auch der Berg Eallis
dromus. +) Als berühmte Städte werden ‚ferner genannt:
Hellas, Dalos, Lamia [3eituͤn], Phthia, Arne. m
*, Il. U, 191, -
”*) Ruinen am Aſopo, nicht weit von- feiner Mündung im
den Hellaba.
++) Von zpayis, rauh, unwegfam,
+) Gin Theil des Deta (Kumayta), ber jetzt keinen beſon⸗
deren Namen hat.
++) Locris, Doris und Phthiotis waren die Taͤrkiſchen Dis
ſtrikte Talanti, Lidoriki, Malandrino und Reituni, Bilden
aber ſeit der neuen Eintheilung des Kbonigreichs unter
ihren alten Namen Bezirke des Kreide voe vis aub
Photis.
Viertes Bud). 415
AV (rm). 4. In Theſſalien 9) Tiegen: Orchomenus
[Scripu) , das früher Minyens hieß; die Stadt Almen,
von Yndern Galmon genannt; Atrax [Sarko); Pelinne
[Balatlen]; die Quelle Hyperia; die Städte: Pherä [Vel⸗
fin] , hinter welcher fidy der Pieris ») nah Macebonien:
dinzieht, Lariſſa [Ienifhehr), Gomphi [Klinove], das
‚Tpeffalifche Thebä; e ) der Wald Pteleon ; der Pagafifche
Meerbuſen [Golf von Bolo), die Stadt Pagafä [Solo], die
fpäter, Demetrias genannt wurde, Zricca [Tricafa]; die
Pharſaliſchen Geflide mit der freien Stadt Pharfalus
[Tſchataſdſcha], Erannen; Iletia. Die Berge in Phihiotis
find: der Nymphäus, einft berühmt durch feine von der
Natur felbft geſchaffenen Gärten, ber Buzygäus, der
Dimacefa, ber Bermius, der Daphiffe, der Chimerion,
. der Athamas und der Stephane. 2. Fu Theffalien erheben
ſich vierundbreißig Berge. Die bedentendften berfelben find:
der Esreeti, +) der Olympus [Lada], ber Pieris, der
Oſſa [Riffero], dieſem gegenüber der Pindus [Mezzovo]
und Othrys [Belousi)., die Sitze der Lapithen. Diefe
Berge ziehen nach Welten hin, nad Often bin aber liegt
der Pelios [Petras]; alle zufammen bilden einen theaters -
ähnlidyen Halbkreis, und fließen in denfelben fünfundſiebenzig
Städte. als varterre ein. Sn bemerken lud: in oralen
®) Dan Gandfihar Tirhala wunfaßt beinahe das ganze alte
., Gin etenaf des Lacha, ‚welcher ſich bi6 an den Golf von
Volo herabzieht.
oer Ruinen drei Stunden ſdweſtlich von Volo.
Ein Nebenzweig des Mögen.
44 C. Plinius Raturgefchichte.
ferner die Flüſſe: Apidanus [&pideno], Phönix, Enipens
[Blachoianni] Ouochonus [Reiani], Pamifus; die Quelle
Meſſeis; der See Böbeld [Carlas] und der vor allen be⸗
rühmte Peneus [Salambria], welcher bei Gomphi entipringt,
zwifhen dem Oſſa und dem Olympus ein waldiged Thal
500 Stadien [12% M.] weit durdyfließt und von der Hälfte
dieſer Strede an fhiffbar wird. 3. Ein Theil diefes Fluß⸗
gebidtes von 35000 Schritten [1 M.] Länge und anderthalb.
Jucharten Breite, anf deſſen rechten und linken Seite fidy
in fanfter Abdachung die Berge weiter, als das menfchliche
Auge reicht, erheben, heißt Tempe [Bogazo?]. Unten gleitet
der Peneus durch einen fchattigen Hain, über ihn grün
färbenden Kiefel, anmnthig durch den an feinen Ufern wis.
chernden Rafen und belebt durdy den harmonifchen Geſang
der Vögel. Er nimmt den Fluß Orcos auf, vereinigt ſich
aber nicht mit ihm, fondern ftößt ihn, nachdem er ihn. eine
kurze Strede (wie Homer *) fagt) gleich auf ihm ſchwimmen⸗
den Del getragen hat, wieder von ſich, und verfhmäht es,
das höllifche, von Verwünfchungen erzeugte Waſſer **) mit
feinen Silberwellen zu vermifhhen.
XV (ix). An Theffalien hängt Magnella, ) in dem
fi) die Duelle Libethra +) befindet. Anzuführen find die
Städte: Jolcus [Goritza), Hormenium [Milias], Pyrrha
[Koratai Worand]. + Methone (Neochori], Dlizon lKortos
\
\
. SL u, 262.
.., Weil aamũch die Götter bei'm Orcos zu fchwören rueoten.
5) Der heutige Difriet Zagora im Sandſchak Tirhala.
+) Eine jet namenlofe Duelle Hei Goriva.
Biertes Buch. Te
dei Argalafti], das Borgebirge Sepias [Giorgio], die Staͤdte
Caſthanãa [bei Tzankarada], Sphalathra ſ(Hagia Eutimia],
das Vorgebirg Aeantium ſMonaſtir], die Städte Melibsa
[dei Mintzeles], Rhizus [bei Pell:Dendra], Erymna [bei Co⸗
nomio], die Mündung des Peneus, die Städte Homolion,
Orthe, Theſpiä, Phalanna [Baba], Zhanmacie [Taimak],
Gyrton [Kirfali], Erannon [Erania], Acharne, Dotion, Mes
litäg und Phylace. — Die ganze Länge aber von Epirus,
Achaia, Attica und Thefſalia foll 480,000 Schritte [96 M.].
die Breite 287,000 Schritte [57/5 M.] betragen.
xVH (x) 1. Es folgt nun Macebonien*) mit hundert
und fünfzig Stämmen, font Emathia genannt, berühmt
durch zwei Könige **) nnd feine frühere Weltherrſchaft. Es
zieht ſich hinter Maqueſia und Theffalien nach Weſten bis
zu den epirotifchen Völkern hin, und wird häufig von den
Dasdanern angefeindet. Seinen nörblihen Theil ſchützen
Päonia und Pelagonia gegen die Tribafler. *%) Sm bemers
ten find Die Städte Aege [Mogiena?], wo nad alter Sitte
die Könige begraben wurden, Berda [Karaveria], Aeginium
[Yinovo] in der Gegend,. weiche von dem gleichnamigen Walde
Pieria genannt wird, Heraclea an der Küfte, der Fluß Api⸗
las [Sphetili], bie Städte pydna [Kitros], Aloros P, der
2) Die Sandſchaks Koſtendil, Uskub, Salonir, Tirhala und
Galiboli umfaſſen Theile des alten Macedoniens.
). Philipp und Alexander.
oe) Bon ben epirotifchen Boͤlkern war zu Anfang dieſes Buches,
und von ben Triballern im vorhergehenden Buche Kap. 29:
die Rebe.
+) Lag in ber Segent: von Libauova.
416 C. Plinius Naturgeſchichte.
Fluß Aliaemon [JIndſche⸗Kar«ſu]; im Innern die Aloriter,
die Balläer, die Phpllacäer, die Cyrrheſter [Käftrauisa] und
die Tyriſſäer; die Eolonie Pella [Palafiga], die Stadt Stobi
[Iſtib 2} mit römifhem Bürgerrecht, nicht viel weiter Antis
gonea [Nigoshemo], Europus [Köprili} am Fluſſe Arius
- [Bardar] und eine andere Stadt deffeiden Namens [Orhife
far], durch welche der Rhödias*) fließt, Eordeä [Bilorina],
Scydra [Sidero:KRapfa?), Mieza, Gordyniä; weiterhin an der
Küſte Ichnä, der Fluß Axius [Bardarl. Diefen Grenzſtrich
Maceboniens berühren die Dardauer, Trerer und Pierer,
2. Bon diefem Fluſſe [Bardar:] an wohnen Väonifdhe
Stämme: die Paroräer, die Eordenfer, die Almopier,
die Pelagoner und die Mygdoner. Hier erheben fich. die
Berge. Rhodope [Despoto], Scopins und Drbeius [Argen«
taro]. Weber die davor liegende Ebene, welde den Mittel-
punkt des Landes bildet, verbreiten fid) Die Arethufler, die
Antiochienfer,, die Fdomenenfer ſKumli⸗Kisi], die Doberer
Auvrethiſſar], die Wefträenfer [Tikweſch], die Allantenfer,
die Audariftenfer, die Moryller, die Barescer [Gradiska 77,
die Lynceſter, die Othrhoneer und die freien Umantiner
[Avoſtma] und Oreſter, die Bullidenfifche und die Dienfifche
Kotonie [Poklin und Platamona], die Xylopoliter, Die freiem:
Scotuffäer, Heraclea Sintica [Rasluk)], die Tpmphäer und
Die Zoronäer.
5. An der Küfte des macedoniſchen Meerbufens [Golf
von Salonik) findet man bie Stadt Chalaſtra, weiter laund⸗
einwärts Phileros „Lete [Litta] und mitten in der innerſten
u) Der neuere Name if unbefannt,
[4
Biertes Bud. MT
inbengung der Küfte Theffalenica ſSalonik] mit freier Ber⸗
faffung. Die Entfernung von Dyrrachium bis zu dieſer
Stadt beträgt 114,000 [214,000] Schritte [22% M.].”) Ber
zer find zu bemerken Therme am thermäifchen **) Meerbufen,
die Städte Dicda, Pydna, Derrha, Scione, das Vorgebirg
Sonafträum [Plajur], die Städte Pallene, Phlegra. Im
Diefer Gegend find auch Die Berge Hypſizorus, Epitus, Hals
eyone und Leoomne; die Städte Nyſſos, Phinelon, Mendä;
anf dem Pallenenfifhen Iſthmus [(Calandro] die Eolonie
Caſſandria, melde früher Potidän hieß; Anthemus, Olophy⸗
106, der mecybernäifche Meerbufen [Golf Kaffandra]. 4. Un
ihm find zu bemerken die Städte Physcella, Ampelos, To⸗
zone [Zoron], Singos; die Meerenge, durch welche der Per⸗
jerfönig Rerxes den Berg Athos [Ajoſoros] vom feften Lande
abſchnitt, ***) und deren Länge 1500 Schritte [7,031 Fuß)]
beträgt. Der Berg ftredt fid) von dee Ebene gegen 75.000-
Säritte [15 M.] in das Meer hinaus, und der Umfang
feines Fußes beträgt 150,000 Schritte [50 M.]. Auf feinem
Gipfel lag fonft die Stadt Acrotyon; jest findet man bafelbft
Uranopolis, Paläotrium, Thyſſas, Cleonä, Apollonia [Pol⸗
lina] 7), deſſen Einwohner den Beinamen Macrobier [Lang⸗
lebende] führen. 5. Weiterhin folgen die Stadt Caſſera
[Kareis], der Meerbufen auf der anderen Seite bes Iſthmus
[Golf Kontela], Acanthus, Stagira [Stavro], Sithone,
*) Die wirkliche Outfernung beträgt 40%, M.
**, Der thermäifche Meerbufen if mit dem macebonifchan einer
und berfelbe. .
70), Diefer Canal it längft wieder verfchättet.
D Apollonia Iag am Hals des Athos,
€, Plinius Naturgeſch. 48 Bochn. 4
a ER
48 E. Plinins Naturgeſchichte.
Heracien und bie daran grenzende Landſchaft Mygdonia, in
welcher, vom Meere entfernt, Apollonia Beſchik] und Ares
thufa liegen. An der Küfte kommen nun wieder Poſidium
und der Lrgmonifche] Meerbnſen [Golf Orfauo] mit der
Stadt Eermorum, die freie Stadt Amphipolis [Embolil, der
Volksſtamm der Bifalter umd endlich der. Fluß Strymon
[Struma], welcher auf dem Hämus [Balkan] entfpringt und
Die Grenze Maredoniens bildet. Zu bemerken ift, daß er
ſich erft in fieben Seen ergießt, bevor fein Lauf eine bes
ſtinmte Richtung nimmt. *)
6. Dies ift das Macedonien, welches fich einft der Welt⸗
herrſchaft bemächtigt hatte, welches Aſſen, Armenien, Zberien,
Albanien, Sappadocien, Syrien, Aegypten durchzog, den Tau
zus und Cauecaſus überflieg, das die Backrer, Meder und
Derfer beherrfchte und das ganze Morgeniand befaß, welches
Indien beflegte und auf den Zußtapfen des Vaters Liber
und des Hercules wandelte; dies ift daſſelbe Macedonien,
von defien Städten unfer Beldherr Paulus Wemilius zwei
und fiebenzig an einem Tage plünderte und verkaufte, Eine
fo große Verfchiedenheit des Schickſals fand in der Mache
zweier Menfchen! **)
XVIII (an. 4. Es folgt nun Thracien, ***). deffen Bes
*, Vielleicht: in Cercinem lacum, priusquam dirigat cursum
[in mare], oder p. finiat cursum (daß er fi) in ben Eer⸗
cinefee ergießt, ehe er in das Meer ausſtrömt). Vergl. Pom⸗
ponius Mela 2, 2, 9.
”*, Des großen Alexander nämlich und des Aemilius Paulus,
. Die zum Gjalet Rumill gehörenden Saubſchaks Wiſa,
-Kirkkiliſſa, Siliſtria, Sofia, Tſchirmen, Koſtendil und Gali⸗
boli find Theile des. alten Ihraziens,
[4
Biertes Bud. u 419
wohner zu den tapferſten Nationen Europa's gehören, und
weiches: in fünfzig Strategien [Militarbezirke] getheilt iſt.
Ben feinen Bölferflämmen, die zu nennen allenfalls der
Mühe lohnt, bewohnen das rechte Ufer des Strymon bie
Denfeleter und Meder”) bis zu den obengenannten Bifaltern
Yin, das linte Ufer die Digerer und viele Unterabtheilungen
der Beffer**) bis zum Fluſſe Neftus ſKaraſu], welcher um
den Fuß des Berges Pangaͤus [Despoto Dagh] herum durch
das Gebiet dev Elether, Diobeſſer, Carbileſer und dann der
Bryſer, Sapäer und Odomanter ſtrömt. Bei dem Volks⸗
ſtamme der Odbryſer entſpringt der Hebrus [Mariga] »),
an weichem die Cabhleten, +) die Pyrogerer, bie. Drugerer,
die Eänieer, die Hppfalter, die Bener [um Benli], die Cor⸗
pifler, ++) die Bottiäer, bie Edoner wohnen. 2. In dem-
‚ felben Landftriche findet man die Selleter, +++) die Prianter,
die Doloncer, die Thyner, die Edlefer, und zwar den älteren
Stamm am Hämus [Balkan], den jüngeren am Rhobope
[Deipoto]. Zwiſchen beiden firömt der Fluß Hebrus [Mas
ritza]; ihre Stadt liegt am Fuße des Rhodope; fle hieß früher
Poneropolis, dann von ihrem Erbauer Philippopolis, und jest
führt fie wegen ihrer Lage.den Namen Zrimontinm. *}) Die
*) Mel. Rap. 1. $. 3. Kap. 17.
+, Im Sandſchar Sophia, —* in der Gegend von
Philippopel.
+) Die Marika” ‚entfpringt auf dem Nilloberg des: Balkan,
2) Die Cabyleter und Gänicer. wohnten im Sandichak Wife.
+) Im Sandfhät Gatliboli, fo wie auch bie Eboner.
HH In der Gegend der Stabt Zagora. |
+) Die Stadt heißt jeut Filibe. oneropolis bies fie, weil
von ihrem Erbauer, dem König Philipp vor Dacebonien, |
420° . €. Plinins Naturgeſchichte.
Söhe des Hämus beläuft fid) auf 6000 Schritte [28,125 Fuß].
Seine entgegengefebte [nördliche], fich nach dem Iſter [Donau]
abdadyende Seite bewohnen die Möfler *), die Geten, bie
Aorſer,“*) die Gauder und Elarier. Hinter diefen haben
die arräifhen Sarmater, welche auch Areater heißen, und
die Schthen, an den Küften des Pontus aber die Morifener
und Githonier, die Stammeltern des Dichters Orphens, ihre
Sitze. **0)
3. Die Grenzen. Thraciens find alfo gegen Norden der
After, gegen Dften der Pontus [das ſchwarze Meer] und die
Dropontis [Mar di Marmora] und gegen Süden das ägäifche
Meer [Archipel], an deffen Küfte vom Strymon an Apollo⸗
nia, Defyma, Neapolis [Kavala] und Datos liegen. Ferner
find zu bemerken im Innern des Landes die Eolonie Phi⸗
lippi, 7) 325,000 Schritte [65 M.] von Dyrrachium entfernt;
Scotuſa, Topiris, die Mündung des Fluſſes Neftus, der
Berg Pangäus, tr) Heraclen [Rasluk], Olynthos [Agio
Mama ?], die freie Stadt Abdera,+tr+) der Gee*r) und das
Volk der Biftoner. Hier war auch bie Stabt Tirida, bes
Merdrecher (zovngos) ald Koloniften in fie geführt wurden;
Trimontium wurde fie genaunt, weil fie auf brei Bergen lag.
*) Bgl. B. 38 29.5.1
ow) Bon ben Geten und, Horfern wird weiter unten (Kap. 25.
$. 1.) die Mebe ſeyn.
#40) Die Sarmaten, Seythen und bie andern bier genannten
Mölter verbreiteten fich über bie Moldau und Walachei.
+) Ruinen, Philibe genannt, fühlid von Dirama.
+r) Führt noch feinen alten, Namen.
++) Nuinen bei dem Marktflecken SenibfipesRarafu am Karaſu.
*æ Burun, v bei dem gleichnamigen Orte.
Diertes Bud. 44
rücdhtigt durdy die Dferdeftälle des Divmedes;*); jebt lies
gen in diefer Gegend Dicka [Buryn], Ismaron [Ismahan],
der Ort Parthenion, Phaleſina und Maronea [Marögna],
das früher Ortaguren hieß. A. Daranf folgen der Berg
Gerrtum [Cop Matri] und Zone; dann der Ort Doriscns,
weicher gerade 40,000 Menſchen faßt, weßhalb ihn Zerres zur
Zählung feines Heeres benübte;**) die Mündung des Hebrus,
der Hafen Gtentor’s [Meerbufen Boris KRorfufi], die freie
Stadt Aenos [Ends], mit den Srabmale Bes Polydorns ;***)
das Gebiet, welches fonft den Ciconern gehörte. Bon Do:
riscus bis Macron Tichos [lange Mauer] hat die Küfte eine
Einbiegung von 122,000 Schritten [245 M.); in Diefer Ge⸗
gend mündet der Fluß Melas [Beresfi], von welchem der
Meerbufen [Golf von Garos] feinen Namen hat. Hier find
die Städte Cypſella [Fpfala 2]. Biſanthe [Rodoſto] und der
Dre Mäcron Tichos [Magar] genannt, weil eine zwifchen
den beiden Meeren von der Propontis bis zum Meerbufen
Melas gezogene Mauer den in das Meer hinauslaufenden
Cherſones abfperrt.
5. Wir kommen nın an die andere Seite Thraciens,
welche an der Küfte des Pontus, wo der Fluß Iſter mündet,
beginnt und wo die fchönften Städte anzutreffen find, als:
Iſtropolis [Kara Kermanl, von den Mileflern erbaut, Tomi
[Mankale] und Calatis [Schablefer], welches früher Acer⸗
5) Diefer thraziſche Fürft ließ bie bei ihm einfprechenden Frem⸗
den feinen Pferden ald Futter vorwerfen.
‚9% Zerses füllte 170mal diefn Ort; fen Heer war alfo
1,700,000 Manu ſtark. Herodot. VIE, 59.
) Eines Sohnes des trojaniſchen Königed Priamus.
%
P} - =>
. 422 C. Plinius Naturgeſchichte.
vetis hieß. Hier lagen ehmals auch Heraclea und Bizone,
welches bei einem Erdbeben unterging; nun findet man da⸗
ſelbſt Dionyſopolis [Galdſchik], weiches früher Crunos hieß:
ed wird vom Fluſſe Ziras bewäſſert. 6. Dieſen ganzen Laub:
ftrich bewohnten einft die Schthen, welde den Beinamen
Nroterer führten. Ihre Städte waren Aphrodiflas, Libiftos
[Oliben], Sigere, Borcobe [Taksfar-gköl], Eumenia [Go⸗
jemlik], Parthenopolis IJHadsji⸗Oglu-Bazardsjik]) und Gera:
nia [Karaagatfcı}, wo das Volk der Pygmäer gewohnt haben
fol. Die Barbaren nennen fie Gattuzer und glauben , baß
fie von Kranichen vertrieben worden feien, An der Küfte
findet man von Dionyfopolis an Ddeffus [Barna], von den
Mitefiern angelegt, den Fink Panyſus [Barna], die Stadt
Tetranaulohus [&minch], den Berg Hämus, welder ſich
hier mit feinem ungeheuren Rüden [Eap Emineh] in den
Pontus hinausichnt, und auf deffen Gipfel fonft die Stadt
Ariftäum lag; jetzt liegen an ber Küfte Meſembria [Miffivria]
| ri [Ahioli) an der Stelle, wo früher Meffa ftand.
7. In dem Bezirk’ Aftice lag fonft die Stadt Anthium; jebt
findet man dafelbft Apoflonia [Sizepoli]. Weiterhin kommen
die Flüffe Paniffa, Rira ſKamczik], Tearus [Deara-Derel,
Orofines; die Städte Thynias [Inada), Halmpdeffos [Mibje),
Develton [Bagora], welches nun die Veteranencolonie Deultum
heißt, mit einem See; Phinopolis [Inimahale], wo der Bosporus _
[&anat von Eonftantinopel] beginnt. Won dem Ausfluffe det
ter bis zur Mündung des Pontus rechnet man gewöhnlich
555,000 Schritte (1111 M.]; Agrippa fügte noch 60,000 Schritte
[12 M.] hinzu. Von. bier bis zur oben erwähnten [langen]
Viertes ih. 435
Mauer find 150,000 Schritte [30 M.], und von biefer bis
zur Spitze des Cherfones 426,000 Schritte [25% M.].
8 Gm Bosporus folgen 'nun der Meerbufen Coſthenes
[Bujufdere), der Hafen der Greife [Stenia] uud ein anderer,
weldyer der Weiberhafen IBalta Liman] heißt, das Borges
dirg Chryſoceras, anf weichem die freie Stadt Byzantium,
[Sonflantinopei], die früher Lygos bieß, Liegt. Gie if von
Dyrrachium 711,000 Schritte [142'/; M.] entfernt: fo groß
ift alſo die Länge der Länder zwifchen dem adriatifchen Meer
und der Propontis. 9. Anzuführen find die Flüſſe Bathy⸗
nias und Ppdaras oder. Athyras; die Städte Gelymbria
(Seivria], Perinthus [&rekti], welches durch eine 200 Fuß
breite Zaudenge mit dem Eontinent zufammenhängt; im In-
neren Bizya [Bifa], die Burg der thracifchen Könige, wegen
der abfcheulihen Schandthat des Tereus*) von den Gchwals
ben gemieden; das cAnifche Gebiet; die Eofonie Flaviopolis
an der Stelle einer früheren Stadt, welche Sela hieß, und
50,000 Schritte Fio M.] von Bizya die Eolonie Apros [Ar
Yan], welche 188,000: Schritte [57° M.] von Bhilippi ent⸗
fernt if. Au der Küfte findet man den Fluß Erginus. Hier
lag fonft die Stadt Ganos *5); auch Lyſimachia [&femil]
-auf dem Eherfones wird immer menfdenleerer. ***)
10. Hier finden wir einen anderen Iſthmus, von gleicher
*), Bol. Ovids Metamorphofen VI, 401-676. Die. Schwals
ben meiden wahrfcheinlich diefe Gegend, weil fie fehr dem
Nordwinde ausgeſetzt iſt.
) Ein Städtchen dieſes Namens findet man jetzt noch daſelbſt.
, ‚Seiner Entfernung von ber Heerſtraße und überhaupt feiner
auch dem Kandel nicht günftigen Lage wegen,
⸗
424 E. Plinius Naturgeſchichte.
Laͤnge, ‚gleichem Namen und gleicher Breite [wie der corin⸗
thiſche]; auch ſchmücken auf eine nicht unähnliche Weiſe [wie
Lecheä und Cenchreä)] zwei Städte die beiderfeitigen Geſtade,
Dactye nämlicd an der Propontis und Cardia am Meerbufen
Melas. Das letztere hatte feinen Namen von der Geſtalt
„Des Ortes befommen*). ‚Beide wurden fpäter mit bem
5000 Schritte [1 M.] von der langen Mauer erbauten Lyſi⸗
machia verfhhmolzen. Der Cherfoues hatte früher auf der
Seite der Propontis noch die Städte Tiriftafis, **) Crithote |
und Eiffa am Fluſſe Yegos;***) jest bat er nur nod das
22,000: Schritte [as M.] von der Colonie Apros entfernte
Refiftos, der Eolonie Parium [Kemares) gerade gegenüber.
44. Auch der Hellespont [Straße ber Dardanellen], der,
wie wir ſchon gefagt haben, +) Europa, von Aſien fcheibet
und fieben Stadien [21 Minuten] breit. ift, hat vier einander
gegenüberliegende Städte, in Europa Gallipolis [Gatibeli]
nud Seſtos [Jalova], in Alten Lampſakus [Lapfat] und Aby⸗
dos [Nagara]. Weiterhin kommen: das Vorgebirg des Eher
fones Maftufla [Kap Greco), dem Vorgebirg Sigenm [Ie
‚nifchehr] gegenüber ,. auf deſſen ſchräger Vorderſeite das
Eynofiema ++) (wie man das Grabmal der Hecuba nennt),
ein Stapelplatz der Achäer, der Thurm und bie Kapelle dei
* Bon vapdia, Herz.
20) Roch jetzt iſt ein Ort dieſes Namens vorbanden.
o⁊ Aegos potamos, Geisſluß.
983 AI. Kap. 92.
+D Kurös anna, Hundemahl, weil Hecuba, die Gemahlin bed
Priamus, narh ihrem Tob In eine Hlnbin verwandelt wor⸗
den feyn fol,
'
Biertes Bud. 414286
Proteſtlaus amd anf der äußerfien Gpipe des Cherſones,
welche Aeolium heißt, die Stadt Eläus.*H Wendet man fidy
dann nad dem Meerbufen Melas, fo findet man die Häfen
Lilo [Kilidbahr] und Panhormus, und das ſchon oben ge:
nannte Gardia. 12. Somit endigt der dritte Bufen @uro:
906. Außer den ſchon angeführten Bergen Thraciens find
noch anzuführen der Edonns, der Bigemoros, der Meritus,
der Melamphyllos, fo wie die in den Hebrus fallenden Flüſſe
Bargus und Suemus [Ufumeza). Die Länge Macedonieng,
Thraciens und des Hellesponts ift oben **", angegeben worden.
Andere beflimmen fie zu 720,000 Schritten [144 M]. Die
Breite beträgt 284,000 Schritte [56° M.]. un
13. Dem ägäiſchen Meere gab ein zwifchen Tenos [Tino]
und Chios [Skiv] mitten aus dem Meere jäh auftauchender
Belfen (denn Infel kann man nicht fagen), weldyer von feiner
einer Ziege ähnlichen Geſtalt Aex +) (wie man im Gries
chiſchen die Ziege nennt) heißt, feinen Namen. Die Schiffer,
weldye von Adyata nach Andrus [Andro] fegeln, haben ihn
auf der rechten Seite, und betrachten ihn als gefährlich und -
unheilbringend. Ein Theil des aͤgäiſchen Meeres heißt auch
das myrtoiſche; ed hat diefen Namen von einer Beinen In⸗
fel, 14) welche man auf der Reife von Geräftum [Karyſto]
* 8 „rang zuerſt von ben Griechen ans Land. . Homer Il. U
”.) Sans nahe dftlih von dem neuen Darbanelienfhloß Sebb:
bahr finder man einige Ruinen dieſer Stadt.
”r 6,8, wo er' die Entfernung Byzantiums von Dyrrachium
beſtimmt.
+) AU. Der Felſen ſoll jetzt Calviero heißen.
7) Man weiß nicht, welche Inſel hier gemeint if.
|
426 C. Plinius Naturgeſchichte.
nach Macedonien nicht weit von Caryſtus [Eaftell Roſfo] auf
Bubda zn Geflcht befommt. 14. Die Nömer haben für alle
dieſe Theile des Meeres nur zwei Name: fie neunm es
das macedonifche, fo weit es Macedonien oder Thracien bes
rührt, und das griechifche, fo weit es Griechenland beſpült.
Die Griechen theilen auch das jonifche Meer nach den in ihm
liegenden Inſeln in das ficilifche und cretifche, das zwiſchen
Samos [Sufam-Adafi] und Myconus [Myconi] nennen fie
das icarifche ; die Übrigen Namen find von den Meerbuſen,
die wir ſchon angeführt haben, entlehnt. Eine ſolche Bes
ſchaffenheit hat es mit den Meeren und Völkern in dem
dritten Buſen Europa’s.
XIX (m, 1. Es folgen nun die Infeln, und zwar zuerſt
Theſprotien gegenüber, 12,000 Schritte [9% M.] von Bu⸗
throtum und 50,000 Schritte [10 M.) von den Aerocerauni⸗
fhen Bergen, Coreyra [Eorfü] mit-der ‚gleichnamigen Stadt,
welche eine freie Verfaffung hat, mit der Stadt Eaffiope
[Eaffopo] und einem Tempel des Jupiter Caſſius. Sie ift
97,080 Schritte [19% M.] lang, und heißt bei Homer *)
Scheria und Phäacie, bei Callimachus auch Drepane Um
fie liegen nod, einige Iufeln, und zwar nach Italien hin
Thoronos [Fano], nach Leucadia hin zwei, weiche Pard
[Paru und Antipaxu] heißen, und 5000 Schritte [ı M.] von
Eorcyra entfernt find. 2. Nicht weit von biefen; por Cor:
chra , kommen Ericafa, Marathe, Elaphuſa, Maithace, Hy:
thionia, Ptychia ſScoglio di Bido], Tarachie **%) und bei Eors
Obpſſ. IV, 34, 35. XIU, 160 und a. a. ©.
") Ale biefe "Sufeln find nackte. Klippen, meiſt ohne Ramen.
Wiertes Bud. . 427
eyra 6 Borpebirg Phalaernm [Sidari] die Klppe, in welche
die Sage das Schiff des Ulyſſes, wegen ihrer Aehnlichkeit
mit einem ſolchen, verwandelt hat, fo wie Sybota [SG. Ni⸗
050} vote [dem Cap] Lencimne [Lehino]. Zwiſchen Leucadia
und Achaia liegen fehr viele Infeln, von welchen die vor
Leucadia, namlich Taphias [Meganifi], Dxrid [Eurfolari] und
Drinsäffa,*) die Teleboiden, uud aud, nad) ihren Bewohnern
[den Taphiern], die taphifchen, die vor Metolien aber, näm⸗
lich Aegialia, Cotonis, Thyatira, Geoaris, Dionyſia, Eyrnus,
Chalcis, Pinara und Myſtus, *") die Echinaden heißen.
3. Bor dieſen auf dem hohen Meere findet man Cepha⸗
lenia [&efalonia], Zacynthus [Bante], beide frei, Ithaca
[Thiati], Dulicium,**’) Same, 1) Crocylea [Ealamota].
Bon Paros ift Eephalenia, die früher auch Meläna hieß,
41,009 Schritte [2 M.] entfernt; ihre Umfang beträgt
434,000 Schritte [8% M.]. Obſchon [ihre Hauptſtadt] Same
[&Samo] von den Römern zerflört wurde [189 vor Shr.],
fo dat fie doch jegt noch drei Städte. awiſchen ihr und
8) Ebenfalls einer ber nackten Felſen, welche keine beſondere
Namen haben und zu ben Eutſolari gehören.
“, Gent Falconata, Makry, Elaro Nifi, Prafona, Pondico
Niſi und vier ungenannte:, Wie ſich die einzelnen neueren
Namen zu ben alten verhalten, iſt wohl nicht mehr aus⸗
zumitteln.
22) Iſt jetzt zwiſchen Trigardon ‚und Miſſolungi mit dem nen
Lande vereinigt. ©, Krufes Hellas, BD. II. Abthl.
. 6 461.
H So nennt Homer Odyſſ. IV. 671. 845) die Inſel Cepha⸗
lenia und Plinius irrt ſich Hier wahrſcheinlich, wenn er
Same als beſondere Jaſel anfest,
628 C. Plinius Naturgefchichte.
Achaia liegt Zachnthus, ſonſt Hprie genannt, mit einer herr:
lichen Stadt [gleihen Namens] und von ausgezeichneter
Sruchtbarkeit; von dem füdlichen Theile Eephalenia’s iſt fie
25,000 Schritte [5 M.] entfernt, und ihr Umfang beträgt
36,000 Schritte [75 M.]; merkwärdig ift auf ihre der Barg
Elatus [Scopo]. A. Bon ihr ift Ithaca 45,000 Schritte
[3 M.] entfernt; auf diefer, beren ganzer Umfang 25,000
Schritte 5 M.] beträgt, ift der Berg Neritus [NReriton].
Bon ihr bie zu dem Vorgebirg Ararum [Papas] auf dem
Deloponnes find 412,000 Schritte [2% M.]. Bor ihr liegen
auf dem hohen Meere Ufteris”"), und Brote [Dascaklia];
35,000 Schritte [7 M.] vor Zacynthus in ſudöſtlicher Nice
‚ tung die beiden Strophaden [Gtrivali], von Andern Piotä
genannt; vor Gephalenia Letoia [Guardiani]; vor Pyloe
drei, welche Sphagid [&fagia] und vor Meflene eben fo viele,
welche Denuffae [Sapienza, Santa Maria und Cabrera]
beißen.
5. Ja dem Aſinäiſchen Bufen [Golf von Moden] liegen die
drei Thyriden [Benetico und Bormiche], im Laconifchen Tega⸗
nufa [Servi], Eothon**) und Eythera [Eerigo], mit einer Stadt
gleichen Namens. Diefe Infel, weldye früher Porphyritz hieß,
ift durch eine 5000 Schritte [1 M.] breite Straße, in welder
wegen einiger engen Stellen die Fahrt gefährlich werden kant,
vom VBorgebirg Malen getrennt. In dem argoliſchen Meerbu⸗
fen liegen. Pityufa [Balconera), Seine [Kavuro] und Ephyre
») Son, bie bie jegige Halbinſel Eriſſo ſeyn. aruſe, a. a. O
H Nicht weit von Cerigo; jetzt namenlos.
-
Biertes Bud. 4239
ſOppſili]j; dem hermioniſchen Gebiet gegenüber Tiparenus
ISpezia], Aperopia FDofo], Eolonis [Spezia Pulo] und
Ariſtera [Hydron]; dem trözenifchen Gebiete gegenüber in
einer Entfernung von 500 Schritten [12 Minuten] Calau⸗
ria [Xoro], ferner Plateis, Belbina, Laſia und Baucidias;”)
Epidanrus gegenüber. Cecryphalos [Kerates], Pithyonefos
EAludhiflri], 6000 Schritte [is M.] vom felten Land ent-
fernt, und 17,000 Schritte [3”;; M.] von dieſer Aegina [Ens
gia] mit freier Berfoffung Die Fahrt längs ihrer Küfte
beträgt 20,000 Schritte [4 M.]; vom atheniſchen Hafen Pi:
räens ift fie 20,000 Schritte entfernt, und ihr früherer Name
war Denone. 6. Vor dem Vorgebirg Gpiräum [Capo Frans
9} liegen Eleufa, Dendros, die beiden Eraugiä, die beiden
Caͤciã, Selachuſa, Eenchreis und Afpis;**) im megarifchen
Meerbufen die vier Methuriden [Revituza]. Aegila [Eeri-
gotto] endlich ift 15,000. Schritte [3 M.] von Eythera und
25,000 Schritte [5 M.] von der Stadt Phalaſarna auf Ereta
entfernt. '
XX. 4. Die Inſel Greta [Kandia] felbft, welche mit der
einen Küfte gegen Süden und mit ber andern gegen Norden
bin liegt, hat ihre größte Ausdehnung von Oſten nady We:
fen, und ift berühmt durch den Ruf ifrer hundert Gfäbdte.
Foren Namen bat fie nad) Doflades von der Nymphe Erete,
nach Auarimander von der Tochter der Heſperis, nad) Phi⸗
liſtides aus Mallos von. dem Könige der Eureten; rates
*) Dre derſelben heißen jest Moni Jorench, Kophinidia und
rbore,
”*, Die um Cap Franco liegenden Inſeln heißen jetzt Pſili,
Hevraͤo, Plato, Penteniſa, Sractera und Lavura.
430 - €. Plinius Naturgeſchichte.
ſagt, fie. habe zuerſt Asria und dann ſpater Curetis geheißen;
Einige glauben, ſte ſei wegen der Milde ihres Klima's auch
Macaron?) genaunt worden. 2. Ihre Breite Aberfleigt nir⸗
gends, fogar in der Mitte nicht, wo fie am bedeufendften
ift, 50,000 Schritte [10 M.], ihre Länge beträgt 270,000
Schritte [54 M.}**), ihr Umfang 589,000 Schritte [117 M.].
Sie Tiegt bogenförmig in dem cretifchen Meere, welches vom
ihr feinen Namen hat, und Käuft da, wo fie am längfien
ift, gegen Dften im dad Vorgebirg Sammonium [Saloman),
Rhodus gegenüber, gegen Welten aber in das Worgebirg.
Eriumetopon [Erio], in ber Richtung nach Eyrenä hin, aus,
3. Die bedeutendften Städte find Phalafarne, Etea, Eiſa⸗
mum [Chifamo}, Pergamum, Cpdon [Kanea], Minoum
[Gnim], Apteron [Pateocaftro], Pantomatrium [(Porpatu⸗
- meno], Amphimalla ſSuda], Rhithymna [Retimo], Panhor⸗
mum [Panorma], Cytäum [Settia], Apollenia, Matium,
Heraclea [Candia], Mitetos [Mitopotamo], Ampelos [Am⸗
bellas]; Hierapytna [Girapetra], Lebena [Rionda], Hieras
polis [KEacro]; im Inneren des. Landes Gortyna [Ajus⸗
deka], Phaͤſtum, Gnoffas [Binofa], Polyerhenium, Myrina,
Lycaſtus, Rhamnmus, Lyetus [Ligorting], Dium, Aſum, Ph⸗
loros, Rhytion, Elatos, Pharä, Holopyxos, Laſos, Eleuthernd
[Televerna], Therapnãä, Marathuſa und Cyliſſos. Außerdem
find die. Nomen von noch ungefähr 60 andern Städten ber
fannt. A. Die Berge find der Eadiftus [Lemi], der Ida
[Pſiloriti], der Dictynnäus [Laffiti] und ber Corycus Buſo].
) N005 ro⸗ —XR Juſel der Seligen.
”) Na. neueren Angaben beträgt bie größte Breite 11 M.,
die größte Länge 33 M.
Biertes Bud. ' 431
Die Entfernung des Vorgebirgs ber Inſel, weiches Eriume⸗
topon heißt, von dem Eyrenäifhen Vorgebirg Phycus [Mass
al⸗Sem] beträgt nach Ugrippa’s Angabe 125,000 Schritte
[25 M.]*); eben fo weit if es, vom Cadiſtus an gerechnet; -
Bon dem VBorgebirg Malen auf dem Peloponnes ift fie
715,000 Schritte [15 M.], und von der Juſel Carpathus
[Scarpanto],, in öſtlicher Richtung von dem VBorgebirg Sam⸗
moninm 60,000 Schritte [12 M.] entfernt. Die eben ge:
nannte Infel liegt zwifchen ihr und Rhodus.
5. Die übrigen-um fle fiegenden Inſeln find: vor dem
Delopounes die beiden Corycäã, die beiden Mylä; an der
Nordküſte, wo man Ereta zur Rechten bat, Cydonia gegen-
über, Leuce [S. Theodoro] und die beiden Budrod [Turs
fürn]; Matium gegenüber Dia [Standia], dem Borgebirg
Itanum [Cap Sacro] gegenüber Onifia [Kufonifa] und
Leuce; Hierapytna gegenüber Chrufa und Gaubos [Gaidro⸗
niſi]; in. demfelden Striche Ophiufſſa, Butoa , Aradus, und
wenn man um das Bargebirg Eriumetopon herum ift, drei,
‚ welche bie Mufagoren heißen ; vor dem Vorgebirg Sammos
nium Phoce, Platiä, Me GSirniden, Naulochos, Armendon
und Zephyre. **)
6. Fu Hellas, und zwar in dem Aegäiſchen Meer, fies
gen noch die Lichaden, Scarphia, Carefa, Phocaria und meh⸗
rere andere Attica gegenüber, die aber ohne Städte und
deßhalb ohne Bedentung And. Elenſis gegenüber liegt
die berühmte Galamis [Eolari] und vor ihr Pſytalia
*) Die wirkliche Entfernung beträgt 50 M.
” Sämmtlich Klippen bie jest größsentheilß ohne Namen ſind.
12 C. Plinins Naturgefhiäte.
ia]. Berner 5000 Schritte Ta M.] vom Borgebirg
en gene [Macronifi]. Fe gleicher Entfernung von
ide Sommt Gens LAra]r welche — der Unſrigen Eea, Br
Srieden and — — —
dotgeriſſen um ale are nach Böstien Hin das’ Meer-
Auäter verfei —* genen. Jept Dat fie noch die Gtädte
vier arntede s — Coreſſus und Pöeeſſa find un⸗
gulis 9 und Cartto⸗ er Zafel And, wie Varro angibt, zu⸗
tergegangen- ti 7 *°) der Frauen gekommen.
erſ die feinen Erdda [Negroponte] felbft ift von
xx. Mm "ar der dazwiſchen fließende Canal Eu-
Vdotien TH gar, daß eine Bilde über ihn führt.
rin OST ge Worgebirge, Geräftum [Karvſto]
„„eapbarens [Doro] nach dem Helleſpont
"oe Sorgebirg Eenäum [Cap Hellenico).
J Weiter ald 40,000 [8 M.], und nire
noo Schritte [48 Minuten]; in der
un ur Ach neben ganz Böotien von Attica bis
2 89,000 Schritte [50 M.) weit hin. Ihr
5,00 388,000 Schritte [75 M.]; vom Hellefpont
N Aaraebirg Capharens 225,000 Schritte [45 M.]
u, wo diefe Stadt fand, Heißt noch Julis; die
ne derfelden find beſonders dadurch merkwürdig ges
Sei nan unter ipnen die berühmte Parifche Epror
en Gewänder. Bol. ©. XI.
VBierles Bud. Br")
eatfernt. 2. Veruhmt waren fonft bie Etkbte: Porrhe,
Porthmus, Nefus [NefoJ, Eerintäus [Rerintho]., Oreus
[Drio], Dium [Eitada], Wedepfus [Dipfo], Ocha und Dte
halia ; jept aber find es Chalcis [Negroponte], weichem ge
genüber auf dem Feſtlande Aulis liegt, Geräftus ſKaryſto ?],
Eretria [Trocco], Caryſtus [Caſtell Roſſo], Oritauum, Ar⸗
temiſium; die Quelle Arethuſa; der Fluß Lelantus. Ber
rüpmt And /andy die warmen Quellen, welche den Nas
men Ellopiä [Ellopia] führen; bekannter aber noch iſt
der Earpflifhe Marmor. 3. Fruͤher hieß die Infel Ehalcos
dotis oder, nach Dionpfius und Ephorus, Macris, nad) Arie
ſtides Macra , nad Eallidemus Chalcis, weil man auf ihr
zuerſt Erz fand, nad Menähmus Abantias und in der
Dichterſprache gewöhnlich Afopis.
XXU, 4. Außer diefen findet man in dem Myrtoiſchen
Meere noch viele andere Infeln. Die berühmteften aber find:
Gtauconefus [Pondico) und Aegilia [Epititns]; To wie die
Epcladen, welche in der Richtung des Vorgebirgs Geräftum
um bie Juſel Deios [Delo) in einem Kreis herumliegen,
woher fle auch ihren Namen haben. *) Die erfte derfelben,
Andros [Andro], mit einer gleichnamigen Stadt [Arna], ift
von Geräftum 40,000 Schritte [2 M.] und von Gens
39,000 Schritte [7% M.] entfernt. Nach Myrſilus hich
zuerſt Cauros und dann Antandros, nad Callimacus
ſia, nach Andern Nonagria, Hpdruffea und Epagrie.
*) Bon xuxdos, Kreis,
€, Plinias Naturgeſch. 46 Bbhn, &
\
4354 €. Plinius Naturgefchichte.
Umfang beträgt 96,000 Schritte [19% M.]; 1000 Schritte
[Hs M.] von Andros und 15,000 Schritte [3 M.] von Des
108 liegt Tenos [Tine] mit einer [gleichnamigen] Stadt, [S.
Nikolo] und 15,000 Schritte [3 M.] lang. Nach Ariſtote⸗
les wurde fie wegen ihres Ueberflufies an Waſſer audy Hy⸗
druſſa, nad Andern auch Ophiuſſa genannt. 2. Die übri⸗
gen find: Mycouos [Mykoni], mit dem Berge Dimaftus,
45,000 Schritte [3 M.] von Delos entfernt; *) Siphnus
TSifauto], früher Meropia und Acis genannt, weldye 28,000
Schritte [5° M.], Seriphus [Serfo], welche 12,000 Schritte
[22/; M.] im Umfange hat, Prepeſinthus [Strongylo], Cyth⸗
nos [Iihermia] und die alle anderen weit überftrahlende, in
der Mitte der Eycladen liegende, durch ihren Apollotempel
und ihren Verkehr berühmte Delos [Delo] felbft, welche
nach der Sage lang herumgeſchwommen und nie von einem
Erdbeben heimgefucht worden feyn fol. 3. Mucianus er-
‚zahlt jedoch, daß ſie bis zur Zeit bes M. Varro fchon zwei:
mal erfchüttert worden ſey. WUriftoteles gibt an, fie ſey deß⸗
halb Delos genannt worden, weil fie aus dem Meer. aufs
tauchend plötzlich erfchien. **) Weglofthenes nennt fie Cyn⸗
thia ; Andere nennen fle Ortygia, Afteria, Zagia, Chlamy⸗
dia, Eynäthus und auch Pprpile, weil man auf ihr zuerſt
Die Kunft, Feuer zu erzeugen, erfand. Ihr Umfang beträgt
5000 Schritte; ihr höchſter Punkt ift der Berg Cynthus
[Eintiv]. 4. Ihr zunädft liegt Rhene [Groß:Delo], wel:
de Anticlides Celaduſſa, und Hellaniens Artemis nennt.
%, Die Entfernung beträgt nicht viel fiber eine Meile,
* Bon dnkos, Offenbar, ſichtbar.
—Wiertes Buch. er ‘1:
Dann Eommen: Gyros [Syro], deren Umfang nad) ber Anz
gabe der Alten 20,000 Schritte [4 M.], nad) Mucias
nus aber 160,600 Schritte [32 M.] betragen fol; ) Olia⸗
ros [Antiparo] und Paros [Paro] mit einer gleichnamigen
Stadt [Pariia] und 38,000-Schritte [7?; M.] von Delos
entfernt. Sie ift durch ihren Marmor berühmt, und hieß
"zuerft Platen, fpäter Minois. 5. Endlih 7,500 Schritte
[it M.] von ihr und 18,000 Schritte [3 M.] **) von
Delos liegt Naros [Rakfha) mit einer gleichnamigen Stade
[Nakſcha]. Zuerſt hieß fle Strongyle, dann Dia nnd fpäter
Dionyfias [Bachusinfel], wegen der Ergiebigkeit ihrer
Beingärten ; Andere nannten fie KleinsGizilien oder Eallis
yolis. Ihr Umfang beträgt 75,000 Schritte [18 M]: fie
iſt alfo um die Hälfte größer als Paros.
XXIII. 41. Bis hieher läßt man die Encladen reichen:
die nun folgenden andern Infeln nennt man die Gporaden
F3erftrenten]. Ihre Namen find: Helene [Pira], Phacuſſa
[Gofiniſſa]), Nicafla [Rachia], Echinuffa [Stinoffa], Pho⸗
Iegandros [Policandro] und Icaros [Micaria], weldhe dem
Meere um fie den Namen gegeben hat. Die lebtere iſt 47,000
Schritte [32. M.] von Naros entfernt, und ift audy gerade .
fo lang; fle hat noch zwei Städte, eine dritte ift zu Grund
gegangen. Früher hieß fie and) Dolihe, Macris und Ich⸗
thyoẽſſa. 2. Sie liegt’50,000 Schritte [10 M.] ſüdöſtlich
von Delos; von Samos [Sıifam-Adaft] ift fie 35,000 Gchritte
*) Syro ift nicht viel über zwei Duabratmeilen groß,
ee) Iſt wohl ein Schreibfehler; denn Naxos ift weiter von Des
los entfernt als Paros.
“ 5 3f
5856 C. Plinius Naturgefchichte.
[7 M.] entfernt. Bon ihr bis zum Vorgebirg Geräſtum
find, Die 40,000 Schritte [2 M.] breite Straße zwifchen Eu⸗
: bda und Andros mit einbegriffen, 412,500 Schritte [22'/. M.].
Bei den übrigen Infeln können wir weiter Peiner- beflimm:
ten Ordnung folgen, fondern müſſen fie fummarifth nach
einander aufzählen, nämlich: Scyros [Styro], Jos [Nie],
früher Phönice genannt, 24,000 Schritte [4’; M.] von Na⸗
xos, 25,000 Schritte [5 M-] lang und ehrwürdig durch Ho⸗
mers Grabmal, Dbia, Letandros [Ucariez], Gyaros [Jura]
mit einer Stadt. Ihr Umfang beträgt 12,000 Schritte
[27 M.]: von. Andros ift fie 62,000 Schritte [12% M.)
entfernt. 3. Weiterhin Fommen Syrnos, 80,000 Schritte
[16 M.] von Gyaros, Eynäthus, Telos [Piscopio], berühmt
durch feine Galbe *) und von Callimachus Agathufla ge⸗
nannt, Donufa [Stenicz], Patmos (Palmoſa], deren Um:
fang 30,000 Schritte [6 M.] beträgt, Coraflä (Burni], Les
binthus [Revita] , Leros ILero], Cinara, Sicinus [Syfino],
früher Oenoẽ genannt, Hieracia, früher Onus, Caſus [Ca⸗
ſo], früher Aſtrabe, Cimolus [Eimofo], früher Echinuſſa,
Melos [Milo], mit einer gleihnamigen Stadt; Wriflides
nennt diefe Inſel Byblis, Ariſtoteles Zephyria, Callimachus
Mimallis, Heraclides Siphnus nnd Acytos. Sie iſt bie
rundeſte **) von allen. A. Dann kommen: Machia [Pa-
zimadi], Hypere [Amorgo], font Patage (nad Anbern
Platage), jet Amorgos genannt, Polyägos [Polino], Phys
le, Thera [Santorini]., nady ihrem Auftauchen aus dem
*) Bol. 8. XHI, Kay. 2.
*) Jede gute Landkarte beweist dad Gegentheil.
Biertes Bud. e 437
Meer zuerft Calliſte genannt; von ihr riß fi fpäter The
rafla [Tirefia] los, und zwifchen beiden entftand bald daranf
QAutomate, die. auch Hiera [Aspronifl] heißt, und zu unfes
rer Zeit entfland neben diefer Hiera Thia Nea⸗Kaimeni].
Jos ift von Thera 25,000 Schritte [5 M.] entfernt.
5. Es folgen nun Lea [Pianofi], Ascania [Efriftiana],
Anaphe [Nanfi], Hippuris, Aſtypaläa [Stampalia] mit
freier Verfaſſung. Ihr Umfang beträgt 88,000 Schritte
117; M.], und ihre Entfernung vom Berge Cadiſtus auf
Creta 125,000 Schritte [25 M.]; 60,000 Schritte [12-M.}
von ihr liegt: Platea; 38,000 Schritte [7° M.] von dieſer
Eamina. Ferner find zu hemerken: Azibintha, Lanife, Tragia,
Pharmacuſa, Techedia, Ehalcia ſKalki], Calydna, auf weils
cher die Stadt Eoos, Calymna [Calamine], welche von
Carpathus, die dem Carpathiſchen Meer den Namen gab,
35,000 Schritte [5 M.} entfernt ift. 6. Bon hier im nordöfffis
her Richtung bis nach Rhodus find 50,000 Schritte [10 M.];
von Carpathus nad Caſus 7,000 Schritte [12, M.]; von
Caſus bis zu dem Vorgebirg Samonium auf Ereta. 50,000
Schritte [6 M.]. Fu dem Eubdifchen Eurwus, faft gerade
am Fingange, liegen die vier Petaliſchen Infeln Spili] und
am Ausgange Atalante [Talanda]. Die Eycladen und Spo⸗
saden werden öſtlich von. den Fcarifchen Küften Aflens, weſt⸗
lich von den Myrtoiſchen Küften Wttica’s, nördlich von, dem
Aegäiſchen Meere, ſüdlich von den Eretifchen- und Earpathi:
fen Meere begrenzt, und dehnen (id auf einem 700,000
Schriite [140 MI laugen umb 200,060 Saritte [40 M.}
Breiten Raume aus, '
"7. Ben. dem Pagaſiſchen Meerbaſen [Golf von Bole)]
-
v
458 C. Plinius Naturheſchichte. |
liegen: Eutychia Agios Nicolaos], Cicynethus [Zriteri];
die fchon oben genannte Gcyros, Die äußerfte der ECycladen
und Sporaden ; Gerontia [Zura] und Scandila [Sfangero] ;
vor dem Thermäifchen [Golf von Salonichi] Irrheſſa, So⸗
limnia, Eudemia [Sarakin] und Nea [Agio Strati], welche
der Minerva heilig ifl; vor dem Berge Athos vier: Pepas
rethus [Piperi), einft Evönus genannt, mit einer Stadt und
9000 Schritte [1?/; MI groß, Sciathus [Sfiato], 15,000
Schritte [5 M.], Imbrus, mit einer Stadt, 88,000 Schritte
groß. Sie ift 25,000 Schritte [5 M.] von .‚Maftufla [Eapo
Greco] auf dem Eherfones entfernt, hat einen Umfang von
72,000 Schritten (14%; M.], und mird von dem Fluſſe Iliſ⸗
fus bewäffert. 8. Lemnos [Etalimeno)], welche 22,000 Schritte
[A’s M.] von ihr und 87,000 Schritte [177 M.] vom
Berge Athos liegt, hat einen Umfang von 112,500 Schritten
[22 M.) und die Stätte Hephäſtia [KRochino] und Myr
rina [Lemnos), auf deren Markt der Athos bei der Sommer:
fonnenwende feinen Schatten wirft. Bon ihr ift die freie
Anfel Thaſſos [Tafo], fonft Asria oder Aethria genannt,
5000 Schritte [A M.] entfernt. 9. Von ihr Dis nad) Abe
dera auf dem Feftlande find 22,000 Schritte [a’; M.], bis
zum Athos 62,000 Echritte [12% M.], und eben fo weit if
es bis zur freien Inſel Samothrace [Samotraki], welde
vor der Mündung des Hebrus ljegt, von Imbros 32,000 _
Schritte [6% M.], von Lemnos 22,000 Schritte [2 M.]
und von der Küfte Thraciens 38,000 Schritte [7% M.] ent⸗
ferntift, und einen Umfang von 32,000 Schritten [6’; M.]
hat. Auf ihr erhebt fich der Berg Saoce [Monte Nettuno],
und fle hat von allen den größten Mangel an Häfen. Nach
/
Biertes Bud. sg
Sallimachus war ihr alter Name Darbania. Zwiſchen dem
Eherfones und Samothrace, und zwar von beiden ungefähr .
415,000 Schritte [3 M.] entfernt, liegt Haloneſos [Pelagnefi] 5
weiterhin kommen: Gethone, Lamponia, Alopeconneſus, *)
nicht weit von dem Hafen Eölus [Kitidbahr) auf dem Eher«
fones, und noch einige andere Nubebentende. 40. Auch die
Namen ber übrigen öden Infeln in diefem Buſen **) follen,
in fo weit fle aufzufinden waren, angeführt werden. - Sie
beißen: Deſticos, Larnos, Cyſſiros, Carbruſa, Ealathufa,
Scylla, Draconon, Arconeſus, Diethuſa, Scapos, Capheris,
Meſate, Aeantion, Pateronneſos, Pateria, Calate, Neriphus
und Polendos. ***)
XXIV. 4. Der vierte der großen Bufen Europa’s bes
ginnt-am Hellespont, und enbigt an der Mündung der Mäos
tis [Afowfchen- Meereg]. Wir wollen vorerft aber’ die Ges
ſtalt des ganzen Pontus ſſchwarzen Meeres] zu veranfchans
lichen fuchen, damit man die einzelnen Theile defto Teichter
erkennen möge. Das ungeheure vor- Allen liegende und
*) Plinius Tieß fi) wahrfcheinlich durch hen Namen verleiten,
die Stadt Alopeconneſus, welche auf dem Thracifchen Chers
ſones (beim Cap Gteli Burun) lag, als Inſel aufzuzählen.
”*) In dem großen Bufen nämlich, weicher bad Sonifche und
das Aegäifhe Meer in fidy begreift. — Die neueren Nas
men biefer nicht näher beftimmten Inſeln aufzufinden if
wohl unmöglid,.
Plinius ift in der Angabe ter Maaße der Entfernungen ber
Inſeln von einander und der Groͤße ber einzelnen ſehr
ungenau, Die Berichtigung diefer Zahlen (wo fie möglich
if) würde aber mehr Raum verlangen, ald dem Ueberſe⸗
ger für bie Anmerkungen geflattet iſt.
3
440 C. Plinius Naturgeſchichte.
durch die von Europa her ſich vorlehnende Küſte des Cher⸗
ſones zurückgedräugte Meer bricht durch einen engen Paß
in das Land ein, und ſcheidet durch einen (wie wir fchon *)
gefagt haben) fieben Stadien breiten Zwiſchenraum Europa
von Aſien. "2. Die erfie Meerenge neunt man Hellespont.
Meder fie führte der Perſerkönig Rerxes auf einer von ihm
gefhlagenen Echiffbrüde fein Heer. Diefer ſchmale Euripus
‚reicht 86,000 Schritte [17Y/s M.] weit bis zur Uflatifchen
Stadt Priapus [Karaboa], wo Alexander der Große über:
‚ feste. Bon hier an dehnt fid) Das Meer in die Breite, zieht
ſich aber bald wieder ganz eng zufammen: die Ausdehnung .
nennt man die Propontis [Marmormeer],_die Enge den
Zhracifchen Bosporus [Meerenge von Konflantinopel], der
500 Schritte [12 Minuten] breit ift, und über weichen Da⸗
rius, der Vater des Xerxes, auf einer Brüde feine Truppen
herüberbrachte. **) Die ganze Länge vom Hellespont an bes
trägt 259,000 Schritte [47% M.]. 3. Dann komme ein un«
geheures Meer, jetzt Pontus Eurinus ſſchwarzes Meer],
früher aber Axenus ***) genannt, welches bis in weit ent⸗
legene Gegenden reicht, und von einer fi in großer Aus⸗
dehnung herumziehenden Kuͤſte umfchloffen ift. Rückwärts [ge
gen Norden] beugt es. ſich in Zwei Hörner, und dringt durch
Diefe noch weiter in das Land, fo daß es völlig die Geſtalt eis
nes Scothiſchen Bogens erhält. In der Mitte der Beugung
vereinigt es fih mit def Mündung des Maͤotiſchen Gerd,
*). Kap. 18. $.
+, Mol, Herodot 22 88. |
.96*) Curinns, das wiethlich, axenus bad unwirthliche Meer.
‘
Viertes Bud. 444
Diefe Mündung heißt der Cimmeriſche Bosporus [Meer⸗
‚enge von Caffa], und ift 2500 Schritte [4 Stunde] breit.
4. Die gerade Entfernung zwifchhen den beiden Bosporen,
Dem Thracifhen und dem Cimmeriſchen, beträgt nad) der
Angabe des Polybins 500,000 Schritte [400 M.], der Um⸗
fang des ganzen Pontus aber nady der Angabe des M.
Barro und faft aller älteren Schriftfteller 2,150,000 Gchritte
[330 M.], nad) Cornelius Nepos noch 350,000 Schritte
[70 M.] mehr; nad Artemidorus beträgt er 2,919,000
Schritte [583 M.], nad) Agrippa 2,460,000 Schritte
[a92 M.], nah Mucianus 2,425,000 Schritte [485 M.].
Eben fo ift .man über das Maaß der Europäifchen Seite
nicht einig, indem es Diefe auf 1,478,500 Schritte [205/10 M.],
Jene auf 1,172,000 Schritte [2357/5 M.] beflimmen. 5. M.
Varro mißt auf folgende Weile: von dee Mündung des
Pontus bis nach. Apollonia [Sizeboli] 187,500 Gchritte
[37% M.]; bis nad) Ealatis [Schablefer] eben fo viel; bis
‘zur Mündung des Iſter 125,000 Schritte [25 M.]; bis zum
Borpfipenes [Dnieper] 250.000 Schritte [50 M.]; bis zu
der von den Heracleoten erbauten Stadt Cherronefug [SChers
fon] 375,000 Schritte [75 M.]; bie nad, Panticapäum
[Kertfh], von Manchen aud) Bosporus genannt, der Außer:
ften Stadt anf der Europäiſchen Küſte, 222,509 Gchritte
[44!/; M.]: zuſammen alfo 4,337,500 Schritte [267% M.].
Agrippa rechnet von Byzanz bis zum Fluſſe Iſter 560,000
Schritte [112 M.], und von da- bis nad) Panticapäum
630,000 Schritte [126 M.]. 6. Der Maͤotiſche See felbft,
- welcher den von den Riphäifchen Bergen *) berabftrömenden
*, Die Alten ſelbſt Hatten Beine klaren Begriffe von der Lage
442 C. Plinius Naturgeſchichte.
und die änßerſte Grenze zwiſchen Europa und Aſien bilden⸗
den Tanais [Don] aufnimmt, ſoll einen Umfang von 1,406,000
Schritten [281% M.] haben; Andere nehmen nur 4,125,000
Schritte [225 M.] an. Bon feiner Mündung bie zur Mün«
dung des Tanais beträgt der gerade Weg nach einflimmiger
Angabe 585,000 Schritte [77 M.). Die Völker an der
Küfte diefes Buſens bie nach Iſtropolis [Kara : Kerman]
hin wurden ſchon bei der Befchreibung von Thracien anges
führt. Wir Pommen jest zu den Mündungen des Iſter.
7. Diefer Fluß entfpringt in Oermanien an dem Abs
hange des Berges Abnoba [im Schwarzwald], der Sallifchen
Stadt Rauricum [Augfl] gegenüber, viele Meiten jenfeits
der Alpen; ftrömt, fortwährend durch viele Gewäffer immer
mehr anſchwellend, unter dem Namen Danubius dur das
Gebiet zahllofer Völker, bis er bei feinem Eintritt in Illy⸗
ricam den Namen Sfter annimmt, und wälzt ſich, nachdem
er fechzig Flüſſe, von denen faft die Hälfte ſchiffbar iſt, aufe
genommen hat, durch ſechs ungeheure Mündungen in den
Pontus. Zuerſt kommt die Mündung Pence [Porteffa] und
dabei die Inſel Peuce [Piczina], von welcher diefer an ihr
vorbeiftrömende Arm feinen Namen hat; er wird von einem
19,000 Echritte [3*s M.] Aroßen Sumpfe verſchlungen.
Durdy baffelbe Strombeit wird aud oberhalb Iſtropolis
ein See gebildet, weicher einen Umfang von 65,000 Schritten
f12?s-M.] hat und Halmyris [Ramfln] genannt wird. Die
zweite Mündung heißt Naracuftoma [Kutſchuk], die dritte
dieſer Berge; daß Übrigens ber Don aus bem See Iwa⸗
nowskoe Oſero zum Borfchein kommt, if bekannt.
Diertes Bud). 443
Ealonſtoma [Kedrilie] bei der Inſel Sarmatica, die vierte
Pſendoſtomon [Salvoa]; auf der von ihr gebildeten Juſel
iſt Eonopon diabaſis [Bliegenübergang]; dann kommen noch
Die Mündungen Boreoftoma [Suline] und Spireoftoma [©.
Kill. 9) Alle diefe einzelnen Arme find aber fo gewaltig,
[2
daß man behauptet, fie behalten 40,000 Schritte [8 M.]
weit die Oberhand über das Meer, wie man aus dem füßen
Geſchmacke deffelben auf diefer Strecke ſchließen könne.
XXV. 4. Bon dem Iſter an wohnen zwar Überhaupt
nur Scythiſche Völker; **) doc, haben verfchiedene derfelben
nach einander die Küftenftriche in Befls gehabt. Bald waren
es die Seten, von den Römern Dacier genannt; bald die
Garmaten, weldhe bei den Griechen Sanromater heißen, nnd
unter dieren befonderd die Hamarobier [Magenbewohner] .
und YHorfer, bald die ausgearteten und von Sclaven abflam:
menden Scythen oder Troglodyten (Höhlenbewohner] ; bald
Die Aanen und Rhoralanen: In den höheren Gegenden
zwifchen dem Danubins und dem Herchnifchen [Thüringer]
Walde bis zu dem Pannonifhen Winterlager Carnuntum
[Deusfdr, Altenburg) und der Germanifchen Grenze daſelbſt
=) Die von den Donaumünbungen gebilbeten Infeln find uns
Bis jegt zu wenig bekannt, als daß eine genügende Erkiäs
rung der Plinianifhen Befchreibung möglid, wäre.
**) Sie verbreiteten fidy von der Donau bid zum Aſowſchen
Meere ; die einzelnen Stämme wechſelien, wie ſchon ans
diefer Stelle hervorgeht, häufig ihre Sitze. Fine weitere
Erörterung über ihren Aufenthalt zu verfhiebenen Zeiten
iſt Hier nicht möglih, und wir verweifen deßhalb auf K.
Mannert's Geographie der Griechen und Römer, Bd. IV,
(„der Norden ber Erbe,“ Leipz. 1820. 8.) ©. 160— 278.
N
444 C. Plinius Naturgeſchichte.
ſind die Felder und Ebenen von den Sarmatiſchen Jazygen,
die Berge und Wälder aber bis zum Fluſſe Pathiſſus [THeis)
pin von den durch dieſe vertriebenen Daciern bemohnt.
2. Auf der entgegengefeßten Seite, vom Marus [Morama]
an (oder mag es auch die Duria [Tyrna] ſeyn, welche fie
[die Dacier) von den Suevyen und dem Reiche des. Baus
nins *) trennt), haben die Bafterner nnd weiterhin andere
Germaniſche Stämme ihre Wohnfise. **) Nach Agrippa bes
trägt die Länge diefed ganzen Landſtrichs vom fer bis
zum Dcean 1,200,000 Schritte [240 M.], die Breite aber
von den Steppen Sarmatiens bis zum Fluſſe Viſtula [Weich⸗
fel] 404,000 Schritte [80% M.]. Der Name Geythen iſt
allentHatben in den der Sarmaten und Germanen überge
gangen, und jene alte Benennung ift nur denjenigen Stäms»
men geblieben, welche, den übrigen Menſchen faft gänzlich
unbekannt, die entfernteften Gegenden bewohnen.
XXVI 4. Vom Iftee an folgen nun aber die Städte:
Eremniscos ***) und Yepolium; die Macrocremnifchen Ber⸗
ge; +) der berühmte Fluß Tyra [Dnieftr] , weicher einer
Stadt [Ovidiopol], die fon Ophiuſa hieß, den Nauren
gab; eine geräumige Infel auf demfelben bewohnen die Toys
2) Das Reich dieſes von den Römern vertriebenen Duabens
fürften (Tacit. Annal. II, 63. XI, 29.) begriff das heu⸗
tige Mähren in fidh,
*0) Diefe Stelle fcheint verborben zu feyn, und die Veberfegung
mapt fit) nit an, den richtigen Sinn getroffen zu haben.
2 Lag im Buſen von Islama. Aepolium iſt unbekannt.
7) Wahrſcheinlich iſt die Bergreihe hoch am Duieſter, über
Bender hin, gemeint.
5
Li
Viertes Buch. 445
rageten; *) er iſt von der Mündung bes Iſter, welche Pfen«
boftomon Heißt, 130,000 Schritte [26 M.] entfernt. Nicht
weit davon kommen die Ariacer, weldhe ihren Namen von
einem. [durch ihr Gebiet firömenden] Stufe [Ariaces] **)
haben; hinter Diefen die Erobyzer; der Fluß Rhode [Des
ligiot] 5 der Sagarifhe Meerbufen [Golf Deligiot] und der
Hafen Ordefus ſOkzakow]. 2. Weiterhin folgen, 420,000
Schritte [24 M.] vom Tyra: der Fluß Boryſthenes [Dnepr];
ein See; ein Volk und eine Stadt deſſelben Namens: die
legtere ift 15,000 Schritte [5 M.] vom Meere entfernt, und
führt auch die alten Namen Dlbiopolis und Miletopolis. **”)
An der Küfte Eommen dann wieder: der Hafen der Achäer;
die Inſel des Achilles [Iiendra], berühmt durch das Grab:
mal diefed Mannes; und 125,000 Schritte [25 M.] von die:
fer eine Halbinfel, 7) welche ſich in Geſtalt eines Schwertes
quer hinzicht, und von der auf ihr durch Achilles veranftals
teten Kampfübung Dromos Achilleos [Lauf des Achilles]
genannt wird. Ihre Länge beträgt nach Agrippa 80,000
Schritte lis Sa Dieſen ganzen Landſtrich bemobnen | die
£ D. 5. Geten, die am Fluffe Tyra wohnen; eine große Ins
ſel findet fi Übrigens auf dem Dniefter nicht...
27) Wielleicht der Jantaltrak. Der Bug, welchen Manche für
ben Ariaces halten, kann es nicht ſeyn; denn er kommt
weiter nörblid, unter dem Namen Hypanis vor.
), Ruinen diefer Stabt findet mean brei Meilen ſablich von
Nikolajew, am linken Ufer des Bug, nicht weit von feiner
Mündung. Der erwähnte See ift ber Liman bed Dnepr.
D Die Sandfpige, Defchatorw gegenüber, auf welcher das Fort
Kinburn liegt,
7
‘
+
446 C. Plinius Naturgeſchichte.
Tauriſchen Scythen und die Siracer. 3. Es folgt nun eine
waldige Gegend, von welcher das ſie beſpülende Meer den
Namen des Hpläifchen *) erhalten hat; die Bewohner hei⸗
‚Ben Enäcadloer; hinter derfelben kommt der Fluß Pantica-
pes, welcher Die Nomaden und die Ackerbauer trennt, und
nicht weit davon der Acefinus. **) Manche behaupten, der
Panticapes vereinige ſich unterhalb Olbia mit dem Boryſthe⸗
ned; genauere Forſcher aber fagen, Dieß gelte vom Hypanis
[Bug]. In fehr großem Irrthum find alfo Die, weldhe den
Iegteren in Aſien anſetzen.
4. Das Meer tritt num in eine fehr tiefe Bucht fo weit
"zurüd, bis ed nur noch durch einen Zwiſchenraum von 5000
Schritten [ı M.] von der Mäotis getrennt ift, und zieht fidy
um ungeheure Länderftreden und viele Völker heram. Die
Bucht Heißt die Eareinitifhe [Golf von Perekop), der im fie
nündende Fluß Pacyris; Städte find Naubarum und Eay«
cine; ***) rüdwärts liegt der Gee Buges [Siwaſch], wel⸗
cher yon dem Coretus, 7) einem Buſen des Mäotifchen
Sees, durch einen Felsrücken [Landaunge von Xrabat ]
*) Von vn, Wald, Jetzt iſt dieſe zur Nogaifchen Eteppe
gehörende Küfte völlig Fahr.
**). Der Panticapes und ber Acefinus find wahrfcheinlich unter
den Küftenjlüßchen Molofchnyja, Tekimak, Taſchanak und
Karfae in der Nogaifchen Steppe zu fuchen.
rs, Diefe Städte Iagen auf ber jest völlig öden füblihen Küſte
ber Nogaifchen Steppe, Der Pachyris ift wahrfcheinlich
eines der in ber vorhergehenden Anmerkung genannten Kü-
ſtenflüßchen.
+) Die weſtliche Beugung des Aſowſchen Meeres bat jest kei⸗
nen beſonderen Namen.
Viertes Buch. 447
getreunt iſt. 5. In ihn münden bie Flüſſe: Buges [Gal⸗
gir], Gerrhus] [Karaſu] und Hypanis, *) welche von vers
ſchiedenen Richtungen herkommen (denn der Gerrhus treunt
die Baſiliden **) und die Nomaden); der Hypanis fließt
durch ein von Menfchenhänden gemachtes Bett durch das
Gebiet der Nomaden und Hpläer in.den Buges, durch ein
anderes natürliches aber in den Eorefus. Der ganze Lands
ſtrich Heißt das Sendifhe Scythien.
6. An dem Garcinitifhen Meerbnfen beginnt ‚die Tauri-
ſche Halbinſel [Krim], die einft da, wo jetzt ſich Blach⸗
felder hinziehen, vom Meere umgeben war, aber weiter⸗
hin ſich zu hohen Bergrücken erhebt. Man findet auf ihr
dreißig Völkerſtämme, von denen vierundzwanzig im In⸗
nern des Landes wohnen, und die ſechs Städte der Orgo⸗
eyner, Characener, Lagyraner, Tractarer, Archilachiter und
Ealiorder. Auf den Berghöhen haben die Scythotaurier ihre
Sitze. Sie werden weftlich von der Stadt Cherroneſus, Öfts
lich von den Satarchiſchen Schthen .eingefchloffen. 7. An
der Küfte liegen von dem Gareinitifchen Meerbufen an die
Städte Taphrä [Perecop], auf der Landenge der Halbinfel,
and nidyt weit davon Heraclea Cherronefus, »*) welcher
die Römer die Freibeit fchentten. Sie hieß früher Megas
rice, und ift der vorzüglichſte Glanzpunkt diefer ganzen
2) Bon dem früher gefannten Kypanis verfchieden. Welchen
Fluß aber Plinius hier meint, hat fich bis jegt nicht be-
flimmen ‚laffen.
**) Die fogenannten Eöniglihen Schthen.
re) Lag etwas ſudu cher als das jetzige Arhtiar (Sewaſtopol).
446 C. Plinius Naturgeſchichte.
Gegend, weil fie den Griechiſchen Sitten tren geblieben iſt.
Der Umfang ihrer Mauer beträgt 5000 Schritte [1 M.)-
Weiterhin Eommen: das Vorgebirg Parthenium ſ[Georgiefs⸗
koi Muis]; die Stadt der Taurier, Placia; der Hafen Sym⸗
bolon [Balaklawa]; das Vorgebirg Eriumetopon [Aiadagh],
weldyes dem Aſtatiſchen Vorgebirg Carambis [Kerempe] ges
genüberliegt, und eine Strecke von 170,000 Schritten [34 M.)
mitten in den Eurinus- hineintäuft, wodurch diefer haupts
fachlich die Geftalt eines Scythiſchen Bogens erhält. 8. Bon
hier an kommen viele Häfen und Seen ber Taurier; die
Stadt Theodofia [Kaffe], 125,000 Schritte [25 M.] von
Eriumetopon nnd 145,008 Schritte [29 M.] von Eherrones
ſus entfernt. Weiterhin 9 lagen fonft die Städte: Eptä,
Zephyrium, Acrä, Nymphäum und Dia. Zulept mennen wir
nody das von den Milefiern erbaute Panticapäum [Kertſch],
bei weitem die mädytigfte Stadt von allen, gerade am Eins
gange des Bosporus. Bon Theodofia ift fie 87,000 Schritte
[17% M.], von der jenfeits der Meerenge liegenden Stadt
Eimmerium **) wie wir ſchon ***) gefagt Yaben) 2,500
Schritte [1 Stunde] entfernt. -. Ein Swifhhenraum von fo
geringer Breite trennt Aflen von Europa, und felbft diefe
Bann meiftens, wenn die Meerenge‘ zugefroren ift, zu Buß
überfchritten werden. 9. Die Breite ded Cimmerifchen
®
2) An.ber jest oden Küfte der Meerenge von Jenikale.
ew) Ruinen dieſer Stadt findet man an ber nordweſtlichen
Spitze ber Halbinſel Tamau.
we K. 24. 9. 3.
’ Biertes Ba, 449
Bosporus: [Halbinſel Kiertſchj *) beträgt 12,500 Schritte
(2; M.]. Darin liegen tie Städte Hermeſinum **) und
Myrmecium, *'*) und im Innern [der Meerenge] die In:
fel Alopere. +) Die Länge der Mästis von dem äußerſten
Drt auf der Landenge, welcher Taphrä heißt, bis zur Min
dung des Bosporus wird anf 268,080 &xhritte [52 Mi] an«
gegeben.
10. Bon Kaphrä an, nad) dem Inneren des Feſtlandes
Mw,-- wohnen’ bie Aucheten, +4) bei welchen ber Hypanis; die
Kenrer, bei welchen der DBorpfihenes entipringt ; die Gelo⸗
ner; die Iihnffageten; die Budiner; bie Bafllider und die
Agathyrſer mit meergrünem Haare; hinter Diefen die No⸗
maden und noch weiterhin die Anthropophagen [Menſchen⸗
frefer]. Bom Buges an oberhafb. des‘ Mästifchen Sees
figen die, Sanromaten und Effedonen; an der Küſte aber
vdis zum Tanais [Don] die Mäster, von denen der See
feinen Namen hat, und zulegt rüdwärts von ihnen die Arts
-masper. Weiterhin liegen die Riphäifhen Berge und bie
*) Die Alten nennen nicht nur bie Meerenge, fondern: auch
die: Sübofkfpise der Tauriſchen Halbinſel Bosdorns Eim⸗
merius.
, In der Gegend bed Vorgebirges Georgiefskoi Muis.
) Etwas ſudweſtlich von der heutigen Feſtung Jenikatke.
+) Wahrfcheinlidy eine der Fleinen Inſeln vor Kertſch. "
"IH Im öftfihen Theil der Nogaifhen Steppe. — Es wäre
eine audantbare Mühe, Wermuthungen: fiber die Sige ber
andern von Plinind genannten Volker anffiellen zu wollen,
da die Geographie biefer noͤrblichen Gegenden bei den alten
Schriftfſtellern faſt nur aus phantaftifchen Genifden befteht,
‚€, Plinius Naturgeſch. As Bbche, 6
10 , CE. Plinius Naturgeſchichte. |
Gegend, melde des ſtets herabfallenden federnähnlichen
Schnees wegen Pterophoros *) genannt wird, ein von der
Natur verdammter Erdtheil, in dichtes Dunkel gehüllt und
nur geeignet zur Erzeugung der Kälte und sum eisftarrens
den Behältniß des Norde.
4141. Neben diefen Bergen und ‚hinter dem Rord wohnt
(wenn wir es glauben wollen) ein glückliches Volk, Hyper⸗
boreer genanut, welches ein ſehr hohes Alter exzreicht, und
überhaupt durch viele andere fabelhafte Wunder berühmt
geworden iſt. Bei ihm ſollen die Angeln [Pole] der Welt
und-die Außerften Punkte der Geſtirnbahnen ſeyn; ein bald
bes Fahr Hindurd) iſt es hier ftets heil, und nur einen eins
zigen Tag entfernt fi die Sonne, nicht aber, wie Unkun⸗
Dige behauptet haben, von der Frühlingstagundnachtgleiche
bis zum Serbfte. *%) Cinmal im Jahr ; bei der Sommer:
fonnenwende, geht ihnen die Sonne auf, und einmal im Jahr,
*) Ilregogpogos, feberntragend,
vs) Gntiveder verstand Plinius hier bie von ihm benüsten Quel⸗
len nicht genau, ober die Stelle iſt verdborben. Wielleicht
Pönnte durdy die Veränderung von „una die“ in „nocte‘“
(alfo „semestri luce er nocte“) ein befierer Sinn entfiehen ;
man müßte aber dann nur die richtige Bebeutung des ‚sol
aversus‘‘ (im Winter, wenn fie von. und abgewendet ifk,
von: der Herbfitagundnachtgleicdhe biß zur Srühlingstagunb-
nachtgleiche) erfaffen. Die Leberfegung müßte fomit lau⸗
ten: fie haben ein halbes Jahr Tag und ein halbes Jahr
Nacht, und zivar das legtere, wenn bie Sonne von uns ab⸗
. gewendet ift, nicht aber von ber Frühlingstagundnachtgleiche
bis zum Herbſte Calfo im Sommer), Bol, Pomp. Mela
»5.
Viertes Bud). 454
bei ber Winterfonnenwende, geht fle ihnen unter. 12. Ihr
fonniges Land erfreut fid) eines glücklichen, ſtets milden
Klima’s, und bleibt von jedem fchädlichen Luftzug verſchont.
gu Wohnungen dienen ihnen Wälder und Haine; die Götter
verehren fie Mann für Mann und gemeinſchaftlich: Zwietracht
und Kummer finds ihnen völlig unbekannt. Den Tod finden fie
nur, wenn fie ded Lebens müde find, indem fie, nachdem fie
fih im Alter nody einmal durch Schmanferei und Wohlleben
recht gütlich gethan haben, von einem Zelfen in’d Meer
fpringen. Dieß if: die glädfeligfte Art des Begräbniſſes.
43. Manche fenen die Hyperboreer an den Außerflen Punkt
der Kürten Aflens und nicht nad Europa, weil man bort
ein Volk von ähnlichen Sitten und von ähnlicher Lage, die
Attacoren nämlich, Aindet; Andre legen fie in die Mitte
zwifhen Sonnenaufs und Untergang, zwifchen den Abend
der Antipoden nämlich ugd unferen Morgen, was aber auf
Feine. Weife möglidy ift, da ein fo ungeheured Meer dazwi⸗
fhen liegt. Diejenigen, welche ſie an keine andere Gtelle
feßen wollen, als wo es ein halbes Jahr hindurch Tag ift,
. ergäblen , daß fle des Morgens füen, des Mittags mähen,
des Abends die Früchte von den Bäumen brechen und des
Nachts ſich in, Höhlen bergen. 44. Wir mögen nicht an
dem VBorhandenfein dieſes Volkes zweifeln, ba -fo viele
Schriftſteller berichten, daß es. bei ihm Bitte war, die Erſt⸗
finge der Zrüchte nad) Delos zum Apollo, den fie befonders
verehrten, zu ſchicken. Zuerſt überbradhten Jungfrauen dies
felben, und wurden eine Reihe von Fahren hindurch von dem
Völkern gaſtfreundlich geehrt; als ſie aber einmal treulos
6*
452 C. Plinius Naturgeſchichte.
behandelt wurden, traf man die Einrichtung, daß man die
Dpfergaben an die Grenzen der anftoßenden Nachbaru
niederlegte,, und daß Diefe fie bis zum nächſten Volk tru⸗
‚gen, auf welche Weifelle bis nad) Delos gelangten.” Auch dieſer
Gebrauch hörte fpäter anf. — M. Ugrippa beftimmt bie
Länge vom Garmatien, Schthien und dem ganzen: Taurifdyen
Landſtrich vom XFlufſe Boryſthenes an auf 980,000 Schritte
. 198 M.], die Breite aber auf 717,000 Schritte [1434 M. ].
Ich halte jedoch eine zuverlaͤßige Maaßbeſtimmung dieſes
Theiles der Erde für unmöglich.
| XXVU. 4 Wir wollen jest mac, der einmal: angenom«
menen Ordnung Die übrigen Mertwürdigkeiten diefes Bus
fens anführen; Die einzelnen Meere deffeiben haben wir
bereits genannt.
| (zn). De Hellespont hat Beine Inſein, die bei Qu⸗
ropa zu nennen wären; ; indem Pontus liegen, 1509 Schritte
[36 Minuten] von Euroya und 14,000 Schritte [2% Mi]
von der Mündung [dev Thraciichen Meerenge], zwei, welche
die Eyaneen, ) von Undern die Symplegaden [3ufemmens
ſchlagenden] genannt werden, und von denen die- Sage geht,
daß fie einmal zufammengeftoßen feyen, weil fie nämjſich, da
fie nur durch einen geringen Ziwiſchenraum getrennt find,
dem ihnen gerade gegenüber in den Pontus Einfahrenden
als zwei erfcheinen, ihm aber, fobald er ein: wenig feinen
Geſichtspunkt geändert Kat, vorkommen, als flößen fie all:
mälig zufammen: Dieffeits des Iſter, 80,000 - Schritte
[16 M.] vom Thracifchen Bosporus, liegt noch eine Fufel;
*) Selfen an der äußerfien Spige de3 Bosporus,
\ Wiertes Buch. ab3
asmlicd, die der Apolloniater [Beſchik Adaſi], von welcher
ER. Lu oullus den jeht auf dem Kapitol ſtehenden Apollo nach
- Rom brachte. *) Die Juſeln, welche zwiſchen den Mün«
dungen Des Iſter liegen, Haben wir ſchon **) angeführt.
2. Bor dem Borpfthenes liegt Die oben ***). erwähnte Achil⸗
lesinſel, welche auch Leuce und Macaron 7) genannt wird,
Eine zu unferer Zeit vorgenommene Meſſung fegt fie
440,000 Schritte [28 M.] vom Boryſthenes, 120,000 Schritte
[34 M.] vom Tyras und 50,000 Schritte von der Jufel
Peuce. +7) Ihr Umfang beträgt ungefähr 10,000 Schritte
ſ2 M.]. Die übrigen Inſeln in dem Garcinitifhen Bufen
find: Eephalonnefos, Rhosphoduſa und Macra. ++H Che
wir den Pontus verlaffen, müſſen wir noch die von Vielen
‚ausgefprschene Meinung anführen, daB alle inneren Meere
in dieſem erſten Behälter ihren Uefprung nehmen, und nidyt
ander Gaditanifchen Meerenge, und zwar ans bem nicht zu
verwerfenden Grunde, weil das Meer fietd aus dem Pantus
herausfluthe, und nie in denfeiben zurückſtröme.
3. Wir müflen jest die inneren Meere verlaffen, um
die äußeren Grenzen Europa’s zu befchreiben ; wir gehen
alfo, nachdem mir die Riphaiſchen Berge überſtiegen haben,
„8 XXMIV. $ 1. s.1 . “
“©, 8, 24. ’$, 7. 8
900) 8, 26. 4.2 .
+) VInſel der Seligen, weil fich hier bes Achiues und ‚anderer
. Hersen Seelen aufhalten.
TH An der Donaumundung; bie Maaße find nicht: richtig,
47*) Meuere Kasten menwen in biefem Bufen (Solf von Perekop)
die Inſeln Tengel, Terlagon, Tendra undSabik.
4
x
44 C. Plinius Naturgeſchichte.
an der Küſte des nördlichen Ozeans fort, bis wir nach Ga⸗
des kommen. Mehrere Inſeln ohne Namen ſollen ff in
dieſer Gegend finden. Von einer derſelben, die vor dem
Scythiſchen Land, welches Raunonia heißt, *) liegt, berichtet
Timäus, ‚daß ſie eine Tagreiſe vom Feſtlande entfernt fey,
und daß während des Frühlings die Fluthen anf fie den
Bernftein auswerfen. **) Die übrigen Küften kennt man
nur aus unverbürgten Gerüchten. A. Hier ift der nördliche
Ozean. SH weit er Schthien befpült, von dem Fluſſe Paros
pamiſus »**) an, nennt ihn Hecatäus den Amatchifchen,
welches Wort in der Sprache des anmwohnenden Volks „zu:
gefroren“ bedeutet. Philemon fagt, daß er von den Eims
bern bis zum Vorgebivge Rubeas +) Morimarufa, das heißt
Das todte Meer, und weiterhin dag Eronifche genannt werde,
5. Zenophon von Lampfacus erzählt, daß man nad einer
dreitägigen. Schifffahrt von der Scythiſchen Küfte nad
Baltia, Tr) einer Infel von ungeheurer Größe, komme;
Pytheas mennt fie Bafilin. Auch erzählt man von den Oo⸗
+) Man hätt gewöhnlich (auch Mannert, Geogr. der Gr. u,
Röm. Bd. III. Leipz. 1820. 8. S. 301) Raunonia für ben
Namen der Infel, Die Lesart der Handfchriften (ante Scy-
thiam, quae appellatur Raunonia, unam abesse) Täßt
aber biefe Erklärung nicht zu, und Plinius fagt feröf,
die Inſeln ſeyen namenlos.
**) Man hat dieſe Inſeln wohl an ber Preußiſchen Kuſte in
den Nehrungen des friſchen und curiſchen Haffes zu ſuchen.
*se) Vielleicht die Ober.
T) Wahrſcheinlich das Vorgebirg von Greenaam Kattegat.
MM Vieleicht Schweden.
1/3
“-
Viertes Bud. 466
nen, ») auf welchen die Einwohner von Vogeleiern und
Hafer leben, und von andern, auf welchen Menſchen mit
Pferdefuͤßen geboren werden, Hippopgben [Pferdefüßler ]
genannt; eben fo von den Infeln der Banefier [Langohren],
welche den fonft völlig nadten Körper mit ihren übermäßig
großen Ohren ganz bededen.
6. Erft mit dem Volke der Ingävoner, **) welches
auf diefer Seite das erfte in Germanien ift, fangen die
Nachrichten an zuperläßiger zu werden. Hier ift der unges
heure Berg Sevo, ”**) welcher der Niphäifchen Gebirge
kette an Ausdehnung nichts nachgibt, und einen überaus
großen Bufen bis nad) dem Borgebirg der Eimbrer [Kap
Skagen] bildet, welcher Eodanns +) heißt und mit Infeln
angefüllt ift. Die berühmtefte derjelben ift Scandinavia, ++)
von unbetannter Größe. In dem befannten Theil allein
wohnt, fo viel man weiß, das Volk der Hiflevionen in 500
Gemeinden; fie nennen ihre Inſel den andern Erdfreis.
7. Für nihe Kleiner hält man Eningie, Tr} weldes
Land fi) nad) der Behauptung Mancher bis zum Fluß Vi⸗
2) Eierinſeln. Es wäre lächerlich, die Lage dieſer und der
andern ſabelhaſten Inſeln erforſchen zu wollen.
**, Vgl. Über fie die Anmerkung zum folgenden Kapitel.
»22) YAn ber deutfhen Küfte der Oftfee findet ſich Fein fo großes
Gebirg, und man hat nad Mannert. (Geogr. b. Gr. u,
Rom. Bd. III ©. 312) den Sevo in dem Kidlen, welcher
. Schweden und Norwegen treint, gu fischen.
+ Die Südmefifeite der Ofifee.
+4) Sübfpige von Schweben. \
+4) VBermuthli Finnland, >
456 C. Plinius Naͤturgeſchichte.
ſtula (Weichfei] hingieht, und von den Sarmaten, Vene⸗
dern, Scirern und Hirrern bewohnt wird. Dieſer Bufen
heiße, ſagen fie, Epfirenus, *) und an feiner Mündung liege -
die Inſel Latris; *%) der darauf folgende andere Bufen aber .
‚heiße Lagnus, **") und gränze an die Cimbern. Das weit
in das Meer hinauslaufende Borgebirg der Eimbern ‚bildet
eine ‚Hakbinfel, welche Cartris [Hütland] genannt wird.
Bon hier an find durch die Waffen der Römer dreiundzwau⸗
zig Infeln bekannt geworden. Die berühmseften derfelben
And: Burchana, +) von den Unſrigen wegen einer bort wild
wachſenden bohmenähnlihen Frucht Fabaria [Bohneninfel]
genannt; Glefſaria ++) (wie fie bei unfern Soldaten wegen
Bed Bernfteind beißt), von den Barbaren Auſtrania genannt,
und außerdem noch Actania. Tr)
XXVHI, 4. An diefem ganzen Meere bie zum Zluffe
Scaldis [Schetde] wohnen Germaniſche Völker ;:.die Bröße
ihres Landes if aber nicht zu ermitteln, da ſich die Bericht:
erftatter fo unmäßig vwiderfprechen. Die Griechen und
Manche der Unfrigen geben als Maaß der Küſte Germaniens
3,500,000 Schritte [500 M.] an; Agrippa beſtimmt die
Länge Germaniens, Rhätien und Noricum mit inbegriffen,
*) GSüdfeite der Oftfer.
2) Mielleicht Seeland,
"0, Wahrſcheinlich das Cattegat.
+) Borkum, ber Emsmändung ‚gegenüber,
+) Ameland Aber MWefifriedland, Der Name kommt vom
Glessum (Bernftein), und if wahrſcheinlich verwandt mit
dem dentfhen Wort Glas.
HH Vielleicht die Inſel Schelling in Frietland.
Biertes Bud). 457
auf 896,000 Schritte [ISg RR. und die Breite auf 448,000
Gieitte [29% M.].
(sr). Die Breite von RhHätten allein, weidyed um die
Zeit feines Todes unterjocht wurde, *) beträgt aber ſchon
wehr, und Germanien felbft wurde erſt vieke Jahre fpäter,
und nicht einmal ganz, befannt. Nach meiner Vermuthung,
wenn eine ſolche gefbattet ift, mag das Maaß der Küſte nicht
viel geringer ſeyn, als die Griechen annehmen, und die
Breite des Landes nicht viel weniger betragen, als Agrippa
angibt. 2. Die Germanen theiten fi im fünf Hauptſtämme,
nämlich in die Vindiler, *°) zu denen :die Burgundionen, *°*)
bie Bariner, +) die @ariner ++) und die Guttonen h)
gehören; in den andern Hauptſtamm der Ingäponen, +*)
deflen Beſtandtheile die @imbrer, +**) die Tensonen +°**)
2) Agrippa farb im 3. 12 vor Chr. Nhätien murbe im
J. 15 unterjocdht,
”, Die Bindiier (Mendalen ?), welche übrigens nicht, "wie Plis
nius meint, ein Hauptvölkerſtamm waren, wohnten auf
dem nördlichen Theile des Rieſengebirgs uud der Laufitz.
247), Mon ber Oder His gegen die Weichſel, in ben Gegenden
ber Warthe,
+) An ber Warue.
Tr) Kommen nur bei Plinius vor, und find unbelaunt, Marche
halten fie für eine verfchriebene Wiederholung -her Barmer.
TH) An der MWeichfel und in Preußen.
+”) Diefer Stamm umfapte die, Bölfer am nörblichen Ozean,
von den, Münbungen des Rheins bis zur Weſtkaſte ‚ber
Opfer, von ber Zuyberiee bid zur Traveniz ‚in Holſtein.
12 In Holftein und Hktiand. _
4 y Im Lauenburgiſchen und im Mettenkung.
468 C. Plinius Naturgeſchichte.
und die Stämme der Ehaucer *) bilden; in bie Iſtävo⸗
nen, **) zunächſt am Nhein, zu welchen man die weiter
im Inneren wohnenden Cimbrer ***) zählt, und in bie
Hermionen, +) zu welchen die Sueven, ++) die Hermundu⸗
rer, t++) die Chatten +?) und die Eherudcer +**) gehören.
Der fünfte Hauptflamm find die Peuciner und Baſterner, +***)
welche an die oben *+) genannten Dacier gränzen. . 5. Bes
deutende Zlüffe, weldhe in den Djean münten, find: der
Buttalus [Pregeli], der Viſtillus oder die Viſtula ſ[Weich⸗
fel] , der Albis [Elbe], der Bifurgis [Weſer], der Amiflus
[Ems], der Rhenns [RHein] und die Mofa [Maas]. Im
Inneren dehnt ſich der Hercyniſche Bergrücken, *+r) der
feinem andern an Berühmtheit nafteht, aus.
- XXIX (ıv) In dem Rheine felbft liegen die un⸗
gefähr 100,000 Schritte [20 M.] lange Inſel der Bataver
und Cannenufater *444) und die übrigen Infeln der ſriſſer,
”, Sp Oſtfriesland, Oldenburg und Bremen,
”* Sie wohnten in dem Landfiriche, welcher fih von ber öfklis
hen Mündung bes Rheins rückwärts His zum Main hinzieht.,
“+, In, den Preußifhen Provinzen Eleve, Berg und Niederrhein.
+) Eollectioname für bie Wälder Mittelbeutfchlanbs.
+H Nordwärts von den Ufern ber Donau, in Mähren,
+rH In Thüringen und nody weiter nach der Elbe bin.
+°) In Heffen, Hanau, Fuld und Sfenburg.
” Im Harze und auf beiden Seiten beffelben.
+”*°) An den Mündungen ber Donau, in den Karpathen, in Ga⸗
lizien und Pobolien,
*)) Kap. 25. 1 . \
+7) Die ganze Strede von Bergen und Wäldern, vom Tha⸗
ringer Wald gegen Oſten bis nach Ungarn.
"HH Man nennt jetzt noch die von den Rheinarmen and dem
Meere eingeffoffene Inſel Betuwe.
Biertes Bud. 469
der Ehancer , der Friffabonen, der Sturier ımd der Marfa-
eier, *) welche ſich zwiſchen dem Helius [Waal] und dem
Flevus [Flie) hinziehen. So heißen nämlich, die Mündungen,
in welden der Rhein angftrömt, und ſich nördlich in Seen
[Zuyderſee] und wertlich in den Fluß Mofa ergicht; zwifchen
beiden ift eine mittlere Mündung, deren mäßiges Bett allein
den Namen ‚behält.
XXX (avı). 4. Diefer Gegend gegenüber, zwiſchen
Norden und Weiten, liegt die in den Geſchichtsbüchern der
Griechen und unferes Volkes berühmte Infel Britannia, von
Germanien, Gallien und. Hispanien, dein bei weitem größten
Ländern Europa's, durch einen weiten Iwifchenraum ges
trennt. Gie hieß fonft Albion; denn Britannien nannte man
die Geſammtheit aller Infeln, von welchen ſogleich die Rede
feyn wird. Bon Gefforiacum [Boulogne⸗ſur-⸗mer] an der
Küfte des Volkes der Moriner bis zu ihr beträgt tie fürs
zefte Weberfahrt 50,000 Schritte [10 M.]; ihr Umfang aber
wird von Pytheas und Ffidorus auf 3,825,000 Schritte
[765 M.]-angegeben. Während eines Seitraumes von bei⸗
nahe dreißig Jahren hat die Kenntniß dieſes Landes durch
die Römifchen Waffen nicht über die Nachbarfchaft des Ca⸗
ledoniſchen Waldes **) hinaus erweitert werden Pönnen.
*, Die Srifier, Chaucer und GSturier wohnten zwifchen ber
öftlihen Mündung bed Nheind, dem Ozean, ber Emd und
der Bechte, alfo in DOftfriedland, Gröningen unb im ndedlis
hen Theil von Oberpyfſel; bie Srifiabonen am Zunderfee
und auf den früher in demfelben vorhandenen Inſeln, unb
die Marfacier in Seeland.
”*, Der Landſtrich, weichen dad Grampiangebirg durchzieht.
Ls
t
458 C. Plinius Naturgeſchichte.
und die Stämme ber Ehaucer *) bilden; in die Iſtävo⸗
nen, **) zunächſt am Rhein, zu welchen man die weiter
im Inneren wohnenden Cimbrer ***) zählt, und in bie
Hermionen, +) zu welchen die Sueven, +7) die Hermundu⸗
rer, ++) die Chatten T*%) und die Eherudcer +**) gehören.
Der fünfte Hauptſtamm find die Penciner und Bafterner, +***%)
weldhe an die oben *4) genannten Dacier gränzen. 3. Bes
deutende Flüſſe, welche in den Djean münten, find: der
Guttalus [Pregel], der Viſtillus oder die Viſtula [Weich⸗
ſel), der Albis ſElbe], der Viſurgis [Mefer], der Amiflus
[Ems], der Rhenud [Rhein] und die Mofa [Mans]. Im
Inneren dehnt ſich der Hercyniſche Bergrüden, *47) der
feinem andern an Berühmtheit nacfteht, aus.
XXIX (zv) In dem Rheine felbft liegen die un:
gefähr 100,000 Schritte [20 M.] lange Inſel der Bataver
und Gannenufater *++) und die übrigen Snfeln der ſriſſer,
*) In Oſtfriesland, Oldenburg und Bremen,
”* Sie wohnten in dem Landſtriche, welcher ſich von der ontli⸗
hen Mündung bes Rheins rückwaͤrts bis zum Main hinzieht.
””*, In den Preußifhen Provinzen Eleve, Berg und Niederrhein.
+) Collectivname für bie Völker Mittelbeutfchlayds.
+ Norbwärts von ben Ufern ber Donau, in Mähren,
+r+) In Thüringen und noch weiter nady der Elbe hin,
+*) In Helfen, Hanau, Fuld und Sfenburg.
ꝓes) Im Harze und auf beiden Seiten beffelben.
+°°°) An ben Mündungen ber Donau, in ben Karpathen, in Ga⸗
lizien und Pobolien,
*}) Rap. 28. $. '
+) Die ganze Stiede von Vergen und Wäldern, vom Tha⸗
ringer Wald gegen Oſten bis nach Ungarn.
14) Man nennt jegt noch die von ben Rheinarmen and dem
Meere aingeſchloſſene Inſel Betuwe.
Biertes Bud. 469
der Chaucer, der $riffabonen, der Sturier nd der Marias
eier, *) welche ſich zwiſchen dem Helius IWaal] und dem
Flevus [Flie] Hinziehen. So heißen naͤmlich die Mündungen,
in welchen der Rhein ausſtroͤmt, und ſich nördlich in Seen
[Zuyderſee] und weſtlich in den Fluß Mofa ergießt; zwiſchen
beiden ift eine mittlere Mündung, deren mäßiges Bett allein
den Namen dehält.
XXX ‘(xv). 4. Dieſer Gegend gegenüber, zwiſchen
Norden und Werften, liegt die in den Geſchichtsbüchern der
Griechen und unferes Volkes berühmte Inſel Britannid, von
Germanien, Sallien und. Hispanien, den bei weitem größten
Ländern Europa's, durch einen weiten Zwifchenraum ges
trennt. Gie hieß fonft Albion; denn Britannien nannte man
die Geſammtheit aller Infeln, von welchen fogleidy die Rede
feygn wird. Bon Gefforiacum [Boufognesfurzmer] an der
Küfte des Volkes der Moriner bis zu ihr beträgt die fürs
zefte Weberfahrt 50,000 Schritte [10 M.]; ibr Umfang aber
wird von Pytheas und Ifdorus auf 3,825,000 Schritte
[765 M.].angegeben. Während eines Zeitraumes von bei-
nahe dreißig Fahren hat die Kenntniß diefes Landes durch
die Römifchen Waffen nicht über Die Nachbarfchaft des Ca:
ledoniſchen Waldes **) hinaus erweitert werden Pönnen.
*%, Die Frifier, Chaucer und Sturier wohnten zwifchen ber
Öftlichen Mündung bed Rheins, dem Ozean, ber Ems und,
der Bechte, alfo in Dftfriedland, Gröningen und im nöebli«
hen Theil von Oberpffel ; ; bie Srifiabonen am Zuyderſee
und auf den früher in demſelben vorhandenen Inſeln, und
die-Marfacier in Seeland.
22) Der Lanbitrich, weichen das Grampiangebirg durchzieht.
a
wo 6. Plinius Naturgeſchichte.
3. Agrippa fchäpt Die Länge Britanniens auf 800,000 Schritte
[160 M.], die Breite aber ‚auf 300,900 Schritte [so M.1;
für die Breite Hibernia's [Irtands] nimmt er eben fo viel "
Schritte, für die Länge aber 200, 000 Schritte [40 M.] wer
niger an. Diefe Jufel liegt jenſeits Britanniens, und bie
kürzeſte Ueberfahrt vom Volke:der Siluren ) aus beträgt
30,000 Schritte [6 M.]. »*) Keine der Übrigen Juſein ſoll
mehr ald 425,000 Schritte [25 M.] im ‚Umfange haben.
Diefe find: die vierzig Orcaden [Orkneys], ***) nur durch
mäßige Zwiſchenräume von einander getrennt; bie ſieben
Acmoden [Shetlands] +) und die dreißig Hätuden 'ERebri-
den]; ++) ferner zwifchen Hibernien und Britannien: Moua
[Anglefea], Monapia [Man], Ricina, Bectid [Wight],
Limaus [Dalkey] und Andros ſArran]; unterhalb derſelben
Siambis und Axantos ++r), und anf det andern Seite, nach
dem Germanifchen Meere hin, die zerſtreut liegenden Gleſ⸗
farien, +”) welche Die neueren Mriechen &lectriden nennen,
weil fih Hier ‚ber Bernflein Eleetrum] erzmgt. 3. Die
legte aller befannten Infeln iſt Thule [Island ?], auf weicher,
*, Im heutigen Wales,
”*) Die angegebenen Maape, bie ſaͤmmtlich ſalſch find, laſſen
ſich durch jebe Landkarte berichtigen.
es) Gigentlich 67, von welchen aber nur 29 bewohnt find.
+) Die Infeiugruppe beſteht aus 86 Eilanden, von denen aur
17 bewohnt find.
+4) Es find ihrer mehr. al 200, doch nur 87 mit: Einwohnern,
+++), Sollen nad) Eintgen Lie an der frauzoſiſchen Küfte liegens
den Infel Sian und Queſſant fen. Könwte man nicht
eher die größten ber Scillpinſeln vermuthen:?
) S. Kay. 27. 5.7.
\ - Bieetis: Bud. 4
wie wir ſchon ) angegeben haben, während der Sommer⸗
ſonnemnwende, wenn die Sonne durch das Zeichen des Rred⸗
ſes geht, keine Nacht, während des Winters dagegen kein
Tag if; und zwar ſoll Dieſes abwechſelnd immer ganze
ſechs Monate hindurch der Fall ſeyn. Der Geſchichtſchreiber
Timaus erzählt, daß man nach einer Reiſe ron ſechs Tagen
von Britannien nach dem Feſtlande hin anf die Inſel Mice
tig »ꝛ Eomme, wo man das weiße Blei finde, und dab die
Britannier anf geflochtenen und mit‘ Leder umnähten Fahr:
zeugen nad) derfeiben hinſchiffen. Manche erwähnen auch
nody andere Infeln, als: Scanbia, ») Dumna, +) Bergi ++)
und Nerigos, +++) die größte von allen, vom welcher aus
man nach Thule ſchiffe. Eine Tagreife hinter Thule ift das
Meer, welches von Einigen das Croniſche genannt wird,
gefroren.
XXX (sv) 4. &m. Gallien, weicher man unter
dem Gefammtnamen Comata +”) verſteht, theift fi unter
drei Hauptvötkerſchaften. Vom Staldis [Scheide] bis zur
Sequaua [Seine] reidyt das Belgiſche, vom diefer bis zur
2) B. I. & 71.
., MWielleicht eine und. dieſelbe · nat Bectis (Wight).
vs, Mahrſcheinlich die Weſtkuͤſte von Schweden.
+) Soll die Inſel Hay ſeyn.
+ Man vermuthet darunter bie Gegend um Bergen.
+4H Wahrfcheintich Norwegen. Die Alten hielten Schweden und
Norwegen, deren Öftliche und norbdoͤſtliche Köfen unbekannt
waren, für Inſeln.
49% Das vehaarte, weil feine Bewohner Lange Haupthaare
trugen. ‘
—
462 C. Plinius Naturgeſchichte. /
Garumna [Garonne] das: Eeltifche oder Lugdunenſiſche, und
von da bis zur Abdachung der Pyrenäen das Aquitaniſche
Gallien, weiches früher dag Aremoriſche hieß. Nach Agrippa
mißt die ganze Küfte 1,800,000 Schritte [360 M.]; ganz
Gallien aber zwifhen dem Rhein, den Pyrenfäen, dem
Dean und den Bebirgen Gebenna [Eevennen] und Jura,
durch weldye es von dem Narbonenfifchen Gallien *) geſchie⸗
den ift, in der Länge 420,000 Schritte [84 M.] und in der
Breite 318,000 Schritte [637 M.]J. 2. Den äußerften
Strich vom Scaldis an bewohnen die Torandrer FTeſſender⸗
[00], **) deren Gemeinden verſchiedene Namen haben; dann
tommen die Menapier [Bemappe]; die Moriner; *°*) die
Dromanfacer, nahe an dem Orte Gefforiacum [Boulogne];
die Britanner; die Ambianer ; +) die Bellovacer [Beauvais];
ferner nad) dem Inneren des Landes hin die, Caftologer [Re
die freien Sueflloner [Soiffons] ; die freien Ulmaneter [Seu⸗
lis); die Zungrer [Tongres]; die Gunucer [Limburg]; dies
Sriflaboner [Enremburg]; die Betafer [Bethunes]s; die freien
Leucer [Lüttich]; die fonft freien [iegt mit und verbündeten]
Zreverer [Trier] ; die verbünbeten Lingoner [Rangres]; die v ers
bündeten Remer [Rheims]; die Mediomatricer [Meb] ; die
6.8.11. 8.5.
**) In ben Klammern ift ſtets ber neuere Name, des Hauptorts
Jeder Gemeinde angegeben.
"> Sm Departemeft Pas de Ealais, in welchem auch bie Bri⸗
tanner wohnten,
4 Im Departement der Somme,
e
r
Chatelet]; die Atrebater [Arras] ; die freien Mervier [Bas
vay]; die VBeromanduer Vermandois]; dieSueconer [Chauny); |
— ——
Viertes Buch. 463
Sequaner ſBeſangon]; die Rauricer *) und die Helvetier; **)
die Colonien Equeſtris [Nyon] und Rauriaca. In derfelben
Provinz, und Zwar am Rhein, wohnen auch Bermanifche
Stämme, nämlid) die Nemeter [Speier] ; die Tribocher [Straß-
burg]; die Vangionen [Worms], und weiterhin die Ubier,
Ebei welchen] die Agrippinenfifhe Colonie [Köln]; die Su:
berner f80d]; ; die Bataver.und tie andern Stämme, welche
wir auf den Jnſeln des Rheins genannt haben. ***)
XXXH (vın). 1. Im Lugdunenſiſchen Gallien findet
man die Lerovier [Liffeur]; die Vellocaſſer [Ronen]; die
Galleter [Lilebonne] : die Veneter [Bannes]; die Abrincas
tuer [Uprandyes]; die Oflemier [St. Vol de Leon]; den
bedeutenten Fluß. Ligeris [Loire]; die noch viel merkwür⸗
digere Halbinſel, welche ſich von der Grenze der Dfismier
an in den Ozean hinausdehnt, 625,000 Schritte [125 M.]
im Umfange bat, und an dem Halfe, der fie mit dem Lande
verbindet, 425,000 Schritte [25 M.] breit ift, +) und jen-
feits dieſer Halbinfel die Nanneter [Nantes]. 2. Im In⸗
neren aber wohnen die mit uns verbündeten Aeduer ſAutun];
die ebenfalld verbündeten Carnuter [Ehartres] ; die Boier
[Moulins]; die Senguer [Sens]; die Aulercer, welche fid)
zum Theil Eburovicer [Paffy-furs@ure] und zum Theil Ce⸗
nomaner [lie Mans] nennen; die freien Melder [Meaur];
4 Im Departement Haut⸗Rhein.
2) In der weſtlichen Schweiz.
*os) Rap, 29.
-P) Plinius meint die. Halbinfel, weiche von Avranches bis zur‘
Loire reicht, die aber an ber Seite, welche fie mit dem
Lande verbindet, nur 21 M. breit ift. /
—
462 C. Plinius Naturgeſchichte. /
Garumna [Garonne] das Celtiſche oder Lugdunenſiſche, und
von da bis zur Abdachung der Pyrenäen das Aquitauiſche
Gallien, weldyes früher dag Aremoriſche hieß. Nach Agrippa
mißt die ganze Küſte 1,800,000 Schritte [360 M.]; ganz
Sallien aber zwifhen dem Rhein, den Pyrenden, dem
Ozean und den Bebirgen Gebenna [E&eveunen] und Zura,
durch welche es von dem Narbonenfifchen Gallien geſchie⸗
den ift, in der Länge 420,000 Schritte [84 M.] und in der
Breite 348,000 Schritte [63° M.]. 2. Den äußerften
Strich vom Scaldis an bewohnen die Torandrer FXeffender:
100], **) deren Gemeinden verfchiedene Namen haben; dann
fommen die Menapier [Gemappe]; die Moriner; "9 die
Dromanfacer, nahe an dem Orte Gefforiacum [Boulognel;
die Britanner; die Ambianer ; +) die Bellovacer [Beauvais];
ferner nad) dem Inneren des Landes hin die Eaftologer [fe
‘ Ehatelet]; die Atrebater Arras]; die freien Nervier [Ba⸗
vay]; die Veromanduer [Bermandoig]; dieSueconer [Ehaunp);
die freien Sueffloner [Soiſſons]; die freien Ulmaneter [Sen⸗
lis; die Zungrer [Tongres]; die Sunucer [Limburg]; dies
Sriflaboner [Euremburg]; die Betafer [Bethunes); die freien
Zeucer [Lüttich]; die fonft freien Fjegt mit uns verbündeten]
Treverer [Trier] ;dieverbündeten Lingoner [Rangres]; die v ers
bündeten Remer [Rheims]; die Mediomatricer [Meg]; die
6.8. 11. 8.5.
**, Sn den Klammern ift fletö ber neuere Name bes Hauptorts
jeder Gemeinde angegeben.
u Im Departemeht Pas de Ealais, in welchem auch bie Bri⸗
tanner wohnten, |
‚» Im Departement der Somme.
r
Viertes Buch. 463
Eequaner [Befancon]; die Rauricer *) und die Helvetier; **)
die Eolonien Equeftris [Nyon] und Rauriaca. Ju derfelben
Provinz, und war am Nhein, wohnen auch Bermanifche
Stämme, nämlidy die Nemeter [Speier] ; die Tribocher [Straßs
burg]; die Vangionen [Worms], und weiterhin die Ubier,
khei welchen] die Agrippinenſiſche Colonie [Köln]; die Gu⸗
berner IGoch]; die Bataver.und tie andern Stämme, weldye
wir auf den Inſeln des Rheins genannt haben. ***)
XXXH (avın). 1. Im Lugdunenfiihen Gallien findet
man die Lerovier [Liſteux]); die Vellocaffer [Rouen]; die
Galleter [Lillebonne] : die Veneter [Banned]; die Abrincas
tuer [Avranches]; die Oflsmier [St. Pol de Leon]; den
bedeutenten Fluß. Ligeris [Loire]; die noch viel merfwürs
digere Hatbinfel, welche fidy von der Grenze der Dfismier
an in den Ozean hinausdehnt, 625,000 Schritte [125 M.]
im Umfange bat, und an dem Halfe, der fie mit dem Lande
verbindet, 125,000 Schritte [25 M.] breit ift, +) und jen-
feitd diefer Halbinfel die Nanneter [Nantes]. 2. Im In⸗
neren aber wohnen die mit uns verbündeten Aeduer [Autun);
die ebenfalls verbündeten Sarnuter [Ehartred]; die. Boier
[Moulins]; die Senduer [Gens]; die Aulercer, welde ſich
zum Theil Eburovicer [Pafiy-furs@ure] und zum Theil Ees
nomaner [le Mans] nennen; die freien Melder. [Meaux];
9 Im Departement Haut⸗Rhein.
**) In ber weſtlichen Schweiz.
”>*), Rap. 29.
PT Plinius meint die Halbinfel, welche von Avranches bis zur‘
foire reicht, die aber an der Seite, welche fie mit dem
Lande verbindet, nur 21 M. breit if. - ,
464 C. Plinius Naturgeiſchichte.
Die- Pazifier. [Paris]; die Trecaffer Troyes); die Andega⸗
ver: [(Angers]; die Bidncaſſer Vienx bei Caen]; die Bodiv⸗
caſſer [Bez]; die Uneller [im Mauche⸗Departement]; bie
Cariosveliter Eorfenil]; die Diablinder [Mayenne] ; die
Rhedoner [Rennes]; die Turoner [Tours]; die Atefuer
[IMeudan] und die freien Geruflawer, in deren ‚Gebiet bie
Estonie Lugdunun [Lyon] liegt. -
XXXIH (xix). 4. Im Aquitanuiſchen Gallien wohnen
die Ambilatrer [Ambiatet]; die Anagnuter [St. Xignan] ;
die Pictonen [Pritiers]; die freien Santoner [Saintes];
die freien Bitnriger [Bordeaur] ‚ weldie den Beinamen
Ubiscer führen; die Aquitaner [Mire], von weichen die Pros
vinz ihren Namen hat; die Gedtboniater; *) weiterhin bie
in eine Stadt vereinigten Convener [S. Bertrand de Com⸗
mingesd ; **) die Begerrer [Tarbes]; die Tarbeller [Dar],
mit vier Feldzeichen; ***) die Cocofater [Marenfin], mit
ſechs Feldzeichen ; die: Benamer [Beynes]; die Onpbrifater
[Lebret]; dieMelender [Belin]. Dann folgt:der Pyrenäen⸗
wald, und unterhalb deſſelben Eommen die Monefer [Monein] 5
die Bergosquidater: [Houciles]; die Sibyllater [Sobuſſe];
bie. Camponer [Bampon];. die. Bercortater [Biscarofie] ;.
*) Wahefcheinlich im, Departement ber NRieder⸗pyrenaͤen.
**) Mon comnvenire ’ (gufammentommen). Sie hielten ſich
"nämlich früher in den Wälbern auf, und machten bie Um⸗
gegend unficher; auf Befehl des Pompeine mußten ſie ſi ſich
in einer Stadt vereinigen.
eas) Soll wabrſcheinlich heißen, daß eben fe, viele: Truppenab⸗
theilungen bei ihnen in Beſatzung lagen.
x
Bierted Buch. A65
be Bipedimuer; die Gaffuminer; ) die Bellgter [Rieus °
Kt ; die Tornater TTournan]; die Gonforanner ; **) Die
uscer [Auch] ; die Eluſater [Enſe]; die Gottiater [605];
Die Feld: Osquidater [Offun]; die Succafler [Eeflas}; vie
"Zarufater [le Zurfan] 5 die Bafabocater [Bazas]; die Vaſ⸗
feer ; -die Sennater ; die Sambolectrer [Cambo bas de⸗Cla⸗
zence] ; die Ageſinater [Lufignan], weldye an bie Pickoner
[Poitiers] grängen ; weiterhin die freien Bituriger [Bours
ges] , welche auch Cuber genannt werden; uͤnd nach Dieſen
die. Lemovicer [Limoges]; die freien Arverner [Elermont] ,
und die Gabaler [Javoulx]. 2. Un die Narbonenfiiche
Provinz gränzen die Rutener [Mhodez];. die Cadurcer fCa⸗
pox8];. die Untobroger [Agen] und die Petrocorer [Peris
aueuxg, weide durch den Fluß Tarnes [Tarn] von den
Zolofanern [Zouloufe] getrennt find. Die Küfle wird von
folgenden Meeren befpüit: vom nördlichen Ozean bis zum
Rhein, von dem Britanniſchen zwifchen dem Rhein und der
Sequana, und von dem Galliſchen zwifchen ihr ‚und dem
Pyrenäen. Zu nennen find noch mehrere Infeln der Bes _
neter, die andy die Venetiſchen heißen, ***) und Wiarus
[Oleron] im Aquitaniſchen Meerbufen.
XXXIV (ax). 1. An dem VBorgebirg ber Pyrenäen
[Eabo de la Higuera] beginnt Hispanıen, welches hier nicht
nur fchmaler als Gallien, fondern auch (wie wir fhon +)
gefagt haben) ſchmaler als feine eigene füdliche Hälfte ift,
a die ungeheure Moffe von der einen Geite. burdy den
jean, und von der andern durch das Iberiſche Meer zus
ſammengedrängt wird. Selbſt die Pprenäentetten, welche
t
*) Sm Dorbögne: Departement. Die Ripehimuer find mir
unbekannt. nn
2) Gm ArriegesDepartement, - u
>, m, Morbiham:Departement. Die größte berfelben Heißt
jest Belle⸗Isle. we
DD» III. K. 516 | ,
‚€, Plinins Naturgefh. a6 Sm. 7
\ Ss
466 : C. Plinius Naturgeſchichte. |
fih von Oſten nady Südweſten *) hinzieben, machen His⸗
panien auf der nördlichen Geite kürzer, als auf der fädlichen.
Die nächfte Küſte **) iſt das| diefleitige oder das Taraed⸗
nenfifhe Spanien. In ihm liegen von den Pyrenäen an
längs des Ozeans das Waldgebirg der Vasconen [Gnipuz⸗
eva]; Dlarfo [Oyarftın]; die Städte der Varduler, namlich
Morosgi [Motrico]), Menosca [S. Sebaftian) und Veſpe⸗
ries [Bermes]; der Hafen der Amanen, wo fih nun die
Eolonie Flaviodriga [Portugalete] befindet ; das Gebiet der
Santabrer ***) mit neun Gemeinden ; der Fluß Sanda [Baia];
- der Hafen Bictoria Juliobrigenſuum [Santander]. 2. Bon
dieſem Orte find die Quellen des Iberus [Ebro] 40,000
Schritte 18 M.] entfernt. Dann kommen: der Hafen
Blendium [Blencta]; die Orgenomescer , ein Cantabriſcther
Stamm ‚mit ihrem Hafen Bereafueca [Laredo]; das Ge:
biet der Afturer ; +) die Stadt Noega [Gijon] ; die Päflcer
auf einer Halbinfel; +7) weiterhin vom Fluſſe Navilubio
[Nalon] der Lucenſiſche Gerichtsbezirk [Lugo] ; die Eibarcer
[2uarca] ;.die Egovarrer [Alvare], welche aud) den Beina:
men Namariner führen ; die Jadoner; die Urrotreber ; +++)
*) Man hat biefe Stelle gewöhnlich mißverfianden und zu
: verbeffern gefucht , naͤmlich occasus brumalis (Südtveften)
in occasus aestivus (Meften), weil man immer nur
an ben Theil der Pyrenaͤen dachte, welcher Frankreich von
Spanien fcheibet, nicht aber an die fih von ber Hauptmaffe
ablöfenden Seitenzweige, welche Spanien durchziehen.
”*) Mon dem Aauitanifhen Gallien an. Das Tararonenfifche
Spanien umfaßte Navarra, Arragonien, Catalonien und
Theile von Eaftilien uub Valencia.
202), Im weitlichen Theile von la Montana und in der Norbs
hälfte der Provinzen Palencia und Xoro.
P» In den Provinzen Afturias und Leon.
tr) Um Eabo de Pennas in Afturien.
' TH Der Text fcheint hier fehr verborben zu fen. Auch kom⸗
men biefe Namen nirgends vor.
Viertes Bud. Ä 467
das Geltifche Borgebirg [Finisterre]; die Flüffe Florins [De
Dro] und Nelo [Allonos]. 3. Dann folgen die @elticer,
weine den Beinamen Nerier führen; ) über Diefen bie
Tamaricer, anf deren Halbinfel [Eabo Billane] ih die drei
von. Geftius ”*) dem Auguſtus geweihten Altäre befinden;
die Eaporer [Gantiago de Eompoftella]; die Stadt Noela
ERoalla] ; die Eelticer, welche den Beinamen Präfamars
cer ***) führen; die Cilener [Ealdas de Ren). Bon den
Inſeln find zu bemerken : Eorticata [Balvora] und Yunios
[Ous]. Bon den Eilenern an gehören zum Bracarifchen
Serichtöbezirt [Braga] die Helener [ Pontevedra] ; bie
Gravier und ihr Kafell Tyde [Tuy], beide Staͤmme Grie⸗
hifhen Urfprungs; die Infeln Eicä_[Eie#] ; die berühmte
Stadt Abodrica [Ferrol]; der Fluß Minius [Minho], wel
her an feiner Mündung 2000 Schritte [* M.] breit if;
die Leuner; die Seurber; Auguſta [Braga], die Hauptitadt
der Bracarer, hinter welchen Ballscia +) liegt. 4. Bu bes
merken (ind noch dex Fluß Limia [Linda] und der Duriuss
from [Duero], einer der größten Hispaniens. Er enıfprinat
im Gebiete der Pelendoner, ++) fließt an Numantia +++)
vorüber, durch Das Gebiet der Arevacer und Baccder, trennt.
die Vettoner von Aſturien, die Galläcer von LZufltanien,
und macht die Gränze zwifhen den Turdulern und Bracas
*, Am Vorgebirg Finisterre.
*0) Diefer Seftins ift fonft unbefannt ; die Altäre wurden nach dem
Feldzug gegen die Eantabrer (24—18 vor Ehr.) errichtet.
340), Beide Volker bewohnten ben Laubſtrich zwifchen beim Duero
und Minho.
+) Diefes Land begriff, einige. kleine Küftenftriche ausgenom⸗
men, Galtzien, Afturien, Theile von Leon und WBallabolib,
und die Portugiefifhen Provinzen Eutre Duero y Minho
und Tras los Montes in fid,.
+ In der Provinz Burgos. '
++), Bon Numantia und den andern in-biefem Kapitel noch vorkoms
menden Bölfern war ſchon B. III, 8.3, u. 4 die Rede.
j
168 . €. Plinius Naturgeſchichte.
rern. Der ganze befchriehene Landſtrich von den Pyrenden
an iſt reich an Bergwerken, in welden man Gold, Silber,
@ifen, ſchwarzes und weißes Blei gewinnt. B
XXXV XxXi). 1. Am Durius beginnt Luſitania [Por⸗
tugal)], und wir finden hier zuerſt die alten Turduler; °)
die Päfurer [G. Joan de Pesqueira] ; den Fluß Bacca
[Bonga]; die Stadt Zalabrica [Talavera de la Reyna)];
Stadt und Fluß Weminium [Dorf Minho und Flußchen
Buadalete]; die Städte Conimbrica [Eoimbra]; Collippo
[Covilho]; Eburobritium [Aveiro]. Bon hier aus läuft
Die ungeheure Spitze eines. Vorgebirges [Drtegal] in die
hohe See: Einige nennen ed das Artabrifche, “Andere das
Große, Viele auch von- der dabei liegenden Gtadt [Dfis
fipo, Lisboa] das Oliſtponiſche. Es fheidet Länder, Meere
und Alima; denn mit ihm endigt die Seite Hifpaniens, deffen
Borbdertheit, ſobald man am daffelbe herum iſt, beginnt. Auf
diefer Seite ift Norden und ber Gallifhe Ozean; auf der
andern Welten und der Atlantifhe Ozean., 2. Der Vor⸗
fprung des Caps wird gewöhnlich auf 86,000 Schritte [12 M.],
von Manchen aber anf 90,000 Schritte [138 M.] angegeben.
Nicht Wenige beftimmen die Entfernung von hier bis zu
den Pyrenfäen auf 1,250,000 Schritte [250 M.], und feben
durch einen offenbaren Irrthum das Volk der Artabrer,
welches nie vorhanden war, in diefe Begend. Sie fegen-
nämlid durch Berwechfelung einiger Buchſtaben die Arro⸗
treber, die, wie wir oben **) fugten, vor dem Eeltifchen Vor⸗
gebirge wöhnten, hieher.
5. Auch bei den berühmten Flüſſen hat man ſich ge.
irrt. Bon dem oben ***) genanuten Minius ift (nad) Varro's
Angabe) der Aeminius 200,000 Schritte [a0 M.] entfernt.
Manche fegen diefen anderswohin, und nennen ihn Limäa
[Lima], Bei den Alten heißt er der Fluß der Vergeſſenheit,
”) Auf ber GSübfeite bes Duero.
**) Rap. 34. 8. 2. |
") Ebend. 5, 3.
x
DViertes Buch. 469
imd viele Fabeln knupfen ſich an ihn.“) Die Entfernung
vom Durius bis zum Tagus [Tafo}, zwiſchen welchen noch
die Munda [Mondego]. fließt, beträgt 200.000 Schritte
[RO M.]. Dem Tajus rühmt man nad, daß fein Gand
Gold mit ſich führe. *%) 160,000 Schritte [52 M.] von ihm
fpringt faft in. der Mitte der Worberfeite Hispaniens das
beilige Vorgebirg [S. Vincente] vor. 4. Die Entfer⸗
nung von ihm bis zur Mitte der Pyrenäen beirdgt nad)
. Barro 1,400,000 Schritte [280 M.]; bis zum Anas [On«
Diana], den wir als Gränze zwifhen LZufltania und Bätica
angegeben haben, ***) 126,000 Schritte [25'/ M.], und
bie nach Bades mod, 102,000 Schritte, [20% M.j mehr.
Die Völkerſtämme, welche dieſen Landftridy bewohnen, find
Die Celticer, die Turduler, die Vettoner am Tagus nnd
die Lufltaner vom Anas bis zum heiligen Vorgebirg. Ber
rühnite Städte an der Küfte vom Tajus an find: Olifipo
[2ieboa], beſonders deßhalb bekannt, weil daſetbſt die Stu⸗
ten durch den Weſtwind trächtig werden; +) Salacia
Fuec do Gall. welche den Beinamen „Kaiferfladt* führt;
erobriea [Santiagb de Eacem] : dann folgen das heilige
Borgebirg und ein anderes, welches Cuneus Le. Maria]
heißt, und die Städte Dffonoba [Eftomba], Balfa [Upalhan] .
und Mortilis [Mertola]. | u ,
5. Die ganze Provinz wird in drei Gerichts bezirke ein:
getheilt: den Emeritenfifhen [Meridal; den Pacenfifdien
:-[Beja] und den: Scalabifanifhen [Santarem], und, zählt
“ | .
*) Nach der Sage vergagen bie Turbuler und Eelten, weiche
- auf einem Zuge begriffen waren, an feinen Ufer ihr Bors
baden . und bie Heimkehr. Man fchrieb es ber Wirkung
des Fluſſes zu, und Brutus hatte große Mühe, feine Sols
daten zum Mebergang über benfelben zu bewegen. gl.
Sloras II, 17. | .
Bal. B. XXXIII. 8, 21. Pomp. Meta IE, 1.
ↄoꝰ9 B. MIII. &. 2%, 1.
- DB UL K. 3. 5. 10.
1 -
[4 ’ {)
468 . €. Plinius Naturgeſchichte.
rern. Der ganze beſchriebene Landftrich von den Dyrenden
an tft reih an Bergwerken, in welchen man Bold, Silber,
@ifen, ſchwarzes und weißes Blei gewinnt. oo. .
XXXV Gxi). 4. Am Durius beginnt Lufltania [Por⸗
tugal], und wir finden hier zuerſt die alten Turduler; ”)-
Die Päfurer [S. Idao de Pesqueira); den Fluß Vacca
[Bonga]; die Stadt Zalabrica [Talavera be la Reyna)];
Stade und Fluß Weminium [Dorf Minho und Fluͤßchen
Buadalete]; die Städte Conimbrica [Eoimbra]; Eollippo
I[Covilho]; Eburobritium [Aveiro]. on hier aus läuft
die ungeheure Spitze eines Vorgebirges ſOrtegal] ik die
hohe See: Einige nennen es das Artabriſche, Andere das
Große, Viele auch von der dabei liegenden Stadt [Dfis
fipo, Lisboa] das Oliſtponiſche. Es fcheidet Länder, Meere
und Klima; denn mit ihm endigt die Geite Hifpaniens, deſſen
Bordertheit, fobald man um daffelbe herum iſt, beginnt. Auf
diefer Seite ift Norden und der Gallifhe Dean; auf der
andern Welten und der Atlantifche Ozean. 2. Der Bor
fprung des Caps wird gewöhnlich auf 60,000 Schritte [12 M.];
von Mandyen aber auf 90,000 Schritte [13 M.] angegeben
Nicht Wenige beftimmen die Entfernung von hier bis zu
den Pyrenäen auf 1,250,000 Schritte [250 M.], und fegen
durch einen offenbaren Irrthum das Volk der Artabrer,
welches nie vorbanden war, in diefe Gegend. Gie fegen -
nämlid) durch Verwechſelung einiger Buchftaben die Arro⸗
treber, die, wie wir oben **) fugten, vor dem Celtifchen Vor⸗
gebirge wohnten, hieher
3. Auch bei den berühmten Flüſſen hat man fi ger.
irrt. Bon dem oben ***) genannten Minius ift (nach Barro’s
Angabe) der Aeminius 200,000 Schritte [40 M.] entfernt.
Manche fepen dieſen anderswohin, nnd nennen ihn Limäa
[Lima]. Bei den Alten heißt er der Fluß der Vergeſſenheit,
*%) Auf der Gübdfeite des Duero.
**, Ray. 34. 6. 2.
) Ebend. 5, 3,
x
heißt, und die Städte Dffonoba [Eſtomba] ‚Ba
x
Diertes Bud, 469
md viele Fabeln Inüpfen ſich an ihn.“) Die Entfernung
vom Durius bis zum Tagus [Tafo], zwiſchen welchen noch
die Munda [Mondego]. fließt, beträgt 200.000 Schritte
[Ro M.]. Dem Tajus rühmt man nad), daß fein Sand
Gold mit ſich führe. *”) 160,000 Schritte [52 M.] von ihm
fpringt faft in der Mitte der WBorderfeite Hispaniens das
beilige Vorgebirg [S. Bincente] vor. 4. Die Cutfer:
ang von ihm Bid zur Mitte der Pyrenäen beträgt nady
. Barro 1,400,000 Schritte [280 M.]; bis zum Auas [On
Diana], den wir als Gränze zwifhen Lufltania und Bätica
angegeben haben, ***) 126,000 Schritte f25'/ M.], und
bi6 nach Gades nocd 102,000 Schritte [20% M.] mehr.
Die Völkerſtämme, welche diefen Landſtrich bewohnen, find
Die Eelticer, die Turduler, die Vettouer am Tagus nnd
die Zufitaner vom Anas bis zum heiligen Worgebivg Ber
rühnite Städte an der Küſte vom Tajus an find: Olifipo
ſeisboa], befonders deßhalb bekannt, weil daſetbſt Die Stu⸗
ten dur den Weſtwind träcdtig werben ; +) Galacia
Faeg do Gall. welche den Beinamen „Kaiſerſtadt“ führt;
erobrica [Santiagb de Eacem] : dann folgen das heilige
Borgebirg und ein anderes, welches Eunens LE. Maria]
F fa (Apalhas
und Myrtilis [Mertola].
5. Die ganze Provinz wird in drei Gerichts bezirke ein⸗
getheilt: den Emeritenfifhen [Meridals den Pacenſiſchen
Beja] und den: Scalabitanifhen [Santarem], und, zählt
— — — A
*) Nach der Sage vergaßen bie Turbuler und Eelten, weiche
- auf einem Zuge begriffen waren, an feinen Uferh ihr Bors
baden und bie Heimkehr. Man fchrieb ed ber Wirkung
bes Fluſſes zu, und Brutus Hatte große Mühe, feine Sols
daten zum Webergang über benfelben zu bewegen. Val.
Storus II, 17. |
) 28H... XXXIL 8. 21. Pomp. Mela II, 1.
,31.826 1.
7) B. III. K. 3. 5 10.
/
A
470 C. Plinius Naturgeſchichte.
46 Gemeinden, unter denen ſich fünf Colonien, eine Muni⸗
cipalftadt- mit Römifhem Bürgerrecht, drei mit Altlateini-
fhem Bürgerrecht und 36 Ddienftpflichtige befinden. Die
Eotonien find: Augufta Emerita [Meriva], am Bluffe Anas;
die Metallinenfifiche [Medelin] ; die Pacenfifche [Bein]; die
Norbenfifche [Alcantara), welche auch die Eäfarifche heißt
und zu der Caſtra Julia [Trurilo] und Eaftra Cäcitia [Ca⸗
zar de Cazeres] achören; und die fünfte Scalabis [Santa⸗
: rem], weiche and Prafidium Julium heißt.. Die Munizis
palſtadt mit Römifhem Bürgerrecht ift Oliſipo, welche auch
den. Beinamen Felicitas Julia führt. Die Städte mit
Altlateinifchem ‚Bürgerrecht find Ebora [Evora], welde
auch Liberalitas Julia heißt ; ferner Mortilis uud Salacia,
weldye wir fchon angeführt haben. 6. Bon den Dienftpflidy-
tigen können außer den ſchon bei Bätica. unter ähnlichen
Benennungen aufgezählten *) allenfalls noch namhaft ges
macht werden: Die Auguftobrigenfer [Muro] ; die Ammien=,
fer [Almeida] ; die Aranditaner [Abrantes] ; die Arabricenfer-
[Brega] ; die Batfenfer [Apalhao]; die Cäfarobricenfer [Ein-
dad Rodrigo]; die Gaperenfer [las Ventas de Caparra];
die Gaurenfer [Eoria]; die Eolarner [Billa Cova a _Eoel-
heira] ; die Eibilitaner ; die Concordienfer [Ea Guarda] ; Die
Eihocorier [Celorico]; die Interannienfer; die Lanciener
[Sollanco] ; die Mirobrigenfer [Miranda], welche den Beis
namen Eelticer führen; die Medubrigenfer,, Die auch: Plum⸗
barier; die Ocelenſer [Bermofelle], die andy Zancienfer ; die
Turdufer, **) die auch Barduler genannt werden, und. die
Taporer [Tavoral. 7. Agrippa aibt die Länge Lufltaniens,
Aſturien und Galläcien mit. einbegriffen, auf 540,000 Schritte
[108 M.] und die Breite auf 556,000 Schritte [107% M.]
an. ***) Der Umfang des gefammten Hifpaniens aber nu längs
der. zwifchen den beiden Borgebirgen der Pprenden durch die
*) B. III. Kay. 3. 5. 10.
**) In der Gegend von Badajoz. Bol. B. IL 8. 3. $. 10.
*e*) Die Maaße find, wie gewöhnlich, unrichtig. —
Viertes Buch. 474
‚Meere ſich hinziebenden Küfte 2,922,000 Schritte [594° M.],
nach Andern 2,600,000 Schritte [520 M.] betragen,
XXXVI. 4. Geltiberien gegenüber liegen mehrere In⸗
feln, welche wegen ihrer &rgiebigkeit au Blei bei den Gries
wen die Baffiscriden [Blerinfein] heißen, ”) nnd in ber
Richtung des Borgebirges der Arrotreber [Binisterre] Die
ſechs Bötterinfeln, **) von Manchen auch die Gtüdfeligen
genannt. An der Gpige von Bätica, 25,000 Schritte [5 M.)
.Don der Meerenge [von Gibraltar] liegt Gadir [Isla de
Zeon], nady der Ungabe des Poinbius 412,000 Schritte
[2 M.] lang und 3,000 Schritte [’s M.) breit. Bon dem
zeften Lande ift fie an dem dieſem zunächſt liegenden Punkte
. weniger ald 700 Fuß, an den übrigen Gtellen aber mehr als
7000 Schritte [12, M.] entfernt. Ihre Größe beträgt
- 45,000 Schritte [3 M.); auch findet mau auf ihr eine Stadt
mit Römifhem Bürgerredht, welche Auguſta Julia Gaditana
[Cadiz heißt. 2. Ungefähr 100 Schritte (a468 F.] von ihrer
nad) Hispanien hin gerichteten Küſte liegs eine andere läng-
Iiche, 3000 Schritte ſ. M.- breite Infel [S. Petri], auf
weldyer früher die Stadt Bades fand. Ephorus und Phir
Hiflides nennen fle Erythia, Zimäus und Silenus Aphrodi-
fiad , die Eingebornen aber Iunoinfel. Nah Timäus hieß
bei-ihnen die größere [Isla de Leon] Eotinuffa ; die LUnfrigen
nennen fie Zartefjos, die Punier Gadir, was in ber Puni⸗
fhen Sprache eine Umzäunung bedentend. Erpythia hieß fie
-[die kleinere), weil die Tyrier, die Stammeltern der Pu⸗
‚ nier, von dem Erpthräifchen [rothen] Meere hergekommen
ſeyn follen. Mandye glauben, auf diefer Infek hätten auch
*) Bei Spanien liegen Leine Infeln, welche Blei liefern. De
Irrthum entitand wohl daraus, daß man bie bleireichen
Sorglingifhen Infeln an ber Küfte von Britannien zu
weit fühdlich fette.
**) Wahrfcheinlich Beine Küfteninfeln. Manche waͤhnen darin,
gewiß aber mit Unrecht, die Canariſchen Infeln zu finden.
\
‘
+
3
470 C. Plinius Naturgefhichte.
46 Gemeinden, unter denen (ih fünf Colonien, eine Muni⸗
cipalftadt. mit Römifhem Bürgerreht, drei mit Altlateini«
fhem Bürgerrecht und 536 dienftpflichtige befinden. Die
Colonien find: Auguſta Emerita [Merida], am Bluffe Anas;
die Metallinenfiihe (Medelin]; Die Pacenſiſche [Bela]; die
Morbenfifche [Alcantara], welche auch die Eäfarifche heißt
und zu der Gaftra Julia [Trurilo] und Eaftra Cäcitia [Ea:
zar de Cazeres] gehören; und die fünfte Scalabis [Bantar-
rem], welche and Präfidium Julium heißt. Die Munizis
patftadt mit Römifhem Bürgerrecht ift Diifipo, welche auch
den Beinamen Felicitas Julia führt. Die Gtädte mit
Altlateinifhem ‚Bürgerrecht find Ebora [Evora], welche
auch Liberalitas Julia heißt ; ferner Mortilis uud Salacia,
welche wir ſchon angeführt haben. 6. Von den Dienftpflich«
tigen können außer den ſchon bei Bätica. unter ähnlichen
Benennungen aufgezählten *) allenfalls noch namhaft ge:
macht werden: die Auguftohrigenfer [Muro]; die Ammien--
fer [Almeida] ; die Aranditaner [Abrantes]; die Arabricenfer
[Brega]; die Batfenfer [AUpathao]; die EAfarobricenfer [Ein-
dad Rodrigo); die Eaperenfer [lad Ventas de Eaparra];-
die Gaurenſer [Eoria] ; die Eolarner [Billa Cova a Coel⸗
heira] ; die Eibilitaner ; die Concordienfer [La Guarda] ; die
Elbocorier [Celorico]; die Interannienfer; die Lancienſer
[Sollanco] ; die Mirobrigenfer [Miranda], welche den Bei⸗
namen Gefticer führen; die Medubrigenfer, die auch Plum⸗
barier; die Dcelenfer [Bermofelle], die and) Lancienfer ; die
Turduler, **) die auch Barduler genannt werden, und Die
Taporer [Tavoral. 7. Agrippa gibt die Länge Lufltaniens,
Aſturien und Galläcien mit einbegriffen, auf 540,000 Schritte
[108 M.] und die Breite auf 556,000 Schritte [107° M.]
an.***) Der Umfang des gefammten Hifpaniens aber foll längs
der. zwifchen den beiden VBorgebirgen der Pyrenäen durch die
*, 3. III. Ray. 3. 6. 10,
+2) In der Gegend von Badajoz Bol. B. IIL 8. 3. S. 10.
e*) "Die Maaße find, wie gewöhnlich, unrichtig. “
Biertes Bud). A741
Meere ſich hinziehenden Küfte 2,922,000 Schritte [584° M.],
nad) Andern 2,600,000 Schritte [520 M.] betragen,
XXXVI. 4. Geltiberien gegenüber liegen mehrere In:
fein, welche wegen ihrer Ergiebigkeit an Blei bei den Grie⸗
hen die Baffiscriden [Blerinfein] heißen, ) nnd in ber
Richtung des Vorgebirges der Urrosreber [Binisterre] die
feh8 Böfterinfein, **) von Mancen and die Gtüdfeligen
genannt.. An der Spitze von Bätica, 25,000 Schritte [5 M.]
.von der Meerenge [von Gibraltar] liegt Badir [Isla de
Leon], nad der Angabe des Pornbius 412,000 Schritte
(2? M.] lang und 3,000 Schritte [’, WM.) breit. Bon dem
seften Lande ift fie an dem dieſem zunächt liegenden Punkte
. weniger als 700 Fuß, an den übrigen Stellen aber mehr ale
7000 Shritte [4?/; M.] entfernt. Ihre Größe beträgt
- 45.000 Schritte [53 M.1; aud) findet mau auf ihr. eine Stadt
mit Römifhem Bürgerrecht, welhe Auguſta Julia Gaditana
[Eadiz heißt. 2. Ungefähr 100 Schritte [468 F.] von ihrer
nad) Hispanien hin gerichteten Küſte liegt eine andere läng⸗
liche, 3000 Schritte [?, M.] breite Infel [S. Petri], auf
weldyer früher die Stadt Bades Aland. Ephorus und Phi⸗
liſtides neunen fie Erythia, Timäus und Silenus Aphrodi-
ſias, die Eingebornen aber Junoinſel. Nach Iimäus hieß
bei ihnen die größere [Isla de Leon] Cotinuſſa; die Unſrigen
nennen fie Tarteffog, die Punier Gadir, was in der Puni-
fhen Sprache eine Umzäunung bedeutend. Erpthia hieß fie
[die Heinere], weil die Tyrier, die Gtammelteru der Pu⸗
‚.nier, von dem Erothräiſchen [rothen] Meere hergelommen
feyn follen. Manche glauben, auf diefer Inſel hätten auch
*) Bei Spanien liegen keine Inſeln, welche Blei liefern. Dee Ä
Irrthum entitand wohl daraus, daß man bie bleireihen
Sorglingifyen Inſeln an ber Küfte von Britannien zu
weit ſuͤdlich fette.
”*) Wahrſcheinlich kleine Küfteninfeln. Manche wahnen darin,
gewiß aber mit Unrecht, die Canariſchen Inſeln zu finden.
[4
*
Ar2 C. Plinins Raturgefhicle.
die Geryonen gewohnt, deren Heerden Hercules fortführte; *)
nach Andern geſchah Dieß aber anf einer an der Küſte von
Euftanien gelegenen Inſel, weldye ſonſt denfelben Namen
führte. u
AXXVU (zn) 4. Rachdem wir nun um Europa her:
um find, wollen wie noch, damit den Wißbegierinen nichts
unklar bleibe, eine Ueberfichtsberehnung geben. Nach Arte⸗
midorus and Ffldorus beträgt die Länge dieſes Erdtheiles
vom Tanais bis nach Bades 8,214,000 Schritte *") [4,642% M.].
Volybius gibt die Breite Europa’s von Italien bie zum
Ocean auf 1,150,000 Schritte [250 M.] an; aber zu jener
Zeit war man über feine Größe noch nıcht im Klaren: denn
Italien allein mißt (wie wir ſchon ***) gefagt haben) bis zu
den Alpen 4,120,000 Schritte [224 M.]). 2. Bon diefen
aber über Lugdunum bis zum Britannifchen Hafen der Mo⸗
riner [Boufogne), in weicher Richtung auch Polybius ges
meffen zu haben: feheint, find es 41,508 000 Schrifte (295 ?; M.].
Als eine zuverläßigere und weitere Meffung ift die ebenfalls
von den Alpen. durch die Lagerplätze der Legionen in Germas
nmien nach Nordweſten und bis zur Mündung des Rheins lau⸗
fende anzufehen : fie beträgt 1.543,000 Schritte [318°/, M.J. —
Bir gehen jest zur Beichreibung Africa’s und Afiensd über.
*) Die Fabel von den Stieren bed Gerpon, ober der brei
Brüber Geryon, iſt bekannt. Vgl. Herobot EV, 8.
+), Die Baht iſt zu groß; vielleicht mug man leſen: 3,214,000
+.) B. III. K. 6.95 vgl. K. 10. 8. 3.,
=
Ze
Roͤmiſche Proſaiker
in N
neuen Ueberſetzungen.
Herausgegeben
von
® 28. 5. Tafel, .Profegor zu Tübingen,
ER. v. Dfiander, Profefor zu Gtutigart,
m G. Schwab, Dekan zu Stuttgart.
—m —
Einhundert neun und fünfzigftes Banbchen.
—
Gtuttgart,
Berlag der % B. Metz ler'ſchen Buchhandlung.
18 4 4 |
Cajus Plinius Secundns
Naturgefihidte
Ueberſetzt und erläutert
von
Dr. 9. 9 Külb,
Stadtbibliothekar zu Mainz,
Bünftes Bändchen. . ’
ER
—Stuttgart,
Berlag der J. B. Metz ler'ſchen Buchhandlung.
1844.
E. Plinius Secundus Naturgeſchichte.
Fünftes Bud.
In diefem werden nadhfolgende Länder,
ihre Lage, Einwohner, Meere, Städte,
Häfen, Berge, Flüffe, Maaßbeſtimmun⸗
gen, fo wie ihre noch vorhandenen oder
verfhmwundenen Völker, befhrieben.
Inhalt.
Kap. I. Die beiden Mauretanien, IE Numidien. II. [Das
eigentliche) Africa. IV. Die Syrten. V. Eyrenaica VI [Mas
reotis Eisya), VII. Die Infeln um Africa [im mittellänbifchen
Meere]. VII, Das innere Africa, IX. Aegypten und Thebais.
X Der Ri. XI. [Städte in Aegypten]. XI. Der Theil
Arabiens, welcher am Aegyptiſchen Meer liegt. XIII. Syrien.
XIV, Sdumäa, Paläftiina, Samaria. XV. Judäa. XVI. [Des
capolis]. XVII. Phonicien. XVIII. Das Antiochiſche Syrien.
XIX, Das übrige Syrien. XX. Der Cuphrat. . Syrien
478 €. Plinius Naturgeſchichte.
am Cuphrat. XXI, Eilicien und bie daran grenzenden Völker,
XXI Dos Sfaurifhe Volk und das Mole ber Homonaden.
XXIV. Pifdin. XXV. Lycaonien. XXVI. Pamphylien.
XXVII. Der Berg Taurus. XXVIII. Eycien. XXIX. Earien.
XXX. IeydienJ XXXE Jonien]. XXXII. Aeolis. XXXIII.
Troas und die angrenzenden Volker. XXXIV. Die zweihun⸗
dertzwoͤlf vor Aſien liegenden Inſeln, darunter XXXV. Cypern,
XXXVI. Rhodus, XXXVII. Samos. XXXVIII. Ehios,
XXXIX. Lesbos. XL, Der Heileſpont und Myſien. XLI. Phry⸗
gien. XLII. Galatien und die angrenzenden Völker. XLIII. Bis
thynien. XLIV. [Infeln der PropontisJ.
Anzahl der Städte und Völker:?......
der. berühmten Slüffe: ..... -
der berühmten Berge: . .....
der Inſeln: 118.
der verfhwundenen Städte und Wölker: . ,. .
der Sachen, Gefchichten und Bemerkungen „ .. N
8
ua“
‘
Quellen
[Finheimifhel: Agrippa, Suetonius, M, Varro, Varro
Atacinus, Cornelius Nepos, Hyginus, &. Vetus, Mela, Domis.
tius Eorbulo , Licinius Mucianus, Elaudius Edfar, Arruntins,
Livsus der Sohn, Sebofus, die Triumphacten,
Sremde: Der König Juba, Heecatäus, Hellaniens, Das
maftes, Dikdarhus, Bäton, Timoſthenes, Philonibed, Zenagoras,
Aſtynomus, Staphylus, Ariſtoteles, Dionyſius, Ariftveritus,
Ephorus, Eratoſthenes, Hipparchus, Pasätins, Serapion vom
Antiochia, Callimachus, Agathokles, Polybius, der Mathematiker
"Zimäus, Herodotus, Myrfilus, Alexander der Polphiſtor, Metro⸗
dorus, Poſidonius, ber einen Periplus [Kuſtenumſchiffung] oder
eine Periegeſis Erbbeſchreibung] verfaßte, Sotabes, Periander,
) ——— — a alten Handſchriften; auch bie den Inſeln beige»
Fünftes Bud. 479
Ariſtarchus von Gichon, Eudoxus, Antigene, Eallicrated, Xenv⸗
„bon von Lampſacus, Diodorus von Syracus, Hanno, Himilco,
Nymphodorus, Calliphon, Artemiborus, Megafihenes, Iſidorus,
Eleobulus, Ariſtocreon.
Bemerkungen über die von Plinius in
biefem Bude benüsten Quellen. ®)
— * Agathocles. Plinius führt diefen nicht genan
bekannten Hiftoriker ald Quelle an, obne das ihr Entnoms
wmene näher zu bezeichnen.
— Agrippa. Nah ihm wird in diefem Buche die
Länge der ganzen Nordküfte Africard (Kap. 6. $. 2.), fers
ner die Entfernung von Pelufium bis Arſinos am rothen
Meer (Kap. 19. $. 2.), fo wie die Groͤße des eigentlichen
Mfiend (Kap. 28. $. 4.). beftimmt.
— »Alexander, der Polyhiſtor. Er if eine
Hauptquelle des Plinius, wird aber von Diefem nur im
Allgemeinen im Berzeichniffe der in diefem Buche benübten
Schriftfleller genannt. %
* Antigenes, ein nicht weiter befaunter Geſchicht⸗
Schreiber Wlexanders des Großen. Da ihn Plinius nur in
dem Iuhaltsverzeichniffe nennt, fo Bann man nicht beſtim⸗
men, an weldyen Stellen er ihn benfgt hat.
2) Ein Strih vor dem Namen deutet an, daB er ſchon im
- einem der früheren Bücher vorkam; ein Sternchen bezeichs
net die Briehifhen Schriftſteller.
480 C. Plinius Naturgeſchichte.
»Ariſtarchus von Gicyon, ein —
Schriftſteller, wahrſcheinlich im geographiſchen Fache, den
Plinins in dieſem Buche gebraucht bat, ‚aber wicht näher
bezeichnet.
°” Ariftocrenn, auch ein unbekannter gengraphifher
Schriftſteller, dem Plinius eine Bemerkung über die Länge
Aegyptens (Kap. 10. $. 11.) entnahm.
»Ariſtocratus, ein Griechiſcher Sqriftſteller, über
deſſen Lebensverhältniſſe wir keine Nachricht haben; wir
wiſſen nur, daß er Berfafler eines nicht mehr porhandenen
Werks über Milet war (Schol. Ayollon. Rhod. I, 186.). Ob
Plinius aus diefem, oder ans einem andern feiner ung un⸗
befanuten Werke die Bemerfung über die früheren Namen
der Inſel Samos (Kap. 37.) ſchöpfte, läßt ſich nicht he⸗
flimmen.
— * Ariſt oteles. Plinius führt dieſen aubekaunten
Schriftſteller in dieſem Buche (Kap. 37.), wo er von den
früheren Namen der Inſel Samos ſpricht, an; hat ihn aber
gewiß öfter fonft benũutzt.
— * Artemidorus. Viele Maßbeſtimmungen in
dieſem Buche, wie der Zwiſchenraum zwiſchen Tingis und
Canopus (Kap. 6. $. 2.), die Größe Allens. (Rap. 9. 6. 1,
die Länge Aegyptens (Kap. 10. 6. 41.) und die Länge ber
Inſel Cypern (Kap, 35. $. 1.) And ihm eutlchnt.
Aruntins oder Arruntius, lebte unter der Regie⸗
zung des Anguſtus, und ſchrieb eine nicht mehr vorhandene
Gedichte des erflen Puniſchen Krieges (Senoo. Epist. 144.),
in welder er den Styl Gallufts nachzukünſteln ſuchte. Pie
nins bezeichnet das ihm Entnommene nicht näher.
Fünftes Bud. A44
Aſtynomus, ein ſonſt unbekannter Echriftſteller,
der ein Werk über die Juſel Cypern verfaßt zu haben ſcheint
(Btephan. v. Kungos), Auch Plinius kennt ans ihm die früs
heren Namen der Inſel Eypern (Kap. 31. $. 4.)
* Bäton, ein fonft unbelaunter Geſchichtſchreiber Ale⸗
xanders des Großen, welcer deflen Heer begleitete, und
über die Märfche deffelben ein nicht mehr vorhandenss
Werk (Zrappoi is Adskarögov rregeias) derfaßte (Athe-
naeus X. p. 442). Plinins bezeichnet die Gtellen nicht va⸗
ber, an denen er ihn benüßte.
* Sallicrates, ein Griechiſcher Schriftſteller, ber
sur von Plinius in dem WUutorennerzeichniffe zu dieſem
- Buche erwähnt wird, fonft aber unbekannt if, Seine
Werke fiheinen geograpbifchen Inhalts geweien zu fepn.
— * Callimachnus. Plinius entnimmt ibm in Dies
few Buche (Kap. a. $. 4.) eine Bemerkung über den Gre
Zriton in Africa.
— * Ealliphanes. Was Plinius von diefem Gchrißts
fleller nahm, ift ungewiß, da er nur im Inhaltsverzeichniſſe
überhaupt ald Duelle genannt wirb.
Claudius, der Kaifer, wird von den Alten als
Hiſtoriker gerühmt. Er fihrieb eine Geſchichte Noms. von
Der Seit des Auguſtus an in a1 Büchern (Bueton. in Claudio.
c. 44. 42.), und eine Gedichte feines Lebens in 8 Büchern.
Aus weichem diefer nicht mehr vorhandenen Werke Plinins
Nie Bemerkung über den Umfgng des Mareotifchen Sees in
Egypten (Kap. 11. $. 4.) nahm, iſt ungewiß.
— *. Gleobulus. Eine Bemerkung über den alten
1.7.) E. Plinius Naturgeſchichte.
Namen der Infel Chios (Kap. 58. $. 1.) ift aus dieſem
ſonſt unbefannten Schriftfteller entlehnt.
Corbulo, En. Domitius, ein Römifcher Feldherr,
der im Drient und in Germanien Heere befehligte, and im
3. der St. 791 (39 nad Ehr.) Eonful war. Er zeichnete
fi) and) als Hiftoriter ans, und fcheint mehrere Werke
über die Länder, in denen er ald Feldherr ſtand, geichrieben
zu haben. Plinius hat von ihm eine Bemerkung über bie
Duelle des Euphrat (Kap. 20. 6. 4.).
— Eornelins Mepos. Plinius rügt in biefem
Buche (Kap. 1. $. a.) die Leichtglänbigteit dieſes bekannten
Schriftſtellers in Beziehung auf die. fabelhaften Erzählungen
von der Weſtküſte Africa’s.
*Damaftesvon Gigeum (Avienus de ora maritimh 46),
Zeitgenoffe Herodot's, fchrieb einen nicht mehr vorhandenen
Periplus (Baler, Mar. VIII, 13.), worin er den Hecatäus
geplündert haben foll (Agathemerus I, 4.). Plinius führe
ihn im Allgemeinen in dem Verzeichniſſe ber bei dieſem
Buche benüsten Autoren an.
— * Dikäarchus. Plintius benüpte die Schriften
dieſes Geographen auch in dieſem Buche, wie aus dem In⸗
haltsverzeichniſſe deſſelben hervorgeht; bezeichnet aber Vie
‚Bemerkungen, weiche er ihm entnahm, nicht näher.
— » Diodorus von Syracus. Da dieſer Schrift⸗
ſteller nur in dem Inhaltsverzeichniſſe genannt wird, ſo
laſſen ſich die Bemerkungen, die ihm Plinius entnahm,
nicht errathen.
— » Dionyſins. Aus dieſem nicht näher bezeichneten
Fünftes Bud, 485
Schriftſteller führt Plinius (Rap. 36. $. 3.) ben früheren
Damen der Inſel Eos an.
Domitins Eorbulo G. Corbulo.
— ? Ephorus. Plinins Führt ihn in unferem Buch
aur einmal (Kap. 38. $. 4.), wo er von dem alten Namen
der JInſel Chios ſpricht, als Quelle an.
— * Eratofipenes Nah ihm beſtimmt Plinins
gewöhulich die Größe der Länder: fo in diefem Buche das
Maß der Etrede von Eyrene bis Alexandria, und vom At⸗
lantiſchen Ozean bis nad) Earthago (Kap. 6. $, 2.); bie
Größe Allens vom Pontus bie zur Mäotis (Kap. 9. 6. 4.),
und die Entfernnug der Inſel Rhodus von Wierandrie
(Rap. 36. $. 4.). Auch entlehnt er ihm einige Bemerkungen
über die Infel Meninx bei Africa (Kap. 7. $. 1.) und über
die nicht mehr vorhandenen Kieinaflatifchen Bolkerſchaften
(Kap. 35. ©. 4.).
— * Eudoxus. Plinins bezeichnet die Bemerkungen
sicht näher, die er in dem vorliegenden Buche diefem Schrift,
ſteller entuimmt.
— "Hanno Die Urt und Weiſe, wie Plinius die
Reifeberichte dieſes Karthagifchen Admirals erwähnt (K. 1.
$. 7.), Jafien vermuthen, daß fie ſchon zu feines Zeit nicht
‚mehr im Original vorhanden waren.
— * Hecatäus. Plinins führt diefen Hiſtoriker nur
im Fuhaltsverzeichniffe unferes Buches im Allgemeinen an,
und es läßt ſich nicht nachweifen, was er aus ihm entlehnte,
— * Hellanicens. Auch diefer Geſchichtſchreiber wird
nur im Inhaltsverzeichniſſe angeführt.
— *" Herodotns Die Stellen, welche Plinius ans
[4
HB C. Plinius Naturgeſchichte.
feiner Geſchichte über das Wachſen des Mil (Kap. 10. 6. 8.)
und über den See Sirbon (Kap. da. 6. 3.) auführt, finden
ſich B. U. K. 19. und B. TR. 6 Be. BULR, 5.
— * Himilco. Plinius (oder vielmehr der Verfaſſer
der Inhalis verzeichnifſe) nennt ihn zwar auch bei dieſem
Buche ald Quelle; bezeihnet aber die Nachrichten, die ex
ibn eutnahm, nicht näher.
— Hipparchus. Er wurde in dieſem Buche wahrs
ſcheinlich bei einigen aſtronomiſchen Bemerkungen benügßt.
— * Homer Plinius läßt nicht gern eine- Belegen
- beit, wo er den Dichtervater lobend anführen kann, vorüber⸗
gehen. Auch in dieſem Buche wird er benütztt (obſchon er
im Inhaltövergeichniffe nicht als Quelle genannt if), nud
ans ihn ſind die alten Namen des Nil (Kap. 10. 6. 4,
agl. Odafl. IV, 477.), der Stadt Parium (Kap. 49, $. 1.
vgl. Ji. U, 335.) und mehrerer Zlüffe in Troas (Kap. 35.
$. 3., vgl. 31. XII, 20.), fo wie eine Bemerkung über die
Aethispier (Kap. 8. $. 2., vergl. Odvſſ. I, 25. 24.) mit
getheilt.
— Bpygiuus. Bielleicht wurde er bei einigen mytho⸗
logiſchen Bemerkungen benüßt.
* Iſidorus. Er iſt nebſt Artemiborus, Eratoſthe⸗
nes und Agrippa die Hauptquelle, aus welcher Plinius feine
Maßbeſtimmungen nimmt. In dieſem Buche beſtimmt er
nach ibm die Entfernung von Tingis bis Canopus (Kap. &
$. 2.); die Größe fiens (Kap. 9. $. 195 die Länge des
Helleſpent und der Prepontis (Rap, 43. 6. 4.); den: Um⸗
faug ber Infeln Ehios (Kap. 38. $. 4.) und Lesbos (K. 5%
$ mr und die Größe ber Juſeln Rhodus Rap. 36. $. 1.
Fünftes Buch. 485
Eppern (Rap. 55, 6. 1.) und Samos (Kay. 37.) Auch
ontichnt er ihm eine Bemerkung über die nicht mehr vor⸗
Sandenen Kieinaflatifchen Völterſchaften (Kap. 35. 5. 4..
* Zuda, der Gopn des von Eäfar beflsaten Königs
Quba von Rumidien, wurde nad) Rom gebracht, und erhielt
daſelbſt eine fo forgfältige wiſſenſchaftliche Ausbildung, daß
man ihn als-einen der gelehrteſten Männer feiner Zeit des
trachtet. Auguſtus gab ihm, nachdem er ſich mit Cleopatra
Selene, einer Tochter der Eleopatra und des Wmtonius,
sermählt hatte, das väterliche Reich zurijgck. Juba beſchäf⸗
tigte ſich auch bieranf nod) fortwährend eifrig mit deu Wiſ⸗
fenichaften, wie feine zablreichen Schriften, von denen fid
jedod) Beine erhalten hat, bemeifen. Es werden angeführt:
eine. Geographie Arabiens (Bin. VI, 31.); ein Werk über
Aſſyrien (Tatian. contra Gr. p. 137.); ein anderes über bie
Roͤmiſche Geſchichte, weiches Plutarch Aeifig benüpte; eine
Geſchichte des Theaters (Athenneus IV. p. 195. Photü Bi-
blioth. eod. 461. p. 344.) 5 eine Geſchichte der Maleä.(Photius,
ivbid. p. 338) 5 ein Buch über die Pflanze Euphorbia (Piin.
V, 4. XXV, 38.) und mehrere grammatifche Schriften (Bat.
Bevin, Recherches sur la vie et sur les ouvrages de Ju-
ba, in den Mömeires de PAeademie des insoriptions,.Vol IV.
p. 157-466). Plinius benüst in diefem Buche feine Nach⸗
zichten über den Atlas (Kap. 4. 6. 16.), über die Duelle
des Nil (Kap. 10. $. 1.) und über die Größe Aegyptens
Rap. 10, 5. 11.), die er aus Puniſchen Werken geſchöpft
haben foll (Ammianus Marcellinus 22, 45.).
— Licinins Mucianns. Nach feiner Angabe ber
ſtimmt Plinius den Umfang des Sees Moeris (K. 9 G; 4.)
&86 C. Plinius Naturgeſchichte.
und ‚die Entfernung der Inſel Rhodus von Alerandria
(Kap. 56. $. 1.). Auch entlehnt er ihm einige Bemerkungen
über die Quelle des Euphrat (Kap. 20. $. 4.) und über eine
Güßwarffergnelle in der Tiefe ded Meeres (Kap. 38. $. 2.)
Livins, der Sohn, ein uns unbekannter Gchriftfieller,
der une in dem Inhaltsverzeichniſſe dieſes Buches (wenn die
Gtelle kein Zehler der Handfchriften if) vorkommt.
Lucius Betus. © Vetus. ’
*Megafthenes, ein Griechifcher Geograph, welcher
zur Zeit des Syriſchen Könige Seleucus Nicator lebte, umd
von Dieſem zum Abſchluß eines Bündniffes nad) Palibothra,
der Hauptitadt des Königs der Prafler, gefhidt wurde. Er
legte feine hier gefammelten Nachrichten und Erfehrungen
in einem Werke nieber, welchem er den Titel „Indiſche
Merkwürdigkeiten [Ivdıxa]“ gab, das nicht mehr vorhanden
iſt. Welche Bemerkungen ihm Plinins entiehnte, iſt unge
wiß, da er ihn nur im Allgemeinen als Quelle nennt.
— Mela Domponins Plinins benfbt diefen bes
Tannten Geographen allenthalben, ohne ihn immer‘ namente
lich angnführen,
— * Metrodorns. Ihm ift eine Bemerkung über
den alten Namen der Inſel Chios entnommen (Kap. 38.
14.)
Mucianns. ©. Lirinins.
— + Myrfilns Plinius nennt diefen Schriftſteller,
ben er auch in den vorhergehenden Büchern benügte, nur
im Juhaltsverzeichniſſe.
eNomphodorus von Gyracas, ein Griechiſcher
Geograph, welcher eine Umfchiffung Aflens GAolac rspinioun,
‘ Fünftes Bud. 487
Athen. VII. p. 331), die Plinius benüpte, ſchrieb, ohne die ihr ents
nommenen Bemerkungen näher zu bezeichnen. Es gibt nody
audre Gchriftfteller deffelben Namens. Da Diefer aber über
Alen, weldyes zum heil den Inhalt des vorliegenden Buchs
a usmacht, fchrieb, fo ift er wahrfcheinlich gemeint.
— »Panaätius. Plinius entnahm diefem floifchen'
Philoſophen in dem vorliegenden Buche wahrfdeiulich nup.
eine ober die andere ethiſche ober geſchichtliche Bemerkung.
Yaulinus, C. Suetonius, Römifcher Feldherr,
welcher im J. d. Gt. 814 (58 nah Ehr.) Conſul war, und
ũber feine Kriegszüge in Africa ein nicht mehr vorhandenes
Wert verfaßte, weiches Plinins bei der Beichreibung ber
Gegend um den. Atlas benügte (Kap. 1. $. 14. 15.).
* Deriander, Es gibt zwei Schriftſteller dieſes
Namens: Periander von Korinth, welcher moralifhe Vor⸗
fchriften in Verſe einkleidete, und ein Arzt Periauder, weis
cher als unbedentender Dichter getadelt wird. Welchen von
beiden Plinins benützte, ift ungewiß, ba jede nähere Bezeiche
nung fehlt.
— * Philonides. Diefem fonft unbetannten Schrift⸗
ſteller entlehnt Plinius in dieſem Buche (Kap. 55. $. 1.)
eine Bemerkung über ben früherg Namen der Infel Cypern.
— * Polybius. Plinins gibt in diefem Buche (R. 1.
5. 8.) einen (nicht fehr genauen) Auszug aus dem Reiſebe⸗
richte dieſes Schriftftellers über die Weſtküſte Africa's; auch
beſtimmt er nach ihm den Umfang ber Beinen Syrte (K. 4.
F. 4.) und die Länge ber Strecke vom Atlantiſchen Meere
Bi6 Kartbago und Ganopus (Kap. 6. ©. 2.).
- * Dofidonins Seine Küftenumfhiffung (zegi-
468 C. Plinius Naturgefchichte.
los) wird in dieſem Buche benützt; an welchen Gteilen,
iſt ungewiß.
Seboſus, ein Römiſcher Schriftſteller und Freunb
des Entulnd (Cioero, Epist. ad Att. II, 14.), ſcheint eine
Küftenumfchiffung und über Indifhe Merkwürdigkeiten ges
ſchetieben zu haben. Es laͤßt ſich nicht beflimmen , was ihm
Plinius entlehnte.
— * Gerayion von Antlochia. Plinius gibt nicht
näher an, wo er ihn benuützte.
eSotades. Es gibt mehrere Gchriftftelier dieſes
Namens: einen Sotades von Wehen, weicher Luſtſpiele
ſehrieb; einen Anderen von Athen, welcher ein Buch über
die Moftetien verfaßte; einen” Sotades von Byzanz, ber
auch über Philofophie fchrieb, und einen Sotades von. Kreka.
Welchen von diefen vier nicht naͤher bekannten Gchriftftel«
(een Plinius benützte, ift nicht auszumiftein,
— * Staphylus. Plinins bemerkt (Rap. 536. 6. 3.)
ans diefem Hiſtoriker den früheren Namen der Jufel Eos,
Suetonius Paulinus S. Panlinus.
— Tim äus, ber Mathematiker. Plinius theitt in
dieſem Bauche (Kup. 10. 6. 6.), deffen Anficht Über dis Au⸗
ſchwellen des Nil mit.
— * Zimofthenes. Aus feinem Werte über bie
Entfernungen (Zradsacuo) nahm Plinius vielleicht die Bes
fimmnng der Größe Aſtens von der Canopiſchen Nilmün⸗
dang bis zum Tanais (Kap. 9. 5.1), fd wie die Größe
und Länge ber Infel Eppern (Kap. 35. $. 1.).
Triumphacten (Acta Triumphorum) nannte man
wahrſcheinlich die officiellen Werzeichniffe der Triumphe und
"Fünfte Bud. 488
Ber baten der Zrinmphateren. Minins Hat aus ihnen
vieleicht mande Nachrichten über einzelne Völker und
Städte gefchöpft.
— Barro (M.) uud Varro Atacinus. Plinius
bezeichnet die Stellen, wo er dieſe bekannten Schrifiſteller,
von denen ſchon bei den vorhergehenden Büchern die Dede
war, benägte, nicht näher.
— Betus, Lucius Er wird nur im Juhaltoberzeich
nie genannt, und das ihm Eutlehnte iſt nicht nachzuweiſen.
* Zenagoras, ein Griechiſcher Gchriftfieller, deſſen
Geburtsort und Lebengzeit unbefaunt find. Geine Werke,
unter benen man eine Chronik (Bchol. Apollon. Rhod. IV, 363.)
nnd ein Band) über die Infeln (eg vı70ar. Ktymol. M. v;
Zynaea), ans dem Plinius wahrſcheinlich die früheren Nas
men der Inſel Eypern (Kap. 25. 6. 4.) nahm, nennt, find
nicht mehr vorbanden.-
— .* Zenophbon von Lampſacus. Die Stellen,
an weichen Plinius dieſen Geographen benüste, find niche
näher bezeichnet. -
Kap. I. 4. Die Griechen nannten Africa Libyen, und das
vor ihm befindlihe Meer das Libyſche.) Diefer Erdtheil
endige mit egppten, und Bein anderer hat weniger Bufen
*) Nach ber retart: ‚appellavere et mare ante cam Libycum:
Aegypto ete.
€, Plinius Naturgeſch. 58 Bäche. 2
'590 C. Plinius Maturhaſchichte.
aufzuw eiſen, da ſich die Küfte von Welten her‘ in einer langen
Linie fchief Hinzieht. Die Namen der Völker und ihrer
Etädte find meift in jeder andern Sprache, als der ihrigen,
unausſprechbar; auch wohnen fie faft nur in Burgfleden. *)
6). 2. Die zuerſt liegenden Länder heißen Manrita-
nien, und waren bis auf den Kaifer Cajns [Caligula], des
Germanicus Gohn, eigene Königreiche; zerfielen aber durch
deſſen Graufamfeit in zwei [Römifche] Provinzen. **) Das
-Außerfte Vorgebirg am Dcean wirb von- den Griechen Am⸗
peluſta [Kap Spartel] genannt. Brüher lagen außerhalb
der Säulen des Herkules die Städte Liffa und Gotta ;' jetzt
findet man dafelbft nur Zingi [Tanger], welche einft von
Antäaäus ®**) erbant wurde, uud fpäter vom Kaifer Clau⸗
Ding, welcher fle zur Eolonie machte, den Namen Traducta
Julia erhielt. 5. Die nächſte Ueberfahrt von ihre bis zur
Stadt Belon [Bolonia] im Bätifhen Gpanien befrägt
50,000 Schritte [6 M.]J. An der Küſte des Dreams,
35,000 Schritte [5 M.] von ihr, liegt Julia Conflantia
Zilis [Arzilla], eine Eofonie des Auguftus, welche ber
Herrfhaft der (Mauritaniſchen] Könige entzogen und dem
Baͤtiſchen Gerichtsbezirk zugetheilt wurde, und 32,000 Schr.
[6?;. M.] von diefer Liros [EI Araiſch], welde Kaifer
») Nicht in größeren befeftigten Städten.
0 In das Tingitanifche und dad Läfarifche Mauritanien, Ca⸗
ligula ließ den letzten Mauritaniſchen König Piolemäns
ermorden (41 nah Chr.); Claudius machte fein Reich zur
Römischen Provinz (43 n. Ehr.). Die beiden Manritauien
umfoßten Marocco, Bez und Algier. .
”s, Gin Riefe, welcher Mauritanien beherrſchte, und voR Hers
kules erlegt wurde.
x
ü - Fünftee Bud. "A91
Elandins zur Colonie erMärte, und von der die Alten die
-Fabelhafteften Dinge erzählen. Hierher verlegen fie die Res
‘fldenz des Antäus und feinen Kampf mit Herkules, fo wie
"Die Gärten der Hesperiden. Eine Bucht ſchlängelt fidy hier
in's Land, und fie ift, wie man es jetzt erlärt, unter dem
Bilde des mwachehaltenden Drachen zu verftehen. a. Gie
faßt eine Juſel in fi, welche in der ganzen benachbarten,
und dabei nod) etwas höher als fie gelegenen Gegend der
“einzige Punkt if, der nicht von der Fluth überſchwemmt
"wird. Auf ihre findet man auch noch einen Altar des Her:
kules, außer wilden Delbäumen aber nichts don jenem viels
gerühmten goldne Früchte tragenden Haine Man wirb
ſich gewiß über die ungeheuern Lügen, welche Griechenland
Über diefe Dinge und über den Fluß Lixus [Luccos] .zu
Tage förderte, weniger wundern, wenn man bedenkt, daß
unſere Landsleute nody vor Kurzem nicht minder Abenteuer⸗
tiches darüber mittheilten, daß nämlich dieſe Stadt übers
“ans mächtig und größer als das große Karthago ſey; ferner,
daß fie diefer Stadt gegenüber ) und eine fat. unermeß-
liche Strede von Tingis liege, und was fonft nod) Eornelius
: Hepos aufs bereitwilligfte glanbte. 5. Im Junern, 40,000
Schritte [8 M.] von Lirud, findet man Babba, *%) die
andere Eofonie Auguſts, aud Julia Campeſtris genannt,
mb 75,000 Schritte [15 M.] von derſelben Stadt, Banafa
Mamora] ‚ die dritte Colonie, welche den Beinamen Balentia
*) Nämlich an ber Lengebilbeten) füdlichen Küfe.
vr Eol die ‚jest vertafene Stadt Bani Teude ſeyn,
2»
2 *
493 | ©. Plinius Naturgeſchichte.
führt; 55,000 Schritte [7 M.] von diefer, und eben fo wert
von beiden Meeren entfernt, liegt die Stadt Bolnbite. 9
An der Küfte folgen, 50,000 Schritte [40 M.) von Lixus,
der herzliche und ſchiffbare Fluß Subur [Seboun], welder
an ber Eolonie Banafa vorüberfirömt, und eben ſo viefe
taufend Schritte von ihm bie Stadt Gala [Galle], am gleich
namigen Biuffe [Buregreg]. Gie liegt ſchon nahe an den
Einöden, und wird oft von den Elepbantenheerden beunru⸗
bigt, noch häufiger aber von dem Wolke der Autololer, "*)
durd) deren Gebiet der Weg zu dem Atlas, den fagenreiche
ſten Berg Africa's, führt.
6. Er erhebe ſich, berichtet man, mitten in ben Sand⸗
wüſten zum Himmel, ſey an der Geite, die der Küfte des
Oceans, welchem er feinen Namen gegeben bat, zugekehrt
ift, ſteil umd unfruchtbar, an dem Abhange aber, weder
nach Africa hin Liegt, ſchattig und waldig und von, zahlreidy
hervorſprudelnden Quellen bewäflert.: Früchte aller Art wur
dern von felbft in folher Menge ,. daß es jeder Begierde
nie an Sättigung fehle. Bei Tag fehe man Niemand vom
ben Bewohnern; allenthalben fey es ftille und fo fchauerlidy,
wie in einer Einöde; das Gemüth des ihm näher Kommen⸗
den befchleiche ein -unheimliches Bangen,, wozu noch das
Schreckbare feiner über die Wolken und bie in die Nähe
der Mondbahn hinaufragenden Höhe Fomme; bei Nahe
ſchimmere er von zahlreichen Beuern: es. werde dann anf
ibm durdy die Ausgelaffenheit der Aegipane und Gatyre
*) Wahrſcheinlich Gualili, welches jett in Ruinen liegt.
0) Sie wohnten in der Gegend bes jetigen Fez.
Fünftes Bud. 493
fehr lebhaft, und er ertöne von dem Klange der Pfeifen und
Schalmeyen, und von dem Gelärm ber Pauken und Eyms
bein. ”) Dieſes, und außerdem die auf ihm von Herkules -
und Perſens beſtandenen Abentener erzählen berühmte
Schriftſteller. Die Weite [vom Meere] bis zu ihm iſt uns
gehener und unbekannt.
7. Früher hatte man auch die Tagebücher des Kartha⸗
giſchen Feldherrn Hanno, welcher zur Blüthezeit des Puni⸗
ſchen Staates beauftragt war, den Umfang Africa's zu er⸗
forſchen. Die Meiſten der Griechen und unſerer Landsleute
ſchöpften ans ihm, und erzählten nebſt vielem anderen Fa⸗
beihaften auch, daß er auf feiner Fahrt viele Städte gebaut
Babe, von denen aber jegt weder irgend ein Andenken, noch
eine Spur vorhanden ift.
8 Dolybius, der NWerfaffer ber Jahrbücher, weldyer
zur Zeit, als Ecipio Aemilianus in Wfrica den. Oberbefehl
führte, auf einer von Diefem erhaltenen Yloste eine Reife
zur näheren Erforfchung dieſes Erdtheils machte, **) berich⸗
tete, daß ſich weſtlich von dieſem Berge ***) Wälder voll wilder
Thiere, 'wie fie Africa erzeugt, bis zu dem 485,000 Schritte
[97 M.] entfersiten Fluſſe Anatis [Ommirabih] hinziehen,
und daB Lixus [EI Araiſch] von dieſem 203,000 Schritte
*) Die Aegipane und Satyrn find wahrſcheinlich Affen; der
nächtliche Laͤrm erklärt ſich leicht dadurch, daß die Bewoh⸗
her ber während bed Tages unerträglichen Hige wegen
erft * Nacht ihre Schlupfwinkel verließen, und ibre Feſte
feier
“s, Im ig 146 vor Ehr.
o00) Vom Atlas.
494 C. Plinius Naturgeſchichte.
[a1 Mr, von der Gaditaniſchen Meerenge aber 312,090-
Schritte [22° M,] entfernt fen. .
9, Weiterhin *) kämen, ſagt er, der Bufen, welcher
Saguti [Alcaſſar] heiße, eine Stadt auf dem Vorgebirge
Mulelacha [Matebata]; die Fluſſe Subur [Seboun] und,
Gala [Buregreg]; der Hafen Rutubis [Mazagau], 245,000.
Schritte [42° M.] non Lixus; dann. das Sonnenvorgebirg
[Cap Eantin]; der Hafen Rifardir [Saffy]; die Gätulifchen. .
Autololer 5. *%) der Fluß Eofenus [Tenfift] ; die Stämme der:
Gcelatiter und der Mafater; ***) der Fluß Mafatat [Mo⸗
gador] ; der Fluß Darat [Suſe], in welchem ſich Krofodile
aufhalten ; weiterhin ein 646,000 Schritte +) [123% M.]:
großer Bufen [Golf Ganta:Eruz], welcher von einem nach
Beten vorfpringenden Cap des Berges Barce [Daran],
welches er Surrentinm [Geer] nennt, gefchloffen werde;
dann der Fluß Dalfus [Meila]s; jenſeits deTelben die Ae⸗
Bon der Meerenge. an gerechnet, ©. Mannert, Geogr.
ber Gr. u. Rom. Bb. X, (Africa) Thl. II. S. 519.
“r, Ihre Wohnſitze zogen ſich von Saffy bis zum Buregreg.
.., JIn den Ebenen von Nekeermute.
p Sofferlin (Recherches sur la geographie systematigun.
et positive. des Anciens, Tom. I. p. 112 sgg.) fucht bie,
Schwierigkeiten in ber. nachfolgenden weiteren Beichreibung
der Küfte dadurch zu heben, daß er die Zahl DUXVI als
Schreibfehler betrachtet, und nur XOVI annimmt; mas
nicht unwahrſcheinlich iſt. Wir folgen größtentheils feinen
Befimmungen, Anderer Anſicht it Mannert (Geogr. ber
Gr. uud Rom. Bd. X. Thl. 2. ©, 520), welder alle
von Polybiud angegebenen Punkte weiter maona, rüdt,
und bis zum Senegal kommt.
Faänftes Bud. 496,
- thinpifchen Perorfer, und hinter Diefen die Pharuſier;
die Rachbarn Diefer, nady dem Innern bes Landes zu, ſeyhen
Die Bätulifchen Darer; **) an der Küfte aber kaͤmen weis
terhin die Hethiopifchen Daratiter »e) und der Fluß Bam
botus [Run],' weicher mit Krokodilen und Biußpferden
angefüllt fen; von da an ziehe ſich eine ununterbrochene
Gebirgskette +) bis zu dem Berge, den wir Theön ochemws
Bötterwagen) nennen werden; 77) von biefem. bis zum
Hesperiſchen Vorgebirg ICap Bojador] daure Die Fahrt
zehn Tage und Nächte. In die Mitte dieſes Raums ſetzte
er 744) den Atlas, der nach allen Andern au dem Granzen
Manritaniens liegt.
40. Römifhe Waffen kämpften merſt unter Kaiſer
Elaudius in Mauritanien, als der Freigelaſſene Aedemon
feinen von Cajus Cäfar (Calignla] ermordeten König Pto⸗
temäus rächen wollte; +*) da aber die Barbaren flohen, kam
man befanutlich bis zum Berge Atlas. 41. Und nicht mur
6) Die Perorſer und Pharuſier wohnten zwiſchen dem Cay
Geer und dem Cap Nun,
+, Mielleiht in ber Maroccanifchen Provinz Draha.
“om dad Cap Nun.
+) Wahrſcheinlich bie Bis zum Gap Bojabor reichenden Dies
bei Khal (ſchwarzen Berge).
+ 2. VI. Say. 35. $. 18. Der Gbtterwagen iſt wohl bas
Eap Blanc,
445) Polybius ſetzt im Gegentheil (vgl. B. VI Ray. 36. 52.)
ben Atlas ebenfalls an bie Sudgrenze Mauritaniens. Der
Irrthum kommt alfo auf Rechnung bes flüchtig aweſchrei⸗
beunden Plinius.
9 Im I. 43 nach Ehr.
496 . C. Plinius Raturgejchichte.
ben Conſuln und den Senatoren, welche damals als: Heer,
führer die Angelegenpeiten leiteten, ſondern auch Römifchen
Rittern, welche fpäter Das Land verwalteten ,. wird nachge⸗
sähmt, daß fie bie zum Atlas vorgedrungen feyen. Es ſind,
wie wir fchon gefagt haben, in diefer Provinz fünf Römifche
Golonien, und man follte daher glauben, der Atlas ſey
Leicht zugänglich; die Erfahrung zeigt aber, daB man ſich
hierin ſehr betrüge. Denn die Würdenträger, welche zur Ers
forſchung der Wahrheit zu träge find, nehmen, weil fie ſich
dennoch ihrer Unwiſſenheit ſchämen, Feinen Anfland, zu
lügen, und man läßt fich nie leichter irre führen, ald wenn
ein gewichtiger Gewährsmann eine falfhe Thatſache bes
banptet. 412. Ich wundere mid, freilich weniger darüber,
daß Manches nicht zur Kenntniß der Männer aus dem
Ritterftande und auch foldyer, die aus biefem in den Genat
übergingen, gelangte, als daß es der Ueppigkeil unbekannt
blieb, deren durchgreifende und gewaltige Macht ſich body
ſchon darin zeigt, daB man die. Wälder nach Elfenbein und
nad) dem Lebensbaum, *) und alle Gätuliſchen Klippen nad)
Muſcheln und Purpurſchuecken durchſucht.
13. Die Eingeborenen erzählen jedoch, daß 450,000
‚Schritte [30 M.] von Gala an der Küfte der Fluß Aſana
[Ommirabih] mände, beffen Waſſer zwar ſalzig fd, in dem:
” Citrus. Nach ber Unfiht der vorzüglichfien Botaniker
ift der. vielbeſprochene Citrus der Alten, aus welchem wohl⸗
riechende Tafeln, die in ungeheneren Preifen fanden (Pin.
8. XIIE Kap. 29.), verfertigt wurden, nichts anbers, el bie
Thuja articulata, ‚geglieberter Lebensbaum (vgl. Desfon-
taines, Flora Atlantica, Par. 1798, 4. Vol, II. p. 353),
Funftes Bud. 497
A aber ein anfehnliher Hafen befinde; nicht viel weiter
Somme ein Strom, weichen fie But [Tenſift] nennen 3 von
diefem bis zum Doris (mit welchem Namen fie nad ber
allgemeinen Anficht in ihrer Sprache den Atlas bezeichnen)
betrage die Entfernung 200,000 Schritte [a0 M.], und das
zwifchen ſtröme ein Fluß, welcher Bior [Sus] heiße. Nach
der Gage follen ſich in ‚diefer Gegend noch Spuren eines
früher bewohnten Bodens und Reſte von Weinbergen and
Palr waldern befinden.
44 Suetonius Paulinus, den wir als Conſul) faben,
war der erſte Römiſche Felbherr, weicher einige tanfend
Schritte weit über den Atlas hinauskam. Er flimmt, was
Die Höhe deffelben betrifft, mit den übrigen Berichterflastern
‚Bberein. Unten am Buße, erzählt er, fed der. Berg mit
dichten und hohen Wäldern uns unbelannter Bäume bededt,
welche befonders dadurch, daß fie ohne alle Knoten ſchlauk
and prächtig emporwachfen, merkwürdig feyen; ihr Laub
gleihe dem der Eypreſſe, habe einen ſtarken Geruch, und Fey
mit einer zarten Wolle. überzogen, die mit Beihälfe der
Kuuſt ebenfo wie die Seide zu Kleidern verarbeitet mer
den könne, 15. Der Gipfel. des Berges, fährt er fort, fey
ſelbſt im Sommer mit hohem Schnee bedeckt; in zwölf
Zagmärrhen habe er ihn erreicht, fey dann durch Einöben
voll ſchwarzen Bandes, in welchen kohlenähnliche Felſen bie
and da hervorragten, bie zn einem Fluſſe, der Ger [Gifel⸗
mel] heiße, gekommen, und obſchon es gerade Winter. war,
*% Im I. nah Ehr. 66.
”*) Der oben erwähnte itrus.
498. C. Plinius Naturgeſchichte.
gefunden, daß dieſe Gegenden der Sonnengluth wegen uns.
bewohnbar ſeyen. Die Bewohner der angränzenden, mit. Ele⸗
shanten, Wild und Schlangen jeder Urt angefüllten Forſte,
hießen Hundefreſſer (Cynarier), weil dieſes Vieh, nebft ben.
zerhackten Eingeweiden von wilden Thieren, ihnen zur ge:
wöhntichen Nahrung diene. |
16. Daß an fie das Volk der Aethiopier, welche man
die Perorſer nennt, grenze, iſt hinlaͤnglich bekannt. Juba,
des Ptolemäus Vater, welcher zuerſt über beide Mauritquien
herrſchte, und der durch feine ausgezeichnete Gelehrſamkeit
noch berühmter geworden ift, als ‚durch, fein Königthum,
erzählte Aehnliches vom Atlas, und außerdem noch, daß das
feib ein Kraut wachfe, welches nach feinem Auffinder,
einem Write, Euphorbia *) heiße. Er rühmt in einem
ausſchließend darüber gearbeiteten Werke deſſen Mitchfaft
mit wunderbaren Lobfpräcen als Mittel: für die Schärfe
des Geſichts, fo wie gegen Schlangen und alle Gifte.
Doch genug und übergeuug vom Atlas.
(u), 47. Die Länge der Zingitanifhen Provinz *% be⸗
trägt 170,000 Schritte [34 M.]. Unter den Völkern im
derfelben war einft.das der Mapren, von ‚welchen fie auch
ihren Namen hat, und die bei Andern auch Maprufler **9,
beißen, - das vornehmſte. Durch Kriege: fehr verkünnt,
® Bol 8. XXV. Ray. 38 .
"*) Gie erfirette fi vom Atlantifchen Ozean Bid zum Fluſſe
Molochhah; ihre Länge iſt alſo zu gering angegeben.
r) Menrufter heißen ſie bei den Griechen , Mauren bei den
Römern,
Fünftes Buß. 7. 498
ſchmoiz es bis auf wenige Bamilien zufammen. 9 Ihm zu⸗
nah wohnte das, Volk der Maſſaſhler, welches anf ähn«
liche Weiſe erloſch.“*) Jest find die Gtämme der Gätuler,
der Baninren und ber bei weiten mächtigſte der Autololer
vosherrfcheud. Zu dem letteren gehörten einft die Beſuner;
fie ziffen fi) aber von ihm los, bildeten einen eigenen Stamm
und wohnen nad) Aethiopien hin. 18. Die Provinz ift im
Dften gebirgig und bringe Elephanten hernor; man findet
deren auch auf dem Abila [Jibbel el Zatute] und auf den
andern mit dem Wbila verbundenen Bergkuppen, melde.
wegen ihrer gleichen Höhe die fieben Brüder [(Sebat Jibbel]
heißen und bis an die Meerenge reihen. Bei ihnen beginnt
die Küfe des mittelläudifchen Meeres, und an dieſer folgen
ber fchiffbare Fluß Zamuda [Bufega], an dem einfl eine
gleichnamige Stadt lag; ber Strom Laud [Gomera], der
ebeufalld Fahrzeuge trägt; Gtabt uud Hafen Nufadir [Mee.
ia) und der fchiffbare Fluß Malvana [Muivia).
, 49. Die Stadt Siga [Ned-Roma], dem in Hispanien
gelegenen Malacha [Malaga] gegenüber , die Nefldenz des
Gophar , gehört ſchon zum anderen [Edfariihen] Maurita⸗
aim. ***) Diefe Provinzen führten lange die Namen ihrer
Beherrſcher: das Außerfte [Tingitaniſche] Manritanien bieß -
demnach das Bogudifche unb das Cäſariſche das Land bes
— — ——
Gegen Süben zurlckgebraͤngt waren zwar die Mauren, aber
nicht vernichtet; benn fie rommen fpäter wieder in vielen
Stämmen zum Vorſchein.
) Auch biefed Volk findet man noch fuAter am Giga (Tafig),
”, Dis Ekfarifche Mauritanien begriff wngefähr die ehmalige
Regentfhaft Aigier in- fi, .
500 €. Plinins Naturgefchichte.
Bocchus. Nah, Giga folgen der große Hafen (Yortus
Magnus), weidyer von feinem bedeutenden. Limfange fo ger
nennt wird, *) und Nömifches Bürgerreht bat; der Fluß
Muludya, **) welder die Gränze zwifchen dem Lande des
Bocchus und dem Gebiete der Maffäfpler bildet; Quiza
Zenitana , ***) eine von Fremden bewohnte Stadt; Arſen⸗
naria [Arzew], mit Lateinifhem Bürgerrechte, und 3000
Schritte [ss M.] vom Meere entfernt; Cartenna [Marza⸗
gan] , eine von Anguſtus der zweiten Legion beftimmte Eos
Ionie ; Bunugi, +) ebenfalls eine von demfelben Kaifer für
die prätorifche. Eohorte angelegte Enlonie. 20. Das Borges»
birg des Apollo [Cap Moftagan], nud dabei die hedybes
rühmte Stadt Cäſarea, +p früher Fol genannt, umb die
Refidenz Inba's, fpäter aber von dem göttlichen Clandius
mit den Rechten einer Eolonie beſchenkt; Oppidum nodum
[El Eadara] , auf Befehl deſſelben Kaifers von Beteranen
erbaut, und Lipafa +17) mit Lateinifhem Bürgerrechte ;
‚ferner Icoſium [Sherfell], vom Kaiſer Bespaflanus‘ mit
demfelden Rechte begabt; Busconia, +*) eine Eolonie des
Auguſtus; Ruſucurium [Collah], von Claudius mit dem
Burgerrechte beehrt; Ruſazus [Moor], eine Colonie des
e) Er deißt jegt noch Mers el Kibir (der große Hafen).
»c) Iſt ein und derſelbe Fluß mit dem Kurz vorher erwähnten
„Malvaua. Bel. —— Afrika. Tbi. IL ©. 439, 436,
0%) Das Dorf Biza bei Ora
.+) Sag wahrfcheinlich ber —XR (Zoar ei Hammam)
gegenüber.
h Wahrfcheinlih Tenez.
In der Nähe der jetzigen kleinen Stadt Damus.
IN San an der Weſtſeite des Cap Arbatel.
| » . Fünftes Bud. . © 501
Vanguſtus; Salde [Deiips), eine Colonie deſſelben Kaifers;
Seitgili FBigil] , ebeufalld eine Colonie bes Anguſtus; die
Stadt Zucca, welde arı Meere und an dem Fiuſſe Amps
ſaga [Wad⸗el: Kibir] liegt; *) im Innern bie Eolonie Au⸗
gufta , aud) Gnccabar *%) genannt; Tubuſuptus [Burgh],
eine Eolonie deſſelben Kaifers ; die Gemeinden Timici ***)
nad Tigada [Lezzoute]. 21. Die Flüſſe Sardabal [Gheflif],
Aves [Haſham] und Nabar [Zeffert]; der Stamm der Ma⸗
eureber; der Fluß Ufar [Yijebbil; der Stamm der Nabader;
der Find Ampfaga [Wabd⸗el⸗Kibir], welcher 222,000 Schritte
[La4/ M.] von Eäfarea entfernt ik. Die Länge der beiden
Mauritanien beträgt 1,039,000 Schritte [247% M. L bie
Breite 467,000 Gchritte [93% MI.
1 (ım).- An dem Ampfaga beginnt Numidien , » bes
rüpmt durch den Namen des Maffiniffa Die Griechen
nennen das Land das Metagonitifche, ++) die Numidier aber
Nomaten, weil fie fortwährend ihre Weidepläge verändern,
und ihre Hütten, das heißt, ihre Häufer, auf Karren mit
ſich führen. Man findet hier die Städte Cullu [Eullo],
Rufleade [Stora]; ferner die von der letzteren 48,000
Schritte. .[9%; m] weiter nadı dem Innern bin entfernte
*) Man findet an diefer Gtelle jest weder eine Stadt, noch
.. Ruinen. Ä
2 Nuinen bei Mazounah am Ghelliff.
”*, Lag füblich von Arzen, wahrfheintih am Sigg.
+) Erfiredte fi) vom Wad el Kibir bis zum Zaine, unb bes
griff ſomit den öfttichen Theil von Algier. |
Tr Bol. Mannert, Seoor. d. Br. ı u. Rom. Africa, =. u,
©. 206, 2070...
802 C. Plinius Naturgeſchichte.
Colonie Cirta [Conſtantine], auch die Colonie ber Eittie-
zer *) genannt; die ebenfalls im. Inneren liegende .Enfontie
Gicca EEaff) und die freie Stadt Bulla Regia (Babja]-
Un der Küfte folgen: Zacatun [Tamſeh], Hippo Regius
EBona]; der Fluß Armua (Mafragg]; die Gtabt Tabraca
[Xabarca) und der Fluß Tusca [Saine), Er bildet Pie
Gränze Numidiens, in welhem man außer dem Numidis
- fen Marmor und einer Menge wilber . Thiere nichts Be⸗
ſonderes ſindet.
IH (iv). 4. Un dem Tusca besinnt das Zeugitaniſche
‚Gebiet oder das fogenannte eigentliche Africa. **) Drei in Das
-Meer auslaufende VBorgebirge, das weiße. ſBas⸗el⸗Abeadh]
nämlich, das ded Apollo [Cap Barina), Sardinien gegen:
‚Über , und das des Mercurius [Eap Bon], Gizilien gegen
„Uber ‚: bilden zwei Buſen. Der eine ift der Hipponentifche
IGolf von Ben⸗Zert], zunächſt an ber Stadt, welche Hippo
dirutus .***). [Ben Zert] Heißt, und von den Griechen wegen
. der Waflerfirömungen Diarrhytus [die durchkoffene] ges
nannt wird. Im ihrer Nähe, nur etwas weiter vom Meer
” Weil fie dem. Nömifchen. Feidherrn Sittius und ſeinen Krie⸗
gern, die in Africa mit GIG geſochten hatten, von Eäfar
zum Gefchenke gegeben wurde.
“e) Die jesigen Regentfchaften Tunis und Tripoli.
00), Gigentlih das zerfiörte Hippo. Dirutus if jeboch
eine Berunflaltung des Worte Diarrhytus ober Bas
ritnß, wie die Stabt in fpäterer Zeit Heißt. Den Namen
Diarrhytus (wenn nicht: aud, dieſes Wort aus der einheis
mifchen Benennung Bert [Kanal] entflanden if) hat Hippo
wohl, weil ed an einem Kanal liegt, der einen nicht unbes
deutenden See mit dem Meer verbindet.
Sünftes Buch. | 503
"entfernt, liegt die abgabenfreie Stadt Thendatis. *) 3. Damm
-folgen das Borgebirg des Apollo, und an dem anderen Buſen
* [Solf-von Tunis] Utica, **) mit Römifhem Bürgerrecht
and berühmt burdy Cato's Tod; der Fluß Bagrada ſMeds⸗
jerta]; der Ort Eaftra Eornelia [Porto Farina]; die Eolos
nie Sarthago, an der Stelle des mächtigen Earthago; ***)
Die Colonie Maxulla [Rhades] ; die Städte Earpi [Burta],
Mifua: [Eidi Donde] das freie Elupea [Calibia] auf dem
-VBorgebirge bed Mercuriis; das ebenfalls freie Curnbis
-[Hamman Burbos] und Neapolis [Noball. Nun folgt eine
andere Unterebtheilung des eigentlichen Africa, Byzacium,
deſſen Bewohner man Libyphönizier nennt. Byzacinum heißt
ein Gebiet von 250,000 Schritten [50 M.] im Umfange,
von fo überaus großer Fruchtbarkeit, daß der Boden dem
Bebauer hundertfältigen Ertrag liefert. 3. Hier liegen die
ferien Städte Leptis [Rempta], Adrumetum, F) Nuspina , ++)
Thapſus [Demaß]; weiterhiu folgen Think (Thaina], Mas
tomades ſMaharaß], Tacape ſCabes] und Gabrata Alttri⸗
poli] an der Beinen Syrte [Bai von Eabes].. Vom Amp⸗
ſaga bis zu diefer mißt die Länge Numidiens und des eigent⸗
hen Africa 580,000 Schritte [116 M.], und die Breite,
in fo weit man fie bie jetzt beflimmen konnte, 200,008
Shritte [a0 M.]. Diefe Landfirede, welche wir das eis
2) Am Öfllihen Ufer bed erwähnten See.
**) Ruinen bei der Stadt Bosshater,
“ee, Zwiſchen den weithin fi erſtreckenden Trümmern Rarihas
go's liegen jetzt die Dörfer Dariifchut und Sidy Mofaib, '
+) Ruinen zwei Meilen füdlich von dem Flecken Herria.
37) Nahe bei dem heutigen Monaſliho.
Zu" C. Plinius Raturgeigiäte,
gentliche Africa genannt haben, wird wieder in zwei Viy⸗
dvinzen, in das alte und neue Africa nämlich, eingetheilt,
welche durch einen, nach der Uebereinkunft zwiſchen dem
zweiten Africaner %) und den Königen gezogenen Graben,
der bie zur Stadt Thenä, bie 246,000 Schritte [45’/; M.]
von Carthago entfernt ift, reicht, gefchieben find. ur
IV. 4. Der dritte Bufen Africa's theilt ſich wieder ik
zwei, welche an den beiden Syrten, des feichten und ſich
ſtets brechenden Meeres wegen, den Schiffen gefährlich ſind.
Bon Carthago bis zur nächſten Syrte [Golf von Cabes],
weiche die kleinere ift, zählt Polybius 500,008 Schritte
[60 M.]; ihre Deffuung nad) dem Meere bin aber gibt. er
auf 400,000 Schritte [20 M.] nnd ihren Umfaung auf
500,000 Schritte [60 M.] an. Der Landweg zu ihr führt
durch Sandwüſten, die von Schlangen wimmeln , und Tan
nur durch die Beobachtung der Geſtirne gefunden werben;
dann folgen Wälder, *°) die mit einer Menge von wilden
Thieren angefüllt find, und nach dem SJuneren bin Eine
öden, in denen Elephanten haufen, darauf ungehenere Wü⸗
flen ***) und jenſeits derfelben bie Baramanten, +) welche
zwölf Zagereifen von den Uugpfern 74) eutfernt find. 2. Ue⸗
ber jenen [den Garamanten] wohnte bas Volk der Pſoller, +44)
*) Dem jüngeren Gcipio, welcher Mafiniffa’d Reich unter
beffen Söhne, die Bier ſchlechtweg Könige heißen, theilte,
*°) Der nörblihe Theil von MWiledsulsgerib.
*, Die Wüfte Sahara. |
+) Bewohner bed heutigen Fezzau.
7Tt) In der Dafe Augila (Udfchile).
TH Sadweſtlich von der großen Syrte.
Fünftes Buch. 605
and über Diefen liegt der See des Lycomebes, *) welcher
non Wüſten umgeben iſt. Die Augyler ſelbſt febt man uns
gefähr mitten in den Ranm, welder auf beiden Geiten von
dem fid) nach Weiten bin erſtreckenden Wetbiopien und dem
zwifchen ben beiden Syrien Tiegenden Gebiete gleich weit
entfernt if. Die Länge der Küſte zwifchen deu beiden Syr⸗
ten beträgt 250,000 Schritte [50 M.]. Bier findet man
Die Stadt Dea,**) die Laudſchaft und den Fluß Cinyps
[Wadi⸗Quaam], die Städte Neapolis, *%) Gaphara, +)
Abrotonum, +7) das andere Leptis [Lebda], welches das
große zubenannt wird.
3. Nun folgt die größere Syrte [der Bufen von Gis
dra], die einen Umfang von 625,000 Schritten [125 MI
bat, und deren Oeffnung 312,000 Schritte [62°/; M.) breit
ift. Un ihrer [weftlichen] Küfte wohnt das Volt der Eifl
paben; in der Tiefe des Buſens war bad Gebiet der Loto⸗
phagen, +++) von Manchen auch Alachroer [Meerfarbige]
5) Seine Lage läßt ſich nicht beſtimmen.
”*, Etwa vier Meilen ont von Tripoli.
29) Nach Mannert in feiner Geogr. Africa’s (8.11, ©. 125)
ud Neapolis und Leptid magna eine und dieſelbe Stadt,
und von Plinius irrthümlich als zwei verfchiebene amwges
fährt,
+) Ruinen in dem Difiriete Sibe, wefilich von Lebda. — Uns
dere leſen Taphara ober Taphra.
+}) Später Sabrata (Alttripoli). Plinius, weicher in dieſem
Kapitel ungenau ift, führt Sabrata umb Abrotonum als
zwei verſchiedene Stäbte an.
‚ttP) vLotuseſſer. Noch jetzt in bie Frucht des Lotusbaums
€, Plinius Naturgeſch. 58 Schu. | 3
506 ©. Plinius Naturgeſchichte.
genannt, welches bis zu den Nitären der Philäni,) bie
and Sand beftehen,, hinzieht. Nahe bei diefen, nicht weir
im feſten Lande, ift ein überans großer Sumpf [2udeah],
welcher den Fluß Triton ſel Hammah] aufnimmt, und son
diefem feinen Namen erhält. Callimachus nennt ihn Pals
lantias, und fest ihn bdieffeits der Pleinen Syrte. Nach
vielen andern Schriftftellern aber liegt er zwiſchen beiden
Syrten. Das Borgebirg, welches die große Soyrte ſchließt,
heiße Borion [Tajuni]; jenfeitd deſſelben beginnt die Eyres
näifche Provinz [Barca].
4. Vom Fiuſſe Ampfaga bis zu diefer Bränze zählt
. Africa ſechsundzwanzig Völker, welche der Römiſchen Herr:
ſchaft unterworfen find. Bei ihnen findet man ſechs En
lonien, nämlich, außer den ſchon genannten, **) Uthina
[Udine]) und Tuburbis [Tuburbo), fünfzehn Gemeinden
mit Römifhem Bürgerrechte, von denen die Azuritaniſche
IKeff], die Abutucenſiſche, die Aborienſiſche, die Canopiſche,
die Chilmanenſiſche, *°*) die Simittuenſiſche, ) die Thunufle
denſiſche, die Zuburnicenflfche, die Tynidrumenſlſche, die Zibis
(rhamnus letus L.) eined der vorzäglihfien Nabrungds
mittel ber Bewohner dieſer Küfte,
*) Die Arae Philaenorum befanden fi an dem Orte, ber
jest Seägga heißt. Ueber die Brüder Philäni, weldye durch
einen freiwilligen Tod dad Gebiet ihres Vaterlandes Kars
thago bedeutend erweiterten, vgl. Salluft’s Jugurtha, 41.
Balerins Maximus V, 4. "
eo) Cirta, Sicca, Karthago und Maxulla.
©) Ptolemãus (IV, 3.3 ſetzt Eanopiffä zwiſchen Tabarca und
bden Fluß Mebsjerda, Ehiima Füblich von Ryades.
Eimitku Ing einige Meilen Sftli von bem heutigen Bugia.
‘ Fünftes Buch. 507
senftihe, die beiden Unitaniſchen, bie größere nämlich und Die
Meinere, und die Bagenfifche Erwähnung verdienen; ferner
bie Ufalitanifche Gemeinde, die einzige mit Lateinifchem Bür⸗
gerrechte, eine einzige dienfipfliichtige Stadt bei Cafira Cor⸗
uelia , und dreißig freie Gemeinden, von denen Die im In⸗
Bern liegenden, die Acolitaniſche,) Acharitanifche, Apinenfifche,
Abziritaniſche, Cauopitauiſche, Melzitanifche, Materenſiſche,
Salaphitaniſche, Tusdritaniſche JJemma], Tiphicenſiſche,
Tunicenſiſche, Theudenſiſche, Tagesdenſiſche, Tigenſiſche, Uln⸗
ſubritaniſche, andere Vagenſiſche, Viſenſiſche und Zamenſiſche
ſ[Sowarin] anzuführen find. 5. Von den übrigen Gemein⸗
den , von denen viele ſich nicht auf einzelne Städte befchrän-
Zen, fondern mit Recht ganze Bolksſtämme geuannt werben
Zönnen, erwähnen wir nody bie Natabuden, die Eapfifaner
I[Gaffa], die Mifulaner, die Sabarbaren, die Maffyier, die
- Nifiven, die Bacamuren, die Ethiner, die Muffiner , die
Marchubier und ganz Gätulien, »e) bis zum Fluſſe Nigris,
welcher Africa von Yethiopien trennt.
vv). 1. Das Eyrenäifhe ober Pentapolitaniſche Be:
diet [Barca] ift durch das Drafel des Hammon [Haimabaide,
in der Dafe Siwah], welches 400,000 Schritte [80 M.] von
Eprene entfernt liegt, die Sonnenguelle Om⸗el⸗Abid] und
befonders durdy feine fünf Städte, Berenice [Bengafl),
Arſinoẽ [Teuchira], Ptolemais [Tolometa], Apollonia [Rarza
Ruinen von Acholla bei dem Tuneſiſchen Flecken Elalia.
”) Die Gatuler hatten ſich Aber die Landſtriche, welche füblich -
fih unter Maroeco, Algier und Tunis Hinziehen, verbreitet;
ſudlich von ihnen wohnten die Aethiopier (Meger),
*
⸗
508 ‚€. Plinius Naturgeſchichte.
Sufa} und Eyrene [Grenne] berühmt. Berenice Tiegt an
ber änßerften Spitze der Syrte, nad hieß einſt die Stabt
ber Hesperiden, von denen wir ſchon *) geſprochen haben,
und welde die uufidheren Griechiſchen Fabeln an verfchies
dene Gtellen ſetzen. Nicht weit vor ber Stadt ſieht man
den Fluß Lethon **) und den heiligen Hain, in dem man
die Gärten der Hesperiden zu finden glaubt. 2. Berenice
ift von Leptis 375,000 Schritte [75 M.] entfernt; von ihr
bis nach Arſinos, welches auch Teuchira heißt, find 43,000
Schritte [8?/; M.]; dann kommt 22,000 Schritte [4’; M.]
weiter Ptolemais, welches andy) noch feinen alten Namen
Barce führt; 40,000 Schritte [8 M.] weiter läuft das Bor⸗
gebirg Phyeus IRas Sem] in das Eretifche Meer hinaus,
weiches von dem VBorgebirge Tänarus [Matapan] in Lacos
nien 350,000 Schritte [70 M.], von Ereta felbft aber
925,000 Schritte [a5 M.I entfernt iſt. Daun folge Eyrene,
weiches 11,000 Schritte [2% M.] vom Meere liegt. Bom
VBorgebirge Phycus bis nach Apollonia find 24,000 Schritte
(4% M.], bis zum Vorgebirge Cherfonefus [Ras Razat]
88,000 Schritte [17% M.] und von da bis nad Catabath⸗
mus [Eucco] 216,000 Schritte [a3'% M.]. 3. Dier wohnen
die Marmariden, welche ungefähr von der Umgegend ber
Stadt Parätonium [EI Baretoun] bis an die große Syrte
bin reihen. Nach ihnen folgen die Araranceler, und an
der Küfte der Syrte bie Nafamoner , weldhe die Griechen
*) Ray. 1.5. 3. 4.
*0) Der fhmale Kanal, durch welchen ein bei Bengef lieg ender
See mit dem Meer in Verbindung ſteht.
Sünftes Bud. 509
früher Mefammoner ®) nannten, weil ihre Gebiet mitten in
den Sandwüflen lag. In dem Eprenäifchen Gebiete gebeihen
anf einer Strecke von 15,000 Gchritten f3 M.], von der
Küfte an gerehnet, Bäume; auf einer gleihen Gtrede
weiter nad) dern Inneren hin, nur Feldfrüchte, und anf dem
darauf folgenden, 30,000 Schritte [6 MI breiten und
280,000 Schritte [50 M.] langen Landſtriche nur Lafer, *%
. 4 Hinter den Nafamonen wohnen die Asbyſten ***)
und Maker, + und nad Diefen die Hammanienten, weldye
zwölf Tagreifen weitlich von der großen Sorte entfernt und
nah allen Geiten hin von Sandwüſten umgeben find. Ste
bekommen jedod) ohne Schwierigkeit, wenn fie zwei Klafter
tief graben, waflerreiche Brunnen, weil bier die Gewäfler
Mauritaniens fi fammeln. Statt ber Steine bedienen fle
fi zum Baue ihrer Hänfer des Salzes, welches fie in ihren
Bergen gewinnen. Bon Diefen bis zu den nach dem Winter
fonnenuntergang [&ühmwelten] hin wohnenden Zroglodpten,
find vier Zagreifen. Man treibt mit biefem Volke nur
Handel mit dem Ebdelfteine, welcher Karfuntel heißt, und
ihm aus Aethiopien "zugeführt wird. 5. Dazwiſchen liegt
nad, den Sandwüſten Africa's hin, weiche wir oben bei der
Beinen Syrte genannt haben ,. Phazania IFezzan], wo wir
das Bolt der Phazanier und die Städte Alele Mellulen]
2) Bon usoos (mitten) und äuues (Band). Nach Bochart
' (@eogr. P. I. Lib. 4. oap. 30.) ift das Wort Phoͤniziſch,
amd heißt Männer des. Ammon,
*%) Ferula assa foetida. Linn. Bel. B. 19. 8. 15.
**) Sadlich von Eyrene (Grenne). |
3) Am Wabdi⸗Quaam.
510 C. Plinius Naturgeſchichte.
nad Cillaba [Iuila] unterjochten, ſo wie Cydamus [Gada⸗
mez], in der Richtung von Sabrata [AlttripoliJj. Bon den
Dhazaniern'. zieht ſich weithin von DOften nach Welten ein
Berg , welcher bei ben Unfrigen der ſchwarze (ater) heißt, "")
entweder weil er von Natur verbrannt fheint, oder weil er
durch die anpraliende Sonne geſchwärzt if. 6. Jenſeits
deffelben find Sandwäflten und Matelgä, eine Stadt der Gara⸗
matten; ferner Debris, ***) bei welchem ſich eine Duelle ber
findet, die von Mittag bis Mitternacht fiebendes, und ven
Mitternacht bis Mittag eiskaltes Wafler gibt, fo wie bie
berühmte Stadt Sarama [Berma], der Hauptort der Ga⸗
ramanten. Ueber alle diefe Länder ſiegten die Roͤmiſchen
Waffen und triumphirte Cornelius Balbus, +) der einzige
Ausländer, welchem bie Ehre des Triumphs und des Rechts
der Quiriten zu Theil wurbe ; denn er war zu Gades ger
baren, amd erhielt zugleich mit dem Altern Balbus, feinem
väterlichen Oheim, das Römifche Bürgerrecht. 7. Merk⸗
würdig ift ſchon, daß unfere Schrififteller über die oben ger
nannten, von ihm eroberten Städte berichten, und daß:en,
feibft, außer Eydamus und Garama, auch die Namen und
Bilder aller anderen Völker und Städte im Triumphe, nnd
-zwar in folgender Ordnung aufführte: die Stadt Tabidimm
*), An ber Gib: und Nordweſigraͤnze von Fezzan.
” Noch jetzt heißt dad Gebirg Sondah (das ſchwarze).
“er, Gag wahrſcheinlich auf ben Wege zwiſchen Germa und
Ghraat, wo man jert noch bei Om⸗el⸗Abid viele Wohnungen
in eine Bergwand eingehauen fiebt: J
) Im J. 44 vor CEdr.
Fünftes Bud. 518
[eihefiy], der Boſtoſtamm Niteris, die Siadt Negligemela *)
der Volksſtamm oder die Stadt Bubeium, **) die Eniper,
ein Volksſtamm, die Stadt Thuben, ber [fchon angeführte]
Berg, welcher Niger [dev ſchwarze] heißt, die Städte Nie
tibrum und Rapfa, der Volksſtamm Discera, ***) die [be-
reits erwähnte] Stadt Debris, der Fluß Nathabur, +) die
Stadt Thapſagum, ++) die Nanager, ein Volksſtamm, ++t)
die Stadt Boin, die Stadt Pege, +*) der Fluß Dafibari
[Azawan]; dann folgten ohne Unterbrechung die Städte
Baracum, Buluba, Aal, Balfa, Gala, Marala [Miflo:
nt] , Zizama und endlich der Berg Gyri [Boriano], wo,
wie die Infchrift [des bei dem Triumphe mitgetragenen Bils
des] befagte, Edelſteine wachen. 8. Der Weg zu den Gas
ramanten war bis jetzt ungangbar, weil die Räuber dieſes
Volks die Brunnen, welche man Übrigens, wenn man Orts⸗
kenntniß hat, ohne tief zu graben, berflellen kann, mit Band
verſchütten. Erſt in dem Kriege, welchen ber Kaifer Bess
pyaflanus in der neuften Zeit mit den Bewohnern der Stadt
Dea führte, 12) wurde ein um vier Tage Bürzerer Weg
€) Der Volksſtamm Niterid und bie Stadt Negligemela find
vielleicht in dem zwifchen Fezzan und Borun liegenden
Diftricte Bilma zu ſuchen.
” Mielleicht der Stamm ber Tibbo's, welcher ſudweſtlich von
Augila wohnt, und Febabo heißt.
*., Vieleicht um Im⸗Zerar, auf bem Wege von Sockna nad
Murzuk.
H Soll bei der Stadt Teſſawa gefloſſen, und jetzt verſiegt ſeyn.
) Vielleicht bei Traghan. Thapſagum iſt vielleicht Sana.
++ Nöordlich von Om⸗el⸗Abid.
+*) Winega, auf dem Wege von Germa nad) Bprant,
+) Bol. Taeitus, Hist. IV, 50,
512 C. Plinius Naturgeſchichte.
entdeckt. Er heißt „der Weg am Felsgipfel vorbei.“ —
Der Gränzpunkt der Cyrenäiſchen Landfchaft heißt Catabath⸗
mos [Lucco], welchen Namen eine Stadt und ein dabei
ſchnell abfallendes, Thal führen. Won ber kleinen Sprte bie
zu dieſer Gränze mißt das Eprenäifhhe Africa in der Länge
41,060,000 Schritte [312 M.], in der Breite aber, in fo
weit diefe nämlich befannt iſt, 800,000 Schritte [160 M.).
VI (vr). 41. Der Landfirih, welcher nun folge, heißt
Mareotis Libya, **) und gränzt an Aegypten. Die Bewohs
ner deffeiben find die Marmariden, die Adyrmachiden uud
endlich die Marepten. Die Wegelänge von Catabathmos bie
nah Parätonium [Al⸗Baretoun] beträgt 86,000 Schritte
[175 M.]. Auf diefer Strecke liegt der Flecken Apis, ein
durch die Religion Aegyptens berühmter Ort. Bon ihm
bie nach Parätonium And 62,000 Schritte [12% M.], und
von da bis nad Alerandrien 200,000 Schritte [10 M.];
die Breite des Landes befrägt 169,000 Schritte [35% M.].
2. Nach Eratofihenes mißt der Landweg von Eyrene nach
Alerandrien 525,000 Schritte, nad Agrippa die Länge vom
ganz Africa von dem Atlantiſchen Meere, mit Einfluß
Unterägyptens , 3,080,000 Schritte [608 M.]. Polybins
und Eratofthenes, welche als die genaneften gelten, rechnen
vom Ozean bis nach Großkarthago 1,100,000 Schritte [230 M.],
“und von da bis zur nächſten (Eanopifchen) Mündung des
*) Wahrſcheinlich der Weg, weicher noch jetzt von Tripoli
nah Mifforkt und Germa, an bem fleilen Fels Gelat
(dem höcften Punkte bes Goriano) vorbeifährt.
*, Pinind verſteht unter Mareotis Libya die ganze Kagen⸗
ſtrecke von Lnceo bis Alexandria.
J
Fünftes Bud), . 545
Nils 1,528;000 Schritte [305% M.]. Iſidorns zählt von
Tingis bis Canopus 3,599,000 Schritte [719% M.T, und
Artemidorus 40,000 Schritte [8 M.) weniger, als Iſidorus.
VI (vn) 4. Es liegen nicht viele Juſeln in biefen
[Rord Africa befpütenden] Meeren. Die berühmtefte ift
Meninr [Dfierbi], welde 25,000 Schritte [5 M.] Tang,
und 23.000 Schritte [A%, M.] breit ift und von @ratofthe
nes Lotophagitis genannt wird. Sie hat zwei Städte, Mes
ninr auf der Seite von Africa, und Shoar auf der andern
Seite; von dem rechten Borgebirge [Cap Dfierbi] der Heinen
Syrte ift fie 1,500 Schritte [Y. Stunde] entfernt. Links
von diefer Inſel, in einer Entfernung von 100,000 Schritten
f20 M.), liegt Gercina [Kerteni], mit einer gleichnamigen
freien Stadt. Sie ift 25,000 Schritte [5 M.] lang, und
ihre Breite beträgt, wo diefe am bebentendften ift, die
Hälfte des angegebenen Maßes, an ber Spitze aber nicht
mehr al3 5000 Schritte AM.) 2. Mit ihr ift anf der
Seite nad Karthago hin Eercinitis. [Deko], eine fehr kleine
Fuſel, durch eine Brüde verbunden. Ungefähr 50,000 ©.
[10 M.] von diefen Inſeln folgt Lopaduſa [Lampadoſa],
weiche 6000 Schritte [1/, M.] lang iſt, und nicht weit das
von kommen Gaulos und Balata, deren Erbe den Scorpion,‘
ein für Africa fehr ſchädliches Thier, tödtet. Auch in. der
Stadt CElupea [Ealibia], welcher gegenüber die Juſel En»
fgra, *) mit einer Stadt, liegt, foll es fterben. Bor dem
Meerbufen von Karthago, zwifchen Sizilien und Sardinien,
29) User die Inſeln Gauloe, Galata und Coſpra vgl, 8. I.
$. 6,
-
644 C. Plinius Naturgeſchichte.
liegen die Altaͤre des Aegimorus [Bowamoores], die- cher, als
Selen, denn als Fufeln gelten können. Nah manchen
Schriftſtellern follen ſie einſt bewohnte Inſeln geweſen, ſpã⸗
ter aber eingeſunken ſeyn.
VVIII (nm). 1. Südlich von den bereits beſchriebenen
Tdeilen von Africa, nach dem. Juneren bin, und über den
Gätnlern, wohnen, von Diefen durch Wüſten getrennt, zuerſt
die Libyaghpter nud dann die Leucäthioper; ) über Diefen,
an dem fchon erwähnten **) Fluſſe (Niger) die Nigriten
Yerhiopifhe Stämme, die Gymnetiſchen (nadten) Pharu⸗
fier , ***) weldhe bis zum Oztan reichen, und die ſchon
oben +) berührten Perorfer an der Gränze Mauritaniens,
Oeſtlich von diefen Völkern find. ungeheure Wüſten bis zu
den Garamanten, Augylen und Troglodyten hin. Die
Meinung Derjenigen, welche an bie Seiten der Africani⸗
ſchen Wüften zwei Aethiopien fegen, iſt alfo fehr richtig 5
-von Allen hat aber Homer ++) neh der die Aethiopier in
*) Die Libyoägypter wohnten an den Granzen von Aegypten
und Nubien; bie Leucäthiopier in dem Landſtriche, wo
man jest bie Azanaghis findet,
96) Ray. 4. 5. 5. Der Niger kann nach diefer Stelle unmögs
lich der Fluß fepyn, welchen man jetzt gewöhnlidhh Niger
(Zoliba) nennt, fondern muß nördlicher gefegt werben,
Vieleicht iſt er ber. Bis ber neneren Geographen. Bel
€. 9. Waldenaer: Recherohes geographiques sur
‚Pinterieur de l’Afrique septentrionale. Par. 1821. 8,
p- 475,
990) In der Gegend des Cap Nun.
D cap. 1 5. 10.
+) Dwg. I, 28. 24.
—
Fünftes Bud. 1717
zwei Abtheilungen fcheidet, nämlich in die. li, und in
Die weſtlich wohnenden. 2. Der Nigerfiuß bat diefelben
@igeufchaften, wie ber Nil: er bringt , gleich dieſem, das
Schilfrohr, die Papyrusſtaude und diefelben Thiere herver,
und ſteigt zu denſelben Zeiten. Er entſpringt zwiſchen den
Tareleiſchen und Oecaliſchen Aethiopiern.“) Der Letzteren
Stadt Mavis ſetzen Einige in die Wüfte und veben dieſes
Bolt die Atlanten, die halbwilden Aegipanen, die Blem⸗
myer, die Gamphaſanten, die Satyren und die Himantopes
den. Die Atlanten find, weun wir den Nachrichten über
fie glauben wollen, allen menſchlichen Gewohnheiten ent⸗
frembet. Man findet bei ihnen eine Bezeichnung des Eins
zelnen durdy einen befonberen Namen; die Goune verfolgen
fie bei ihrem Aufgange und Untergauge mit fchredlicdyen
Berwünfhungen, weil fle ihnen und ihren Feldern verderbs
lich ift: andy haben fie feine Träume, wie andere Menſchen.
5. Die Troglodyten graben fid) Höhlen, bie ihnem zu Woh⸗
nungen dienen ; ihre Nahrung ift Schlangenfleiih, und ber
Ton, melden fie von ſich geben , ift Feine Stimme, fondern
"nur ein Geziſch, weßhalb ihnen eine verfändliche Sprache
fehlt. Die Saramanten wiffen nichts von Ehen, fondern
leben nach Belieben mit allen rauen. Die Wugplen vers
ehren nur die @ötter der Unterwelt. Die Gamphafanten
sehen nackt, verfichen. nichts nam Krieafährung , und treten
mit Peinem Fremden in Verbindung. Den Blemmpern follen
die Köpfe fehlen, der Mund und die Augen aber auf ber
) Die Oeealiſchen Hethiopier ſetzt man gewo hnlich ſadbſtuich
von dem heutigen Reiche. Darſur.
616 C. Plinius Raturgeichichte.
Bruft fiehen. ie Satyen haben. außer der Geſtalt nichts
Menſchliches an ſich; Die Aegipanen find fo geflaltet, wie
man fie gewöhnlid, abbilbet. ) Die Himantopoden find
krummfüßige Leute, die von Natur kriechend einherſchleichen. **)
Die Pharufler follen von Perſern herfiammen, welde einft
den Hercules anf feinem Zuge zu deu Hesperiden begleiteten.
— Weiter bietet ſich Über Africa nichts, was Grwähnung
verdiente.
IX (x). 4 Mit Africa hängt Allen zufammen, weh
ches fich, nach ZTimofthenes , von der Eanopifhen Nilmäns
dung bis zur Mündung des Pontus 2,659,000 Schritte
1527% M.], nnd, nad) @ratofthenes, von der Mündung
des Pontus bie zur Mündung des Maͤotiſchen Sees 1,645,000
Schritte [329 M.] ausdehnt. Die Größe von ganz Aflen,
Aegypten mit einbegriffen,, bis zum Tanais, beftimmen Ars
temidorus und Iſidorus anf 6,575,000 Schritte [1,275 M.].
Die es umgebenden Meere haben von den Anwohnern vers
fiedene Namen erhalten, weßhalb wir fie mit Diefen zu⸗
gleich anzeigen werben. 2. Zunächſt an Africa liegt Ae⸗
gypten, weiches ſich in fühlicher Richtung nad dem Innern
Hin erſtreckt, und bie zu den Aethiopiern, die fih hinter
ihm ausbreiten, hinzicht. Den ſüdlichen heil des Landes
umſchlingt der Nil dur zwei Arme, bie er rechts nnd
links entfendet, und deren Mündungen, die 170,000 Schritte
[sa M.] von einander entfernt find, die Graͤnzſcheide bitden,
PR Mit woattfuhen.
”) Es wäre eine unbanfbare Mühe, über dieſe fbeipaften
Bolker nähere Unterſuchungen auzuſtellen.
t
+
Fünftes Bud. 817
die Canopiſche gegen Africa, und die Peluſiſche nad) Ufen
hin. ) Aus diefem Grunde rechneten Manche Aegypten zu
den Inſeln und Viele legten ihm, weil fi der Nil fo
theilt, daß er dem Lande eine dreiedige Geftalt gibt, den
Namen des Griechiſchen Buchſtaben Delta (9) bei. Die
Wegſtrecke von dem Drte, wg der noch in einem Bette ſtrö⸗
mende Nil ſich in zwei Geitenarme theilt, bis zur Canopi⸗
fen Mündung, beträgt 186,000 Schritte [29% M.], bis
zur Peluſiſchen Mündung aber 256,000 Schritte **) [51'/; M.).
Der obere an Aethiopien gränzende Landestheil heißt The⸗
baid. 3. Er wird in Stadtbezirke, die man Nomen nennt, *®)
getheilt, nämlih in den Ombiſchen [Ronm:Ombos], den
Apollopoliſchen IEdfu], den Hermontifhen [Ermend], den
Thinitifchen , +) den Phaturiſchen, +7) den Goptifchen [Kuff],
den Teutyriſchen [Dendera], den Diospolifchen [How], ben
Hntäopolifchen [DuäsonselsKharb] , den Apbroditopstifchen
[@d Sof} und Lycopolifchen [Siut]. Die nah Peluſium
hin Tiegende Gegend begreift den Pharbätifhen [Belbeis],
°) Der Eanopifche Arm münbdete bei Abukir, ber Pelufifche
bei Tineh: fie find jegt nicht mehr vorhanden.
+, Man muß wohl „156,000 Schritte” Iefen: denn bie Ents
- fernung bis zu beiden Mündungen ift beinahe glei. .
*., In den Klammern if immer bie jegige Benennung bed
Hauptorts eines jeden Nomos beigefügt.
+») Das unbebentende Städtchen This, von welchem ber No⸗
mos feinen Namen bat, lag in ber Nähe von Scheik⸗
Abadu, dem alten Abydus.
+) Diefer Name Eommt nur in dem alten Teitamente und
‚ feinen ErElärern vor. Der Nomos ferbft ift wohl Fein ans
"derer, als der von Thebaä.
518 €. Plinius Naturgeſchichte.
den Bubaſtiſchen [Baſta], den Sethropiſchen *) und den
Tanitiſchen (Aſchmon-Tanah]ſ. Im den Übrigen Tbeilen
Aegyptens findet man noch folgende Nomen: den Arabi⸗
ſchen, »e) den Hammoniſchen, der nach dem Orakel des In⸗
piter Hammon [Dafe Siwah] Hin liegt, den Oxyrynchiſchen
I[Beneſeh], den Leontopoliſchen [Tel-Effabe], den Atharrha⸗
biſchen ITrieb), den‘ Cynopoliſchen ISamalout), den Her⸗
mopolifchen [Aſchmunein], den Xoisſchen [Mehallet⸗el⸗Ke⸗
bir], den Mendeſiſchen (Menzaleh]j, den Sebennytiſchen
fSemenhüd], den Gabaflfchen [Dfiebas], den Latopoliſchen
[&sneh), den Seliopolifchen Matareh], der Profopifchen, »)
den Panopotifhen [Akmin], den Bufiriſchen [Abufir], den
Onuphiſchen [Banäb], den Baifhen [Sah⸗el⸗Hadſchar],
den Ptenethuifchen [Bembeanw], den Phthemphuiſchen [Tafa],
Sen Naucratifchen, +) den Metelifchen [Mentubes] , den
Gpnäcopolifhen ++) und den Menelaifchhen in der Gegend
son Alexandrien. A. In Libyen liegt der Mareotiſche Nos
mos FMRairitt] und der Heracleopolifhe auf einer ‚50,000
Säritte [10 M.] langen Nitinfel, auf der man and die
*) An der Stelle von Keracleum, dem Hauptorte bed Sethroi⸗
ſchen Nomos, findet man jetzt den See Menzaleh.
”e) Zwiſchen dein Delta und den Arabiſchen Meerbuſen.
m) Go genannt von ber Infel Profopitis , welche durch zwei
Nilarme (dem Canopiſchen und den Sebennytiſchen) und
den Canal Farauͤni gebildet wird.
‚ D Naueratis lag drei Stunden fühlidy von dem heutigen Orte
Schabur. Andere zählen Naucratiö zu dem Nomos von
Said, Vielleicht irrt fih hier Plinius.
Tr) Auf der Weftfeite bed Eanopifchen Arms.
Fünftes Buch. B19
Stadt Heracleopolis [Anas⸗el⸗Wodjont] finde. Es gibt
ferner zwei Arſinosiſche Nomen [Mdsijerüt und Bejum];
Diefe und der Memphifhe [Minieh] reichen bis zur Spitze
des Delta. - An diefe gränzen nad Wfrica ‚hin die beiden
Oaſiſchen [EL Wah und Charje]. Mandye verwechſeln eis
nige diefer Namen, und führen noch andere Nomen an, wie
Den SHeroopofifhen und den Erocodilopolifhen. 9% 3wiſchen
dem Arfinveifhen und dem Memphifhen lag ein von Mens
ſchenhänden gegrabener Ser, der 250,000 Schritte [50 M.],
sder , nadı der Angabe des Mucianus, 450,000 Schritte
90 M.] im Umfauge hatte, und 50 Schritte [250 Fuß] tief
war, und nad) dem Könige, der ihn hatte ausheben laſſen,
Möris [BirkeKerän] getaunt wurde. 5. Bon bier bis
nad Memphis [Minieh], der Burg der früheren Könige
Aegyptens, find 72.000 Schritte [14% M.], und von da bis
zu dem Drakel des Hammon zwölf Zagereifen; bie zur Thei⸗
fung des Nils, dem fogenanuten Delta, aber 15,000 Schritte
[5 R.].
X. 4. Der Nil, welder aus nicht mit Gewißheit an⸗
zugebenden Quellen entſpringt, ſtroͤmt zuerſt durch übe,
Heiße Gegenden, und iſt auf dieſer ganzen ungeheuer langen
Gtrecke ſeines Laufes nur durch Gerüchte und friedliche [ges
lebrte] Forſchung, keineswegs aber durch Kriege, welche die
Entdeckung alter Übrigen Länder veranlaßt haben, bekannt.
Nach Allen, was der König Juba darüber erfahren konnte,
nimmt er auf einem Berge Niedermanuritaniens, nicht weit
*) Der Heroopoliſche Nomes entfpricht dem Arabiſchen, der
Krokobilopolifcye dem einen Azfinokifhen (Fejum).
620 €. Plinius Naturgefchichte.
vom Ozean, feinen Urfprung, und ſammelt ſich zuerft im
einem See, den man Nilis nennt: darin finden ſich manche
Fiſcharten, als Alabeten, *) Eoracinen **) und Siluren. ***)
Andy fieht man jest noch im Iſistempel zu Cäſarea [Te⸗
nez] einen von Juba zum Beweiſe feiner Behauptung +>
geweihten Erocodil von bortber. 2. Außerdem bat man die
Beobachtung gemacht, daß fid das Wachſsthum ded Nils
nad) der Menge des in Mauritanien fallenden Schnees unb
Regens richte. Nach feinem Austritte aus dieſem See vers
birgt fich der Nil‘, als verfchmähe. ex es, durch traurige
Sandwüſten zu fließen, . einige Zagreifen. weit unter ber
Erde. Daranf bricht er, wie die auch bier vorhandenen näm⸗
lichen Thiere beweifen, in einem andern größeren See beidem
Volke der Maſſäſyler im Cäfarifhen Mauritanien bervor,
ats wolle er fid) nach den umberwohnenden Menfchen ums
ſchauen, und bleibt dann durd) eine zwanzig Tagreifen lange
*, Alabetaͤ. Man ift über dieſe Fiſche nicht im Neinem,
Gewöhntid Hält man. fie für eine Aalart, nämlich entweber
für die Aalraupe (Gadus Lota L.), ober für die Fluß⸗
nennauge (Petromyzon fiuviatilis L.).
*) Goracini, eine Lippfifhart, welche man gewöhnlich Wolken⸗
fioffe (Labrus niloticus L.) nennt.
”) Siluri. Aalwels (Silurus anguillaris L.), von den
Araberu Charmuth genannt.
+) Daß nämlich ber in Mauritanien entfpringende Fluß ber
Nil fey, zu weichen Schluſſe fih Juba fowohl durch bie
angeführten bem Nil eigenthämlichen Fiſcharten, als auch
durch den in bem erwähnten See gefangenen Krokodil, Bew
man als ein nur bem Nilangehörendes Thier zu betrachten
gewohnt war, beſtimmen Ip.
us
’
Fünftes Bud. ' b21
Büfte, bis zu den zunächſt liegenden Uethiopiern im Sande
verborgen. Gobald er aber wieder Menſchen merkt, bricht
er von neuem hervor, und zwar aller Wahrſcheinlichkeit nad,
aus jener Auelle, weldhe den Namen Nigrie führt. 3. Bon
hier an bildet er die Gränze zwifcdhen Africa nnd Wethio-
‚pien, *) umd iſt, wenn auch nicht fogleich von Völkern, doch
von wilden Thieren und Beflien umwohnt, und mit Wäls
dern, die er gefchaften, bededt. Auf feinem Laufe mitten
durch die Wethiopier führt er den Beinamen Aflapus, **)
was in der Sprache jener Völker ein ans der Dunkelheit
hervorfließendes Wafler bedeutet. 4. Bon den unzähligen
Inſeln, die er bildet, find einige von fo ungehenrer Größe,
‚daß er trotz feiner reißenden Schnelligkeit nicht weniger als
fünf Tage braucht, nm an ihnen vorüberzufliegen. Wo er
Meros, die berühmtefte diefer Inſeln, ungibt, ‚heißt fein
‚Yintes Bett Wflabores , ***) welcher Name fo viel als
„Zweig eines aus der Finſterniß Eommenden Waſſers“ bes
deutet, fein rechtes aber Aftufapes, mit welchem Worte man
Den Begriff des „Verborgenſeyns“ verbindet; Nil nennt man
‚ihn jedoch nicht eher, als bis fid) alle feine Gewäfler wieder
eintraͤchtiglich in einen Strom vereinigt haben; und auch dann
*) Es ift wohl kaum zu bemerken, daß ber Hier angegebene
Lauf des Nil quer durch Nordafrica ein Phantafiegebilb iſt.
»5) Der Nilarm Bahar⸗el⸗Azrek (blauer Strom).
”. Der Aſtabores ift nad neueren Forfchungen ber Tacaze,
dor Aſtuſapes der Rahad. Meros heißt alſo bei den Alten
das Dreieck, welches von dieſen beiden Armen bei ihrer
Vereinigung gebildet wird.
€, Plinius Naturgeſch. b8 Bochn. A
523% C. Plinius Naturgefchichte.
no) führt er einige Meiten weit, fo mie auch etwas ſtrom⸗
aufwärts, den Namen Siris; bei Homer heißt er auf der
ganzen Strecke feines Lanfed Aegyptus, bei Andern Triton.
Weiterhin wird er durdy Juſeln eingeengt, die als eben fo
viele Spörne feines Laufes dienen; endlich Führt er, fi
zwifhen Berge drängend und reißender als fonft irgendwo,
feine eilenden Wogen bis zu der Gegend der Nethioper,
welche Eatadupen heißen, und fcheint dafelbft bei feinem
lebten Balle **), des furchtbaren Getöſes wegen, durch die
entgegenftrebenden Felfen nicht zu ſtrömen, fondern herab⸗
zuflürzen. 5. Darauf ergießt er ſich, nachdem fein Gewaͤſſer
gebrochen und feine Wuth gebändigt, und er auch wohl
durd) die Länge feines Laufes ermüdet ift, obgleidy durch
viele Mündungen, Doc fanft in das Aegyptiſche Meer. Au
gewiffen Tagen aber überfhwemmt er durch feine hochau⸗
fhwellenden Sluthen ganz Wegypten, und macht das Land
durch feinen Erguß fruchtbar.
6. Wan hat verfchiedene Urſachen biefes Anſchwellen⸗
beigebracht; die wahrſcheinlichſten find jedoch entweder das
Anprallen der um dieſe Zeit von entgegengefetzter Richtung
her wehenden Nordweſtwinde (Eteſten), die das Meer die
Mündungen hinauftreiben, oder die Sommerregen in Ae⸗
thiopien ,**N) wohin die Wolken aus den übrigen Erdge⸗
genden durch dieſelben Nordweſtwinde gejagt werden. Einen
Dunkeln Brund gab der Mathematiker. Zimäns an: der Nil,
* Oboß. IV, 477.
””) Be Affonan, an ber Gränze Aegyptens.
+, Diefe Urfache ift jet als bie einzig richtige anerkaunt.
Fünftes Bud. 165
‚meint er, deffen Quelle Phiala Heiße, verfente ſich in an⸗
kerirdifhe Gänge, nnd dampfe an den glühenden Zelfen,
zwiſchen welchen er verſchwinde, vor Hitze. MWeun aber
während jener Tage *) die Sonne ganz nahe komme, fo
werde er Durch die Gewalt ihrer Gluth hervorgezogen, und
‚entfende , indem er auf dieſe Weiſe fchwebend hänge, eine
große Waſſermaſſe; darauf verberge-.er ſich wieder, um
nicht völlig verzehrt zu werden. Dieſes gefchehe bei dem
Aufgange des Hundsgeſtirns, wenn die Sonne in ben Lö⸗
wen trete und ſenkrecht über der Duelle flehe; zu welchen
Zeit es in jener Gegend Feinen Schatten gebe. 7. Die.
meiſten Andern glauben dagegen, daß der Nil waflerreicher
fey, wenn die Sonne ſich nad) Norden hin entferne, was
dm Krebfe and Löwen ‚gefchieht, und alfo weniger eintrodne;
Daß «r aber durch die Sonne, weun fle wieder zu Dem
‚Steinbode und nad) dem Südpole hin zurückkehre, verzehrt
werde, und deßhalb fpärlicher fließe. Wollte übrigens Ye
mand deu Zimäns alauben, daß -der Nil durdy die Sonne
herausgezugen werben könne, fo mag er bedenken, daß xs
während jener Tage an jenen Orten gar keinen Shatien
‚gibt, **)
-8. Der Nil beginnt jedesmal an dem Neumonde, wels:
‚cher der Gommerſonnenwende folgt, anzufchwellen, und zwar
altmälig und mäßig, fo ‚lange die Sonne durch ben Krebs,
.‘
* In denen nämlich der Nil anſchwiut.
=) Alſo der. Nil fortwährend, fo lange die Sonne: in dieſer
"Gegend ihre Strahlen ſenkrecht herabſendet, wachfen müßte;
was doch nicht der Fall if.
j 4 *
B24 E. Plinius Naturgeſchichte.
am ftärkften aber, wenn fie durch. den Löwen geht. Wenn
fie in die Jungfrau tritt, Fällt er auf diefelbe Weiſe, wie er
angewachfen ift. Böllig kehrt er aber, wie Herodot berich⸗
tet, ”) erſt am hundertſten Tage , wenn die Sonne in der
Wage flieht, zurück. Während er anfhwillt, dürfen nad
einem alten Vorurtheile die Könige oder Statthalter nicht
auf ihm fahren. Die Stufen feines Wachsthums beobachtet
man an in Brunnen angebrachten Mafßzeichen. Die rechte
Höhe beträge ſechzehn Ellen. ») in tieferer Waſſerſtand
bewäffert nicht Alles; ein höherer ift hinderlich, weil er zu
fpät abnimmt. Im letzteren Kalle geht, da der Boden zu
naß if, die Gaatzeit norüber; im erften bleibt fie, da er
zu troden ift, ganz aus, 9. Beide Fälle hat das Land zu
berückſichtigen. Mit zwölf Ellen leidet es Hunger, mit
dreizehn immer noch Mangel; vierzehn Ellen bringen Hei⸗
terkeit, fünfzehn Gicherheit, ſechzehn Jubel. Der höchſte
Waſſerſtand bie auf die jepige Zeit fand unter dem Kaiſer
Claudins ftatt, und belief fih auf achtzehn Ellen; der nie
deigfte, weicher fünf Ellen beteng, im Pharſaliſchen Krieg,
als babe der Fluß durch ein Wunderzeichen feinen Abſchen
vor dem Morde des großen Pompejus ***) darthun wollen.
Sobald das Waffer im Waͤchſen ſtill fteht, wird es durch bie
"geöffneten Dämme in das Land gelaflen, und fo wie es von
einem. Stüde Boden zurücktritt, wird dieſes befäct. Diefer
Fluß ift auch der einzige, aus dem Beine Nebel auffleigen.
®) 9, 19,
2 Bierunbzwanzig Fuß,
“+, Weiher im J. 48 v, Chr, bei Pelufinm verübt wurde. \
Zünftes Bud. 625
20. In das Aegyptiſche Gebiet tritt er an der Bränge
Aethiopiens, und zwar auf der Geite nad) Arabien hin, bei
Syene [Affen], einer Halbinfel, deren Umfang taufend
Schritte [24 Minuten] beträgt, und auf der ih ein [Roͤ⸗
miſches] Kaftell befindet, auf det andern Geite [Inady Africa]
bin aber bei der Juſel PHilk [Hella], die viertaufend
Schritte [*s M.] im Umfange hat und 600,000 Schritte
[120 M.] von der Theilung. des Nils, von wo an, wie wir
gefagt haben, das Land den Namen Delta führt, entfernt
iſt. 11. So beftimmte Artemidons dieſe Entfernung, und
zählte auf diefer Gtrede 250 Städte. Tuba rechnet 200,000
Schritte [80 M.] und Ariftocreon von Elephantis [Dfiefiret:
el:Sag] bis zum Meere 750,000 Schritte [150 M.]. „Die
Inſel Elephantis liegt 4000 Schritte [?/s M.] unterhalb des
letzten Waſſerfalls und 16,000 Schritte [3'/ M.] oberhalb .
Syene; N fie it der Endpunkt der Aegyptiſchen Schifffahrt
und 580,000 Schritte [116 M.] von Alexandria entfernt.
So fehr irrten fi) die Obengenanuten. *) Hier verfams-
mein ſich aud die Wethiopifchen Schiffe; denn diefe find
zum Snfammenlegen eingerichtet, und werben, wenn man
an die Wafferfälle kommt, auf den Schultern an denfelben
vorübergetragen.
XI, 4. Aegypten behauptet, neben andern Ruhmwür⸗
digkeiten des Alterthums, unter der Negierung feines Kö⸗
nigs Amaſis ***) 20,000 bewohnte Städte gehabt zu haben;
*), Plinius irrt fih; denn die Infel Elephantine Tiegt gerabe
vor Syene.
2 Artemiborus, Juba und Arifioereon. .
*60) In der zweiten Hälfte bes fechöten Jahrhunderts vor Ehr,
626 C. Plinius Naturgefchichte.
anch noch jetzt ift es reih an ſolchen, wenn fle gleich nicht
fehr bedeutend find. Berühmt werden jedod) die Stadt Des
Apollo ; ſodann bie der Leuchthea; Großdivospolis,
audy Thebe genannt, und feiner hundert Thore wegen welts
Kerühmt; ***) Coptos [Kuft], der dem Nik zunächſt liegende
Stapelplatz der Indifhen und Arabiſchen Waaren; dann
” die Stadt der Benus; 7) eine zweite des Jupiter; TH) und
Tentyris [Dendera] ; unterhalb diefer, nad) Libyen hin und
7,500 Schritte [1% M.] vom Nil, Abydus [Scheik⸗Abadũ],
der Königsilis des Memnon und berühmt durch feinen‘ Off:
sistempel. 2. Berner Ptolemais [Menſchieh], Panopolis
[Amin] und eine andere Stadt der Venus [Atfieh]; dann
im Lipnfchen Gebiet, da wo Die Thebais durch Berge geichlofs
fen wird, Lycopolis [Sinut]. Von diefen Bergen an folgen die
Stadt des Mercurius, +++) die Alabafterftabt, +*) die Hundes
ſtadt Jel⸗Gis] und die ſchon oben genannte Stadt des Der,
cules; +°*) ferner Arfinos [Adsjerät], das ſchon genannte
Memphis, zwiſchen weidher Stadt und dem Xrfinoeifhen
4
*) Apollinopolis (Ebfu).
2*) Wahrſcheinlich bie Eileithyaspolis des Ptolemaͤus 4, 5.;
jetzt El-Kab.
*”, An der Stelle dieſer ungeheuern Stadt liegen Luxor, Kar⸗
nak, Medinet⸗Abu und mehrere andere Dörfer,
H Aphroditopolis ( Ed⸗Soph).
++) Kleindiospolis (How).
+H) Hermopolis (Aſchmunein).
3”) "Alapaorowv rroAss, deſſen Lage in einem Engpaſſe ber noch
wenig bekannten Gebirgskette Gebel⸗el⸗Teier, die ſich zwi⸗
ſchen dem Nil und Arabien hinzeot, zu ſuchen iſt.
1) Kap. 9. 5. 4.
—
nn. Fünftes Bud. \ 527
Nomus, anf der Libyſchen [Ufricanifchen] Seite, die Thurme
tiegen, die man Pyramiden nennt, das Labyrinth, ) wils
cher ohne alles Holzwerk erbaut ift, auf dem See Möris
[Birket-Kerün], und die Stadt Erialag *9. Außerdem liegt
noch im: Inneren des Landes, nach der Arabiſchen Gränze
hie, ein hochberühmter Ort, nämlich die Sonnenftadt. ***)
(x). 3. Bor allen mag man jedoch die von Alerander
dem Großen an der Küfle des Aegyptiſchen Meeres erbaute
Stabt Alexandria preifen. Gie liegt auf der Africanifchen
Beite, 12,800 Schritte [2% M.] von der Eanopifchen Mün⸗
Dung, an dem Mareotifhen See [Birket:Cheiriüt], auf der
Stelle, die früher Rhacotes genannt wurde. Dinochares,
ein Baumeiſter, der in mehrfacher Beziehung ein ausge-
zeichnetes Tatent bewies, entwarf den Plan, und gab ihr,
anf einem Flaͤcheninhait von 45.000 Schritten [5 M.], die
Geſtalt eines an ber unterrn Abrundung ausgezadten Ma-
cedonifchen Kriegsmantels, mit einem winkligen Borfprunge
auf der rechten und Hinten Seite; ber fünfte Theil dieſes
Raumes wurde jedoch ſchon damals zur Eöniglichen Refldenz
beftimmt.
4, Der Marestifche See, an der Sübdfeite der Stadt,
ſteht durch einen aus der Eanopifchen Mündung Eommenden
Sund mit dem Mittelländifdyen Meere in Verbindung, und
*, Das Labyrinth, von welchem weiter unten (Buch XXXVL
Kap. 19.) die Rede feyn wird, Tiegt nicht anf dem See
Möris, ſondern an demſelben.
”) Man Hält diefed Wort gewöhnlid für eine Verunfteltung
: ed: Namens Crocobdilopolis.
., Heliopolis (Mattarieh).
3233 €. Plinius Naturgeſchichte.
umfaßt and) mehrere Infeln. Die Ueberfahrt beträgt nady
Claudius Eäfar 30,000 Schritte [6 M.], fein Umfang
150,000 Schritte [30 M.]. Andere beftimmen feine Länge
auf 40 Schönen, und wechnen einen Schönus zu dreißig Sta⸗
din a M.]; fona würden auf feine Länge 450,000
Schritte [30 M] und eben fo viele auf feine Breite tommen.
5. Auch zwifhen den Ausflüffen des Nil liegen nody
viele anfehnliche Städte, befonders die, von welchen die
verfchiebenen Mündungen ihre Namen erhalten haben. Preis
lich gilt Dieß nicht von allen Mündungen (denn man fiudee
deren 'zwölf, und außer diefen noch vier andere, die man im
Lande ſelbſt die falfchen nennt), fondern nur von dei ſieben
berühmteften, nämlich vou der Alexandria: zunächſt liegen⸗
den Banopifchen [bei Abukir], dann von der Bolbitinifchen
[dei Rafchid], der Gebennytifchen [bei Semenhud], der
Phatniſchen [bei Damiekte] , der Mendefifhen [bei Menza⸗
(eh), der Tanitiſchen [bei Aſchmuͤn⸗Tauah] und endlich der-
Peluſiſchen [bei Tineh]. Außerdem find noch anzuführen die
Städte Butos [Bembeaw], Pharbäthos [Belbeis] , Leontos
polis [Ze &fjabe], Athribis [Trieb], die Stadt der Iſis
[Basyyeh], Buflris [Abnfir], Cynopolis ſel⸗Gis], die Stadt
ber Uphrodite IEd⸗Soph), Gais [Sfasal:Hadjar] nnd Nau⸗
eratis, *) nach weicher Stadt Manche eine Mündung, bie
bei Andern die Heracleotifhe heißt, die Nancratifhe nene
sen, und fie der Canopiſchen, welcher fie am nädyften Tiegt,
vorziehen. .
”) Die Lage des verfhwundenen Naucratie ift wabrſcheinlich bei
der heutigen Stadt Schabur zu fischen,
+ Fünftes Bud. 629.
XII (x1). 4. Jeuſeits der Pelufifhen Mündung folgt
Brabien, weldyes bis zum vothen Meere und jenem ges
würztragenden, reihen und unter dem Namen des glückli⸗
dyen Arabiens *) bekannten Lande reiht. Das Arabien, von
Dem hier die. Rebe ift, und weldyes auch Das Land der Eas
£abaner, der Esboniter und der Scenitiihen (zeltebewohnens
Den) Araber genannt wird, ift, mit Ansnahme der an Sy⸗
rien gränzenden Strede, unfruditbar und durch nichts ale
den Berg Eaftus [Dſiebbl Okrab) merkwürdig. An dieſe
Arabiſchen Stämme gränjen Andere, nämlich im Often die
Canchleer, im Süden die Cedreer und an diefe beiden Stämme
Die Nabatäer. ») 2. Bon den beiden Buſen bes rothen
Meeres, welche nad) Aegypten "hin reihen, heißt ber eine.
der Heroopolifche [Goif. von Suez] und der andere der Aela⸗
naifche [Golf von Waba]. Der Zwifhenraum zwiſchen
den Städten Yelana [Akaba] und den an. unferem [Mittels
ländifhen] Meere gelegenen Gaza [Gazeh] beträgt 150,000.
Schritte [30 M.]. Agrivpa rechnet von Peluflum durch
die Wüſte bis zu der Stadt Urfinoe [Sue] am WUrabifchen.
Meerbufen 125,000 Schritte [25. M.]; eine Beine Strede-
treunt zwei durch ihre natürliche Beſchaffenheit ſo ſehr ver⸗
ſchiedene Puukte!
*) Man verſteht darunter ben ſuͤdlichen, zwiſchen dem rothen
Meere und dem Perſiſchen Meerbuſen liegenden, Theil
Arabiens.
”, Die Wohnorte dieſer umherziehenden Stämme laſſen ſich
nach den flüchtigen Angaben des Plinius nicht näher bes
fiimmen, Die Nabatder fcheinen der Hauptſtamm desjeni⸗
gen Theiles von Arabien geweſen zu ſeyn, welcher jet
Hedſchas heißt.
[4
650 C. Plinius Naturgefchichte,
XIII (zu), 4. Die zunächft liegende Küſte nimmt Sy⸗
rien ein, einft das größte aller Länder, welches lin feinen
einzelnen Theiten] durch verſchiedene Namen bezeichnes
wurde. Go hieß es da, wo es an die Araber gränzt, Pas
iäftina, ferner Judaa und Cöle, dann Phönicien, weiter nach
dem Inneren bin Damascena und noch weiter nad, Süden:
hin Babylonia. Zwiſchen dem Euphrat und dem Tigris
hieß es Mefopotamien; wo es über den Taurus hinausreicht,
Gophene und dieffeits deſſelben Commagene; hinter Armes
wien hin: Adiabene, welcher Theil früher Aſſyrien genannt
wurde, und endlich da, wo es an Eilirien ſtößt, Antiochien. *)
2 Grine Länge zwiſchen Eilicien und Arabien betragt
470,000 Schritte [94 M.], feine Breite von Geleucia Pies
ria [Kebſe] bis zu der am Euphrat liegenden Stadt Zeugma
[Tſcheſchme] 175,000 Schritte [55 M.]. Die, weldien eine
noch genauere @intheilung befiebt, fagen, Phönicien werde
von Syrien umgeben, und Die einzelnen Theile der Seeküſte
Spriens ſeyen Idumäa und Judäa, ferner Phönicien und
dann [das eigentliche] Syrien. Das ganze. Davor liegende
Meer heißt das Phönicifche. Das Volk der Phönicier ſelbſt
Hat ſich durch die Erfindung der Buchſtaben, der Stern:
tunde, der Schifffahrtskunſt und der Kriegswiflenfchaften
hoben Ruhm erworben.
XIV. 4. Bon Peluflum an liegen das Lager des
.” Bom biefen einzelnen Theilen des großen Syriſchen Landes,
werches ſich von dem Mittelkaͤndiſchen Meere bis zum Ti⸗
gris erſtreckte, wird in der Folge weiter die Rede ſeyn:
wir bezeichnen ſie deßhalb hier noch nicht genauer.
Fünftes Bud, 534
Chabrias, *) der Berg Eaflus [El:Katich), der Tempel
des Fupiter Eaflus, das Grabmal des großen Pompejus, **)
und, 65,000 Schritte [13 M.] von Pelnflum, Oſtracine [ET
Garvatti], welches die Gränze Arabiens bildet.
(zn). 2. Nicht weit davon beginnen Idumaͤa nnd Pas
läftina bei dem Ausbruche *°% des Sees Sirbon [Gebaket⸗
Bardoil], deffen Umfang Mande anf 150,000 Schritte
[30 M.] angeben. Herodot +) fept ihn dicht an den Berg
Gaflus; jest ift er ein nicht fehr bedeutender Sumpf. Nun
folgen die Städte Rhinocolura [EI Ariſch] und im Jımern
MRhaphea [Refa], Gaza [Shafe] und im Inneren: Anthebon
[Daran], der Berg Angaris [Garizin], die Küftengegend
Samaria, die freie Stadt Ascato [Ascalän],-Azotus [ Ezdud)],
Die beiden Jamnea ++) [Ibne], von denen das eine nad)
dem Inneren hin liegt; Joppe [Jaffa], eine Phöniciiche
Stadt, die nach der Gage älter ſeyn foll, als Die Ueber⸗
ſchwemmung der Erde. 3. Gie liegt anf einem Hügel mit
einem bervorfpringenden Felfen, an dem man noch die Spu⸗
ren der Befleln der Andromeda zeigt. Hier wird auch bie
fawelhafte Eeto ++) verehrt. Dann kommen Apollonia
”) Weiche dieſer Athenifche Felbherr gegen ben vordringenden
Artarerred an den Öftlich von Pelufium hinziehenden Mo⸗
räflen angelegt hatte.
+, Mahe am Berge Caſins, wo er ermorbet wurde,
+) Wo er mit dem Meer durch einen fchmalen Kanal in
Berbindung fieht. Jetzt findet man an feiner Gtelle nur
Salzlachen.
.D 2, 6.3, 5.
up) Nämlich bie eigentliche Stadt und. die Hafenfiabt, .
+FH Oder Derceto, eine Böttin, die man halb als Weib und
633 - C. Plinius Naturgeſchichte.
[Arſaf] und der Thurm des Strato, auch Cäſarea [Kaiſa⸗
rieh] genannt und von dem König Herodes erbaut. Fest
beißt fie die erſte Flaviſche Colonie, und wurde von bem
Kaifer Vespaflan angelegt. Sie ift aud der Endpunkt Pas
täftina’d, und 489,000 Schritte [37% M.] von der Gränze |
Arabiens enfferut. Weiterhin folgt Phönicien. Im Innern
aber liegen die Samariſchen Städte Neapolis [Nablos],
welches früher Mamortha hieß, Sebaſte [Schemrün), auf
einem Berge, und Bamala [Santorri] auf einem noch bö-
beren Berge.
AV (zıv), 4. Ueber Idumäa und Samaria dehnt fich
Judäa in die Länge. und Breite aus. Der an Syrien gräns
zende Theil deſſelben heißt Baliläa, der an Arabien und
Aegypten floßende aber, weldyer von rauhen Bergen durchs
fAnitten-und von dem anderen jüdifchen Gebiete durd) den
Fluß Jordau getreunt ift, Perda. Das übrige Indäa wird
in zehn Toparchien (Statthalterichaften) eingetheilt, welche
wir der Reihe nady anführen wollen: nämlidy die Hiericuſiſche
[Feriho], welche mit Balmenwäldern bededt und von
Quellen gut bewäffert ift, Emaus [Kubeib], Lydda L[L&dbd],
die Joppeiſche [Faffa],, die Acrabateifche, *) die Gofneiſche
halb ats Fiſch abbilbete, und der man befonderd goldene
und filberne Fifche opferte (Herodot I, 106.). Die Mythe
ift vieleicht eine Beziehung auf die allgemeine Ueberſchwem⸗
mang , ober auf bie Fiſche des Thierkreiſes. Die Babel
von ber Andromeda (Ovid, Metamorph, IV, 670 ff.) if
bekannt.
% Diefe Toparchie erſtreckte fih von Nablos nach Ghbofien
bi8- Jericho und zum Jordan.
Fünftes Buch. Bs5
[Sofna], die Thamnitiſche, *) die Bethleptepheifche, **) die
Drinifche (Beratoparchie), in weldyer Hieroſolyma [Yerufas
lem], .die berühmtefte Stadt nicht nur Judäa's, fontern
des ganzen Morgenlandes fag, und die Herodifdye, mit ei⸗
‚ner anfehnlichen Stadt ***) gleiches Namens.
2. Der Jordan: entfpringt aus der Duelle Paneas,
weiche der. Stadt Cäſarea, von der wir noch fprecdhen wers
den, +) ihren Beinamen (Paneas) gab; er ift ein anmu«
thiger Fluß, und verweilt , fo weit es die Befchaffenheit des
Bodens erlaubt, in vielen Krümmungen fid) windend, bei
den Anwohnern, als nahe er fih nur ungern dem abſchenli⸗
hen Asphaltfee [todten Meere], der ihn endlich verfchlingt,
und fein gepriefenes Waller durch die Vermiſchung mit fei-
nem flinkenden verdirbt. Gobatd die Bildung ber Thäler
die erſte Gelegenheit darbietet, dehnt fi der Jordan in
einen See aus, den man gewöhnlid Geneſara [Bahhr Ta:
beriah] nennt. Diefer ift 16,000 Schritte [3% M.] lang unb
6,000 Schritte [1!s M.] breit und von anmnthigen Städten
umgeben, öſtlich von Julias [Kaffe el Böddauih] und Hip⸗
pos, ++) füblih von Tarichea, +++) welchen Namen Einige
*) Sie Tag im Gebirge bfiih der Straße von Antipatris
(Ali⸗Ebn⸗Aculaym) nach Lydda.
»9 Die Lage dieſer Toparchie iſt unbekannt.
ores) Herodium, eine Burg nebſit einem Flecken, drei Stunden
füblich von Jeruſalem.
+) Rap. 16. Der Berg, an welchem ſich bie Duelle befindet,
heißt auch Paneas (Tſchalgi).
+7) Diefe jept verſchwundene Stabt lag Tiberias sonder.
HD IM jet auch zerfiört, Be
34. €. Plinius Naturgeſchichte.
auch dem See ſelbſt beilegen, und weflid von Tiberids
[Zaberia] , weldyes durch feine heißen Quellen Heil ſpendet.
(v1). 3. Der Asphaltſee erzengt nichts ale Pech, woher
er and) feinen Namen hat. Er verfchlingt Beinen Thier⸗
körper, felbft Stiere und Kameele ſchwimmen darauf; daher
kommt auch bie Gage, daß nichts auf ihm unterfinfe. Seine
Länge beträgt über 100,000 Schritte [20 M.], feine größte
Breite 25,000 [5 M.], feine geringfte 6000 Schritte (1! M. J. )
An feinem öſtlichen Ufer Tiegt das von Nomaden bewohnte
Arabien, an feinem füdlichen *) Machärus [Mkaur], einft
nach Hierofoiyma bie bedeutendfle Feſtung Judäa's. Auf
derfelben Seite befindet ſich die heiße Heilquelle Callirhoẽ
(die fchönfließende), deren Namen fdyon den Ruhm ihres
Waſſers verkündet.
(vu). 4. Auf der weftlichen Seite wohnen fo nabe,
ats es die ungefunden Ufer geftatten, die Effener , ein ein-
fames umd vor allen andern des ganzen Erbiyeifed wunder:
liches Volk, ***) das, jeder Wolluft entfagend, ohne Weiber,
ohne Geld und nur in Geſellſchaft feiner Palmen Lebt.
Durch die täglich Hinzufommenden pflanzt ſich dieſe Beſell⸗
fchaft immer gleihmäßig fort ; denn die Zahl der Lebensmü⸗
ben, welche ſich durch die Stürme des Schickſals zur Au⸗
nahme ihrer Sitten gedrungen fühlen, ift bedeutend. ‚Auf
*) Die Maße bes Plinius find fa um bie Hälfte zu groß.
“s) pPlinius irrt ſich. Sowohl Machaͤrus, als auch das fpäter
nicht mehr vorkommende Heilbab Eallirrhoe, Tagen auf ber
Oftfeite bed Sees. ,
) Bol. Josephus de bell. Jud. 2, 7,
Fünftes Buch. 5825
ſolche Weiſe dauert (mas gewiß unglanblich ſcheint) ein Work,
bei dem Niemand geboren wird, durch Tauſende von Jahr⸗
hunderten fort. So ergiebig ift für jene der Lebensüberdruß
Anderer! Unterhalb des von ihnen ‚bewohnten Gebietes lag
Die Stadt Engada [AinsDfiibdy], die berühmtefte nad)
Hieroſolymä durch ihre Fruchtbarkeit und ihre Palmenhaine,
jest aber gleich diefer ein Schutthaufen. Weiterhin folgt
die Burg Mafade *) auf einem Belfen, und ebenfalls nicht
weit vom Asphaltſee. Bid hierher reicht! Judäa.
XVI (xvni). An daffelbe Hößt anf der Seite von Syrien das
Decapolitanifche Czehnftädtifche) Gebiet, fo genaunt non der
Zahl feiner Städte, in deren Angabe aber nicht Alle über:
einftimmen. Die Meiflen nennen jedoch Damascus [Dar
mase], welches durch die Bewäflerung,, die aus dem -Bluffe
Ehryforehaas [Barradi] hergeleitet wird, und dieſen - faft
ganz erfhöpft, fehr fruchtbar iftz Philadelphia [Ammän];
Rhaphana, **) welche Städte alle nach Nrabien ‚bin liegen ;
ferner Scythopolis [EI Biffan], welches feinen Namen von
einer dahin geführten Scythiſchen Eolonie erhielt, und früher
nad) dem Vater Liber [Bacchus], deffen Amme hier begra-
ben liegt, Nyſa hieß; Gadara [Mkéſt]), am Fluſſe Diero-
miar, [Scherriät-Mandür]; das ſchon ***) genannte Hippes;
Dion; T) das wafferreiche Bella [Bellue]; Galaſa ++ und
* Nicht weit von Engada; jet verfchwunden,
e*) Die Ruinen diefer Stadt neunt man noch Rafaniat.
*#0) Rap. 15. $ 2.
+) Zwei Meilen nördlich von Pella. +
+H Falſche Schreibart, ſtatt Geraſa Oſſerraſch).
536 C. Plinius Naturgeichichte.
Canatha [Khaunuat]. Zwiſchen und um dieſe Städte ziehen
ſich die Tetrarchien hin, die gleichſam für ſich einzelne Bes
zirke bilden und als Reiche gelten: nämlich Trachonitis; *)
Daneas , in weldyer! Cäſarea [Bäneası mit der oben **) ers
-wähnten Quelle liegt; Abila [Abil]; Arca; N) Ampelo⸗
effa +) und Babe. 77)
XVII (nm). 1. Wir möüflen von da nad der ‘Küfte,
and zwar nad Phönicien zurückkehren. Hier lag einfk die
Stadt der Erocodile; jept führt noch ein Fluß [Zirka] dieſen
Namen; aud) das Andenken an die Städte Dora [Tartura]
und Sycamina [Keifa] hat fi erhalten. Dann folgen das
Borgebirg Karmel [Karmain] und auf dem Berge felbft
', eine Stadt gleihen Namens, die einft Echatana hieß; +44)
ueben dem Berge Getta Jebba; +”) der Badı Bagida oder
Belus [Nahr Abu], welcher vielen zur Glasbereitung geeig⸗
neten Sand an feinem Fleinen Ufer abfept; und ans dem
Sumpfe Eendevia +) am Buße des Carmel entfpringt ;
*), Gie erfireite fit) von ben Arabifchen Bergen bis nach Das
maseus, und befiand faft nur aus Sand und Felſen, wie
auch ihr Name (die zauhe) anbentet.
”„, Kap. 15.5, 2%
“, Diefe noch zur Beit der Kreuzzüge vorhandene Stadt (Ur:
dar, Aarkat), in weicher ber Kaifer Aleranber Severus
geboren wurde, ift jegt zerftört.
+) D. h. bie Rebenreiche, ift völlig unbekannt,
+4) 309 fih am Berge Karmel hin, .
34H) Ihre Lage laͤßt fich nicht genauer beftimmen.
+9) Jebba if vieleicht ein und biefelbe Stadt mit Sycamina.
Ehen fo wenig Iuverläßiges laͤßt fi Über Getta fagen.
4), Sept unbekannt,
ı "Zünftes Buch: 887
nahe dabei Ptolemais [Ucre, Alla), eine Enfonie bed Kai
ferd Claudius und früher Ace genannt; die Stadt Eckippe
13i6]; das weiße Vorgebirg [E. Blanco]. 2. Dann kommt
Tprus [Zör], früher eine Inſel und durch einen 700 Schritte
[18 Minuten] breiten und fehr tiefen Meeresarn von dem
Beillande getrennt , jebt aber durch die Belagerungswerte
Alexanders mit demſelben verbunden ; einft hochberühmt als
Städtemutter, von der Leptis, Utica, Earthago , jene nad)
Der Weltherrſchaft geizende Nebenbuhlerin des Römiſchen
Reichs, und das außerhalb des ſdamals bekannten] Erd⸗
kreiſes erbaute Gades abſtammen. Jetzt beruht ihr ganzes
Anſehen auf Muſcheln und Purpur. Ihr Umfang beträgt,
Alttyrus mit einbegriffen, 19,000 Schritte [3*/. M.]; die
Stadt ſelbſt nimmt einen Raum von 22 Stadien [2 Stunde]
ein. Weiterhin folgen die Städte Sarepta [Sarfand], Or⸗
nithon [EI Urbi] und Gidon [&aide), die Blaskünflierin
und die Mutter bes Böotifhen Theben.
(xx). 3. Hinter ihr beginnt der Berg Libanus [Libanon],
und reidht 4,500 Stadien [37% M.] weit bie nad Simyra
[Sumre], wo das fogenannte Göle Syria *) feinen Anfang
nimmt. Ihm gegenüber, und nur durch ein dazwifchen lies
gendes Thal getrennt, zieht ih in gleicher Richtung der
Berg Untilibanns [Schebel ei Scart] hin, der einft mit
dem Libanus durd) eine Mauer verbunden war. Hinter
ihm, nach dem Innern zu, folgt das Decapolitanifche
— —
* Hohl ſy rien, weil es von Bergen (ben Zweigen des ei⸗
banon) eingeſchloſſen if.
€, Plinius Naturgeſch. 56 Bochn. 6
533. . € Plinius Naturgeſchichte.
Gebiet, und nebft ihm die fchon *) erwähnten Tetrarchien
und die ganze Breite Palaͤſtina's. a. Un der Küfle aber,
und no unter dem Berge Libanon, kommen der Fluß Mas
goras [Nahr⸗el Damur], die Eolonie Berytus [Beirut],
weiche auch Belir Julia beißt, die Stadt Leontos, **) der
Fluß Lycos [Bahr⸗el⸗Kelp]), Paläbybios, ber Fluß Adonis
[Nahr⸗el⸗Ibrahim], die Städte Byblos **%) [Dfjebail], Bor
trys [Patrone], Bigarta [Bazir], Trieris, +) Ealamos
[Kallemon], Tripolis [Trablos], deren Bevölterung aus
Tyriern, Sidoniern und Aradiern befteht, Ortboflea [Ortofa]
der Fluß Eleutheros Nahr⸗el⸗Quibir], die Städte Simyra
[Sumre], Marathos ++) und dieſer gegenüher die Stadt
und Juſel Arados [Ruad], welche fieben Stadien [18 Mi«
nuten] im Umfange hat, und 2300 Schritte [5 Minuten]
vom Feſtlande entfernt if. Dann folgt bie Landſtrecke, im
der die obengenannten Berge aufhören, und, durch dazwi⸗
fhenliegende Gefilde davon getrennt, der Berg Bargpius
anfängt. ++?)
XVII, 4. Hier endet Phönicen, nnd beginnt wieder
Syrien mit den Städten Earne [’Tortofa] Balanea [Ba-
*) Kap. 16. J
“4, Abovroę nölss (Löwenftabt)., Ihre Lage iſt unbekaunt,
aber wohl in ber Nähe des Fluffes Leon (Awle) zu fuchen.
9), Man kennt Feine Nuinen von Altbyblos, das zwifchen bem
Lyens und dem Adonis lag.
+) Etwa zwei Stunden ſuͤdlich von Trablos zu ſuchen.
+) Un ber Stelle, wo jegt die Rhede von Tortoſa iſt.
+ Der Berg hat jegt Beinen Namen, Die zwifhen ihm unb
dem Libanon liegende Ebene Heißt Dfchunia,
Fünftes Bud. 0.559
neas], Paltos [Boldo], Gabale [Dfjebail), dem freien Lass
dicea [Latakia] auf einem Vorgebirge, Diospolis, *) Hera⸗
clea, *”) Eharadrus ***) und Pofibonium. [Poffeda).
(xxı). 2. Daun folgt das Vorgebirg des Antiochiſchen
Gpriens; weiter im Inneren das freie Antiochien [Antatial
felbft, weiches den Beinamen Epidaphnes +) führt, und von
dem Fluſſe Orontes [AR] durchſchnitten wird; auf dem Vor⸗
gebirge aber das freie Selencia ſKebſe], weiches Pieria
inbenannt wird.
(xxsı). 3. Oberhalb berfeiben erhebt ſich ein Berg, ber
ebenfalls, wie ein fchon ++) erwähnter, den Namen Eaflıs
[dfjebht Okrad] führt. Auf feinem hochſten Gipfel kann.
man ſchon um die vierte Nachtwache [3 Uhr des Morgens]
durch die Finfterniß die aufgehende Sonne fehen, und durch
eine geringe Wendung des Körpers Tag und Nacht zugleich
haben. Der Weg bis zum Gipfel beträgt. 19,000 Schritte
[3% M.], feine fentredite Höhe: 4,000 Schritte [?; M.].
Un der Küfe folgen der Fluß Drontes [ATI], welcher zwi⸗
fhen dem Libanon und dem Antilibanon bei Heliopolis [Bal-
*) Eine unbekannte, vielleiht von Plinius fälfchlich hieher
gezogene Stadt.
*) Lag an einer Bai, welche jetzt Meĩnta Bourdeleh heißt;
nit weit von Laobicen,
»er) Unbekannt, oder ein Fehler des Plinins, ber bie Eilichiche
Stadt Tharadrus wohl faͤlſchlich hierher ſetzt.
"BY En Acuoyne, bei Daphne (Eorbeerhain), sinem Euftoyte
1), Stunde von Antiocia.
m Kay. 14. 5. 1.
5 *
540 C. Plinius Naturgeſchichte.
bet] entſpringt; die Stadt Rhoſos; *) Hinter derſelben in
Dem Thale zwifchen den Rhoſiſchen Bergen [Zortofe] und
dem Taurus die fogenannten Gerifchen Thore ſGakal⸗Dou⸗
tan]; an der Küſte die Stadt Myriandros; *") ber Berg
Amanıs ſAima⸗Dagh]. auf dem die Stadt Bomitk *"%) Tiegt,
und der Syrien von Eilicten trennt.
XIX (su). 4. Nuun wollen wir aud das Innere des
Landes befchreiben, In Edle findet man Apamia [Bamiabl,
welches der Fluß Marſyas [Ochienſe] von der Tetrarchie der
Nazeriner [Nofairis] trennt; Sambyce [Bpinbãdſch], wel«
ches auch Hierapolis, bei den Syrern aber Magog beißt,
und wo bie abentenerliche Atargatis, welche bie Griechen
Derceto +) nennen, verehrt wird; Ehalcis [Kimidrim], mit
dem Beinamen „am Belus“ [Dfchebelsel-Gemmat], von wei
cher Chalcidene, bie fruchtbarfte Landſchaft Syriens, ihren
Namen bat. 2. Weiterhin findet man in Eyrrheflice Cyrr⸗
hus [Krug], die Bagasen, +4) bie Gindarener [Daina], die
Babener, die beiden Tetrarchien, welche Granucomaten hei⸗
ßen, Die Emeſener, bie Hylaten, ein Stamm ber user,
*) Sie lag in ber Ebene, welche jet Arſus heißt. Man fins
det von ihr Feine Spur mehr,
“r), Auch biefe nördlich von Rhoſos gelegene Stabt ift vers
ſchwunden.
eo0) Mur Plinius nennt diefe fonft unbekannte Stadt,
+) RBgl. oben Kay. 14. $. 3
+) Diefe, fo wie bie aubern in dieſem Kapitel vorkommenden,
Stämme und Städte im Inneren des Landes, bei weichen
Peine neueren Namen angegeben ab ‚ oben fi von uns
wicht näher beſtimmen.
Füunftes Bu. 544
Die Bätarrener, ein anderer Stamm beffelben Bolt, did
Mariammitaner, bie Tetrarchie, welche Mammiſea heißt, Pa»
radiſus, Pagraͤ [Bagras], die Pinariten, außer dem ſchon
genannten noch zwei Seleucia, weldhe zur Unterfcheidnug
Die. Beinamen „am Euphrat“ [Bachadmofal] und „am Bes
Ins“ [Schoghr] führen, und die Cardytenſer. In dem übris
gen Gprien wohnen (mit Ausnahme Derjenigen, welche bei dem
Enphrat follen angeführt werden, die Aretbufler [Reftüan],
Die Berdenfer [Halep] , die Epiphaneenfer [Hama], die Laos
Dicener, welche den Beinamen „am Libanon“ führen, die
LZeucadier, die Lariffier [Dfjefar], und außerbem noch fiebs
zehn in Reiche eingekheilte Zetsardhien mit barbarifchen
Kamen.
XX (zıv). 4. Auch von dem Euphrat wird hier am
füglichften gefprocdyen werden können. Er entipringt nady
den Berichten Derer, die feine Duelle in der Nähe fahen,
in Caranitis [Sandfchat Erferum], einer Präfektur Groß⸗
armeniens, und zwar nad) Domitind Eorbulo auf dem Berge
Ada [Alatagh); nad) Licinins Mucianus an dem Fuße des
Berges, welcher den Namen Capotes [Bingöltagh] Führt, )
13,000 Schritte [2?/; M.] oberhalb Zimara [Egkin], und
heißt anfangs Porirates.: Er firömt zuerft nad Derrene -
FXerbfian] und dann durch das Wnaitiide Gebiet [Momas
esttom], und fcheidet die Landfchaften Armeniens von Cape -
‚ padocien. *) Bon Simara bis nad) Dasccuſa Dengizin]
2) Weide Angaben find richtis; denn der Euphrat hat ame.
Kanptauelien.
**, Bilder jegt einen Theu fr Ejalet Karaman.
542 C. Plinius Raturgefchichte.
And 75,000 Schritte [15 M.]; von da befrägt die Bahr
nach Paſtona [Paſtek] 50,000 Schritte [10 M.], nah Mes
-Sitene [Malatya] in Eappadocien 24,000 Schritte [ds M.J,
nach Elegia [Flidsje] in Armenien 19,000 Schritte [2 M.],
und bis hierher bat ber Euphrat ſchon die Flüſſe Lycus
[Bingöl], Arſanias [Murad] und Arſanus [Arslan] aufges
- nommen. 2. Bei Elegia tritt ihm das Taurusgebirg ent⸗
"gegen, vermag ihn aber , ob ſchon es hier 12,000 Schritte
[22% M.] breit ift, nicht zurüdgubalten. Der Fluß heißt
Ya, wo er fid) in das Bebirg eindrängt, Omira, und dba, wo
er wieder hervorbricht, Euphrat, und auch dann nody if ex
non Selfen und reißend. Meiterhin bat er zur Linken
Arabien, und zwar eine drei Schönen [2' M.] große
Strede deſſelben, welche das Land der Dreer heißt, zur
- Rechten aber Eommagene [die Sandſchaks Meraſch, Aintab
und Simafat], und trägt ſchon fogar da, wo er in ben Tanz
rus einftürmt, eine Brüde 3. Bei Claudiopolis [Ra-Elau«
vie] in Eappadocien richtet er feinen Lauf nach Welten.
Bier erhält aber der Zaurus zum erflenmale im Kampfe
ven Gieg über ihn, und wie er felbft früher von dem Strome
überwältigt und durcdhfchnitten wurde, fo beflegt er jebt dies
fen auf eine andere Weife, indem er feine Kraft bridyt und
vihn nach Süden hin treibt. So gleicht fidy der Kampf der
Natur aus, indem diefer dahin kommt, wohin er will, jener
pn aber hindert, den Weg zu gehen, den er gern möchte. )
.9% D.H. ber Euphrat kommt zum Meere, wohin er will,
aber nicht in das Mittelländifche Meer, indem fein Lauf
bahin durch ben Taurus abgelenkt wird, "
Fünftes Bud. 543
Bon den Waflerfällen an *) wird er wieder" fchiffbar, und
non ihuen bis nad Gamofata [Gimafat], der Hauptitadt
Commagene's, find 40,000 Schritte [8 M.].
XXI. 4. In dem oben genaunten Brabien findet man
die Städte Edeffa [Orfe], weiche früher Antiochia hieß, und
von einer Quelle den Namen Galirrhos führt; Carrhä
[Harran], berühmt durdy die Niederlage des Eraffus. **)
Daran fließt fid) die Präfektur WMefopotamien [Diarbetr],
die ihren "Urfprung von den Aſſyriern berleitet, und in wels
cher die Städte Anthemuſia +9 und Nicephorium [Racca]
liegen. Darauf folgen die Araber, welche Retaver beißen ;
ihre Hauptſtadt if Singara [SindsjarJſ. Hinter Samoſata
fällt der Marſyas [Odrienfe] in den Euphrat. Mit Cin⸗
gilla ſKuph] endigt Eommagene, uud es beginnt dad Stadt
gebiet von Inma ſArmana]J. Um Ufer liegen die Städte
Epiphania und Antiochia, weldhe den Beinamen „am Eus
phrat“ führen ; ferner Zeugma [Tſcheſchme], 72,000 Schritte
[14% M.] von Samoſata und berühmt durch deu Uebergang
über den Euphrat. 2. Es wurde, fo wie das ihm gegen '
über liegende Ayamia [Rum], von Geleucns erbaut und
durdy eine Brüde mit demfelber verbunden. An Mefopotas
mien gränzen die Rhoaler; in Syrien aber liegen die Städte
Europus [Yeraboios] und Amphipolis [El⸗Der], welche
früger Zhapfacus hieß. Dann folgen die Ecenitifhen Ara⸗
2) Die ih an ber Stelle, wo fein Lauf durch den Taurus
gehemmt wird, befinden.
.„, Im J. 530,6. Bol. Florus 3, 11. Baler. Max. 1, 6,
“2, nbekannt. |
544 C. Plinins Raturgeſchichte.
ber. *) So ſtrömt er fort bis zu dem Orte [Gorur], wo
er, ſich nach Oſten wendend, die Palmyreniſchen Einöben
Gyriens, die bis zur Stadt Petra [Ur-Ratim] und zu dent
Lande, welches das glüdliche Arabien beißt, reihen, verläßt.
(xıv). 3. Die Stadt Palmyra [Zabmor], berühmt
durd) ihre Lage, den Reichthum ihres Bodens und ihre ans
muthigen Gewäfler, mit einem Gebiete, das ringsum im
einem weiten Kreife von Gandwüften umgeben und durch
die Natur von den Übrigen Ländern geſchieden iſt, befteht
unabhängig zwifchen den beiden mäcdhtigften Reichen, dem
Römiſchen und Parthiſchen, und wird bei jedem Zwiſte von
beiden Seiten zu gewinnen geſucht. Bon der Parthiſchen
Stadt Gelencia [UI Modain], weldhe ben Beinamen „am
Tigris“ führt, ift fie 337,000 Schritte [67% M.] entferne ;
von ihr bis zu dem nädhften Küſtenpunkte Syriens find
203,000 Schritte [20° M.], bis nach Damascas 27,000
Schritte [52% M.] weniger.
(xxvı). 4. Unterhalb der Wüllen Palmyra’s liegt Pas
Stelendenifche Gebiet und die ſchon *%) genannten Städte
Hierapolis und Chalcis, fo wie Berrda [Hateb]. Hinter
Palmyra liegt Emefa [Hems], ebenfalls noch in einem
Theile diefer Wüſten; ebenfo Elatium, welches von Petra
nur halb fo weit entfernt if, als Damascus. Zunächſt
nah Sura L[Beleb-Gurich] folgt Philiscum [Blis], eine
Parthiſche Stadt am Euphrat. Bon ihr bis nach Gelencia
gg
In der Nähe der Palmyreniſchen Wüſte.
*%) Kap. 19. $. 1. Das Stelendeniſche Gebiet kennt fein ans
derer Schriftſteller.
Zünftes Bud, 545
beträgt die Waſſerreiſe zehn Tage, und ungefähr eben fo viele
mac, Babylon. *) Bei dem Flecken Mafliä, 583,000. Schritte
[216% M.] von Zengma, theilt ſich der Euphrat; fein kin⸗
Ser Arm geht nah Mefopotamien hin durch Seleuria ſelbſt,
und fällt‘ in den in der Nähe diefer Stadt vorüberfließenden
Tigris. 5. Der rechte Arm nimmt feine Richtung nad
Babylon, dem ehmaligen Hauptorte Ehaldäa’s, ſtroͤmt mitten
durch diefe Stadt, fo wie durch eine andere, welche Dtris
beißt, und zerläuft dan in Sümpfe. Er fhwillt faſt anf
Diefelbe Weife an beſtimmten Tagen an, wie der Ril, und
Überichwemmt, wenn die Sonne im zwanzigften Grade des
Krebſes ſteht, Mefopotamien; er fängt wieder an zu fallen,
wenn fie durch den Löwen gegangen if und in die Jung⸗
frau kommt; gauz zieht er fih aber erſt in fein Bett zu⸗
rüd, wenn fie im neunundzwanzigſten Grade der Jungfrau
ſteht.
XXII (zzvn), 4. Doch kehren wir jetzt zu der. Küfte
Syriens zurüd, an welche. zunächft Eilicia [Ejalet Itſchil]
drängt. . Hier folgen der Fluß Diaphanes, **) der Berg
Crocodilus, ***) die Pälfe des Berges: Amanus [Thor von
Beylau], die Flüſſe Undricus -[Rermes], Pinarus [Delie
Sa]und Lycus, der Iſſiſche Meerduſen [Golf von Gkanderün],
bie Stadt Iſſos [Defeler]), dann Alexandria [Gfanderän],
”, Sn der heutigen Stadt Helle und ihrer Umgebung, welche
man noch jegt Ard Babel nennt‘, find die Ruinen Babys
Ions zerfirent.
*9, Gin Kuſtenfluß, deſſen jeniger Name unbekannt ifl,
”.. Gin Borfprung bed Taurus,
546 C. Plinius Naturgeſchichte.
ber Fluß Ehlorns, die freie Stadt Aegä ![Ajascala] , der
Fluß Dyramus [Dfiiphan] , die Ciliciſchen Päfle [Thor von
Sakaltutan], die Städte Mallos [Malo], Magarfos , und
im Juneren Zarfos [Tarſo], die Uleifchen Gefllde [zwifdyen
dem Dfiibhan und dem Geihhan], die Städte Eaffipotis,
Mopſos [Myſſis], welches frei ift und am Pyramus liegt,
Thynos, Zephurium [Sephre) und Anchiale. ) 2. Berner
kommen die Flüffe Saros [Seihhau], Eydnus [Karafı],
welcher die weit von dem Meere liegende freie Stadt Tarſus
durchſchneidet, dad Gebiet von Celenderis mit einer [gleich⸗
namigen] Stadt [Tfchelindre], der Drt Nymphäum, das
Ciliciſche Eoloe [Mezetin], das jetzt Pompejopolis heißt,
Adana [Adene], Eidyra [Iburar], Pinara, Pedalie, Wie,
Selinus [Seleuti], Arfinve, Jotape, Doron und am Meere
Corycos ſKurku], welchen Namen ſowohl die Stadt, als
auch ihr Hafen und eine Höhle führen, weiterhin der Fluß
Calycadnus [Geleftich], das Vorgebirg Garpedon [Cap
@avaliere], die Städte Holmoe, Mole, das Vorgebirg und
Die Stadt der Benus [Port Pinus], weldher die Inſel Cy⸗
pern ganz nahe liegt. 5. Un der Küfte folgen weiter die
. Städte Myanda, Anemurium [Anemur], Eoracefium [Alaja]
und der Fluß Melas [Manangat] , die alte Bränze Eiti-
ciend. Am Innern find zu nennen Anazarbus [Ningarbeh],
welches jest Caͤſarea heißt, Augufta , Caſtabala [Difatel],
Epiphania, früher Deniandos genannt, Eleuſa (Ajafch],
JIconiumsſ Selencia [Selefkeh] am Fluſſe Calycadnus, welche
Las eine Tagreiſe von Tarſus, weſtlich von ben Fluſſe
Epdens, .
Fünftes Bud. 547
den Beinamen Tradyeotis führt; fe war früher vom Meere
entfernt und hieß Holmia. Außerdem find im Innern die
Flüſſe Ziparis, Bombos und Paradifus, fo wie der Berg
Imbarus.
XXI, Alle ſetzen unmittelbar nach Cilicien Pamphy⸗
lien, und laſſen das Iſauriſche Volk [Sandſchak Begſcheer]
unerwähnt. Es hat im Innern die Städte Iſaura [Serki⸗
Servj], Clibanus und Lalafis, und ihr Gebiet zieht ſich bis
zun Meere in der Gegend des oben erwähnten Anemurinm
herab. Ehen fo ift Allen, welche in diefem Fache fchrieben,
das an das, Ffaurifhe gränzende Volk der Homonaden, des
zen Hauptort Homoua [Erminak] im Inneren Tiegt, unbe
Bannt"geblieben. Ihre Übrigen vierumdvierzig ‚Kaftelle find
in fchroffen Bergſchluchten verborgen. |
XXIV. Auf den Berghöhen wohnen die Piſidier [Sands
fhat Hamid), die fonft Solymer hießen. Bei ihnen findet
man die Eolonie Eäfaren [Akſcheer], weldye aud) den Namen
Antiochia führt, und die Städte Droanda [Igridi] und Sa:
galeſſos (Aglaſon⸗Bey].
XXV. Sie werden von Lycaonien [Sandſchak Konia]
eingeſchloſſen, das dem Aſlatiſchen Gerichtsbezirk zugetheilt
iſt, zu welchem andy) die Philomelieuſer [Bulawadin], Die Tym⸗
Brianer, die Leucolither, die Veltener und die Tprienfer [Als
tan Khan] gehören. Dazu zählt man auch eine in dem an
Balatien grängenden Theile Lycaoniens liegende Tetrarchie,
mit vierzehn Gemeinden, worunter die Stadt Iconinm [Kos
nia] die herühmtefte it. In Lycaonien felbft, rühmt man
Thebafa auf deu Taurus, nnd Hyde an der Gränuze Gala⸗
tiens und Eappadociens. Un der Geite Lycaoniens, oberhalb
548 C. Plinins Naturgeſchichte.
Pamphyolien, kommen die Milyer, welche von den Thraciern
abſtammen, mit ihrer Stadt Arycanda.
XXVI. Dann folgt Pamphylia ſ[Sandſchat Tekke],
welches früher Mopfopia *) hieß, und an das Ciliciſche Meer
ſchließt ſich das Pamphyliſche. Zu bemerken find-die Städte
Side [Side], Afpendum auf einem Berge, Pleteniſſum,
Perga [Karabiffar] , das Borgebirg Lencolla, der Berg
Sardemifus, die Flüffe Eurymedon [Kapri], welcher bei
Alpendum vorüberfließt, und der Eatarracted [Duden], an
welchem Lyrneſſus, Olbia [Antalia] und Phafelis [Tefrova],
die legte Stadt an diefer Küfte, Hiegen.
XXVII. 1. Nach Pamphylien kommen das Lycifche
Meer und das Lycifche Volk, und zwar von da an, wo der
von den öſtlichen Küften herziehende Berg Taurus den
großen Bufen [Golf von Atalia] durch das Borgebirg Eher
lidonium [Chelidoni] fhließt. Der Taurus, von umermeßs
lichem Umfange und die Gränzſcheide unzähliger Bölker, ers
hebt fih an dem Indifchen Meere, nimmt, indem es die
rechte Geite nach Norden, die linke aber nach Süden hin
wendet, feine Richtung nad) Weiten, und würde Aſien in
der Milte trennen, wenn nicht Meere dem Länderüberwäl
tiger hindernd entgegenträten. 2. Dadurch fpringt er nad
Norden ab, und verfolgt in einem ungehenern Bogen feinen
eg, indem ihm fortwährend die Natur abfichtlic Meere
eutgegengeftelit zu haben feheint, Hier das Phöniciſche, ba das
Poutifche, dert das Cafpifche und Hyrcaniſche und gegen
*), Bon — welcher nach dem Trojaniſchen Kriege diefe
j “ te, ,
.. Fuͤnftes Buch. 549
‚ über den Mästifchen See. Zwiſchen diefe Hemmniſſe eins
geswängt, windet er ſich mühfam fort, bleibt aber Gieger
und erreicht in vielen Krümmungen die ihm vermandte
Riphäiſche Bergkette, *) nachdem er anf dem Wege zahl:
reiche nene Namen angenommen und ſich allenthalben . bes
zähmet gemacht hat. Un feinem Aufange beißt er Imaus,
daun Empdus, **) Yaropamifus, Circius, Fhambades, Par
zyadres, Choatras, Oreges, Orvandes *") [Elwend], Ni⸗
phates Tſchudy], Taurus, und wo er feine bebdentendſte
Höhe erreicht, Caucaſns, da, wo er feine Arme ausſtreckt,
als wolle er auf einmal einen Berſuch geaen das Meer was
gen, Barpedon [Eap Cavalliere}, Coraceſtus [Kurkto], Eras
gus [Monte di Gorante] und daun wieder Taurus. Auch
wo er ſich fpaltet und den Völkern einen Durchgang gewährt,
behält er trog der fogenanunten Thore, die an einem Ort
die Urmenifhen, an einem andern die Gafpifchen und wieder
an einem andern bie Ciliciſchen heißen, T) feinen Zuſammen⸗
Hang. 3. Eben fo nimmt er da, wo er gebrochen von
dem Meere zurückweicht, auf beiden Geiten Vie Namen ber
zahlreichen an ihm wohnenden Bölker anz ‚fo Heißt er auf
der rechten der Hyrcaniſche und Caſpiſche, auf der Tinten
Paryadres [Agatſch⸗Baſchi], der Moſchiſche [Bingoͤl], der
©) Bel. oben 8, IV, Kay. 24.
©) mans and Emodus heißen jetzt Himalaya.
©*6) Die entfprechenden neueren Namen biefer Theile ded Tau⸗
rus Laffen ſich nicht beſtimmen.
4) Bon den Armeniſchen und Caspiſchen Paͤſſen wird im fols
genden Buche Kay. 12. 16. die Rede feyn; von den Cili⸗
cifhem wurde in dieſem Buche, Kap. 22,, geſprochen.
560 C. Plinius Naturgeſchichte.
Am azoniſche, der Corakiſche und der Septhiſche, bei dem
Griechen aber in feiner ganzen Ausdehnung ber Eeraunifche.
XXVIII. 4. In Lycien *) alſe, von dem Vorgebirge des
Zaurus an, folgen die Stadt Simena, der Berg Ehimära,
welcher bei Nacht Blammen auswirft, die Gemeinde Hephäs
fium, in deren Umgebung ebenfalls oft Feuer aus den Ber⸗
gen hervorbricht. Hier fand einft die Stadt Olympus;
jest findet man daſelbſt die Bergörter Gagä, Eorpdalla und
Rbodiopolis. Am Meere liegen Limyra mit. einem [gleidh«
namigen) Fluſſe ſArakli), in welchen der Arycandus fällt,
der Berg Mafigeited, die Gemeinde Andriata [Gevedo],
Myra [Mira], die Städte Apyre [Fineka], Antiphellos
IAntifello], vormald Habeffius genannt, und Phellus in
einer Bucht. 2. Dann kommen Pyrrha, KZanthus [Eſſe⸗
nide) , 15,000 Schritte [3 M.] vom Meere, und ein gleich⸗
namiger Fluß, ferner Patara [Patira], welches früher Gas
taros hieß, und Sidyma, anf einem Berge. Weiterhin folgt
ein dem vorhergehenden [Golf Chelidoni] gleicher Buſen
[Sof von Magril, in welchem Pinara und Telmeflus
[Magri], wo Lprien aufhört, liegen. Lucien hatte einft
70 Städte, jept hat es noch 36. Die bedentendften ders
felben find, außer den ſchon genannten, Ganas, Candyba,
bei welchem der berühmte Oeniſche Luſtwald Liegt, Podalia,
Choma, an dem der Adeſa vorbeifließt, Eyaned, Ascandalis,
Amelas, Noscopium, Tlos und Telaudrus. 3. Lycien ums
fließt audy im Inneren die Landſchaft Eabalia mit ihren
drei Städten Denvanda , Balbnura und Bubon. Bei Tels
2) . Theile der Sandſchaks Munteſcha und Tekke.
Fünftes Buch. 551
meſſus beginnen das Allatifhe oder das Carpathiſche Meer
und das fogenaunte eigentliche Alten [AnatoliJ. Agrippa
bat es in zwei Abtheilungen gefchieden, nnd die eine öſtlich
mit Phrygien und Lycaonien, weſtlich mit dem Wegaifchen,
ſuͤdlich mit dem Aegyptiſchen Meer und nörblid mit Paphla⸗
gonien begrenzt. Ihre Länge beftimmte er anf 470,000
Schritte [94 M.], ihre Breite auf320,000 Schritte [64 M.].
8. Der andern Abtheilung fehte er öſtlich Kleinarmenien;
weſtlich Phrpgien, Lycaonien und Pamphplien, nördlich die
Poutiſche Provinz und füblid, das Pamphyliſche Meer zu
Gränzen, und gibt ihre Länge auf 575,000 Schritte [115 M.},
iprej Breite auf 325,000 Schritte [65 M.] an.
XXIX, 4. Un der Küfte folgt zunaͤchſt Earien, dann
Jonien und nad) diefem Aeslis. Carien *) zieht id um das
in der Mitte. liegende Doris herum, und ſtößt auf beiden
GSeiten an das Meer. In ibn liegen das Vorgebirg Peda⸗
lium [Binatri], der Fluß Glaucus, "welcher ben Tel
meins aufnimmt, die Städte Dädala [Doleman], Erya
[Mei], von Stüchtlingen erbant, ber Fluß Aron, die Stadt
Calynda.
(vn), Der Bing Indus (Aabbeb], welcher auf den
Bergen der Cibyrater [Horſſuln] entſpringt, nimmt ſechzig
ſtets ftrömende Flüſſe und mehr als hundert Gießbäche auf.
2. Gerner folgen die freie Stadt Eaunos [Raigues], dann °
”, Garien und Doris find Theile des Sanoͤſchaes Munteſcha.
4) Er mündet in ben Golf von Makri; ſein jetziger Name iſt
nicht bekannt. Ueberhanpt if das alte Carien Bis jest
faft nicht unterſucht.
fl
560 C. Plinius Naturgeſchichte.
Am azoniſche, der Corakiſche und der Scythiſche, bei den
Griechen aber in feiner ganzen Ausdehnung der Cerauniſche.
XXVIII. 4. In Lycien *) alfo, von dem VBorgebirge des
Zaurus an, folgen die Stadt Gimena, der Berg Epimära,
welcher bei Nacht Flammen auswirft, die Gemeinde Hephäs
ſtium, in deren Umgebung ebenfalls oft Beuer aus den Ber⸗
gen hervorbricht. Hier fand einft die Stadt Olympus;
- jent findet man dafelbft die Bergörter Gagä, Eorpdalla und
Rbodiopolis. Am Meere liegen Limyra mit. einem [gleiche
namigeu] Fluſſe ſ(Arakli), in weichen der Arycandus fällt,
der Berg Maſſycites, die Gemeinde Andriata [Gevedo],
Myra [Mira], die Gtädte Apyre [Fineka], Antiphellos
kAuntifello), vormald Habeſſus genannt, und Phellus im
einer Bucht. 2. Dann Lommen Pyrrha, XRanthus [&ffes
nide],, 15,000 Schritte [3 M.] vom Meere, und ein gleich
namiger Fluß, ferner Patara [Patira], welches früher Gas
taros hieß, und Sidyma, auf einen Berge. Weiterhin folgt
ein dem vorhergehenden [Golf Chelidoni] gleicher Buſen
[Sof von. Magri], in welchem Pinara und Telmeſſus
[Magri], wo Lprien aufhoͤrt, liegen. Lycien hatte einſt
70 Städte, jept hat es noch 36. Die bedentendften der»
felben find, außer den fchon genannten, Canas, Caudyba,
bei weichem der berühmte Denifche Luſtwald liegt, Podalia,
Ehoma, an dem der Adefa vorbeifließt, Eyanek, Ascandalis,
Amelas, Noscopium, Tlos und Telandrnd. 3. Lycien ums
fchließt aud) im Inneren die Landfchaft Cabalia mit ihren
drei Städten Denvanda , Balbnra und Bubon. Bei Tel⸗
*) · Theile der Sandſchaks Munteſcha und Tekke.
Fünftes Buch. 551
meſſus beginuen das Aflatifche oder das Carpathiſche Meer
und das fogenaunte eigentliche Aſien [AnatoliJ. Agrippa
bat es in zwei Abtheilungen gefchieden, nnd die eine öſtlich
wit Phrygien und Lycaonien, weftlidd mit dem Wegäifchen,
ſuͤdlich mit dem Wenpptifchen Meer und nördlich mit Paphla⸗
gonien begrenzt. Ihre Länge beflimmte er auf &70,000
Schritte [94 M.], ihre Breite auf330,000 Schritte [64 M.].
3. Der andern Wbtheilung febte er öſtlich Kleinarmenien,
weſtlich Phrygien, Lycannien uud Pampbolien, nördlich die
Voutiſche Provinz und fühlid, das Pamphyliſche Meer zu
Sränzen, und gibt ihre Länge anf 575,000 Schritte [115 M.],
ifrej Breite auf 325,000 Schritte [65 M.] an.
XXIX, 4. Un der Küfte folgt zunähft Earien, dann
Jonien und nad) diefem Aeslis. Carien 9) zieht ſich um das
in der Mitte: liegende Doris herum, und ftößt auf beiden
Beiten an das Meer. In ibm liegen das Borgebirg Peda⸗
lium [Binatri], der Fluß Glaucus, » ) Iwelcher den Tel:
meins aufnimmt, die Städte Dädala [Doleman], Erya
[Meſſi], von Stüchttingen erbant, der Fluß Aron, Die Stadt
Ealynba.
(vn), Der Eins Indus (Aabbeb], welcher auf den
Bergen der Cibyrater [Horfiuln] entſpringt, nimmt ſechzig
ſtets frömende Btüffe und mehr als hundert Gießbäche auf:
3. Ferner folgen die freie Stadt Eannos [Kaiguez], dann -
”, Earien und Doris find Theile bes Sandſchaks Munteſcha.
es) Er mündet in ben Golf von Makri; fein jetziger Name. if
nicht bekannt. Ueberhanpt if dad alte Earien Bis lert
faſt nicht unterſucht.
562 C. Plinius Raturgefhihtee
Pyrnos, der Hafen Creffa [Kriffa), von welchem Die Juſel
Rhodus 30,000 Schritte [a M.] entfernt il, der Ort Lo⸗
ryma [Cap Volno], die Städte Tifanufa, Parition, Larymna,
der Meerbuſen Thymnias, das Bargebirg Aphrodifias, die
Stabt Hyda, der Meerbufen Schönus, das Gebiet Bubaffus.
Sier ftand auch die Stadt Acanthus, oder, wie fie Anderne
nennen, Dulopolis. Auf einem Vorgebirge liegt das freie
Gnidos [Enido] , das zuerft-Zriopia und dann Pegufa und
Gtabin hieß. Bei ihr beginut Doris.
3. Doch e6 wird beſſer feyn, zuerſt die Rücfeite des
Zandes und die im Innern liegenden GBerichtäbezirke anzu⸗
zeigen. Der eine heißt der Cibyratiſche. Die Stadt Eir
byra [Burun] ſelbſt gehört zu Porygien; in ihr ſuchen fünfs
undzwanzig Gemeinden ihr. Recht.
(xxix). Die berũhmteſte Derfelben ift die Stadt Laodir
cea [Estihiſſar], welche am Lycus [Diekbunar] liegt, und
au ihren Seiten‘ von dem Afopus und Caprus befpält wird,
Sie hieß zuerſt Diospolis nnd dann Rhoas. Die Übrigen
Gemeinden diefes Gerichtsbezirks, die man nad des Anführ
rens werth halten mag, find die Hpdreliten, die Themifoney
ADenislei] und .die Hierapoliten Bambuk⸗KaleſiJ.
4. Der andere Gerichtsbezist hat feinen: Namen von
Synnada [Gaid⸗Gazelle], und zu ihm gehören die Lycar⸗
. ner, *) die. Appianer, bie Encarpener, die Dorpläer [Eskiſche⸗
ber], die Midäer, die Julieuſer und fünfzehn andere unbes
deutende : Gemeinden. Der Wersinigungspuntt bed dritten
Gerichts bezixks ift Apamia [Afium Karabiffar], welches zuerft
) 6, Kap. 25.
Fünftes Bud. .- 655
Geländ und dann Cibosos hieß. Es liegt am Fuße des
Berges Signia [Kaldes Tagh] und ift von den in ben
Mäander [Bojut:Minder] fallenden Zläffen Marfyas, Obri⸗
mas und Orgas [Burbafha] umfrömt. Der Marfyas
kommt bier wieder aus der Erde hervor, in welche er fi)
nicht weit von feiner Quelle verbirgt, und zwar an dem -
Drte, wo Marſyas mit WUpollo im WBlötenfpiele wett:
eiferte, *) im Thale, welches Aulocrenä [Blötenbrannen]
Heißt, und 10,000 Schritte [2 M.] von Apamia, auf dem
Wege nad) Phrygien liegt. Won diefem Gerichtsbezirt Tann
man nennen die Metropoliten [Gurmina], die Dionyſopo⸗
fiten, die Euphorbener , die Acmonenfer, die Peltener [Bes
Ietid] und die Silbianer. Die neun andern Gemeinden find
unbedeutend,
5. &8 folgen nun im Dorifhen Meerbufen [Golf von
Simia} Leucopolis, Hamaxitos, Eläus und Euthene; dann
wieder die Earifchen Städte Pitainm, Eutane und Halicars
naffıs [Bodru], deffen Gerichtsbarkeit Alexauder der Große
die ſechs Städte Theangela [Karabaglar]. Sibde, Medmaffa,
Euranium, Pedafus [Paitfhin] nnd Telmeffus unterwarf.
Es liegt zwifchen zwei Meerbufen‘, dem Eeramifchen [Golf
Stanko] und, dem Jaſiſchen Askem⸗KaͤleſiJj. Weiterhintommen
Myndos [Mentefhe], die Stelle, wo Altmyndos fand;
Nariandus, Neapolis, Karyanda [Karracion], das freie
Zermera, Bargyla [Barghili] und die Stadt Jaſus [Askem⸗
Kötefi], von welcher der Jaſiſche Meerbufen feinen Namen hat,
”, Mel, Dvib Metamorph. yI, 383 ff,
C. Plinins Naturgefh, 58 Bbchn. 6
552 €. Plinius Raturgefchichte.
Pyrnos, der Hafen Ereffa [Kriffa) , von welchem die Jnſel
NRhodus 30,000 Schritte [4 M.] entfernt it, der Ort 2er
enma [Cap Volno], die Städte Tifamufa, Paridion, Larymna,
der Meerbuſen Thymnias, das Bargebirg Aphrodiſias, Die
Stabt Hyda, ber Meerbufen Schönus, das Gebiet Bubaffus.
Hier fand auch die Stadt Acanthus, oder, wie fie Undene
nennen, Dulopofis. Auf einem Borgebirge liegt das freie
GBnidos [Gnido], das zuerft -Zriopia und dann Pegufa uud
Gtabin hieß. Bei ihr beginut Doris.
3. Doch e6 wird beſſer ſeyn, zuerft die Küdfeite des
Landes und die im Innern liegenden GBerichtäbezirke anzu⸗
zeigen, Der eine heifit der Cibyratiſche. Die Stadt Eis
byra [Burun] ſelbſt gehört zu Phrygien ; in ibe fuchen fünfs
undzwanzig Bemeinden ihr Recht.
(zzıx). Die berühmtefte derfeiben ift die Stadt Laodi⸗
cea [Estihiſſar], welche am Lycus [Diekbunar] liegt, und
anf ihren Seiten non dem Aſopus und Caprus befpült wird,
Sie hieß zuerſt Diospolis und dann Rhoas. Die übrigen
Gemeinden biefed Berichtöbezirks, die man nad, des Anfüh—
rens werth halten mag, find die Hydreliten, die Themifonee
IDenislei] und die Dierapoliten Bambnk⸗Kaleſi].
4. Der andere Gerichtsbezist hat feinen: Namen von
Synnada [Gaid-Gazelle], und zu ihm gehören die Lycas⸗
ner, *) bie Appianer, die Encarpener, die Dorpläer [Eskiſche⸗
ber], die Midäer, die Inlienſer und fünfzehn andere. unbes
deutende Gemeinden. Der Versinigungspunkt bes dritten
Gerichtsbezirks iſt Apamia [Afium Karabiffar], welches zuerfl
*) 6, Kap. 26.
Fünftes Bud). 1 655
Eelänä und dann Cibotos hieß. Es liegt am Fuße des
Berges Signia [Kaldes Tagh] und ift von den in den
Mäander [Bomk⸗Minder] fallenden Fluͤſſen Marfyas, Obri⸗
mas und Orgas [Burbafha] umfrömt. Der Marſyas
Zommt bier wieder aus der Erde hervor, in weldye er ſich
nicht weit von feiner Duelle verbirgt, und zwar an dem -
Drte, wo Marfyad mit Apollo im Blötenfpiele wett -
eiferte, *) im Thale, welches Wulocrenä [Blötenbrannen]
Heißt, und 10,000 Schritte [2 M.] von Apamia, auf dem
Wege nady Phrygien liegt. Won biefem Gerichtsbezirt kann
man nennen die Metropoliten [Surmina], die Dionyfopos
fiten, die Euphorbener , die Acmonenfer, bie Peltener [Pe⸗
letis]) und die Silbianer. Die neun andern Gemeinden find
unbebentend.
5. &8 folgen nun im Dorifhen Meerbufen [Golf von
Simia} Leucopolis, Damaritos, Eläus und Euthene; dann
wieder die Barifchhen Städte Pitainm, Eutane und Halicars
naffus [Bodru], deffen Gerichtsbarkeit Alexander der Große
die ſechs Städte Theangela [Karabaglar], Sibde, Mebmaffa,
Euranium, Pedaſus ſPaitſchin] and Telmeffus nunterwarf.
Es liegt zwifchen zwei Meerbufen, dem Eeramifchen [Golf
Stanko] und, dem Zafifchen [Asdems Kälefi]. Weiterhin kommen
Myndos [Menteihel], die Stelle, wo Altmyndos fland;
Nariandus, Neapolis, Caryanda [Karracion], das freie,
Zermera, Bargyla [Barghili] und die Stadt Jaſus [Askem⸗
Kötefi], von welcher der Jaſiſche Meerbufen feinen Namen hat.
*) Mol. Ovid Metamoroh. YI, 383 ff.
€, Plinius Naturgefh, 58 Bbchn, 6
IN
564 ı 6 Plinius Naturgeſchichte.
6. Am berühmteften ind aber die inneren Zandestheile
Bariens ; denn hier liegen die freie Stadt Mylaſa [Mylleſch]
und Autiochia [Ymifcheer] ‚die an der Stelle, wo fonft bie
Städte Seminethos und Granass fanden, erbaut und jepE
von dem Mäander and Drfinus [Jeuſcher] umfoflen if.
In dieſer Gegend lag. auch Maͤandropolis ſGuzel⸗HiſſarJ.
Jeht findet man Eumenia, am Fluſſe Eindrus, den Fluß
Glaucus, Die Stadt Lullas, Orthoſia, ven Berecyntiſchen
Landſtrich, Noſa [Mesli], Trallis ſSuitanhiſſar], welches
auch Euanthia, Seleutia und Antiochia genanut wird. Es
wird von dem Eudon beſpuͤlt und von der Thebais durch⸗
Beömt, : Mach Manchen follen hier Die Yagmäcn gewohnt
Haben. 7. Außerdem finb zu bemerken Thydonos, Pyrrha,
Eurome, Deraclea, Amyzo, *) das freie Alabauda [Ear
puslei], von welchem der Gerichtsbezirk [in dem alle biefe
Städte liegen], feinen Namen dat, das freie Stratonicea
IEskihiſſar]), Oynidos, Ceramus [Reramo], KTrözene und
Phorxonctis. Su dieſem Gerichtabezirke gehören auch bie
weiter euflegenen Gemeinden der Orthronienſer, ber Sun
dienſer oder Hippiner, der Zxfbianer, ber Opdiffenfer, ber
Apohloniaten, der Krapegorafiten [Karads⸗je⸗ſu] und der
freiem Niphrobifienfee [Dfiere]. Außerdem and nom augu⸗
führen Eosciuud, Harpaſa [Urpas⸗Kaͤleſi], welses am Fluſſe
Harpaſus [Tſchina] liegt, von dem auch Trellicon, als es
noch nicht zerſtoͤrt war, befpälf wurde.
XXX. Bydien [GSandſchak Szarnkhanu], weiches buch
den in vielen Krümmnngen ſich windenden Mäander [Bojuk⸗
*) Ruinen bei Baffo.
Fünftes Bu. 655
Minder] durchkrönt wird, nad früher Msonia hieß, zinhf.
ſich hinter Jonien bin, bat öſtlich Phrygien, nördlich My⸗
ſlen zu Nachbarländern, und amſchließt mit feiner ſuͤdliches
Seite Carien. Seinen Ruhm verdankt es hauptſächlich
Sardes [Sart], am Abhange des Berges Tumolus [Bergil,
ber früher Timolus hieß, mit Reben bepflanzt⸗ iſt und as
dem Fluſſe Partolus, der auch Chryſorrhoas genannt wird,
und aus der Quelle Tarne entfpringe, *) herabſtrömt. Die
Stadt ſelbſt, welche aud) durch den Gygäiſchen See [inner -
hoͤl] bekannt iſt, wurde von den Mäpnieen Hape’ ganannt.
Jetzt heißt nach ihr der Gerichkäbezixt der Sardiſche. Zu:
ihm gehören außer den ſchon oben **) Genaunten die Mar
cedoniſchen Caduener, die Philadelphier [NHafsheker], Die
Mäosier ſelbſt am Fluſſe Cogamus, Dit am Buße bes
Tmolus, die Tripolitaner, welche auch Untonionoliter heißen.
nnd deren Gebiet vom Mäander beſpült wird, Die Apollonaſhie⸗
ziten, die Mefotimoliten und andere unbepeutande Beneinden,
XXXI. 4. Zonien [Saudſchak Gigha],ı welches an; -
dem Jaſiſcaen Mrerbufen [Wolf von Askem⸗Koaͤleſi] beginnt,..
bildet eine van vielen Buchten zerfehuittene Küfle. Dex
exſte Busen iſt dar Baſiliſche (Golf von Melaſſo]; dann
folgen das Vorgebirg und bie Stadt Poſideum, 7) dag
Orakel der Brauchiden, wie J früger hieß, ander, wie ab
mr
40) Der Pastolus, welcher jeyt Heinen hefoubaren Namen zu:
fiber fcheint, fällt bei Sart in den Kodos.
*®) Kay. Br %. 7.35 naͤmlich den Orthropenſern, Italydien⸗
ſern u. ſ. @
=”, Gap von Meiafo; die Stadt ift unbekannt,
6*
856 C. Plinius Naturgefchichte.
jebt heißt, das Drakel des Didymaiſchen Wpollo, zwanzig
Stadien [1 Stunde] von der Küfte, nnd hundertundachtzig
Stadien [A!e M.] weiter Mitetus [Palatfchia], die Haupt⸗
ſtadt Joniens. Gie hieß früher auch Lelegeis, Pityuſa und
YAnactoria, iſt die Stammmutter von mehr als achtzig
Städten an allen Küften, und auch ihres Bürgers Cadmus
wegen, der zuerft in ungebundener Nede zu fchreiben lehrte,
preißwürdig. 2. Der Fluß Mäander [Bojud-Minder], wel⸗
: der aus einem See auf dem Berge Aulocrene *) entfpringt,
an zahlrkichen Gtädten vorüberfirömt, nnd allenthalben
Flüffe aufnimmt, windet fidy in fo vielen Krümmungen, daß’
man oft glauben möchte, er fließe zurück. Zuerſt fchweift er
durch das Upamenifche Gebiet, darauf durch das Eumene⸗
tifche und dann durch die Bargyläifchen Gefilde; "9 zuletzt
ſtrönt er ruhig durch Garien, befeuchtet alle Felder mit
feinem überaus fruchtbaren Schlamme, und fällt gehn Gras
dien [!s Stunde] von Milet fanft in’s Meer. 3. Weiters
hin folgen der Berg Latmus, die Städte Heraclea [Jotan],
welche von diefem Berge ihren Beinamen [auf dem Latmus]
bat und noch zu Earien gehört, Myos, welches von den
ans Athen gekommenen Joniern erbant feyn foll, Naulochum,
Priene [Samſun⸗Kaleſſi), der Fluß Seffus an der Küfte,
welche Zrogilia [Rap. St. Maria] heißt, der Bezirk, welcher
allen Joniern heilig ift und Deßhalb den Namen Panjonia
Itfhäugli] führe, Nahe dabei liegen das (wie der Name
9 S. Ray. 29. 5. 4
”) Bon Apamen, Eumenia und Bargyla war Kap. 29. S. 4. 5.
Die Rede.
Fünftes Buch. | 557
ſchon anzeigt) von Flüchtlingen erbaute Phygela [Bigela]
und die Stadt Maratheflum. Oberhalb deffelben folgt Mage .
nefla [Guzelhiſſar), weldyes mit dem Beinamen „am Mäatts.
ber“ bezeichnet wird, und von dem Theffalifchen Magnefla
feinen Urfprung herleitet. Es ıf von Epheſus 15,000 .
Schritte [3 Meilen, und von Zralles noch 3000. Schritte
[’/s M.] weiter entfernt. Es hieß früher Theffaloce und
Androlitia, und hat, da es dicht am Geflade liegt, allmälig
die Derafidifhen Iufeln dem Meere entzogen und mit ſich
vereinigt. Im Innern des Landes, am Lucus [Kodos], -
liegt Thyatira [Akhifſar), weiches fonft die Beinamen Yes
lopia und Enhippa führte,
4. An der Küfte folgen Manteium und Ephefus [Aja⸗
falut], von den Amazouen gegründet und früher mit vielen
Nanıen bezeichnet; fo bieß fie zur Zeit des Zrojanifhen
Kriegs Alopes, fpäter Ortygia und Morges, auch Smyrna,
mit dem Beinamen Trachen, ferner Gamornion und Ptelea.
Sie ift an dem Berge Pion erbaut und wird von dem Gays
ſtrus [Kutſchuk⸗Minder], welcher auf den Eilbianifchen Ber . _
gen [Durgas] entfpriugt und viele Flüſſe, fo wie aud dem,
Degafäifhen Sumpf, den ihm der Fluß Phyrites zuführt, :
aufnimmt, beſpült. Diefe Flüſſe führen eine Menge Schlamm
mit fi), wodurch fi) fo viel neues Land. anfent, daß die
frühere Infel Syrie bereits mitten in den Gefllden liegt.
5. In der Stadt befinden fid) die Duelle Eallippia und bie
beiden [Seen] Selenus, weldye den Tempel der Diana auf
verfchiedenen. Seiten umgeben. Nah Ephefus kommt ein
anderes, zum Gebiete der Eolophonier gehörendes, Manteium,
und daun im Juneren Eolophon ſ(Dſſili] felbft am Biuffe
*
368 C. Plinins Natuegeſchichte.
Hakeſus. Weiterhin folgen ber Tempet des Clariſchen Apollo
"FI und Lebebos ſLededitzi Hiffar)j. Hier lag and die
"Start Notium. Kerner folgen das Vorgebirg Coryceon
LIKurku], der Berg Mimas ſKaraburun], welcher 250,000
Schrikte [50 M.] weit in das Meer vorläuft und ſich nach
dem feften Lande Hin in eine weite &bene abdacıt, die Stelle,
wo Alerander der Große eine 7,500 Schritte [19/2 M.] kange
Fläche zu burchſtechen befahl, um zwei Meerbufen *) mit
einander zu verbinden, und Erythrä [Ritre] fammt dem
Mimas mit Waffer zu umgeben. 6. Bei Erythrä lagen
ſonſt die Städte Pteleon, Helos und Dorion; jetzt findet
man noch dafeibft den Fluß Aleon, Coryndum, des Mie
mad Borgebirge; Clazomenä [Kelisman}, [der Berg]
»Parthenie und die Hippi [Pferde], welhe auch Chytro⸗
phoria hießen, als fie noch Inſeln waren, und Die
Alexander ebenfalls durch) einen zwei Stadien [6 Minuten}
langen Danim mit dem Feſtlande verbinden ließ. Zerſtört
find die ſonſt im Juueren vorhandenen Städte Daphnus,
Hermeſin and Gipylum, die Hauptſtabt Mäoniens, welche
vorher Tantalis hieß, und an der Stelle, wo man jepf ben
Sunrpf Gate ſieht, fand; and) Archäopolis, welches an Bie
Stelle vor Sipylum krat, fo wie Eolpe, welches Rechäopo⸗
FO und Lebade, welches Eolpe erſetzte, ſind nicht mehr.
7. Kehrt man unn wieder von da zurück, To kommt
man nad) einem Wege von 12,000 Schritten [2’/;M.] zu
der von den Amazonen erbauten und von Aterander wieder
*) Den von Ephefus und den von Smyrna.
Von Elazomena mimlic. ' .
Fünftes Buch. 659
Hergeftelten Käfenhadt Smyrna [IFömir], weiche an dem
nicht weit davon entipringenden Meles liegt. In dieſem
Landſtriche breiten fidy die berühmteſten Berge Aflens aus:
Der Maftnfla, hinter Suyrna, und ber Termesis, der bis zu
Den Fuße des Olympus ſKeſchifch⸗Dagh] reicht; diefer ſtößt
au den Draco, der Draco an deu Tmolus, der Tmolus an
ben Eadmus [Baba⸗Dagh] und dieſer an den Taurns.
8. Bon Smyrnd an bildet der Hermus [Sarabat] fchöne
GSeſitide, uud gibt ihnen feinen Namen, Er entfpringt bei
der Phrygiſchen Stadt Dosstaum [Eskiſcheher]) und nimmt
viele Fluͤſſe anf, darunter den Phryx, welcher dem anwoh⸗
senden Volke feinen Namen gibt und es von Carien ſchei⸗
Det, den Hyllus und Kryos, in welche die Flüſſe Phrygiens,
Myſlens und Lodiens fallen. Sonſt lag an der Mündung
Des Hermus die Stedt Temuss FRemmen]; jept findet
man noch am Ende dei ſGmyrndiſchen] Meerbafens die
Myrmecifgen Klippen, die Stadt Leuce, auf einem Vorge⸗
birge, das früher ein Yafel war, und phecae [$okie}, den.
Granzpuntt Joniens.
9. Bei dem Gerichtsſide zu Eayına müßten ein großer
Sheil von Aeolien, von dem bald die Rede ſeyn wird-, Die _
Maecdomer, werde den Beinamen Hyveaneı führen, und
die Magneter [Manila] am GSipylus ihr Recht ſuchen. Zu
Epheſus, dem auderen Hauptgerichtsbezirke Aſſens, gehören
die euffernteren Eäſarienſen, Metropoliden FTineh] , unteren
web oberen Eilbianer [Duvgut], Myfomacedomter, Maſtauren⸗
fer, Briullitter, Sppäpener ſTappai] und Dioshieriten.
XXXU (ax). 4. Die zunädift folgenden Länder ſind
Aeslis [Ganbfegat Aidin]), einft Myflen genannt, und das
,
660 C. Plinins Naturgeſchichte.
am Hellespont liegende Troas [Sandſchak⸗Bigba]. Nach
Phocãa kommen der Hafen Ascanins, dann die Stelle, wo
Zariffa Laruſar] ſtand, Cyme INemourt], Myrina, welches
auch Sebaſtopolis heißt, im Inneren Aegän[Guzel⸗Hifſar],
Attalia, Poſidea, Neontichos, Temnos; an der Küſte aber
folgen der Fluß Titanus und eine nad) ihm benannte Stadt.
Hier lag auch Grynia auf einer Fufel, Die jest mit dem
feften Lande verbunden ift, und zwei verlaffene Häfen bildet.
Weiterhin kommen die Stadt Eläa [Jalea], der aus Myſien
herſtrömende Fluß Caicus ſGhirmaki], die Stadt Pitaue
[ISanderlik] und der Fluß Canaius. 2. Zerſtört find Bank
[Kanot Köi], Lyſimachia, Atarnea ſDikeli⸗Köi], Parene,
Ciſthene [Kidonia], Eilla [BeizelisKdi] Eocylium, Thebe,
Aftyre, Chryſa, Alt: Gcepfis, Gergithos und Neandros; nody
vorhanden find: Die Gemeinde Perperene, das Deracleotifche
Gebiet, die Stadt Eorpphas, die Flüſſe Grylios und Ollius,
der Bezirk Approdiflas, welcher früher Politice Orgas hieß,
der Bezirk Gcepfis, der Fluß Evenns, an deffen Ufern die
jest verfchwundenen Städte Lyrneſſus und Mitetos ſtanden.
In dieſer Gegend erhebt fi aud der Berg Ida. Um der
Küfte folgen Adramytteos [Udramiti] , früher Pedaſus ges
naunt, weldhes dem Meerbufen [Golf von Wdramiti] und
dem Gerichtsbezirke feinen Namen gegeben hat; die Flüſſe
Aftron, Eormalos, Eryannos, Alabaftros und Hieros, wel⸗
her vpm Ida herabkommt, im Inneren der Berg Gargara
und eine gleichnamige Gtadt, dann wieder an der Küfte
Untandros, welches zuerft Ebonis und daun Cimmeris hieß,
Aſſos [Affe], auch Apollonia genannt, bie Stelle, wo bie
Stadt Palamedium Iag, das Vorgebirg Lertou [Eap Babe],
Funftes Buch. | 564 .
welches Yeolis von Troas fcheidet, und bie Stellen, wo früs
her die Stadt Polymedia, Ebryfa und ein anderes Lariffe
flanden. Der Gmintheifhe Tempel *) ift noch vorhanden;
verfchwunden ift aber Eolone, weldyes weiter im YJuneren
lag. Rad Adramitteos kommen mit ihren Rechtshändeln
die Apolloniaten [Abellionte] am Fluſſe Rhyndacus [8ubad],
die Erezier, die Miletopoliten [BalisKesri], Die Yömanener,
Die Afchilacäifchen Macedonier, die Polichnäer, die Pioniten,
die Eilicifhen Mandacadener und in Myſlen die Abrettiner,
weiche auch den Namen Sellespontier führen, und andere
unbedentende Gemeinden,
XXX, 4. Der erfte Ort in Troas [Sandſchak Bigha}
ift Hamaritus [Meffı]; dann kommen Eebrenia, Troas [Eski⸗
Stambul) felbit, früher Antigonia und jest Alerandria ges
nannt, eine Römifche Colonie; die Stadt Nee, der ſchiffſare
Fluß Gcamander [Tomdredht:Eai], die Gtelle auf einem
Borgebirge [Eap Fenifcheher], wo die Gtabt Sigeum [Yes
nifcheher] fand, dann der Dafen der Achder, in welchen der
Zanthus, **) nadıdem er den Simois [Mendre:Eu] aufges
nommen bat, fällt, und der Alt⸗Scamander, der, bevor er
mündet, einen Sumpf bildet. 2. Die übrigen von Homer ***)
gerühmten Flüſſe, nämlich der Rheſus, der Heptaporus,
der Careſus und der Rhodius find fpurlos verfhwunden.
Der Granicus [Uftwola] firömt in einer anderen Richtung
ber Propontis zu. Man findet jegt noch Scamandria, eine
Ein noch lange nad) Plinius berühmter Apollotempel.
»*) Zanthus und Scamander find ein und derſelbe Fluß.
ↄ) Ilias XII, 20,
562 C. Plinius Naturgeſchichte.
kleine Stadt, 1,500 Schritte [36 Minuten] vom Hafen [der
Achäer] das freie Jiium [Bunat Baſchi], die Duelle alles
Ruhmes. Außerhalb des Buſens ift die Rböteiſche Käfte,
an welcher die Gtädte Rhöteum, Dardanium [Gallipoli]
‚und Arisbe liegen. Hier fanden auch Acilleon, eine von
den Mityleneern and fpäter von den Athenern bei dem Grab⸗
male des Achilles am der Stelle des Vorgebirgs Sigeum,
wo feine Flotte lag, erbante Stadt, und Aeautinum, welches
von den Rhodiern an ‚der andern Landfpige, 30 Gtadien
fı'!ı Stande] von Sigenm, wo Ajax begraben ift uub feine
Flotte ihren Standort hatte, gegründet wurde. 3. Ober
Halb Aedlis und eines Theiles von Troas liegt im Inneren
die Landfchaft Teuthrania, welche die Mpfler einſt inne
hatten, und wo der ſchon ”) erwähnte Fluß Caicus entfpringk.
Sie war fon, Als nod). dad ganze Land Myſien genannt
warde, fehr mächtig, und in ihr liegen Pioniä, Untere,
Cale, Stabulum, Eoniflium, Tegium, Bald, Tiare, Teuthra⸗
nie, Sarnaca, Sratiferne , Lyeide, Parthenium, Thymbre,
Oxyopum, Lygdamum, Apolloria und Pergamam [Bergas
mah], die. bei weitem berühmteſte Stadt Aſtens, weiche der
Gelinns durchſtröͤmt, und an weicher der auf dem Berge
Pindaſus mtipringende Cetius vorbeifließt. A. Gie ift nicht
weit von län entferne, welches wir fhon an der Käüſte
angeführt haben. Der ganze Gerichtsbezirk heißt der Per:
gameniſche, und gu ihm gebören die Ahyatirener, bie Myg⸗
donier, die Mofyner, die Bregmentener, die Sieracometen,
Die Werpermer, die Ziarener, bie Hierolophienfer, Die Ders
*) Kap. 32. 5.1,
Tanfles Buß. 563
Wocapeliten, die Aktalenſer, Be Pantanſer, Die Apollonidien⸗
fer Balamonte] und andere ananſehnliche GBemeinden. Bon
Aydtehm if die Peine Stadt Dardaninm 70 Stadien
f3% Gtunden] entfernt; 48,000 Schritte [3° M.) weiter
folgt das Borgebirg Trapeza, wo der Hellespont anfängt.
Don. den AUfatifhen Bölkern finb nadı Eratofihenes ver⸗
ſchwunden die Golynier, die Leleger, die Bebrycer, die Eos
Incantier, die Trepfeder ; nach Yidorus bie Arimer *) und
die Eaprefer, weldye zwifchen Eificien, Cappabosien, @ataos
nien ihren Gig Hatten, da 1m Apamia [Famieh] vom König
Selencus erbaut wurde, welches, weil ed die wildeften Völ⸗
ter bejännt Hatte, anfangs Damen bieß.
XXAIV (xxxı), 4. Die erfte der vor Aflen liegenden
Infeln befindet AG in der Canopifdien Niimündung, und
hat (chie man fagt), ihren Namen vun Canopus, dem
Stenermanne des Meenelans; die zweite, welche Pharus
weißt, und eine Colonie des Dickators Caſar iſt, hängt durch
eine Brücke mit Alexandria zuſammen. »e) Einſt war fie
ME Tagreiſe von NRegypten eutfeent; jetzt lenkt ſte burch
ein auf einem Thurme breuuendes Nachtfeuer den Lauf der
Schiffe; denn Alerantria if von unſicheren Untiefen ums
geben, und man kaun überhaupt nur. auf drei Bahrwegen,
welche Vie Samen Gtegamunt, Poſideum und Taurus führen,
gu ihm gelamgen,
iR.
*) Die Solymer wohnten in Pifidien, die Leleger in Earien, bie Bes
bryker in Bithynien; die Arimer follen in Phrygien gewohnt has
ben ; die Sige der Eolycantier und Zrepfeber find unbekannt.
+ Die "Iufern Canopus und Pharus find jetzt mit dem feften
Lande verbunden,
564 C. Plinius Naturgefhichte.
2. Dann folgen in dem Phönicifchen Meere, gerade
vor Joppe [Jaffa], Paria, deren Fläche ganz von einer
Stabt bedeckt wird, nnd_ auf welcher Anbromeda dent Sees
ungebeuer foll preisgegeben worden ſeyn, und bie ſchon *)
erwähnte Infel Arados. Zwiſchen diefer und dem Feſtlande
zieht man, wie Mucianus berichtet, and einer Tiefe von
fünfzig Ellen mittelft einer aus Leder verfertigten Röhre **>
füßes Quellwaſſer bis zur Oberfläche,
XXXV, 1. Das Pamphyliſche Meer- faun nur unbe⸗
deutende Infeln aufweifen., das @ilicifche aber Enpern, eine
der fünf größten [des Mittelläudifchen Meeres], welche
fih, Syrien gegenüber, von Oſten nady Welten an Eilicien
hinzieht und einft der Gis von nenn Königthümern war.
Ihren Umfang gibt Timoſthenes auf428,500 Schr. 85%. M.},
Iſidorus auf 375,000 Schritte [75 M.], ihre Länge zwifchen
den beiden Vorgebirgen Dinavetum [S. Andreas] und Aca⸗
mas [S. Epipbani], weldhes an dem weftlihen Ende liegt,
Artemidorus auf 162,000 Schritte [322%; M.], Timoſthenes
auf 200,000 Schritte [40: M.] an. Nah Philonides hieß
fie früher Acamantig, nady Xenagoras Ceraſtis, Aspelia,
Amatbufla und Macaria, nad) Aſtynomus Eryptos und
Edlinia. 2. Man zählt auf ihre fünfzehn Städte: Pens
paphos [Baffa], Alt⸗Paphos [EskisBaffa], Euriad [Aus
dio], Eitium [Chiti], Eorineum [Cerines], Salamis, **)
Amathus [Eski⸗Limeſol], Lapethos [Kapta], Soloe [Solia],
*) Kap. 19. $. 3 " N
**, Mol, Über dieſes Verfahren B. 31. Kap, 37.
*, Ruinen bei Coſtanza.
Fünftes Bud. 565
Tamafens, 9 Epidarum [Pitaremil], Ehytri [Cherkes], Ars
finoe [Arzes], Earpaflum [Karnas] und Golgi. Zrüher
fand man 'anf ihr noch die Gtädte Einyria [Dfjerines],
Marium *% und Fdalium [Dalin]. Bon dem Vorgebirg
Anemurium in Eilicien ift fie 50,000 Schritte [10 M.]
entfernt ; das zwifchen ihr und Eilicien Tiegende Meer heißt
die Ciliciſche Straße. In diefer Richtung findet man auch
Die Inſel Elönfa, und vor dem Syrien gegenüber liegenden
Borgebirge vier andere, welche die Eliden (Schlüſſelh) heißen;
an der anderen Landfpise [Acamas] aber Stiria, Neu⸗
paphos gegenüber Hierocepia und Galamis gegenüber die
Galaminien. **%)
5. Im Lyciſchen Meer liegen Illyris, Telendos, Atte⸗
lebuſſa, die drei Äden Cyprien und Dionyfla, T) welche früs-
her Caretha hieß; weiterhin dem Vorgebirge des Taurus
gegenüber die den Schiffern gefährlichen Chelidonien [Iſole
Correnti], ebenfalls drei an der Zahl; nach dieſen Leucolla
mit einer Stadt; die Pactyen, nämlich Laſia, Nymphais,
Macris und Megiſta [Kaſtelorizo], ferner viele unbedeutende ;
daun Ehimära gegenüber Dolichiſte [Kakava], Ehirogylium,
Erambuffa [Srambufa], Rhoge [Eaftel Roſſo], Enagora,
8000 Schritte [1 M.] groß, TH) die zwei Dädalien, bie
», Iſt im Inneren bed Landes, am Olympus, zu fuchen.
=*) Gag an der Stelle bed fpätern Arfinoe [Arzed].
29) Diejegigen Namen diefer Pleinen Infeln find nicht aufzufinden.
7)5) Alle dieſe Infeln find unbekannt.
m Enagora VI. mill. pass. Die Stelleift vermuthlich
verborben, und fonte: vielleicht beißen: Xe nagorae VIII.,
die acht Inſeln des Kenagorad (ai Zerayopov vnjoo⸗) ſagt
der Periplus.
864 C. Plinius Naturgefhichte.
2. Dann folgen in dem Phönicifhen Meere, gerade
vor Joppe [Iaffa], Paria, deren Fläche ganz von einer
Stadt bedeckt wird, und auf welder Undromeda dent See⸗
ungeheuer foll preisgegeben worden ſeyu, und bie ſchon 5)
erwähnte Inſel Arados. Zwiſchen diefer und dem Feſtlaude
zieht man, wie Mucianus berichtet, ans einer Tiefe von
fünfzig Ellen mittelft einer ans Leder verferfigten Röhre **)
füßes Quellwaffer bis zur Oberfläche.
XXXV. 1. Das Pamphylifhe Meer- kann nur unbes
deutende Infeln aufweiſen, das @ilicifche aber Cypern, eine
der fünf größten [des Mittelläubifhen Meeres], welche
fi, Syrien gegenüber, von Oſten nady Welten an Eilicien
hinzieht und einft der Gig von neun Königthümern war,
Ihren Umfang gibt Timofthenes auf428,500 Schr. 85%. M. ],
Iſidorus auf 375,000 Schritte [75 M.], ihre Länge zwifchen
den beiden Vorgebirgen Dinaretum [S. Andreas] und Aca⸗
mas [S. Epiphani], welches an dem weltlichen Ende liegt,
Artemidorus auf 162,000 Schritte [32?; M.], Timoſthenes
auf 200,000 Schritte [40: M.] an. Nah Philonides hieß
fie früher Acamantis, nad) Kenagoras Geraftis, Aspelia,
Amatbufla und Macaria, nah Aſtynomas Erpptos und
Golinia, 2. Man zählt auf ihe fünfzehn Städte: Neu⸗
paphos [Baffa], Alt⸗Paphos [Esti⸗Baffa], Eurias [Aus
dimo], Citium [Chiti], Corineum [Cerines], Salamis, »
Amathus [Eski⸗Limeſol], Lapethos Lapta], Soloe [GSolia],
*) Rap. 19. $. 3. .
*#) Mol, fiber biefed Verfahren 8. 31. Kap. 37.
, Ruinen bei Coſtanza.
Fünftes Bud. b65
Tamafens, 9 Epidarım [Pitarenii], Ehytri [Cherkes], Ars
finoe [Arzes], Carpaſium [Rarpas] und GBolgi. rüber
fand man anf ihr noch die Gtädte Einyria [Dfjerines],
Marium **) und Idalium [Dalin]. Bon dem Vorgebirg
Anemurium in Eilicien ift fie 50,000 Schritte [10 M.]
entfernt ; das zwifchen ihr und Gilicien liegende Meer heißt
Die Eilicifhe Straße. Im diefer Richtung findet man auch
die Juſel Elẽuſa, und vor dem Syrien gegenüber liegenden
Borgebirge vier andere, weldye die Eliden (Schlüffel) heißen;
an ber anderen Zandfpise [Mcamas] aber Stiria, Neu⸗
paphos gegenüber Hierocepia und Galamis gegenüber die
Galaminien. ***)
3. Im Lyciſchen Meer liegen Fllyris, Telendos, Atte⸗
febuffa, die drei Sden Cyprien und Dionyſia, T) welche früs
her Caretha hieß; weiterhin dem Vorgebirge des Taurus
gegenüber die den Schiffern gefährlichen Ehelidonien [Iſole
Eorrenti] , ebenfalls drei an ber Zahl; nach diefen Lencolla
mit einer Stadt; die Pactyen, nämlich Laſia, Nymphais,
Macris und Megifta [Kaftelorizo], ferner viele unbedeutende ;
Dann Ehimära gegenüber Dolichiſte Kakava], Ehirogylium,
Erambuffa [Grambuſa], Rhoge [Eaftel Roffo), Enagore,
8000 Schritte [1 M.] groß, TH) Die zwei Dädalien, bie
*) Iſt im Inneren bed Landes, am Olympus, zu fuchen.
“e) ag an ber Stelle des fpätern Arfinoe [Arzes].
“ss, Diejegigen Namen diefer Pleinen Infeln find nicht aufzufinden.
+) Alle diefe Infeln find unbekannt.
m Enagora VII. mill. pass. Die Stelle ift vermuthlich
verborben, und follte vielleicht beißen: Xe nagorae V.
die acht Inſeln des Kenagorad (ai Berayopov 97000) fagt
der Periplus.
6 €. Plinius Naturgeſchichte.
drei Ergeen, Strongyle, Sidima Tin Kycien] gegenüber Die
Juſel des Autiochus, nach dem Fluſſe Glaucus hin Laguſa,
Macris, die Didonen, Helbo, Scope, Wepis, Rekaudrie,
auf der ſonſt eine Stadt Rand, und Rboduſſa, ganz nabe
an Caunus [KReigun]. ”)
XXXVI. 4. Die fhönfe von aley iA die freie Infel
Rhodus, welche einen Umfang pon 425,000 Mehritteg
[25 M.], oder, wenn mon lieber dem Iſidorus glauben will,
von 103,900 Schritten [20° M.] hat, und auf der man Die
Städte Lindus [Rinde], Kemirus [Camiro] und Talpfus,
jetzt Rhodus genannt, findet. Sie iſt von Alexandrien in
Aegypten nach Iſtdorus 578,000 Schritte [415?/, M.], nach
Eratoſthenes 496,000 Echritte [93% M.], nach Mucianus
500,00) Schritte [100 M.], von Cypern aber 166,000 Bchr.
[33% M.] entfernt. Fruͤher hieß Be Ophiuſa, Aſteria, Ae⸗
thräa, Zrinacria, Forymbia, Vöefſſa und Atabyria nach cr
mem ihrer Könige; daun Macaria und Oloeſſa. Deu Rhe⸗
diern gehören auch die Inſeln Karpathus ScaxrpantoJ,
welche dem Meere, worin fle liegt, den Namen gab, Cafes
[RCaſo], ſonſt Achne genaunt, und Nifgens [Milari], weloe
12,309 Schritte [2 M.] von Pnidus entferne iſt mad frür
her Porphyris hieß. 2, In dem nämlichen Striche, mitten
zwiſchen Rhodus und Gnidus findetman Syme [Eymi], das
37,500 Schritte [7° M.] im Umfange hat und gaſtlich acht
Häfen gewährt, Außer dieſen Liegen nah nu Mhodus Gy
clopis, Steganos, Cordyluſa [B. Eaihariua], die vier Dia⸗
”) Die jegigen Namen biefer vermuthlich unbedeutenden Infeln
laſſen fih nicht angeben,
Fanftes Bud. 567
Beten, Hymos, Chalce [Chalki] mit einer Giabt, Geutiufe.
Narthecuſa, Dimaftod, Progue, und Hinter Gaibus Eiffe
ruſſa, Therionarä, Balygaue ſCalamine] mit den drei Städten
Notium, Niſyrus und Mendeterus, ferner Weconnefus wie
der Stadt Ceramus. An der Cariſchen Inſel liegen zwan⸗
sig Infeln, welche die Argiſchen heißen, ſo wie Sata,
Zepfla und Zeros [Lero].
5. Die berühmtefte Inſel in an Meerbuſen ik Eos
[Staucho], weidhe 15,000 Schritte [5 M.] von Halicarnaſſus
entfernt ift, und 100,000, Schritte [20 M.]im Umfange hat ·
Nach Mehrerer Meinung hieß fie früher Merope, uach Sta⸗
phylus aber Cea, und nach Dionyſius Meropis uud“ Iwäter
Muymphäa. Auf ihr findet man den Berg Prion, und bei
ihr Niſhrus [Nifaei], die von ihr losgeriſſen feyn foll, und
früher Porphyris hieß. Dann folgen Caryanda [Esracdien]
mit einer Stadt, Pidoſus, nicht weit von Halicarnaſſas, und
in dem Ceramiſchen Meerdufen [Golf di Eaftel Marmora]
Priaponneſos, Hipponuefus, Pſyra [Ipſera], Mya, Lamp⸗
ſemandus, Baffala, Cruſa, Pyrrhe, Gepinfia, Melana und
nahe an der Küſte eine Juſel, welche Cinüdopolis ſKnadben⸗
ſchaͤnderſtadt]) genannt wurde, weil der König Alexaunder
ſoiche Schaudbuben hier zurũcklleß.
AXZXVU. Un der Jouniſchen Küfle liegen die Tragien,
die Corſeen, Jearus, von der ſchon früher *) gefprocken wurde,
Lade, wesche fonft Late hieß, uud zwiſchen mehreru unbebeus
tenden bie beiden Gameliden, nabe bei Miletus, unb bei
Mycale Die drei Trogilien, nämlich Pſilus, Argenuos und
-#) B. 4. Kap. 23.
568 C. Plinius Naturgeſchichte.
Sandalios, ferner die freie Juſel Samos [Suſam⸗Adaſi],
welche 87,000 Schritte 117’; M.], oder nah Iſldorus
400,000 Schritte [20 M.] im Umfange bat. Nach Ariſto⸗
teles bieß fie zuerſt Parthenia, fpäter Dryufa und dann
Anthemuſa, nach Ariftocritus auch Melamphyllus Und fpäter
Cypariſſia, nach Andern Parthenoaruſa und Gtephane Auf
ihr findet man die Flüſſe Imbraſus, Chefius, Ibettes, Die
Quellen Gigartho und Leucothea, und den Berg Cercetius
[PIE von Kertlis]. Bei ihe liegen die Inſeln Rbopara⸗
Nymphea und Achillea.
XXXVIII. 1. Rad) ihr folgt in einer Entfernung von
95,009 Schriften [18° M.} die eben fo berühmte freie Ins
(el Chios [Stio] mit einer Stadt. Ihre alten Namen find
nad) Ephorus Aethalia, nad, Metrodorus und Cleobulus
Chia, entweder von der Nymphe Ehione oder von dem [vies
fen auf ihr fallenden] Schnee, ferner Macris und Pityuſa.
Man. findet auf ihe den Berg Vellenäus und. den Chiifchen
Marmor. Gie hat nad alten Gchriftfiellern einen Umfang
von 425,000 Schritten [25 M.]; Ifldorus gibt 9000 Schritte
[His M.] mehr an. Sie liegt zwifcdhen Samos und Lesbus,
Erpthrä gerade gegenüber.
"2. Nahe dabei folgen Thallufa , von Andern Daphnuſa
genaunt, Denuffa (Spalmadori], Euryanaffa, Arginuſa mit
einer Stadt. Alle diefe Inſeln, fo wie bie fogenannten
Hifikratifchen, nämlich Anthinä, Myonnefos J[Jalanghi⸗Li⸗
man) und Diarrhöufa, von denen die beiden Iehteren jet
2eine Städte mehr haben, ‚liegen ſchon in der Nähe von
Epbefus. Berner kommen Porofelene mit einer Stadt, die
Eerciä, Halone [Aloni], Commone, Flletia, Lepria, Rhesperia,
Fünftes Buch, 569
De Procufs, die Bolbulä, die Phand, Priapos, Gpce, Mes
Iane, Aenare, Siduſa, Pela, Drymuſa, Anhydros, Gcopeloe
[Rutalil, Syeuſſa, Marathuſſa, Pſile, Perirrhoͤuſa und viele
unbedentende andere. Werühmt aber iſt die auf dem hohen
Meere tiegende Inſel Teos mit einer Stadt, welche 71,500
Scheitte [142/3 M.) von Chios und eben fo weit von Erpthrä
entfernt ift.
3. Bei Smyrna liegen die Periſteriden: Garterie,
Alopece, Elduſa, Bachina, Poſtira, Erommpanefos, Megale;
vor Troas die Ascanien, die drei Plateen, weiterhin die
Lamien, die beiden Plitanien, Plate, Scopelos, Getone,
Arthedon, die Cölä, die Laguſſen und Die Didymen.
XXXIX. 1. Die beruhmteſte aber iſt Lesbos [Metelino],
65,000 Schritte [13 M.] van Chios. Fruͤher hieß Nie auch
Dimerte, Lafla, Pelasygia, Aegira, Methivpe und Macaria,
uud war durch ihre nenn Städte berühmt. Ban dieſen
wurde Pyrrha *) vom Meere nerfchlungen, und Arisbe
sur ein Erdbeben zerſtört; Autiſſa ift jene mit Methymna
Molipo], weiche an 37,000 Gchritte [7%; M.} von neun
Geädten Wiens entfernt ift, verbunden. Auch Agamede und
Hiera [Agia⸗ſia] find zerſtoͤrt; vorhanden find noch Erefos
[®vefo], Pyrrha [Akerona] und Die freie Stadt Mitylene
[dafro], welche bereits 1500 Jahre blüht. Die ganze Ins
fel bat nad) Iſdorus 168,000 Schritte [332/3 M.)], nad
älteren Schriftftellern 495,000 Schritte [39 M.] im Um⸗
fange. 2. Man findet auf ihr die ‚Berge Lepethymnus
*) Gap, bei dem jegigen Hafen Ealoni.
€, Plinius Naturgefh. 58 Boͤchn. 7
570 C. Plinius Naturgeichichte.
[2eptimo], Ordymnus, Maciflus, Ereon und Olympus.
Bon der nächſten Küfte ift fie 7,500 Schritte [1 M.]
entfernt. Bei ihr liegen die Infeln Sandaleon, die Leucd,
fünf an der Zahl, und darunter Cydonea mit einer heißen
Duelle. Die Argenufien find 4000 Schritte L*s M.] von
Aege entfernt; dann folgen Pbellufa und Pedna. Noch
außerhalb des Hellesponts, der Gigeifchen Küfte gegenüber,
liegt Tenedus [BokdfiasAdafi], die and Leucophrus , Phö⸗
nice und Lyrneſſos genannt wird, und von Lesbos 56,000
Schritte [11% M.], von Sigeum aber 12,500 Schritte
f2', M.] entfernt ift.
AL. (xx). 4. Bier nimmt der SHellespont feinen
Anfang ; das andrängende Meer durchwühlt mit feinen
Wogen die Schranke, und trennt fo Uflen von Enropa.
Das den Hellespont fchließende Vorgebirg haben wir weiter
oben *) Trapeza [RaE-A bydos] genannt. Sehntaufend Schritte
[2 M.] von dieſem Tiegt die "Stade Ubndus,**) wo die
Meerenge nur fieben Stadien [21 Minuten] breit ift. Dann
folgen die Stadt Percote [Bergas], Lampfacus [Lampſak],
welches früher Pityuſa hieß, die Colonie Parium ſKema⸗
res], welche Homer **H) Wdraftia nannte, bie Stadt
Priapos [KRaraboa], der Fluß Wefepns [Satatdere], Zelia
[Kileh] , die Propontis [Mar-di Marmora], wie man die
Stelle, wo fi bad Meer wieder erweitert, nennt, ber
*) Rap. 53. 5 4.
*) Wo jene die Afiatifchen Darbanellen liegen.
**:%) a, II, 3 35.
Fünftes Bud. | 571
Fluß Granicus [Uftwola], der Hafen Artace [Artaköi), wo
früher eine Stadt fland. 2. Weiterhin kommt eine Infel,
welche Alexander mit dem feften Lande verband, ‚und auf
welcher die von den Mileflern erbaute Stadt Cyzicus *)
liegt , welche früher Urctonnefos, Dolionis und von dem
über ihr ſich erbebenden Berg Dindyumus auch Dindymis
genannt wurde, Nicht weit Davon folgen die Städte Placia [Pas
nermo], Ariacos, Scylace [Siki], binter welchen fidy der
fogenannte Myſiſche Olympus [Keſchiſch⸗Dagh] binzieht, die
Gemeinde Olympena, die Blüffe Horifinus [Lartacho]) und
Rhyndacus [Eubad}, der früher Lycus hieß. Er entipringt
in dem Sumpfe Artynia bei Mitetopolis, nimmt den Mas
ceftos und mehrere andere Zlüffe auf, und fcheidet Aſlen
.von Bithynien. 3. Bithpnien hieß früher Eronia, fpäter
Sheffalis, dann Maliande und Strymonis. Homer ***)
nennt die Bewohner diefed Landes Dalizonen, weil fie vom
Meere umgürtet find. Hier Tag eine ungeheure Gtadt,
Attuſa genannt; jest findet man zwölf Gemeinden, daruns
4er Gordinscome [Kioftebe], welche auch Inliopolis Heißt,
und Dascylos [Estil] an der Küfle, ferner den Fluß Ge⸗
bes, im Inneren die Gtadt Helgas, auch Germanicopolis
und Booscöte genant, fo wie Apamea [Mundania], welche
jept das Colophoniſche Myrlea heißt, den Fluß Ethelens,
bei dem fonft Troas endete, und Myſien anfing. 4. Weiter:
*,) Ruinen bei dem Dorfe Artati.
”*, Die Sandſchaks Khodawendkiar nnd Bol.
”%) Xp, I], 856.
N 7 *
572 C. Plinius Naturgeſchichte.
Hin folgen der Buſen, in welchen ber Fluß Abeanins müns
pet, die Stadt Bryllion, die Flüſſe Hylas und Cios, nebt
einer Gtatt gleihen Namens, welche der Gtapıiplap des
nahe gelegenen Phrygiend war. Sie wurde zwar von ben
Milefiern erbaut, aber an einem Orte , welcher das Phrys
giſche Aöcanien hieß; weßhalb Hier die geeignetſte Stelle zw
ihrer Srwähnung feyn dürfte.
XLL Phrogien liegt hinter Troas und den vom Vor⸗
nebirg Lectum [Baba] bis zum Biuffe Etheleus genannten
Bölkern; gegen Norden gränzt es an Gabatien, gegen
Süden an Lycaonien, Pifidien und Mygdonien, gegen Often
ſtößt es an Eappadocien. Man findet bier fehr berühmte
Gtädte, und zwar, außer den fon **) erwähnten, Ancyra
T&nghir], Audria, Gelänä [Iſchekleh), Eologä [Konus!,
Earina, Evtyaion [Kiutaie], Erländ ſSandakleh], Eonium
und Midaion. Manche Gchriftfieller behaupsen, die My⸗
fer, Bryger und Thyner feyen aus Buropa eingewandert,
nud hätten den Myſern, Phrygiern und Bithynern ihre
Namen gegeben.
' XLI, 14. Hier ſcheint audy am beften von Balatien, **)
weiches über Phrygien liegt und den größten Theil dieſes
Landes, fo wie auch feine alte Hauptſtadt Gordium bes
ſitzt, geſprochen werden zu können. Die Galliſchen Bölker,
welche dieſen Landſtrich einnahmen, heißen Tolisteboger,
*) Die Saubſchaks Kutahia und Sultan Oegni.
+), Kap, 29 und 80,
”*r, Die Sandſchaks Anguri und Kanghri.
Hünftes Buch. 573
Boturer und Ambituer , die, welche fid) in der Gegend von
Wionien und Paphlagonien niederlichen, Trocmer. Rörd⸗
lich und öſtlich zieht fi Eappabscien hin, deſſen frnchts
barften Theil die Tectofager und die Tentobodiacer im
Bei genommen haben. 2. Diefes find die Bötterftämme;
Die Zahl aller Gemeinden und Tetrarchien beläuft ſich auf
485. Die Geädte find Ancyhra [Huguri] bei den Tectoſa⸗
gern, Tavium [Gudarshei] und Peflinus [Bofan] bei den
Tolistobogern. Außerdem find noch berühmt die Attalenſer,
die Araſenſer, die Eomenfer, die Dioshieroniten, die Ly⸗
ſtrener, die Neapolitaner, Die Deandenſer, die Selencen⸗
ſer, die Sebaſtener, die Timoniacenſer und die Thebaſe⸗
ner. Galatien berührt auch den Bazirk Cabalia in Pam⸗
phylien, das Gebiet der Milher, welche um Baris [96
Bartıh] wohnen, den Cyllantiſchen und den Orvandiſchen
Brzirk in Piſidien und den Theil von Lycaonien, welcher
Obigene beißt. Die Fluͤſſe Galatiens find, außer den ſchon
erwähnten, *) der Gangarium [Gacaria] und der Gallus
ſGatipo], von dem die Priefter der Böttermutter [Eybelr]
ihren Namen erhalten haben.
ALU 4. Wir kehren num zu der noch übrigen Kür
ſtenſtrecke zurüd. Bom Gius an folgt im Innern Wie
thyniens Pruſa |Burfa] am Fuße des Olympus, von Han⸗
uibal erbaut; von da nach Nicäa [Yenit] ſind 35,000 Schritte
(6 M.]: dazwiſchen liegt der See Ascanius [Fsnikl. Dann
kommen Nicãa am Ende des Ascaniſchen Bufens., wuicdhes
. 7) Nämlich den Eayfrus, Noyndaeus, Eioe 1, f. w.
1
574 | €. Plinius Naturgefchichte.
früher Olbia hieß, und ejn anderes Pruſa [USEnbi] am
Berge Hypios. Hier lagen auch Pythopolis, Partheno⸗
polis und Coryphanta. 2. An der Küſte folgen die Flüfſe
Aefins, Bıyazon, Plataneus, Areus, Weferos und Gendos,
weiber auch Ehrnforrhoas heißt; Das Vorgebirg [Capo
Fagona], auf welchem forft die Stadt Megarice fand,
und von der, weil fle wie auf einem Sipfel lag, der Meer»
bufen den Ramen Graspedites [der gezipfelte] erhielt. Hier
flanden auch Aſtacus [Dlvadejit], weßhalb der Bufen aud)
der Uftacenifche beißt, und die Stadt Libyfia [Bebfe], wo
man nur noch das Grabmal Hannibals findet. In der
Tiefe des Buſens Liegt die berühmte Bithynifhe Stadt
Nicomedia [Fsnitmid]. Das Vorgebirg Leucatas [Akrita],
durch welches , der Aſtaceniſche Buſen gefchloffen wird, ift
von Nicomedien 37,500 Schritte [7'/: M.] entfernt. Nun
nähern fidy die Küften wieder einander. und bilden bie zum
Thrazifhen Bosporus [Straße ron Eonftantinopel] hin eine
Meerenge. In diefer liegt das freie Chalcedon [Kabiköil,
62,500 Schritte [12%] von Nicomedien. Es hieß früher
Proceraſtis, dann Colpuſa und fpater Stadt der Blinden,
weil feine Erbauer einen fo fchiechten Platz wählten, da
doch das nur fieben Stadien [21 Minuten] von ihr ent⸗
fernte Byzantium ein in jeder Beziehung vortheilhafterer
Dre war. 3. Sonft findet man nod im Inneren von
Bithynien Die Eovlonie Apamea, 9 die Agrippenſer, die
Fuliopoliten und Bithnnion [Boli], die Flüſſe Syrium,
*), Bon Apamea und Juliopolis war Kap. 40. 5. 3. bie Rebe,
Fünftes Buch. 378
Lapſtſas, Pharmacias, Alces, Crinis, Liläus, Scopius und
Hieras, welcher Bithynien von Galatien ſcheidet. Jenſeits
Ehalcedon lag Chryſopolis [Scutari) und weiterhin Ni-
copolis, nah dem jetzt noch der Meerbufen, in weldem
der Hafen des Amycus Liegt, benannt ifl. Weiter:
hin folgen das Vorgebirg Naulohum , der Tempel bes
Neptun zu Eftia [AlgiroJ. 4. Der Bosporus, welder
bier wieder Aſien von Europa durdy einen 500 Schritte
Tı2 Minuten] breiten Zwiſchenraum trennt, ift von Chal⸗
cedon 412,500 Schritte [2'/ M.] entfernt. Weiterhin kommt
die Mündung des Bosporus, welche an ber Stelle, wo
einft Phinopolis lag, 8,750 Schritte [1’ı M.] breit if.
Die ganze Küfte bewohnen die Thyner, das Innere
die Bithyner. Hier endet [das eigentlihe] Aflen, und
man zähle von dem Lyeifchen Meerbufen bis hieher 282
Völkerſchaften. Die Länge des Hellesponts und der Pros
pontis bis zu dem, Thraziſchen Bosporus beträgt nad)
unferer Angabe *) 239,000 Schritte [a7 M.]: Iſidorns
rechnet von Ehalcedon bis Sigeum 522,500 Schritte [64'/: M.].
XLIV. Die Inſeln in der Propontis find: vor Cyzicus
Elaphonneſus [Marmora], von weltber der Cyziceniſche
Marmor kommt, und die auch Neuris und Proconnefus
heißt. Dann folgen Ophiufa [Aphfla] , Ucanthus, Phöbe,
Scopelos, Porphyrione, Halone mit einer Stadt, Delphacia,
Dolydora und Artacäon mit einer Stadt. Nicomedien ges
genüber liegt Demonnefos [Papas Adafl]; ferner jenfeite
*) 9, 4, Rap. 24.
576 €. Plinius Naturgeihichte ic.
Heraclea, Bithynien gegenüber, Thynias [Kirpe], welche
die Barbaren Bithynia nennen. Berner find anzuführen:
Autiochia, Besbicos [Kalolygmno], Die der Mündung des
Ahyndacus gegenüber- legt und einen Umfang von 48,000
Schritten [3*/5 M.] bat; Eläa, die beiden Rhoduſſä, Ere
binthodes [Prota], Megale, Chalcitis (Barki] und Bi:
tyodes.
Roͤmiſche Profeiker
in
d
neuen Ueberſetzungen.
Herausgegeben
von
"88%. F. Taf el, Profeffor su Tübingen,
EN». Oſi tander, profeſſor zu Gtuttgart
und G. Schwab, Deram zu Stuttgart.
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Einhundert ſieben und ſechzigſtes Baͤndchen.
Te — eseú ——
Stuttgart,
Verlag der J. B. Mes! er'ſchen Buchhandlung.
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.@a [u ——— 2 .
Cajus Plinius Secundus
Naturgeſchichte.
| ueberſetzt und erläutert
von
Dr. Ph. H. Külb, |
Stadtbibliothekar zu Mainz,
Sechstes Bänden.
Stuttgart,
Berlag der I. B. Metz ler'ſchen Buchhandlung,
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RU 2 4 EP —— —⏑4 -_ —
Plinius Secundus Naturgefchichte,
Sechstes Bud.
Ueber die Lage der Länder, ihre Bewohner,
Meere, Städte, Häfen, Berge, Flüffe,
die Entfernungen der Orte voneinander,
und über die Völker, welde noch da
find, oder da waren.
[U 2
Inhalt.
Kap. I. Der Pontus und die Marpandiner. II. Die Paphla⸗
gonen. iñ. Die Cappadocier. IV. Die Themiscyrifche Lands
ſchaſt und die Bolkeſtäͤmme in derſelben. V. Die Eolifche Lands
ſchaft und die Stämme ber Achaäer, fo wie die Übrigen Voles⸗
Aämme in demſelben Striche. VI. Der Eimmerifche Bosporus, .
VII, Der Maͤotiſche See und die um benfelben wohnenden Volksſtaͤm⸗
me, VIII, Isage Cappadociens]J. 1X. Groß⸗ und KleinsArmenien,
X, Die Tıüffe Cyrus und Araxes. XI, Albanien, Iberien
unh bie daran ſtoßen den Bolkeſtaämme. XI. Die Kaukafiſche
682 C. Plinius Naturgeſchichte.
Pforte. XIII. Inſeln im Pontus. XIV, Die Wolksſtämme
vom Gcythifhen Ozean an. XV. Das Caſpiſche und Hyrcaniſche
Meer. XVI, Adiabene. xvii. Medien und die Caſpiſche —
XVIII. Volksſiämme um dad Hyrcaniſche Mer. XIX, Die
Seythifhen Stämme und ihre Lage vom Öfilichen Meere an.
xXX. Die Seren. XXL Die Inder, XXI. Der Ganges,
XXIII. Der Indue. XXIV, Taprobane. XXV, [Die Gedros
fier und die angrängenden Satrapien). XXVI Schifffahrt nad
Indien. XXVIL Carmanien. XXVIII. Der Perſiſche und
der Arabiſche Meerbuſen. XXIV. Die Partherreiche. XXX. Mes
fopotamien. XXXI. Der Tigris. XXXIL Arabien. XXXIIL
Der Bufen bes rothen Meeres. XXXIV. Troglobytice. XXXV.
Aethiepien. XXXVI, Inſeln des Aethioviſchen Meeres. XXXVII.
Bon den glückſeligen Inſeln. XXXVIII. Vergleichende Maaß⸗
beſtimmung ber Erde. XXXIX. Eintheilung der Erbe nad
Parallelkreiſen und gleichen Schattenlängen,
Summe ber Stäbte: 1195.
a der Vortsfläimme: 576.
der berfihmten Flüſſe: 115.
der berühmten Berge: 38.
der Inſeln: 108,
der verſchwundenen Städte und Volkeſtaͤmme: 95.
Summe aller Segenfiänbe, Geſchichten u. Bemerkungen: 2214.
—II
Quellen.
[Romiſche): M. Agrippa, M. Varro, Varro von Atace,
Corn. Nepos, Hyginus, L. Vetus, Mela Pomponius, Domitius
Eorbulo, Lieinius Mucianus, der Kaiſer Claudius, Arruntius,
Seboſus, Fabricius Tuscus, x, Livius, Seneca, Nigidius,
Sremde: Der König Jüba, Hecatäus, Hellanicnd, Damass
tes, Sudorus, Diekarchns, Bäton, Timofihenes, Patroeles, Des
mobamas, Glitarchus, Gratofihened , Alexander ber Große, Epho⸗
rus, Hivparchus, Pandtius, Callimachus, Artemidorus, Apollo⸗
borus, Agathoeles, Polybius, Eumachnd, Timdus aus Sizilien,
_ Sehstes Bud. 585
Alexander der Polmhiflor, Iſidorus, Amometus, Metroboruß,
Poſidonius, Oneſicritus, Nearchus, Megaftbenes, Diognetuß,
Ariſtoereon, Bion, Dalion, Simonides ber Jangere, Baſilis,
Zenophon von Lampſacus.
Bemerkungen über die in dieſem Bude
von Plinius benüsgten Quellen, *)
— » Agathoeles aus Babylon wird nur in dem
Dnellenverzeichniffe zu Diefem Buche genannt; die Stellen,
an wellhen ihn Plinius benützte, laſſen ſich nicht nachweiſen.
— Agrippa. Piinius henützt ihn fortwährend bei
faft allen Maßangaben; fo deſtimmt er nach ihm die Breite
des Schwarzen Meeres (Kap. 1. $. 3.) und der Gafpifchen
See (Kap. 15. $. 2.), die Länge der Weſtküſte dieſer See
(Kap. 15. $. 5.), die Länge und Breite Indiens (Kap. 21.
S. 2.) und Mediend, Parthiens, Perſiens und Mefopotas
miend (Kap. 51. S. 11.), die Länge des rothen Meeres
(Kap. 33. $.4.), die Länge und Breite Aethiopiens (Kap. 35.
F. 18.), die Größe des mittelländifhen Meeres (Kap. 58.
6. 2.) und Africa's (Kap. 38. $. 3.).
* Ulerander, der Große. Durd feinen Feldzug
nad) Indien wurde diefes Land bekannter (Kap. 21. $. 3.)
und die ihmbegleitenden Berichterftatter verfaßten eine große
*) Der Strih (—) vor einem Artikel zeigt an, daß don
dem Schriftſieller fchon bei einem oder mehreren der früs
beren Bücher die Nede war. Die Griedhifhen Autoren -
ſind mit einem Sternchen bezeichnet.
U, DI Tıı my „- NA) PN
m
584 C. Plinius Naturgeſchichte.
Reihe von Werken, deren Staubwürdigteit nicht immer ſehr ges
rühmt wird, und die bis auf wenige Bruchflüde verloren find
(vgl. G. E. 3. de SainteCroix, Examen ceritique des an-
ciens historiens d’Alexandre le Grand. Paris. 41804. 4.). Mis
nius nahm aus fölchen zu Teiner Seit noch vorhandenen Bes
richten bei der Beſchreibung Perfiens und Mediend (Kap. 46.
und 17.) mehrere Maßbeſtimmungen, fo wie die Bemerkung
CGap. 19. 5. 2.), daß das Wafler des Caſpiſchen Meeres
füß fey. Alexandern feibft werden audy Briefe über feinen In⸗
diſchen Feldzug zugelchrieben ; Plinius, derfie einmal (Kap. 21.
$. 7.) als Beleg einer Behauptung anführt, fhein®nicdht
an ihrer Aechtheit zu zweifeln,
— * Alexander, der Polyhiſtor, ift in diefem Buche
ebenfalls wohl häufig benützt; die Bemerkungen, weldye ihm
eutlehnt find, werden aber nicht näher bezeichnet.
* Amometusß, ein after Ethnograph, über deflen Les
bensverhältniffe wir nichts Näheres wiffen, und der, um Stoff
zu feinen geographiſchen Schriften zu fammeln, felbft Reifen
gemadıt zu haben fcheint (Antigoni Carystii Hist. Mirabil.
c. 464.); er verfaßte, wie wir in biefem Buche (Kap. 23.
$. 3.) erfahren, ein Werk über die Attacoren, ein norböfls
lidy von Indien, wohnendes Volt. Vgl. Aeliani hist. ani-
mal. XVIL, 6,
— * Apollodorus, weldhen Plinius hier nit näher
bezeichnet, iſt Derfeibe, von dem in der Einleitung zum
vierten Buche (S. 380) die Rede war. Seine Partbifche
Geſchichte wurde wahrſcheinlich in dieſem Buche haupftſäch⸗
lich benützt.
— *"Urifiocreon, ein nicht näher bekannter Geograph,
3
Sechstes Bud). ‚556
welcher Aethiopien bereiste (Kap. 35. $ 6.), und aus beffen
Schriften einige Nachrichten Über Aethiopiſche Stämme und
Städte in diefes Bud (Kap. 35. $. 13.) übergegangen find.
— Urruntius Aus feinem Werke über den Puni⸗
ſchen Krieg fcheinen mehrere Bemerkungen in dem Abſchnitt
Diefes Buches, weicher ſich mit Africa befchäftigt, entnommen
zu fon.
— *Artemidorus. Nach. ſeinen Angaben beftimmt
Plinius in diefem Buche die Größe des Eafpifchen Meeres
(Kap. 15. $. 2), die Entfernung zwifchen dem Ganges und
dem Fundus (Kap. 22. $. 7.), die Länge des rothen Meeres
(Kar. 33. $. 1.), die Entfernung zwifchen Syene und Meroe
(Kap. 36. $. 6.) und die Größe des mittelländifchen Mee⸗
red (Kap. 38. $. 2.). Auch ift,ihm eine Bemerfüng über
den WUelanitifhen Meerbufen (Kap. 32. $. 13.) entiehnt.
Aufidius. Diefem Schriftfleller, welher in dem
Werzeichniffe der in diefem Buche benüsten Quellen fehlt,
entnimmt Plinius die Beſtimmung der Größe Armeniens
(Kap. 10. $. 2.). Da es aber mehrere Autoren dieſes Nas
mens gibt, fo bleibt es ungewiß, welcher bier gemeint iſt:
ob Aufidins Baſſus, deffen Geſchichte der Bürgerfriege Plis
nins fortfegte (pgl. Einleitung, ©. 36), oder der Hiſto⸗
rider En. Auftding, welcher zu Cicero’s Zeit lebte und in
Griechiſcher Spradhe fchrieb (Cic. Tusoul. Quaest. 1. V. o. 38.)
Wahrſcheinlich ift jedoch die Rede von dem erfteren.
— 1 Bäton, einer. der Wegmeffer, welche Alexander
den Großen auf feinen Feldzügen begleiteten, und die Tage⸗
reifen des Heeres beftimmien (Athenaeus, 1. X. p. 442).
Sein Amtsgenoffe war ein gewifler Diognetus, mit welchem
“
584 €. Plinine chte.
Reihe von Werken, * Pe ‚mehr vorbandenen-„Beftims
rühme wird, m er, neh Aleranders“ (Zraguos
gl. 8. €. 5 Rt zu haben ſcheint. Aus dies
- zus mehrere Maßbeſtimmungen für
und die falfche Behauptung, daß
her in Indien der Polarftern zur
ciens histor
nius nahır
richten b
und 47 "zahre ſichtbar ſey (Rap. 22. 6. 6.).
(Kap. Brieifher Geograph, deffen Lebenszeit
füß bar —X —9 cin Werk über Indien in mehreren Bü—
dire —* 1.1X. p. 390.), und machte eine Reife
ss aien Rad. 35. $. 6.) , deſſen Größe er nach
an mongen der einzelnen Orte von einander genau
ven Oel en achte (vgl. Agatharchides ap. Photium, cod. 250.).
igIis von Soli in Eilicien, Griechiſcher Hiſtoriker,
aethiopien, welches er bereiste (Kap. 35. 5. 6.)
der IM mehr vorhandenes Werk ſchrieb. Ihm find in dies
Pr Buche die Aufzählung der Aethiopiſchen Gtädte an bei⸗
pen on Nitufern und mehrere Bemerkungen über Aethiopiſche
Samme (Rap. 35. $. 1, 3. 15. 45.) entlehnt.
— * Callimachus. Die Gtellen, welche aus ihm
in diefem Buche genommen worden, find nicht näher bezeichnet.
Elandius, der Kaifer, beſchäftigte ih gern mit der
Literatur und verfaßte mehrere Werke, von denen Beines auf
die Nachwelt gekommen ift. Als die bebeutendften nennt mar
feine Selbſtbiographie in acht Büchern und eine Geſchichte
Roms in einundvierzig Büchern, welde mit dem Brieden,
den Auguſtus der Nömifhen Welt gab, begann (dgl. Buc-
ton. in Claudio cap. 44. 42.). Dieſer Geſchichte vielleicht
— Diefem Buche die Beflimmungen der Länge, und
—— Sechstes Bud. ‚587
Breite Armeniens (Kap. 10. $. 2.) und der Größe der Land:
ftredde zwifchen dem Eimmerifchen Bosporus und dem Eafpis
fen Meer (Kap, 12. 6. 2.), fo wie eine Bemerkung über
Die Flüſſe Arfanias und Zigrie (Kap 31. $. 3.) entnommen. .
— * Clitarchus, ein wenig zupverläffiger Hiſtoriker,
welcher Alexander den Großen auf ſeinen Feldzügen beglei⸗
tete. Plinius neunt ihn als Quelle der Behauptung, das
das Caſpiſche Meer nicht kleiner ſey, als der Pontus
(Kap. 45, $. 1.), fo wie einiger fabelhaften Nachrichten über
mehrere Infeln des Wethiopifchen Meeres (Kap. 36. $. 4.)
&orbulo (Cu. Domitius), ausgezeichneter Nömifcher
Feldherr, weldyer unter der Regierung der Kaifer Elaudins
und Nero lebte, und im J. 38 nah Ehr. Eonful war. Er
erwarb ſich als Heerführer in @ermanien und im Orient
—
durch feine Umſicht und Tapferkeit großen Ruhm, und war
auch als Geſchichtſchreiber ſeiner Feldzüge geachtet. Die
Gegenden, wo er Krieg führte, wurden von ihm genau be⸗
fchrieben, und Situationskarten nah Nom geſchickt (Kap. 15.
5.6). Aus feinem nit auf bie Nachwelt gekommenen
—
- ’
. *
ne
-..
D
r
Werke nahm Plinius viele feiner Nachrichten über Armenien .
und die angrenzenden Länder (Kap. 8.).
— Cornelius Nepos Nah ihm wird in diefem
Buche die Größe der Landfirede zwifhen dem Schwarzen
—
.
.
und dem Caſpiſchen Meere beftimme (Kap. 12. $. 2.), audy
eine Bemerkung über die Inſel Gerne mitgetheilt (Kap. 36. :-
6. 2.). Seine Behauptung, daß die Veneter in Italien von
den Henetern in Paphlagonien abflammen, findet Plinius
(Kap. 2. $. 1.), der Überhaupt die Glaubwürdigkeit diefes
Schriftftellers nie. ſehr rühmt, bedenklich.
' p
686 €, Plinius Naturgefchichte.
er auch gemeinſchaftlich Die nicht mehr vorbandenen-„Beftims
mungen der Zagmärfche des Heeres Wleranders“ (Zraguos
ens Alttardgov zogeias) verfaßt zu haben fcheint. Aus dies
fem Werke fchöpfte Plinius mehrere Maßbeſtimmungen für
Indien (Kap. 21. $. 6.) und die falfche Behauptung, daß
in dem Lande der Guarer in Indien der Polarftern nur
fünfzehn Tage im Jahre fihtbar fen (Kap. 22. 6. 6.).
»Baſilis, Griechiſcher Geograph, deflen Lebengzeit
ungewiß iſt, ſchrieb ein Werk über Indien in mehreren Bü⸗
chern (Athenaeus 1. IX. p. 390.), und machte eine Reiſe
durch Wethigpien (Kay. 35. $. 6.), deſſen Größe er nad
den Entfernungen der einzelnen Orte von einander genau
zu beftimmen ſuchte (vgl. Agatharchides ap. Photium, cod. 250.).
*Bion von Soli in Eilicien, Griechifcher Hiftoriker,
der über Aethiopien, welches ex bereiste (Kap. 55. $. 6.),
ein nicht mehr vorhandenes Werk fchrieb. Ihm find in dies
fem Buche die Aufzählung der Aethiopiſchen Städte an beie
den Nitufern und mehrere Bemerkungen über Aethiopiſche
Stämme (Ray. 35. $. 1, 3. 15. 15.) entlehnt.
— * Callimachus. Die Gtellen, weldhe aus ihm
in diefem Buche genommen worden, find nicht näher bezeichnet.
Claudius, der Kaifer, beſchäftigte ſich gern mit der
Literatur und verfaßte mehrere Werke, von denen Beines auf
Die Nachwelt gekommen ift. Als die bedeutendften nennt man
feine Gelbfibiographie in acht Büchern und eine Gefchichte
Roms in einundvierzig Büchern, weldhe mit dem Frieden,
den Auguflus der Nömifhen Welt gab, begann (vgl. Sue-
ton. in Claudio cap. 41. 42.). Diefer Geſchichte vielleicht
find in Diefem Bude die Beflimmungen der Länge, und
_ Sechstes Bud. 587
Breite Armeniens (Kap. 10. $. 2.) uud der Größe der Lands
ſtrecke zwifchen dem Eimmerifchen Bosporus und dem Eafpis
fhen Meer (Kap. 12. $. 2.), fo wie eine Bemerkung über .
Die Fläffe Arfanias und Zigrie (Kap 31. $. 3.) entnommen.
— + Elitarchus, ein wenig zuverläfliger Hiſtoriker,
welcher Alexauder den Großen auf feinen Feldzügen begleis
tete. Plinius nennt ihn als Quelle der Behauptung, das
das Caſpiſche Meer nicht Eleiner fen, als der Pontus
(Rap. 45, $. 1.), fo wie einiger fabelhaften Nachrichten über
mehrere Infeln des Wethiopifchhen Meeres (Kap. 36. $. 4.)
Corbulo (Cu. Domitius), ansgezeichneter Nömifcher r;:
Feldherr, welcher unter der Regierung der Kaifer Elaudins
und Nero lebte, und im J. 38 nad) Ehr. Eonful war. Er
erwarb ſich als Heerführer in Berımanien und im- Orient '.
t
durch feine Umſicht und Tapferkeit großen Ruhm, und war :
auch als Gefchhichhtfchreiber feiner Feldzüge geachtet. Die
Gegenden, wo er Krieg führte, wurden von ihm genau bes
fchrieben, und Situationskarten nach Rom geſchickt (Kap. 15.
9.6). Aus feinem nicht auf die Nachwelt gekommenen ;-
Werke nahm Plinius viele feiner Nachrichten über Armenien
und die angrenzenden Ränder (Kap. 8.).
— Eornelius Nepos. Nah ihm wird in diefem
— ”
s .
L,
Buche die Größe der Landfirede zwifden dem Schwarzen -
und dem Caſpiſchen Meere beftimme (Kap. 12. $. 2.), auch
eine Bemerkung über die Inſel Gerne mitgetheilt (Kap. 36. : -
$. 2.). Seine Behauptung, daß die Beneter in Italien von
—
den Henetern in Paphlagonien abſtammen, findet Plinius
(Kap. 2. $. 4.), der überhaupt die Glaubwürdigkeit diefes
Scyriftftellers nie. fehr rühmt, bedenklich.
576 €. Plinius Naturgeſchichte ic.
Header, Bithynien gegenüber, Thynias [Kirpe], welche
die Barbaren Bithynia nennen. Berner find anguführen:
Untiedia, Besbicos Kalolymno)]), die der Mündung des
Rhyndacus gegenüber legt und einen Umfang von 18,000
Schritten [5’/5 M.] hat; Elia, die beiden Rhoduſſa, Ere⸗
biuthodes [Prota], Megale, Ehalcitis Barki] und Pi:
tyodes.
Roͤmiſche Proſaiker
in
J s
neuen Ueberſetzungen.
Herausgegeben
von
8.2 8. Tafel, Peofefor zu Tübingen,
ER. v. Dfiander, Proſeſſor zu Stuttgart,
m G.Schwab, Deran zu Stuttgart.
Einhundert fieben und ſechzigſtes Bändchen.
a — —
Stuttga et,
Verlag der IB Meg ler'ſchen Buchhandlung.
1842.
| Cajus Plinius Secundus
Naturgeſſchichte.
ueberſetzt und erläutert
vom
Dr. Ph. 9. Rülb, |
Stadtbibliothekar zu Mainz.
Sechstes Bändchen.
Stuttgart, |
Berlag der J. B. Metz ler'ſchen Buchhandlung,
1842.
Ninins Secundus Naturgefchichte,
Schstes Bud.
Ueber die Lage der Länder, ihre Bewohner,
Meere, Städte, Häfen, Berge, Zlüffe,
die Entfernungen der Orte voneinander,
und über die Völker, welche noch da
find, oder da waren. j
Inhalt.
Kap. I. Der Pontus und die Marpandiner, II Die Paphla⸗
zonen. III, Die Gappabocier. IV. Die Themiscyrifhe Lands
Haft und die Wolksftämme in derſelben. V. Die Coliſche Lands
haft und bie Stämme ber Acker, fo wie die Übrigen Volks⸗
lämme in demfelben Striche. VJ. Der Eimmerifche Bosporus,
/U. Der Maͤotiſche See und bie um denfelben wohnenden Volksſtaͤm⸗
ne, VIII [&age @appabsciens]. 1X. Großs und Klein:Armenien.
L Die Slſſe Eyrus und Araxes. XI. Albanien, Iberien
mb Die daran flopenden Volkeſtäͤmme. XI, Die Kankafifche.
582 €. Plinius Naturgefchichte,
Pforte AT. Inſeln im Pontus. XIV. Die Wolksſtamme
vom Gcythifhen Ozean an. XV. Das Eafpifhe und Hyrcanifche
Meer. XVI, Adiabene. XVII. Medien und die Eafpifche Pforte.
XVIII. Volksſtämme um dad Hyrcaniſche Meer... XIX. Die
Seythifhen Stämme und ihre Lage vom öſtlichen Meere am.
XX. Die Seren. XXI. Die Inder. XXI Der Ganges,
XXIII. Der Indue. XXIV, Taprobane. XXV, [Die Gebros
fiee und die angrängenden Satrapien). XXVI. Scifffahrt nach
Indien. XXVII. Carmanien. XXVUI Der Perfiihe und
der Arabifche Meerbufen. XXIV. Die Partberreihe. XXX. Mes
fopotamien. XXXI. Der Tigris. XXXII. Arabien. XXXTL
Der Bufen des rothen Meered. XXXIV. Troglodytice. XXXV.
Aethiopien. XXXVJ, Inſeln des Aethioviſchen Meeres. XXXVIL,
Bon den glücfeligen Infen. XXXVIII. Vergleichende Maaß⸗
befiimmung der Erbe. XXXIX. Gintheilung ber Erde nach
Daralleltreifen und gleichen Schattenlängen.
Summe ber Stäbte: 1195.
3 der Volkeſtaͤmme: 576,
der berſihmten Flüſſe: 115.
der berühmten Berge: 38.
der Inſeln: 108.
s ber verfchwundenen Städte und Wolkäftämme: 95.
Summealler Segenfiände, Sefchichten u. Bemerkungen: 2214.
“
va
(Römifhe): M. Agrippa, M. Varro, Barro von Atace,
Corn. Nepos, Hyginne, 2. Vetus, Mela Pomponius, Domitius
Corbulo, Licinius Mucianus, der Kaiſer Claudius, Arruntius,
Seboſus, Fabricius Tuſscus, T. Livius, Seneca, Nigibdius.
Fremde: Der König Jüba, Hecatäus, Hellanicus, Damass
tes, Eudoxus, Dikäarchus, Bäton, Timoſihenes, Patroeles, Des
modamas, Clitarchus, Eratoſthenes, Alexander der Große, Epho⸗
rus, Hivparchus, Pandtius, Callimachus, Artemidorus, Apollos |
*. Ügathocies, Polybins, Cumachus, Timaͤus aus Sizilien,
_ Sechstes Bud. 685
Alexander der Polphifor, Iſidorus, Amometus, Metrodorus,
Poſidonius, Dneficritus, Nearhus, Megaftbenes, Diognetus,
Ariſtoereon, Bion, Dallon, Gimonibes der Tüngere, Baſilis,
Zenophon von Lampſacus.
%
Bemerkungen über die in diefem Bude
von Plinius benügten Quellen. *)
— » Agathoeles aus Babylon wird nur in dem
Dnellenverzeichniffe zu diefem Buche genannt; die Stellen,
as welthen ihn Plinius benützte, laſſen ſich nicht nachweiſen.
— Agrippa. Plinius benägt ihn fortwährend bei
faft allen Maßangaben; fo beſtimmt er nach ihm die Breite
des Schwarzen Meeres (Kap. 1. $. 3.) und der Bafpifchen
See (Kap. 15. $. 2.), die Länge der Weſtküſte dieſer Gee
Kap. 15. $. 5.), die Länge und Breite Indiens (Kap. 21.
G. 2.) und Mediend, Parthiend, Perfiens und Mefopotas
miend (Kay. 51. $. 11.), die Länge des rothen Merres
(Kap. 33. $.1.), die Länge und Breite Aethiopiens (Kap. 35.
©. 18.), die Größe des mittelländifhen Meeres (Kap. 38.
S. 2.) und Africa's (Kap. 38. $. 3.).
Alexander, der Große. Durch feinen Felding
nady Indien wurde diefes Land bekannter (Rap. 21. $. 5.)
und die ihmbegleitenden Berichterftatter verfaßten eine große
”) Der Strih (—) vor einem Artifel zeigt an, daß don
dem Schrififieler fchon bei einem ober mehreren der früs
beren Bücher die Rede war. Die Griechiſchen Autoren -
ſind mit einem Sternchen bezeichnet.
584 C. Pinius Naturgeſchichte.
Reihe von Werten, deren Glaubwürdigkeit nicht immer ſehr ges
rühmt wird, und die bis auf wenige Bruchſtücke verloren ſind
(vgl. G. E. J. de SainteCroix, Examen oritique des an-
ciens historiens d’Alexandre le Grand. Paris. 1804. 4... Wis
nius nahm aus fälchen zu Teiner Zeit noch vorhandenen Bes
richten bei der Beſchreibung Perfiens und Mediend (Kap. 16.
und 47.) mehrere Maßbeſtimmungen, fo wie die Bemerkung
(Rap. 19. 6. 2.), daß das Wafler des Caſpiſchen Meeres
füß ſey. Alexandern ſelbſt werden auch Briefe über feinen Ins
difhen Feldzug zugeſchrieben; Pliniug, derfleeinmallKap. 21.
$. 7.) als Beleg einer Behauptung anführt, fhein®nicht
an ihrer Aechtheit zu zweifeln,
— * Alexander, der Polyhiſtor, if in diefem Buche
ebenfalls wohl häufig benüst ; die Bemerkungen, welche ihm
entlehnt find, werden aber nicht näher bezeidmet.
*Amometus, ein after Eihnograph , Über deffen Les
bensverhältniffe wir nichts Näheres wiffen, und der, um Stoff
zu feinen geographifchen Schriften zu fammeln, felbft Reifen
gemacht zu haben fcheint (Antigoni Carystii Hist. Mirabil.
0. 464.); er verfaßie, wie wie in dieſem Bude (Kap. 25.
$. 3.) erfahren, ein Werk über die Attacoren, ein norböfts
lid) von Indien wohnendes Vol. gl. Aeliani hist. ani-
mal. XVII, 6.
— * Apolloborus, weldyen Plinins bier nit näher
bezeichnet, ift Derfeibe, von dem in der Einleitung zum
vierten Buche (S. 380) die Rede war. Seine Parthiſche
Geſchichte wurde wahrſcheinlich in dieſem Buche haupftſäch⸗
lich benützt.
— Ariſtocreon, ein nicht näher bekannter Geograph,
Sechstes Bud). ‚585
welcher Yethiopien bereiste (Kap. 55. & 6.), und ans deffen
Schriften einige Nachrichten über Aethiopiſche Stämme und
Städte in diefed Bud (Kap. 35. $. 13.) übergegangen find.
— Arruntius Aus feinem Werke über den Punis
fdien Krieg Icheinen mehrere Bemerkungen in dem Abſchnitt
dieſes Buches, welcher fidy mit Africa beſchäftigt, entnommen
zu fon.
— * Artemidorud Nach. feinen Angaben beſtimmt
Plinius in diefem Buche die Größe des Eafpifcdyen Meeres
(Kap. 15. $. 2), die Entfernung zwifchen dem Ganges und
dem Fudus (Kap. 22. $. 7.), bie Länge des rothen Meeres
(Kar. 33. $. 1.), die Entfernung zwifchen Syene und Meroe
(Kap. 35. $. 6.) und bie Größe des mittelländifchen Mees -
res (Kap. 38. 9. 2). Auch iſt ihm eine Bemerfung über
den Aelanitiſchen Meerbufen (Kap. 32. $. 13.) entlehnt.
Aufidius. Diefem Schriftfieller, welcher in dem
Verzeichniſſe der in diefem Buche benüsten Quellen fehlt,
entnimmt Plinius die Beſtimmung der Größe Armeniens
(Kap. 10. $. 2). Da es aber mehrere Antoren diefes Nas
mens gibt, fo bleibt es ungewiß, welcher bier gemeint if:
ob Aufidins Baffus, deffen Geſchichte der Bürgerkriege Plis
nius fortfegte cpgl. Einleitung, ©. 36), oder der Hiſto⸗
rifer Eu. Auſidius, welcher zu Cicero’s Seit lebte und in
Griechiſcher Sprache ſchrieb (Cio. Tusoul. Quaest. 1. V. o. 38.).
Wahrſcheinlich ift jedoch die Rede von dem erfteren.
— * Bäton, eier. der Wegmefler, welche Alerander
den Großen auf feinen Feldzügen begleiteten, und die Tages
reifen des Seeres beflimmten CAthenaeus, 1. X. p. 442).
Sein Amtsgenofie war ein gewifler Diognétus, mit welhem
‘ 4
686 C. Plinius Naturgefchichte.
er auch gemeinſchaftlich die nicht mehr vorhandenen-„Beflims
mungen der Zagmärfche des Heeres Alexanders“ (Zraguos
ers Alttaröpov zrogeias) verfaßt zu haben ſcheint. Aus dies
fem Werke fchöpfte Plinius mehrere Maßbeſtimmungen für
Indien (Kap. 21. $. 6.) und die falfche Behauptung, daß
in dem Lande der Guarer in Indien der Polarſtern nur
fünfzehn Tage im Jahre fihtbar fey (Kap. 22. S. 6.)
»Baſilis, Griechiſcher Geograph, deffen Lebenszeit
ungewiß iſt, ſchrieb ein Werk über Indien in mehreren Bü⸗
chern (athenneus 1. IX. p. 390.), und machte eine Reife
durch Wethigpien (Kap. 35. $. 6.), deſſen Größe er nad)
den Entfernungen der einzelnen Orte von einander genau
zu beftimmen ſuchte (vgl. Agatharchides ap. Photium, cod. 250.).
* Bion von Soli in Eilicien, Griechiſcher Hiftoriker,
der über Aethiopien, weldyes er bereiste (Kap. 35. 6. 6.),
ein nicht mehr vorhandenes Werk ſchrieb. Ihm find in dies
fem Bude die Aufzählung der Aethiopiſchen Städte an bei⸗
den Nilufern und mehrere Bemerkungen über Aethiopifche
Stämme (Kap. 35. $. 1, 3. 15. 45.) entlehnt.
— * Callimachus. Die Gtellen, weldhe aus ihm
in diefem Buche genommen worden, find nicht näher bezeichnet.
Claudius, der Kaifer, befchäftigte ſich gern mit der
Literatur und verfaßte mehrere Werke, von denen eines auf
die Nachwelt gekommen iſt. Als die bedeutendſten neunt man
feine Selbſtbiographie in acht Büchern und eine Gefchichte
Roms in einundvierzig Büchern, weldhe mit dem Frieden,
den Auguflus der Römiſchen Welt gab, begann (vgl. Sue-
ton. in Claudio cap. 41. 42.). Diefer Geſchichte vielleicht
find in diefem Buche die Beſtimmungen ber Länge, und
-
—— Sechstes Bud. ‚587
Breite Armeniend (Kap. 10. $. 2.) und der Größe der Land:
ſtrecke zwifchen dem Cimmeriſchen Bosporus und dem Eafpis
fen Meer (Kap. 12. $. 2.), fo wie eine Bemerkung über
die Flüſſe Arfaniad und Tigris (Kap 31. $. 3.) entnommen. .
— * Clitarchus, ein wenig zuverläfilger Hiſtoriker,
welcher Alexander den Großen auf feinen Beldzügen begleis
tete. Plinius nennt ihn ald Quelle der Behauptung, das
das Caſpiſche Meer nicht Peiner fey, als der Pontus -
(Rap. 15, $. 1.), fo wie einiger fabelhaften Nachrichten über
mehrere Inſeln des Wethiopifchen Meeres (Kap. 36. $. 4.)
Eorbulo (En. Domitius), amsgezeichneter Nömifcher r
Zeldherr , welcher unter der Regierung der Kaifer Claudius PR
und Nero lebte, und im J. 38 nach Ehr. Eonful war. Er
erwarb fid als. Heerführer in Bermanien und im Drient '.
durch feine Umficht und Zapferkeit großen Ruhm, und war --
auch als Gefchichtfchreiber feiner Feldzüge geachtet. Die
Gegenden, wo er Krieg führte, wurden von ihm genau bes
ſchrieben, und Situationskarten nad Rom geſchickt (Kap. 45.
4
$. 6). Aus feinem nicht auf die Nachwelt gekommenen
Werke nahm Plinius viele ſeiner Nachrichten über Armenien
und die angrenzenden Länder (Kap. 8.).
— Cornelius Nepos. Nach ihm wird in dieſem
Buche die Größe der Landſtrecke zwiſchen dem Schwarzen
und dem Caſpiſchen Meere beſtimmt (Kap. 12. $. 2.), auch
574
eine Bemerkung über die Inſel Cerne mitgetheilt (Kap. 36.
6. 2... Seine Behauptung, daß die Beneter in Italien von;
Den Henetern in Papblagonien abflammen, findet Plinius .
(Kap. 2. $. 1.), der überhaupt die Glaubwürdigkeit diefes
Schriftftellers nie. ſehr rühmt, bedenklich).
588 C. Plinius Naturgefchichte,
Dalion, unbekannter Geograph, welcher auf feinen
Breifen zuerſt weit über Meros hinauskam (Kap. 35. $. 6.),
and deffen Schriften Plinius mehrere Nachrichten über das
innere Africa's (Kap. 35. $. 16. 17.) entnahm. Ob der
uch untefannte Botaniker Dalion (vgl. B. XX. Kap. 73.)
on diefem Geographen verſchieden ift oder nicht, läßt ſich
iht beflimmen. J
— »Damaſtes. Plinius nennt dieſen Hiſtori ker
nr in dem Schriftſtellerverzeichniſſe zu dieſem Buche, ohne
ie Stellen, wo er ihn benützte, näher zu bezeichnen.
« Demodamas, Zeldherr des Königs Eelencus und
eines Gohnes Autiochns; überfchritt zuerſt den Jaxartes
nd überzeugte ſich, daß dieſer Fluß von dem, Tanais ver⸗
iſchieden fty (vgl. Solin. Polyhiet. &. 49.). Plinius erzähle
auch (Kap. 18. $. 4.) diefe Thatfache, und fügt hinzu, daß
er dem Berichte tiefes Demodamas bei der Beſchreibung
des Landes der Sogdianer folge. Demodamas ſchrieb außer⸗
em ein Werk über die Stadt Halicarnaſſus, weßhalb ihn
anche Demodamas von Halicarnaſſus nennen (Athenaei
!Deipnosoph. 1. XV. p. 682.).
— + Dikäarchus. An welchen Gtellen des festen
Buches die Schriften dieſes Geographen benüpt find, laͤßt
‚ih nicht nachweiſen, ˖da er nur im Allgemeinen ats Quelle
"bezeichnet wird.
| Diognetus, einer der Wegmeller, weldye Alexander
den Großen auf feinen Keldzügen begleiteten (Kap. 21.
9.6) ©. Baͤton. .
" * Dionyfins Plinins nennt öfter zwei:@eographen
‚diefes Namens. Der Eine, nady feiner Vaterſtadt Dionpfins
Sechstes Buch. 589
von Eharar genannt (Kap. 31. 6. 12), fol von Auguſtus
nach Armenien gefchickt worden feyn, um dieſes Land zu
unterfucyen (Kap. 34. $. 14). Man legt Diefem gewöhn:
lich die noch vorhandene metriſche Periegeſis bei, obſchon
der Verfaſſer derſelben ſelhſt ſagt Av. 708 394.), daß er we
‚Reifen gemacht habe. Das Lehrgedicht gehört alfo wahr: *
ſcheinlich einem jüngeren Dionyſius au. Der andere Diond⸗ ie”,
‚find begleitete Ulerander deu Großen auf feinen Zeldzügen -" *
and wurde von Ptolemäus Philadelphus nah Indien ge
ſchikt, um über bie Bewohner diefed Landes Nachrichten zu *
ſammeln (Kap. 21. $. 3.). Val. die Bemerlungen zu den’;
Quellen des vierten Buchs, ©. 385, 584. u)
Domitius Eorbulo © Corbulo. rn
— * Ephorns von Eumd. Aus einer feiner Schrifter
nahm Plinius einige Bemerkungen über die Infeln im Ye
tbiopifchen Meere (Kap. 36. $. 1. 2.). ir
— Eratoſthenes. Auch in dieſem Buche far
. eine der am häufigiten benügten Quellen. Plinius entlehn: --
ihm die Beſtimmung der Breite des Schwarzen Meere -
(Kap. 1. 8. 3.), der Größe der Eafpifhen Eee (Kap. 15
$. 4. Vgl. Strabo, 1. XI. e. 6., wo ſich die von Plinins - .
erwähnte Stelle erhalten hat), der Länge der Wertküft:
Borderindiens (Kap. 21. $. 1.), des. Umfangs des Perfiiher .
Meerbuſens (Kap. 28. $. 1.), der Länge des rothen Mee
res (Kap. 35. $. 4.) und der ‚Entfernung zwifchen Enen °
und Meroe (Kap, 35. $. 6.), fo wie eine Bemerkung übe
Die Größe der Inſel Taprobane (Kap. 24, $. 2.): Eratoſthe
nes war.aud) der Erſte, weidher aus der Bröße der Schatten
»
590 €. Plinius Naturgefchichte.
an verfchiedenen Orten den Umfang der Erbe zu berechnen
verfuchte.
— * Eudorus wird in Diefem Bude nur einmal
als Quelle einer Bemerkung über die Inſeln im Aet hiopi⸗
fchen Meere (Kap. 56. $. 4.) genannt.
— * Eunmadnsı wird unter den bei diefem Buche bes
nügten Quellen genannt ; die einzelnen. Bemerkungen, welche
ans feinen Schriften gefloffen find, werden aber nicht näher
bezeichnet.
— Sabricins Tuscus. Diefer uns unbekannte
Schriftfteller wird andy in diefem Bude benützt; Plinius
madyt ihn aber nur in dem Quellenverzeichniffe, und nie
bei irgend einer befonderen Bemerkung ald Gewährsmann
namhaſt.
— * Hanno. Plinius nennt zwar dieſen Reiſenden
in dem Quellenverzeichuiffe zu dieſem Buche nicht, führt
aber doch eine Bemerkung von ihm über Die Gorgoneninfeln
(Kap. 56. $. 4.) an, welde man am Ende ber nody vor⸗
handenen Griechiſchen Bearbeitung ſeines Tagebuches findet.
Hekataäus. Plinius ſcheint in dieſem Buche nicht
den bekannten Hiſtoriker Hekatäus von Milet, von welchem
bei dem Quellenverzeichniſſe zum vierten Buche (©. 886)
die Rede war, ſondern einen andern Hekatäus von Abdara,
weicher mit Alexauder dem Großen erzogen wurde, oder ihn
nady Allen begleitete, zu bezeichnen. Denn er uennt ihn
(Kap. 20. 8. 3.) als Verfaffer eines Buches Über die Hy⸗
perboreer (mens cüv Y'zrepßoptan), welches der Scholiaſt des
Apollonius von Rhodus (LI, 677.) ausdrädlich dem Hetatäns
a zuſchreibt (vgl. Aclian. XI, 4.). Derfelbe He⸗
| ’
Sechstes Bud. 594
Batäus fell auch ein Werk über füdifde Alterthümer (rg:
"Tovdaley Bıßllev Oder "Iovdalur sarogia, dgl. Origenes contra
Celsum I. p. 13. Euseb. praepar. evangel. 1, III. p. 259. ed.
Steph.), fo wie auch eine Schrift über Abraham nud Aegvp⸗
ten (Clem. Alex. Strom. 1. V. p. 717. ed. Potter. Diedor. ic.
L, 47. Pietarch. de Iside et Osiride. Opp. ed. Reiske. T. VII.
- p. 392.) verfaßt Haben. Die wenigen Bruchſtücke der Werke
des Hekatäus von Ubdera, welche anf unfere Beitgefommen -
find, Hat Petr. Sorn (Halae. 1750. 8.) herausgegeben.
— * Hellanicns ans Mitylene. Er ſteht in dem
VBerzeichniffe der in dieſem Buche benüsten Quellen; die °°
ihm entichnten Bemerkungen find aber nicht näher bezeichnet.
— Hipparchus. Wahrſcheinlich benüste ihn Pli⸗
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nins bei aftronomifhen Angaben, obfchon er ihn bei feiner. - -
befonderen Bemerkung, fondern nur in dem Inhalts verzeich⸗
niffe im Allgemeinen als Quelle nennt.
— Hyginus (E. Julius) wird auch nur im Quellen
derzeichniffe angeführt... Wie Stellen, bei welchen er benũdt E
wurde, laffen ſich nicht nachweiſen.
— * Fridorns von Charax. Er wurde in diefem
Bude wohl am meiſten bii der Beſchreibung Parthiens
benũtzt.
— * 9u ba. Eeine zahlreichen Schriften dienen als
Hauptquelle bei dieſem Buche, welches uns über einige ders
felben näheren Aufſchluß gibt. So erfahren wir. (Kap. 26.
6. 1.), daß er den Bericht des Oneflcritus und des Near⸗
chus (dgl. diefe Art.) von der Fahrt der Flotte Aleranders
des Großen von Indien nad dem Perſliſchen Meerbufen
abkürzend bearbeitete; daß er ein Werk Über den Kt '"-
592 C. Plinius Naturgeſchichte.
des Kaiſers Elaudius nach Arabien ſchrieb (Kap. 31. $. 44.),
und daß er wmehrere Inſeln (vielleicht Lancerota and Forta⸗
ventura) entdeckte, auf welchen er eine Purpurfärberei an-
legte (Kap. 36. $. 4.). Die erwähnte Bearbeitung des Ber
richts Des Queſicritus ſcheint, wie wenigſtens bie von Plis
nius aus ihr mätgetbeilten wenig genauen Angaben vermu⸗
then laſſen, ſehr flüchtig und vielleicht uur nach einem un⸗
vollſtändigen Exemplar gemacht geweſen zu ſeyn. Bgl.
P. F. J. Gosselin, Geographie des Gröcs analysee. Paris 1790.
4. p- 25.). Plinins folgt Juba hauptſaächlich bei der Bes
fhreibung Arabiens (Kap. 31. $. 14.), befonders an ber
Küfte des Perfifhen Meerbufeus (Kap. 32. 5. 7. 8.), der
Weſtküſte des rothen Meeres und Aethiopiens (Kap. 34.
und 35.); auch entnimmt er ihm die Bemerkungen über den
Aelanitifhen Meerbufen (Kap. 32. 6. 13.), Über die Stadt
Charar und ihren Wiedererbauer Paſines (Kap. 51. 5. 13.)
und über die glüdfeligen Infeln (Kap. 37. $ 2 3.)5 bie
Beflimmung der Länge der Fahrt auf dem Euphrat von
Eharar bis nad Babylon (Kap. 30. $. 7.) und des Umfangs
Arabien (Kap. 32. $. 43.), fo wie endlich die bemerkens⸗
werthbe Behauptung, daß man Wfrica umſchiffen könne
(Kap. 34. $. 6.). >
— Licinius Mucianusd. Die Stellew, an welden
Plinius diefen Geſchichtſchreiber benüste, ſind nicht näher
bezeichnet.
— Livius (Titus), Der dekannteſte aller Römiſchen
Geſchichtſcoͤreiber, wird auch in dem Quellenverzeichniſſe
dieſes Buchts genannt. Wäre nicht ein großer Theil feines
Sechstes Buch. 695
Werkes verloren, fo Tieße fi eine Nachweifung der ihm
entiehnten Stellen verfuchen.
— + Megaftbenes. Obſchon fi diefer Geograph
mehrere Jahre in Indien, wohin er von dem’ Syriſchen
Könige Seleucus Nicator zur Erneuerung des Bündniſſes
mit dem Beherſcher der Praſier geichickt worden war, aufs
bielt, fo wollen ihm doch Manche keine große Glaubwür⸗
digkeit zugeſtehen. Die Nachrichten, weldhe er in Indien
an den Höfen mehrerer Fürften fammelte (Kap. 21. ©. 3.)
legte er in einem nicht mehr vorhandenen Werke, weldes
Den Titel ’Ivdına führte, nieder. Plinins entlehnt ihm mehr
rere Bemerkungen über die Inſel Zaprobane (Kap. 24.
$. 4.) und Die unwahre Behauptung ‚daß an mehreren Ors
ten Indiens der Polarſtern nur fünfzehn Tage lang im.
Fahre ſichtbar fey (Kap. 22. $. 6.).
— Mela Pomponius. Uns feinem nod vorhande⸗
nen Werke geht hervor, daß Plinius es fortwährend vor
Angen hatte.
— 1 Metrodorns. Plinius benügte auch in tiefem
Buche deſſen nicht mehr vorhandene Geographie, und viels
Leicht andy deſſen nicht näher bekanntes Werk über Tigranes
(zepi Tıygayıv. Schol. ad Apollon. Rhod. IV, 133.).
Mucianus. ©. Licinins Mucianus.
*Nearchus von Leite, ein Feldherr Alexauders des
Sroßen, welder mit defien Zlotte von der Müntung des
Fundus nadı dem Euphrat geſchickt wurde, um die Küfte
Derfiens zu unterfahen. Ein Auszug feines Berichts über
Diele Reife (Kap. 26. $. 1.) bat ſich in Arrian’s Indifcher
€, Plinind Naturgeſch. 63 Bäche, 2
\
594. C. Plinius Naturgeſchichte.
Geſchichte erhalten. Plinins benützte ihn (oder vielmehr
nur einen Anszug Juba's. ©. d. Art.) bei der Befchrei-
bung von Sarmanien (Kap. 27.), und beflimmt nad) ihm
die Wegfirede vom Indus bid nad Babylon zur See und
auf dem Euphrat (Kap. 28. 6. 2.), fo wie auch die Entfer⸗
nung von Babylon bis zu dem Perfifchen Meerbuſen auf
Demfelben Fluſſe (Kap. 30. $. 7.)
Nepos Eornelind, S. Eornelius Repok. -
Nigidius Figulus (Yublius), berühmter Nature
forfcher und Aſtronom des Alterthums, lebte zu Eicero’s
Zeit, und war Diefem bei der Unterträdung der Verſchwö⸗
rung Cetilina’s behülflich. Gellius (Noet. Ati. IV, 9.) nennt
ihn ten gelehrteften Römer nad) Varro. Er war ein eifriger
Anhänger der Pythagoreiſchen Philoſophie, und galt als der
größte Aftrofog‘ feiner Zeit. Dem Anguſtus ſoll er am
Zage feiner Geburt feine künftige Größe vorausgefagt Has
ben (Cassius Dio XLV, 1. Sueton. Aug. 24.). Ron feinen
zahlreichen Schriften („De animalibus,“ of. Macrob. Satarn.
U, 22. Gell. N. A. VIE, 9. „De extis,“ cf. Gell. XVI, 6.
„De sphaera Baıbarica et Graecanica,“ „De Auguriie ‚“ „De
ventis,“ ef. Gell. II, 22. „Commentarii Grammatioi“) ift keine
auf die Nachwelt getommen. Plinius entiehnt ihm eine
Bemerkang Über die Dauer des längften Tages unter dem
fechsten Himmelstreife (Kap. 39. $. 7.).
— * Dneficritns, Befehlshaber des Admiratichiffe
der von Nearchus geführten Flotte Wleranders des Großen
auf der Fahrt vom Indus nad) dem Euphrat, fchrieb eine
Geſchichte der Feidzüge Aleranderd, aus welcher Juba (vgl.
DB. Art) bei Gecchichte der erwähnten Reife im Auszuge
—
Sechstes Bud). "596°
bearbeitete (Kap. 26. $. 1... Die Bellimmung der Weg⸗
firede vom Indus bis nad) Babylon (Kap. 38. $. 2.) und
der Entfernung von Babylon. bis zu dem Perfifchen Meer:
bufen (Kap. 30. $. 7.) find diefem Anszuge entlehnt.
— t Panätins. Was diefem Philofophen uud Hiftos
riker in diefem Buche entlehut wurde, möchte ſchwer zu er⸗
rathen ſeyn.
Patro ele s, Schiffführendes Königes Seleuens und
feines Sohnes Untiochus; machte Unterfuhungsreifen auf
dem Indiſchen Ocean. Gein Reiſebericht @in welchem er
ante Nachrichten über den Indiſchen Handel nad) dem Pons
ns Euxinus vermittelt des Oxus, und über das Eafpifche
Meer und bie in es mündenden Klüffe mittheilt, wurde im
Alterthum fehr gefhäpt. Die Nachricht des Plinius (Kap. 21.
6, 3.) , daB Pasrocled zur See nm Indien herum in das
Gafpifhe Meer gekommen fey, beruht auf einem Mißver⸗
ſtaudniſſe.
— * Potobius. Die ihm entlehnten Bemerkungen
über die Inſel Eerne (Kap. 36. 6. 2.) und über die Größe
des Mitteländiihen Meeres (Kap. 38. $. 4.) finden (ich
nicht in den noch ganz vorhandenen Büchern ſeiner Geſchichte.
— Poſidonius, von Apamea. Seine in dieſem
Bude (Rap. 24. $. 2.) mitgetheilte Anſicht, daß Indien das
erfte Zand weſtlich von Gallien ſey, iſt um ſo beachtungswer⸗
ther, als ſie im fünfzehnten Jahrhundert wieder auftauchte,
und eine der Urſachen der Entdeckung Amerika's ward.
Seboſus. S. Statius Sehofus.
Seneca (2. Annäus). Der Berſuch über ‚Indien,
2 . ‚2°
596 €. Plinius Raturgefchichte.
ans welchem Plinius die Zahl der Flüſſe nud Bolksſtämme
diefes Landes auführt (Kap. 21. $. 5.), befindet ſich nicht uns
ter den auf unfere Zeit gekommenen Schriften des bekanuten
Philoſophen.
Simonides der Füngere, ein Geograph, von dem wir
nichts wiſſen, als daß er fich fünf Jahre in Meros anfhielt,
und ein Wert über Aethiopien ſchrieb (Kap. 35. 6. 6.).
— Statins Seboſus. Aus den nicht mehr vor⸗
handenen Werken dieſes Gengraphen ſchöpfte Plinius feine
Bemerkungen üger die Entfernung Syene's von Meros
(Rap. 35. $. 6.), über die Infeln im Wethiopifhen Meere
(Kap. 36. $. A.) und über die glüdfeligen Juſeln (Kap. 37.
6. 1).
—— *Timäns, aus Tauromenium in Sicilien, wurbe
andy in diefem Bude benützt; die ihm entiehuten Stellen
find aber nicht näher bezeichnet.
— * Timofthened, Aus feinen geograpbifchen Schrif⸗
ten nahm Plinins Bemerkungen über die frühere Bedent⸗
famteit der Stadt Dioscurias (Kap. 5. $. 19, über bie
Größe des Rothen Meeres (Kap. 33. 6. 1.), über die Ent⸗
fernung Enene’s von Meroe (Kap. 35. $. 6.) und über bie
Inſeln im Wethiopifhen Meere (Kap. 36. $. 1).
— Barro (M. Terentius). Plinius folgt ihm bei ber
Beſchreibung des Caſpiſchen Meeres (Kap. 15. $. 3.), und
entiehnt ihm-eine fehr wichtige Nachricht Über den Waaren⸗
srausport aus Indien bis zum Schwarzen Meere (K. 19.8. 2.).
— Barro (9. Terentius) von Atace. Seine Weltbes
fyreibung lieferte dem Plinius auch in diefem Bude Nach⸗
richten, die aber nicht näher bezeichnet find.
Sechsſtes Buch. .897
— Betus C(ucius). Auch in dieſem Buche werben
die uns unbekannten Werke diefes Schriftſtellers nicht ges
nannt, ſondern wir erfahren nur, daß ſie benägt wurden.
* Kenopbon von Bompfacus. Ihm entlehnt Piis
nins eine Stelle über die Borgomeninfeln (Kap. 36. $. 3.),
und es wird dadurch wahrfcheinfich, Daß dieſer und unbe⸗
kannte Grieche ein Buch geographiſchen Inhalts fdyrieb.
. Kap. IK). 1. Auch der Pontus Euxinus, *) früher
feiner ungaftfreundlichen Wildpeit wegen Axenos [der uns
gaftfreundliche] genannt, dräugt fi durch den auffallenden
Neid der Natur , welche unaufhörlich der Gier bed Meeres .
nachgibt, zwifchen Europa und Uflen. Es war dem Ocean
nicht genug, die Erde umfhlungen und durch Bedeckung eis
nes Theils derfelben den unbewohnbaren Raum vergrößert
‚ zu haben; nicht genug, ſich durch zertrümmerte Berge Bahn
gebrochen, und, nachdem er Galpe, [Gibraltar] von Africa
Ioßgeriffen, weit größere Strecken, als er unberührt ließ,
überfiuthet zu haben; nicht genug, durch fein Eindringen
durch den Hellespont [Straße der Dardanellen], die Pros
pontis [Meer vou Marmora] gebildet und hier ebenfalls
Länder verſchlungen zu haben — audy noch von dem Bosporus
[Straße von Konftantinopel] aus ergießt er ſich unerfättlich
*) Wörtih: das gafffreundblihe Meer (jebt das
Schwarze Meer): ungaflfreundiih hieß es wohl
wegen ber Wildheit der es vor den Griechifchen Eolonien
umwohnenden ogrtariſchen Ber.
598° €, Plinius Naturgeſchichte.
in’ ein anderes ungehenres Waſſerbecken [dad Schwarze
. Meer], bis der Mäotifhe See [das Azoſ'ſche Meer] feinen
Raub mit dem immer weiter um ſich greifenden vereinigt.
2. Daß Diefes mur mit Widerfireben des Feſtlandes geidyab,
beweifen.die zahlreichen Meerengen und die fo Bleinen Trens
nungen bes widerflchenden natürlichen AZufammenbanges.
Sso ift der Hellespont nur 875 Schritte [21 Minuten] breit,
und über die beiden Bosporen [Straßen von Konflantinopel
und Kaffa] können fogar Ochſen fchwimmend kommen; wos
ber fie aud) beide ihren Namen *) haben. Ueberdieß beſteht
trog der Trennung immer hod) eine innige Verwandtfchaft z
denn man hört auf jeder Geite von, der anderen berüber
den Gefaug der Vögel und das Gebell der Hunde, ja fogar
die Laute der menſchlichen Stimme, und die Unterhaltung
kann alfo > fo lange fie nicht der Wind verweht, zwifchen
* beiden Welttheilen ununterbrodyen fortdanern. 3. Die Breite
des Pontus vom Bosporus bis zum Mäotifhen See beſtimm⸗
ten Manche auf 4,438,600 Schritte [287 M,); Eras
tofthenes nimmt 400,000 Schritte [20 M.] weniger an, nnd
Agrippa zählt von Chalcedon [Kaditöi] bis zu dem Phafls
IFax] 1,000,000 Schritte [200 M.] und von da bis zu
dem Eimmerifhen Bosporus [Gtraße von Kaffa] 360,000
Schritte [72 M.J. Wir wollen im Allgemeinen die Ents
fernungen angeben, wie fle in unferer Zeit, als felbft au der
Cimmerifhen Meerenge Krieg geführt wurde ,**) bekannt
* Bon Roüg (Gtier) und wopos (Üebergang) : Gtierfurt.
ee) In Folge des Krieges gegen Mithridbates kam das. Bobs
voraniſche Reich unter, bie Kerrfhaft ber Römer, und
Diefe beſetzten Phanagoria, die bedeutendſte Stadt anf ber
—
—
Be EEE 2. SEE DEE 58
Schstes Bud. 599
.geroorden find. — Bon der Mündung bes [CThraciſchen]
Bosporus an folgen der Fluß Rhebas [RHeba], den Mandye
auch Rheſus nennen, fodbann der Billie, der Hafen Calpas
‘ [Bufadsje] , der zu den berühmten Strömen gehörende Gas
garis [Gafarja], welcher in Phrygien entipringt, große
Blüffe, darunter den TZembrogius [Koismir] und den Gallus
[Gatipo], aufnimmt und gewöhnlich auch Sangarius ge⸗
naunt wird. Hinter ihm beginnt der Mariandyniſche Bus
fen [Solf von Sakarja] mit der Stadt Heradlea [Erekli],
welche am Fluſſe Lycus liegt und 200,000 Schritte [a0 M.]
von der Mündung des Pontus [Straße von Konflantinopel]
entfernt if. Daun folgen der Hafen Ucone, berüchtigt durd)
das Vconitifhe Gift, ) die Achernſiſche ‚Höhle, **) die
Flüſſe Pädopides, Eallidhorus und Gonautes, tie Stadt
Zium [Tilios], 38,000 Schritte [7%; M.] yon Heraclea, und
der Fluß Billis [Falios].
U (u). 1. Jenſeits deſſelben wohnt das Paphlagoniſche
Bolk, 94%, welches bei Manchen auch das Pylämeniſche
‚beißt, and rückwärts von Galatien eingeſchloſſen iſt. Hier
findet man die von den Mileflern-erbaute Start Maſtya und
weiterhin Cromna, in’ defien Nähe Nepos Eovrnelius die
Heneter ſetzt, von Denen, wie er und glauben machen will,
Die namensverwandten Veneter in Italien abftammen follen.
Aftetifhen Seite des Cimmerifhen Bosporus. Appian.
Mithridat. c. rag Strabo vu, a.
9 Bel. 8. XXVII.
**, Yuf dem — 28 sei Heraclea, Man beirachtete fie
ald Eingang zur Unterwelt, Bgl. Pomponius Mela I, 19.
“++, In den heutigen Sandſchaks Kaſtamuni und Boli.
dd
600 C. Plinius Naturgefchichte.
3. Dann folgen die Stadt Seſamum, welche jebt Amaſtris
[Umaffra] beißt, der Berg Eytorus [Kydros], 63,000 Schritte
[12% M.] von Tium, die Gtädte Eimolis (Kinoli] und
Stephane [Fftifani], der Fluß Parthenius [Partine], und
das VBorgebirg Carambis [Kerempe], welches ungeheuer
weit in das Meer Hervorfpriugt und von der Mündung des
Dontus 325,000 Schritte [65 M.], oder, wie Audere wollen,
350,000 Schritte [70 M.] und eben fo weit, oder, wie
Mandye behanpten, 312,500 Schritte [62% M.] von der
Simmerifhen Meerenge entfernt if. Hier Tag früher aud)
eine Stadt, welche denfelben Namen [Earambis] führte,
und weiterhin eine andere, welche" Armene hieß; *) jetzt
findet man dafelbft die Eolonie Sinope [Sinob], 164,000
Schritte [32% M.] von [dem Berge) Eytorus. Dann fol⸗
gen der Fluß Evarchum, das Bolt der Eappabocier, Bie
Städte Baziura [Turkal] und Sazelum [Affin], der Fluß
Halys [Kizit Irmak], der von dem Buße des Taurus durch
Sataonien und Bappadocien herfirömt, die Gtädte Gangre
[Kiantri], Caruſa nnd das freie Amifus ſGamſun], 130,000
Stritte [26 M.] von Sinöpe. 3. Hier zieht ſich ein gleich⸗
namiger Bufen **) fo tief in das Land hinein, daß er Kleine
ofien faft zur Fufel macht, und der Weg von ihm quer über
‚ das Beflland bie zu dem Iſſiſchen Bufen [Golf von Stan»
deräan] in Eilicien nur 200,000 Schritte [40 M.] oder etwas
mehr ***) beträgt. In dieſem gauzen Gtride foll man nur
*) An der Stelle von Armene liegt jegt At liman.
**) Der Amifenifne, jegt Golf von Gamfun.
*), Die Entfernung beträgt wenigfiens 60 M.
Sechstes Buch. 604
drei wirklich Griechiſche Stämme finden, nämlidy den Doris
ſchen, den Joniſchen und den Aeoliſchen; alle übrigen follen
- Barbarifche feygn. Mit Amifus hing die Stadt Enpatoria
zufammen, welche von Mithridates erbaut wurde;, nach der
Beflegung deffelben erhielten beide Etädte deu Namen Poms
pejopolis.
AUl (ni). 4. Im Inneren von Cappadocien findet man
Archelais [Akferaj], eine Eolonie des Kaiſers Elaudius, an
weicher der Halys vorüberfirömt,, die Städte Comana [CI
Boftan] am Sarus [Geihhan], Nevcäfaren [Rikfara] am
Lyeus [Knlay- Diffar) und Amaſia *) am Iris ſ(Kaſal⸗mak)]
in dem Gazaceniſchen Bezirke; in dem Kolopenifthen, Ges
biete aber Sebaſtia ISiwas] und Gebaftopnlis Frifiejir},
Peine Städte, die jedoch den oben genannten gleich, Powmen,
und in dem übrigen Theile des Landes das von der Gemis
ramis erbaute Melita [Malatya] nis weit vom Enphrat,
Divcäfarea, Tyana [Nikdeh], Eaflabata [Dfiakel], Magno⸗
polis [ISchekineh], Zela [Biel] und an dem Berge Argaͤus
[Ardsiifh} Mazaca, welches jept Eäfaren [Kaiſarieb] ger
nannt wird. 2. Der Theil Cappadociens, welcher fi an
Großarmenien Hinziceht, Heißt Melitene ; der an Eommagene,
Eataonien; der an Phrogien, Garfanritis, SGargaranfene
und Eammanene; und der an Balatien Morimene. Hier
bildet der Fluß Eappador, von welchem die Gingeborenen,
welche früher Lencofprer hießen, ihren Namen erhielten, die
Grenze; zwiſchen dem obengenannten Neocäfarea und Kieins
armenien aber der Bluß Lycus. Im Inneren ift woch der
2) Diefe Stadt führt noch ihren alten Namen,
602 C. Plinius Naturgefchichte.
Eerannns zu bemerken; an der Küfte aber folgen von Amis
fus an Stadt und Fluß Ehadifla, Lycaſtum und weiterhin
das Themiscyreniſche Gebiet [Dfianik].
IV. 4. Hier mündet auch der Fluß Iris, welcher den
Lycus aufnimmt. Im Juneren liegt die Stadt Biela [Ris
eh], berühmt durch die Niederlage des Triarius [67 v. C.]
und’ den Sieg des G. Eäfar [a7 dv. E.]; *) an der Küfte der
Fluß Thermodon [Termeh], der bei dem Kaftell, welches
Dhanarda heißt, entipringt, uud an dem Fuße des Amazonis
ſchen Gebirge heritrömt. Hier lag früher auch eine gleich⸗
namige Stadt, **) nebit fünf andern Städten, nämlich Amar
zonium, Themischra, Gotira, Amafle, Eomana [®umenit] :
jest findet man nur noch Manteium. ***) '
(m). 2. Dann folgen die Stämme der Geneter und Chaly⸗
ber, die Stadt Eotyorum [Drdu] , die Stämme der Tibarener,
der Mofyner , welche ihre Körper mit Zeichen bemalen, der
Stamm der Macrocephaler, die Stadt Ceraſus [Kerefün],
der Hafen Chordule [Bojuk⸗Liman], die Stämme der Ber
hiren und Buzerer, der Fluß Melas, der Stamm der Mar
eronen, [die Landfchaft] Gidene und der Fluß Gidenus, ber
die Stadt Polemoninm [Batfa] , welche 420,000 Soritte
®) Bal. Appian. Mithrid. c. 89, Cassius Dio XXXV, 12,
XLII 1067.
x 9%) XTheruf@bon, von welder aber eein anderer Schriftſteller ſpricht.
“.., Andere ziehen Manteium zu Comana , ald habe zur Zeit
bes Plinius Comana biefen Namen geführt. Manche vers
ftehen unter Manteium nur ein Orakel (uarreior). Uns
fere Ueberſetzung fcheint dem Sprachgebrauche bed Plinius
am augemeffenften zu ſeyn.
—
*
Sechstes Bud. 605
[24 M.] von Amifus entfernt ift, befpält. 3. Weiterhin -
tommen die Flüfſe Jafonins und Melanthius, die Stadt
Pharnacea , 80,000 Schritte [16 M.] von Amifus, Kaftell
und Fluß Zripolis [Tereboli], deßgleichen *) Philocaläa
[Ewloi), Liviopolis ohne Fluß, ferner 100,000 Schritte
[20 M.] von Pharnacea, dad von einem ungeheuern Berge
eingefhloffene freie Trapezus [Trabeſun], hinter diefem dee
Stamm'der Armenochalyber, weicher 50,000 Schritte [6 M.]
von Großarmenien entfernt ifl, vor Zrapezus aber an der
Küfte der Fluß Pyxites, jenſeits deffelben der Stamm ber
Heniochiſchen Sannier und der. Fluß Abſarus, mit einem
gleihhnamigen Kaftelle [Gunieh] an feiner Mündung, 440,000
Schritte [28 M.] von Trapezus. 4. In diefer Gegend im
Rücken der Berge liegt Iberien [Gruflen]; an der Küfte
aber findet man die Heniocher, die Ampreuten, die Lager,
Die Flüſſe Acampfis [Bfcharäf], Is, Mogrus und Bathys
[Batumi], die Colchiſchen Stämme, die Stadt Matium, den
Fluß Heracleum, das gleichnamige Vorgebirg und den Pha⸗
fid [Bar], den berühmteften Fluß in Pontus. Er eutſpringt
im Gebiete der Mofcher [Imerethi] und kann 38,500 Schritte
[7’ıo M.] weit mit großen Schiffen, mit kleineren aber
nody viel weiter aufwärts befahren werden. Ueber ihn füh⸗
zen 120 Brüden. 5. An feinen Ufern: biübten fonft mehs
rere Städte, worunter Tyndaris, Eircäunt, Cyguus und das
an feiner Mündung liegende Phafis [Yoti] die merkwürdig⸗
ften waren; am meiften berühmt war aber Aea, 15,000 Schritte
[3 M.] vom Meere, an der Gtelle, wo die großen Slüffe
*) Kaſtell und Flug, \
604 C. Plinius Naturgeſchichte.
Hippos [Tzcheniſtzquali] und Eyaneos in ihn fallen; jest
findet man nur noch Surium [Asmuletij], welches von einem
bier mändenden Nebenfinffe feinen Namen erhalten hat, und
bis wohin, wie wir gefagt haben‘, der Phaſis große Schiffe
trägt. Anch noch andere Flüſſe nimmt er anf, die durch
ihre Größe und Zahl Bewunderung erregen, darunter den
Glaucus [Rioni]: an feiner Mündung [liegen] mehrere nas
mentofe Inſeln, *%) welche 70,000 Schritte [ia M.] von
Abſarus entfernt find. 6. Weiterhin folgen der Fluß Cha⸗
rien [Mecu:Enguri], der Stamm der Salen, von den Alten
Phthirophagen [Länfefreffer] genannt, und die Suaner, *)
der Fluß Cobus [Tſchani], welcher vom Eaucafus her durch
das Gebiet der Guaner fließt, ferner der .Rhoas, die Lands
{daft Eerectice LLetſchgumi], die Flüſſe Singames [Langur],
Zarfuras [Ozeild] , Aſtelephas [Mokoi], Chryſorrhoas, der
Stamm der Abſiler, das Kaftell Bebaftopolis [Eoghumtata],
400.000 Schritte [20 M.] vom Phaſis, der Stamm der Sans
nigen, die Stadt Eyguns, Fluß und Stadt Penius und for
dann die Stämme der Heniocher unter vielerlei Namen.
vr. 1. Daran flößt die Pontiſche Landfchaft Eolica,
in welder die Kette des Caucaſus ſich, wie fchon gefagt
wurde, ***), nad) den Riphäifchen Bergen hinwendet, und
fi auf der einen Geite nad dem Pontus Eurinus und dem
Mäotifhhen See, auf der andern aber nady dem Caſpiſchen
e) Jetzt die Safaneninfeln.
25) Moch jegt führt dieſer in Imerethi und in einem Theile _
bed Eaucafus wohnende Boltstamm feinen alten Ramen.
es.) B. IV. Kap. 27,
Sechstes Bud. 608
und Hyrcaniſchen Meere bin abdacht. Die übrigen Küſten⸗
fireden bewohnen wilde Bölker, wie die Melauchläner
ſSchwarzröcke] und die Eorarer mit ber Colchiſchen Stadt
Dioscurias [Fsgaur] an dem Fluſſe Anthemus [Marmari],
die jest verödet ift, früher aber fo berühmt mar, daß, wie
Zimoflhenes angibt, bier 360 Stämme mit verfchiedenen
Sprachen ihren Bereinigungspunkt hatten 5 auch noch fpäter
wurden unfere Geſchäfte dafelbft von 4130 Dolmetichern bes
forgt. 2. Manche glauben, fie fey von Amphitns und Tel⸗
bins, den Wagenlentern des Eaflor und Pollur, von wel⸗
hen auch, wie man mit ziemlicher Bewißheit annehmen
Tann, das Volk der Heniocher [Pferdeienter) abflammt, ers
baut worden. Nach Dioscurias folgen die Stadt Heracleum,
welche 70,000 Schritte [14 M.] von Sebaftopolis entfernt:
it, die Achder [Awchaſen], Pie Marder, die Eerceten
[Tſcherkeſſen], hinter diefen Die Gerrer und die Eephalotos
mer [Kopfabfchneider]. Die überaus reihe Stadt Pityus
[Pitfchinda] in dem Inneren diefes Landftriches wurde von -
den Heniodyern geplündert. Im Rüden derfelben in der
Bergketie des Eaucafus wohnen die Epageriten, ein Volks⸗
flamm der Sarmaten, und hinter diefem *) die Gauromaten.
3. Zu dieſen hatte ſich Mithridates »e) ‘zur Seit des Kaifers
Claudius geflüchtet, und erzählte [nady feiner Surüdkunft],
daß an-fie die Thaller ***) fließen und bis zur Mündung t)
- \
*, In dem nordöftlihen Xheile von Grufien.
»*, Gin König von Iberien. Vgl. Tacitus, Jahre. VI, 32.
=, In dem heutigen Aftrakhan.
+ Die Alten dachten fich bie Eafpifche See ald einen großen
Bufen des Nordmeeres, Bol. unten Kap. 15.
PR SEEN
2 2 18 2
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- Ic ho.
"606 €. Plinius Naturgefchichte.
des Caſpiſchen Meeres, welche zur Zeit der Ebbe trocken
ſey, wohnten. An der Küfte [des Pontus Enrinns] folgen
neben den Gerceten der Fluß Icaruſa [Utrady], fammt der
Stadt und dem Fluß Hieros [Stadt Sudfchußfale und Fluß
Zemes] , 136 000 Schritte [27% M.] von Heraclenm, weis
terhin das Vorgebirg Crunoe, deſſen fteile Kuppe die Tor
reuten bewohnen, die Sindifche Gemeinde, 67,508 Schritte
[1392. M.] von Hieros, und der Fluß Setheriet.
(rı). Bon bier bis zur @infahrt des Cimmeriſchen
Bosporus find 88500. Schritte [17*0/, M.].
VI. Die zwiſchen dem Pontus Euxinus und dem Mäos
tiſchen See hervorfpringende Halbinſel ſelbſt ift nicht länger
als 67,500 Schritte [131:M.] nnd ihre Breite beträgt nir⸗
gends weniger ald zwei Jucharte. Gie führt den Namen
Eion [imutarakan]. Die Küfte des Bosporus felbft Erümmt
fidy von beiden Seiten, von Europa und Aflen her, nad
dem Mäotifhen See. Man findet hier die Städte Hermo⸗
naſſa, fogleidy an der Einfahrt des Bosporus, dann die Mi⸗
leſiſche Stadt Eepi, weiterhin Stratoflia, Phanagoris [Ta-
man], das faft menſchenleere Ayaturos und am Ende der
Meerenge Eimmerlium ,*) weldyes früher Gerberion hieß.
(vi). Dann folgt der Mäotiſche See, von dem fchon
bei Europa die Rede war. **)
vl, 1. Bon Eimmerium an wohnen die Mäotiker,, Die
*) "Drei Meilen weſtlich von der nörblihen Mündung des
Kuban in ben Fiman ; von Temruk aus fieht man noch auf
dem Hligel Tisſsdar die Ruinen be alten Eimmerium.
») 8. 1V, Sap, 24.
Sechsſtes Bud. . 607
Baler, die Gerber, die Arrecher, die Zinger , die Pfeller *)
and dann an dem durch eine doppelte Mündung in den See
fallenden Tanais [Don] die Sarmaten, angeblich Abkömm⸗
linge der Meder und in viele Stämme zerfallend. Snerft
fommen die Sauromaten, welde die Opnäcocratumenifchen
[von Weibern übermwältigten] heißen, weil die Amazonen
fie zur Begattung zwangen; **) dann die Evazen, die Cot⸗
ten, die Cicimener, die Meffenianer, die Coſtoboccer, die
Ehoatren, die Zigen, die Dandarer, Die ZTuffageten, "die
Zurcen [Türken] bis zu den durch walbbebedte Schluchten
unmegfamen Einöden, und hinter diefen die Arimphäer, welche
bis zu den Niphäifhen Bergen reihen. Den Tanais ſelbſt
nennen die Schthen Silis, Den Maͤotiſchen Gee Temerins,
vas ſo viel heißen ſoll als „Mutter des Meeres.“ Under
Mündung des Tauagis lag au eine Stadt." Die Ums
egend befaßen zuerft die Earer, dann die Clazomenier und
Räonen, und nad) diefen die Panticapeer.
2. Manche fesen um den Mäotiihen See bis zu den
ergunifchhen Bergen bin folgende Völker: an bie Küfte
imlich Die Napiten, über diefelde auf die Berghöhben die _
3 zu den Colchern reichenden Effedonen, dann die Carma⸗
1, die Oraner, die Autacen, die Mazacen , die Bantocaps
1, Die digamathen, die Picer , Die Rhymozoler, die Asco⸗
rfer, und nad) der Caucafustetfe hin die Fcataten, die
*) Alle dieſe Volksſtaͤmme wohnten an ber Oſtküſte bes
Azof'ſchen Meeres.
) Wal. Peripl. Ponti Eux. p. 1. Dionysii Perieg. v. 656.
J_ Wahrſch einlich an der Steue, wo jetzt Azof liegt.
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608 C. Plinius Naturgeſchichte.
Imaducher, die Ramer, die Anclacen, die Tydier, die Cara⸗
ſtafſeer, die Authianden; an den von den Catheiſchen Ber⸗
gen herabfommenden Fluß Lagons, in welchen der Opharus
fältt, die Stämme der Eancaden und Ophariten; an die in
den Eiffifchen Bergen eutfpringenden Flüffe Menotharus und.
Imithys die Acdeer, die Sarnen, die Uscardeer, die Acciſer,
die Babrer, die Bogarer , und um die Quelle des Imitys
die Imityer und die Aparthener. *) 3. Andere behaupten,
hier ſeyen die Scythiſchen Stämme der Aucheten, Atarneer
und Ufampaten hereingebrochen, und bie Tanaiten und die
Inapäer von ihnen Mann für Mann vertilgt worden.
Manche jagen, der Fluß Ocharind komme durch das Gebiet
der Eautecer und Gapeer; der Tanais aber habe das Land
der Phatareer, Herticeer, Spondolicer, Syuhieten, Amaffer,
fer, Eatazeter, Tagorer, Catoner, Meriper, Agandeer,
Mandareer, Satarcheer und Gpalcer durchſtrömt. *)
VII ((vin). Wir find nun mit ber inneren Küſte und
allen ihren Bewohnern zu Ende, und gehen zu den-großen
mitten im Lande liegenden Gtreden über, wobei ich Eeines«
wegs in Abrede ftelle, daß ich Vieles anders, als ältere
Schriftſteller behandeln werde, indem id) bei Gelegenheit
*) Alle diefe Wölkerfiämme wohnten wahrfcheintich zwifchen
dem Azoffchen und dem Eafpifchen Meere.
»e) Ueber die in biefem Kapitel vorkommenden Barbarifchen
Namen, welche zugleich in ben KHandfchriften auf mans
cherlei MWeife entfiellt find, Wermuthungen zu wagen,
wäre die undankbarſte Mühe. Vielleicht finden fid unter
ben angeführten Tlüffen die Wolga und der Jaib.
\
Schstes Buch. 609
als Domitins Eorbulg *) die Staatsangelegenheiten in
Diefer Gegend leitete, und Könige als Snabdefithende oder
Kinder der Könige als Geifeln von dorther geſchickt wurden, -
mit Angftliher Sorgfalt Nachforfhungen anftelite Wir
wollen mit dem Bolke der Cappadocier beginnen. Bon ale -
len Pontiſchen Bölkern erftredt ſich dieſes am weiteflem
nach dem Inneren, zieht ſich auf feiner linken löſtlichen)]
Seite an Klein» und Großarmenien, fo mie an Commagene,
auf feiner rechten ſweſtlichen] aber an allen fchon genannten
[Hein:) Aſtatiſchen Bolksſtämmen hin, und dehnt fid [füde
lich] über zahlreihe Nationen aus, indem es fid) auf ein⸗
mal mit Macht gegen Aufgang der Sonne und die Taurus⸗
‚ 2ette erhebt, an Lycaonien, Pifldien und Eilicien hinläuff,
Die Gegend von Antiochien berührt und mit feinem Landes⸗
theile, welcher Cataonia heißt, bis zu dem Cyrrheſtiſchen
Bezirke in Antiochien reicht. **) Hier hat demnad, Aflem
eine Länge von 1,230.000 Schritten [250 'M.] und eine
Breite von 640,000 Schritten [1238 M.].
IX (1x). Großarmenien ***) aber, welches an den Pas
egadrifhen Bergen [Agatſch-Baſchi] beginnt, wird (wie
*) Mol. die Borbemertungen Über die in biefem Buche
benügten Quellen.
”o, Cappadocien begreift die heutigen Sandſchaks Akſerai,
Nikde, Kirkfcheer, Kaifariceh und Bofut in fi.
=, Großarmenien beftand -aus den jegigen Ejalets Tſchaldir,
Kars, Erſerum, Wan und Diarbekr, einem Theil der
Ruſſiſchen Provinz Gruſien und der Perſiſchen Provinz
Irak Adſchemi.
C. Plinius Naturgeſch. 68 Boͤchn. J 3
—
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.331] 338
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610 E. Plinius Naturgeſchichte.
ſchon) geſagt wurde). durch den Fluß Euphrates [rat]
von Cappadocien, und wo dieſer eine andere [weſtliche] Rich
imnug nimmt, durch den nicht minder berühmten Fluß Tigris
(Tigr] von Mefopotamyien getrennt. : Beiden gibt es den
Urſprung und bildet den Anfang Mefopotamiens, welches
ſich dann zwiſchen den beiden Flüſſen weiter fortzicht. Den
hier liegenden Landftridh bewohnen die Dreifdyen Araber. )
So zieht ſich feine Grenze bis nach Adiabene hin, von dem
es durch auer vor ihm liegende DBergrüden [Nimroddagh]
abgeſchloſſen ift, und dehnt ſich links [nördlich) Über den
Araxes [Arraſch] Hin bis zum Fluſſe Cyrus ſKhur] in bie
Breite, in die Länge aber bie nady Kleinarmenirn hin, von
welchem ed durch den in den Pontus fallenden Fluß Abfa-
zus +) und die Paryadrifchen Berge, in welchen der Abfas
zus entfpringt, geſchieden wird,
X. 1. Der Cyrus [Khur] entfpringt anf den Heniochi⸗
ſchen Bergen [Auhileh], welche Andere die Coracifchen
nennen, dev Araxes [Arraſch] aber auf demſelben Gebirge
[Bingol], auf welchem aud, 6000 Schritte [1'/; M.] von
ähm, der Euphrates feine Quelle hat, und fällt, nachdem .er
den Fluß Muſis [Karaffu] aufgenommen hat, ſelbſt (wie
‚Mehrere annehmen) in den Cyrus und mit diefem in das
Caſpiſche Meer.
' 2. Berühmte Städte in Kleinarmenien find Cãſarea
IKalat ei Nede jur], Aza [Ezaz] und Nicopolis [Diwrigi],
—
*) S. B. V. Kap. 20. 6. 1.
*e) S. B. V. Kap. 20, 5 2. Say. 21. $. 1.
69) © oben Kay, 4, s3 . ,
".. Sechstes Bu, 611
in Großarmenien Armoſata [Schemifat] ganz nahe am
Enphrates, Earcathiocerta [Kartpurt] am Zigris, anf dem
Hodlande aber Zigranocerta [Schikaran] und in der Ebene
am Araxes Artaſata [Ardefihie]. Aufidius beflimmte die
Größe von ganz Armenien auf 5,000,000 Schritte [1000 M.],
der Raifer Elaudins die Länge von Dascuſa [Dengigin] bis
zur Grenze am Eafpifhen Meer auf 1,300,000 Schritte .
[260 M.)] und die Breite von Tigranocerta bis nach Iberien
anf die Hälfte dieſes Maßes. Es wird (wie ‚man ganz. ges
wiß weiß) in. 120 Gtatthalterfchaften oder fogenannte Stra⸗
tegien [Wilitärbezirke], die alle Barbariſche Namen führen,
und von denen manche früher ferbftfländige' Neiche waren,
eingetheilt. Im Often wird es von den Eeraunifden Ber:
gen [3agros] begrenzt, an welche es aber eben fo wenig, als
an die Landfchaft Adiabene [Kiurdiftan] unmittelbar ſtößt.
Den dazwifchenliegenden Raum bewohnen die Sophener [in
Diarbekr]; hinter Diefen folgen die Berge, und jenfeits der-
felben wohnen die Adiabener. Auf den Abdachungen zunächft
an Armenien findet man die Menobarder und Mofdyener.
Adiabene iR vom Tigris und von unmegfamen Bergſchlnch⸗
ten eingefchloffen; zu feiner Linken L[öftlichen] Seite liegt
das Gebiet der Meder und in der Berne ſieht man das
Eafpifche Mer. Diefes ergießt fid) (wie wir an geeigneter
Gtelle *) berichten werden) aus dem Dcean in das Land
herein, und ift ganz von den Gaucaflfchen Bergen einges.
ſchloſſen. Wir fommen jetzt zn den Völkern an der Grenze
Armeniens.
2) S. unten Kay, 15, Ä
‘
612 8. Plinius Maturgeſchichte.
AXIC(). Die ganze Ebene vom Eyrus an bewohnt das
Bolt der Albaner, *) ferner das der Iberer, **) welches
von jenem durch den Fluß Alazon [Mlafani), der von dem
Baucaflfchen Bergen herab in den Eyrus firömt, getrennt
wird. Die bedeutendften Städte find in Albanien Cabalaca
[Rablasvar], in Iberien Harmaſtis ***, an einem Blaffe
und Neoris. Dann folgen die Landichhaften Thafle und
Triare +) bis zu den Parpadrifhen Bergen. Jenſeits ber
felben folgen die Eolchifhen Einöden; ++) au der nach den
Serannifhen Bergen +++) bin liegenden .Geite derfelben
wohnen die Armenochalpber +%) und die Mofcher , +**), Des’
ven Gebiet ſich bis zu dem in den Cyrus fallenden Fluß
Iberus [Diama] erftredt. Unterhalb derfelben folgen die
Sacaffaner +°**) und dann die Macronen *H bis zum
Fluſſe Abfarus. So verhält ed fih mit der Bevölkerung
der Ebenen und Bergabbadungen [zwifchen dem ‚Schwarzen
°, Sn bem jebigen aKhanat Schirwan.
“+, In ber Ruſſiſchen Provinz Gruſien (Georgien).
*.., Vielleicht Kupritent am Khzia.
) Diefe Bezirke lagen wahrfcheinlich in der nördlichen Hälfte
des Ejalets Tſchaldir.
7) Die Heutige ruſſiſche Provinz Imerethi.
477) Plinius verſtebt wahrſcheinlich einen Aſt des Ararat, wel⸗
cher ſich in bie Landſchaft Guria zieht.
+) Wabhrſcheinlich in der Landſchaft Guria, welche zu ber
Provinz Imerethi gehört.
7°”) Im Ejalet Tſchaldir und dem nordoͤſtlichen Theile von
Sruſi ien.
+°"*) Im fühweftlihen Theile bes Ejalets aut.
- "D Im Giater Trabeſun.
*
EGSechstes Bud). 7613
and Eofpifhen Meere]. Wenden wir ung wieder nad) Al:
banien hin, fo finden wir an der ganzen VBorderfeite der
[Saucafifhen]) Berge hin die wilden Stämme ber Gilver
und unter diefen die der Lubiener, fodann die Didurer und
die Sodier. *)
Al (x). 4. Nach diefen folgt die Caucaſiſche Pforte
[Khewis:Kari], welche von Vielen fehr irrthümlich die Cas⸗
piſche genannt wird, ein ungehenres, durch plögliche Unter:
bredyung der Bergkette entflandenes, Naturwerk. Das Thor
der Pforte it mit eifenbefchlagenen Balken gefperrt; mike
ten darunter ſtrömt ein übelriechender Fluß, **) und anf.
einem Ddieffeitd liegenden Belfen erhebt fidy ein befeftigtes
Kaftell (Cumania [Dariel] genannt), um unzähligen Völ⸗
fern den Durchgang zu verwehren. Hier alfo, zumeiſt der
Iberiſchen Stadt Harmaflis gegenüber, ift ein Welttheil
durch Thore abgeichloffen. Von der Caucaſiſchen Pforte am.
in den Gordyäifchen Bergen **) wohnen die Waller [Dffes
ten) und Suarner [Suanen), nnbändige Volksſtämme, die
ſich jedody mit dem Goldgraben befchäftigen, und von diefen
an bis zum Pontus mehrere Stämme der Heniocher und
dann der Achder. +) So verhält es fidy mir diefem Land»
ſtriche ++) im Juneren, weicher zn den berühmteften gehört.
*), Alle biefe Volksſiamme wohnten in ber jegigen Rufrfcen
» Provinz Dagheſtan.
*°) Er Heißt jept Terek.
2... Das Hochgebirg des Eautafud , ‚gemöhnlid das Schneege⸗
birg genannt.
PD) Die Heniocher und Achaͤer find Stämme ber Awchaſen.
IH en ve dem Schwarzen und dem Caſpiſchen Meere.
Bol. ap. 8
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wo 1 1890» 2
25 217
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614 C. Plinius Natutgeſqhichte.
2. Einige geben den Raum zwiſchen dem Pontus und
dem Caſpiſchen Meer auf nicht mehr als 375,000 Schritte
[75 M.], Cornelius Nepos nur anf 250,000 Schritte
[50 M.] an. So droht Aſien auch hier wieder durch Diefe
Landenge Gefahr. *) Der Kaiſer Claudius rechnet dom
Cimmeriſchen Bosporus bis zum Cafpifchen Meere 150 M.
[30 M;] und erzählt, dag Nicator Selencus **%) die Durchs
grabung diefer Strede im Ginne gehabt habe, zu - berfeiben
"Zeit aber von Ptolemäus Eeraunus ermordet worden feb.
Bon’ der Caucaſiſchen Pforte bis zum Pontus rechnet man
mit ziemlicher Gewißheit 200,080 Schritte [a0 M.].
XIU (zı), Die Infeln im Pontus find die Plankten,
aud die Eyaneen und die Symplegaden genannt; *°*) dann
Apollonia, melde audy den Namen Thynias führt, H um
‚ fie von einer gleichnamigen in Europa liegenden +4) zu une
terfcheiden. Sie ift 100 Schritte [24 Minuten] vom Feſt⸗
Iande entfernt, und Hat einen Umfang von 3000 Schritten
[72. Minuten]. Pharnacen gegenüber liegt die Iufel Chal⸗
ceritis, von den Griechen Aria genannt und bem Mars
*) Naͤmlich au hier wäre es faſt zur Juſel geworden.
Bol. Kap. 2. 9. 3.
) Der Stifter bei Regentenhaufes der Seleuciden in Sy⸗
rien; er wurde von Ptolemäus Ceraunus, einem Sohne
des Aegyptiſchen Königes Ptolemäus Lagi, im J. 282
vor Ehr. ermordet.
“ee, Bal. B. IV. Kap. 27. 5.1.
P. Vol. B. V. Kap. 44,
+9. Vol. B. IV. Kap, 27. — 1.
Sechetes Buch. 616
geheiligt, auf welcher Bögel mit Blügelfchlägen gegen die
Anlandenden gefämpft haben follen. *) .
XIV, 4, Nachdem wir nun die Länder, welche das In⸗
neze Afiens bilden, befprodyen haben , wollen wir im Geiſte
die Riphäiſchen Berge überfleigen, und rechts au der Küſte
des Dreans weiter fhreiten, Diefer befpält von drei Welt⸗
gegenden ber Aflen : im Norden heißt er der Scythiſche, im
Oſten der Eoifhe und im Güden ber Judifche; außerdenz
führt er. noch nad) feinen Bufen und nad) feinen Auwohnern
mebrere verfchiedene Namen. 2. Auch ein großer Theil
Aſlens, weldyer weit nad) Norden hin liegt, bat durch dem
ungänftigen Einfluß des eifigen Simmelsftriches ungeheune
Eindden. Vom Außerften Aquilo [Norboften] bis zum Ans
fange des Sommerfonnenaufganges ſ[Oſtnordoſt] wohnen die
Scythen. Noch über dieſe hinaus umd.jenfeits des Wendes
punttes des Aquilo **) fepen Einige die Hpperboreer, von
welchen ſchon bei Europa weiter die Rede war. ***) Von
da an kommt man zuerft an das Eeltifche Vorgebirg Lytar⸗
mis T) und den Fluß Earambucis, FH wo die Riphäiſchen
Berghöhen fammt der Strenge des Klima ermüdet aufhören.
3. Hier wohnen, wie wir vernommen haben, zum Theil die
» Gin Mahrchen aus dem Sagenereife der Argonauten
(Apollon. Rhod. II, 1033 eqq.). Die jest wahrſcheinlich
namenloſe Inſel muß in ber Nähe ber Stadt Kerefün
liegen.
se, Raͤmlich noch weiter nad Norden,
“.., Bor. B. IV. Kap. 26. $: 11-14, \
7) Vielleicht Kanines No am Weißen Meere,
+4) Bielleiht die Dwina.
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22
616 C. Plinius Naturgeichichte.
Arimphaͤer, *) ein den Opperboreern nicht unähnliches Wort.
Zum Aufenthalt dienen ihnen die Wälder, zur Nahrung Bee:
ren; Haupthaar gilt bei Frauen und Männern als Schmach;
ihre Sitten find mild und deßhalb werden fie, wie man er«
zänıt, fogar von den wilden Nachbarvölkern für heilig und
umverleglicy gehalten, und zwar nicht nur fie ſelbſt, fondern
auch Alle,gwelche fih zu ihnen flüchten. Hinter dieſen [nad
Dften hin] folgen fhon wieder Schthen, dann die Eimme
vier, die Eiffianther , die Beorger und das Bolk der Ama⸗
zonen, welches bis zum Gafpifhen und Hyrcaniſchen Meere
reicht. **)
XV. 4. Diefes bricht ans dem Scythiſchen Ocean anf
Ber Rückſeite Aſiens herein, ***) und führt bei den Anwoh—⸗
Bern mehrere Namen, von denen die beiden des Eafpifchen
und des Hyrcauiſchen die befannseften find. Elitardhns glaubt,
es fen, nicht Peiner als der Pontud Eurinus. Eratofthenes
gibt auch eine Maßbeſtimmung, nämlid, von Morgen und
Mittag her längs der Küfte Eadufiens +) und Albaniens
5,400 Stadien [135 M.], von da durch das Gebiet der Ana⸗
*) Wahrſcheinlich die Argippäer des Herobot (IV, 23.) , der
fie nur weiter öſtlich feßt.
Ueber diefe Volker, welche in dem Aſiatiſchen Rußland
wohnten, wußten bie Alten nichts Näheres, und es wäre
vergebliche Mühe, . weitere Nachforfhungen Aber bloße
Namen anftellen zu wollen,
“+*, Diefe den meiften alten Beographen gewöhnliche Auficht
it um fo auffallender, als ſchon Herodot (I, 202.) das
Eafpifhe Meer für einen Blunenſee hält.
T) Ungefähr bie heutige Perfifhe Provinz Ghilan.
ws
j Schstes Bud. 617
riacer, Amarder und Hpyrraner *) bis zur Mündung des
Fluſſes Oxus *%) 4,800 Stadien [120 M.] und von dieſer
bie zur Mündung des Jaxartes ſSzyr] 2,400 Stadien
[60 M.]; was zufammengenommen 1,575,000 Schritte [315 M.]
ausmacht. 2, Artemidorns gibt 25,000 Schritte [5 M.] wer
niger an. Wgrippa, welcher ald Brenze des Eafpifchen Mee⸗
zed und der ed umwohnenden Völker, Armenien wit einbe⸗
- griffen, gegen Often den Gerifchen Ocean, ***) gegen Abend
die Bergkette des Cautaſus, gegen Mittag den Taurns und
gegen Norden den Scythiſchen Deean beftimmt, ſchätzt, nady
den befannt gewordenen Augaben, feine Länge auf 490,000 .
Schritte [98 M.] und feine Breite auf 290,000 Schritte -
[58 M.]. Es fehlt aber auch nicht an Andern, welche den
ganzen Umfang dieſes Meeres von der Meerenge an anf -
2,580,000 Schritte [500 M.] angeben. '
3. Es bricht durch eine enge, aber fehr lange Straße +)
herein; fobald ws aufängt breiter zu werben, krümmt es ſich
wie die Hörner des Halbmondes und gleicht da, wo es von
*) Diefe Völker wohnten in ber fetigen Perfifchen Provinz
Mafenderan. ”
”*, Jetzt Amu oder Gihon. Diele Handfchriften des Plinius
haben hier flatt Oxus den Namen Zonus, weicher einige
Achnlichkeit mit der jegigen Benennung hat, Uebrigens
münden der Oxus unb der Jaxartes jegt nicht In das Cas⸗
pifhe Meer, fondern in den Nralfee; die Alten betrach⸗
teten aber beibe als ein zufammenhängendes Wafferbeden.
”.., Das Ehinefifhe Meer, weiches er fidy viel zu weit weſtlich
bdachte.
7) Dieſe Straße, durch welche das Caſpiſche Meer mit dem
nördlichen Ocean in Verbindung ſtehen ſoll, iſt die Wer⸗⸗
0
a
618 C. Plinius Naturgeſchichte.
der Mündung an ſich in der Richtung des Mäotiſchen
- Sees hinzieht (um mit M. Varro zu reden), einer Sichel.
Der erfte Bufen heißt der Schthiſche? denn auf beiden Geis
ter beffelben wohnen Scythen, die über die Meerenge eine
ſtete Verbindung miteinander unterhalten, und zwar auf
‚Diefer [weftlien] Seite die Nomaden und Gauromaten'
inter vielen verfchiedenen. Namen, auf jener [öftlihen] aber
die Abzoer unter nicht weniger Benennungen. 9 Rechts
von der Einmündung auf der Spige der Meerenge ift das
Gebiet der Udiner, eines Scyhthiſchen Volkes. 4. Weiterhiu
an der Küfte folgen die Albaner , welche nach der Gage von
Jaſon abftammen; das vor ihnen liegende Meer heißt das
Albaniſche. "+ Diefes Bote ift über die Caucaſiſchen Berge
verbreitet und reicht, wie ſchon gefagt wurde, ***) bis zum
Fluſſe Cyrus, der Srenzfcheide Albaniens und Iberiens,
herab. Hinter dieſer Küſtenſtrecke und dem Volke der Udi⸗
ner ziehen ſich die Sarmaten, die Utidorſer und die Aroterer, +)
and im Rüden derfelben bie ſchon ++) erwähnten Sauro⸗
matifhen Amazonen bin. 5. Die durch Wibanien in das
[Caſpiſche] Meer flrömenden Fluͤſſe Ind der Caſius [Kuma]
und der Albanus [Terek]; ferner der Eambufes [&umarga], -
weldher auf dem Caucaſus, und weiterhin der Cyrus, wel
e) Diefe Völker, fo wie auch bie Ubiner, wohnten iu ber
jegigen Ruſſiſchen Statthealterfchaft Aftrakhan,
°*), Der Theil des Caſpiſchen Meeres, welcher die Küften vom
Schirwan und Dagheſtan beſpuͤlt.
“, Bor, Kay. 11. '
+) Zfcherkeffifhe und Caueaſiſche Bolksſtaͤmme.
ID Bel. Kap. 14. 5. 8° Die Aroterer Ceores Ackerer
Sechstes Bud, 619
her, wie gefagt 9, auf den Coraxiſchen Gebirgen entipringk.
. Die Länge ber ganzen Küfle, welche vom Caſius an fehr
fleile Zelfen unzugänglicdy machen, beträgt nad) der Angabe
Agrippa’s 425,000 Schritte [85 M.]. Beim Eprus fängt
das Meer an den Namen des Eafpifhen zu führen, und bier
wohnen die Gafpier. *%
6. Hier muß ein Irrthum, in welchem ſich Viele, ſogar
ſolche, die an dem Feldzuge Corbulo's in Armenien *%
Theil nahmen , befinden, berichtigt werben. Sie nennen
nämlich die Pforte in Iberien, welde, wie wir geſagt has.
beu , +) die Eaucaflfche heißt, die Caſpiſche, und auch auf
den Gituationstarten, weldye von dorther eingefchickt wurden,
iſt diefer Name eingetragen. ben fo wurde die Drohung
des Nero ++) ale auf die Caſpiſche Pforte bezüglich gedens
tet, da fie body jene meint, welche durch Iberien zu dem
Garmaten führt, umd die dicht zufammenhängenden Berge
Baum irgend einen Zugang zu tem @afpifhen Meer geflate
ten. Allerdings gibt es eine andere [Caſpiſche] Pforte, +++)
welche au die Caſpiſchen Völker ftöße, die man aber nur .
durch Die Nachrichten, welche die Begleiter Alexauders des
Herodot. IV, 17.) und die an biefer- Stelle genannten
Georger (Gandsaner) find wohl daſſelbe Bolt.
®) Kap. 10. $. " .
*, In den verttäen Provinzen Shilan und Aſerbeibſchan.
2, Val. oben Kap. 8
+) Kap. 12. 6. 1
Tr) &r wollte nämlich, Alerandern gleich, einen Serbfug gegen
vie Aftatifhen Türften unternehmen (Sueton, in Nerone
—
19.).
46 Ueber diefe Pforte ſ. unten Rap. 17. $. 1
4
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620 €. Plinius Naturgefchichte.
Großen auf feinen Feldzügen liefern, mit Beſtimmtheit aus⸗
mitteln kann.
XVI. 1. Das Reich der Perſer, welches bekanntlich
jest den Parthern gehört, erhebt ſich zwiſchen zwei Meeren,
dem Perfifchen und dem Hprcanifchen, zu dem Caucaſiſchen Berg⸗
rücden. Zu beiden Geiten des Gebirge auf den Abdachungen
tiegt, wie gefagt, ) an jenem Brenztheile Großarmeniens,
welcher fid) nad) Eommagene binzieht, Sophene, und an bie:
ſes ftößt Adiabene, **) der Anfang des Affyrifchen Gebietes,
Den Syrien zunächſt liegenden Theil Adiabene's bilder Ar:
belitis, *°*) wo Wierander den Darius beflegte. 2. Die
Macedonier nannten diefe ganze Gegend +) wegen ihrer
Aehnlichkeit [mit dem Mygdouniſchen Gebiete in Macedonien]
Mygdonia. Man findet hier die Städte Alexandria, +)
ferner Antiochia, welche gewöhulich Nifbis [Niſtbin] heißt
und non Artarata lurdſchan] 750,000 Schritte [156 M.]
*) Kap, 10. $. 3,
2), Ungefähr das jegige Ejalet Schehrſor.
“4, Sandfſchak Erbil. Die, Schlacht wurde im J. 331 v. Ehr.
unweit der Stadt Arbeia (Erbih bei dem Flecken Gau⸗
gamela (Enkewat) geliefert.
+) Nämlich Adiabene.
+} Kein Anderer kennt in diefer Gegend eine Stadt Kies
dria. Wir wollen jeboch deßhalb ihre Exiſtenz nicht bes
fireiten ; vielleicht lag fie an dem Orte, wo Alexander ben
Darius Thing. Sagte der Text nicht ausdrücklich „oppida,“
fa Fönnte man aus dem zwifchen Alexandria und Antios
chia fiehenden „item“ nad, dem Plinianifchen Spradhges
"brauche fchließen, Alesandria ſey auch eine Benennung
für Niſibis.
Gehstes Buch. 624
entfernt iſt. Hier lag auch auf der weltlichen Geite ‚des
Tigris die einft hochberühmte Stadt Ninus. *%) Weiters’
bin ftößt an die Grenze, da wo fie fid nad) dem Caſpiſchen
Meere hinzieht, Atropatene, **) weldes von der Armenifchen
Landfchaft Otene ***) Durch den Arares [Arrafch] getrennt
wird, mit der Stadt Gaza [Tebrig], weldye 450,000 Schritte
[90. M.] von Artarata und eben fo weit von Echatana im
Rande der Meder, zu welchen die Atropatener gehören, ent»
fernt if.
| xvH (sv). 4. Ecbafana (Hamadan], die Hauptſtadt
Mediens, welche von tem König Geleucus erbaut wurde, +)
iſt von Großfelencia ++) 750,000 Schritte [150 M.], von
der Caſpiſchen Pforte aber 2,000,000 Schritte (aoo M.}
entfernt. Die übrigen Gtädte ber Dieder find Phazaca,
Aganzaga und Apamia, weldyes den Beinamen NRhaphane
führt. 147) Der Rame „Ihor“ Hat bier denfelben Grund,
wie oben +*) [dee Name „Cancaſiſches Thor]; weil nam»
*) Gie wurde fpäter wieder aufgebaut, und heißt jegt Moſſul.
Nah Andern lag Ninus (Ninive) auf ber HOfifeite des
Tigris, Mofful gegenüber, an ber Stelle, wo man jetzt
dag Dorf Nunia findet.
“©, Die jetzige Perfifhe Provinz Aferbeidfchan,
ve) jingefähr die heutige Perfifche Provinz Aran.
+) Nah Herodet (IT, 98.), dem man hier größeren Glauben
ſchenken muß, ift Dejoces, der erfie Mebifche König ‚ibr
Brünber,
+r Madain, füdöfllich vor Bagdad. '
+9 Die Lage diefer Städte, deren Namen wahrſcheinlich auch
ſehr vpungauget ſind, läßt ſi ich nicht beſtimmen.
+”) Kay. 12, $.
8
LET
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. 25 5 f
*
·.·7. 2
624 C. Plinius Naturgefchichte.
feiner Sruchtbarkeit wegen berühmte Ort Dareium, [Gari];
Weiterhin kommen die Volksſtämme der Tapyrer, Anaria⸗
ter, Staurer und Hprcaner, *) an deren Küfte, nämlich
vom Fluſſe Sideris [Kurkan] an, das Caſpiſche Meer den
Namen des Hprcanifchen zu führen anfängt. Dieffeits des
Sideris find noch die Flüffe Mareras '[Mafenderan] und
Stratos [Sefideud]. Alle Eommen von dem Gancafus *").
herab. Es folgt nun die Landichaft Margiane, ***) ihres
milden Klimas wegen berühmt und tie einzige in diefer Bes
gend, melde -Weinreben hervorbringt. Sie iſt in einem
Umkreiſe von 1500 Stadien [37% M.) allenthalben von ans
muthigen Bergen eingefchloffen, und der vor ihr ſich hinzie:
henden, 120,000 Schritte [24 M.] großen, Sandwüſten wegen
anr fehr ſchwer zugänglich. Sie liegt ‚gegen das Parthiſche
Gebiet 7) bin, und in ihr hatte Alexander Alexandria er:
baut. 2. Als diefe von den Barbaren zerfiört worden war,
ſtellte ſie Antiochus, des Seleucus Sohn, an demfelben Orte
nuter einem au Syrien erinnernden Namen wieder her.
Da nämlich der Margus [Murghab)], deſſen Zweige ſich in
[dem Gefilde von] Zotale vereinigen, fle durchſtrömt, fo zog
er es vor, fie Seleucia zu nennen. Tr) Der Umfang der
*) Diefe Volfsſtämme wohnten in den Beglerbegfchaften Ma⸗
fenderan und Aſtrabad. Won ben XZapyrern fol die Pro:
vinz' Zaberiftan ihren Namen haben._ ft
*"*, Nämlich von dem Zweige bdeffelben, welcher jetzt Wisurs
beißt. a
*rr, Das Land Mawer in der Provinz Khoraſſan.
+) Ober vielmehr das eigentliche Parthiene, welches dem jeßi⸗
gen Diftrift Zus in der Provinz Khoraffan entfprict.
TTV Jest Heißt fie Meru Shah Jehan. Die Stelle ift übri⸗
°
⁊
Sechstes 628
Stadt beträgt 70 Gtadien [1 M.]. Hierher führte Orodes
die bei ber. Niederlage des Eraffus gefangenen Roͤmer. *)
Bon den Berghöhen diefer Landſchaft über die Caucaſuskette
bin. bis zu den Bactrern dehnt ſich das wilde, unabhängige
Bolt der Marder **) ans. 53. Bon diefer Gegend am fol⸗
gen die Volksſtämme der Ochauer, Chomarer, Berdrigeer,
Harmatropher, Bomareer, Eomaner, Marucier, Mandrue⸗
ner and Jatier; die Klüffe Mandrum und Gridinum; über
denfelben die Chorasmier, die Candarer, die Attafiner, die
Paritaner, die Garangen, die Parrhafiner, die Maratianer,
die Nafotianer, die Aorſer, die Selen, welde die Griechen
Sadufler nennen, und die Matianer , die von Alexander er⸗
baute Stadt Heraclen, weldye fpäter zerftört, aber von Ans
tiohus wieder hergeflellt und Achais genannt wurde, Die
Derbicen, deren Land der Oxus [Gihon], weicher aus dem
See Oxus entfpringt, »*) in der Mitte durchſchneidet, die
Syrmaten, die Oxydracen, Die Heniocher, die Batener, die
Saraparen und die Bactrer, +) deren Stadt SZariaspe
gend dunkel, namentlich was das Wort Zotale betrifft.
Die Ueberfegung folgt ber gewöhnlichen Erklärung, daß
nämlich Alexandria deßwegen Seleucia genannt worden
. fey, weil fie von dem Margus gerade fo, wie das Syrifche
Gelencia von dem Orontes, durchfirömt werde,
”, Im J. 53 v. Chr. Vgl. Plutarh in ber Biographie
bes Eraffus, Kap. 39—44,
”, In dem zur Afghauiſtaniſchen Landſchaft Balkh gehörenden
Diſtrikte Meimuuna am Kaffarigebirg. -
", Er entipringt in Afghaniftan am Hindu⸗ Kuhs, nach der
neueren Geographen aber nicht aus einem See.
+) Alle Hier genanuten Volksſtäͤmme wohnten vom Eaſpiſchen
E. Plininus Naturgeſch. 68 Bdochn. — 4
N
RE Eve | „s —X —R
622 C. Plining Naturgefhichte,
lich die Bergkette nur durch einen fo engen Weg unterbrochen
wird, daß faum einzelne Wagen durchkommen können, *)
Er iR 8000 Schritte [1% M.] lang und ganz von Mens
fhenhänden gemacht. Rechts und Kinds hängen Felſen herz
ab, die wie verbrannt ausſehen, und Die ganze Gegend if
in einem Umkreiſe von 28,000 Schritten [33 M:] eine dürre
Wüſte. Der Engpaß wird durch das aus den Felsſpalten
fid) fammelnte und anf ihm abfließende Salzwaſſer noch
unwegſamer. Außerdem iſt, wegen der großen Menge der
fid) hier aufhaltenden Edlanzen, der Durchgang nur im
Winter möglich.
(xv). 2. An die Adiabener ſtoßen die Corduener, **)
welche früher Carducher hießen und au deren Gebiet der
Tigris vorüberſtrömt; an dieſe die Pratiten, welche auch „die
am Wege“ (zap' ödov) genannt werden, weil ſie die Caſpiſche
Dforte in ihrem Bellge haben. ***) Auf der andern ſſüd⸗
öftlihen] Seite derſelben folgen die Einöden Parthiens +)
und die Bergkette des Cithenus. 74) Daranf folgt der
- %, Diefer Paß heißt jest. Kharwar , und führt Über den Des
mamend , eine Schneekuppe der Bergkette Alburs in ber
Perſiſchen Provinz Taberiſtan.
”*, In dem Ejalet Wan, um, ben See Ardiſch.
”) Die Pratiter wohnten alfo viel meiter &filich als die Cor⸗
dumer, und Plinius kann beide Volker nur aus Verſehen
neben einander geftelt haben ; man müßte denn bie nicht
ſehr wahrfcheintiche Grelärung annehmen wollen, daß bem
Pratitern von den Parthiſchen Königen bie Bewachung
der Caſpiſchen Päffe anvertraut war.
+) Die Wüfte Naubendan in ber Provinz Ssrar,
Tr Die Verge von Luriſtan.
Sechstes Bud). 6233
angenehmfte Strich Parthiens, welcher Ehoara *) heißt.
Hier find zwei Parthiſche Städte, die einft gegen die Meder
erbaut wurden, anzuführen, nämlid, Ealliope und das nicht
mehr vorhandene Iffatis anf einem Felſen. Hecatompylos
[Damaghan], tie Hauptftadt Parthiens ſelbſt, if 133,000
Schritte [26% M.] von der [Eafpifhen] Pforte entfernt.
Auf diefe Weife if alfo and) das Parthifche Reich durch ein
Thor abgefäyloffen. 3. Tritt man aus der Pforte herans,
fo befindet man ſich fogfeich unter dem Gafpifchen Volk, wel:
ches bis zur Küfte [des Caſpiſchen Meeres] reicht, und der
Dforte ſowohl, als aud dem Meere feinen Namen gegeben
hat. Links ift eine gebirgige Gegend. *) Der Weg rüds
wärtsd [nördlich] von diefem Volke bis zum Fluſſe Eyrus
wird auf 125,080 Schritte [25 M.], der Weg von diefem
"Kinffe an aber bis zur Safpifchen Pforte auf 700,000 Schritte
[130 M.] angegeben. Diefer Paß wird nämlich von allen
Beichreibungen der Züge Uleranders des Großen als Aude
gangspunkt angenommen, und man rechnet von hier biß zur
Grenze Indiens 15,680 Stadien [392 M.] bie. zur Stadt
Bactra [Balkh], welche gewöhnlich Zariaspa genannt wird,
3,700 Stadien [92% M.] und von da bie zum Fluſſe Ja⸗
rarted 5000 Stadien [125 M.)].
XVIII (avi). 4, Dinter den Gafpiern nad) Oſten zu
ſoigt ? die Landſchaft Apavortene, 29) und in berfelben der
.*, In ber Provinz Khuſiſtan. Die Lage der Städte, welche
Plinius angibt, laͤßt ſich nicht nachweiſen.
., Die Gebirgskette Alburs.
ee) In der Beglerbegſchaſt Maſenderan.
&
%
£)
. —34
u
Gr KERTETE D)
624 C. Plinius Naturgeſchichte.
feiner Fruchtbarkeit wegen berühmte Ort Dareinm [Gari];
Weiterhin kommen die Volksſtämme der Tapyhrer, Auaria⸗
ter, Staurer und Hyrcauer, *) an deren Küſte, nämlich
vom Binfie Sideris ſKurkan] an, das Caſpiſche Meer den
Namen des Hyrcaniſchen zu führen anfängt. Dieſſeits des
Sideris find noch die Zlüffe Mareras '[Mafenderan] und
Stratos [Sefideud]. Alle kommen von dem Eancdius *%L
herab. Es folgt num die Landſchaft Margiane, ***) ihres
milden Klimas wegen berühmt und tie einzige in dieſer Ge⸗
gend, weiche -Weinreben hervorbringt. Sie ift in einem
Umkreiſe von 1500 Stadien [37% M.) allenthalben von ans
muthigen Bergen eingefchloffen, und der vor ihr.fidy, hinzies
henden, 120,000 Schritte [24 M.] großen, Sandwüſten wegen
nur ſehr ſchwer zugänglich. Sie liegt ‚gegen das Parthifche
Gebiet +) bin, und in ihr hatte Alexander WUlerandria er:
baut. 2. Als diefe von den Barbaren zerfiört worden war,
ftellte fie Antiocdhns, des Seleucus Sohn, an demfelben Drte
unter. einem an Syrien, erinnernden Namen wieder her.
Da nämlidy der Margus [Murghab)], deffen Zweige ſich in
[dem Gefilde von] Zotale vereinigen, le durchſtrömt, fo zog
er es vor, fie Selencia zu nennen. TH) Der Umfang der
*) Diefe Bolfsftämme wohnten in ben Beglerbegichaften Mas
fenderan und Aftrabad. Won ben Zapyrern fol die Pro⸗
vinz' Zaberiftan ihren Namen haben,_ rt
”"*, Naͤmlich von dem Zweige beffelben, welcher jeut Mburs
heißt. .
“er, Das Land Mawer in der Provinz Khoraffan.
+) Oder vielmehr das eigentliche Parthiene, welches dem jesi⸗
gen Difirift Zus in der Provinz Khoraffan entfpricht.
TI) Jest heißt fie Mern Shah Jehan. Die Stelle if übrts
\
°
Sechstes Buch. 626
Stadt beträgt 70 Stadien [1’ı M.]. Hierher führte Orodes
die bei ber. Niederlage des Craſſus gefangenen Hömer. *)
Bon den Berghöhen diefer Landſchaft über Die Caucaſuskette
bin bis zu den Bactrern dehnt fidy das wilde, unabhängige
Bolt der Marder **) and. 5. Bon diefer Gegend am fole
gen die Volksſtämme der Dchaner, Chomarer, Berbdrigeer,
Harmatropher, Bomareer, Comaner, Marucäer, Mandrues
ner and Jatier; die Klüffe Mandrum und Gridinum; über
denfelben die Chorasmier, die Saudarer, die Attaſiner, die
Paritaner, die Garangen, bie Parrhafluer, die Maratianer,
‘ die Nafotianer, die Aorſer, die Selen, welde die Griechen
Sadutler nennen, und die Matianer, die von Alexander ers
baute Stadt Heraclen, weldye fpäter zerftört, aber von Aus
tiochus wieder hergeftellt und Achais genannt wurde, die
Derbicen, deren Laud der Oxus [Gihon], weicher aus dem
See Oxus entfpriugt, ***) in der Mitte Durchfchneidet,, die
Syrmaten, die Oxydracen, die Heniocher, die Batener, die
Saraparen und die Bactrer, +) deren Gtadt Sariaspe
gend dunfel, namentlid, was das Wort Zotale betriffk.
Die Ueberfegung folgt ber gewöhnlichen Erklärung, daß
nämlich Alerandria deßwegen Seleucia genannt worden
ſey, weil fie von dem Margus gerabe fo, wie das Syriſche
Seleucia von dem Drontes, durchfirömt werde.
*) Im J. 53 v. Ehr. Vgl. Plutarh in der Biographie
- Deb Eraffus, Kap. 39—44.
”., In dem zur Afghauifianifchen Londfchaft Baleh gehörenden
Difirifte Meimuuna am Kafjfarigebirg.
—* Er entſpringt in Afghaniſtan am Hindu⸗ Kuhs, nach der
neueren Geographen aber nicht aus einem See.
+) Alle hier genanuten Volksſtaͤmme wohnten vom Eaſpiſchen
J €, Plinius Naturgeſch. 68 Boͤchn. . 4
x
ne WARE),
626 C. Plinius Naturgeſchichte.
[Balth], die fpäter Bactrum genannt wurde, von dem [an
ihr vorüberfirömenden} Fluſſe *) ihren Namen erbielt.
4. Diefes Bolt bewohnt die dieffeitige ſnordweſtliche] Ab⸗
dachung bes Berges Paropamifus [Hindu⸗Kuſch], auf deffen
anderer [ſuͤdöſtlichen] Seite der Fundus **) entfpringt, und
wird von dem Fluſſe Ochus [Tedſen] begrenzt. Jenſeits
[der Bactrerjfolgen die Sogdianer, ***) ihre Etadt Panda +)
und an ihter Außerflen Grenze Alexandria, +4) welches von
Nerander dem Großen erbaut wurde. Hier wurden vom
Hercules und dem Bater Liber Altäre errichtet, eben fo von -
Eyrus, von der Semiramis und von Alexander; denn alle
diefe [&roberer] ſetzten anf diefer Geite der Erde, welche
von dem Jaxartes [Szyr], den die Scythen Sitis nennen nud
weichen Alexander und feine Krieger für den Tanais hielten,
begrenzt wird, ihren Beldzügen ein Sie. Demodamas, ++F)
der Feldherr der Könige Seleueus und Autiochus, dem wir
bier meift folgen, Üüberfchritt dieſen Fluß und errichtete dem
Didymaiſchen Apollo Altäre.
XIX (viy,. 4. Jeuſeits [des Jaxartes/ wohnen Scy⸗
Meere und dem Aralfee an In dem füblichen Theile des
Dſchagatai bis zur Landfchaft Balkh. Die Sitze jebes eins
zeinen auffuchen zu wollen, wäre wohl vergeblihe Mühe,
e) Dem Zariaopes, weldyer. jeut Dehaſch heißt.
2) Oder vielmehr Fluͤſſe, die dem Judus zuftrömen.
) Im Tyale al Sogbh in dem zum Dſchagatai gehorenden
Lande Mawarelnahar.
+) Wahr:cheinlich das berühmte Samarkand.
++) Vielleicht das heutige Koſchend am Szyr.
td Bol. de Bemerkungen über bie im diefem Buche benügten
wellen,
4
Sechstes Buch. 627
thiſche Völker. Die Perfer nennen -biefe nad) dem ihnen
zunachſt Tiegenden Welle ) im Allgemeinen Garen, die
Alten aber Aramäder. Die Scythen ferbft nennen die Derfer
EHorfarer und das ancafusgebirg Brovcafus, das heißt,
das fchneebededte. Diefe Bolksſtaäͤnmnme, welche fat unzähls
bar Hund, gleichen in ihrer Lebensweife den Parthern. Die
berühmtelten derfelben find die Sacen, die Maffageten , die -
Daben, die Effedonen, die Ariacen, die Rhymmicer, die Paͤſſ⸗
cen , die Amarder, die Hifter, die Edonen, die Samen, die
Camacen, die Euchaten, die Cotierer, die Antarianer , die
Pialen, die Arimafper, welche früher den Namen Eacidarer
führten, und die Deteer. Hierher febt man auch die jest
verfihwundenen Volksſtämme der Napder und Apelläer.
3. Man findet bei diefen Bölkern die anfehnlihen Flüſſe
Mandragäns und Caspafins, **). Ueber Leinen andern Erd⸗
theilt find die Nachrichten der Schriftfteller ſchwankender,
wie ich glaube, der unzähligen und ſtets umherfchweifenben
Bölkerflämme wegen. Nach der Angabe Alexanders bes
Großen ift das Wafler bes Eafpifchen Meeres ſüß; auch M.
Barro fagt, man babe Pompejus, ald er während des Mi⸗
thridatifhen Krieges in der Nähe deffelben befehligte,, das
Namliche berichtet ; ohne Zweifel veriirt es durdy die Größe
*, Die Gacen (Saten) wohnten in Turkeſtan, die übrigen
: bier namhaft gemachten Volke ſtamme aber ubrdlich und
nordbſtlich von den Sacen, und gehören zu den Tataren,
Kalmükken und Mongolen. Die Sie ber einzelnen ans
zugeben, if} unmögli.
”) Vielleicht bie Steppenfäffe Sarafı und Tzui.
4#
2 BRRIE
628 C. Plinius Naturg eſchichte.
der ihm zuſtrömenden Zläffe den Salzgeſchmack. Derſelbe
[Barro] fügt noch hinzu, wie man durch bei Pompejus
Feldzug and) erfahren habe, daB man von Indien ans nach
Bactrien in fieben Tagen bis zum Fluſſe Icarus , *) der in
den Oxus fällt, reife, und daß bie Indifhen Waaren, nach⸗
dem fie vom Oxus ans durch das Cafpifche Meer in den
Edgyrus gelangt ind, auf dem Landwege in nicht mehr als
fünf Tagen zum Phaſis und in den Pontus gebracht wer⸗
den können. — Fu diem ganzen Caſpiſchen Meere liegen viele
Juſeln: Die einzige allgemein bekannte ift Tazata ſ(Nephtenoi].
XX. 1 Bon dem Eafpiihen Meere und dem Scythi⸗
ſchen Dcean wendet ſich der Weg nad) dem öftlichen Meere,
wo die Vorberfeite der Küfte dem Unfgang der Sonne zus
gekehrt ift. Der zuerſt liegende Theil derfelben, vom Scy⸗
thiſchen Vorgebirg an, ift bed Schnees wegen unbewohnber,
der zunächſt folgende ber Wildheit der Völker wegen unan⸗
"gebaut. Hier haufen die Scythiſchen Authropophagen, weldye
Menfchenfleifch eſſen. Deßhalb find auch neben ihnen unges
heure Einöden und eine Menge wilder Thiere, welche bie
ihnen an Ungeſchlachtheit ähnliche Menſchen umlagern.
Dann folgen wieder Schthen nnd darauf-wieder Wüſten mit
wilden Thieren, bis Aı dem in das Meer hineinreichenden
Bergrücken, welcher Tabis heißt. *) Auch/ iſt die ganze
2) Wahrſcheinlich der Koktſcha, auch Badaktſchan genaunt.
**, Vermuthlich ein Vorgebirg auf der Halbinſel Malacca, —
Man flieht aus biefem Kapitel, wie unbeflimmt und mans
-gelhaft bei ben Alten bie Kenninig des nörblichen und
des norböftlichen Afiens war. Der nörblihe und Bfkliche
39 Era einander um vielnäher gerädt, als wirklich
er Fall
x
nn ee Buch. 62
Länge diefer nady Gommerfonnenaufgang [Nofdoften] hin
gerichteten Küfte erft ungefähr von der Mitte an bewohnt.
2. Die Außerften Bewohner, weiche man kennt, find die
Gerer, ”) berühmt durch die Wolle ihrer Wälder, **) ei⸗
zen weißen Ueberzug der Blätter, welchen fie, nadydem er
mit Waſſer getränkt worden ift, abtämmen, wodurd unfern "
Frauen die doppelte Arbeit erwädst, die Fäden zn entwirren
and fie von Neuem zu weben. Go vielfadye Mühe, ein fo
entferhter Welttheil muß in Unfprudy genommen werden, da⸗
mit eine Dame ſich öffentlich in durchſichtigem Gewande zei⸗
“gen könne! Die Gerer haben zwar mildere Sitten, gleichen
aber doch darin den Wilden, daß fie Feine Verbindung mit
den übrigen Wenfchen anknüpfen und warten, bis man des
Handels wegen zu ihnen kommt. 5. Der erſte Fluß ihres
Landes, weichen man kennt, iſt der Pfltaras, der. nächſte der
Cambari und der dritte der Lanos ; ***) nad) diefem folgen
das Vorgebirg Chryſe, +) der Buſen Cyrnaba, der Fluß
Atianos, der Meerbufen und das Wolf der Altacoren, +?)
2) Man hat dieſes Volr von der Bukharei und Mongolei
bis zu dem Bengaliſchen Meerbuſen geſucht: wahrſchein⸗
lich wohnte es an der Grenze von Thibet und Shina, wo
noch jetzt ber Seidenban ſehr ſtark betrieben wird.
u) — meint die Seide. Bol. B. XL. K. 26. ®. XI,
Kap
2.) ——ãS Y Fluͤſſe, bie auf der Oſiſeite des Vengaliſchen
Buſens münden.
7) Bielleicht das Cap Negrais.
++) Bielleicht in der Provinz Pegu und weiter nordweſilich.
Die Adrigen Volksſtaͤmme find wohl weiter nördlich nach
Thibet bin zu fischen, . GSewiſſes laͤßt ih nichts ſagen.
. , —QRRR
- !
60 C. Plinius Naturgefjichte,
welches durch fonnige Hügel gegen jeden ſchädlichen Wind
gerhägt, unter einem eben ſo mäßigen Himmelsſtriche lebt,
wie die Hyperboreer. Aud).fchrieb über fie Amometus, wie
‚ Hecatäus über die HOpperboreer, ein befonderes Wert. Nach
den Attacoren Eommen bie Volksſtämme der Phrurer und
Tocharer, und dann die ſchon zu den Indern gehörenden Ex
firer, welche im Inneren des Landes nach den Scythen hin
wohnen und Menſchenfleiſch effen. Auch in Indien reifen
Nomaden umher, und Manche behaupten, daß fle nad dem.
Aquilo [Nordofl] Hin bis zu den Ciconen und Brofagern
reichen.
XXI. 1: Da aber, wo die Nachrichten über die Biker
beflimmter zu werden anfangen, erheben ſich die Emodiſchen
"Berge, *) und beginnt das Wolk der Inder, weiches nicht
nur am Öfllihen Meere liegt, fondern auch am füdlicdhen,
welches wir das Jndiſche genannt haben, **) umd deren
sad Oſten hin ‚liegender Landestheil ***) fich in gerader
Richtung bis zur Bengung und zum Anfange des Judiſchen
Meeres. in einer Länge von 4,855,000 Schritten, [367 M.]
erſtreckt. Bon dem Punkte aber an, wo ſich die Küfte nah
Süden wendet, bis zum Binffe Indus, der die weſtliche
“ Grenze Indiens bildet, + beträgt die Länge, nach der Uns
gabe des Eratöfthehes, 2,675,000 Schritte [535 M.]. 2. Mebs
*, Die Dergtette bes Simalapı.
e) Open Kay. 14. 6.
er) Die —*5 des Bengalifgen Buſens.
T) Die Weſtkuͤſte Vorderindiens. Die von Plinins mitge⸗
theilten Maße ſind zu groß, wenn man nicht ale Beu⸗
gungen her Kuſte mitrechnen wi
Sechstes Buch. 631
tere aber haben die ‚ganze Länge des Landes auf vierzig
Tag» nnd Nachtfahrten eines Segelichiffes beſtimmt, und
non Norden nad) Süden 2,850,000 Schritte [670 M.] ge:
rechnet. Agrippa fept die Länge zu 3 300,000 Scdhritten
[660 M. ], die Breite aber zu 2, 300,000 Schritten [460 M.]
an. Pofidonius maß das Land von Eommerfonnenaufgang
[Nordoſt] nach Winterfonnenaufgang [Südoſt] und ſtellte
ed Gallien, welches er von Gommerfonnenuntergang [Nord⸗
wer] nah Winterfonnenuntergang [Südweſt] maß, gegen:
. über. Da nun der Favonius [Weſtwind] gerade anf gang .
Gallien zuweht, fo muß alfo, wie aus feiner Beweisführung
klar einleuchtet, das Gallien gegenüber Tiegende Indien *)
dur den Auhauch dieſes Windes ſehr begünfligt und ges
fund fepn. 5. Hier hat der Himmel ein ganz anderes An⸗
feben, die Sterne einen andern Aufgang; hier find in jedem
Fahr zwei Sommer und zwei Ernten, und während des
zwiſchen beiden liegenden Winters wehen die Eteflen [Welle
nordweftwinde],; zur Zeit unferes Fürzeften Tages aber bat
“ man dort eine milde Luft, und das Meer ift ſchiffbar. Wollte
Jemand alle Völker und Gtädte dieſes Landes namhaft
machen, fo würde er fie unzählbar finden. Es wurde uns
wohl nicht nur durch die Waffen Alexanders des Großen
und der ihm nachfolgenden Könige, fo wie durch die Fahrt
. |
®) Diefe vielfach angefochtene Stelle findet wohl in ber An⸗
ſicht bed Pofidonins, daß das erfie Land weſtlich von
Ballien Indien ſey (was noch Columbus glaubte), und
daß alſo dieſes Land, eben weil von ihm ber der Weſi⸗
wind wehe, ſehr heilſam und fruchtbar ſeyn müffe, feine
Erklaͤrung.
Ey
&
ya
- * ‘
2.
652 C. Plinius Naturgeſchichte.
des Selencas und Antiohus und ihres Flottenführers Dar
trocles *) um baffelbe bis in das’ Hprkanifche und Caſpiſche
Meer, fondern and) durdy andere Griechiſche Schriftfteller,
Die fidy (wie Megafthenes und Dionyfius, welcher zu dies
fem Zwecke von Philadelphus hingefendet worden war) läns
gere Zeit bei den Indifhen Königen aufpielten und über die
Kräfte diefer Völker Bericht erflatteten, befannt; die Mit:
theilungen weichen aber alle fo fehr von einänder ab, und
find fo unglanblich, daß fle Bein Fleiß zu fidten vermag. -
4. Die Begleiter Alexanders des Großen berichten, daß
in dem Kandftriche Indiens, welchen fie mit Baffengewalt
unterwarfen, fünftaufend Städte, Fein? Bleiner als [die In⸗
fet] Eos, und neun Völkerſchaften geweſen feyen; daß In⸗
dien den dritten Theil aller Länder ausmache, und daß end»
lich die Zahl der Volksmenge nit ausgemittelt werden
könne, und das Ichtere aus einem gewiß einlenditenden
Grunde: denn von allen Voͤlkern iſt das Indiſche faſt das
einzige, welches noch nie über feine Grenzen hinausgewan-
dert if. 5. Vom Vater Liber bis anf Alexander den Gr
Ben, alfo in einem Zeitraume von 6451 Jahren und Brei
Monaten zählt man bei ihnen hundertvierundfünfzig Könige.
- Die Flüffe find wunderbar groß. Alexander foll auf dem
‚ Indus Seinen Tag - weniger als 600 Stadien [15 M.) ge
fahren feyn, und erft in fünf Monaten und einigen Tagen
) Ueber Patrokles, fo wie fiber bie beiben ſogleich folgenden
Schriftſteller Megafibenes und Dionyſius, vgl. die Bemer⸗
sungen über die im biefem Buche von Plinius benuß ten
uellen, _
Sehsted ih. 688
das Ende erreiht haben, *) und doch ifl Diefer Fluß bekannt⸗
Ha Heiner, als der Banged. Seneca, weldyer unfere Lite⸗
ratur mit einem Werfuche über Indien bereichert hat, zählt
darin fechzig Zlüffe und hundertundachtzehn Boltsftämme.
Die Berge namhaft machen zu wollen, wäre eine eben fo
große Arbeit. Aneinander floßen der Imans , **) der Ems⸗
dus, der Paropamifus und der Gancafus, und von diefen
Bergen dacht fid) ganz Indien in eineungehenre, Wegppten
ähnliche, Ebene ab. .
6. Um aber die Größebeſtimmung des Landes verfländs
licher zu machen, wollen wir den Zußtapfen Alexanders des
Großen folgen. Diognetus und Bäton, welche ihn ald Weg⸗
meller auf feinen Zügen begleiteten, rechnen von der Cats
piſchen Pforte bis zu der Parthiſchen Stadt Decatompylon
‚die ſchon oben ***) angegebene Meilenzabhl, von da bie zu
der vom König Wlerander im Lande der Axier erbauten
Stadt Alexandria [Herat] 566,000 Schritte [113 MI, _
von da bis zur Drangäifchen Grade Prophthaſia [Barang}
499,000 Schritte [39% M.], von ba bis zur Stadt ber
Arachofſer [Ehiri] 515,000 Schritte [103 M.], von da bis
Ortoſpanum [Kanbahar] 250,000 Schritte [50 M.], von de
bis zu Aleranders Stadt +) 50,000 Schritte [Io M.], ſwo⸗
*) Died gist die ungeheure Summe von etwa 2,300 Mei⸗
len. Der Lauf des JIndus beträgt aber nur ungefähr
270. Meilen.
**, Der Imaus if der Öftliche Theil des Himalapa. Von
den Übrigen Bergen war oben bie Rede.
65%) Ray. 17. $. 2.
+) Bol. Kap, 25. $.. 4
SUPPWIEY
634 C. Plinius Naturgeſchichte.
bei jedoch zu bemerken iſt, daß in einigen Abſchriften andere
Zahlen fliehen und diefe Stadt an den Buß des Eancafas
gefest wird], von bier bis zum Fluſſe Eophes [Kurram]
und der Indiſchen Stadt Peucolaitis [Bunna] 227,000
Schritte [45% M.], von da bis zum Fluſſe Indus und ber
Stadt Zarila [Attok] 60,000 Schritte [12 M.], bis zu dem
berühmten Fluſſe Hydaſpes [Gchelum] 120,000 Echritte
[34 M.] und bis zu dem nicht minder befanuten Hypalls
[Begab] 29,590 Gchritte [5% M.]. Diefer war das Siel
‚der Feldzüge Wleranders ; body ſetzte er über den Fluß nnd.
errichtefe am jenfeitigen Ufer Altäre. 7. Dit Diefen Uns
gaben flimmen and bie Briefe des Königes felb überein.
Den noch übrigen. Theil Indiens dürchzog Seleucus Nicator,
und zwar brauchte er bis zum Heſidrus [Suteledj) 168 000
Shritte [33% M.], bis zum Fluſſe Jomanes [Iumna] eben
fo viel, [einige Abfchriften fügen jedoch nod 5000 Schritte
Tı M.] Hingu], von da bis zum Ganges 112,000 Schritte
[227% M.], dis Rhodapha [Ramgat] 119,000 Schritte
(235% M.] [nad Undern aber fol die Entfernung 325,000
Schritte [65 M.] betragen], bis zur Stadt Ealinipara (Ko⸗
noje] 167,500 Schritte [53% M.] [oder 265,000 Schritte
[55 M.] nach Anderer Angabe], von da bis zur Wereintgung
des Fluſſes Jomanes nnd des Ganges 265,000 Schritte
[125 M.] [weldyer Gunime die, Meiften noch 43,000 Schritte
[2% M.] zufügen], bis zur Stadt Palibothra [Patna]
425,000 Schritte [85 M.] und bis- zur Mündung des Gans
ges 658,000 Schritte [127% M.).
8 Die Bolksſtämme von den Emodiſcheu Vergen an,
— Sechstes Buch. 635
deren Vorgebirg Imaus "5 heißt (was in ber GSprache ber
Eingeborenen ſchneebedeckt“ bedeutet), welche genannt zu
werden verdienen, find die Iſarer, die Eofprer, die Jzger,
die auf dem Gebirge wohnenden Khiflotofager und die
Brapfpmanen, weldher Name vielen Stämmen eigen ift und
zu benen auch die Maccocalingen **) gehören. Godann find
ju nennen die Flüſſe Prinas [Rinde] und Eainas [Keane],
welcher in den Ganges fällt, ***) und die beide fchiffbar find;
ferner die Volksflämme der Ealingen, welche dem. Meere
sunächfl liegen, der Mandeer, die oberhatb derfelben wohnen,
and der Maller, in deren Bebiet fid der Berg Mallus er:
hebt. DD Die Grenze des ganzen Laudſtriches bildet der
“ Ganges.
XXII (). 4. Dieſer entfpringt nach Einigen aus
unbekannten Quellen, wie der Nil, und bewäſſert gleich dies
fem die ihm zunächſt liegenden Gegenden, nad) Andern aber
auf den Sceythiſchen Bergen. +4) Er nehme, fagen fie,
neungehn Zlüffe auf, von welchen, außer deu (chen genann-
ten, +7) ‚der Condochates IGunduk], der Erannoboas
R
9) Der Sfifiche Theil des Himalaya. Diefee_Ranie bedeutet
“ ia der Sanfkeritfpradye ‚Wohnung des Schutes, *
“*, Yuf der Ofifeite bes Ganges, nad) der Mündung zu.
+, Gr fällt in die Jumna, und durch biefe in den Ganges.
7) Aue von Pliniud angeführten Woltsttämme wohnten at
bem Linken Ufer des Ganges „von deſſen Mündung HE
zum Indus.
++) Der Sauges entſpringt am ſu dweſtlichen Mopange des
‘ Himalaya.
HP Kay. 21. 9.7. und 8.
656 €. Plinins Naturgeſchichte.
[Hamaonga], der Eofoagus [Kofa) und der Sonne [Gone]
fchiffbar ſeyen. Andere behanpten, er bredhe fchon mit großem
Getöfe aus feiner Duelle hervor, flürze fidy über Zelfen und
Abgründe und vermeile, fobald er die ſich fanft abdachende
Ebene erreicht habe, in einen Ger ; von da an fließe er rn -
Big weiter; feine geringfte Breite betrage 8000 Schritte
11%; M.], feine gewöhnliche 100 Gtadien [2'. M.); 9)
nirgends fey er weniger als 20 Schritte kief, und das feiner
Mündung zunächſt wohnende Bolk fen das der Gangaridi⸗
ſchen Calinger.
(ui). Die Haͤuptſtadt derſelben heißt Varihalis; *%
ihrem Könige ſtehen ſechzigtauſend Mann Fußvolk, eintau⸗
ſend Reiter und ſlebenhundert Elephanten, alle vollſtändig
zum Kriege gerüſtet, zu Gebot.
3 Die geſittetern Indifchen Völker führen eine viel⸗
fach verſchiedene Lebensweiſe. Dieſe bauen das Feld, Audere
leiſten Kriegsdienſte und wieder Andere führen ihre Waaren
aus; die Gtaatsangelegenheiten leiten die Beſten und Reichs
fen; fie ſprechen Recht und figen im Rathe der Könige,
@ine fünfte Klaffe widmet ſich der bier hochverehrten und
faft zur Religion gewordenen Weisheit, and endigt lets Dura
freiwilligen Tod anf einem mit eigener Hand angezündeten
Scheiterhaufen fein Leben. 53. Außer Diefen befteht noch eine
andere halbwilde, von ungehenrer Arbeit niedergedrückte
*) Die Breite iſt Abertrieben hoch angefeht; re beiträgt nad
den neneflen Angaben zwifchen -1/, und 3, Meilen,
ee) Nah Männert (Geogr. ber Gr. und Rom. Bd. V.
Abthl. I. Leipz. 1829. S. 83) Eutio (Eooloo), am Makas
“abufufe, .
Sechstes Buch. 687
Kaffe, welcher die oben genannten ihre Erhaltung verdan⸗
ten, und bie fi mit der Jagd und ber Zähmnng der Ele⸗
shanten beſchaͤftigt. ) Mit diefen pflügen, auf diefen veis
ten fie und mit der Zucht derfelben beſchäftigen fie fi faſt
ausſchließend; mit ihnen ziehen fle in den Krieg und vers
tbeidigen die Grenzen. Die Auswahl derfelben zum Kriegs
diente wird durch Stärke, Alter und Größe bedingt.
4. Auf dem Gänges liegt eine Infel von bedeutendem
Umfange, “) anf welder ein einziges Volk, welches dem
Namen Modogalingen führt, wohnt. Jenſeits [des Gans
ges] folgen die Moduben, die Molinden, Die Uberen, mit
einer gleihnamigen prächtigen Stadt, die Galmodroefer, Die
Preter, die Ealiffen, die Safurer, die Paſſalen, die Coluben,
die Orxulen, die Abaler und die Talucten.“) Der König
derſelben Hat fünfzigtaufend Mann Fußvolk, viertanfend
Reiter nnd vierhundert @fephanten unter den Waffen. Das weis
terhin liegende noch ſtärkere Volk der Anbaren, +) mit zahl⸗
reihen Dörfern und dreißig Städten, die. mit Mauern und
Thürmen befeftigt find, Fellt feinem Könige hunderttanſend
Mann Fußvolk, zweitanfend Reiter und eintaufend Elephau⸗
*) Noch jetzt zerfällt die Indifhe Bevölkerung im fünf Kas
fin: die Braminen (Weiſen), die Tſchetri (Krieger),
die Waiſchi (Landbauer und Hanudelsleute), die Schuber
(Handwerker und Künftler) und die Paria Pbobel).
»e) Plinius meint dad Gebiet zwifchen den Gangesmündungen.
”s“, Alle diefe Volesftämme wohnten in dem Theile des heutigem
“ Bengalen, welcher am Tinten Ufer bed Ganges liegt,
+ Vieleicht in der jegigen Provinz Aracan,
⸗
‘
68 C. Plinius Naturgeſchichte.
ten. Am reichſten an Gold ſind die Darden, an Gilber aber
die Geten. u) N
Alle übrigen Volksſtümme aber, nicht nur in biefem
Landſtriche, fondern faft in ganz Indien übertreffen an Macht
und au Reichthum die Prafler, **) mit ihrer überans gro⸗
hen und reichen Stadt Palibothra [(Patna], nad) weider
auch Einige das ganze Volk Palibothrer nennen, ja fogar
dem ganzen Landflrihe vom Ganges an dieſen Namen beis
legen.. Im täglichen Golde ihres Königs. ſtehen fehhsmale
hunderttaufend Mann Fußvolk, dreißigtaufend Weiter ‚und
neuutaufend Elephanten, woraus man auf die @röße feiner
Hülfsquellen fchließen kann. 5. Auf diefe folgen nad) dem
inneren des Landes hin die Moneden und die Gnarer, ***)
in deren Gebiet fi der Berg Malens [Vindhya) erhebt,
auf dem die Schatten ded Winters nady Norden, im Gome
mer aber ſechs Monate lang nad Süden fallen. +) Der
aroße Bar ift, wie Bäton berichtet, in diefem Striche das
ganze Fahr hindurch wur einmal, und zwar nicht länger als
fünfzehn Tage fihtbar; nad) Megafthenes ift dieß an meh⸗
reren Orten Indiens der Fall. TH) Den Güdpol nennen
*) Diefe beiden ziemlich fabelhaften Volker fegt man gewöhns
lich an die Grenzen von Thibet.
20) In den heutigen Provinzen Bahar, Allahabab, Duden. Agra.
rr, Beide Volker wohnten in der Binnenpropinzs Malwab.
mweldyer Name in der Sanferitfprahe Bergland bedentet.
T) Da diefer Berg noch innerhalb des Wendekreiſes Tiegt, fe
können zwar auf kurze Zeit die Schatten nach Süben
fallen, nicht aber ſechs Monate lang, wie Überhaupt ni
ht in Indien, bas den Aequator noch nicht erreicht,
ieſes in falſch. Vol. B. Il, Kap, 75. 5. 8.
4
S . . -
v
Sechstes Buch. 639
die Inder Dramaſa. Der Fluß Jomanes [Iumna] ſtroͤmt
durch das Gebiet der Palibothrer zwiſchen deu Städten Mes
thora und Elifobora *) in den Ganges. 7. In bem lid
vom Ganges nah Süden bin ziehenden Gtriche werden bie
Bewohner von der Sonne gefärbt; fie find fchon bräunlich,
keineswegs aber verbrannt, wie Aethiobier. Ye näher fle
dem Indus liegen, deflo mehr verräth ihre Farbe den Eins
fluß des Geſtirns. Der Indus folgt ſogleich nach dem Volke
der Drafler, in deren Bergen fid) Pogmäen aufhalten follen.
Artemidorns gibt die Gerede zwifchen beiden Flüſſen auf
2,1000,000 Schritte [420 M.] an.
XXIU (xx). 4. Der Indus, welchen die Eingeborenen
Eindus nennen, entipringt auf einem Berge der Cancaſus⸗
Bette, **) weicher Paropamifus heißt, ſtrömt zuerſt nady
Sonnenaufgang hin und nimmt ebenfalls **% nennzehn
Flüſſe auf. Die bedeutendften berfeiben find der Hpdafges
[Schelum], in welchen vier andere, und ter Cantabras, +)
in weichen drei andere fallen ; ferner dem Acefines ſKhenab]
nnd den Hhphaſis [Beiab) , welche beide Ichiffbar And. Und.
doch ift die Waſſermaſſe des -Intus nur fehr mäßig und
> nirgends ift er breiter als fünfzig Stadien cder tiefer ale
fünfzehn Schritte. Er bilder eine fehr umfangreiche Juſel,
”) Eine biefer Städte ift das heutige Allahabad, welcher jest
Beine andere gegenüberliegt.
es) Seine Hauptquellen liegen in bem weſilichen Thibet. Pli⸗
nius nimmt als Hauptſtrom einen Nebenfluß (dem Kabul), an,
ee) Wie der Ganges. Bol. Kap. $. 1.
+) Wahrfcheinfih der Finß, welher bei Andern Hpbrafled.
(jegt Rawi) heißt. Bat. Manneri’s Geogr. der Gr. und
Nöm, Bd. V. Abthl. J. S. 54.:
rs Di " ⁊ u»,
“2.9 *8
‚640 C. Plinius Naturgefchichte.
welche den Namen Draflane *) führt, und eine andere
kleinere, weldye Patale **) heißt. 2. Er wird nad den
geringſten Angaben, weldye man bei den Scriftftellern fins
det, 4,240,000 Schritte [248 M.] weit befcyifit, wendet ſich,
gleihfam won der Sonne begleitet, nad Weiten und fällt in
den Dcean. Ich will die Maßbeſtimm ungen längs der Küſte
‚dis zu feiner Mündung im Allgemeinen, wie ich fie finde,
herfegen, obgleich Beine dexfeiben mit der anderen übereins
fimmt. Von der Mündung des Ganges bis zum Borges
birge der Balingen [Eap Godavery) und der Stadt Dandas
gula [Eoringa] zähle man 625,000 Schritte [125 M.], bis
nach Tropina [Cochin] 1,225,000 Schrite [245 M.J, bis
zum VBorgebirge Perimula, %**) wo ber berühmtefte Sta⸗
pelplatz. Indiens ift, 750,000 Schritte [450 M.], und- bis zur
Stadt Patala, +) anf der oben erwähnten laleichnamigen]
Inſel, 620,000 Schritte [124 M.].
3. Zwiſchen dem Indus und dem Jomane⸗ wohnen
Bergvölker, die Eefer, die in Wäldern haufenden Getribos
ner, dann die Megallen, deren Könige fünfhundert Elephan«
ten. und eine unbeflimmte Zahl von Fußvolk und Reitern
l
*, Vermuthlich die von Flüffen eingefchloffene fädliche Hälfte
der Provinz Eahore, welche gewöhnlich ben Namen Pund⸗
ſchab (Pendſchab) führt,
») Der Theil der Beludſchiſtanſchen Landſchaft Sind, welcher
zwiſchen den Indusmündungen liegt.
»s*) Die Laudſpitze ſudlich von der Inſel Bombay, welche noch
jetzt einer ber bedeutendſten Stapelplätze iſt.
Pr) Man hält dieſe gewöhnlich für dad heutige Tatta, welches
jedoch nicht am Meere, fondern an einem Arme bed In⸗
dus liegt.
Sechstes Buch. 641
zu Gebot ſtehen, die Chryſeer, die Paraſangen und die
Aſangen, *) bei' denen es von wilden Tigern wimmelt. Sie
ſtellen dreißigtauſend Mann Fußvolk, dreihundert Elephauten
und achthundert Reiter ius Feld. Der Indus bildet ihre
Grenze, und eine Reihe von Berggipfeln und Wüſten ſchließt
ſie 625,000 Schritte [115 M.] weit ein. Unterhalb der
Wüſten folgen die Daren und die Suren; und dann wieder
487, 000 Schritte [373 M.] weit Wüſten, **) deren Sand
Die bewohnten Stellen meiſt gerade fo umgibt, wie das
Meer die Inſeln. 4. Unterhalb diefer Einöden folgen die
Maltecoren, die Singen, die Marohen, die Rarungen und
die Moruner. **) Gie wohnen anf den Bergen, welche fidy
in einer langen Kette an der Küfte des Oceans binzichen,
find frei, haben Leine Könige uud befigen viele auf den Ans
höhen liegende Städte, 5. Dann kommen die Nareen,
weiche der Capitalia, +) der höchſte Berg Indiens, einfchließt.
Die Bewohner der Rückſeite dieſes Berges befisen auf einer
weiten Strede Gold: und Gilbergruben. Nach ihnen folgen
Die Draturen, deren König zwar nur zehn Elephanten, aber
*) Die hier genannten Völker bewohnten den nördlichen
Theil ber Provinz Almeer, welche auch bad Band ber
Naipoots (Radsbuten) heißt,
*) Man Fann- in biefer Beichreibung die fi am oſtlichen
Ufer des Indus hinziehenden Sandwüſten, welche ebenfalls
zur Provinz Gujerate reichen, nicht verkennen.
., Dieſe Vbolker wohnten in dem Striche, welcher von dem
noͤrdlichen Theile der Provinz Gujerate bis nach Bombai
hin reicht.
+) Ein nicht näher zu beſtimmender Gipfel der Gats (Ghauts).
€, Plinius Naturgefh, 68 Bochn. 5
642 C. Plinius Naturgeſchichte.
eine tüchtige Menge Fußoolk beſitzt; die Varetaten, welche
unter einem Könige ſtehen und im Vertrauen auf ihre Reis:
terei und ihr Fußvolk Peine Elephanten unterhalten; die
Ddombören, die Galabuftren und die Horaten mit einer
ſchönen Stadt, welche durch fumpfige Gräben nnd die darin.
lebenden, nad) Menſchenfleiſch höchſt lüſternen Krokodile, die
jeden andern Zugang, als anf einer Bräde, unmöglidy mas
hen, geſchützt iſt. Man rühmt auch nod eine andere Stadt
ihres Gebietes, Automela nämlich, *) weiche an der Küfte,
an einer Stelle, wo fünf Ztüffe in einen zufammenftrömen,
liegt, und ein bedeutender Handelsplas if. 6. Ihr König
gebietet über fechzehnhundert Etephanten, hundertundfünfzig
taufend Mann Fußvolk und fünftanfend Reiter. Weit ärs
mer ift der König der Eharmen; er beflgt nur ſechzig Ele
phauten und auch fonft nur geringe Streitkräfte. Nach dies
fen kommt das Volk der Panden, das einzige in Indien,
weldyed von Weibern beberrfcht wird. Herkules, erzählt Die
Sage, habe nur tine einzige Tochter gezeugt; diefe fen ihm
aber defto lieber gemefen, und von ihm mit einem vorzäglis
chen Reiche befchenkt worden. Von ihr leitet Diefes Volk,
welches über dreihundert Städte, hundertfünfzigeanfend Mann
Fußvolk und fünfhundert Elephanten gebietet 5 feinen Urs
fprung ab. Nach diefem dreihundert Städte befigenden Volke
foigen die Syriener, die Derangen, die Pollngen, die Bugen,
Die Bogiareer, die Umbren, die Nereen, die Brancofer, die
Nobunden , die Boconden, die Nefeer, die Pebofriren, die
*) Mieleiht Eochin. Die namhaft gemachten Volker wohn-
ten alfo auf ber Küftenftredte von Bombal bis Cochin.
Sechstes Bud. 643
Solobriaſen umd die Klofiren, welche an Die Juſel Patale,
von deren äußerſten Küftenfpipe bis zu der Eafpifchen Pforte
der Weg 1.925.000 Schritte [385 M.] betragen foll, ftoßen. *)
7. Bon bier an wohnen am Indus aufwärts, wie man,
deutlich nachweifen kaun, die Amaten, die Bolingen, die
Gallitalnten, die Dimurer, die Megarer , die Orbaben ; bie
Mefen, nach diefen die Urer und die Silener; weiterhin fols
gen 250,000 Schritte [50 M.] weit Wülten, dann am Ende
Derfelben die Organaten, die Abaorten, die Gibaren und.die
Suerten, nad) diefen wieder den früheren Ähnliche Einöden,
Bann die Sarophagen, die Sorgen, die Baraomaten und die
Umbritten, *%) welde in zwölf Stämme , deren jeder zwei
Städte beſitzt, zerfallen. - 8. Daranf folgen die Afener,
welche in drei Städten wohnen ; ihre Hauptftadt ift Buces
phala , **") weiche zu Eyhren des Pferdes des Königs Ale⸗
xander, das dieſen Namen führte und hier begraben liegt,
erbaut wurde. Oberhalb derſelben am Fuße des Caucaſus
trifft man die Bergvölter der Soleaden uud Sondren, +)
geht man Über den Fluß und folgt feinem Laufe, die Samas
2) Plinim⸗ befindet ſich anf einmal wieder an ber Infel Par
tale, nachdem er die Völker an der Oſtküſte und durch
daB Innere des Landes genannt hat. ine nähere Bes
fimmung der Sige derſelben if unmöglich.
. 2*) Diefe Völker, Über bie fih Feine genauere Nachrichten fin⸗
den, wohnten wohl auf beiden Ufern des Indus Bis im
die Gegend, wo große Nebenftäffe in biefen münden.
+88), Man fucht diefe Stadt bei dem Fort Rotas, auf dem
Wege von Attok nah Lahore.
+) Um Hindukuſch, in der Afghaniſtan'ſchen Provinz Kabul,
, 5*
644 C. Plinius Naturgeſchichte.
rabrier, die Sambrucener, bie Biſambriten, die Oſter, die
Autixener und die Taxillen, mit ihrer berühmten, gleichna⸗
migen Stadt [Attok], welche auf einem ſich ſchon zur Ebene
abdachenden Laudſtriche, der in ſeinem ganzen Umfange den
Namen Amanda führt, liegt. Auf ihm wohnen vier Volks⸗
ftämme, die Pencolaiten, die Arfagaliten, die Gereten nnd
die Aſoer. *)
9. Sehr viele laffen den Indusſtrom nicht als welt
liche Grenze [Indiens] gelten, fondern fügen noch vier Sa⸗
trapien,, **) nämlich die Gedrofer, die Arachoten, die Arier
und die Paropamifaden, hinzu, und feben ale äußerften Grenz⸗
punkt den Cophes [AKuırrum). Nach Andern aber gehört
dieſes ganze Gebiet den Ariern.
(zur). Auch die Stadt Nyſa [Nugbz] rechnen die Mei⸗
ften zu Indien, fo wie audy den Berg Merus, welcher dem
Vater Liber heilig ift, und woher. audy die Fabel, daß diefer
aus der Hüfte ***) Jupiters geboren .fey, ſtammt, ferner Das
Volk der Uftacener, +) in deffen Gebiete Weinreben, Lor⸗
beer , Bur und alle in Griechenland wachſende Obflarten
vortrefflic) gedeihen. 10. Was noch Merkwürdiges, ja faſt
Kabelhaftes von der Sruchtbarkeit des Bodens, von den
Arten der Früchte und Bäume, fo wie Des Wildes, der
*) Alle diefe Volksſtaͤmme fapen in ber Subifhen Provinz
Lahore.
**) Bon Diefen wird unten Kap. 25. die Rede fen,
*e%) Im Griechifchen Moos.
T) Vermuthli in der zu Afghaniftan gehörenden fruchtbaren
Ebene von Pifhaur; wenn das Ganze nicht. eine von
der Bacchusmythe entiehnte Sage ift.
’
Sechstes Bud). 645
Bögel und anderer Thiere erzählt wird, fell in den übrigen
Theilen des Werkes an den geeigneten Gtellen angeführt
werden. Bon den vier Satrapien wird etwas weiter unten
Die Rede ſeyn: jept eilen wir im Geiſte zu der Infel Tas
probane,
41. Vorher jedody find noch einige andere Inſeln zu
erwähnen. Patale erfiredt ſich, wie wir fhon *) bemerkt
haben, zwifhen den Mündungen des Indus, bat eine dreis
edige Geſtalt und ift 220,000 Schritte [at M.] breit. Aufs
ferhalb der Inousmündung liegen Chryfe und Argyre, **)
beide, wie id) vermuthe, reich an edeln Metallen: denn daß,
——
wie Manche erzählen, der ganze Boden derſelben ans Gold
und Silber beftehe, Bann ich nicht wohl glauben. Won dies
fen iſt Erocala 20,000 Schritte [4 M.] entfernt; 412,000 - -
Schritte [2% M.] weiter folgt Bibaga, ») welches Ueber⸗
fluß an Auftern uud Mufcheln hat; danı Zoralliba, 9000
Schritte [1% M.] von der oben genannten, und enblidy -
nody viele andere unbedeutende.
XXIV (zu). 4. Zaprobane [Geilan] wurde lange für
die andere Hälfte der Erde gehalten, und deßhalb das Land
der Antichthonen [Begenfüßler) genannt. Erft die Seit und
Die Thaten Alexanders des Großen haben zu der Gewißheit,
*, Kap. 23. $. 1.
“*) Andere feßen diefe Anfeln füdöfntiih von der Mündung
ne Ganges; daß fe Phantafiebilder find, zeigen fchon bie
amen,
=04) Wanrfcheinlich Khurna bei ber Beludſchiſtan'ſchen Hafen:
ſtadt Kuradſchi; Erocala und Xoralliba Tagen alfo gleich⸗
fans nahe an ben Indusmündungen,
640 € Plinius Naturgeſchichte.
weiche den Namen Praſiane *) führt, und eine andere
kleinere, welche Patale **) heißt. 2. Er wird nad den
geringften Angaben, welche man bei den Schriftftellern fins
det, 4,240,000 Schritte [248 M.] weit beichifit,, wendet ſich,
gleichfam von der Sonne begleitet, nach Welten und fällt in
den Deean. Ich will die Maßbeflimm ungen längs der Küfte
‚ dis zu feiner Mündung im Allgemeinen , wie ich fle finde,
herfegen, obgleich Peine derfelben mit der anderen übereitts
ſtimmt. Von der Mündung des Ganges bis zum Borges
birge der Calingen [Eap Godavery] und der Stadt Dandar
gula [Eoringa] zählt man 625,000 Schritte [125 M.], bis
nach Tropina [Cochin] 1,225,000 Schrite [245 M.], bis
zum Borgebirge Perimula, ***) wo der herühmtefte Sta⸗
pelplatz. Indiens ift, 750,000 Schritte [150 M.], und- bis zur
Stadt Patala, 7) auf der oben erwähnten [gleichnamigen]
Spiel, 620,000 Schritte [124 M.].
3. Zwifchen dem Indus und‘ dem Jomane⸗ wohnen
Bergvölker, die Ceſer, die in Wäldern hauſenden Cetribo⸗
ner, dann die Megallen, deren Könige fünfhundert Elephan«
ten. und eine unbeflimmte Sahl von Fußvolk und NReitern
/
*) Vermuthlich die von Flüffen eingefchloffene füdliche Hälfte
der Provinz Lahore, welche gewöhnlich den Namen Punbs
ſchab (Penbſchab) führt.
*) Der Theil ber Beludſchiſtanſchen Landfchaft Sind, welcher
zwiſchen den Indusmündungen liegt,
#4, Die Laudſpitze ſudlich von der Inſel Bombay, welche noch
jetzt einer der bedeutendſten Stapelpläge ift.
7) Man hält diefe gewöhnlich für das heutige Zatta, welches
jeboch nicht am Meere, fondern an einem Arme bed In⸗
dus liegt. !
21
Sechstes Bud. 641
zu Gebot flehen, die Ehrpfeer, die Parafangen und die
Afangen, *) bei’ denen es von wilden Zigern wimmelt. Gie
ftellen dreißigtaufend Mann Fußvolk, dreifundert Elephanten
und achthundert Reiter ind Feld. Der Indus bildet ihre
Grenze, und eine Reihe von Berggipfeln und Wüften fchließt
fle 625,000 Schritte [415 M.] weit ein. Unterhalb der
Wüſten folgen die Daren und die Suren; und dann wieder
487,000 Gchritte [375 M.] weit Wülten, *"*) dereu Sand
die bewohnten Gtellen meift gerade fo umgibt, wie das '
. Meer die Infeln. A. Unterhalb dieſer Einöden folgen bie
Maltecoren, die Singen, die Maroben,, die Rarungen und
die Moruner. **) Gie wohnen auf den Bergen, welche fidy
in einer langen Kette an der Küfte des Oceans binzichen,
find frei, haben Peine Könige und befigen viele auf den Ans
Höhen liegende Städte. 5. Dann kommen die Wareen,
welche der Capitalia, +) der höchſte Berg Indiens, einſchließt.
Die Bewohner der Rückſeite dieſes Berges beſitzen auf einer
weiten Strede Gold: und Gilbergruben. Nach ihnen folgen
die Oraturen, deren König zwar nur zehn Elephanten,-aber
*) Die bier genannten Völker bewohnten ben nördlichen
Theil der Provinz NAimeer, welche audy das Land der
Rajpoots (Radsbuten) heißt.
*) Man kann in dieſer Beſchreibung bie ſich am oſtlichen
Ufer des Indus hinziehenden Sandwüſten, welche ebenfalls
zur Provinz Gujerate reichen, nicht verkennen.
eor) Diefe Bölter wohnten in dem Striche, welcher von beim
nördlichen Xheile der Provinz Gujerate bis nach Bombai
hin reicht.
+) Ein nicht näher zu befiimmender Gipfel der Gats (Ghauts).
€, Plinius Naturgeſch. 68 Boͤchn.
UNTER
* “rt
642 C. Plinius Naturgefchichte.
eine tüchtige Menge Fußvolk beſitzt; die Varetaten, welche
unter einem Könige ſtehen und im Vertrauen auf ihre Reis
terei und ihr Fußvolk Peine Elephanten unterhalten; die
Dpdombören, die Galabuftren uud die Horaten mit einer
ſchönen Stadt, welche durch fumpfige Gräben und die darin
lebenden, nach Menſchenfleiſch höchſt lüſternen Krokodile, die
jeden andern Zugang, als auf einer Brücke, unmöglich ma⸗
hen, geſchützt iſt. Man rühmt auch noch eine andere Gtabt
ihres Gebietes, Automela nämlidy, *) welcde an der Küfe,
an einer Stelle, wo fünf Flüſſe in einen zufammenftrömen,
liegt. und ein bedeutender Handelsplas if. 6. Ahr König
gebietet Über ſechzehnhundert Elephanten, hundertundfünfzig⸗
taufend Mann Fußvolk und fünftaufend Weiter. Weit ärs
mer ift der König der Charmen; er befist nur ſechzig Ele
Yhanten und auch fonft nur geringe Streitkräfte. Rad) dier
fen kommt das Volt der Panden, das einzige in Indien,
weldyes von Weibern beberrfcht wird. Herknules, erzählt die
Sage, habe nur kine einzige Tochter gezeugt; diefe fen ihm
aber defto lieber gemwefen, und von ihm mit einem vorzüglis
chen Reiche beſchenkt worden. Von ihr leitet dieſes Volk,
welches über dreihundert Städte, hundertfünfzigrauſend Mann
Fußvolk und fünfhundere Elephanten gebietet ; feinen Urs
fprung ab. Nach diefem breibundert Städte befigenden Volke
foigen die Gyriener, die Derangen, die Pofingen, die Buzen,
die Gogiareer, die Umbren, die Nereen, die Brancofer, die
Nobunden, die Soconden, die Nefeer, die Pebofriren, die
*) Vieleicht Eochin. Die namhaft aemachten Volker wohn:
ten alfo auf der Küfienfiredte von Bombai bis Cochin.
Sechstes Bud). 645
Solobriaſen nnd die Hlofiren, welche an die Juſel Patale,
von deren äußerſten Küſtenſpitze bis zu der Caſpiſchen Pforte
der Weg 1.925.000 Schritte [385 M.)] betragen ſoll, ſtoßen. )
7. Bon bier an wohnen am Indus aufwärts, wie man,
dentlih nadyweifen kaun, die Amaten, die Bolingen, die
Gallitaluten, die Dimurer, die Megarer , die Ordaben, die
Meſen, nach diefen Die Urer und die Silener; weiterhin fols
gen 250,000 Schritte [50 M.] weit Wüllen, dann am Ende
Derfelben Die Organaten, Die Abaorten, die Gibaren und die
©uerten, nad) diefen wieder den früheren ähnliche Einöden,
dann die Garophagen, die Sorgen, die Baraomaten und die
Umbritten, **) welde in zwölf Stämme, deren jeder zwei
Städte befigt, zerfallen. 8. Darauf folgen bie Aſener,
weiche in drei Städten wohnen ; ihre Hauptſtadt if Buces
phala , ***) weiche zu Epren Des Pferdes des Könige Ale⸗
Zander, das Diefen Namen führte und bier begraben liegt,
erbaut wurde. Oberhalb derfelben am Buße des Caucaſus
trifft man die Bergvölker der Soleaden und Gondren, 7)
geht man Über den Fluß und folgt feinem Laufe, die Sama⸗
*), Plinims befindet fi) auf einmal wieder an der Inſel Par
tale, nachdem er bie Völker an ber Oſtküſte und burch
das Innere bed Landes genannt hat. Bine nähere Bes
fimmung der Sige berfelnen if unmöglich.
- 09) Diefe Biker, Über bie fich Beine genauere Nachrichten fin=
den, wohnten wohl auf beiden Ufern bed Indus bis im
die Gegend, wo große Nebenflüſſe in biefen münden,
+28) Man fucht diefe Stadt bei dem Fort Notes, auf dem
Wege von Attok nad) Lahore.
+) Am Hindukuſch, in der Afghaniftan’ihen Provinz Kabul.
’ 3*
ANNE,
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644 C. Plinius Naturgeſchichte.
rabrier, die Sambrucener, die Biſambriten, die Oſier, die
Antixener und die Taxillen, mit ihrer berühmten, gleichna⸗
migen Stadt [Attok], welche auf einem ſich ſchon zur Ebene
abdachenden Landſtriche, der in ſeinem ganzen Umfange den
Namen Amanda führt, liegt. Auf ihm wohnen vier Volks⸗
ftämme, die Pencolaiten, die Urfagaliten, die Gereten nnd
die Aſoer. *)
9. Gehr viele laſſen den Indusſtrom nicht als welt
lihe Grenze [Indiens] gelten, fondern fügen nody vier Sa⸗
trapien,, **) nämlich die Gedrofer, Die Arachoten , die Arier
und die Paropamifaden, hinzu, nnd ſetzen ald äußerften Grenze
punkt den Eophes [Kurrum]). Nach Andern aber gehört
Diefes ganze Gebiet den Ariern.
(xt). Auch die Stadt Nyſa [Nughz] rechnen die eis
ften zu Indien, fo wie aud) den Berg Merus, welder dem
Bater Liber Heilig ift, und woher. andy die Babel, daß diefer
aus der Hüfte ***) Jupiters geboren ſey, ſtammt, ferner Das
Bott der Aftacener, +) in deffen Gebiete Weinreben, Lors
beer , Bur und alle in Griechenlaud wacfende Obflarten
vortrefflich gedeihen. 10. Was noch Merkwürdiges, ja faft
Babelhaftes von der Bruchtbarkeit des Bodens, von den
Arten der Früchte und Bäume, fo wie des Wildes, der
*) Alle diefe Volksſiämme fapen in ber Indifchen Provinz
Labore. a
»2) Bon Diefen wird unten Kap. 25. die Nebe ſeyn.
*44) Im Griechiſcheu Mnpoc.
+) Vermuthlich in ber zu Afghaniftan gehörenden fruchtbaren
Ebene von Pifhaur; wenn das Ganze nicht. eine von
der Bacchusſsmythe entlehnte Sage ift.
Sechstes Bud. | 645
I and anderer Thiere erzählt wird, foll in den übrigen
en des Werkes an den geeigneten Gtellen angeführt
en. Bon den vier Gaträpien wird etwas weiter unten
tede feyn : jegt eilen wir im Geiſte zu der Infel Tas
ine.
11. Vorher jedoch find noch einige andere Inſeln zu
hnen. Patale erfiredt ih, wie wir fhon *) bemerkt
ı, zwifhen den Mündnngen des Indus, bat eine drei⸗
: Seftalt und ift 220,000 Schritte [as M.] breit. Aufs
(db der Inousmündung liegen Chryſe und Argyre, **)
‚ wie id) vermuthe, reich an edeln Metallen: denn daß,
Manche erzählen, der ganze Boden derfelben aus Bold“.
Sitber beftehe, kann ich nicht wohl glauben. Won dies
ift Erocala 20,000 Schritte [a M.] entfernt; 12,000 - -
itte [22/s M.] weiter folgt Bibaga, *”*) welches Ueber:
an Auftern uud Mufcheln hat; dann Zoralliba, 9000
—
itte [15 M.] vom der oben genannten, und endlich
viele andere unbedeutende.
XXIV (zum). 4. Taprobane [Geilau] wurbe lange für
ndere Hälfte der Erde gehalten, und deßhalb das Land
Untichthonen [Gegenfüßler) genannt. Erft die Seit und
Thaten Alexanders ded Großen haben zu der Gewißheit,
) Kap, 23, . 1.
) Andere fegen biefe Infeln füdöftrich von der Mündung
des Ganges; daß ſie Phantafitebilder find, zeigen ſchon die
Namen.
) Wahrſcheinlich Khurna bei ber Beludſchiſtan'ſchen Hafen⸗
ſtadt Kuradſchi; Crocala und Toralliba lagen alſo gleich⸗
falls nahe an den Indusmundungen.
646 C. Plinius Raturgefchichte.
daß es eine Inſel fen, geführt. Snefleritus, der Flotten⸗
führer dieſes Königs, berichtet, daß ed daſelbſt größere und
zum Kriege tauglichere Elephauten gebe, *) als in Indien.
Megafthenes fagt, daß die Inſel in der Mitte von einem
Fluſſe durchſchnitten werde, **) daB ihre Bewohner deu
Namen Palädqonen führen, und daß diefe an Gold und
großen Perlen reicher feyen,, als die Inder. 2. Eratoſthe⸗
nes gibt auch ihre Größe **", an, für die Länge nämlich
‚7000 Stadien [175 M.] und für die Breite 5000 Stadien
1125 M.]; nad ihm foll man auf ihr Beine Städte finden,
wohl aber ſiebenhundert Dörfer. Gie beginnt am Goifchen
Meere und zieht fih von Oſten nach Weſten vor Indien
hin. Früher glaubte man, fle liege zwanzig Schifftagreifen
von dem Volke der Praſier, weil man nur auf Gdiffen
aus Papyrusftauden,, die auch nnr mit dem auf dem Nil
gebräuchlichen Takelwerke vericehen waren, die Ueberfahrt
machte; fpäter aber wurde die Entfernung nad) dem Laufe
unferer Schiffe auf fieben Zagreifen geſchätzt. 3. Dazwiſches
liegt ein ſeidtes Meer, das im Allgemeinen nicht über ſechs
Schritte Höhe hat, in gewiffen Kandten aber fo tief if, daß
fi) Bein Unter ſetzen läßt, weßhalb denn auch die beiden
Enden der Schiffe als Vordertheile gebant find, damit man
*) Der Elephant wird auf Seilan nicht fo hoch, wie im
Bengalen; wohl aber ift er kühner und flärker.
*, Megafthened meint den Mallvagunga oder ben Muliwabdby;
Peiner berfelben aber durchſchneidet die Infel in der Mitte,
”.*) Die Maße find viel zu groß. Die Länge von Norden
nach Süden beträgt 58 M., die größte Breite von Oſten
nad, Wellen 34 M.
Sechstes Bud. 647
deu Rumpf in dem ſchmalen Fahrwaſſer nicht au wenden
braucht. Die Ladungsfähigkeit eines ſolchen Schiffes beträgt
dreitanfend Tonnen. *) Von Beobachtung der Beflirue weiß
man dort bei der Schifffahrt nichts, und der grpße Bär ift
unfihtbar. Man nimmt Vögel mit ſich, fest deren öfter
in Sreiheit, und folgt, da fle ſtets bem Lande zueilen, ihrem
Aluge. Auch halten fie das ganze Jahr hindurch nicht mehr
als vier Monate die See; am meiften ſcheuen fie die erften
hundert Zage nad der Eommerfonnenwende, weil es um
dieſe Seit auf jenem Meere wintert,
4. Go weit reihen die von den Alten: mitgetbeilten
Nachrichten; genanere Kenntniß haben wir unter der Res
gierung bes Kaiferd Elaudins, als fogar Geſandte von jener
Inſel zu und kamen, erhalten. Dieß geihah auf folgende
Weiſe. Ein Breigelaffener des Anuins Plocamus, welcher
die Abgaben am Rotbhen Meere von dem Fiscus gepachtet
hatte, wurde, ald er Arabien umfegelte, von Norboftwinden **)
an Carmanien [AUfgbaniftan] vorüber gefdrleudert und nach
fünfzehn Tagen nad Hippuri, einem Hafen jener Infel, ger
führt. Er wurde von dem Könige mit gaftfreundlicdher Güte
aufgenommen, und erzählte, nachdem er in einem Jeitraume
von ſechs Monaten der Landesfpracdhe mächtig geworden
war, Diefem auf fein VBerlangen von den Römern und
ihrem Kaifer. 5. Bon Allem, was er hörte, erregte nichts
2) Gigentlih Amphoren. Cine Amphora beträgt 1,296 Pas
rifer Cubikz oll.
vo, Iſt ſchwer gu begreifen. Es müßten Nordweſtwinde ges
weten ſeyn. i
. * WU ., "m
648 E. Plinius Naturgefchichte.
fo fehr feine Bewunderung, ald die Gerechtigkeit der Ns
mer, indem er wahrnahm, daß die bei dem in feine Haͤude
gefallenen Beide befindlichen Denare alle von gleichem Ges
wichte waren, da doch die verfchiedenen Bildniffe zeigten, daß
fie von Mehreren gefchlagen waren. Dadurch am meiften
zue Sreundfchaft bewogen, fchickte er vier Geſandte, an des
ren Spise Radıia ſtand. 6. Bon Diefen erfuhr man, die
Juſel habe fünfhundert Städte und gegen Süden einen Has
fen bei der Stadt Paläfimunum [Colombo], der berühmte
ften von allen, *) in welcher allein die Eöniglihe Reſidenz
zweimalhunderttaufend Menfhen in fich faffe; im Inneren
fiege der Sumpf Megisba , **) der 375,000 Schritte [75 M.)]
im Umfange habe und mehrere Infeln, die aber nur Futter
tragen, umſchließe; aus ihm ftrömen zwei Flüfſe, der Palä⸗
fimundus [Mnliwaddy], welcher bei der gleichnamigen Stadt
in drei Armen, von denen der geringfte 5 Stadien [!/ı Sfunde],
der bedeutendfte aber 15 Stadien [5. Stunde] breit ſey, in
den Hafen münde, der andere aber nach Norden und nad)
Indien hin feine Richtung nehme, und den Namen Eydara
[Mativagunga] führe; der nächſte Punkt Indiens ſey das
Borgebirg, welches Coliacum [Kap Eomorin] heiße; bie
Entfernung befrage vier Zagreifen, und auf der Mitte bed
Weges liege die Sonnneninfel [Ramanancor]; das Meer
*) Zafnapatnam Pann nicht gemeint ſeyn. Denn diefe Stadt
- liegt an der nörblihen Küſte.
” Wahrſcheinlich if der Pabiwiel Colam, ber größte Bins
nenfee Seiland, gemeint, Die erwähnten Fluſſe haben
ſedog weder in dieſem, noch in einem anderen See ihre
“.
Sechstes Bud). - 649
fey hier von dunkelgrüner Zarbe und fen mit Bäumen fo
dicht bewachien, daß die Gtenerruder die Zweige derfelben
zerknicken. 7. Der große Bär und das Siebengeſtirn an
unferem für fie ganz neuen Simmel erregte das Erftaunen
ber Geſandten. Gie erklärten ferner, daB and der Mond
bei ihnen nur vom achten bis zum fechzehnten Tage über der
Erde fihtbar fen, und daß bei Nacht der Canopus, *) ein
großes helles Geſtirn, leuchte. Das Auffallendfte war ihnen
aber,” daß ihre Schatten nach unferer und nicht nad) ihrer
SHimmelsgegend fielen, fo wie daß die Sonne zu ihrer Lin⸗
ten auch auf und zu ihrer Rechten untergehe,, und nicht ges
rade umgekehrt. **) 8. Diefelben erzählten, daß die Geite
der Inſel, welche id) vor Indien hinziehe, nad Winterfons
nenaufgang [Oftfüdoften]) hin liege, und 40,000 Stadien
[250 M.] lang fey; ***) jenfeitd der Emodifhen Berge feyen
ihnen and) die Seren zu Geſicht gefommen, und durdy den
Handel bekannt geworden; der Vater des Rachia ſey aud)
dahin gereist, und die Seren gingen den Antömmlingen ent:
gegen, fie überträfen den gewöhnlihen Menfchenfhlag an
Größe, hätten rothe Haare, meergrüne Augen, gäben einen
widrigen Zon von ſich und wüßten ſich durch keine Sprache
zu verfländigen. Uebrigens flimmten file mit unferen Kaufs
leuten darin überein, daß dieſes Volk die neben ihre am
*) gl. 8. II. Kap. 71. 5. 2
+) Man braucht wobl nicht zu erinnern, daß Plinius bier
Fabeln mittheilt, deren Unmöglichkeit jeder Anfänger
" einfieht.
°*, Diefes Maß it um mehr als drei Biertel der Summe
zu hoch. ⸗
.
650 | €. Plinius Naturgefchichte,
jenfeitigen Ufer eines Fluſſes ausgekramten Berkaufsartitel
gelegten Waaren binwegnehme, wenn ihnen der Tauſch bes
hage. *) Sicher verdient die Meppiskeit ſchon deßhald Den
gerechteften Haß, weil Der einmal von ihr umftridte Ginn
ohne Unterlaß darauf finut, was er, wo er ed nud wozu er
es begehren foll.
9 Doch nicht einmal Zaprobane if, obſchon es bie
Natur aus unferer Erdhälfte verbaunt bat, von unferen Las
fern frei. Gold und Gilber haben auch dort Werth, ſchild⸗
Prötenartig geflicdter Marmor, Edellleine und Perlen wers
den noch weit höher geachtet, und all unfere Ueppigkeit Aus
det ſich dort wieder. Ihre Schätze, meinten die Geſandten,
ſeyen weit bebentender, wir aber wüßten von unferem Reichs
thume einen ausgedehnteren Gebrauch zu maden; N-emand
babe einen Sklaven, Niemand fdylafe in den Tag binein
oder bei Tage; die Gebäude hätten nur eine mäßige Höhe,
das Betreide ſchlage niemals auf, von Berichten und Rechts⸗
häudein wifle man wichts; dem Herkules erzeige man gött⸗
lidye Verehrung ; Alter und Herzensgüte leite das Bolk bei
der Wahl eines Königs, audy dürfe er Beine Kınder haben;
würden ihm fpäter noch weldye geboren, fo müſſe er abdau⸗
Ben, damit die Herrfchaft nicht erblih werde; ibm würden
vom Volke dreißig Räthe beigefellt, und Niemand könne ohne
den einflimmigen Aueſpruqh bee Mehrzahl derſelben zum
®) Die Seren, ven weligen die Geſandiſchaft erzählte, ſuchen
Manche (und vielleicht mit Recht) an der ſaböſtlichen
Küfe Vorderindiens, Andere in Thibet, und halten fie
mit den oben (Kap. 20. 6. 2.) genannten Sum für ein
und daſſelbe Wolk.
—
Sechstes Bud. 654
Zode verurtbeilt werden; aber auch fo noch ſtehe ihm Nie
Berufung an das Votk frei und es würden alsdaun fichens
zig Richter gewählt ; fpräden diefe deu Beruriheilten fıei,
fo gereihe Diefes. den Dreißig zur größten Schmach und ihz
ganzes Anſehen fey dahin; ber König Lleide fid wie Bater
Liber, das Volk wie die Araber; der König werde, wenn er
ein Verbrechen begebe, zum Tode vernitheilt; Keiner tödte
ihn aber, fondern Alle wendeten ſich von ihm ab und Nies
mand würdige ihn weiter eines Wortes; Feſttage wüıd:n
mit Jagen zugebradıt, am liebſten befhhäftige man Ad wit
der Tigers und Elephantenjagd; die Weder würden fleißig
beſtellt, Weinreben pflauge man nicht, an Obſt aber fey Lies
berfiuß ; auch mit der Bifcherei vergnäge man id) fehr gern ;
hbauptfählidy fange man Schildkröten, deren es von folder
Größe gebe, daß unter ihrem Schilde ganze Familien woh⸗
nen Eönnten; hundert Jahre feyen im Durchſchnitte das
Maß des Menſchenlebens. — Go weit reichen die Nachrich⸗ |
ten über Taprobane.
XXV, 4. Mit den vier Satrapien,, *%) deren Befdhreis
bung wir bie bierher verfchoben haben, verhält es ſich, wie
folgt.
C(xiii). Nach den zunaãchſt am Indus liegenden Bölkern
folgen Bergaegenden. In der Landſchaft Capiſſene **) Lıq
Die Stadt Eapiffa, welche von Cyrus zesKört wurde; dann
*) Bol. Kap. 23, $. 10.
”*, Gin Theil ber jegiaen Afghanittan’fchen Provinz Kabul,
Die heutige Stadt Pifhaur liegt vielleiyt an ber Sien⸗
bed alten Capiſſa.
urn ,% a,
652 C. Plinius Naturgeſchichte.
folgt Aradhyofla *) mit einer Stadt und einem Fluſſe gleichen
Namens; die Stadt nennen Einige Cophe, und fagen, fie
ſey von Semiramis erbant; darauf kommt ber Fluß Erv⸗
manthus, **) weicher an der Arachoſiſchen Stadt Parabefte
vorüberftrömt. Zunächſt nady diefen genen Güden hin und
zum Theil neben die Arachoten feat man die Bedrofer, »)
gegen Norden bin aber die Paropamiſaden, F mit ihrer
Stadt Eartana ++) am Caucaſus, weldye fpäter den Namen
Tetragoniserhielt. Dieferfandftrich liegt den Bactrianern +++)
gegenüber ; ihm folgt der, deffen Hauptftadt nach ihrem Er»
bauer Alexandria +”) heißt ; danıı kommen die Gpndracer,
die Dangalen, die Parapianer, die Eantacen, die Macen +)
und am Caucaſus die Cadruſen mit einer von n Alexander er⸗
bauten Stadt. +*9*)
*, In der Beludſchiſtan ſchen Provinz Kutſch Gundawa.
Die Stadt heißt jetzt Lhiri, der Fluß Nari.
ec) Wahrſcheinlich einer der Steppenfiäffe Beludſchiſtans. Die
Lage der Stadt Parabefte, die ſonſt nicht vorkommt, umb
deren Namen in den Handfchriften auf verfchiebene Weiſe
Hefchrieden wird, iſt unbekannt.
**., In dem eigentlichen Beludſchiſtan, an ben Grenzen Afs
ghaniſtaus.
+) Im norblichen Theile der Provinz Kabul,
++) Vieleicht bie Stabt Kabul,
+45 Nämid Balkh. Harbouin hat mit Unrecht die alte In⸗
terpunktion diefer Stelle geändert.
+*) Vielleicht Kandahar.
+°*) Diefe Völker wohnten am Hindukuſch hin, in dem nörb-
lichen heile der Afghaniſtan'ſchen Provinz Furrah.
+7**) Vielleicht Bamjam, an der Haupifiräße, welche durch den
4 Dunden nad Balkh führt.
Sechstes Buch. | 653
2. Unter allen diefen Ländern zieht ſich die Küſte vom
Indus an fort; in dem von der Sonne verbrannten und von
Einöden numgebenen, aber von vielen ſchattigen [fencdhtbaren]
Stellen unterbrochenen Atianifchen Gebiete *) hat fi die
Iandbauende Bevölkerung hauptfählih um zwei Blüffe, ben
Zonderos und Aroſapes, **) zuſammengedrängt. Hier findet
man die Stadt Artacoana [Fuſchenſch] und den Fluß Arins
[Tedfen], weicher an dem von Alexander erbauten Alexan⸗
dria [Herat] vorüberfirömt. Diefe Stadt ift 30 Gtadien
[ie Stunden] ‚groß; noch ſchöner und älter iſt Artaca⸗
bene, ***) weldyed von Antiochns wieder befefligt wurde,
und einen Flächenraum von 50 Stadien [2'% Stunden] eins
nimmt. 5. Dann folgen das Volk der Doriccer, +) die
Blüffe Pharnacotis [Urghendab] und Opbradns [Kaſchrud],
Prophthaſta [Dfchellatabad] , tie Hauptſtadt der Bariafpen,
feruer die Drangen, die Evergeten, die Sarangen, die Ge
droſer, ++) die Städte Peucolais und Lymphorta, +rr) die
*) Das Arianifche Gebiet begriff alfo ben Tüdäftlichen Theil
ber Iran'ſchen Provinz Khoraffan, bie Afghaniſtan'ſche
Landſchaft Siſtan und den jest zu Afghaniſtan gehörenden
Theil von Khoraffen.
*0) MWahrfchein! der Hilmend und ber Furrahrud. Die
Plinianiſche Befchreibung diefer Gegenden ifi fo oberflaͤch⸗
Nlich und ungenau, baß eine Vergleihung mit den neueren
Benennungen faft unmöglich wird.
.., Iſt wohl mit dem oben genaunten Artacoana eine und '
diefelbe Stadt, welche Plinius aus verfchiebenen Quellen
zweimal anführt,
PD Süpönlih vom See Lukh, gewöhnlich Zareh genannt,
+4) Ule an den Ufern des Hilmend.
+rH) Vielleicht Rodbar und Kykobad, am Hilmend. x
®
. 654 C. Plinius Naturgefhichte,
Wüfte der Metoricer, ) der Fluß Manais, das Volk der
Augutturen, der Fluß Boren , das Bolk der Arber , der
foıfibare Fluß Pomarus au den Grensen der Panden, ber
ebenfalls ſchiſſfſare Cabirus an den Grenzen der Guarer,
Defien Mündung einen Hafen bildet, die Stadt Condigrams
ma der Fluß Eophes, **) in weldyen die fchiffbaren Fıüffe
Sadarus, Parofpus und Godinus fallen. '
4. Manche betrachten auch noch Daritis **®) als einen
Beſtandtheil des Arianifhen Gebiets, und befimmen bie
Länge beider Länder auf 1,950,000 Schritte [390 M.], die
Breite aber auf die Hälfteder für Indien angenommenen. +)
Andere rechnen für das Land der Gedröfer nud Pafiren
4183 000 Schritte [30% M.], für das der Ichthyophagiſchen
[ii effenden] Oriten, Tr) welde nit die Indiſche, fon:
de n eine eigene Sprache ſprechen, 200,000 Schritte [a0 M.],
nad nach diefen ſetzen fie das Bolk der Urbier +++) auf eine
”", Jetzt Wüle von Beludſchiſtan genannt, .
*., Miele halten ben Cophes für ben Flug, welchen Andere
Arabis (jegt Purally) nennen. Das Land, welches Pi:
nius bier fehr flüchtig befchreißt, umfaßte bie jegigen Bes
ludſchiſtanſchen Provinzen Lus und Makran. Die von
ihm genannten Flüſſe find wohl der Hub, der Agbor, ber
Duft, ber Sudut und der PYurally, in weichen lepteren
die Wulta und der Sangani fallen. Die lirber wohnten
wahrſcheinlich in dem Difirifte Urbn (oder Arbud; Eon:
digramma ift vieleicht das heutige Kedſche am Duft.
09), Den weillichfien Theil von Beludſchiſtan und den Sftlich:
fien von Iran,
*) Bel. 8. 21.5 2.
+ Sin der fchon erwähnten Provinz Matran.
"u Ufern des Puralin.
Sechstes Bud). | 655
Strecke von 200 000 Schritten [40 M.]. Alerander verbot
allen Idthyophagen, ferner von Fifwen zu leden. Hinter
diefen folgen Wüſten, dann Earmunia, dann Perſlen und
endiich Arabien.
XXVI. 1. Ehe wir aber zur weiteren Beſchreibung die⸗
ſer Länder ſchreiten, wird es erſprießlich ſeyn, den Bericht
des Dneflcritus, welcher anf der Flotte Alexanders von In⸗
din aus bis tief in den Perſiſchen Meerbufen fegelte, fo wie
ihn Fuba vor nicht langer Zeit mittheilte, anguführen, und
dann von dem Fahrwege zu fprechen, den man in den lebten
Fahren entdedte, und der bis auf den heutigen Tag einges
halten wird. Das Tagebudy des Onefltritus und des Nears
Aus ”) gibt weder die Namen der Landungspläge, noch die
Entfernungen an. **") und fon von vorn herein ift es nicht
reht Bar, an welchem Fluſſe oder wo überhaupt das von
Alerander erbante Eylenepolis, ***) vom wo bie Blotte auss
lief, lag. 2. Der Bericht enthält jedody folgende bemers
tenswerthe Einzelheiten. Zuerſt wird die von Nearchus auf
diefer Fahrt erbante Stadt Arbis #) genannt, dann der Fluß
Nabrus, Tr) welder Schiffe trägt, - ferner das an der Örenze
*) Weber Nearchus, Oneficritus und Tuba vol. die Bemer⸗
Lungen zu. den in biefem Buche benützten Quellen.
”°,) Daß bad Driginal fo ungenau geweien feyn foll, laͤßt ſich
nicht wohl glauben ; biefe wefentlichen Punkte fehlten aber
vielleicht in Juba's Bearbeitung.
2, Man hält diefe Stadt flr das jeßige Lahara:Bunder am
Indus, , in dem Beludfchan’fchen Diftrifte Tattah.
+) Wielleicht das jenige Fort Babdi an einem Kanal be
Indus.
17) Bielleicht die weſtlichſte Muindung bed Indus,
656 C. Plinius Naturgefhichte.
diefes Küſtenvolks von Leonnatus auf Befehl Alexanders er⸗
baute und von einer gegenüberliegenden Inſel [Khurna]
70 Stadien [3!/z Stunde} entfernte Alexandria [Kuraiſchi],
Argenns, ) mit einem gefunden Hafen und der ſchiffbare
Fluß Tuberus, ») an welchem die Paflren wohnen. 3. Dann
folgen die Ichthyophagen, ***) auf einer fo langen Küften-
firede, daß man zwanzig Tage brauchte, um an ihr vorüber
zu fahren ; die Inſel, welche Sonneninfel oder auch Nym⸗
phenlager heißt; +) ſie ift von röthlicher Farbe und jebes
Thier kommt durd) unbetannte Urfachen ſogleich auf ihr
um; ferner das Volk der Orer und der Carmaniſche Fuß
Hptanis, Fr) weldher einen Hafen an feiner Mündung bietet
. amd Bold mit fidy führe. Bon diefem Fluß an, bemerken
die Seefahrer, hätten fie zuerft den großen Bär gefehen;
der Arcturus +++) ſey weder alle Nächte nody die ganze
Nacht hindurch fihtbar gewefen. Bis hierher habe auch die
*, Vieleicht Sonmeany an der Mündung bed Purally.
**), Vielleicht der Hub, welcher in die Sonmeanybai fällt,
**, An der Küfte der weftlichen Hälfte von Belubfchifian.
pP Vielleicht Sungabip, wenn anderd die Sonneninfel kein
Phantafiebild iſt.
+7) Kein Anberer fpricht an biefem Küflenpunkte von Orern
oder einem Fluſſe Hytanis. Irrt fih Plinius nicht, fo
find Volk und Fluß nahe an dem Perfifhen Meerbufen
zu fuchen,
+tD Ein heller” Stern erfiee Größe zwifchen ben Knieen bes
Bootes. Dünfte haben vielleicht ben Seefahrern biefe
Gternbilder häufig unfichtbar gemacht.
Sechstes Buch. | 657
Herrfhaft der Achämeniden *) gereicht; bier grade man Erz,
Eifen, Arſenik und Mennig. **)
4. Weiterhin kommt das Vorgebirg ***) Earmaniens:
die Ueberfahrt von diefem bid zu dem auf der gegenüberlies
genden Küfte wohnenden Arabiſchen Volke der Macen bes
trägt 50 000 Schritte [10 M.]; 25.000 Schritte [5 M.] vom
felten Lande liegen drei Infeln, von denen nur Dracla
[Kiſchmiſch] Waſſer hat und bewohnt wird; weiterhin ſchon
in dem Meerbufen nnd vor Perflen. vier andere ,'+) bei des
nen zwanzig Klafter lange Seeſchlangen herbeifhwammen
und die Flotte in Schreden febten; dann die Inſel Acrota«
dus, +H die Gauraten, ++} auf welden der Volkeſtamm
der Ehianer wohnt; dann mitten im Perſiſchen Bufen der
Fluß Hyperis [Darabin], weicher Laftfchiffe trägt ; der Fluß
Sitiogagus [Sitaregan], auf dem man in fieben Zagen
nad Pafargadae [Barabicherd] fährt; der fchiffbare Fluß
Seratemis 79) [Khiſch] und eine namenfofe Infel. 5. Der.
®) ©o heißen bie Perferkönige bis auf Darius, ald Abkömm⸗
Iinge des Perfifchen Könige Achaͤmenes. Vgl. Herodot,
I, 125. VIII, 11.
ee) Mol, ©. XXXũI. 8. 36. 37. Die Iran'ſche Provinz
Kerman Hiefert noch diefe Produkte.
*0) 88 führte den Namen Harmozon, und heißt jegt Jask.
+ Srur, Bnmofe, Tunb und Funb Namin, am Cingange
der Straße von Muffendom , welche ben Golf mit dem
Bahr Drmian verbindet.
++) BVielleicht Schech Surde.
+rF) Bielleicht Buſcheab, Schittuar und Hinderabi.
+9) Berbeſſerung Hardouin's. Die Hendſchriren leſen Phry⸗
ſtinus.
E. Plinius Naturgeſch. 68 Bochn. 6
nd
668 C. Plinius Naturgeſchichte.
Fluß Granis [Righ], welcher Schiffe von Mittelgröße trägt,
ſtrömt durch Suflane ; rechts von ihm wohnen die Deximon⸗
taner, welche Pech zubereiten. Weiterhin folgen der Fluß
Zarotis [Tab], in deſſen Mündung nicht leicht Jemand, der
des Ortes nicht Eyndig iſt einlaufen Bann, und zwei kleine In⸗
fein, *) von denen an dad Fahrwaſſer fehr feicht und ſumpf⸗
ähnlich wird; man bahnt fih aber durch einige. fdymale
Strömungen den Weg; endlih kommen die Mündung des
Euphrat, der Gee, welchen der Euläus [Karun] und der
Tigris dei Charar **) bilden, und weiterhin om Zigris
Sufa [Ecdhufter). Hier fanden fie Ulerander bei fefklichen
Gelagen ,***) im fiebenten Monate nad) ihrer Trennung zu
Patale und im dritten ihrer Seefahrt. Auf diefe Weife
machte die Flotte Wleranders ihren Weg. Gpäter hielt: man
es für das Sicherfte, von dem Arabiſchen Vorgebirge Sya⸗
grum [Bartaich] mit dem Weſtwind, weichen man bort Hips
palus nennt. nach Patale zu Segeln, und ſchätzte die Entfers
nung auf 1,532,000 Schritte [266?/; M ].
6. Die Folgezeit zeigte noch einen näheren und fiherern
Weg, in der Richtung nämlich von dem erwähnten Borges
birge-nach tem Indiſchen Hafen Sigerus. H Man blieb
Iange Zeit bei diefem Fahrweqe, bi! einem Kaufmann eine
voch ſchnellere Ueberfabrt glüdte, und Indien der Gewinne
9 Wahrfcheintich ahareiſcd und Kargu.
2 S. Kap. 31. S. 12,
I Er feierte feine Hechzeit.
8 Un ber Mündung des Indus. Bol, Kap. 23. $. 1.
ıD ein unbefaunter Dst, =
Sechstes Bud. 659
fuht näher gerüdt wurde, ' Seitdem macht man tie Reife
jedes Jahr, und nimmt Schaaren von Bogenſchützen an
Bord, weil der Weg durdy Seeräuber höchſt unficher ges
macht wird. Wir haften ed der Mühe werth, die ganze
Reife von Aegypten aus näher zu befchreiben, da fie uns
jegt erſt durch zuverläßige Nachrichten bekannt geworden
it. Die Sache verdient Aufmerkfamkeit; denn in einem
‚Zahre zieht Indien weniger als 50,000,0000 Geftertien
[4,773,6141 Gulden] ans unferem Reihe, und fendet uns
Waaren dafür, die um das Hundertfache verkauft werden.
7. Zweitaufend Schritte [?/; M.] von Alerandria liegt die
Stadt Juliopolis; *) von da fährt man auf dem Nil eine
Gtrede von 303,000 Schritten [60° M.] bis nadı Eoptus
[Ruft], welhen Weg man mit Weſtnordweſtwind in zwöl
Tagen zurüdiegt. Von Coptus aus reist man zu Kameel
weiter und zwar in Stationen, die durch die Wafferpläge
bedingt werden. Die erfte heißt Hydreum, **) und beträgt
52,000 Schritte [6° M:]; die zweite ift eine Tagreife weiter
und auf einem Berge, die dritte an einem andern Hydreu⸗
ma, 95,000 Schritte [19 M.] von Eoptus, die folgende wies
der anf einem Berge, die nächte bei Neuhydreum, 233,000
Schritte [a6 M.) von Eopfus. 8. Es gibt aud ein
'
2) Vielleicht Nicopolid, ein Ort, welcher nahe an dem von
Alexandria zum Nil führenden Kanale lag, und gewöhn:
. Yich als eine Vorſtadt Alerandria’s galt.
=*) Hydreum und Hydreuma heißt nichts Anderes ald Waſ⸗
ferplag.
6 %
660 €. Plinius Naturgeſchichte.
Alibydreum, welches das Troglodytifche heißt, und wo eine
Bade von zweitaufend Mann in einem Blocdhanfe lagert;
25 iſt von Neuhydreum 4000 Schritte [*; M.] entfernt.
Bon bier fommt man zur Stadt Berenice, *) welde von
Boptus 258.000 Schritte [513/; M.] entfernt if, nnd wo man
ſich auf dem Rothen Meere einfchiffts da aber der größte
Theil der Reife der Hitze wegen bei Nacht gemacht wird, und
man den Tag auf den Ruhepläben zubringt, fo braucht man
zu dem ganzen Wege von Coptnus nad) Berenice zwölf Tage.
9. Die Geereife beginnt in’ der Mitte des Sommers
vor dem Aufgaug des Hundgeſtirns, oder ſogleich nach dem
Aufgauge deffelden. Am dreißigfien Tage ungefähr fommt
man nad Ocelis **%) in Arabien, oder nah Caue [Keſchin]
in einer weihrauchtragenden Landſchaft. Ein britter Hafen
heißt Muza [Mauſchid], den aber nicht die Indienfahrer,
fondern nur die Kaufleute, welche mit Weihrauch und andern
Arabifhen Wohlgerüchen handeln, beſuchen. Weiter im Ins
neren liegt die Hauptſtadt diefer Gegend, melde den Na⸗
men Gaphar, ***) und eine andere, weldye Save +) beißt.
Für die nad) Judien Neifenden iſt die Abfahrt von Dcetis
Die vortheilhaftefte. Von da fegelt man man mit dem Winde
Hippalus [Weſtwinde] in vierzig Zagen nah Muziris
*) Die Ruinen, welche man jegt Haboo (Kabu) Gray nennt,
lagen an ber Foul⸗Bai (23° 50° N. Br.)
) ag an der Straße Bab⸗el⸗Mandeb.
+) Noch jetzt heißen bie Ruinen biefer Stadt Safar; fie lie⸗
— Jemen im Bezirke Scherim, bei dem Dorfe Ma⸗
raſſe.
vag in Jemen, auf dem Berge Gabber, im Bezirke Tas.
x
Sechstes Bud). 668
[Mangalore], dem erften Stapelplape Indiens, nad welchem
man aber der Geeräuber wegen, die ſich in der Nähe an eis
nem Drte, der Nitriä [Earwar] heißt, aufhalten, nicht geru
fleuert, und wo man auch Beinen bedeutenden Waarenvorrath
findet. 410. Außerdem liegt die Rhede für bie Schiffe zu
weit vom Lande: man muß die Ladung auf Kähnen herbei»
ſchaffen, und auf diefelbe Weife Löfdfen. Hier herrſchte, als
ich Dieß ſchrieb, Eelebothras. Bei dem Volke der Necanis
den findet man einen weig befferen Hafen, weldyer den Na⸗
men Barace [Biziadroog) führt. Hier herricht der König
Dandion in einer weit von dem Gtapelplage nad) dem In⸗
neren hin liegenden Stadt, Modufa [Madura] genannt.
Die Gegend aber, ans weldyer der Pfeffer in Kähnen, bie
ans einem einzigen Baumflamme verfertigt ſind, nady Bas
race gebracht wird, heißt Gottonara [Canara]. Alle dieſe
Bölker s, Häfen: und Städtenamen findet man bei keinem
der früheren Gchriftiteller, woraus erhellt, daß der Zuſtand
der Orte Veränderungen unterworfen fey. 411. Aus Indien
fit man zu Anfang des Aegyptiſchen Monats Todis,
welcher unferem Dezember entfpricht, oder Doch ſpäteſtens
am fechsten Tage des Aegyptiſchen Monats Medjir, nämlich
während der Idus [pi zum dreizehnten Tage] unferes Jar
nuars zuräd ; und jo kommt es, daß man nody in demfelben
Fahre die Heimreife antritt. Man fegelt von Indien her
mit dem Binde Bulturnus [Oſtſüdoſt), nnd wenu man in
Das Rothe Meer eingelaufen ift, mit dem Africus ſSüdweſt]
oder Auſter [Süd]. Kehren wir jetzt zu unſerer Aufgabe
zu rück. ia
XXVII. Die Küfte Carmaniens [Kerman], ſchr
*
m opugt vd vn,
662 C. Plinius Naturgeſchichte.
Nearchus, iſt 1 260,000 Schritte [250 M.] lang.. Bon ihrem
Anfangspunkte bis zum Fluffe Sabis *) find 400,000 Schritte
[20 M.]. Von bier an bis zum Fluſſe Undauis [Rebe
Ibrahim] werden auf einer Gtrede von 25,000 Schritten
[5 M.] Weinberge und Selder gebaut. Die Gegend beißt
Armuzia. Städte Carmaniens find Zethis und Alerandria. **)
XXVIIU. 4. Auch in diefem Theile Aſſens bricht ein
doppeltes Meer in das Land herein; unfere Landsleute nen⸗
nen es das Rothe, die Griechen aber das Ervytbräiſche,
entweder von dem König @rpibras ‚”) oder von feiner
rothen Zarbe, welche nad einer Meinung durch die Bre⸗
hung der Sonnenfirahlen, nad einer anderen von dem
Sand und dem Boden hervorgebracht werden, nad einer
dritten eudlich dieſen Waſſer von Natur eigenthämtich
feyn ſoll.
(xxiv). Es theilt ſich in zwei Bufen, von denen der
nad Dften bin liegende der Perfifche heißt, und nad der
Angabe des Eratoſthenes 2,500,000 Schritte [500 M.] im
Umfang bat. Gegenüber liege Wrabien, deſſen Länge
4,200,000 Schritte [240 M.] beträgt, und das auf feiner
andern Seite von dem zweiten Meerbufen, welcher der
Arabiſche genannt wird, umgeben iſt.“ 2. Der [in bie Bu⸗
fen] einfrömende Dcean heißt der Azaniiche. > Der Per
ſiſche Meerbufen hat an feiner Mündung eine Breite von
*, MWahrfcheinlich ein unbedeutender, jegt namenlofer Küs
ſtenfluß.
29) Die Lage dieſer beiden Stadte ut fi nicht beflimmen,
u A. Eurtins, VIII, 9, 14. X. 1. 13,
“das Urabifche Meer genannt.
-
Sechstes Bud. 663
5doo, nach Andern von 4000 Schritten. %_ Den geraden
Weg von der Mündung bis zum innerſten Winkel des Bus
fens berechnet man mit ziemlicher Gewißheit auf 1.125 000
Säritte [225 M.]. **) und vergieiht feine Geſtait mit der
Form eined Menſchenkopfes. Nach der Angabe des Oueſi⸗
critus und des Nearchus beträgt die Entfernung vom Ziuffe
Fudus bis in den Perfiſchen Meerbufen, und von da, die
Eümpfebes Suphrates aufwärts dis nad) Babylon 2,500,000.
Schritte [500 M.].
35. In dem änßerfien Winkel Carmaniens findet man
die Chelenephagen [Scildfröteneffer] welche mit den Schea:
len der Schitdtröten ihre Wohnhütten bededen, und das
Fleiſch Diefer Thiere verzehren. ie wohnen vom Sluſſe
Arbis [Eudfchi} an um Das Borgetirg [Fast] ſelbſt, And
am ganzen Körper, das Antlitz ausgenommen, behaart und
kleiden ſich in Fiſchhänte.
(xsv). Auf dem Wege von ihrem Lande nach Indien Hin
liegt im Ocean die wüſte Jaſel Baicandrus Laredſch)j,
weiche 50,000 Schritte [to M.] groß ſeyn foll, und neben
ihr, nur durch eine Meerenge ton ihr getrennt, Gtoidis
ſHormus] mit einträgticher Pertenfiiherei. 9%. Bon dem
Beorgebirge an greiizen an die Carmaner die Armozeer.
Manche ſtellen -zwifchhen beide anf eine Küftenftrede von
2) Hier fcheint fi ein Fehler in den Text eingefchlichen zu
baven, wenn nicht Plinius felbft and Nachlaͤßigkeit einen
foren beging. Denn bie Straße von Ormus iſt nicht
1 M., fondern 10 M. breit, .
⸗20) Diefe Zahl if viel su groß. Die Länge bed Periifchen
Golfs beträgt höchſtens 140 M,
NW
or
—
664 C. Plinius Naturgeſchichte.
402,000 Schritten [86°/; M.] die Arbier.*) Hier findet man
den Hafen der Macedonier [Fast], auf einen Vorgebirge
[Mubaruk)] die Altäre Alexanders, die Flüffe Saganos
[Diwrud], Daras [Darabin] und GSalfos [Litaregan] ; nach
diefem das Vorgebirg Themiſteas [Kenn] und die bewohnte
Inſel Approdifiae [Kiſchm). Hier beginnt Perſis [Fars],
und reicht bis zum Fluſſe Oroatis [Tab], welcher es von
Elymais [Khuſſſtan] fcheidet. Vor Perſis liegen die Juſeln
Philos [Buſcheab), Caſandra [Schittuar) und das dem
Neptun geheiligte Aracia [(Hinderabi] mit einem ſehr hohen
Berge. Perfis ſelbſt, weiches gegen Welten hin liegt und
eine Küftenftrede von 550 000 Schritten [110 M.] einnimmt,
ift bis zum Uebermaße reich, wird aber ſchon feit langer
Zeit unter dem Namen des Reiches der Parther mitbegrif:
fen. Ben der Herrſchaft der lepteren mäflen wir bier Ei⸗
niges faqen.
XXIX. 1. & gibt: in Allem achtzehn Dortbifche Reihe:
auf Diefe Weife bezeichnet man nämlich die Provinzen,
welche (wie wir ſchon **) bemerkt haben) um zwei Meere,
das Rothe gegen Süden und das Hprkanifde'gegen Norden,
liegen. ilfederfeiben,, weiche die oberen heißen, beginnen
an der Grenze Armeniens und den Befladen des Caſpiſchen
Sees; fie liegen nah" den Schthen bin, deren Lebensweiſe
man aud ſchon hier findet; die fieben übrigen werden
*) Die Urmozerr unb Arbier mohnten alfo in bem jegigen
Kerman’fhen Difiritte Moghiftan. UAn die Armozeer
erinnert noch der Name ber Inſel Hormus.
*.,, Kap. 16. $. 1.
x
untere Reihe genannt. 2. Was die Parther betrifft, fo war
das eigentliche Partbien immer an dem Buße der ſchon öf⸗
ter genannten Berge, *) welche alle diefe Bölker umgeben.
Es fößt gegen Dften an die Urier, gegen Süden an Car⸗
manien und an die Ariauer, gegen Welten an die Pratiti«
fhhen Meder, gegen Norden an tie Hprcaner, und if allents
halten von Wüſteneien umgeben. **) Die weiterhin [nady
Dften zu] folgenden Parther nennt man Nomaden; dieffeits
[rad Welten hin) liegen Wüſten. Ihre Etädte ſind im
Welten Jffatis und Calliope, von deren ſchon ***) die Rede
war ; im Nordoften Europum, +) im Südoſten Mania, ++)
in der Mitte Hecatompylos Damaghan], die Neildenz des
Arſaces, und das berühmte Nicäa [Nefa] in der Landſchaft
: Barthyene, wo and) Alerandropolis liegt, welches nach ſei⸗
nem Erbauer benannt ift.
(vi), 5. Es ift nothwendig, bier anch die Lage der
Meder näher zu bereichnen, und die Vordergrenze des Lan⸗
des bis zum Perflihen Meere zn befchreiben, damit dann
Das, Uebrige leichter überfehen werden könne. Medien tritt
von Welten her in fchräger Richtung Parthien quer entgegen,
e) Der Caucafiſchen. Kap. 16. $. 1.
*o) Das eigentliche Partbien umfaßte alfo den bſtlichen Theil
ber, Provinz Irak und den wefllihen ber Provinz Ehos
raſſan.
”.r. Kap. 17. $. 2.
+) Gie bieß fpäter Rei; auch von diefer neueren Gtabt fins
det man nur Trümmer, etwas füdöflid von Teheran.
TYP) Diefe Stadt, beren Sant unbefannt if, Kommt fonft
nicht vor,
666 C. Plinius Naturgeſchichte.
und ſchließt die beiderlei Reiche *) ein. Es grenzt alſo
öſtlich an die Caſpier und die Parther, ſüdlich an Sittacene,
Suflane und Perſis, weſtlich an Adiabene und nördlich an
Armenien. **) 4. Die Perfer wohnten von jeher am Rothen
Meere, weßhalb diefer Bufen aud der Perfifhe genannt
wird; die Küſtenſtrecke ſelbſt beißt Syrtibolos; ”**) die
Stelle aber, wo fle ſich nach den Medern bin erhebt, Cli⸗
mar Megale [aroße Steige], weil man durch einen engen
Zugang +) einen Berg bis nach Perfepolis [Ifacdır) , ter
von Alerander [350 v. Chr.] zerflörten Hauptſtadt des Reis
des, auf Stufen mühſam hinaufſteigt. Außerdem findel
man noch an den äußerften Grenzen das von Antiochus ++)
erbaute Laodicea. T1}) 5. Deftlid von da befigen die Ma:
ger das Kaflell Paffagardä [Darabfcherd], in welchem ſich
Das Grab des Eyrus +*) befindet; Echatana, eine andere
*) Namlich die eilf oberen und bie fieben unteren Reiche oder
Provinzen, von denen zu Anfang dieſes Kapitels die
Rede war.
ꝛ95) Medien umfaßte demnach eine bedeutende Strecke bed
Merfifhen Reiches, nämlich bie heutigen Provinzen his
Ian, Aferbeibfchan, den weillichen Theil von Maſanderan
und die größere weltliche Hälfte von Irak.
esey Bon Zuprs und Aulos, ein ſyrtenaͤhnliches Land (der
jegige Bezirk Kobab).
+) Der Engpaß Sufrab bei dem Schloffe Kalai Sefib.
+4) Dem erfien dieſes Namend (282—262 vor. Ehr.), bein
Sohne des. Seleucus Nicator.
+7) Die Lage fowohl dieſer Stadt, als aud) des ſogleich fols
genden Schatana (verfchieden von ber gleichnamigen Haupt⸗
ſtadt Mediens) ift unbekannt.
+) Vgl. Arrianıs de exped. Alexandri, VI, 29,
Sechsſtes Buch. - | 667
Gtadt der Mager , wurde von König Darius nadı dem Bes
birge hin verlegt. Zwiſchen den Parthern und Arianern zies
den fi die Parätacener hin. *) Bon diefen Boltsttämmen
und dem Euphrat werden die nnteren Reiche eingefchloflen.
Auf die übrigen werden wir, fobald wir Mefopotamien (jes
doch mit Ansnahme der Spitze defielben und der ſchon im
Dem vorhergehenden Bude *%) beiprodhenen Arabiſchen
Stämme) beſchrieben haben, zurückkommen. =)
XXX. 4. Mefopotamien +) gehörte gang den Affyriern.
Die Bevölkernug war, wenn man die- Städte Babylon +7)
und Ninns HF) ausnimmt, in Dörfern zerfirent, wurde
aber der Fructbarteit des Bodens wegen von den Mack
doniern in Gtädte vereinigt, und man findet jept außer dem
eben genannten noch die Städte Selencia, +*) Laodicen, t°*)
Artemifta [Deftagerd], ferner bei dem Stamme der Araber,
weiche Oreer und Mardaner beißen, Antiochia [&ftetlat],
welches von Nicanor, einem Statthalter Mefopotamiens, ers
bant wurde, und das Arabiſche heißt; daran floßen landeins
» % dem füdliden Striche der Provinz rat,
”*, B. V. Ray. 2l,
59, Kay. 31.
+) Die Ejalets Moſſul, Diarbefr und Ratte,
++) Man findet die Ruinen von Babylon etwas nörblich vom
der Stadt Hille am Frat.
+++) Soll an der Stelle des heutigen Dorfes Nunia, auf ber
Dftfeite des Tigr, Mofful gegenuͤber. geſtanden haben.
+*) Ruinen ungefähr fünf Meilen füpdöftiih von Bagdad am
Tigr, an einer Stelle, weldye AI Mobain beißt.
+") Eine ber ſechs von Seleucus gebauten Städte dieſes Nas
mens, deren Lage unbekannt ift,
'
668 C. Plinius Naturgeſchichte.
wärts die Eldamariſchen Araber, 2. Oberhalb derſelben am
Fluſſe Pellaconta INehr Kutal] findet man tie Stadt Bara, *)
die Salmanifchen und die Mafeifchen Araber. Un die Gor⸗
dyäer 9%) aber grenzen bie Aloner, durch deren Gebiet der
Fluß Zerbis "N in den Tigris fällt, die Azonen, das Berg«
vote der Silicer und die Oronten ; weſtlich von dieſen liegt
die Stadt Baugamela [Enkewat], deßgleichen Sue in einer
felfigen Gegend ; oberhalb derfelden folgen die Claſſſtiſchen
Silicer, durch deren Gebiet der Lyeus [3ab] aus Armenien
berfirömt , der Abfidris IAltunſu) nah Südoſten Hin und
die Stadt Azochis; dann in der Ebene die Stätte Diospage,
Polytelia, Stratonice, Anthemus ſDſcharmely], und in der
Nähe des Euphrat Nicephorium [Rakka], weiches, wie wie
ſchon +) gefagt haben, Ulerauder wegen der günfltigen Lage
des Ortes zu erbauen befahl. 3. Won Apamea wurde
ſchon ++) bei Zeugma geſprochen; geht man von hier nad
Oſten hin, fo kommt man zu einer vorzüglich befefligten
Stadt, welche einſt 70 o Stabien.[3' Stunden] im Umfange
*, Diefe Stadt kommt ſonſt nicht vor; vielleicht muß man
Dura leſen.
*0) Oper Corbuener. Vergl. Kap. 17. 6. 2. Die Aloner,
Azonen, Silieer und Oronten wohnten alſo in den Eja⸗
lets Schehrſor und Bagdad.
°., Plinius macht hier aus einem Fluſſe zwei. Denn ber
Zerbis ift Fein .anberer als ber Lycus Gab), welcher Bei
den Eingeborenen jeut noch Barb heißt, Vgl. C. Mans
nert Geogr. ber Er. u, Rom. Bd. V. Abthl. 2. (Reipz.
32 8.), ©, 319.
») B. V. Kay. 21. 4. 1.
= V. Kap. 9 5. 2
Sechstes Bud). 669
hatte; fle hieß die Nefidenz der Satrapen und in ihr floßen
Die Tribute zufammen: jett iſt fie zu einer Burg herabges
funten. Im alten Sufaude findet man noch Hebata und
Oruros, der. von Pompejus dem Großen beflimmte Grenz
pundt des Römiſchen Reiches, 250,000 Schritte [60 M.]
von Sengma. Manche behaupten, der Euphrat fey auf
Betrieb des Statihaltere Gobares da, wo er fid) nach ums
ferer früheren Bemerkung *) fpaltet, abgeleitet worden, bas
mit er nicht durch feinen allzurafhen Lauf Babyionien
Schaden bringe, Bei allen Affyrern führt er den Namen
Armalchar, was fo viel als ?öniglicher Fluß heißt. Wu der
Ableitungsftelle lag Wgranum, eine der größten Städte,
welche aber von den Perfern zerftört wurde.
4. Babylon, die Hanptfladt der Chaldäiſchen Stämme,
bewahrte lange Zeit ihren über die ganze Erde verbreiteten
Ruhm, weßhalb aud) der Übrige Theil Mefopotamiens nud
Affyriens den Namen Babplonien erhielt. Ihr Umfang
betrug 60,000 Schritte [12 M.], ihre Manern hatten eine
Höhe von 200, und eine Breite von 50 Buß, wobei man
nod) bemerken muß, daß jeder Fuß um drei Singer größer
ift, als der unfrige; durch fle ſtrömte der Euphrat , deſſen
&infaffung ein eben fo bewundrungswürdiges Werd war,
als die Mauern. Jetzt ſteht nur nody der Tempel des Ju⸗
piter Belus, welcher der Erfinder der Sternkunde if. 5. Im
Uebrigen ift fie eine Einöde geworden, indem das nahe Ges
leucia ihre Bevölkerung an fi zog. Nicator *8) hatte
*) B. V. Jap. 21. §. 4.
2, Seleneus Nicator regierte von 312 bi8 282 vor ehr. ’
670 » C. Plinius Naturgefhichte.
auch eine andere Abſicht, als er diefe Stadt nicht einmal
ganz neunzig [Röm., 18 geogr.) Meilen davon an dem Zu⸗
fammenfiuffe eines Fünftlihen Euphrattanales und des Ti⸗
gris erbaute, Gie führt den Beinamen die Babyloniſche, if
jeßt frei, hat ihre eigene Verfaffung und folgt Macedoni⸗
fher Sitte. Man gibt ihr eine Bevölkerung von ſechsmal⸗
hunderttanfend Seelen; ihre Mauern haben die Geftalt eis
nes die Flügel ausbreitenden Adlers, und ihr Gebiet iſt das
fruchebarfte ded ganzen Morgenlandes. 6. Um auch fie
wieder zu entvölkern, erbauten drei Röm., °/; geogr.) Meilen
von ihr in [der Landſchaft] EChalonitid die Parther Cteſi⸗
phon, *) welches nun die Hauptſtadt ihrer Reiche if. Da
aber damit nichts ausgerichtet wurde, fo erbaute vor Kar⸗
zem der König Vologefus in der Nachbarſchaft die Stadt
Bologefocerta,. **) Test findet man in Mefopotamien nod
die Stadt Hipparenum [Naharda], eben fo wie Babylon
durdy eine Schule der Chaldaͤer berühmt, am Fluſſe Nar:
raga [Nehr Sarijer], welchen Namen auch die Stadt führt. **%)
Die Mauern der Hipparener wurden von den Perſern zer
flört. In diefelde Gegend, weiter nad) Süden hin, fept
man auch die Ordiener, eine dritte Schule der Chaldaer,
und nad) diefen die Notiten, die Orthophanten und Die
Graͤciochanten.
7. Die Fahrt auf dem Euphrat vom Perſiſchen Meere
°, Die Ruinen dieſer Stadt findet man auf dem öSſtlichen
Ufer des Tigris, den Ruinen Seleucia's gegenüber.
**) Wenige Ruinen diefer Stadt liegen 1% M. Bftli von
Meiched Alt, nahe am Frat.
+2) E. Mannert, a. 0.0.8. V. Abthl. 2% 6, 283
Sechstes Buch. 674
aus bis nach Babylon beträgt nad) Nearchus und Oueſicri⸗
tus 412,000 Schritte [827% M.], nach fpäteren Schriftſtel⸗
Iern aber von Seleucia ans [bis zur Mündung] 440 000
Schritte [83 M.], nad) Juba von Babylon bis Eharar *)
475 000 Gtritte [35 M.). Nah Manchen ftrömt der Fluß
unter Babylon, ehe er in Bewäflerungstanädfe vertheilt wird,
in einem nnunterbrodyenen Bette 87,000 Schritte [17*1 M. ]
weit; die Länge feines ganzen Laufes aber beflimmt man
auf 1,000,000 Schritte [220 M.]. Die Verſchiedenheit des
Maßes ift die Urfache diefer abweichenden “Hrigaben ; denn
die Perfer rechnen andy nad) Schönen und Parafangen, **)
Andere wieder nad) Andern Maßen. 8. Sobald der Eu»
phrat aufhört durch fein Bett als Bollwerk zu dienen, näms
tich in dem Landflriche, weicher bis an die Grenze von Chas
rar reicht, machen auch ſchon die Attaler, ***) ein Arabi⸗
ſches Räubervolk, die Gegend unfiher. Hinter diefen folgen
die Sceniten. HD Un der Beugung des Euphrat aber bis zu
den Wüſten Syriens, wo er ſich, wie wir ſchon ++) gefage
haben, nach Süden wendet und die Palmyreniſchen Einöden
verläßt, haufen Arabifte Nomaden. tt Seleucia ift von
der Hanptfladt Mefopotamiend auf der Waſſerſtraße des
J
*% ©. Rap. 31. 9. 12.
”., Den Schönus fdhlägt man lendenna zu 11%, M., bie
Perfifhe Parafange (Farfang) zu °ı M. an.
“., In bem Theile der Bahia, wo ſich jegt die Stämme der
Moualy und Tay aufhalten,
) Val. unten Kap, 32. 6..2.
++) 2. V. Rap. 21. S. 2. J
+44) In dem Theile Arabiens, welcher jest Nabfched oder das
Land der Wachabiten heißt,
672 E. Minius Naturgeſchichte.
Euphrat 1,125,000 Schritte [225 M.], vom Rothen Meere,)
wenn man die Fahrt auf dem Tigris macht, 320 000 Edritt
[105% M.] entfernt. Bon Zeugma bis zu dem an. unferer
‚ Küfte **) liegenden Syriihen Seleucia [Kebfe] find ed 175 000
Schritte (35 M.]. Dieſes if hier die Breite der Länder
zwifchen den beiden Meeren ; ***) die Breite des Parthiſchen
Reiches aber beträgt 944,000 Schritte [188% M.].
XXXI 4. Es liegt auch noch an dem Ufer des Tigris,
bei feiner Vereinigung mit dem Euphrat, eine Mefopota-
mifche Stadt, welche Digba [Korna) heißt.
(kıvı). Bon dem Zigris felbit muß ebenfalls hier ger
fprochen werden... Er eutipringe in einer Landſchaft Groß⸗
armeniens [Ejalet Diarbekr] aus einer in einer Ebene zu
Tage liegenden Quelle. Der Ort führt den Namen legor
fine [Palil. Der Fluß heißt, fo weit er langfam flrömt,
Diglito [Difchlett] ; wo er aber feinen Lauf befchleunigt, ers
Hält er von feiner Schnelligkeit allmälig den Namen Tigris,
weldes Wort in der Sprache der Meder Pfeil bedentet.
Er geht in den See Arethuſa [NafiE], welcher alle in ihn
geworfenen Laften trägt und Galpeterdünfte aushaudht.
Darin lebt auch nur eine einzige Art von Fifchen und diefe
tommen eben fo wenig in das Bett des durchſtrömenden
Tigris, als die Fiſche des Fluſſes in den See übergeben.
Der Tigris unterfcheidet ſich durch feinen Lauf und feine
*) Dem Perfifchen Meerbufen , welchen Plinius als einen
Theil bes Rothen Meeres betrachtet.
* Am Mittellänbifchen Meere.
°*..) Dem Mittelländifhen Meere und dem Perfifchen Meer⸗
ufen, |
ı
Sechstes Bud. 673
Zarbe von dem Ger, und nachdem ex dieſen verlaffen hat,
fällt er da, wo ihm das Taurusgebirg entgegentritt , in
eine Höhle, fließt unter diefem weiter, und bricht auf der -
andern Geite deffelben an einem Orte, welcher Zorvauda
[Betlis] Heißt, wieder hervor. Daß es der nämliche Fluß
ſey, unterliegt Eeinem Iweifel; denn im ihn geworfene Be-
genflände bringe er hier wieder mit ſich zu Tage. Darauf
ftrömt er durdy einen andern Gee, weicher Thospites [Bus
Ianitoei) heißt, verſchwindet zum zweitenmal in unterirdifche
Gänge, und kommt 25 000 Schritte [6 M.] weiter bei Noms
phäum wieder zum Vorſchein.*) 53. Er fließt, nad dem
Berichte des Kaifers Claudius, in der Landſchaft Arrhene
[&rferum] fo nahe au dem Wrfanias, "*) Daß beide, wenn
fie anfchwellen,, zuſammenſtrömen, ***) ſich aber nicht mit
einander vermifchen ; fondern der leichtere Arfanias ſchwimmt
eine Strede von ungefähr 3000 Schritten [*; M.] oben,
trennt fi darauf wieder von dem Tigris und fällt in den
Euphrat. Der Zigris aber nimmt, nachdem er Armenien
verlaffen, die bedeutenden Flüſſe Parthenias [Murad] und
Nicephorio [Khabur].}) auf, trennt die Dreifchhen Araber
von den Wdiabenern, bildet das von us ſchon befchriebene
*, Plinius verwechfelt in feiner Beſchreibung mehr als eins
mal die weitlihen und bie boſtlichen Quellen bes Xigris,
”., Mor, B. V. Kap. 20. S. 1.
ees) Hier kann nur ber weftliche Auellenfiup des Tigris ges
meint ſeyn.
F) Plinius betrachtet biefe beiden Zigrisarme ald Nebenflüſſe.
€, Plinins Naturgeſch. 68 Bochn. 7
662. C. Plinius Naturgefchichte.
Mearchus, iſt 1.250,000 Schritte [250 M.] lang. Bon ihren
Aufangspunkte bis zum Fluſſe Sabis *) find 100,000 Schritte
[20 M.]. Bon Hier an bis zum Fluffe Undanis [Nehr
Ibrabim] werden auf einer Gerede von 25,000 Schritten
[5 M.) Weinberge und Belder gebaut. Die Gegend heißt
Armuzia. Städte Sarmaniens find Zethis und Alexandria. *”)
XXVIU. 4 Auchk in diefem Theile Aſiens bricht ein
Doppelte Meer in das Land herein; unfere Landsleute nens
nen es das Rothe, die Griechen aber das Ervtbraäiſche,
entweber von dem König Ervthras, ”, oder von feiner
rothen Zarbe, welche nad einer Meinung durch die Bra
hung der Sonnenfirahlen, nad einer anderen von dem
Sand und-dem Boden hervorgebracht werden, nad einer
dritten endlich diefem Waſſer von Natur eigenthümlich
ſeyn foll.
(xxıv), Es theilt ſich in zwei Dufen, von denen der
nad) Dften hin liegende der Perfifche heißt, und nad) der
Angabe des Eratofthenes 2,500,000 Schritte [500 M.] im
Umfang bat. Gegenüber liegt Wrabien, deſſen Länge
41,200,008 Schritte [240 M.] beträgt, und das anf feiner
andern Geite von dem zweiten Meerbufen, welder der
Arabiſche genannt wird, umgeben iſt. 2. Der [in die Bu⸗
fen] einftrömende Ocean heißt der Azaniſche. H Der Pers
ſiſche Meerbufen hat an feiner Mündung eine Breite von
*, Wabrſcheinlich ein unbebentender, jetzt namenloſer Küs
ſtenfluß.
20) Die Lage dieſer beiden Städte get fi nicht befſimmen.
“.. Mor. Eurtius, VIII. 9, 14. .1.13
+) Ieut das Arabifce Meer —*8
-
Sechstes Bud. :665
5000 , nach Andern von 4000 Schritten. %_ Den geraden
Weg von der Mündung bis zum ınneıftlen Winkel des Bus
fens berechnet man mit ziemlicher Gewißheit auf 41.125 000
Schritte [235 M.].**) und vergieicht feine Geflatt mit der
Form eines Menſchenkopfes. Nach der Angabe des Oueſi⸗
critas und des Nearchus beträgt die Entfernung vom Fluſſe
Indus bis in den Perfiſchen Meerbufen, und von da, Die
Sumpfe des Euphrates aufwärts bis nady Babylon 2,500,000.
Schritte [500 M.].
3. In dem änßerfien Winkel Carmaniens findet man
die Chelenephagen [Schildfröteneffer] welche mit den Scha:
fen der Schitdfröten ihre Wohnhütten bededen, und das
Fleiſch dieſer Thiere verzehren. Sie wohnen vom Ziuffe
Arbis [Sudſchi]) an um das Vorgebirg [Fast] feibft, find
am ganzen Körper, das Antlitz ausgenommen, behaart und
leiden ſich in Fifchhäute.
(xsv). Auf dem Wege von ihrem Lande nad) Indien hin
liegt im Dcean die wüſte Juſel Baicandrus Laredſch)j,
weiche 50,000 Schritte [10 M.] groß ſeyn foll, und neben
ihr, nur durch eine Meerenge von ihr getrennt, Gtoidis
ſHormus] mit einträgticher VPertenfiherei. 4. Bon dem
Vorgebirge an greiizen an die Carmaner die Armozeer.
Manche flellen -zwifchen beide anf eine Küftenfirede von
,*) Hier fcheint fidy ein Fehler in den Text eingefchlichen zu
baden, wenn nicht Plinius felbft ans Nachläßigfeit einen
foihen beging. Denn die Straße von Ormus ift nicht
1 M., fondern 10 M. breit, ,
”*, Diefe Zahl if viel au groß. Die Länge des Perſiſchen
Golfs beträgt höchſtens 140 M.
664 C. Plinius Naturgefchichte.
402,000 Schritten [86?/; M.] die Urbier. *%) Hier findet man
den Hafen der Macedonier [Fast], auf einem VBorgebirge
[Mubaruk] die Altäre Alexanders, Die Flüſſe Gaganos
[Diwrud], Daras [Darabin] nud Salſos [Litaregan) ; nach
dieſem das Vorgebirg Themiſteas [Kenn] und Die bewohnte
Inſel Aphrodifias ſKiſchm]). Hier beginnt Perſis [Bars],
und reicht bis zum Fluſſe Droatis [Tab], weldher es von
Elymais [Khuflftan] ſcheidet. Vor Perſis liegen die Infeln
Philos [Bufheab], Eafandra [Edyittuar) und das dem
Neptun geheiligte Uracia [Hinderabi] mit einem ſehr hoben
Berge. Perfls feibft, weiches gegen Welten bin liegt und
eine Küftenftrede von 550 000 Schritten [110 M.] einnimmt,
ift bis zum Uebermaße reich, wird aber ſchon feit lauger
Zeit unter dem Namen des Reiches der Parther mitbegrifs
fen. Ben der Herrfchaft der letzteren müſſen wir hier Ei⸗
niges fagen.
XXIX. ı. Es gibti in Allem achtzehn Parthiſche Reiche:
auf dieſe Weiſe bezeichnet man nämlich die Provinzen,
welche (wie wir ſchon **) bemerkt haben) um zwei Meere,
Das Rothe gegen Süden und das Hprkanifche'gegen Norden,
liegen. ilfederfeiben,, weiche die oberen heißen, beginnen
an der Grenze Armeniens und den Geſtaden des Caſpiſchen
Sees; fie liegen nach den Scythen bin, deren Lebensweife
man auch ſchon bier findet ; Die fleben übrigen werden
*) Die Armozeer und Arbier wohnten alfo in bem jetigen
Kerman’fhen Difiritte Mogbiftan. An die Armozeer
erinnert N der Name ber Infel Hormus.
*®) ‚Rap. 16. 5. 1.
\
Sechstes Bud. - 665
untere Reihe genannt. 2. Was die Parther betrifft, fo war
Das eigentliche Parthien immer an dem Buße der fchon öfs
ter genannten Berge, ) welde alle diefe Völker umgeben.
Es ſtößt gegen Oſten an die Arier, gegen Süden an Ears
manien und an die Wrianer, gegen Wellen an die Pratiti⸗
ſchen Meder, gegen Norden au Lie Hprcauer, und iſt allents
halden von Wüfteneien umgeben. °*) Die weiterhin [nad
Dften zu] folgenden Parther nennt man Nomaden; dieffeits
[rad Welten Hin) liegen Wüſten. Ihre Etädte find im
Welten Ifſſatis und Ealliope; von deren ſchon *°*) die Rede
war ; im Nordoften Europum, +) im Südoſten Mania, ++)
in der Mitte Hecatempplos [Damagban], die Nefldenz des
Arſaces, nnd das berühmte Nicäa [Neſa] in der Landfchaft
Parthyene, wo auch Alerandropolis liegt, welches nach ſei⸗
nem Erbauer benannt iſt.
(vi). 3. Es iſt nothwendig, bier auch Die Lage der
Meder näher zu bezeichnen, und die Vordergrenze des Lan⸗
Des bis zum Perfiihen Meere zu befchreiben, damit dann
Das, Uebrige leichter überſehen werden könne Medien. tritt
von Welten her in fchräger Richtung Parthien quer entgegen,
») Der Caucafiſchen. Kap. 16. 6. 1.
”*o) Daß eigentlive Parthien umfaßte alfo ben Öftlichen Theil
ber, Provinz Irak unb den weftlihen ber Provinz Ehos
raſſan.
”. Rap, 17. 6. 2.
+) Sie hieß ſpäter Rei; auch von dieſer neueren Stadt fins
det man nur Trümmer, etwas ſfüddſtlich von Teheran.
TH Diefe Stadt, beren Lase unbekannt iſt, kommt ſonſt
nicht vor.
666 C. Plinius Naturgeſchichte.
und ſchließt die beiderlei Reiche *) ein. Es grenzt alle
öftlich an die Eafpier und die Parther, füdlid an Sittacene,
Suflane und Perſis, weltli an Adiabene und nördlid an
Armenien. **) 4 Die Perfer wohnten von jeher am Rothen
Meere, weßhalb diefer Buſen aud der Perfifhe genannt
wird; die Küftenftrede felbft heißt Syrtibolos; "**) die
Stelle aber, wo fie fi nad) den Medern hin erhebt, Cli⸗
mar Megale [große Steige], weil man durch einen engen
Zugang + einen Berg bis nad) Perfepolis [Iſtacht], ter
von Alerander [350 v. Chr.] zerflörten Hauptfiadt des Reis
des, auf Stufen mühſam binauffleige, Ausßerdem findet
man noch an den äußerſten Grenzen das von Antiochus +4)
erbaute Laodicea. IF) 5. Deftlid) von da befigen die Mas
ger das Kaſtell Paffagardi [Darabfcherd] , in welchem ſich
Das Grab des Eyrus +*) befindet; Echatana, eine andere
+) Nämlich die eilf oberen und bie fieben unteren Reiche oder
Provinzen, von benen zu Anfang diefed Kapitels die
Rede war.
4) Medien umfaßte demnach eine bedeutende Strecke bed
Merfifhen Reiches, nämtich bie heutigen Provinzen Ghis
lan, Aferbeidfchan, den weillihen Theil von Mafauderan
und die nrößere weftliche Hälfte von Irak.
., Won Ziors und ABolos, ein furtenähnliches Land (ber
jegige Bezirk Kobad).
+) Der Engpaß Sukrab bei dem Schloffe Kalai Seſid.
++) Dem erften dieſes Namens (282—262 vor. Ehr.), dem
Gohne bed. Seleucus Nicator,
4 Die Lage ſowohl diefer Stadt, als auch des ſogleich fol
oruden Ecbatana (verfchieden von der gleichnamigen Haupt⸗
ſtadt Mediens) iſt unbekannt.
1°) Bel, Axrianus de expod. Alexandri, VI, 20.
Schstes Bud. - 667
adt der Mager, würde von König Darius nach dem Ber
ge hin verlegt. Zwiſchen den Parthern und Arianern zies
fi) die Parätacener Hin. *) Bon diefen Boltshämmen
, dem Euphrat werden die unteren Reiche eingeſchloſſen.
f die Übrigen werden wir, fobald wir Mefopotamien (je⸗
) mit Ausnahme der Spitze deſſelben und der ſchon im
ı vorhergehenden Bude *% beſprochenen Arabiſchen
ımme) befehrieben haben, zurückkommen. ***) '
XXX. 4. Mefopotamien +) gehörte ganz den Affyriern.
Bevölferung war, wenn man die- Städte Babylon +7)
Ninns HF) ausnimmt, in Dörfern zerfirent, wurde
: der Fruchtbarkeit des Bodens wegen von den Maces
tern in Städte vereinigt, und man findet jent außer deu
; genannten nod) die Städte Gelencia, +) Laodicea, **)
emiſta [Deflagerd], ferner bei dem Gtamme der Araber,
be Dreer und Mardaner heißen, Autiochia [&fetlat],
bes von Nicanor, einem Statthalter Mefopotamiens, ers
' wurde, und das Arabifche heißt; daran ftoßen landein⸗
) In dem füblihen Steige der Provinz Irak.
) B. V. Kap. 21.
ı Kap. 31.
> Die Cjaletd Moful, Diarbekr und Rakka.
> Man findet die Ruinen von Babylon etwas nördlich von
der Stadt Hille am Frat.
> Sol an ber Stelle des heutigen Dorfes Nunia, auf ber
Dftfeite des Tigr, Mofful gegenüber. geftanden haben,
> Ruinen ungefähr fünf Meilen ſuüddſtlich von Bagbad am
Zigr, au einer Stelle, welche Al Modain heißt.
>» Eine ber ſechs von Geleucus gebauten Städte biefed Mas
mens, deren Lage unbekannt ift.
'
668 C. Plinius Naturgeſchichte.
wärts die Eldamariſchen Araber, 2. Oberhalb derſelben am
Biuffe Pellaconta INehr Kutal] findet man tie Stadt Bura, *)
die Salmaniſchen und die Maſeiſchen Araber. Un die Gor⸗
dyäer **) aber grenzen die Aloner, durdy deren Gebiet der
Fluß Serbis*"H in den Tigris fällt, die Azonen, das Berg⸗
volk der Silicer und die Oronten; weftlich von dieſen liegt
die Stadt Gaugaméla [Enfewat], deigleihen Eue in einer
felfigen Gegend ; oberhalb derfelben fulgen die Claſſltiſchen
Gilicer, durch deren Gebiet der Lycus [Bad] aus Armenien
berftrömt , der Abfidris [Altunfu] nad) Südoften hin und
die Stadt Azochis; dann in der Ebene die Städte Diospage,
Polytelia, Gtratonice, Anthemus ſ[Dſcharmely], und in der
Nähe des Euphrat Nicephorium [Rakka], weiches, wie wir
ſchon +) gefagt haben, Alerander wegen der günftigen Lage
des Ortes zu erbauen befahl, 3. Bon Apamea wurde
fhon ++) bei Zeugma geſprochen; geht man von bier nad
Dften Hin, fo kommt man zu einer vorzüglich befeftigten
Stadt, welde einſt 70 o Stadien 13h Stunden] im Umfange
*, Diefe Stadt kommt ſonſt nicht vor; vielleicht muß man
Dura lefen.
“, Oder Corduener. Vergl. Kap. 17. $. 2. Die Aloner,
Azonen, Gilieer und Oronten wohnten alfo in den Eja⸗
lets Schehrſor und Bagdad.
., Plinius macht hier aus einem Fluſſe zwei. Denn ber
Serbis iſt Fein ‚anderer ald der Lyens Gab), welcher bei
ben Eingeborenen jeut noch Barb Heißt. Bol. C. Maus
nert Geogr. der Br. u, Rom. Sb. V. Abthl. 2, (Being.
1829. 8.), ©. 319,
) B. V. Kay. 21. 5. 1.
1) B. V. Kap, 21 5. 2.
Sechsſstes Bud. 669
te; fe hieß die Nefidenz der Satrapen und in ihr floßen
Tribute zuſammen: jept-ift fie zu einer Burg herabges
Pen. Im alten Zuſtande findet man noch Hebata und
ır08, der.von Pompeius dem Großen beflimmte Brenz
kt des Römischen Reiches, 250,000 Schritte [50 M.]
Sengma. Manche behaupten, der Eupbrat fey auf
rieb des Statthaltere Gobares da, wo er fidy nach uns
r früheren Bemerkung *) fpaltet, abgeleitet worden, bas
er nicht durch feinen allzuraſchen Lauf Babylonien
aden bringe. Bei allen Affprern führt er den Namen
valdyar, was fo viel ale Töniglicher Fluß heißt. Un der
titungsftelle Tag Agranum, eine der größten Gtädse,
he aber von den Perfern zerflört wurde.
4. Babylon, die Hauptfladt der Epaldäiichen Stämme,
ahrte fange Zeit ihren über die ganze Erde verbreiteten
m, weßhalb aud) der Übrige Theil Mefopotamiens und
riens den Namen Babplonien erhielt. hr Umfang
ug 60,000 Schritte [12 M.], ihre Mauern hatten eine
e von 200, und eine Breite von 50 Buß, wobei man
bemerken muß, daß jeder Fuß um drei Singer größer
als der unfrige; durch fle ſtrömte der Euphrat, deſſen
'affung ein eben fo bewundrungswürdiges Werd war,
die Mauern. Jetzt ſteht nur noch der Tempel des Ju⸗
: Belns, welcher der Erfinder der Sternkunde iſt. 5. Im
igen ift fie eine Einöde geworden, indem das nahe Ges
a ihre Bevölkerung an ſich zog. Nicator **) hatte
) 8. V, Say. 21. 9. 4. j
) Geleuens Nicator regierte von 312 Bid 282 vor Ehr, -
670 - C. Plinius Naturgefdhichte.
auch feine andere Abſicht, als er dieſe Stadt nicht einmal
ganz neunzig [Röm., 18 geogr.) Meilen davon an dem Zu⸗
fammenfiuffe eines Tüuftlihen Euphratkanales nnd des Ti⸗
gris erbaute, Gie führt den Beinamen die Babyloniſche, ik
jegt frei, hat ihre eigene Verfaflung und folgt Macedoni⸗
fher Gitte. Man gibt ihr eine Bevölkerung von ſechsmal⸗
hunderttanfend Seelen; ihre Mauern haben die Geſtalt eis
nes die Flügel ausbreitenden Adlers, und ihr Gebiet iſt das
fruchtbarfte des ganzen Morgenlandes. 6. Um aud fie
wieder zu entvölkern, erbauten drei Röm., ?°/, geogr.) Meilen
von ihre in [dev Landſchaft] Chalonitis die Parther Cteſi⸗
phon, *) weiches nun die Hauptftadt ihrer Reihe if. Da
aber damit nichts ausgerichtet wurde, fo erbaute vor Kar⸗
zem der König Vologefus in der Nachbarſchaft die Stadt
Vologeſocerta. *8) Test findet man in Mefopotamien noch
die Stadt Hipparenım [Naharda], eben fo wie Babylon
durch eine Schule der Chaldaͤer berühmt, am Fluſſe Nars
raga [Mehr Sarijer], weichen Namen auch die Stadt führt. »)
Die Manern der Hipparener wurden von den Verfern zer
flört. Im diefelde Gegend, weiter nah Süden bin, fept
man auch die Orchener, eine dritte Schule der Ehaldäer,
und nad, diefen die Notiten, die Orthophanten und Die
Graͤciochanten.
7. Die Fahrt auf dem Enphrat vom Verſiſchen Meere
*, Die Ruinen dieſer Stadt findet man auf dem öſtlichen
Ufer des Tigris, den Ruinen Seleucia’s gegenüber.
**) Wenige Ruinen diefer Stabt liegen 1, M. bſtlich von
Meſched Ati, nahe am Frat.
=) E. Maunert, a. a. D. 8, V. Abthl. 2 6, 28%
Sechstes Buch. 6
aus bis nach Babylon beträgt nad) Nearchus und Oneſicri⸗
ins 412,000 Schritte [82% M.], nach fpäteren Scriftſtel⸗
lern aber von Seleucia aus [bis zur Mündung] 440 000
Schritte [88 M.), nady Juba von Babylon bis Eharar *)
175 000 Schritte [35 M.]. Nah Manchen ſtrömt der Fin
unter Babylon, ehe er in Bewäflerungstanäfe vertheilt wird,
in einem nnunterbrodyenen Bette 87,000 Schritte [17% M.}
weit; die Länge feines ganzen Laufes aber beflimmt man
nf 1,000,000 Schritte [220 M.]. Die Berfhiedenheit des
Maßes ift die Urfacye dieſer abweichenden Augaben; denn
vie Perfer rechnen aud nad) Schönen und Parafangen, »)
Andere wieder nad Andern Maßen. 8. Sobald der En⸗
yhrat aufhört durch fein Bett als Bollwerk zu dienen, näm:
ich in dem Landflriche, welcher bis an die Grenze von Chas
ar reicht, machen auch ſchon die Attaler, ***) ein Arabi⸗
ches Räubervolß, die Gegend unficher. Hinter diefen folgen
ie Sceniten. D Un der Bengung des Euphrat aber bis zu
en Wüften Syriens, wo er fid, wie wir fhon ++) geſagt
‚aben, nach Süden wendet und die Palmyreniſchen Einöden '
ertäßt, haufen Arabifte Nomaden. 744) Seleucia ift von
er Hauptſtadt Mefopotamiens auf der Waſſerſtraße des
*) ©. Ray. 31. $. 12.
”., Den Schönus fchläpt man lendenn zu 11% M., bie
Perfifhe Parafange (Farfang) zu °ı M. an.
”., In dem Theile der Bahia, wo ſich jeyt die Stämme der
Moualy und Tay aufhalten,
+) Bol. unten Kay, 32, 9. 2.
+4) 8. V. Rap. 21. 5.2.
+) In dem Theile Arabiens, weicher jegt Nabfched ober das
Land ber Wachabiten Heißt,
672 C. Nlinius Raturgefchichte.
Euphrat 1,125,000 Schritte [225 M.], vom Rothen Meere, °)
wenn man die Fahrt auf dem Tigris madyt, 320 000 Edritt
(105%: M.] eutfernt. Bon Zeugma bis zu dem am unferer
‚ Küfte **) liegenden Syriſchen Seleucia [Kebſe] find es 175 000
Schritte [35 M.]. Diefes if hier die Breite der Länder
zwiſchen den beiden Meeren ; *°*) die Breite des Parthiſchen
Reiches aber beträgt 944,000 Schritte (188%; M.].
XXXI 4. Es liegt auch noch an dem Ufer des Tigris,
bei feiner Bereinigung mit dem Euphrat, eine Mefopota
miſche Stadt, welche Digba [Korna] heißt.
(xxvii). Bon dem Zigris ſelbſt muß ebenfalls hier ges
ſprochen werden. Er entipringt in einer Landfchaft Groß:
armeniens [&jalet Diarbekr] aus einer in einer Ebene zu
Tage liegenden Quelle. Der Ort führt den Namen lego
fine [Palil. Der Fluß heißt, fo weit er langfam ſtroͤmt,
Diglito [Difchlett] ; wo er aber feinen Lauf beſchleunigt, er
hält er von feiner Gchuelligkeit allmälig den Namen Zigris,
welches Wort in der Sprache der Meter Pfeil bedeutet.
Er gebt in den Gee Arethufa [NafiE] , weldyer alle in ibn
geworfenen Laften trägt und Galpeterdünfte aushaucht.
Darin lebt auch nur eime einzige Art von Fiſchen und Diele
kommen eben fo wenig in das Bett des durchſtrömenden
Tigris, als die Fiſche des Fluſſes in den See übergeben.
Der Tigris unterfcheidet ſich durch feinen Lauf und feine
*», Dem Perfifhen Meerbufen , welchen Plinius als einen
Theil des Rothen Meeres betrachtet.
) Am Mittelländifchen Meere,
es.) Dem Mittelländifchen Meere und ben Verfifchen Meer
ufen,
’
Schetes Bud. 675
ebe von dem Gee, und nachdem er dieſen verlaſſen baf,
t er da, wo ihm dad Taurusgebirg entgegentritt , in
e Höhle, fließt unter diefem weiter, und bricht anf der
ern Geite deffelben au einem Orte, welder Zoroanda
etlis] heißt, wieder hervor. Daß es der nämlihe Buß
unterliegt Eeinem Iweifel; denn in ihn geworfene Ge⸗
ftände bringt er hier wieder mit fi zu Tage. Darauf
mt er durch einen andern Gee, welcher Thospited [Bus
koei] beißt, verfhwindet zum’ zweitenmal in unterirdifche
ge, und kommt 25 000 Schritte [5 M.] weiter bei Nym⸗
am wieder zum Vorſchein. *) 3. Er fließt, nad dem
ichte des Kaiſers Elandins, in der Landſchaft Arrhene
ferum] fo nabe an dem Urfanias, "*) daß beide, wenn
infchwellen, aufammenftrömen, ***) fid aber nidyt mit
ander vermifdhen ; fondern der leichtere Arſanias (hwimme
Strede von ungefähr 4000 Schritten [*; M.] oben,
nt ſich darauf wieder von dem Tigris und fällt in den
hrat. Der Tigris aber nimmt, nachdem er Armenien
ıffen, die bedeutenden Flüffe Parthenias [Murad] und
»phorio ſKhabur] P auf, trennt die Dreifhen Araber
den Wdiabenern, bildet das von uns ſchon beſchriebene
) Plinins verwechfelt in feiner Beſchreibung mehr als eins
mal die mweftlichen und bie Öftlihen Quellen des Tigris.
» Mor. 8. V. Kap. 20. S. 1.
» Bier Bann nur der weſtliche Quellenſtuß des Tigris ge⸗
meint ſeyn.
) Plinius betrachtet dieſe beiden Tigrisarme als Nebenflüſſe.
Plinius Naturgeſch. 68 Boͤchn. 7
674 C. Plinius Naturgeſchichte.
Meſopotamien, berührt bei der Stadt Apamia in Meſene
Die Berge der Gorbyäer, und theilt ſich 125,000 Schritte
(25 M.] oberhalb des Babylonifchen Gelencia in zwei Arme,
von denen der eine Mefene durchſtrömt und feinen Lauf
nad Güden nnd nach Selencia richtet, der andere aber ſich
nah Norden hin abwendet, und im Rücken deffelben Bots
kes *) die Cauchiſchen Fluren **) durchichneidet. A. Nach:
dem ſich feine Gewäſſer wieder vereinigt haben, erhält er
den Namen Pafltigris, nimmt dann den Ehoaspes [Karın],
der aus Medien kommt, auf, und ergießt fih, nachdem er
feinen Weg zwifchen Seleucia und Etefivhon Hin fortgeſetzt,
wie ſchon ***) gefagt wurde, in die Ehaldäifhen Seen,
welche er anf eine Gtrede von 70,000 Schritten [14 M.]
mit feinem Waſſer anfüllt. Dann wälzt er ih in einem
ungeheuren Bette weiter und fällt rechts von der Stadt
Charar durch eine 10,000 Schritte [2 M.] breite Mündung
in das Perſiſche Meer. Der Raum zwiſchen den Mündun⸗
gen beider Flüſſe Fdes Luphrat und des Tigris] betrug
25,000 Schritte [5 M.],. oder nad) der Angabe Anderer
7000 Schritte [12 M.], und beide waren fchiffbar; ſchon
feit langer Zeit aber haben die Orchener und die Anwoh⸗
ner, um ihre Felder zu bewäflern, den Eaphrat gedämmt,
und diefer gelangt nur nody durch den Pafltigris ine Meer. +)
*, Bon Mefene,
*, Oeſtlich von Seleucia.
”.., Rap. 26. 5. B.
+). ber von Plinins gegebenen Beſchreibung der Quellen,
des Laufes umb ber Münbungen: des Euphrat und bed
Zigris herrſcht die größte Verwirruns und Unſicherheit,
Schstes Buch. "675
5. Zunächſt am Tigris liegt die Landfchaft Parapotamia,
u das ſchon *) erwähnte Mefene gehört. Hier Liegt
‚ die Stadt Dibitach [Degel). Daran ſtößt Ehalonitis
der Stadt Etefiphon, **) nicht nur durch feine Palm⸗
'e, fondern auch durdy feine Delpflanzungen , fein Oſt
andere Baumgattungen berühmt. Bis Hierher reicht
Berg Zagros [Taf], welcher fit aus Armenien ober:
Parätacene ***) und Perfis zwifchen den Medern nnd
ıbenern herzicht. Chalonitis ift 580,000 Schritte [76 M.]
Derfis entfernt. Eben fp weit foll es, wie Manche’ ans
n, auf einem kürzeren Bege vom @afpifchen Meere
Affyrien feyn.
6. Zwiſchen diefen Völkern +) und Mefene Tiegt Eitta-
+4, and) Urbelitis und Paläfine genannt. Hier fin
nan die Griechiſche Stadt Sittace und Gabata +44) im
weil er verſchiedene Nachrichten, aͤltere und ſpaͤtere, mit
einander vermeugt. Es würde ein größerer Raum, als
dieſen Anmerkungen geftattet: ift, nöthig feyn, um biefes
Chaos einigermaßen zu entwirren; wir verweifen deßhalb
auf 8. Mannert a. a. O. Br. V. Abth. 2%. ©, 142
bi8 150. 257 — 264. '
In biefem Kap. $. 3.
Bol. Kap. 30. 6. 6. | .
Begriff die jebige Beglerbegſchaft Jofahan.
Nämli den Medern, Perfern und Adiabenern.
, Der Striiy zwifhen Bagdad und der JIran'ſchen Provinz
Khuſiſtan.
) Ueber dieſe Städte läßt ſich nichts Beſtimmtes ſagen, da
uns bie Gegend ſelbſt noch faſt unbekannt iſt. Sabata
fon Feludſcha, Apamia aber Omara feyn.
74
676° C. Plinius Naturgeſchichte.
Oſten, im Weſten aber Autiochia zwiſchen den beiden Flüſ⸗
fen Tigris und Tornadotus [Odorneh]; ferner Apamia,
welcher Stadt Antiochus *. den Namen feiner Mutter
[Apäme] beilegte. Sie ift vom Tigris umgeben nud vom
Archous durchfloſſen.
7. Unten daran folgt Suflane [Khnfiftan], worin Suſa
[Schufter],die von Darius, **) des Hyſtaspes Sohn, erbaute
alte Refldenz der Perſer liegt; fie it von dem Babplonifchen
Seleucia 450,000 Schritte [90 M.] und eben fo weit auf
der Straße über den Berg Charbanns ***) von dem Mer
diſchen Echatana entfernt. An dem nörblidien Bette des
Tigris liegt die Gtadt Babytace. Gie iſt 135 000 Schritte
[27 M.] von Gufa entfernt und der einzige Ort in ber
Welt, deffen Bewohner voll Haß das Bold einfammeln nnd
ed vergraben, damit Niemand weiter Gebraud) davon mas
dye. 8. An die Guflaner grenzen öftlidy die Oxier, ein Räu⸗
bervolk, und vierzig Stämme der freien, aber wilden Mi⸗
zäer. +) Oberhalb derfelben verbreiten ſich die Parthufer,
die Marder, fo wie die Gaiten und Hyer, +r) die ſich über
Elymais, weldyes wir an der Küfle ald Grenze von Perſis
angegeben haben, 717) hinziehen. Suſa ift vom Perfifchen
9 Der erfie, 282—262 vor Ehr.
** König von Perfin, 522—486 vor Ehr,
*), Dormamenb, ein Zweig bed Zagrus.
+) Belde Voleer wohnten in der jehigen Iran'ſchen Provinz
Luriſtau.
td Diefe Bblker find in ber heutigen Provinz Kiurdiſtan zu
fuchen
110 Say. 28. 5, 4.
| Sechstes Bud, 677
-
teere 250,000 Schritte [50 M.] entfernt. Da, wo die
otte Wleranders anf dem Paritigris nad) diefer Stadt abs
jelte, liegt an dem Chaldäiſchen Gee ein Flecken, weldyer
ohle IDaurak] Heißt, und von wo die Fahrt nad Suſa
‚000 Schritte [13!/i M.] beträgt. An die Euflaner grens
ı zunädft öſtlich die Coſſäer; *) oberhalb der Coſſäer
ch Norden hin folgt Mefabatene **%) am Berge Eambas
us, ***) welder ein Zweig des Eancafus ift, und über
ı ber bequemſte Weg zu den Backrern führt.
9. Der Fluß Euläus +) ſcheidet Sufiana von Elymais.
: entfpringt in Medien, verbirgt. fi) eine nicht fehr weite
rede in einen unterirdifhen Bang, entfpringt daraus
n zweitenmale, nimmt feinen Zauf durch Mefabatene und
fließt die Burg von Sufa und den jenen Völkern hoch⸗
ligen Tempel der Diana; auch ihm ſelbſt wird große Ehr⸗
ietung bewieſen, wie denu die Könige von keinem andern
affer trinken, und es deßhalb and auf ihren weiteften
ifen mit fi führen. Er nimmt den Hedypnus [Dfdyes
i], welcher neben dem Perſiſchen Afylum herkommt, und
: aus dem Gebiete der Suſlaner zuftrönienden Aduna
bfal] anf. An diefem liegt die Stadt Mafa, 15,000
yritte [3 M.] von Charar. Manche ſetzen fie an die
terfte Grenze Suflane’s ganz nahe an die Wüſte. ++)
*, Am Oftrande der Provinz Khufiflan, deren Benennung
vielleicht von den Eoffäern herzuleiten ift,
”) Sin Theil der Provinz Luriſtan.
*) Gin Theil bed Demawend.
+) Ein und derfelbe Fluß mit dem Choaſpes, nämlich der Karum.
"+ Vielleicht Jesd im Difrikte Iſtachr, nörblih_von Schiras:
\
678 C: Plinius Naturgeſchichte.
40. Unterhalb des Euläus folgt Elhmais, *) welches an der
Küfte mit Perfid zufammengrenzt, und fidy vom Ziuffe Orvates
[Tab] bis nad Charax, 240,000 Schritte [58 M.] weit,
erfiredt. Seine Städte find Seleucia [Hawifa] nnd So⸗
firate [Dorak], am Berge Eaforus. Die Küfte, welche fidy
vor ihnen hinzieht, ift, wie wir ſchon gefagt haben, **) gleid)
ben Pleineren Syrten durch Moräfte unzugängli, indem
die Flüſſe Briria und Ortacea **") viel Schlamm mit fid
herbeiwälzen; und Eiymais felbft ift fo fumpfig, daß man es,
‚wenn man nach VPerſis gehen will, umgehen muß. 11. Auch
wird es durch Schlangen, weldye die Flüſſe mit fi führen,
unficher gemadyt. Sein unwegfanfter Theil heißt Characene,
[oon der Stadt Eharar], bei weldyer die Reiche Arabiens
aufhören, und von der wir ſogleich, nachdem wir erft die
°Anficht M. Agrippa’s mitgetheilt haben, Tprechen werden.
Nach diefem nämlich haben Medien, Parthien und Perfls,
welche Länder im Oſten vom Indus, im Wellen nom Tigris,
im Norden vom Taurus und vom Gancafus, im Süden
vom Rothen Meere begrenzt werden, eine Länge von 1,320,000
Schritten [264 M.] und eine Breite von 840,000 Schritten
[168 M.]; außerdem aber Mefopotamien, weiches öftlidy vom
Zigris, weftlid vom Euphrat, nördlih vom Taurus und
füdtihh vom Perfifhen Meere eingeſchloſſen wird, für fidy
der bei bdiefer Stadt vorübergehende kleine Fluß beißt
jegt Mehris.
®), Der füblihe Theil der Provinz Khufiſtan.
”, Rap. 29. 5. 4.
.., Wahrſcheinlich Arme des Karun und des Dſcherahi.
4 \
Sechstes Buch. 679
genommen, eine Länge von 800,000 Schritten [160 M.] und
eine Breite von 340,000 Schritten [68 M.).
12. Die Stadt ECharar, *) ganz im Hintergeunde des
Perflichen Dieerbufens, wo Arabien, welches den Beinamen
das glüdfelige (Eudämon) führt, endigt, ift auf einem von
Menſchenhänden aufgemorfenen Hügel, zwifden zwei zuſam⸗
menftrömenden Flüffen, dem Tigris rechts und dem Euläus
links, erbaut, und nimmt einen Flächenraum von 5000 Schrit⸗
ten [s M.] ein. Sie wurde zuerft von Alexander dem
Großen gegründet, welcher Eoloniften ans der königlichen
Stadt Durine, weldye damals zu Grunde ging, dahin führte,
und die untauglich gewordenen Soldaten hier zutückließ. Er.
befahl fle Alerandria, und die Gemeinde, welche er eigens
ans Macedoniern gebildet hatte, nad) feinem Baterlande die
Pelläifhe zu nennen. Die Flüſſe [Tigrid und Euläus] ver-
tarben die Stadt; Antiohus, der fünfte der [Sprifchen]
Könige, **) baute fie jpäter wieder auf, umd legte ihr feinen
Namen bei. 13. Als fle zum zweitenmale zu Grunde ging, -
baute fie Pafines, ***, des Sogdonacus Sohn, ein König
— —
*) Die Stelle, wo bie Stadt Charax, welche, wie wir hier
durch Plinius erfahren, ihre Lage Öfter veränderte, ftand,
läßt fi nicht genau ausmitteln. Dad Altere Charax
war wahrfcheinlich anf einer Inſel zwifhen dem Xigris
und einem Arme bed Karum, nahe am Meere das neuere
vermuthlih an der Mündung bes Karunarınd, welcher
jegt Hafar heißt, in ben Tigris erbaut. Mielleicht ftand
es an ber Stelle bed heutigen Kafaban Hafar.
#4) Aunch ber große genannt ; er regierte von 224 bis 187 v. Chr.
sr, Oper Spafines. Daher führte die Stadt fpäter den Nas
men Charar Paſinu ober Charar Spafinu,
} l
u 6C. Plinius Naturgeſchichte.
der benachbarten Araber, welchen Juba fäaͤlſchlich für einen
Satrapen des Antiochus ausgibt, wieder anf, ſchützte ſle
durch Dämme und benannte fie nach fi. Auch ließ er die
Umgegend auf eine Länge von 3000 Schritten [?/; M.) und
eine etwas geringere Breite erhöhen. Anfangs lag fie nur
zehn Stadien [*; Stunde] vom Meere, und hatte deßhalb
auch einen Sechafen; Juba aber gibt fchon ihre Entfernung
dom Meere auf 50,000 Schritte [10 M.] an, und jept liegt
fie nach der VBerfiherung der Arabiſchen Geſandten und un:
ferer Kanfleute, welche dorther kamen, 120,000 Schritte
[24 M.] davon; und nirgends bat wohl ein Land durch Uns
fhwemmungen der Flüſſe größeren und fchnelleren Zuwachs
erhalten. Noch weit mehr ift jedod, zu bewundern, daß der
angefhwenmmte Boden nicht wieder durdy die weit über die
Stadt hinauffteigende Fluth fortgeriffen wird. 44. An die
ſem Orte wurde bekanntlich andy Dionyfins , *%) der nenefle
Berfaffer einer Erdbefhhreibung, weldhen der göttlidyhe Augn⸗
ftus, als fein älterer Gohn **) zur Leitung der PartHifchen
und Arabiſchen Angelegenheiten nad Armenien gehen follte,
um Nachforſchungen Über Alles anzuftellen, nad dem Orient
vorausfchhidte, geboren. Id) ‚weiß freilich wohl, und habe
es keineswegs vergeflen, daß id) in der Einleitung zu diefem
Werke ***) immer denjenigen Schriftſteller, welcher fein
*) Gewöhnlich Perjegötes genannt. Mol. die Anmerkungen
über die von Plinins in biefem Bude benügten Quellen.
“e) Cajus, Adoptivfohn des Auguſtus, Sohn bes Marcus
Agrippa und der Julia, ber Tochter bes Auguſtus.
. "81, Einleitung, 6. 2%
Sechstes Bud. 681
eigenes Baterland befchrieb, ald den zuverläßigften benüßen
zu wollen erklärt habe; bei dieſem Abſchnitte jedoch ziehe
ich es vor, den Römiſchen Waffen und dem’ König Juba,
weicher für denfelben Kaifer Cajus über denfelben Arabiſchen
Feldzug mehrere Bücher. verfaßte, zn folgen.
XXXI (xxvui). 4. Urabien, welches Eeinem anderen
Lande nachgefent werden darf, hat einen fehr bedentenden
Umfang, und zieht fi), wie fhon ”) gefagt wurde, vom.Berge
Amanus [Almadagh] und den Landſchaften Eilicien und
Commagene an herab , indem viele Arabiſche Stämme von
Zigraned dem Großen **) in diefe Gegend verfebt wurden,
andere aber, wie wir ſchon zeigten, ***) fid freiwillig an
unferem Meer }) und an der Aegyptiſchen Küfte niederliehen,
und die Nubeer, an welche die Ramiſer ftoßen, fogar in die
Mitte Syriens bis zum Berge Libanus vorgedrungen find.
2. Nach den Ramifern folgen die Taraneer nnd dann die
Datamer. TH) Die Hatbinfel Arabien ſelbſt aber, welche
zwifdyen zwei Meeren, dem Arabifchen und dem Perſiſchen,
bervorfpringt, iſt durch eine künſtliche Einrichtung der Na-
tur an Geſtalt und Größe Italien ähnlich, wie dieſes vom
Meere umfloffen, und’ gleicht ihm andy durdy feine Richtung
nad) demfelben Himmelsftrihe hin. Auch fle ift durch dieſe
Rage glucklich. Die Volksſtämme derſelben von unſerem
[3
. V. Kap. 20. 5. 2. Kap. 21.5.1.
—* Kain von Eyrien, 84—66 vor Ehr.
”) 8. V. Kay. 12. 5. 1.
+) Dem Mittellaͤndiſchen.
++) Ale diefe Volksſtaͤmme wohnten in dem wuſten Arabien
Madſched). |
682 C. Plinius Naturgefchichte.
Meere bis zu den Palmyreniſchen Einöden haben wir fchon *)
‚genannt; von den Übrigen wollen wir jetzt fprechen. Un bie
‚von dort an **) mwohnenden Nomaden und AUnfeinder der
Chaldäer fchließen ſich, wie geſagt, ***) die Eceniten, bie
ebenfalls felbft ein unſtetes Leben führen, und von ihren
Zelten, die fie aus einem Zeuge von Biegenhaaren verfer-
tigen, und, wo es ihnen gerade behagt, auffchlagen, ibren
Namen erhalten haben. +) 3. Weiterhin wohnen die Naba=
täer nm eine Stadt, welche Petra [Wadi Mufa] beißt, in
„ einem Thale, das etwas weniger ald 2000 Schritte [?/; M.]
im Umfange hat, liegt, von unzugänglichen Bergen umgeben
ift und von einem Fluſſe durchhichnitten wird. Sie it von
der Stadt Baza an unferer Küfle 600,000 Schritte. [120 M.]
und von dem Perfifchen Meerbufen 135,000 Schritte [27 M.]
entfernt. Hier vereinigen fidy zwei Straßen: auf der eiuen
tommen die Reifenden aus Syrien Über Palmira; die andere
führt von Baza her. A. Bon Petra an his nah Eharar
wohnten ++) fonft die Omaner und befaßen zwei berühmte
von Semiramis erbaute Städte, Abefamis und Soractia.
Sept ficht man dafelbft nur Einöden. Dann kommt an dem
Ufer des Pafltigris eine dem Könige der Characener unters
worfene Stadt, Forath [Basra] genannt, wo die von Petra
her Reifenden fi fammeln, und von wo fie mit der Fluth
*) B. V. Rap. 12.5.1. Kap. 21.51 2%.
*5) Mon den Palmprenifhen Cindden an.
”.”. In Hiefem Buche, Kap. 30. $. 8.
+) Zxnvizas, Beltbewohner, Nomaden.
ID In dem Theil.der Wuſte, welder jeut Bahia ober auch
Barr Arab heißt.
Sechstes Bud). 683
eine Gtrede von 12,000 Schritten [2° M.] nad Eharar
binabfahren; den and dem Parthiſchen Reihe Kommenden
aber dient der Flecken Teredon unterhalb des Sufammens
fluffes des Enphrat und tes Zigris als Ganımelplag. Auf
dem linken Ufer des Fluſſes wohnen die Ehaldäer, auf
dem rechten die nomadiſchen Eceniten. 5. Manche erzähs
len, daß man noch an zwei anderen weit non einander lies
genden Gtädten vorüberfchiffe, nämlich zuerft an Barbatia
und dann an Thumata, welche letztere nach ber Ausfage
unferer Kauflente zehn Schiffstagreifen von Petra entfernt
und dem Könige der Eharacener unterworfen ift ; ferner daß
Apamia da, wo fid) das austretende Wafler des Euphrat
mit dem Zigris vereinigt, liege, und dad man bier die
Darther, wenn fie mit einem Einfalle drohen, durch eine
Ueberſchwemmung, die man durch Aufwerfung von Däm:
men bewirte, zurückhalte. ©
6. Jetzt befchreiben wir die Küfle von Charax an, weldye
zu erſt von Spiphanes *) untırfucht wurde. Es folgen nad)
der Reihe die Etelle, wo fi fonft die Mündung des Eu:
phrat befand, der Fluß Galfus, das Vorgebirg Chaldone
[Mascat Saif], eine 50,000 Schritte [10 M.] lange Strede
an der Küfte, welde eher einem Strudel als einem Meere
gleicht, der Fluß Achana, eine 400,000 Schritte [20 M.]
lange Einöde bis zur Inſel Ichara [Pheleſchei], der Ca⸗
peifche Bufen [Golf von Brän], an welchem die Baulopen
und Ehatener wohnen, der Gerraifhhe Bufen [Golf von EI
*, Antiochus Epiphanes, König. von Syrien, 176 — 164
vor Chr,
684 C. Plinius Naturgeſchichte.
Katif], die Stadt Serra [EI Katif], welche 5000 Sdritte
ſ[1 M.] im Umfange hat, und deren Thürme aus viereckigen
Salzblöcken erbant find. Hier liegt auch die Landſchaft
Attene, 50,000 Schritte [10 M.] von der Küfte, dieſer ges
genüber in einer Entfernung von eben fo vielen Gchritten
die Inſel Tylos [Baprein], hochberühmt durch ihren großen
‚ Meberfluß an Perlen, mit einer Stadt gleihen Namens
[(Menaina], und daneben, 12,500 Schritte [2%/: M.] von
ihrem Vorgebirge, eine andere Pleinere [rad]. . Weiterhin
fol man noch andere große Infeln erbliden, zu welchen aber
noch Niemand Pam. 7. Die Iehtere [kleinere] foll einen
Umfang von 142,500 Schritten [22% M.] haben, noch weiter
[als diefe Sdjrittezahl] von Perſis entfernt, und unr durdy
einen fchmalen Kanal zugänglich feyn. Dann folgen die
Inſel Asgilia [Suffor Sahwi], die Stämme der Nocheten,
Zuracher, Borgoder, Catarder, "Nomaden und der Hnndes
inf. *) Weiterhin wurde auf diefer Seite, der Klippen wes
gen, die Schiffahrt noch nicht verfucht, wie Juba berichtet,
der Übrigens Batrafabbe, eine Stadt der Omaner, welde
auch Omana heißt und. die frühere Schriftfteller zu einem
berühmten Hafen Carmaniens machen, fo wie auh Omna
und Athana, welches nad den Ansfagen unferer Kaufleute
jegt die berühmserten Städte am Perſiſchen Meere ſeyn fols-
len, ») zu erwähnen vergeflen hat. 8 Nach dem Hunde:
*), Flumen Cynos (Kuvös norauos), Flumen Canis, fo
jegt Falg heißen.
X Plinius ſpricht von hier an ſo anbeflionımt und verwirrt,
doß man ihm nur muthmaßend ſolgen kann. Vielleicht
\
Sechstes Bud. = 686
ffe folgen, wie Juba berichtet, ein Berg, der wie vers
anne ausficht, dann die Stämme der Epimaraniten, dar⸗
f die Ichthyophagen [Kifchefler], eine öde Inſel, der
Aksſtamm der Bathymer, die Eblitäifchen Berge, ) die
ıfel Omönus [Babhal] , ber Hafen Machorbe [Maskate],
: Juſeln Etaralos und Duchobrice, der Volksſtamm der
‚aldäer, viele Infeln ohne Namen, dann die befannteren
fein Iſura, Rhimnea und diefen zunächſt eine, auf
: man .feinerne Pfeiler mit unbekannten Schriftzügen
det, der Hafen Gobäa, die Öden Infeln Braga, der
AAksſtamm der Thaludäer, Die Landfchaft Dabanegoris, der
rg Orfa nebft einem Hafen, der Dieerbnfen Duatus, viele
fein, der Berg Zricorpphos, die Landſchaft Cardalena, die
Hanideninfeln, die Infel Capina, ferner die der Ichthyo⸗
ıgen, dann die Blarer, die Hammäifche Küfte, woman
ild anfrifft, die Landſchaft Cananna, die Boltsflämme ‚der
itamer und der Gaſaner, die Infel Devade, die Duelle
ralus, die Inſeln Caläu und Amnamethu, der Volks⸗
mm der Darren, die Juſel Chelonitis ») und viele Inſeln
: Schthpophagen, die öde Infel Eodanda, die Inſel Ba:
ı und viele Infeln der Gabäer ***). 9. Dann folgen die
üſſe Thamar und Amnon, die Infeln Dolica, die Quellen
ift Batrafabbe das jehige Adſchar. Nah K. .Mannert’s
Anfiht (a a. O. 8b. VI. Abthl. 1. Nũurnb. 1799. 8
©. 140) lagen die von Juba nicht erwähnten Orte nicht
einmal im Perfifhen Meerbufen , fondern viel füdlicher,
*) In der Landichaft Oman,
‚., Mielleiht Mazeira, an ber Küfte von Oman,
»e) Wahrſcheinlich au der Küfte von Mahra.
686 C. Plinius Naturgeſchichte.
Daulotes und Dora, die Inſeln Pteros, Labatauis, Coboris,
Sambracate.nnd anf dem Feſtlande eine Stadt gleichen Nas
mens ; *) weiter nad) Süden hin viele Infeln, deren größfe
Gamari heißt, der Fluß Myſecros, der Hafen Leupas, die
Sabäifchen Sceniten, viele Infeln, Acila, ») der Gtapel:
play des genannten Volks, von wo and man nad) Indien
fährt, die Landichaft Amithoſenta, Damnia, die größeren
und Eleineren Mizer und die Drimater. : Das WBorgebirg
der Naumachäer ***) liegt Earmanien gegenüber, woron es
60,000 Schritte [10 M.] entfernt iſt. Man erzählt von
Diefer Stelle eine wunderbave Geſchichte. Es foll nämlidy
Numenius, der Statthalter des Königs Antiohus in Mes
fena, daſelbſt an einem und bemfelben Tage die Perſer in
einer Seeſchlacht beflegt und dann nad) dem Zurücktritte
der Fluth gegen dieſelben mit der Neiterei gekämpft und
zwei Giegeszeichen an demfelben Orte dem Jupiter und dem
Neptun errichtet haben.
10. Gegenüber auf dem hohen Meere liegt die Infel Ogys
*) MWielleicht die Infeln Sardy, Halaby, Deriaby und Halky
und der Ort Habar Hub im Golf von Kuria Muria, an
dem Küftenfiriche, welcher gewoͤhnlich Sebfchär heißt.
”*, Wabrſcheinlich ein und berfelde Ort mit dem oben (SR, 26,
$. 9.) erwähnten Ocelis.
***) Plinius fchreitet auf einmal, um eine Erzaͤhlung anzu:
- bringen, rüdmwärte. Denn dad VBorgebirg ber Naumas
‚ hier (Seekämpfer) kann wohl nur dad Cap Muffendom
feyn. Da nun Numenius fiahe Schiffe, wie men fie
jegt noch an jener Küſte fieht, Hatte, in welchen man
leicht eine bedeutende Anzahl Pferde mitführen Konnte, fo
it die Thatfache nicht fehr wunderbar.
Sechstes Bud). 687
z, *) berühmt durch das daranf befindlihe Grab des Kö:
8 Erpthras. Gie iſt vom Feſtlande 125,000 Scritte
5 M.] entfernt, und hat einen Umfang von 112,000 Schrit⸗
ı [2275 M.]. Dioscoridu [Socotora], eine nicht weniger
-ühmte andere Infel, liegt in dem Azaniſchen Meere, und
von Syagrus [Bartafh], dem äußerſten Borgebirge,
),000 Schritte [56 M.] entfernt.
11. Auf dem Fefllande nady Güden hin es) find nun
h zu nennen die Anfariten, von denen ans man in adjt -
gen in die Gebirge ***) gelangt, die Bolksſtämme ber
:endaner, Catabaner und Gebaniten mit mehreren Städ⸗
‚ von denen Nagia und Tamna +) ‚mit fünfundfechzig
npeln, nad) deren Anzahl man hier den Umfang der
idte ſchäzt, die größten find, ein Vorgebirg, +1) von
chem man bis zum Zefllande der Troglodyten +7) 50 000
ritte [10 M.] rechnet, die Zoaner, die Adciten, die Chas
notiten, die Zomabeer, die Untidaleer, die Lerianen, die
:äer, die Cerbaner und die Sabäer, welche des Weihrauchs
e) Iſt das Vorgebirg der Naumachaͤer Say Muffenbom , fo
ran (wenn auch die angegebenen Zahlen | unrichtig finb)
Oqyris Beine andere Infel feyn, als Hormus, und man
hält fie wohl mit Unrecht für Maceira, welche zu weit
nad Süden Hin entfernt ift, ober gar für Socotora, von
welcher ſogleich die Rede ſeyn wird.
) Bom Say Fartaſch bis zur Straße Bab el Mandeb.
*) Wahrſcheinlich der gebirgige Theil der Landſchaft Hadramaut.
N) Sol Szanna in Jemen ſeyn.
pH Bielleicht Cap Bogaſhua.
5) Küfte Abel oder bad Land der Somaulis; vieneicht auch
bie Küfte Ajan.
688 C. Plinius Naturgeſchichte.
wegen die berühmteſten unter den Arabern find, und deren
Stämme ſich bis zu beiden Meeren *) bin ausdehnen.”
12. Am Rothen Meere befigen fie die Städte Marane,
Marma , Eorolia und Sabatha [Schibam], im Innern aber
die Städte Nascus, Cardava, Carnus und Tomala [Tajef],
wohin fie die Räuncherwaaren bringen. Zu ihnen gehören
auch die Atramiten, **) deren Hanptfladt Gabota [Sabbea]
ſechzig Tempel in ihre Mauern einfchließt. Die- Nefldenzs
ftadt aller iſt jedoch Mariaba [(Mareb]. Ihr Gebiet liegt
an einem 94.000 Schritte [18% M:] großen Bufen, der
mit Räucherwerk erzeugenden Juſeln angefült if. 43. Un.
die Atramiten ftoßen im Inneren bes Landes die Minäer, **°)
ebenfalls am Meere aber wohnen die Elamiten mit einer
Stadt gleihen Namens; an fie grenzen die Sagulaten und
Die Stadt Sibi, weldhe die Griechen Apate nennen; die
Arfer, +) die Codaner, die Vadeer mit einer großen Stadt,
die Banafafäer, die Lechiener, die Inſel Sygaros [Kubbet
Dſchambo]: Hunde betreten fie nicht, und fept man foldye
auf ihr aus, fo lanfen fie fid an der Küfte zu Zode. Dann
folgt der innerfte Bufen [Golf von Ukaba], an weldyem die
Zeaniten, die ihm auch ihren Namen gegeben haben, wohnen.
Ihre Hauptſtadt iſt Agra [Akaba], und ebenfalls in dem
*, Dem Arabifhen und bem Rothen Meer. Sie Semwohnten
alfo die füblihe Spitze Arabiens (die Sanbfchaft Jemen).
“ Bon ihnen hat die heutige Landſchaft Habramant ihren
Namen erhalten.
“20, In der Gegend von Mekka,
+ In ber Gegend der Stadt Dſchambo.
s
N
Sechstes Bud. . 689
zuſen liegt Läana, oder, wie ed Andere nennen, Aelana. )
)er Bufen ſelbſt Heißt bei unfern Schriftftellern der Aela⸗
ittfche , bei andern der Welenatifhe, bei Artemidorus der
fenitifhe und bei Juba der Länitifhe. Der ‚Umfang
rabiens von Eharar bis Läanga wird anf 4,770 000 Schritte
354 M.] angegeben: Juba rechnet etwas weniger als
‚000,000 Schritte [800° M.]; am breiteften ift es im Nor-
n zwifhen den Gtädten Heroompolis **) und Eharar.
44, Nun wollen wir aud) das Junere des Landes bes
yreiben. An die Nabatäer laſſen die alten Schriftfteller die
himaneer grenzen; jest findet man dafelbft die Tavener,
e Suellener, die Arracener, die Arener, wit einer Stadt,
elche der Mittelpunkt des Handels ift, die Hemnaten, bie
naliten mit ıden Städten Domatha- und Egra, die Thas
udener mit der Stadt Badanatha, die Earreer mit der
kadt Barriata, +) die Achoaler mit der Stadt Phoda,
:d Die Minder, weldye (wie man glaubt), von Minos, dem
Snige von Ereta, berflammen. 45. Bu ihnen gehören die
yarmäer, eine Stadt, weldhe 14,000 Schritte [2% M.] im
nfange hat, Mariaba Baramalacum, welches ebenfalls nicht
bedeutend ift, ferner Earnon, Dann folgen die Rhada⸗
*) Die Ruinen diefer Stadt, welche nicht weit von Akaba
liegen, führen noch ben Namen Ailah.
+) Ruinen biefer Stadt findet man bei Sue. Der Drt,
bei weichem fie liegen, heißt Aboukoͤqeid.
) Bol. diefes Kap. 5. 3.
D Vieleicht Karjathain, jegt auch Khebre genannt, in dem
Wahabitiſchen Bezirke Kaſchim.
. Plinius Naturgeſch. 68 Bochn. 8
\
6” C. Plinius Raturgeichichte.
mäer, weldye von Rhadamanthus, dem Bruder bes Minos,
herſtammen follen, die Homeriten *) mit ber Stadt Maſſala,
die Hamireer, die Gebraniten, die Ampren, die SFlifaniten,
die Bachiliten, die Sammeer, die Amatheer mit den Städten
Neſſa und Eenefleris, die Bamarener mit den Städten Gaiar,
Scantate und Bacascamis, die Stadt Niphearma , weldyes
Wort bei ihnen Gerſte bedeutet, die Auteer und die Raver,
die Gyreer und die Mathatäer, die Helmodenen mit der
Stadt Ebode. 16. Dann kommen die Agacturen, welche
auf den Bergen wohnen, wit einer 20,000 Schritte [4 M.]
großen Stadt, in der die Auelle Emifchabales, welches Wort
Kameelftadt bedeutet, entfpringt, ferner Ampelone, eine Eos
lonie der Mitefler, die Stadt Actrida, die Ealingier mit ber
Stadt Mariaba, welches Wort fo viel als „Aller Herrn“
: bedeutet, die Städte Pallon, Brannimal an einem Fluffe,
durch welchen der Euphrat wieder ans der Erde hervorkom⸗
men fol, die Volksſtamme der Agreer, der Ammonier, bie
Stadt Athene, die Gaurananer, welches Wort „die Reichiten
an Vieh” bedentet, die Eoraniten, die Cäfaner und die
Choaner. Man fand. früher bier auch die Griechiſchen Städte
Arethuſa, Lariſſa und Chalcis, die aber durch verfdiebene
Kriege zerftört wurden. **)
47. Der Einzige, welcher bis jeht die Römiſchen Waf⸗
- fen in diefes Land trug, war Welins Ballus ans der Klaffe
*, Ein maͤchtiges Bold, deffen Hauptſtadt Saphar hieß. Bel.
oben Kap. 26. S. 9,
0) Wer auch nur einiges Licht in bi-fe chaotiſche Beſchrei⸗
“ng des uns faft unbekannten Inneren Arabiens brin⸗
wollte, würde ſich bid jegt vergeblihe Mähe machen.
= '
\
Sechstes Buch. 691
ver Ritter; denn Cajus Eäfar, des Anguſtus Bohn, ſah
rabien nur ans ber Berne. Gallus zerftörte Städte, die -
on den Autoren, die vor feiner Zeit fchrieben, gar nit
enaunt wurden, wie Negra, Umneflrus, Nesca, Magnſa,
ammacus, Labecia und das oben fchon genannte Mariahe,
seiches 6000 Schritte [its M.] _im Umfange hat; ferner
'aripeta , den Endpunkt feines Zuges. ) 18. Aus feinem
uf eigene Erfahrung geftügten Berichte gebt übrigens her⸗
or, daß die Nomaden von Milch und dem Sleiſche wilder‘
‚biere leben; daß die Übrigen, wie die Inder, Wein aus
Jalmen und Del and Gefam preffen; daß die Homeriten die
ahlreichſte Völkerfchaft, daß die Gefllde der Minäer mit
Yalmhainen und andern Fruchtbäumen bedeckt find, und daß
yr Reichthum in Vieh befteht; daß die Eerbaner und Agräer,
efonders aber die Chatramotiten, am beften mit den Waf⸗
en umzugehen wiflen; daß die Career die ausgebehnteften
nd fruchtbarften Aecker haben, und daß die Gabärr durdy
re Räucherwer? tragenden Wälder „ ihre Boldgruben, **)
re gut bewäflerten Fluren und ihren Ueberfluß au Honig
+) Aeliud Gallus, Auguſi's Statthalter in Aegypten, unters
nahm den Zug mit einem bedeutenden Heere, landete au
Diyambo, wurbe von einem Arabifhen Führer in’ wüſte
. Gegendemgeleitet, und kam mit großem Verluſt und ohne
ein Nefultat erzielt gu. haben, zurück. Ueber den Zug
und die von den Romern eroberten Städte vgl, K. Mans
wert a. a. O. Bb. VI, Abthil. 1. S. 113—119, - ‚
©, Sept kennt man Feine Golbgruben in Arabien; man barf
aber bei der Liebereinfiimmung aller älteren Nachrichten
an ihrem früheren Vorhandenſeyn nicht zweifeln.
8 u
692 C. Plinius Naturgefhichte. .
und Wachs den größten Reichtum beflgen. Bon den Wohl⸗
gerüdyen werben wir in einem diefem Gegenſtande gewid⸗
meten Buche °) ſprechen. 19. Die Araber tragen Müpen
oder laflen das Haupthaar wachſen. Der Bart wird abge:
foren; nur auf der oberen Lippe bleibt er ſtehen; Andere
ſcheeren ihn aber auch gar nicht. **) Merkwürdig iſt, daß
die eine Hälfte diefer zahlreichen Stämme vom Handel , bie
. andere vom Raube lebt. Im Allgemeinen find fie die reiche
ſten Boͤlker, indem bie. größten Schätze der Römer und
Parther fi bei. ihnen aufhäufen; denn fie verhandeln, was
fle aus dem Meere und ans den Wäldern ziehen, kaufen
aber Dagegen nichts ein.
XXXHI, 4. Jetzt wollen wir die nod) übrige Arabien
gegenüber liegende Küfte beſprechen. Timoſthenes ſchätzte
Die Länge des ganzen Buſens auf vier und die Breite anf
‚zwei Zagreifen zu Schiff, die Meerenge aber auf 7,500
Schritte [ir M.]. Eratoſthenes rechnet anf beiden Seiten
von der Mündung an :4,300,000 Schritte [260 M.], Arte
midorns auf der Arabiſchen Seite 1,700,000 Schritte [310 M.],
(zur) auf der Troglodytiſchen [Afrikaniſchen] aber bis
nach Ptolemais 4,137,500 Schritte [227% M.} Agrippa für
beide Seiten ohne Unterfcied 1,722,000 Särüte [344° M.].
*) Im gwölften,
°. Noch jeut finb bei ben Arabern haar⸗ und Bart am
meiſten ber Mode unterworfen. Ueberhaupt haben bie
Araber ihre von Aelius Gallus beobachtete Lebensart wes
nig geändert.
”r, Diefes Verhaͤltniß ift falfh. Der Arabiſche Meerbuſen iſt
etwa ſiebenmal ſo lang als breit,
Sechstes Bud. 698
Die Breite geben die Meiften auf 475,000 Schritte [95 M.]
in; die Breite der nach Gädoften hin gerichteten Mündung
iber ſchätzen Einige auf 6000 Schritte [1? M.], Andere’
uf 7000 Schitte [1% M.] und wieber Andere auf 12,000
Schritte [2° M. *). .
2. Seine Geſtalt aber iſt feigende. Nach dem Aelani⸗
iſchen Buſen [Golf von Akaba] folgt ein anderer [Golf
Bahr el Kolſum], welchen die Araber Aeant nennen, und
n dem die Stadt Heroonpolis [Aboukocheid) Liegt. Hier
tand aud) zwiſchen den Relern und Marchaden **) die Gtadt
Fambyſes, ***) mo man die Krauten des Heeres angeflebeit
atte.. Dann folgen der Tyrifche Volksſtamm und der Has
en Daneon, T) von wo aus zuerft Gefoltris, König von
legypten, einen Tchiffbaren Kanal bis zu der Stelle des
tits, wo er das fchon ++) beſchriebene Delta bildet, über
ine Ötrede von 62,000 Schritten Ka M.] denn fo viel .
) Nad) den Portugiefifchen Geefahrern, welche das Rothe
Meer zuerfi genau unterfuchten, beträgt feine Länge 350,
feine größte Breite 36 , die Mündung 6, bie eigentliche
Ginfahrt aber zwiſchen der Arabiſchen Küſte und der Ins
fel Mehum 1 M Bel. P. H. Külbb, Gedichte der
Ontdetungsreifen. Grfie Abtheilung. Afrika. Sb, I,
(Mainz, 1841. 8.) S. 267— 269,
29) Arabiſche Stämme,
o) Weber ben Feldzug bed Cambyſes nad) Aegypten vgl. He⸗
rodot, III, 1-29.
7) Scheint ganz im ber Nähe (oder vielleicht an der Stelle)
bes ii jüngeren, ſogleich zu neunenden, Arſinoẽ gelegen zu
775 8. v. sp... 2.
69. C. Plinius Raturgefchichte.
befrägt der Raum zwifchen dem Fluſſe uud dem Rothen
Meere) zu führen beabfichtigte. Denfelben Plan hatten
fpäter der Perferkünig Darius uud, nad) ihm ber zweite
Ptolemaͤus, 9 welcher auch wirkiih einen hundert Fuß
breiten und vierzig - Buß tiefen Graben 37,500 Schritte
[7% M.] weit bis zu den bittern Quellen **) führte.
3. Bon der Fortſetzung fchredte ihn jedoch die Furcht vor
einer Ueberfhwemmung ab, indem man die Erfahrung machte,
Daß das Rothe Meer drei Klafter höher liege als der Boden
Aegyptens. Manche meinen jedoch, die Ausführung fey nur
deßhalb unterblieben, weil man befürchtete, das eindringendbe
‚ Meer würde das Nilwaffer, das einzige trinkbare, welches
man habe, verderben. ***) Nichts defloweniger wird die
Reife vom Wegyptifchen Meere aus fehr häufig zu Buß ges
macht und zwar auf einem dreifachen Wege. 4. Der eine
‚zieht von Pelufium aus durch die Sandwüfte ; da aber hier der
Wind jede Spur verweht, fo findet man ſich auf ihm nur zu
recht, wenn er durch in den Boden geſteckte Rohre bezeichnet
wird. Der andere läuft 2000 Schritte [?/; M.] hinter dem
*) Ptolemäus Philadelphus, 285 — 246 vor Chr.
**) Oder vielmehr bittern Seen. Sie liegen nörblidh von
der Spitze des Rothen Meeres, und find von demfelben
nur durch Sanbhügel getrennt, Spuren bed alten Kanals
find nod) vorhanden,
”. Der, Kanal wurde :von Ptolemäus vollendet , wie man
aus zuverläßigen Quellen weiß, Plinius nahm feine
Nachricht wohl ‚von gleichzeitigen Schriftftellern, weichen
die gänzliche . Ausführung deſſelben unbekannt geblieben.
war, Vol. K. Mannerta a O. BE. X. Abthl. 1.
Ceipz. 1825..8.). ©, 503-518. .
Sehstes Bud. 695
Berge Gaflus hin, mündet aber nad) einer Gtrede von
60,008 Schritten [12 M.] in die von Pelufium kommende
Straße; an ihm wohnt der Araberflamm der Anteer. Der
dritte führt von Gerrhum, N) welches man auch Abipfon **)
nennt, aus, durch das Gebiet deſſelben Araberſtammes nnd
60,000 Schritte [12 M.] näher, aber durdy eine rauhe, wafs
ferarme Berggegend. Auf allen diefen Wegen kommt man
nach Arſinos [Adsjernd]; es wurde von Piolemäus Phila-
delphus an dem Meerbufen Eharandra erbaut und nad) feis
ner Schwefter benaunt; derſelbe unterſuchte aud) zuerſt Tros
glodytice genaner, und nannte deu an Arſinoẽ vorübergehen:
den Fluß ***) Ptolemãus. 5. Nicht weit davon liegt die
Beine Stadt Aennus, welches Andere Philotera }) nennen;
daum folgen die Azareer, ein durch feine Bermiſchung mit
den Troglodgten wild gewordener Araberfiamm , die Inſeln
Sapirene und Scotala, ++) dann Einöden bis nad) Mybss
hormos [Altcoffeir] , wo ſich die Quelle Tadnos [Derfani]
befindet, der Berg Aeas [Gebel Umapr], bie Inſel Fambe -
[Babuto], viele Häfen, Berenice, eine nach der, Mutter
des Philadelppus benannte Stadt, wo, wie wir ſchon +Tr})
°
*, Lag etwa 11, M. oͤſilich von Pelufium.
*0) Das Durfiftillende; fpottweife, weil es kein Trink⸗
waſſer hatte,
‚+9, Wahrſcheinlich eines der Flußbette, welche nur im Winter
einiges Waffer haben.
+) Andere Geograngen fegen das Städtchen ſůͤdlich von
Myoshormos, eine Lage ift noch unbefannt.
+) Vielleicht die Inſeln Jubal und Jaffatine.
TID Kap. 26. 8. 8.
696 C. Plinius Naturgeſchichte.
ſagten, die von Coptus herführende Straße mündet, und die
Araberſtämme der Auteer und Gebadeer.
XXXIV. 4. Dann folge Troglodytice, ) welches die
Alten Michbs oder Midoe nannten. Hier liegen der Berg
Pentedactylos [RAS el Enf], mehrere -Infeln, welche Sten&
deirä, und andere nicht wenigere, weiche Halonneſi beißen,
Gardamine, Topazos, welde einem Edelfleine den Namen
gab, ein Bufen, der mit Juſeln angefüllt ift, von beuen bie,
welche mit Wafler verfehen find, Maren, die aber, welche
feines haben, Eratonos heißen. ») Sie fanden nuter eis
nem Pöniglichen Statthalter. Nach dem Inneren bes Landes
hin wohnen die Candeer, weldye man Ophiophagen (Schlau⸗
geneffer) nennt, weil fie gewohnt find, Schlaugen zu eflen,
an welchen ihr Gebiet reicher iſt, als irgend ein anderes.
2. Zuba, deffen Befchreibung dieſer Gegend fehr genau
zu feyn fcheint, vergaß bier (wenn es Bein Fehler der Ab⸗
ſchriften if), ein anderes Berenice [Salaca], welches den
Beinamen Panchryſos [das ganz goldene). führt, und ein
drittes, weldyes Epidires „zubenannt wird, und durch feine
Lage ausgezeichnet if. Es liegt nämlich auf einem weit
bervorfpringenden Bergrücken, wo die Breite des Meerbu⸗
ſens bis Arabien 7500 Schritte [1' M.] beträgt. Hier
liegt andy die Infel Eytis, welche ebenfalls Topafe erzeugt. ***)
*, Die Küfte von Nubien und Habeſch.
+ Plinius beſchreibt bie gefahrvole Nubifche Küftenfiredie, au
weicher eine Reihe flacher Infeln liegen.
”.. P. fpringt auf einmal weiter nah Suden an bie Straße
Bab:el:Mandeb ab; der Bergrüden fcheint Ras Beilonl,
Berenice Afab und. bie Inſel Cytis Mehum zu feyn,
Sechstes Bud), = 697
3, Weiterhin folgen die Wälder, wo die Stadt Ptole⸗
3 [Ras⸗Ahehas] von Philadelphus am See Monoteus der
hantenjagd wegen erbaut wurde, weßhalb fie aud dem
namen Epitheras [Jagdſtadt] erhielt. Dieß ift bie ſchon
jweiten Buche % von uns bezeichnete Gegend, in der
undvierzig Tage vor und eben. fo viele nad) der Som⸗
onnenwende um die fechöte Stunde die Schatten ‚ver
inden, in den andern Stunden aber gegen Mittag uub
em übrigen Tagen gegen Mitternacht fallen; während in
nice, weldyes wir zuerſt genannt haben, *) am Tage
Sommerfonnenwende felbft um bie ſechste Stunde bie
ıtten gänzlich verfhwinden. Wir wollen von diefer
dt weiter nichts Neues anmerken, ald daß fie 602,000
:itte [120 7% M.] von Ptolemais entfernt if, ein Ge
tand von ungebeurer Wichtigkeit, und der ein Tummelplag
unermeßlidten Scharffinng geworden ift, indem man
über die Geflalt der Welt ins Klare Tam, als Eras
enes ans dem unbezweifelten Berhältniffe der Schatten
Sröße der Erde zu berechnen unternahm. »e) a. Es
n nun das Azanifche Meer, das Vorgebirg, welches
ge Hifpalum nennen, der See Mandalum, die Yufel .
caſitis [Maffouah) nud auf dem ‚hohen Meere ‚nody viele
re Juſeln, auf denen es eine Meuge Schildkröten gibt,
Stadt Suche [Arkiko], die Daphnisinſel [Dhalak] und
» Rap. 75. 9 2.
) In dieſem Kapitel, 5. 2. (Set Salaca.).
) Berg. 8. Mannert a. a. O. Ds. x Mbthl. 1.
©. 46—48, |
698 €. Plinius Naturgeſchichte.
die Stadt der Aduliten [Thulla]. Sie wurbe von Aegypti⸗
fen Sclaven, die ihren Herren entlaufen waren, erbaut,
und ift der bedeutendfle Stapelplatz der Troglodyten, fo wie
aud) der MHethiopen , von Ptolemais fünf Schifftagreifen
entfernt. Man bringt defonders viel Elfenbein, Rhi⸗
noceroshörner , Flußpferdefelle, Schildkrötenſchalen, Drang:
‚ outange *) und Sclaven dahin. -5. Oberhalb dieſer Stadt
folgen die Aroteriichen [aderbauenden] Aethiopen, Daun bie
Inſeln, welche Aliäu heißen, die Infeln Bachias und Anti⸗
bacchias und die Juſel des Straton. *") Der fid) von hier
ans in die Aethiopiſche Küfte ziehende Bufen ***) iſt unbe:
kannt, worüber wir uns wundern müffen, da die Haudels⸗
leute doc, die darüber hinausliegendeu Gegenden durchforſch⸗
ten. Dann folgt ein Vorgebirg, T) auf weichem ſich die von
den Seefahrern häufig beſuchte Quelle Eucios befindet. Jens
feits deffelben Hiegt der Hafen der FINE, Tr) weldhen man
von der Stadt der Aduliten aus auf einem Ruderſchiffe in
zehn Zagen erreicht. Hierher werden von den Troglodyten
hauptſächlich Myrrhen gebraht. 3wei Inſeln von Ddiefem
Hafen heißen Pſeudopylen [falſche Päfle], und zwei andere
*) Sphingia Sim. Troglodytes L.
- m) Wabefepetutich find einige der Eleineren Infeln bei Dhalac
emeint,
0**) —* die Bucht von Howakel.
7) Vielleicht Gebel Serbb.
+4) Vieleicht Douroro in ber Bai von Amphila. Die Ins
fein würden dann bie Safety: Snfeln fern. Auf Koutto,
der bedentenditen derfeiben , finden fih Ruinen und große
Eifternen. Nach einer in diefer Gegend verbreiteten Gage
ſollen hier die Perfer eine Anfiedlung gehabt haben,
—
GSehstes Bud. - | 699
enfelben Prien [Päſſe]. Auf einer derfeiben ladet man
erne Pfeiler mit unbekannten Schriftzügen. Weiterhin
m der Abatlitifche Bufen, *) die Inſel des Diodorus **)
andere öde Infeln, ferner auf dem Feſtlande ebenfalls
Öden, die Stadt Gaza, *") dad Moflylifche Vorgebirg
der Moffglifche Hafen, +) der Stapelplap des Zimmts.
hierher führte Sefoftrie fein Heer, ' .
6. Manche fepen weiterhin an die Küfle Baragaza
eine Aethiopiſche Stadt. Juba behauptet, bei dem Moſ⸗
hen Vorgebirg begiune der Utlantifche Ozean, auf wels
ı man mit Nordweft an feinem Mauritanien vorüber bie
Gades fahren könne. +3), Wir wollen hier überhaupt
ganze Anſicht Juba's nicht vorenthalten. Bon dem Bor:
rge der Inder, Fir) welches Lepteacra, nad) Andern
panum. heißt, T*) vechnet er in gerader Richtung an
‚a vorüber bis zur Inſel Malchu 41,500,000 Gchritte
, M.], von da bis zu einem Orte, welder den Namen
neos führt, 225,000 Schritte [45 M.], von da bis zur
el Adanı 450,000 Schritte [30 M.]; und fo betrage alfo
ganze Strede bie zum offenen Meere 4,875,000 Schritte
‚, M.1.
) Wahrfcheinlich die Bai Afab,
) Sie wirb jegt Perim, auch Mehum genannt.
) Wahrſcheinlich Zeyla.
pP Vielleicht der Hafenort Bunder Caſſim und das Cap Felis.
5 Zune bepauptete alfo mit klaren Worten bie Umferifasteit
tr) So nenut Tuba hier bie Aethiopier,
') Der Berg Ghareb, an der Mäntung bes Meerbuſens
von Suez.
\
700 C. Plinins Naturgefchichte,
7. Alle übrigen Schriftſteller glaubten, daß dieſes der
Sonnenginth wegen nicht beſchifft werden köune. Ohnehin
ſtören den Handel von den Inſein aus die Araber, welche
Asciten *) heißen, weil fie je zwei Ochſenhäute durch eine
Brüde verbinden, und auf dieſe Weiſe, mit giftigen Pfeilen
bewaffnet, Seeräuberei treiben. Stämme ber Troglodyten
find auch, wie derſelbe Juba berichtet, die Therothoen, **)
welche ihren Namen von den Thieren, die fle jagen, haben,
und ine wunderbare Schnelligkeit befigen ; ferner die Ich⸗
thyophagen, welche fo gut. wie die Geethiere fhwimmen;
Dann die Bargener, die Zageren, die Chalyben, die Saxinen,
die Syrecen, die Daremen und die Domazanen.. 8. Auch
behanptet er, die Unmohner des Nils von Syene bis Meros
ſeyen Beine Wethiopifche, fondern Arabifhe Stämme, und die
Gonnenftadt , ***) welche wir in der Befchreibung Aegyp⸗
‘tens nicht weit von Memphis genannt haben, fey von Ara⸗
bern erbaut. Manche reißen andy das jenfeitige Ufer H
. von Aethiopien los, und fchlagen es zu Afrika; auch feyen,
meinen fle, banptfächlid nur die Ufer des Waſſers wegen
bewohnt. Wir flellen dieſe Anſichten dem Belieben eines
Jeden anbeim, und wollen nur die Städte an beiden Ufern
nad) der Reihe, wie fie angefebt werben, nennen.
XXXV, 4. Bon Syene an, und zwar zuerſt anf der
*) Schlaucharaber, von aoxos (Schlauch). Sie wohnten um
das Borgebirg Sartafch, an der Sudküſte Arabiens.
2) Onoodoa, Schakaljäger.
“.. Heliopolis. Bol. B. V. Kay. 9. $. 8.
) Das dfitiche Nilufer.
Sehstes Bud. 701
eite Arabiens, folgen das Volk der Catadnper, *) dieGtädte
acompfon **) (von Mancheu auch Thatice genannt), Ara⸗
um, Gefanium, Sandura, Nafaudum, Auadoma, Cumara,
eta und Bochiana, ‚Lenphitorga, Tantarene, Möchindira,
oa, Gophoa , Bpftate,. Megeda, Lea, Rhemnia, Nupfia,
irea, Pataga, Bagada, Dumana, Rhadata, wo eine gols
ne Kape als Gott verehrt wurde; Boron im Juneren des
ındes, und Mallos zunächſt bei Meros. So ſetzt Bion die
täbte an,
2. Bei Juba folgen fie anders: nämlich zuerft anf
nem Berge zwiſchen Aegypten nud Wethiopien die Stadt
x
tegatichos , **®) von den Arabern Myrfon genaunt, dann
acompfon, Aranium, Sefanium, Pide, Mamuda, Eorams
6, wobei eine Pechquelle, Hammodara, Prosda, Parenta,
tama, Teffara, Ballaz, Zoton, Sraucome, Emeum, Pidis
tä, Hebdomecontacometä, Nomaden, welche in Zelten
ben, Epfte, Pemma, Gadagale, Palois, Primis, Nupfis,
afelis, Pati, Bambdreres, Magafe, Gegasmala, Eranda,
enna, Cadeuma, Thena, Batha, Alana, Macus, ‚Scamni,
ora auf einer Infel, und nach diefen Abala, Aüdrocalis,
ere, Mali und Agoce.
*) Bol. B. V. Kap. 10. $. 4, 10.
*0) Der Ort heißt jet Kobban, wo man.noch die Ueberrefte
einer großen alten Mauer: and Biegelfteinen findet. "Die '
Lage ber Übrigen von Plinius namhaft gemachten Städte
läßt fich nicht nachweiſen.
eo) Bei der Nubifchen Stadt Gyrsha (23°, I’ N B.), nörds
lich von Kobban, liegen die Muinen einer alten Gtadt
von ben Umwohnenden Semagura genännt, Hier mag
Megatichos gefianden haben.
702 C. Plinius Naturgeſchichte.
3. Auf der Afrikaniſchen Seite werden angegeben ein
anderes Tacompſos, oder vielleicht ein Theil des ſchon ge⸗
nannten, *) Magora, Sen, Edoſa, Pelenaria, Pyndis, Mas
guſa, Bauma, Linitima, Spintum, Sydopta, Genſora, Pin⸗
dicitora, Agugo, Orſima, Suaſa, Maumarum, Urdim, Mu:
Ion, welche Stadt die Griechen Hypaton nannten, Pagoargas,
Zamnes, wo man die erfien Elephanten finden fol, Mambs
lia, Berrefa und Cetuma. Gräber lag andy noch Merve
gegenüber die Stadt Epis, die aber fchon, ehe Bion ſchrieb,
zerflört war.
4. Diefe Städte werden bis Meroe hin angegeben ; von
allen ift aber jetzt anf beiden Nilufern faft Beine einzige
mehr vorhanden. Gewiß ift, daß die vom Kaifer Nero, der
nebft andern Kriegszügen aud) einen nad) Aethiopien im
Sinne hatte, zur Erforſchung diefer Gegend vor nidyt Tanger
Zeit unter einem Tribun abgeſchickten prätoriauifdyen Sof:
daten die Bkkſicherung, dort nur Einöden gefunden zu has
ben, zurückbrachten. Uebrigens find doch andy bis ‘hierher
die Römifhen Waffen zur Zeit des göttlichen Auguſtus nnd
unter der Leitung des Ritters und Statthalters von Ye
gypten, P. Petronins, vorgedrungen. **) 5. Er eroberte alle
*) Das zweite Tacompfos ifk wirklich ‘ein Theil bed erfien,
welcher auf dem weftlichen Ufer des Nil lag. Jetzt findet
man an diefer Stelle Dakke, Kobban gegenüber. Es has
ben ſich bis jegt mehrere Ruinen‘ der alten Stadt efbals
ten, die zu ben ſchonſten Reſten bes Altertbums im Nils
that gehören,
**) Diefer Kriegszug [Alt in das Jahr 22 vor en. Bel.
Caſſius Die, LIV, 5. '
f
Sechstes Bud). 295
lethiopiſchen Städte, die er in der Neihefolge, wie wir fle
jee namhaft maden, vorfand, nämlich Pfelcis, *) Pri⸗
is, "*) Aboccis, ®**) Phthuris, +) Cambuſis, ++) Atteva+r})
nd Stadifls, +”) wo ſich der Nil mit ſolchem Getöſe herabs
ürzt, daß er den Anwohnern das Gehör raubt. Er plün«
erte auch Napata, +°*) und Fam auf feinem Zuge 970,000
‚chritte [194 M.] Über Syene hinaus. Die Römifchen
Daffen ſchufen jedoch hier Leine Einöde; fondern Yethiopien
urde ſchon durd) die Kriegemit Aegypten, in denen es bald die
)berhand behielt nnd bald unterlag, zu Grunde'gerichtet. °**) ' -
zerühmt und mächtig war ed noch zur Zeit des Trojanifchen
'rieges unter Memnon’s Regierung, und andy über Sprien
nd unfere Küfte *+) hat ed zur Zeit des Königs Eepheus
“
*) Iſt mit dem zweiten Tacompſos auf ber weftlichen Nils
’ feite eine und biefelde Stadt. "Bol. K. Mannert, a,
a. O. ®b. X. Abthl. 1. ©. 231— 233,
”e) Bielleiht das Kaftell Ibrim im wady Nude.
”.°, Mielleiht Handieh in Dongala.
+) Ruinen bdiefer Stadt foll man bei Safef, fübrich von dem
Kaftel Tinareh, im Wady Mahap finden,
+7) Sol auf einem Telfen bei Hettan , ‘in Dongala, gelegen
haben,
rt) Bei Soleb, im Wady Mahaß, wo man noch (höne Tem⸗
pelruinen findet.
*) Wahrſcheinlich Wady Dal, im Diſtrikte Sukkot.
+**) Lag wohl uordlich von Merawe, am Berge Berkel, w
ſich viele Ruinen finden.
22) Hauptfählid durch ben Üegpptifchen König Seſoſtris,
welcher Aethiopien verwüſtete. Herobot, II, 110.
*+) Des Mittelländifchen Meeres.
.
708 C. Plinius Naturgeſchichte.
geherrfcht, wie ans den Sagen von der Andromeda *) er⸗
beit.
6. Auch über die Größe dieſes Landes Hat man vers
ſchiedene Angaben. Zuerſt Bam Dalion weit über Meroe
hinaus; ihm folgten Ariftocreon, Bion, Bafllid nnd der
‚jüngere Simonides, welcher fünf Jahre in Meros vermeilte, .
als er fein Werk Über Aethiopien ausarbeitete. Timoſthenes,
der Flottenführer des Philadelphus, beftimmt, ohne die
Entferuungen im @inzelnen anzugeben, die Reife von Syene
nach Meros Überhaupt auf ſechzig Tage; Eratoſthenes zählt
625,000 Schritte [125 M.]; Artemidorus 600,000 Schritte
[120 M.]; Sebofus von der änßerften Grenze Aegyptens,
von wo die fo eben genannten Schriftiteler **y nur 4, 250.000
Schritte [250 M.] rechnen, 1,675 000 Schritte [335 M.].
7. Der ganze Streit hat jedod vor Kurzem fein Ende
erreicht, - ald Nero's Kundfchafter die von Gyene and
873,000 Schritte [47435 M.] betragende Entfernung anf
folgende Weife im Einzelnen beredineten: von Syene bis
nad) Hierafyeaminos **) 54,000 Schritte [10% M.], von
da bis nach Zama 73,000 Schritte [14% M.], bis zur
Laudſchaft der Evonymiten, T) der erſten in Aethiopien,
*) Undromeba, des Königs Eephend Tochter, wurde nach ber
Sage an ber Syrifhen Küfe an einen Fels bei Joppe
"gefeffelt, um von einem Serungehtuer gefrefien zu werben.
Bol. B. V. 8. 34. 6. 2.
*P) Weber alle von Plinius angeführten Autoren vgl. bie
Vorbemerkungen zu diefem Buche, .
***) Große Ruinenhaufen biefer Stadt findet man bei Mehar⸗
raca (Nucharrage) im Wady el Kenous.
rd) Im jebigen Diſtrikte Sukkot.
GSechstes Bud. . 105
),000 Schritte [24 M.], dis nad) Heine 55.000 Eihritte
. M.], bis nad Pitara 25,000 Schritte [5.M.), bis
h Tergedbum 106,000 Schritte [21% M.]. In der Mitte
fes Striches fanden fle die Inſel Gagaude. ) Bon hier
ſahen fle zuerfi Papageien ‚ von einer andern Inſel am,
lche Artigula °*) heißt, zuerſt das Thier Drangontang®®®)
> von Zergedum an zuerft Paviane. +) Von bier an
nad Napata, weiche Pleine Stadt allein von den oben +)
annten noch vorhanden war, zählten fle 80, 000 Schritte
; M.], und von diefer bis zur Inſel Meros 360,000
yritte [72 M.]. Um Meroe bemerkten fie an deu Kräu⸗
n ein frifheres Grün; aud wollen fle.&twas von Wäls
n und Spuren von Nashörnern und @lephanten wahrs
ommen haben. 8. Die Stadt Meros T+H ſelbſt iſt nach
em Berichte vom Anfange der Inſel [Meroe] 70,000
ritte [14 M.] entfernt, und daneben liegt, wenn man
dem rechten Nilarme heranfährt , eine andere Inſel,
u genannt, +*) welche den Hafen bildet. Die Stadt
nur wenige Gebäude; die Regierung führt eine Fran,
ıdace genannt, welcher Name ſchon feit langen Jahren
) Wahrſcheinlich Argo in Dongola,
*) MBielleiht Gartaoni in berfelben daudfchaft,
) Sphingion. ©. Kap. 34. 6. 4, '
H Synocephalus (Hundekopſ). Wgl. B. VII, ‚Kap. 80,
+) In biefem Kapitel, $. 4.
+) Große Ruinen diefer Stabt findet man nod eine Tagreife
nörblih von Shendy (16°, 337 33" N. B.).
) Jetzt Kurgos.
. Plinins Naturgeſch. 68 Bbchn. 9
706 C. Plinius Naturgeſchichte.
ber dieſen Königinnen eigenthümlich if. Man ſindet auch
bier einen hochheiligen Tempel des Hammon nnd in der
ganzen Gegend Kapellen. Als übrigens die Aethiopen das
berrichende Bolk waren, hatte dieſe Inſel eine große Bes
rähmtheit. Gie war gewohnt, zweihunbertundfünfzigtaufend
Bewaffuete zu ftellen und ernährte viermalhunderttanfend
Künftier. Auch jest noch foll es fünfundvierzig Aethiopiſche
‚ Könige geben.
(xx). Das ganze Land hieß zuerſt Aetheria, dann Mts
lantia und fpäter von Aethiops, des Bulcan Sohne, Aethiopien.
9, Daß an den äußerſten Grenzen dieſes Landes aben⸗
teuerlihe Thiers und Menfchengeftalten erzeugt werden, ift
durchaus nichts Wunderbares, da die bewegliche Feuerkraft 9)
zur Körperfchaffung und Geflaltenbitdbung vorzüglich geſchickt
it. Man erzählt wenigftens als gewiß, daß es am der
änßerfien Oftgrenze-Bolksftämme ohne Nafen gebe, deren
Antlis eine vollftändige Fläche fen; andere follen Feine
Dberlippe und wieder andere Beine Sungen haben. 10. Eis
nem Theile derſelben fol fogar der Mund zugewachſen ſeyn
und die Nafe fehlen. Diefe athmen nur durch eine Oeff⸗
nung, in weiche fie auch durch Haferrohre ihren Trank zies
ben, und die ihnen zur Nahrung dienenden Körner des wild
wachienden Hafers einnehmen. inige erfeben den Mangel
der Sprache durch Winte und Bewegungen der Glieder, und
einigen war fogar vor der Zeit des Aegyptiſchen Königs
Piolemäus Zathurus 9%) der Gebrauch des Feuers unbekannt.
”) Des 'Aethivpifchen Himmels,
o0) Regierte 116 — 106 vor Chr,
Sechstes Bud. 707
anche Schriftſteller ſetzen auch noch zwifchen bie Sümpfe,
denen der Nil entſpriügt, das Vol der Pygmäer.
11. Un der Küfle ) aber, wo wir ſtehen geblichen
d, folgen fortlaufende Berge, welche ein glühend rothes
fehen haben. Der ganze Landfirih von Meroe an liegt
fhhen den Zrogiodyten und dem Nothen Meere. Auf
ı Wege von Napata nach der Käfte des Rothen Meeres,
der drei Tagereiſen beträgt, wird an mehreren Gtellen
Negenwafler zum Gebraude aufbewahrt; übrigens ift
€ Zwiſchengegend fehr reich an Bold. Das weiterhin
ende Land **) befisen die Atabuler, ein Aethiopiſches
e. Dann folgen Meros gegenüber die Megabarer, ***)
Manchen auch Wdiabarer genannt; ihnen gehört die
Moftadt. Ein Theil derfeiben find Nomaden, weldhe von
phantenfleifceh leben. Ihnen gegenüber auf der Wfrikas
hen Seite wohnen die Macrobier, +) und dann wieber
der andern Geite nady den Megabarern die Memnonen
Daveller, und nach einem Zwiſchenraume von zwanzig
ereifen die Eriteufer. Hinter diefen folgen die Docher,
n die Gymneten, welche ftetd nadt geben, weiterhin die
eren, die Mathiten, die Mefageben und die Hipporeen, ++)
) Aethiopiens. Kap. 34. $. 5.
) Zwiſchen Napata und Meroe.
>) Wahrſcheinlich in dem heutigen Sennaar, wenn die Ans
Deutungen des Plinius richtig find,
F) Vielleicht in dem heutigen Kordofan.
PD Dieſe Wölter wohnten in Nubien und Habeſch.
9 *
708 G. Plinius Naturgeſchichte.
weiche ihren ſchwarzen Körper mit Röthel bemalen. Auf
der Afrikaniſchen Seite folgen die Medimner, dann die No⸗
maden, welche von der Milch der Paviane leben, die Ola⸗
ber und die Syrboten, *) welche acht Ellen groß ſeyn ſollen.
13. Ariſtocreon erzählt, anf der Seite Libyens, fünf
Zagereifen von Meros, liege die Stadt Tole und zwölf Tags
reifen weiter @far , eine von den Aegyptern, die vor Pſam⸗
metich **) flohen, erbaute Stadt, in welcher fle dreihundert
Sabre lang gewohnt haben follen; auch die auf der Arabi⸗
ſchen Seite liegende Stadt. gehöre ihnen. Bion aber nennt
. die Stadt, welche bei jenem Efar beißt, Sape, welder
Name nad feiner Behauptung nichts Anderes ald Fremd⸗
‚linge“ bedeuten foll. Ihre Hauptſtadt auf einer Infel nennt
er Sembobitis, und eine dritte Stadt auf der Arabiſchen
Seite Sai. ***) 414. Zwiſchen den Bergen und dem Nil
wohnen die Symbarer und die Paluoggen, auf den Bergen
felbft aber die zablreihen Stämme der Aſachen. Sie follen
vom Meere fünf Zagreifen entfernt ſeyn, und leben von der
Elephanteniagd. Die Inſel der Semberriten auf dem Nil
ift eimer Königin unterworfen. Acht Tagreifen von da folgen
die Wetbiopiihen Nubeer, deren am Nil liegende Stadt
Zennpfls heißt, und nach dieſen die Sambrer, bei denen
alle vierfüßige Thiere, fogar. die Elephanten, Beine Ohren
” Negervölter, von denen bie alten Scheiftfieller nur Fabeln
zu erzählen wiſſen.
) Er regierte 670 — 616 vor Chr.
=.) Ueber dieſe in Habeſch wohnenden Volksfiämme Chie wohl
Arabifchen Urfprungs waren) und ihre Gtädte laßt fi
nichts Näheres auffinden,
+
Sechstes Bud. 708
ben. Auf der Afrikaniſchen Seite wohnen die Ptoemba⸗
r, die Pioemphan en, welche einen Hund zum Könige ha⸗
1, and defien Beweg nungen fie die Befehle erratben, bie
rusper mit einer weit vom Nil entlegenen Stadt, ſodann
Achiſarmer, die Phaligen, die Marigerer und die Caſa⸗
ver.) -
45. Bion gibt auf den. Inſeln nody andere Städte an,
d fchäßt die ganze Wegitrede von Sembobitis bis Merss
r zwanzig Tagreifen. Auf der [Merve] zunächſt liegenden
je nennt er die Stadt der Semberriten, welche von einer
nigin beherrfcht wird, und eine andere Stadt, Aſar ge
ınt, auf einer zweiten Infel die Stadt Daron; eine dritte
fel, auf welcher die Stadt Afel liegt, heißt Medoe, eine
te Garode, mit einer Stadt, welche denfelben Namen
rt. Bon da an liegen auf beiden Ufern die Städte Na⸗
„Modunda, Andatis, Secundum , Eolligat, Secande,
vectabe, Eumi, Agrosni, Aegipa, Candrogari, Araba und
mmara.
16. Die Gegend oberhalb Sirbitum, **) wo die Berge
yören, bewohnen nad, den Berichten @iniger bis zum
ere hin ***) Aethiopen, nämlidy die Niflcaften und die
ten, weldie Namen „Männer mit drei und vier Augen“
uten, nicht aber weil fie von Natur fo beſchaffen find,
ern weil fie mit den Pfeilen vortrefflih zu zielen vers
) Die Gige diefer in Nubien und Habeſch wohnenden Bol⸗
ger, an welche Plinins feine Kabeln Enüpft, näher nach⸗
weifen zu wollen, wäre ein vergeblichee Bemühen,
) Vielleicht Sennaar.
) Bermuthlich nach der Küfte Abel und Yan din,
710 C. Plinius Naturgeſchichte.
ſtehen. Von dem Theile des Nil an aber, welcher ſich
‚oberhalb der großen Syrten und dem füdlichen Dcean bins
zieht, *) findet man nach Dalion’s Bericht die Völker,
welche Ciſorer und Longoporer heißen, und nur Negenwafler
zu ihrem Gebrauche haben, fünf Tagreifen hinter den Oeca⸗
kicen **) die Uilbalcen, Iſueler, Pharuſer, Belier und Eid:
pier, dann nur noch Sandwüſten und weiterhin if
Alles fabelhaft. 17. Nach Welten hin follen die Nigrer d
wohnen, deren König kur ein Auge auf der Stirne hat;
dann die Ugriophagen, welche bauptfächlich vom Fleiſche der
Löwen und Panther Ieben; die Pamphager, welche Alles ver:
finden; die Anthropophagen, ' welche Menfchenfleifch eflen;
die Cynamolger +) mit Hundeköpfen; die Artabatiten,
welche wie vierfüßige Thiere umberirren; dann die Hesperier
and bie. Perorfer, weiche wir ſchon +) an der Grenze
Mauritaniens genannt haben. Ein Theil der Aethiopen
jeben nur von Heuſchrecken, 1*) welde fie gefalzen und ge
*, Alſo nad Bornu hin, Denn der Nkommt nad, bem
Berichte bes Plinius (B. V. Kap. 10. $. 1.) aus Weſt⸗
Afrika. J
e) In deren Land der Niger entſpringt. B. V. K. 8. §. 3.
e*0) Diefe Volker wohnten wahrſcheinlich am Nordrande der
großen Wärte, ſuͤdlich von ber Berberei.
+) Diefe und die folgenden fabelhaften Völker kann mas
etwa in Nigritien fuchen, .
+4) Hundemelter. — Artabatiten, Leute, die auf allen Vieren
gehen. Schon bie, Namen biefer Bbiker Deweifen, daß
ihre Daſeyn auf Sagen beruht,
DD» V. K. 14. 8. 10. Kap. 8. $. 1.
+) Noch jest find gedbrrte Heuſchrecken vielen Negerſtaͤmmen
eine angenehme Speiſe.
4
-
4
Sechsſstes Bud. 7144
iuchert ein ganzes Jahr hindurch zur Nahrung aufbewahren;
: überfchreiten nicht das vierzigfte Lebensjahr.
48. Das ganze Land der Uethiopen fol, nach Agrippa’s
chaͤtzung, mit dem Nothen Meere eine Länge von 2,170,000
chritten [434 M.], und, Oberägppten mit eingerechnet,
ne Breite von. 1,298,000 Schritten [259% M.] haben.
ndere berechnen die Länge wie folgt: von Meros bis Sir⸗
tum zwölf Schifftagreifen, von hier bis zu ben Davellern
enfalls zwölf, und von diefen bis zum Aethiopifchen Ocean
HE Tagreifen. Faſt alle Schriftfteller ſtimmen darin übers
2, daß die Entfernung von dem Dcean bis Merv& Übers
upt 625.000 Schritte [125 M.] beirage, wie weit es von
nad) Syene ſey, haben wir ſchon gefagt. *) 19. Aethiopien
at von Südoften nad) Südweſten hin; an feiner ſüdlichen
renze prangen die Wälder hauptſächlich mit Ebenholz; in
ner Mitte ragt dicht an dem Meere ein hoher Berg hers
r, aus welchem ein ewiges euer auflodert, und der bei
n Griechen Theön Ochema (Bötterwagen) beißt; von hier
ifft man in vier Tagen zu dem Vorgebirge, weldes den
men Hesperifhes Horn (MWefthorn) führt, und an dem
ındte, wo Afrika an die Hesperiſchen Wethiopen gremst,
36. Mauche fegen auch in diefe Gegend eine Reihe mär
ı ober, mit anmuthigen Gehölze bekteideter und von
gipanen und Satyrn bemohnter Hügel, **)
XXXVI (xxxi). 4. In diefem ganzen Meere follen nad)
*) In dieſem Kapitel, 6. 6,
»®) Leber bie bier angeführten Punkte der Weſtkuͤſte Afrika's
vg. B. V. K. 1. 5 6. 10.
-
712 _ C. Plinius Naturgeſchichte.
Den Angaben des Ephorus, des Eudoxus und des Timoſthe⸗
nes mehrere Juſeln liegen. Clitarchus erzählt, ‚dem König
Alexander fey von einer, welche fo reich fey, daß die Be
. woher Pferde gegen Talente Goldes austaufchten, und von
einer andern, auf weldier man einen heiligen von einem
Walde befinatteten Berg entdedt habe, wo von den Bäumen
ein Weihrauch von wunderbarer Liebtichkeit träufle, Nach⸗
richt gebracht worden. *) In der Richtung des Perſiſchen
Meerbuſens wird die Aethiopien gegenüberliegende Juſel
Eerne **), angeführt; man Eennt aber weder ihre Größe,
noch ihre Eutferuung vom SFefllande; fie folk nur von Yes
thiopiſchen Bolksſtämmen bewohnt feyn. 2. Ephorus erzählt,
‚daß die vom Rothen Meere aus Bahrenden wegen ber gro⸗
Ben Hitze, Die jenfeitd gewiffer Gäulen (wie man einige
Juſeln ***) nenne) herrſche, nicht zu ihr gelaugen könne.
Polybius erzählt, Gerne liege an dem Ende Mauritaniens
dem Atlasgebirge gegenüber, acht Stadien [Y, M.] vom
* Manche Halten ohne Hinreihenden Grund biefe Infeln für
Abdal Curia und die beiden Brüder bei Socotora.
+) Nach Einigen Mabagascar. Andere, weiche glauben, Plis
nius bezeichne baffelbe Gerne, welches er weiter unten
nennt, fuchen die Infel an ber Weſtküſte Afrika's, und
ziehen die Worte „contra sinum Persicum“ zu dem vors
hergehenden Sage ; was freilich unftatthaft fcheint. Webers
haupt gewährt dieſes Kapiter einen unbefchränkten Tum⸗
melplag für die mannigfaltigfien Hypotheſen, die bier auch
nur angedeutet werden Fünnen, Wir nennen bie neueren
Namen nad ben verfchiebenen Angaben, ohne uns für
eine derfelben zu verbürgen. .
**) Sollen die beiden Sabedyna (ober weißen Selfen),
ebenfalls bei Socotora, feyu.
.
!
Sechstes Bud. 713
Feſtlande.) Nach Nepos Cornelius Tiegt fie zumeiſt Kars
thago gegenüber, **) 1000 Schritte [Ys M.] vom Feſtlande
ınd bat nur 2000 Schritte [2/; M.] im Umfange Auch fol
noch eine andere Inſel dem Atlasgebirge gegenüber liegen,
ınd deßhalb Atlantis ***) heißen. 3. Bon ihr aus findet
nan fünf Schifftagreifen weit nur Einöden bis an den Hes⸗
yerifchen Aethiopen und dem Vorgebirge, welches wir Hes⸗
erifhes Horn genannt haben, von wo ſich die Gtirnfeite
es Landes zuerft nach Welten und das Utlautiihe Meer
in wendet. Auch diefem Borgebirge gegenüber werben Ju⸗
ein angeſetzt, welche man die Gorgaden nennt, +) und bie
inft der Aufenthalt der Sorgonen gewefen feyn follen. Sie
iegen, wie Zenophon von Lampſacus angibt, zwei Schifftag⸗
eifen vom Laude. A. Hanno, der Feldherr der Karthager,
yeldyer bis zu ihnen vordrang, erzählt, Daß die Weiber am
2) Eerne, an ber Weſtküſte Afrikas, if nach Einige? bie
Inſel Fedal, nah Andern Varel am Cap Geer. Undere
Halten fie für Arguin und für eine ber unten vorkoms
menden Gorgaben, u
*e, In fübweftliher Richtung. Plinius will fagen, Gerne
Liege eben fo weit von den Säulen bed Herkules nad
San, al ‚ al Karthago dftlich von benfelben, Wol. B. kV.
1.5. 4,
») Mon ber vielbefprochenen Atlantid Plato’8 kann hier bie
Rede nicht ſeyn. Vielleicht if eine der Eanarifchen Ins
fein oder das ſchon erwähnte Varel gemeint,
+) Man hält die Gorgaden für die Inſelgruppe Arguin.
Daß Hefperifhe Horn wäre mithin das Weiße Vorgebirg.
Andere verfichen unter den Gorgaben bie Infeln bes Grfis
nen Vorgebirge, zu weichen aber die alten Seefahrer wohl
nicht Bamen,
74 C. Plinius Naturgeſchichte.
ganzen Leibe behaart geweſen, die Männer ihm aber durch
ihre Schnelligkeit entwiſcht ſeyen. Er legte zum Beweiſe
und der Seltſamkeit wegen die Häute zweier weiblichen
Gorgonen 9 in dem Tempel der Juno nieder, wo fle noch
bis zur Einnahme Karthago’d zu fehen waren. Jenſeits
der Gorgaden fest man aud noch Die beiben Inſeln der
Sesperiden *% an. Die Nachrichten über alle diefe Dinge
find aber fo unzuvertäffig, daß Statins Seboſus die Fahrt
von den Infeln der Gorgonen am Atlas vorüber bis zu ben
Aufeln der Hesperiden auf vierzig Tagreiſen, den Weg von
diefen bie zum Hesperifhen Horne nur auf eine Zagreife
angibt. Auch Über die Infeln Manritaniends weiß man
nichts Bewiffered; nur darüber ift man einig, daß etliche
Snfeln dem Lande der Antololen **9% gegenüber liegen, })
weiche Juba entdedte, nnd auf denen er eine Auſtalt zum
Färben des Getuliſchen Purpurs gegründet hatte,
. XXXVII (zz), 4, Manche glauben, jenfeits derſelben
*) Diefe Gorgonen darf man wohl für Affen halten,
, Man bürfte fie eher am Grünen Vorgebirge ſuchen; viels
leicht find e8 aber zwei der Canarifchen,'
m) Vol. B. V. 8 1 |. 9.
+) Nach Einigen die Canariſchen Inſeln Lancerota und Fors
taventura ; nach Andern Madeira, Porto Santo und Las
Defertas, und nad) den Geographen, welche die Kenntniß
der Alten von den weftafrifanifchen Infeln in bie engſten
Grenzen einfchränten, Fedal, Mogabore und Aſafi. Auf
"allen biefen Infeln findet man das Bärbemoos, Orfeille
(Lichen roooella) genannt, womit man noch jegt Pur⸗
yur färbt,
Sechstes Bud. 715
lägen die glüdfeligen Inſeln *) und noch einige andere,
und der eben erwähnte Sebofus gibt fogar ihre Zahl und
ihre Entfernung von einander an. Junonia **) fest er
750,000 Schritte [450 M.] von Bades, und eben fo weit
von diefer Infel nad Wehen bin Pluvialia 9°) und Ear
praria. }) Auf Pluvialia fol man Bein anderes Waffer
als Kegenwafler haben. Bon diefen find nach ihm die glüds
feligeu Juſeln 250,000 Schritte [50 M.] entfernt, und liegen
der linken [weſtlichen] Seite Mauritaniens gegenüber nach
ber neunten Tagsſtunde ſSüdweſten] bin; die gine heißt
Gönvallid Tr) wegen ihrer gebirgigen, die andere Planas
ria +++) wegen ihrer ebenen Geſtaltung. Den Umfang von
Eonvallis gibt er auf 300,000 Schritte [60 M.] an und
fagt, die Bäume erreichten auf ihr eine Höhe von, hundert⸗
nudvierzehn Fuß.
2. Juba bat über bie glüdfeligen Inſeln folgende Nach⸗
richten eingezogen : auch fie liegen in ſüdweſtlicher Richtung,
625 000 Schritte [125 M.] von den Purpnrinfeln, fo daß
man 250 000 Schritte [50 M.] nach Welten zu fchiffen, und
daun 375,000 Schritte [75 A weit feinen Lauf wieder
*) Man darf wohl nicht zweifeln, daß hier bie Kauarifchen
Juſeln gemeint find.
*) Junoinſel. Am wahrfcheinlichfien Gracioſa; nach Andern
Mabeira, ober 2060, oder Fortaventura, oder Gomera.
*, Regeninſel. Am wohrſcheinlichſten Ferro, nad Wadern
Lancerota ober Palma.
7) Ziegeninſel. Am wahrfcheinlichfien Gomera, nach Andern
Fortaventura ober Palma.
+) Thalinſel. Man nimmt diefe einflimmig für Tenerife.
+9 Ebene Infel, Gie wird. allgemein für Canaria gehalten,
716 €. Plinius Naturgefchichte.
nady Often zu nehmen babe. *) Die erſte Heiße Ombrion; *%
man finde anf ihr Leine Spuren von Gebäuben, fie habe
aber zwifchen den Bergen einen Sumpf und ruthenähnlicdhe
Bäume, aus. welchen man Waſſer prefle, nnd zwar aus dem
ſchwarzen bitteres, aus den meißeren aber angenehm ſchme⸗
dendes. ‚Die zweite Infel fey Junonia, und auf ihr ges
gewahre man nur ein and Steinen erbautes Tempelchen.
Hinter ihr und ganz in ihrer Nähe fey eine andere Bleinere
Inſel 9%) gleichen Namens.
3. Dann folge Gapraria, weldhe von großen Eidechſen
wimmle. In dem Geiſſchtskreiſe der erwähnten liege Riva:
ria, F) welhe ihren Namen von dem flets auf ihr vorbaus
denen Schnee Habe und in Nebel gehälit fey. Zunächſt nad
ihr folge Canaria, +4) von der ungeheneren Menge ber anf
*, Juba will fagen: wenn man bie glüdfellgen Iufeln vom
ben Purpsrinfeln aus zuerit in der Richtung nad, Werten,
dann zurfict nah Oſten umſchifft, fo beirägt ber Weg
625,000 Schritte. Wirklich beträgt aud die Entfernung
von Lancerota nad) Palına, ber weſtlichſten Inſel, unges
fähr 250,000 Schritte und ber Ruͤckweg, wenn man alle
übrigen Infeln berührt, 375,000 Schritte. Go erklärt
man am watürlichiten dieſe Häufig mißverfiandene Stelle,
und Hardonin's Aenderung der Baht 375,000 in 75,000
war überfäffig. .
*., Das Griechiſche Wort für Pluvialia.
“, Wahrſcheinlich Lobos, nad, Undern Eilara, oder Graciofe,
oder bie Salvages.
+) Kann Being andere ald Teneriffa ſeyn. Denn nur auf
dem Pie derfelben if Schnee anzutreffen. Nivaria uud
Eonvallid find alfo verichiedene Namen derſelben Fuge,
FEN Diefe allein Hat ihren Namen erhalten.
Sechstes Bud. 717
ihr befindlichen Hunde, von denen man Tuba zwei brachte,
fo genannt. Auf ihr bemerte man Spuren von Gebäuden.
Alle haben Ueberfluß an Obfibäumen und an Vögeln jeder
Art; die zulept genannte fey aber auch reich an Dattelpals
men und Fichtennüſſen. Honig ſey auf allen in Fülle, und
in den Zlüffen treffe man die Papprusflaude und Belle;
viel aber ‚hätten ſie durch die faulenden Seethiere, die fort⸗
während [vom Meere an ihken Küſten] ausgeworfen würden,
zu leiden.
XXXVII, 4 Da wir nun den Erdkreis nad Innen
und Anßen genugfam befchrieben haben, fo fcheint andy eine
gedrängte Ungabe des Maßes der Meere nicht überflüſſig
zu ſeyn.
(xx), Polybius beſtimmt die Strecke von der Gadi—
anifchen Meerenge in gerader Richtung bis zur Mündung
es Maotiſchen Sees auf 3,437,500 Schritte [687% M.],
von demfelben Anfangspunkte ans in gerader öſtlicher Rich⸗
ung bis nad Sicilien auf 1,260,500 Schritte [252 Yıo M.],
is nach Ereta auf 375,000 Schritte [75 M.], bis nad
ſthodus auf 183,500 Schritte [3671 M.J, bis zu den Cheli-
onifchen Inſeln [Khilidonian) auf eben fo viele, bis nad
Spprus 322,500 Schritte [64/. M.], und von da nach Ges
eucia Pieria [Kebfe] in Syrien 115.000 Schitte [23 MI,
yeldye Berechnung zuſammen 2,440,000 Schritte [488 MI |
usmacht. 2. Agrippa ſchatzt dieſelbe Entfernung von der
zaditaniſchen Meerenge in gerader Richtung bis zum Ifa⸗
hen Buſen [Golf von Scanderuͤn] auf 3,440,000 Schritte
588 M-]. Ic weiß nicht, ob ſich nicht vielleicht ein Zah⸗
nfebler eingeſchlichen hat, da bderfelbe Den Weg von der
718 C. Plinius Naturgeſchichte.
Siciliſchen Meerenge bis nad Alexaudrien auf 1.250,006
Schritte [250 M.] angibt. Der ganze Umfang des Meeres
aber, alle genannten Bufen mitgerechnet, beträgt nach ihm
von demfelben Anfangspunkte an bis zu dem Mäotifchen
See 10.056.000 Schritte [2041% M.]. Artemidorus füge
nod) 735,000 Schritte [150% M.] hinzu. Derfelbe beſtimmt
das ganze Maß mit Inbegriff des Mäotifden Sees auf
47,590,000 Schritte [3478 M.). Dies ift die Maßbeſtim⸗
mung wehrlofer, in gleidygältiger Kühnheit dem Gdyidfel
trpgender Menſchen. *) 3. Run foll nod die Größe ber
einzelnen Welttheile mit einander verglichen werden , To ber
deutende Schwierigkeiten aud die Meinungsverfchiedenbeit
der Schriftſteller bietet. Am leichteflen wird man eine Ue⸗
berficht erlangen, wenn man zu der Länge die Breite fügt.
Nach diefem Berfahren beträgt Die Bröße Europa’s 8,294.,000
Schritte [1658 5 M.]; Afrita Hat (wenn man aus der
großen Berfhiedenheit der Angaben eine Mittelberedhnung
zieht) eine Länge von 3,794,000 Schritten [758% M.]: feine
Breite überfleigt, fo weites bewohnt wird, nirgends 250,000
Schritte [50 M.]). Da aber Agrippa die Größe deffelben
ſchon von einem feiner Theile, nämlich Eyrenaica, an, mit
Inbegriff der Einödeu bis zu den Garamanten bin, fo weit
man fie kennt, auf 94,000 Schritte [182 M.] beflimmt , fo
muß das ganze Maß, weiches man berechnen faun, A,608,000
Schritte [921% M.] betragen. 4. Die Länge Aſlens wird
befanntlich auf 6,375,000 Schritte [1275 M.] beflimmt. Die
ee ®
*) Der Seeleute, welche anf ben Meere jeden Augeublick
und ohne Ausficht auf Hülfe in Kobeögefahr fchweben,
Schstes Bud). 749
Breite kann wohl, wenn man fie vom Aethiopiſchen Meere
an bid zu der am Nil liegenden Stadt Alexandria hin, ſo
daß die Meffung über Meros und Gyene läuft, berechnet,
4,875,000 Schritte [575 M.] betragen. Darans geht alfo
hervor, daß Europa um etwas weniger als die Hälfte Aflens
größer ald Allen, und daß es um ein und ein Sechstheil
Afrika's umfangreicher fey als Afrika. Stellt man nun alle
yiefe Summen zufammen, fo wird es fid) klar zeigen, daß
Suropa ein Drittel und etwas Über ein Achtel, Allen ein
Biertel und ein Vierzehntel und Afrika ein Fünftel und ein
Sedyzigftel der ganzen Erde ausmacht. *)
XXXIX. 4. Sulest wollen wir hier audy nad) eine von
ıberans feinem Scharfſinn zeugende Lehre Griedifcher
Frfindung beifügen, damit man bei der Betrachtung der
‚age der Länder nichts vermiffe; und damit man nad der
Infzählung der Gegenden erkenne, einmal mit welchen ans
ern jede derfeiben in Verbindung ſtehe und rüädlihtlich der
‚age und Nächte verwandt ſey; fodann welche derfelben
leiche Schatten und gleiche Himmelswölbung mit einander
emein haben. And, hierüber alfo wollen wir Re cyenfchaft
eben, und alle Länder nad Himmelstheilen ordnen. Es
ibt aber- mehrere ſolcher Himmelsabſchnitte, welde Die
nfrigen Kreiſe und die Griehen Parallelen nennen.
(zxsıv). 2. Den Anfang macht der nah Süden hin
»gende Theit Indiens, und Diefer Kreis dehnt ſich bis nad
*, Daß alle diefe Zahlen nicht genau ſeyn können, iſt nach
ber Meffungdreeife der Alten begreiflih; man kann fie
übrigens nad) jeder Landkarte berichtigen,
-
720 C. Plinius Naturgefchichte.
Arabien bin und bis zu den Anwohnern des Rothen Meeres
aus. Darin find begriffen die Gedroſer, die Perſer, die
Carmaner, die Elymaͤer, Partäyene, Aria, Suſſane; Mefo:
potamien, Gelencia, weldyes den Beinamen das Babytonifche
führt, Arabien bis nach Peträ, Cölefprien, Pelufium, Un⸗
terägypten, das fogenannte Gebiet Alerandriens, die Käfte
Afrita’s, alle Eyrenäifhen Städte, Thapfas, Adrumetum,
Clupea, Karthago, Utica, die beiden Hippo, NRumidien, die
beiden Mauritanien, das Atlantiſche Meer und die Gänien
des Herkules. Unter diefem ganzen Himmelsſtriche wirft
um die Mittagsftunde zur Seit der Tagundnachtgleiche ein
fieben Zuß langer Souneunhrenzeiger', gewöhnlich Gnomen
genannt, einen nur vier Fuß langen Schatten. Die Dauer
der längfien Nadyt und des Tängften Tages beträgt vierzehn
Yequinoctialftunden; der kürzeſte Tag und die kürzeſte
Nacht dagegen haben nur zehn Stunden.
3. Der folgende Kreis beginnt mit dem Theile Indiens,
welcher nach Welten hin liegt umd zieht ſich mitten durch
Parthien, Derfepolis, das dieffeitige Perſis, das dieffeifige
Arabien, Judäa und die Anwohner des Berges Libanus
bin. Er umfaßt Babylon, Idumäa, Samaria, Hierofolyme,
Ascalon, Joppe, Cäſarea, Phönicien, Ptolemais, Sidon,
Tyrus, Berytus, Botrys, Tripolis, Byblus, Antiochien, .
Laodicea, Selencia, die Küſte Ciliciens, das ſüdliche Eypern,
Creta, Lilybäulm auf Sicilien und die nördlichen Theile des
eigentlichen Afrike und Numidiens. Ein fünfunddreißig
Buß langer Gonneunhrenzeiger wirft zur Seit der Tagund⸗
nachtgleiche einen vierundzwanzig Buß langen Schatten.
Sehstes Bud. 721
Der längfie Tag und bie Iängfie Nacht haben vierzehn und
in Fünftel Nequinoetialſtunden.
4. Der dritte Kreis beginnt bei den zunähft am maus
vohnenden Indern, und geht über die dicht an Medien lies
enden Caspiſchen Paäſſe, Eataonien, Cappadocien, den
taurnd, ben Amanıs, Iſſus, die Ciliciſchen Päffe, Soli,
karfus, Eyprus, Pifidien, Side. in Pamphylien, Lycaonien,
Yatara in Lycien, Kanthus, Kaunus, Rhodus, Eos, Hali⸗
arnaflus, Gnidns, Doris, Ehius, Deines, die mittleren Cy⸗
laden, Gythium, Malen, Argos, Laconien, Elis, Olympia,
Reflenia im Pelopounes, Syhracus, Eatina, mitten über
Sicitien, das ſüdliche Sardinien, Earteia und Bades. Ein
Sonnenußrenzeiger von hundert Zheilen wirft einen Scyätten
on fiebennndflebzig heilen. 9 Der längfte Tag hat
iersehn nnd eine halbe und ein Dreißigftel Meauinoekial
unden.
5. Unter dem vierten Kreife liegen die Länder anf der
ndern Seite des Imaus, das ſüdliche Eappadocien, Gala⸗
en, Myflen, Sarbis, Smyrna, Sipylus, der. Berg Tmolus
Lydien, Carien, Jonien, Trallis, Eolophon, Ephefus,
Niletos, Samos, Chios, das Jcariſche Meer, die nördlichen
ycladen, Athen, Megara, Korinth, Sicyon, Achaja, Paträ,
vr Iſthmus, Epirus, das nördliche Sicilien, die öſtlichen
heile des Narboniſchen, Gallions und die Küfe Hiſpa⸗
end von Neukarthago an weiter weſtwärts. Einem
e) D. 5. bie Länge bei Zeigers verhält fih zu ber Länge
des Schattens, wie 100: 77.
€. Plinins Naturgeſch. 68 Bbchn, . 40
132 €. Plinius Naturgeſchichte.
Sonnenuhrenzeiger von einundzwanzig Fuß entſpricht ein
Schatten von ſiebenzehn Fuß; der laͤugſte eg. hat vietiehe
und zwei Drittst Aecquinoctialſtunden.
6. In dem fünften Abſchnitte, der bei der Mündung °,
Yes Caspiſchen Meeres begiunt, find begriffen: VBarine,
Herten, Armenien, Myſien, Phrygien, der Sneltespangt,
Troas, Tenrdus, Abydos, Seepſis, Ilium, der Berg Ihe.
Cyzieum, Lampfacus, Sinope, Amiſas, Heulen in Vene
ins, Paphlagonien, Lemnus, Imbrus, Thaſus, Eaffaudrie
Dyheffalia, Maeedonien, Lariſſa, Amphipolis, Theſſalonice,
Delta, Uedefla, **) Beröa, Pharſalia, Earyfium, das Böo⸗
tiſche Cuba, Ehalcis, Delphi, Acarnanien, Aetolien, Apol⸗
fonia, Brundiſtum, Tarentum, Thurii, Loeri, —* die
Lucaner, Neapolis, Puteoli, das Tusciſche Meer, Corſica,
Die Balearen und die Mitte Hiſpaniens. Ein Sonuen⸗
ubrenzeiger von fieben Fuß wirft einen Schatten von ſechs
Buß. Die Dauer des längfien Tages ‚beträgt füufjehn
Aequinociialſtuuden.
7. Die ſechtte Abcheilung, in welcher die Stadt Rom
mit eindegriffen it, umfaßt die Caſpiſchen Völker, dem
Baucafus, das nörblihe Armenien, Apo llonie am Rbynda⸗
eus, Nicomedia, Nicka, Eha leedon, Byrantinm , Lyſimachio,
den Eherſones, den Melaniſchen Weerbufen, Abdera, Gar
mothracien, Maronea, Aenus, das Beſſiſche Gedier, Thracien,
e) Der angeblichen. ©. Kap. 15. 9. 1
ee) Jetzt Vodina, in Macedbonien. ©. Tafel; Theſſalonica,
S. 307-310. O. Müller, Gdtting. G. M. 1840.
S. 841.
Sechstes Bud. 135
taten, Väorien, die Ihiorien, Dyerachium, Tamuſtum, Die
Seren Gebietsthdeile von Apulien, Eampanien, Etrurien,
Hfd , una, Zum, Genua, Bigurien, Umfipeiid, Maſſilia,
tarbon , Tarracon, die Mitte des 3 mischen Dips
ien, ud Bufltawien in dieſer Kichtung bin. Bin nem Buß
mger Gonnenubsenzeiger wirft einen act Fuß Fangen
Schatten; Die Dauer des läungfien Tages beträgt fünfgehn
nd ein Neuätel, oder Wie Nigidins wii) ein Büngtel
keauinectöatfiumden.
8. Der fiebente Unenitt beginnt an ber andern Kite
16 Caſpiſchen Mesres, and gebt über Galatid, den Bospo⸗
us, den Borvſthenes, Tomi, ‚die andere ſnördliche] Geite
ıhraciend, die Triballer, die übrigen Theile von Jllyrien,
ad Adriatiſche Mer, Aquileia, Altinum, Benetia, Bicetia,
Yatapium, Berona, Cremona, Ravenna, Mucona, Pieenum,
ie Marſer, die Peligner, die Sabiner, Umbrien, Ariminum,
zononia, Placentia, Mediolanum und alles Uebrige von
em Apenninus an; ferner jenſeits der Alpen über das Aqui⸗
anifche Gallien, Bienna, die Porenden und Geltiberien.
in fürfenddveißig FJaß Tanger GBonnenwärenzeiger wirft
inen fehsunddreißig Fuß langen Stchatten; in der Gegend
Benetia’s jedoch ift der Schatten einem Zeiger gleich. Der
Angfte Tag Hat fünfzehn und drei Fünftel Aequinoctial⸗
funden.
9. Bis dierher ſind wir den genauen Angaben der
Alten gefolgt; die Zuverlaßigſten unter den Neueren haben
ie noch Übrigen Länder in drei Abſchnitte ‚vertheilt. In
em einen, welchen fie vom Tanais über den Mäotifchen
See und die Sarmaten bis zum Boryſthenes und ferner
724 €. Plinius Naturgeſchichte.
über bie Daten und einen Theil Germaniens, über Gallten
und die Küſte des Oceans reichen Laffen, geben fie dem
Iängften Tage ſechzehn Stunden. Der audere geht über die
Dpperboreer uud Britannien; der Tängfie Tag bat flebens
zehn Stunden, Der legte ift der Scytbiſche, und reicht von
den Riphäiſchen Bergen bis nach Thule; in ihm wechfelt
(wie wir fchon *) gefagt haben) nur einmal [im Jahre] ein
langer Zag mit einer langen Nacht. . Diefelden ſetzen auch
vor den Kreis, den wir als den erften begeidmet haben, noch
zwei Kreife. In dem’ erften, ber über die Juſel Meroẽ unb
die Stadt Piolemais, welche der Elephantenjagd wegen am
Rothen Meere erbaut wurde, reicht, geben fie dem längften
Zage zwölf und eine halbe Gtunde, in dem zweiten, weldyer
über Syene in Aegypten gebt, dreischn Stunden, **) Eben⸗
diefelben.haben in jedem Kreife bis zum. Welten bin ber
Zageslänge eine halde Stunde angefügt: So weit von den
Ländern. '
", B. IV, Kay. 26. $. 11.
**, Die von Piinind mitgetheilten Angaben find offenbar gu
Theil ungenau ober ganz falfch,
Ende der erften Abtheilung.
“
— —
Roͤmiſche Proſaiker
neuen Ueberſetzungen.
Herausgegeben
vog.
G. 8. 5. Tafel, Profeſſor zu Täsingen,
E. N. v. Dfiander, Prälst zu Stuttgart,
und G. Schwab, Dekan zu Stuttgart.
*
Inudert zwei und ſiebenzigſtes Bändchen.
’
‚Stuttgart,
Berlag in der J. B. Metz ler'ſchen Buchhandlung.
1843.
Eaius Plinius Secundus
Yaturgefhidte.
Ueberſetzt und erläutert
‚von
Dr.. Ph. 9 Kalb,
Stadtbibliothekar zu Mainz.
Siebentes Bändden.
Stuttgart,
Berlag der I. B. Metz ler'ſchen Buchhandlung,
84 53
un
N
Mining Secundus Naturgeſchichte.
Siebentes Bud.
n der Erzeugung und Der Beſchaffenheit
Des Menfhen, und von der Erfindung
ber Künfte.
Inhalt.
Kay. [EI. Bem Menſchen.! — II. Seltſame Körpergefials
verſchiedener Menſchenſtämme. III. Wunderbare Goburten.
Von der Erzeugung bed Menſchen. Ungewbhnlich merk⸗
ige Zeitdauer der Schwaugerſchaft; Beifpiele von ſieben bis
reizehn Monaten. V. Zeichen bed Geſchlechts, der Frucht
en Schwangeren vor der Geburt. VI. Eeltfame Geburten,
Aus dem Mutterleibe gefchnittene Kinder. VIII Weiche
er man Mopiscer gene. 1X. Von der Empfängnid und
ung bed Menfchen. X, Beifpiele von auffallender Aehnlichkeit.
730 C. Plinius Naturgeſchichte.
XI, Weiche Menſchen zur Zengung fähig ſind. Beiſpiele ſehr
zahlreiher Nachkommenſchaft. XII. Bis zu weichem Jahre bie
Zeugungsfähigkeit währe. XIII. Wunderbare Sigenfchaften bes
Monatfiuffed bei ben Weibern. XIV. Bebingung ber Ems
pfaͤngniß. XV. Gefchichtlihes in Bezug auf bie Zähne. Ger
fhichtlicheß in Bezug auf bie Kinder. XVI, Beifpiele unges
mwöhnliher Größe. XVII. Frühreife Kinder, XVIIL Beſon⸗
dere Förperlihe Figenfchaften. XIX. Ausgezeichnete Stärke,
XX. Vorzäglihe Schnelligkeit. XXE. Ausgezeichnetes Seh:
vermögen. XXI, Wunderbare Schärfe bed Gehörs. XXII.
‚Ausdauer bed Körpers. XXIV. Gedächtniß. XXV. Lebendig:
keit des Geiſtes. XXVI. Milde und Seelengröße. XXVII.
Hochſter Thatenruhm. XXVIII. Die drei Höchften Tugenden in
einem und demſelben Menfchen vereint; bie höchfte Unſchuld.
XXIX. Die Höchfte Tapferkeit. XXX. Vorzlgliche Geiftedan-
Tagen. AXXI, Mer die weifeften Menichen waren, XXXII. Die
erfprießlichfien Lebendregein. XXXIII. Bon dem Wahrfagungss
vermögen. XXXIV. Welche für ben befien Mann gehalten wurbe,
AXXV. Die ehrbarfien Grauen. XXXVL Beiſpiele ber höch⸗
ſten Anhänglichkeit und Liebe. XXXVI, In den Künften aus⸗
gezeichnete Menfchen : in ber Aftrologie,, Srammatit, Mebigin;
XXXVII, in der Geometrie und Baukunſt; XXXIX. in der
Malerei, der Bilbnerei in Marmor und Elfenbein und in ber
Arbeit mit ben Grabflihel. XL. Hohe Sklavenpreiſe. XLI.
Bon der höchſten Glückſeligkeit. XLII. Geltene Beifpiele forts
dauernden Glückes in einer und berfelben Familie. XLIIL Wuus
berbage Beifpiele der Unbeſtändigkeit des Glücks. XLIV. Wuns
derbare Beifpiele Übertragener Ehrenſtellen. XLV. Vereinigung
der zehmw oliclichiien Dinge in einer Perſon. XLVI. Wibrige
Erfahrniffe des göttlichen Auguſtus. XLVII. Welche Menſchen
die Gotter flir die glücklichſten hielten. XLVIII. Welchen Mens
ſchen man noch bei ſeinem Leben als einen Gott zu verehren
befahl, Ein wunderbarer Blitz. XLIX. Beiſpiele der laͤngſten
Lebensdauer. L. Bon dem Einfluſſe ber verſchiedenen Zeit ber
Geburt. LI. Verſchiedene BVeifpiele von Krankheiten. LII. Vom
Tode, LIII. Beifpiere von Leuten, bie bei ihrem Leichenbegängs
’
Siebentes Bud. 75L
[2
fe wieder ind Leben zurfdtehrten. LIV. Beifpiele eines piöge
ben Todes, LV. Bon dem Begraäbniß. LVI. Bon den Geis
rn ber Geflorbenen und von der Seele. LVII. Wer jedes im
ben erfunden Habe, LVIII. In weihen Dingen hie Mölker
erfi Abereinfiimmten. Bon ben alten Buchflaben. LIX. Wann
erit die Bartfcheerer auftamen. LX. Wann suerfi bie Stun⸗
nzeiger (lihren) auffamen,
Summe aller Segenfiände, Sefhichten und Bemerkungen: 747.
J
Dnellen
[Romiſche]: Verrius Flaccuſs, Eneus Gellius, Licinius
ucianus, Maſſurius Sabinus, Agrippina , die Gemahlin des
audius, Marcus Cicero, Aſinius Pollio, Meſſala, Rufus, Cor⸗
lius Nepos, Virgilius, Livius, Cordus, Meliſſus, Seboſus,
rnelius Celſus, Maximus Valerius, Trogus, Nigidius Figu⸗
s, Pomponius Attieus, Pedianus Asconius, Fabianus, Cato
r Senfor, die Aecten, Fabins Veſtalis.
Fremde: Herobot, Ariſteas, Bäton, Iſigonus, Crates,
zatharchides, Calliphanes, Ariſtoteles, Nymphodorus, Apolloni⸗
3, Phylarchus, Damon, Megafihenes , Eteſias, Tauron, Eu:
rus, Oneſikritus, Elitarhus, Duris, Artemidorus, ber Arzt
ppocrates, der Arzt Asclepiades, Heftod, Anacreon, Theopom⸗
8, Hellanicue, Damaftes, Ephorus, Epigenes, Berofus, Peto⸗
is, Necepfus, Alexander der Polyhiftor, Eenophon, Callimachus,
ımoeritus, ber Gejchichtfchreiber Diyllus, Strato, ber gegen
> Ephorus „Erfindungen“ fchrieb, Heraclides aus Pontus, Abs
piades, welcher fiber den Stoff in ben Trauerfpielen ſchrieb,
jloftephann, Hegeſias, Arhimahus, Thuchbides, Mnefigiton,
nagoras, Metroborus von Scepfid, Anticlided, Critodemus.
732 €. Plinius Naturgeſchichte.
Bemerkungen über die in dieſem Buche
von Plinius benützten oder angeführten
Schriftſteller.“)
— Acten (Acta). Bgl. die Bemerkungen zum zwei⸗
ten Buch. Daß dieſe Art Schriften, welche die meiſte
Aehnlichkeit mit unſeren Zeitungen haben, ſich nicht aus⸗
ſchließend auf politiſche Thatſachen beſchränkten, ſondern ſich
auch die Ueberlieferung anderer ungewöhnlichen Ereigniffe
im Bamilienleben an die Nachkommenſchaft angelegen feyn
ließen, bemeifen die beiden ihnen entnommenen Stellen in
diefem Buche: Die erfte Stelle (Kap. 11. $. 2.), wo dieſe
Schriften mit dem Ausdrude Ucten aus der Zeit des Au⸗
guftus (Acta .temporum Augusti) näher bezeichnet werben,
erzählt ein Beifpiel zahlreicher Nachkommenſchaft; die andre
(Kap. 54. $. 7.) rühmt die außerordentlihe Freundſchaft
eines Wagenlenkers für feinen Kameraden. [Ueber die
Acta der Römer vergl, hauptfählih Rein iv Pauly's
Realencnctopäbdie der Haffifchhen Alterthumswiffenfhaft, Bd. J.
©, 48 ff.)
»Aeſchines von Athen, nad Demofthenes der erſte
der GSriechifchen Redner; feine Anklagerede gegen Kteſiphon,
der dem Demoſthenes feiner Verdienfte un den Staat wegen
*) Der Strih (—) vor einem Artikel zeigt an, daß von den
Schriftſieler ſchon bei einem ber vdrhergehenden Bücher
die Rede war. Die Griechiſchen Autoren find mit einem
Sternchen bezeichnet.
- \
Siebentes Buch. 735
goldne Krone wollte zuerkennen laſſen, wurde von Der
henes fo glücklich widerlegt, daß fie als unbegründet.
nden wurde und Wefchines fein Baterland verlaflen
fe. Er ging nad Rhodnus, wo er ſelbſt, wie Plinius
. 31. $. 4.) erzählt, dem überwiegenden Rebnertätente
8 Gegners Anerkennung zollte Dede und Gegenrede,
: Meifterftüde, find noch vorhanden. u
»Aesculapins, ein Griechiſcher Aſtronom (wenn die
le des Plinius, Kap. 50. $.2., nicht verborben iſt); von
man nichts weiß, als daß er eine neue Schule fliftete.
»Agatharchides von Knidus, ein Griedyifcher
zraph des zweiten Jahrhunderts vor Chr., von deſſen,
eihen Schriften, deren Titel Photius (BibL ood. 213.)-
hrt, ſich keine erhalten hat.. Plinius fheint ihn in Die
Buche häufig benüst zu haben, obſchon er ihn nur zweis
namhaft macht. Die erfle Stelle (Kap. 2. 6, 5.), welche
den Pſyllern in Afrika erzäplt, daß fie die Schlangen
‚ einen ihnen angeborenen Geruch einfchläfern, ift viel
dem Werke über das rothe Meer (mepi is ipvdoäs
oons) in fünf Büchern, oder den fünf Büchern über:
-roglodpten (zepi ‘ Towylodvrur) , Die zweite Gtelle
. 2. $. 22.), welche über Burzlebende Menſchen in In⸗
welche Heufchredden eflen, berichtet, dem Werke über
(z& sara ev ’Aciov) in zehn Büchern entnommen.
— Agrippa (M. Pipfanius), der Freund des Aus
8, deffen Verdienfte um die Geographie des Römifhen _
8 mehrmals von und hervorgehoben wurden, foll auch
Ewürdigfeiten gefhhrieben haben., aus denen viel⸗
die in diefem Buche (Kap. 46: $ 1.) mitgetheilte ‘
734 C. Plinius Naturgeſchichte.
Nachricht, daß Auguſtus zur Zeit der Schlacht von Philippi
an der Hautwafſſerſucht gelitten habe, entnommen iſt.
Agrippina, die Tochter des Germanicus, im J. 46
nad) Ehr. geboren, war zuerft mit Dem Senator En. Domi⸗
tins Ahenobarbug , fpäter mit dem Kaifer Claudius verhei:
rathet. Sie wurde auf Befehl ihres Sohnes Nero im
I. 59 ermordef, Der Berluſt der von ihr gefchriebenen
Denkwürdigkeiten (Tacitus, Annal. B. A. 53.), in wel
chen fie auch die in dieſem Buche (Kap. 6. $. 3.) mitge⸗
theilte Nachricht, daß ihr Sohn Nero mit den Füßen zuerft
geboren worden fey erzählt, ift zu bedauern.
— * Ylerander, Cornelius, der Polyhiſtor, iſt auch
in dieſem Buche benügt, aber nur an einer Stelle (K. 49.
8. 2,), wo von dem Illyrier Dando, der fünfhundert Jahre
alt geworden feyn foll, Die Nede ift, namhaft gemacht.
eAmphion. Diefer der Kabel angehörende Dichter
und Mufiter fol nad Plinius (Kap. 57. $. 13.) die Ge
fangbegleitung zur Eicher erfunden haben.
* Anacreon, der befannte Griechifche Liederdichter,
war im J. 559 vor Chr. zu Teos in Fonien geboren, und
verließ, um dem Drude der Perfifhen Herrſchaft zu ent:
gehen, fein Vaterland, und Tebte hochgeehrt zuerft an dem
Hofe des Polycrates, Herrfhers von Samos, fpäter am
Hofe des Hipparchus, Beherrſchers von Wehen. Er flarb
im J. 474. Nach Plinins (Kap, 5. $. 3.) erflidte er an
dem Kern einer Weinbeere. In feinen nod vorhandenen
und oft herausgegebenen Gedichten findet ſich die in diefem
Bude (Kap. 49. $. 4.) angeführte Bemerkung über das hobe
Ulter mehrerer namhaft gemachten Männer nicht.
e
Siebentes Bud. | 735
— Annalen. Aus“' dieſen die Hauptereigniffe eines
en Jahres enthaltenden Regiftern entlehnt Plinius in
fem Buche die Nachricht über die Verwandlung eines
aädchens in einen Knaben (Kap. 3. $.3.), und ein Beifpiel
gewöhnlicher Größe (Kap. 46. $. 2.), woraus fchon herr
:gebt, daß in diefe Annalen auch Enrioiltäten aufgenoms
n wurden.
— *» Anticlides. Aus welhen Werke. diefed bei
r vierten Buche befprochenen Schriftfiellers die Nachricht
ap. 57. $. 3.9, daB Menon in Aegypten die Buchſtaben
unden habe, genommen ift, läßt fi nicht beſtimmen.
* AUntipater von Sidon, ein Griechifher Philofoph
d Dichter aus dem letzten Jahrhundert vor Ehr., von
'en &pigrammen fidy mehrere in der Briedifhen Antho⸗
ie erhalten haben, beſtand, wie Plinius erzählt (Kap. 52.
2. Bol. Balerins Marimus, 4, 8.), jedes Jahr an feis
ı Geburtätage das Fieber, und flarb auch an diefem Tage.
war der Lehrer ' des Cato von Utica, und Eicero De
t. IH, 50.) nennt ihn einen Improvifator.
*A vol lo dorus, Griechiſcher Grammatiker, deſſen aus⸗
ichnete Leiſtungen Plinius (Rap. 36. 8. 4.) rühmt, über
chen aber Peine nähere Nachricht vorhanden iſt.
* Apollonides von Nicka, Griechiſcher Geograph
hrſcheinlich aus der erſten Haͤlfte des erſten Jahrhunderts
Chr.), von dem wir durch Strabo, der ihn (Geogr. 1. IL
09.) anführt, nichts Genaueres erfahren. Gein vorzüg«
tes Werk war nach dem Scoliaſten des Apollonius von
dus (IV, 983. 41474) eine Küftenbefhreibung Europa’s
irzkovs eis Evpaans), welcher Plinius ohne Sweifel die
‘
736 C. Plinius Naturgeſchichte.
Bemerkung (Kap. 2. $. 8.) Über die Scythiſchen Weiber,
die durch ihr Anſchauen beheren, entnahm.
“Yrhilohus, berühmter Griechifcher Dichter, um.
das J. 700 v. Ehr. geboren, fol den jambifchen Bers er.
funden oder ausgebildet haben, Die wenigen Nefte feiner Dich⸗
tungen hat Ignatius Liebel (Lips. 4812. 8. neue Ausg.
Viennse, 4819. 8.) gefammelt und W. Weber (in den
„Elegiſchen Dichtern der Sellenen,“ Frankf. 1826. 8.) über»
ſeßt. Gein Leben ift in viele Fabeln eingehüllt; auch fein
Zod wird auf verfchiedene Weife angegeben, Nach Manchen
fam er in einer Schlaht um; nad Audern wurde er ers
mordet. Den letzteren ſtimmt Plinins (Kap. 30. 6. 2.) bei,
und erzäblt, daß Apollo zu Delphi feine Mörder nambaft
gemacht habe.
* Arhimahus oder Archemachus von Eubda,
Griechiſcher Hiſtoriker, deſſen Lebenszeit ſich nicht ermitteln
läßt, ſchrieb eine Eubdiſche Geſchichte in mehreren Büchern,
deren drittes Achendus (I. III. p. 463.) anführt. Plinius
entlehnt -ihr Kap. 57. $. 16.) eine Bemerkung über die
Erfiuduug der Ruderfciffe.
— * Archimedes aus Syracus. Plinius erzäblt
(Rap. 38.) von dieſem bekaunten Mathematiker, daB Mars
cus Marcellusd bei der Eroberung von Syracus als ner:
kennung feiner Verdienſte den Befehl gab, ihn allein nicht
zu tödten, daß aber ein Soldat aus Unwiſſenbeit ihn nie
derftieß.
* Urdalns von Zrözen, ein Sehn Vulkans, fol die
Flöte erfunden, oder vielmehr, wie Bllnins (Kap. 57. $. 15.)
bemerkt, die Begleitung des Geſanges mit der Flöte zuerft
⸗
Siebentes Buch. 737
gelehrt haben. Bergl. DI ntarch, De musios, p. 1188.
Daufanias, I, 31, 3. j
"Arilleas aus Prokonneſus, ein Griechiſcher Dichter aus
dem ſechsten Jahrhundert vor Chr., an deſſen Leben und
Reiſen ſich zahlreiche Mährchen knüpfen. So ſoll er ſich,
iachdem feine Seele in Geſtalt eines Raben aus feinem
Munde geflogen (Kap. 553. $. 2.), fpäter wieder in Kyzikus
ınd Sizilien gezeigt Haben. Er befchrieb in einem epifchen
Bedichte, von dem einige Berfe auf unfere Zeit gelommen
Ind, den Kampf der Arimaspen, eines Hpperboreifhen Vol⸗
'e6, mit den Greifen (Kap. 2. $. 2.) , welche Sage uns He:
odot (IV, 43.) erhalten hat. Bgl.die „Realencyclopds:
ie der Haffifchen Alterthumswiſſenſchaft von Panıy“,
Stuttgart 1839. 8. Bd. I. ©. 754.
— » Ariſtoteles. Plinius benüst diefen inhaltreis
yen Schriftfteller,, deſſen von Philipp zgerftörte Baterſtadt
Stagira in Macedonien Wlerander wieder aufbaute (R.30.
. 4.), mehr ald irgend einen andern, wenn erihn auch wicht
mmer ‘als Quelle nennt. Im diefem Buche entlehnt er
m die Bemerkungen über Mannweiber (Kap. 2. $. 7.),
ber die Pygmäen (Kap. 2. 5. 19. vgl. Aristot. Hist. ani-
‚al. VII, 15.), über die Alteften Buchſtaben des Alphabets
Rap. 57. $. 5.), über die Erfindung des Schmelzens und
ärtens des Erzed (Kap. 57. $. 16.), Über die Erfindung
er vierrudrigen Schiffe (Kap. 57. $. 16.), über die Erbauer .
ꝛx erften Thürme (Kap. 57. $. 5.) und über die Erfindung
2 Malerei (Kap. 57, $. 44.). Außerdem laſſen ſich viele
tellen nachweifen, weiche dem Gtagiriten entnommen find.
738 C. Plinius Naturgeſchichte.
Bol. Kap. 9. mit Hist. Animal. VII, 4. 5. 8., Kap. 10, mit
H. A. VI,, 417. Kap. 41. mit H. A. VII, 8.
— * AUrtemidorns von Ephefus. Plinius entlehnt
in dDiefem Buche (Kap. 2. $. 23.) dem Griechiſchen Geogra⸗
phen eine Bemerkung über das lange Leben der Bewohner
der Inſel Tuprobane.
»Asclepiades von Prufa in Bithonien, berühmter
Griechiſcher Arzt, welcher ſich im J. 110 vor Chr. in Rom
niederließ und zu großem Anſehen gelangte. Plinius rühmt
ſeine Berdienſte und feine Uneigennötzigkeit (Kap. 37. 6. 2.).
Von ſeinen zahlreichen mediziniſchen Werken ſind wenige
Bruchſtücke anf unfere Zeit gekommen, welche Chr. Gl.
Gumpert (Weimar, 1794. 8.) heransgegeben hat.
°Asclepiades, Gophift oder Brammatiter ans Tra⸗
gilum in Thrazien, Schüler des Iſokrates, fchrieb ein Wert
in fehs Büchern (ra rpaypdovusva), worin er den Stoff
und die Behandlung dDramatifcher Dichtungen erörterte. Die
wenigen nody vorhandenen Fragmente diefer Schrift bat Er,
Xav. Werfer (in den Act. Philolog. Monacens. Tom. II.
Monachi, 18148. 8. p. 489 sq.) heransgegebei. Plinins
nennt diefen Asclepiades nur im Allgemeinen in dem Ber:
zeichniß feiner Quellen; es läßt ſich alfo nicht nachweiſen,
an weldyer Stelle er ihn benützte.
Asconins Pedianus. Der bekannte Erklärer Eis
ceronifcher Reden, wahrfcheinlich kurz vor der rift. Seit:
rechnung zu Padna geboren, fchrieb außer feinen Commen⸗
taren über Eicero’d Reden, von denen ſich einzelne Theile
erhalten haben, ein Werk gegen die Tadler Virgiis und ein
Zeben des Salluſtius, von denen nichts mehr vorhanden if.
c
°
Siebentes Bud. 739
38 welcher diefer Schriften Plinius die Bemerkung (Kap,
.$. 6.) Über das hohe Alter der mimifchen Künſtlerin
ımmula nahm, laßt ſich nicht beflimmen.
— Aſinius Pollio. Plinius rühmt (Kap. 31. & 7.)
fem ſchou beſprochenen Hiftoriker aus der Zeit des Augu⸗
s nad), daß er zuerft in Nom eine Bibliothek zum öffent⸗
ven Gebrandye eingerichtet habe.
Atticus, 3%. Pomponius, ausgezeichneter Gtaatss
un, Gelehrter und Freund Cicero’, ſchrieb Annalen, des
Berlnſt zu bedauern iſt. Plinins benüste ihn in dieſem
iche, deutet aber an Peiner einzelnen Stelle auf ihn bin.
— * Bäton, Geinem Berichte über den Kriegszug
rranders nad) Indien ift in diefem Buche (Kap. 3. 6. 5.)
Bemerkung Über ein fabelhaftes Bott im Imausgebirg,
en Füße nach hinten gedreht find, entnommen.
* Berofus, ein Ehaldäer, aus dem dritten Jahrhun⸗
£ vor Ehr., war Priefter ded Belus zu Babylon, und
:ieb nach den Notizen, welche er ans dem Tempelarchive
Ipfte, ein Werk über Babplonifche oder Ehaldäifche Als
thämer (Baßvlorıza 7 Xualdaina) in drei Büchern, von
en noch Bruchſtücke vorhanden find, die J. D. W. Rich⸗
Gips. 1825. 8.) geſammelt bat. Er war in der Aſtro⸗
e erfahren, und die Athener errichteten ihm feiner Vor⸗
agungen wegen eine Statue (Rap. 37. $. 4.). Aus fei-
nicht mehr vorhandenen Schriften über Aftronomie und
rologie nahm Plinius wohl die Behauptung, daß der
uſch nicht über 417 Jahre alt werden könne (Kap. 50.
‚.) und die Nachricht, daß man anf gebrannten Steinen
%
740 C. Plinius Raturgefchichte.
in Babylon aftronomifche Beobachtungen antreffe, die After
feyen, als 490,000 Jahre (Kap. 57. $. 3.).
eCadmus von Miet, der ältefte Griechiſche Hiferi-
ker (Kap. 57. $. 14.) umd einer der Alteften Profaiker, wenn
auch nicht der ältefte Profaiter, wie Plinius (B. V. K. 54.)
meint, Er lebte im fehsten Jahrhnndert vor Epr., und
ſchrieb eine Geſchichte feiner Baterſtadt (riss Milrrov nai
«is OAns Iovias) in vier Büchern, welche nicht mehr dvor⸗
handen ift.
@ifar, E. Julius, der Röomiſche Feldherr und Die⸗
tator. In feinen noch vorhandenen hiſtoriſchen Schriften
findet ſich die Stelle nicht, an weldyer er lobend von feinem
Feinde Eicero ſpricht, und auf welche Plinius (Kap. 31.
§. 9.) hindeutet.
—— t Callimachus. Das Gebicht, in welchem er
von der durch den Blitz getroffenen Statue des Fauſtkäm⸗
pferd Enthymus fpricht und anräth, vor derfelben zu opfern
Kap. 48.), iſt nicht mehr vorhanden, Vielleicht aber gab
Callimachus nicht in einem Gedichte, fondern in feinem
Werbe über Wunder (Havauacım) , welches nicht auf und ge«
tommen ift, diefen Rath.
— *» Ealliphanes. Aus dem Werke dieſes nicht
näher befannten geographifchen Schriftftellere ift in dieſem
Buche (Kap. 2. $. 7.) eine unbedeutende Bemerkung von
Menſchen, tie beiderlei Gefchlechtes find, genommen.
»Carneades von Eyrene, berühmter Griedhifcher
Philafoph, ans dem zweiten Jahrhundert vor Ehr. Er war
bei der Gefandtfchaft, welche die Üthener im 3.156 v. Ebhr.
nach Rom ſchickten, und machte durch feine ſiegreiche
Siebentes Bub. 74
ereblamteit, womit ee Wahres und Falſches mit gleichem
folge duschzuführen wußte, großes Aufſehen, aber einen
ſchlimmen Eindrud auf den firengen Eato, daß Diefer
th, die Befandten ſobald "als möglich zu entlaffen (K. 31.
3.).
EaffinsGeverns, T., berühmter Hömifcher Rebner,
{dev unter Auguſtus und Ziberius lebte, und durd) das
‚gehen von den ftrengen Regeln der Beredſamkeit zum
weil den Berfall derfelben veranlaßte. Bon feinen Reden
feine auf unfere Zeit gefommen. Plinins erzählt (K. 10.
5.), daß man ihn Mirmillg genannt habe, wegen feiner
hulichkeit mit einem Viehhändler, welcher diefen Namen
ırte. 0
— Eato, der Cenſor. Plinius nennt ihn in dieſem
iche (Kap. 28.) den größten der Redner, und eutichnt
ap. 52. $. 4.) feiner nicht mehr vorhandenen Schrift
sr Die Redekunſt an feinen Sohn (De oratore ad fillum)
Bemerkung, daß eine frühreife Jugend das Seien eis
; frühzeitigen Todes fey. .
Celſus. © Cornelins Celſus.
Chilon, einer der ſieben Weiſen Griechenlands, von
ſen Sprüchen Plinius in dieſem Bude (Kap. 32.) drei
ührt. Er ſtarb im hohem Wlter vor Freude über ben
eg feines Sohnes zu Olympia (Kap. 32. m. 44. $. 1.)
— Cicero, M..-Tutlins Plinius hält ihm in dies
ı Buche (Kap. 31. $. 8. 9.) eine glänzende Lobrete, und
fehnt ihm mehrere DBeifpiele ungewöhnlicher Schärfe ber
gen (Kap. 21.), fo wie die alberne Bemerkung (Kap. 2.
5. Plinius Naturgefh. 73 Bdchn, 2
742 E. Plinius Naturgeſchichte.
$. 10.), daß alle Weiber mit doppelten Augäpfeln durch
ihren Anblick fhaden. In den noch vorhandenen Schriften
Eicero’d finden fidy diefe Stellen nit. Die ihm entnoms
mene Nachricht aber (Kap. 44. $. 1.), daß der Zeldherr P.
Ventidins früher Efeltreiber gewefen fen, liest man in
feinen vermiſchten Briefen (X, 48. Bgl. Gellius N. A.
I, 4.).
— Elaudius, der Kaifer. Geinen nicht auf unfere
Zeit gekommenen Werken ift in dieſem Buche (Kap. 3. $.2.)
die Gage entichnt, daß in Theffalien ein Hipporentaur ge:
boren worden, aber an demfelben Tage wierer geftorben ſey.
* Eleombrotus von Ceos, ein nicht näher bekanuter
Griechiſcher Arzt, weihen Ptolemaͤus mit hundert Tatenten
belohnte, weil er feinem Bater, dem König Antiochns vos
Svxrien (282-282 vor Ehr.), das Leben erhalten hatte
(Kap. 37. $. 1.). Un einer andern Stelle (B. XXX. K. 5.)
nennt Plinins den wegen diefer Heilung belohuten Wrzt
Erafiflratus. - ’
— + Clitarchus aus Aeolis. Geiner ſchon im
Alterthbum ihres fabelhaften-Inhaltes wegen nicht fehr ge
rühmten Geſchichte ift in dieſem Bude die Frzählung von
einem Volke in Indien, das von Heuſchrecken lebe (Kap. 2.
6. 22.), und die Nachricht von Leuten in demfelben Lande,
die nur Fiſche effen (Kap. 2. $. 23.), entlehnt.
Cordus, Anlus Eremutıns, Römifchher Hiſtoriker,
der die Geſchichte des Römiſchen Staates und beſonders ber
legten Zeiten der Republik freifiunig ſchrieb, und befhalb
bei dem Kaifer Ziberius angeblagt wurde. Da er tie Tor
desftrafe mit Gewißheit vorausſah, fo wählte er einen freis
s„
Siebentes Buch. 745
lligen Tod durdy den Hunger (Tacitus, Annal. IV,
. 35. Bgl. Suetonins, im Auguſtus, Kap. 35., und im
berins Kap. 61.). Seine Gedichte follte auf Befehl des
nats verbrannt werden, wurde aber von feiner Tochter
ftedt und fpäter befannt gemadyt (Dio Caſſlus, 57, 24.).
bedauern ift, daß nur wenige Bruchflüde derfelben auf
ere Seit gekommen find. Plinius benügte fie in diefem
che, ohne die Stellen, wo er Dieß that, zu bezeichnen.
Cornelius Celſus, Aulus, bekannter Römiſcher
it aus der Zeit des Angnflus, oder (wie Andere behaup⸗
) des Tiberins, Über deſſen Lebensverhältniffe wir nichts
heres willen, fchrieb ein umfangreiches enchclopädifches
rk über Philofiphie, Jurisprudenz, Medizin und Lands
(De artibus) in zwanzig Büchern, von denen wir nur
: (6—13) Über die Qrzneitunde befigen. An welden
(len diefes Buches das erwähnte Werk benüst ift, läßt
nicyt näher beilimmen, weil Plinins den Cornelius
us in dem Inhaltsverzeichniffe: nur im Allgemeinen als
feiner Quellen nennt.
— Eornelius Nepos. Plinius bezeichnet die Stel:
nidyt näher, an denen er ihn in diefem Buche benüßte,
ern nennt ihn nur im Allgemeinen als eine feiner
len.
Eorvinus Meffala S. Meffala.
» Srates aus Pergamus (Kap. 2. $. 5. Vgl. Yelian,
rgefhhichten XVII, 9.), Griechiſcher, nicht näher befanne
Schriftfteler, der im Bade der Länders und Völker⸗
e arbeitete, .und beſonders wunderbare Nachrichten
9%
- 744° €. Plinius Naturgeſchichte.
gefammelt zu haben fcheiut, wenn man aus den ihm entlehn⸗
ten Bemerkungen über Leute, welche durdy Berührung den
Schlangenbiß Heilen (Kap. 2. 6. 5.), über ungewöhnlidy
große Menfchen in Indien (Kap 2. $. 21.) und über Lente,
die ſchneller laufen ald Pferde (Kap. 2. $. 23.) auf den
ganzen Juhalt feiner uns nicht einmal dem Titel nad näher
bezeichneten Werke fchließen darf.
Gremutind Cordus. ©. Eordus,.
° Eritobulus, berühmter Griechiſcher Arzt, welcher
das durch einen Pfeil "verlegte Ange des Macedonifchen
Könige Philippus gefchicht heilte (Kap. 37. S. 2.). und auch
Alerander dem Großen ald Wundarzt gute Dienfle leiſtete
(&nrtius, IX, 5). Ober fi auch als Gchriftfteller ver⸗
fuchte, ift ungewiß. .
—_ + Eritodemus. Plinius entichnt diefem ſchon
erwähnten, aber nicht näher befannten, aftronsmifchen
Schh:tftfteller in diefem Buche (Kay. 57.5. 3.) die Nachricht,
daß man bei den Babpfoniern anf gebrannten Steinen aſtro⸗
nomifhe Bemerkungen aufgezeichnet finde, die Über viermals
hundertundneungigtanfend Jahre alt feyen., '
— * Cteſias. Geinen mit zahlreichen Yabeln oriens
taliſch üppig ausgefhmädten Geſchichtswerken find in Dies
fem Bude entnommen die Nachrichten voa Lenten mit
Hundeköpfen u. f. w. (Kap. 2. $. 15. Bgl. Photii Bibl. cod.
73, wo man die hierher gehörende Stelle im Driginale fins
det) , von ungewöhnlich großen Menfchen in Indien (K. 2.
$. 21.), von Meufchen mit haarigen Schwänzen nnd unge
beuer langen Ohren (Kap. 2.8.23. vgl. bei Photius a. a. O.
die Griechiſche Stelle), ferner die Bemerkung (Kap. 57.
Siebentes Buch. 746
16.) , daß die Königin Semiramis ſich zuerft eines langen
iffes (einer Felonque) bedient habe,
— * Damaftee. Diefem alten, aber nit fehr glaubs
digen Hiſtoriker aus der Zeit des Herodot, von deffen
rken keines auf unfere Zeit gekommen ift, entlehnt dieſes
h die Bemerkungen über das hohe Alter mancher Leute
Hetolien (Kap. 49. $. 2.) und Aber die Erfindung der
iruderigen Schiffe (Kap. 57. $. 16.).
Damon aus Cyrene, Griechiſcher Schriftfteller, über
n Leben und Werke wir Beine, nähere Nachrichten bes
ı, fchrieb wahrſcheinlich über Länder» und Völkerkunde,
n man nach der ihm von Plinius nacherzählten Bemers
ı (Kap. 2. % 9), daß das Volk der Pharnacer in Ae⸗
vien durdy feinen Schweiß allen damit berührten Kör⸗
. die Schwindſucht verurfache, urtheilen will. Plinins
it ihm fonft nirgends in feiner Naturgeſchichte. _
— »Democritus. Plinius fpottet (Kap. 56. 6. 2.)
die Behauptung dieſes Philoſophen, daß die Körper
dem Tode einmal wieder auferſtehen würden, uud über
Begehren, daß man fie deßhalb aufbewahren folle,
* Demofthenes. Diefer berühmtefle aller Griechi⸗
: Redner wird nicht als Duelle angeführt, fondern
ins erzähft nur (Kap. 31. $. 4.), wie er die Anklage
6 Gegners Aeſchines flegreidy widerlegt, und deſſen
annung bewirkt babe. Val. Aeſchines.
»Diodorns aus Jaſus in Carien, nad) Stilpo (©.
et.) der bedeutendſte Philoſoph oder vielmehr Sophiſt
der Megarifchen Schule, lebte gegen das Ende des
en Jahrhunderts vor Ehr., und ſoll ans Schaam, weil
748 €. Plinius Naturgeſchichte.
Eunius, Quintus, einer der älteſten Romiſchen
Dichter, zu Rudiä in Campanien im J. 240 vor Chr. ges
boren, diente lange nnter den Römiſchen Heeren, und lich
fi dann zu Rom nieder, wo er im J. 169 vor Chr. farb.
Scipio Africanus der ältere ließ die Statue des von ihm
bochgeachtelen Dichters anf feinem. eigenen Grabmale auf«
ftellen (Rap. 51. 9. 6.). Eunius, deſſen Verdienſte um die
Römiſche Sprache anerkannt find, verfuchte fi in mehreren
Zweigen der Poelle, im Epos, deflen eigentliher Schöpfer .
er bei den Römern ift, in der Tragödie und in der Satyre.
(Ueber die Titel feiner einzelnen Werke vgl. man 9. es.
8 Bähr's Geſchichte der Römiſchen Literatur, Karlsr.
1832. 8. S. 120 ff.). Sein Hauptwerk waren die Annales,
ein Epos, welches der Grammatiker Quintus Vargontejus
in achtzehr Bücher eintheilte. Die urſprüngliche Einthei⸗
lung ſcheint aber eine andere geweſen zu ſeyn; denn Plinius
nennt (Kap. 29. $. 1.7 das fechzehnte Bud, als das lebte,
Bon den Gedichten des Ennius find nur Fragmente auf
‚ unfere Seit gekommen.
— " Ephorus aus Kumd. Geiner Univerfalgeichidhte
ift in diefen Buche (Kap. 49. 6. 2.) die Nachricht entlehnt,
daß die Könige der Arcadier dreihundert Jahre alt würden.
Da aber, wie Plinins an derfelden Stelle bemerkt, das
Fahr der Arcadier nur ans drei Monaten befteht, fo redu⸗
ciren fi) die dreihundert Fahre auf fünfundfiebenzig.
— * Epigenes von Rhodus. Plinius nennt dieſen
Atronomen, welcher feinen Unterricht bei den Chaldäern
erhielt (Seneca, Natur. quaest. 1. VII. o. 3.), einen ſehr
glaubwürdigen Schriftfteller (Kap. 57. $. 3.), und entichnt
t
Siebentes Bud). 749
m die Bemerkungen, daß der Menfd) nicht über huudert⸗
adzmölf Jahre alt werden könne (Kap. 50. $. 1.), und daß
an bei den Babyioniern auf gebrannten Gteinen aftronos
ifhe Beobachtungen finde, die ebenmalhundertzwanzigtaus
ad Fahre alt feyen (Kap. 57. S. 3.)
* Eptmenides von Bnoffus auf der Infel Exeta,
elcher don Manchen, die Periander diefer-Ehre nicht werth
Iten, den ſieben Weifen beigezählt wird, fol Gebichte über
n Argonantenzug und über Minos und Rhadamanthus vers
BE haben. Man fest ihn an das am Ende des fiebenten
ihrhunderts. Nach der Gage fchlief er fiebenundfünfzig
ıhre ohne Unterbrechung in einer Höhle, lebte nach feinem
wachen noch lange und ward einhundertfiebenundfünfzig
ihre alt (Kap. 69. $. 2.)
— * Eudorus aus Knidnd. Unser feiner Stern⸗
nde, weldye Piinius im zweiten Buche benüpte, ſchriet er
ch eine Erdumfchiffung (yis rregiodos Oder zegimiovs) in
nigſtens ſechs Büchern (Athen..1. VII. p. 288.), weldyer
inius wahrfcheinlid die Bemerkung über einen fabels
ften Volksſtamm in Indien mit ellenlangen Füßen u. f. w.
ap. 2. $. 17.) entnahm. ’
— Fabianus Papirins Plinins nennt biefen
iturforſcher aus der Zeit des Kaifers Tiberins nur im
Igemeinen nnter den in diefem Buche benügten Quellen,
ne die ihm entlichnten Bemerkungen. näher zu bezeichnen.
Babius Beftalis, ein nicht näher befannter Schrift:
(ler, welchen Blinius in mehreren Büchern benügte, ohne
8 über fein Leben oder feine Werke zn unterrichten. Im
\
746 C. Plinius Naturgeſchichte.
er ein von Stilpo an der Tafel des Königs Ptolemäns Go:
ter ihm vorgelegtes Problem nicht löſen Fonnte, geftorben
feyn (Kap. 54. 4. 1. Bgl. Diogenes Laert. TI. S. 111.).
* Dionyfins der ältere, Tyrann von Spracys, hatte
bekanntlich die Eitelkeit, ein großer Dichter feyn zu wollen,
und wurde durch die fchlechte Aufnahme, welche feine nur
von feinen Höflingen gepriefenen Machwerke an andern Or⸗
ten fanden, faft zur Verzweiflung getrieben. Endlich krön⸗
ten dieihm befreundeten, durdy reiche Geſchenke beftocdhenen,
Athener bei dem Bacchusfeſte im J. 367 vor Ehr. eine feiner
Tragddien, welde den Titel: Sektors Löfung (Auzem "Erro-
eos) geführt haben foll (Tzepes, Chitiad. V. 180.) Die
Zreude über dieſes Glück bradyte ihm den Tod, aber nidyt
unmittelbar, vsie Plinins (Kap. 54. $. 1.) meint, Tondern
dadurch, daß er ſich aus Entzüden der Völlerei hingab und
fih in Folge derfelben eine heftige Krankheit zuzog, wäh⸗
renb welcher ihm fein Sohn Dionyſlus einen- Gifttrank bei⸗
bringen ließ, an dem er flarb. .
’ Dipiius aus Athen, ein uns nicht näher befannter
Schriftfteller, welcher zwei umfangreiche Werke über Srie:
chiſche Geſchichte verfaßte. Das eine, in flebenundzwanzig
Büchern, ſchloß mit dem Tode Philipps von Macedonien,
alfo mit dem J. 356 vor Ehr. (vgl. Diodor von Gicilien,
XXVI, 14. und 76.); das andere in ſechsundzwanzig Büchern
reichte bis zum Jahre 598 vor Ehr. (vgl. Athenäus, 1. IV.
p. 155. 1. XIH. p. 592.). Plinins nennt ihn nur im Allge-
meinen unter den von ihm benüsten Schriftiellern, und es
laſſen ſich mithin die Stellen, die er den beiden nicht mehr
vorhandenen Werten entnahm, nicht nadhweifen.
|
Siebentes Buch. 747
* Duris aus Samos, ein ſehr fruchtbarer, aber mit-
mäßiger Griechiſcher Hiftoriter , war ein Nachkomme des
sibiades (Plutarch, Alcib. 32.), und lebte im dritten Jahr:
adert vor Chr. Sein bedentenbes Werk, die Briedhifche
ſchichte (iorogia:), in mindeſtens dreiundzwanzig Büchern
then. XII. p. 546.), begann mit dem Jahre 370 vor Chr.
iodor. Sic. XV. 90.), und erzählte die Ereigniffe in den
fdiedenen Zheilen Griechenlands, fo wie die Thaten
:xanders des Großen und feiner Nachfolger. Aus diefer
ſchichte, zu welcher die oft fälſchlich ald eine befondere
jrift betrachteten Maxedora gehörten, nahm Plinius
ap. 2. $. 23.) die Nachricht, daß ſich in Jadien Leute mit
ieren begatten. Außertem wird Duris ald Verfaſſer fol
der Werke genannt: Gedichte des Agathocles (nei
aBorlin ioropias) in wenigſtens zehn Büchern (Athen. XII.
541.); Annalen ‚der Samier (Zupior sp) in wenigſtens
ölf Büchern (Athen. XV. p. 696. Schol. ad Kuripid. He-
. 933.) 5; Libyſche Geſchichten (Aura) in wenigftend zwei
ihern (Suid, 8. v. Aauia. Schol. ad Aristoph. Vesp.
50.), in welchen auch eine Beichreibung der Pyramiden
fam (Plinius, B. XXXVI Kap. 17.)5 über Euripides
d Sophocles (megi Evginidov aa Zogoxidovs, Athen. IV.
184.); über die Geſetze (eg: vonerv, Etymol. M. s. v.
ont) und Über Wettkämpfe (eg: aywrur. Buid. s. v.
ivar origavos). Won allen Schriften des Duris ift keine
jige anf unfere Seit gekommen. — Er ift zu unter:
:iden von einem audern Duris, der über Toreutik fchrieb,
> welchen Plinius im Inhaltsverzeichniffe zu B. XXXIII.
ührt.
748 C. Plinius Naturgeſchichte.
Ennius, Quintus, einer der älteſten Romiſchen
Dichter, zu Rudiä in Campanien im J. 240 vor Ehr. ge⸗
boren, diente lange unter den Römiſchen Heeren, und lieh
fidy dann zu Nom nieder, wo er im J. 169 vor Chr. flark.
Scipio Africanus der ältere ließ die Gtague des von ihm
hochgeachteten Dichters anf feinem. eigenen Grabmale auf:
ftellen (Kap. 51. 9. 6.). Ennius, deſſen Berdienfte um bie
Römiſche Sprache anerkannt find, verfuchte fi ia mehreren
Zweigen der Poefle, im Epos, deflen eigentlichher Schöpfer .
er bei den Römern ifl, in der Tragödie und in der Satyre.
(Ueber die Titel feiner einzelnen Werte vgl. man I. Ep.
F. Bähr's Geſchichte der Römiſchen Literatur, Karlsr.
1832. 8. S. 120 ff.). Sein Hauptwerk waren die Annales,
ein Epos, welches der Grammatiker Quintus Vargontejus
in achtzehn Bücher eintheilte. Die urſprüngliche Einthei⸗
lung ſcheint aber eine andere geweſen zu ſeyn; denn Plinins
nennt (Kap. 29. $. 1.) das ſechzehnte Buch als das letzte.
Bon den Gedichten des Enninus find nur Fragmente anf
unſere Beit gekommen.
— *»Ephorus aus Kumä. Seiner Unioerſalgeſchichte
iſt in dieſem Buche (Kap. 49. 6. 2.) die Nachricht entlehnt,
daß die Könige der Arcadier dreihundert Jahre alt würden.
Da aber, wie Plinius an derfelden Stelle bemerkt, Das
Fahr der Arcadier nur ans drei Monaten befieht, fo redu—
ciren fich die dreihundert Jahre auf fünfundflebenzig.
— * Epigenesd von Rhodus. Plinius nennt diefen
Atronomen, welcher feinen Unterricht bei den Ehaldäern
erbielt (Seneca, Natur. quaest. 1. VII. co. 3.), einen fehr
glaubwürdigen Schriftftelleer (Kap. 57. $. 3.), und entiehnt
Siebentes Bud. 749
m die Bemerkungen, daß der Meunſch nicht Aber hunderte
udzwölf Jahre alt werden könne (Kap. 50. S. 1.), und daß
an bei den Babyloniern auf gebrannten Steinen aſtrond⸗
ifhe Beobachtungen finde, die iebenmalhundertzwanzigtaus
nd Fahre alt feyen (Kap. 537. $. 3.)
* Eptmenides von. Bnoffus auf der Infel Creta,
eicher.von Rauchen, die Periander diefer-Ehre nicht werth
Iten, den fieben Weifen beigezählt wird, foll Gedichte über
n Argonantenzug und über Minos nnd Rhadamanthus vers
Bt haben. Man fept ihn an das am Ende des fiebenten
ihrhunderts. Nach der Gage fchlief er fiebenundfünfzig
ihre ohne Unterbredhung in einer Höhle, lebte nad) feinem
:wachen nody lange und ward einhundertfichenundfünfzig
ihre alt (Kap. 69. $. 2.2.
— * Eudorus aus Knidus. Außer feiner Sterns
nde, welche Plinius im zweiten Buche benüste, fchrieh er
dh eine Erdumfchiffang (vis zreglodos Oder zegimsdovs) in
nigftens fechs Büchern (Athen..1. VII. p. 288.), welder
inius wabhrfcheinlih die Bemerkung über einen fabel:
ten Bolksſtamm in Indien mit ellenlangen Süßen u. ſ. w.
ap. 2. $. 17.) entnahm.
— Babianus Papirius Plinius nennt diefen
‚turforfcher aus der Zeit Des Kaiferd Tiberius nur im
‚gemeinen unter den in dieſem Buche benügten Quellen,
ie Die ihm entlehnten Bemerkungen . näher zu bezeichnen.
Fabius Beftalis, ein nicht näher befannter Schrift:
ler, welchen Plinius in mehreren Büchern benüßte, ohne
5 über fein Leben oder feine Werke zu unterrichten. In
760. €. Plinius Naturgefchichte.
dieſem Buche entlehnt er ihm (Kap, 60. $, 2.) die Nachricht,
wer die erſte Sonnenuhr in Nom aufgeftellt habe.
Figulus Nigidinsd S. Nigidius Fiqulue.
- Slacend, Berriud S. Berrius Flaccus.
Gellius, Enejus, Römiſcher Befchichtfchreiber aus
der erftien Hälfte des lezten Tahrhunderts vor Chr., war
ein Zeitgenoffe Barro’d. Seinen nicht auf unfere Zeit ger
fommenen Annalen, die wenigftens aus fünfzehn Büchern
beftanden (Macrobins, Saturn. I, 16. Bergl. U. Gellius
N. A. XIII. 22), entlehnt Plinius in diefem Bude die
Bemerkungen, daß die Buchflaben in Aegypten von Merkur
erdacht worden fenen (Kap. 57. 8. 2.), dab Dokius, des
Eälus Sopn, zuerft Häufer aus Lehm erbaut, und ſich da⸗
bei die Nefter der Schwalben zum Vorbild genommen habe
(Kap. 57. $. 4.), und daß der Argiver Phidon Maaß und
Gewicht, und Gol, des Oceaun Sohn, die Bereitung der
erften Arznei aus Honig erfunden habe (Kap. 57. $. 6.
und 7.). 5 .
* Hegefias von Marones in XThracien, Griechiſcher
Schriftſteller, über welchen keine weitere Nadrichten zu fin⸗
den find, als dab er über Landwirshichaft geſchrieben (Eos
Inmella, 1. I. c. 1.) und Werke über Topographie und die
Eigenſchaften und Kräfte des Waflers verfaßt habe (Bitrus
vins, 1. VIM. c. A). Der lebten Schrift Hat Plinins viel
feicht die Nachricht von der Erfindung der langen Gchiffe
(Belouguen) entlehnt (Kap. 57. $. 16.) .
— *Hellanicus. Diefem von Plinius in dem gens
graphifchen Theile feines Werkes häufig benüsten Hiftoriker
Siebentes Buch. 761:
ſt in dieſem Buche (Kap. 49. 6. 2.), eiſſe Bemerkung über
as hohe Alter mancher Leute in Aetolien entnommen.
° Heraclides von Ddeffus in Pontus, weßhalb er
uch den Beinamen „der Pontifche“ führt, ein fruchtbarer
driechifcher Schriftfteller, wenn ihm alle Werke, die ihm
Jiogenes von Laerte (V, 94.), der Übrigens mehrere Autos
en deſſelben Namens zu verwechfein und zufammenzuwerfen
heint, zufchreibt, wirklich angehören. Er war ein Schüler
es Ariftoteled. Von feinen nicht mehr vorhandenen Schrif⸗
en haben wir hier nur die von Plinins (Kap. 53. $. 2.)
ngeführte über eine amd dem Leben geſchiedene und durch
mpedocles wiedererweckte Frau (zei is anvou, dgl. Dio-
en. Laert. 1. VII. p. 226. 227. Galen. de loo. affedf. 1.
TI. c. 5.) zu nennen,
— * Herodot, dem Bater der Geſchichte, entlehnt
Hinius in dieſem Buche (Kap. 2. 6. 2., vergl. Herodot,
T. 416. IV. 43.) die Fabel von den Arimaspen und den
jreifen, welche-Diefer aus Ariſteas von Proconnefus (dgl.
» Art) nahm.
e Heſiodus, aus Eumd in Aeolis, einer der älteflen
wiechifchen Dichter, unter deffien Namen wir noch mehrere
jedichte befigen,, wenn anch nicht in jhrer urfprünglichen
jeftalt; denn die einjelnen in dem Munde der Gänger les
nden Beftandiheile wurden erft jpäter künſtlich zufammens
fügt, geändert und interpolirt, In den jetzt noch vorhans
nen Bruchſtücken finden fid, die dem Heflodus von Plinius
ıtlehnten Stellen über das hohe Alter der Krähe, bes
irfhesnnd des Naben (Kap. 49. $. 1.), und über die erften
ifenbergwerte auf der Juſel Ereta (Rap. 57. $. 6.) nicht.
752 C. Plinius Naturgefchichte,
* Hippocrafes der Begründer der wiſſenſchaftlichen
Arzneikunde, anf der Infel Kos im %. 460 vor Ehr. gebo⸗
ten, ‚bildete ſich durch das Studium der Philofophie nnd
durd Erfahrung, Zuerſt übte er feine Kunſt auf ber Thra⸗
ciſchen Infel Thafus und den ihr benachbarten Begenden,
bielt fih dann zu Abdera auf, wo Ihm der Umgang mit
dem Philoſophen Democritus förderli war, durchreiste
einen großen Theil von Aflen, ließ ſich endlih auf Kas
nieder und ftarb im J. 356 vor Ehr. Die meiften der unter
feinem Namen auf und gekommenen Schriften find unächt
oder doch fehr durch fpätere Zufäpe und Wenderungen vers
dorben. Plinius benützt den Hippocrates in diefem Buche
bei der Angabe ber Zeichen des nahen Todes (Kap. 52: $. 4.,
vgl. Galen. comment. in Hippoor. Aphorism. IV, 49.), und
erzählte von ihm, daß er eine Geuche vorausgefagt habe
(Kap. 37. $.1.).
— * Homer. Alexander der Große bewies die Bor
liebe und Achtang für die Werbe diefes Dichters dadurdy,
Daß er fie in einem koſtbaren dem Perſerkönige abgenom;
menen Käftcdren aufbewahren ließ (Kay. 30. S. 1.) Man
fcheint übrigens auch mit diefen Gedichten mandyerlei Spie⸗
lereien getrieben zu haben, wie fpäter mit der Bibel; fo vers:
fertigte Temand eine Ubfchrift der Iliade auf Pergament,
die in eine Nußfchaale eingefchloffen werben konnte (HR. 21.).
Plinius führt Homer in biefem Bude (Kap. 2. 8. 19., vgl.
Il. UI. 3-6.) ald Gewährimann für die Erzählung, daß
die Pygmäen mit ben Kranichen Krieg führten, ans; fagt
ferner, diefer Dichter Plage fdon an vielen Stellen feiner
Gedichte, daß die Menſchen feiner Seit viel Bleiner und
x
Siebentes Buch. | 753
chwächer fegen als früher (Map. 16. $. 2.), und entlehnt
hm die Bemerkung (Kap. 50. $. 5., dgl. Il. XVM, 249 bis
152.) , daß Hebtor und Polydamas, zwei Männer, die ein
sanz verſchiedenes Schickſal hatten , in einer und derfelben
ſtacht geboren wurden. ,
° Ffigonns von Nicäa, ein nicht näher bekannter
Schriftftellee, der ein Werk in mehreren Büchern über uns
laubliche Dinge verfaßte (vgl. U. Bellius, .N. A. IX. 4.).
Ins diefem entnahm Plinins die Nadıridten über Milde,
ie aus Meunſchenſchädeln trinken ; über Leute, die von Ju⸗
end an graue Haare haben (Albino’s); über bie Gauromas
en, die alle drei Tage nur einmal eflen (Kap. 2. ©. 4.);
ber Leute in Afrika und Jilorien, welche durch Lob und
Infhauen beheren (Kap. 2. 6. 8.) und.über Menſchen, die
ugewöhnlich Tang leben (Kap. 2. S. 20.) Bon den Schrif⸗
en des Iſigonus if nichts auf unfere Zeit gekommen.
« Ffocrates and Athen, der berühmtelle Lehrer der
tedefunff bei den Griechen, im J. 436 vor Chr. geboren,
‚öffnete, da feine Schüchternheit ihn verhinderte, öffentlich
sfzutreten, eine Schufe, aus welcher die ausgezeichnetften
tedner des Staates hervorgingen. Wenn er auch nid
Ibft die Rednerbühne befieg, ſo verfaßte er doch viele
‚edeu über politifche Angelegenheiten, von welden wir
och einundzwanzig beſitzen. Für eine berfelben foll er
vanzig Zalente Honorar erhalten haben (Kap. 31. $. 1.).
r wollte das Ende der Freiheit feines Vaterlandes, weiche
it ber Schladjt bei Chäronea verloren ging (338 v. Chr.),
cht überleben, und wählte freiwillig den Hungertod.
— Licinius Mucianus. Geinem nicht mehr vor:
754 C. Plinins Naturgeſchichte.
handenen Geſchichtswerke entlehnt Plinins in dieſem Buche
die Nachricht von dem hohen Alter, welches die Bewohner
des Berges Tmolus erreichen (Kap. 49. $. 6.), und bie
einfältige Bemerkung (Kay. 3. S. 3.), daß ſchon öfter
Mädchen in Anaben verwandelt worden fegen.
* Linus von Chalcis, einer der Alteften Griechiſchen
Dichter, deren Namen ung bie Gage aufbewahrt hat. Die
wenigen noch vorhandenen angeblichen Bragmente feiner
Gedichte find weit jünger. Er foll audy die either erfunden
haben (Kap. 57. $. 13.).
— Livins Plinius nennt den bekannten Hiftoriter
nur in dem Inhaltsverzeichniſſe diefed Buches, ohne die
Bemerkungen, die er ihm entiehnte, näher zu bezeichnen.
Daß er ihn aber häufig benüpte, bemeifen mehrere Gtellen,
Die auf die ihnen entfprechenden in den nod vorhandenen
- Büchern er Geſchichte des Livius hindeuten. Vergl. 3. 8.
Kap. 29. $. 2. mit Lidius, B. VI. K. 31. Kap., 29. 6. 5
mit Livius, B. VI. K. 30. . '
Mäcenas, Cajus Eilnius, einer der angefehenften
Römer ans der Zeit des Auguſtus und deſſen Freund, zeigte
ſich als ein fo eifriger Förderer und Beſchützer der Willen:
fchaft, daß fein Name mit dem Worte Gönner gleichbeden⸗
tend geworden ift. Obſchon der Leiter aller Gtaatsgefchäfte
und von manchem häuslichen Mißgeſchicke geplagt, fand er
doch Zeit und Luft, fi in der Voefle zu verſuchen. Er
ſchrieb Zragödien , Epigramme und andere Gedichte, von
denen aber nur einige wenige Fragmente auf unfere Seit
gekommen find. Die Thätigkeit Diefed Mannes erregt Ers
faunen, wenn man feine Körperſchwäche bedenkt; denn er
Siebentes Buch. 756
tt faſt beſtändig am Fieber und genoß in dem drei letten
ahren "feines Lebens Beine Stunde lang eines foribauernden
schlafes (Kap. 52. $. 23. Wenn ed wahr if, daß_er
Remoiren über die gleichzeitige @efchichte ausarbeitete ® fo
Inute dieſem Werke bie Nachricht (Kap. 46. $. 1.), daß
uguftus zur Seit der Schlacht bei Philippi die Hautwaf:
rſucht gehabt habe, entnommen: ſeyn. Bar. Ab. Lion
Haecenatiana, sive de C. Cilnii Maecenatis vita et moribas
‚ripsit atque operum fragmenta quae supersunt oollegit.“
‚öfting. 1824. 8.
Mafurin s (oder Ma ſſuri us) Sabinus, berühms
r Römiſcher Rechtsgelehrter aus der Zeit des Kaifers
iberius, welcher mehrere nicht auf nnfere Zeit gekom:
ene Schriften verfaßte. Am berühmteften war fein Werk
ver das Eiilreht (Iibri tres juris ceivilisz vgl. U.
ellius, N. A.IV, 1.), welchem Plinius wahrfcheinkid, einen
diefem Bude (Kap. 4. $. 3.) erzählten Rechtsfall ents
hm. Berner arbeitete er Denkſchriften (Memorialia) aus,
wenigſtens eilf Büchern 4A. Selling, N. A. V. 6.) und eine
chrift über die Zriumphe der Römer (Plinius, N. ©.
V. 38.), aus welcher in diefem Buche (Kap. 44. $. 4.) als
une des Schickſals der Fall angeführt if, daß der Conſul
entidins früher zweimal als Stlave im Triumphe aufges
het worden fey.
Marimus, VBalerius, Nömifher Hiftoriter aus
e Zeit des Kaifers Tiberius, weldyer bei dem NRömifchen
:ere in Aſien diente und fidh fpäter zu Rom niederlieh.
in noch vorhandenes Werk über merkwürdige Thaten und
den (Faotorum dictorumgue memorabilium lihri. IX.)
‘
754 " 6. Plinius Naturgeſchichte.
handenen Geſchichtswerke entlehnt Plinius in dieſem Buche
die Nachricht von dem hohen Alter, welches die Bewohner
des Berges Tmolus erreichen (Kap. 49. $. 6.), und bie
einfältige Bemerkung (Kap. 3. $. 3.), daß ſchon öfter
Mädchen in Knaben verwandelt worden fegen.
*Linus von Ehalcis, einer der älteſten Griechiſchen
Dichter, deren Namen ung die Gage aufbewahrt hat. Die
wenigen noch vorhandenen angeblihen Bragmente feiner
Gedichte find weit jünger. Er foll audy bie Either erfunden
haben (Kap. 57. S. 13.).
— Livins. Plinius nennt den bekaunten Hifforiter
nur in dem Inhaltsverzeichniſſe dieſes Buches, ohne die
Bemerkungen, die er ibm entlehnte, näher zu bezeichnen.
Daß er ihn aber häufig benüpte, beweifen mehrere Stellen,
Die auf die ihnen entfprechenden in den noch vorhandenen
- Büchern fer Gefhichte des Livius hindenten. Vergl. 3. ©.
Kap. 29. $. 2. mit Living, B. VI. K. 31. Kap., 29. 6. 3
mit Livius, B. VI. K. 30. .
Mäcenas, Eajus Eilnins, einer der angefehenften
Römer aus der Zeit des Auguſtus und deſſen Freund, zeigte
ſich als ein fo eifriger Förderer und Beſchützer der Willen:
ſchaft, daß fein Name mit dem Worte Gönner gleichbeden⸗
tend geworden ift. Obſchon der Leiter aller Staatsgeſchäſte
und von manchem häuslichen Mißgeſchicke geplagt, fand er
doch Zeit und Luft, fi in der Poeſſe zu verfahen. Er
fchrieb Zragödien , Epigramme und andere Gedichte, von
denen aber nur einige wenige Fragmente auf unfere Seit
gefommen find. Die Thätigkeit dieſes Mannes erregt Er:
flaunen, wenn man feine Körperſchwäͤche bedenkt; denn er
Siebentes Bud. | 766
tt faft beſtändig am Fieber uud genoß in den drei letgten
ahren feines Lebens Peine Stunde lang eines forıdauernden
schlafes (Kap. 52. $. 2.). Wenn es wahr if, daß er
Remoirem über die.gleichzeitige Geſchichte ausarbeitete Pfo
Innte dieſem Werke die Nachricht (Kap. 46. ©. 1.), daß
uguftus zur Seit der Schlacht bei Philippi die Hautwaf:
rſucht gehabt habe, entnommen ſeyn. Bgl. Abd. Lion
Maecenatiana, sive de C. Cilnii Maecenatis vita et moribas
‚ripsit atque operum fragmenta quae supersunt oollegit.“
‚öfting. 1824. 8.
Ma furin 8 (oder Ma ifari us) Sa binus, berühm:
r Römiſcher Rechtsgelehrter aus der Zeit des Kaifers
iberius, welcher mehrere nicht auf tinfere Seit gekom⸗
ene Schriften verfaßte. Am berühmtelten war fein Werk
ver das Civilrecht (Libri tres jurie eivilis; vgl. 9.
ellius, N. A. IV, 1.), welchem Plinius wahrſcheinlich einen
dieſem Bude (Kap. A. $. 3.) erzählten Rechtsfall ent⸗
ihm. Berner arbeitete er Denkſchriften (Memorialia) aus,
wenigfiens eitf Büchern 4A. Gellins, N. A. V. 6.) und eine
chrift über die Zriumphe der Nömer (Plinius, N. ©.
V. 38.), aus welcher in diefem Buche (Kap. AA. S. 4.) als
nne des Schickſals der Fall angeführt ift, daß der Conſul
entidind früher zweimal ald Sklave im Triumphe aufges
hrt worden ſey.
Maximus, Valerius, Römiſcher Hiſtoriker aus
r Zeit des Kaiſers Tiberius, welcher bei dem Römiſchen
ꝛ»ere in Affen diente nud ſich fpäter zu Rom niedetließ.
in noch vorhandenes Werd über merkwürdige Thaten und
eden (Faotorum dictorumque memorabilium libri. IX.)
fi A
766 C. Plintus Naturgefichte.
benügte Plinius fehr häufig, wenu er and die Bemerkun⸗
gen, welche er ihm entichnt, nicht näher-bezeichne. Man
vergl. 3. B. in diefem Bude Kap. 20. mit Valerius Mas
Maus, V. 5. Kap. 32. mit Bal. Mar. I, 8. Kap. 25. mit
Bal,. Mar. II, 8. Kap. 24. mit Bal. Mau VIII, 7.
Kap. 35. mit Bat. Mar. VII, 15. Kap. 56. mit Val.
Mar. V, a. IV, 6. Kap. 47. mit Bal. Mar. VO, 4. 8.48.
§. 2. mit Bat. May. VII, 15. Kap. 52. $. 2. mit Bal.
Max. I, 7. und Kap. 53. $. 1. mit Bat. Mar. I, &
— #1 Megaftbenesd. Seiner mit Fabeln angefüllten
Indiſchen Geſchichte entichnt Plinins in diefem Bude bie
aldernen Bemerkungen über Leute mit verkehrten Füßen,
an deren jedem fie acht Sehen haben (Kap. 2. $. 14.); von
Henichreckeneffern in Indien, die nicht alt werden (Kap. 2.
$. 22.), und von andern nur inder Einbildung eriflirenden
Bölkern (Kap. 2. $. 18.)4
Meliffns Es gibt mehrere uns nicht näher bes
Bannte Schriftfteller diefes Namens; bier fcheint aber der
Sreigelafiene des Mäcenas, C. Meliſſus, ein geachteter Dicke
ter und Grammatiker, gemeint zu feyn, welder als erſter
Auffeher der von Auguſt in dem nad) feiner Schweſter Dc«
tavia benanuten, durch ihn nen aufgebauten Porticns am
Marcellustheater, genanut wird (Sueton. de illust. gramm.
e. 21.). Plinins führt den Meliffus nur überhaupt in bem
Quellenverzeichniſſe zu biefem Buche an, ohne ihn oder die
Bemerkungen, welche er ihm entlehnte, näher zu bezeichnen.
Einen andern Brammatiker, Lenäus Meliffus, nennt Suet.
(De illast. gramm. c. 3.), ohne weitere Auskunft über ihn
m aeben. Bon den Werken des C. Meliffus, welcher auch
/
Siebentes Buch ‚757
Erfinder einer eigenen Urt des nationalen Drama’s, der
vedia traboata betradıtet wird (Bueten. de Illust. gramm.
Ovid. ex Ponto, IV, 46, 20.), find nur einige Err
e ans feinen Bemerkangen Über Birgit, weiche Angel
» aus «einem Palimpiefe zu Verona in feinen „Inter-
s veteres Virgliii Maronis“ (NModiolan. 1808. 8.) her⸗
geben Hat, erhalten. - |
Menander og Athen, der berühmtefte und vor«
hſte Dichter des neuen Griechiſchen Luſtſpiels, im
12 vor Eher geboren, war ein Schuͤler des Theophraſt,
ewährte feine philoſophiſche Bildung nicht nur in ſei⸗
Berker, fondern aud im feinem Leben. Plinius (K. 51.
rühmt gauz beſonders feine Uncigennutzigkeit nnd er⸗
daß die Könige von Aegypken und Macedonien, von
ı herrlichen poetifchen Leiſtangen begeiftert , ihn durch
Blotte und Geſandte zu ſich entbieten Tießen; daß er
ein ſtilles litetariſches Wirken in feinem WBaterlande
zogen habe. Er foll im Piräus ertrunten feyn (292
Spr.). Die auf uns gelommenen Fragmente feiner zahle .
n 2uftfpiele hat U. Meineke am beften herausgegeben
lin. 1823. 8.).
Reffala. Man nennt mehrere Römiſche Schrift⸗
dieſes Namens, und hält es für nicht leicht, zu ents
en, welchem derfelben. Plinius bie Bemerkung (K. 55.
‚ über einen wiedererwedtten Todten entuahm. Nach
er Auſſicht ift Alles, was von den verfchiebenen Mefe
ſeſagt wird, anf einen einzigen zu beziehen, nämlich
en Redner Meffala Gorvinus, welcher, wie Plinins
Piinins Naturgeſch. 76 Bochn. 3
|
768: €, Plinius Naturgefihichte.
erzählt (Rap. 24. 5. 2.), fein Gedächtniß fo gänzlich verlor,
daß er fogar feinsn Namen vergaß. Er Ichte zur Zeit des
Auguſtus und fchrieb mehrere nicht mehr vorhandene Werke,
darunter ejnes Über die Auſpieien (De auspiciis, of. Gell.
N. A. XIH, 15., oder De explanatione auguriorum, of. Fe-
stus, 8. v. Marspedis), und ein,auderes Über Römifche
Samilien (De familiis Romanis), weldyes Plinius öfter
(B. XXXIV, 38. XXXV. 2.) anführt, uud auf da der auch in
diefem Buche (Kap. 53. $. A.) wahrſcheinlich hindenset. Da
er das letztere erft als Greis heransgab, fo hat man unbes
denklich einen Meſſala Sener als VBerfafler angenommen.
Eben fo wenig gibt es einen Meſſala Rufus, welcher der
falſchen Lesart (Kap. .53. $. 4.): „Messala Rufus et pleri-
que,“ flatt „Messala, Rufus et plerique“ fein Dafeyu ver:
Danft. Bgl. den Art. Rufus.
— * Metrodorns von Gcepfis. - Bon ihm wirb in
diefem Buche (Rap. 24: $. 2.) berichtet, daß er die Me
monik zur VBolltommenpeit gebeadıt babe. Da ihn Dlinius
nuter den Quellen zu diefem Buche, anführt, fo muß er ihn
x
wohl aud, an mandyen Stellen , die freilich nicht näher zu
beftimmen find, benügt haben. .
* Mmuefigtton, ein uns völlig unbefannter Schrift:
fteller, welchen Plinius unter feinen Quellen nenut, und dem er
die Nachricht (Kap. 57. $. 16.) entlehnt, daß die fünſrude⸗
rigen Schiffe von den Salaminiern und die zehnruderigen von
Alexander dem Großen erfunden worden ſeyen.
Mucianus. S. Licinius Mucianus.
— Necepſus. Auf welche Art und Weile dieſer
in der Aſtrologie erfahrene Aegyptiſche König, deſſen Schriften
=
Siebentes Bud). 759
ins aud im zweiten Buche benägt, tie Lebensdauer
Menſchen aus den Geſtirnen beflimmte, erfahren wir
50. $. A. ’
Nepos Eornelius: S. Cornelins Nepos.
Nigidins Figulus, P., berühmter Mathematiker,
nom und Aſtrolog ans der Zeit Cicero's, weichem er
ver Hintertreibung der Verſchwörung Catilina’s gute
ſte leiſtete, war ein Anhänger der Pythagoriſchen
‚und wahrſcheinlich einer der wenigen Vertreter derſelben
om. Er fell den Auguſtus fhon am Tage feiner Ges
feine Fünftige Größe norausgefagt haben, und in den
rwiffenfchaften vortrefflich bewandert gewefen fepn.
feinen zahlreichen Schriften (De animalibus, De ventis,
phaera barbarica et graecanica , De extis, De auguriis,
nentarii grammatici) iſt Peine auf unfere Seit gekommen.
der Schrift De animalibus , welche wenigftens aus vier
ern beftand (Macrob. Saturnal. II. 22.), nahm Plinius-
fheinfich die Bemerkung (Kap. 13. $. 4.), daB die Wei:
weiche während der Schwangerſchaft menſtruiren, un:
ıde Kinder gebären.
ke Noumphodorns von Sorakus, Grichifcer Sarift⸗
r, deſſen Zeitalter ungewiß iſt, verfaßte eine Umſchif⸗
Aſtens CAcias neginlovs, vergl. Athen. VII p. 3219),
vielmehr eine Beſchreibung ber ganzen Erde (Athen.
p. 331.), ju welcher die Umfchiffung Aſiens als inte
nder Theil gehörte, und ein Werk über die Merkwürdig;
a Siciliens und Sardiniens (Helian, XI, 20. XVI, 37).
Ertbefchreidung entlehnte Piinius (Kap. 2. $. 8.) die
3 Er “
760 C. Plinius Naturgeſchichte.
alberne Nachricht von Leuten (Hexen) in Afrika, deren Lob
- tödte. Bon beiden Berten it nichts anf unfere Zeit ges
- kommen.
— * Ou efitritn 6. : Uns. feinem nicht ſehr glaub⸗
würdigen Werke Über bie Fetdzüge Alexanders des Großen
in Aſten ift in diefem Buche (Kap. 2. $. 21.) «ine Bemer⸗
fung Über ungewöhnlid, große Menfchen in Indien enflehnt.
* Drphens, ein in myſtiſches Dunkel gehüllter Did:
ter Griechenlands, an deſſen Exiſtenz ſchon Griechen und
Nömer mit Recht zweifelten. Jedenfalls find die unter ſei⸗
nem Namen noc vorhandenen Gedichte aus weit Ipäterer
Zeit. Plinius nennt ihn (Kap. 57. $. 13.) unter den anı
geblidyen Erfindern der Either.
ı Papirins Babianus. ©. Fabianus Papirius.
Pedianus Usconius. S. ASconius Pebtanus.
— * Petoſiris. Plinius berichtet nnd (Kap. 50.
F. 1.) die Urt und Weiſe dieſes Aegyptiſchen Aſtrologen,
die Lebensdauer des Menſchen and den Geſtirnen vorguszu⸗
beſtimmen.
*»Pherecydes von der Jaſel Schros, Sthuler des
Anaximander, welcher in ber erſten Hälfte des ſechsten
Jahrhunderts vor Chr. lebte und nach Plinins (Kap. 57.
6. 14.) zuerſt in Profa (richtiger, in philoſophiſcher Profa)
ſchrieb. Die wenigen noch vorhandenen Fraymente feiner
Werke hat mit denen des Pherechdes von Leros Fr. With.
Sturz gefammelt (Gera, 1789. 8. N. W. Lipsiae, 1824. 8.).
* Ppilon, berühmter Architekt des Alterthums, wel:
her das große Arſenal im Hafen von Athen erbaute (K. 58.,
dgl. Valerius Maximus, VOR. 12). Das Werk, worin er
Siebentes Buch, 768
hf beſchrieb Vitrur. xraet. lib. VL), iſt nicht mehr
anden.
Philoſte phanus von Eprene, Schuͤler des Dichters
machnus, ein geachteter Griechiſcher Hiſtoriker, von def
Berken Feines anf unfere Zeit gekommen ift. Er ſchrieb
Lie Gtädte Afiend (Athen. VIL p. 297.), über die Ins
(ag vqjou», ch. Harpocration,, v. Zegvan) und über
dungen (zegi sdpnudrer, ch Clem. Alexand. Strom. I.
)8.). Aus der lestern Schrift entlehnte Plinins. (KR. 57.
3.) wahrfcheinlie die Bemerkungen über Die Erfinder der
erfhhiffe überhaupt nud der Schiffe mit zwölf, fünfzehn,
ig und vierzig Ruderbänken.
*Phylarchus, Griechiſcher Hiſtoriker aus der andern
te des zweiten Jahrhunderts vor Epr., ans Athen oder
cratis, fehrieb ein großes gefchichtliched Werk in wenige
‚ fünfunddreißig Büchern (Athen. IV. p. 144.), weldes
Zeitraum vom Tode Aleranders des Sroßen bis zum
: bed Gpartanifhen Könige Eleomenes III., alſo unge:
ein Jahrhundert, umfaßte. Außerdem nennt Suibdas
ald Werke des Phylarchus eine Geſchichte der Streis
iten Autiochus des Großen und ded Enmenes (ra xara
Aytiogov as zöv Ilsoyanuıvor Evnirm); eine Abhaudlung
Erfindungen (megl eögnuaruv); einen Abriß der My⸗
gie (dmveoun uwußn) und eine Schrift über die Erſchei⸗
des Jupiter (mepi ns toũ Aros imgareias), Von als
diefen Werken hat fidy Bein einziges erhalten. Aus feiner
hichke, der dad Alterthum Partheilichkeit vorwarf, nahm
ins (Kay. 2. $. 9.) wahrſcheinlich die Nachricht von einem
e im Pontus, welches durch den Anblick kehext und
>
762 €. Plinius Naturgeſchichte.
im Waſſer nicht untergeht. Bel. Plutarch, Aympos. 1. V.
quaest. 7.
*Pindar von Theba (522-442 vor Chr.), einek Der
größten Inrifchen Dichter Sriehenlands, von defien Gedichten
fidy mehrere erhalten haben. Plinius benützt ihn nicht als
Duelle, fondern erzählt nur (Kap. 30.5. 1.), daß Alerander
ber Große bei der Eroberung Thebens befahl, das Haus
und die Familie des Didters zu fchonen.
— 2Plato. Plinins erwähnt in diefem Bude (KR. 31,
$. 1.) der Reife diefed Philoſophen nad GSicilien, wo er
von dem Tyrannen Dionyflus mit großer Ehre und Pradt
empfangen wurde. Damit glaubte aber auch Dionpflus ges
nug getban zu haben; denn die phautaſtiſche Hoffuung Pla⸗
£0’6, daß der Tyrann feine philoſophiſche Idee vom Staate
verwirklichen werde, zeigte ſich bald als Täufchung.
Pollio Afinins. S. Aſinius Potlio.
Pomponius Atticus. S. Atticuspomponins.
— * Dofidonins von Apamea. Plixtius erzählt
(Kap. 31. $. 3.), wie En. Pompejus nad) Beendigung des
Mitpridatifdyen Krieges diefen Philofophen in feiner Woh⸗
nung befuchte und ehrte.
Rufus, Publius Rutilins, Romiſcher Hiſtoriker,
welcher im J. 125 vor Chr. dag Conſulat bekleidete und
ſpäter Proconſul in Uflen wurde (Digest. I. tit. IL de regul.
jur. $. 40,). Obſchon ein in hohem Grade biederen Mann,
: wurde er doch von Sulla's Partei in's Exil geſchickt und
hielt ih zu Smyrna anf, ohne wieder in fein undankbares
Baterland zurückkehren zum wollen. @r brad, in der Ge
ſchichtſchreibnng eine neue Bahn, und ſcheint den Uebergang
Siebentes Bund. - , 763
der ktrockenen Annalenform zu einer geſchmückteren und
ſtreicheren Darſtellung vermittelt zu haben. _ Seine Ge⸗
chte Roms ſchrieb er in Griechiſcher, die Geſchichte ſei⸗
eigenen Lebens aber in Lateiniſcher Sprache (Athen. IV.
168. VI. p. 274. XII. p. 545.). Außerdem verfaßte er
jrere Bücher Über Das Theaterweſen, über die Tragödie
Comödie, über Feſte, Spiele, Muflt und Tanz «Photii
. c0d. 461.). Alle feine Werke werden von den alten
riftftellern mit großem Lobe genannt. In der Juris pru⸗
z war er meiſterhaft bewandert, und ſuchte die Grund⸗
e der ſtoiſchen Philoſophie auf das Studium derſelben
uwenden; eine noch unter feinem Namen vorhandene
mmiung ron Kriegsgefeben (vonoı orgarwrxo:) wird ihm
r wohl mit Unrecht beigelegt. Was Plinius in diefem
he aus den Schriften des Rutilius Rufus nahm, läßt
nicht nachweifen, da er ihn nur überhaupt unter feinen
ellen yennt. Bel. den Art. Meſſala.
SabinusMaffu rius. S. Maffurins6abinns.
Gebofns. © Statius Seboſus.
Severus Caſſius. S. Saffind Sebverus.
»Simonides, einer der vorzüglichſten Dichter in der
iE, in der Elegie und im Epigramm, 558 vor Chr. auf
JInſel Ceos geboren, wurde von feinen Zeitgenoffen hochs
tet, und lebte in großem Anfeben an verfchiedenen Hö⸗
‚ Bon feinen Gedichten haben fih nur Fragmente ers
ten, die fehr oft, zulept von G. Gchneidewin (Branavic.
5. 8.), heransgegeben wurden. . Simonides zeichnete ſich
r nice nur als Dichter, fondern aud als Erfinder aus.
erdachte er die Mnemonik (Kap. 24. 5. 2.), wenn man
164 €. Plinius Naturgeſchichte.
Diefe Erfindung nick licher dem jüngeren Simonides von
Eess zufchreiben will, verbefierte die Either (Kap. 57. 6. 13.)
und vermehrte das Alphabet durch die Baihfaben d, nv
und wo (Kap. 57. $. 2.).
© Gocrates, der alibefannte Griechiſche Philoſoph,
wird in dieſem Buche nickt als Duelle benüpt, denn er
trat befanntlih nicht als Scriftfieller auf, ſondern Plinius
erzählt nur von ihm (Kap. 51. ©. 10.), daß er durch einen
Dratelfprud des Phthiſchen Apollo als ber weiſeſte der
Gterblichen erklärt worden fcy (Ardoav anzaveur Zuxparg
soguraros). Bgli. Balerins Maximus, III. a.
Sophocles, der vorzäglihfie Griechiſche Tratö⸗
diendichter, im J. 498 vor Chr. geboren, brachte au han⸗
dert Stücke auf die Bühne, von denen wir aber nur ned)
fieteu beiden. Er farb in fehr hohem Witer (im 3. 406
vor. Ehr.) aus Frende über den Gieg feines neueſten Trauer:
fpield (Kap. 53. 5. 1.). Lyfander, der König der Lacedame⸗
nier, welcher gerade Athen belagerte, machte Waffenſlill⸗
ſtand, bis dus Leikenbegängniß bes Dichters vorüber war
(KR. 30. $. 2.). .
— Gtatind Sebeſus. Diefen uns nicht näher
befannten Geographen benügte Plinind and in diefem Bude;
nennt ihn aber nur Überhaupt in dem WBerzeichmfle feiner
Duellın, ohne die Bemerkungen, welche er ihm eninehen,
genauer auzugeben.
* Stilpo aus Megara , berühmter Griechiſcher Phir⸗
ſoph aus dem dritten Jahrbundert vor Chr., der von ſeinen
Beitgenoffen feiner Keuntniſſe und feines edeln Charakters
dätt wurde (vgl. Cicero, Deo fate. c. 5.). Die
tr. ,Biebentes Bud, _ 765
härfe feiner Dialektik kehrte er gern gegen die Gophiften,
d der Sophiſt Diodorus (S. d. Urt.) ſoll ſich fogar zu
de gehärmt haben, weil er ein von Stilpo bei einem Gaſt⸗
le des Königs Pislemäns I. aufgeftelltes Sophiema nicht
löfen vermochte (Kap. 54: S. 1.). Bon Stilpo’s Werben,
ſehr trocken und froflig gewefen, fenn follen (Diog.
rt, IT. p. 60. 61.), iſt nichts auf unfere Zeit gekommen.
* Strato von Lampfacrus, Schuͤler Theophrafl’s und
ınzter Griechiſcher Philoſoph aus dem drirten Jahrhun⸗
vor Ehr., war der Lehrer des Piolemäus Philadelphus,
erhielt den Beinamen Phoſiker, weil er den Urquell
8 Daſeyns nicht in äinem höheren Wefen, fondern in
Natur ſelbſt fuchte (Eicero, De natur. deor. I. 13.). Bon
en zahlreichen Schriften (vgl. Diog. Laert. X. p. 128.):
er tie Natur des Menſchen; Über ungewiffe und fabels
e Thiere; über die Götter ; über den Staatsdienſt (zepi
7); über die Erfindungen (negi eionudrar) , bat ſich
ts erhalten. Welche dieſer Schriften Plinins in dieſem
he benützte, iſt ungewiß; wahrſcheinlich war ed aber vor: ·
‚weife die Aber Erfindungen.
* Tauron, -ein uns völlig nubekannter Schriftfleller,
Plinins eine Nachricht Über haarige Menſchen mit
Desähnen u. f. w. in Indien (Kap. 2. $. 47.) entichnt.
re den Unführern des Heeres Aleranders des Großen in
en wird ebenfalls din Tauron genannt; vielleicht iſt
er hier gemeint.
= Terpander von Antifa auf der Tafel Lesbos, ei⸗
Der ätteften Griechiſchen Dichter ans dem flebenten
Hundert vor Ehr., weicher befonders für die Ausbildung
—
766 C. Plinins Naturgeſchichte.
des Geſangs uud der Muſſk eifrig wirkte. Er verbeſſerte
die Cither und dichtete Lieder dazu (Kap. 57. $. 13.) Bon
feinen Gedichten bat. ih. nichts erhalten.
* Zhbamyris von Odryſa in Thracien, Dichter aus
der mythiſchen Zeit (Homer. I. II, 595.), welcher nach der
Gage die Mufen zu einem poetifhen Wettftreite herausfor⸗
derte. Plinius nennt ihn (Kap. 57. $. 13.) den Erfinder
der Do riſchen Weiſe.
— * Theophraſtus von Ereſus, der Verfaſſer zabl⸗
reicher philoſophiſcher und naturhiſtoriſcher Schriften, wird
von Plinius allenthalben ſehr fleißig denützt; im dieſem
Buche entlehnt er ihm die Nachrichten über die erſten Stein⸗
brüche und die erſten Erbauer der Thürme (Kap. 57. $. 5.),
über die Erfindung der Kunft, Erz zu fchmieden (Kap. 57.
$..6.) und Über die Erfindung der Malerei (KR. 57. $. 44.).
Ale diefe Bemerkungen ud wahrſcheinlich aus des Theophra⸗
us nicht mehr vorhandener Schrift über bie Erfindungen
(mepb supnndrus) genommen.
— » Theopompus von Epios. Aus feinen nicht auf
unfere Beit gefommenen Geſchichtswerken ift in diefem Bude
(Kap. 49. $. 1.) bie Nachricht entlehnt, daß Epimenides
von Gnoffus (S. d. Art.) 157 Jahre alt geworden fey.
Bgl. Valerind Marimus, VII, 13.
— »Tbducydides. Dem bekannten Meiſterwerke
dieſes vor züglichſten aller Griechiſchen Geſchichtſchreiber,
welchen die Athener als Feldherrn verbaunten uud als Bi:
ſtoriker zurüdriefen (Rap. 31. $. 3.), entiehnt Plinins die
Nachricht Über die Erfindung der breisuderigen Gdiffe
(Kap. 57. $. 46. vgl. Thuchd. I, 15.).
€
Siebentes Buch. 767
* Zimothens der Milefler , ein berühmter Griechi⸗
5 Muſiker und Dithyrambendichter (446-356 vor Ehr.),
befferse die Either (Kap. 57. $. 15.). Ueber feine Ge⸗
‚te, die von mandyen alten Schriftfiellern froflig genannt
den, Pönuen wir nicht urtheilen, da ſich keines derſelben
alten hat.
TrogusPompeius, Romiſcher Geſchichtſchreider aus
Zeit des Auguſtus, deſſen Familie aus Gallien ſtammte,
durch Pompejus den Großen das Bürgerrecht erhalten
fe. Geine Geſchichte in vierundpierzig Büchern (Histe-
> Philippieae et totius mundi origines et terrae situs)
hte von Ninns bie zum I. 6 vor Epr,, und wurde von
Ika in einen nody vorhandenen Auszug gebracht „ wos
ch aber das urfprüngliche Werk für uns verloren ging.
ſchrieb auch eine Naturgefhichte der Thiere, von
der bei dem eilften Buche des Plinius bie Rede feyn
d. In dem vorliegenden Budye entlehnt Diefer der
dichte des Trogus die Nachricht (Kap. 3. $. 4), dab
Hegpnten manchmal eine Mutter ſieben Kinder auf eins
gebäre.
Balerius Marimus ©. MariunsBalerius.
— Barro (M. Terentius). Die Berbienfte dieſes
e nne, in vjelen Bädern des Willens, fpudern auch durch
> Tapferkeit anegezeichueten Römers wurden dadurch
Panıt, daß fein Bildniß in der vom Aſinius Pollio ans
zten öffentlichen Bibliothek aufgeftellt wurde und ihm
peius der Große nach der Beendigung bes Geeräubers
red durch die Schiffskrone anszeichnete (Kap. 31. $. 7.)
ro muß als eine der am häufigften von Plinius benügten
768 C. Plinius Raturgefchichte.
Quellen betrachtet werden, und ſind auch die meiſten Werke
Varro's verloren, fo haben ſich doch anf dieſe Weiſe manche
Nachrichten aus ihnen erhalten. In dieſem Buche entiehnt
ihnen Plinins die Erzählung von Leuten, weldhe den Schlan⸗
genbiß durch "ihren Speichel heilen (Kap. 2. $. 5. vergl.
Priscian, VII. 2, wo wir ſehen, daß diefe Erzählung aus
tem erften Bude von Varro's Antiquitates rerum humans-
- rum genommen iſt); ferner die Nachrichten über zwei Rs
Mer, die nur zwei Ellen groß waren (Kap. 16-8. 5.) ; Aber
Scheintodte, bie wieder erwachten (Kap. 55. S. 3—5.); Aber
die erffen Barbiere in Rom (Kap. 59. vgl. Varro, de re
rast. 1. II. o. 14.); Über die erſte Gonnenahr in Rom
(Rap. 60. $. 2); Beifpiele wunderbarer Körperkraft (K. 19.
‘5.4. 8.) und Beifpiele ungewöhhlicher Gdärfe der Augen
(Kap. 21.).
Berrius Flaccus, berühmter Roͤmiſcher Gramma⸗
tiker, welchen Auguſtus zum Lehrer feiner Enkel Cajns und
Lucins beſtellte, und der in hohem Alter zur Zeit des Kai⸗
ſers Tiberius farb (Sueton. de illust. gramm. co. 17.), Wat
auch als Echriftfleller fehr thätig. Seine uns bekannten
Werke, von denen ſich aber keines vollftändig erhalten hat,
find: eine Schrift über die Bedeutung der Wörter (De ver-
borum signifioatione) in wenigflens vier Büchern (U. Gel.
N. A. V. 17.) ; ein Büchlein, welches den Titel „Gaturnuf“
führte (Macrob. Satarn. I, 4.) und eine Geſchichte (libri
rerum memoria Aignarum, dgl. U. Gel, N. A. IV. 5.), Aber
deren Inhalt wir Feine nähere Nachricht haben, aus welcher
aber wahrſcheinlich Plinius (Kap. 54.) die mitgetbeilte Reihe
von Beifpielen plöplicher Todesfälle zog. Man ſchreibt ihm
Giebentes Bu. : 769
b, aber mit Unrecht, bie fngenanuten Fasti Capitolini,
he 1547, zu Rom entdeckt wurden, zu; dagegen gehören
ı die Bruchſtücke eines im 3. 1770 gefundenen Römifchen
Ienderd an. P. F. Foggini hat’ diefe fammt den noch
igen Bragmenten der Werke bes Berrius Flaccus bekannt
jacht (Rem. 1779. F)
Beſtalis Fabins. ©. Fabins Bekalis.
— Birgilins Plinins führt ihn in dem Inhalts⸗
eichniffe diefes Buches unter feinen Quellen an, benüsgt
' Beine Gtelle aus feinen Gedichten , fondern erzählt nur
p. 31. $. 6.), daß Auguſtus verboten habe, dieſe zu vers
nen, obſchon es der Dichter in feinem Teftamense ders
tet hatte,
— * Tenagdrasd NWus feinen nicht mehr vorhande
Schriften geographiſchen und hifterifchen Juhalts nimmt
ius (Kap. 57. $. 16.) die Nachricht, daß die Syrakuſer
echsruderigen Schiffe erfunden haben.
— * Zenophon von Lampfacud. Aus feiner Erdums
ang (neginlovs) entlehnt Plinins die Bemerkungen
. 49. $. 2.) über das babe Alter bes Königs der Tpe
und des Sohnes deſſelben.
1
Rap. I. 4. So verhält es ſich mit der Welt und mit den
en, Völkern, Meeren, Inſeln und berühmten Städten
rfeiben. Die Natur der in ihr lebenden Wefen bietet
zetrachtung Keinen geringeren Stoff, als irgend ein
er ihrer Theile, wenn überhanpt der menſchliche Werft"
N
\
70°. €, Pliniud Naturgeſchichte.
fähig ift, Alles zu erfaffen. Der Vorrang gebührt wohl mit
Hecht dem Menſchen, wegen deffen die Natur alles Andere
hervorgebracht zu haben ſcheint, obſchon fie herzlos für ihre
fo großen Wohlthaten auch einen fo hohen Lohn nahm, daß
man nicht völlig darüber einig werden Bann, ob fie fid) dem
Menfchen mehr als gütige Mutter, oder mehr als grämfidye
Stiefmutter bewies. 2. Vor Allem hüllt fie ihn allein von
ſaͤmmtlichen Geſchöpfen in fremdes @igenthum ; die übrigen
verfah fie auf mancheriei Weife mit irgend einer Bedeckung,
mit Schaalen, Schilden, Fellen, Stacheln, Zotteln, Borften,
Haaren, Pflanm, Federn, Schuppen und Wolle; ja Stauden
und Bäume ſchützte fle durch eine Rinde, und manchmal
ſogar durch eine doppelte, gegen Froſt und Hitze; nur den
Menſchen gibt fie nackt und auf nackter Erde ſogleich am
Tage feiner Geburt dem Wimmern und Weinen, Kein ans
deres von fo vieler Thieren aber überhaupt den Thränen, ®)
und zwar ſchon bei'm Eintritt in das Leben, preis. 3. Uber,
beim Himmel, das Lädeln, jenes vorſchuelle und höchſt
flüchtige Lächeln, ift Keinem vor dem vierzigften Tage ver:
gönnt, Nach diefer erften. Lebenserfahrung erwarten ihn
Bande und Feſſeln an allen Gliedern, *) womit man dod
feibft das unter und geborene wilde Vieh verfhont; und fo
liegt er da der glücklich geborene, mit gefeſſelten Händen
*) Rein Thier vergießt Thränen, der Menſch erſt vierzig Zag⸗
nad) feiner Geburt. Das frühere Geſchrei der Kinder in
nicht von Thränen begleitet, Um biefelbe Zeit fängt das
Kind auch erfi an zu laͤcheln.
e*) ‚Nach der Geburt näht man ihn in Windeln, nad bem
Tode nagelt man ihn in einen Sarg,” fagt I. I. Rouſſeaun.
\
Siebentes Bud. 774
Füßen, ein weinendes Thier, das doch einft die übrigen
erden fol, und beginnt fein Leben mit Pein, wegen
er anderen Schuld, als weil er geboren if. O bes
huſinns Derer, weiche nach folchem Anfange wähnen, zum
hmushe geboren zu fen!
4. Die erfte Ausſicht auf Kraft, die erſt Gabe der
macht ihn dem vierfüßigen Thiere ähnlich.) Wann
gelingt ihm das Aufrechtgehen? Wann das Sprechen?
ın erhält der Mund die zum Effen nöthige Feſtigkeit?
lange dient der zuckende Scheitel **) zum Beweife, dab
ıter allen Thieren das ſchwächſte ſey? Und nun fommen
drankheiten nud eben fo viele gegen fle ausgedachte Heil⸗
I, die aber alsbald wieder felbft durch neue Uebel be:
werden. Die übrigen Thiere fühlen ihre natürliche
3e; diefe bedienen ſich ihrer Schnelligkeit, jene eilen
Inge dahin, andere fchwimmen ; der Meufd) Fann nichts
Unterricht, weder fprechen, noch gehen, noch effen, Eurz
Ratur nichts als weinen. , Es gab daher Viele, welche
28 DBefte hielten, nicht geboren zu werden , oder fo
: als möglich wieder zu flerben. -
. Ihm allein von allen Geſchöpfen ift der Kümmer,
Hein die Ueppigkeit und zwar in unsähligen Geflalten
iir jedes einzelne Glied, ihm allein die Ehrſucht, ihm
D. h. die erſte Kraftäußerung des Menſchen iſt das Krie⸗
chen auf allen Vieren.
Bol. B. XI. Kap, 49. Die Alten glaubten, nur bei dem
Menſchen, nicht bei den Thieren, werbe der anfangs weidye
und den Eindrücken nachgebende Hirnſchädel allwaͤlig hart
und feſt. Aristotel. Hist. animal. VII, 10.
1
72 C. Plinius Naturgeſchichte.
allein der Geiz, ihm allein die unmäßige Liche zum Leben,
ihm allein der Aberglaube, ihm allein die Gorge um das
Begräbniß und fogar nm die Zakunft nad dem Tode eigen.
Keine hat ein leichter zerflörbares Leben, keines eine grö⸗
Bere Begierde nad) allen Dingen,’ keines eine rathloſere
Furcht,, Deines eine heftigere Wuth. 6. Endlich leben bie
übrigen Gefchöpfe mit ihrer Art in Eintracht: wir fehen fie
znfammenhalten, und unr gegen ihnen unähnliche Arten
kämpfen. Des Löwen Wuth richtet fi nicht gegen feines
Bteihen; der Schlangen Biß zielt nicht nadı Schlangen,
und felbft- des Meeres Ungeheuer und Fiſche wüthen nur
gegen andere Gattungen. Uber, bei'm Himmel, dem Mens
ſchen erwachfen Die meiften Uebel durch den Menfdyen.
cn. 7. Bon dem Menſchengeſchlechte im Wülgemrinen
haben wir fchon großentheils bei der Aufzählung der Bölker
geiprochen ; *) auch wollen wir bier nicht die Sitten und
Gebräuche, die unendlich verſchieden und eben fo zahlreich
find, als die von den Menfchen gebildeten Befellfchaften,
bebandeln, obfchon ich Einiges nicht mit Stilifchweigen übers
gehen zu dürfen glaube, befondere was weit vom Meere
wohnende Nationen betrifft, bei denen Manches, wie ich
nicht zweifle, Vielen abentenerlich und unglaublich vorkom⸗
men wird, Wer glaubte an Aethopier, **%) che er (ah?
Oder erregt nicht Alles, wann ed zum erflenmale zu unfe:
rer Kenntniß Fommt, Berwunderung ? Wie Vieles hält man
für unmögtid, bis es wirklich gefchehen in! Die Macht
*) In den vorhergehenden vier geographifchen Büchern.
2) Plinius verfieht hier die Schwarzen.
U
- Siebentes Bug. 773
bie Erhabenheit der Natur wird aber immerbar unferen
uben überfleigen, wenn wir fie, id will nicht fagen, in
r Ganzheit, fanden auch nur in ihren einzelnen heilen
fen wollen, 8. Ich will bier nicht die Pfauen, Die
fen ber Tiger und Panther und den Barbenfhmud' fo
7 Thiere erwähnen.. Ein eben fo gleichgültig erwähnter,
für ‚die Betrachtung unerfchöpflicher Gegenſtand find die
achen fo vieler Völker, die fo zahlreichen Mundarten
die fo vielfad) verfchiedenen Redeweiſen, dab ein Aus:
er einem ihm Fremden faft nicht mehr als Menfch ers
1. Selbſt in Being auf unfer Aeußeres und unfer
ip, Das doch nur aus zehn Gliedern oder einigen wes
ı mehg befteht, gibt es unter fo vielen tauſend Menſchen
zwei völlig gleiche, was Peine Kunft auch nur bei
Feinen Anzahl zu ‚erreichen vermag. Uebrigens will
ich für das Meifle, was ich erzähle, keineswegs vers
en, fondern lieber auf die Schriftfteller hinweifen, welche
(fen zweifelhaften Dingen ald Gewährsmänner gelten
n, wenn man ed nur überhaupt nicht verfchmäht, den
hen zu folgen, deren Sleiß größer und deren Forfhuns
(ter find.
I ca). A. Daß es Scythiſche Stamime, und zwar
re gebe, welche Menfchenfleifc) effen, haben wir ſchon *)
nt. Schon Diefed würde uns unglaublich vorkommen,
wir nidyt bedächten, daß es. früher in der Mitte des
eifes, in Bicilien und Italien, ebenfalld Völker von
B. IV. Kap. 26. $. 10. ©. VI. Kap. 20, $. 1.
Plinius Naturgefh, 78 Boͤcchn. 4.
I
\
774 C. Plinius Naturgeſchichte. W
ſo ungebenrer Rohheit gab, nämlich die Cyelopen und die
Läſtrygonen, und daß es jenſeits der Alpen noch vor ganz
kurzer Seit bei den dortigen Bölkern *) Gebrauch war,
Menschen zu opfern, was vom Eſſen nicht fo gar weit ent«
fernt ift. 2. Neben den Schthen, weldye nach Norden bin
wohnen, werden nicht weit von dem Urfpreunge des Aquilo
[Nordoft] und der fogenaunten Höhle deſſelben, weldye Geis
eliton **) heißt, die Arimasper angeführt, welche wir ſchon ***)
genannt haben, und die ſich durch ein einziges Auge in der
Mitte der Gtirne anszeichnen. Gie leben bei den Bergwer:
Ben mit den Greifen, nach der gewöhnlichen Befchreibung,
einer Art geflügelter Thiere, weiche mit wunderbarer Ber
gierde das Gold aus den Gruben fürdern, in beſtäudigem
Kriege, weil die Thiere das Gold bewachen, die Arimaſper
aber es ihnen rauben, wie viele Schriftſteller, unter denen
SHerodot +) und Ariftens von Proconuefus die berühmtelten
find, erzählen. HH —
3. Hinter andern Trr) menfchenfreffenden Scythen in
” plinius fpielt maßefheintih auf die Sallier und ibre Drul⸗
den au. Bol, B. XXX. Kay. 4.
*#) wahr chenu⸗ 475 — (Erbfchloß).
,) 9,1 —R VI. K. 19. 6. 1
+) B. I. 8. 116. 2 iv: 8. 13. Er (öpft felbfk bie
Erzählung, welche er ald Fabel betrachtet, aus Arißeas.
+ Die Sage hat wohl einen hiſftoriſchen Grund, umb follte
vermuthlich ben wahren Sunbort des Bolbed verhfiflen.
Bel. Ober bie Arimaspen Aberhaupt Groteſend in ber
„Augemeinen Encpclopäbie ber Wiffenfchaften und Küng,”
+Hp Weiter oſtlich vorhanden,
1 —
Siebentes Bud. 775
m großen Thale des Imausgebirgs Liegt eine Gegend,
be Abarimon heißt, ed in welcher wilde Meufdyen woh⸗
‚ deren Füße nach hinten hin *) gekehrt find, die aber
ausgezeihhnete Schuelligkeit beflgen und allenthalden
den wilden Thieren umherſchweifen. Sie“ follen unter
m andern Himmelsftridhe leben können, und deßhalb
? zu den benachbarten Königen, noch zu Alerander bem
jen gebracht worden ſeyn, wie uns Bäton, der Maaß—⸗
nmer feiner Tagmärfche, erzählt.
1. Die zuerſt genannten Menfchenfreffer, welche , wie
gefagt haben, **) nad) Norden bin zehn Tagreifen
r dem Fluſſe Borpfihenes [Dnepr] wohnen, trinken,
Iſigonus von Nicka erzählt, ans Schädeln von Meus
Eöpfen ***), und binden die Haut ſammt den Haaren
Ihwifhtfüdher vor die Bruſt. Nach demfelben werden
Ihanien +) Menſchen mit grünlihen Augäpfeln geboren,
han von Kindheit an graue Syaare haben und bei Nacht
ſehen als bei Tag. Nach demfelben nehmen die Baus
ten zehn Zagreifen hinter dem Boryſthenes nur alle
—
Bol. U. Gell. N. A. IX, 4. Augustin. de civit. Dei
XXVI, 8. Die Füße eines ſchnell Laufenden, von hinten
gefehen, fheinen verkehrt zu fiehen. Die Gage beruht
alſo wahrſcheinlich auf einer optifhen Taͤuſchung.
Bd. IV. 8, 26. 8. 10.
Diefe Sitte‘ roher Böolker iſt aus ber Geſchichte bekaunt.
Nicht nur in Albanien, einem Theile des heutigen Geor⸗
gien, ſondern auch in allen engen Thaͤlern zwiſchen hohen
Bergen findet man ſoiche Menſchen, Albino's genannt,
4%
776° C. Plinius Naturgeſchichte.
drei Tage einmal Speiſe zu ſich. 5. Crates von Pergamus
erzählt, am Hellespont, in- der Gegend von Parium [Ke⸗
mares], gebe es eine Art Menſchen, von ihm Ophiogenen
[Schlangengeborene] genannt, welche den Biß der Schlangen
dur Berührung zu heilen, und durch Auflegung Der Haud
das Gift and dem Körper au zichen pflegen. Varro *) vers
ſichert, dab man jetzt noch daſeibſt Einige finde, deren
Gpeichel als Heilmittel gegen den Biß der Schlangen: diene.
In Afrika mohnte, wie Agatharchides fchreibt, ein ähnliches
Bolt, nämlich, die Pfplier, welche von dem König Pfplius,
deſſen Grab ſich an einem Küflenorte der großen Syrte be:
findet, ihren Namen haben. 6. Ihrem Körper war eine
den Schlangen töbsliche Feuchtigkeit angeboren,. durch deren
Geruch fie diefelben einfdhläferten. Bei ihnen herrſchte auch
die Gitte, die nengeborenen Kinder den wildeflen derſelben
vorzumwerfen, um fid auf diefe Weife von der Keufchheit
ihrer Weiber zu überzeugen, indem die Schlangen vor dem
im Ehebruche erzeugten nicht Entfloben. Diefes Wolf wurde
beinahe ganz von den Nafamonen, welche jest feine Wohn⸗
fise inne haben, niedergemeselt ; feine Eigenfhaft bat id
jedody durdy die, welche entflohen oder. während des Kampfes
abwefend waren, bei Einigen bis jetzt erhalten. 7. Ebenfo
verhält es ſich mit dem in Italien noch vorhandenen Bolks⸗
ſtamme der Marfer, welcheihren Urfprung von einem Sohne *%
*) In dem erfien Buche von wmenfhlihden Dingen, wie
Priscian B. VII 8, 2. bemerkt.
**) Zelegonus, welchen bie Zauberin dem Ulyſſes auf ber
Infel Aea gebar, Bel. U. A. Gell. N. A. „11.
Was Plinins yon der Heilung des Schlangenbiſſes fagt,
1
‚ Giebentes Bud). 777
Ciree herleiten, und von Natur diefe Kraft befiken follen.
a Menfchen ift übrigens ein Gift gegen die Schlangen
eboren, und man fagt, daß diefe, vom Speichel getroffen,
: fo ſchnell entfliehen, alsı wenn .fie kochendes Waffer ber
t; fie follen fogar ſterben, wenn dieſer in ihren Schlund
st, befonders wenı ihn der Mund eines nüchternen
iſchen auswirft. %)
Hinter den Nafamonen **) und ihren Nachbarn, den
hbiyen, wohnen, wie Calliphaues erzählt, die Androgpnen
nnweiber] , weiche. beiderlei Geſchlechts find und ſich
ſelweiſe begatten. Ariſtoteles fügt noch hinzu, daß ihre
e Bruft männlich, ihre linke aber weiblid) fey. *°*)
3. Ja demfelben, Afrika gibt ed nach Ifigonus und
phodorus au einige Familien von Beherern, durch
ı 2ob alles Belobte zu Grunde geht, die Bäume ver-
n und Die Kinder flerben. Filgonns fügt hinzu, bei
Triballern und Illyriern gebe es Lente derfelben Art,
don durdy den bloßen Anblick behexen, und die, welche
ugere Zeit, befonders mit zornigen Augen, anſthauen,
13 7) hauptſaͤchlich ſeyen Erwachſene ihrem böfen
iſt ein im vielen Ländern des Orients, beſonders in Aegypp⸗
ten, herrſchender Aberglaube, welchen herumziehende Gauk⸗
ler (Jongleurs) durch allerlei Kunſiſtucke zu ihrem Vor⸗
theil forgfältig unterhalten.
Bon dieſer angeblichen Eigenſchaft des menfchlichen Spei⸗
chels wird wieder B. XXVIII. K. 7. die Rede ſeyn.
Vasl. Aristoteles Hist. animal. VII, 29.
Im heutigen Tripoki.
Fest lacht man ber foldye Fabeln.
Diefer Aberglaube, der ſich hauptſächlich vor Behexung,
4,
778 - €. PMinius Naturgefchichte.
Einfluffe arsgefest, und noch merkwürdiger ſey, daß fle im
jedem Ange zwei Augäpfel baden. In Scythien foll es nad
Apollonides auch Weiber diefer Art geben, welche Bithyen
heißen. 9. Phylarchus führt auch noch den Volksſtamm der
Thibier *) in Pontus und piele Andere an, welchen dieſelbe
Eigenſchaft angeboren iſt, und die nach ihm an dem doppel⸗
ten Augapfel in dem einen und an dem Bilde eines Pfer⸗
des **). in dem andern Auge zu erkennen find. Auch follen
diefe Leute nicht unterfinten können, felbft wenu, fie mit
Kleidern beſchwert find. **) Diefen nicht unähnlich iſt,
nad Damon’s Erzählung, der Volksſtamm der Pharnacer
in ethiopien, teren Schweiß allen damit berührten Körpern
die Schwindfudht verurfadht. ,
10. Daß überall. alle Weiber, weiche doppelte Augäpfel
haben, durch ihren Anblick fchaden, bat bei uns auch Ei-
cero +) behauptet. So gefiel es alfo ber Natur, weldhe dem
Lob (Berufen) und laͤngeres Anſchauen fürchtet, findet ſich
unter dem Wolfe noch jegt häufiger, ald may glauben
follte, \
*) pPlutarch (Sympos. 1. V. 7.) führt daſſelbe aus Phylar-
chus an,
Plinius ließ fi wahrfheintih durch bad Griechiſche Wort
inros irre führen, weldyed nit nur ein Pferd, fonderm
auch einen Seh ler (nämlich eine fortwährenbe gitterude
Bewegung) des Auges bebentet.
*#*) Diefer alte Aberglaube erhielt ſich bis auf bie neuere Zeit,
und man warf deäbalb ber Hererei Verdächtige in's Waſ⸗
fer, um an ihrem linterfinfen oder Nichtunterfinken ihre
Schuib oder Unſchuld zu. erkennen,
D In feinen vorhandenen Schriften findet fi Diefed nicht.
X)
Sr
7
Siebentes Bud. 779
Menſchen die Ehieriihe Gewohnheit, menſchliche Eingeweide
zu verzehren, angeboren hat, auch in dem ganzen menfchlis
hen Körper und fogar in den Augen Mancher Gifte zu ers
zeugen, damit es ja nirgends etwas Böfes gebe, was man
bei dem Menſchen nicht finde. J
11. Nicht weit von der Stadt Rom, im Gebiete der
Faliscer, findet man etliche Familien, welche Hirper heißen;
dieſe gehen bei dem jährlichen Opfer, welches am Berge So⸗
racte [St. Oreſte] dem Apollo dargebracht wird, über einen
angezündeten Holzftoß, ohne fid, zu verbrennen. *) Deßhalb
ind fle auch durch einen unwiderruflichen Senatsbeſchluß
vom Kriegsdienfte und allen andern bürgerlichen Laften
befreit.
: 42. Un Manchen haben einzelne Körpertheile von Nas
ar für irgend etwas eine wunderthätige Kraft; fo an Kö⸗
sig Pyrrhus Die große Sche des rechten Fußes, durch deren
Berührung Milzſüchtige ‚geheilt wurden. ») Sie Eonnte
sicht, wie man erzählt, mit dem Übrigen Körper verbrannt
verden, und wurde in einem Käftchen im Tempel, beigefest.
15. Indien und die Landſtriche der Aethiopen find bes
onders rei an Wunderdingen. Indien erzeugt die größten
chiere, wie ſchon die Hunde, weldye weit größer, als’ die
*) Auch in neuerer Zeit hat man biefes Kunſtſtück geſehen.
Mauchen ift aber der Verſuch fchlecht bekommen,
»e) Wem ifk nicht der Volksglaube, daß die Berfihrung bies
ſes ober jenes Fürften irgend ein beſtimmtes llebel zu
heiten’ vermöge, bekannt? So follen bie Könige von
Englaud und Frankreich die Skrofeln heilen können,
775 -€ Plinius Naturgeichichte.
Einfluffe arsgefest, und noch merfwürdiger fey, daß Re im
jedem Ange zwei Augäpfel baden. In Scythien foll es nad
Apollonides auch Weiber diefer Art geben, welche Bithyen
heißen. 9. Phylarchus führt auch noch den Volksſtamm der
Thibier *) in Pontus und piele Andere an, welchen dieſelbe
Eigenſchaft angeboren iſt, und die nach ihm an dem doppel⸗
ten Augapfel in dem einen und an dem Bilde eines Pfer⸗
des *"). in den andern Auge zu erßennen find. Auch follen
dieſe Leute nicht unterfinten können, felbft wenn. fie mit
Kleidern befchwert find. * *) Diefen nicht unäpnlich iſt,
nadı Damon’s Erzählung, der Volksſtamm der Pharnacer
in Aetbiopien, deren Schweiß allen damit berührten Körpern
die Schwindſucht verurfacht.
10. Daß überall alle Weiber, welche doppelte Augäpfel
haben, durch ihren Anblick fchaden, bat bei uns auch Eis
cero +) behauptet. So gefiel es alfo der Natur, welche dem
Lob (Berufen) und längeres Anſchauen fürchtet, findet fi
unter dem Volke noch jegt häufiger, ald may glauben
ſollte.
*) plutarch (Sympos. 1. V. 7.) führt daſſelbe aus Phylar⸗
chus an,
Plinius ließ ſich wahrſcheinlich durch das Griechiſche Wort
inros irre führen, welches nicht nur ein Pferd, ſondern
auch einen Fehler (nämlid, eine fortwährenbe ste tternde
Bewegung) des Auges bebeutet, ’
***) Diefer alte Aberglaube erhielt fidy bis auf bie neuere Zeit,
und man warf beähalb ber Hexerei Verdächtige in’6 Wafs
fer, um an ihrem Unterfinfen ober Nichtunterfinken ihre
Schuld oder Unſchuld zu. erkennen,
D In feinen vorhandenen Schriften findet ſich Diefes nicht.
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Siebentes Bud. 779
enſchen die thieriſche Gewohnheit, menſchliche Eingeweide
verzehren, angeboren hat, auch in dem ganzen menſchli⸗
n Körper und fogar in den Augen Mancher Gifte zu er⸗
gen, damit ed ja nirgends etwas Döfes gebe, was man '
dem Menſchen nicht finde.
141. Nicht weit von der Stadt Rom, im Gebiete der
iscer, findet man etlihe Familien, welde Hirper beißen;
€ gehen bei dem jährlichen Opfer, welches am Berge 60;
te [St. Oreſte] dem Apollo dargebradyt wird, über einen
‚ezündeten Holzftoß, opne fi zu verbrennen. *) Deßhalb
ı fle auch durch einen unwiderruflichen Genatsbeichluß
ı Kriegsdienfte und allen andern bürgerlichen Laſten
‚eit.
12. Un Mandıen "haben einzelne Körpertheile von Na⸗
für irgend etwas eine wunderthätige Kraft; ſo an Kö⸗
Pyrrhus die große Zehe des rechten Fußes, durch deren
rührung Milzſüchtige ‚geheilt wurden. ») Sie konnte
t, wie man erzählt, mit dem Übrigen Körper verbrannt
den, und wurde in einem Käftdyen im Tempel, beigefest.
413. Indien und die Landftriche der Aethiopen find bes
vers reich an Wunderdingen. Indien erzeugt die größten
ere, wie ſchon die Hunde, weldye weit größer, als die
») Auch in neuerer Zeit hat man biefes Kunfififit gefehen.
Mauchen if aber der Verſuch fchlecht bekommen,
e) Wem iſt nicht der Bolköglaube, daß die Berfhrung bies
fe8 oder jenes Fürften irgend ein befiimmtes llebel zu
heilen vermöge, befannt?_ So follen bie Könige von
Englaud und Frankreich die Skrofeln heilen können,
780° C. Pimius Naturgefchichte,
anderer Länder find, beweifen. ) Die Bäume follen eine
foide Höhe erreichen, daß fie mit einem Pfeile nicht zu
überfihießen find. Die Fruchtbarkeit des Bodens, die Milde
des Himmels umd der Ueberfluß an Wafler wirken fo bdeden⸗
tend ein, daß fid,, wenn man ed glauben will, unter einem
Beigenbaume **) ganze Reiterſchwadronen bergen Lönnen ;.
die Rohre ***) aber wachſen zu einer ſolchen Höhe emper,
daß die einzelnen Stüde zwifchen den Knoten zu Bahrzeus
gen, welche manchmal drei Menſchen tragen, hinreichen.
44. Es ift bekannt, daß dafelbft viele Lente über Fünf
Ellen hody werden, +) nicht ausfpeien, an Kopf, Zähnen
und Augen nie, an den brigen Kötpertheilen aber nur fel-
ten Schmerzen fühlen, +4) und diefe Ausdaner der mäßigen
Sonnenhitze verdanken, daß ihre Philoſophen, welche man
Gymnoſophiſten nennt, vom Morgen ‚bis zum Abend an
einer Stelle bleiben und mit unbeweglichen Ungen die Sonne
betradyten, und daß fie Yen ganzen Tag hindurch abwech⸗
felnd auf einem Zuße im glühenden Bande ftehen. TIT)
— €
*) gl. 8. VIIL Kap. 61.
**) Die Fious religiosa (Linn.) iſt hier gemeint, Die Aeſte
diefeß Feigenbaumes fenten fi zur Erde, wurzeln darin
und treiben neue Bäume, bie alle yufammenhäugen , fi
auf dieſelbe Weife immer weiter fortpflanzen, und einen
Fleinen Wald bilden,
vr, Gine Bambusart (Bambus arundinacean), melde eine
öhe von ſechzig Fuß erreicht.
7) Fabel. Die Indianer haben bie gewöhnliche Menſchensroſe.
TH Vorzüge eines jeden heißen Kimmelöfiriches.
+H Man findet Biefen und ähnlichen Unfinn noch jeut yei den
Indiſchen Fakirs.
[4
v \
Siebentes Buch. 781
Daß auf einem Berge, welcher Rulus heißt, Menſchen mit
erkehrten Füßen, an deren jedem fle adyt Sehen haben, le⸗
en, ”) erzählt Megaſthenes. .
15. Auf vielen Bergen aber fdll es eine Gattang von
Renfhen”*) geben, welche Hundeföpfe haben, fich in Felle
on wilden Thieren Lleiden, flatt der Sprache ein Gebell
ören laffen, mit Kianen verfehen Mad nnd von der Jagd
nd vom Bogelfange leben, Cteſias berichtet, daß zur Zeit,
ls er ſchrieb, jhrer Über huudert und zwauzigtauſend ger
eſen ſeyen; ferner daß bei einem gewiffen Volke Indiens
e Weiber nur einmal im Leben gebären,, und daß die Neu:
borenen ſogleich grau werden. **%) 46. Ebenfo foll es
nach ihm] eine Gattung von Menfhen geben, welche Mo⸗
ocoler ſEinfüßler] heißen: und nur einen Fuß haben, anf
m fie aber mit wunderbarer Schnelligkeit dahinhüpfen,
efelben follen auch den Namen Gtinpoden [Gchattenfüßier]
ihren, weil fie bei großer -Hipe fi, rücklings auf der Erbe
egend, mit dem Schatten ihrer Füße ſchützen. Sie follen
ht weit von den Troglodyken wohnen, und wieder weftlich
m Diefen einige Undere ohne Kopf, denen die Augen auf
n Schultern figen, (eben. »
*) Ich laſſe nicht unbemerkt, daß der Schauplatz aller folcher
Wunderdinge von lügenhaften Neifenben gewöhnlich anf
unzugänglihe Berge verfeut wird.
“ Wahrſcheinlich Orangutangs.
*%) Die Stelle des Eteſias, welche Plinius hier vor Augen hatte,
findet fi in Photius (Bibl. cod. 13.).
+) Vielleicht Menſchen mit ſehr hohen Schultern und dazwi⸗
fhen gedrücktem Kopfe, Uebrigens fiheint der Mühe nicht
% y - e
N
782 C. PMinius Naturgeſchichte.
17. Auch gibt: es auf den nad Oſten hin liegenden
Bergen Indiens in dem Laube der Catharcluder Gatyra, *)
äußert fchnelle Geſchöpfe, weit fie auf vier. Füßen und unh
aufrecht Sanfen können; fie "haben eine menfchlide Geſtalt
und find ihrer Geſchwindigkeit wegen, nur wenn fie alt aber
krank werden, zu erhaſchen. Tauron ſpricht aud, von einem
Volke der Choromanden mit behaartem Körper, grünen
Augen und Hundezähnen, welches in Wäldern hauſe, Beine
Sprache habe und nur ein abfchenliches Geziſch hören laffe.
Nach Eudoras follen in den füdlichen Gegenden Indiens bie
Männer ellengroße Füße, die Weiber aber fo Pleine haben,
Daß man fie Struthopoden [Gperlingsfüße] nenne.
48: Nach Megaſthenes fol ein Bott unter ben JIndi⸗
fhen Nomaden, welches man die Scyriten nenne, an der
Stelle der Nafe nur Löcher and wie Schlargen gekrümmte
Füße baden. Un den äußerften öſtlichen Grenzen Judiens
um die Duelle des Bauges foll das Bolt der Aſtomer
[Mundiofen] , welche keinen Mund haben, ihren durchaus
behaarten Körper in Die Wolle von Blättern **) Beiden,
and nur vom Athmen und vom Geruche, ten fie durch Die
Naſe einzichen, leben. Gie bedürfen weder Gpeife ned
Trank, fondern nur der mandherlei Gerüche der Wurzeln
und Kleider, fo wie der Waldäpfel, welde fle auf weiteren
werth zu ſeyn, dem hier von Plinius zufammengerafften
Unfinn eine Dentung zu geben.
*) Große Affen, fo wie auch die Ehoromanden.
*) Seide. Bol. 8. VI. 8. 20. 5. 2.
Siebentes Bud. 785
S
fen bei id) tragen, damit ihnen nie etwas zum riechen
e. Ein etwas flarter Geruch fol fie leicht tödten. *)
19. . Hinter Diefen in der Außerfieu Berggegend woh⸗
wie man angibt, die Zrispithamer [Dreifpannelangen]
Pygmäer, weldye nicht größer find, als drei Gpaunen,
heißt, dreimal, drei Viertel Buß, unter einem gefunden
ımel, wo es ſtets Frühling if, da Berge gegen den
dwind fchüsen. Sie werben, wie fon Homer beriche
**) forbwährend von den Kranichen angefeindet; bie
‚e erzählt, daß fie auf dem: Rüden von Middern nad
en ſitzend und mit Pfeilen bewaffnet , zur Frühlingszeit
ı dem Meere binabziehen und die Eier und Jungen der
ihnten Vögel vertilgen; diefer Feldzug dauere drei Mos
‚ und ohne Diefes würden fie den daraus entflchenden
elheerden nicht mehr widerflehen können; ihre Hütten
nen fle aus Koth, Federn und Eierſchaalen. Ariſtote⸗
**) fagt, daß die Pygmäer in Höhlen wohnen ;.im Lies
en flimmt er über fie mit den andern Schriftſtellexn
ein.
20. Die Eprner, ein Indiſcher Volksſtamm, ſollen
Iſlgonus hundertundvierzig Jahre alt werden; daffelbe
bt er von den Aethiopiſchen Macrobiern und den Ges
fo wie aud) von den Bewohnern. des Berges Athos,
zwar von ten Lebteren, weil fie von Bipernfleifch
‚und deßhalb andy fid) weder auf ihrem Kopfe noch
Di ie Fabeln find bis jetzt keiner Erridrung fähig.
St, 111, : 3-86.
Hi ’
* Sen S vr R 1”. *
t. animal. m 15. '
Lu if Un
4
)
)
)
»
— ent Hal; hy # ar re 9 —
788 " €. Plinius Naturgeſchichte.
in ihren Kleiderü, dem Körper ſchädliche Thiere aufhal⸗
ten. *)
21. Ouefleritaus erzählt, daß in dein Gegenden Indiens,
wo es Beine Schatten gibt, **) Die Menfchen eine Höhe von
fünf Ellen und zwei Palmen ***) erreichen und hundertund⸗
- dreißig Sabre leben, dabei aber nicht altern, ſondern in den
beſten Jahren erben. Crates von Pergamus nennt die
Inder, welche über hundert Jahre alt werden, Gomn eten;
viele Andere nennen fie Macrobier [Langleber]. Eteſtas
Sagt, Ein Bolkeſtamm derfelben, welcher Pandore Heiße, -
wohne in Thälern, erreiche ein Wlter von zweihundert Jah⸗
ren, und habe in der Jugend weißes Haar, welches im
Alter fchwarz werde. 22. Dagegen gebe es andere, an die
Macrobiek gränzeride Lente, welche das vierzigfte Jahr nicht
Aberfchreiten, und deren Weiber nur einmal gebären. Aga⸗
tharchides erzählt Doffelde, und fügt hinzu, daß fie von
Henfhreden leben und fehr fchnell ſeyen. Clitarchus legt
ihten den Namen Mander bei, ebenfo Megafihenes , der
ihnen dreihundert Dörfer zutheilt. Ihre Weiber follen ſchon
im fiebenten Jahre gebären, 7) und mit dem vierzigften greis
werden. x
35. Artemidorus fast, daß die Bewohner der Inſel
*) Mol. B. xxix. K. 38. Man gebraucht noch jetzt dad
Vipernfleiſch in der Medizin als Mittel gegen bie Aus—
sehrung, gegen Hautausſchläge u. f. w.
“Bar. 8, IL 8. 76. $, 8.
”) Bine Elle befieht aus ſechs Palmen (Hanbbreiten), ein
Palmus aud vier Fingerdreiten (Zollen). Daß hier Un⸗
FR ee behauptet wird, braucht Pe bemerkt zu erden.
\ n beißen Gegenden kommen Beiſpiele iü 2
%
4
Giebentes Bu. | 785
probane Ach «eines fehr langen Lebens, unb zwar ohne
echheit des Körpers, erfreuen. Duris erzählt, daß manche
der fich mit Thieren begatten und dadurch Bafarbe und
Ihthiere_entfehen ; *) daß bei den Ealingern, ebenfalls
em Indiſchen Wolke, fünfjährige Weiber empfingen,, *%)
r nicht das achte Lebensjahr Üüberfchreiten, feruer daß an
er andern Gtelle Menſchen mit seinem zottigen Schwanze
oren werten, und daß Andere fid, mit ihren Ohren ganz
een können. ***) Bon den Indern trennt ber Bine
is die Driten. Diefe follen keine andere Speife kennen,
Fiſche, welche fie mit den Nägeln zerlegen, am der
ane dörren und auf diefe Weife Brod darans bereiten, +)
Elitarchus berichtet. rates von Pergamus erzählt,
die Troglodyten hinter Aethiopien fchneller, fayen , ats
rbe, ferner daß ein Theil der Aethiopen über acht Ellen
3 werde‘, und daß dieſer Volksſtamm den Namen Syr⸗
n führe +H
sehnjährigen Müttern vor, von fi ebenjährigen aber "nicht;
wie denn Alles, was Plinius hier sufammenfchreibt, theils
nur halbwahr, theils fſalſch iſt.
Die Begattung mit Thieren iſt eine in allen Ländern -vors
kommende Unnatärlichkeit, hat aber wohl nie eine Schwäns
gerung zur Folge. .
Diefe liebertreibung ber Alten grenzt an bas Lädyertiche,
) Fabeln, zu welchen wahrſcheinlich Affenarten Beraklaffung
‚gaben, und bem Cteſias entlehut find, Bergl. Photii Bibl.
cod. 73,
) ‚Die Bewohner unfruchtbarer Serküflen leben von Fiſchen,
bie fie auf mancherlei Axt gubereiten,
) Minis hat diefe Fabel ſchon ©. VI. K. 35, s. 12, vors .
getragen.
29 ⸗
8*
12
ns,
786 C. Plinius Naturgefchichte.
24. Zu den Vethiopifhen Nomaden , welche am Fluffe
Aſtragus nad Norden hin wohnen, gehört and) ber Volks⸗
ſtamm der. Menisminet, weldher zwanzig Tagreifen vom
Meere entfernt ift und von der Mit der Thiere, welche
wir Ennocephalen *) nenrien, leben. Sie weiden diefe in.
ganzen Heerden, und tödten alle Männchen, die nicht zur
Fortpflanzung nöthie find... 25. In den Einöden Afrika's
tauchen manchmal Menfchengebitbe auf, und verfhwinden im
demſelben Augenblide wieder. Diefes und Aehnliches vol:
brachte die finnreiche Natur an dem Menfchengefchlechte,
ſich zum Scherze, und aber zum Wunder, : Und wer wäre
vermögend,, Alles, was fie täglich, ja ſtündlich ſchafft, eins
zein aufzuzählen? Ihre Macht wirb wohl ſchon hinlänglich
dadurch offenbar, daß fie ganze Bölker in die Reihe der
Wunder ſtellte.
Wir ſchreiten nun zu dem wenigen Zuverläßigen, was
wir über den Menſchen wiſſen.
HI cin). 4. Daß Drillinge geboren werden, iſt darch
das Beiſpiel der Horatier and Curiatier **) erwieſen; mehr
Kinder auf einmal werden unter die Wunderzeichen gerech⸗
net, nur nicht in Aegypten, wo der Trank aus dem Ziufe
Nil fruchtbar macht. ***) Als in der neuften Seit, in dem
*) ‚Hunbeköpfe, Paviane.
ee) Bol, eins I, 2a ff.
”., Das Niltwarfer bat Feine geftuchtende ‚, wohl aber eine
ſtimulirende Kraft, wie neuere Reiſende verfidhern, Uebri⸗
/ gend brachten und. bringen bie Aegypterinnen nicht mehr
Kinder auf einmal zur Welt, als die. Weiber anderer .
Länder.
« . “.,
GSiebentes Bud). 787
sten Regierangsiahren des göttlichen Anguſtus, *) Fanſta
a Weib ads dem Volke, zu Dflia zwei männliche und
en fo viel weibliche Kinder auf einmal gebar, bedeutete eo
ine Zweifel Hungersnoth, welde daranf folgte. Man
eiß yon einer Fran im Peloponnes, die viermal Swillinge
bar, und der größte Theil dieſer Kinder blieb am Leben:
aß in Aegypten von einer Mutter auf einmal ficben Kir⸗
r geboren werben, erzählt Trogus. Es werden auch Mens
yen von beiderlei Geflecht [Imitter) geboren, welche wir
bt Dermapbroditen nennen und bie früher Audrogynen
Rannweiber] hießen; man beiradytete fie-fonft als Wun⸗
rzeichen, jest aber als Gegenflände der Ueppigkeit. "9%
2. Der große Pompejus brachte nuter den Berzierun-
n des Schaufpielhanfes auch die Bildniffe durch den Ruf
eitbetannt gewordener Perfonen an, welche zu diefem Zwecke
n großen Künſtlergenies fleißig gearbeitet wurben; dar⸗
ıter findet man Eutychis, welche von zwanzig Kindern anf
n Scheiterhaufen gelegt wurde, ***) und dreißigmal zu
ralles niedergekommen war. }) Alcippe gebar einen Ele⸗
*) Er ſtarb im J. 14 nad) Chr,
22) Was bie Römer Zwitter nannten, waren, wie man am
den Statuen ber Kermaphrobiten ſieht, weibliche Weſen
mit ungewöhnlich Tanger- Elitoris, weldye Abmormitäten
auch jeut vorkommen, aber wenig beachtet werben. Uebri⸗
gens war ber fonberbare Geſchmack an ſolchen Aphrobiten
auch in ber verberbtefien Zeit bes Nömifchen Voles nicht
- allgemein, Vol. Martial. Epigr. UI, 72.
., Jetzt würbe man fagen : welche zwanzig Kinder zu Grabe
geleiteten.
+) Beifpiele ſolcher Sruchtbarkeit find felten, Eommen aber -“-
!
ii
788 C. Plinius Raturgefhichte.
phauten, ) was jedoch ſchon au den Wunderzeichen gehört;
wie denn auch eine Magd zu Aufang des Marſiſchen Krieges
eine Schlange **) zur Welt hradyte. Die zur Welt kommen
den Mißgeburten find auf mannigfache Weife vernnflaltek.
Der Kaifer Claudius ſchreibt, daß in Thefſalien ein Hippo⸗
centaur * e) geboren worden, und an demfelben Zage geflor:
ben fey. Auch wär fahen unter der Megienung diefes Gängen
einen ſolchen, weldyer ihm aus Aeghpten in Honig T) zuge
führt wurde. Man kennt fogar ein Beiſpiel, daß ein neu⸗
geborenes Kind- fogleicy wieder in den Mutterleib zuräds
kehrte. Dieb geſchah zu Gagunt in: demfelben Jahre, als
diefe Stadt von Hannibal zerftört ward. ++)
(m. 3. Daß Weider in Mäuner verwandelt werden, +++)
*) Mißbilbungen bed Gerichts, welche durch Austrocknung bed
Dberkieferd entfiehen, wodurd bie Nafe über ben Mund
herabgezogen wird, und das Kind Aehnlichkeit mit bem
Thier bekommt, haben biefe und ähnliche Sagen veranlaßt.
”*, Unwahres Gericht, — Der Marfiihe Krieg (Bundeöges
wvoſſenkrieg) begann im 9. 91 vor Chr.
) pferdemenſch. Durch Vertrocknung bed Oberkiefers
Bann ber Kopf eines neugeborenen Pferbes einige (jeboch
' Immer nur entfernte) Aehnlichkeit mit einem Menfchen:
kopf erhatten.
+) Um ibn vor Verweſung zu bewahren. 8. XXII. 8, 50.
Phlegon von Tralles (De memorabil. c. 34.) beſchreibt
dieſe Mißgeburt weitlaͤufig.
++) Im J. 219 vor Ehr.
+44) Vielmehr verwandelt zu werden fcheinen. Manchmal
liegen die männlichen Geſchlechtstheile in ber Haut vers
ftedt, und kommen erfi fpäter zum Vorſchein. Bon
einer wirklichen Verwandlung kann bie Rede nicht feyn.
Siebentes Buch. 2239
ft keine Fabel. Wir finden in den Jahrbüchern, daß unter
em Conſulate des P. Licinius Crafſſus und C. Caſſius
onginus [171 vor Ehr.] zu Caſinum [Caſino] ein Madchen
unter den Augen feiner Eltern in einen Knaben verwandelt -
nd auf Befehl der. Wahrfager auf eine öde Infel gebracht
‚urde,. Licinius Mucianus erzählt, er habe zn Argos einen
ewiffen Arescon gefehen, der früher Arescuſa geheißen und
uch einen Mann gehabt, bei dem ſich aber bald Bart und
Raunheit gezeigt, und der dann ein Weib genommen habe;
ruer fen ihm zu Smyrna ein Knabe zu Geſicht gekommen,
elcher daſſelbe Schickſal gehabt habe. Ich felbft fah in
frita den 2. Coſſicius, einen Bürger von Thysdrus [et
ſchemme], welcher am Tage feiner Vermählung in einen
daun verwandelt worden war.
4. Bekannt iſt's, daß nach der Geburt von. Zwillingen
Iten der Wöchnerin und den Kindern, oder doch nur jener
er diefen, das Lehen erhalten wird; daß aber, wenn die
r Welt gebommenen Zwillinge zweierlei Geſchlechts find,
e Rettung beider, der Mutter und der Kinder, nod) fels
ner ift;®) daß die Mädchen fchneller geboren weyden **)
3 Die Knaben, wie fle denn and) fchneller altern; daß die
naben ſich häufiger im Mutterleibe bewegen, und daß fie
*) Scheint unrichtig zu,fenn. Wenigfiens iſt die Erhaltung
der Mutter fammt den Zwillingen nichts Seltenes, was
man vielleicht auch zum Theil den Fortfchritten der Ges
burtöhülfe ya hat.
..) unerwieſen / — * u⸗ ur Am
E. Plinius m SS 78 Bochn. uf
77
7% C. Plinius Naturgeſchichte.
faſt immer auf der rechten Seite getragen werden, Pie
Mädchen‘ aber auf der linken.
IV (v.) 4. Die übrigen Befchöpfe haben zum Gebären und
zum Tragen ber Frucht eine beflimmte Seit; *) der Menſch
wird das ganze Jahr hindurdy und nad) einem ungewilfen
Zeitraume, der eine im fiebenten Monate , der andere im
achten und fofort bis zum Anfange des zehnten und eilften
Monats, geboren. **) Kein Menſch ift vor dem flebenten
Monat lebensfähig; im flebenten werden nur folde geboren,
welche am Tage vor oder nad dem Bollmonde oder zur
Zeit des Neumondes empfangen find. » 0) Ian Aegypten
find Geburten im achten Monat gewöhnlich; and) in Ita⸗
lien find jetzt foihe Kinder lebenſfähig, obſchon Die Alten
das Gegentheil behaupten. 2. Uebrigens geſtalten ſich dieſe
Dinge auf mannigfaltige Weiſe. Beſtalia, des C. Herdi⸗
cius, ſpaͤter des Pomponius und dann des DOrfitus, dreier
fehr bekannten Bürger, Gemahlin, kam von Diefen mit vier
Kindern jedesmal im fiebenten Monat nieder, darauf gebar
fie im eitften den Gnilins Rufus und wieder ; im flebengen
den Corbulo, welche beide Conſuln +) waren, und dann im
*%), Kann nur von wilden Thieren behauptet werben; bie
Hausthiere werben auch zu jeber Zeit geboren.
*#) Ueber bie Iängfie Zeit ber Schwangerfchaft ift man noch
nicht im Reinen. Gewoͤhnlich nimmt man breihundert
Tage als die äußerfie Frift an.
53 Alter en m Ara
De Im Dinge vi a ” vor Chr. Cor⸗
” —ER iſt derſelbe. we J —X — K. 8.) als Seas
we a Herr Ned —* wurde.
N .
U We san NEL
Du
©
Giebentes Bud. 9
hten Eäfonia, die Gemahlin des Kaifers Elaudius. Alle
a den angegebenen Monaten Geborene ſchweben bid zum
ierzigften Tage in der größten Gefahr, die Schwangeren
ber im vierten und achten Monate, nnd in diefen And uns
eitige Geburten tödtlih. 3. Maſurius erzählt, daß der
\rätor 2. Papirins, obſchon ein Erbe des zweiten Grades
ach tem Gefepe feine Anſprüche geltend machte, dennod)
en Büterbeflb zu deflen Nachtheil einem Kinde, welches
ie Mutter dreischn Monate lang getragen zu haben bes
auptete, zufprach, weit ihm Leine beffimmte Zeit der Nies
erfunft feftsuftehen ſchien.
V nm). 41. Am zehnten Zage nad der Empfängniß
nd Kopffchhmerzen, Schwindel, Duukeln vor den Augen,
kel vor den Speifen und Aufſtoßen aus dem Magen An:
sichen eines entflandenen Menichen. Bine beffere Farbe
nd and) eine leichtere Niederkanft hat die mit einem Kna⸗
en Schwangere; die erfie Bewegung in ber Gebärmutter
ürt fie am vierzigfien Tage. Bei dem andern Geſchlecht
ndet von allem Dem das Begentheil ſtatt: die Bürde ift
erträglich, Schenkel und Weichen leiden an einem leichten
eſch wulſte, und die erfte Bewegung erfolgt am neunzigften
age. 2. Die meifte Mattigkeit ift bei beiden Geſchlechtern
hibar, wenn der Leibesfrucht das Haar keimt, und bei’'m
olfmonde, welche Zeit hanptiähli auch ſchon geborenen
indern gefährlich if, Gogar der Gang und überhaupt
led, was man nur nennen will, hat beieiner Schwangeren
nfluß. So betommen Die, weldye Hark gefalgene Speiſen
en, Kinder, denen die Nägel fehlen ; fo gebärenfie fchwerer,
\ 5 * R
..9 | Ä
792 C. Plinius Naturgeſchichte.
wenn fie dabei athmen; auch das Gähnen während der Ge⸗
burt iſt tödtlich, ſo wie das Nießen ſogleich nad) dem Beis
ſchlafe den Abgang der Leibesfrucht verurfacht. *)
vn). 3. Mit Mitleid und auch mit Schaam wird man
erfüllt, wenn man bedenkt, von welchen Sufällen die Ent⸗
ftehung des flolzeften der Befhöpfe abhängt, da häufig fogar
der durdy das Auslöſchen einer Lampe verurfadhte Geruch
den Abgang der Leibesfrucht bewirkt. Aus ſolchen Anfängen
entfliehen die Tyrannen,.ans folchen ber Henkergeiſt. Du,
der du auf Körperkraft pochft, du, der du nad) den Gaben
des Glücks gierig haſcheſt, und dich nicht nur als einen Pfleg⸗
fing, fondern als ein Kind deffelben betrachteft, du, beffen
Geiſt ſtets nur nad Blut dürfte, du, der du, von irgend
einem Erfolge aufgebläht, dic) ein Gott dünkft, du Ennnteft
durch einen fo geringfügigen Zufall zu Grunde gehen und
kannſt ed nody jept durch einen weit unbedeutenderen, von
dem winzigen Zahne einer Schlange verlept, oder, wie der
Dichter Unacreon, durch den Kern einer getrodneten Wein:
beere, oder, wie der Senator und Prätor Babins, durch ein
einziges Haar in einem Trunke Milch erflidt! Ja wahrlich
nur Der wird das Leben auf gerechter Wage wägen, der
ſtets ter menfchlihen Schwäche eingeben? ift.
VI CGeni). 4. Mit den Füßen zuerst zur Welt zu Toms
men, ift gegen die Natur, weßhalb man foldde Kinder auch
Agrippen, das heißt, ſchwer Gedorene, **) nannte, Go fol
*) Diefe Zufälle find möglich: Regel ift Feine,
**) Aegre parti. Die Herleitung bes Namens Agrippa vom
dieſen Worten wird Venigen genügen,
Siebentes Bud. - 793
. Agrippa *) geboren ſeyn, faft das einzige Beifpiel eines
tlichen unter fo vielen auf. diefe Weile Beborenen. »)
dauch er hat, wie man behanptet, durch ſtetes Leiden an
Süßen, durch eine elende Jugend, durch ein von Waf⸗
ärm und Todesgefahr gequältes Leben, durch fein nur
ı Unheil auefchlagendes Glück, durch feine ganze ber
It verderblihe Nachkommenſchaft, befonders aber durch
beiden Agrippinen, welche die Kaifer Cajus [Caligula]
ı Domitind Nero, ***) diefe zwei Beifeln des Menſchen⸗
hlechts, geboren, ferner durch ein Eurzes Leben, indem er
n im einumndvierzigften Jahre dahingerafft wurde , durch
ihm von feiner ehebrederifchen Gemahlin verurfachte
n und dur das hart drüdende Sklavenverhältniß zu
em Gchwiegervater die VBorbedeutung feiner verkehrten
urt erfüllt. 2. Auch Nero, welcher nody vor kurzer
: regierte und fi während feiner ganzen Regierung als
nd des Menfchengefchledts zeigte, wurde, wie feine
tter Agrippina fchreibt, mit den Züßen zuerft geboren.
ch dem gewöhnlichen Kaufe der Natur pflegt ‚der Menſch
dem Kopfe zuerſt geboren, und mit den Füßen zuerſt zu
ıbe getragen zu werden.
°y Der Schwiegerſohn Auguſrs.
») Die Geburtshülfe weiß Hier Rath zu ſwoßen.
) Die ältere Aarippina war bie Tochter Agrippa's von ſei⸗
ner zweiten Gemahlin, Julia, der ausſchweifenden Tochter
Auguſt's. Sie heirathete Germanicus und gebar ben Ca⸗
ligula. Die jüngere Agrippina war Caligula's Schwe⸗
ſter, heirathete den Senator Cnejus Domitius Ahenobar⸗
bus, gebar dieſem ben Domitius Nero, und warb fpäter
die vierte Gemahlin bed Kaiſers Claubius.
794 C. Plinius Raturgefchichte.
VIE ux). Mit einer weit glädlicheren Borbebeutuug
kommen Die zur Welt, bei deren Beburt die Mutter flirbt,
wie Scipio der Afrikaner der ältere und ber erſte der Gäs
- farn, welcher von dem in dem Leib feiner Mutter gemachten
Schnitte*) fo genannt wurde, ») woher auch die Eäfonen ***)
ihren Namen erhielten. Auf ähntiche Weile wurde Manis
lins +) geboren, welder mit dem Heere in Carthago eindrang.
VIII (x). Bopiscus Heißt ein Zwillingskind, ++) wel⸗
des, nachdem das andere durch eine Fehlgeburt zu Grunde
gegangen war, im Mutterltibe bis zur [gewöhnlichen] Zeit
der Geburt zurückblieb. Auch in diefer Beziehung weiß
mon fehr große, aber feltene Wunderdinge.
IX can. Außer dem Weide dulden wenige Thiere, wenn
fie traͤchtig ſind, die Begattung. Eines oder das andere
höchſtens wird überfruchtet. 4) Ans den Schriften der
Aerzte und Anderer, weiche ſich mit der Erforſchung ſolcher
Dinge befaßten, erhellt, daB durch eine Behlgeburt (dem
zwölf Leibesfrüchte abgingen. 1%) Wenn aber zwifden zwei
*) plinius fpricht vom Kaiſerſchnitte.
»**) GSäfar und Edfo, von cnedere, ſchneiden.
”., Wie der Conſul Caſo Fabius, im J. 481 vor Ehr.
+) Wahrſcheinlich Manius Manilind, wilder im J. 149
vor Chr, als der britte Punifche Krieg ausbrach, Eons
ful war,
++) Ein ſolches war der Hiſtoriker Flavius Vopiscus, welder
zur Beit des Kaiſers Diocletian lebte Man leitet das
Wort von orlow (orionos, Öxomioxog), zur (ber zus
rhdgeblieben ift), ab. Iſidor. Orig. IX, 5.
+tr) 3. 8. der Hafe, Vol. B. VIII. 8, 81. 5. 3,
+”) Uuy'in neueren Schriften findet man folde Beiſpiele,
Siebentee Bud. 796
Empfängniffen einige Seit verfloſſen iſt, ſo kommen beide
Früchte zur Reife. Sum Beweiſe dienen Hercules und fein
Bruder Iphicles ; jenes Weib, welches Zwillinge, von denen
er eine dem Maune und_der andere dem Ehebrecher glich,
ebar; ferner jene Proconneſiſche Magd, welche von einem
oppeiten Beifhlafe an einem und demfelben Zage eim
‚rem Herrn und ein deffen Verwalter ähnliches Kind, *)
) wie jene, welche eines zur gewöhnlichen Zeit und ein ans
eres von fünf Monaten zur Welt brachte, und endlich jene,
elche, nachdem fie ein Kind von fieben Monaten geboren
ıtte, in einem der folgenden Monate mit Swillingen nie
rfam.
x. 1. Allgemein bekannt iſt's, daß von Wohlgeftalteten
rüppel und von Krüppeln Wohlgeftaltete, aber auch an
:nfelben Theilen Erüppeitafte Kinder erzeugt werden, und
6 ſich manche Zeichen, Flecken und fogar Narben fort
langen. Der Daciſche Urfprung ift durch ein Mal am
rme noch im vierten Gliede bemerkbar. **)
*, Cine Fran zu CharledsTomn, in Eüibcarolina, gebar im
J. 1744 Swillinge, von benen ber eine weiß und ihrem
Manne ähnlich, der andere ſchwarz war und einem Ne:
gerfllaven ihres Mannes gli. Andere dem bier anges
führten entfprechende neuere Fälle von leberfruchtung
findet man in 8. 5, Burbad’s Phyſiologie, Bd. I.
(8eipg. 1826. 8.), S. 489—491.
*) Diefe Stelle ift dunkel, weil man nicht weiß, ob fich die
Dacier durch irgend ein Zeichen am Arme kemntlich mach⸗
ten. Vielleicht hat man „Deoiorum“ zu leſen, und es
wäre von ber Familie der Decier die Rebe; wie denn
auch fogleich von der Familie der Lepider geſprochen wirb:
v
796 C. Plinius Naturgefchichte.
au). Yu der Bamilie der Lepider wurden, wie wir
gehört haben, drei, jedoch nicht in ununterbrochener Reiben
folge, mit einem Belle anf dem Auge geboren. Mandhe
fehen dem Großvater aͤhnlich, von Swillingen oft ber eine
dem Vater und der andere der Mutter; WBefchwifter ,. von
denen eines ein Jahr ſpäter geboren ift als das aubere, gleis
chen fid) zuweilen wie Zwillinge. Mandye Weiber gebären
Kinder, die ihnen, andere, die ihrem Manne, andere, die
Beinen von Beiden ähnlich find, und nod, andere Mädchen,
die dem Bater, und Knaben, die ihnen gleiden. Ein unde—
zweifeltes Beifpiel liefert Nicäus, ein berühmter von By⸗
zantiam gebürtiger Fauſtkämpfer: feine Mutter war im
Ehebruche mit einem Wethiopier [Schwarzen] erzeugt, in
der Farbe jedoch durchaus nicht von andern Lenten verſchie⸗
den, in ihm aber war fein Aethiopiſcher Großvater wieder⸗
geboren.
2. Die Urſache der Aehnlichkeit tft in der Seele zu
fuchen, *) in welcher vieles Sufällige , Geſicht, Gehör, Er⸗
innerung und bei der Smpfängniß ſelbſt auffleigende Bilder,
mächtig wirken follen ; fogar eiu Gedanke, der plötzlich an
dem Geifle eines oder des anderen der ſich Begattenden
vorüberfliegt, foll Wehntichkeit oder Vermiſchung derfelben
besvorbringen. Deßhalb findet man andy bei dem Menfchen
mehr Berfchiedenheit, ald bei allen andern Thieren, weil die
*) Die milgetheilten Bemerkungen über die Aehnlichkeit bes
Gezeugten mit dem Erzengenden gehören nicht zu ben
ſchlechteſten ; höhere Anfichten der neueren Zeit findet man
in K. F. Burd ach's Phyfiologiee B. I, 6, 506547.
Siebentes Buch. 197
Hüdytigteit der Gedanken, die Schnelligkeit des Geiftes und
ie Beweglichkeit der Einbildungskraft mannigfaltige Eins
rüde zurüdlaffen, bei den übrigen lebenden Weſen aber der
Beift unbeweglich ift, und jedes allen und jedem feiner Gat⸗
ung gleiht. 3. Dem König Antiochns von Syrien war
in Mann ans dem Volke, Nanıens Urtemon, fo tänſchend
hulich, daß Laodice, ded Königs Gemahlin, nachdem fle den
lutiochus ermordet hatte, durch ihn den Betrug, durch
yeichen fie fidh dem Volke empfahl, und die Nachfolge im
er Herrſchaft verſicherte, fpielen ließ. *) Bibius, ebenfalls
n Mann aus dem Bolke, und Publicius, der fogar ein
eigelaffener Sklave war, glidhen dem großen Pompeins
ſehr, und hatten fo ganz fein biederes Untlis und feine
hrfurchtgebietende edle Stirne, daß fie faft niche von ihm
ı unterfheiden waren. Aus derfeiben Urfache erbielt and)
in Water, welcher fchon von der Geſtalt feiner Augen den
Jeinamen Gtrabo [der Gcielende] hatte, den Namen feis
es Koches Menogenes, weil diefer Sklave an bemfelben
eher kitt) nnd Geipio den Beinamen Gerapio von dem
enden Gllaven eines Schweinhändlers. *e) a. Ein fpäterer
©, Nachdem Laobice Antiochus den Großen ermordet hatte
(187 vor Chr.), legte fie den erwähnten Artemon (wel⸗
cher nad andern Nachrichten zur Eöniglichen Familie ges
hörte) in das Bett des Königs, ald ſey Diefer fchwer
erkrankt, und Tieß fich, nachdem das Volk berbeigerufen
morben war, von bem ben ſterbenden Antiochns fpielenden
Artemon ald Thronerben empfehlen BRBal,. Mar. IX, 14.
*®) Die lieberfegung folgt bei dieſer in allen KHanbfchriften
und Ausgaben verfchieden geftalteten Gtelle ber von 3.
798 ‚E. Plinius Naturgeſchichte.
Scipio aus derſelben Familie bekam den Beinamen Galüutio
von einem Schauſpieler, und die gleichzeitigen Conſuln Len⸗
tulus und Metelus [ım 3. 57 vor Ehr.] erbielten die Nas
men Spinther und Pamphilus von Schanfpielern zweiter nnd
Dritter Rollen, wobei nody ber nngelegene Zufall in’s Spiel
tam, daß man die Ehenbilder der beiden Conſulu zugleich
auf der Bühne erblidte. Umgekehrt gab der Rebuer 8
Plancus feinen Namen dem Gcaufpieler Rubrius.” Dage
gen erhielt wieder Eurio, *) der Bater, den Namen Burda
feine, uud der Genfor Meſſala *°) den. Namen Mendgenes
von Scaufpielern. 5. Dem Procanful Sura war ein Fi
fer in Sicilien nicht nur in der Geſichtsbilduyg, fonbern
auch im Mundanfiperren bei'm Reden, in der Gchwerfällig
keit der Zunge und in der flotternden Sprache aͤhnlich. Dem
Bafiins Severus, ***) einem berühniten Reduer, warf man
feine Achntichkeit mit dem Viehhirten Mirmillo vor. Der
Sblavbenhaändler Toranins verkaufte dem Antonius, als er
ſchon Zriumpir war, +) zwei ausgezeichnet ſchöne Knaben,
von denen, ber eine in Aſien und ber andere jenfeits der
Alpen geboren war, als Zwillinge ; fo vollkommen faben fe
Sillig in feiner Recognition bed Plinind (1832) ange
nommenen Lesart,
*) Der Vater bed Volkstribuns C. Seribonius Curio, wel⸗
cher ein eifriger Anhänger Caſar's war, und am Cicero
mehrere Briefe (Ad Divers. II, 1-7.) ſchrieb.
”, Im J. 61 v. Chr. Conſul.
ee) Bol. die Benggkungen über die in dieſem Buche benfigten
Quellen,
DH Das Triumvirat des Octavius, M. Antonius und Lepi⸗
gann im J. 38 vor kbr.
4
Siebentes Buch, ‘ 799
ch einander gleih. 6. Als man nachher durch die Gprache
er Knaben den Betrug enttedte, und er von dem wüthen-
m Antonius, ber fid) unter auderu über. den hohen Preis
r hatte ſie nämlih um zweipundertfaufend Geftertien
9,098 Bulden] erhandelt) beklagte, angefahren wurbe, ers
iederte der geiftesgewandte Sklavenhändler, daß er Te ihm
rade deßhalb fo theuer verkauft habe, weil die Aehnlichkeit
difdyen zwei in demfelben Mutterleibe Getragenen nichts
Wunderbares, daß aber der Fund ſolcher Kinder, die ver⸗
ſiedenen Völkern angehören und fih doch fo volllommen
miich fehen, über alle Preisbeflimmung erhaben fey. Das
wc) erregte er gerade. zur rechten Zeit eine ſolche Bewun⸗
rung , daß Jener mit der Achterklärung nie zögernde
tann, der noch vor einem Augenblicke über den ihm ange:
gten Schimpf müthete, fortan unter allen feinen Glücks⸗
itern Beines in höherem Werthe bielk.
XI (am). 41. Mandye Körper haben auch eine gang
fondere gegenfeitine Abneigung, nnd Leute, die miteinans
r unfruchtbar ſind, erzeugen Kinder, wenn fie fi mit
dern verbinden, "wie Anguftus und Livia.*) Eben fo
jeugen manche Gatten nur Mäddyen, andere nur Knaben;
eiſt aber wechſeln fie ab. So wechſelte die Mutter ber
racchen **) zwölfmal, und Agrippina , die Gemablin des _
*), Yugufius und Livia erzeugten keine Kinder miteinander,
da doch Auguſtus mit feiner erſten Gemahlin, Seribonia,
eine Tochter (Julia) und Livia mit ihrem erſten Gemahl,
Ziberius Nero, zwei Söhne (Tiberins und Drufas) hatte,
+) Die bekannte Eornelia.
a
800 C. Plinius Naturgeſchichte.
Germanicus, nennmal, ä) Manche find unfruchtbar in der
Jugend, Andere haben in ihrem Leben nur einmal das
Glück zn gebären. Mauche tragen nie eine Frucht aus, und
wird Dieb mandymal durdy Arznei und Sorgfalt bewirkt,
ſo bringen fie faſt immer Mädchen zur Welt.
. Der göttliche Auguſtus (um gerade Diefen von ben
andern feltenen Beifpielen anzuführen) fah einen Enkel feis
ner Enkelin, der in demfelben Jahre, wo ex farb [14 nad
Epr.], zur Welt kam, den M. Silanus nämlich, weldyer,
. ald er nach feinem Eonfulat [55 nad) Epr.] Aſien verwal⸗
\
tete, nach der Thronbefteigung bes Kaifers Nero [54 nad
Ehr.] und anf deffen Geheiß durch Gift getödtet wurde. *%
Q. Metellus, der Macedonifche, ***) hatte ſechs Kinder und
bintertich eitf Enkel, an Gchwiegertöchtern und Schwieger⸗
föhnen aber, fo wie überhaupt an foldyen, die ihn mit dem
Namen Bater begrüßten, fiebenundzwanzig. In den Fahr
büchern aus der Seit des göttlichen‘ Auguſtus findet man,
daß unter feinem zwölften Bonfulate Lim J. 5 vor Ehr.J,
in weldyem er Lacius Sylla zum Collegen hatte, am dritten
Zage der Idus [Leilften Tage] des April C. Erispus Hila⸗
zus aus einer freigeborenen Plehbejer⸗Familie zu Yäfutä
[Biefote] mit neun Kindern (worunter zwei Töchter waren),
achtundzwanzig Enkelin, neunundzwanzig Urenkeln nnd acht
*) Bol. Sueton, Vit. Caligul. cap.
**), Nach Tacitus (Annal.' Xımı, 1.) —— dieſes Verbrechen
der Agrippina, Mutter Nero’s, zur Lafl.
***) Er erhielt diefen Namen , nachdem er ben dritten Mace⸗
donifhen Krieg glüdlih zu Ende gebracht Hatte (140
vos, Ehr.). Dal, Florus II, 14,
GSiebentes Bud). | . 804
elinnen einen feierlichen Aufzug gehalten und boun mit
ı auf dem Kapitol geopfert habe. .
XxII av). Das Weib gebiert nicht mehr nad) dem
zigften Jahre, und bei der Mehrzahl. hört ſchon im viers ,
en Jahre der die Sengungsfähigkeit beurkundende Auss
auf.) Was den Mann betrifft, ») fo iſt befannt,
der König Maffinifla ***) nad) feinem ſechsundachtzigſten
re noch einen Sohn erzeugte, welchen er Methymathuus
ıte, und daß der Cenſor Cato +) in feinem achtzigften
re ebenfalls noch einen von der Tochter feines Schutzge⸗
n Salonidd befam. Deßhalb heißen and) die Nach⸗
men feiner andern Kinder Licinianer, bie feines lebten
nes aber Solonianer, zu denen auch der Uticenſer ++)
rt. Bor nicht langer Seit wurde befanntlich audı dem
Boluflus Saturninus, weicher als Präfekt der Stadt
ı ftarb, nach feinem zweiundſechzigſten Jahre 747) von
) Die Menſtruation erliſcht gewöhnlich gegen das Ende der
vierziger Jahre; fünfzigjährige Frauen werben als un⸗
fewchtbar betrachtet. Doc hat man Beiſpiele, daß Wei⸗
ber noch fpäter menfiruirten und Kinder bekamen,
) Die Zeugungskraft bed Mannes erlifcht in der Negel um
das fiehenzigfie Jahr. Doc find Beiſpiele fpäterer Beus -
gungsfähigkeit nicht außerordentlich felten.
) Bon Numidien, der bekannte Römerfreund,
) Gewöhnlich Eato_der ältere, gertannt (214—148 v, Ehr.).
) So genannt, weil er fi) nach der Niederlage. der republis
kaniſchen Partei durch Cäͤſar's Macht zu utica freiwillig
den Tod gab (46 vor, Ehr.).
) Der Mann muß um diefe Zeit noch Präftig heweſen ſeyn,
da, er ein Alter von dreiundneunzis Jahren erreichte.
dit. Ann. XHI, 30,
—RX ande“ we \son Yo
- 802 €. Plinius Naturgeſchichte.
Eornelia, ausder Familie der Scipionen, Bolufius Gaturni⸗
nus, der fpäter [56 nad Shr.] Eonful wurde, geboren. Und
fo findet man häufig bei Leuten aus den niederen Gtänden
„eine bis zum fünfandfiebenzigften Jahre fortdauernde Zeu⸗
” gungsfähigteit.'
xHI (cv). 4. Das einzige Thier, bei welchem ſich ber
Monatfluß zeigt, ift das Weib; *) deßhalb finder man auch
nur in feiner Gebärmutter, die fogenannten Mondkälber. **)
@in ſolches Mondkalb ift ein unförmlicher, lebloſer Fleiſch⸗
klumpen, welcher dem Stiche und Schnitte des Eiſens wider⸗
ſteht. +9), Es bewegt ſich nad unterdrückt den Monatfiuß:
entweder wird es wie eine wirkliche Leibesfrucht geboren
und Tann den Tod verurſachen; oder ed altert mit dem
Weide; zumellen geht ed auch bei einem heftigeren Durd«
falle ab. Etwas Wehnliches, wad man Scirrhos F) nennt,
entfteht in dem Leibe der Dfünner, wie zum Beifpiel bei
dem ehemaligen Präter Oppius Capito. 3. Nicht leicht
mag man wohl Etwas finden, was fo feltfame Wirkungen 14)
*, Bei den Affenweibchen des alten Continents findet man
eine ähnliche Erfheinung. Der Biutabgang iſt aber wicht
fo ſtark und nicht fo regelmäßig.
*) Mola (Mondkalb, Ufterbiirde) nennt man eine faliche
Frucht, die nicht Lebendfähig iſt, und auch felten Gpuren
von menfchlicher Bsftalt zeigt Sie bewirkt jeboch manche
Zufaͤlle, die nicht felten mit der wirklichen Schwangerfhaft
große Aehnlichkeit haben.
*., Unwahre Behauptung.
+) WBerbärtete Geſchwulſt; eine foldhe Bann aber mit einem
Mondkalbe wicht verglichen werden. J 9
+3) Gie beſtehen nur in ber einblidun⸗ der Alten. auf
ind anafina he Inn
Siebentes Bud. 803
bervorbringt, als der Monatfiuß der Weiber. Der oft,
bem fie in-diefem Zuftande zu nahe kommen, wird ſauer;
bie von ihnen berührten Fruchtkörner Leimen nit mehr;
vie Seplinge fterben ab ; die Gartenpflanzen verborren und
vie Früchte der Bäume, an welche fie ſich ſetzen, fallen ab;
er Glanz' der Spiegel wird ſchon durch ihr Hiutinbtidden
natt ; das Eiſen vertiert feine Schärfe und das Elfenbein
eine Weiße; die Bienenftöde fterben and; Erz fogar nnd
Sifen werben fogleih vom Roſte angegriffen und nehmen
inen widrigen Geruch an; Hunde, weldye von diefem Blute
ecken, werden wüthend und ihrem Biſſe wird dadurch eitı
inheilbares Gift mitgetheilt. 3. Ja fogar das ih von
Ratur gern anhängende und zähe Pech, welches zu einer
‚eftimmten Seit des Jahres auf dem Gee Yudäa’s, welder
er Asphaltſee Heißt, herumſchwimmt, Bann, da es fi an
Alles, womit man es berührt, feſtklebt, une durch einen
nit folder Jauche geiräntten Baden voneinandergeriffen
verden. *) Auch tie Ameife, dieſes fo winzige Thierchen,
ol den Mongifluß wittern, die Sruchtkörner, welche es
rade trägt, hinwegwerfen und fie nie wieder holen. Und
iefes fo arge nnd fo große Uebel tritt bei dem Weibe alle
reißig Tage und immer im dritten: Monate flärker **) ein.
. Bei. Mauchen tritt ed jedoch öfter in einem Monate, fo
sie bei Mauchen' gar nicht ein; die Lepteren befommen'
ber feine Kinder. Denn dieſes Blut ift der Stoff zur Er⸗
°) es if wohl unndthig , das bier über bad Pech Mitge:
theilte als Unfinn der Alten zu bezeichnen. -
©), Unwahre Behauptung,
)
0 €. Plinius Naturgefichte.
zeuguug des Menſchen, indem es durch den Gaumen des
Mannes wie durch ein Lab gerinnt, und im Laufe der Zeit
Leben und Geſtalt erhält. % Wenn alfo Schwangere den
Monatfluß behalten ‚2 ſo gebären fie, wie Nigidins fagt,
ſchwaͤchliche, oder nicht Icbensfähige, ober von bölen Säften
ſtrotzende Kinder.
(sv). Derfelbe glaubt auch, daß Die Milch einer Fran,
weldye ihr Kind fillt, nicht verdorben werde,. wenn fie von
demfelden Manne ’*) wieder empfängt.
- XIV. Sowohl bei dem Beginne ald auch bei dem Auf⸗
hören dieſes Zuſtandes ***) ſoll die Empfängniß am leich⸗
teſten ſeyn. Ein ſicheres Zeichen der Fruchtbarkeit eines
Weibes ſoll, wie wir gehört haben, ſeyn, wenn eine Arznei,
mit der man ihre Augen beftreicht, fid) bem Speichel mit
theilt. 7)
*), Eine Zengungstbeorie , die nicht viel beſſer und wicht viel
ſchlechter iſt, als mande neuere. Daß aber das Mens
ſtrualblut nicht Erzeugungsſtoff if, fondern nur zur Nah⸗
‚zung ber Frucht dient, wird jegt angenommen,
= Ob fie von demſelben Manne oder von einem anderen
fhwanger wird, ift wohl Yleichgältig, Daß aber bas
Ernähren bed Säuglinge und der Leibesfrudht zugleich
ſowohl biefen, als ber Mutter nachtheilig ſeyn muß, be⸗
"darf Feines Beweiſes.
”.., Dies Monatfluſſes. Ob bei dem Anfang befielben bie
: Empfängnis leichter iſt, laͤßt fi nicht behaupten. Das
aber unmittelbar: nady ber Menſtrnation bie Weiber am
Veichtefien empfangen, ift befannt.
Diefer Aberglaube war im Alterthum fo fehr verbreitet,
daß ſich die Weiber felbft die Augen mit irgend einer
farbigen Salbe (gewöhnlich mit Safran) beſtrichen, um
+
—
Giebentes Bub. 886
XV. 4. Meiter unterliegt es keinem Zweifel, daß ben
Rindern die erſten Sähne im flebenten Monate *) hervor⸗
ommen, und zwar gewöhnlich zuerſt die oberen; daß diefe
m flebenten Jahre ausfallen und andere nahfchieben, und
aß Mauche auch mit Zähnen geboren **) werden, wie
MNanius Enrius, der deßhalb den Beinamen Dentatus [der
nit Zähnen Geborene] erhielt, und En. Papirius Carbo,
Zeide berühmte Männer. ***) 2. Bei den Mädchen hielt
aan diefe Erfheinung für eine üble Vorbedeutung, wie ein
Zeifpiel aus den Breiten der Könige beweist. Als Baleria
» geboren wurde, verfündete der Ausſpruch der Wahrfager,
aß fle der Stadt, wohin man fie bringe, zum Verderben
ereichen würde. Man führte fie nach Guefle Pomekia,
iner damals höchſt blühenden Stadt, +) und.der vorausge⸗
ıgte Untergang derſelben erfolgte. Manche Mädchen wer⸗
en mit zugewachfenen Geburtötheilen. + geboren; aud)
nachher am dem gefärbten oder nicht gefärbten Speichel,
zw ſehen, 0b fie fruchtbar fenen oder nicht. Vgl. Ari-
: stotel. de Gener. Anim. Il, 7. Hippocrat. de mat,
Mulier. 0. 94. En
. ·Pom sechsten bi8 zum achten Monate!
22) Auch An der neueren Zeit fehlt es nicht an Beifpielen.
Wir nennen Ludwig XIV., welcher mit den beiden oberen '
Schneidezähnen geboren war.
* *) M. Eurius war im J. 290 vor Chr, Eonſul; Papirius
Carbo, weicher eine Schlacht gegen bie Cimbern verlor, 113,
7) Im Latium, wahrfdeinlih an der Stelle ded heutigen
Torre Petrara ; fie wurde von Tarquinius Superbuserobert,
+7) Diefer Fehler (hymen imperforatus) wird bei der erfien '
Menftruation leicht durch chirurgifche, Hfilfe gehoben,
E. Plinius Naturgeſch. 726 Bichn. 6
806. C. Plinins Naturgeſchiche.
Dieſes ig von unglücklicher Borbedenfung, wie Cornelia, *)
die Mutter der Sracchen, beweist. Manche haben ſtatt
der Zähne einen, 'zufammenhängenden Knochen: **) die
obere Kinnlade des Sohnes des Königs Pruflas von Bithy⸗
nien war fo gebildet.
3. Die Zähne allein widerfiehen dem euer umd ver
brennen nicht ***) :mit dem übrigen Körper ; obfchon fie
aber in der Flamme unverfehrt bleiben, ſo werben fie doch
durch die Jauche des Schleimes: ausgehöhlt. Weiße erhalten
fie durd) ein, gewiſſes Arzneimittel... Durch den Gebraud)
nügen fie fi ab, und bei Manchen find fie das Erſte, was
zu Brunde geht. Se find nicht nur zum Effen und zur
Nahrung nöthig, fondern. die Vorderzähne lenken aud)
Stimme, und Rede, indem fie auf eine gleichmäßige Weile
den Stoß der Zunge auffangen, und fowohl durch Die Ord⸗
nung ihres Baues, als auch durch ihre Größe die Töne
drehen, abfcdhleifen und dämpfen; fehlen fle, fo ift auch alle
Dentliqhkeit der Ausſprache dahin.
4. Auch an ihnen glaubt man Vorbedentnngen wahr⸗
zunehmen. Man, findet gewöhnlich (mit Ausnahme. bes
*) Gie erlebte die Ermordung ihrer Söhne Tiberius und
Cajus Gracchus.
**%, Mauchmal bilden zwei ober drei Bähne eine zuſammen-⸗
hängende Maſſe; daß aber alle Zähne zu einem Knochen
zuſammenwachſen, darf man bezweifeln.
9), Die Zähne mwiberfiehen durch ihren Schmelz; länger als
die Übrigen Knochen dem ‚Teuer, werden aber dach von
bemfelben aud) verzehrt,
Eiebentes Bud. 807
kes der Turbüler) *) zwetunddreißig Zähne bei dem
aue: wer deren mehr hat, ſoll ſich gine laͤngere Lebens⸗
verſprechen können. Bei dem Weibe findet man eine
tgere Anzahl. **) Wer. auf der rechten Geite der oberen
nlade zwei fogenannte Hundezähne befommt, darf auf
Gunſt ded Glüuͤcks rechnen‘, wie man an Xgrippine,
»'s Mutter, erficht; wer fie aber auf der linken Seite
Bann auf dad Begentheil gefaßt feyn. Einen Menfeen,-
noch Feine Zähne hat, zu verbrennen, ift gegen bie
e aller Völker. Doch Davon weiterhin mehr, wenn die
hichte fi mehr mit dem Einzelnen befaßt. ***)
5. Sorvafter T) foll, wie man erzähle, der einzige
iſch geweſen ſeyn, weicher an demfelben Tage, wo er
ren wurde, lachte ; auch foll fein Gehirn fo geichlagen
n, daß es die aufgelegte Hand zurückſtieß, eine Vorbe⸗
ung feiner künftigen Weisheit. -
XVI. 4. Daß Jeder in feinem dritten Lebensjahre die
te feiner künftigen Größe erreicht habe, ift gewiß; ++)
» Sn Spanien. Die Wahrheit der Ausnahme verblirgt
Niemand.
Das Weib bat gerade fo viele Zähne als der Mann, obs
fhon Manchen die vier Iegten Zähne (bie fogenannten
MWeieheitäzähne) fehlen, was auch bei Männern der Fall ift.
ı Wal. 8. Xxviu Kay. 9. 11.
Der Berfaffer des Zend Aveſta, de? Wieberherftieller des
Senerbieufies und ber Religion ber Magier; er wurde,
sach der gewöhnlichen Annahme im 5. 589 vor Chr.
geboren. -
Dieſe Ragel ſteht nicht fo ganz ſeſt.
ersten ar — —8 Int —E
rt a Kan an Ca nee
—
—
Fı:
808 €. Plinius Naturgeſchichte.
im Allgemeinen bemertt man aber, daß fie bei dem ganzen
Menſchengeſchlechte, abuehme, indem die Söhne felten größer
feyen als die Väter, da der Einfluß der Verbrenuungsperiode,
der fich unfere Seit nähert, die Fruchtbarkeit des Gaamens
vermindert. *) Auf Greta fand man in einem durch ein
Erdbeben geborftenen Berge einen Körper, ber aufrecht ſte⸗
hend fecheundvierzig Ellen maß nnd den Einige für den des
Drion, Andere für den des Otus *") hielten. Der Körper
des Dreftes, welcher auf Befehl des Orakels wieder aus
gegraben wurde, T”) war, wenn man Ueberlieferungen
Glauben fchenten will, fieben Ellen groß. 9 2. Schon vor
faft tanſend Fahren Elagte der Dichter Homer - fortwährend,
daß die Menfchen viel winziger feyen, als in älterer Zeit.
Die Größe des Nävius Pollio geben die Jahrbücher nicht
an; da er aber durch ben Sudrang des Volkes beinahe er
drüdt uqurbe, fo muß fie an das Wunderbare gegrenst ba
ben. +H) Den längften Menfchen fah unfere Seit unter der
Regierung des göttlichen Clandins; er führte den Namen
Gabbara, war and‘ Arabien gebradit morden und maß
*) Nach ber Anficht alter Aftronomen und Philoſophen wird
die Erde durch Feuer Wagen Plinius hielt dieſe Zeit
für nicht ſehr ſern. Val. II. K. 10. 5. 1.
»e) Orion und Otus find faberhafte Niefen,
*.., Bol, Kerobot, I, 68. A, Gellius, N. A. IH, 40.
+) Wie diefe Nänrichten von —— Rieſenrs wern be⸗
ruhen auf einem Irrthume, indem das in der Oſteologie
unerfahrene Alterthum die ſoſſilen Knochen von Elephau⸗
ten, Maſtodonten und Wallfiſchen für Menſchenknochen hielt.
74) Er fol einen Fuß größer, als die größten Menſchen ſer
ner Zeit 2 ſeyn. Columella d rast. TU,
ua va Sl Ray ap
*.5 wieher all Pi
Ä Siebentes Buch. 809
Fuß und eben fo viele Zolle. *) Unter dem göttlichen
aftns lebten zwei Leute, die noch um einen halben Fuß
er waren, und.deren Körper der Seltſamkeit wegen in
Bruft der Salinftianifchen Gärten aufbewahrt warden.
hießen Poſio und GSecundilla.
5. Der kleinſte Mann zur Zeit des nänticheh Fürken
Canopus; 3z er maß zwei Fuß. und eine Handbreite, **)
gehörte zu den Lieblingsgegenftänden Julia's, der En⸗
des Kaiſers. -Diefelbe Größe hatte ein Weib, welches
someba’ hieß, und eine Breigelaffene der Julia Auguſta
M. Barro erzählt, daß die Römiſchen Ritter Manins
'imus und M. Tullius nur zwei Ellen ***%) groß ger
n fepen, und wir feibft fahen fie in ihren Särgen. Daß
je Kinder bei ihrer Geburt eine. Größe von anderthalb
‚ and manchmal nody mehr haben, und daß diefe fchon
witten Jahre ihr Leben beſchieten, h iſt eine nicht un⸗
unte Sache.
) Auch in der neueren Zeit gibt ‚e8 ungewoͤhnlich lange
Körper. Doc, Überfiieg felten einer das Maag von fieben
Parifer Sup. Da der Römifche Fuß Eleiner ift, fo mag im
biefer Beziehung zmifchen der älteren und neueren Zeit
feine fehr große Werfchiedenheit obwalten.
Auch die neuere Zeit liefert Beifpiele folder Zwerge.
Nicolaus Ferri, gemwöhnlid, Bebe genaunt, welder im
J. 1764 zu Nancy farb, wurde nicht größer ald ein
vierjähriges Kind In feinem fechöten Jahre war er
fünfzehn Bolt groß. Ein Holzſchuh hatte ihm zur Wiege
gedient.
Die alte Elle (enbitus) war kleiner als bie nenere, und
maß etwa 17 —
) Unerwie N N
— 18 — W —“
Nur
Nuss
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530 €, Plinius Naturgeſchichte.
XxVII. 1. Wir finden in ſchriftlichen Ueberlieferungen.
daß auf Salamis der Sohn des Euthymenes in feinem drit⸗
ten Fahre ſchon eine Größe von drei Ellen; aber einen lang:
fomen Bang und einen ſchwachen Berſtand gehabt habe,
und daß ex, nach feiner ſtarken Stimme zu urtheilen, ſdon
mannbarfgewefen fen, als er nad) Zurücklegung feines drite
ten Lebersjahres ſtarb. Wir felbft fohen vor geraumer Zeit
faft alles Diefee, die Maunbardeit ausgenommen, an eine
Sohne des Römischen Ritters Cornelius Tacitus, *) welhe
die Gtaatögefälle im Belgifhen Gallien verwaltete. DE
Griechen nennen ſolche Kinder ’Exrodrrelo [vom Gemöbali
hen Abweichende]; . in Latium baden fie keinen befonderts
Namen.
av). 2. Man hat die Beerbachtung gemacht, daß de
Größe des Menſchen von der Fußfohle bis zum Schritel
dem Raume zwifchen den beidın längſten Singern, wenn «
die Arme ausſtreckt, gleich iſt; ferner, daß die meiſte Kraft
der rechten Seite einwohnt ; daß diefe jedoch bei Mandın
‘auf’ beiden Geiten gieich vertheilt if, und bei @inigen
bauptfählich in ter linken Haud liegt, daß aber Dieſes pie
bei den Weibern der Ball iſt; .
XVIII. 41. daß die Männer mehr wiege Lats die
die Beiber], fo wie auch die. Körper aller Thiere, wenn fe
todt find, als die Icbendigen, und die fchlafenden mehr ad
°) zaten ded berühmten Hiſtorikeré. Bal. die Einleituss⸗
17,
* Diefe Andnahme kann bei dem’ einen Weſchlechte ſtait⸗
ee
GSiebentes Buch. 811
wachenden; daß die Leichname der Männer auf dem
ten ſchwimmen, die der Weiber aber auf dem' Gefichte, *)
wolle die Natur die Schaam des Weibes auch noch nach
en Tode achten.
(av) ‚2. Bir haben erfahren, daß auch Menſchen
durchans feſten Knochen ohne Mark leben, **) und daß
n fle daran erkenne, daß fie. Leinen Durk fühlen und
ve ſchwißen. Wir willen freilich, daß man auch mit fe⸗
a Willen den Durft überwinden könne, und daß der
miſche Nitter Julius Biator von dem verbünbeten Volke
Bocontier, welchen, als er in feinen Knabenjabren au
Hautwoferfuct litt, alles Naſſe von den Aerzten vers
en wurde, Dit Gewohnheit zur andern Natur gemacht
im Alter. des Trankes entbehrt habe. au Andere
en fid) ‚iu Bielem ſelbſt beherrſcht. |
(m. 3. Eraffas, der @roßyater des im Wartberlande
ſordeten Craſſus, ***) foll nie gelacht und deßhalb Age⸗
as [der Nichtlacher] geheißen haben. Go füllen auch
fe nie geweint haben, und den durch feine Weisheit bes
mten Gotrates will mau ſtets mit demfelden Geſichts⸗
Drude und nie mit einem ſroblicheren oder beträßferen
—e
» Falſche Behauptung, Männliche und weibliche Leichname,
weiche, wenn fie ſich aufzulöfen anfangen, auf dem Waſſer
fchwimmen, machen in ihrer Sage Beinen Unterfchieb,
>) Plinius behauptet eine Unmdglichkeit.
»3 Welcher mit Efar und Pompejus Triumvir war, und
von den Parthern, gegen welche er aus Gelbgier einen
ne unternaben 4 geſchlagen un getödtet wurde (53
vor r.).
⸗
812 €. Plinius Naturgeſchichte.
geſehen haben. Solcher Gleichmuth ſchlaͤgt manchmab in eine
gewiſſe Härte und in ſchroffen, unbeugfamen Charaktertrotz
um, und hebt alle menſchlichen Gemüthdbewegungen anf.
Die Griechen nennen ſolche Leute anadeis [leidenfchaftlofe};
es gab deren viele unter ihnen, und dazu gehören, was
wunderfam ift, gerabe bie größten Männer in der Well:
weisheit , wie Diogenes der Eyniter, Pyrrhon, Heraclitus
und Timon, welcher Leptere es fogar bis. zum Haſſe bei
ganzen Menſchengeſchlechtes brachte. Aber and) verfihiedene
geringfügige Auszeichnungen der Natur bemerkte man au
Bielen. So foll Antonia, die Gemahlin des Druſus, vie
audgefpieen, und der Dichter und frühere Eonful Yampe
nins ) nie gerülpst haben. Man nennt foldie Menſchen
mit durdjaus feſten Knochen, die übrigens höchſt felten Aud,
Hörnerne (coraei).
XIX ax). 1. Daß Tritanuns, ein in der Sammnitifchen
Waffengattung **) berühmter Bechter von ſchmächtigem Kör⸗
per, aber von ausnehmender Kraft, und fein Sohn, welcher
unter dem großen Pompejns diente, am ganzen Leibe, ſogar
an den Armen und Händen, längs und quer mit Sehnen,
wie mit einem Bitter, bededt waren, erzählt Barrp unter
feinen Beifpielen wunderbarer Kraft, und fügt noch hinzu,
daß der Letztere einen Feind, der ſich zum Sweilampfe ftellte,
mit unbewaffneter Rechten und mit einem Finger befiegte,
ihn dann ergriff und ine Lager truͤg. 2. Binnius Valens
*) Deffen Leben Plinins beſchrieb. Wal. die Einl., ©, 33.
*) Livius (IX, 40.) beſchreibt ausführlih Die Samnitiſche
° —
U Siebentes Bud. - 813
er, welcher als Centurio in der Leibwache des göttlichen
iguſtus diente, pflegte Wagen, die mit Schlaͤuchen beladen
ıren, fo lange, bis man dieſe ansgelcert hatte, in die Höhe
halten, Kutfdjen zu ergreifeit, nnd indem ex ſich dem
ch der andern Geite Hin zichenden Scham? entgegen⸗
mmte, mit einer Hand zurückzuhalten und andere Wun⸗
edinge zu verrichten, die auf feinem Denkmale eingehauen
dv. Bafins hob feinen &fel iu Die Höhe, und wurde deß⸗
Id, wie M. Varro fagt; der Bauernherkules genannt;
alvius trug zweihundertpfünbige Gewichte an den Süßen,
m fo viele an den Händen und zwei zweihunbertpfünbige
f den Schultern eine Leiter hinauf, 3. Auch wir fahen
en gewiffen Athanatus Erfkaunliches zeigen, und. mit einem.
ıfhundertpfündigen Harnifdy. angethan, und mit fünfhun⸗
-tpfündigen Cothurnen beſhuht, auf der Bühne einhergehen.
m Athleten E. Milbebrachte Niemand, wenn er feſtſtand,
n der Gtefle, und Niemand bag ihm, wenn er einen
rel in der Hand hielt, einen Finger gerade. -' -
IX. Daß Philippides die eilfhundert nnd vierzig Sta⸗
n [28% M.] detragende Strecke von Athen nad) Lacedäs
m in zwei_ Tagen durchlaufen hatte, hielt man für etwas
:oßes, bier Lacedaͤmoniſche Länfer Anyſtis, und Philos
ed, 7) der Läufer Nieranders des Großen, den zwölfhun-
t Stadien [30-M.] beiragenden Weg von Sicyon nad)
is in einem Zage liefen. Wir willen, daß auch jetzt
anche im Circus 460,000 Schritte [32 M.] weit aushalten,
d daß neulich unter dem Conſulate des Bontejus und
*) Bol, 8. II. Kap. 73, 5, 2,
he
814 €. Plinins Naturgeſchichte.
Bipfanius [59 nad) Chr.] ein achtjähriger Knabe von Mit⸗
tag bis Abend 75,000 Echriite [15 M.] weit lief. Man
wirb das Wunderbare dieſer Sache erſt recht vollkommen
begreifen, wenn man. bedenkt, daß Tiberius Nero die in
einem ige und einer Nacht mögliche weiteſte Reife mit
dreimal‘ gewechfelten Pferben ‚surüdiegte, ald er nad) Ber:
manien’ zu feinem Franken Bender Druſus eilte: *) Der
Weg betrug 200,000 Schritte [a0 M.].
XXI (x). Am meiften überfieigen jedoch die Beifpiele,
weiche fi von ungewöhntiher Schärfe der Augen finden,
allen Stanben. Eicero erzählt *9)- von einem anf Perga
ment gefchriebenen Exemplar deu Iliade Hamers, weldes
in\.einer. Ruß eingefdyloffen war; ferner. von einem Maut,
welcher .135,000 Schritte [27 M.] weit ſah. M. Narıı
gibt auch feinen Namen an; er hieß Gtrabe, und pflegte
während des zweiten Puniften Kritges, wann eine Flotte
den Hafen Karthago’d verlieh, von dem Siziliſchen Borge⸗
birge Lilybäum [Capo M Boco] aus **%) fogar die Zahl der
Schiffe. anzugeben. Callicrates arbeitete aus Elfenbein
9 Bol. Caſſius Dio, R. 6. LV, 2. * Maximus
ga einem feiner nicht mehr vorhandenen Werke,
***, Die Entfernung beirägt etwa 46 M. Nach den Berichten
neuerer Reiſenden fieht man zu gewiſſen Zeiten von ber
Süpfpige Gieiliens die gegenfiberliegende Afritanifche Küft.
Dieſe Erfiheinung wirb aber durch eine beſtimmte Vil⸗
dung der Dunſte am Horizont, in welchen ſich bie Afri⸗
kaniſche Küfte abſpiegelt, bedingt. Man ſieht alſo die
“ne felon nicht, fondern nur das Bild berfelben,
Ale Salahı Nut
Siebentes Bud). 8it
neffen und ſonſtige fo Pleine Thiere, daß ihre Theile An«
rm nicht ſichtbar waren. Myrmecides war in derfelben
t von Arbeiten berühmt; er verfertigte aus demſelben
:offe einen vierfpännigen Wagen, welchen eine Mücke mit
eu Blügelu bededen, und ein Schiff, welches "ein Bien-
a unter feinen Flügeln verbersen konnte, *)
XXII Exni). Was das Gehör betrifft, fo hat wan uur
5 einzige wunderbare Beiſpiel, dab man bie Schlacht,
rch welche Sybaris zu Grunde ging, an demſelben Tage,
fle geſchlagen wurde, zu Olympia hörte ;**)., denn bie
ichricht von. dem Siege über die Eimbern, »*) fo wie bie.
foren, weldye zu Rom den Eieg über Perfeus +) au
nfelben Tage, wo er erfochten wurde, verfündeten, waren
undererfcheinungen und Anzeigen der Götter.
XXUl (mr). Von der Ausdauer des Körpers im
*) Bel. B. XXXVI. Kay. 4. Aelian. Var. Hist. I, 17.
Beispiele ähnlicher und noch größerer Kunfifertigkeit fins
det man in neuerer Zeit. Boverid, ein Englifcher Uhr⸗
macher, verfertigte einen Spieitifch , einen Eßtiſch, einen
Trinktiſch, einen Spiegel, zwolf Stühle mit Lehnen, ſechs
Schuͤſſeln, zwölf Meſſer, zwölf Gabeln, eben fo viele Löffel,
zwei Salzkannen, nebſt einem Herrn, einer Dame und
einem Diener. Alle zuſammen, in einen Kirſchkern ge⸗
than, fuͤllte erſt die Hälfte deſſelben.
*) Plinius erzfahlt wieder Unglaubliches. Beide Stadte find
über fechzig Meilen von einander entfernt, und durch ein
weites Meer getrennt. Val. Über biefed ganze Kapitel
Plutarch (Paul. Aemil. 25. 26,) und Eicero (de natura
Deorum II, 2.), welde Dafferbe erzählen.
*, Durch Marius, Bor. Florns 1I, 3,
+) König von ' Macebonien, Bol. Fiorus II, 12.
a eG
86 - ©. Plinius Raturgefchichte.
Schmerze gibt es, da unglückliche Schickſale ſehr Häufig "find,
unzählige Beiſpiele. Das berühmteſte beim weiblichen Ge⸗
ſchlechte iſt das Freudenmäbchen Leäna, welches auf der
Folter die Tyrannenmörder Harmodins und. Uriflogiton -*)
nicht verrieth, und bei dem männlichen Anaxarchus, weicher,
als er aus einer- Ähnlichen Urſache gefoltert wurde, fidy die
Zunge abbiß und dieſe einzige Hoffnung der Ungabe dem
Tyrannen **) ins Geſicht fpie.
XXIV (axiv). 4: Wer das Gedähtmiß, dieſes im Leben
nöthigfte Gut, im höchſten Grade defaß, läßt ſich nicht Feicht
beftimmen, da. Biele dieſen Ruhm erlangten. Der König
Eyrus nannte jeden Soldaten feines Heeres beim Ramen.
2, Scipio alte Römiſchen Bürger; und Eineae, der Gefandte
des Königs Pyrrhus, jeden Genator und Nitter zu Nom,
und zwar Schon am Tagg nach feiner Ankunft. Mithridates,
welcher über zweiundzwanzig Bölker berrichte, fprady jedem
derſelden in feiner Sprache Recht, und redete in der Ber⸗
ſammlung jedes ohne Dolmetſcher and. Ein gewiffer Char⸗
madas in Griechenland fagte den Inhalt aller Bächer,
welche man in den Bibliotheken verlangte, ber, als ob er
fie vorleſe. 2. Man machte zuletzt/ aus dieſer Sache eine
Kunft, nämlich die, das Gehörte mit denfelben orten wies
derzugeben [Mnemonif]; fie wurde von dem Liederbichter
Simonides erfunden, und von Metrodborus von Scepfis zur
Bolltommenheit gebracht. Es gibt aber and) an dem Menſchen
*) Eie hatten Hipparch, din Tyrannen von Athen, ermorbet
(513 vor Chr.). Vgl. 8. XXXIV. Kap. 19.
*+) Nicocreon ven Eypern. Vol. Balerins Marimus III, 3,
*
Giebentes Buch. 817
chts, was leichter zerflörbar , und was bald zum Theil,
Id ganz den böfen" Folgen der Krankheiten, eines Balles
d fogar der Furcht mehr ausgefept wäre, als das Ges
chtniß. Ein von einem Steine Getroffener vergaß nur
: Buchftaben ; Einer, der von einem ſehr hoben Dache
abgefallen, war, erfannte Mutter, Familie und Anvers
ındte, «ein Anderer nad): einer Krankheit feine Sklaven
ht wieder, der Redner Meſſala Corviuns aber vergaß -
nen Ramen. Ja ſogar bei völlig rnhigem und gefunden
be fucht uud firebt es zu entſchwinden; auch, wenn uns
: Schlaf beichleicht, entwiſcht es uns, fo daB die inhalts⸗
e Seele nadyfinnt, wo fle ſich befinde.
AXV (sv), Mit der ausgezeichnetſten Geiflestraft
jſabte, glaub’ ich, die Natur den Dictator Edfar, Ich
ehe hier weder von feiner Tapferkeit und Beharrlichkeit,
dh von der Ueberlegenheit feines. Berſtandes, welcher
es umfaßte, was unter dem Himmel if, fondern von ber
1 eigenen Schnellkraft und wie Feuer um ſich greifenden
gſamkeit. Er war, wie uns berichtet wurde, gewohnt,
gleicher Zeit zu-fchreiben oder zu lefen, zu diktiren und.
ſuhören, fo wie in den wichtigften Angelegenheiten vier
iefe, oder, wenn. er nichts Anderes that, deren fleben auf
mal Teinen Schreibern zu diktiren. Gr Bänpfte in fünfs
Schlachten und war alfo der, einzige, weicher den M.
rcellus, der in neunundbreißig focht, überteaf. Die Siege
dem Bürgerkriege nicht mitgerechnet, fielen durch ihn in
lachten 4,192,000 Menſchen, welche "große, wenn aud
hgedruugene, dem Menfchengefchlechte zugefügte Unbill
ihm übrigens keineswegs zum Ruhme anrechnen will;
—
818 C. Plinius Naturgeſchichte.
wie er denn ſiiſch auch ſeibſt ſchon baburch, daß er die in dem
Bürgerfriegen Umgekommenen nicht mitzählte, zu dieſer
Weberzeugung bekannte.
‚XXVI Mag man mit mehr Recht den großen, Don
peine rühmen, weil er den Geeräubern achthundertſechsund⸗
vierzig Schiffe abnahm: tem Eäfar bleibt außer den ſchon
erwähnten Borzügen noch ein anderer ganz befonders eigen,
nämlich die Mitde, in der er Bis: zur Reue Alle übertraf.
Auch gab ef ein Beifpisl von Großsmuth, dem Fein anderes
an die Seite geftellt werben. kann. Die von ihm veranflaß
teten Schauſpiele und verfhwenbeten Schätze, oder feine
prachtvollen Werke hier zum Beweiſe anfzählen zu wollen,
hieße Der Ueppigkeit das Wort reden; die wahre und unvets
gleichliche Erhabenheit feines unüberflügeken Stiftes be:
währte fich vielmehr dadurch, daß er die Briefichaften des
großen Pompejus, welche ihm bei Pharſalia, und die des
Scipio, welche ihm bei Zhapfus in die Hände,fielen, ehrlich
verbrannfe und na las. b
XXVE (xxvı). 4. Über zur Ehre des Römifchen Ne:
ches und nicht - allein zur Berherrlichung eines einzelnen
Mannes gehört es, alle Auszeichnungen und Triumphe des
großen Pompeind hier anznführen, indem er an Thatenglanz
nicht nur Wlerander dem Großen, fondern. faſt au dem
Herkules u. d dem Vater Fiber gleich Fam. Nach der Wie
dereroberung Giziliend, womit er als Anhänger der politi⸗
fhen Partei Gulla’s feine Laufbahn begann, und nachdem
er ganz Afrika bezwirigen und der Roͤmiſchen Herrſchaft
unterworfen hatte, woburd, ihm der Name des Großen ats
Beute zu Theil wurde, kehrte er als Römifcher Ritter (was
| Siebentes Buch. 19
ihm Niemand geftattet war) *) auf dem Zriumphmagen
id, begab ſich dann ſogleich nach Welten, bezeichnete
den in den Pprendien errichteten Trophäen die Untere
fung von achthundertſechsundſlebenzig Städten von den
em bis zu den Grenzen des jenfeitigen Hifpaniens als
ebniß feined Sieges, wobei er jeboch hochherzig den
torins mit Stillſchweigen überging, ») und: 309, nach⸗
er dem Bürgerfriege **°) (durch welchen alle Auswär-
1) angeregt wurden) ein Ende gemacht hatte, zum
itenmal als Ritter auf dem Triumphwagen in Nom
So bewährte ex fidh- wiederholt ale Felbherr, ohne vor⸗
als Soldat, gedient zu haben. 2. ‚Daun wurde er nad
ı Meeren und daranf nach dem Morgenlande gefendet, und
)te auch von bier feinem Baterlande Ehrentitel zurüd,
nach der Weifeder in den heiligen Kämpfen Giegenben ; ++)
dieſe erwerben ſich nicht ſelbſt, fondern ihren Batırz
e die Krone Allen Ruhm trug alfo audy er in dem
pel der Minerva, weichen er von der gemadıten Beute
folgender Juſchrift] weihte, anf die Stadt [Rom] über:
). Nur einem Conſul ober Praͤtor Eonnte geſetzlich der
Triumph zu Theil werben.
us
nicht rühmen wollte,
Welchen Sertorius, Garbo and Einna sea Sulla und
Pompejus führten,
3. B. der Mithridatifche.
In den Olympifchen, Nemeifchen, Pythiſchen und Iſth⸗
miſchen. Wie die Sieger in diefen Kämpfen nicht ſowobhl
fih, als ihre Geburtsſtadt verherrlichten, fo erwarb Poms
pejus wicht nur fich, ſondern auch feinem Vaterlande Ruhm,
J
ws;
ww
Weil er fih eines im Bürgerfriege erfochtenen Sieges
820 €. Plinius Natürgefdichte.
„Der Keldherr En. Pompejus der Broke löst
„nad Beendigung eines dreißigjährigen Kries
„ges, nachdem er zwölf Millionen hundert
„Brei und acdhtzigtaufend Menfhen gefhlagen,
„getödtet oder unferworfen, ahthundert ſechs
„und vierzig Schiffe verfentt oder genommen,
„tauſend fünfhundert acht und dreißig Gtädte
„und Burgen zur Uebergabe gezwungen und
„die Länder vom Mäotiſchen See bis zum ro
„eben Meere unterjioht bat, nad Gebühr fein
„Belübde der Minerva.“ 3. Dieb ift die kurze Auf:
zaͤhlung feiner Thaten im Morgenlande, Bei dem Zriumphe
aber, weldhen er vor dem dritten Zag der Kaleuden des
Oktober [28. September] unter dem Eonfulate des M. Pife
und M. Meflala [61 vor Ehr.] feierte, Iautete die voraus⸗
getragene Inſchrift: „Als er die Seeküſte von den
„Räubern befreit und dem Römiſchen Bolke die
„Herrſchaft über das Meer wieder errungen
„hatte, trinmphirte. er über Afien, Pontus,
„Armenien, Papblagonien, Eappadocien, Cili⸗
„eien, Syrien, die Seythen, Inder, Albaner,
„Zberien, die Inſel Creta, die Bafterner, und
„außerdem noch über die Könige Mithridates
„und TZigranes.“ 4. Der kurze Jubegriff feines Ruh⸗
mes war (wie er felbft in ber Volksverfamminng, als er
über feine Thaten fprach, fagte), daß er Allen, welches man
ihm als äußerfte Provinz des Reiches Übertragen, zum
Mittelpunkte feines Vaterlandes gemacht hatte, Wollte
Zemand auf der andern Seite in ähnlicher, Weife die Thaten
Siebentes Bad" 270
ar's, welcher "ta noch größer als jener erwies, namhaft
hen, ſo müßte er wahrijch alle Länder ber Erde anfı
en, und nröchte" damit wohr nicht fit as Ende kommen
xy Gevin.: - Im andern ten der Zugend Hader
Biele anf mannigfache Weiſe ansgezeicinet. Cato, der
dieſes Namens aus den Porciſchen Geſchlechte, vet:
zte nach der allgemeinen Meinung drei der vorzuͤglich—⸗
Gaben des Menſchen in fich, dent er war der befte
ner, der’ beite Feldherr und der befte Seuator; doch
nen mir alle diefe Eigenfchaftent, wenn auch nicht frü⸗
doch glänzender an Scipio Aemikliauus *), geſtrahlt zu
n, und außerdem muß man bei Dieſem noch den Haß
reicher Menfchen, gegen weldien Cato anzukampfen Yatte,
chnen. Cato mag alfo der befoubere Ruhm bleiben, daß
ierundvierzigmal vor Bericht feine Vertheidigung führen
te, und daß Bein Anderer öfter vorgrladen und“ flet#
efprodden wurde,
XXIX awvım), 4. In welchem Menſchen die Tapfer⸗
am meiften hervorleuchtete, ift eine nicht zu 'erledigende
te, befonders wenn man die Dichterifhe Fabelei berück⸗
gen will. Q. Ennins bewunderte am meilten T. Eds
3 Denter **) und feinen Bruder, und fügte ihretwegen
) Welcher fpäter den Beinamen bed Afritaners erhielt, und
Karthago und Numantia zerfiörte, — Die Strenge Eato’s,
welche ſprichwoͤrtlich geworben ift, 308 ihm Veindſchaft zu,
Er fiel bei Arrezzo in einer Schlacht gegen bie Gallier
(285 vor, ‚Ehr.),. Vgl Orofins, UI, 22.
Plinins Naturgefh, 78 Vichn. 7
823 C. Plinius Naturgeſchichte.
feinen Annalen noch ein ſechzehntes Buch hinzu. 2. Siccius
Dentatus, welcher unter dem Eonfulate des Sp. Zarpeius
und des U. Aterius [454 vor Epr.], nicht fange nady der
Bertreibung der Könige, Volkstribun war, hat wohl die
zahlreichften Stimmen für ſich. 2. &r kämpfte Hundert
‚undzwanzig Schlahten mit, fiegte achtmal im Zweikampfe,
prangte mit fünfundvierzig Narben an dem VBorderkörper,
ohne eine einzige auf dem Nüden zu haben, nahm ferner
vierunddreißigmal dem Feinde die Rüftung ab, erhielt zweis
undzwanzig unbefdylagene Gpeere, *) fünfundzwanzig Span:
gen, dreinndachtzig Ketten, bundertundfechzig Armbänder,
ſechſsundzwanzig Kronen, nämlidy vierzehn Bürgerkronen,
acht goldene, Drei Mauerkronen und eine Belagerungstrone, *®)
einen Beutel mit zehntanfend Affen, ***) Kriegsgefangene
und dazu zwanzig Ochſen als Belohnung, war im Gefolge von
neun, hauptſächlich durdy feine Anftrengung triumphirenden
Feldherrn, und überwies außerdem (was ich für feine vors
züglichfte That halte) den T. Romilius, einen der Heerfüh⸗
rer, nachdem er Das Eonfulat niedergelegt hatte, vor dem
Volke der fchlechten Führung des Oberbefehls. +
3. Der Kriegsruhm des Manilius Eapitolinus wäre
*) Eine Auszeichnung, welche Denen, die einen Feind außer
der Schlachtordnung erfchlugen, zu Theil wurbe.
“*) Mon der Befchaffenheit biefer Kronen wird unten (B. XVI.
8. 3. B. XXI. 8. 4.) die Rede ſeyn.
*, Etwa breihundertfünfundbdreißig Gulden.
7) Romilins war im J. 455 vor Ehr, Conſul. Gr wurde
} angeklagt, baß er nach einer Schlacht mit den Aequern
bie Kriegsbeute verkauft Hätte, Vgl. Livius, III, 81.
| Siebentes Bud. | 825
nicht geringer, wenn er ihn nicht am Ende feines Lebens
yerloren hätte. ») Schon vor feinem flebzehnten Jahre
yatte er zwei feindliche Rüſtungen erbeutet ; er allein von
Allen hatte als Ritter die Mauerkrone, ferner ſechs Bür⸗
jerfronen und flebenunddreißig Ehrengeſchenke erhaltens er
onnte dreiundzwanzig Narben au der Vorderfeite des Körs
ers anfweifen, hatte P. Gervilius , den Befehlshaber der
Teiterei, obgleich felbft an Schulter und Hüfte verwundet,
ereftet, und, was über Alles geht, allein das Bapitol und
amit den ganzen Staat, von den Galliern errettet, hätte
e fid) nur nicht zum Gebieter deſſelben zu machen getradys
et. Bei allem Diefen that fiherlich die Tapferkeit viel,
18 Glück aber noch weit mehr.
4. Dem M. Gergins wird wohl Niemand, wie id
lanbe, irgend einen andern Menfchen vorziehen , obfchon
in Urenkel Catilina (*) diefem Namen den guten Klang
ahm. Auf feinem zweiten Beldzuge verlor er die rechte
and, bei zwei Feldzügen wurde er dreiundzwanzigmal vers
undet und konnte deßhalb von Leiner Hand und von kei⸗
m Fuße genugfamen Gebrauch machen; dennoch diente er
8 Krüppel, nur von einem einzigen Diener begleitet, fpäter
‚ch in vielen Kriegen. Zweimal wurde er von Hannibal
fangen (denn er band nicht mit jedem [nnbedeutenden]
:inde an), und zweimal entfloh er deſſen Keffeln, nachdem
*, Er wurde, weil er nach der Alleinherrſchaft ſtrebte, von
dem Tarpejſiſchen Feld geſtürzt. Livius, VI, 20.
ee) Der Verſchwoͤrer 8. Gergind Catilina.
7%
833 C. Plinius Natuegefhiäte,
ar zwanzig Monate ohne Ausnahme eines einzigen. Tages
imdFletten und Banden bewacht worden war. 5. Wiermal
bhmpfte er mit der linken Hand. allein, und zwei Perde
wurden ihm unter dem. Leibe erftochen.. Er ließ ſich eime
rechte: Hand aus Eifen verfertigen, befefligte fie an den
Arm and kämpfte damit; er entſegte Cremona, beſchirmte
Placentia und eroberte in Gallien zwölf feindliche Lager,
wieo nalles Dieb and feiner Nebe hervorgeht, die er, als ihn
feine Collegen in die Prätar als Krüppel von den heiligen
Brreichtungen ausſchloßen, hielt. *) Welche Hanfen Kronen
haute: ſich Diefer einem anderen Geinde gegenüber erworben ?
Deuts kommt wohl am meitten darauf an, in welche Zeit
die Tapferkeit eines Mannes: füllt. Welche Bürgerkronen
gewührten Zrebia, der Tieinns und derſSee] Trafpmenus ?
Beide Krone wurde zu Eannd, wo man, um zn entkom⸗
men,:die größte Tapferkeit nöthig hatte, verbient ? *) Ja
wahrtich, Andere errangen nur Siege über Menſchen; Ger
gins aber befiegte fogar das Gläck.
: KAX (azız), 4, Mer vermöcte aber im Gebiete des
Geiſtes, bei fo vielen Zweigen des Wiffend und bei fo gror
Ber Maunigfaltigkeit des Stoffes und der Behandlung , die
des Ruhmes Würdigften hervorzuheben, wenn man ſich nicht
dbwa dahin vereinigen will, daß es noch kein glüdlicheres
Genie gab, als deu Griechiſchen Dichter Homer, mag man
nun die Ausführung des Werkes, oder den Stoff felbft er⸗
*) Ein Priefter mußte nach bem Geſetze unverfehrten Leibes ſeyn.
”®, ar diefen Orten wurben bie Romer von Hannibal ges
Siebentes Buch. 2 838
ägen ? Als daher Akerander der Eroße denn auf bodp
yende, über allen Neid erhabene Richter Hüst fi wohl an
yeften ein fo keckes Urtheil) unter der dem Perſerkönige
Darins abgenommenen Beute ein: wit. Bois, Edelſteines
md Perlen koſtbar verziestes Salbenkaͤſtchen vorfand uup
eine Freunde fidh. über den verſchiedenartigen Gebrauch,
ſen mau dadon machen könne, änßerten (denn Balken vu
dymähte der Krieger und im Felddienſte Abgehärtete), zinf
r: „3a, beim‘ Herkules, es foll den Büchern Homers zum
Schwein Bienen ;* wodurch er feine Uebergeugumg, daß daß
öſtlichte Werk des menſchlichen Geiſtes in einem möglich
eichen Kunſtwerke aufbewahrt werden müſſe, ausſwach
luch befahl er, die Familie und das Hans des Dichtenß
indar zu fchomen, als ex Theben einnahm; bie Baterßedt 1
eb Ariſtoteles bante er wieder auf und vpereinigte wit fie
em MP großen Thatenruhm eben fn ſchone Aenterungen
er Güte,
3; Die Mörder 2 Dichters Arqhitechus gab Apeio
u Delphi. anz. den Kehdmam des Sophokles, des Fürſten
er tvagiſchen Dichter, befahl. der: Vater Liber zu. begraben,
sährend Bie Rackbämpniek die Mauern beiageiten, indem
e Ypfander , den Konig derſelben, im Schlaft wie der boſt
rmahnte, ſeinen Liebling ») Seerdigen zu Infien. Der Aö⸗
ig forſchte nach, wer gu Athen gehor ben: (es; er fend wacht
— —⸗
ey Stagira, in Macedonien, weiches pH * Ategubes Dir
ter, zerftört hatte, Tzetzes Chiliad,
ws, Man vbetrachtete Baechus als den —28 we tragifchen
Dichter, weil die Tragödie der Sriecen den deſten diefes
Gotdes ihren Urſprungz verbanft.. 46*
826 €, Plinius Naturgeſchichte.
ſchwer Den berans, welchen der Bott gemeint hatte, umd
hielt während des Leichenbegängniffee Friede.
XXXI (zıx),. 4. Plato, dem Meifter in der Welt
weisheit, ſchickte der Thrann Dionyſius, welchem doch Grau⸗
ſamkeit und Stolz angeboren waren, ein bewimpeltes Schiff
entgegen und empfing ſelbſt den an's Land Steigenden mit
einem weißen Viergefpann. Iſokrates verkanfte eine ein⸗
zige Rede für zwanzig Zalente, *) Als Aeſchines, einer
der vorzüglichften Atheuiſchen Redner, die von ihm vorges
brachte Anklage den Rhodiern vorgelefen hatt , und ihnen
dann aud) die Bertheidigung des Demoſthenes, weldhe feine
Verbannung nad Rhbodus zur Folge hatte, vorlas, uud
Diefe ihre Verwunderung äußerten, erwigderte er, daß fie
fidy nody weit mehr verwundert haben wärden, weun fle den
Redner felbft gehört hätten, und ward auf diefe Weife ferbft
im Unglül ein gewidtiger Seuge für feinen Gegner.
3. Die. Uthener ſchickten Thucydides als Feldherrn in bie
Berbannung, und riefen ihn als Darfteller ihrer Thaten zu»
rück, indem fle die Beredſamkeit deffeiben Mannes, deſſen
Mangel an Muth fie verbammten, bewnnderten. Auch dem
Menander bewiefen die Könige Aegyptens und Maceboniens
große Anerkennung feined Eomifchen Talents, als fie ibn
durch eine Flotte und durch Befandte zu fi einluden; er
ſelbſt legte aber noch ein fchöneres Zeugniß dadurch für ſich
ab, daß er den beſchanlichen Umgang mit den Wiſſenſchaften
der königlichen Gunſt vorzog.
5. Und, hochſtehende Römer zollten Ausländern ihre
*) Aweiundfänfzigtaufendzweihundertfechöundfechzig Buben.
:
Siebentes Bud). 827
erkennung. Als En. Pompejus nach Beendigung des
thridatiſchen Krieges das Haus des als Lehrers der Welt⸗
sheit berühmten Poſidonius betreten wollte, unterfagte
yem Lictor ®. nach der üblichen Sitte an die Thür zu
‚fen, und fo beugte Der, vor dem fih das Morgenland
das Abendland gebengt hatten, die Fasces vor der
iv der MWiffenfchaft. Us der Genfor Eato bei jener
ihmten, aus drei Meiftern der Weltweicheit beftehenden
enifhen Gefandtfhaft den Carneades gehört hatte, rieth
dieſe Sefandten möglichſt bald wieder zu entlaffen, weil
ı bei der DBeweisführnng jenes Mannes nicht leicht,
wahr fen, unterfhheiden könne. 4. Wie fid doch die
ten geändert haben! Fener rieth fletd, alle Griechen ans
lien zu vertreiben, und fein Urenkel Cato von Utica
hte ſchon einen Philofophen, als er von feinem Krieges
unafe, **) und einen zweiten, ald er von feiner &es
tſchaft nad Cypern **") zurüdkam, mit. Merkwürdig
ılfo an den beiden Catonen, daß eine und diefelbe Sprache
Jenem verfhmäht, von Diefem aber eingeführt wurde.
Dody wir wollen nung jest auch mit dem Ruhme unſerer
zBoleute befchäftigen.
*%, Ein Sffentlicher Diener, welcher ben höchſten Romiſchen
Magifiratöperfonen einen Stäbebiindel (fasces), das Seis
hen der Macht und Würde, vortrug. Wenn ber Magis
firat in ein Haus, ed mochte fein eigenes (Livind, VI, 34.),
oder ein frembes ſeyn, treten wollte, fo fchlug der Lietor
zuerft mit einer Ruthe an die Ihr.
>) Das er in Macebonien bePleibete.
) Bel. B. XXXIV. 8. 19, 5. 41.
828 €. Plinige Noturgeſchichte.
; 8. Dex ältere Afritauer. ), befahl. die Bildſaule des
, Eunins auf, fein, Grabmal⸗zů ſeßen, ‚aub, wollte. ſonach
einen fo berühmten, ja als Beute in dem hristen Waltthe ile
errunganen Beinamen auf. feinem. Afcenfruge mit, Dem. Na⸗
men des Dichters vereint gelefen, wiſſen.
6. Der. göttliche Yugufug verbot, bie, Gedichte Bin
gils, ſelbſt geaen die feinem Teſtamente ſchaldige ‚Achtung
au ‚verbrennen; und anf diefe Beife wurde dem Dichter ‚eine
weit größere Anerkennung zu Theil, alß wenn.er leibn See
Werke angerühmt htte.
7. In der Bibkiothek ., welche „juenft: ‚von allen. in. der
Welt von Aflnjug Pollio zu Rom non der gemarhten. Bepke
sum Öffentiihen Bebrange, eingerichtet, wurde, ..kefand id
unter den aufgeſtellten Btakyen, nur sine, einige eineg Je
benben Mannzs, nämlich die des M. Parxo; und, ba,.de
erſte Redner and ‚Bürger, bei der damals vorhandenen Menge
hochhegabter Männer, Aha: alleiß dieſe Krene anerkannten, (0
wuͤrde ‚er, ‚na, meinem Dafukkaken, Prund-pt weniger
auggepeifhngt., als durch Die Schittekrong weſche ähm ‚Res
große Pompejus nad) dem ‚Eerränberkriegingstich, *%) Man
würde in der Römiſchen Gefchichte nad) unzählige ähnliche
Beifpiele finden, wehn man fie anführen wollte, .da dieſes
et. eg in an vod
j .. 7 Sehin melden, ‚Diefen einig nad‘ feinen Siese ber
annibat in Ai frika erhielt
— je‘ "Schiff bene wurde Dim’ eykaͤnnt ‘be
id)
non a in ein Karen En ve a; je be
Bemühungen din‘ ömiihen' w Klo pate
fih unter Pompells —5 Geerd gap „gu afaıden
Bol, Appian, Krieg gegen Mit "Rap,
nn u .. 62
ne Volk ‚in jedan, Aut. mabe,undsrseihutte Männer. ho vor⸗
racht has, als alle übrigen Käauder.
8. Über, wie könute jch es perantworten, wenn ich Die,
ons Tıllius [Cicexo], ‚mit Stillſchweigen Abergingee
xch welche Anszeichnung ſoll ich Dich, kedad) am ‚würdigr
ı preifen? Kann ich es baſſer, as wmenn id. das ein⸗
mige Zeygniß des geſammten Römiſchen Bolkes anführe,
. von Meinem gayzen Leben nur, die Ahaten Meines Son⸗
its *) herporhebe? Du ſprachſt, amd Dir Tribus antſagten
Ackergeſeehe, *) das heißt, Ihren Nahrung. Du riedäfl,
ſle verziehen Rosciuſs, **%9 Dem Urheber des Eheater⸗
bes, und erduldeten gigichmüthig Die Ernisdriginng Durch
Unseriheidung der Bisnläne. . Du batſt, mad Die Kinder
Berbannten:t),.ichämten.Hcd.; mach Mhrenfiellen zu ha⸗
n; vor Deinem; Geiſte floh Catilina, M. Autonius ſchack⸗
Du in die Verhannung. O. Sey wis. gegrüßt, Bu
8 non Allen mit dem Namen⸗,Vater des Baterlandea
hrter, der. Du. zuerſt in der Tagaſcht) den uiumoh un
Macht des Wortes den Eorbeer errangft,. Du Vater der
—*
% Kirn: ‚mar —8 Fe nor en. ECanfau.
*) Durh, ‚meiches ‚hen . Baltötrikum . P,. Eernitips. "urn
C(vgt. B.ꝰ ‚8. 78.) die Vertheilung der ‚eroberte
Bändereien unter dad Volk beantragte,
) 2, Rescue‘ Orho vraͤchte yet el Gen wilches die
Bolektoruffen tn Theater durch Trennung 7% ‚Sigpläge
unterfchied, in Anregung ; es verurſachte —* ging
aber durch ca Berebſamreit durch.
H) Durch Sylla. ae
) Im Frieden namuch, nicht Gh alhethatenen
850 C. Plinius Naturgeſchichte.
Bergpfamteit und der Lateiniſchen Literatur, der Du (wie
der Dictator Eäfar, fonft Dein Feind, von Dir fchrieb)
einen alle Triumphe fo weit überragenden Lorbeer erwarb,
als es mehr werth ift, das Gebiet des Römiſchen Willens
fo bedentend erweitert zu haben, als durch andere Geiſtes⸗
vorzüge die Grenzen des Reiches. *)
(zxzı), 410. Solche Lente, welche die übrigen Menfchen
an Weisheit übertrafen, führten deßhalb bei den Römern
Die Beinamen Catus [Edylau] und Corculuns [Klug]. **%)
Unter den Griechen wurde Sokrates durch einen Orakelſpruch
des Pothifhen Apollo allen Andern vorgezogen.
XXXII (xx), Berner gefellten die Menfchen den La⸗
eebämonier Ehilo »ery den Orakeln bei, und weihten zu
Deiphi in goldenen Buchftaben feine drei Sprüche, welche
lauten: „Jeder kenne fidy felbft ;" „Werlange nichts zu ums
„Hetüm,“ und „Schulden und Gerichtshändel begleitet Elend.“
And) beging, als er vor Freude über den Sieg feines Soh—⸗
nes zu Olympia geftorben war, ganz Griechenland feine
Leichenfeier.
XXXIU (sm), Vorherſehungsgabe und eine gewiſſe
höchſt ehrenvolle Gemeinſchaft mit den Himmliſchen hatte
unter den Weibern Sibylla, unter den Männern Melams
*) Ueber die in biefem und dem vorbergebenben Kapitel ges
nannten Schriftſteller vergl. bie Bemerkungen vor dieſem
Buche,
**) B. » Catus Aelius Sertus und Seipio Naſica Eors
”..) Finen der fieben Weiſen. -
Siebentes Bud. | | 851
a8) bei den Griechen und Marcius ») bei den Rs
nern. .
XXXIV (am). Als der rechtſchaffenſte Mann wurde
om Unfange der Welt an nur einmal einer erklärt, näms
ich Seipio Nafica durch einen Eid des Genats. ***) Und
od) mußte Diefer in ber weißen Zoga +) eine zweimalige
urädweifung durdy das Volk erfahren; überhaupt war es
hm nicht einmal vergönnt, in feinem Baterlande zu ſter⸗
en: tr) wahrlich, den Kerker abgerechnet, kein befleres
008, als Jenem vou Apollo für den Weifeflen der Men⸗
hen erklärten Sokrates widerfuhr.
XXXV (zxıv), Als das keuſcheſte Weib wurde einmal
urch den Ausſpruch der Matronen Eulpicia, des Pateren⸗
as Tochter und Gemahlin des Fulvins Flaceuns, erklärt,
nd aus hundert vorgefchlagenen ausgewählt, um nady dem
Inhalte der Gibyllinifchen Bücher das Standbild der Ber.
us zu weihen, TtH nnd dann wieder Claudia durch
D Er lebte vor ber Belagerung Zroja’d, und fol ein fo
wunderbares Gehbr gehabt haben, daß er ben Gefang ber
Wögel verſtand. gl, Apollodor's Bibl. II, 2. Pauſa⸗
nias II, 18, IV, 3,
**) Bon feiner Weiffagungsgabe fprechen Eicero (De divin.
- 1, 40.), Livius (XXV, 12.) und Macrobins (Saturn.
I, 17.).
.., Im J. 204 vor Ehr. Bol. Valerius Maximus VIII, 15.
+) Als Bewerber um Ehrenſtellen. ECinmal wurbe er zus
rſickgewieſen, als er fid) um das Eonfulat bewarb (Livlus
XXXV, 24.); sum zweitenmal, als er Genfor werden
wollte (Livius XXXIX , 40.)
+) Man weiß nicht, wo Scipio Nafica geflorben iſt.
+tH Bel. Valerius Marimus VIII, 15.
850 €. Plinius Naturgeichichte.
Bergpfamteit und der Lateinifchen Literatur, der Dir (wie
der Dictator Cäſar, fonft Dein Feind, von Dir fchrieb)
einen alle Zriumphe fo weit überragenden Lorbeer erwarb,
als ed mehr werth ift, das Gebiet des Römiſchen Willens
f9 bedentend erweitert zu haben, als durch andere Geiſtes⸗
vorzüge die Grenzen des Reiches. *)
(xx), 40, Solche Lente, welche die übrigen Menfchen
an Weisheit übertrafen, führten deßhalb bei den Nömern
die Beinamen Catus [Schlau] und Corculus [Klug]. *9
Uuter den Griechen wurde Sokrates durdyeinen Orakelſpruch
des Pothiſchen Apollo allen Andern vorgezogen.
XXXII (xxx). Ferner gefellten die Menſchen den La⸗
eedämonier Ehilo »eey den Orakeln bei, und weihten zu
Delphi in goldenen Buchſtaben feine drei Sprüche, welche
lauten: „Jeder kenne fidy ſelbſt ;* „Werlange nichts zu ume
„geſtüm,“ und „Schulden und Gerichtshändel begleitet Elend.“
Auch beging, als er vor Freude über den Sieg feines Soh⸗
nes zu Olympia geflorben war, ganz Griechenland feine
Leichenfeier,
XXXIU (ax). Vorherſehungsgabe uud eine gewiſſe
höchſt ehrenvolle Bemeinfhaft mit den Himmliſchen hatte
unter den Weibern Sibylla, unter den Männern Melams
*) tieber die in diefem und bem vorbergehenben Kapitel ges
nsen Schriftfieller vergl. bie Bemerkungen vor biefem
°.) 3. ©. Eatus Aelius Gertus und Gcipio Naſiea Eors
”..) dinen der fieben Wellen;
Siebentes Bud. i ssi
08°) bei ben Griechen und Marcius ») bei den, Rs
nern.
XXXIV (av). Als der rechtſchaffenſte Mann wurde
om Anfange der Welt an nur einmal einer erklärt, näms
ch Geipio Naflca durch einen Eid des Senats. *%*) Und
od) mußte Diefer in ber weißen Zoga +) eine zweimalige
ſurückweiſung durch das Volk erfahren; überhaupt war es
hm nicht einmal vergönnt, in feinem Baterlande zn ſter⸗
en: +) wahrlich, den Kerber abgerechnet, Bein beſſeres
008, als Fenem von Apollo für den Weifeften der Men⸗
hen erBlärten Sokrates widerfuhr.
XXXV (zııv), Ws das keuſcheſte Weib wurde einmal
urch den Ausfprud der Matrouen Enipicia, des Paterchs
5 Tochter und Gemahlin des Fulvins Flaceus, erklärt,
nd aus hundert vorgefchlagenen ausgewählt, um nad) dem
mhalte der Sibylliniſchen Bücher das Standbild der Ber.
us zu weihen, t44) und dann wieder Claudia durch
+ Er lebte vor ber Belagerung Troja's, unb fol ein fo
wunderbare® Gehbr gehabt haben, daß er ben Geſang ber
Vöogel verfiand. el. Aponobor’s Bibl. II, 2. Pauſa⸗
nias II, 18. IV, 3,
**), Bon feiner Weiffagungsgabe fpredhen Eicero (De divin.
I, 40.), 2ivius (XXV, 12.) und Macrobins (Saturn.
I, 17.).
re) Im I. 204 vor Ehr. Bol. Valerius Marimus VIII, 15,
+) Als Bewerber um Chrenfiellen. Einmal wurbe er zus
rũckgewieſen, als er fi) um das Eonfulat bewarb (Livius
XXXV, 24.); sum grreltenmal, ald er” Eenfor werden
wollte (iviu⸗ XXXILX, 40.)
+ Man weiß nicht, wo Eis Naſica geftorben if.
nm Bol. Balerius Maximus VIII, 16.
wm C. Plinins- Naturgeſchichte.
göttliche Entſcheidnug, als ſſe die Böhteemntber ı Ha Rem
brachte. ®
KAXVI cum). 4. In⸗ber ganzen Melt Audet man
zwar nınäblige Beiſpiele liebender Oingebung, : zu: Kom
eines, wit: dem vlle ͤbrigen Beinen Bergleich aushalten.
Eine dem gemeinen Bolde augehörende und: deßhnlb uhbe
kannte Wörhnerin, weiche die Erlaubniß, ihre Mutter, aueiche
zum Hungertode verursheitt in einen Herber eingeſperrt war,
zu :befuchen erhalten hatte, jedesmal aber, damit ſie feine
bendmitte] :einfdablirze, von dem Pförtner davchſucht wurde,
ertappte man endlich, wie fe ihre Mutter Mit den Brükften
nährte. Dieſes unerhörten Falles wegen wurde biz Kistbliche
Siebe der Tochter durch Die Begnadigung Ber Mutter be
lohnt, und Meibe erhielten tedemslängliih chven Usteshalt;
der Ort ſeibſt wurde der Eehttin ber dindlichen Siehe :[Yie
tas] geweiht, und dieſer umber dem Eonſulate des E. Quin⸗
tius und M. Acilins [130 vor Chr.J an der Stells jene
Kerkers, wo jetzt das Theater des Marcellus ſteht, ein Tem:
nel erbaut 2. Als ber Water der Gracchen in feinem
Haufe zmei Schlangen fand, und ihm verkündet wurde, daß
er fein Leben erhalten könne, wenn er die weibliche Gchlange
tödte, erwiederte er: nicht doch, Het vielmehr:die maͤnn⸗
9 Das Schiff, auf wolchem Dad: Bildader Mölitrmanttiet Ey⸗
bole von Reiſtu us in "Wien: nuch Nom⸗gaafuͤhnt wurde,
hatte ſich anf —— bi der Tinte aſtgafetzt, und
Kante nur Surch sein Vbilig keuſches Weib von Ler Gtelle
‚ bewegt werben. Candia Ag 8; mit ihrem: Sñrtel weis
ten Bieind KXIK, 10, f1.'18.. Buttemink im Besen
des Tiberius, Asp. Wi. 1: hr Ausndt n t
Sisbent⸗s Buch. 838
che! Eornelia iſt noch jung und kann ned. Kinder go⸗
iren.“ Das hieß doch, ſeiner GSattin ſchonen und für das
eſte des Staates ſorgen. Und ſein Wille ging auch bald
wanf im Erfüllung. *) WE Lepidus ſtarb aus Liebe zu
mer: Gemahlin Apuleja, nachdem er von ihe geſchicden
ar.). P. Rutilins, welcher au einem umbebeutenden Un⸗
rhiſeyn litt, ſtarb augenblicklich, als er vernahm, daß fein
ruder bei der Bewerbung um das Conſulat durchgefallen
). PB Cacienus Plotinus liebte feinen Herrn fo ſehr, daß
KU, obgleich er zum Erben aller Güter eingeſeßt worden
ır, auf den Scheiterhaufen deſſelben ſtürzte.
XXXVII ar. 41. In den verfdiebenen Küuften
ben. fich Unzählige hervorgethan, und wir müſſen fie. hier,
wir die Blüthe der Menfdyheit often, ebenfalls berühren:
asgezeichnet in der Sterndeutekunſt iſt Beroſus, weichem '
Athener feiner göttlichen Borausfagungen wegen auf
taatskoften in dem Gymnaflum ein Staudbild mit vergol⸗
ter Zunge errichteten; in der Sprachkunde Apollodorus,
ichem die Amphictyonen Griechenlands Chrenbezeugune
n zuetkannten; in der Arzneikunde Dippocrates, der:
e von Jllyrien herfommende Gendie vorausfagte und
ne Schäfer zur Hülfeleiſtung in die Gtädte umherſchickte,
liches Verdieuſtes wegen ihm Griechenland Diefelbe Ehre,
e dem Hercules, zu bezeugen befhloß. Daſſelbe Wiſ—⸗
*) Bol Valeriud Maximus, IV, 6,
20) Er ließ ſich von ihr fcheiden, weil er ſich durch einen in feine
Hände gefallenen Brief von ihrer Untreme Überzengt hatte,
Plutarch, Leb. des Pomyeiud, R. 5, ’
3 7 €. Plinius Naturgeſchichte.
fen belohute der König Ptolemäus an Eleombrotus_ von
Ceos bei den Megatenfifchen Feſtlichkeiten hit hundert Tas
lenten [zweimalhundertundviertaufend Gulden], weil er dem
König Antiochus das Leben gerettet hatte. *) 2. Großen
Ruhm erwarb ſich auch Sritobulus, weicher dem König Phi⸗
lippus einen Pfeil aus dem Auge zog, und bie Erbiindung
ohne Entftellung des Geſichtes heilte. ») Die größte Uns
zeichnung gebührt aber dem Asclepiades von Pruflas, nidt
nur, weil er eine nene Schule gründete, die Geſandtſchaft
und die Verfprechungen des Könige Mithribdates zurückwies,
Die Methode, Krante mit Wein zu heilen, erfand, einen
Menſchen, welchen man ſchon zur Erbe beftatten wollte, zu
rücbringen ließ und wieder ins Leben rief, fondern baupts
ſaͤchlich deßwegen, weil er felbft mit dem Schickſal die Wette,
dag man ihm Für Peinen Arzt halten fole, wenn er je ir
gendwie Fran? würde, einging und auch gewann, indem er
im höchſten Alter am Falle von einer Treppe ſtarb.
XXXVIL, Große Anerkennung ward auch den Kennt
niffen des Archimedes in der Geometrie und Mechanik dard
M. Mareellus zu Theil, indem Diefer bei der Einnahme
von Syrakus ihn allein zu ſchonen gebot, obſchon ein Sol⸗
dat gus Unwiffenheit den Befehl Übertrat. Berner werben
gerähmt Etefiphon ***) von Gnoffus, welcher den bewunder
*) Bol. 8. XXIX, 8, 3,, wo biefer Arzt Crafiftratus ge
nannt wirb,
* Nor, Eurtine IX, 5,
°.., Plinius nennt an einer andern Stelle (XXXVI, 21.),
übereinftimmend mit Strabo (XIV, 1), biefen Bau⸗
Siebentes Bud). 5 855
sungswürdigen Tempel der Diana zu Ephefus, und Phis
Ion, #7 weldyer zu Athen das Zenghaus für tanfend Schiffe
erbaute, Cteſibius, welcher die Pumpe und die Wafferorgel
erfand, **) und Dinoerates, welcher den Plan der Stadt
Alexandria, welche Alexander in Aegypten erbaute, entwarf.
Derfelbe Feldherr befahl, daß ihn kein Anderer als Apelles
malen, Bein Underer als Pyrgoteles in Stein hauen und
ein Anderer als Lyſippus in Erz bilden folle. In allen
diefen Künften laſſen fidy viele Beifpiele berühmter Meifter
nachweifen.
XXXIX axwın), 4 Ein einziges Gemälde * des
Thebaniſchen Malers Ariſtides erſtand der König Attalus
für hundert Talente ſzweimalhundertundviertauſend Gulden);
zwei des Timomachus, eine Medea undeinen Ajax, +) Banfte
der Dictator Cäſar für achtig Talente [hundertdreiundfechs
zigtaufendzweihundert Gulden], um fie in den Tempel ber
Venus Benitrir zu fliften; der König Candaules wog ein
Gemälde des Bularchus von nicht geringem Umfange, wel⸗
meifter Eherfi phron, weiches wohl auch der richtige Name
feyn mag.
*) ©, die literarifchen Bemerkungen vor diefem Buche,
9) Nach) Athendäus (IV. p. 174.) war Cteſibius von Alerans
dria, und lebte zur Zeit bed Ptolemaͤus Euergetes II,
(146—115 vor Chr.). In dem Zephprustempel zu Ales
. xandria erregte eine von ihm verfertigte Wafferorgel große
Bewunderung,
se, Welches einen im ee liegenden Kranken barfiellte,
- Bol B. XXXV 8, 36, .
+) Rol. B. XXXV. 8 3 40.
77) Vgl. B. XXXV. 8 34.
‘
6 C. Plinius: Naturgeſchichte.
ARE die Berſtoruug Magnefta’d darſlellten? mit at anf;
König Demetrins; genaue’ der Stadkeeinnehmer ‚-zändete
Rhodus uicht an; : um ehm'an dem erftürintöh Ühelle der
Maitsr befinbliches Gemaͤſde ded Protogenesnicht zit dere
breanen. *) 2; Einen großen Namen erwarb" fich Pekriter
les durch) Arbeiten in Marmor und dureh die Gnidiſche Ve⸗
uns, welche beſonders darch bie wahnſinnige Liebe: eiües
Sünglings und durch die Wetthſchatzung des Miebmebet,
weicher dafür die ſehr bedeuntende Staͤatsſchuld der Gridier
tilgen wollte, merkwürdig ifl. Der Ruhm des Phidius er⸗
neuert ſich täglich durch den Olympiſchen Jupiter “hy. und
der des Mentor durch den Capitoliniſchen Jupiter und die
Epheſiſche Diaua, welchen Arbeiten von feiner kunſtreichen
Hand +) geweiht waren.
XL (asım), 4. Der hoͤchſte Preis eines in Sklaverei
geborenen Menfchen bis auf den heutigen Tag wurde (fo
viel ich weiß) für den Sprachtennet Daphnus bezahlt: M.
Scaurus, der erſte Magiftrat ded Staates , erfand ihn don
dem Pifaurer Snatins, welcher ihn zum Verkaufe ausbot,
für fiebenmalhundertsaufend Seftertien [nenunmfdfünfzigtens
fendachthundertunddreißig Gulden], Diefen Preis haben zu
unferer Zeit die Schaufpieleer um ein Bedeutendes übers
fhritten; fle erkauften ‚aber dafür ihre Freiheit. Schon bei
unſern Borfahren verdiente, wie man angibt, ber Schaͤu⸗
fpieler Roscius jährlich fünfmalhunderttaufend Seſtertien
*%) Mol, B. XXXVI 8, 36,
e*) Mol, B. XXXVI. K. 4
os) Bol, B. XXXVI. 8 a,
7) %on getsiesener Arbeit, - Bol B. XXXIII. : 66.
Siebentes Bud. 837
[fiebenundvierzigtaufendflebenhundertfehsundpreißig Bulden];
wenn man bier nicht lieber den Bahlmeifter in dem vor nicht
langer Beit wegen Ziridates geführten Krieg, welchem Nero
für dreizehn Millionen Seftertien [Leine Million sweihunderts
einundoierzigtaufendeinhundertfehsunddreißig Gulden] die
Freiheit gab, als Beifpiel angeführt willen will. 2. Dod)
war Dieß nicht fowohl der Preis des Mannes, als des im
Kriege gemachten Gewinnes; wie denn wahrlidh auch E.
?korius Priscus *) die Summe von fünfzig Millionen Se⸗
tertien [vier Millionen flebenhundertdreiundficbenzigtaufends
echshundert Gulden] für Päzon, einen der Verfchnittenen
Sejaus, nicht der Schönheit, fondern der Wolluft wegen
ahlte. Diefe Schmach ging ihm and, ungeftraft hin, weil
r in einem für den Staat traurigen Zeitpunkte, **) wo
Niemand zu einer Anklage Muße hatte, den Kauf abichloß.
XLI (zı\, 4. Alle Völker der Erde hat unftreitig das
Kömifhe an Mannhaftigkeit übertroffen; welcher Menſch
ıber der glüdfeligfte war, kann menſchliches Urtheil nicht
eſtimmen, da Jeder das Blüd auf eine andere Weife und
ach eigener Einbildung fidy vorftellt. Wollen wir aber ein
sahres Urtheil fällen, und, oßne uns von den Verſuchungen
es Glücks bleuden zu Saflen, entfcheiden,, fo it Bein Sterb⸗
*) Reicher Nömifcher Ritter, ber unter Xiberius (21 n. Chr.)
des Hochverrathe angeklant und im Kerker ermordet
wurde. Tacitué, Jahrb. II, 49-51.
**) Als Tiberins nach Sejans Tob durch alle Arten von
Grauſamkeit die Bürger in Furcht und Trauer verfegte,
Suetonius im Leben des Tiberius, Kap. 61, -
E. Plinius Naturgeſch. 78 Boͤchn. 8
838 €. Plinius Naturgefchichte.
licher glücklich. 2. Herrlich Sreibt’S und vom Glüde ſehr
gütig behandelt iſt alfo Der, weicher wirklich nicht ungläds
lid) genannt werden kann. Denn fällt auch durchaus nichts
Anderes vor, ſo ift doch jedenfalls die Furcht, das Glück
möge nachlaffen, vorhanden ; und hat ſich dieſe einmal feſt⸗
geſetzt, fo iſt die Glückſeligkeit nicht mehr volltommen. Und
gibt es denn wirklich einen Gterblichen, der zu jeder Stunde
weife ift?*) Möchten doch recht Viele diefe Behauptung
als fatfch, und nicht als den Ausſpruch eines Orakels erken⸗
nen! Die eitle und in der Selbſttänſchung erfinderifche
Sterblichkeit rechnet nad der Weife des Thraciſchen Volkes,
weiches Steinchen von verfchiedener Farbe je nıd) den Er:
fahrungen eines jeden Tages in eine Urne wirft, und am
Sterbetage eines Jeden diefe fondert und zählt, um auf diefe
Weile über den Hingeſchiedenen ein Urtheil zu fällen, *®)
3. Wie? wenn felbft jener durch ein weißes Steinchen aufs
gezeichnete Tag den Keim des Unglüds in fidy trägt ?. Wie
Viele bat die errungene Herrſchaft elend gemacht! Wie
Viele haben fhon Glücksgüter zu Grunde geridtet und in
den tiefſten Jammer geſtürzt; wenn man nämlih Das
Glücksgüter nennen wll was Einem eine Stunde Vergnüs
gen gewährt! Go ift es wirklich: ein Tag entfcheidet über
den andern, über alle abet der lebte, und deßhalb fol man
*, Plinius will fagen : auch die Marime, „nur ber MBeife if
gluͤcklich,“ greift nicht dur. Denn Niemand iſt Immer
weife, alfo auch nicht alucklich.
o*2) Man hielt ihn für gluͤcklich oder unglücklich, je nach ber
Mehrzahl der weißen und fhwargen Steinchen. Wergl.
Zenobius, Epitome proverb, VE, 13,
” Siebentes Bud, 839
seinem trauen, Ja glüctihe uud unglüdliche @reigniffe ind -
id) nicht einmal bei gleiher Anzahl einander gleih; und
ält wohl irgend eine Freude dem geringften Kummer die
Bage? O eitles und thörichtes Bemühen, die Tage der
zahl nach mit einander zu vergleichen, da man file doch gegen
Inander abwägen follte ! ‚
XLU (un. Die Lacedämonierin Sampido gilt als das
inzige Weib aller Seiten, weldyes eines Königs Tochter,
ines Könige Bemaplin und eines Königs Mutter, *) Be
enice ald das einzige, weldyes Tochter, Schwefter und Muts
er Olympiſcher Sieger war; **) die Familie der Eurionen'
[8 die einzige, in welcher in einer Reihe drei Redner, und
ie der Fabier ale die einzige, in welcher drei Zürften ***)
es Senats, nämlih M. Babins Ambuftus, fein Sohn Ba:
ins ARullianus und fein Enkel Q. Fabius Burges, eben»
ills in ununterbrochener Reihe auf einander folgten.
—
e) Sie war Tochter bes Leotychidas, Gemahlin des Archida⸗
mus, Mutter des Agis, welche alle zu dem Stamme ber
Eurppontiden gehörten, und von 491 bis 600 vor Chr.
herrſchten. — Plinius irrt fih, wenn er Lamyido als
einziges Beifpiel diefer Art betrachtet. Man findet im
Altertum anbere Beifpiele ; ; in ber neueren Zeit find fie
nicht felten,
2*) Bol, Aelian Var. Mist. X, 1.
“re, Fürft Erſier) des Senats hieß ber Senator, welchen der
Cenſor bei der Mufterung bed Senats zuerſt nannte,
Diefe Würde war eine ber köchften im Staate: in früs
berer Beit Bam fie dem älteften,, fpäter dem wärbigften
Senator zu.
g *
840 C. Plinius Natinrgefchichte.
XIAN (sun). Die Beifpiele der Unbeländigkeit des
Gtädes (Ind unzählbar. Und macht es nicht eben dadurch
die Frende groß, daß es fie auf Unglück, und das Ungläd
dadurch unermeßlich,, daß es dieſes auf die größte Freude
folgen läßt?
«rum, Es erhielt den von Sylla verbanuten Senater
M. Fiduſlins fehsnnddreißig Jahre lang; aber er wurde
zum zweitenmal verbannt. Er überlebte zwar den Gplla,
aber nur bis zur Zeit des Antonius, und von Diefem wurde
er, wie man mit Bellimmtheit weiß, aus Peiner anderen
Urfadye verbannt, ale weil er ſchon früher verbannt gemefen
‚ war.
XLIV. 4. Es ließ den P. .Bentidins allein über bie
Parther triumphiren, nachdem es ihn jedoch erfi als Knaben
im Asculanifhen Zriumphe *) des En. Pompeius Strabe
aufgeführt hatte. Nach der Angabe des Mafurius foll er
fogar zweimal im Triumphe aufgeführt worden ſeyn, und nad
Cicero **) war erder Efelstreiber eines Mebllieferanten für
Das Lager ; die Meiften kommen darin überein, Daß er feine
Jugend in ärmlichen Umfländen unter den gemeinen Solda⸗
ten verlebt habe. ***) Auch Balbus Cornelius wurde Eonful
*) Wegen der Einnahme ber Picçeniſchen Colonieftadt Aöcas
Ium im Bunbetgenoffenfriege (89 vor Ehr.). Wellejus
Paterculus IE, 21,
*®) Epist. ad Divers. X, 18.
“os, Mol, Gellius N. A. XV, 4. Ventibius ſtammte ans
einer vornehmen Samilie, wurde aber bei der Froberung
feiner Baterfiabt Aſculum zum Oefangenen gemacht uud
8, bis Edfar fein Talent erfannte und der Brfns
Giebentes Buch. 841
[40 vor Ehr.], aber erft nachdem er vorher augeklogt worden
war, und ſich Die richteriiche Unterſuchung, ob er mit Ruthen
geitrihen werden dürfe, *) hatte müffen gefallen laffen. Er
war der erfte Ausländer, der erfte auf dem Ocean Gebo
vene, **) welcher Tiefe Würde bekleidete, die unfere Vor⸗
eltern fogar den Bewohnern Latiums verweigerten. Zu den
merkwürdigen Beifpielen gehört auch 2. Fulvius, der Eon-
fol der Qusceulanifhen Empörer, welcher fogleih, als er
überging, von dem Römiſchen Volke. mit derfelben Würde
beffeidet wurde [322 vor Ehr.], und ter Einzige if, weicher
in demfelben Jahre, in dem er ald Beind auftrat, zu Rom
über Die, deren Eonful er gewefen, trinmphirte,
2. Bis auf den heutigen Tag if Sylla der einzige
Menſch, welcher fid) den Beinamen des Glücklichen aumaßte,
ven er Tod nur auf Bürgerblut und Unterdrüdung des
Baterlandes gründete. Und aus welchen Gründen nannte
r ſich glücktich? Weil er fo viele tauſend. Bürger zu ner.
annen und zu morden vermochte? O fhändliche und für
ie Bolgezeit unbeilfhwangere Anſicht! Hatten nicht die das
ıal® zu Grunde Gegangenen ein befferes Zoos, da wir fie
der feines Glückes ward, Ventidius wurde im J. 38 vor
Ehr. Eonful, Wd triumphirte Aber die Parther, bie er
durch Muth und Umficht bezwungen hatte (39 v. Ehr.).
+) Kein Römifcher Bürger durfte auf biefe Weiſe beftraft
werden. Balbus Eornelius war von Pompejus mit dem
Bürgerrecht befchenet worden; man machte ed ihm aber
fireitig.. Die für feine Sache gehaltene Rede Eicero’s iſt
noch vorhanden,
+) Sr flammte von Babes. Mol. B. V. 8, 5. 6
®.
32 6. Plinius Naturgeſchiqte.
noch heute bebanern, während Sylla von Jedem verabſchent
wird? 3. Und war bas Ende feines Lebens nicht ſchrecklicher,
als das Unglück aller von ihm Berbaunten, intem fein Körs
per Ach ſelbſt aufzehrte, und fich feihft feine Strafe erzeugte? *)
Mag er Dieß audy verhehlt haben, und wollen wir auch fei-
nem legten Zraume (in welchem er gewiffermaßen ftarb)
glauben, daß nämlich er allein den Neid durch feinen Rahm
befiegt habe, fo hielt er Body nach feinem eigenen Cinge
Aäudniffe feine Glückſeligkeit deßhalb nicht für vollkommen,
weil er das Capitol nicht eingeweiht habe. **)
XLV. 4. Quintus Metellus hat in der Lobrede, welde
er bei der Leichenbeflattung feines Vate.8 2. Metellus, wels
cher DOberpriefter, zweimal Conſul, ***) Dictator , Befehls:
haber der Reiterei und einer der zur Bertheilung der Aecker
erwählten Fünfzehnmänner war, nnd nad) dem erflen Pu:
nifhen Kriege zuerft Elephanten. im Triumphe aufführte, +)
hielt, dee Nachwelt überliefert, daB Diefer die zehn höchſten
und vorzüglichſten Dinge, zu deren Erlaugung die Weifen
ihr Leben verwenden, in ſich vereinigt habe. Er habe näms
lich der erfle Krieger, ber befte Redner, der tapferite Feld⸗
e) Sylla fiarb an ber Läuſeſucht. „Bol, B. XL 8. 39.
Valerius Maximus IX, 4. 9
°*) Er hatte die Wiebererbauung des abgebrannten Kapitols
fibernommen, ſtarb aber vor der Einweihung. Tacitus
Hist. III, 72.
er.) In den Fahren 251 und 247 vor Ehr.
+) Nach) einer andern Stelle des Plinius (VIII, 6.) wurden
fhon nad dem Kriene mit den König Pyrrhus die ers
fien Elephanten im Triumph aufgeführt.
Giebentes Bud. 845
herr ſeyn, unter feiner Leitung die wichtigſten Dinge volls
bringen, das höchſte Anfehea genießen , die größte Weisheit
beflgen, für den vorzüglichſten Senator gebalten feyn, ein
großes Vermögen auf qute Art ſammeln, viele Kinder bin:
terloffen und als der Berühmteſte im Staate gelten wollen.
Dieb ſey auch nur ihm und Leinem Andern feit ter Er⸗
baunung Roms gelangen. 2. Es wäre zu weitläufig und
and berflüſſig, dDiefe Behauptung zu widerlegen, da fie
durch eine einzige Thatſache fhon zur Genüge widerlegt
wird. Denn diefer Metellus brachte fein Alter in Blind⸗
heit bin, nachdem er feine Angen bei einer Feuersbrunſt,
als er das Palladium *) and dem Tempel der Beta holte,
verloren hatte: freitidy ein rühmlicher Beweggrund, aber von
unglüdlihem Ausgange. Man kann ihn deßhalb, obgleich
er nicht gerade unglüdlich genannt werden darf, doch auch
nicht glädlidy nennen. Das Römiſche Volk ertheilte ihm
die noch feinem Andern feit dem Beginne des Staates ges
währte Belohnung, daß man ihn, fo oft er den Genat bes
ſuchen wollte, auf einem Wagen nach dem Rathhauſe fuhr —
ein großes und herrliches Vorrecht, das er aber mit dem
Verluſte feiner Angen erfaufte,
(zum), 5. Auch der Sohn diefes D. Metellus, welcher
das Angeführte von feinem Bater fagte, wird zu den feltenen
Beifpielen menſchlicher Gtüdfeligkeit gezählt. Denn er bes
Bleidete nicht nur die höchſten Ehrenftellen, und erhielt den
9) Ein Bild der Minerva, wie man fagt, an beffen Erhaltung
> die Religion der Nömer die Wohlfahrt bed Staates Infpfte,
7
Br €. Plinius Raturgefchichte.
Beinamen „ber Muacedonifte;“*) fondern wurde überdieß
von vier Söhnen auf den Scheiterhaufen gelegt, von denen
einer Drätor und drei Conſuln geweien, zwei trinmpbirt
hatten und einer Cenſor war, welche Auszeichnungen, and)
einzeln genommen, nur ‚Wenigen zu Theil werden. Und
doch wurde er in der Blüthe feines Anſehens von dem
Volkstribun E. Attinius Labeo, mit dem Beinamen Maceı
rio, den er als Cenſor aus dem Genate geftoßen hatte, ald
er zur, Mittagszeit, wo Forum und Eapitolium menfchenleer
waren, von dem Marsfelde zurückkehrte, zum Xarpejifchen
Belfen gefchleppt, um herabgeftürzt zu werden. Zwar cite
jene zablreihe Scaar, die ihn Vater nannte, aber (mie eb
bei einem fo unvorhergefehenen Balle nicht anders fepn
konnte) zu fpät, und gleichſam mur zu feinem Leichende
gängniffe herbei, da men nicht das Recht hatte, der gehei⸗
ligten Perfon eines Tribduns Widerſtand zu leiten; nnd er
wäre ein Opfer feiner Rechtſchaffenheit und des Cenſoram⸗
tes geworden, wenn man nicht nad vieler Mühe einen
Zribun, der Einfprache that, aufgefunden und ihm fo von
der Schwelle ded Todes zurückgewiefen hätte. Später lebte
er von fremder Unterflügung, da der von ihm früher ver:
urtheilte Zribun and feine Güter einer Gottheit geweiht
batte, **) als wenn er nicht ſchon genug dadurd), daß man
*) Beil er Macebonien beswungen, und zur Römifcdhen Pro⸗
vinz gemacht hatte (148 vor Ehr.).
es, Der Tribun hatte fi nicht nur der Perfon bed Metelind
bemächtigt, fondern auch feine Gitter feierlich der Golt⸗
- heit geweiht (vgl. Cicero, pro demo sun, c. 47.). Eis
anderer Zribun vermochte nun zwar bie Perfon bes Ge
s
Giebentes Bud. 84
ihm bie Kehle zufchnürte, und das Blut and den Ohren
preßte, gemißhandelt worden wäre. 4. Zu feinem Unglüde
möchte ich ferner rechnen, daß er des zweiten Afrikaners *)
Beind war, und er, der Macedonifhe, geſtand Diefes ſelbſt
ein, ald er zu feinen Kindern ſprach: „gehet hin, meine
Söhne, erweilet ihm die letzte Ehre; denn mie werdet ihr die
Leiche eines größeren Bürgers’ fehen." Und Dieß fagte er
zu feinen Söhnen, als dieſe ſchon die Beinamen „der Balea⸗
rifche“ und „der mit dem Diadem Gefhmädte“ **) führten,
und er felbft ſchon der Macedonifhe hieß. Wer möchte aber,
wenn er auch nur dieſe einzige Schmach in Auſchlag bringen
will, Den wirklich glücklich neunen, der in der Gefahr
ſchwebte, nad dem Gelüſten eines Feindes, der bei weitem
fein Afrikaner war, fein Leben zu verlieren? 5. Konnte
die Belegung, irgend eines Beindes dieſe Schmad aufwies
gen? Hat nicht das Schickſal dur diefe feine Gewaltthat
alle Ehrenbezeugungen und Triumphzuge in den Hintergrund
gedrängt ? Ein Eenfor durch die Mitte der Stadt gefchleift
(und doch war Dieß das einzige Mittel, um Zeit zu gewins
mißhandeiten zu retten; bie &üter aber Tonnten der
SGottheit nicht wieder entzogen werben, und waren unwies
berbringlich verloren,
*).9. Cornelius Scipio, weicher Kartbago zerfißrte,
*., Der Eine, weil er die Bewohner biefer Infel beftegt hatte
(Sicero, pro Roscio Amer. co. 56. De Divin. I, 2.);
der Andere, weil er bie durch ein Geſchwür verunftaltete .
Stirne mit einer biabemähnlichen Binde umwunden hatte
(vgl. Plutarch, im Leben Koriolan’d Kap. 11). Diefe
legte Urfache Bann freilich Feinen Ehrennamen begründen ;
846 €. Plinius Naturgefchichte.
sen, °) nad jenem Gapitolium gefcleift, in welches er
ſelbſt nicht einmal die Gefangenen, mit deren Beute er im
Triumphe einzog, auf dieſe Weife gefchieift hatte! Der
Srevel wird noch durch das fpätere Glück des Metellus ge:
hoben, da er durch ihn Befahr lief, einer fo herrlichen und
feitenen LZeichenfeier verluftig zu werden, bei welcher er von
Kindern, die bereits triumphirt hatten, auf den Gcheiters
haufen getragen wurde, und fo gleihfam noch bei feiner
Beftattung triamphirte. WBahrli keine Glückſeligkeit if
vollkommen, weiche einmal im Leben irgend eine Schmach,
und wenn ed aud) Beine fo bedeufente ift, unterbricht. Ues
brigens weiß ich nicht, ob es den Sitten jener Zeit zum
Ruhme gereihen, oder ob ed nicht vielmehr den Schwerz
der Entrüftung fleigern foll, daß bei der zahlreichen Familie
der Metelle die fo abſcheuliche Brechbeit des C. Attinius
ungeahudet blieb.
XLVI (zıv), Wach bei dem götttichen Auguſtus, den
doch die ganze Welt unter die vom Blüde Begünſtigten
zählt, zeigt fich, wenn man Alles genauer erwägt, eine große
Unbefläntigteit des menfhlihen Schidfals. Hierher gehören
Hoch darf man im Text nicht „Diadematis“ in „Dalms-
.tieis“ („ber Dalmatifhe”) ändern, ba man durch Eicere
(Or. post. red, ad Quirit. o. 3.) mit Beſtimmtheit weiß,
daß Mehrere aus der Familie der Meteller den Beinamen
Diadematus führten, wenn nnd auch bie wahre Urfache
Diefer Benennung, unbefannt ift,
Wenn’ er ohne. Widertand mit auf dad Kapitolium ges
gangen wäre, fo wärbe ber rettende Xribun gm fpät ges
tommen ſeyn.
Giebentes Buch. 847
die Ahweifung durch feinen Dbeim, *) als er fid um den
Dberbefehl über die Keiterei bewarb, und der Vorzug , der
gegen fein Gefady dem Lepidus gegeben wurde; der Haß,
welchen ihm die Berbaunungen *®) angezogen; feine Berbin⸗
dung mit den ſchlechteſten Bürgern währeud des Triumvirats,
wobei ihm nicht einmal gleiter Machtantheil, fordern der
weit überwiegende dem Antonius zukam; feine Krankheit
während der Echlacht bei Philippi; die Blucht und ter breis
tägige Verluft des Erkrankten und (wie Agrippa und Mä—⸗
cenas geftehen) durch die Hautwaſſerſucht Aufgefhwollenen
in einem Sumpfe; ***, fein doppelter Schiffbrud, bei Sici⸗
lien, +) und fein zweiter Verſteck daſelbſt in einer Höhle;
die an feinen Freigelaffenen Proculejus gerichtete Bitte, ihm
den Zod zu geben, ald ihn auf der Flucht nah dem Ger
greffen die feindlihe Macht hart beträngte; ++) feim Abs
mühen bei dem Perafinifhen Handel; +++) feine Angft in
°, Julius Edfar’ Dieb, gefhah im J. 46 vor Ehr.
””) Während des Zriumviratd mit Antonius und Lepidus.
s.., Als nämlich in dem erfien Treffen fein Lager erobert
wurde, und er kaum noch auf feiner Flucht den Flügel
des fiegenden Antvnius erreichte. Sueton, im Leben des
Augufins 16.
+) Im Kriege gegen Pompejus. Sueton, a. a D. 8. 16.
+7) Demochares und Apollophaned , Felbheren bed Pompeiut,
verfolgten ihn, und er ehtfam mit einem einzigen Schiffe.
Sueton, a. a. D. 8. 16.
++H Der Conſul €, Antonius, Bruder des Trinmvir, hatte
Unruhen erregt, umd fih in Peruſia fefigefegt. Mit Mühe
wurde ge Stadt zur Uebergabe gezwungen. Sueton, a⸗
a. O. 14.
848 C. Plinins Naturgefchichte.
der Schlacht bei Actium; *) ſein Fall von einem Thurme
während der Pannoniſchen Kriege; **) fo viele Empörungen
feiner Goldaten; ***) fo viele lebensgefährlie Kraukhei⸗
ten; +) die verbädtigen Wünſche des Marcellus; tr) bie
ſchi pfliche Gelbftverbannung Agrippa's; +r}) die fo oft
wiederholten Anfcyläge auf fein Leben; +’) die ibm zur Lafl
gelegte Ermordung feiner Kinder +°*) und der dadurd) nody
geeigerte Schmerz über den Bertuft derfelben, der Ehebruch
feiner Tochter [Julia] und die offenkundig gewordenen vas
termörderifchen Anfchläge Derfelben ; +***) die für ihn ſchmäh⸗
liche Entfernung feines Stiefſohnes Nero; *+) der Ehebruch
") Gegen Antonius, wo der Audgang lange zweifelhaft wer.
°.. Als er bei der Belagerung ber Stadt Metulum (35 vor
Ehr.) von einem Thurm auf pie Mauer fpringen wollte,
Die Cafiius, R. ©. XLIX, 35.
9) GSueton, a, a. D. Kap. 17. Geneca, de clement. I, 9,
FT) Sueton, a. a. D. Kay. 80—82,
+H Seines Schwefterfohnes , welcher in den Verbadht Fam,
als firebe er nad) der Herrſchaft, und fehr jung, wahrs
fheinfih an Gift, das ihm Livia, Augufs Gemahlin, beis
zubringen wußte, farb. Tacitus, Ann. I, 3. II, 41.
tr) Seines Schwiegerfohne®, ber ſich, meil er den Verdacht
beste, ald werde er von Auguſtus nicht gerne geſehen,
und Ihm Marcellus vorgesogen, nach Mitylene entfernte,
ESueton, a. a, O. Kay
+") Bol. Sueron, a. a. © Kar. 19.
2°) Seiner Enkel Cajus und Lucius, die er aboptirt hatte,
and welche Livia aus dem Wege geräumt haben fol, um
Ihrem Sohne Tiberius bie Nachfolge zu fichern.
—8 Sueton, a. a. O. Kap
) Welcher fih aus Biderwillen gegen feine Gemahlin Ju⸗
"nach Rhodus entfernte, was bem Water derſelben Peine
‚ Siebentes Bud. 849
feiner Enkelin; *) dann die Hänfung fo vieler anderer Un⸗
glücsfälle; der Mangel an dem zur Befoldung des Heeres
nöthigen Gelde; die Empörung Illyriens; **), die Anwer⸗
bung der Skladen; der Mangelan waffenfähiger Jugend; ***)
Die Peſt in der Stadt; +) die Hungersnoth und Dürre in
Italien; +7) fein Vorſatz zu Sterben und fein viertägiges
Sieber, wodarch er bereitd den Keim des Todes in feinen
Körper gelegt hatte; außerdem nody Die Niederlage des Bas
rus; T+r) die gemeine Beftimpfung feiner Würde; 78) die
Berttoßung des Poſthumus Agrippa,, nachdem er ihn an
Kindesftatt angenommen hatte; +**) feine Sehnſucht na
Demfelben, ald er verbannt war; T***) dann von der einen
Seite der Verdacht gegen Fabius *+) und die Furcht, Die
Freude machen konnte. Sueton, im Leben des Tiberius,
Ray. 10— 12. |
*) Der jüngeren Julia, einer Tochter der Julia und des
Agrippa. Sueton, im Leben des Augufius, Kap. 65,
°., Im 3. 35 vor Ehr. Dio Caſſins, R. ©. XLIX, 35—37,
.r, Haupifählic nad der Niederlage bed Varus. '
+) Im 3. 22 vor Ehr.
+7) Sueton. a. a. D. Rap, 16. und 42.
+++) Durch den Cherusterfürften Hermann,
7’) Durch Shmähfchriftn. Sueton, a. a. D. Kap. 55.
+°*) Wegen feiner eben fo niedrigen, als wilden Gemäthöurt,
Sueton, a. a. D. Rap. 65. Bol. Tacitus, Ann. I, 3,
+°*+*) Er fol ihn fogar an feinem Verbannungsorte auf der
Inſel Planafia heimlich befucht haben, Tacitus, Ann. I, 4.
*+) Fabius Marimus, welcher. den Kaifer Augufius allein auf
die Infel Planafia begleitet. hatte. Die Furcht, er
möchte das Geheimniß ter Kaiferin verrathen, und Diefe
dadurch) aus Liebe zu ihrem Gohne Tiberius zu eines
verzweifelten Schritte verleiten, quälte ihn unaufhbrlich.
. 850 C. Plinius Naturgeſchichte.
fer möge feine Geheimniſſe verrathen, und endlich von der
audern die Rinke feines Weibes und des Tiberius; feine
legte Sorge. Mit einem Worte, diefer Gott, welcher den
Himmel, id) weiß nicht 05 ich fagen foll, verdient oder viels
mehr glücklich erhafcht hat, hinterlich ben Sohn feines Fein⸗
des *) als Erben.
XLVIF (xıvı). Bei dieſer Betrachrung ſallen mir auch
noch die Orakelſprüche ein, welche von dem Gotte gleichſam
zur Beſchämung der menſchlichen Eitelkeit ertheilt wurden.
Es ſind deren zwei, nämlich: „Phedius, welcher kürzlich für
fein Vaterland gefallen, ſey der glücklichſte Menſch.“ und
daun die Antwort, welche Gyges, der damals mächtigſte
König der Erde, auf ſeine Aufrage erhielt: „Aglaus von
Pſophis **) ſey glücktider als er.“ Dieſer Letztere war ein
Greis, welcher in einem unbedentenden Winkel Arkadiens
ein kleines, aber für ſeinen jährlichen Unterhalt vollkommen
hinreichendes Landgut bebaute. Er hatte daſſelbe nie vers
lafſen und (wie ſchon aus ſeiner Lebensweiſe hervorgeht) bei
fehr wenigen Wünſchen im Leben auch nur fehr wenig Uns
glück erfahren. #"*) |
XLVIII (xıvi). Anuf Befehl deffelben. Orakels und mit
@iuwilligung Jupiters, des höchſten der Götter, ‚wurde ber
Sanftlämpfer Euthymus, ber ſtets zu Dlympia geflegt hatte,
*) Tiberius Nero, welcher während beB Bürgerkrieges auf
der Seite bes M. Antonius fand, Gueton, im Xiber,
Kay
.., Eine Zart Arecadiens. . B. IV. K. 10. 81.
vo, Bal. Valerius Maximus Yır, 1.
Siebentes Bud. | 851
and nur einmal beflegt worden war, *) während er nody auf
der Erde wandelte und ed mitanfchen Bonnte, vergöttert.
Grin Vaterland war Locri in Skalen. Das fein bafelbft
befindliches Stantbild und ein anderes zu Diympia an einem
und demfelden Tage vom Blitze getroffen wurde, fepte dem
Callimachus, **) wie ic) fehe, mehr als fonft irgend Etwas,
in Erſtaunen, und er gab daher den Rath, ihm Opfer dar⸗
zubringen, was auch während feines Lebens und nad) feinem
Zode mehrmals gefhah; und richte ift wohl wunderbarer,
als daß ſich die Götter Diefes gefallen ließen.
XLIX (zıvan, 4A. Ueber die Dauer und Länge des
menfchlichen Lebens läßt Mich nicht nur der verfchiedenen Lage
der Zänder, fondern audy der verfhiedenen Beifpiele und des
Jedem bei feiner Geburt zugetheilten Loofed wegen nichts
Beſtimmtes fagen. Heſſodus, welcher zuerft Einiges fiber
diefen Gegenſtand ſchrieb, ***) erzählt nach meinem Dafür⸗
halten viel Babelhaftes von dem Leben des Menfchen, und
behauptet, die Krähe lebe nenum fo lange als wir, der
Hirfdy viermal fo lange ald die Krähe, und der Nabe dreimal
fo lange ald der Hirſch. +) Was er weiter von dem Phönix
und den Nymphen fagt, ift noch viel fabelhafter. Der Dichter
Anacreon gibt Arganthonias, dem Könige der Tarteffler,
*) Und zwar nur durch Lift und Betrug.
”) Den. Dichter, Val. bie literariſchen Bemerkungen vor
dieſem Buche.
99°) In einem feiner nicht mehr vorhandenen Werte,
+) Diefe Uebertreibung verdient wohl Beine Berichtigung.
Vieleicht and hat Piinins bie worte Heſiods mißver⸗
ſtanden.
— +
852 C. Plinius Naturgeſchichte.
hundertundſünfzig Jahre; Cinyras, dem Könige der Cyprier,
noch zehn mehr, und dem Aeginius zweihundert, Theopom⸗
pus dem Epimenides von Gnoffus hundertiichenundfünfzig
Jahre. 2. Hellanicus berichtet, DaB Manche von dem Stamme
der Epier in Netolien zweihundert Fahre alt würden; ihm
Aimmt Damaftes bei und erwähnt, daß unter ihnen Picto⸗
rens, ein durch Größe und Stärke ausgezeichneter Mann,
ein Alter von dreihundert Jahren erreicht habe. Nach Epho⸗
rus lebten die Könige von A:cadien dreifundert Jahre; nad)
Alerander Eornelins erreichte ein gewiſſer Dando in Jäps
zien ein Alter von fünfhundert: Jahren. Xenophon erzäblt
in feiner Reifebefhreibung , der König der Inſel der hp
nier *) ſey fechshundert, und, als wenn Diefes noch zn wes
ig gelogen wäre, fein Sohn achthundert Jahre alt gewor—⸗
den. Wlles Diefes kommt von der linfenntniß der Zeitrech⸗
nung. Denn Manche rechneten den Sommer für ein Jahr
und den Winter wieder für eines; "Andere machten aus eis
nem Jahre vier, wie die gfrendier, deren Fahr nur aus drei
Monaten beftaud, und Einige ſchloßen fogar das Fahr mit
jedem Mondwechfel, wie die Aegypter, und auf diefe Weile
können denn auch bei ihnen Manche tauſend Jahre alt ge⸗
worden ſeyn.
°) Nach der Lesart „Thynorum ‚* welche allein annehmbar
if, da bie Thyner In Bithynien am ſchwarzen Meere
wohnten. Denn Zenophond Reifgbefchreibung befchiftigt
fit) nue mit ben an biefem Meere gelegenen Ländern
(vgl. bie Iterarifchen Bemerkungen vor biefem Buche).
Die gewöhnliche Lesart „Tyriorum“ ſch int jedenfalls uns
ſtatthaft zu feyn. |
_
Siebentes Bud). 853
5. Berner, um jept auf Superläßigeres Überzugehen,
ift faft gewiß, daß Urganthonius zu Gades achtzig Jahre
regiert habe, obſchon er, wie man glaubt, die Regierung erft
in feinem vierzigften Jahre antrat. Daß Mafiiniffa*) fedh:
zig Jahre regierte, und der Sictlianer Borgias **) ein Alter
von hundertundacht Fahren erreichte, unterliegt Prinem Zwei:
fe. D. Fabius Marimus war dreiundfechzig Jahre Augur;
SM. Perpenna und nod vor Kurzem 2% DBouflue Saturni⸗
nus überlebten Alle, welche fie während der Bekleidung des
Eonfulats um ihre Meinung befragt hatten, ***) und Per⸗
penna hinterließ wur fieben von Denen, +) die er als Eenfor
gewählt hatte; er ward achtundneungig Fahre alt. A. Bei
Diefer Belegenheit mag and) nody die Bemerkung mit unters -
Iaufen, daß nur ein einzigesmal ein Seitraum von fünf
Fahren [Luftrum] verging, in welchem kein Senator farb,
nämlidy von der Seit, ald die Eenforen Flaccus und Wibis
nns;das Luftrum feierten, im fünfhundertacunundflebeniige
fien Fahre der Stadt [175 vor Chr], bis Algden nächſten
Ceuſoren. M. Valerius Corvinus ward hundert Jahre alt,
und zwiſchen feinem erſten und ſechsten Conſulate verfloſſen
ſechsundvierzig Jahre. Auch ſaß Derſelbe öfter als irgend
sin Anderer, nämlich einundzwanzigmat, auf dem Eurulifchen
”
* Bol. oben Kay. 12.
e0) Der Lehrer ded Rebners Iſokrates und anderer serühmten
Männer. Balerius Marimus, VIII, 13.
+) D. h. alle Senatoren, welche zur Zeit ihres Conſulats
vorhanden waren. -
T) Bon ben Senatoren naͤmlich.
€, Plinius Naturgeſch. 78 Bbchn, 9
x
864 €. Plinius Nakurgeſchichte.
Gtuhle. D Ein eben fo hohes Alter, erreichte der Dberprie:
ſter Metellus.
5. Unter den Frauen wurde Livia, des Rutilius Ge:
mahlin, über flebenundneunzig, Gtatilia aus einem vorueh
men Haufe unter der Regierung des Claudius neunundneun⸗
. zig, Terentia, Eicero’d Gemahlin, hundertunddrei und Clo⸗
dia, die Battin des Oftlius, hundertundfünfzehn Jahre alt.
Die Letztere gebar auch fünfjehnmal. Die mimifche Künft:
lerin Lucceja ſprach noch in ihrem hundertften Jahre auf der
Bühne, und die in den Swifchenfpielen'auftretende Tänzerin
Galeria Eopiola erſchien in ihrem hundertundvierten Jahre
unter dem Conſulate des C. Poppäus und Q. Sulpicins
[9 nach Chr.], als die zus Erhaltung des göttlichen Angu⸗
ſtus gelobten Spiele gefeiert wurden, wieder auf der Bühne,
auf welcher ſie der Volksädil M. Pomponius einundneungig
Jahre früher unter dem Conſulate des T. Marius und En.
Carbo [82 vor Ehr.] ihren erſten Verſuch hatte machen laſ⸗
fen, und anf melde ſinſchon von dem großen Pompejus bei
der Einweißing feines großen Gchaufpielhaufes als alte
Fran zu Aller Erſtaunen wieder gebracht worben war,
6. Daß aut) Gammula **) Hundert Fahre gelebt Habe,
2) Ein Stahl ohne Lehne, welcher zufammengelegt werben
Eonnte, und den hoͤchſten Magifiraten (Gonfaln, Yrätoren,
Aedilen) nachgetragen wurde. Valerius Corvinus beklei⸗
dete alſo ſehr oft babe Stellen.
2) Embollaria. Andere halten dieſes Wort, welches außer
dieſer Stelle auch noch in einer Infchrift (Muratori p. 660,
4.) vorkommt, mit Unrecht für einen Eigennamen.
909) Moni auch eine Schaufpielerin oder Tänzerin,
Siebentes Buch. 885
erzählt Asconius Pedianus. Weniger wundert es mich, daß
Stephanio (welcher zuerſt Römiſche Nationaltänze einführte)
bei zwei Säcularfeſten tanzte, einmal bei dem des göttlichen
Augufins [17 vor Ehr.] und bei dem, welcher der Kaiſer
Claudius während feines vierten Conſulats [A7 vor Chr.]
veranftaltete; denn zwifchen beiden Liegen nicht mehr als
dreiundſechzig Fahre, obſchon Stephanio auch noch Lange
nachher lebte. Auf der Spitze des Berges Smolus, welche
Teinpſis heißt, ſollen, wie Mucianus exzählt, die Lente hun⸗
dertundfünfzig Jahre alt werden. Als eben ſo alt wurde
bei der Volkszählung des Kaiſers Clandius der Bononier T.
Fullonius angegeben, was ſich auch, als man die Angaben,
die er bei früheren Zählungen machte, und andere beweis⸗—
Präftige Lebensumflände (über welche der Kaifer ebenfalls
Erfundigungen einzog) damit verglich, als richtig erwies.
L aux). 4. Hier ift wohl auch der ſchicklichſte Ort,
um die Anſicht der Sterndentefunft mitzutheilen. Epigenes
behauptete, daB die Lebensdaner nicht volle hundertundzwölf
Jahre währe; Berofus, daß fie die Zahl von hundertundfich-
zehn Fahren nicht Überfchreiten könne. Die Beſtimmungs⸗
meife, weldye Petoſiris und Mecepfos einführten, und bie
nach der Eintheilung [des Thierkreifes] in je drei Zeichen
Viertheil Eetartemorion) heißt, iſt immer uoch die gewoͤhn⸗
liche, *) und ans ihr "erhellt, daß das Menſchenleben in dem
*) Dieſe Verechnungsweiſe beruht auf dee Eintheiluung ber
zwölf Zeichen des Thierkreiſes in vier Theile, alfo in je
drei Beihen. Nach ber Lehre ber Aſtrologen Bann ein
9%
856
€, Plinius Naturgeſchichte.
Striche Italiens hundertvierundzwanzig Jahre danern könne.
Jene längneten, daß irgend Jemand das Aufgangsmaß von
neunzig Graden *) (von ihnen Auaphora [Aufſteigung] ges
nannt) überſchreiten könne, und daß ſelbſt Dieſes durch die
Dazwiſchenkunft unheilbringender Geſtirne oder auch nur
durch ihre und der Sonne Strahlen durchſchnitten werde, **)
3. Später kam die Schule des Aesculapius wieder. in Auf:
nahme, wilde ebenfalls lehrt, daß die Lebensdauer von den
Sternen abhängig fey, aber nichts Gewiſſes über die äußerſte
Menſch, welcher bei dem Aufgange des erſten dieſer brei
Zeichen geboren iſt, nicht mehr Jahre leben, als durch
dieſes und die beiden folgenden Zeichen beſtimmt ſind.
.Dieſe Jahrbeſtimmung der Zeichen bes Thierkreiſes iſt aber
nicht Überall dieſelbe, ſondern richtet ſich nach ber Lage
der von den alten Aſtronomen gezogenen Parallelkreife
(vgl. 8. VI. 8. 39.) und der verhiedenen Neigung bes
Himmeld. In Rom war nah Zulins Firmicus Maters
nus (Mathes. II, 13.) vie Zahlbetimmung ber Zeichen
folgende: Widder = 17 Jahren; Stier — 22; Zwillinge
— 17; Krebs — 22; Löwe — 37; Jungfrau — 43;
Wage —. 42; Storpion — 37, Schüge = 32; Stein⸗
bo@ — 275; Waffermann — 22; Fiſche — 17. War
nun Jemand in Italien z. B. beim Aufgange ded Löwen
geboren, fo galt es für einen glücklichen Fall; benn für
ihn war eine Lebendzeit von 37 4 42 + 42 = 121
Fahren möglich. Un diefer Stelle möchte deßhalb ſtatt
der im Texte ſtehenden Zahl 124 richtiger 121 zu leſen
ſeyn
°) Der drei Zeichen bes Thierkreiſes, da auf jedes Zeichen
dreißig Grade kommen.
”*, Weßhalb die meifen Menschen die ihmen von dem bei ih⸗
* Geburt aufgehenden Zeichen beſtimmte Zahl von Jahren
eben.
Siebentes Buch. 8687
Friſt feſiſezt. Ein längeres Leben iſt nach ihnen Thon
Bewegen felten, weil eine große Menge Menfdten , welche
in den entfcheidenden Stunden der Mondtage, nämlich in
der fiebenten und vierzehnten Stumde (ed mögen diefe nun
Nacht: oder Tagſtunden feyn) zur Welt kommen, durch das
Geſet der Stufenjahre *) (welche fie climacterifdie nennen)
dem Tode verfallen, und die auf diefe Weife Geborenen felten
dag vierundfünfzigfle Fahre überfchreiten.
3. Das Schwanken diefer Kunſt ſelbſt zeigt übrigens
ſchon, wie ungewiß die ganze Sache ift. Dazu fommen noch
die Erfahrungen und Beifpiele der letzten Volkszählung,
welche die Kaifer und Cäſarn Befpaflan,’ Vater und Sohn,
vor vier, Fahren [74 nad) Chr.] anftellten. Man braucht
deßhalb noch nicht einmal alle Schagungsbüder durchzuge⸗
hen, und wir wollen nur aus dehen, welcke den mittleren
Theil Italiens zwifchen dem Apenninus und dem Padus
betreffen, Beifpiele anführen. Zu Parma gaben drei huns
dertundzwanzig, zu Brirelum [Bregella] einer hundertfünf:
undzwanzig, zu Parma zwei huudertunddreißig, zu Placen⸗
tia [Piacenza] einer hunderteinunddreißig, zu Faventia
[Baenza] ein Weib hundertfünfunddreißig, L. ZTerentius, des
Marcus Sohn, zu Bononia [Bologna] und M. Aponius zu
Ariminum [Rimini] hundertfünfzig und Tertulfa ebenda:
ſelbſt hunderffiebenumdbreißig Jahre an. 4. Auf den Hü-
®) Anni colimacteres oder scansiles find ſolche, deren Zahl
von zwei mit einander multiplicirten Sahlen gebildet wird.
Das vierundfänfzigfie Sahr if ein Stufenjahr; denn bie
Zahl 54 iſt — 69.
1
®
858 €. Plinius Naturgefhichte.
geln in der Umgegend von Placentia liegt die Stadt Bele-
jacintn, *) in welcher ſechs hundertzehn, vier hundertzwan⸗
zig, und einer, nämlih M. Marcius Felix, des Marcus
Sohn, aus der Gaterifchen Bürgerbfaffe,. hundertuierzig Fahre
alt wurdın. Um uns aber nicht länger bei einer audges
machten Sache aufzuhalten, fo bemerken wir, daß in dem
achten Bezirke Italiens vierundfünfzig Leute "von hundert,
vierzehn von hundertzehn, zwei von hundertfünfundzwarig,
vier von hnybertdreißig ‚ eben fo viele von, hHundertfünfunds
dreißig oder hundertfiebenunddreißig und drei bon hunderts
vierzig Fahren eingetragen ind.
5. Noch eine andere Laune des menihlihen Schidfals !
Hector und Polydamas, deren Loos fo verfchieden war, **)
wurden nach Homer ***) jn einer und derfelben Nacht ges
boren. M. Cäcilius Rufns und E. Licinius Calvus kamen
an einem und demſelben Tage, nämlich am fünften vor den
Calenden des. Fun; [28. Mai], unter dem dritten Conſulate
des C. Marius und En. Garbo [82 vor Ehr.] zur Welt:
Beide waren zwar Redner, + aber mit fehr verfchiedenem
@rfolge. Das Nämliche ereignet ſich täglich in der ganzen
Welt bei Solchen, die in denfelben Stunden ihr Dafeyn ers
hielten; denn zu gleicher Zeit werden Herren und Sklaven
Könige und Bettler geboren.
*) "Ruinen diefer Stabt findet man bei dem heutigen Mazineſſo.
. **) Hektor war ein tapferer Krieger, Polydamas ein guter
Redner in ber Verſammlung.
+, Il. XVII, 249—252,
N Der Erfte ein ſchlechter, - der Andere ein fo vorzüglicher,
daß man ihn Eicero gleichſtellte.
x
/
Giebentes Bud. , 859
LI a). 4. Publius Gornelius Rufus, welcher das
Eonfulat mit Manius Eurius [290 vor Chr.] bekleidete, .
verlor das Augenlicht im Schlafe, als er träumte, daß ihm
Diefed widerfahren würde; Jaſon von Pheräa *) Dagegen,
weicher, als ihn die Aerzte eines Blutgeſchwüres wegen ſchon
aufgaben, den Ted in der Echlacht fuchte, fand feine Hei⸗
Iung durch eine ihm vom Feinde beigebrachte Bruſtwunde.
Der Conſul Q. Fabius Morimus [121 vor Ehr.] wurde
in der Schlacht, welde er am fechsten der Idus [achten
Tag] des Auguſt bei dem Fluffe Iſara gegen die Volkes
ſtämme der ffllobroger und Arverner fchlug, und die huns
dertdreißigtaufend Menfchen das Leben Eoflete, wahrend des
Kampfes vom viertägigen Fieber befreit.
2. Allzu ungewiß und gebrechlich ift dieſes Geſchenk
der Natur, in welchem Maße es uns auch zu Theil wird;
aber fpärlich und kurz erfcheint es aud) bei Denen, welchen
es in höchſter Fülle zugetheilt iſt, wenn wir nur die Ge⸗
ſammtzeit eines Menſchenlebens näher betrachten wollen.
Verliert nicht, wenn wir den nächtlichen Schlaf abrechnen,
ein Feder ſchon die Hätfte feiner Lebenszeit? Die eine Hälfte
wird alfo- in todesähnlichem Suftande zugebraht, oder in .
Dein, wenn uns der Schlaf flieht. Dabei kommen weder
die Fahre der Kindheit, wo der Berftand noch mangelt, noch
die des Alters, welche dem lange Lebenden zur Dual werben, _
+, Ein berühmter Felbherr, welcher ſchon als Jungling feine
Vaterſtadt unterjochte, ſich fpäter ganz Theſſalien unter⸗
warf, und viele Kriege mit GA führte, Er ſtarb im
Fahr 371 vor Ehr.
U
860 €, Plinins Naturgefhichte. '
in Anſchlag. Go vielartige Gefahren, fo viele Krankheiten,
fo viel Furcht, fo viele Gorgen veranlaffen fo oft die Auru⸗
‚ fung des Todes, daß fein Wunfd) häufiger iſt. Die Natur
bat alfo dem Menſchen nichts Beſſeres gegeben, als die
Kürze des ‚Lebend, 3. Die Ginne werden flumpf, die Glie⸗
der ſtarr: Geflht, Gehör, Bang, ja fogar die Zähne nnd
die Berdanungewerkzenge ſchrinden vor uns dahin; und
doch wied diefe Zeit and noch zum Leben gezählt! Als Wun⸗
der umd als einziges Beiſpiel kann es Daher gelten, daß der
Tonkünſtler Zenophilus *) ein Alter von hundertundfünf
Jahren ohne irgend ein körperliches Unwohlfeft erreichte;
denn wahrlich allen übrigen Menfchen dringt fortwährend,
was bei feinem andern Thiere der Fall ift, *%) durch eins
zeine Theile der Glieder zu gewiffen Stunden eine verberks .
liche Diße oder Kälte,. und nicht nur zu gewiffen Stunden,
fondern auch jedesmal rad) Verlauf von drei oder vier Tas
gen nnd Nächten, ja fogar eines ganzen Jahres. A. Mber
deßhalb aus Vorfag ***) zu fterben, ift ebenfalls eine Krank:
heit; dein Die Natur hat andy die Krankheiten gewiffen Ges
*) Nach Walerius Marimus (VI, 13.), welchem Plinius
bier flüchtig nachfchreibt, mar Tenophilus von Chalcis Fein
Tonkünſtler, fondern ein Pythagoräer. Die Geſchichte
feloft entnahm Valerius Maximus dem Zonfünftler Ari:
fiorenug,
+), Die neuere Arzneifunde behauptet, daß auch alle Thiere
mit rotbem und warmem Biute biefen Bufällen unters
worfen feyen. -
***) Um nämlich allen biefen Uebeln, welche nach den Geſetzen
der Natur einmal auch von felbfi aufhören mölfen, durch
freiwilligen Tod .zu eütgehen.
Giebentes Bud). | 861
ſetzen unterworfen. Das viertägige Wechſelfleber nimmt nie
zur Zeit des kürzeſten Tages und in den Wintermonaten
feinen Anfang ; nach dem ſechzigſten Lebensjahre bleibt man
von manchen Krankheiten völlig verſchont; andere hören mit
der Maunbarkeit, befonders beim weiblichen Gefchlechte, auf,
und am feltenftlen werden Greife von der Peft befallen. *)
Auch gibt es Krankheiten, welche ganzen Völkern, andere,
weldye nur den Sklaven oder den Vornehmen, nnd wieder
andere, welche den übrigen Ständen eigen find. Ebenfo hat
man die Erfahrung gemacht, daß die Peſt faft nie einen ans.
dern Weg nimmt ald von Mittag gegen Abend ; daß fie nie
im Winter erfcheint,, und daß. file nie über drei Monate
Danert. ” .
LIE (1). 4. Als Zeichen des herannahenben Todes gels
ten bei Krankheiten, die mit Irrereden verbunden find, Las
chen ; bei folhen, in denen das Bewußtſeyn allmählig dahin:
ſchwindet, ftetes VBefchäftigen mit den Franzen des Bettes
und Sufammenfalten der Dede, Nichtbeachten Derer, welche
aus Diefem ſchlafähnlichen Zuſtande erweden wollen, und
Ausflug nicht mit Anſtand zu nennender Unreinigreit aus
Dem Körper; die am wenigften trügenden, Merkmale aber
find das veränderte Audfehen der Augen und der Nafe, ſo
wie auch das beftändige Liegen auf dem Rücken, der ums
gleihmäßige und kriebelnde Puls und was fonft noch Dips -
pocrates, der Fürſt der Aerzte, beobachtet hat. Obſchon
*) Eine nicht gang unwahre Behauptung, ba das faftl
Alter anftedenden Krankheiten nicht fo leicht anheimfä
“als bie friſche Jugend. '
t
i
862 C. Pinius Naturgeſchichte.
aber unzählige Zeichen des Todes gibt, fo hat man durchaus
Beine für Lebensdauer und Wohlſeyn, und der Eeufor Cato
macht deshalb auch Über Befunde feinem Sohne, *) gleich
fam als ein Orakelſpruch, die Bemerkung: eine frühreife
Jugend fey das Zeichen eines frühzeitigen Todes. 2. Die
Schaar der Krankheiten ift wahrlich unzählbar; fo figrb
Pherechdes von Syros an einer Menge ihm aus dem Körs
per hervorfommender Wärmer ; **) Manche leiden an einem
fortwährenden Bieber, wie C. Mäcenas, welchem in feinen
drei letzten Lebensjahren kein Stündchen Schlaf vergönnt
war. Der Dichter Untipater von Sidon wurbe jedes Jahr
einmal, nnd zwar immer nur au feinem Geburtstage vom
Bieber, ergriffen, und flärb aud) daran an biefem Zage in
ziemlich hohem Alter.
LIII (un. 4. Die Conſular Aviola ***) kehrte auf
dem Scheiterhaufen in's Leben zurück; da man ihm aber der
ſchon zu mächtig gewordenen Flamme wegen nicht zu Hülfe
kommen EZonnte, fo verbrannte er lebendig. Derfelbe Kal wird
von dem-geweienen Prätor 2. Lamia 7) erzählt. Daß E.
Yelind Tubero, welcher ebenfalls die Prätur bekleidet hatte,
2) In einer nicht mehr vorhandenen Schrift, Wgl. die fir
terarifchen Bemerkungen vor biefem Buche,
°*) An der Laͤuſeſucht. Aelian. Var. Hist. IV, 28.
“..) Welcher (19 nah Chr.) bie Andecaver und Turonen im
Gallien ſchlug (Xacitus, Ann. III, 41.), nicht aber deſſen
Sohn Aviola, der die Confulmürbe im 3. 54 nad) Ehr.
bekleidete. Eonfulare hießen zur Kaiferzeit bekanntlich
Viele, ohne vorher Conſuln gewefen zu ſeyn.
+ Er bekleidete die Prätur im J. 42 vor Chr,
9
Siebentes Bud). .863
von dem Scheiterhaufen zurüdgetragen wurde, berichten
Meffala, Rufus *) und viele Andere. Dieß ift das Loos der
Sterblichen! Zu ſolchen nnd ähnliten Launen des Schickſals
werden wirgeboren, daß man in Betreff des Menſchen nicht
einmal dem Tode frauen darf, Als Beifpiel findet man auch
angeführt, daß des Hermotimus von Clazomenä Geele den
Körper zu verlaffen und herumzufchweifen pflegte, und daß
fie von ihren Irrfahrten aus weiter Ferne viele Nachrichten
mitbrachte die nur ein Nugenzenge wiffen Bonnte ; unterdefs
fen habe der Körper wie todt dagelegen, bis endlich einmal
feine Beinde (welche Eanthariden*N hießen) ihn verbrannten,
nnd fo der zurückkehrenden Geele gleihfam die Scheide raub⸗
ten. 2. Auch will man gefehen haben, wie die Seele des.
Ariftead auf Proconnefus in Geſtalt eined Raben aus feinem
runde flog. und erzählt dabei noch viel Babelhafles, wozn-
id andy die Gage von Epimenides von’ Guoſſus rechne.
Diefer, ſagt man, fey ald Knabe, von der Hibe und Reife
ermüdet, in einer Höhle in einen flebenundfänfzigjährigen
Schylaf gefunken, und bei feinem Erwachen, da er nur eine
einzige Nacht geruht zu haben glaubte, über die veränderte
Geftalt der Dinge nicht wenig verwundert gewefen; darauf
fey er in .einer gleichen Anzahl Tage ***) ein Greis geworden,
*») Der Tert bietet Meſſala Rufus, Ein Schriftſteller dieſes
Namens iſt unbekannt. Dagegen findet ſich ein Meſſala
und ein Rufus, Bol, bie literariſchen Bemerkungen vor
dieſem Buche.
Cantharus.
⸗e⸗) Aie er namlich Jahre geſchlaſen hatte.
|
|
i
\
”) Söhne oder Nachkommen eines nicht näher bekannten
856 C. Plinius Naturgeſchichte.
Striche Italiens hundertvierundzwanzig Jahre dauern könne.
Jene längneten, daß irgend Jemand das Aufgangsmaß von
neunzig Graden *) (von ihnen Auaphora [Auffleigung] ges
nannt) Überfchreiten Fönne, und daß ſelbſt Diefes durch die
Dazwiſchenkanft unhellbringender Geſtirne oder auch nur
Durch ihre und der Sonne Strahlen durdhfchnitten werbe. **)
9. Später kam die Schule des Aesculapius wieder: in Auf:
nahme, welche ebenfalls lehrt, Daß die Lebensdauer von den
Sternen abhängig fey, aber nichts Gewiffes über die äußerſte
Menſch, weicher bei dem Aufgange ded erfien biefer drei
Zeichen geboren tft, nicht mehr Jahre leben, als durch
diefed und Die beiden folgenden Zeichen beſtimmt find.
‚ Diefe Jahrbeftimmung ber Zeichen des Thierfreifes ift aber
nicht Überall diefelbe, fondern richtet ſich nach ber Lage
der von den alten Aftronomen gezogenen Parallelkreife
(vgl. B. VI. K. 39.) und der verfhiedenen Neigung des
Himmeld, In Rom war nad Zulius Firmicus Mater
nus (Mathes. II, 13.) tie Zahlbeſtimmung ber Zeichen
folgende : Widder —= 17 Jahren; Stier — 22; Zwillinge
— 97; Krebs = 223; Löwe =-37; Sungfran. = 42;
Wage —. 42; Seorpion = 37; Schüge — 32; Gteiss
bot — 275 Waffermann — 22; Fiſche = 17. War
nun Jemand in Italien 3. B. beim Aufgange des Löwen
geboren, fo galt es für. einen glücklichen Fall; denn für
ihn war eine Lebenszeit von 37 4 42 + 43 = 131
Sahren möglich. An diefer Stelle möchte deßhalb flatt
der im Texte fiehenden Bahl 124 wichtiger 121 zu lefen
‘ ſeyn.
*) Oder drei Zeichen des Thierkreiſes, da auf jedes Zeichen
dreißig Grade kommen.
“0, Weßbalb die meiſten Menſchen bie ihnen von dem Bei ih⸗
zer Geburt aufgehenden Seichen beſtimmte Zahl von Jahren
eben.
Giebentes Bud. 2 857
Srift feſiſezßt. Ein längeres Leben ift nach ihnen Thon
Deßmwegen felten, weil eine große Menge Menſchen, welche
in den entfcheidenden Stunden der Mondtage, nämlich in
der fiebenten und vierzehnten Stunde (es mögen diefe nun
Nachts oder Tagffunden feyn) zur Welt Fommen, durch das
Geſetz der Stufenjahre *) (welche fie climacterifche nennen)
Dem Zode verfallen, und bie anf diefe Weiſe Geborenen felten
dag vierundfünfzigfle Fahr überfchreiten.
3. Das Schwauken diefer Kunſt felbft zeigt übrigens
fon, wie ungewiß die ganze Sache if. Dazu fommen noch
die Erfahrungen und Beifpiele der letzten Volkszählung,
welche die Kaifer und Cäſarn Veſpaſian,? Vater und Gohn,
vor vier Fahren [74 nad Chr] anftellten. Man braucht
deßhalb noch nicht einmal alle Schagungsbüder durchzuge⸗
hen, und wir wollen nur aus denen, welche den mittleren
Theil Italieus zwiſchen dem Apenninus und dem Padus
betreffen, Beiſpiele anführen. Zu Parma gaben drei huns
dertundzwanzig, zu Brixellum [Bregella] einer hundertfünf:
undzwanzig, zu Parma zwei hundertunddreißig, zu Placen⸗
tia [Piacenza] einer bunderteinunddreißig, zu Yaventia
[Faenza] ein Weib hundertfünfunddreißig, L. Terentius, des
"Marcus Sohn, zu Bononia [Bologna] und M, Aponius zu
Ariminum [Rimini] hundertfünfzig und Tertulla ebenda⸗
ſelbſt hundertfiebenunddreißig Jahre an. A. Auf den Hü-
*) Anni climaoteres ober scansiles find foiche , deren Zahl
von zwei mit einander multiplicirten Zahlen gebildet wird.
Das vierundfänfzigfie Jahr iſt ein Stufenjahr; denn die
Zahl 54 iſt — 6X 9
858 C. Plinius Naturgefchichte.
geln in der Umgegend von Pfatentia liegt die Stadt Vele⸗
jacintn, *) in welcher ſechs hundertzehn, vier hundertzwan⸗
zig, und einer, nämlih M. Marcius Belir, des Marcus
Sohn, ans der Galeriſchen Bürgerbfaffe,. hundertvierzig Fahre
alt wurdın. Um uns aber nicht länger bei einer ausge⸗
machten Sache aufzuhalten, fo bemerken wir, daß in dem
achten Bezirke Ftaliens vierundfünfzig Leute -von hundert,
vierzehn von hundertzehn, zwei von hundertfünfundzwargig,
vier von hngdertdreißig , eben fo viele von, hundertfünfunds
dreißig oder hundertfiebenunddreißig und drei von hundert
vierzig Fahren eingetragen ind.
5. Noch eine andere Laune des menſchlichen Schickſals!
Hector und Polydamas, deren Loos fo verſchieden war, *°)
wurden nach Homer ***) in einer und desfelben Nacht ges
boren. M. Eäcilius Rufns und C. Licinius Calvus kamen
an einem und demſelben Tage, nämlich am fünften vor den
Ealenden des Junj [28. Mai], unter dem dritten Eonfulate
des C. Marius und En. Carbo [82 vor Ehr.] zur Welt:
Beide waren zwar Redner, +) aber mit fehr verfchiedenem
@rfolge. Das Nämliche ereignet fidh täglich in der ganzen
Welt bei Golden, die in denfelben Stunden ihr Dafeyn ers
hielten; denn zu gleicher Zeit werden Herren und Sklaven,
Könige und Bettler geboren.
*) Ruinen biefer Stabi findet man bei bem heutigen Mazineſſo.
*) Hektor war ein tapferer Krieger, Polybamad ein guter
Redner in der Verfammlung,
+, Il. XVII, 249— 252,
7) Der Erſte ein ſchlechter, - ber Andere ein fo vorzüglicher,
| daß man ihm Cicero gleichftellte. j
4
Giebentes Bud. |, 859
LI (0). 4. Publius Gornelind Rufus, welder das
Conſulat mit Manius Eurius [290 vor Chr.] bekleidete, .
verlor das Augenlicht im Schlafe, ald er träumte, baß ihm
Dieſes widerfahren würde; Jaſon von Pherä *) Dagegen,
weicher, als ihn die Aerzte eines Blutgeſchwüres wegen fhon
aufgaben, den Tod in der Echladyt fuchte, fand feine Hei⸗
Iung durch eine ihm vom Feinde beigebrachte Bruſtwunde.
Der Eonful Q. Fabius Morimus [121 vor Chr.) wurde
in der Schlacht, welde er am fechsten der Idus [achten
Tag} des Auguſt bei dem Kiuffe Iſara gegen die Volks⸗
flämme der lllobroger und Arverner ſchlug, und die huns
dertdreißigtaufend Menichen das Leben Eoftete, während dee
Kampfes vom viertägigen Fieber befreit,
2. Allzu ungewiß und gebrechlich iſt dieſes Geſchenk
der Natur, in welchem Maße es uns auch zu Theil wird;
aber ſpärlich und kurz erſcheint es auch bei Denen, welchen
es in höchſter Fülle zugetheilt iſt, wenn wir nur die Ge⸗
ſammtzeit eines Menſchenlebens näher betrachten wollen.
Verliert nicht, wenn wir den nächtlichen Schlaf abrechnen,
ein Jeder ſchon die Haͤlfte feiner Lebenszeit? Die eine Hälfte
wird alſo in todesähnlichem Buftande zugebracht, oder in
Dein, wenn uns der Schaf flicht« Dabei kommen weder
die Jahre der Kindheit, wo der Verſtand noch mangelt, noch
die des Alters, welche dem lange Lebenden zur Dual werden, _
*, Ein berühmter Feldherr, welcher ſchon als Tüngling feine
Vaterſtadt unterjochte, fich fpäter ganz XTheffalien unters
warf, und viele Kriege mit SINE führte. Er farb im
Jahr 371 vor Ehr.
’
860 €, Plinius Naturgeſchichte.
in Uufchlag: Go vielartige Gefahren, fo viele Krankheiten,
fo viel Furcht, fo viele Gorgen veranlaffen fo oft die Anrus
‚ fung des Todes, daß fein Wunfc häufiger if. Die Natur
bat alfo dem Menſchen nichts Beſſeres gegeben, als bie
Kürze des ‚Lebend 3. Die Sinne werden flumpf, die Glie⸗
der flarr: Geſicht, Gehör, Bang, ja fogar die Zähne und
die Berdanungewerkzenge fehrinden vor une dabin; und
doc) wird diefe Zeit auch noch zum Leben gezählt! Als Wun⸗
der und ats einziges Bıifpiel kann es Faher gelten, daß der
Tonkünſtler Xenophilus *) ein Wlter von bundertundfünf
Fahren ohne irgend ein Lörperlides Unwohlſeyn erreicdte;
denn. wahrlich allen übrigen Menfchen dringt fortwährend,
was bei feinem andern Thiere der Fall ift, *%) durch eins
zeine Theile der Glieder zu gewiſſen Stunden eine verderb⸗
liche Hiße oder Kälte, und nicht nur zu gewiffen Stunden,
fondern auch jedesmal rach Verlauf von drei oder vier Tas
gen und Nächten, ja fogar eines ganzen Jahres. A. Uber
deßhalb ans Vorſatz ***) zu flerben, ift ebenfalls eine Krank:
heit; dein die Natur hat and) die Krankheiten gewiffen Ges
*, Nach Valerius Maximus (VII, 13.), welchem Plinius
bier flüchtig nachſchreibt, war Zenopbilus von Chalcis kein
Tonkünſtler, ſondern ein Pythagoräer. Die Geſchichte
ſelbſt entnahm Valerius Maximus dem Tonkuünſtler Ari⸗
ſtoxenus.
**) Die neuere Arzneikunde behauptet, daß auch alle Thiere
mit rotbem und warmem Biute biefen Bufällen unters
worfen ſeyen. -
***) Um nämlich allen biefen Uebeln, welche nad) den Geſetzen
der Natur einmal auch von felbft aufhören muſſen, durch
freiwilligen Tod .zu eütgehen.,
Giebentes Bud). | 861
ſehen unterworfen. Das viertägige Wechſelfleber nimmt nie
zur Beit des Fürzeflen Tages und in den Wintermonaten
feinen Anfang ; nach dem ſechzigſten Lebensjahre bleibt man
von manchen Krankheiten völlig verfchont ; andere hören mit
der Mannbarkeit, befonders beim weiblichen Gefchlechte, auf,
umd am feltenften werden Greife von der Peſt befallen. *)
Aud) gibt es Krankheiten, welche ganzen Völkern, andere,
weiche nur den Sklaven oder den Vornehmen, und wieder
andere, welche den übrigen Ständen eigen find. Ebenfo hat
man die Erfahrung gemadyt, daß die Peſt faft nie einen ans.
dern Weg nimmt als von Mittag gegen Abend ; daß fie nie
im Winter erfcheint , und daß. file nie Über drei Monate
danert.
LII (1). 4. Als Zeichen des herannahenden Todes gel⸗
ten bei Krankpeiten, die mit Irrereden verbunden find, Las
chen ; bei folden, in denen das Bewußtfenn allmählig dahin⸗
fchwindet, fteted VBefchäftigen mit den Franzen des Bettes
und Zufammenfalten der ‘Dede, Nichtbeachten Derer, welche
aus diefem fchlafähnlichen Zuſtande erweden wollen, und
Ausfluß nicht mit WUnfland zu nennender Unreinigrfeit aus
dem Körper; die am wenigften trügenden Merkmale aber
find das veränderte Ausfehen der Augen und der Nafe, 10
‚wie auch das beftändige Liegen auf dem Rücken, der ums
gleichmäßige und Friebelnde Puls und was fonft noch Hips
pocrates, der Fürft der Aerzte, beobachtet hat. Obſchon es
”) Eine nicht ganz unmwahre Behauptung, da das faftlofe
Alter anfiedenden Krankheiten nicht fo leicht anheimfänt,
—als die frifche Jugend.
t
“
862 C. Plinius Naturgefchichte.
aber unzählige Zeichen bes Todes gibt, fo hat man durchans
Beine für Lebensdauer nnd Wohlſeyn, und der Eenfor Gato
macht deßhalb and Über Befunde feinem Sohne, *) gleidys
fam ale ein Orakelſpruch, Die Bemerkung : eine frühreife
Jugend fey das Zeichen eines frühzeitigen Todes, 2. Die
Schaar der Krankheiten ift wahrlich unzählbar ; fo ſtarb
Pherecydes von Gyros an einer Menge ihm aus dem Körs
ver hervorfommender Wärmer ; **) Manche leiden an einem
fortwährenden Bieber, wie €. Mäcenas, welchem in feinen
drei lepten Lebensjahren Bein Stündchen Schlaf vergönnt
war. Der Dichter Untipater von Sidon wurbe jedes Jahr
einmal, nnd zmar immer nur an feinem Geburtstage vom
Bieber ergriffen, und flarb auch daran an diefem Tage in
ziemlich hohem Alter.
LII cum, 4. Der Conſular Aviola ***) kehrte auf
dem Scheiterhaufen in's Leben zurück; da man ihm aber der
ſchon zu mächtig gewordenen Flamme wegen nicht zu Hülfe
kommen konnte, ſo verbraunte er lebendig. Derſelbe Fall wird
von dem geweſenen Prätor 2. Lamia +) erzählt. Daß E.
Aelins Tubero, welcher ebenfalls die Prätur bekleidet hatte,
») In einer nicht mehr vorhandenen Schriſt. Wgl, die Kir
terarifhen Bemerkungen vor biefem Buche,
°*) An ber Läuſeſucht. Aelian. Var. Hist. IV, 28,
°) Welcher (19 nad Chr.) bie Andecaver und Turonen in
Gallien flug (Xacitus, Ann. III, 41.), nicht aber beffen
Sohn Aviola, der de Conſulwürde im J. 54 nad) Ehr.
bekleidete. Conſulare bießen zur Kaiſerzeit bekauntlich
Viele, ohne vorher Conſuln gewefen zu ſeyn.
+ Er bekleidete die Prätur im J. 42 vor Chr,
®
Giebentes Bud). Ä .863
von dem Sceiterhaufen zurüdgetragen wurde, berichten
Meffata, Rufus *) und viele Andere. Dieß ift das Loos der
Sterblichen! Zu folchen nnd ähnlichen Launen des Schickſals
werden wirgeboren, daß man in Betreff des Menſchen nicht
einmal dem Tode frauen darf, Als Beifpiel findet man auch
angeführt, daß des Hermotimus von Clazomenä Gele den
Körper zu verlaffen und herumzufchweifen pflegte, und daß
fie von ihren Jrrfahrten aus weiter Ferne viele Nachrichten
mitbrachte die nur ein Augenzeuge wiffen konnte ; unterdef:
fen habe der Körper wie todt dagelegen, bis endlich einmal
feine Zeinde (weiche Canthariden?*) hießen) ihn verbrannten,
and fo der zurückkehrenden Geele gleihfam die Scheide raub⸗
fen. 2. Auch will man gefehen haben, wie die Seele des
Ariſteas auf Proconneſus in Geſtalt eines Raben aus feinem
Munde flog. und erzählt dabei noch viel Zabelhafles, wozu.
id andy die Gage von Epimenides von’ Snofins rechne,
Diefer, ſagt man, fey ald Knabe, von der Hige und Weife
erntüdet, in einer Höhle in einen fiebennndfünfzigjährigen
Schlaf gefunten, und bei feinem Erwachen, da er nur eine
einzige Nacht geruht zu haben glaubte, Über die veränderte
Geftalt der Dinge nicht wenig verwundert gewefen; darauf
fey er in .einer gleichen Anzahl Tage ***) ein Greis geworden,
*) Der Tert bietet Meffala Rufus. Ein Schriftſteller dieſes
Namens ift unbekannt, “Dagegen findet fih ein Meſſala
und ein Rufus. Wgl. bie literarifhen Bemerkungen vor
diefem Buche.
+) Söhne oder Nachkommen eined nicht näher bekannten
Santharus.
e00) Als er nämlich Jabre geſchlaſen Hatte,
m
864 C. Plinius Naturgeſchichte.
habe aber als ſolcher ein Alter von ‚hundert und ſiebenund⸗
fünfzig Fahren erreiht. Das weiblihe Geſchlecht ſcheint
diefem Uebel *) am meiften durch, die Umflülpung der Ges
bärmntter unterworfen zu feyn; wird Diefe aber wieder in
ihren natürlichen Zufland gebracht, fo kehrt and) der Athem
zurück. Hieher gehört auch Bas bei den Griechen hochbe⸗
rühmte Buch des Heraclides **) über eine Fran, welche nad)
einem fieben Tage dauernden todähnlichen Zuſtande wieder
in's Leben gerufen wurde.
3. Auch Varro erzählt, daß zu der Zeit, als er das
Amt eines Swanzigmannes bei der Vertheilung der Aecker
zu Gapua #**) verfah, Ener, welhen man hinaus getragen
batte, fid zu Fuß wieder nad) Haus begeben habe. Nach
ihm ift derfelbe Fall zu Aquinum vorgefommen, und audy zu
‚Rom ift Corfidius, der Gemahl feiner Mutterſchweſter, als ſchon
die Leichenbeflattung angeordnet war, wieder in’s Leben zurück⸗
geführt worden, und hat fpäter feinen Leichenbeflatter begraben.
Er fügt nody andere wunderbare Dinge hinzu, Die hier volls
fländig angeführt werden dürften. Bon den beiden Brüdern
Eorfidius aus dem Ritterſtande war der ältere ſcheinbar ge:
florben, und der jüngere, welcher nad Eröffnung des Teſta⸗
mentes fid) als Erben eingeſetzt ſah, befchäftigte ſich mit der
*), Dem Sceintode,
er) S. die literarifchen Bemerkungen vor biefem Buche
”**, Nach einem von Caͤſar während feines erfien Confulates
(59 vor Ehr.) vorgefchlagenen und angenommenen Ges
fege wurden zwanzigtaufend Koloniften nad Capua ges
führt, und unter Diefe durch zwölf dazu Bevollmächtigte
ns Eampanifche Ackerland vertheilt. Florus R. ©.
I, 44.
Siebentes Buch. 865
Beforgung des Leichenbegängniffes; unterdeffen rief ber,
welher todt fchien, durch Händeklatſchen die Dienerfchaft
zufammen und erzählte, daß er von feinem Bruder komme,
. der ihm feine Tochter empfohlen, ihm ferner angezeigt, wo
er ohne irgend Jemandes Vorwiſſen Gold vergraben, und
ihn gebeten habe, ihn mit dem von ihm feibft vorbereiteten
Reichengepränge zu beftatten. a. Während der Erzählung
verfündeten die herbeieilenden Diener feines Bruders, Daß
Diefsr geflorden fen; auch das Gold fand man an ber bes
- zeichneten Stelle. Die Welt ift voll von andern ähnlichen
Dffenbarungen, die aber nicht gefammelt zu werden verdie
nen, da fie-fehr häufig falih find, wie wir durch ein auf:
fallendes Beifpiel zeigen wollen. Im Siciliſchen Kriege
wurde Gabienus, einer der tapferften Seefoldaten, Eäfar’s,
von Sertus Pompejus gefangen und auf deffen Befehl ent:
hauptet; der Kopf hing noch kaum mit dem Numpfe zufam:
men, und in diefem Zuftande lag er einen ganzen Tag
an der Küfte. 5. Als es Abend geworden war, verlangte
er in Gegenwart der um ihn verfammelten Volksmenge,
Pompejus möge zu ihm kommen, ober einen feiner Vertrau⸗
ten fenden; denn er fey aus ber Unterwelt zurückgeſchickt
worden, und babe etwas zu verfünden. Pompejus ſchickte
‚mehrere feiner Freunde, welhen Gabienus erklärte: die
Sache und die frommen*) Abſichten des Pompeins gefielen
den unterirdifhen Göttern, und der Erfolg würde feinen
Wünfhen entſprechen; **) ihm ſey befohlen worden, Diefes
*), Weil er feinen Vater, den großen Pompejus, rächen wollte,
*20) Was nicht der Fall war. Denn Gertus Pompeins wurde
nach mancherlei Schickſalen ermorbet,
‘
866 €. Plinius Raturgeichichte.
zu verkünden, und ald Beweis der Wahrheit feiner Ausſage
diene, daß er fogleid) nad) Ausrichtung des Auftrages ſter⸗
ben werde; was denn and) wirklid) eintraf. Man hat auch
Beifpiele, daß Lente nad) ihrem Begräbniffe wieder geſehen
wurden ; dody wir wollen uns nur mit den Werfen der Na⸗
tur, Beineswegs aber mit Wunderdingen befaffen.
LIV (cu). A. Bor allem aber erregen Bälle eines plöß-
lichen Todes (der dody eigentlich das höchſte Glück des Lebens
zu nennen ift), fo häufig ſolche aud) vorfommen, unfer &r:
ftannen, obſchon es fidy damit, wie wir zeigen werden, ganz
natürlidy verhält. Die meiſten erzählt Berrius: wir werden .
eine mäßige Auswahl treffen. Bor Freude flarben, außer
dem ſchon erwähnten Ehilo, *) Sophokles **) und Dienys
fins., ***) der Tyrann von Gicilien, beide, ald man ihnen
den Sieg, welden ihre Zrauerfpiele davongetragen hatten,
. verkündete; ferner jene Mutter, welche nad) der Schlacht bei
Cannä ihren Sohn, defien Tod ihr eine falfhe Nachricht
gemeldet hatte, unverfehrt wieder fah, HD Bor Scham ftarb
Diodorns, ein Lehrer der Dialektik, weit er bei einer fcherp
haften Streitfrage die Einwürfe bes Stilpo ++) nicht ſogleich
löſen konnte.
2. Ohne alle ſichtbare Beräntafung ftarben des Morgens
*.) Bol. Balerius Marimus IX, 12,
eer) ©, die literarifhen Bemerkungen vor Hefe Buche,
+ Bol. A. Gellius, N. A. IH, 16.
+r) Ueber Diodorus und Stilyo uwei tm Altertum bes
sühmte Diöputanten, vergleiche mon bie literariſchen Bes
mertungen vor diefem Buche.
Giebentes Bud. 867 :
beim Schubanziehen zwei Cäfarn, *) der wirkliche Prätor
‚nämlich und der Vater des Dictators Cäſar, welcher früher
ebenfalls dieſes Amt bekleidet hatte: Diefer zu Pila und
Jener zu Rom. 3. D. Fabius Marimus, weicher während
feines Eoufulats **) am Tage vor den Kalenden bed Jannar
[34. Dezember] flarb, und an deffen Stelle fih um die nur
noch einige Stunden dauernde ***) Würde Rebilus bewarb,
fo wie den Seyator C. Vulcatius Gugges raffıe der Tod
bei völigem Wohlſeyn und ganz unverfihet, als fle gerade
an’d Ausgehen dachten, dahinz Q. Aemilius Lepidus aber,
als er, im Ausgehen begriffen, mit der großen Zehe an bie
Schwelle des Zimmers ich, und C. Aufuſtins, welcher Be
reits, um in den Senat zu gehen, das Haus’ verlaffen hatte,
als er an dem Berfammlungsorte +) mit dem einen Fuße
firanchelte. 4. Eben fo plöslidh flarb der Geſandte, weis
cher die Angelegenheit der Rhodier ‚mit großem Beifall im
Senate vorgetragen hatte, als er ſich eben entfernen wollte,
auf ber Schwelle des Rathhauſes; En. Bebius Tamphilus,
welcher ebenfalls die Prätur bekleidet hatte, als er gerade
feinen Diener nad) der Stunde fragte; Aulus Pompeins auf
dem Gapitolium, ald er den Göttern feine Huldiguug dar«
brachte; der Eonful Manius Juventius Thalna, ale er
opferte; ++) C. Servilius Panfa, als er, au feinen Bruder
*) Lucius Edfar und Cajus Eaͤſar.
”., Im J. Ab vor Ehr.
“26, Beil am erſten Jänner bie neuen Conſuln gewählt wurden.
+) Auf dem Foruw.
+7) Bel. Balerius Maximus (IX, 12.), welcher bie näheren
Umfäube feines plöglichen Tobeb im Jahre 163 vor Ehr.,
wo er dad Conſulat bekleidete, angibt.
868 C. Plinius Naturgeſ chichte.
P. Panſa gelehnt, um die zweite Stunde des Tages auf
dem Markte vor einer Bude fland; der Richter Bebius, als
er gerade einen Termin zu verlängern befahl; M. Terentius
Eorar, während er auf dem Borum. ein Briefhen ſchrieb,
und erft im verfloffenen Fahre ein Römifcher Nitter, wäh
rend er einem Eonfular etwas in's Ohr fagte, vor der elfen⸗
beinernen Statue Apollo’8 auf dem Forum des Auguflusz
- ferner, was gewiß, merfwürdig ift, der Arzt C. Julius,
während er bei'm Eihfalben fid) die Sonde durdy das Auge
309; der’ gewefene Conſul Aulus Manlius Zorauatus, als er
bei einem Mahle gerade nach einem Kuchen griff; der Arzt
Lucius Tuccius Balla, während er einen Trunk Meth zu fl
nahm; Ap. Saufeins, als er nath der Zurückkunft aus dem
Bade Meth getrunken hatte und eben ein Ei ausſchlürfte;
P. Quinctius Scapula, während er bei Aquilius Gallus zu
Mittag fpeiste, und der Staatöfefretär Decimus Gaufeine,
während er zu Haufe frühſtückte. 5. Der gewefene Prätor
Eornelins Gallus und der Römiſche Ritter DO. Haterins
farben während bes Beiſchlafs, und, um aud) ein Beifpiel
aus unferer Seit anzuführen, zwei Ritter in den Armen des
damals durch feine Schönheit berühmten Pantomimen My⸗
ſticus. *) 6. Die nnglaublichfte Ueberrafhung durch den Tod
*) Unſere Ueberfegung, welche ein arges Bit auf die beiden
Nitter wirft, ift durch den Sufammenhang der Stelle und
die einflimmige Lesart der Handfdyriften geboten, Har⸗
douind Werbefferung „mythicus“ if faft. in alle fodtere
Ausgaben Übergegangen. Die Erklärung aber: „zwei
Ritter flarben bei der Darftellung derſelben mythiſchen
Pantomime,” erſcheint gegwungen, wenn mau auch wur
Siebented Bud. | 869 -
aber erzählen uns die Alten von M. Dfilius Hilarus. Diefer,
ein komifcher Schaufpieler, veranflaltete, als er an feinem
Geburtstage dem Volke fehr gefallen hatte, ein Gaſtmahl;
während. des Schmauſes verlangte er eine Schale warmen
Geträußs, und als dabei zufällig fein Blick auf die von ihm
an dieſem Tage getragene Maske fiel, nahm er den Kranz
von feinem Haupte und ſetzte ihn berfelben auf; in diefer
©tellung erflarrte ex, ohne daß irgend Jemand es bemerkte,
bis ihn fein nächſter Tiſchgenoſſe mahnte, daß fein Tran?
kalt werde,
7. Dieß find Beifpiele glücklicher Todesfälle; die unglüds
lichen dagegen find unzählbar. Als L. Domifius, welder
einem fehr berühmten Gefchlechte angehörte, *) bei Maffilia
von Eäfer gefchlagen und von Demfelben bei Eorfinium ges
fangen worden war, nahm aus Ledensüberdruß einen Gifte
tranf, wandte aber, ale er ihn verfchluckt hatte, alle Mühe
an, um fidy das. Leben zu erhalten. **) Man findet in den
Staatsakten, daß bei der Beflattung des Zelir, eines Wa⸗
genlenkers von der Partei der Rothen, ***) ſich einer ſeiner
‚den Nachſatz „tum forma praecellente,“ der gewiß auf
„Pantomimo“ bezogen werben muß, betrachtet. Bezöge
er ſich auf bie Ritter, fo würde es wohl „praecellentes“
heißen,
*) Er war der Urgroßvater des Kaiferd Tiberius Nero.
”e) Beil man ihn, nachdem er bad Gift genommen hatte, vom
der Großmuth Caſars gegen feine Feinde überzeugte. n
Bol. Seneca, de Benef. Il, 24. Suetonius im Leben
Nero’, Kap. 2.
*9°) Die Wagenienter waren nach der Farbe ihrer Kleidufig
€, Plinius Naturgeſch. 78 Wbcn, 40
_
-
"870 C. Plinius Naturgeſchichte.
Gönner auf ſeinen Scheiterhaufen ſtürzte, freilich eine läp⸗
piſche Geſchichte; und doch verbreiteten, damit man Dieß
nicht zum Ruhme des Künſtlers dente, die Gegenparteien
mit allem Eifer die Nachrede, nur die Menge von Wohlge⸗
rüchen habe Jenen dazu verführt. Als vor nicht langer Zeit
M. Lepidus, ein Mann von fehr vornehmem Herkommen,
der, wie wir ſchon gefagt haben, ) vor Kummer über feine
Eheſcheidung flarb, durch die Gewalt der Flamme von dem
Sceiterhaufen herabgeworfen wurde, und der Gluth wegen
nicht wieder hinaufgebradyt werden Eonnte, wurde er neben
Demfelben nadt auf anderem Gehölze verbrannt.
LV (uv). Es war bei den Römern früher nicht Sitte,
die Todten zu verbrennen: man begrub fie. Als aber auf
fernen Kriegszügen die Erfahrung zeigte, daß die Begrabe⸗
nen wieder herausgefcharrt wurden, führte man das Ber:
brennen ein. Biele Familien folgten jedod) immer nody dem
alten Gebrauche. So foll in der Eornelifhen vor dem Dit:
tator Sylla Niemand verbrannt worden feyn, Diefer es
aber verlangt haben, weil er den Leihnam des C. Marius
hatte ansgraben laffen, und Vergeltung fürchtet. — Begra⸗
in vier WÜbtheilungen (Parteien) gefchieben: die weiße
“(factio alba, albata), die rothe (russata), die blaue
(veneta) und bie grüne (prasina); zu welchen unter
Domitian nod die goldne (aurata) und die purpurme
(purpurea) kamen. Die Iufchauer erflärten ſich, je nach
den Leiftungen, bald für biefe, bald für jene Partei, und
2. es bebarf Beined Beweiſes, daß bie Parteien einander mit
tödtlichem Kaffe verfolgten,
*) Rap. 36. 9. 2
Siebentes Bud). 874
ben heißt Jeder, der auf irgend eine Weife beigefebt ift; be:
erdigt aber der, welchen wirklich die Erde bededt.
LVI (ıv). 1. Nach dem Begräbniffe kommen wir an vie‘
verfhhiedenen Meinungen über die Geiſſer der Geftorbenen
[Manen). Aus Allen wird nach dem leuten Tage das, was [
fie vor dem erften waren, und nad dem Tode haben Kör⸗ |
per fowohl als Seele eben fo wenig irgend eine Empfindung,
als vor der Geburt. Nur die menfchlihe Eitelkeit pflanzt
fih auch in die Zukunft fort, und lügt ſich ſelbſt für die Zeit:
des Todes Leben vor, indem fle bald Unfterblichkeit der Seele,
bald eine Umgeftartung *) und bald ein Leben in der Unter:
welt annimmt, die Geifter verehrt, umd aus dem, der fogar |
aufgehört. hat ein Menſch au feyn, einen Gott macht, als
wenn das Leben des Menſchen in irgend einer Weiſe von | .
dem der Übrigen Thiere verfchieden wäre, oder als wenn ſich |
auf der Welt nicht viele andere ‚länger dauernde Dinge |
fanden, denen doc, Niemand eine ähnliche Unfterblichkeit .
-vorausbeftimmt. 2. Was hat aber die Seele, an und für |
fid) genommen, für einen Körper? Aus welchem Gtoffe be: |
fleht fie? Wo hat fie ihr Denkvermögen? Wie fieht, hört
und fühlt le? Worin befteht ihre Thätigkeit? Oder was
ift, ohne diefe Eigenfcdhaften, ihr Glück? Wo ift endlich der '.
Gib, und wie groß die Zahl der feit fo vielen Jahrhunderten .
abgefchiedenen Seelen, fo wie der Schatten? *) Alles dieß :
*) Prinius deutet wahrſcheinlich auf bie Lehre von der Sees
lenwanderung.
**, Gere und Schatten ber Werfiorbenen find nad) der Meis
nung der Alten zwei verfchiebene Dinge, ge Seele
40 *
—8
|
|
872 €. Minius Naturgeſchichte.
find Ausgeburten kindiſcher Vertröftung und der nad) ewi⸗
ger Fortdauer begierigen Sterblichkeit. ine ähnliche Thor⸗
heit ift die Aufbewahrung der menfdlichen Leichen und die
Wiederauferſtehung, welche Demokritus, der doch ſelbſt nicht
wieder auferftand, verbieß. *) 3. Iſt denn, zum Henker!
ber Glaube, daß man nad dem Tode wieder auflebe, nicht
ber größte Wahnfinn? Wie kann der einmal Beborene je
wieder zur Ruhe. fommen, wenn Die Seele in der Oberwelt
und der Schatten in der Unterwelt ihr Bewußtſeyn bebal-
ten? Wahrlich diefe füße Selbſttäuſchung, diefe Leichtgläus
bigkeit zerfiören die größte Wohlthat der Natur, den Zop,
und verdoppeln die Todesangft, indem fle uns aud noch mit
I dem Gedanken an die Zukunft plagen. Und wenn es füh
ift, zu leben, wie kaun es für Jemand FÜR ſeyn, gelebt zu
haben? **) MWie viel leichter und fidherer iſt's, nur feiner
| eigenen Ueberzengung zu trauen, und von unferem vorgeburt-
| lichen Zuftande auf unfere Ruhe nach dem Tode zu fdhlies
Ben! u)
LVII (vr). 1. Es ſcheint uns zweckgemaͤß, bevor wir
- die Naturgefchichte des Menſchen fließen, auch noch Die
verfchiedenen Erfindungen, und Diejenigen, welchen wir fle
weilt in der Oberwelt; der Schatten muß feinen Aufent⸗
halt in der Unterwelt nehmen,
*) Er gab deßhalb den Rath, bie Leichen in Honig Cheffen
ſich die Alten Matt bed jegt gewöhnlichen Weingeiſtes bes
dienten) aufzubewahren,
<*) D. H nicht mehr zu leben,
”., Nämlich von dem Nichtſeyn vor ber Geburt auf Das
Nichtſeyn nach dem Zobe,
Siebentes Bud. 875
zu verdanden haben, namhaft au machen.“) Kauf und Vers
kauf Ichrte Bater Liber; Derfelbe führte auch das Diadem
als Abzeichen der Königewürde und den Triumph ein, und
Gered das Betreide; denn vorher nährte man fi von Eis
bein. Diefelbe Ichrte das Mahlen uud Baden beffelben in
Attika und anderes dazu Bchörige in Gicilien, weßhalb fie
auch ald eine Göttin betrachtet wurde. Sie gab auch zuerſt
Geſetze, was Andere jedoch dem Rhadamanthus zufchreiben.
2. Die Buchſtaben waren, nad meinem Dafürhalten, in Aſ⸗
forien ſtets einheimifch; Andere aber, wie Gellins, glauben,
fie feyen in Aegypten von Mercurius, und wieder Andere,
fle feyen in Sprien erfunden. Jedenfalls foll fie, und zwar
ſechzehn an der Sahl, Cadmus aus Phönizien nad Griechen⸗
land gebracht, diefen während des trojanifchen Krieges Pas
(amedes vier, nämlih 9, Z, D, X, und nach ihm der Lie
derdichter Simonides noch vier andere, nämlich Z, H, W, 2,
hinzugefügt haben. Die Laute aller diefer Buchſtaben finden
fi auch in den unſrigen. Wriftoteles behauptet, ed habe
urſprünglich achtzehn Buchſtaben gegeben, nämlich A, B, T,
4, E,2Z,I, K,A,M,N,O0,DO,P, 2, T, Y, db, und dieſe
—
habe Epicharmus, nicht aber Palamedes, mit zwei, nämlich
8, X, vermehrt. *s) 3. Anticlides behauptet, ein gewiſſer
*) Wir müffen bei diefem Artikel gleich, jegt bemerken, daß
man ben darin enthaltenen Angaben nicht unbebingten
Glauben fchenten darf. Die Erfindung und Ginführung
der Hanptfädylichften Lebensbebürfniſſe fallen in die vorhis
ftorifhe Zeit, und felbft fpätere Erfindungen Iaffen fich
nicht immer an eine befiimmte Perfon anknüpfen.
**) Die Stelle, weiche Plinind vor Augen hatte, finder fi
nicht in den vorhandenen Schriften bed Ariſtoteles.
- , %
‘
J
874 C. Plinius Naturgefchichte.
Menon in Aegypten babe fie fünfzehn Fahre vor Phorso⸗
nens, ) dem älteſten Könige Griechenlands, erfunden, und
ſucht Diefes aus Dentmälern zu beweifen. Dagegen bemerkt
Epigenes, einer der glaubwürdigften Schriftfieller, Daß man
bei den Babploniern Nebenmalhundert und zwanzigtaufend
Fahre alte aftronomifhhe Beobachtungen auf gebrannten Zies
gelfteinen eingegraben finde; auch Berofus und Eritsdemus
geben diefen Beobachtungen ein Alter von wenigſtens viers
malhundert und neunzigtaufend Jahren.“) Daraus erbelt,
Daß der Gebraud der Buchſtaben ſchon vor undenklichen
Zeiten eingeführt war. Nach Latium bradten fie bie Pe;
lagger.
4. Ziegelbrennereien und Häuſer erbauten zuerft bie
Brüder Euryalus und Hpperbius zu Athen. Nach des Gel:
lius Anſicht war Dokius, des Cälus Gohn, der Erfinder ber
Lehmgebäude, und die Schwalbennefter dienten ihm dabei zum
Borbilde Die eritie Stadt gründete Cecrops *"*") an der
Stelle der jegigen Burg von Athen, und nannte fie nach ſich
Cecropia. Manche glauben, Argos fey nody früher vom
Könige Phoroneus erbaut; Undere halten Sicyon für älter.
Die Negyptier aber fagen, ſchon lange vorher fey in ihrem
Lande Divspolis erbaut geweſen. Cinyras, des Agriopas
Sohn, erfand die Dachziegel und die Bearbeitung des Er⸗
*) Er trat um dad J. 1807 vor Ehr. bie Regierung an.
*”*) Sp muß man, um ber Stelle einen vernänftigen Sinn
zu geben, die Zahlen Iefen, nicht 720 und 490. Wal, £.
Ideler, Handbuch ber Ehronologie. Berlin 1825. 8,
9.1. ©. 216, 217,
eee) Gr führte im J. 1556 (nach Andern 1586) vor Ebr.
eine Aegyptiſche Solonie nach Athen, und berrfchte daſelbſt.
Giebentes Bud. 875
zes, beides auf der Infel Eypern; ferner die Zange, den
Hammer, den Hebel und den Ambos. 5. Brunnen legte zu⸗
erſt Danaus an, ald er aus Uegnpten in die Gegend Grie
chenlauds, weiche Argos Dipfion [das burftige Argos] hieß,
Pam, Gteinbrücdhe zuerft Cadmus zu Theben, oder, wie Iheos
phraftus will, in Phönizien ; die erftien Mauern wurden von
Thraſon, die erften Thürme nach Ariftoteled von den Cyclo⸗
pen, nach Theophraftus aber von den Zirpnthiern erbaut.
Das Wirken erfanden die Aegyptier, das Zärben der Wolle
die Lyder zu Sardes, die Spindel zum Wollfpinnen Sios
fter, der Arachue Sohn, bad Leinweben und Nepftriden
Aradıne, die Walkkunſt Nicias von Megara, die Schuhma-
herei der Böotier Tychius. Die Erfindung der Heilkunde
ſchreiben ſich die Aegypter zu; nah Andern wurde fie von
.Arabus, dem Sohne des Babylon und des Apollo, die Kräu⸗
terfunde aber nud die Heilmittellehre von Ehiron, dem
Sohne des Saturnus und der Philyra, erfunden.
6. Das Erz zu fchmelzen und zu härten foll nad Ari-
fioteled von dem Lyder Seythes, nach Theophraftus von dem
Phrygier Delas, die Verarbeitung deffelben aber nad Eini⸗
gen von den Ehalybern, nad) Andern von den Enklopen zuerft
gelehrt worden ſeyn. Eiſen wurde nad, Heflodus zuerft von
den Bewohnern Ereta’s, welde die Idaͤiſchen Dactyler hie
Sen, Silber zuerft von dem Atheuer Erichthonius, nad)
Andern von Aeacus gegraben; die Gewinnung und dag
Schmelzen des Boldes von tem Phönizier Cadmus am Berge
Dangäus, nad) Antern von Thoas und Eackis in Pandyaia, *)
*) Welchen Berg Pangäus unb welches Land Panchaja Plis
4‘
376 : C. Plinius Naturgeſchichte.
oder von Sol, des Dceanus Sohne, welchem Gellius auch
die Bereitung der erften Arznei aus Honig zufchreibt, ge⸗
zeigt. 7. Blei holte von der Juſel Eafflteris *) zuerſt Mi⸗
dacritud. Die Verarbeitung des Eiſens wurde von den Ey-
eiopen erfunden; dad Töpferhandwerk erfand der Athener
Choröbug, die dabei nöthige Scheibe der Scythe Anacharils,
nach Andern der Eorinther Hpperbius, Die Bearbeitung Des
Holzes und die Dabei nöthigen Werkzeuge, die Säge, die
Art, das Blerloth, den Bohrer, den Leim und den Fiſchleim
- Dädalus, das Winkelmaaß, die Sepwage, das Drechfeleifen
and den Riegel aber Thedborus von Samos, Maß und Ber
wicht der Argiver Phidon, oder, wie Gellius annimmt, Pas
lamedes. Feuer aus Kirfel zn ſchlagen Ichrte Pyrodes, des
Cilix Sohn; es in dem Gtedentrautftenge eee) zu erhalten,
Nromethens.
8. Der vierräderige Wagen wirde von den Phrpgiern,
der Handel von den Phöniziern erfunden. _ Den Beinbau
und die Baumzucht Ichıte der Athener Eumolpus, Bein
mit Waſſer zu mifchen Staphylus, des Silenus. Sohn, den
nius hier meint, läßt fih nicht ermitteln. Wielleicht hat
man ben Berg in Abyffinien und das Land in Thraciem
zu fuchen, ‚
*) S. B. IV. Kap. 36, 6. 1.
**) Unbekannter Name. Nah Hyginus (Fab. -274.) und
Eaffiodorus (Var. III, ep. 31.) holte der Phrygifhe Kb⸗
nig Midas zuerft Blei, und Hardouin's Vorſchlag, „Mis
bad Phrygins” flatt „Midacritus“ in den Text aufzunch⸗
men, verdient daher Beruͤckſichtigung.
"+, Ferula, vap&n&; ferula communis (Linn.). In dem
Marke dieſer Pflanze kann man wie im Gchwamme
Tener glimmend erhalten, .
Siebentes Bud: 877
Anban und bas Breffen des Oels, fo wie die Gewinnung
des Honigs, der Athener Arifläus, Ochſen auznſchirren
und zu pflügen ber Athener Buzoges, oder, nach Andern,
Triptolemus.
9. Die königliche Regierungsform führten die Aegypter,
die Bolksherrſchaft die Athener nach Theſeus «in. Der
erſte Thrann war Phalaris zu Agrigent. Die Sclaverei
findet man zuerſt bei den Lacedämoniern. Das erſte Todes⸗
urtheil wurde von dem Areopag ausgeſprochen. Die Africa⸗
ner kämpften zuerft gegen Die Aegypter mit Kenlen, weiche
Phatangen heißen. Die Schilde erfanden Prötus und Acris
fing, als fie ſich einauder befriegten, oder Chalcus, dae Atha⸗
mas Sohn, den Bruftharuifch der Meflenier Midiad, den
Helm, das Schwert und den Speer die Lacebämonier,
die Beinfchienen und Federbüfhe bie Carier. 10. Bo⸗
gen und Pfeile follen von Scythes, nad Andern aber
die Pfeile von Perfes, des Perfens Sohn, die Lanzen von
den Aetolern, der Wurfipieß fammt Schwungrienen von
Aetolus, ded Mars Sohn, der Spieß der leichten Truppen
von Tyrrhenus, der Wurffpieh des Fußvolks von der Amas
zone Ventheſilea, die Gtreitart von Pifäns, von den Eretern
die Fagdfpieße und unter ben Belagerungsgefchoffen der -
Scorpion , von ben Syrern die Catapulte, die Ballifte und
Schleuder von den Phöniziern, die eherne Trompete von dem
Tyrrhener Piſäus, die Schildkröte von dem Clazomenier
Artemon, das Pferd Ciegt Widder genannt) zur Zertrüm⸗
merung der Mauern *) von Epens vor Troja, das Neiten
") Ueber die genannten Belagerungsmafchinen geben bie
Handbücher der Romiſchen Alterthämer Austuuft.
—
Cd
878 €. Plinius Naturgeſchichte.
anf dem Pferde von Belleropbon, Zügel und Gattel ber
Pferde von Pelethronius, der Kampf zu Pferd von den
Theflaliern, welche Eentanren hießen. und an dem Berge
Delion hin wohnten, erfunden worden feyn. 14. Zwei Pferde
fpannte zuerft dad Volk der Phrogier, vier zuerft Srichtho⸗
nius nebeneinander; die Schlahtordnung,; das Zeichen zum
Angriff, die Lofung und die Wachen erfann Palamedes im
trojauifhhen Kriege, die Signalkunſt Sinon zu derſelben
Zeit, den Waffenflilltand Lycaon, die Bündniffe Thefeus.
12. Nach den Bögeln wahrfagen lehrte Car, von wel
hem Earien"feinen Namen bat, nach den übrigen Thieren
Drpheusp aus deu Eingeweiden Delphus, aus dem Fener
Ampbiarand, aus dem Vögelfluge der Thebaner Tireflas.
Die Auslegung der Wunderzeihen und Träume wurde von
Amphictgon, die Sterndentekunft von Atlas, dem Sohne der
Libya, nach Manchen aber von den Aegyptern und nadı An⸗
dern von den Affyriern, die Himmelstugel von dem Milefier
Anarimander, die Eintheilung der Winde von Aeolus, dem
Sohne des Hellen, erfounen.
15. Die Muſik erfand Amphion, die Nohrpfeife und die
Hirtenflöte Pan, des Mercurius Sohn, die Dnerflöte Midas
in Phrygien, die Doppelflöte Marfpas in demfelben Lande;
die Indifhe Weife Amphion, die dorifche der Thrazier Tha⸗
myras, die phrygifche der Phrygier Marfyas, bie Either Am:
phion, nad) Andern Orphens oder Linus; mit fleben Saiten
beipaunte fie Zerpander, eine achte fügte Gimonides, eine
neunte Timotheus hinzu. Auf der Either ohne Gefangbes
gleitung fpielte zuerſt Thamyras, mit Gefangbegleitung Um:
phion, nach Undern Linus; Lieder füs die Either componirte
Giebentes Bud. 879
zuerft Zerpander; ben Geſang mit der Flöte begleiten lehrte
der Zrözenier Ardalus; den Waflentanz zeigten zuerſt bie
Cureten, den Pyrrhichiſchen ) Porrhus, beide auf Creta.
414. Den heroiſchen Vers verdanken wir dem pythiſchen
Orakel. **) Ueber den Urfprung der Gedid;te herrfcht große
Meinungsverfchiedenheit; gewiß iſt, daB es deren fon vor
dem trojanifchen Kriege gab. In ungebundener Rede zn fchreiben
lehrte Pherechdes von der Infel Syros, zur Zeit des Könige
Cyhrus, die Geſchichtſchreibung der Milefler Cadmus, die.
gymnaſtiſchen Spiele Lycaon in Arcadien, die Leichenfpiele
Acaſtus in Folcos, nady ihm Thefeus auf dem Iſthmus, die
Ringkunſt Herkules zu Olympia, das Ballfpiel P ‚ die
Malerei der Lydier Gyges in Aegypten, in Griechentdnd aber
Euchir, ein Verwandter des Dädalus, wie Ariftoteles ans
nimmt, nach Theophraftus jedoch der Athener Polygnotus.
15. Auf einem Schiffe Fam zuerfi Danaus aus Aegypten
nady Griechenland; früher fahr ‚man auf Klößen, die zur
Verbindung der Infeln des rothen Meeres von dem König
Erpthras erfunden wurden. Manche glauben jedoch, daß fie
von ben Myflern und Trojanern fchon früher auf dem Hel⸗
lespont, ald Diefe über denfelden gegen die Ihrazier ziehen
wollten, erfonnen worden feyen. Noch jebt beftehen auf dem
britannifchen Dyean die Kähne aus Weidengeflechten, Die
mit Leder überzogen find; auf dem Nil aus Papyrus, aus --
Binfen und aus Rohr, 16. Auf einem langen Schiffe ***)
fuhr zuerft Jaſon, wie Philoftephanus angibt, nach Hegeflas
*) Yuc einen Eriegerifchen Tanz.
vr, Meiches feine Sprüche in Herametern gab.
*s⸗) Wahrſcheinlich ein Schiff mit einer Muderbant.
880 €. Plinius Naturgeſchichte.
aber Paralus, nad, Cteſias Semiramis und nach Archema⸗
Aus Aegäon. Das zweiruderige Schiff foll nah Damaſtes
zuerſt von den Ergthräern, bas dreiruderige nach Thucydides *)
von dem Corinthier Aminocles, das vierruderige nach Ari⸗
ſtoteles von den Carthagern, das fünfruderige nach Mneil:
giton von den Salaminiern, das mit ſechs Ruderbänken nach
Zenagoras von den Spracufiern erbaut worden ſeyn. Die
Ruderbänke foll nad) Mneflgiton Alexander der Große bis
anf zehn, nach Philoftephanus Ptolemäus Soter bis anf
zwölf, Demetrins, des Antigonus Gohn, bis auf fünfzehn,
Diolemägs Philadeiphus bis auf dreißig, uud Ptolemäns
Philop mit dem Beinamen Tryphon bis auf vierzig ver⸗
mehrt haben. 17. Das Laſtſchiff wurde von dem Tyrier
Hippus, der Lembus [Rutter] von den Epyrenäern,- bie
Eymba [Barke] von Phöniziern, der Celes [des Jachtſchiff]
von den Rhodiern, der Eercurus **) von den Eppriern, Die
Kunft, ſich auf der Seefahrt nach den Geflirnen zu richten,
von den Phöniziern,, das Nuder von den Copern, die gehö⸗
rige Breite _Deflelben von den Platäern, das Segel von Ica⸗
rus, der Maft und die Gegelftange von Dädalus, das Schiff
zum Transport der Pferde von den Gamiern oder von dem
Uhener Pericles erfunden. Schiffe mit: -ganzem Verdecke
bauten zuerft die Thaflerz. früher kämpfte man nur von dem
* Border: und Hintertheil. Die Schiffſchnäbel fügte der Tyrr⸗
hener Pifäus, den Anker Eupalamus, den zweizadigen Anker
Anacharſis, die Enterhbaten oder Hände der Athener
*) I, 13,
*., Gin Seeſchiff der größten Urt, deſſen Form ſich nicht ge⸗
nau beſtimmen laͤßt. 2.
Siebentes Bud. 8 -
Dericleg, das Stenerruder Tiphys hinzu. Der erfte, welcher
mit einer Flotte Krieg führte, war Minos; der Erſte, wels
cher ein hier tödtete, Hyperbius, des Mars Gohn; der
Erſte, welcher einen Ochſen erfchlug, Prometheus,
LVIII (uva). Die erſte ſtillſchweigende Uebereinkunft
aller Völker war die, ſich der joniſchen Buchſtaben zu bedienen.
(wu). Daß die alten griehifhen Buchſtaben faſt eben
fo geftaltet waren, wie jebt die lateiniſchen, beweist bie del⸗
phifhe Tafel von altem Erze, welche ſich jebt als ein von
den Zürften der Minerva gemeihtes Geſchenk in der Bib⸗
Liothet des Palatium befindet, mit folgender Inſchrift:
„AAYZIKPATHZ ANEOETO TH, AIOE KOPH, THN
AEKATHN AIA AdEZION AIRNA“ Adyſikrates weihte
der Tochter des Zeus den Zehenten für ein glückliches Alter.“*)
LIX (x). ine andere Uebereinftimihung der Völker
fehen wir in den Barticheerern, die jeboc, bei deu Römern
erft .fpät Eingang fanden. Nach Italien Bamen file im vier
‚bhundersvierundfünfzigfien Jahre nach Erbauung der Stadt
[300 vor Ehr.] durch P. Ticinius Mena, welcher fie, wie
Barıo **) angibt, aus Sizilien mitbrachte. Zrüher ſchoren
fid) die Römer nicht. “Der zweite Afrikaner *9*) führte zus
*), Die Infchrift iſt bier nach der von J. Gillig in feine
Recognition des Textes aufgenommenen WBerbefferung
mitgetheilt. In ben "Ausgaben Liest man gewöhnlich:
„Navamparns Teoandvov "Adnvaios arbdnser.” [Advo-
snearns iſt Beine Griechiſche Form. Man lefe, wie früher:
Navomgarn. Reb.] >
. ®®) De re rustioa, H, 11.
*.., Scipio Aemilianus, der jüngere, Zerſtörer Carthago's.
32 . €. Plinius Naturgefhicte.
erft den Gebrauch ein, fi täglich den Bart abnehmen zu
faffen. Der göttliche Auguftus bediente fid, ſtets des Scheer:
meflers.
LX (1x). 4. Eine dritte, fhon mehr von Weberfegung
zeugente Uebereinflimmung fand im ber Gtundeneintheilung
ftatt. Bann und von wem Diefe erfunden wurde, haben
wir ſchon im zweiten Bude *), angegeben. Auch von ihr
madte man zu Rom erft weit fpäter Gebranch. Auf den
zwölf Tafeln ift nur von Gonnenaufgang und Gonnenunter
gang die Rede; fpäter Fam noch der Mittag hinzu, indem
ein Diener der Conſuln es ansrufen mußte, wann er DIR
dem Rathhanfe aus tie Gonne zwiſchen der Nednerbühnt
nnd dem Standorte der auswärtigen Gefandten **) fab.
Neigte fid) die Sonne von der Mänifhhen Säule ***) nad
dem Staatdgefängniffe hin, fo verkündete er den Abend.
Dieb geſchah aber nur an heiteren Tagen bis zum erften
punifhen Kriege. 2. Die erfte Sonnenufr ließ den Römern
eif Zahre vor dem Kriege mit Pyrrhus [293 vor Chr.)
2. Papirins Eurfor bei dem von feinem Bater gelobten, von
ibm aber eingemweihten Tempel des Quirinus errichten: fo
erzählt Fabins Veſtalis. Er gibt aber weder die Beſchaffen⸗
heit diefer Sonnenuhr oder den Verfertiger Derfelben atı
nody ſagt er, woher man fie gebracht, oder bei welchem
Schriftſteller er dieſe Nachricht gefunden habe. 3. M. Barro
®) Ray. 78.
**) Graecostasis. Bol. B. XXXIII. Kap. 6.
eec) Sie hatte ihren Namen von E, Manius, welchem fit
vom Wolke errichtet worden war, Bol. B. XXXIV.
Kap. 11. 6. 1.
‚ Siebentes Bud. 883
Werichtet, die erfle Sonnenuhr habe der Conſul M. VBalerins
Meſſala auf dem öffentlihen Platze nahe bei der Redner⸗
bühne an einer Gäule angebradyt, und zwar im erften punis
ſchen Kriege, nad) der Einnahme der ſiziliſchen Stadt Catina,
von wo fie dreißig Jahre fpäter als die [fo eben erwähnte]
Papirianifhe Sonnenuhr, nämlich im Jahr 494 nad) der
Erbauung der Stadt [265 vor Ehr.], herbeigeholt wurde.
Obſchon ihre Strihe nicht mit den Stunden übereinflimm:
ten, *) fo richtete man ſich doc, neunundneunzig Jahre lang
nad) ihr, bis Q. Marcins Philippus, welcher mit 2. Paulus
‚Eenfor war, eine genauer eingerichtete neben fle feute, welche
Gabe unter allen feinen Cenſorarbeiten beſonders dankbar
aufgenommen wurde. 4. Bei bewölktem Himmel wußte man
aber immer die Stunde noch nicht; dieß dauerte bis zum
nächſten Luſtrum, um welche Zeit Scipio Naſlka, der College
des Länas, zuerſt durch Waſſer **) eine gleiche Eintheilung
der Tagſtunden ſowohl, als auch der Nachtſtunden herbei⸗
führte. Er ſtiftete dieſe Uhr nebſt einem Dache darüber im
Jahre 595 nach Erbauung der Stadt [159 vor Ehr.], Bis
Dahin hatte für das Römifhe Volk der Tag Feine Ein-
theilung.
Wir kehren jetzt zu den übrigen Thieren, und zwar zu⸗
erft zu den Landthieren zurück.
*
LU
.) Weil Catina fat um vier Grabe dem Aequator näher lag,
als Rom,
©), Durch eine Waſſeruhr.
® h
— ER
Romiſche Brofaikfer
neuen Ueberſetzungen.,
Herausgegeben ' ‚
von
C. N. v. Oſiand er, Praͤlaten zu Ulm,
und
G. S bw ab ‚, Dber-Sonfiforial- und Stubienrath zu Stuttgart.
Hundert vier und fiebenzigftes Bändchen.
Stuttgart,
Berlag der 3. B. Metz ler'ſchen Buchhandlung.
1850,
eı
x
Eajus Plinins Secundus
Naturgefhidte
⸗
Ueberſetzt und erläutert
on
Dr. Ph. H. Külb,
Stadtbibliothekar zu Mainz.
ahte-8 Bid dem
\ Stuttgart,
Berlag der J. B. Metz ler'ſchen Buchhandlung.
41850.
Plinius Serundus Raturgefhirhte.
Achges Bud.
— ——— —
Beſchaffenheit der Landthiere.
Inhalt.
Kap. I. Bon den Elephanten und ihrem Verſtande. IT. Wann
ſie zuerſt angeſpannt wurden. FI. Don ihrer Gelehrigkeit. IV.
Wunberbared in ihren Handlungen V. Bon dem Inſtinkt der
Thiere, die ihnen drohenden Gefahren zu erfennen. VI. Um welde
Zeit man in Italien die erften Elephanten ſah. VIEL Ihre Kämpfe.
VIVI. Auf welche Weife fle gefangen werden. IX. Wie man fle baͤn⸗
dig. X. Don ihrer Geburt und ihren übrigen Eigenfchaften. XL.
Wo fle einheimifch find. Zwietracht zwifchen ihnen und den Drachen.
XII. Bon der Klugheit der Thiere. XIII. Bon den Drachen. XIV.
Schlangen von wunderbarer Größe. XV. Bon ben feythifchen Thies
zen; von den Urochſen. XVI. Bon den Thieren des Norbens, dem
Elenn, der Achlis und dem Bonaſus. XVII. Don den Löwen und wie
fie zur Welt kommen. XVII. Arten derfelben. XIX. Ihre eigenthünts
liche Beichaffenheit. XX. Mer zuerft einen Löwenfampf zu Rom
gab und wer die meiften Löwen auf einmal kämpfen ließ.
Wunderbare Haublangen von Löwen. XII. Ein von einem Ora⸗
890 C. Plinius Naturgeſchichte.
hen erfannter und geretteter Menſch. XXIM. Bon den Panthern.
xXXIV. Senatsbeichluß und Geſetze, die -afrifanifchen Thiere betref⸗
fend. Wer die erften und wer die meiften afrikanifchen Thiere [Ban
tHer] nad Rom brachte. XXV. Bon den Tigern. Wann ber erſte
Tiger zu Rom gefehen wurde. Bon ihrer Beichaffenheit. XMVI.
Bon den Kameelen. Arten derſelben. XXVIL Bon dem Kameel-
parder und wann er zuerſt zu Nom gefehen wurde. XXVIII. Bon
dem Chama und den Kepen. , XXIX. Bom Nashorn. XXX. Bom
Luchfe iind von den Sphinren; von den Erofoten ; von den Gercopi-
ihecen. XXXI. Lanbthiere Indiens. XXXII. Landthiere Aethio⸗
piens. Ein Thier,. welches durch den Anblick toͤdtet. XXIII. Bor
den Bafllisfen. XXXIV. Bon den Wölfen. Woher die Sage von
den Wechfelbälgen (Wehrtwölfen) omme XXXV. Schlangenarten.
XXXVI Bon dem Schneumon. XXXVI. Bon dem Krobkodil.
XXXVMNI. Bon dem Scineus (Waran). XXXIX. Bon dem Fluß
pferde. XL. Wer es und den Krokodil zu Rom zuerft zeigte.
XLI. Bon den Thieren erfundene Heilmittel. XLU. Borausan-
Deutungen der Gefahren durch Thiere. XLIII. Bon Thieren ver
tilgte Volker. XLIV. Bon den Syänen. XLV. Bon den Corocu⸗
ten und Mantichoren. XLVI. Bon den wilden Eſeln. XLVII. Bom
Biber; von Thieren, die ſowohl im Wafler als auch auf_dem Lande
leben; von den Fifhotten. XLVIH. Bon den Brombeerkroͤten.
XLIX: Bon dem Meerfalb; von den Bibern; von den Sterngädern.
L. Bon ven Hirſchen. LI. Bom Chamäleon. LII. Don den üb
zigen Thieren, welche die Farben wechfeln; von dem Tarandus
(Rennthiere), Lycaon (Iagdleoparde) und Thos (Schakal) LIU.
Dom Stachelfchwein. LIV. Bon den Bären und ihrer Brut. LV.
Bon. den pontifchen und Alpen-Mäufen. LVI. Bon ben Igeln.
LVII. Bon dem Löwentöbter; von dem Luchſe. LVIH. Die
Dachſe; die Eichhörnchen. LIX. Bon den Bipern und Schneiden.
LX. Bon den Eidechfen. LXI. Eigenfchaften der Hunde; Bei⸗
fpiele von Treue gegen ihre Herren; wer- Hunde zum Gebrande
im Kriege hielt. LXII. Bon ihrer Erzeugung. LXHI. Mittel
gegen bie Hundswuth. LXIV. Gigenfchaft der Pferde. LXV. Bon
den Bähigfeiten der Pferde. Wunberbares von DBiergefpannen.
LXVI Die Erzeugung der Pferde. LXVII. Bom Winde befruch⸗
- ®
+
Achtes Bus. 84
tete Stuten. LXVII. Bon den Gfeln; ihre Erzeugung. LXIX.
Gigenfchaft der Maulefel und der übrigen Zugthiere. LXX. Don
den Ochſen und ihrer Erzeugung. LXXI. Der Apis in Aegypten.
LXXU. Eigenfchaft der Schafe und ihre Erzeugung. LXXIII. Arten
und Farben der Wolle. LXXIV. Kleiderarten. LXXV. [Bon der
Geſtalt der Schafe’und vom Muflon.] LXXVI. Gigenfchaft der
jegen und ihre Erzeugung, LXXVII. Dergleichen ber Schweine.
XXVIII. Bon den Wildfchweinen. Wer zuerft Thiergärten an⸗
legte. LXXIX. Bon den Halbwilden Thieren. LXXX. Bon den
Affen. LXXXL Bon den Hafenarten. LXXXII. Bon den Thies
ren, welche weder zahm noch wild find. LXXXIII. An welden
Drten es gewifle Thiere nicht gibt. LXXXIV. An welchen Orten
ee Thiere nur den Fremden und wo fle nur den Gingeborenen
aben. .
Summe aller Gegenftände, Gefchichten und Bemerkungen: 787.
Duellen.
[Römische]: Mucianus, Procilius, Verrius Flaccus, 2. Pifo,
Corn. Valerianus, Sato der Cenſor, Feneftella, Trogus, die Acten,
Eolumella, Virgilius, Varro, Lucilius, Metellus Scipio, Corn.
Eelfus, Nigibius, Trebius Niger, Boınponius Mela, Mamilius Sura.
Fremde: Der König Juba, Polybius, Herodot, Antipater,
Ariftoteled, Demetrius ver Phyſifer, Democritus, Theophraſt, Cvan⸗
thes, Agriopad, der über die olympifchen Sieger ſchrieb, der König
Hiero, der König Attalns Philometor, Cteſias, Duris, Philiftus,
Archytas, Phylarchus, Amphylochus von Athen, Anaripolis von
Thaſus, Apollovor vom Lemnus, Ariftophanes von Miletus, Anti⸗
gonus von Cyme, Aguthocles von Chius, Ayollonius von Pergamus,
. Ariftander von Athen, Bacchius von Miletus, Bion von Soli,
Chaereas von Athen, Diodor von Priene, Div von Colophon, Epi⸗
genes von Rhodus, Evagon von Thafus, Euphronius von Athen,
Hegefiad von Maronen, die beiden Menander von Priene und Heraclen,
der Dichter Menekrates, Androtion, Aefchrion, Lyſimachus, welche
er) C. Plinius Naturgeſchichte.
drei fektere über den Ackerban ſcheieben, Dionyfius, ber den n
Werſegte, Diophanes, ber aus dem Diongfkıs einen Auszug
der König Archelaus, Nicander.
-
: -
Bemerkungen über die in dieſem Bude von
Plinius benügten oder angeführten Särift
fteller.Y)
— Acten (Acta vopali romani). Daß dieſe Volksberichte,
welche waͤhrend der Republik ſehr wichtig waren, zur Zeit der Mo⸗
narchie nur Merkwürdigkeiten aus dem ſocialen Lehen enthielten und
politifche Greigniffe wenig oder gar nicht berührten, läßt ſich ſchon
leicht vermuthen. Zur Gewißheit wird diefe Vermuthung aber durch
die Berufungen der Schriftfteller auf diefe Acten erhoben. Vollks⸗
fefte, Luſtbarkeiten, Brodſpenden, Naturmerfiwürbigfeiten, Wunder⸗
geſchichten und Curioſitaͤten jeder Art bildeten den Inhalt. So
führt Plinius in dieſem Buche (Kap. 61, 8. 3) aus den Acten des
Jahres 28 nach Chr. ein Beiſpiel der Treue eines Hundes an. —
Das nähere Berhältniß der Acten, Annalen und anderer öffentlicher
Berichte zum Staate fowohl, als zu einander ſelbſt, entwickelt Ab.
Schmidt trefflih in der gediegenen Abhandlung: „das Staates
zeitungswefen der Römer“, in der „Zeitfchrift für Geſchichtswiſſen⸗
Schaft“, Berlin 1844. 8. Bd. I, S. 303—355. Ä
* “ef chrion, ein griechiſcher Schriftſteller, deſſen Vaterland
9 Der Strich (—) vor einem Arkifel eigt an, daß von dem
Schriftſteller ſchon bei einem der —— Bücher bie
rer die griechifchen Autoren find mit einem Sternchen
6
d
Altes Buch. 83
und Lebenszeit uns unbekannt find. Wir willen nur, baß er über
Landwirihſchaft ſchrieb Tvergl. Varro, de re rast. I, 1.9). Plinius
nennt ihn nur im Allgemeinen als eine feiner Quellen, ohne das
Entlehnte näher zu bezeichnen.
’ Agatbocles von Chins, ein eben fo "wenig bekanntet
Schriftſteller, der ein Werk über die Landwirthſchaft verfaßte (vergl.
Barto de re rust. I, 1), aus dem Plinius manche Bemerkungen,
(wahrſcheinlich Kap. 6478) nahm, ohne feine Quelle näher ans
zugeben.
* Agtiopag, ein und völtig unbekannter Schriftfteller,, ver
über die Sieger in den olyumpffchen Wettkämpfen fchrieb (qui OAvg-
suorina;). In vielen Handſchriften heißt er Copas ober Acopaß,
weiche Nomen aber offenbar entſtellt find. Faſt in allen neueren
Ausgaben des Plinius von Harbuin an fteht in dem Quellenver⸗
zeichnifle vor biefem Buche durch einen Drudfehler Agrippa, flatt
Agriopa. Plinius entlehnt ihm die alberne Erzaͤhlung, daß ein
Athlet in einen Wolf verwandelt worden fey. 1
Amphilochus von Athen, über deſſen Lebensumflände Feine
Nachrichten auf und gekommen find, fchrieb Aber Landwirthſchaft
(vergl. Barro, de re rust. I, 1. 8). Die Stellen dieſes Buche, wo
er benuͤtzt wurde, find nicht näher bezeichnet.
* Anaripolis von Thaſus, ebenfalls ein Schriftfteller im
Fache der Lanbwirthfchaft (vergl. Varro, de re rust. I. 1. 8), deſſen
Lehen und Werke wir ebenfo wenig Tennen, als die Stellen dieſes
Buches, an denen ihn Plinius benützte.
* Androtion, deſſen Lebenszeit ſich ebenſo wenig beſtimmen
laͤßt, ſchrieb ein Werk über den Ackerbau (vergl. Theophraſt hist.
plant. I, 8. Athenaͤus, 3, p. 75. Varro de re rust. I, 1. 9). Pli⸗
nius benügte ihn, fo wie bie meiflen andern Schriftfleller über Land⸗
X
‚898 C. Plinius Naturgeſchichte.
wirthſchaft, wahrſcheinlich nicht unmittelbar, ſondern nach den Aus⸗
zügen, welche Varro feinem Werle über die Landwirthſchaft ein⸗
verleibte.
— Annalen. Dieſe werben zwar bei den vor dieſem Buche
verzeichneten Quellen nicht genannt, Plinins entlehnt ihnen aber
doch mancherlei Bemerkungen, fo die Nachricht (Rap. 54, 6. 5), baß
man.im Jahr 61 v. Chr. numibifcge Bären in den Circus gebracht
habe (was jedenfalls die Verfafjer der Annalen als fchlechte Natur:
forfcher bezeichnet, da es befanntlich in Afrika feine Bären gibt), *)
ferner (Kap. 69, $. 3) daß Maulefeliftien trächtig geworben feyen,
daB während der Belagerung Cafllinums durch Hannibal eine Maus
zweihundert Denare gefoftet habe (Kap. 82, $. 3), dag das Pfeifen
der Spitzmaͤuſe eine unglüdliche Vorbedeutung fey (Kap. 82, $. 3)
und wer zuerfl ein ganzes Wildſchwein auf.bie Tafel gebracht Habe.
(Kay. 78, $. 2.) Vergl. Acten.
* Antigonus von Cyme, ein nicht näher befannter Schrift:
fteller im Sache der Landwirthſchaft (Varro de re rast. E, 1. 8), ber
nur im Allgemeinen unter den Auellen biefes Buces ohne Angaben
befonderer Stellen genannt wird.
* Antipater aus Rhodus, ein griechiſcher Naturforfcher, ber
im zweiten Sahrhunbert vor Chriſti Geb. lebte und ein Werk über
die Naturgefchichte der Thiere (nee! wor, vergl. Schol. ad Apollon.
Rhod, II. 89) fegrieb, dem in diefem Buche (Kap. 5, $. 3) die Be
merfung, daß die Elephanten auf die Namen hören, welche man
ihnen beilegt, entnommen if. | ,
*) Uebrigeng fpricht auch Invenal von „Numidiſchen Bären“
in dem albanifchen Cirkus der Domitian, Sat. IV, 4100, wo
freilich die Ausleger geneigt find, einen Big im Ahtorud
Römwen) zu fehen. Red.
W Achtes Buch. 895
»Abpollodorus von Lemuns. Von ben zahlreichen griechi⸗
ſchen Schriftſtellern dieſes Ramens iſt er nur durch feinen Geburts⸗
ort zu unterſcheiden. Plinius führt ihn in dem Inhaltsverzeichniſſe
mehrerer Bücher. an, ohne etwas Naͤheres über ihn mitzutheilen.
Aus Vygrro (de re rust. I, 1.) wiflen wir, daß er über Landwirth⸗
Tchaft geichrieben.
“.Apollonius von Vergamus, ein berühmter griechiſcher
Arzt und Naturforſcher, von welchem wir aber nur wiſſen, daß er
nach dem in das alexandriniſche Zeitalter fallenden Arzte Bacchius,
deſſen Commentar über Hippocrates er in einen Auszug brachte,
lebte, und daß er über die Pflanzen und ihre Heilkraͤfte, und über
die Landwirthſchaft fchrieb (Varro de re rust. I, 1. 8). Das lehte
Werk iſt das in dieſem Buche benükte.
*Archelaus, der lebte König von Cappadocien unter Auguft
‚und Tiberius, welcher. im Fahr 17 nach Ehr. ftarb, wird auch ale
Schriftſteller im Fache der Naturwifienfchaften angeführt. Seine
naturhiſtoriſchen Kenntniffe ſcheinen übrigens nicht fehr bedeutend
geweſen zu feyn, wie bie ihm von Plinius entlehnten albernen Bes
merkungen, daß die Ziegen nicht durch die Nafe, ſondern durch bie
Ihren. athmen und nie vom Fieber frei feyen (Rap. 76, $. 3), und
daß der Hafe ein Zwitter ſey (Kap. 81, 8. 3), Hinlänglich beweifen.
* Arhytas von Tarent, ein berühmter Staatsmann, Jeld⸗
berr und Schrififteller aus der erfien Hälfte des vierten Jahrhunderts
vor Chr. Die meiften auf ung gefommenen Bruchſtücke angeblich
von ihm verfaßter philofopkifchen und mathematifhen Werke
feinen unaͤcht zu feyn (vergl. Real⸗Encyclopädie der claſſtſchen
Alterthumswiſſenſchaft, Br. I, ©. 692—694). Daß er derfelbe
Archytas fey, per über Landwirthſchaft (Barro, de re rust. I, 1)
896 G. Plinius Naturgeſchichte.
ſchrieb und ven Plinins in feinem Autsrenregiſter neunt, wird
von Ranchen behauptet, von Andern beſtritten.
»Ariſtander von Athen, über deſſen Zeitalter ums wide
befannt ift, ſchrieb Aber Landwirthſchaft (Barre, de ro rast. L 1.8).
Sein Werk war, wie Plinius ſelbſt ſagt (B.. XVII. Kap. 38), mit
Wunderdingen angefüllt. Sollte er vielleicht eine und diefelbe Per⸗
fon feyn mit dem Ariſtander, der ſich ald Wahrfager bei dem Heere
Alexanders befand (Eurtius, IV, 2. 14)?
* Ariftophanes von Byzanz, einer der berühmteften griech⸗
fchen Grammatifer, welcher unter Ptolomäus N. und PBtolomäns TIE
zu Alerandrien lebte und der dortigen großen Bibliothek vorfland.
Plinins fagt von ihm (Kap. 5, 6.5), daß er eine Blumenhaͤndlerin
liebte.
* Ariftopbanes von Miletus, ein nicht weiter befannter
Schriftfieller im Fache der Landwirthſchaft, weichen nur Blinins
unter den Quellen des achten Buches nennt. Wahrſcheinlich if er
aber eine Berfon mit Ariftophanes von Nallos, den Varro (de re
rast. I. 1. 8) unter den Schriftftellern über Landwirihfchaft anführt.
Entweder bat ſich Barro oder Plinius geirrt; das letztere if jeboch
wahrfcheinlicher. Der Scholiaſt des Theokrit (Idyll. I. 48) weist
ebenfalls auf.des Ariftophanes Werk über den Aderbau (dv zoi;
seopyois) Hin, deutet aber deflen Baterland nicht am.
— Ariſtoteles. Er ift in dieſem Buche Die Hauptquelle
‚des Blinius, welcher auch jelbft (Rap. 17,$. 3) fagt, daß er Die fünfzig
Bücher des Ariftoteles über die Naturgefchichte der Thiere (von denen
wir jegt nur noch zehn befiten) in einen Auszug gebracht und das
ihm Unbekannte Hinzugefügt habe. Er nennt ihn noch beſonders bei
ſchichte des Elephanten (Kap: 10, vergl, Hist. animal,
3. IX, 2), des Löwen (Rap. 17. 18, vergl. Hist. animal,
Achtes Bug. 87
vn, 31. VIE, 9, IX, 39), dee Hyaͤne (Kap. 44, vergl. Hist. animal,
VI, 32. Be Generat. animal. HI, 6) und des Scorpion (Kap. Sb,
vergl. Hist. animal. VIII, 39). Außerdem laͤßt ſich aber hie Bes
nügung. des Ariſtoteles durch das ganze Buch, auch wo er nicht nam⸗
haft gemacht iſt, nachweiſen, ſo bei der Beſchreibung des Bonaſus
(Rap. 16, vergl. Hist. animal IX, 45), des Kameels (Kap. 26,
vergl. Hist, animal, II, 1), des Hirfches (Ray, 50, vergl. Hisk.
animal. VI, 29. IX, 6), des Chamäleon (Ray. 51, vergl. Hist -
animal, II, 11), des Pferdes (Kap. 66, vergl. Hist. animal. VI, 13.
17. 22), des @feld (Kap. 69, vergl. Hist. animal: VI, 23. 24) ıc.
* Attalus I. Philometor, König von Pergamus (138
bis 133 vor Chr.) beichäftigte fi mehr mit den Künften, als mit
der Regierung. Nach Plinius (Kap. 74, $. 2) erfand er die Kunft,
Gewaͤnder mit Gold zu durchwirken. Auch foll er über Mehizin,
Botanik und Landwirthfchaft (Columella, de re rust. I, 1) gefchries
ben Haben. Wahrfcheinlich wird er des letzteren Werkes wegen bei
den Quellen dieſes Buchs genannt. J
Bacchius von Miletus, ein nicht nher bekannter Schrift⸗
ſteller im Fache der Landwirihſchaft (Varro, de re rust. I. 1. 8),
Yan Plinius in den uellenverzeichniff en mehrerer Bücher nennt.
— * Bion aus Soli, ben wir fehon im fechöten Buche (Kap. 35)
als Ethnographen fennen lernen, wird auch unter ben Quellen dieſes
Buches genannt, wo fein Merk über bie Sanbiwiriäfähaft (vergl.
Varro, de re rust. I, 1) benüpt iſ. |
— Cato der Senf. Aus feinen Annalen (Annales, bie aber
den: Titel Origemas führten) ſchopft Plinius (Ray..d, 8. 3) vie Ber
merfung , daß Vie Clephanten Namen hatten, auf die ſie Hörken.
Auch feine za Cicero's Zeiten noch großentheils vorhandenen Heben
(oratiomen). werben ſehr gerühmt, Plinius jagt (Rap. 78, 8. 1).
896 6. Vlinius Naturgeſchichte.
ſchrieb und den Plinius in feinem Autorenregiſter nennt, wich
yon Nanchen behauptet, von Andern beſtritten.
»Ariſtander von Athen, über deſſen Zeitalter und michte
bekannt iſt, ſchrieb Aber Landwirthſchaft (Barre, de re rust. L 1.8).
Sein Werk war, wie Plinius ſelbſt ſagt (B.-XVII. Kap. 38), mit
Wunderdingen angefüllt. Sollte er vielleicht eine und diefelbe Per⸗
fon feyn mit dem Ariſtander, der ſich als Wahrfager bei dem Heere
Alexanders befand (Curtius, IV, 2. 14)?
* Ariftophanes von Byzanz, einer der berühmteften griechi⸗
fchen. Grammatiker, welcher unter Ptolomäus H. und Ptolomäus IE
zu Alexandrien lebte und der dortigen großen Bibliothek vorfland.
Plinius ſagt von ihm (Kap. 5, 6. 5), daß er eine Blumenhaͤndlerin
liebte.
*Ariſtophanes von Miletus, ein nicht weiter befannter
Schriftfieller im Fache der Landwirthfchaft, welchen nur Blinins
unter ven Quellen des achten Buches nennt. Wahrſcheinlich if w
aber eine Berfon mit Ariftophanes von Mallos, ven Varro (de re
rast. I. 1.8) unter den Schriftftellern über Landwirihſchaft anführt
Entweder hat ſich Varro ober Plinius geirrt; dad letztere iſt jeboch
wahrſcheinlicher. Der Scholiaſt des Theokrit (Idyll. I. 48) weist
ebenfalls auf. des Ariſtophanes Werk über den Ackerban ( rox
zsopyols) hin, deutet aber deſſen Vaterland wicht an.
— * Ariſtoteles. Er if in dieſem Buche die Hauptquelle
‚des Plinius, welcher auch felbft (Kap. 17, $. 3) fagt, daß er die fünfzig
Dücher des Ariftoteles über die Raturgefchichte der Thiere (von benen
wir jest nur noch zehn beftgen) in einen Auszug gebracht unb das
ihm Unbekannte hinzugefügt habe. Er nennt ihn noch beſonders bei
‚ver Naturgefchichte des Blephanten (Rap: 10, vergl. Hist. animal.
VII, 12, V, 13. IX, 2), des Löwen (Rap. 17. 18, vergl. Hist. animal,
Achtes Bu. 897
VI, 31. VIE, 9. IX, 39), bee Hyaͤne (Kap. 44, vergl. Hist. animal,
VI, 32. Be Generat. animal. HI, 6) und des Scorpion (Kap. Sh,
vergl. Hist. animal. VIII, 39). Außerdem laͤßt ſich aber die Bes
nũutzung bed Ariftoteles durch bad ganze Buch, auch wo er nicht nam⸗
haft gemacht iſt, nachweiſen, fo bei der Befchreibung des Bonaſus
(Kap. 16, vergl. Hist. animal IX, 45), bed Kameels (Kap. 26,
vergl. Hist. animal, II, 1), bed Hirfches (Kap. 50, vergl. Hit.
animal. VI, 29. IX, 6), des Chamäleon (Rap. 51, vergl. Hist,
aninal. IE, 11), des Pferdes (Kay. 66, vergl. Hist. animal. VI, 13.
17. 22), des @feld (Kap. 69, vergl. Hist. animal: VI, 23. 24) ıc.
* Attalus II. Philometor, König von Pergamus (138
bis 133 vor Chr.) befchäftigte fig mehr mit den Künften, als mit
der Regierung. Nach Plinius (Kap. 74, $. 2) erfand er die Kunft,
Gewänder mit Gold zu durchwirken. Auch foll er über Medizin,
Botanik und Landwirthſchaft (Columella, de re rust. I, 1) geſchrie⸗
ben Haben. Wahrſcheinlich wird er des letzteren Werkes wegen bei
den Quellen dieſes Buchs genannt. |
Bacchius som Miletus, ein nicht miher Sefannter Schrift:
ſteller im Fache der Landwirihſchaft (Varro, de re rust. I. 1. 8),
den Blinius in den uellenverzeichnifl en mehrerer Bücher nennt.
— * Bion aus Soli, ben wir fehon im fechöten Buche (Kap. 38)
als Ethnographen fennen lernen, wird auch unter ben Quellen dieſes
Buches genanws, wo fein Werk über. bie Landwirthſchaft (vergl.
Varro, de re rust. I, i) benübt il.
— Cato ver Genf. Aus feinen Annalen (Annales, bie aber
ben Titel Origemas führten) fhöpft Plinius (Ray.,5, 8. 3) die Ber
merkung, daß die Clephanten Namen hatten, auf bie ſie hoͤrien.
Auch feine za Cicero's Zeiten nach; großentheils vorhandenen Reben
(oratienen) werben ſehr gerühmt. Plinius fagt (Rap. 78, $. 1).
898 C. Plinlus Naturgeſchichte.
daß er darin gegen bie Ueppigkeit der Mmer, befonders gegen die
aus Wildſchweinen bereiteten Leckerbiſſen, vie fle auf ihre. Tafeln
brachten, eiferte.
Gelfus, f. Cornelius Celſus.
Chaereas von Athen, ein griechifcher Schrififteler, von
dem wir nichts weiter wiſſen, als daß er ein Werk über Landwirth⸗
ſchaft verfaßte (Barro, de re rust. I, 1. 8) und daß ihn Plinius
unter den Quellen dieſes Buches nennt.
Columella, Lucins Junius Moderatus, aus Cadirx, lebte in
der erſten Hälfte des erften Sahrhunderts nach Chr. und ſchrieb ein
Werk über den Landbau (de re rust.), welches wir noch Befigen.
Die Stelle, welche Plinius (Kap. 63, $. 2) aus ihm anführt und ein
Mittel gegen die Hundswuth enthält, findet ſich B. VII, Kay. 12.
— Eornelius Gelfus. Auch in diefem Buche benüpte
Plinius deſſen nur noch zum Theil vorhandenes Werk über Philojos
phie, Iurisprudenz, Medizin und Landwirthichaft (de artibus) , br
zeichnet aber die ihm enslehnten Bemerkungen Mlcht genauer.
— Gornelius Valtrianus, ein und völlig unbelaunter
und nur von Plinius angeführter Schriftſteller, der kurz nach dem
Roifer Tiberius gelebt zu Haben ſcheint.
Eoruncanus. Wir finden nirgends eine Nachticht über bies
fen Schriftfteller ; wahricheinlich ift aber Titus Coruncanius, ber
im Jahr 280 vor Chr. Conſul war und als’ ein durch Religiofltät,
Geſetzeskunde und Erfahrung andgezeichneter Mann genannt wird,
gemeint (vergl. RenlsEneyclopädie der Hafflfchen Alterthumswiſſen⸗
haft, Br. II, S. 722). Diefe Bermuthung wird dadurch noch
wahrfcheinlicher,, daß Coruncanius Oberpriefler war, und vielleicht
auch über die Obliegenheiten feines Berufes ſchrieb, denn Pliniaa
k \
Achtes Bud. 899
entiehnt ihm (Kap. 77, $. 2) die Benerfung über bie Zeit, warn
bie wieberfäuenden Thiere rein feyen und geopfert werben bürfen.
- 7 — * Gtefiad. Einem feiner an üppigen und weit von der
Wahrheit abfchweifenden Auswuͤchſen reichen Hifturifchen Werke ift
in dieſem Buche (Kap. 30, $. 3) die Befchreibung des fabelhaften
Thieres Mantichora entnommen. . -
* Demetrius, der Phyſiker (physious), ein nicht näher be⸗
fannter Naturforfcher, dem Plinius in dieſem Buche (Kap. 21, $. 6)
eine Erzählung von der Großmuth des Panthers entlehnt. —
Harbouin Hält diefen Demetrius für einen und denfelben mit dem
berühmten athenienflfcgen Staatsmann Demetrins aus Phalerum
(vergl. Real: Encyclopädie- der claffifden Alterthumswifienfchaft,
Bd. II, S. 938—940, vergl. ©. 942), ohne jedoch irgend einen
Beweis für diefe ſchwer zu glaubende Behauptung beizubringen.
— * Democritus. Diefem berühmten Philofophen erzählt
Plinins in dieſem Buche (Kap. 22) eine wunderbare Gefchichte von
einer Schlange nach, deutet aber das Werk nicht an, dem er fie
entnommen.
* Div aus Colophon, ein von Plinius bei ven Quellen dieſes
Buches angeführter, aber nicht näher befannter Schriftſteller, der
ein Werk über die Landwirthſchaft verfaßt hat (vergl. Varro de re
rust. I, 1. 8). a
*.Diodorus von Priene, ein ebenfalls unbefannter Schrift:
ſteller im Fache der Landwirthſchaft (vergl Eolumella, de re rust.
I, 1), der bei ven Quellen dieſes Buches nur im Allgemeinen nam⸗
haft gemacht iſt. =
* Dionyfius Caſſins aus utica, lebte in der ‚weiten
Hälfte des letzten Jahrhunderts vor Chr. und überfebte das große
Werk des Carthagers Magon über die Landwirthſchaft ind Griechifche
8900 C. Plinius NRaturgefchichte.
(Meagonem transtulit, fagt Plinius). Varro, de re zust. I, 1. Ans
biefer Ueberſetzung machte
* Diophanes von Nicaͤa (vergl, Barro, den re rast. I, 1),
ein wicht genauer bekannter Schriftſteller, der. zur Zeit Cicero's Ichte,
einen Auszug, ex Dionysio epitomen feeit, wie ſich PBlinins aud« -
drückt).
— Duris. Ginem feiner zahlreichen Werke (vergl. oben
©. 747) entlehnt Plinius (Kap. 61, $. 2) ein Beijpiel der Anhängs
lichkeit eines Hundes au feinen Herrn.
— * Epigenes von Rhodus. Wenn er mit dem bei bem
zweiten und fiebenten Bude ——— Epigenes dieſelbe Berfon
iſt, was jedoch Manche bezweifeln, fo hat ex außer ſeinen aſtronomi⸗
fihen Schriften auch ein Werk über die Landwirthſchaft (Barro, de re
rast. I, 1. 8) verfaßt, welches Plinius bei.den achten und mehreren
anbern Büchern benügte,
* Eyagon von Thafus, ein in dem Quellenverzeichniſſe dieſes
Buches namhaft gemachter, aber, was feine Lebensverhaͤltniſſe bes
trifft, völlig unbekannter Schriftfteller im Fache der Landwirthſchaft
(Barto, de re rust. 1, 1).
Evanthes von Miletus (Diogen. Laert. Thal. o. 29), ein
epifcher Dichter (Athenseus 1. VII, p. 296), der hauptſaͤchlich mythi-
ſche Stoffe behandelt zu haben ſcheint (Schol. Apollon. Rhod. I,
1065), war im Alterthum fehr geachtet, aber kein Schriftfteller gibt
uns bie Zeit, worin er lee, an. Plinius entlchnt ihm (Kay. 3,
$. 3) die Sage von einer Familie, von welcher immer ein Mitglied
in ber Geſtalt eines Wolfes neun Jahre zubringen mußte.
* Euphronins von Athen, ‚ein von Plinius in mehreren
Büchern benägter Schriftfteller im Fache ber Landwirthſchaft (Varro,
de re rust, I, 1. 8), über den wir aber nichts Näheres wien.
’
Achtes Buch. 901
Jabins, ein nur von Plintus (Kap. 34, $. 3) genannter und _
wegen feiner Leichtgläubigfeit getadelter Schriftfteller, wenn. übers
haupt diefe Stelle nicht verdorben und flatt Fabins nicht falsius
oder ein ähnliches Wort”) zu Iefen ift, was mir fehr wahrfcheinlich
dünkt, da Plinius von ber griechifchen Leichtglänbigkeit fpricht und
Fabius doch ein roͤmiſcher Name ift, der auch in dem Quellenver⸗
zeichniffe nicht angeführt wird.
Feneftella, ein römifcher Hiftorifer, der unter Auguſtus und
Tiberius blühte und im Jahr 21 nach Ehr. ſtarb. Seine Annalen,
die wenigftens 22 Bücher umfaßten, find nicht auf unfere Zeit ges
fommen. Blinius nimmt in biefem Buche ‚aus ihnen die Angabe,
wann zuerſt Blephanten zu Rom im Circus kämpften (Kap. 7, $. 2)
und die Bemerkung (Kap. 74,8. 1), daß zur Zeit des Kaiſers Auguftu®
ſowohl die feingefchornen, als auch die friesartigen Tücher auffamen.
Flaceus Berrius, f. Berrius Flaccndr
Germanicus Eäfar, der Sohn des Drufus und Enfel des
Auguftus, deſſen früher Tod von Tiberius herbeigeführt worden feyn
foll (vergl. Kap. 71,9. 2), wird als ein ſehr geiftreicher Mann und
talentvoller Dichter und Redner von den alten Schriftftellern aus⸗
"gezeichnet. Die noch vorhandenen Gtüde feiner metrifchen Ueber⸗
feßung der Phaͤnomena, bes Aratus und der Diofemeia (oder Pro-
gnoflica) eines andern griechifchen Dibaktiferd und einige Epigramme
find öfter gebrudt. Plinius erwähnt (Kap. 64, $. 3) eines nicht
auf unfere Zeit gefommenen Gedichtes bes Germanicus Caͤſar auf
ein Pferd des Auguſtus.
— ? Hegeſias von Maronea. Sein Werk über die Lands
wirthſchaft (Varro, de re rust. I, 4) dient in biefem Buche als
*) ton in fabulis? fabala? fabulone? Red.
C. Plinius Naturgeſch. 80 Bohn. 2
N
.902 €. Plinius Naturgeſchichte.
Quelle, die ihm entnommenen Bemerkungen find aber nicht näher
bezeichnet. |
— * Herobot. Plinius führt ihn bei einer Bemerkung über
pie Elepantenzähne an (Kap. 4, $. 1), die betreffende Stelle findet
ieh aber nicht in feinem vorhandenen Geſchichtswerke. Auch was
. Blinins über ben Apis fagt (Kap. 71), ift ihm großentheild entnom⸗
men (Hist. III, 28), obſchon er nicht genann? wird.
* Hiero, Rönig von Syrakus, wahrfcheinlich ber zweite dieſes
Namens , welcher im Jahr 214 vor Chr. ſtarb, wird von Varro (de
re rust. I, 1) und nad) biefem von Plinius ald Schriftkeller im
Fache ver Landwirthſchaft und als eine feiner Quellen angeführt.
— * Homer. Plinius führt ihn in dieſem Buche als Zeugen
an, daß dte Teppiche ſchon in fehr alter Zeit im Gebrauche waren
(Ray. 73,8. 3, vergl. Il. X, 156. Odyſſ. IV, 124) und daß ſchon
Helena gebilvetes Zeug verfgrtigte (Kap. 74, $. 2, vergl SI. IH,
425. 126).
— * Zuba. Seinen zahlreichen Schriften (vergl. oben ©.
485 und 591) entlehnt Plinius in dieſem Buche mehrere Bemerkun⸗
gen über ie Elephantenzähne (Kap. 4, $. 1), über das Gedaͤchtniß
des Elephanten und feine Liebe zu den Menfchen (Kap. 5, $. 5. 8),
über. Schlangen mit Kaͤmmen (Kap. 19), über das fabelhafte Tier
Mantichora, das in Aethiopien die menſchliche Stimme nachahme
(Kay. 45) und die Sage, daß die Königin Semtramis ein Pferb Bis
. zur Begattung mit ihm geliebt habe (Kap. 64, $. 3).
— Licinius Mucianus. Dem leiber nicht mehr vorkans
denen Geſchichtswerke dieſes berühmten Staatsmannes, ber dreimal
Conſul war (Kap. 3) entlehnt Plinius in dieſem Buche mehrere
Beiſpiele von der Klugheit des Elephanten (Kap. 3) und der Ziegen
Ray.?6, 8. 2) und von, ber Geſchicklichkeit ver Affen (Rap. 80,6. 1).
Achtes Buch. | 908
— Lucilius. Plinius bemerkt (Rap. 74, $. 1), daß diefer
Satyrifer die glänzenden Kleider eined gewiſſen Torquatus rügte.
Diefe Stelle des Lucilius wird zwar nicht woͤrtlich angeführt, doch
ſcheinen ihr die Ausdrůcke „orebrae papavoratae“ (dichte mit Mohn
zubereitete glänzende Kleider) entnommen zu feyn.
*Lyſimachus, ein fonft völlig unbekannter, nur von Varro
(de re rust. I, 4) und von Plinius.in dem Verzeichniſſe feiner
Duellen genannter Schriftfleller im Fache der Landwirthſchaft.
Mamilius Sura, ein römifcher Schriftfleller,, über deſſen
Lebenszeit man nirgends eine Nachricht findet, der aber nach Varro
(de re rast. I, 1) ein Werk über Landwirthſchaft ſchrieb. Plinius
nennt ihn bei mehreren Büchern unter feinen Onellen.
— !Megaftbenes. Plinius führt ihn zwar beiden tn bies
ſem Buche benügten Quellen nicht an, entlehnt aber doch feiner
inbifchen Gefchichte die Bemerfung (Kap. 14, $. 1), daß es in In⸗
dien fo ungeheure Schlangen gäbe, daß fle Hirfche und Stiere ver-
ſchlucken.
— Mela Pomponius. Diefer von Plinius vielbenützte
Geograph wird zwar nur im Allgemeinen im Ouellenverzetchniffe
diefes Buches genannt und bei Feiner Stelle befonverd angeführt,
offenbar ift ihm aber die Bemerkung (Kap. 70, $. 3), daß die Ochſen
im Lande der Garamanten rückwaͤrts gehend weiben, entnommen.
(Bergl. Mela, 1, 8.)
"Menander Plinius nennt zwei Schriftfteller diefes Nas
mens unter den Duellen dieſes Buches und unterſcheidet fle durch
ihr Vaterland, denn. der eine war von Heraklea, ber andere von
Priene. Varro (de re rust. I, 1) zählt fie unter den Schriſtſtellern
über tät eu. Weitere Nachrichten über fie finden ff}
q«
904 8. Plinius Naturgeſchichte. |
* Menecrates von Ephejus, ein nicht näher befannter Schrift: I
fteller, der in einem @ebichte den Landbau befang (Warro, dererust. |
3,1), weßhalb ihn Blinius in dem Quellenverzeihnig Menektates
den Dichter nemnt.
- Metellus Seipio, D. Eäcilind Pins, ein ebenfo ehrgeiziger
als intriguenvoller Mann, der feine der, Tugenden feiner Vorfahren,
der Scipionen, befaß. Er gab feine jüngſte Tochter Cornelia dem
großen Pompejus zum MWeibe und wurde von diefem , ald der Kampf
zwiſchen ihm und Gäfar ausbrach, als Proconful nach Syrien geſchickt,
um da alle ‚Truppen der öftlihen Provinzen zu verſammeln und
fglagfertig zu machen. Er entlevigte ſich dieſes Auftrags mit ſolcher
Graufamfeit und trieb feine Erpreffungen fo fehr ins Unverfchämte,
daß ihm allenthalben der bitterfte Haß folgte. Nach der Niederlage
bei Pharſaͤlus feßte er nach Afrika über und ftellte ſich an die Spike
des dort gegen Gäfar verfammelten Heeres. Nachdem auch bier
Alles verloren war, ‚endete er buch Selbſtmord (45 vor Chr.).
Scipio Metellus hatte häufig Streitigkeiten mit Cato und warf
dieſem fogar Verſchwendung und Ueppigkeit vor ( Kap. 27, 8. 3). Dieſes
ſcheint er in irgend einem Werke gethan zu Haben, weil ihn Plinius
unter ben Quellen dieſes Buches nennt. Nähere Nachrichten über
die fohriftftellerifche Thätigfeit diefes Scipio finden fich jedoch nicht.
— Metrodorus. Seinen Schriften, über deren Titel und
Inhalt das Alterthum uns nichts überliefert hat, entlehnt Plinius
in dieſem Buche (Rap. 14, 8. 1) die Nachricht von Schlangen, bie
durch ihren Athem Vögel anziehen und verfchlingen.
Mucianus, f. Licinius Mucianus.
* Nicander aus Colophon (nach Anvern aus Aetolien) ein
beruͤhmter Dichter, Sprachforſcher und Arzt, der in der Mitte bes
weiten Jahrhunderts vor Chr, blähte, Er ſchrieb eine Heiße
BT." _
Achtes Buch. 905
epiſcher und bibaktifcher Gedichte, von denen zwei, nämlich eines von
giftigen Tieren und den Heilmitteln gegen ihren Biß (Onguaxd)
und ein anderes von den Heilmitteln gegen vergiftete Speifen und
Getränke (Alskıpapuaxa), auf unfere Zeit gefommen, aber nicht
von großem bichterifchen Behalt find. Seine Werke fcheinen in-
defien bei den Römern fehr beliebt gewefen zu feyn, denn Birgil
nahm fich wenigftens zum Theil fein Gedicht über den Landbau
(Teapyıra) und Ovid feine Berwanvlungen (Erspaovaera) zum
Vorbild; über die Art und Weife, fo wie über die Grenzen der Nach⸗
ahmung läßt ſich aber nichts fagen, da die Driginalwerfe nicht mehr.
vorhanden fin Inter feinen übrigen verlorenen Werfen werben
noch genannt, die europfifchen, ätolifchen,, böotifchen , colophonifchen
und flzilifchen Gefchichten mytbifch-hiftorifchen Inhalts (Athenaeus,
1. VI, p. 295. 1. VII, p. 329. 1. XI, p. 496 ; Schol. ad Apoll. Rhod.
IV, 57), ein Buch, welches den Namen Hyacinth (Tanırdos, vergl.
Schol. in Nicand. Theriac. p. 28). führte, u. ſ. w. — Plinins bes
nüste in dieſem Buch wahrſcheinlich vorzugsweiſe das Gedicht über
den Landbau.
Niger Trebius, ſ. Trebind Niger.
— Nigidius Figulus. Geinen nicht mehr vorhandenen
naturbiftorifchen Schriften entnahm Plinius in diefem Buche bie
Bemerkungen, daß die Ferkel’ zur Zeit der Winterfonnenwende mit
den Zähnen zur Welt fommen (Kap. 77, $. 1) und daß bie Spig-
mäufe und Schlafragen fi im Winter verbergen (Kap. 82, $. 3).
* Philiſtus aus Syracus, wo erim Jahr 431 vor Ehr. ger
boren wurde, galt im-Alterthume als einer ber vorzüglichften Ges
ſchichtsſchreiber und wurde fogar mit Thucydides verglichen (Cicero,
de divinat. I. 20. Epist. ad Quint. fr. II, 13). @r war ber Ver⸗
traute, Minifter und Feldherr des älteren Dionyflus, dem er zur Gr⸗
906 G. Plinius Naturgeſchichte.
langung ‚der Alleinherrſchaft wit Rath und That beiflanb. Als er fi
aber heimlich mit der Nichte des Tyrannen verheiratete, wurde er
mit der Berbannung gefttaft, aus der ihn erft Dionyfius der Jüngere
zurädtief. Er befehligte deſſen Flotte in der unglücklichen Sees
ſchlacht gegen die Syrafufaner, wurbe gefangen und vom Bolfe zer-
riſſen (538 vor Ehr.). Seine bis zum Jahr 446 vor Chr. reichende
Geſchichte Siziliens in elf Büchern, feine beiden Biographien bes
älteren umd jüngeren Dionyfins, die erfle in vier, die andere in
zwei Büchern, führten zufammen den Titel Sizilifge Gefchichten
(Zinsrına), deren Verluſt fehr zu bedauern ift, obfchon fie ver Stel.
Iung des Berfaflerd nach unmoöglich unpartheiifh geweſen ſeyn
tönnen. Plinius zog aus diefem Werfe die Bemerkungen über die
Treue eines Hundes des Tyrannen Gelon von Syracus (Kap. 61,
$. 2) und von der Anhänglichkeit eines Pferdes an ben Tyrannen
Dionyſius I. (Kap. 64, $. 5) Das Legtere erzählt auch Cicers
(de divinat. I, 33) und nennt ebenfalls Philiſtus feine Duelle. Ueber
diefen Hiftorifer vergleiche mar Sevin, Recherches sur Ia vie et leo
eorits de Philistus (in ben Memoires de P’Academie des Inserip-
tions, Tom. XIII, p. 1 sqqg.) und Fr. Goͤller, De Philisti vita et
seriptis (in deſſen Werf: de ortu et origme Syracusarum, Lips.
41818. 8. p. 101 bis 142), welcher auch die noch erhaltenen Frag⸗
mente (ebend. p. 143—176) forgfältig zufammengeftellt hat.
— * Phylarchus. Welchem feiner zahlreichen Werke Pli⸗
nius die Erzählung von der Anhänglichkeit eines Pferdes an ben
König Antiochns I. von Syrien (Kap. 64, $. 5) entnommen bat,
läßt fich nicht mit Beſtimmtheit ermitteln, doch darf man auf bie
„Geſchichte“ der Streitigkeiten Antiochus des Großen und bes Eu-
menes (vergl. oben ©. 761) fchließen.
— PBiſo, 2 Galpurnins Aus feinen Annalen fchöpfte
Achtes Buch. 2 907°
Pinins die Bemerkung uͤber Elephanten, die man in den Circus
brachte (Kap. 6, 8. 2).
— Polybius. Die ihm entnommenen Nachrichten über bie
afrifantfchen Löwen (Kap. 18, $. 2) und dag die Umzäunungen der
Häufer und Ställe im Innern Afrika's aus Blephantenzähnen ge
macht feyen (Kap. 10, 8. 4) finden ſich in ben noch vorhandenen
Büchern femer Geſchichte nicht.
Pomponius Mela, ſ. Mela Pomponius.
Procilius, ein roͤmiſcher Grammatiker und Hiſtoriker, der
zur Zeit Varros lebte und in nicht geringer Achtung geſtanden zu
haben ſcheint (Gicero, ad Attic. IE, 2). Weber feine Werke Haben
wir feine weitere Nachrichten nnd man Tann alfo nicht vermuthen,
aus weichen derſelben Plinius die ihm entlehnte Bemerkung über die
Glephanten (Kap. 2) nahm.
Seipio, ſ. Metellus Scipio.
Sura, ſ. Mamilius Sura.
— * Theophraſtus. Man muß dieſen trefflichen Natur⸗
forſcher, deſſen Werke bekannter zu ſeyn verdienten, als eine der
Hauptquellen dieſes Buches betrachten und nur bedauern, daß Pli⸗
nius den Sinn ſeiner Worte nicht immer ganz richtig auffaßte oder
bei der Zuſammenſtellung ſeines Werkes verdrehte. In dieſem Buche
wird ihm nacherzaͤhlt, daß die Rhoetienſer vor Aſſeln die Flucht er⸗
greifen mußten (Rap. 43), daß die Excremente der Sterngäder Heil⸗
Träfte enthalten (Kap. 49), vergl. Theophrafts Fragment „Bon dem
angeblichen Neid der Thiere” (nspl To» Acpoubvov kuav yioveis);
wie das Fleifch des Bären während des Winterfchlafs deſſelben bes
Schaffen ſey (Kap. 54, $. 3), daß es in Cappadocien Halbefel gebe
(Kay. 89, $..3) und daß die Mäufe Eifen und Gold freffen und deß⸗
halb in den Bergwerfen aufgefchnitten würden, um das: letztere wie⸗
908 C.. Plinius Naturgefchichte.
der zu gewinnen (Rap. 82, $. 2), vergl. Theophrafls Fragment
„Bon ben Thieren, die ſich plotlich zeigen“ (nee zor addon
guvoniväb Eoor).
Trebius Niger, ein romiſcher Geſchichiſchreiber, von dem
m nichts weiter wiſſen, als daß er im Jahr 150 vor Chr. deu 2.
Lucullus nad Spanien, wohin biefer als Proconful ging, begleitete.
Plinius nennt ihn nur im Allgemeinen unter feinen Quellen, ohne
das, was es. ihm entnahm, näher zu bezeichnen.
. — Trogus Pompejus. Seine Geſchichte iſt in dieſem
Buche benützt; der noch vorhandene Auszug derſelben läßt jedoch
nicht errathen, an welchen Stellen. i
Valerianus Cornelins, ſ. Cornelius Valerianus.
— Varro, M. Terentius. Plinius entnimmt ſeinen zahl⸗
reichen Schriften in dieſem Buche die Bemerkungen, wie Voͤlker und
Städte oft von Thieren zu Grunde gerichtet worben jeyen (Kap. 43),
über den hohen Preis eines Eſels (Kap. 68, $. 1, vergl. Barro de
re rust. III, 8) und daß man noch zu-feiner Zeit Roden und Spin⸗
del der Königin Tanaquil und ein von ihr-verfertigtes Kleid in Rom
gehabt habe (Kay. 74, $. 1).
— Berrius Flaccus. Blinius entnimmt feiner Geſchichte,
die mit vielen Curiofltäten durchflochten geweien zu feyn feheint, eine
Bemerkung über Elephantenkämpfe im Circus (Kap. 6, $. 2).
— Virgilius. Plinius rühmt in dieſem Buche ganz bes
. fonders (Kap. 65, $..3) die Stelle aus dem britien Buche über den
Landbau (v. 72.8qq.), welche die Pferbezucht betrifft.
un — —
Altes Bu. 909
1m. 1. Gehen wir nun zu den übrigen Thieren über und
zwar zuerfi zu bet Landthieren. Das größte verfelben und das dem
Menfchen an Berftand zunächft ſtehende iſt der Glephanf, denn er
verſteht die Landesiprache, gehorcht den Befehlen, vergißt Ki sig
leiſtungen nicht, die man ihn gelehrt Hat, zeigt Empfängli
für Liebe und Ruhm, ift fogar (was man nicht einmal immer bei
Menfchen findet) ehrlich, klug, gerecht, verehrt die Geſtirne und befet
die Sonne und den Mond an.“) 2. In den Forſten Mauritaniens
kommen ſie, wie Manche berichten, beim Schimmer des Neumondes
herdenweiſe an einen gewiften Fluß, der Amilo heißt, reinigen ſich
dafelbft, indem fie feierlich Wafler umherfprengen und Fehren dann,
nachbdem fie dem Geſtirne auf,diefe Weife ihre Ehrfurcht bezeugt
haben, ihre ermübeten Jungen vor fich hertragend, in die Wälder
zuruͤck. Auch fremde Religionsgebräuche verftehen fle und’ follen,
wenn fie über das Meer gebracht werben müflen, nicht eher das
Schiff befteigen, als bis ſie ihr Führer durch die eidliche Verficherung,
daß ‘er fie wieder zurücdhringe, dazu bewege 3. Man fah auch
bon, daß von Unmwohlfeyn befallene Elephanten (denn auch diefe
Fleiſchmaſſen werden von Krankheiten geplagt) fich rückwärts beu⸗
gend Kräuter gegen Himmel frhleuderten, gleich als wollten fie bie
Erde zu ihrer Fürbitterin machen. — Was nun ihre Gelehrigkeit
betrifft, jo beten fle ven König an, beugen bie Kniee und reichen
Kronen dar. Die Indier pflügen mit ben Heineren, welche fe Baftarde
nennen..
*) Auch die neueren: Naturforſcher rühmen dem Verſtand und bie
Geſchicklichkeit des Elephanten, ftellen ihn aber in dieſer Be⸗
ziehung doch nicht Höher, ald den Hund und das Pferd. Die
Behauptung der Alten, daß er Religionsgebräuche ferne und
beobachte, ift Unfinn, wie wohl laum bemerkt zu werden braucht.
910 C. Plinius Naturgeſchichte.
N cm. Zu Rom wurden fie zuerſt bei dem afrikaniſchen
Triumphe*) ded großen Bompejus neben einander an den Wagen
gefpannt, {as auch früher ſchon bei dem Triumphe des Vaters Liber
nach der Belegung Intiens der Hall geweien feyn fol. Proeilius
FR: in Abrede, daß fie bei dem Triumphe des Pompejus neben ein-
ander gefpannt durch das Thor kommen fonnten. Bei den Fechter⸗
fpielen des Germanicus Gäfar machten Elephanten einige tanzähıs
liche, wenn gleich auch ungefchicfte Bewegungen; ganz gewöhnlich war
ed, daß fie Waffen mit folcger Kraft in die Luft warfen, bag ber
Wind ihre Richtung nicht zu verändern vermochte, daß fle nach Art
der Fechter mit einander fämpften ober im muthwilligen Waffentange
mit einander fpielten ; fpäter gingen fle auch auf dem Seile, trugen
je vier einen fünften, ber eine MWöchnerin vorfteflte, in einer Säufte
und begaben ſich in mit Menfchen angefüflten Speifefälen mit fo
abgemefienen Schritten über die Polfter in ihre Bläge, daß fie feinen
ber Trinfenden berührten.
IN am. Gewiß iſt's, daß man einen, der, weil er das, was man
ihn lehren wollte, etwas ſchwer begriff, öfter mit Schlägen gezüchtigt
wurde, des Nachts mit der Wiederholung feiner Lektion befchäftigt an:
traf. Höchft wunderbar iſt's, daß fle auf Seilen aufmärts fchreiten, noch
wunderbarer aber iſt's, daB fle auf benfelben auch wieder herabgehen.
Mucianus, der dreimal Conſul war, erzählt, daß einer auch die Züge ber
griechiſchen Buchftaben erlernte und öfterin diefer Sprache Die Worte:
„sch ſelbſt Habe Dieſes geſchrieben und celtifche Beute
geweiht”, nieberfchrieb, umd daß er felbft zu Buteoli [Pojanoli] ge:
fehen habe, wie eben angefommene Elephanten, die aus beng- Schiffe
gehen ſollten; und Durch die Länge ber weit vom Ufer hinausreichenben
*) Im Jahr 81 vor Chr.
t
Achies Bud, m
Brürle in Schrecken gerietben, ſich umdrehten und ruͤckwärts gingen,
um fich felbft in der Meinung über die Weite bes Weges zu täufchen.
IV. 1. Sie felbft wiſſen, daß ihre Waffen [Hauer], welche
Juba Hörner, der weit ältere Herobot*) aber und der Sprachgebrauch
richtiger Zähne nennen, die einzige Beute find, die man bei ihnen
ſucht, weßhalb fle diefe, wenn fle ihnen durch irgend einen Zufall
oder im Alter ausfallen, vergraben. Nur diefe find Elfenbein, alle
übrigen Gebeine aber und felbft jene Zähne, foweit fie im Fleiſche
ſtecken, gewöhnliche Knochen, obfchon man vor nicht langer Zeit
angefangen hat, auch diefe aus Mangel in Tafeln zu ſchneiden, denn
große Zähne werben jetzt nur noch felten außerhalb Indiens gefuns
den, bie der übrigen Länder find bereits der Heppigfeit zur Beute
geworden. 2. Man erkennt ihre Jugend an der Weiße ber Zähne.
Für diefe tragen die Thiere die größte Sorgfalt; die Spike bes
einen ſchonen fle, damit er im Kampfe fcharf fey, den andern ges
brauchen fie als Werfzeng, um Wurzeln audzugraben und Laften fort-
zuwälzen. Werben fle von Sägern umringt, fo ſtellen fie die, welche
die Heinften Zähne haben, voran, als hielten fle den Kampf wicht der
Mühe werth; find aber ihre Kräfte erfchöpft, fo ftoßen fe die Zähne
in einen Baum, brechen fle ab und retten fich durch die Zurücklaſſung
dieſer Beute. **) |
va. 1. Wunderbar iſt's, daß die meiften Tihiere wifien,
weßhalb fie verfolgt werben, alle aber, mwovor fe ſich zu hüten
haben. Der Elephant, erzaͤhlt man, fey gegen einen Menfchen, ber
*) In dem noch vorhandenen Gefchichtswerfe Hergdot's findet
ſich diefe Bemerkung nicht. *
”) Mas hier von ber Sorge der Clephanten für ihfee Zähne und
von ihren Borflchtsmaßregeln bei dem Kampfe erzählt wird,
find alte Fabeln, die jept Niemand mehr glaubt.
92 C. Plinius Naturgeſchichte.
ihm zufällig in der Einoͤde begegne und ſich nur verirrt habe, voll
Schonung und zeige ihm fogar gefällig den Weg; bemerke er aber
eher bie Spur bed Menichen als den Menſchen ſelbſt, fo zittere er
aus Furcht vor Nachftellungen, mache fogleich bei ver Witterung
Halt, fpähe umher, ſchnaube vor Wuth und beirete Die von Menfchen
betretene Erde nicht, ſondern nehme fle auf, reiche fle dem nächflen
hinter ihm und dieſer wieder vem Folgenden, Bis auf dieſe Weiſe die +
Nachricht zu dem legten gelange ; darauf wenbe ſich die ganze Schaar,
fehre um und ſtelle ſich in Schlachtordnung; fo andauernd ifl jener,
größentheild nicht einmal’ von nadten Füßen herrührende Dunft,
daß er die ganze Reihe durch feinen Geruch behält. 2. So foll-aud
der Tiger, der doch allen übrigen Thieren fchrerlich.ift und fogar bie
Spuren bed Elephanten verachtet, wenn er bie eines Menfchen ſieht,
fogleich feine Sungen fortitagen. Woran erfennt er Diefe aber?
Wo hat er früher Den gefehen, welchen er fürchtet? Solche Wälder
werben doch gewiß gar nicht befucht. Die Seltenheit‘ einer ſolchen
Spur mag fie wohl überrafchen, woher wiften fie aber, daß ſie Dies
felben zu fürchten Haben? Ja, warum fcheuen fie überhaupt den
Anbli des Menfchen, da fle biefem doch an Kraft, Größe und
Schnelligfeit fo weit überlegen find? Eben dadurch bewährt fi
gerade die Macht der Natur, daß die wildeften und größten Thiere,
ohne je daß, was fie fürchten follen, geſchenz zu haben, ſogleich wiſſen,
warum fie fich fürchten müffen.
M 3. Die Elephanten gehen immer ; herbenweife; ber bes
jahrtefte führt ben Zug, der ältefte nach dieſem fchließt ihn. Wollen
fie über einen Fluß ſetzen, fo ſchicken fle die Fleinften voraus, weil,
wenn bie größeren durch ihren Tritt das Bett vertiefen wollten, bas
Waſſer in der Furth zu hoch fleigen würde. Antipater erzählt, daß
ber König Antiochus zwei zum Kriegsdienſte abgerichtete Clephanten
Achtes Bud. 913
befeflen Habe, die auch burch ihre Beinamen, welche fle fehr wohl
Tannten, berühmt waren. Ja, Cato, welcher doch in feinen Fahr:
büdern die Namen der Heerführer verſchwieg, bemerkt, daß ber
Glephant,, welcher in ven Schlachtreihen der Römer Fämpfte, Surus
geheißen habe, weil er an dem einen Zahne verflümmelt gewefen
fey.*) 4. Als Antiochus die Furth eines Fluſſes unterfuchen wollte,
weigerte fich Ajar, der fonft immer die Schaar anführte, hinein zu
gehen. Es wurde darauf befannt gemacht, daß der, welcher zuerft
über den Fluß feße, Tünftig ben Vorrang haben folle. Patroclus
wagte e8 und wurbe deßhalb mit filbernem Geſchirr, woran fle fehr
großen Gefallen haben, und mit allen Vorzügen eines Anführers
beſchenkt. Der andere, auf diefe Weife gebrandmarkte, zog den
Hungertod der Schmach vor, denn fle beflken ein wunderbares Zart-
‚gefühl und der Beſiegte flieht vor der Stimme des Siegers und reicht
Grpoe und Eiſenkraut dar. **) .
5. Aus Schambaftigteit***) begatten fle fi nur im Berborgenen,
das Männchen zuerft im fünften, das Weibchen im zehnten Jahre. +)
Die Begattung findet alle zwei Jahre flatt }}) und zwar, wie man
fagt, immer nur während fünf Tage und nicht mehr; am fünften baden
) Surus Heißt ein Pfahl, Strunf.
**) Ueber diefen Gebrauch der Beflegten vergl. B. XXII, Kap. 4.
+) Gin Borurtbeil, welches in neuefter Zeit durch die Clephanten
im Parifer Mufeum der Naturgefhichte und durch andere Ele⸗
phanten hinlänglicy widerlegt wurbe.
7) Die Elephanten begatten ſich nach genauer Beobachtung nicht
vor dem fünfzehnten ober fechszehnten Jahre, und zwar bie
Mänuchen nicht früher als die eibehen.
-: FI) Das Weibchen, wirft gewöhnlich im einundzwanzigften Mo⸗
nate ; entzieht man ihm fein Junges, fo kann es wohl noch im
zweiten Sabre wieder trächtig werden. Was hier yon ben
nf beſtimmten Tagen gefagt wirb, ift Zabel,
+
2
9A C. Plinius Naturgeſchichte.
fle ſich, Bevor fie zur Herde zurückkehren, in einem Fluß. Sie wiſſen
weder etwas von Chebruch, noch von den allen übrigen Thieren fo ver-
derblichen Kämpfen unter fich, der Weibchen wegen, und zwar keines⸗
wege, weil ihnen ver Stachel der Liebe fehlt: denn man erzählt, daß
einer ein in Aegypten Blumenfränze verfaufendes Maͤdchen geliebt
habe, und damit man nicht glaube, Daß feine Wahl auf etwas Gewoͤhn⸗
liches gefallen fey, fo muß man wifien, daß auch Ariflophaned, ber in
der grammatifchen Kunft berühmteſte Mann, an demfelben Mädchen
fehr großes Gefallen Hatte; ein amberer liebte den Syrakuſaner
Menander, einen in dem Heere des Ptolemäus bienenden Jtingling
und bewies, fo oft er ihn nicht fah, fein Verlangen nach ihm dadurch,
dag er nichts fraß; auch eine Salbenhändlerin full einer, wie Juba
erzählt, geliebt haben. 6. Ihre Suflimmung äußerten alle durch
Freude beim Anblicke, durch ungefchiette Liebkoſungen und dadurch,
daß fle die Geldſtücke, welche ihnen das Volk gab, aufhoben und in den
Schooß ſdes geliebten Gegenſtandes] warfen. *) Diefe Liebe iſt
übrigens bei ihnen nichts Wunderbares, da fle Gebächtniß beflgen.
Derfelbe Schriftfteller erzählt, daß einer einen Diann, der als Jüng⸗
ling fein Führer war, nach vielen Jahren ala Greif wieder erkannt
habe. Auch ein gewifles: Gerechtigfeitägefühl wohnt ihnen bei.
Als der König Bocchus dreißig Elenhanten dreißig andern, an wels
chen er feine Wuth auszulaffen gedachte, an Pfähle gebunden, vor
werfen und Leute, die fle reizen follten, unter ihnen herumlaufen
ließ, waren fie nicht dahin zu bringen, daß fle ald Werfzeuge fremder
Grauſamkeit dienten.
) Das Volk fcheint ſich gewöhnlich damit beluſtigt zu Haben,
daß es die Glephanten kleine Gelbflüde, die man ihnen bars
. „zeihte, mit dem Rüffel nehmen ließ. Sueton im Leben des
Auguſtus. Kap. 53. Macrobius, Saturnol. 1 IL, 0.4,
Achtes Auch. 45
View. 1. Die erften Elephanten fah Italien im Kriege mit
dem Könige Pyrrhus, im vierhundertundzweiundfiebenzigſten Jahre
der Stabt [282 vor Chr.], und nannte fie, weil es fie zuerſt in Luca⸗
nien ſah, Iucanifche Ochfen; Rom fah die erften fleben Sabre fpäter
[275 0. Chr.] im Triumphe aufführen, im fünfhunbertundzweiten Jahre
[252 vor Ehr.], aber ſehr viele, welche durch den Sieg des Pontifer
2. Metellus über die Carthager in Sieilten erbeutet worden. Hundert⸗
unbzweiundvierzig machten auf Flößen, die man auf Reihen zufanıs
mengefügter Faͤſſer gelegt hatte, vie Meberfahrt. 2. Berrius er:
zählt, man habe fle im Circus Fämpfen laflen und dann mit Wurf:
fpießen getödtet, weil man nicht wußte, was man mit ihnen anfangen
foüte, veun man hatte weber Luft, fle zu füttern, noch fle an Könige
zu verfchenten. Lucius Piſo jagt, man habe fie zwar in den Circus
gebracht, aber nur durch Tagloͤhner mit Spießen, die an der Spige mit
Ballen verfehen waren, darin herumtreiben lafjen, um die Gering⸗
fehäßung berfelben [bei dem Volke] zu vermehren. Was darauf aus
ihnen geworben ſey, geben die Schriftfleller, welche läugnen, daß
man fie getöbtet habe, nicht an.
VII om. 1. Berühmt ift der Kampf eined Roͤmers gegen
einen Elephanten, damals ald Hannibal unfere gefangenen Krieger
mit einander zu kämpfen zwang. Er flellte nämlich den einzigen
noch übrig gebliebenen einem Elephanten gegenüber und verfprach
ihm die Freiheit, wenn er ihn toͤdten würde. Diefer band allein auf
dem Kampfplage mit dem Elephanten an und tödtete ihn zum großen
Herger ver Barthager. Da Hannibal aber einfah, daß das Belannts
werben dieſes Kampfes die Thiere in Verachtung Bringen würde,
ſchickte er dem Entlaffenen Reiter nach, um ihn zu ermorden. 2. Daß
der Rüfiel des Elephanten fehr Teicht abgehauen werben koͤnne, hat
die. Erfahrung in den Schlachten gegen Pyrrhus bewieſen. Zu Rom
916 €. Plinius Naturgefchichte.
im Eireus Tampften fle nach Fcneftella’s Bericht unter dem curulifchen
Aedil Claudius Pulcher und den Eonfuln Marcus Antonius und Aulus
Poſtumius, im fechähundertfünfundfünfzigften Jahre ber Stadt
[99 vor Ehr.], und fodann zwanzig Jahre fpäter [79 vor. Eyr.], als
die Lucnlle curulifche Aebile waren, gegen Stiere. Auch unter dem
zweiten Conſulate des Pompejus [55 vor Ehr.] kämpften im Circus
zwanzig, nach Andern ſiebenzehn Elephanten gegen mit Wurfipießen
bewaffnete Gaͤtuler, wobei befonders einer duch feinen Kampf
Staunen erregte. Als ihm nämlid die Füße durchbohrt waren,
feoch er auf den Knieen in die Reihen der Angreifer, riß ihnen die
Schilde hinweg und warf fie in bie Höhe, welche dann beim Herab⸗
fallen zur Beluſtigung der Zuſchauer ſich im Kreife drehten, glei
als wenn fie die Kunft- und nicht die Wuth des Thiers gefchleubert
hätte. 3. Bei einem andereh mar e8 wunderbar, daß er durch einen
einzigen Stich getöbtet wurde; der Wurffpieß Hatte ihn unter dem
Auge getroffen und war ihm in's Gehirn gebrungen. Endlich ver
fuchten alle vereint, zum Schreden bes Bolfes, das eiferne Gitter,
in welches fie eingefchloffen waren, zu durchbrechen. Der Dictator
Caͤſar ließ deßhalb, als er fpäter ein ähnliches Schaufpiel veran-
falten wollte, den Kampfplag mit Waflergräben umgeben, welche
aber der Katfer Nero wieber zuwarf, um mehr Pläße für die Ritter
zu getvinnen. Als aber die Glephanten, welche Pompejus Fämpfen
lieg, Feine Hoffnung zur Flucht mehr ſahen, erflehten fie durch un⸗
befchreibliche Gebaͤrden, wodurch fie ſich einander wehflagend ihr Leib
fund gaben, das Mitleiven des Volkes, welches auch dadurch fo ſehr
bewegt wurde, baß es, bes Feldherrn und bes von dieſem ihm zu Chren
veranftalteten Feſtes vergefiend, insgeſammt ſich erhob und gegen
. den Pompejus Verwuͤnſchungen, die auch bald darauf an ihm in Er⸗
füffuna gingen, ausſtieß. 4. Auch der Dictator Gäfar ließ während
Adhtes Buch. 917
ſeines dritten Conſulats 146 vor Ehr.] zwanzig Elephanten gegen
fünfhundert Fußgänger, und dann 'wieder ebenſo viele, welche Thürme
mit ſechzig Vertheidigern trugen, gegen eine gleiche Zahl Fußgaͤnger
und eben fo viele Reiter kaͤmpfen. Später unter den Kaiſern Claudius
and Nero kämpften ſie einzeln zum Beſchluß der Fechterſpiele. —
Die Schonung dieſes Tieres ft, wie man fagt, fo groß, daß es
beim Begegnen einer Herde die ihm in den Weg laufenden Stüde
mit dem Rüſſel auf die Seite hebt, um feines unwillkürlich zu zer⸗
treten, *) fle richten überhaupt nie Schaben an, wenn man fle nicht
reizt; auch gehen fie ſtets herdenweiſe und fchweifen von allen Thieren
am wenigften einfam umher. Werben fle von Reiterei umringt, fo
nehmen fle die Franfen , ermũdeten und verwundeten in bie Mitte und
kaͤmpfen, wie nach Befehl oder Meberlegung , abwechfelnd. Die ge-
fangenen werben am ſchnellſten durch Gexſtenſaft gezaͤhmt. |
VIII wım. 4. In Indien werben fie auf folgende Weife ge-
fangen: Ein Führer reitet einen zahmen, welcher, wenn er einen
allein umherſchweifenden oder von der Herde verirrten wilden. an=
teifft, ihn [mit dem Rüffel] fchlägt ; ift diefer ermüdet, fo befleigt ihn
der Führer und lenkt ihm ebenfo leicht, wie den andern. In Afrika
. fängt man fie in Gruben. Fällt einer in eine foldhe, fo ſchleppen
die übrigen fogleich Baumäfte zufammen, wälzen Steine hinab, bauen
Damme und fuchen ihn- mit aller Gewalt herauszuziehen.. Früher
trieb man des Fanges wegen ganze Herden burch Reiterei in ein
Fünflich gemachtes, durch feine Länge trügendes Thal, wo fie, von
Waͤllen und Gräben ringsum eingeſchloſſen, durch Hunger gebändigt
*) Der Elephant hat diefes mit dem Pferde gemein. Der Ueber⸗
feger dieſes ſah Elephanten, welche auf Jahrmaͤrkten herum
geführt wurden, Knaben und Hunde, ‚die ihnen in. den, Meg
kamen, forgfältig auf die Seitg heben, um fe nicht zu zertreten.
C. Bliniue Naturgeſch. 88 Bdehhn.
918 €. Plinius Natnrgeſchichte.
wurden. ) 2. Das Zeichen ber erfolgten Zähmung war, wenn ſie
einen ihnen von einem Menfchen bargereichten Baumzweig ruhig aus
nahmen. Jetzt durchfchießt man, um bie Zähne. zu erhalten, ihre
Füße, welche die weichften Theile an ihnen. find. Die an Jethiopien
grenzenden Troglodyten, welche einzig und.allein von dieſer Jagd leben,
befteigen Bäume, an. denen zunächft der Weg der Elephanten vorüber
führt. Hier erfehen fle ſich den legten der ganzen Schaar, ſpringen
ihm auf die Hinterbaden, ergreifen mit der linfen ben Schwanz und
ſtemmen die Füße gegen den linfen Schenke. So ſchwebend durch⸗
bauen fie mit einer zweilchneidigen Art das eine Knie und durch⸗
ſchneiden, wenn diefer Fuß gelähmt iſt, auf der Flucht die Sehne des
anbern Knies; was jedoch alles mit ber größten. Schnelligkeit. ges
ſchieht. 3. Andere fangen’fie auf eine mehr fichere, aber weniger
auverläfftge Art, indem fle große gefpannte Bogen in weiter Entfer⸗
nung auf dem Boden .befefligen. Starke Jünglinge Halten fle jet,
andere fpannen fie mit gleicher, Kraftanftvengung und fchießen mit
Jagdſpießen nach den vorübergehenden, welche fle dann nach ben
Blutfpuren weiter verfolgen. Die Elephanten weibligen Geſchlechts
ſind viel furchtſamet.
IX (m). Die wůthenden werden durch Hunger und Schläge
und durch andere neben fle geſtellte Clephanten, die ben tobenden an
Ketten fefthalten müſſen, gebänbigt ; am häufigften werben fle um bie
Brunftzeit wild und zertrümmern mit ihren Zähnen die Hütten ber
Indier, weßhalb diefe auch die Brunft zu verhindern fuchen und bie
Herben ber Weibchen „ deren fie eben fo gut wie andere Viehherden
yhaben, abfondern. Die gezähmten leiften Kriegsdienſte, tragen
9 Diehz age ganze Serie zu fangen ‚iR jetzt noch in Inbien
Achtes Buch. -99
Thürme.mit Betwaffneten gegen den Feind und entfcheiden im Orient
meiftend die Schlachten. Ste durchbrechen die Reihen und treien
die Bewaffneten nieder, durch das geringfte Grungen eines Schwein
aber gerathen fie in Schreien und find fie einmal verwundet und
- Ichen, fo laufen fe ſtets rüdwärts, zu nicht geringem Verderhen
ihrer eigenen Leute. Die afrikaniſchen fürchten ſich vor dem inbis
ſchen und wagen ihn nicht anzuſehen, denn die indiſchen ſind weit
größer. *)
Xm 1. Rad dem Volksglauben trägt das Weibchen zehn
Jahre, nach Ariſtoteles nur zwei **)-und zwar nie mehr als ein Jun⸗
ged. Der Elephant fol zweihundert, nach Andern dreihundert Jahre
alt werben. **) Ihre ISugenpblüthe beginnt mit dem fechszigften
Sabre. Sie lieben ſehr die Flüffe und flreifen ſtets an ihnen umher,
obfchon fle der Größe ihres Körpers wegen nicht ſchwimmen fünnen. +)
Die Kälte Fönnen fie nicht vertragen, fle ift ihre größte Dual; auch
find fie Blähungen und dem Durchfall, fonft aber Teinen andern
Krankheiten unterworfen. }) 2. Ih finde bemerkt, daß Pfeile,
die in ihrem Körper haften, durch Oeltrinken abfallen, daß fle durch
*) Dies mag von den Elephanten ber Berberei, welche in den
Heeren ber Karthager und Römer dienten, wahr feyn, die
en des fühliheren Afrika's aber kommen den indiſchen
eich
*r) Bist, animal. 1. V, 0.13. Nach ven neueften zuverläffigen
Beobachtungen zwanzig Monate.
**) Aristotel. Hist. animal. 1. VIII, o. 12, vergl. LIX, 0.42.
Neuere Raturforfcher göen bem Glephanten nur eine Lebens
dauer von 125 bis 150 Jahren. .
9 de⸗ voͤllig falſche Behauptung; der Elephant ſchwimmt
gut.
7 Ebenfalls unwahr; Guvier anatomirte fetöft drei Glephanten,
die an andern Krankheiten Rasben, _
3*
4
920 @. Plinius Naturgeſchichte.
Schweiß aber ſich noch feſter ſtecken.) Erde zu freſſen, if für flever-
derblich, wenn fie ſolche nicht gewöhnlich freſſen. Sie verſchlucken
aber auch Steine. Banmäfte find ihr liebſtes Futter; Höhere Palmen
Grechen fle mit dem Kopfe nieder und pflüden dann, wenn biefe um⸗
liegen, die Früchte ab. Sie freffen mit dem Munde, atbmen,
teinfen**) und riechen aber mit dem -Rüffel, den man nicht unpaſſend
Hand nennt. Bon allen Thieren haſſen fle am meiften die Mans, ***)
und wenn fle fehen, daß eine folche ihr in der Krippe liegendes Kutter
berührt, fo, frefien fle es nicht mehr. Den größten Schmerz verur-
facht ihnen ein beim Trinken mit eingefchlürfter Blutegel, den man
jetzt allgemein, wie ich bemerfe, Blutfanger 7) zu nennen anfängt.
Wenn ein folcher fich in der Luftröhre feftgefept hat, fo verurſacht
er ihm eine unerträgliche Bein. 3. Sein Fell ift auf dem Mücken am
härteften, am Bauche weich und nirgends mit Borften bedeckt; nicht
einmal der Schwanz dient ihnen zum Mittel, die läfligen liegen
(denn auch gegen dieſe ift das fo ungeheure Thier empfindlich) abzu-
wehren ; feine Haut aber iſt gitterformig und lockt durch ihre Aus:
dünftung diefe Art Thiere an; wenn nun biefeö ausgefvannte Gitter:
werf ganze Schwärme aufgenommen hat, fo zieht es fich plöglich in
*), Alles, was Plinius hier ſag it Aberglaube oder Mißverſtaͤnd⸗
niß der von ihm benügten Quellen.
) Sie ziehen nur das Waſſer in den Rüſſel, bringen es aber
dann mit diefem in den Mund.
“ Diefe Bemerkung des Blinins, die man früher in Abrede ftellte,
iſt volllommen war ; die Glephanten im Thiergarten zu Paris
zittern, wie Euvier fagt, beim Anblick einer Maus,
T) Sanguisuge. Das Wort kam alfo zur Seit des Plinius auf;
früher Heißt der Blutegel allgemein Hirudo. — Zu bemerfen
gene noch, daß auch biefe Angabe des Plinius vöflig
ng in. Ä
Achtes Bud. 9241
Zelten zufammen und erbrüädt bie gefangenen.*) Dieß dient ihnen
ſtatt des Schwanzes, der Mähne und der Wolle. 4. Die Zähne haben
einen ungehenren Preis und geben beu prächtigftien Stoff zu Götter:
bilden. Die Neppigfeit hat noch einen andern Borzug [an den
lephanten] entdeckt, indem fle den Geſchmack der Enorpelichten Theile
des Rüffels vortrefflich findet, ans feiner andern Urfache jedoch, glaub
ih, als weil fie Elfenbein zu efien glaubt. Die größten Zähne
feinen fich zwar in ven Tempeln zu finden; an dem äußerften Ende
Afrika's aber, da wo es an Nethiopien ftößt, vertreten fle in ben
Hänfern die Stelle der Pfoſten, und die Umzäunungen derfelben fo
wie der Viehftälle find, wie Polybius nach der Angabe des Königs
Guluſſa berichtet, **) ſtatt aus Pfählen, aus Elephantenzähnen ger
macht.
XI am. In Afrika gibt e8 jenfeits der ſyrtiſchen Einoͤden und
in Rauritanien, ferner, wie ſchon gefagt wurde, ***) bei den Aethio⸗
pieen und Troglodyten, Glephanten, Indien aber bringt die größten
hervor, ſowie auch die in befländigem Kampf mit ihnen liegenden
Draden, welche ebenfalls von fo ungeheurer Größe find, daß fie
leicht einen Elephanten völlig umfchlingen und durch Schürzung des
Knotens würgen. Der Kampf bringt aber beiden den Tod, denn der
%
) Neuere Naturforfcher haben dieſe Art, die Fliegen zu ver
treiben, noch nicht beobachtet; fle fahen nur, daß der Elephant
häufig Erde auf ven Rücken wirft, ſowohl um fich zu erfrifchen,
als auch um läflige Inſekten zu verfcheuchen.
*) Das Buch des Polybius, worin fich diefe Angabe findet, ift
nicht mehr vorhanden. — Gulufla war der Häuptling eines
Nomadenftammes und lebtezur Zeit der Eroberung Karthago's.
“*) Oben Kap. 8, $. 2.
922 C. Plinius Naturgeſchichte.
Beſtegte erdruͤckt, wenn er fällt, durch fein Gewicht den ihn ums
fcplingenben. *) | Ä
XII am. 1. Jedem Thiere ift eine eigenthümliche Klugheit
angeboren, fo auch diefen. Dem Drachen fällt es ſchwer, fih zu
dem hohen Elephanten zu erheben, er fpäht alfo einen Meg ans , wo
diefer auf die Wide gebt, und flürzt ſich von einem hohen Baume
aufihn herab. Diefer weiß, daß er gegen den ihn umſtrickenden
Drachen den kürzern zieht und fucht ſich an Bäumen oder Felſen zu
reiben. **) Die Drachen fuchen dieß zu verhindern und umfchlingen
auerft feine Füge mit ihrem Schweife, und ba er mit dem Rüſſel bie
Schlingen zu loͤſen ſich bemüht, fo Friechen fle ihm mit dem Kopfe
in die Nafe, benehmen ihm ven Athem und zerfleifhen ihm zugleich
bie zarteften Theile. Werben fle auf dem Wege von einem Glephan⸗
ten überrafcht, fo ftellen fle fi vor ihm auf und richten ihren An-
griff Hauptfächlich auf die Augen, weßhalb man fo häufig Elephanten
blind und von Hunger und Traurigkeit abgezehrt findet. 2. Wer
vermöchte wohl eine andere Urfache einer jo großen Zwietracht auzu⸗
geben, als die Natur, welche ſich das Schaufpiel eines Zweifampfes
bereiten will? Es geht auch noch ein anderes Gerücht von biefem
Kampfe um. Die Elephanten hätten nämlich Außerft Ealtes Blut
und es würde ihnen deßhalb bei glühenber Hite von ben “Drachen
nachgeftrebt; diefe lauerten ihnen baher in ben Flüffen unter dem
Mafler verborgen beim Trinken auf, feflelten ihn dadurch, daß fle
feinen Rüffel umfchlingen und. bißen fich in dem Obre, dem einzigen
Orte, ven ber Rüſſel nicht vertheidigen koͤnne, fe. Die Drachen
*) Man weiß in Indien jet nichts von ſolchen Drachen und
ihren Kämpfen mit den Eleyhanten. Die Phantafie ver Alten '
ſchwelgte gern in ſolchen abenteuerlichen Sagen, die auch in
die Naturgefchichte des Mittelalters übergingen.
li den Drachen: zu erbrüden.
Achtes Buch. | 03
ſeyen fo groß, daß fle alles Blut in fich aufzunehmen vermögen; bie
Glephanten / wurden alſo von ihnen völlig ausgetrunken und flürzten
dann blutlos zufammen, wodurch denn auch bie überfüllten Drachen
erdrückt würben und zugleich ihren Tod fänben, *)
XIII am. Aethiopien bringt ebenfalls Schlangen hervor,
die den indischen gleich und zwanzig Ellen groß find.**) Sonberbar
aber ift e8, daß Juba meint, fie jenen mit Kämmen verfchen. ***)
Die meiften gibt es bei ven Aethiopiern, welche Afachäer heißen.
Man erzählt auch, daß an ber Seeküſte ſich vier bis fünf folcher
Schlangen wie Hürden zufammenflechten und mit in bie Höhe ge-
richteten Köpfen, bie ihnen als Segel dienen, auf den Fluthen nad
Arabien ſchwimmen, um beſſeres Futter zu ſuchen.
XIV (sw). 1. Megaſthenes ſchreibt, daß in Indien bie Schlan⸗
gen zu einer ſolchen Groͤße heranwachſen, daß ſie ganze Hirſche und
Stiere verſchlingen, +) und Metrodorus, daß fie am Fluſſe Rhye⸗
dacus ſLubad] in Pontus, die, wenn auch noch fo hoch und ſchnell
*) Der Unſinn der bier mitgetheilten Sage iſt offenbar ; ; zum
erften hat der Elephant eben fo warmes Blut, wie die übrigen
. Quabrupeden, die Schlange bagegen kaltes, zum andern kann
der Elephant mit feinem Rüffel feine Ohren eben fo gut, wie
die übrigen Körperteile vertheibigen.
») Es gibt wirklich in Indien, Afrika und Amerifa Schlangen
von dreißig Fuß und noch barüber,
***) ‚Keine befannte-Schlange hat einen Kamm, dagegen gibt es
eine Givechfenart mit Kämmen (Hypsilophus, Iguana, Kamm-⸗
Eidechſe), die Juba vielleicht hier meint.
+) Wahrſcheinlich eine Art ver Rieſenſchlange (Python). Man
weiß, daß dieſe größere Thiere verſchluckt, nachdem fle ihnen
die Knochen zerbrochen und fle am ganzen Körper mit einem -
ſchmierigen Speichel überzogen bat. Daß fie aber einen Stier
verfchlingen Tann, ift nicht leicht zu glauben.
924 E. Plintus Naturgeſchichte.
über fie hinfliegenden Voͤgel durch ihren Algen anziehen unb ver-
fchluden.*) Bekannt if jene Schlange von 120 Fuß Länge, **) welche
im puniſchen Kriege von dem Feldherrn Regulus am Fluße Bagraba
[Mevfjerta] durch Wurfgefchoffe und andere Belagerungsmafchinen
gleich einer Stabt bezwungen ward. 2. Ihre Haut und ihre Kinnladen
erhielten fi zu Rom in einem Tempel bis zum nınmantinifchen Kriege.
Das Gefagte wird auch durch die Schlangen beſtaͤtigt, welche man
in Italien Boa’3 nennt und die zu einer folden Größe geveihen, *")
daß man unter der Regierung bes göttlichen Claudius in bem Bauche
einer auf dem Vatikan gelöbteten ein ganzes Kind fand. Ihre erfle
Nahrung ift Kuhmilch, +) woher fle auch ikren Namen haben. +t)
Die Geftalt der übrigen Thiere, welche allenthalben hergebracht wur:
den und öfter nach Italien kamen, genau zu befchreiben, gehört nicht
zur Sache. .
*) Die Zauberkraft, welche man ‚mehreren Schlangenarten zu:
ſchreibt, iſt nichts anderes, als die Angft, welche die ihnen nahe
Iommenden Thiere fo lähmt, daß fie nicht mehr zu entfliehen
vermögen. Daß aber .hochfliegende Vögel dieſem Ginflug
unterliegen, ift eitel Fabel. j
**) Die neuere Naturgefchichte kennt keine Schlangen von folder
d
Größe. |
*e) Die größten Schlangen in Italien find die Aesculapſchlange
(coluber Aesculapii) und die vierftreifige Schlange (coluber
quadrilineatus) , welche nicht über ſechs Fuß groß werben.
wie kam aber die Riefenfchlange nad) Italien? Plinius deutet
im folgenden Sage darauf hin, daß Häufig fremde Thiere in
Stalien eingefchleppt wurden.
T) Daß die Natter (coluber) die Milch liebt, iſt befannt; der
Glaube, daß fie fih an die Kühe hänge und ihnen die Mid
ausziehe, ift ziemlich allgemein.
AM Pämlic yon bos (Kuh).
Achtes Bub. - ‚925
XV av. Die wenigften bringt Scythien Hervor, wegen feines
Mangels an Geſtraͤuchen, ebenfalls wenige dad an jenes grenzende
Germanien; doch erzeugt. dieſes ausgezeichnete Arten wilder Ochſen,
nämlid die Biſamochſen (Bisond) mit Mähnen und die überaus
ſtarken und ſchnellen Ure, ) welchen das unkundige Volk ven Namen
Büffel (bubakıs) beilegt, obfchon diefer nur in Afrika heimiſch ift, **)
und eher einem Kalbe oder Hirfche gleicht.
XVI. Der Norden bringt auch Herben wilder Pferde, ***)
fowie Aften und Afrika Herden wilder Ejel+) hervor, ferner das
Elenn ++), welches, wenn man die Länge der Ohren und des Halfes
abrechnet, einem Zugthiere gleicht; ihm ift die auf der Infel
Seandinavien einheimifche, in unferem Reiche noch nie gefehene,
.*) Diefe Stelle Hat zu vielen Muthmaßungen Beranlaflung ges
geben, indem manche Naturforfcher daraus auf zwei, ehe⸗
mals in Deutfchland vorhandene Arten wilder Ochfen fchließen
wollten, andere aber (und wie es fcheint, mit Recht) glauben,
Pliniud Habe aus einer und berfelben Art zwei verichiedene
Arten gemacht, venn ber Ur heißt offenbar wegen feines Biſam⸗
geruchs an ber Stirne Biſamochs (bison). Der Ur iſt jetzt
in Europa nur noch in dem Bialowieſer Forſt in Litthauen
zu finden. Cuvier haͤlt den Biſon für den eigentlichen Ur,
den Urus aber für den gemeinen Ochfen, der damals im
Schwarzwalde noch wiln gelebt habe.
**) Plinius meint hier wohl die berberifche Kuh (antilope bubalis).
***) In der Tartarei gibt e8 jet noch Herden wilder Pferde.
+) Herden wilder Eſel findet man in der ſuͤdlichen Tartarei, in
Berflen und in. Syrien. {
+7) Alces, cervus alces. Was Plinius nori ber Länge des Halfes
bemerkt, ift richtig; unter den Ohren verfteht er vieleicht das
von ihm gar nicht erwähnte Geweih, welches faft ganz ohne
Stange ift und eine große breiediige Schaufel mit fehr vielen
Enden bildet.
|
926 E. Plinius Naturgeſchichte.
aber von vielen erwähnte Achlis ) ähnlich, hat jedoch au den
Füßen feine Gelenke, ““), weßhalb fie ſich auch nicht zum Schlafe nie⸗
derlegt, ſondern an einen Baum lehnt und ihrer bekannten Schnellig⸗
feit wegen auch auf biefe Weile durch Lift, indem man nämlich
den Baum durchfägt, gefangen wird. Sie hat eine fehr große Ober⸗
lippe und geht deßhalb beim Waiden rüdwärts, bamit ſich dieſe nicht
durch Die Bewegung vorwärts umfchlage. In Päonien ***), erzählt
man, gäbe ed ein wildes Thier, welches Bonaſus +) heiße, mit
Pferdemähne, übrigens aber einem Stiere ähnlich, und mit fo fehr
einwärts gebogenen Hoͤrnern, daß fie zum Kampfe untauglich feyen;
es fuche deßhalb fein Heil in der Flucht und laſſe auf diefer einen
Koth von ſich, der zumweilen brei Jucharte lang fey und durch deflen
Berührung feine Verfolgen wie durch Feuer verbrannt würden.
XVII. 1. Es ift merfwärbig, daB die Parbel, Panther, Löwen
und ähnliche Thiere beim Gehen die Spite ihrer Klauen in gewiffe,
2) Die Achlis ift offenbar nichts anders als das Elenn, und Pli⸗
nius macht bier wieder aus von ihm mißverftandenen Nach⸗
richten zwei Thiere. (Noch im jehnten und elften Jahrhundert
heißt das Glenn in Urkunden Elg).
**) Man findet diefe Fabel noch in vielen der neueften Handbücher
der Naturgefchichte; die Glennthiere follen übrigens fehr häufig
an einem gichtähnlichen Zuftande leiden und daher mag auch
die Fabel fommen.
») Vergl. oben B. IV, Kap. 17. ,
D Auch diefes Thier ift wahrfcheinlich Fein anderes als der Ur.
Plinius nimmt diefe Erzählung aus Ariftoteles (Hist. animal.
1. IX, o. 45), ſchmückt fie aber mehr aus, denn Ariſtoteles
ſpricht nur von der Schärfe des Kothes, der drei Schritte
(nicht Jucharte) lang fey.und die. Haare der es verfolgenden
Trinns abbeize.
Achtes Buch. 927
an ihrem Körper befinbliche Scheiden zurückziehen, *) damit fle nicht
zerbrechen oder flumpf werben, und baß fie beim Laufen pie Krallen
einziehen und biefe nur, wenn fie nach etwas hafchen, hervorſtrecken.
(2. Das edelfte Anfehen bat der Löwe, befonderd wann
Mähnen feinen Hals und feine Schultern befleiden, was erſt in vor⸗
gerückterem Alter und nur bei ſolchen, bie von einem Loͤwen erzeugt
find, der Fall ift; die von Pardeln erzeugten **) entbehren ſteto biefes
Schmudes, fo wie auch die Weibchen. 2, Sie find fehr geil in ber
Brunft und deßhalb die Männchen fehr grimmig. Afrifa ift am
Meiften Zeuge folder Dinge, da des Waflermangels wegen ſich die
wilden Thiere nur an wenigen Zlüflen verfammeln. Aus biefer
Urfache kommen dort auch mannigfaltig geftaltete Thiere zur Welt, “
da fi die Mänuchen mit Gewalt oder aus Wolluft bunt mit den
Weibchen jeder Art begatten. Daher auch das griechiſche Sprich⸗
wort: „Immer was Neues aus Afrika“. Der Löwe merkt durch
den Geruch an ber untrenen Loͤwin bie Begattung derfelben mit dem
Barvel und erhebt fich mit ganzer Kraft zur Rache; deßhalb wafcht
fie ihre Schul in einem Fluſſe ab oder folgt ihm nur von fern. Sie
fol aber nach dem gewöhnlichen Volksglauben, wie ich finde, nur ein⸗
mal werfen, weil ihre Gebärmutter durch die Schärfe der Krallen
bei der Geburt zerriffen werde. **) Das Gegentheil fagt Ariftoteles,
und da ich diefem Manne in diefen Dingen größtentheils folgen
werde, fo halte ich es für gut, etwas über ihn vorauszuſchicken.
3. Ald der König Alexander der: Große, von ber . Begierde, bie
*) Das ganze Katzengeſchlecht hat zurückziehbare Krallen.
++) Daß die Bermifchung bes Pardels mit der Löwin, aus welcher
nad) der Meinung der Alten der Leopard entfteht, eine Fabel
ſey, bedarf wohl feiner weiteren Auseinanderſetzung.
+), Vergl. Herodot. B. III, Kap. 108.
.
.
.
*
928 €. Plinins Naturgeſchichte.
natürliche Beſchaffenheit der Thiere zu fennen, entflammt, den Ariſto⸗
teles, einen in jedem Fache der Gelehrjamfeit höchſt ausgezeichneten
Mann, mit diefen Forſchungen beauftragte, erhielten einige tanfend
Menfchen im ganzen Umfange von Aflen und Griechenland, welche
ſich alle mit der Jagd, dem Vogelfange und der Fifcherei ernäßrten,
oder über Thiergärten, Herden, Bienenſtoͤcke, Fiſchteiche und Vogel⸗
haͤuſer die Aufficht führten, den Befehl, feinen Wünfchen zu ent⸗
ſprechen, auf.daß Fein lebendes Wefen ihm unbefannt bleibe. Nach
ihren Berichten arbeitete ex jene vielgepriefenen, ſich auf fünfzig Bes
laufenden Bücher über die Thiere, *) welche ich mit Hinzufebung des
ihm Unbefannten in einen Auszug. gebracht habe, den ich die Leſer,
welche demnach vermittelft unferer Sorgfalt raſch duxch das Wer
fammigebiet der Werfe der Natur und mitten durch alle, was ber-
berühmtefte aller Könige kennen zu lernen twünfchte, wandern koͤnnen,
gütig aufzunehmen bitte, 4. Der erwähnte Schriftfteller alfo fagt, bie
Loͤwin werfe bei der erften Geburt fünf Junge, dann in jedem der fol
genden Jahre eined weniger, bis fie endlich, nachdem fie nur eines
geworfen, unfruchibar werde; *”) die Jungen feyen unförmliche,
winzige Fleiſchllumpen und Anfangs nicht größer, als Wieſeln; erfi
nach ſechs Monaten könnten fie laufen und. nur erfi nach zwei Mo⸗
naten fi) bewegen ; ***) in Europa gebe ed nur zwilchen ben Flüſſen
*) Der größte Theil diefes Werkes ift nicht auf unfere Zeit ge
fommen. ©. die Einleitung zu biefen Buche.
*") Ariſtoteles (Hist. animal. 1. VI, ec. 31) fagt biefes nur von
ber ſyriſchen Löwin, übrigens Tann es weber von ihr, noch von
ber Löwin überhaupt gelten. Sie wirft gewöhnlich zwei
a0 Junge, manchmal eines, nie aber. mehr als feche.
) Alle dieſe Angaben find falſch. Die Zungen, welche mit offe⸗
nen Augen und vollig wohlgefisitet geboren werben, haben
Eu adies Buch. 929
Achelons [Afpropotamo] und Neſtus [Rarafu] Löwen, N dieſe über-
träfen aber an Stärfe weit diejenigen, welche Afrika aber Syrien
erzenge, ,
XVIII. 1. es gäbe zwei Arten Loͤwen: unterſetzte, kae, mit
frauferen Mähnen, **) diefe feyen furchtfamer als die Iangen mit
glattem Haare, welche Wunden nicht achteten; den Urin ließen bie
Männdien mit aufgehobenem Beine ,***) wie die Hunde, und diefer
babe, fo wie auch ihr Athem, einen feharfen Geruch; fie füffen nur
felten, nähmen immer nur über den andern Tag Futter zu ſich und
entbehrten, wenn fie gefättigt jeyen, zuweilen drei Tage der Nah⸗
rung; beim Fraße verfchlängen fie alles, was fie koͤnnten, ganz, und
wenn ihr Bauch das gierig Verſchluckte nicht faſſe, fo reichten fle
mit den Kyallen in ven Schlund und zögen es heraus, damit fie,
wenn fie nad) ihrer Sättigung fliehen müßten, fortfämen. 2. Daß
fie ein hohes Alter erreichen, beweist er, }) aus der Thatfache, daß
man fehr viele finde, denen die Zähne ausgefallen feyen. Polybius +),
der Gefährte des ſCornelius Scipto] Aemilianus, erzählt, im Alter
griffen fle ven Menſchen an, weil fle alsdann zur Verfolgung wilber
Anfangs die Größe ausgewachſener Kaben und laufen ſchon
vor dem Ende des zweiten Monate.
*) Serobot. VII, 125. 126.’ Ariftoteled (Hist. animal. 1. VI,
6. 31,1. VIII, o. 33). Als Xerres mit feinem Heere durch
Macedonien zog, fielen Löwen über die Kameele her, welche
das Gepaͤck trugen und zerriſſen fle. Um welche Zeit die Löwen
in Europa völlig verſchwanden, ift unbefannt.
+, Wir Tennen jeht Feine Löwen mit fraufen Mähnen.
xe) Der Löwe laͤßt das Waſſer nach Hinten.
7) Hist. animal. 1. IX, o. 39.
Tr Bergl. die Bemerkungen vor dieſem Bude Aber bie von Plis
nins benübten Quellen,
30 €. Plinius Naturgeſchichte.
Thiere nicht mehr Kraft genug hatten, alsdann lagerten fie fi vor
pie Städte Afrifa’s und er felbft Habe daher nebfl dem Scipio ge
fehen, wie man folche Löwen gefreuzigt habe, um die andern durch bie
Zurcht vor ähnlicher Strafe von ihrem gefährlichen Beginnen abzu⸗
ſchrecken. | .
XIX. 4. Bon allen wilden Thieren hat der Zöwe allein &nade
für Bittende; er ſchont den vor ihm Nieberfallenden und wenn, er
wüthet, fo läßt er feinen Grimm mehr gegen Männer ald gegen
Weiber aus und gegen Kinher nur bei großem Hunger”) In Libyen
glaubt man, Haß fle den Sinn ber Bitten verſtehen. Sch Habe we⸗
nigſtens von einer aus Bätulien zurückgekommenen Gefangenen ge:
hört, daß fle viele in den Wäldern auf fie losſtuͤrzende Löwen durch
Zureben befänfligte, indem fle ihnen vorzuftellen wagte, fle fey eine
Frau, flüchtig und krank, eine Bittende vor dem großmüthigſten und
über alle andern herrſchenden Thiere, eine feines Ruhmes unmwärbige
Beute. Man ift darüber nicht einig,‘ ob die wilden Thiere in Folge
einer in ihnen liegenden natürlichen Eigenſchaft oder nur eines Zu
falls fich durch Zureden erweichen laflen; fo wie denn auch die Er
fahrung bis jetzt noch nicht dargethan hat, ob die allbefannte Mei:
nung, daß bie Schlangen durch Geſang Herbeigelodt und zum un
willfürlichen Tode gezwungen werben, wahr oder falfch ſey. )
*) Die Großmuth des Löwen iſt in der hier angegebenen Aus:
behnung eine Babel, die ſich auf feine Beweiſe zu flüßen
vermag.
) Die Erfahrung Hat allerdings gezeigt, daß dieſe Kunſt, welche
jegt noch geübt wird, Feine Lüge ſey. Man lodt die Schlans
gen, jedoch nicht durch Geſang und Zauberformeln, ſondern
durch "Nachahmung des eigenthümlichen Tones, welchen
fle von ſich geben.
Achtes Buch. 931
2. Die Gemuthsſtimmung des Löwen verräth ſich durch den
Schwanz, fowie die des Pferdes durch die Ohren, denn die Natur
hat die evelften Thiere auch mit dieſen Merkmalen begabt. Bewegt
er ben Schwanz nicht , fo ift er fanftmüthig, gnädig und faft ſchmei⸗
chelnd; dies kommt jedoch nur-felten vor, denn weit häufiger ift bei
ihm der Zorn; er fchlägt dann zuerft mit dem Schwanze die Erde |
‚und peitfcht damit, bei fleigender. Wuth, gleichfam um ſich dadurch
noch mehr zu reizen, ben Rüden. Seine größte Stärfe hat er in
der Bruſt. Aus jeder Wunde, er mag fie num mit ver Kralle ober
mit ven Zähnen verfegt haben, flägßt ſchwarzes Blut, If er fatt,
fo fügt er Niemand ein Leid zu. 3. Seine Großmuth bewährt fich
Hauptfächlich in Gefahren, und zwar nicht allein dadurch, daß er, die
Pfeile verachtend, ſich lange nur durch bie Furcht, die er einflößt,
ſchützt und gleichfam zu exfennen gibt, man zwinge ihn [zum Kampfe)]
und daß er ſich nicht der drängenden Gefahr wegen, ſondern gleichſam
aus Zorn über die Tollkühnheit [feiner Angreifer] erhebt, noch weit
ebler zeigt fich fein Muth darin, daß er, wenn ihn eine auch noch fo
große Menge Hunde und Jäger verfolgen, fi auf offenem Felde
und wo man ihn fehen Tann, mit Verachtung und öfter flehen blei-
bend, zurüdzieht, ſobald er aber ein Geſtraͤuch ober einen Wald er-
reicht, im ſchnellſten Laufe dahinſtürzt, weil der Ort gleichſam feine
Zeigheit verbirgt. A, Wenn er eine Beute verfolgt, fo fpringt er
mit einem Sabe auf fle, auf der Flucht thut er dieſes aber nie.
Wenn er verwundet wird, fo erkennt er durch feine bewunberungds
würbige Beobachtungsgabe fogleich den Waͤter und geht in einer
noch ſo großen Schaar gerade auf dieſen los; einen, der einen Pfeil
auf ihn abgeſchoſſen, ihn aber dadurch nicht verwundet hat, ergreift
er zwar, ſchüttelt ihn und wirft ihn zu Boden, verwundet ihn aber
nicht, Die Loͤwin fol, wann ſie für Ihre Jungen kaͤmpft, ben Blid
L
[|
932 C. Plinius Naturgeſchichte.
‚ auf ven Boden heften, um nicht vor ben Jagbipießen zu erſchrecken.
Uebrigens find die Löwen frei von Lift und Argwohn; fle ſchauen
nichts mit fcheelen Augen an und wollen auch nicht fo angefehen
feyn. 5. Man glaubt auch, daß fle beim Sterben in die Erbe beißen
und über ihren Tod Thränen vergießen. Und biefed fo ftattliche,
fo grimmige Thier, fürchtet ſich wor laufenden Näbern , var leeren
Mögen, vor dem Kamme und noch mehr vor dem Krähen der Hähne,
am meiften aber vor dem Feuer. Die einzige Krankheit, welche ihn
befaͤllt, if der Ekel, von welcher ihn aber Unzucht heilt, indem ihn
bie Geilheit zufammenhängendey, Affen in Wuth Bringt. Koſtet ex
darauf Blut, fo ift er wieder genefen. *) |
XX. Zu Rom ließ zuerft Quintus Scävola, des Publins
Sohn **), während er curnlifcher Aebil war, mehrere Löwen zugleich
fämpfen, Hundert mit Mäbnen auf einmal zuerft L. Sylla, welcher
fpäter Diktator wurde, während feiner Prätur [im Jahr 93 v. Ehr.],
nad) ihm der große Pompejus im Circus fechöbundert, worunter
breihundertfünfzehn mit Mähnen, und ber Dictator Gäfar vierhundert.
XXL 1. Sie zu fangen, war früher eine ſchwere Arbeit und
es geſchah meiftens mittelft Gruben. *"") Unter der Herrſchaft bes
Claudius Ichrte der Zufall eine Fangart ,. die für ein fo gewaltiges
Thier faft fchimpflich ift, indem namlich ein gätulifcher Hirte einem
ihn ungeftäm anfallenden Löwen feinen Rod entgegenwarf, welches
*) Es if wohl kaum nöthig, zu bemerfen, daß in Diefem Kapitel
Fabeln auf Fabeln gehäuft find. Daß des Löwe fich vor bem
Beuer fürchtet, wie dies überhaupt bei den fleifchireffenden
Thieren der Fall ifl, möchte die-einzige Bemerfung ſeyn, welche '
. in der Erfahrung ihre Beftätigung findet.
3 Er begleitete ſpaͤter (95 vor Ehr.) das Conſulat.
)Indem man dieſe mit Beifig und Erde leicht bedeckt.
Achtes Buch. 933
Schauſpiel man auch bald auf dem Kampfplatze nachahmte, indem
dieſes ſo wilde Thier, wenn ihm mit einem auch nur leichten Ueber⸗
wurfe der Kopf bedeckt wird, auf eine faſt unglaubliche Weiſe in
Beſtürzung geraͤth, daß man es ohne Widerſtand binden kann, weil
nämlich feine ganze Kraft in den Augen liegt. Es iſt deßhalb gar
nicht wunderbar, daß Lufimachıts *) den Löwen, mit welchem er auf
Alexanders Befehl eingefperrt wurde, erivürgte.
> 2. Unter das Joch gebeugt und an den Wagen gefpannt wurden
fle zuerfl zu Rom von M. Antonius, und zwar während des Bürgers
Trieges, nach der Schlacht auf den pharfälifchen Feldern, nicht ohne eine
gewiſſe vorbebeutende Beziehung auf die Zeitverhältnifle, indem dieſes
under die Unterjochung edler Geifter anzeigts; daß er aber auf
diefe Weife mit der Schaufpielerin Eytheris fuhr, überfteigt ſogar
die Wunderbinge jener unglückſeligen Zeit. Der erſte Menſch aber,
welcher einen Löwen an der Hand zu leiten und in zahmem Zuſtande
zu zeigen wagte, full Hanno, einer der berühmteften Karthager, ges
wefen ſey. Died wurde aber auch der Grund feiner VBerurtheilung,
denn man glaubte, daß ein Mann von fo Funftreichem Geifte zu
Allem überreden Tünne und daß ihm, tem felbft die Wildheit fo
ganz zu Willen hätte ſeyn müſſen, die Freiheit nicht wohl anzuver⸗
trauen ſey.
3. Man hat aber auch zufaͤllige Beiſpiele von der Sanftmuth
des Löwen. Der Syracuſaner Mentdr war, als ihm in Syrien ein
Löwe winfelnd entgegenfroh und ihm allenthafben, wohin er ent»
fliehen wollte, den Weg verfperrte und frhmeichelnd feine Fußtabfen
leckte, zuerſt vor Schrecken ſtarr, bemerkte aber dann an dem Fuße
*) Derfelbe, welcher nach Alexanders Tod König von Thrazien
würde.
G. Blinins Naturgeſch. 88 Vdchn. 4
|
9 €. Plinius Naturgeſchichie.
des Thieres eine Geſchwulſt und eine Wunde und befreite es durch
die Herausziehung eines Splitters von ſeiner Dual. Ein Ge
mälde zu Syrafus bezeugt biefen Vorfall. Aehnliches begegnete
dem Samier Elpis, der. zu Schiffe nach Afrifa Fam und am Strande
einen Löwen mit grimmig aufgefperrtem Rachen erblickte; ex flüchtete
ſich auf einen Baum und rief den Pater Liber an, wie man denn
Hauptfächlich nur dann Gelübde thut, wann alle Hoffnung ver
fchwunden if. Das Thier ſetzte dem Fliehenden, obſchon es dies
gefonnt häfte, nicht nach, fonvern legte fich unter den Baum und
ſuchte durch den aufgefperrten Rachen, wodurch es ihn exrfchredt hatte,
fein Mitleid zu erregen. 4. Es war ihm bei einem allzugierigen Biſſe
ein Knochen zwilchen ven Zähnen ſtecken geblieben und von Hunger und
der Strafe an feinen eigenen Waffen gepeinigt, ſah es zu Elpis hin⸗
auf und bat ibn gleihfam mit ſtummem Flehen. Diefer traute
nicht aufs Gradwohl dem Thikre und überdieß hielt ihn bie Bers
wunderung noch weit länger, als die Furcht zurück. Endlich ſteigt
er herab und zieht dem Löwen, ber den Rachen barreicht umb bie
nöthige bequeme Stellung annimmt, den Knochen heraus. Man
erzählt, daß diefer, fo lange das Schiff noch am Ufer lag, feine Dank⸗
barkeit durch Herbeifchleppung der von ihm auf ber Jagd gemachten
Beute bewiefen habe. 5. Elpis ftiftete Deshalb auf der Juſel
Samos dem Vater Kiber einen Tempel, den die Griechen wegen
diefer Begebenheit ven Tempel des rachenaufiperrenden Dionyfos
(xexyvörog Arovvoov) nannten. Sollen wir und nun noch wundern,
daß die wilden Thiere-die Spur des Menfchen erfennen, wenn fie
fogar von diefem einzigen unter allen Thieren Hülfe Hoffen? Warum
nehmen fle ihre Zuflucht nicht zu andern? Ober woher if ihnen
bie heilende Kraft ber De nſchenhand bekannt? Wenn nicht vielleicht
\ Achtes Bud. - 935
bie Macht des. Uebels auch noch die wilden Thiere zwingt, alles zu
verſuchen.
avım. 6. Etwas gleich Merkwürdiges erzählt der, Naturforſcher
Demetrius von einem Panther, der in der Mitte des Weges lag und
einen Menſchen erwartete, und auf welchen ploͤtzlich der Vater eines
gewiſſen Philinus, eines der Weltweisheit Befiffenen), ſtieß. Er⸗
ſchrocken ſing dieſer an zurückzuweichen, das Thier aber kroch um ihn
mit unverkennbaren Schmeicheleien und mit ſo deutlichen Zeichen des
Schmerzes, daß man ſie auch an einem Panther wahrnehmen konnte.
Es war Mutter und ſeine Jungen waren nicht weit davon in eine
Grube gefallen. Das erſte Werk des Erbarmens war, ſich nicht zu
fürchten, das naͤchſte, dem Thiere Hülfe zu leiſten. Er folgte ihm
alfo, wohin es ihn durch leichtes Feſthalten mit der Klaue am Kleide
führte, und zog, als er die Urſache des Schmerzes und zugleich den
Igeforderten] Lohn für die Schonung ſeines Lebens wahrnahm, die
Jungen heraus. Mit dieſen folgte ihm die Mutter und begleitete
ihn bis über die Einoͤde hinaus mit Luſt und Springen, woraus leicht
zu erkennen war, daß ſie ihm ihren Dank bezeugen und nichts von
ihrer Seite anrechnen wollte, *) was ſogar bei den Menſchen ſelten iſt.
XXII. Dies laͤßt uns auch dem Democritus Glauben ſchenken,
welcher. erzählt, daß Thoas in Arcadien von einem Drachen gerettet
worben fen. Der Knabe hatte ven vielgelichten großgezogen, der
Vater aber die Schlange, deren boͤſe Eigenſchaft und Größe er fürch⸗
tete, in eine Einöbe getragen, in welcher fie dem Thoas, der in einen
Hinterhalt der Räuber fiel, als fle feine Stimme erfannte, zur Hülfe
eilte. *) Was man übrigens von Kindern erzählt, die ausgeſetzt
33 Nämlich bie Song feines Lebens.
Vergl. Aelian, Bist, animal. ], VI, c, 63,
4*
936 C. Plinius Naturgeſchichte.
und von wilden Thieren, wie die Gründer unſeres Staates von einer
Woölfin geſäugt wurden, iſt nach meiner Meinung mit weit weht
Grund der großartigen Fügung des Schickſals als der natürlichen
Eigenfchaft ver wilden Thiere zugufchreiben.
XXIU. Der Panther) und der Tiger erſcheinen faft allein vor
allen Thieren bunt geflecft, die übrigen Haben eine einzige und eime
jeder Gattung eigenthämliche Farbe ; nur in Syrien iſt Die Farbe der
Löwen ſchwarz. Die Panther haben auf weißen Grunde Furze
Augenflecken. Durch ihren Geruch follen alle übrigen BVierfüßfer
auf wunderbare Weife angezogen,**) durch die Abfcheulichfeit ihres
Kopfes aber abgefchreckt werden. Sie verbergen. deßhalb denſelben
und erhafchen die Thiere, welche fle durch das andere Meizmittel her⸗
beiloden. Manche erzählen, fle Hätten auf dem Vorderbug einen
dem Monde ähnlichen Flecken, der in Nebereinftimmung mit biefem
zu einer Scheibe anwachfe und fich wieder zu Hörnern aushoͤhle.
Man nennt jept bei dem ganzen Gefchlechte, welches in Afrifa und
8
+) Der Panther iſt ohne Zweifel eines der beiden afrikauiſchen
Thiere, welche jetzt Panther und Leopard heißen, vielleicht ver⸗
flanden die Römer darunter beide, denn der Name Leoparb
Tommt erſt am Ende des dritten Jahrhunderts vor.
») Diele dem Ariftoteled (Hist. animal. I. V, o. 40) entichnte
Fabel hat Manche verleitet, den Banther des Pliniud für bie
Bibethfage zu halten, obſchon weder Ariftoteles noch Blinius
behaupten, daß ber Geruch des Panther gerade ein dem Men-
ſchen angenehmer fey. Uebrigend paßt auch die bei den griefgis
fen und römifchen Naturforfchern vorfommende Beſchrei⸗
bung nicht auf die Zibethfage, die ben Alten überhaupt nicht
asranne geivefen 5 an Moe Der ab: w zunehmenbe Beten
e orberbuge Der er gehoͤr ben Bhantafles
"den des Alterthums. arther geh ” Pbanteſ
Achtes Buch. 937
in Syrien fehr haͤufig ift, die [weiblichen] Banther Varia [Seedte]
uud die Männchen Parder. Manche unterfcheiden bie Panther von
diefen- nur durch die weiße Farbe und- bis jetzt habe auch ich noch
feinen andern Unterfchied gefunden.
XXIV. Es beſtand ein alter Senatsbeſchluß, welcher verbot,
afrilaniſche Thiere*) nach Italien zu bringen. Gegen diefen brachte
der Bolfstribun En, Aufidius einen Antrag an das Volk [84 vor
Chr.] und erwirkte die Exlaubniß, daß fle für die eircenflfchen Spiele
eingeführt werben durften. Zuerſt aber ſchickte Scaurus während
feiner Aebilwärbe [58 vor Chr.] Hundertundfünfzig Variä, dann der
große Pompejus vierhunbertundzehn und ber göttliche Auguftus
vierhundertundzwangzig.
XXV. Derfelbe zeigte unter dem Couſulate des Q. Tubero
und Fabius Marimus [11 vor Ehr.] am vierten Mai hei der Ein-
weihung des Theaters des Marcellus zuerft von allen Rom einen '
gezaͤhmten Tiger **) in einem Käfig, ber göttliche Claudius aber
vier anf einmal.
awvum. Hyrcanien und Indien bringen den Tiger hervor, ein
Thier von fürdhterlicher Schnelligkeit, die man hauptſächlich dann
erfährt, wann ihm feine ganze Brut, die ſtets zahlreich iſt, hinweg⸗
gesommen wird. Der Rashfteller entführt fie auf einem möglichft
9 ander werben bier wohl nur Panther und Leoparden vers
anden
*) Nämlich ein Exemplar bes indiſchen mit ſchwarzen Quer⸗
ſtriemen. Die Behauptung daß ſchon Tiger gezaͤhmt worden
ſeyen, wurde früher von den meiſten Naturforſchern, ſelbſt von
Büffon, beſtritten. Cuvier bewies durch mehrere gezaͤhmte
Tiger im Muſeum zu Paris die Wahrheit derſelben und der
viel getadelte —* erſcheint alſo auch hier gerechtfertigt.
al
938 C. Plinius Naturgeſchichte.
ſchnellen Pferde und wechſelt dieſes oͤfter mit friſchen. Wenn nun
die Mutter (die Männchen kümmern ſich nämlich nicht um die Sans
gen) das Neft leer findet; fo flürzt fie eilend fort und fucht die Spur
durch den Geruch. Der Räuber wirft, wenn er das Gebrüll nahe
Iommen hört, eines der Jungen hinweg. Ste faßt es mit dem
Rachen, läuft, durch bie Laſt noch mehr zur Schnelligfeit angefenert,
zurück, beginnt dann wieder die Verfolgung und fo fort, bis der
Räuber das Schiff beſtiegen hat und fie am Ufer mit vergeblichem
Grimme wüthet. i
XXVI. 1. Die Kameele zieht man im Morgenlande herden⸗
weife und es gibt deren zwei Arten, das bactrifche *) und das arabi⸗
ſche **) Kameel. Sie unterfcheiven ſich dadurch, daß jenes zwei
Höder auf dem Rücken hat, Diefes aber nur einen. Das Iebtere hat
aber noch einen andern an der Bruft, ***) auf welchen es ſich niever-
legt. Beiden Arten fehlt, wie dem Rindvieh, die obere Zahnreihe. })
Afle verfehen mit ihrem Rücken die Dienfte von Laſtthieren und
werben auch in Schlachten zum Reiten gebraucht. An Schnelligkeit
fommen fle den Pferden gleich, bock ift bei beiden Thieren das Maß,
fo wie bie Kraft verfchieven; dad Kameel geht nie weiter, als die
gewohnte Strecke und trägt nie mehr als die ihm einmal beftimmte
Laſt. 2. Gegen die Pferde haben fie einen angebornen Haß. +})
Durſt ertragen fle fogar vier’ Tage lang. Wenn fie Gelegenheit
_*) Camelus,Bactrianus, Trampelthier. Ge
„.) Camelus Dromedarius, arabicus, das gemeine Kameel.
) Die Schwiele auf der Bruft ‚haben beide Arten mit einander
emein.
‚DD Cs fehlen ihnen nur die mittleren Vorderzaͤhne.
1) Die unrichtigkeit diefer Anſicht beweist Iche Karawane, wo
Kameele und Pferde neben einander gehen.
Tr
Aa 939
zum Trinken bekommen, fo fättigen fie fich für den vergangenen und
für den künftigen Durſt, vachdem fle jeboch zuvor das Waſſer durch
Stampfen trübe gemacht haben, denn anders trinfen fle nicht mit
Luft. Sie leben fünfzig Jahre, manche auch hundert; werben jedoch
and) von ber Wuch befallen. Man Hat eine Art, fogar die Weib⸗
chen, welche zum Kriege abgerichtet werben, zu caftriren, erfunden,
fie werben fo, wenn ihnen die Begattung unmöglich ift, muthiger. _
XXVU. Mit ihnen haben zwei andere Thiere Aehnlichkeit;
das eine nennen die Nethiopier Nabun.*) Es gleicht am Halſe
dem Pferde, an den Füßen und Schenfeln dem Rinde und am
Kopfe dem Kameel; feine Grundfarbe ift röthlich mit weißen Flecken,
weßhalb es auch Kameelparder heißt.” Bei den circenflichen Spielen
des Diktators Cäfar [46 vor Ehr.] wurde es gm erſtenmale zu
Rom gefehen. Seitdem flieht man es von Seit zu Zeit, und es ift
mehr feiner Geftalt ald feiner Wildheit wegen merfwürbig, weßhalb
es auch den Namen wildes Schaaf erhalten bat.
XXVIII. ax). Die Spiele des großen Pompejus [61 vor
Ehr.] zeigten zum erflenmale das Chaͤma, **) welches die Gallier
Rufins nennen; es iſt geflaltet wie ein Wolf und geflect wie bie
Boarder. Bei denfelben Spielen fah man auch die Thiere aus
Acthiopien, welche man Kepen [xzmoı] nennt,***) deren Hinterfüße
menſchlichen Füßen und Schenfeln und deren Borberfüße Hunden
gleichen. Später ſah Rom dieſes Thier nichtmehr.
XXIX (xx). Bei denfelben Spielen erfchien auch dad Nashorn
. {Rhinoceros) mit einem Horn auf der Nafe, wie man ed oft gefehen
) Die Giraffe (Camelopardalis giraffa). Erſt in neuefter Zeit
bat man diefes Seltene Thier wieber öfter in Europa gefehen.
.. =) Der Luchs (felis Iynx).
*5 Wahrſcheinlich der rothrůcige Affe (imia pyrrhonota).
. An.
940 C. Plinius Naturgeſchichte.
bat. Es iſt der zweite geborene Feind des Elephanten; ) wenn es
ſich zum Streite anſchickt, wetzt es das Horn an einem Steine und
während bes Kampfes zielt: es hauptſaächlich auf den Bauch, weil es
weiß, daß diefer am weichſten if. Es hat gleiche Länge mit dem
Elephanten, aber weit Fürzere Beine und bie Farbe des Luchfes.
XXX xun, 1. Die fehr haufig vorfommenden Luchfe **) und
Sphingen ***y mit dunfelbraunem Haare und zwei Bien auf ber
Bruft bringt Aethiopien hervor, fo wie auch viele andere ähnliche
wunderbare Thiere, als geflügelte, mit Hörnern verfehene Pferde, )
welche man Pegaſen nennt, Erocotten, +}) die von Hund uud Wolf
abzuftammen feheinen, alles mit den Zähnen zermalmen und bad
Berfchlungene fogleich verdauen, Cercopithecen FF) mit fchiwarzem
Kopfe, Eſelshaaren und einer von der aller übrigen Thiere vers
ſchiedenen Stimme, indiſche Rinder +*) mit einem und brei Hoͤrnern,
das Leucrocot, ein überaus ſchnelles Wild, welches ungefähr bie
Größe des Eſels, die Beine des Hirfches, ven Hals, den Schweif
und die Bruſt des Löwen, ben Kopf des Dachfes, einen gefpaltenen
Huf, ein ‘bis an die Ohren*aufgeriffenes Maul und ſtatt der Zähne
einen zufammenhängenden Knochen hat, Diefes Wild foll die menſch⸗
Vergl. oben Kap. 11. 12. |
ee) Hoͤchſt wahrscheinlich der fünliche Luchs (felie oaracal).
»ee) Pielleicht Hat man darunter den Schimpanfe oder afrikaniſchen
Orang⸗Utang (Simia troglodytes) zn verſtehen.
+) Bhantaflegebilde der Alten.
Tr) Vielleicht der Tigerwolf (Hyaena ervouta).
TID Eine Affenart, vielleicht der Malbrouc (Simia faunus) ober
der weiße Affe (Simia entellus).
7°) Diefe, fo wie das Leucrocot in der neueren Naturgeſchichte
finden zu wollen, wäre vergebliche Mühe. Unter bem —**
m ebenfalls das —*— (antilope gnu) vermuthen.
Achtes Buch. 944
liche Stimme nachahmen. 2. Cbendaſelbſt gibt e8 auch das Thier,
weiches Gale ‚Heißt, die Größe bes Flußpferdes, ven Schweif des
Glephanten, eine ſchwarze oder gelbe Farbe, die Kinnbacken eines
Ebers und über eine Elle lange bewegliche Hörner hat, welche es
im Kampfe abwechſelnd vorſtreckt und entweber gegen den Feind oder
auf die Seite richtet, je nachdem es fein Bortheil erheifcht.*) Man
findet daſelbſt auch überaus grimmige wilde Stiere, die größer als
die Ackerſtiere find und an Schnelligfeit alle Thiere übertriffen, von
gelber Farbe, mit blauen Augen, nach vorn hin gerichteten Haaren,
einem bis zu den Ohren Haffenden Rachen, beweglichen Hörnern
daneben und einem Fefelfteinharten Rüden, dem feine Wunde bei-
zubringen iR. **) Sie machen Jagb auf alles Wilb, find aber felbft
nicht anders als in Gruben zu fangen, worin fle ihrer Unbändigfeit
wegen flet3 umfomnen. 3. Daffelbe Land bringt auch, wie Cteſias
berichtet, dad Thier hervor, welches er Mantichora nennt; *”*) es
hat drei Reihen fammförmig in einander greifender Zähne, das
Antlig und die Ohren des Menſchen, graue Augen, eine blutrothe
Farbe, den Körper bes Löwen, den Schweif des Scorpions, womit
«8, wie mit einer Stachel flieht, einer Stimme, die dem Zufammens
Hange der Schalmey und der Pofaune gleicht, eine große Schelligfeit
und eine ganz befonbere Lüfternheit nach Menfchenfleifch.
*) In dieſer Befchreibung Tann man wohl trotz manchen Un⸗
richtigkeiten das afrikaniſche Nashorn (Ahingceres africanus),
deſſen Hürner bekanntlich beweglich find, nicht verfennen.
”) Mahrfcheinlich ebenfalls eine Beichreibung bes afrifanifchen
Nashorns, die Plinius einer andern Duelle entlehnte.
*r, Diefes Ungethäm verbankt feinen Urfprung der Furcht vor
wilden Thieren. Ariſtoteles (Hist. animal. II, 11) zweifelte
ſehr an feiner Ecxiſtenz. Plinius nimmt fie aber, wie alles
Mährchenhafte, bereitwillig an.
A
.
942 €. Plinius Naturgefgiäte.
XXXI. In Indien gibt‘ auch Rinder mit ungefpaltenen
Klauen und einem Horne *), und ein Wild, welches Arts heißt, **)
das Fell eines Hirfchkalbes, nur mit mehr und weißeren Flecken, hat
und gewöhnlich dem Vater Liber geopfert wird. Die orfäifchen
Inder jagen auch Affen, die am ganzen Körper weiß find,***) mb
ein überaus grimmiges Wild, das Einhorn, welches am Abrigen
Körper dem Pferde, am Kopfe aber dem Hirfiye, an den Füßen dem
Elephanten und am Schweife dem Eher gleicht, flarf brüllt und ein
ſchwarzes, zwei Ellen weit hervorragendes Horn an der Stimme
trägt. Man behauptet, dieſes Wild koönne nicht lebendig gefangen
werden.) _
XXX. Bei den weftlichen Aethiopiern ift die Duelle Rigris,
aus welcher, wie die Meiften annehmen und wie auch die von mir
beigebrachten Orhnde ++) darthun, der Nil entfpringt; "an ihr lebt
ein Wild, Katoblepas 7177) genannt, welches zwar nur von miltel-
*) Man findet diefes fabelhafte Thier, fowie auch das Mantichora
unter ben Hieroglyphen von Perfepolis.
) Ohne Zweifel das Gangesreh (Cervus axis).
**) Symia atys, wie ihn Audebert in feiner Histoire naturelle
des singes et des makis (Par. 1800, F.) nennt.
7) Bis jept hat fich die Eriftenz des vielbefprochenen Einhorus
nicht erweifen laflen. Gab etwa zu der uralten Kabel eine
wenig befannte Antilopenart, vielleicht die mittelafrifanifche
‚Antilope (Antilope beisa) , welche man quf egyntifchen Denfs
mälern fehr ſchlecht von einer Seite mit zwei Füßen und
einem Horne abgebildet findet, Veranlaſſung ; '
ID S. oben B. 5, Kap. 10.
TED Das zur Erde ſchauende. Mahrfcheinlich.ift das Gnu ge
meint, an welches fich fo viele Kabeln knüpfen und deſſen aben⸗
teuerliche Geſtalt auch wirklich auf den Beichauenden einen
unangenehmen Eindruck macht.
+
Pr
Achtes Bud. 0.0.9483
mäßiger Größe und an den übrigen Gliedern elenb iR, aber einen
überaus ſchweren Kopf mit Mühe fortſchleppt, dem es ſtets zur Erbe
berabhängen läßt, weil er fonft dem menſchlichen Geſchlechte zum
Verderben gereichen würde, denn alle, welche feine Augen fehen,
fterben auf der Stelle.
| XXX. Diefelde Kraft wohnt dem Bafllisf bei. Diefe
Schlaftge, weldhe die cyrenaiſche Provinz hervorbringt, ift nicht
größer ald zwölf Finger [9 Zoff] und Hat'einen weißen Fleden auf
‚dem Kopfe, wodurch fle, gleihfam wie mit einem Diabem, ) ge-
fhmüdt wird. Durch ihr Sifchen verfchencht ſie alle übrigen -
Schlangen und ſchiebt nicht, wie diefe, durch vielfache Windungen -
ihren Körper fort, fondern geht, zur Hälfte aufgerichtet, geſtreckt
einher. Sie verdirbt die Geſtraͤuche nicht nur durch ihre Berührung,
fondern fon durch ihren Hauch, verfengt die Kräuter und zerfprengt
Steine. Cine ſolche Stärfe hat das Gift. Man nimmt als gewiß
an, daß einſt, als ſie vom Pferde herab mit einem Speere getoͤdtet
wurde, das Gift ſich an dieſem fortleitete, und nicht nur den Reiter,
ſondern auch das Pferd toͤdtete. Und dieſes gewaltige Ungethüm
(denn häufig wünfchten es Könige todt zu ſehen) wird durch die Aus⸗
dünftung der Wiefel umgebracht; fo forgfältig bemühte fich die Na⸗
tur, nichts ohne Gegenkraft zu Yaflen. Dan: wirft die Wiefeln in
Höhlen, die man leicht an dem ausgeborrien Boden umher erfennt.
Sie tödten durch ihren Geruch, ſterben aber zugleich ſelbſt und ſomit
iſt der Kampf der Natur abgethan.
XXXIV axm. 1. Aber i in Stalien hält man auch den Anblick
*) Daher hat fie auch ihren Namen (von Basıdevg, Konig) weil
das Diadem .ber Schmud der Koͤnige iſt. Daß dieſes ge⸗
fürchtete Thier nur eine Ausgeburt der Phantafle, braucht
wohl Taum bemerkt zu werben, \
⸗
x
En
ME. Plinius Naturgeſchichte.
der Wölfe. für ſchädlich und ſie ſollen den Menſchen, welchen ſie zu:
erſt anfehen, auf den Augenblick der Stimme berauben. Afrika und
Egypten bringen nur feige und Fleine hervor, ber Tältere Himmels⸗
ſtrich wilde und grimmige.”) Daß ſich Menſchen in Wölfe vers
wandeln und ihre frühere Geftalt wieder annehmen, müflen wir zus
serfichtlich für falfch Halten oder afle Lügen, die aus fo vielen Jahr⸗
Hunderten auf ung gefommen find, glauben. 2. Woher übrigens
diefe Sage fo fehl bei dem großen Haufen eingewurzelt ift, baß er
den Namen Wechfelbalg (Währwolf) ald Berwünfhung braucht,
foll mitgetheilt werden. Cuanthes, ein nicht gering genchteter grie⸗
chiſcher Schriftfteller erzäglt: die Arkadier berichten, daß aus dem
Geſchlechte eines gewiffen Aethus immer einer durch Das Loos von
der Familie gewählt und zu einem Teiche jener Gegend geführt
werde; über diefen ſchwimme er, nachdem er feine Kfeider an eine
Eiche aufgehängt, und laufe dann in die Einöde, wo er in einen
Wolf verwandelt werbe und neun Jahre in der Befellfchaft ver übri⸗
gen Thiere diefes Gefchlechts zubringe. 3. Habe er während biefer
Zeit fi von ven Menfchen entfernt gehalten, fo Tchre er zu dem⸗
felben Teiche zurüd und nehme, wenn er barüber geſchwomwen fey,
feine frühere Geflalt wieder an, nur fey er in feinem Aeußern neun
Sabre älter geworden. Yabius fügt noch Hinzu, Daß er auch daſſelbe
Kleid wieder anziehe. Es ift wunberbar, mie weit. die griechiiche
Reichtgläubigfeit geht. Es gibt feine fo unverfchämte Lüge, für
welche fich Fein Zeuge beibringen ließe. So erzählt Agriopas, welcher
über die olympiſchen Sieger fchrieb, Demänetus von Parrhafla
[Firina] habe bei einem Opfer, welches damals die Arkabier noch
*) Die Wölfe Afrika's find eben fo groß, als die anberer Bänder;
linius meint vielleicht den Schafal (canis aureus), welder
nicht viel größer ift, als der Fuchs.
Lu
N. __
Achtes Buch. 945
durch Abfchlachtung eines Menfihen dem Incälfchen Jupiter (Wolfs⸗
jupiter) brachten, von den Eingeweiben des geopferten Knaben ge
koſtet und Sich In einen Wolf verwandelt; im zehnten Jahre fey er
wieder in feinen Mihletenftand zurückgekehrt, im Fauſtkampfe anf-
getreten und ald Sieger von Olympia heimgegangen. , 4. Das ges
meine Volk glaubt auch, daß ein Liebesſaft an dem Schwanze dieſes
Thieres in einem kleinen Haarbüſchel ſtecke und daß er dieſen, wenn
ex gefungen werde, fallen laſſe, daß er aber, wenn man ihn ihm nicht
He lebendigen Leibe nehme, unwirkfam fey. Er fol ſich im gangen
Jahre nur zwölf Tage begatten, und wenn er hungrig ift, Erbe
frefien. Unter allen Borbeveutungen ift feine vorzüglicher, als wenn
er dieſes zur Rechten bes Reifenden mit vollem Munde thut, nach⸗
dem ex erſt vor ihm über den Weg gelaufen ifl. Bei dieſem Thier-
gefchlechte gibt es welche, die Hirfchwöälfe heißen; einen folchen aus
Gallien fah man, wie wir ſchon gefagt haben, *) bei den Kampf⸗
Tpielen des großen Pompefus. Diefes Thier fol auch bei großen
Hunger, wenn es ſich während des Freſſens umfleht, ſogleich feinen
Fraß vergefien und davon Inufen, um anderen zu fuchen.
XXXV (xıım. 1. Was die Schlangen betrifft, fo ift befannt,
daß die meiften die Farbe der Erdart annehmen, in welcher fie ſich
aufhalten, daß es unzählige Arten gebe, daß ven Hornottern**) am -
*) Berg. oben Kap. 28.
**) Die Horhotter (cerastes, vipera cerastes) hält ſich in Aegyp⸗
ten und in dem noͤrdlichen Afrika auf und hat über jedem Auge
einen ſpitz zulaufenden Auswuchs, der einem Some nicht uns
aͤhnlich iſt. Das Anloden der Vögel und die Vermehrung
der Hörner bis auf vier, find Fabeln. Cuvier befaß eine |
lebendige Hornſchlange ımb beobathtete oft, wie fle ſich gern
in den Sand einwühlte ; die Hörner ragten dann nur noch ein
. =. _
946 € Plinius Naturgeſchichte.
Kopfe kleine Hoͤrner, nicht ſelten vier an der Zahl, hervorragen, durch
deren Bewegung ſie, nachdem ſie die übrigen Körpertheile verſteckt
haben, die Voͤgel an ſich locken, daß die Amphisbaͤne zwei Köpfe
babe, nämlich audı einen am Schwanze, als wenn es nicht genng
wäre, aus Einem Rachen Gift auszuſchütten, ) daß fle zum Theil
ſchuppig und zum Theil Bunt gefleckt, alle aber mit einem töbtlichen
Geifer verfehen ſeyen, ) daß die Pfeilfeglange*"*) von den Baum⸗
äften herabfchieße und man alfo die Schlangen nicht nur für feine
Füße zu fürchten haben, fondern daß fie auch gleich einem Wurf-
gefchofle vaherfliegen,, daß den Nattern}) der Hald anfchwelle [mern
fie gereizt werben] und daß es fein anderes Heilmittel gegen ihren
Biß gäbe, als fchleuniges Abloͤſen der. angeſteckten Theile. 2. Diefes
fo unbeilvolle Thier kennt nur Gin Gefühl ober vielmehr nur Eine
Beniß über bie Oberfläche hervor, wodurch die Sage entflanden
eyn mag. ' .
*) Es gibt wirklich mehrere Arten von Amphibaͤnen, b. 5.
Schlangen, die vors und rückwärts friechen können, in Amerifa,
und auch die Portugiefen nannten bie Gürtelfchlangen,, welche
biefe Cigenfchaft Haben und vom und Hinten gleich dick find
Cobras de duas cabecas (Schlangen mit zwei Köpfen). An
zwei Köpfe ift natürlich bei dieſen ebenfo wenig zu benfen,
als bei den Ampbibänen ver Alten, welche darunter wahr-
fheinlih die Rüſſelſchleiche (typhlops) mit kaum fihtbaren
Augen verftanden.
*) Die Meinung, daß alle Schlangen giftig feyen, ift befanntlich
falſch. Auch die Rüflelfchleiche ift unfchädlich.
**) Jaculum. Plinius meint die Baumfchlangen (Dryophis).
1) Aspis. — Die Aspis der Alten iſt die vielberühmte ägyptifche
Hutſchlange (coluber haje) , weldye von Moſis Zeiten Bis jegt
bei den fogenannten ägnptifchen Zauberern eine wichtige Rolle
fpielte,
\
-
+
Achtes Buch. 947
Leidenfchaft. Sie fchweifen faft nur paarweife umher und können
ohne Gatten nicht leben ; wirb alfo eine von ihnen getübtet, fo er⸗
wacht bei der andern eine unglaubliche Rachgierde. Sie verfolgt den’
Mörder, greift ihn allein unter einer noch fo großen Volksmenge,
aus welcher fie ihn herauszufinden weiß, an, überwältigt alle Schwie⸗
tigfeiten, legt weite Strecken zurüf und nur Flüffe oder überaus
ſchnelle Flucht fiihern vor ihr. Es laͤßt ſich übrigens- wirklich nicht
Yagen, ob die Natur die Nebel oder die Mittel dagegen in richtigesem
„Maße ſchuf; denn einmal gab fie diefem fchlimmen Thiere fchlechte
Augen und feßte diefe nicht zum Borwärtöfchauen an die Stirme,
fondern an die Echläfe, *) fo daß es häufig eher durch einen Fußtritt,
als durch den Anblick aufgefchreckt wird ;
xx) ſodann lebt e8 in einem fortwährenden Bertilgungsfriege
mit dem Ichneumon. **)
XXXVI. Diefes Thier ift Hauptfächlich durch dieſe rühmliche
Eigenſchaft bekannt und ebenfalld in Aegypten einheimifh. Gs
waͤlzt fich Häufig im Lehm und trocknet fich an der Sonne. Nachdem
es fich auf diefe Weife mit mehreren Häuten gepanzeıt Hat, fchreitet
ed zum Kampfe. Während beffelben erhebt es feinen Schwanz,
und fängt abgewendet die vergeblichen Biffe auf, bis es mit ſchraͤg⸗
gerichtetem Kopfe den Augenblick erlauert Hat, bem Gegner an bie
Kehle zu fahren. ***) Nicht einmal damit zufrieben, befriegt ed auch
noch ein anderes nicht zahmeres Thier. |
*) Die Hutfchlange hat, wie die Mehrzahl der Schlangen über-
haupt, die Augen an den Seiten des Kopfes. Ä
**) Viverra ichneumon, Pharaonsratte.
**) Man hat früher über den Kampf bed Ichneumon mit der
Hutfchlange gelacht; neuere Beobachtungen haben aber bie |
Wahrheit deflelben bewieſen und wieder gezeigt, daß die Alten
948 C. Plinius Naturgeſchichte.
XXXVN ECXV. 1. Im Nil nämlich lebt ver Krokodil, ein
böfes, anf dem Lande und in dem Fluſſe gleich gefährliches Thier.
Bon allen Landihieren ift e3 das einzige, welches feine Zunge nicht
gebrauchen fann;*) das einzige, welches nur mit der oben beweg⸗
lichen Rinnlade beißt, **) ver Bi aber it fürchterlich, ba tie Zähne-
reihe fammartig gedrängt fließt. Er wird gewöhnlich größer ala
achtzehn Elfen, legt Eier, die fo groß find, wie Gaͤnſeeier und brütet
fle in Folge eines gewiflen Ahnungsvermögens etwas über ber
Stelle, welche in dieſem Sahre der Nil bei. feinem höchſten Wafler-
flande erreichen wird, aus. 2. Kein anderes Thier wächst von einem
fo geringen Anfange zu einer fo bebeutenden Größe; auch ift es mit
Klauen bewaffnet und feine Haut bietet jedem Stiche trotz. Der
Tag bringt es anf dem Land, die Nacht im Wafler zu, beides ber
Märme wegen. Wenn er von Fifchen gefüttigt und mit ſtets von
Speifereften gefüllten Rachen ſich am Wafler dem Schlafe bingibt,
reizt ihn ein Feiner Vogel, welcher dort Trochilus, in Italien aber
Bogelfönig ***) Heißt,-zum Maulaufſperren, reinigt ihm erſt hüpfend
in manchen Dingen noch mehr mußten, ald wir. Nur das
abſichtliche Wilzen im Schlamme muß in Abreve geftellt
werben, denn ber Schneumon geht fait immer in den Bewäfles
rungsgräben umher und ift deßhalb ftets mit Koth bebedt.
*) Sie ift an den Unterkiefer angewachfen und unbeweglich.
**) Der Unterkiefer des Krokodils ift zwar ebenfalls beweglich,
fentt fich aber beim Aufthun des Rachens nicht herab, fondern
bleibt in horizontaler Lage, wodurch die feit Herodot (MI, 88)
verbreitete Anficht der Alten, daß der Unterfiefer unbeweglich
ſey, entftanden feyn mag. —
»9 Hier wäre demnach der. bekannte Zaunkönig (silvia regolus,
roitelet) gemeint; es ſcheint aber ein Irrihum obzuwalten,
denn nach der Angabe neuerer Naturforſcher iſt der Vogel,
welcher den Rachen bes Krofodild reinigt, ber — e
Regenpfeifer (charadrius aegyptius).
/
Achtes Buch. | 99.
ven Rachen, dann die Zähne und auch das Innere des Schlundes,
welchen er bei dieſem wohlthnenden Picken fo weit ala möglich auf-
ſperrt; erblidt ihn nun, während er durch biefes wollüſtige Gefühl
“in Schlaf verfunfen ifl, der Ichneumon, fo ſchießt er ihm wie ein
Pfeil durch den Schlund und frißt ihm die @ingeweide heraus. *)
XXXVIH. 4. Dem Krokodil aͤhnlich, aber noch Meiner al®
der Ichnenmon und ebenfalls im Nil einheimifch ift der Scincos ‚**)
ein vorzüglicdes Mittel gegen Gift und zur Anfladhelung des Ge .
fehlechtötriehs bei den Männern. — Der Krofobil verurfacht aber
viel zu großes Unheil, als daß die Natur mit Einem Feinde deflelben
“zufrieden feyn follte. Es gehen demnach auch die Delphine,***) auf
deren Rüden ſich, wie es fcheint, zu dieſem Zwecke ein meflerartiger
Stachel befindet, in den Nik, verfchenchen bie fih in threm Fluſſe
gleichſam als Alleinherrſcher Geberdenden von ihrer Beute und
tödten fle, obgleich fie ihnen an Kraft bei Weiten nicht gewachfen
find, durch Liſt; denn darin find alle Thiere klug und wiflen nicht
[4
*) Die bier dem Ichneumon zugeſchriebene Eigenſchaft iſt eine
Fabel; man weiß nur mit Gewißheit, daß er bie Eier des
Krofobils auffucht und gerne frißt.
“) Die Wüfteneidechfe, Waran el hard (varanus seincus, moni-
tor terrestris) , und nicht, wie man gewöhnlich annimmt , die
. gemeine Glanzeidechſe (scingus offleinalis), Die Aegypter
halten noch jet den Waran für ein Tleines, auf trodenem
Boden ausgekrochenes Krokodil.
+) Der gewöhnliche Delphin Tann hier wicht gemeint fern, deun
er hat keinen Stachel auf dem Rücken, und Cuvier hat gewiß
Recht, wenn er den hier von Plinius angeführten Delphin
unter die Hhayen zählt. ——— is bat man Hier den
Stachelhay (squalus ventrina) ober ben Dornhay (squalas
acanthias) zu verfichen.
C. Plinins Naturgeſch. 88 Ban. 5
- 950 €. Plinius Raturgefhiäte.
nur, was ihnen vortheilbaft, fondern auch, was dem Feinde nach⸗
theilig iſt; ſie kennen ihre Waffen, fie kennen die günftige Gelegenheit
und die fehwachen Seiten ihrer Biegner. 2. AmBanche bes Krokobils
it Die Haut weich und dunn; bie Delphine tauchen alfo, als feyen fle
erſchrocken, unter und reißen ihm den Bauch, von unten her kommend,
auf. Ja, auch ein Volksſtamm iſt dieſem Ungeheuer auf dem Mil ſelbſt
gefährlich, nämlich die Tentyriten, welche von der Infel, *) bie fle be⸗
wohnen, biefen Namen führen. Sie find von Eleiner Geſtalt, aber
von wunderbarer Geiſtesgegenwart, wenigflens in’ der Ausübung
diefes Geſchaͤfts. Das Ungeheuer ift dem Fliehenden fchredlich,
flieht aber-felbfl, wenn es verfolgt wird, doch nur diefe Leute wagen
auf e8 Ioszugehen. 3. Ja, fle ſchwimmen fogar im Fluſſe, ſetzen
fich wie Reiter auf den Rüden ber Krofobile, fchieben ihnen, wenn
fle mit rückwaͤrts gebeugtem Kopfe den Rachen zum Biffe aufreißen,
einen Prügel in dad Maul, ergreifen benfelben an beiden Enden mit
der rechten und linken Hand und treiben fie damit, wie an einem
Zügel, gefangen auf das Land; ja, ſchon allein duch ihre Stimne
jagen fle ihnen Furcht ein. und zwingen fle, die friſchverſchluckten
Körper. wieder auszufpeien, um fle begraben zu Tönnen. 4. Die
Krokodile ſchwimmen daher nie zu diefer Infel und werben ſchon
durch den Geruch diefer Art Menfchen, fo wie die Schlangen durch
den Geruch der Pfyller **) verſcheucht. Im Waſſer follen die Augen
diefes Thieres blöde feyn, außerhalb deſſelben aber fehr fharf fehen,
und im Winter fol e8 immer vier Monate ohne Nahrung in einer
Höhle zubringen. Manche glauben auch, es fey das einzige Thier,
welches fo lange wachſe, ald es lebe; es lebt aber fehr lang.
:#) Kentyris, jeßt Dendera. Berl. B. V, PR/R
B. Vu, Rap. 2, 8. 5.-
-
Achtes Buch. 951
IXXIX. Dos PFlußpferb, *) ein noch größeres Ungeheuer,
wird ebenfalls in nem Mil erzeugt ; es Hat zweifpaltige Klauen, wie
da8 Rinbvieh, den Rüden, die Maͤhne und bie wiehernde Stimme
des Pferdes, eine aufwärts gebogene Schnauze, ven Schwanz und. bie
Zähne des Gbers, doch find die letztern nicht fo geiäßrlich ; feine zu
Schilden und Helmen taugliche Haut ift undurchdringlich, fo lange
fie nicht von Näffe purchweicht wird. Es weidet die Saaten ab und
fol dies, wie man vorgibt, an einem von ihm voraus dazu beſtimmten
Tage thun und rückwaͤrts nach dem Adler gehen, damit ihm auf dem
Rückwege kein Hinterhalt gelegt werde. **)
XL axvo. 63 und fünf Krokodile zeigte zu Rom zuerft M.
Staurus bei den Spielen während feiner Aebilwürbe, in einem nur
zu diefem Zwecke gemachten Waflergraben. Das Flußpferd ift auch
in einem Punkte der Heilfunft unfer Lehrmeifter gewefen. Wenn es
nämlich durch fortwährende Ueberfättigung zu feift geiworben iſt,
geht es and Ufer und fucht nach frifch abgefchnittenen Rohren; an
das ſpitzigſte, welches es flieht, drückt es feinen Körper, öffnet ſich
dadurch eine Ader an dem Beine, erleichtert fo durch den Blutverluft
den fonft flech werdenden Körper und überzieht die Wunde mit
Schlamm. *9 U
*) Hippopotamus (Hippopotamus amphibius). Die Beſchrei⸗
bung dieſes Thieres, welches die Alten doch genau hätten be⸗
obachten koͤnnen, iſt mit Ausnahme deſſen, was von ven Zäh-
nen und der Haut gefagt wird, falfch, wie man aus jedem
Handbuche der Naturgefsbichte erfehen Tann. -
#9) Es will nämlich dadurch den Auflauerer zu dem Glauben vers
leiten, es fey nicht mehr in dem Saatfelve, fondern ſchon wie⸗
ber in das Waffer zuruͤckgegangen.
*) Was in diefem und in den beiden folgenden Kapiteln von den
durch Thiere erfunbenen Heilmitteln und Künften gefagt w’
gehört zu den alten Fabeln, vie jebt Niemand meht glau⸗
952 C. Plinius Naturgeſchichte.
XLI (xxvm. 1. Etwas Aehnliches zeigte und ebenfalls in
Aegypten ein Bogel, welcher Ibio) Heißt unb der mittel feines
feummen Schnabels ſich durch denjertigen Theil," durch welchen zar
Grhaltung der Geſundheit die überfläffige Speife abgeht, aus⸗
ſpühlt. *) Und vieles find nicht bie einzigen von verſchiedenen
Thieren erfundenen Dinge, bie auch dem Menſchen zum Nuten ges
reichen follten. Daß das Diptamfraut***) zum Ausziehen der Pfeile
‚gut ſey, zeigten die Hirſche, welche von dieſem Gefchoffe getroffen,
fih durch den Genuß des erwähnten Krautes davon befreiten. Dies
ſelben heilen ſich, wenn fle vor dem Phalangium, +) einer Spinnens
art, ober einem ähnlichen Thiere gebiffen werben, durch das Freſſen
von Krebien. 2. Auch ift gegen den Schlangenbiß dad Kraut ++) fehr
gut, womit fich Die @idechfen, wenn fleim Kampfe mit den Schlau⸗
gen verwundet werben, wieder aufhelfen. Daß das Schoͤllkraut +t})
*) Die neueren Naturforfcher Haben lange bald biefen, Kalb
jenen Vogel für den Ibis der Alten gehalten, ohne Gewißheit
erlangen zu Tünnen, bis Cuvier mehrere aus Aegypten ge
brachte Eremplare genauer unterfuchte und ben Ibis für einen
Grüel (numenius, courlis) erklärte und ihn numenius ibis
nannte. In Aegypten nennt man ihn jeßt gewöhnlich Abu
Hannes (Vater Johannes).
“) PB linius will fagen, der Ibis habe das Clyſtieren erfunden.
”*) Diotamnus == origemum diotammus, Diptamboſten. Vergl.
Behrficnli iR Hier ie gemeine Walgenfyinne (halangiam
+) inlich i die gemeine Walzenſpinne i
araneoidas), welche ſehr giftig iſt, gemeint,
ID Vermuthlich der gemeine Knorpellattich (abendrilla juncen),
\ Berg). DB. XXU, : 45, j
Tr) Celidonia ( Schwalbenkraut) = chelidonium maps, das ges
meine Schoͤllkraut. Vergl. B. XXV, Kap. 50,
Achtes Bud. _ | 953
für us tät fehr-zuträglich fey, Haben die Schwalben gelehrt,
welche damit bie kranken Augen ihrer Jungen heilen. 8. Die Schilb-
kroͤte ftellt durch den Genuß des Krautes Cunila,“) welches auch
Bubula heißt, ihre Kräfte gegen die Schlangen wieder her, und bie
MWiefel, wenn fie mit diefem auf der Mäufefagd in Kampf geräth,
durch die. Raute; **) der Storch Hilft ſich mit Doften ***) und bie
Eber Heilen ſich durch Epheu oder durch das Verzehren von Krebfen,
beſonders folchen, Die vom Meere ausgeworfen werben. Die Schlange
ſtreift, wenn ſich Sie Haut ihres Körpers während der Winterruhe
mit Schmuß überzogen hat, diefe Hülle durch den Saft des Fenchel
ab und erfcheint im Frühlinge in friſchem Glanze. 4. Sie flreift
fie aber zuerſt vom Kopfe ab und bringt mit dem Zuruͤckwickeln ber
felben nicht weniger als einen Tag und eine Nacht zu, fo daß zulekt
die Seite, weiche inwendig war, nach außen gefehrt iſt. Hat ſich in
dem winterlichen Verſtecke ihr Geſicht verdunfelt, fo reiht fle fih an
Senchelfraut ,}) beflreicht damit die Augen und flärkt fle dadurch
wieder; find aber die Schuppen Hart geworben ,. fo fragt fle ſich an
ben Nabeln des Wachholders. Der Drache ftillt das ‚im Frühlinge
ihn befallende Erbrechen durch den Saft des wilden Lattichs. ++)
Die Barbaren fangen die Panther mit Fleifch, das mit Gems⸗
*) Bergl. B. XIX, Kap. 50. B. XX, Kap. 61. Der Mangel
an näheren Angaben geftatiet nicht die genaue‘ Beflimmung
- dieſer Pflanze, wahrſcheinlich ift fle ein Pfefferfraut (sutureja).
**) Outa (vergl. B. XX, Kap. 51) = ruta graveolens.
**) Origeanum. Wahrſcheinlich origanum onites L., Syracufer- _
doften. Vergl. B. XXx, Kap. 67. : _
+) Marathron ; das griechiſche Wort für foeniculum.
TT) Laotuca silvestris — laotuca soariola L. \
‚954 C. Plinius Raturgeſchichte.
wurz, ) einem Giftkraute, beſtrichen iſt. Sie fühlen augenblicklich
ein Würgen in dem Schlunde, weßhalb von Manchen dieſe Gift⸗
pflanze auch Pardalianches ſPardelwuͤrger) genannt wird. 5. Das
Thier Hilft ſich dagegen durch Menſchenkoth, wonach ed ohnehin ſo
begierig iſt, daß ihn die Hirten abſichtlich in einem Gefälle Höfer
aufhängen, als es zu fpringen vermag und nach welchem es fo lange
Hüpft und fehnappt, bis es erfchöpft ift und zuletzt ſtirbt; übrigens
hat es ein fo zaͤhes Leben, daß es oft, wenn ihm ſchon die Eingeweibe
herausgerifien find, noch lange fortfämpft. Hat der Elephant mit
dem Laubwerk ein Chamäleon, **) welches ſich von dieſem in ber
Farbe nicht unterfcheibet, verſchluckt, jo wirkt er biefer für ihn gif⸗
tigen Speife durch ben Dfivenzeidel ***) entgegen. 6. Die Bären
lecken, wenn fie Alraunäpfel +) gefrefien Haben, Ameiſen. Der Hirſch
hilft fich gegen vergiftetes Futter durch Artiſchockenkraut. +7) Bon
dem jährlich eintretenden Uebelbefinden befreien fich die Ringeltauben,
die Kraͤhen, die Amfeln und die Nebhühner durch Lorbeerblätter,
die Tauben, die Turteltauben und Hühner burch ein Kraut, welches
Helxine +7}) Heißt, die Enten, bie Gänfe und die übrigen Waller
‚ vögel durch Gliedkraut, 79) die Kraniche und ähnliche Vögel
*) Aconitum = doronicum pardalianches L., gemeine Gems⸗
wurz.
e0) Von ihm wird weiter unten (Kap. 51) die Rebe ſeyn.
***) Oleaster (wilder Delbaum) — elaeagnus angustifolia, ber
- gemeine Ölivenzeibel,
7) Mandragorae mala, Beeren des giftigen Alraun (atropa
mandragore),. | Bi
77T) Herba oinara. Es gibt mehrere Arten.
110) Wahrſcheinlich eine Gitterbiftel (acarna). .
1°) Rideritie, Wahrſcheinlich sideritis hirsuta L. _
‚
Achtes Bud. . 955
durh Sumpfbinſen. Wenn der Rabe ein Chamäleon, das ſelbſt
feinen Beſitzer ‚gefährlich ift, getöbtet hat, fo zerflört er den Giftſtoff
durch Lorbeer.
XLII xVvm. 1. Außerbem gibt es noch tauſende ſolcher Dinge; ;
fo hat die Natur ja auch fehr vielen Thieren die Gabe, ven Himmel
zu beobachten und Wind, Regen und Ungewitter vorauszufagen, und
aubern wieber andere igenichaften gegeben, welche aber eben fo
wenig hier eingeln’erörtert werben koͤnnen, als die übrigen Beziehun-
gen, in welchen fle zu den einzelnen Menfchen fiehen. Sie verfünden
nämlich die Gefahr vorher, nicht nur durch ihre Musfeln und Ein-
geweide, um welche fich ein großer Theil der Sterblihen befümmert,
fondern auch durch fonflige Anzeigen. 2. If ein Gebäude dem
Einſtürzen nahe, fo wandern die Mäufe vorher aus und bie Spin
nen fallen mit ihren Geweben zuerft herab. Aus dem Vogelſchauen
bat man bei den Römern eine Kunft gemacht und das Prieſter⸗
Collegium genießt ver höchften Verehrung. In Thrazien bringt ber
. Buchs, ein fonft durch feine Schlauheit gefährliches Thier, Vortheil,
und man gebt erft dann über die zugefrorenen Flüffe und Seen,
wenn er den Weg darüber Hin und zurück gemacht hat. Man beobs
achtete, daß er fein Ohr an dag Eis legte, um bie Stärke der Cis⸗
decke zu erforfchen.
XLIM exxıx). uch Hat man nicht minder merfwürbige Bei⸗
jpiele von Unheil, welches fogar ganz verächtliche Thiere verurfacht
haben. M. Varro erzählt, daß eine Stadt in Spanien durch Kanin⸗
chen, eine andere in Theffalien von Maulwürfen untergraben‘, daß in
Gallien eine Gemeinde von Fröfchen und eine andere in Afrika von
Heuſchrecken verfcheucht, daß die Bevoͤllerung der Inſel Gyarus
[Sura], einge der Cycladen, von Maͤuſen vertrieben und Amyelä
[Terre di ©. Anaftaflo] in Italien von Schlangen zerftört worben
956 C. Plinius Naturgeſchichte.
ſey. Dieſſeits der eynamolgiſchen Aethioper ) dehnt ſich weit und
breit eine oͤde Gegend aus, deren Bewohner durch Scorpione und
Solipugen **) vernichtet wurden und die Mhätienfer ***) mußten nor
Afleln 3) die Flucht ergreifen. — Doch kehren wir jetzt wieder zu
den übrigen Thieren zurück. |
XLIV axs). 1. Daß die Hyaͤnen beiderlei Geſchlechts feyen,
‚abwechfelnd in einem Jahre Männchen, im andern Weibihen wer⸗
den, ++) glaubt nur ber große Haufen, Ariftoteles +17) aber fielli es
in Abrede. Der Hals fammt der Mähne läuft mit dem Rückgrade im
einem Stüde fort und kann fich nicht anders, als durch Umbrehung
des ganzen Körperd wenden. 1”) Außerdem erzählt man noch viel
Wunderbares 7**) von der Hyäne, befonbers aber, daß ſie zwifchen
den Ställen der Hirten die menfchliche Stimme nachmache, ben Na⸗
men eines ober des andern lerne, und den vor bie Thüre Gelodten
zerreiße; 2. ſodann, daß fle das Erbrechen des Menſchen nachahme,
am bie Hunde berbeizuziehen und dann über fie hergufallen, daß nur
*) Vergl. B. VL Kav. 35.
»2) Gehören die Solipugen nicht zu den fabelhaften Thieren der
j Alten, wie man faſt annehmen möchte, fo find fie vielleicht
eine Art Heuſchrecken, welche, bie Saaten zerftörten und da⸗
durch die Landesbewohner zur Auswanderung zwangen. -
») Vergl. B. V, Kap. 33.
+) Scolopendrae, Bandaſſeln, Hundertfüße.
71) Der Drüfenfad am Hinterleibe der Hyäne kann fehr leicht zu
biefem Glauben Beranlaffung gegeben haben.
it?) De generat. animal. III, 6. Hist. animal. VI, 32.
1”) Diefer Irrtum mag in der dichten Muskelmaſſe des. Halfes
der Hyäne, wodurch er ein etwas ſteifes Anfehen erhält, feinen
Grund haben.
Mas aber mit Ausnahme deſſen, was von dem Ausſcharren
ber Leichen gejagt wird, unwahr if. '
Achtes Buch. ir
allein dieſes Thier die Gräber aufwühle, um nach Leichen zu fuchen,
baf dad Weibchen- felten gefangen werbe, daß in den Augen ber
Hyäne die Karben auf taufenberlei Weiſe wechfeln und fpielen, ferner,
daß die Hunde fehon durch die Berührung ihres Schattens verſtum⸗
men und daß durch gewifle Zauberkünſte jebes Thier, welches fle drei⸗
mal gemuftert hat, auf die Stelle fefigebannt fey.
XLV. Durch. die Begattung mit diefer Tierart gebiert bie
Athiopifche Löwin das Crocut, welches ebenfalls die Stimme bes
Menfchen und des Viehs nachahmt. Es hat feſtſtehende Augen, anf
beiden Geiten des Mundes Fein Zahnfleifch,, fondern einen fort-
laufenden Zahnknochen, welcher , damit er nicht durch den Gegenſtoß
abgeftumpft werbe, in eine Art Kapfel eingefchloffen if. — Daß
auch das Mantichora in Aethiopien die menfchliche Stimme nach⸗
ahme, erzählt Saba. *)
XLVI. Die meiften Hyänen gibt es in Afrika, welches auch
eine Menge wilder Ejel**) hervorbringt. Bei dieſer Thierart ges
bieten einzelne Männchen über ganze Heerden von Weibchen; fie
fürchten die Rebenbuhler in ihrer Luft, bewachen deßhalb die Traͤch⸗
tigen und. entmannen durch einen Biß die männlichen Sungen. Die
Trächligen begeben ſich dagegen in Schlupfwinfel, fuchen heimlich
zu gebären und freuen ſich des Zumwachfes für ihre Kufl. ***)
*) Ueber die fobelhaften Thiere Grocuta und Mantichora, von
welchen weiter oben (Kap. 21 und 30) anderer Unfinn erzählt
wurbe, ift feine. weitere Bemerkung nöthig; es müßte denn bie
feyn, daß Plinius biefen aus verſchiedenen Echriftftellern ohne
Prüfung genommenen Unflun an wehreren Stellen mit Mo-
Diffetionen vorbringt und ſich dadurch ſelbſt widerſpricht.
**) Asinus silvestris = Onager.
+) Meil naͤmlich auf dieſe Beife mehr zur Befriedigung ihrer
958 C. Plinius Naturgeſchichte.
XLVII. Dieſelben Theile reißen ſich die pontiſchen Biber *)
bei draͤngender Gefahr ſelbſt ab, denn fle wiſſen, daß fie deßhalb ver⸗
folgt werden. Die Aerzte nennen es Bibergeil. Uebrigens hat das
Thier ein ſchrecklich ſcharfes Gebiß, faͤllt damit, wie mit einem eiſer⸗
nen Werkzeuge, die Bäume an ven Flüſſen und läßt ein Glied des
Menſchen, wenn es daſſelbe einmal gefaßt hat, nicht cher ans ven
Zähnen, ale bis die zerbrochenen Knochen frachen. Es hat einen Fiſch⸗
ſchwanz und im übrigen die Geftalt ber Fiſchotter.“) Beide find
Waflertbiere und beide haben ein Haar, das weicher ift als Flaum.
ILVII xxx. uch die Brombeerfröten, ***) welche auf dem
Lande fowohl als im Waſſer leben, tragen fehr viele Heilmittel in
fih, fie follen dieſe täglich von fich geben und durch ihre Nahrung
wieber erfeßen, das Gift aber ſtets bei ſich behalten.
XLIX. Das Meerfalb, +) welches ſich ebenfalls im Meere
Luft tangliche Männchen aufwachfen. — Der Inhalt diefes
Kapitels if übrigens mit Ausnahme der Entmannung wahr.
*) Fiber = Castor fiber, der gemeine Biber. Daß der Biber,
wenn er verfolgt werde, fich die Befchlechtstheile abbeige, um
dem Jäger dad Bibergeil (Castoreum) zurückzulaſſen, ift eine
Zabel. Wohl aber mag fich dieſes Thier öfter von biefer
ihm läftig werdenden Subſtanz, die ſich in einem an der Bor:
baut Hängenden Beutel befindet, durch Reiben an Steinen und
Baumſtämmen befreien, wodurch ed Veranlafiung zu ber lang⸗
geglaubten Babel gab. Was übrigens fonft bier von -bem
Biber gefagt wird, ift Wahrheit. “
**) Lutra == mustela lutra, gemeine Fiſchotter.
*%) Rana rubeta, Regen: ober Brombeerkroͤte, Teine eigene Gat⸗
fung, wofür man fle hielt, fondern nichts anders, als eine junge
gemeine Kröte.
7) Vitulus marinus — Phoca monachus, Moͤnchsrobbe, welche
allein ſich im Mittelmeer aufhält und ben Griechen und Roͤmern
‘
Achtes Buch. 959
and auf dem Lande aufhält, hat eine ähnliche Lebensweiſe und gleicht
auch durch feinen Naturtrieb dem Biber. Es bricht feine Galle,
welche zu vielen Arzneien dienlich iſt, und ein Lab, welches gegen die
Fallſucht Hilft, aus, weil es weiß, daß es deßhalb verfolgt wirh.
Theophraft”) erzählt, daß auch die Sterngäder **) ihren alten Balg
abſtreifen und ihn fogleich verfchfingen, um und dadurch ein Heil
mittel gegen die Fallſucht zu entziehen, ferner , daß der Biß derſelben
in Griechenland töbtlich, in Sizilien aber unſchaͤdlich fey.
L xxxm. 4. Auch die Hirfche find nicht frei von Neid, ***)
obſchon dieſes Thier das fanftefte von allen if. Werben fie. von
Hunden bebrängt,, fo nehmen fle fretwillig zu den Menfchen ihre Zu- .
flucht; ebenfo vermeiden ſie, wenn fle werfen, weniger die von Mens
fchen betretenen Wege , als abgelegene, von wilden Thieren befuchte
Orte. 7) Sie begatten ſich nach dem Aufgange des Arctur, T})
tragen acht / Monate und werfen zuweilen auch zwei Junge. Die
Hindinnen trennen ſich, fobalb fie trächtig geworden find, von ben
‘am beften befannt war. Was in diefem und den folgenden '
- Kapiteln von den Heilmitteln der Kröte, des Meerkalbs und
anderer Thiere gefagg wird, ift alter Aberglaube.
*) In der noch vorhandenen Schrift „Bon bem angeblichen Neide
der Thiere“ ; vergleiche die Einleitung zu diefem Buche.
) Stellio = Laoerta mauritanion Tarantola, Gecko, gemeiner
Sterngaͤcker. Dieſes harmloſe Thier iſt uͤbrigens nirgends
giftig
Beil fle nämlich, wie weiter. unten gefagt wirb, das rechte
Geweih, welches nad dem alten Aberglauben das Fieber
heilt, verfcharren, was übrigens eine Fabel if.
7) Eine durchaus falſche Meinung.
+44) Der Arctur geht nach Plinius og. XVIII. Ray. 74) ungefähr
a Tage vor der Herbftiaguntmachigleiche (23. Sept.) auf.
4
0 E. Plinius Naturgeſchichte.
Männchen; verlaffen toben dieſe in wüthender Luft und wühlen
Gruben ; ihre Schraube wirb alsdann ſchwarz, bis Regen fie wieber
abwaͤſcht. ) 2. Die Hindinnen reinigen ſich, bevor fle werfen, mit
einem gewifien Kraute, welches Sefel**) heißt, weil ihnen dadurch
die Geburt erleichtert wird, Nach der Geburt freffen fle zwei andere
Kräuter, Zehrwurz ***) und Sefel genannt, und Tehren danng zu
ihrer Brut zurüd; mit diefen Kräutern wollen fie ans irgend einer
Urſache die erſten Milchfäfte fchwängern. Die Jungen üben fie
alsbald im Laufe und Ichren fie, ſich zur Flucht anſchicken, führen fle
an Abgründe und zeigen ihnen den Sprung. Sind die Männden
yon der Brunſt frei, fo gehen fle gierig dem Geäfe nach; fühlen fle
ſich zu fett, fo fuchen ſie Schlupfiwinfel auf und geben dadurch zu er-
Fennen, daß ihnen bie Beleibtheit laͤſtig ſey. 3. Uebrigens ruhen fle
auch oft auf der Flucht aus und ſchauen ftilfiehend zurüc; Tommi
*) Die Färbung der Schnauge ift Folge der innern Gluth und
verliert fich ſobald die Brunftzeit vorüber iſt und der Hirſch
wieder dem Geaͤſe nachgeht. .
**) Seselis — Seseli tortuosum L., Büfchelblättriger Sefel, ver:
drehter Berafenchel (vergl. B. X2y Kap. 18). Man gebraucht
ibn jept noch zur Beförderung ver Berbauung und der Geburt.
— Daß fich übrigens die Hindinnen vor und nad) dem Werfen
mit Kräutern reinigen, ift eine alte Fabel.
***) Aros — Arum maculatum, gemeine Zehrwurz, Aronsflab,
Magenwurz. — „Wenn die Hindin, fagt Krifoteles (Hist.
animal. IX, 6) geworfen hat, frißt fle zuerft die Nachgeburt
(xde10r), dann fucht fie Seffel und frißt davon, worauf fie zu
ihrer Brut zurüdfehrt.“ Plinius, behaupten manche Erflärer,
babe offenbar dieſe Stelle vor Mugen gehabt, fle aber miß-
verfianden und das Wort "yogıov für einen Pflanzennamen
genommen. .
)
Achtes Bud. * 861
man ihnen aber nahe, ſo ſuchen ſie ihr Heil wieder in der Flucht.
Die Urſache des Stillſtehens iſt ein Schmerz im Eingeweide, welches
ſo ſchwach iſt, daß es ſchon durch einen leichten Stoß inwendig zer⸗
reißt.“) Sie entfliehen, wenn ſie Hundegebell hören, ſtets mit dem
Winde, damit mit ihnen auch die Spur verſchwinde. Durch Schal⸗
meyenton und Geſang werben ſie Firte; recken ſie die Ohren, ſo haben
fie das feinſte Gehör, laſſen fie dieſelben aber herabhaͤngen, ſo find
ſie taub. Im Ganzen iſt der Hirſch ein einfaͤltiges Thier, das jedes
Ding als ein Wunder angafft, das ſogar, wenn ein Pferd oder eine
Kuh in ſeiner Nähe ſteht, den neben ihm jagenden Menſchen nicht
ſieht, oder wenn es ihn ſieht, auch noch Bogen und Pfeile anſtaunt.
4. Ueber das Meer ſchwimmen die Hirſche herdenweiſe, und zwar in
einer langen Reihe, indem jeder den Kopf auf das Hintertheil des
vor ihm befindlichen legt und die vorberen dann abwechſelnd immer
wieber hinten hin kommen. Man bemerkt dieſes beſonders an denen,
weiche von Cilicien nach Cypern überſetzen.“) Sie fehen das
Land nicht, fondern ſchwimmen dem Germche befielben nach. Die
Männden haben Geweihe und allein von allen Thieren ***) werfen
fie diefe jeves Jahr im Frühlinge zu einer beftimmten Zeit ab; deß⸗
halb fuchen fie: auch zu dieſer Frift möglichft einfame Orte, wo fle
nach nem DVerluft ihres Geweihs gleichwie Waffenlofe flch verbergen.
Aber auch fle gönnen uns ihr Gut nicht, denn das rechte Geweih,
*) Eine ver vielen unbegründeten Behauptungen in der alten
Naturgeſchichte.
**) Bergl, Arllans Thiergeſchichte, B. V, Kap. 56.
eee) Verfrunde bier Plinius die so Battung der Hirſche (vervi),
wozu auch der Damhirfſch, das Rennthier u. ſ. w. gehören, fo
Hätte ex wohl Recht, ba er aber ı nur ben eigentlähen Hirſch
(oervus elaphus) meint, fo iſt er im Rrthame.
962 C. Plinius Naturgeſchichte.
welches mit einer gewiſſen Heilkraft begabt iſt, ſoll man nie ſinden,
worüber man ſich um fo mehr verwundern muß, als, fie auch in ben
Tpiergärten jährlich ihr Geweih abwerfen; man glaubt, daß fle es
vergraben. 5. Durch den Geruch beiver Geweihe läßt fih, wenn
man fle anzünbet, die Fallfucht erkennen”) An ihnen tragen fle
auch die Kennzeichen ihres Alters; indem fe jebes Jahr ein Ende
anſetzen, bis fie ſechs Jahre alt find. **) Bon diefer Zeit an ers
neuern fle fich in gleicher Anzahl und man kann daran das Alter nicht
mehr wahrnehmen; ein hohes Alter verräth fich aber au den Zähnen,
denn fle haben alsdann deren nur wenige oder gar keine, auch fehlen
ihnen an bem unteren Geweihe die Zinfen, welche gewöhnlich den jünge-
ren an ber Stirne hervorragen. Berfchnittenen fallen die Geweihe nicht
ab, es wachfen ihnen aber auch Feine foldhe. *"*) 6. Wenn biefe
übrigens aus den frifch entſtehenden Beulen hervorbrechen, fo gleichen
fie zuerſt duͤrrer Haut, und wachfen dann zu zarten Kolben heran,
die gleich Rohrrifpen mit einer weichen Wolle bekleidet ſind. So
lange ihnen biefe fehlen, gehen fie nur des Nachts dem Geaͤſe nach,
während des Wachſens härten fle diefelben an der Sonnenhige und
2) Daß fie alten Nachrichten über das Bemühen bes Hirfches,
fein rechtes Geweih zu verbergen, fo wie über die beiden Ges
weihen einwohnenden Kräfte aller Wahrheit entbehren, bebarf
wohl faum einer Bemerkung,
»N Erſt nach ben achten Jahre feßt der Hirfch Feine Enden mehr
an. Nach dem erften Jahre fproflen ihm blos einfache Spieße
hervor, nach dem zweiten die erflen Enden (Gabel), dann
fommen nach jedem Jahre gewöhnlich zwei neue Enden Hinzu,
. bis zum achten Jahre, in welchem die Zahl unbeſtimmt wird.
ID. 5., wird der Hirſch verfchuiften, wenn er ſchon ein Geweih
bat, fo verliert er dieſes nicht, fehlt ihm aber noch das Ge⸗
weih, fo bekommt er auch feines,
‘
Achtes Bud. 963
prüfen fie zuweilen an den Bäumen; dunkt ihnen ihre Stärke hin⸗
reichend, fo fommen fle wieder aus ihrem Verſtecke hervor. Men
hat deren fchon gefangen, welchen Epheu an dem Geweih blühte,
der, fo lange ed noch weich war, durch das Reiben an den Bäumen
beim Verſuchen, tn demfelben, wie in Holz, Wurzel gefchlagen hatte.)
7. 88 finden ſich manchmal auch weiße Hirfche; biefe Farbe fol auch.
vie Hinbiun bed Q. Sertorius gehabt haben, welche diefer Bei den
Volkern Spaniens für eine Wahrfagerin ausgab.“) Auch diefe
Thiere leben im Streite mit den Schlangen; fie fpüren bie Löcher
verſelben auf und ziehen ſie, ſo ſehr ſie auch widerſtreben, durch das
Schnuͤffeln ihrer Naſe heraus. Deßhalb iſt auch der Geruch von
gebranntem Hirſchhorn ganz beſonders gut zur Vertreibung der
Schlangen; gegen den Biß derſelben aber iſt ein Haupimittel, das
Lab eines im Mutterleibe getöbteten Hirſchkalbes.“) Die Hirſche
haben⸗ anerkannt ein langes Leben, wie denn hundert Jahre fpäter
deren einige mit goldenen Halsketten gefangen wurden, die ihnen
Alexander der Große angelegt, und die bereits, da ſich unterdeſſen
viel Fett angefebt hatte, von der Haut bedeckt waren. }) 8. Diefes
.?) Dürfte ſchwer zu beweiſen fenn.
*9) Er full fle von einem Lufitanier (Portugiefen) erhalten haben,
berebete aber die Spanier, fle ſey ihm von den Göttern zus
geſchickt worden und theile ihm durch Eingebung der Diane,
welher ber Hirfch heilig war, die Zufunft und Was er und die
Spanier thun follten, mit. Bergl. Aul. Gallius, XV, 22.
Valer. Maximus, I, 3.
) Alte Fabeln, bie feiner Widerlegung bedürfen.
+) Das lange Leben des Hirfcheg ift eine auf unrichtigen Vor⸗
ausſetzungen beruhende Annahme, bie ſchon Arifioteles (Hist:
Sa. h 8) bezweifelte.. Das Thier wird hochnens vierzig
ahre a
—
964 C. Plinius Naturgeſchichte.
Thier bleibt von Fieberkrankheiten verſchont, ja es heilt ſogar bie
Furcht vor denſelben; wenigſtens wiſſen wir, daß einige vornehme
Frauen, welche täglich des Morgens Hirſchfleiſch zu eſſen gewohnt
waren, während ihres langen Lebens nie vom Fieber befallen wurben ;
doch foll dies Mittel nur dann zuverläffig feyn, wenn ber Hieſch
durch eine einzige Wunde getöbtet worden ifl. *)
axxxar. Bon hleicher Geſtalt, mur durch einen Bart und Zoten
am Vorderbuge unterſchieden, iff der fogenannte Tragelaphus (Bork-
hirſch), welcher. nirgends als am Fluffe Phafls [Bion] einheimifih
if. .) . f
LI. 1. Faſt nur allein Afrika bringt feine Hitſche hervor, **)
Dagegen hat es den Chamäleon, 7) obſchon diefer in Indien noch
haͤufiger if. Er Hat die Geſtalt und die Größe einer Cidechſe, nur
finb die Beine gerade und höher... Die Seiten find mit dem Baudhe
verbunden, +}) wie Bei ven Fiſchen, und wie bei dieſen ragt ber
Rückgrath hervor. Der Rüffel iſt im Kleinen dem eines Schweines
*) Auch diefen Unfinn glaubt jetzt Niemand mehr.
*) Der Tragelaphus, von Ariftoteles (Hist. animal. II, 5) Gips
pelaphus (Pferdhirſch) genannt , ift entweder ber noch in Ben
galen einheimifche Cervus hippelaphus Cuo., oder noch wahr:
fiheinlicher der Cervas Aristotelis Cuo., weldyer noch in den
Gebirgen des nörblichen Indiens angetroffen wirb und recht
wohl von da bis zum Phafls gefommen feyn kann. Bergl.
G. Guvier’3 Recherches sur les ossemens fossiles, Paris.
1835. 8. Tom. VI, p. 77—85.
9 Afrika hat wirklich den eigentlichen Hirfch nicht, Die Berberei
aber den Damhirſch. Wenn Reifeberichte über Afrika von
Hirſchen veben, jo Hat man barımter Gazellen zu verſtehen.
„D Lacerta chamaeleo ; Rolleidechſe.
D. 5, feine Rippen bilden ganze Zirkel.
’ . 0
1 ⸗
nicht maͤhnlich, der Schwanz ſehr groß, dünn auslaufend und widelt
ſich wie bei den Schlangen in Kreiſe zufammen. Gr hat einwaͤrts
gebogene Krallen, einen Irägen Gang, wie bie. Schildktote, und
einen. rauhen Körper, wie ber Krokodil. Die Augen liegen in einer
hohlen Bertiefung, nur wenig von einander, find fehr groß und haben
mit dem Körper gleiche Farbe. Er fchließt fle nie und kann nicht
durch die Bewegung des Augenſterns allein, fonbern nur durch das
Drehen des ganzen Auges umfehen.”) 2. Er trägt den Kopf hoch,
mit fiets offener Schnauze und naͤhrt ſich allein von allen Thieren
nicht von Speife und Tranf, fondern einzig und allein von Luft. **)
In der Nähe wilder Feigenbäume***) if er bösartig, fonft aber
unſchaͤdlich. Noch wunderbarer ift er durch die Gigenfchaft feiner
Farbe, denn er wechfelt dieſe Häufig an den Augen, am Schwanze
und am ganzen Körper und zeigt ſtets die Farbe, die er zunaͤchſt be⸗
rührt, +) die rothe und weiße jedoch ausgenommen. Nach feinem Tode
*) Statt der beliebig zu hebenden und zu fenfenden Augenbrauen
bedeckt ein koͤrniges Fell die Augen des Chamäleond und folgt
alten Bewegungen derfelben. In dem Zelle ift eine Horizontale
Spalte, durch welche man einen lebhaften, glänzenden und wie
mit Gold eingefaßten Augenftern erblidt. Plinius nimmt
hier Def dieſes Fell für bad Auge ſelbſt. Gin ſehr verzeihlicher
29 Diele! Meinung wurbe wohl durch die ungeheuer große Lungen -
des Ehamäleons veranlaßt. Er lebt von Infeften.
»ee) Diefe Erklärung der Worte eirca coaprificos ift wohl die nafürs
lichſte, obſchon bie Behauptung ſelbſt falſch if. Hardouins
Auslegung, nad) welcher ciroa capriflcos fo viel heißen foll,
als circa onprifiontionem (um die Jeigenreife) laͤßt ſich weder
ſprachlich 10% natur hiſtoriſch rechtfertig en.
+) Der Chamäleon wechſelt, wie die übrigen Eidechſen mit groben
Lungen, die Garde, je nach feinem Bemäthöynfanke, feineds
€. Blinins Naturgeſch. 80 Bhan.
966 €. Plinius Naturgeſchichte.
iſt er bleich. Nur am Kopf, an den Kinnbacken und au der Schwanz⸗
wurzel bat ex einiges wenige, an dem übrigen Körper aber kein
Sleiſch.) Blut Bat er nur im Herzen, und um bie Augen")
unter den Eingeweiden findet fich Feine Milz.) In den Winter⸗
monaten hält er flch verborgen, wie bie Cidechſen.
LIE). 4. Die Farben werhfelt auch der Tarandus ber
Scythen, +) fonf aber von ben behaarten Thieren weiter feines, als
der Lycaon in Indien, tr) deffen Hals mit einer Maͤhne verfehen
wegs aber nach dem Gegenſtande, welchen er berührt: Er
nimmt nach Cuvier, welcher ihn wiederholt beobachtete, eine
gelbe, grüne, braune und ſchwarze Färbung an, nie aber eine
vollfommen rothe oder vollfommen weiße.
*) Die Musfeln des Chamäleons find fehr winzig, doch bat er
beren an allen Körpertheilen, wo fle ſich auch bei ben übrigen
Eidechfen finden, nur find fle an den angegebenen etwas bider
als an den übrigen.
**) Der Chamäleon hat zwar wenig Blut, aber überall; nad
feinem Tod fammelt es fih um dad Herz. _ —
“e) Auch eine Milz hat der Chamäleon, ſie ift aber nicht groͤßer
als eine Linfe und entging deßhalb der Wahrnehmung der
‚alten Naturforfcher. _ Ä
+) Plinius wirft bier Gigenfchaften des Rennthiers (cervus
" tarandus) und des Elenthieres mit alten Fabeln zufammen ;
nimmt man aber die Größe des Ochfen und die zu vielfältige
Sarbenänderung von der Befchreibung hinweg, jo kann man
das Rennthier nicht verfennen. Die Färbung des Rennthiers
iſt im Sommer braun, im Winter weiß. _
TI) Wahrfcheinlich der Lycaon, der Jagdleoparbe (felis jubata),
welcher eine Art Mähne auf dem Halfe hat, fein fähler Belz
vol ſchwarzer Tüpfeln mag zu der Sage vom Farbenwechfel
: Beranlaflung gegeben haben. . |
Achtes Dub. 887
ſeyn foll; denn die Thos ) (eine Wolfart, welche Sich. jedoch durch
einen Tärzeren Körper und kuͤrzere Beine unterſcheidet, ſchnell ſpringt,
vonder Fagh lebt und dem Menfchen-unfchäblich iR) ändern die Bes =
Heidung, aber nicht die Jarbe und find. im Winter behaart, im Som⸗
mer aber nackt. 2. Der Tarandus hat die Größe eines Ochſen;
fein Kopf ift dem des Hirſches nicht nnaͤhnlich, aber größer, Hörner
äftig, Klauen gefpalten,,. Haare fo groß wie beim Bären. Geine
eigenthüntliche Farbe, wenn es ihm beliebt, biefe anzunehmen, gleicht
der be feld. Sein Rückenfell ift fo heart, daß man Bruſtharniſche
daraus macht. Er nimmt die Farbe aller Baͤume, Straͤuche Blumen
und Orte an.wo er furchtſam verſteckt liegt und wird deßhalb ſelten
gefangen. Eine fo vielfältige Veränderung des Ausſehens wäre
fchon an dem Körper wunderbar, noch wunderbarer aber iſt es, wenn
dieſes auch mit dem Haare der Fall iſt.
LIII xxxv. Stacheiſchweine bringt Indien und aAfrika her⸗
vor; ſie find mit Stacheln bedeckt und gehören zum Geſchlecht der
Igel; die Stachelichtweine haben jedoch längere Stacheln und können
diefe, wenn fle die Haut anfpannen, losſchießen. Es durchbohrt
damit die Schnauze ber es bebrängenden Hunde. und fihlenbert fie
auch noch etwas weiter. **) In den Wintermonaten verbirgt es ſich;
welche Bigenfchaft viele Thiere haben, vor allen aber bie Bären.
*) Der Thos kann wohl Fein auderes Thier feyn, als der Schafal
(anis aureus), auf welchen die Befchreibung am Beften paßt.
* Das Stachelſchwein (hystrix cristata) ſtraͤubt, wenn es ver⸗
folgt wird, ſeine Stacheln, welche es aber nicht Yon fich ſchießen
kann; da ſie ihm übrigens leicht ausfallen und oft in der Haut
der angreifenben Hunde ſtecken bleiben, jo kann man ſich dieſe
Meinung der Alten leich erklären.
J
968 C. Plinius Naturgefhihte.
IAV axxım. 1. Die Begattung der letzteren geſchieht zu Ans
fang bed Winters, jedoch nicht auf die gewöhnliche Weile der vier
füßigen Thiere, ſondern indem beide Liegen und ſich umfaßt Kalten.
Sie leben darauf getrennt in befonderen Höhlen, worin fle am
breißigfien Tage hoͤchſtens fünf Junge werfen.) Diefe find ein
weißer unförmlicher Fleiſchklumpen, etwas größer als eine Mans,
ohne Augen und Haar, an ber nur die Klauen hervorragen und bie
fie allmälig durch Lecken geftalten.**) 2. Nichts iR feltener, als
eine Bärin werfen zu fehen. **) Die Männchen bleiben nämlich
vierzig Tage, die Weibchen aber vier Monate verborgen. Wenn ſie
feine Höhle finden, fo erbauen ſie fi folche aus aufgefchichteten
Heften unb Sträuchen fo gut, daß der Regen nicht durchdringen fan,
und befireuen fie mit weichem Laub. In den erften zweimal fleben
Tagen liegen fle in einem fo feflen Schlafe, daß fie nicht einmal
durch Verwundung geweckt werben können. Während biefes langen
Schlafes werben fie erſtaunlich fett, dieſes Fett ift zu Arzneien brauch⸗
bar und wirkfam gegen das Ausfallen der Hagre. +) Nach biefen
*) Die Bären paaren ſich im Juni gerade fo, wie andere Thiere
und werfen nach 7 Monaten 1 bis 3 Junge. Uebrigens fommt
in dieſem Abfchnitt über die Bären (ursas arctos) auch Mans
ches vor, was früher bezweifelt, von Naturforfchern ver neue⸗
ften Seit aber volllommen richtig befunden wurde, wie aus den
folgenden Bemerkungen zu erfehen if.
*) Die jungen Bären find bei der Geburt nur acht Sof lang,
ua, ber vollkändig ausgebildet.
*) Da bie Bärin während bes Winters, wo fie verborgen If,
wirft, fo iſt dieſe Behauptung fehr wahr; nur in Menagerien
. man fie biö jet werfen fehen.
1) Berg. weiter unten 8. XXVIiI, Rap. 46. Noch Beutzuiage
ird in Paris Pomade aus Bärenfett feilgeboten.
Achtes Bud. 969
Kagıs ſthen fie und leben vom Sangen an ven Borberisgen.*) Die
frierenden Jungen erwärmen fie durch Andrücken an ihre Bruft und
brüten fle gerade fo, wie die Bögel ihre Bier. 3. Theophraſt glaubt,
was gewiß wunderbar iR, daß um dieſe Zeit fogar gekochtes Bärens
Heifch , das man aufbewahre, wachſe, **) daß man dann feine Ans
zeichen von Speife und nur aͤußerſt wenig Feuchtigkeit im Magen .
Funde und nur wenige Tropfen Blut um das Herz, in dem übrigen
Körper aber feines antreffe. Im Frühjahre kommen fle wieder zum
Vorſchein, die Männchen aber aͤußerſt fett, wofür fich feine Urſache
angeben läßt, da.fie ſich nicht einmal während des Schlafes, der, wie
gelagt, ‚nur vierzehn Tage bauert, mäften koöͤnnen. Wenn fie bie
‚Höhle verlaffen ‚ fo freflen fle, um ihre zufammengezogenen Einge⸗
weide zu erweitern, ein Kraut, welches Aron ***) heißt, und finmpfen
zuerſt ihre Sahufpipen an jungen Baumſtaͤmmen ab. 4. Ihre
» °) Die Bären fangen Ziruich ſehr hänfig an ben Borbertaßen,
aber fie leben nicht davon
e) Der Glaube Fheophraf, wenn Plinius dieſen witklich richtig
verſtanden hat (vergl. die Ueberſicht der in dieſem Buche be⸗
nützten Schriftſteller), bedarf wohl keiner Widerlegung; richtig
iſt —— daß der Magen des Baͤren am Ende ſeines Winter⸗
ſchlafes leer iſt.
***) Arum, Zehrwurz. Vergl. B. XXIV, Ray. 92.
3). IH folge Hier nicht der gewöhnlichen Interpretation, die mir
gegen den Sinn der einzelnen Worte zu ſtreiten ſcheint. Wenn
man lange nichts gegeſſen hat, ſo ſcheinen die Zaͤhne eher
laͤnger und ſpitzer zu ſeyn, als ſtumpf und an ein Schaͤrfen iſt
alſo nicht zu denken. — Der Glaube, daß die Büren ihre
. Zähne abflumpfen, mag übrigens darin feinen Grund haben,
dag dieſe Thiere bei der ‚erfien fehmerzuollen Entledigung des
Unraths im Srühjahre ſich an bie Bäume Hammern, and man
daher viele eberfelben zerkratzt findet,
970 C. Plinius Naturgeſchichte.
Augen werben leicht bloͤde, ans welcher Urſache hauptfaͤchlich fie auch
bie Honigwaben auffuchen, damit ſie von ven Bienen an der Schzanze
verwundet unb durch die Blutentleerung von jener Beichwerbe befreit
werben. *) Das Schmwächfte am Bären iſt ber Kopf, was am Löwen
daB Staͤrkſte iR; fie bedecken ihn daher, wenn fie fich bei draͤngender
Gefahr von einem Felfen heradflürzen wollen, im allen mit ben
Tagen; und oft flürzen fie auf dem Kampfplatz durch einen einzigen
Sauftfchlag tobt nieder. In Spanien glaubt man, ihr Gehirn ent
Halte Giftſtoff und verbrennt die Köpfe der bei den Kampfipielen ges
töbteten, in der feſten Ueberzengung, daß ein daraus bereiteter Tranf
die Baͤrenwuth verurfache. **) . Sie gehen auch auf zwei Füßen une
flettern rüdllings die Bäume. herab, ***) "Den Stieren Gängen fie
fih mit allen Vieren an Maul und Hörner und überwältigen fie fo
durch Ihe Gewicht; wie denn fein anbexes Thier In feiner Dummheit
zur Schadenzufügung geichiekter if. — In den Annalen if aw
gemerkt, daß unter dem Konfulate des M. Pifo und des M. Meffala
461 vor Chr.] am vierzehnten Tage vor ‚den Kalenden des Oklobers
[18. September] der curuliſche Aedil Domitius Ahenobarbus Hundert
mmidiſche Bären und ebenfo viele äthiopifche Jäger in ben Cireus
gebracht habe. Ich wunbere mich über den Zuſatz „numibifche”, ba
es doch feſtſteht, daß der Bär in Afrika nicht einheimifch IR. +)
*) Die Bären leiden nach Cuviers Beobachtung wirklich Häxfig
an Angentranfheiten und werben nicht felten Blind; daß fle
aber zur Abhülfe diefes Uebels den Bienenſtöͤcken nachgehen,
iſt eine grundlofe Behauptung.
*®) Gine lächerliche Fabel,
**) Gine auch von neueren Naturforfcehern gemachte Beobachtung.
1) Man bat bis auf die nenefte Zeit noch feine Gewißheit, ob es
. in Afrifa Bären gibt, oder nicht. Vielleicht ift hier der Dabuh
Oder Dubbah (Gyäne), der an Größe und Geſtalt am meiſten
em Wolf gleicht, gemeint. :
\
ag Bug, E 971
. .LVaxivım... Im Winter verbergen ſich auch bie yontifchen
Mänfe; diefe find nämlich weiß; woher aber die Schriftfleller wiflen,
ba fle den feinſtſchmeckenden Ganmen haben, beareife ich nicht. *)
Auch die Alpenmaͤuſe, welche die Groͤße des Dachies haben , verber:
gen ſich, jeboch erſt, nachdem fie Futter in ihre Höhle gebracht haben,
und zwar, wie man erzählt, indem ſich Mäunchen und Weibchen
eines um das andere, auf dem Rüden liegend unb einen Büſchel
Gras über fi feftyaltend, mit den Zähnen am Schwanze faflen und
wechfelfeitig nach der Höhle ziehen laflen, weßhalb auch zu jener Zeit
ihr Rüden abgerieben fey. **) — Huch in Heäypten gibt es gleiche
Mänfe; fle ſitzen ebenfalls auf den Hinterbaden, geben auf zwei
Füßen and gebrauchen die vorderen wie Hände. ***) -
LVI 4. Auch die. Igel fehaffen ſich für den Winter Futter
herbei; fe wälzen ſich auf ven abgefallenen Baumfrüchten , fpießen -
fie mit ihren Stacheln auf, +) nehmen dann noch eine in ihre
Schnauze und tragen fie in hohle Bäume. Wenn fie ſich in ihr.
Bager verbergen, zeigen fle dadurch bas Umfpringen des Windes aus
Die pontiſche Dans iſt obn⸗ Zweifel das gemeine Zieſel (aroto-
mys oitellus), welches in Rußland Susht heißt. Sein Pelz
iſt übrigens nicht ducchauaveiß , fondern braun, mit weißen _
Dupfen und Streifen.
») Mus alpinus Plin. — arotomys alpine, „gemeine Murmel⸗
thier, Harmotte. Es hat aber weder die Größe des Dachſes,
noch trägt es das Futter auf die angegebene Weile in feine
öhle
) —— meint bie aͤgyptiſche Springmaus (dipus aegyptius),
Jerboa.
) Buffon en Art und Beil, die Lebensmittel einzuſam⸗
melnu, in
”
972 C. Plinius Naturgeſchichte
Norden nach Süben au, *) Merken ſie aber einen Jäger, ſo ziehen
fie Kopf, Züße und ben ganzen untern Theil, der nur mit eimer
dünnen und unfchäblichen Wolle verfehen if, ein und vollen ſich im
Geſtalt eines Balls zufammen, fo daß man nicht als Stacheln jaflen
fann. 2. In der Verzweiflung laffen fie auch einen beizenden Hcrn,
der ihr Fell und ihre Stacheln, weßhalb fie, wie fle wohl willen, ges
fangen werben, verdirbt. -Die Kunft beſteht demnach darin, fie erfi
dann zu jagen, wenn fie vorher den Harn ausgeleert Haben. Nur fo
ift fein Zell von vorzüglichem Werthe, fonft aber verborben un) uns
haltbar, mit faulenden und ausfallenden Stacheln,, ſelbit wen ex,
durch bie Flucht gerettet, fortlebt; darum übergießt ex ſich aur, wem
alle Hoffnung dahin ift, mit biefer fepäblichen Jauche, deun er verab⸗
ſcheut felbft fein eigenes Gift und erwartet aus Schonung für ſich
fo lange deu entjcheidenden Augenblick, daß er gewöhnlich vorher m
Befangenfchaft geräth. 3. Der in einen Knaͤuel zufanınengerolite Igel
öffnet ſich durch Anfprengen von heißem Waſſer; **) darauf nimmi
man ihn an einem ber Hinterfüße, hängt ihn auf und luaͤßt ihn Hau⸗
gers flerben; anders Tann man ihn, wenn man fein Kell ſchonen
will, nicht tüdten. Das Thier ift nicht, wie wir meift glauben, im
menfchlichen Leben überflüfflg, wären jene Siacheln nicht, fo wäre
bie weiche Wolle der Schafe. dem Menfchen vergebens gefchenkt,
denn mit diefem elle bürſtet man Me Kleider. **) Der Betrug Hat
) Newere Naturforfcher haben diefe Beobachtung nicht gemacht.
: *°) Nach Buffon iſt e8 gleichgültig, ob man ihn in heißes ober
faltes Wafler wirft.
.*. Ich kann ber Meinung Buffons und Anderer, daß die Alten
ſich der Igelfelle zum Karben der Wolle bebienten, wozn wir
jebt die Karbeudiftel (diepacus fullonum) anwenden, wicht
theilen, denn Plinius fpricht von ber verarbeiteten Wale, von
Achtes Bub. 973
auch hierin durch den Alleinhandel einen großen Gewinn gefunben ;
über keinen Gegenfland liegen häuflgere Senatsbeſchlüſſe vor und
fein Kaiſer blieb mit Klagen barüber aus den Provinzen unbeflürmt.
LVI axıvım. 1. Auch der Harn zweier andern Thiere bat
eine wunderbare Beſchaffenheit. Lowentoͤdter heißt, wie ich Höre,
ein Heines Thier, welches fonft nirgends vorkommt, als wo auch der
Löwe einheimifch if; es hat eine ſolche Wirkung, baß auch ber Bes
herrfcher ber-übrigen Vierfüßer, wenn er davon genießt, fogleich
Rechen muß. Die „welche auf den Löwen Jagd machen, roͤſten deß⸗
yalb das Wleifch jenes Thieres, befireuen damit anderes Yleifch und
öbten ihn fo noch durch bie Aſche; fo fchäblich iſt ihm biefes Gift,
dicht mit Unrecht verabfcheut der Löwe biefed Thier und zermalmt
nd töbtet ed, wo ed ihm zu Geſicht kommt, jedoch ohne es zu beißen,
nes dagegen ſpritzt ſeinen Harn aus, weil es weiß, daß dieſer auch
m Löwen ben Tod bringt. *)
2. Der Harn, welchen bie Luchfe**) da, wo fie einheimifch find,
fen, gefriert ober verhärtet zu Cdelſteinen, welche dem Carfunkel“ )
alich find, einen fenerfarbenen Glanz haben und Luchsſtein (Lyn⸗
Kleidern. Die Kleider der Reichen beſtanden aus Tüchern
mit fangen Haaren (vestes pexae), welche gekaͤmmt und glatt
gebürftet wurben (Martial. II, 58. VII, 45/-Horat. Epist. I,
. 95. Seneon de vit. beat. o, 25). Zu biefem Zivede nun
—8 wohl die Igelfelle gebraucht.
Daß der Löwentödter (loontophonus) und alles von ihm
®efagte Sirugefpinnfte find, braucht wohl kaum bemerkt gu
werden.
Felis Iynx. Auch das über den Luchs hier Mitgetheilte iſt
eine abgeſchmatkte Fabel.
Vergl. B. XXXVIL un 25.
974 €. Blinius Naturgeſchichte.
curium) ) genannt werben; weßhalb auch die Neiſten vorgeben, ver
Bernftein entſtehe auf diefelbe Weiſe.““) Die Luchſe Tonnen um
wiſſen dieß und bedecken deßhalb neibifch ihren Harn nit Erbe, wo⸗
durch er aber nur um ſo ſchneller verhaͤrtet.
LVIII. Eine andere Lift brauchen in der Augſt bie Dachſe, )
inbem fle durch die Ausbehnung ihrer aufgeblähten Haut die Schläge
ber Menfchen und die Biſſe der Hunde abwehren. — Auch die Eichhoͤrn⸗
then +) fehen das Unwetter voraus; fle ftopfen ihre Höhle auf ber
Seite, woher ver Wind wehen wird, zu und machen auf der andern
das Loch auf; übrigens dient ihnen ihr langhaariger Schwanz als
Decke. — Binige Thiere alfo fehen fih für den Winter mit Futter
‚ bor, aubern dient der Schlaf ſtati Nahrung.
LIX. 1. Bon den Schlangen follen fi allein bie Vipera +f)
in dje Erde verbergen, bie übrigen aber i in Baum⸗ und Felſenloͤchern.
nebrigens kounen fle fogar einen jahrelangen Hunger überbauern,
wenn nur bie Kälte hinwegbleibt. Alte find zu der Zeit, während
fle in der Berborgenheit ſchlafen, giftlos.
2. Auf gleiche Weiſe fchlafen auch die Schnecken und ſogar auch
noch einmal im Sommer, indem ſie meiſt an Steinen haͤngen und
ſelbſt, wenn man ſie mit Gewalt zurückbeugt und losreißt, nicht her⸗
auskommen. Auf den baleariſchen Infeln kriechen die fogenaunten
Hößlenfäneiten nicht aus den Erdhoͤhlen heraus, leben auch nicht
*) Bergl. B. XXXVII, Ray. 11.
*) Ueber den Bernftein vergl. B. XXXVIL, PR 11.
) Meles — meles taxus. Die hier dem Dadıfe und bem @ich-
hoͤrnchen beigelegten Eigenſchaften find alte Babeln.
T) Selurus — seiuras vulgaris.
TI) Man hält die gemeine Biye (rigera red#i) für bie ben Alten
a meiften belaunte.
\
Adhtes Buch. 878.
vom Gus, ſondern Hängen tranbenattig an einander. 6 gibt auch
eine andere minber gewöhnliche Art, vie ſich mit einem an ihrer
Ohaale befindlichen Deckel einfchließen ; *) fle ſiecken flets in ber
Erbe und wurden früher nur in der Gegend der Seealpen ausges
graben ; jeht fängt man auch au, deren im Beliternifchen Velletriſchen]
zu Tag zu fördern ; die Gepriefenften von allen gibt es aber auf der
Infel Aſtypalaͤa [Stampalia].
LX. Die Eidechfen, das ven Schneden feindfeligfte Gefchlecht,
ſollen ihr Leben nicht über ein halbes Jahre bringen. Die Eidechfen
Krabiens find eine Elle lang ;**) auf dem Berge Nyfa ***) in Indien
ıber erreichen fie eine Länge von vierundzwanzig Fuß +) und Haben
ine gelbe, roͤthliche oder blaͤnliche Farbe. |
LXI ıxı,. 41. Auch von denjenigen Thieren, welche mit une
eben, find viele werth, näher gefannt zu werben, befonders bie vor
en dem Menſchen getreueften, der Hund und das Pferd. Gin
and Fämpfte, wie wir erzählen hörten, gegen Räuber für feinen
eren und wich, felbft von Streichen niedergeſchmettert, nicht- von
m Leichnam, fondern verfcheuchte die Raubvögel und wilden Thiere.
) Plinius meint die helix neritoiden,, welche befonders in der
Umgegend von Nizza fehr häufig ift und ſich wie unfere Wein⸗
bergsfchnede (helix pomatia) dedelt. Der Deckel bildet ſich
aus einem Talfhaltigen Schleim, den fle beſonders aus dem
Mantelrande fahren läßt und der fobann verhärtl.
) Die Sumpfeidechſe (möniter), welche Hier gemeint iſt, wird oft
noch Länger.
) Bei der gleiönamigen Stadt. Bergl. 3. VI, Kap. 23, $. 9.
) Keine Eivechfenart erreicht diefe Länge und Plinins erzählt
wahrſcheinlich nach dem fehr übertreibenden Berichte eines
Reifenden: 0
976 C. Vuinius Naturgeſchichte
Qin anberer iu Cpirus erlannte bei einer Berfammlıng den ⸗Möorber
feines Herrn *) und zwang dieſen durch Beißen und Bellen fein Ber
brechen einzugefiehen. Den Rönig der Garamanten *") brachten
zweihundert Hunde aus ber Verbannung zurüd und fämpften gegen
bie, welche fich widerſetzten. Zum Kriegsgebrauch Hielten vie Ges
Iophonier, ***) fo wie bie Caſtabalenſer 1), Schaaren von Huuben ;
diefe Fämpften in der erfien Schlachtreihe,, ohne ſich je zu weigern;
fle waren bie getreueſten Hülfstzuppen und beburften feines Soldes.
2. Qunde vertheibigten nach der Niederlage der Cimbern +t) bie
auf Wagen fiehenden Häufer derfelben. Nah der Srmorbung bes
Lyciers Jaſon +rr) wollte fein Huub Feine Speife zu fich nehmen und
Hungerte fih zu Tode. Der aber, welchem Duris ben Namen Hyrcau
beilegt, fprang, als ter Scheiterhaufen des Königs Lufimachns 1°)
[feines Herrn} angezündet war, in die Flamme, eben fo ber bes
Königs Hiero. +) Philiftus erwähnt auch des Pyrrhus, eines
9 Des Königs Pyrrhus. Bergl. Tzetzes Chil. IV. Hist. 131.
v. 211.
*) Bergl. B. V, Kap. 5, 8. 6—8. ü
e) Vergl. B. V, Kap. 31, $. 5
+) Vergl. B. V, Rap. 22,6.3. 3. VI, Kay. 3, $. 1.
+}) Durch Marius im Jahre 102 vor Chr. Daß die Cimbern
ihre Wohnungen auf Karren mit ſich führten, ift Befannt.
71) Näheres über ihn findet ſich nicht.
7°) Bon Thrazien, einer der Nachfolger Alexanders des Großen,
' welcher im Jahr 282 vor Chr. in einer‘ Schlacht gegen ben
König Seleucus I. von Syrien fiel.
Weldyer der beiden Könige von Syrafus, bie biefen Namen
. führen, gemeint fey, ob Hiero I. (487—467) oder Hiero I.
(269 — 214 vor Chr.), läßt ſich nicht angeben.. -
r
Achtes Buch. 977
Hundes des Tyrannen Gelon.*) Angeführt wirh ferner der Hund
bed Koͤnigs Nicomedes von Bithynien, welcher deſſen Gemahlin
Eonfingis wegen eines muthwilligen Scherzes zerriß. *) 3. Bet
und wurde ber befannte Volcatius, welcher den Gafcellins ***) das
bürgerliche Recht lehrte, ald er Bei einbrechender Nacht auf einem
Zelter von feinen Laudgute heimritt, von feinem Hunde gegen einen
Straßenräuber vertheibigt ; ebenfo der kranke zu Placentia [Piacenza]
von Bewaffneten überwältigte Senator Caͤlius; }) er erhielt nicht
Aher eine Wunde, als bis fein Hund nievergemacht war. Mlles
aber übertrifft ein durch bie Acten des römifchen Volks beglaubigter
Fall unferer Zeit. As nämlich unter dem Gonfulate des Appius -
Innius und des P. Eilins [28 nach Chr. in Folge der den Nero,
ded Bermanicns Sohn, betreffenden Rechtsſache Titus Sabinus und
feine Diener zur Strafe gezogen wurden, ++) konnte der Hund eines
berfelben nicht vom Kerker hinweggebracht werben; auch wich er nicht
von feinem Herrn, als biefer auf die Gemitoriſchen Stufen 777) ges
2) Bon Syrafus (484-477 vor Sr.) Bergl. Aelian, Hist.
animal. VI, 62, Var. hist. I, 13.
**) Micomedes I. (278—249) if hier gemeint. Die Königin,
welche Tzetzes (Chil. II. Hist. 115, v. 965) Ditizele nennt,
ſchlug im Scherze ihren Gemahl.
+) A. Cascellius, ein tächtiger tömifcher Juriſt, deſſen auch
Horaz (Tpist. II; 3, 371) erwähnt, lebte in dem Zeitalter des
Auguftus. Seinen Lehrer nennt Pomponius (Dig, 1. I. tit. 2,
$. 45), vielleicht unrichtig, DO. Mucius Bolufius.
+) Bergl. Aelian, Hist. animal. VII, 10, wo der Senator Calvus
genannt wird ; vielleicht hieß er Caelius Calvus.
+) Ueber die Ermordung Nero’3 und bie Hinrichtung des T.
Gabinus vergl. Tacitus, Annal. IV, 68— 70. Eueton, Tiber.
0. 54.
1m) Gradus gemitorii ober gemonil (Geufzerireppe). Eo hieß
s %
978 €. Plinius Naturgeſchichte
. worfen wurde: und ſtieß im Beiſeyn einer großen Meuge roͤmiſchen
Bolles ein jämmerliches Geheul and. Als ihm einer ans beffen
Mitte Speife vorwarf, trug er es zum Munde bes Entfeelten, aub
als der Leichnam in den Tiber geſtürzt wurde, ſchwamm er ihm nach
und fuchte ihn oben gu halten, wohei eine große Menfchenmafle zus
ſammengeſtroͤmt war, um bie Trene bes Thieres zu ſehen.
4. Die Hunde allein erfennen ihren Heren und wiſſen es auch,
wenn er ungefannt und unverfehens kommt; *) fle allein kennen ihre
Namen und die Sprache des Haufeg; Wege, unb wenn fie auch lang
find, merken fie ſich, und außer den Menfchen Hat fein Thier ein
befieres Gedaͤchtniß. Ihre Angriffe und ihre Wuth Hält der Meunſch
don ſich ab, wenn er fich auf den Boden feßt.
5 Noch viele andere Cigenſchaften hat die Erfahrung a ihnen
entdeckt; befonderd ausgezeichnet aber ift bie Geſchicklichkeit und der
Spuͤrſinn des Hundes auf der Jagd. Er ſucht die Spur und ver-
folgt fle, indem er den ihn begleitenden Waidmann an dem Riemen
zu dem Wilde hinzieht; und wenn er es erblickt, wie fill unb ver-
fiohlen und doch wie bedeutungsvoll iſt das Zeichen, welches er zuerſt mit
den Schwanze und dann mit der Schnauze gibt! Man trägt deß⸗
halb auch altersſchwache, blinde und eleude Hunde auf den Armen
mit fich, weil fie den Wind und die Witterung auffangen und durch
die Schnauze das Lager des Wildes anvdeuten. 6. Die Inder gehen
darauf aus, fle.von Tigern belegen zu laſſen und binden deßhalb die
Weibchen zur Brunftzeit in den Wäldern an. Die Jungen des erften
und zweiten Wurfes halten fie für allzuwild und ziehen erſt Die des
ein Ort, wohin man bie im Kerfer Hingerichteten warf, um
fle ſodann an einem Hafen in die Tiber.zu fehleifen.
I Die gewöhnliche Auslegung: fle wiſſen es, wenn ein Fremder
"Iöglich fommt, feheint mir unrichtig.
Altes Buch. " 999 -
veitten auf. *) Die Gallier ˖ laſſen daffelde von Wölfen thun, )
umb von ihren Menten Hat jebe einen Hund zum Leiter und Anfährer;
ihn begleiten fie auf der Jagd, ihm gehorchen fie; denn fle Haben
auch Befehlshaberämter unter ſich. — Gewiß iſt's, daß fie am Nils
fuſſe nur laufend ſanfen, damit fie der Vegierde der Krofobile nicht
anbeimfallen. 7. Einen Hund von ungewöhnlicher Größe hatte der
König von Albanien **”) Klexander vem Großen, als ex nadı Inbien
z0g, zum Geſchenk gemacht. Ueher feine Stattlichkeit erfreut, befahl
dieſer, Bären, dann Eher und darauf Damgemfen +) vor ihm loszu⸗
laſſen; ex blieb aber voll Verachtung unbeweglich Hegen. Der hoch⸗
berzige, Feldherr, den biefe Trägheit. in einem ſo gewaltigen Körper
verbroß, ließ ihn toͤdten. Der König erfuhr biefes und. ſchickte einen.
andern, jeboch mit beigefügten Bedeuten: er möge ihr nicht an
Heinen Thieren verfuchen, fondern an einem Löwen oder einem Ele⸗
phanten; er habe nur zwei folder Hunde gehabt, und würde auch
dieſer getoͤdtet, ſo fen Feiner mehr vorhanden. 8. Alexander zoͤgerte
nicht und alsbald fah ereinen Löwen niedergeſtreckt. Daranf befahl
er, einen Blephanten vorzuführen und nie freute er ſich mehr über.
irgend ein anderes Schaufpiel. Zuerſt erhob der Hund, während
ſich an feinem ganzen Körper die. Haare firäubten, ein ungeheures
*) Die Begattung eines Tigers mit einer Hündin kann nicht
fruchtbar feyn. Der gefleckte indifche Jagdhhund hat wahr:
ſcheinlich zu dieſer Fabel Beranlaffuug gegeben.
“) Die Begattung des Wolfes mit ver Hündin wird von manchen
Naturforſchern für fruchtbar gehalten und Cuvier iſt foger
nicht. abgeneigt, zu glauben, daß der Schaäferhund, der bie
- meifte Achnlichfeit mit dem Wolfe hat, aus einer. folchen Ver⸗
mifchung entflanden feyn möge, \
+) Vergl. B. VI, Kap. 11 u Kay. 15, 8. 4.
‚D Vergl. weiter unten Kap. 79, $. 2. \
n
980 €. Plinius Naturgefchiäte.
Gebell, forang dann mit wachfendem Muthe heran, und brang bald
von biefer,, bald von jener Seite auf dad Thier ein, indem er es im
geſchickten Rampfe, ber hier vor allem nöthig war, bald angriff und
bald ihm auswich, bis er es durch fortwührendes Drehen im Kreife
nieberwarf und der Boden bei feinem Falle zitierte.
LIDO. Das Hundegefchlecht wirft zweimal des Jahre. Sie
werben fchon, ſobald fle ein Jahr alt find, reif zur Fortpflanzung,
tragen fechzig Tage und bringen blinde Junge zur Welt; und je
reichlicher diefe mit Milch genährt werben, deſto fpäter erhalten fle
ihr Beflcht, nie jedoch nad) dem einundzwanzigften und nicht vor dem
fiebenten Tag. Manche geben vor, ) wenn nur Ein Junges geworfen
werde, fo komme das Geflht mit dem neunten ‚ ſeyen es aber zwei,
mit dem zehnten Tage, und, fo viel einzelne Junge noch Hinzufämen,
um fo viel Tage verzögere fldh das Sehendwerden. Huch foll eine
Hündin, die von einer zum erſtenmal Gebärenden geworfen wirb,
Befpeufter ſehen. Das beſte Sunge eines Wurfs if das, welches
zuletzt zu fehen anfängt, oder welches bie Mutter zuerſt auf’8 Lager
trägt.
LXII. 4. Die Hundswuth ift, während der Sirius [Humbe:
tern] gläht, dem Menfchen verberblidh, indem wie wir ſchon ) gefagt
haben, die auf dieſe Weile Gebiſſenen eine töntliche Waflerfchen be:
faͤllt. Man begegnet ihr deßhalb während biefer dreißig [Hundes]
Tage mit Hühnermif, den man unter das Futter der Hunde miſcht.
oder, wenn bie Krankheit ſchon ausgebrochen iſt, mit Nießwurz.)
*) Alle Eingaben „ bis zu Ende des Kapitels, finb unverbürgte
Auna
) 8, vol, 1, Rap. 13, 8.2.
) D. 5. mit meißer Riegwurz, Bermer . (veraträn), guiät mit
ber eigentlichen Nießwurz Celleborun). Berg. B. XXV,
x
x
et u 98
win. 2, Erſt neulich wurde das einzige Heilmittel gegen ven _
Biß durch eine göttliche Gingebung entdeckt, ) nämlich die Wurzel
der wilden Rofe, welche Cynorrhodos (Hundsroſe) genannt wird. **)
Eolumella***) bemerkt: wenn man dem Hunde am vierzigften Tage
nach der Geburt durch einen Biß den Schwanz. verfchneide, indem
man das aͤußerſte Glied deſſelben wegnehme und ben nachfolgenden
Rev abreiße, jo wachſe weber der Schwanz, noch werde der Hund
süthig. 7) — Unter den Wunderhingen (was ich ausbrüdlich bes
ierke) finden wir auch, daß ein Hund geſprochen und, ald Tarquinius
on feinem Koͤnigsſitze vertrieben wurbe, eine Schlange gebellt habe,
LXIV uım.. 1. Demfelben Alexander ward auch eine große
eltenheit von einem Pferd zu Theil. Man nannte ed Bucephalus
Stierhaupt], entweder wegen feines grimmigen Anſehens oder wegen
3 ihm auf den Vorderbug eingedrückten Zeichens eines Stierhaups
. Es foll um dreizehn Talente [26,520 Gulden] aus der Herbe
; Philonicus von -Pharfalus F+) erfanft worden ſeyn, da Alerander
n als Knabe von feiner Schönheit eingenommen war. Mit bem
iglichen Reitfchmude bedeckt ließ ed Niemand, ald ihn auffiken,
rend es. ſich ſonſt auch von Anderen befteigen ließ. 2. Man ers
t auch, daß es in den Schlachten denkwürdige Dienfte leiftete und
) fe B. XXV, Rap. 6, 8.2, genauer erzählt wied
) Rosa canina L,, Hedenrofe. Auch in neuerer Zeit wurde fle
a Mittel gegen die Hundswuth gepriefen, aber ohne allen
rund
) De de Trustica, 1. vü,e
Das Bolt glaubt in manchen. Gegenden noch jetzt an bie Wirk-
famfeit dieſes Verfahrens, aber fehr mit Unrecht.
Jetzt Farſa. Auf der fhönen Ebene bei dieſer Stadi ſcheint
man im Alterthum beveutende Pferdezucht getxier m zu haben.
Plinius Naturgeſch. 88 Bdchn.
982 E. Plinius Naturgeſchichte.
bei ver Belagerung von Thebä, *) obgleich ed verwundet war, nicht
zuließ, daß Alerander ed mit einem andern vertaufchte, und vieles
Andere der Art, weßhalb der König ihm nach feinem Tode ein Leichen⸗
- Kegängniß hielt und um fein Grad eine nach ihm benannte Stavt**)
erbaute. — Auch das Pferd des Dictators Cäfar foll keinen Audern
auf ſeinem Rüden geduldet Haben; auch follen feine Borberfüße
Menfchenfügen ähnlich gewefen feyn, ***) wie ed auch im Bilde vor bem
Tempel der Benus Genetrix [Benus Mutter] aufgefteflt iſt. 3. Auch
der göttliche Auguftus errichtete feinem Pferbe, über das ein Gedicht
bes Germanicus Cäfar +) vorhanden ft, ein Grabmal. — 3n Agri⸗
gentum [irgenti] Haben die Gräber mehrerer Pferde Pyramiden.
Juba erzählt, Semiramis habe ein Pferd bis zur Begattung geliebt
— Die feythifche Reiterei ift ihrer Pferde wegen fehr berühmt. As
ihr König bei einer Herausforderung im Rampfe fiel und der Sieger
zur Ausplünderung des Gegners ſchritt, wurbe er von bem Pferbe
defielben durch Schläge und Biſſe getöbtet. — Ein anderes Pferb
fol, als ihm die Binde von den Augen genommen wurde und es
erfannte, dag es ſich mit feiner Mutter begattet hatte, an einen Abs
grund gerannt und fein Leben geendet haben. 4. Wir finden auch,
daß in dem Neatinifchen [Rietfyen] Bebiete aus berfelben Urs
!
\
9 Im Jahr 335 vor Chr. Bergl. Arrian, Feldz. Aller. I. 7—9.
Diodor v. Sizil. Geſch. XVII; 8—14.
Bucephala; vergl. B. VI, K. 23, 8. 8.
**) Vergl. Sueton, Jul. Cäſar, Kap. 61. — Wahrſcheinlich
waren die Hufe an den Vorderfüßen dieſes Pferdes etwas
auögefehweift ; das Weitere fügte die Phantafle des Bildhauers
nu. .
D Bergl. das Schriftſtellerverzeichniß vor dieſem Buche.
‘
.. Achtes Buch. 983
ſache ) der Beſchaͤlknecht einer Stute zerriffen wurbe; denn biefe
Thiere haben einen Begriff von Verwandtſchaft, und in der Heerbe
iſt das Stutfüllen lieber von feiner ein Jahr älteren Schweiter,
als von feiner Mutter begleitet. Ihre Gelehrigkeit ift fo groß, daß,
wie man angegeben findet, die ganze Meiterei des Sybaritifchen
Heeres **) fi nah dem Spiele der Mufll tanzend zu bewegen ges
wohnt war. 5. Sie merfen die Schladht voraus, beiranern ihre
verlorene Herrn und vergießen zuweilen vor Sehnſucht Thränen.
Als der König‘ Nicomebes ***) ermordet war‘, Hungerte ſich fein
Pferd zu To. Phylarchus berichtet, Centaretus, ein Galater, habe,
nachdem er in ber Schlacht den Antiochus F) getöbtet, ſich des Pfer⸗
des deſſelben bemächtigt und es flegprangenb beftiegen. “Diefes aber
fey von Unwillen entbrannt und habe fich, nachbem ed des Zügels
Meiſter geworden und nicht mehr gelenkt werben ionnte, in einen
Abgrund geftärzt und mit dem Reiter fein Leben geendigt. Philiſtus
erzählt, daß ein von Dionyflus tr) zurücgelafienes Pferd, welches
im Morafte ſtecken geblieben war, ſich Heraus gearbeitet habe und
ber Epur feines Herrn mit einem an ber Mähne hängenden Bienen-
ſchwarme gefolgt fey; auf dieſes Wunderzeichen bin habe ſich Dio⸗
nyflus der Herrfchaft bemächtigt.
LXV. 1. Ihre unbefchreiblichen Fähigfeiten erproben ſchon
*) Weil er nämlich einen Hengſt zur Begattung mit feiner Matier
bringen wollte.
») Ueber Sybaris vergl. B. III, K. 15, $. 2.
Nicodemes II. von Bithynien (148—89 vor Chr.).
7) Antiohus J., Soter von Syrien, welcher im Jahr 261 vor
Chr. in einer Schlacht negen die Galater (Gallier) fiel, Dal.
Aelian, Hist. animal. VI, 44.
D Dionyflus L., Tyrann von Ehraens wos —a08)
%
5
084 C. Plinius Naturgeſchichte.
die Wurffpießſchleuderer an ihrem Gehorſam, indem fie fhwierige
Wagniſſe felbf durch ihren Körper und ihr Bemühen veranlaflen.
So reihen fie auch Die auf bem Boden gefammelten Geſchoſſe tem
Reiter dar. Im Circus an den Wagen gefpannt, heurkunden fle
einen unbezweifelbaren Sinn für Aufmunterung und Ruhm. Wi
während der Säfularfeier. unter Claudius Cäfar [im Jahr 47 nad
Chr.] bei ven Spielen im Eircus zu der Partei der Meißen *) ge
hörende Wagenienfer Corax ſchon in den Schramfen **) herabflürzte,
gewannen fie dennoch den Borfprung und behielten ihn, indem fle
die übrigen aufhielten, umwarfen und überhaupt gegen ihre Mit
bewerber Alles thaten, was fle unter der Leitung des gefchicfteken
Wagenführers hätten thun müffen ; und während man noch darüber,
daß die Kunftfertigfeit des Menfchen non Pferden ükertroffen werbe,
beſchaͤmt daſtand, hielten fle nach vollbrachtem regelrechten Laufe an
der Kreidelmie, ***) 2. Als eine fehr große Vorbedeutung betrach⸗
teten es die Alten, daß bei den plebeifchen Spielen im Circus })
Pferde, nachdem der Wagenlenfer herabgeftürgt war, gerade als
*) Lieber die verfchievenen Parteien der Wagenlenker vergl. die
Bemerkung zu B. VIL, 8.54, 8.7.
**) Garceres; fo hießen die mit Deffaungen. verfehenen Schranfen
an dem einen Ende des Circus, von wo auß die Pferde und
Waͤgen losgelaſſen wurden.
e) Creta; fie bezeichnete Das Ende des Laufs; wer ſie zuerſt er⸗
reichte, war Sieger.
) Welche von den plebeiſchen Aedilen gegeben wurden, im Gegen⸗
ſatze zu den patriciſchen, welche die Kaiſer, Confuln und curu⸗
liſchen Aedilen veranſtalteten. Die letzteren fanden nur bei
verſchiedenen Gelegenheiten. und zuar im Cirens maximus
Ratt, während die erfterem jedes Jahr am 20. Oftober im
Circus Flaminfas gehalten wurden. I
Achtes Bud. | 085
ſtünde er noch darauf, nach dem Capitolium vannten und dreimal um
ben Tempel liefen, als die größte aber, daß ebendahin Pferde von
Beii*) mif Palme und Krone kamen, nachdem [ihr Wagenlenfer]
Ratumena, der dort geflegt hatte, herabgeworfen worven war, weß⸗
halb auch ein Thor den Namen beffelben erhielt.
3. Wenn die Sarmaten *") weite Reifen unternehmen wollen,
fo bereiten fie ihre Pferde dadurch, daß fle ihnen fchon am Tage vors
ber nichts mehr zu frefien und nur wenig zu faufen geben, datanf
vor und legen dann auf ihnen in ununterbrochenem Ritte eine Strecke
son 150,000 Schritten [30 M.] zurück. Manche Pferde leben
ünfzig Jahre; die Stuten werden jedoch weniger alt; fle hören im
ünften Jahr auf zu wachſen, während dieß bei ben Hengften ein
Jahr länger fortdauert. Die Beichaffenheit ver Pferde, welche man
auptfächlich wählen foll, hat der Dichter Birgilius**") am fchön-
en dargeſtellt; auch wir haben darüber in unferem Buche tiber das
peerwerfen der Reiterei F) geſprochen, und ich finde, daß faſt Alle
dieſer Sache mit einander übereinflimmen. Gin abweichenber
rundſatz wird jedoch im Circus befolgt, denn man läßt fie daſelbſt
Ht vor dem fünften Jahre zum Wettfampfe, während man fle ſchon
ziveiten Sabre zu anderem Gebrauche abrichtet.
LXVI 1. Die Thiere biefer Gattung fragen die Frucht elf
onate und werfen im zwölften. Die Begattung findet bei ber
ihlingstagundnachtgleiche ftatt, gewöhnlich im zweiten Jahre Bei
‚en Gefchlechtern; geſchieht dies aber erft im dritten Jahre, T})
*) Berg: B. II, 8. 23, $. 3. nr
) Bergl. B. IV, 8. 25, $.1.
) Vom Landbau, II, 72 ff.
) Bergl. die Einleitung zur Naturgefchichte des Plinius, ©. 33.
) Nach der gewöhnlichen Anficht muß die Stute fünf, der Hengft
wenigftens ſechs Jahre alt feyn.
‘
986 C. Plinius Naturgeſchichte.
fo wird das Junge kraͤftiger. Die Hengſte bleiben zeugungsfſhig
bis zum dreiunddreißigſten Jahre,) wie man fle denn aus dem
Circus nach dem zwanzigſten Jahre noch als Beichäler entlaäͤßt. Zu
Opus *) fol einer bis zum vierzigſten ausgedauert haben, nur mußte
man ihm durch Emporhebung des vorbern Theile feines Körpers
behülflih feyn. Nur wenige Thiere zeigen in ber Begattung ſo
geringe Fruchtbarkeit, weßhalb man fle auch kur von Zeit zu Zeit
zuläßt, und doch vermögen fie nicht zu fünfzehn Befruchtungen ans:
qureichen. **) 2. Die Brunfl der Stuten verliert ſich durch Abſchee⸗
rung ber Mähne; fle werfen jedes Jahr bis zum vierzigften. ) —
Ein Pferd fol fünfundfiebenzig Iahre alt geworben feyn. — Bei
diefer Thiergattung wirft die Trächtige ſtehend, und liebt mehr als
irgend ein anderes Thierwweibchen fein Sunges. Sicher bringen bie
Pferde an der Stirne ein Lieheögift, Hippomanes (Pferdewuth) ges
nannt, von der Größe einer Zeige und von ſchwarzer Farbe mit zur
Melt, welches die Mutter foßleich nach der Geburt verfchlingt ober
[wenn fle varan gehindert wird] das Junge nicht faugen läßt. IR
man fehnell genug, es zu erhafchen, fo kann man fehon allein durch
den Geruch deflelben diefe Thiere in Wuth verfeßen. 17) 3. Ber
*) Nach Buffon hoͤchſtens bis zum dreißigſten.
+), Mergl. B. IV, 8. 12, $. 3.
**), Bin Hengft reicht für zwanzig Stuten Bin. -
+) Nach Buffon felten länger, als bis zum achtzehnten.
+7) Die Alten haben über vieles Fiebesgift Hippomanes viel ge
fabelt und aus einer ganz natürlichen Sache ein Wunberbing
mit Wunderfräften gemacht. Das Füllen. fommt wie bie
' Übrigen Thiere mit dem Kopfe zuerſt zur Welt, indem es feine
Hüllen durchbricht. In dem aus biefen Hüllen ſtroͤmenden
Wafler findet ſich nach Guviers Bemerkung manchmal eine
x
Achtes Buch. . 987.
liert ein Füllen feine Mutter, fo ziehen die übrigen ſaͤugenden Stuten
das verwaiste anf, Man behauptet, daß ed vor bem dritten Tage
nach feiner Geburt nicht den Boden mit dem Maule berühren könne.
Je muthiger ein Pferd if, defto tiefer taucht es die Nafe beim Sau⸗
fen unter. Die Scythen *) bedienen ſich im Kriege lieber der Stuten,
weil fie ben Urin lafien koͤnnen, ohne dadurch im Laufe aufgehalten
u werden.
LXVII. Es ift gewiß, daß in Rufltanien [Portugal] in ver
Gegend ber Stabt Dliiipo [Kiffabon] und des Fluſſes Tagus [Tajo}
ie Stuten, indem fie fih, wenn der Favonius [MWeftwind] weht,
iefem entgegenftellen, einen belebenden Hauch empfangen, trächtig
oerden und auf diefe Weife die fehnellften Jungen werfen, die aber
hr Leben nicht über drei Safe bringen. *) In demfelben Hiſpa⸗
ien bei dem gallaieifchen und afturifchen Volke if eine andere
ferdbeart einheimifch, welche man Zelter (thieldones), und wenn
: ffeiner find, Afturier (asturcones) nennt; fie haben im Laufe nicht
n gewöhlichen Schritt, fondern einen fanften Paß, indem fie ab⸗
chfelngg die [beiden] Füße [einer Seite] vorfegen, weßhalb man
ch die anbern Pferde fünftlich abrichtet, im Zeltgange einherzus
reiten. — Das Pferd ift faft denfelben Krankheiten, wie der
enfch, unterworfen, und außerdem noch der Harnblafenumftülpung,
e das ganze Zugviehgeſchlecht.
*
dichte Maſſe, welche die Stute gerade fo, wie die Weibchen ber
- meiften vierfüßigen Thiere die Nachgeburt, verfchlingt. Alles
Weitere ift lächerlicher Aberglaube.
*) Bergl. B. IV, $. 25. $. 1.
*) Die zahlreichen und fehr fehnellen Pferde Luſſtaniens mögen
zu dieſer im Alterthume allgemein geglaubten Babel Verans
Iaflung gegeben haben,
oss C. Plinius Naturgeſchichte
LXVMI aım. 1. @inen Eſel faufte der Senator D. Artus '
für 400,000 Sefterzien [38,189 Gulden], wie M. Varro erzühft,
und ich weiß nicht, ob je für ein amberes Thier ein fo hoher Breis
bezahlt wurde. Bewundernswerthe Dienfte leiſtet ohne Zweifel diefe
Thiergattung, fogar im Pflügen,, die bedeutendſten aber durch bie
Hervorbringung der Maulefel. Man nimmt bei ihnen auch auf
das Baterland Rüdficht und zieht in Achaia [Griechenland] die arfa=
bifchen, *) in Stalien die reatinifchen Friefi’fegen] vor. Dieſes Thier
iſt am meiften gegen die Kälte empfindlich und pflanzt ſich deßhalb in
Pontus **) leicht fort; auch läßt man fle nicht, wie das übrige Bich,
bei der Frählingstagundnachtgleiche, fonbern bei der Sommerſonnen⸗
wende zur Begattung zu. 2. Die Männchen werben, wenn fe nicht
anhaltend arbeiten, ſchlechtet. Die Lfelin wirft früheflens vom
breißigfien Monate an, regelmäßig aber nach dem britten Jahre,
und zwar eben fo oft, nach eben fo viel Monaten und auf biefelbe
Weiſe, wie bie Stuten; nur gibt ihre nicht leicht feſthaltende Gebaͤr⸗
mutter den beftuchtenden Samen wieber von fi, wenn man fie nich
nach der Begattung durch Schläge zum Lanfen zwingt. O Seiten
wirft fie Zwillinge. Wenn fle werfen will, flieht fle das ˖Tageslicht
and fucht einen bunfeln Winkel, um nicht von den Menfchen geichen
zu werden. 3. Sie ift ihr ganzes Leben hindurch, weldyes fle bis auf
dreißig Jahre bringt, fruchtbar. — Für ihre Jungen haben fle eine
ungemein große Liebe, aber eine noch größere Schen vor dem Waſſer.
Zn ihren Jungen laufen fle durch's Zener, iſt aber nar der kleinſte
Bach dazwifchen, fo entfeßen fie ſich fo fehr,. daß fle ſich wohl hüten,
*) Bergl. B. IV, Kap. 10, 8.1. Noch jetzt gibt e3 in Arfadien
zu, ehr viele und gute Eſel, fo wie auch in der Gegend von Kieti.
) Bergl. 3. II, Kap. 48, $. 1. ..
Achtes Bud. 989
auch nur bie Füße zu benetzen. Gbenſo ſaufen vie auf den Waiden
befindlichen nur ans den Brunnen, an die fie gewöhnt ſtud, und wenn
Re anf trodenem Pfade zur Tränfe gelangen koönnen; auch gehen fie
nicht über Brücken, deren fehlechte Sufammenfügnng den Fluß durch⸗
ſchimmern laͤßt. Man muß fich wirklich wundern, wie ſehr fie Durkt
leiden und buch, wenn die Tränfe- verändert wird, mit Gewalt obev
Bitten zum Sanfen gebracht werben müffen. Sie legen fi nur an
einen gkräumigen Ort, benn fie fehen im Schlafe mancherlei Traum⸗
gebilde, wobei fie hanfig mit ven Füßen ausſchlagen; geht ein Schlag
nicht durch die Luft, fondern fährt wider einen härteren Körper, fd
yerurfacht er fogleich Lähmung. 4. Ste werfen größeren Gewinn
ıb als fruchibare Güter und es ift bekannt, daß in Geltißerien ) eins
eine Gfelinnen durch ihre Jungen 400,000 Sefterzien [38,189 Sul
en] einbrachten. Bei den Jungen der Maulthiere foll es hauptſaäͤch⸗
ich auf bie Haare ber Ohren und Augenbrauen ber letzteren ans
mmen, denn bie Jungen erhalten ebenfo wiele Farben, als ſich da⸗
Ihft vorfinden, wenn auch ber übrige Körper ber Alten einfarbig
ar. Maͤcenas brachte zuerſt die Sitte, &felsfüllen zu eflen, m
ang und damals zog man fle den wilden &feln **) weit vor, nach
m verlor auch diefe Geſchmacksſache ihre Geltung. — Steht ein
el einen andern fterben, fo geht es auch mit ihm fehe balb zu
de. *) '
LXIX xım. 1. Bon dem Üfel und der Stute faͤllt im drei⸗
nten Monate das Maulthier, weiches durch feine Kraft ganz vor⸗
) Vergl. B. III, Ray, 4, $.9.
) Welche im Alterthum zu den Lederhifien gehörten.
) Diefe Behauptung bevarf des Beweiſes; übrigens iſt die vor
Blinius gegebene Naturgefchichte bes Eſels ſehr gemau.
890 C. Plinius Naturgeſchichte.
züglich-zur Arbeit geeignet iſt. Zu ſolcher Zucht wählt man Stuten,
die nicht jünger ald vier und nicht älter als zehn‘ Sahre find; bie
Thiere beider Gattungen meiben ſich, wie man erzählt, wechfelfeitig,
wenn fe nicht in der Jugend bie Milch derjenigen Gattung, welde
fle befpringen follen, getrunken haben; weßhalb man auch die heim⸗
lich Hinweggenommenen Gfelfüllen im Dunkeln an bie Zitzen der Stuten
and die Hengfifüllen an die der Sielinnen legt. 2. Bon dem Hengſt
und der Efelin fällt bie Maulefelin, die aber unbändig und von
unbezwinglidher Trägheit und in allem langſam iſt, wie ein altes
hier. Die Befruchtung durch den Hengſt verbirbt der Cſel durch
einen fpäteren Sprung zur Fehlgeburt, nicht fo der Hengft bie Bes
fruchtung durch den Efel. Man hat bemerkt, bag die Weibchen am
fiebenten Tage nach Sem Wurfe am beſten empfangen und die Männden,
. wann fle mübe find, befler befruchten. Diejenige Gfelin, welche nicht
früher, als fle die fogenannten Milchzähne verliert, empfängt, wird
als unfruchtbar betrachtet, ebenfo bie, welche nicht bei dem erfien
Sprunge fogleich trächtig wird. 3. Maulefel (hinni) nannten bie
Alten bie von einem Hengfle und einer Eſelin, Maulthiere (muli)
Dagegen die von Eſeln und Stuten erzeugten männlichen Jungen.
Man Hat die Beobachtung gemacht, daß die von zivei verfchiebenen
Gattungen erzeugten Jungen eine dritte Gattung bilden und feinem
ihrer Aeltern ähnlich find, ebenfo, daß in dem ganzen Thierreiche bie
auf diefe Weife erzeugten ſich nicht fortpflanzen und deßhalb auch die
Maulefelinnen nicht fruchtbar find.” In unfern Jahrbüchern ſteht
zwar, daß fle häuflg geworfen haben, man betrachtete dies aber als
Wunderzeichen. Theophraſtus erzählt, in Gappaborien”) fey das
Vergl. B. V, Rap. 42.
vv ı -
\ Achtes Buch. 91
Berfen verfelben etwas ganz Gewoͤhnliches, dort büde aber dieſes
Thier eine eigene Gattung. *) 4. Das Hintenansfchlagen der Maul
efelin verhindert: man, wenn man ihr öfter Wein zu trinfen gibt.
In den Schriften mehrerer Griechen findet'man, daß durch die Ber
gattung des Maulthiers mit der Stute ein Iunges falle, das man
Ginnus, das heißt Kleines Maulthier, nenne. Don der Stute und
gezämten wilden Eſeln entſtehen Maulefelinnen, die einen fehr ſchnel⸗
len Lauf und ausnehmend harte Füße, aber einen magern Körper
und einen unbändigen Sinn haben. Ein von einem wilden Gel
und einer Gfelin erzeugter Befchäler übertrifft alle andern. 5. Die
vorzüglichften wilden Eſel gibt es in Phrygien und Lycaonten, **)
Afrika rühmt die Wilvefelfüllen, welche Laliflonen heißen, als ein
ſehr ſchmackhaftes Gericht. — Daß ein Maulthier achtzig Jahre alt
vurde, erhellt aus den Denktmälern der Atbenienfer; denn dieſe
reuten ſich über bafjelbe fehr, daß es, als man es fchon des Alters
segen aufgegeben hatte, bei dem Tempelbau auf ver Burg, bie hin⸗
uffteigenden Zugthiere durch fgine Begleitung und Anftrengung er>
unterte, und Mießen ein Dekret, daß die Fruchthaͤndler es nicht
n ihren-Ständen hinwegtreiben follten.
LXX «ıv) 4. Dieindifchen Rinder. follen fo Hoch wie Kameele
yn und ihre Hörner eine Breite von vier Fuß einnehmen. In uns
em Welttheil werden die ebirofifchen ***) am meiſten gepriefen,
) Blinius meint hier den Halbefel (equus hemionus), ber aber
feineswegs ein Baftard if. Er heißt in der Mongolei Dſchigge⸗
tei (Langohr) und war bis vor ungefähr Hundert Jahren ben
Naturforſchern der neueren Zeit völlig unbekannt.
*) Bergl. B. V, Kap. 41 und 25.
) Bergl. 9. IV, Kap. 1, $. 2.
992 6G. Plinius Naturgeſchichte.
’
feltdem, wie man fagt, der König Pyrrhus ) ſich mit ihrer Zucht
befaßte. Er erreichte dieß dadurch, daß er flo nicht vor bem vierten
Sabre zur Begattung zuließ; fle wurden deßhalb ſehr groß and noch
jet beftehen Ueberbleibfel diefer Stämme. Jetzt aber verlangt man
von einjährigen, ober hoch Höchfteng zweijährigen Kühen Fruchtbarkeil
und von vierfährigen Stieren den Sprung. Jeder befruchtet in
demfelben Sahre zehn Kühe.) 2. Nach der Sage gibt es, wenn
die Stiere nach der Begattung ſich nad der rechten Seite hin ent⸗
fernen, männliche, wenn fle aber links abgehen, weibliche Kälber.)
Die Befruchtung erfolgt durch einen Sprung , ift fle aber etwa fehls
gefhlagen, fo verlangt die Kuh nach dem zwanzigften Tage wieder
nach dem Stiere. Sie werfen im zehnten Monate; was früher
fällt, taugt nichts. Nach manchen Schriftftellern werfen fle gerade
am lebten Tage des zehnten Monats. Selten bringen fie Zwillinge
zur Welt. Die Springzeit dauert vom Anfange des Delphine am
Tage vor den Nonen des Iannard [4. Sannar] an, dreißig Tage;
bei manchen tritt fie auch im Herbſte ein und iſt bei den Völkern,
welche von Milch Ieben, fo eingerichtet, daß biefeF® Nahrungsmittel
zu jeder Jahreszeit vorräthig bleibt. 3. Die Stiere fpringen nicht
öfter als zweimal des Tags. — Bon allen Thieren waidet das
*) Diefen Namen führen mehrere Könige von Epirus; wahr:
fiheinlich ift aber Hier der befanntefte von allen (300—272 ver
- Ehr.), welcher gegen die Römer Krieg führte, gemeint.
*) Ein, Stier reicht, wenn er guf gehalten wird, für eine Heerde
von fünfzig Kühen Hin.
**) Der Berfafler einer in neuerer Zeit gefchriebenen Anleitung,
bei der Ergengung ber Kinder, das Geſchlecht derſelben nach
Belieben zu beſtimmen, hat biefe unfinnige Behauptung feiner
Theorie zu Grund gelegt. .
Achtes Bud. 993
Rindvieh auch im Rüdwärtögehen, und zwar bei den Garamanten *)
nie andere. Die Kühe bringen ihr Leben hoͤchſtens auf fünfzehn,
die Stiere auf dreißig Jahre; ihre. volle Kraft haben fie im fünften
Sabre, Durch Waſchen mit heißem Waſſer und wenn man ihnen
durch einen Hauteinfchnitt mittelft eines Rohres Luft. in die Einge⸗
weide bringt, follen fle fett werben. Man darf fle indeflen nicht für
ausgeartet halten, wenn fie auch ein weniger ſtattliches Ausſehen
haben. 4. Die Alpenfühe, welche von der kleinſten Axt find ; geben
die meifte Mil, ertragen die meifte Arbeit und werben mit dem
Kopfe und nicht mit dem Halfe angefpannt. Die fyrifchen haben
keine Wammen, aber einen Höder auf dem Nüden.”*) Die caris
ſchen ***) in einem Theile Aflens, von häßlichem Anfehen, mit einem
vom Halſe über den Borberbug hervorragenden Auswuchfe und lofen
Hörneen, 7) ſollen in ihrer Dienflleiftung vortrefflich feyn; übrigens
Hält man die von ſchwarzer oder weißer Farbe nicht für fehr tauglich
zur Arbeit. }}) Die Stiere haben Eleinere und dünnere Hörner als
die Kühe. Die Abrichtung der Ochſen geſchieht in ihrem dritten
Sabre, nachher ir es zu fpät, vorher zu frühe, am Beſten wird ein
9 Vergl. 8. V, K. 5, 8. 48. — Wenn ſie vormärkagehenb
waideten, fagt Romponius Mela (B. I, Kap. 8), würden fie
mit ‚ihren großen Hörnern an den Boben anftoßen.
* Det Zebu (bos taurus indicus), den Plinius hier meint, {ft
in Afrika und in den meiften Theilen Aſiens einheimiſch und
dort dag gemeine Rindvieh; er hat einen. detthocer und iſt
meiſt grau oder weiß.
“) Bergl. B. V, 8.29, 8. 6,
D Die Hörner einer Sebuart gaben feine Hornzapfen und ſitzen
ſo wenig feſt, daß ſie wackeln.
71) Diefe im Alterthume ſehr verbreitete Anſicht (vergl Varro,
de re rast, U, 5) ift durchaus falſch.
Mi
994 G. Plintus Naturgeſchichte.
junger Ochſe mit einem ſchon abgerichteten eingeübt. Wir Haben
alfo an diefem Tiere einen’ Gefährten bei der Arbeit und dem Acker⸗
bau und unfere Vorfahren trugen für baffelbe fo große Sorgfalt, daß
fogar ein Fall vorliegt, wo einer, weil er für feinen frechen Beifchläfer
anf bem Lande, ber noch Feine Kuttelflecke gegeflen zu Haben vorgab,
einen Ochſen gefchlachtet Hatte, von dem römifchen Volke vorgelaben,
verurtheilt und des Landes verwiefen wurbe, gerade ald wenn er
feinen Aderömann getödtet hätte. *)
6. Der Stier Hat ein ſtolzes Anfehen, eine drohende Stirne, berflige
Ohren und ſtets fampfluftige Hörner ; feine Drohung liegt jedoch allein
in ‘ben Borberfüßen ; wenn er in Zorn geräth, fteht er ſtill, hebt dieſe,
einen nach dem andern auf, ſchleudert damit ven Sand gegen feinex
Banch und fleigert allein von allen Thieren durch dieſes Reizmittel ſei⸗
nen Grimm. Wir fahen welche, bie auf Befehl kaͤmpften und deshalb
gezeigt wurden, bie fih im Kreife drehten, ſich im Fallen mit ben
. Hörnern erhielten und wieber erhoben, ober Taum liegend von bem
Boden auffpratigen und fogar auf einem ſchnellfahrenden zweiſpaͤnni⸗
gen Wagen wie Wagenlenfer flanden. 7. Es iſt eine Erfindung
des theffalifchen **) Volkes, zu Pferd daneben herjagend, die Stiere
am Home zu faflen und duch Umdrehung ded Halfes zu tödten;
zuerft gab zu Rom diefes Schaufpiel der Dictator Caͤſar. Der Etier
dient zum feiften Opfer und zur würbigften Verföhnung der Götter.
Der Ochſe ift das einzige Thier mit längerem Schwanze, bei welchem
diefer nicht, wie es bei den übrigen der Fall ift, fogleicy bei ber
Geburt feine volle Länge hat, fonbern wächst, bis er ganz herunter
zur Ferſe reicht. 8. Deßhalb muß er bei dem Kalbe, das zum Opfer
*) Berg. Balerind Marimus, v1.
N Bergl. B. IV, 8. 15.
Achtes Buß. 995
tauglich befunden werben fol, dem Kniebuge gleich feyn; iſt er kürzer,
fo opfert man es nicht. Noch wird bemerkt, daß Kälber, welche auf
den Schultern des Menfchen zum Altare gelragen werben, Fein ziem⸗
liches Opfer find, fo wie ſich auch die Bötter weder durch ein hinken⸗
des, noch durch ein ihnen nicht zufommendes, ) noch Durch ein ſich
vor dem Altare fträubendes Opferthier befänftigen Iafien. inter
den Wunderzeichen findet man häufig, daß ein Ochſe geſprochen habe
und daß auf eine ſolche Nachricht ver Senat unter freiem. Simmel
"gehalten zu werben pflegte.
LXXI aıw. 1. Sn Hegupten wird auch ein Ochſe, der Apis
heißt, als Gott verehrt.“) Sein Abzeichen iſt ein weißlicher Sied
auf der rechter Seite, der ben Hörnern bes frifch zunehmenden Mon⸗
des gleicht, und ein Wulft unter der Zunge, den man Küfer nennt.
Er darf eine beftimmte Anzahl von Jahren ***) nicht überleben und -
wird in der Priefterquelle verfentt und getöbtel, worauf man vol
Betrübniß einen andern fucht, um ihn an feine Stelle zu ſetzen, und
bis man ihn gefunden Hat, mit gefchorenem Haupte trauert. Das
Suchen dauert jedoch nie lange. 2. Hat man ihn gefunden, fo wirb
er von ben Prieftern nach Memphis +) geführt. Er Bat zwei Tem⸗
*) In den Religiondvorfchriften der Alten war beſtimmt, welches
Thier jedem Gotte geopfert werben ſollte und welches nicht;
fo durfte man dem Jupiter feinen Stier opfern, wahrfcheinlich,
weil er einmal die Geftalt eines folhen angenommen hatte.
**) Ueber den Apiödienft vergl. F. Creuzers Symbolif und My⸗
rn (Neuft. Ausg. Darmft. 1840. 8), Br. IE, ©. 202
8 20
0) Nämlich 25. Man mannke diefen Cyclus die Apisperiode.
©. Crenzer a. a. O. ©. 169,
) Vergl. B. V, K. 9, 8. 5.
06 €. Plinius Naturgeſchichte.
pel, melde Schlafgenrächer heißen und ben Völkern als Wahrfaguug
dienen. Gebt er nämlich in das eine, fo iſt Freudiges zu erivarten,
in bem andern aber bebeutet er Schlimmes. Auch Einzelnen ertheilt
er Antwort, indem er aus der Hand ber Anfragenden Futter nimmt.
Bon der Hand des Cäſar Germanicus wandte er ſich ab, nnd vieler
ſtarb nicht lange nachher.) Wenn der fonft abgeſondert lebende
Aupvis ſich unter dem Volke zeigt, fo fehreitet er unter dem Vortritt
platmachender Liltoren einher, und eine Schaar Knaben begleitet
ihn, die zu feiner Ehre ein Lied fingen; er fiheint dies zu verfehen
und angebetet feyn zu wollen. Diefe Schaaren gerathen ylöklich
außer ſich und verfündigen die Zufunft voraus. 3. Ginmal im Jahre
wird ihm eine Kuh gezeigt, welche ebenfalls ihre Abzeichen, obfchon
andere, als er hat; fie foll ſtets an dem Tage, an welchem fie gefun-
den wird, auch ſterben. Zu. Memphis if eine Stelle im Nil, weldge
ihrer Geſtalt wegen Phiala (Schale) Heißt; hier verfenfen fie jebed
Jahr an ben Tagen, welche zur Geburtsfeier des Apis beſtimmt
find , eine goldene und eine fülherne Schale; diefer "Tage find ſieben,
und merfwürbig ift, daß waͤhrend derſelben Niemand von den Kroko⸗
dilen gefährdet wird und daß am achten Tage nach der ſechsten
Stunde diefem Thiere feine Wildheit wiederfehrt. **)
LXXU aıvm. 1. Auch das Schafvich fleht in Hoher Gunft,
forwohl als Sühnopfer für die Gätter , als auch wegen der Brand:
barkeit feiner Wolle. So wie die Ochſen die Lebensmittel bes
*) Im Jahr 21 nah Ehr. Ueber die Reife bed Germanicus
nad Aegypten, welche die Urfarhe feines Todes wurbe, vergl.
Tacitus, Annalen, B. II, Kap. 59—61. 69— 73.
M Entweder eine.alberne Sage, oder ber Kıpfobil hat eine bes
ſtimmte Zeit im Jahre, wo er ruhig liegt und unſchaͤdlich iſt,
vielleicht wann der Nil zu wachfen beginnt.
‘
Achtes Bud. 997
Menſchen bauen, fo verbantt man dem Schafvieh die Beſchirmung
bes Körpers. Die Zeugungsfähigfeit beider Gefchlechter dauert
vom zweiten bis zum neunten Jahre, bei manchen auch bis zum
zehnten. Die zum erfienmale werfenden haben Fleinere Junge
Ihre Begattungszeit beginnt beim Untergang des Arcturus, daB
Heißt, mit dem dritten Tag vor dem Idus bed Mai [13 Mai] und
endet beim Untergange bed Adlers, nämlich am zehnten Tage vor
ben Kalenden des Auguft [23. Juli]. Sie tragen die Frucht hundert⸗
undfünfzig Tage; die fpäter empfangenen Jungen werben ſchwach;
die nad der beftimmten Zeit geworfenen nannten bie Alten Corbi
(Spätlinge). 2. Biele ziehen die Winterlämmer den Krühlingsläme
mern vor, weil mehr daran Liege, daß die Laͤmmer Yor der Sommers
fonnenwende, als daß file vor der Winterfonnenwende flark würden
und es alfo allein für diefes Thier vorteilhaft fey, bei der Winters -
fonnenwende geboren zu werben. *) Dem Widder iſt e8 von Natur
eigen, daß er die Laͤmmer verachtet und ben alten Schafen nachgeht:
er felbft iR im Alter beffer und auch mit geflugten Hörnern brauch⸗
barer; feine Wildheit wird gebrochen, wenn man ihm das Horn neben
bem Ohre durchbohrt. Wird ihm die rechte Hode unterbunden, fo
srzeugt er Weibchen, gefchieht dieß aber mit der linfen, Männchen.)
Der Donner bewirkt Bei vereinzelien Schafen Fehlgeburten; ein
Mittel Dagegen if, wenn man fle zufammentreibt, damit fie Dutch,
hre Menge ermuntert werben. 3. Beim Wehen des Nordweſtwindes
ollen Männchen, beim Südwind Welbchen empfangen werben. ***)
— — —
*) Weil nach der Anſicht mancher alten Thierzüchter die Schafe
eher, Kälte ald Hite ertragen koͤnnen.
» Huch jeht noch haben viele Landleute dieſe lächerliche Anficht.
**) Gin eben fo laͤcherliches Borurtheil,
G. Plinius Naturgeſch. 88 Bhihn. 8-
998 C. Plinius Naturgeſchichte
Dei dieſer Thiergattung achtet mau hauptjächlich auf die Mänler ber
Mipder, deun hie Farbe, welche bie Adern unter der Zunge berfehber
haben, befommt auch die Wolle der Jungen ; bunt wird dieſe, wenn
ſich dort mehrere Karben finden; auch der Wechſel des Waſſers und
Der Tränfe verändert die Färbung.*) Es gibt zwei Hauptarten von
Schafen, das bebedte**) unb das Landfchaf;***) jenes ik zärter,
dieſes im Futter wähliger, denn dad bebedie jrißt Brombeerſtauden
Die beſten DEen deſſelben ſind die arabiſchen.
LXXIHI aLvım. 1. Die geprieſenſte Wolle iſt die apuliſche +)
und die, welche in Italien griechiſche 7). Schafwolle, anderwärts
- aber italifche heißt; den dritten Hang behaupten bie mileſiſchen tHF)
Schafe. Die apwlifigen Haben kurze Wolle, welche nur den daraus
verfertigten Feldmänteln }*) ihren Ruf verdankt. Die höchſte Ber
‚edelung ‚hat biefe Art um Tarentum [Taranto) und Canuſium [Sa-
noſa], in Aften aber gu Laodicea [Latafio] erreicht. Keine weiße
Wolle wird jener der circumpabanifchen +**) Schafe vorgezogen, und
ver Breis eines Pfundes Wolle überflieg bis auf den heutigen Tag
. nicht die Summe von hundert Seferzien r Gulden 39 Kreuzer].
9 Ale dieſe Behauptungen ſind unerwieſen.
*) Sp genannt, weil es zur Schonung feiner feinen Holle in
eine Dede gehüllt wurbe.
***) Oris colonica, rustion, —— oder Bauern-Schaf.
+) Vergl. B. I, Kap. 16, $. 1
up) Beil ein heit Süd-Staliens Groß⸗ Griechenland genannt
wurde ‚
+9 Penulas ; "fe 35. adhlich auf Reifen und im Selbe
getrag
**) An u üfern des Pe.
ir
Achtes Buch. * 999
‚2. Die Schafe werben nicht überall gefchoren, in manchen Gegenden
beſteht noch die Sitte, fie zu rupfen. Es gibt fehr viele Arten far-
biger Wolle und es fehlt und fogar an Namen, fle näher zu begeich-
‚nen. Einige Schaferten mit fogenannter Naturfarbe beflst Hifpa-
«nen, ſehr vorzügliche mit ſchwarzer Wolle Bollentia [Polenza] an pen
Alven, die fogenannten Erytgrätfegen mit röthlicher Wolle Aflen und
auch Bätica, mit gelblicher Canuſium und mit einer eigenthämlichen
ſchwarzen Tarentum. Alle Ifriichabgefchorene] Wolle mit ihrem
Schweiße hat Heilkraft. In Iſtrien und Libuenien*) gleicht bie
Schafwolle mehr dem Haare als ver Wolle; fie tangt nicht zu lang⸗
haͤrigen Kleidern; Salacia [Mlacer do Sal] in Lufltanien [Bortugal]
"macht ſie aber durch ein rautenfürmiges ober neßförmig gewebtes
‘(& resenux) Gewebe beliebt. 3. Achnlich if die Wolle um Pifcens
IPezenas] in der narbonenflfchen Provinz, ebenfo in Aegypten; bie
daraus verfertigten Kleider werben, wenn fie abgetragen find, ge
färbt und halten dann noch lange Zeit. Die firuppige Wolle mit
rauhem Haar nahm man fchon in den älteften Zeiten gern zu Teppi-
ben; daß fich febenfalld vie Alten ſchon der letzteren bebienten,
fagt Homer. *) Auf andere Weife bilden ») fle die Gallier
und wieder auf andere Weiſe die parthifchen Völker +) bunt. Die
*) Vergl. B. TIL, K, 23 und 26.
**) Yliade X, 156. Odyſſee, IV, 124 und an andern Stellen.
“ee, Sch glaube das lateinifche pingere am beſten mit dem in Güb-
— gebraͤuchlichen, ganz entſprechenden techniſchen
Ausdrucke „bilden“ (mit Strichen oder Muſtern durchweben),
und vestis piota mit „gebildetes Kleid“ zu uͤberſezen. Dan
fagt auch Häufig geblämtes Seng, felbft wenn feine Blumen,
ondern nur Striche eingewirkt find. '
+) Betgl. B. VI, Kap. 28.
2 ð
30
100 + €. Plinius Naturgeſchichte.
Wolle bilbet ſchon au und für fi *) ein Filzkleid; fügt man Gig
Hinzu, fo widerfteht fle auch dem Eifen, **) ja ſogar, wenn fe bie
letzte Reinigumg erhalten Hat, dem Feuer; ***) deßhalb Brandt mar
fle auch, wenn fle aus den Kefleln der Säuberer herausgezogen if,
zur Bereitung von Polftern, was, wie ich glaube, eine Erfindung ver
Gallier if; jebenfalld unterfcheibet man fle jeht noch Durch gallifche
Namen, und es möchte nicht leicht zu beflimmen feyn, zu welchet
Zeit fle auffamen; denn hei den Alten befand das Bett ans Stroh,
wie auch noch jebt in den Belblagern. Die Friefe (gausapa) famen
zu meines Baterd Zeit, die auf beiden Spiten baarigen Zeuge
(amphimalla) zu unferer auf, fo wie auch die zotigen Bauchgurte
(ventralia), und erfi jept fängt man an das Unterfleid mit breitem
Streifen +) friesartig zu wehen. Die ſchwarzen Wollarten nehmen
feine Farbe an; von dem Faͤrben der übrigen werben wir au ben
paſſenden Stellen, wo von ben Seeſchnecken oder ber Eigenfchaft ber
‚Kräuter die Rebe ift, fprechen. Ft)
‚LXXWV. 1. Die Wolle an Roden und Spindel der Tanagutl,
welche au) Caia Caͤcilia Tt}) hieß, war, wie M. Barıo erzählt,
*) indem man ſie nur zufammenpreßt (daher (coaota vestis,
Filzkleid) ohne fie zu weben.
**) Bine Behauptung, die jegt wohl Niemand glauben wird.
**e) Auch diefes ift nur in fo fern richtig, als die gut von Fett ge
reinigte Wolle nicht Leicht brennt.
2) Tunica lati olavi. Die Senatoren haben ald Abzeichen ihrer
— einen breiten Purpurſtreifen auf dem Bruſtſtücke ihrer
unica.
11) Vergl. B. IX, Kap. 62—64. B. XXI, Kap. 22.
111) In biefen römifchen Namen änderte die Gemahlin des Königs
Targuinius Priſcus ihren etrnfeifchen Namen Tanaguil um.
— ur
Achtes Buch. 1001
noch zu ver Zeit, wo er ſchrieb, im Tempel des Sangus *)'und ein
von ihre verfertigtes, Tönigliches Mohroberkleid, *) das Servius
Zulins**) getragen hatte, im Tempel der Fortuma vorhanden. Da⸗
her Tommt es, daß den Iungfrauen bei ver Verheirathung ein aufs
gewickelter Moden und eine Spindel nebft Faden nachgetragen wurde.
Ste webte auch zuerſt das gradſtreiſige Unterkleid, }) das die Jüng⸗
linge und neuvermaͤhlten Frauen mit dem ſchmuckloſen Oberkleide 77)
anziehen. Das Mohrkleid gehoͤrte zuerſt zu den geprieſenſten, aus
ihm entſtand das gekoͤperte. FIT) Daß bie geſchorenen und friess
artigen Oberfleiver T*) in ber letzten Zeit des göttlichen Auguftus
auffamen, fchreibt Feneſtella. Die dichten, mit Mohn zubereite⸗
ten 1**), Haben einen älteren Urſprung, da fle ſchon zur Zeit des
Dichters Lucilius an Torquatus gerügt wurden. 2. Die verbrämten
* 8 Ri ein famnitifcher Gott, welcher der römifche Herfules
eyn foll
”) Toga undulata, von gewäflertem Zeug; ih halte es für daſ⸗
felbe, was jest Mohr (moire) Heißt.
***) Der Nachfolger der Tarquinius Priſcus.
7) Tunica reota, woran die Fäden gerade herunterliefen; ohne
Deflein, wie man jebt fagen würde.
+) Toga pura, weil fle nicht bunt, Ionbern ganz weiß war.
+17) Soriculata oder sororiculata. Man ift noch über die Ablei-
tung diefes Wortes nicht einig; ich Leite ed von cogos (Haufeh,
- Erhöhung) ab und Halte es Für das Zeug, welches wir jetzt
geföpert nennen.
79 Toga rasae (mit abgefchorehen Haaren, wie unfer jetziges
Tuch) und Phryxianae (kraus, friesartig, wie dad Vließ des
befannten Widders des Phryxus).
7) Papaveratae. Um bie Zeuge glänzend zu machen, bebiente
men 1 einer Miofnatt, Vergl. Plinius, B. XIX, Kap.
XX, Ray. 78 |
1002 G. Plinins Naturgeſchichte.
Kleider *) nahmen bei ven Etruskern **) ihren Urfprung. Ich finde auch,
daß fchon die Könige das gefreifte Staatöfleib ***) irugen und ſchon
bei Homer +) gebildete Kleider (f. ob. 8.73, $. 3) vorkommen, wors
and die Triumphfleiver ++) entftunden. Diefed mit der Nabel zu mar
hen Tt}) erfanden bie Phrygier; 79 ſolche Kleider Heißer vefhalb
phrygioniſche [geftichte]). Bold in fle einzuwirfen erfand ebenfalls
in Aflen der König Attalus, +**) weßhalh ſolche ben Namen attafifdfe
führen. Durch das Cinwirken der Mufter mit bunten Farben machte
ſich Hauptfähli Babylon berühmt und legte diefer Arbeit feinen
Namen bei. . Mit: vielen Fäden die Zeuge, welche Bolymita pP8)
heißen, weben, lehrte Alexandrien, fie rantenförmig*}) abiheilen
Gallien. 3. Metellus Scipio **+) zählt es unter den Berbrechen
Gato’8 auf, daß ſchon damals babyloniſche Teppiche anf Syeiſernhe⸗
Betten 800,000 Sefterzien [76,378 Gulden] gefoftet hätten, welche
*) Praetextae, mit einem Purpurftreifen befepte Kleider, welche
fowohl die Magiftrate als auch die Jünglinge bis zu ihrem
fiebenzehnten Jahre und die Mäbchen bis zu ihrer Verheira⸗
thung trugen. ' "
N) B. III, Kap. 8.
“) Mrabea ; mit Purpurſtreifen (trabibus) verfehen.
+) Iliade III, 125, wo von Helena gefagt wird, daß fie in ihr
Gewebe die Kämpfe der Griechen und Troer eingewirkt Habe,
Tr) Welche von Burpur und mit Gold durchwirkt waren.
71f) Nämlich die Kleider zu ſticken.
1”) Berg. B. V, Kap. 41.
1) Attalus IN. von Pergamus,(138—4133 vor Chr.).
1’) Bon nord (viel) und wirog (Faden); bei dem alfo mehrere
Hüben zum Ginfchlagen genommen wurben, wie etwa beim
Mich.
1) Bergf. oben Kap. 73, $. 2.
1) Vergl. die Bemerkungen über die Quellen dieſes Buche.
Achtes Buch. 41003
doch den Kaiſer Nero anf 4,000,000 Seſterzien [381,888 Gulden]
zu. ſtehen kamen. Die verbrämten Gewaͤnder des Servius Tullius,
womit das Bild der von ihm geweihten Fortuna bekleidet war, hiel⸗
ten bis zum Sturze des Sejanus,“) und es iſt gewiß zu verwundern,
daß ˖ fie in einem Zeitraume von 560 Jahren weder abfielen noch
darch die Motten Schaben litten. Wir haben auch ſchon an leben⸗
digen Schafen die Wolle mit Purpur, Scharlach und Veildyenblau,
und zwar fo, daß auf einen halben Fuß Raum ein Pfund Farbe
ging, gefärbt gefehen, als ob die Ueppigkeit fle zwingen wolle, fo zu
wachſen.
LXXV. 1. Die Güte des Schafes zeigt ſich dinlangiich, an
den kurzen Füßen und dem mit Wolle bedectten Bauche; die Schafe,
Bei welchen dieſer nackt iſt, nannte man Kahlbäuche”*) und verwarf
fle. In Syrien haben die Schafe ) ellenlange Schwänze und daran
die weite Wolle. Die Laͤmmer zu verſchneiden, ehe fe fünf Jahre
alt find,. Hält man für zu fräße. +)
ur). Auch in Spanien und haupftſaͤchlich auf Eorflca gibt
es ein dem Schafe nicht fehr unähnliches Thier, das Muflon, +7)
deſſen Bließ aber mehr dem Ziegenhaar ald der Schafwolle gleicht.
Die von diefer Thierart und dem Schafe erzeugten Iungen nannten
) Aelius Sejanus, lange der allmaͤchtige Guͤnſtling bes Kaiſers
Tiberius, wurde im Jahr 31 nach Chr. als Anſtifter einer
Berfhtwstung eingeferfert und erdroſſelt.
*%) Apicae, von @ und rtdnog, ohne Bließ.
») Plinius meint das langſchwaͤnzige Schaf (ovis dolichura),
welches man in Tfcherfefflen, am Kaufafus, in Kleinrußland
und in Syrien findet,
7) Man macht jetzt ſchon im zweiten Jahre Hammel.
jr) Oris musmon, Muflon, auf Eorflca Muffolo genannt, das
europaͤiſche oder ſardiniſche Schaf.
/
1004 C. Plinius Raturgeſchichte.
die Alten Umbrer.) 2. Das Schwaͤchſte am Schafe iſt der Korf,
weßhalb man es auch zwingen muß, den Rüden gegen bie Gonne
gewendet zu waiden. Die wflletragenden Thiere find die Dünmfen
son allen, wenn fie fi fürchten, wohin zu gehen, fo nimmt man
nur eines beim Horne und alle folgen.. Sie ‚werben hoͤchſtens zehe
Sahre alt, **) in Aethiopien dreizehn, die Ziegen ebenfalls elf Jahre,
in den übrigen Ländern meiftens nur acht. Beide Schafarten wer
den beim vierten Sprunge frächtig.
LXXVI (1). 4. Die Ziegen werfen fogar vier Junge, aber
doch felten, und tragen fünf Mondte, wie bie Schafe. : Sepen fe
zuviel Fett an, fo werden fie unfruchtbar. Bor ihrem dritten Jahre
iR das Trächtigwerben von geringerem Vortheil, eben fo im ihrem
Alter nach dem vierten Sabre. ***) Sie werben. fihon im flebenten.
Monate, wanz fie noch: fangen, reif. Mit geſtutzten Hörnern find
beide Gefchlechter nüglicher. Der erſte Sprung bes Tages macht
nicht trächtig, der zweite ift wirffamer, und fo weiter. Sie empfan-
gen im Monat November, damit fle im März, wann die Geſtraͤuche
ausſchlagen, werfen, und zwar manchmal in ihrem erflen Jahr , Reis
aber in ihrem zweiten; ift Diefes bis zum Dritten nicht der Wall, fo
find ſie unbrauchbar. Sie werfen acht Jahre lang; Fehlgeburten
werben durch Kälte" verurfaht. 2. In die unterlaufenen Augen
Richt die Ziege mit einer Binfe, der Bod mit einem Brombeerbome
und befreit fle fo vom Blute. Mucianus erzählt ein Beifpiel von
der Klugheit diefes Thieres, wilches er ſelbſt auf einer ſehr ſchmalen
2 — Miſchlinge, Baſtarde.
Deiter doch auch mehr, und zwar bis zu vierzehn; fle liefern
au. aber nur fleben Sahre lang Nutzen.
I Die Gaife ift 7, der Bocks Sabre gut.
. ben Haare hefleivet.+}) 4. Wenn die Sonne ſich zum Untergange
Achtes Buch. 1005
Brüde, wo zwei Ziegen von verſchiedenen Seiten her ſich begegneten,
mitanſah. Da der enge Raum weder dad Umdrehen, noch die Länge:
des ſchmalen Stegs, unter dem ein reißenber Gießbach drohend da⸗
Hincaufchte, das blinde Buräcigehen geflattete, fo legte ſich die eine
nieder und bie andere giug über bie unter ihren‘ Füßen hingeſtreckte
Hiumeg. Die Voͤcke mit äußerft platter Nafe, Iangen herabhängens
den Ohren und fehr zotigem Vorderbug hält man für die beften.
Die Güte der Gaiſen zeigen zwei an der Kehle herabhängenbe:
Fleiſchtrotteln. Nicht alle haben Hörner, bei denen aber , die damit
verfehen find, verräth die Zunahme der Knoten die Jahre ihres
Alters. Mit geſtutzten Hörnern gehen fie reichlichere Mildh. 3. Daß.
fie durch die Ohren und nicht durch Die Naſe athmen, fo wie, daß
fie nie frei von Fieber find,*) behauptet Archelaus; fle Haben deßhalb
vielleicht einen heißeren Athem als die Schafe und find hitziger bei
der Begattung. Sie follen auch bei Nacht nicht weniger gut fehen
als am Tage, und deßhalb auch die fogenannten Nachtblinden **) am
Abend ihr Geſicht wieder erhalten, wenn fle Stegenleber efien. In
Gilicien ***) und um die Syrten +) find die Ziegen'mit einem ſcheer⸗
*) Schon Ariftoteled- (Hist. animal. I, 9) verlacht diefen Unſtun.
**) Nyotalops. Das Uebel, welches jetzt Hemeralopia (Nahte
Blindheit, Hühnerblindheit) heißt, befteht darin, bag der Kranfe
nach) Uinterga@® der Sonne und ſelbſt am Tage an ſchattigen
Drten ende oder nichts ficht. — Daß übrigens das Gier an=
egebene Heilmittel nur vom thörichten Aberglauben als wirk⸗
am betrachtet werden Tonnte, braucht wohl Taum bemerkt zu
werben. ..
”) Vergl. B. V, Kap. 22.
© +) Berl. B. V, Ray. 4.
" L
tr) Plinias meint die in Kleinaflen auch jetzt ſehr häufige und
1006 6. Plinius NRaturgefchichte.
neigt, ſollen bie Ziegen ſich nicht mehr anſehen, ſondern von eimanher
abgewenbet baliegen, während fle fich zu ben übrigen Giunben ein⸗
ander zuwenden und nach Verwandtſchaften ſchaaren.) Allen haͤngt az
dem Kinn eine Zote herab, die man Ziegenbart) nennt; wenn mans
eine von ber Herde an dieſem ergreift und fortzieht, fo fehen bie übtigen
verblüfft zu. Daſſelbe foll auch der Fallfeyn, wenn eine Yon ihnen im
ein gewifies Kraut **") beißt. Ihr Biß ift dem Baume verderblich
und den Delbatım machen fle fogar ſchon, wenn fle daran lecken, uns
fruchtbar, weßhalb fie auch ber Minexva-t) nicht geopferf werden.
LXXVII cn. 1. Die Schweine läßt man vom Aufipringex
bes Weſtwindes ++) bis zur Brühlingstagundnachtgleiche zur Be
gattung zu. Das dazu tangliche Alter reicht vom achten, in mans
chen Gegenden auch vom vierten Monate bis zum achten Jahre. Sie
werfen zweimal des Jahres, +FF) fragen vier Monate und find fe
fruchtbar, daß ſich die Zahl ihrer Jungen bis auf zwanzig 79 be
läuft; fie können aber fo viele nicht aufziehen. Nigivins fagt, daß
fie in den der Dinterſo menwende naͤchſten zehn Tagen mit den Zähnen
Ey
geihäpte age Ziege (capra hircas angorensis) mit ſei⸗ g
denartigen Haaren.
*) Auch Ariſtoteles (Hist. animal, IX, 4) erwähnt biefes alten
. Aherglaubene, site
) Aruncus, das griechiſche ovyyoc.
**) Eryngion (Nannstreu) genannt. Manindet dieſe alberne
Meinung auch noch in neueren Kraͤnterbůchern.
I) Welcher der Oelbaum heilig i
Tr) Bon der Mitte des Februare,
112) ebog nicht immer, fondern regelmäßig nur einmal im Fräfs
7”) Die gap Zahl iſt etwas übertrieben ; man rechnet gemöhzlih*
VER unge.
>
r
b Achtes Bud. 1007
zur Belt kommen. *) Gie werben durch Cine Begaktung trächtig,.
man laͤßt fle dieſe aber wiederholen, weil fie leicht fehlgebären. Ein
Mittel dagegen ift, wenn die Begattung nicht fogleich bei der erfien
Bruuſt, und ehe die Ohren herabhängen, flatt findet. 2. Die Eher
find uicht über das dritte Jahr hinäus zeugungsfähig, die alters⸗
ſchwachen Sauen laflen ſich liegend belegen. Daß dieſe ihre Jungen
Treffen, gehört nicht zu den Wunderdingen. Das Ferkel ifl am fünfs
ten, das Lamm am achten und das Kalb am breißigften Tage zum
Dpfer rein. Coruncanus ) ſtellte in Abrebe, daß Die wiederfäuen«
ben Opferihiere cher, als fie zwei Zähne hätten, rein ſeyen. Ein
Schwein, glaubt man, flerbe alsbald, wenn es, ein Auge verliere,
ſonſt bringt es fein Leben auf fünfzehn, manchmal auch auf zwanzig
Zahre.}) Sie werben aber wild und find auch fonft eine den Krank⸗
heiten ‚befonders der Bräune und ben Finnen, unterworfene Thiers
art. 3. Daß ein Schwein Frank ift, zeigt das Blut an ber Wurzel
“ einer auf dem Rüden ausgerifienen Borſte und die fehiefe Haltung
des Kopfes beim Gehen. Bei allzufetten trilt Mangel an Milch
ein unb bei ihrem erſten Wurfe find die Jungen minder zahlreich).
Das Välzen im Koth iſt diefer Thierart Vergnügen. Sie haben
einen gewundenen Schwanz; auch hat man bemerkt, daß fle leichter
ein glüdliches Opfer werben, wenn der Schwanz zur Rechten, als
wenn er zur Linfen gedreht if. Sie werden in fechzig Tagen fett
und zwar am beften, wenn man die Mäftung mit einem dreitägigen
*) Was aber Niemand leicht glauben wi
**) BVergl. bie Bemerkungen übex bie —E dieſes Buchs.
eꝛe⸗) Gin lächerlicher Glaube.
+) Das wilde Schwein sieh 20 bis 25 Jahre alt; bad zahme
* wird weit jünger gefchlachtet, fonft würbe es wahrfeheinlich
ebenfo ‚alt werden,
-
1006 C. Plinius Nqturgeſchichte.
neigt, ſollen die Ziegen ſich nicht mehr anſehen, ſondern von einander
abgewenbet daliegen, während fie fich zu ben übrigen Stunden eins
anber zuwenden und nach Verwandtſchaften fchaaren.”) Allen hangt an
dem Kinn eine Zote herab, die man Ziegenbart *°) nennt; wenn mars
eine von der Herde an biefem ergreift und fortzieht, fo fehen bie übrigen
verblüfft zu. Dafielbe foll auch der Fall ſeyn, wenn eine von ihnen in
ein gewifles Kraut ***) beißt. Ihr Biß iſt dem Baume verberblich
und den Delbaum machen fle fogar fchon, wenn fle daran Ieden, uns
fruchtbar, weßhalb fle auch ver Minerva-}) nicht geopferf werben.
LXXVII cn. 1. Die Schweine läßt man vom Aufipringen
des Weſtwindes ++) Bis zur Frühlingstagundnachtgleiche zur Bes
gattung zu. Das dazu fangliche Alter reicht vom achten, in mans
chen Gegenden auch vom vierten Monate bis zum achten Jahre. Sie
werfen zweimal des Jahres, ++) fragen vier Monate und find fe
fruchtbar, daß ſich die Zahl ihrer Jungen bis auf zwanzig 79 bes
läuft; fie können aber fo viele nicht anfziehen. Nigidins fagt, daß
fle in den ber Binterfonnenwende nächften zehn Tagen mit den Zähnen
geſchätzte angorifche Ziege (capra hircas angorensis) mit fiir g
vennigen Haaren. |
*) Auch Ariſtoteles (Hist. animal. IX, 4) erwähnt biefes alten |
erglaubens.
) Aruncus, das griechiſche Jovyyoc.
**+) Eryngion (Nannstreu) genannt. ManNindei dieſe alberne
Meinung auch noch in neueren Kräuterbüchern..
7) Welcher der Oelbaum heilig if. _
TT) Bon ver Mitte des Februars.
7tt) Ieboch nicht immer, fondern regelmäßig nur einmal im Fruͤh⸗
ahre.
7°) Diefe Zap iſt etwas übertrieben; man rechnet gewöhrlih* .
-
\ Achtes Bun. 1007
zur Belt Tommen. *) Sie werden durch Bine Begattung traͤchtig,
man läßt fle dieſe aber wiederholen, weil fte leicht fehlgebären Gin
Mittel dagegen ift, wenn die Begattung nicht fogleich bei ver erfien
Bruuf, und Ehe die Ohren herabhängen, flatt findet. 2. Die Eber
find nicht über das 'dritte Jahr hinäus zeugungsfähig, die alters⸗
ſchwachen Sauen laflen ſich liegend belegen. Daß biefe ihre Jungen
Treffen, gehört nicht zu den Wunberbingen. Das Ferkel iſt am fünfs
ten, das Lamm am achten und das Kalb am breißigften Tage zum
Dpfer rein. Goruncanus ) ſtellte in Abrede, daß die wieherfäuen«
ben Opferthiere eher, als fie zwei Zähne hätten, rein feyen. Gin
Schwein, glaubt man, fterbe alsbald, wenn es, ein Auge verliere, **).
Tonft bringt es fein Leben auf fünfzehn, manchmal auch auf. zwanzig
Sabre. }) Sie werben aber wiln und find auch fonft eine den Krank⸗
heiten ‚befonders der Bräune und den Finnen, unterworfene Zhiers
at. 3. Daß ein Schwein frank ift, zeigt das Blut an ber Wurzel
" einer auf dem Rüden ausgerifienen Borſte und die fehiefe Haltung
des Kopfes beim Gehen. Bei allzufetten tritt Mangel an Mil
ein und bei ihrem erſten Wurfe find bie Jungen minder zahlreich.
Das Waͤlzen im Roth if diefer Thierart Vergnügen. Sie haben
einen gewunbenen Schwanz; auch hat man bemerkt, daß fle leichter
ein glüdliches Opfer werben, wenn der Schwanz zur Rerhien, als
wenn er zur Linken gedreht ifl. Sie werden in fechzig Tagen fett
und zwar am beften, wenn man die Mäftung mit einem breitägigen
*) Was aber Niemand leicht glauben wird.
Vergl. bie Bemerkungen über bie Quellen dieſes Buchs.
*ee) (Sin lächerlicher Glaube.
+) Das wilde Schwein wird 20 bis 25 Jahre alt; das zahme
3 wird weit jünger gefchlachtet, ſonſt würde es wahrfcheinlich
ebenfo alt werden,
1008 C. Blinins Naturgeſchichte.
Faſten beginnt. Dieſes Thier if von allen das Dümmſte, und nidgt
unwigig ift der Einfall, daß ihm die Seele nur flatt bes Sales *)
diene. 4. Man weiß indeflen, daß Schweine, welche auf diebiſche
Meile fortgebracht wurden, als fle bie Stimme ihres Hirten hörte,
das Fahrzeug dadurch, daß fie ſich auf die eine Seite brängten, une
"warfen und zurüdliefen.**) Die Leitſchweine lernen fogar in ber
Stadt ven Marktplatz und ihre Häufer ſuchen; und auch die wilden
Schweine ſind klug genug, ihren Urin in Pfützen zu laſſen und ſich da⸗
durch Die Flucht zu erleichtern.) Man caftrirt auch bie Sauen, wie
die Kameele, indem man fle nach zweitägigem Falten an den Border
ſchinken aufhängt und die Gebärmutter ausſchneidet; fle werben fo
ſchneller fett.
5. Man wendet bei der Leber der Sauen diefelbe Kunſt an,
wie bei ver Leber der Gänfe, indem man file nach einer Erfindung des
M. Apicius +) mit getrodineten Feigen mäftet und wenn fie fett find,
nachdem man fle zusor mit Meth getraͤnkt Hat, ploͤtzlich abſchlachtet.
Kein Thier liefert der Garfüche einen-fo reichlichen Stoff; man Bes
reitet aus ihm an fünfzig Lederfpeifen, aus ben übrigen aber nur
einzelne. Daher rühren bie Stellen in den Gefetzen der Genforen TT)
*) Damit es nicht verfaule,
**) Aelian (Hist. animal. VIII, 19) erzählt diefe Befchichte etwas
umftändlicher.
+) Se fie auf biefe Weile den Jägern und Hunden ihre Spur
entzie en.
+) Eines berühmten Schlemmers, welcher zur Zeit des Kaifers
Tiherius lebte und fich, nachdem er fein Bermögen verpraft
hatte, vergiftete. Das noch unter feinem Namen vorhandene
— a übrigens nicht von ihm, fondern fällt in eine weit
foat
{DD Weide dV ſachlich über die Sitten zu watheꝛ hatten.
J
Achtes Beh. —. 1009
und bie Verbote, den Schmeerbaudh, die Drüfen, die Hoden, die Ges
bärmutter und die Kinnbacken ber Schweine auf die Tafel zu bringen,
‚und doch gab der Mimendichter Publius, *) nachdem er ſich aud dem
Sklavenſtand befreit hatte, fein Gaftmahl ohne Schmeerbauch, wel:
chem er auch den Namen Sumen (Suter) beilegte.
LXXVIII. 1. Auch an den wilden Schweinen fand man Be
Hagen’und ſchon die Neben bes Cenſors Cato eifern gegen den Wilb-
ſchweinsrücken. Man theilte dieſen jevoch in drei Teile ; das Mittel-
ſtück wurde aufgetragen und hieß Wildſchweinslenden. Gin ganzes
Wildſchwein jegte von den Römern zuerft P. Servilius Rullus , der
‚Bater jenes Rullus, der unter dem Conſulate Eicero’s [63 vor.
Ehr.] den Borfchlag zu: einem Ackergeſetze machte, ) bei einem
.Schmaufe vor. 2. So nahe liegt der Urfpeung einer jebt alltaͤg⸗
‚lien Sache. Huch diefes bemerken unfere Annalen, offenbar um
jene Sitte zu rügen, nach welcher nicht einnial während der ganzen
‚Mahlzeit, fondern fchon fogleich beim Anfange zwei und drei Wild⸗
ſchweine auf einmal verzehrt werben. |
*) Der berühmtefle Mimendichter, Publius Syrus,, lebte zur
Zeit des Auguftus. Ob er mit dem bier erwähnten eine und
Diefelbe Perfon ift, Täßt fich nicht mit Beſtimmtheit ermitteln. _
Der Charakter des Publius Syrus wird von feinen Zeitges
noffen fehr gerühmt, während Blinius den bier erwähnten
Publius als einen Schlemmer zu bezeichnen ſcheint. — Mimen
find Dramen, deren Stoff aus dem römifchen Volksleben ges
nommen war,
*) Der. Tribun Rullus machte den Antrag, die Staatölänbereien
zu Gunften der Plebejer zu verlaufen, welchen aber, Cicero
bintertrieb, wie man aus deſſen noch vorhandenen Neben über
. diefen Gegenfiand (de Jege agraria in Servilium Rullum)
erſehen kann.
410 GC. Pliniub Naturgeſchichte.
am. Thiergärjen für dieſes und anderes Wiln brachte von
den römifchen Bürgern zuerſt Fulvius Lupinus auf, der im Tarıık
niſchen Gebiete *) die Fütterung wilder Thiere veranflaltele. 2. Eu
cullus und D. Hortenfins faumten nicht, ihm nachzuuahmen. **)
3. Die wilden Schweine haben nur einmal im Jahre Junge.
Während der Begattungszeit zeigen die Cber bie meiſte Wildheit;
fie kämpfen alddann mit einander, indem fie fich die Selten ber
Keiben an Bäumen härpten uud fich mit Koth panzern. Die Bachen
find, wenn fle geworfen Haben, wilder, was faft bei allen Arten des
Wildes der Fall if. Die Eher werben erſt, wann fie ein Jahr alt
find, zeugungsfähig. Im Indien wachen ihnen zwei ellenlange
gebogene Zähne and dem Hüffel and ebenfo viele aus der Stirne, )
wie bem Kalbe die Hörner. Die Vorſten der dortigen Wilbfepweine
"find fupferfarbig , die der andern ſchwarz. In Arabien gibt es
Teine Schweine. .
LXXIX au. 4. Bei keinem Thiere iſt die Mifchung mil der
wilden Art fo leicht; die auf ſolche Weife erzeugten Jungen nannten
die Alten Hybriden, +) gleichfam Halbwilde, und man übertrug
) Bergl. B. IL, Kay. 3,8. 3.
») Bergl. Barro, de re rast. IH, 12. 13.
ee) Blinius meint bier offenbar den in den ſumpfigen Waͤlbern ber
indifchen Inſeln ſich ſindender und erſt in ben letzten Jahr⸗
zehnten in Europa genauer bekannt gewordenen Hirſcheber (sus
babyrussa). Seine langen oberen Hauer, die nach oben
wachfen, dringen bioweilen ſelbſt in das Fleiſch der Stirne ein
und moͤgen den Glauben der Alten, daß ihm auch auf der
9 —* zwei — 5 — wachſen, enagt haben. m
nge, Baſtarde, yon vpeig, weil fle gleichfam t
gegen bie Natur find, Bei fe gleichfa are
Achtes Buß. 1011
Diele Benennung au auf Menfchen, wie auf ven C. Antonius,”
der mit Cicero das Conſulat bekleidete. Nicht nur von den Schwei⸗
nen aber, fondern überhaupt von allen Thieren, von denen es eine
zahme Art gibt, hat man auch eine wilde, wie denn ſchon früher **)
von fo vielen Stämmen wilder Menfchen gefprochen wurde. 2. Die
waeiften Spielarten liefern jedoch die Siegen. Es gibt Rebe, **") es
gibt Gemſen +) und gibt Steinböcke; T}) die letztern beſitzen eime
bewunderungswuͤrdige Schnelligkeit, obfchon ihr Kopf mit breiten,
Schwertericheiden ähnlichen Hörnern belaftet if; auf biefen bringen .
fie fih in Schwung, um fich wie durch ein Wurfgeſchütz auf die
Belfen zu fchnellen, befonbers wenn fle von einem Berge zum andern
überjeben wollen, und fpringen jo durch das Anprallen immer fchneller,
wohin es ihnen beliebt. +7}) Es gibt auch Spießgemfen, +”) die
alfein, wie Manche angeben, mit verfehrtem und nad) dem Kopfe
hinſtehenden Haare befleivet find. Auch gibt es Damgemfen, +**)
) Gewöhnlih E. Antonius Nepos genannt.
=‘) B. VII, Rap. 2.
**%) Caprea — Cervus eapreolus, gemeined Reh.
+) Rupicapra — Antilope rupicapra, gemeine Gemſe.
}}) Ibex — Capra ibex, der europäifche Steinbod.
771) Die Meinung, dag ſich der Steinbock beim Springen auf feine
Hörner flüge, it gänzli falfh; bei feiner Schwere würde
ihm. diefes fehr fchlecht befommen..
+*) Oryges. Die Spießgemfe (antilope oryx) ift vom Kreuze
bis zum Scheitel widerborftig. |
4°") Damae. Dan ift immer noch zweifelhaft, welches Thier Pli⸗
nius mit dem etwas vagen Namen Dama bezeichne. Wahr:
ſcheinlich meint er aber die afrilanifche Damgemfe (antilope
dama). Andere wollen barunter die arabifche Gazelle (antilope
arabica) verſtehen. Ä .
1012 G. Plinius Naturgeſchichte.
Blaͤßbode, ) Schraubengemfen **) und noch viele andere diefen nicht
unähnliche Arten; aber jene ***) ſchicken die Alpen und biefe F) dr
überfeeifchen Gegenden.
-LXXX cum. 1. Auch die Affenarten, welche ber menfchlichen
Geſtalt am nächften fommen, unterfcheiven ſich von einander durch
die Schwänze. Sie befipen eine wunderbare Geſchicklichkeit und
follen ſich, weil fle die Jäger in allem nachahmen, mit Bogelleim
befireichen und die Füße in Schlingen fleden. $}) Mucianus ex
zählt, daß fie fogar Schach frielten und die aus Wachs gebilbeten
Figuren durch die Hebung unterfcheiben lernten. Die gefchwänzten
Arten find bei abnehmendem Monde traurig und verehren ben Rens
mond. buch Iuftige Sprünge. Bor der BVerfinfterung der Geſtirne
fürchten ſich indeſſen auch bie übrigen vierfüßigen Thiere. +77)
2. Das Affengefchlecht Hat eine überaus große Liebe zu feinen Jun⸗
gen... Die zahmen Weibchen; welche. in den Wohnungen ber Men
fchen geboren haben, tragen ihre Jungen auf den Armen, zeigen fie
Sedermann und freuen fih, wenn man fie ſtreichelt, gleich ald wenn
fie dieß als eine Beglücwünfchung betrachteten ; deßhalb erfliden fie
Diefelben auch fehr oft durch ihre Umarmungen. Wilderer Natur
find die Hundsföpfe +”) und Satyın. 7°) . Durch ein faft ganz
*) Pygargus — antilope pygarga. Die Benennung pygargus
(mit weißem Bürzel) paßt übrigens aufmehrere Gazellenarten.
**) Strepsiceros — antilope. addax. Vergl. B. XI, Kap. 45.
“s“) Die Rehe, Gemfen und Steinböde. .
7) Die Damgemfen, Bläßböre und Schraubengemfen.
77) Woburd fie in die Hände der Jäger gerathen.
tir) Die lebte Bemerkung ift richtig; Was aber von ber Trauer
| und Freude ber Affen bei dem Wechſel des Mondes gefagt
wird, müßiges Gerede. -
‚?°) Cynocephalas — simia hamadryas, arabifcher Affe.
Trus = simia satyrus, Orang⸗Utan.
-
RR. 1948
anderes Anfehen unterſcheiden ſich die Callitrichen; *) fle haben einen
Bart im Geſichte und einen am Anſatze fehr breiten Schwanz. "Dies
fes Thier ſoll unter feinem aubern Himmelsſtriche, ald unter dem
Aethivpiens, wo ed zu Haufe ift, fortlommen.
LXXXI av). 1. Auch von ben Hafen gibt e8 mehrere Arten z
in deu Alpen find fie weiß *") und hier dient ihnen, wie man glaubt,
während ber Wintermonate ber Schuee ald Nahrung; gewiß if’s,
Daß fie jebes Jahr, wenn diefer ſchmilzt röihlich werden; übrigens
gedeiht dieſes Thier auch bei einer unerträglichen Kälte, — Zu dem
Haſengeſchlecht gehört auch bie Art, welche man in Hifpauien Kr
ninchen ***) nennt; fle vermehren ſich ind Zahlloſe und verurſachen
auf den Balearifchen Infeln-}) durch Verheerung der Erndten Huns
gersnoth. 2. Die aus dem Mutterleibe geſchmittenen oder von ber
Bruſt genommenen Jungen ſpeist man, ohne fle vorher von ben, Eine
geweiden zu reinigen, als fehr große Leckerbiſſen und nennt fie Lau⸗
rices. tr) Gewiß if, daß die Bewohner der Balearen gegen bie
Ueherhandnahme derſelben von dem goͤttlichen Auguſtus Truppenbei⸗
Rand exhaten, ‚Su großer Gunft fliehen die Frettchen +44) wegen.
ber Jagd ber Kaninchen. Man wirft ſie in die unter der Erbe bes
ſindlichen und mit vielen Ausgängen verfehenen Höhlen, wovon auch
das das Kaninchen feinen Namen hat, 1°) und fängt bie auf dieſe Weiſe
5 Eqꝙ Schoͤnhaarige; fle find eine Spielart des arabiſchen Affen.
Der Alpenhafe (lepus variabilis) if im Winter weiß und im
Sommer grau ; baß der Farbenwechſel aber nicht vom Schnees
freflen herrühre, braucht wohl faum bemerkt zu werden.
*#) Lepus euniculus, fpanifch oonejo, conejille. -
3 Mo nad) jegt die Kanindjen ſehr Häufig find.
+) Ein ung unverftändlicheg, wahrſcheinlich ariſches Wort.
) Viverra = müstela furo.
Canioulus Heißt auch ein aenleritdiſcher Bang.
G. Blinius Naturgeſch. 86 Bdchn.
1014 G. Puntus Naturgeſchichte.
heraudgetriebenen. — Archelaus behauptet, ſo viele Behälter für
ben Roth ber Safe im Leibe habe, fo viele Jahre fey er alt. Jene
finden fich wirklich nicht immer in gleicher Anzahl. ) 3. Derfelbe
fagt auch, daß jeder Haſe das Zeugungsvermögen beider Geſchlech⸗
ter habe und ich ohne Zuthun eines Maͤnnchens fortpflanze. *) Die
Natur zeigte ſich darin gütig, daß fle unfchähliche und efhare Tiere
fruchtbar ſchuf. Der Hafe, zur allgemeinen Beute geboren, R auf
anfer dem Daſypus 9 das einzige Thier, welches überftuchtet
wird; ein Junges zieht er auf und im Leibe trägt er zugleich ein
ſchon mit Haaren befleibetes, ein unbehnartes und ein erſt entfinnves
need. Man bat auch aus dem Haſenhaar Kleider zu verfertigen ge
ſucht; es fühlt ſich aber dann nicht mehr fo weich an, wie au dem
Kelle, und bie Kleider tragen fi) wegen ber Kürze des Haares
ſchnell ab. ‘
LXXXII (vo. 1. Die Hafen werben felten zahm, obſchon
man fle eigentlich auch nicht wild nennen Tann; denn viele Tiere
find weber zahm och wild, fondern Halten ſich ihrer Eigenſchaft nach
zwifchen beiden in der Mitte, wie bei ben Vögeln die Schwalben un
Bienen, und im Meere bie Delphine.
*) Neuere Naturforfiher Haben biefe Bemerfung nicht gemacht.
*) Die bis in die neuere Zeit reichende falſche Anflcht, daß vie
. Hafen Switter feyen, wurde durch die Bildung der Zeugungk⸗
theile des Hafen veranlaßt; die Eichel an der weiblichen Ruthe
ift nämlich faft eben fo ftarf und eben fo weit hervorragend,
als an der männlichen, und die Rammler haben in ber Jugend
außen weber Beutel noch Geilen.
) Der griechifche Name für Kanindden, was aber Blinius über⸗
SR er mashte — ben pahe zu einem befonbeen
ere. e Ueberfruchtun 8 uron em en⸗
geſchlechte nichts Seltenes. 8 j as f
Au · 1015
\
wvın. 3u diefer Gattung zählen Biele auch unfere Hausges
noſſen, bie Mäufe,”) ein fogar Bei den Staat betreffenden Vorbeden⸗
tungen nicht au verachtendes Thier. Dem marflfchen Krieg.**) zeige
ten fie au, als fle zu Lanuvium ***) die ſilbernen Schilder, und den
Tod des Feldherrn Carbo, +) als fle zu Elnflum [&hiuff] die Riemen,
welche diefer zu feiner Befchuhung brauchte, annagten. 2. Mehrere
Arten berfelben gibt es in dem cyrenälfchen Gebiete, FT) einige mit
breiter, FF) andere mit fpißer Stine +*) und wieber andere mit
ſtachlichtem Haare 1**) nach Igelart. Theophrafus erzählt, daß
fie auf der Infel Gyarus [Iura], nachdem fle die Einwohner vertries
ben, fagar das Eiſen angenagt hätten, daß fle dieß auch aus einem
natürlichen Triebe bei den Chalyben 4***) in den Gifenfchmienen
ihun, und daß man ihnen deßhalb auch in den Goldgruben ven Bauch
auffchneide und bafeldft fletd das Geſtohlene finde, fo weit gehe ihre
Luſt zum Diebflahle. 3. Die Annalen berichten, daß während. der
Belagerung Gafllinums [Rovacagliad} durch Hannibal”}) eine Maus
für 200 Denare [76 Gulden] verkauft wurbe, und daß der Berfäufer
Hungers flarb, der Käufer aber am Leben blieb. Wenn meiße Mäufe
zum Borfchein kommen, fo gelten fle als eine glückliche Borbebeutung,
*) Mus musoulus, die Hausmaus.
*) Zewohnlich der Bundesgenoſſenkrieg genannt, Bol. 2. II.
ee) FEN 7 ein Tempel der Juno befand. gJetzt Civita Lavinia.
7) €. Papirius ( Garbe war im I. 120 nach Chr. Eonful.
Ri Bel. B. V. Kay. 5
m) Die gewöhnlichen Mänfe und Ratten.
+1’) Die Spitzmaus (sorex araneus). '
+°°) Die Hleinere Ratte (echimys nilotious, mus oahiranus).
4) Bol. B. VI, Kay. 4,$.2. B. VII, Kap. 57, $. 6,
*+) Bl Living, 2. "Ex, Kap, 19.
v
⸗
wois C. Pliniud Maturgefigiäte.
Dagegen ſtad unſere Annalen voll davon, vaß durch das Pfeifen ber
Spitzmaͤnſe die Auſpicien aufgelöst wurden. Nigidius bemerkt, daß
auch die Spigmäufe fi im Winter verbergen; ebenſo wie bie Schlaf⸗
zagen *), welche bie @efege der Genforen **) und der Prineps JErſte
des Senats] M. Scanrus während feines Konfulats ſ115 vor Ehr.]
eben fo von ven Mahlzeiten ausſchloßen, wie hie Schaltgiere und bie
aus einem andern Welttheile eingeführten Bögel. **) 4. Auch die
fes Thier ift Halbwild, und feine Fütterung in Fäffern veranſtaltete
derfelbe, F) welcher zuerſt Wildſchweine hegte. Man hat dabei die
Bemerkung gemacht, daß nur die aus einem und demſelben Walde
ſtammenden beiſammen gut thun und daß ſie, wenn man fremde, vie
durch einen Fluß oder Berg davon getrennt waren, unter fie bringt,
einander tobt beißen. Ihre alterſchwachen Eltern näbren fle mit ans:
gezeichneter Zärtlichfeit. Das Alter enbigt mit dem Winterfchlafe,
denn auch fle liegen im Winter verſteckt und werben mit dem Sommer
wieder jung, wie bie Sichelmänfe, ++) bie eine aͤhnliche Winterruht
halten. on
LXXXIH <(ivm. · 4. Es iſt wunderbar, daß die Ratur nicht
‚nur andern Ländern andere Thiere gegeben, fondern daß fle in bems
*) Glis = Seirus glis, gemeine Schlafratze, Siebenfchläfer.
9) Bel. Kap. 77, $. 6.
eee) Diefes von M. Aemilius Scaurus gegebene Geſetz hieß Lex
Aemilia cibarla und beflimmte die Art und die Anzahl ber
Speifen bei den Gaftmahlen. — Das unter dem Namen bed
Apicius vorhandene Kochbuch befchreibt (3, VIIL, Kap. 9) die
Zubereitung ber Schlafragen.
7) Suloins Lupinus; vgl. Kap. 78, $. 2.
11) Nitela — glis nitela, mus quereinus, Gichelmaus, große Ha⸗
ſelmaus. Das Wiederfungwerben diefer Thiere gehört zu den
alten Iebeln.
"a
Achtes Bu. 1017
felben Lundſtriche gewilen Drien manche verfagt Hat. Im möflichen
Balve [Bosco di Baccano] in Italien finvet man dieſe Schlafragen
ine an @iner Stelle; in Lycien *) gehen die Bagellen N nicht über
bie an Syrien Roßenben Berge und bie wilden @fel nicht Aber den
Berg, welcher Cappadocien von Eilicien ***) ſcheidet. Am Helless
pont überfchreiten die Hirſche die fremden Grenzen nicht; bei Argi-
hufla +) gehen fie nicht über den Berg Elaphus [Hirfchberg}-hinaus
und haben auf biefem Berge gefpaltene Ohren. 2. Auf.der Infel
Borofelene laufen die Wiefeln nicht über ven Weg; in Boͤotia ficken
vie nach Lebadia [Linabia] gebrachten Maulwuͤrfe dirfen Bopen, waͤh⸗
rend fle zu Orchomenus [Üurfocgeri] bie ganzen Geſilde unterwäh-
Yen; wir haben auch aus den Fellen dieſer Thiere verfertigte Bett:
Deren gefehen ; fo wenig vermag die Heilige Schen vor Scheußlichem
über bie Meppigkeit! Auf Ithaca [Thiali] erben die Hafen ſogleich
wenn fle die Küfte berühren, und anf Cbuſus [Iriga] ebenfalls auf
der Kuͤſte Die Kaninchen, während biefe nicht weit davon in Hispanien
wid auf den Balearen wimmeln. In Eyrene +++) waren bie Froͤſche
ſtumm, und dieſe Art dauerte fort, als auch von dem Feſtlande qua-
ckeude vahin gebracht wurden. Auch auf der Iufel Seriphus [Serfol _
ſind ſie ſtumm, quacken aber, went fle anderswohin verſetzt werben,
was auch bei denen im See Sicendus in Theſſalien +*) der Fall — *
5 Bol. B. V, Rap. 27.
») Doreas — antilope dorcas, geneine Gazelle.
”*) ae Eappabocien vgl, B. V ‚ Kap. 41; über Eilicien B. V,
. Ka
7) Dal. Fr v, Kap. 39, $. 3
Tr Bgl. B. V, Kap. 38, $. 2.
+) Ba. B. V, Rap. 5, $. 1. Vgl. Aelian, Hist, animal. III, 35.
1°) Bel. B. IV, Rap. 15. Der See Sicendus fommt fonk nir⸗
gende vor; in manchen Handfihriften wirb ber Name Sicander
geſchrieben.
&
106, - E. Plinius Naturgeſchichte.
Dagegen find unfere Annalen voll davon, vaß durch das Pfeifen ver
Spitzmaͤuſe die Aufpicien aufgelöst wurden. Nigibius bemerkt, daß
auch die Spigmäufe fi im Winter verbergen; ebeufo wie bie Schlaf:
sagen *), welche bie Geſetze der Genforen **) und der Princeps [Erle
des Senats] M. Scanrus während feines Gonfulats [115 vor Chr.]
eben fo von ven Mahlzeiten ausſchloßen, wie hie Schalthiere und bie
aus einem andern Welttheile eingeführten Bögel. ***) 4. And die
fes Thier iſt halbwild, und feine Fütterung in Fäſſern veranftaltete
derfelbe, +) welcher zuerſt Wilbfchweine hegte. Man hat dabei die
Bemerkung gemacht, daß nur die aus einen: und demſelben Walde
ſtammenden beifammen gut ihun und daß fie, wenn man fremde, vie
durch einen Fluß oder Berg davon getrennt waren, unter fie bringt,
einander tobt beißen. Ihre alterſchwachen Eltern nähren fle mit aus⸗
gezeichneter Zärtlichfeit. Das Alter enbigt mit bem Winterfchlafe,
denn auch fle liegen im Winter verſteckt und werden mit bem Sommer
wieder jung, wie bie Cichelmaͤuſe, ++) die eine ähnliche Winterruhk
halten. ‚ .
LXXXII (Lv. . 1. Es if wunderbar, daß die Natur wicht
‚nur andern Ländern andere Thiere gegeben, fondern daß fle in bems
x
*) Glis = Seiras glis, gemeine Schlafrage, Siebenfchläfer.
6) Pol. Kap. 77, 8. 5.
**) Diefes von M. Aemilius Scaurus gegebene Geſetz hieß Lex
Aemilia cibaria und beflimmte die Art und die Anzahl der
Speifen bei den Gaftmahlen. — Das unter dem Namen des
Apicius vorhandene Kochbuch beſchreibt (B. VIIL, Rap. 9) bie
Zubereitung der Schlafragen.
1) Sulvins Lupinus; vgl. Kap. 78, $. 2.
17) Nitela — glis nitela, mus quereinus, Eichelmaus, große Ha⸗
felmaus. Das Wiederjungwerden diefer Thiere gehört zu den
alten Tabeln.
de
Achtes Buch. 1017
felben Lundſtriche gewiſſen Orten manche verſagt Hat. Im moͤſtſchen
Walbe [Bosco di Vaccano] in Italien ſinvet unan dieſe Schlafrapen
nar an Einer Sielle; in Lycien *) gehen die Bagellen N nit über
die an Syrien Roßenen Berge und bie wilden @fel nicht Aber den
Berg, welcher Cappadocien von Cilicien ***) ſcheidet. Am Helless
pont überfchreiten die Hirſche die fremden Grenzen nicht; bei Argi⸗
nuſſa +) gehen fle nicht über den Berg Glaphus ſHirſchbergh hinaus
und haben anf diefem Berge gefpaltene Ohren. 2. Anf.der Infel
Borofelene Inufen vie Wiefeln nicht über den Weg ; in Boͤotia fliehen
vie nach Lebadia Livabdia] gebrachten Maulwurfe diefen Bopen, wäh-
rend ſie zu Orchomenus Turkochori] die ganzen Geſilde unterwaͤh⸗
len; wir haben auch aus den Fellen dieſer Thiere verfertigte Bett⸗
decken geſehen; fo wenig vermag bie heilige Schen vor Scheußlichem
über die Veppigkeit! Auf Ithaca [Thiali] ſterben die Haſen ſogleich
wenn ſie die Kuͤſte berühren, und auf Cbuſus [Iriza] ebenfalls auf
der Kuͤſte Die Kaninchen, während diefe nicht weit davon in Hispanien
suid auf den Balearen wimmeln. In Eyrene F}}) waren die Froͤſche
Hamm, und biefe Art dauerte fort, als auch von dem Feſtlande qua⸗
ckende dahin gebracht wurben. Auch auf.der Iufel Seriphus [Serfo]
ſind fle ſtumm, quaden aber, went fle anderswohin verfegt werben,
was auch bei denen im See Sicendus in Theflalien +*) der Fall jeyn
9) Bel. B. V, Kap. 27.
*) Dorcas = antilope dorenas, gemeine Gazelle.
Per Eappadocien vgl. B. V, Kap. 41; über Eilicien B. V,
. Ka
5 EU & v Rıy. 39, $. 3
+7) Bol. B. V, Kay. 38, $. 2.
+ıtt) Ba. 3. V, Kap. 5, $. 1. Bol. Xelian, Hist, animal. II, 35.
1°) Bel. B. IV, Kap. 15. Der See Sicendus kommt fonft nir-
gende vor; in manchen Handſchriften wirb der Name Sicander
geſchrieben.
&
1018 G. Punius Naturgeſchichte.
ſoll. 3. In Italien iſt der Biß der Spitzmäͤuſe giftig; in dem Laube
ſtriche jenfeltö der Apenninen findet man fle nicht; fie fterben, wo fie
ſich auch aufhalten, wenn fle durch ein Wagengleis laufen. *) Auf
dem Berg Olympus [Lada] in Macedonien gibt es feine Wölfe, uud
auch nicht auf, der Iufel Greta. Ebendaſelbſt finket man weber Fuͤchſe,
noch Büren, noch irgend ein anderes ſchaͤdliches Thier aufer der Wal⸗
zeufchiene,, von welcher Spinnenart wir an ber betreffenden Stelle")
ſprechen werben. Noch wunderbarer ifl, daß es auf derfelben Inſel,
mit Ausnahme des Gebietes der Eyboniaten [Ranea], Teine Hirſche
und auch ‚eine Wildſchweine, Hafelhühner und Igel, in Africa aber
weber Wildfchweine, noch Hirſche, noch Rebe, noch Bären gibt. *")
LXXXIV (us). Auch gibt e8 einige Tiere, welche den Landes⸗
bewohnern unſchaͤdlich find, Frenide aber töbten, wie die Heinen
Schlangen zu Tirynth, +) welche die Erde hervorbringen foll. Cbenſo
gefährden in Syrien, befonderd an ben Ufern des Cuphrat, bie
Schlangen bie ſchlafenden Syrer nicht, und beißen fie diefelben auch,
wenn fle von ihnen getreten werben, fo fihabet das Gift nichts, waͤh⸗
rend fie alle Andere, welchem Volke fie auch angehören, anfeinben
und ihnen mit großer Luſt und Dual das Beben nehmen, weßhalb bie
Syrer fie auch nicht tobt fchlagen ; Dagegen werben, wie Ariftotele®
erzaͤhlt, auf dem Berge Latmus +1) in Carien von den Scorpionen
*) Alles hier von der Spitzmaus Orfagte ift falſch.
) B. XI, 8. 25 und B. XXIX, 8.2
*) So richtig der in diefem Rapitel aufgefllite Sak ift, daß ans
dern Himmelsſtrichen auch andere Thiere eigen find, fo wen
barf man die hier gegebene fcharfe Abgrenzung und die d
verbundenen albernen Babeln glauben. |
N Re, B. IV, Ray. 9, $. 1
i. B. IE, Rap. 31, 8.3.
»
Achtes Bud. 1019
bie Fremden nicht verleßt, die Cingeborenen aber getoͤdtet. —
Doch wir wollen jetzt auch von ben übrigen Thierarten und dann von
den andern auf ber Erbe befindlichen Dingen ſprechen.
°) Bir brauchen wohl faum zu bemerken, daß ber Inhalt dieſes
—— aus altem Aberglauben beſteht und Feine Widerlegung
Römiſche Profaifer
in
„ neuen Ueberſetzungen.
Herausgegeben
von
C.N. v. Oſiander, Rrälaten zu Stuttgart, -
ur | und
G. Schwab, Ober⸗Conſiſtorial⸗ und Studienrath zu Stuttgart.
Hundert ſieben und ſiebenzigſtes Bändchen.
— — —— —— ——
Stuttgart,
Verlag der J. B. M etlerfchen Buchhandlung.
1853,
Cajus Blinius' Secundus -
\
Naturgefdidte
Ueberfegt und erläutert
| von
Dr. Ph. 9. Külb,
| Stadtbibliothekar du Mainz.
Neuntes Bändchen.
Stuttgart,
Verlag der J. B. Metz ler'ſchen Buchhandlung.
1853.
Plining Serundus Naturgefchichte.
Neunte8 Bud.
v
Naturgefhichte der Wafferthiere.
NEE ‚ Inhalt,
Kay. L Warum im Meere die größten Thiere find. IT. Thiere
des indifchen Meeres. III. Welche in jedem Ozean die größten find.
IV. Bon den Geftalten ver Tritonen und Nereiden. Bon den Geftalten
ber Seeelephanten. V. Bon den Malen; von den Schwertwalert.
VI. Ob die Fiſche athmen; ob fie fchlafen. VII. Von ven Delphinen.
VIII. Wen fie geliebt haben. IX. An welchen Orten fie in Gefellfchaft
mit den Menſchen fiihen. X. Was man fonft Seltiames von ihnen
weiß. XI. Bon den Meerfchweinen. XI. Bon den Schildkröten; was
für Arten von Mafferfchildfräten es gibt und wie fie gefangen werben.
XII. Wer zuerft die Echilpfrötenfchale zu fchneiden erfand. XIV. Ein⸗
theilung der Fiſche in Gattungen. XV. Von ven Seefälbern ober Rob⸗
ben; welche Seethiere [mit Haar.befleivet find oder] Fein Haar haben
und wie fie gebären. XVI. Wie viele Arten Fifche es gibt. XVH.
Welche Zifche die größten find. XVIII. Die Thunne, Cordylen, Pela⸗
miren, Einſalzung derfelben in einzelnen Etüden, Melyandrien, auser=
Iefene Stüde [Apolekten], Würfel [Eybien]. XIX. Die Bonite; bie
1026. G. Plinius Naturgeſchichte.
Makreelen. XX. Welche Fiſche fih nicht im Pontus finden; welche
hineingehen und welche anberwärts zurüdfehren. XXI. Warum bie
Fiſche aus dem Waſſer herausipringen.e XXI. Duß die Fifche zu Vor⸗
beventungen dienen. XXIII. Bei welcher Fifchgattung es Feine Männ⸗
hen gebe. XXIV. Welche einen Stein. im Kopfe haben; welde im
Winter verborgen liegen; welche im Minter nur an beftimmten Tagen
efangen werden. XXV. Welche im Sommer verborgen bleiben; welche
File durch den Einfluß des Hundfterns leiden. XXVI. Bon ber Meer
äfche. XXVI. Bon rem Stör. XXVIII. Bon dem Wolfsbärſch;
von der Meertrüfhe. XXIX. Bon dem Papageifilche ; von der Trüſche.
XXX. Arten der Meerbarben;, [ihr Begleiter,] ber Geißbraffe. .
Wunderbare Preife der Fiſche. XXXII. Daß nicht Überall‘ dieſelben
Gattungen beliebt ſeyen. Die Rabenfiſche. XXXIII. Bon den Kiemen;
von den Schuppen. XXXIV. Fiſche, welche einen Laut von fich geben
und feine Kiemen haben... XXXV, Welche auf das Land herausgeben.
Zeiten des Fanges. XXXVI. Eintheilung der Sifche nach der Geſtalt
des Körpers. Unterſchied zwiſchen den Dornbutten und Blatteiffen.
Bon Tangen Fiſchen. XXXVH. Don den Finnen der Fiſche und ihrer
Art zu Schwimmen. XXXVIII. Die Flußaale. XXXIX. Die Mu-
ränen. XL. Gattungen der platten Fiſche. XLI. Der Schiffshalter;
Sapbertränfe aus bemfelben. XLII. Welche Fifche die Farbe ändern.
XLIII. Bon der Seeſchwalbe; von dem Fiſche, welcher bei Nacht leuch⸗
tet, von dem Horneocdhen;, von ber Queiſe. XLIV. Bon ven Fifchen,
welche fein Blut haben; welche von den Fiſchen weiche heißen. XLV.
Bon der Dintenfchnede; welche Fiſche aus dem Waſſer fliegen; von ber
Seefage, von den Scanımmufcheln. XLVI. Bon ven Armirafın. XLVH.
Von dem fchiffenden Armkraken. XLVIII. [Arten der Armkraken und
ihre Klugheit] XLIX. Von dem fchiffenden Nauplius. L. Die mit
einer Kruſte bedeckten Wafferthiere; von den Heuſchreckenkrebſen. LI. Krebs⸗
arten, von dem Einſiedlerkrebſe; von den Geeigeln; von den Schnecken; von
ten Kimmen. LII. Mufchelarten. LIII. Wie vief Stoff zur ieppigfeit fich im
Meere finde. LIV. Bon den Perlen, wie ınd mo fie entftehen LV.
Mie fie ggefinten werben. LVI. Was für Arten von Perlen es gebe.
LVII. Was an ihnen zu bemerken iſt; welche Befchaffenheit fie haben.
LVIN. Auf fie bezügliche Betfpiele. LIX. Wann fie zu Rom zuerft in
Gebrauch gefommen. 1X. Befchaffenheit ver Leiſtenſchnecken und ber
Purpurfchneden. LXI. Welche Gattungen von Purpurfchneden es ‚gebe.
LXII. Wie man Wolle damit färbt. LXIM. Mann man fich zu Rom
ze Purpurs bediente, wann des breiten Auffchlages und ber verbrämten
naa TXIV. Bon ben Fonchylienfarbenen Kleidern. LXV. Bom
vom tyriſchen Purpur; vom Karmefin; vom Kermes.
an
Neuntes Buch. - 1027
LXVI. Bon der Binne und dem Pinnenhüter. LXVII. Bon dem Sinne
der Wafferthiere, der Krampfrochen, der Stachelrochen, die Bandaſſeln,
ver Glanis; vom Widderfiihe. EXVIH. Bon denjenigen Wefen, welche
eine von den Thieren und Pflanzen entlicehene dritte Natur haben. Bon
den Nefieln. LXIX. Bon den Schwämmen; was für Arten es gebe
und wo fie wachſen; daß fie Thiere feyen. LXX. Von ben Hunde
hayen. LXXI. Bon den Thieren, welche in eine fteinharte Schale ein⸗
geicloften find; welche im Meere ohne alle Empfindung find, von ven
brigen Schmugthieren. LXXII. Bon den giftigen Seethieren. LXXIII.
Bon den Krankheiten der Fiſche. LXXIV. Bon ihrer Erzeugung.
LXXV. Wunderbares bei ihrer Erzeugung. Welche in ſich ſowohl Eier
als auch Zunge gebären. LXXVI. Welchen bei ver Geburt der Xeib
berftet und ſich dann wieder fchließt. LXXVIE Welche Bärmuttern
haben; welche fich mit fich felbft begatten. LXXVIII. Welches das
längfte Leben ver Fiſche ſey. LXIX. Wer zuerft Aufternbehälter er-
dachte. LXXX. Wer zuerft Behälter für die übrigen Fiſche einrichtete,
LXXXI Wer Behälter für die Muränen einrichtete. Merkwuͤrdiges von
Kifchteihen. LXXXII. Wer zuerft Behälter für Schneden einrichtete. .
LXXXIII. Erdfiſche. LXXXIV. Von den Mäufen im Nil. LXXXV.
Wie die Anthiasfifche gefangen werten. LXXXVI Bon den Meer>
ernen. LXXXVII Bon wunderbaren Eigenfchaften der Fingermuſcheln.
XXXVIII. Bon den Beindichaften der Waſſerthiere unter einander und
von Ihren Sreundfchaften.
Summe aller Gegenflände, Gefchichten und Bemerkungen : 650.
4
Duellen
- [Rdmifchel: Turranius Gracilis, Trogus, Mäcenas, Alfins
Flavns, Eornelins Nepos, Laberius der Mimenſchreiber, Fabianus, Fe⸗
neſtella, Mucianus, Aelins Stilo, Statius Seboſus, Melifſſns, Seneca,
Cicero, Macer Aemilius, Meſſala Corvinus, Trebius Niger, Nigidius.
Fremde: Ariſtoteles, der König Archelaus, Callimachus, Demo⸗
eritus, Theophraſtus, Thraſyllus, Hegeſideinus, Sudinas, *) Alerander
der Polyhiſtor.
Ss
*) Qgl. die nachfolgenden Bemerkungen unter vem Namen: Subines.
108. C. Plinius Naturgeſchichte.
Bemerkungen über die in dieſem Buche von
Plinius benützten over angeführten Schrift
- fteller.*)
Aelius Stilo, Lucius, ein gelehrter Sprachforfcher und
Varro's und Cicero's Lehrer in der Rhetorik, von Lanuvinm, fland,
obgleich ſelbſt von nieberer Herkunft, doch bei den höheren Stänben
Roms wegen feines Willens und des gebiegenen Unterrichts, welchen
er ertheilte, in großem Anfehen. Seine Blüthezeit fällt in die zweite
Hälfte des zweiten Jahrhunderts vor Chr. Bon feinen grammatifchen
Schriften, aus denen Blinius (Kap. 59, $. 2) eine Bemerkung über
die Benennung. der Perlen entlehnt, hat fich Feine erhalten. Vergl.
3.4. C. van Heusde De L. Aelio Stilone disquisitio (Traject. ad
Rhen. 1839, 8.), wo man auch die Fragmente feiner verlorenen Schrif⸗
ten gefammelt findet.
Aemilius Macer von Berona, ein didaktiſcher Dichter, wel:
cher im Jahr 17 vor Chr. flarb; von feinen beiden Gedichten über
die Vogel (Ornithogonia) und über die Schlangen (Theriaca), welche
Plinius in diefem Buche benützt zu haben fiheint, ift nichts auf unfere
Zeit gefommen; das noch unter feinem Namen vorhandene Gedicht
de virtutibus herbarum ift ein Machwerf ver carolingifchen Seit.
— Agatharchides von Knidus wird von Plinius in dies
fem Buche benügt, ohne daß er ihn in dem Quellenverzeichniſſe an⸗
führt, wenigſtens ift die Bemerkung über bie Größe und ben Fang
) Der Strich (—) vor einem Artifel deutet an, daß von bem
. Schriftfteller ‚Thon bei einem ber vorhergehenden Bücher bie
mar, bie griechifchen Autoren find mit einem Sternchen
eichnet.
⸗
Neuntes Bub. 1029
Der Salldkröten (Kap. 12, 8. 1) demſelben woͤrtlich entlehnt, wie
die von Photios (Cod. 250, p. 1349) mitgetheilte Originalſtelle
beweist,
— * Alexander Polyhiſtor. Aus einer ſeiner nicht mehr
vorhandenen Schriften, vielleicht aus der Sammlung von wunder⸗
baren Erzählungen (Havunsiov avvaeyoyn), entlehnt Plinius in dies
fem Buche (Kap. 56, $. 4) eine Bemerfung über die Perlenmufcheln.
Alfius Flavius, ein Redner und Gefchichtfchreiber aus der
Zeit bes Kaifers Tiberius. Ueber feine nicht mehr vorhandenen
"Schriften, aus denen Plinius (Kap. 8, $. 2) die Erzählung von ber
Liebe eines Delphine zu einem Knaben entlehnt, willen wir nichts
Näheres.
Apicius, M. © avius, ein berühmter Schlemmer, der zur
Zeit der Kaiſer Auguſtus und Tiberius lebte und den Plinius in dieſem
Buche (Kap. 30, $. 3) einen in allen Gegenſtaͤnden der Schwelgerei
wunderbar erfinderifhen Kopf nennt, und von dem er insbefondere
anführt, daß er eine eigene Art, Die Meerbarben zu töbten, erbachte,
um fie recht ſchmackhaft zu machen. Das unter dem Namen des
Apicius noch vorhandene Werk über bie Kochkunſt (de re culinaria)
verräth durch feinen Styl eine weit fpätere Zeit. ü
— * Archelaus, der legte König von Kappadocien unter Au⸗
guſtus und Tiberius, ſchrieb ein Werk über die Edelſteine (nsgi Io),
welches Plinins in dieſem Buche (wahrſcheinlich in dem Abſchnitte
über die Perlen) benützte.
— Ariſtoteles ift auch in diefem Buche die Hauptquelle
und das aus ihm Entlehnte laͤßt ſich faft in jedem Kapitel nachweiſen.
Plinius nennt ihn ausdrücklich nur an einigen Stellen, fo bei feinen
Bemerkungen über das Athmen der Seethiere (Kap. 6, $.1, 2, vergl.
Hist. Animal. VI, 2), über die Muränen (Kap. 39, $. 1, vergl.
’
1030 . &. Plinius Naturgeſchichte.
Hist. An. V, 10), über bie Knorpelfiiche (Kap. 40, vergl. Hist. Au.
V, 5) und über ben Schifföhalter (Kap. 40, $. 1, vergl. Hist. An.
1,17); außerdem find jedoch unzählige Stellen nur Ueberfetzungen
oder Umfchreibungen des griechifchen Origimals, wie 3. B. über bie
Luftroͤhre der Wale (Kap. 6, $. 3, vergl. Hist. An. I, 5), üßer bie
Delphine (Kap. 9 und 10, vergl. Hist. An. L, 74. IV, 13. IX, 48
and 74), über die Schildkroͤte (Kap. 12, vergl. Hist. An. V, 28, 33.
VII, 3), über die Robben (Kap. 15, vergl. Hist. An. V, 2. VI, 11),
über die Thunne (Kap. 18 und 20, vergl. Hist. An. VL, 16. VIII, 16),
über bie @intheilung der Wafferthiere in Mollusfen, Cruſtaceen uud
Teftaceen (Kap. 44, vergl, Hist. An. IV, 1), über die Pinne (Kap.
66, vergl. Hist. An. V, 14), über die Klugheit mancher Waſſerthiere
(Rap. 67, vergl. Hist. An. IX, 48), über die Schwämme (Kap. 69,
vergl. Hist. An. V, 15) u. f. w.
— Callimachus: ı Welche feiner zahlreichen Schriften in
diefem Buche benügt find, läßt fich nicht nachweifen, da ſich Feine Hin⸗
beufung auf eine derfelben findet, doch darf man muthmaßen, baß
fein Buch über die veränderten Namen der Fifche (neol kerovoneania;
iXdvov) beſonders berückſichtigt wurde.
— Cicero. An welchen Stellen ihn Plinius vor Augen hatte,
dürfte ſich ſchwer angeben laſſen, da er feine beſtimmte Stelle aufuͤhrt,
ſondern nur auf das Jahr ſeines Conſulats flüchtig hindeutet (Kap.
63, 8. 2). | |
— Cornelius Nepos. Plinius hat in dieſem Buche (Rap.
63) eine Stelle diefes Hiſtorikers, der unter ber Regierung bes Kai⸗
ſers Auguſtus flarb (Kap. 63, $. 1), über den Gebrauch und bie
Preife der verfchiedenen Purpurarten zu Rom wörtlich mitgetheilt,
welche entweder der Chronik (Chronica, Annales) oder dem &rempels
büchern (Eixemplorum libri) deſſelben, die beide nicht mehr vorhanden
J
*
Neuntes Buch. 1031
find, entnommen zu ſeyn ſcheint; einem dieſer Werke iſt auch wohl
die Bemerkung (Kap. 28), daß die Wolfsbärfche und die Meertrüfchen
bei den Römern fehr beliebt waren, entnommen.
Coroinus Meffala, f. Meffala Eoryinus.
— *Democritus. Diefer befannte Philofoph fchrieb auch
über Landwirthfchaft und Arzneikunde; Plinius nennt aber weder die
Schriften, welche er in diefem Buche benübte, noch bezeichnet ex die
Stellen, wo er e8 that.
— Fabianns Aus den Schriften diefes nicht näher be⸗
kannten Naturforfchers und wahrfcheinlich aus feiner Naturgefchichte
der Thiere entnahm Plinius in diefem Buche die Bemerkung (Kap. 8,
$. 2) über die Zuneigung eined Delphins zu einem Knaben.
— Feneftella, Lucius. Die nicht mehr vorhandenen Ans
nalen diefes Schriftftellerd , welche in großem Anfehen flanden, ent,
hielten wohl nicht ausfchließend Gefchichtliches, fondern auch andere
Merkwürdigkeiten, wie fehon die in diefem Buche ihnen entlehnten
Bemerkungen, woher die Barben ihren Namen haben (Kap. 30, $. 2)
und zu welcher Zeit zu Rom die Perlen in Schwang famen (Kap. 59,
$. 2), beweifen.
Figulus Nigidius, f. Nigivius Figulus.
Gracilis Turraniuß, ſ. Turranius Öraciliß.
” Hegefidemus. Ein fonft unbefannter griechifcher Schrift⸗
ſteller, auf welchen ſich Plinius hei der Erzaͤhlung von der Liebe eines
Delphins zu einem Knaben (Kap. 8, $. 6) beruft. In den Aus⸗
gaben des Plinius ſteht in dem Quellenverzeichnifle zu dieſem Buche :’
„Hegesidemo Oythnio*, und Segefldemus wäre bemnag von Cythnos.
- Ich leſe aber nach einigen Handfchriften (in I. Silligs neuefter Aus⸗
gabe, Hamburg und Gotha 1851. 8.) : „Hegesidemo, Sudine“ ; auch
wird Subines in diefem Buche (Kap. 56, $.4) ausprüdlich angeführt.
—
1032 ' C. Plinius Raturgeſchichte.
— * Juba. Plinius entnimmt einer feiner zahlreichen Schrif⸗
ten, vieleicht feinem Werke über ben Feldzug des Kaiferd Claudius
nach Arabien (vergl. Bd. VI, Kap. 31, $. 14), im biefem Buche
ı (Rap. 56, 8. 4) eine Stelle über die arabifchen Perlenmuſcheln, weldje
offenbar auch Melian (Hist. animal. XV, 8) vor Nugen hatte.
Laberius, Decimus, ein berühmter Mimenbichter (poeta
mimorum, mimographus), welcher im legten Jahrhundert (106 Bi
144) vor Chr. lebte und von Cäfar genöthigt ward, ſelbſt in feinen
Mimen ald Schaufpieler aufzutreten, obgleich er dem Ritterflande ans
gehörte. Don feinen zahlreichen Mimen befigen wir nur nod eins
zelne Derfe, welche öfter, am beten von C. Orelli (Poetarum lati-
norum carmina sententiosa, Lips. 1822. 8. I, 68 ff.) und C. Zel
in feiner Ausgabe des P. Syrus (Stuttgart 1829, 8.), gefammeli
find. Ueber die Mimen und Dimendichter vergl. I. Chr. F. Dähr,
Gefchichte der römifchen Literatur (Carlsruhe 1844. 8.), Bo. L
©. 199 ff. Plinius entlehnt dem Laberius, welcher wahrfcheinlich ir
einer feiner Mimen die Feinſchmeckerei feiner Zeitgenoflen gegeißelt
hatte, die Bemerkung (Kap. 28), dag die Wolföhärfche und die Meer-
trüfchen bei den Römern beliebt waren. _
— Licinius Mucianns. Plinius ſchoͤpft aus den von ihn
häufig benügten, aber nicht näher befannten Schriften dieſes dur
feine politifcge und literarifche Thätigfeit unter Nero und Vespaflan
ausgezeichneten Mannes in diefem Buche die Mittheilungen, baß die
Delphine dem Dienfchen beim Fifchfange Beiſtand Ieiften (Rap. 10)
und daß, man im rothen Meere einen Barben von achtzig Pfund ge:
fangen habe (Kap. 31), ferner einige Bemerfungen über bie Gigen⸗
Ihaften der Keiftenfchnede (Kap. 41), über den Bapinonantilus
(Kap. 49), und über den Fiſch Anthias (Kap. 85, $. 3). Die leider
bis auf die legte Spur verlorenen Werke des Mucianus, welder
..
Nenntes Bud. | 1033
während jeines Helbewegten Lebens und ſeines Aufenthaltes in Sy⸗
rien Gelegenheit genug hatte, einen reichen Stoff zu ſammeln, müffen
fehe mannigfaltigen und anziehenden Inhalte gewefen feyn, wie
ſchon aus den verfchiedenartigen geographifchen und naturhiftorifchen
Nachrichten, die ihm Plinius verdankt, hervorgeht. Vergl. H. M..
Stevenfon de M. Licinio Crasso Muciano dissertatio historica,
Erlang. 1841. 8.
— Mäcenad Nah biefem geiftreichen Staatsmanne, der
fi in verfchienenen Gattungen der Poeſie verfnchte und auch eine
Geſchichte feiner Zeit gefchrieben haben foll, wird in diefem Buche
(Kap. 8, $. 2) die Erzählung von der Anhänglichkeit eines Delphine
an einen Knaben mitgetheilt.'
— Meliffus Plinius führt diefen gelehrten Grammatifer,
welcher bei Auguftus und Mäcenas fehr beliebt war und auch eine
Sammlung von Scherzreden (Ineptiarum oder Jocorum libri, vergl.
Suetonins de illust. Gramm. o. 21) verfaßte, und in dem PVerzeich-
niffe feiner Quellen an, ohne ihn an den Stellen dieſes Buches ‚an
denen er ihn benüßte, ausdrücklich zu nennen.
— Meffala Eorvinus Wir beflgen nur äußerft wenige
Fragmente von den Werken dieſes in der zweiten Hälfte des letzten
Jahrhunderts vor Chr. berühmten Redners und Hiſtorikers und es
laͤßt ſich nicht beſtimmen, welche Bemerkungen in dieſem Buche ihnen
entnommen ſind.
Mucianus, ſ. Licinius Mucianus.
Niger Trebius, ſ. Trebins Niger.
— Nigidus Figulus. Die naturhiſtoriſchen, philoſophi⸗
ſchen und grammatiſchen Schriften dieſes vieſeitig gebildeten Roͤmers
ſind nicht mehr vorhanden und hatten, wie es ſcheint, wenigſtens zum
Theil ihre Vernachlaͤſſigung durch die allzudunkle Schreibart ver⸗
1034 @. Plinius Naturgeſchichte.
ſchuldet. Die Bemerkung, daß der Wolfsbärſch der Meeräfche ben
Schwanz abbeiße (Kap. 88, $.1), it wahrſcheinlich feinem Werlke
über Zoologie (de animalibus) entnommen.
Seboſus Statiuß, f. Statins Seboſus.
— Seneca, L. Annäus. Plinius benügt die Werke dieſes
Bhiloforhen und Naturforfcherd fehr häufig; die Bemerkung über
das hohe Alter der Ziiche, welche er ihm (Kap. 78) entlehnt, findet
fig nicht in den’anf unfere Zeit gekommenen Schriften. dagegen ift bei
andern Gelegenheiten aus den noch vorhandenen geſchöpft, ohne daß
Seneca ausdrüdlich genannt wird; fo Hatte Plinius bei ber Bemer⸗
fung (Kap. 30, $. 3) über die Art und Weife, wie die Schlemmer
die Barben flerben laſſen, offenbar eine Stelle Seneca's (Quaest.
natur, III, 17 und 18) vor Augen.
— Statius Sebofus. Aus den nicht mehr vorhandenen
indifchen Merkwürbigfeiten dieſes faf nur dem Namen nach befann-
ten Schriftftellers wird wohl in diefem Buche (Kap. 17, $. 3) die
Bemerkung von großen Würmern im Ganges entnommen feyn.
*Subdines, ein griechifcher Schriftfteller, von welddem man
nichts weiter weiß, ald daß er ein Werf über Erelfteine (nsor Aldor)
ſchrieb. Aus diefem ift wahrfcheinlich eine Turze Bemerkung über
Perlenmuſcheln (Kap. 56, $. 4) geſchoͤpft.
— Theophraſtus. Ein Abſchnitt dieſes Buches (Ray. 83)
über fonderbare Eigenſchaften mancher Fifche, welchen Plinius diefem
berühmten Philofophen und Naturforfcher nacherzählt, findet ſich in
dem auf unfere Zeit gefommenen Werke deſſelben, welches die Ueber:
ſchrift: „Bon den Filchen, welche außerhalb des Waſſers ausbauern“
(negi tar IxIVov run Ev 15 Enog Ötausvorzov) führt; eine andere
Stelle aber (Kap. 8, $..6) über die Liebe eines Delphins zu einen
Knaben, welche Gellius (N. A. VII, 8) ebenfalls aus Theophraſtus
@ ä
Neuntes Buch. 1035
anführt, ifl einer feiner zahlreichen, nicht meh vorhandenen natur⸗
hiſtoriſchen Schriften entlehnt.
* Thrafyliusvon Mendes, ein Philoſoph und Aftrolog aus
dem erfien Jahrhundert nach Chr., welcher dem Nero die Kaiferwürde
weiflagte (Tacitus, Annal. VI, 22), beichäftigte ſich beſonders mit
‚ Der Ordnung und Erklärung der Schriften Plato's und verfaßte auch
mehrere Werke philoforhifchen, geographiichen und naturhiftorifchen
Inhalts, von welchen aber Feines auf unfere Zeit gefommen ift, fo
nennt man Commentäre zum Demofritus, Abhandlungen über Muflf,
ein Werk über Aegypten und eine Schrift über Steine (nepi Aidor).
Aus der legteren bat Plinius in diefem Buche wahrfcheinkich gefchöpft,
ohne jedoch die Sfeflen näher zu bezeichnen. Vergl. Sevin, Recher-
ches sur la vie et sur les guvrages de Thrasylie, in den Me-
moires de l’Aoademie des Inseriptions et Belles-Iettres, vol, x.
p. 89 ff.
Trebius Niger, ein römifcher Schriftiteller, von welchem
nichts weiter befannt ift, als daß er zu dem Gefolge des Proconfuls
2. Lucullus in Spanien (151—149 vor Chr.) gehörte (Kap. 48,
$.,1) und diefe Gelegenheit benüßte, um Stoff zu einem Werke
zu fammeln, das und nicht einmal dem Titel nad, befannt iſt, aber
meift naturhiftorifchen Inhalts gewefen zu feyn fcheint, wenn man
nach den in diefem Buche aus ihm gefchöpften Bemerkungen über die
" Eigenfchaften der Leiftenfihnede (Kap. 41, $. 2) und über ungeheure
große Armfrafen (Kap. 48) urtheilen darf. _
— Trogus, BPompejus. Blinius benübt in dieſem Buche
wahrfcheinlich deſſen Werk über Zoologie (de animalibus), deutet aber
nicht näher an, wo dieß gefchieht.
— Turranins Graecilis. Plinius entnimmt Mefem in
Spanien geborenen Schriftfteller, der wahrſcheinlich ein hiſtoriſch⸗
1036 ws Plinius Naturgeſchichte.
Jeographiſches Werk über ſein Vaterland verfaßte, die Nachricht
(Kap. 4, $. 3) von einem an bie agditaniſche Küſte geworfenen
großen Wale. |
— Barro, M. Terentiud Aus dem noch vorhandenen,
aber leider fehr verunftalteten Werke dieſes fruchtbarften aller roͤmi⸗
ſchen Schriftflefler über den Landbau (de re rustica) zieht Plinius
(Kap. 82) einen Abſchnitt (8. III, o. 14) über die Näſtung ber
Schneden.
— Verrius Flaccus.-Welchem Werfe diefes zur Zeit des
Auguftus berühmten Grammatikers die Bemerkung (Kap. 39, $. 2),
daß die Schulfnaben mit Aalhaut gezüchtigt wurbeg, entlehnt iſt, läßt
fich nicht beftimmen.
* Kenocrated von Aphrodiſias, ein Arzt und Naturforſcher,
welcher nach Einigen (wie Sprengel) in dem letzten Jahrhundert vor
Chr. lebte, deſſen Blüthezeit aber nach Andern mit größerer Wahr⸗
fcheinlichfeit in die erfte Hälfte des erften Jahrhunderts unferer Zeits
rechnung gefeßt wird. Don feinen Schriften Hat ſich nat ein Abs
ſchnitt aus feinem Werfe über den aus den Thieren zu ziehenden Vor⸗
{heil (neol tig and zav iuov apsisıag), welcher den Titel führt:
„über bie Nahrungömittel, weiche von Wafferthieren hergenommen
find” (feel tg ano evvöplov: zpopnc) erhalten. Der Iepteren
(e. 35) entlehnt Plinius (Kap. 18) die Bemerkung über ben Werth, ,
welchen man ben einzelnen Theilen bed Thunfiſches beilegt.
Kad Ih. 1. Die Befchaffenheit der Thiere, welche wir ale
auf dem Lande und mit dem Menfchen in einer gewiffen Gemeinſchaft
‘
|
' Neunted Buß. | 1037
lebend bezeichnet Haben, ift num geſchildert; von den übrigen find, wie
befannt, die DBögel die Hleinften, weßhalb zunaͤchſt von benen der
Meere, Zlüffe und Seen gefprochen werben foll.
cm. Unter diefen find aber viele fogar noch größer als die Land⸗
thiere, was offenbar von dem Ueberfluffe an Feuchtigkeit herrührt;
ein anderer Fall iſt e8 mit ven Vögeln, welche ihr Leben ſchwebend
hinbringen. 2. In dem ſich fo weithin erſtreckenden, zarte und frucht⸗
bare Nahrung bietenden Meere aber, welches feine erzeugenben Keime
von der erhabenen und ſtets fruchtbaren Natur empfängt, wirb auch
das meifte Abenteuerliche gefunden, da die Samen und Urftoffe fi
vermifchen und auf andere. und wieder andere Weife bald durch den
Wind, bald durch die Fluth mit einander verbinden; ) fo daß die Mei⸗
nung des Volkes: im Meere fey auch alles, was in jedem andern Ge⸗
biete der Natur entftehe ‚ und außerdem noch Vieles, was fonft nir⸗
gends vorhanden, anzutreffen, als wahr erſcheint. 3. Und daß es da⸗
ſelbſt Nachbildungen nicht nur von Thieren, ſondern auch von andern
Dingen gebe, kann Jeder wahrnehmen, wenn er die Traube, ») das
Schwert, “*) die Eöget) und die Gurfe, Fr) welche der wirklichen:
ſowohl an Jarbe als an Geruch gleicht, betrachtet; um ſo weniger
*) Ueber dieſe Anſicht vergl. B. II, Ray. 3, $. 2.
**) Vielleicht find hier die Gier der Dintenfchnede (sepia of-
ficinalis Linn.) gemeint, welche traubenartig zuſammen⸗
hängen.
e) Den Schwertfifch (xiphias gladius Linn.).
+) Den Sägefifch (squalus pristis Linn.).
77) Den Eprigwurm, befonders den fünfreihigen (holothuria pen-_
taota Linn.), welcher, wenn er ſich zufammenzieht, ein® Surfe
gleicht und den man daher noch jet Meergurfe nennt,
€. Plinius Naturgeſch. 9. Bdchn. 2
%
1038 C. Plinius Naturgefhicte.
dürfen wir uns alſo wundern, wenn Pferdeföpfe an fo winzigen Mus
ſcheln Heroorragen. *)
II cam. +1. Die meiften und größten Thiere find aber im inbi⸗
ſchen Meere, unter denen ed Wale von vier Suchart [960 Fuß] und
Schwertfiiche von zweihundert Ellen gibt, wie denn daſelbſt Heufchres
ckenkrebſe vier Ellen und im Gangesfluffe auch Aale dreißig Fuß fang
werben. °*) ‚2. Am häufigfien laſſen ſich jedoch die Ungelhüme im
Meere zur Zeit der Sonnenwenbe fehen; alsdann toben dort Wir:
belwinde und Plabregen, alsdann wühlen bie von den Berggipfeln
herabftürzenden Stürme dad Meer bis zum Grunde auf und wälzen
die aus ber Tiefe emporgefchleuberten Thiere mit den Wogen fort;
und auch fonft ift die Menge ver Thunne***) daſelbſt fü bedeutend, daß
die Flotte Alexanders des Großen, nicht anders als ob ihr ein Feind
in Schlachtordnung gegenüberſtünde, ihre ganze Maſſe in geſchloſſcner
Linie gegen ſie richten mußte, da ſie getrennt nicht durchkommen
konnte; denn ſie laſſen ſich weder durch Schreien, noch durch Lärmen,
noch durch Schlagen, ſondern nur durch ein krachendes Getoͤſe er⸗
*) Hier iſt ohne Zweifel der pferdfoͤrmige Nadelfiſch (syngaathus
- hippocampus Linn.), gewöhnlich, auch Meerpferbchen genannt,
zu verftehen, da er mit vielen Schienen und Hoͤckern bebedt ift,
fo hielten ihn die Alten für ein Mufchelthier; nach dem Tode
frümmt fi fein Kopf nach unten und wird einem Pferbefopf
ſehr ähnlich.
**) In allen biefen Maßangaben berrfcht ftarfe Uebertreibung; die
Male werden wenigfteng jebt felten über 100 Fuß Jang, der
Schwertfifh mißt gewöhnlich nur 4 Fuß, Heufchredtenfrebfe gibt
u von 3 und Yale von 6 Fuß, gewöhnlich find fle aber Kleiner.
*") Scomber thynnus Linn. ; er zieht befanntlich in Schaaren von
vielen Tgufenden und veranlaßt bei feinem Erfeheinen gewoͤhn⸗
ich unter den Fifchern ein allgemeines Aufgebot. i
. e
v
Neunted Bud. 1039
ſchrecken und nur durch einen auf ſie ſtürzenden Gegenſtand in Ver⸗
wirrung bringen. 3. Cadara heißt eine große Halbinfel des rothen
Meeres; )) durch ihr Hervortreten wird ein weiter Bufen gebildet,
aus welchem der König Ptolemäus [Philadelphus] Faum in zwölf
Tagen und Nächten mit Hülfe der Ruder herausſchiffte, weil fein
wehendes Lüftchen dort Zugang findet. In der ungeflörten Ruhe
biefer Gegend wachfen die Seethiere zu einer unbeweglichen Größe
heran. 4. Die Gedrofer, welche am Fluſſe Arbis [Purally] woh⸗
nen,**) machen, wie die Slottenführer Alexanders des Großen berich⸗
teten, die Thüren an ihren Häufern aus ven Kiefern ber Seethiere
and fügen aus ben Knochen berfelben, unter denen fich viele von vierzig
Ellen Länge fanden, die Dächer Zufammen.**) Die Seethiere })
gehen auch dort gleich dem Viehe an’& Rand, fättigen ſich mit ven
Murzeln der Geſträuche und kehren dann zurück; manche von ihnen
Haben auch Köpfe wie Pferde, Efel und Stiere +7) und meiden bie
Saaten ab. ' | Fa
| II av). Die größten Thiere im indifchen Meere find ber Säge:
Rich und der Wal, im gaflifchen Deean der Sprigwal, +F}) welcher
fich gleich einer ungehenern Säule erhebt und über die Segel ber
Schiffe emporragend eine Waflerfluth ausftößt. In dem gaditanifchen
*) Die Lane lägt ſich nicht näher beftimmen.
“*) Vergl. B. VI, Kay. 25, $. 3.
“er, Noch jest richten die Küftenbewohner der noͤrdlichen Länder aus
ben Kiefern der Wale Balfen und Pioften zu,
+) Befonders die Seefühe.
jr) Alte Volfömährcen. \
+tr) Physeter; man bat bier darunter überhaupt große Wale zu
‚ verfiehen, welche in alter Zeit an der Küfte von Frankreich nicht
felten waren.
x 2*
1040 E. Plinius Naturgefehiäte.
Ocean breitet bee Baum) feine geivaltigen Achte fo weit aus, baf
er deßhalb, wie man glaubt, nie in die Meerenge gefommen if. Auch
Näder, **) fo genannt von ihrer Geftalt, laſſen fich fehen, an denen
man vier Speichen unterfcheidet und an deren Naben auf beiden Sets
ten Angen figen.
IV (V). 1. Dem Kaifer Tiberius verfünbete eine ihm deßhalb
zugeſchickte Geſandtſchaft von Olyſippo (jet Liſſabon), daß maz
einen Triton von der bekannten Geſtalt geſehen und in einer Hoͤhle cu
einer Muſchel habe blaſen hören ; auch die Geſtalt der Nereiden iſt nicht
erbichtet, nur ſtarrt ihre Körper felbft da, wo fle menſchliche Bildung
haben, von Schuppen. 8 ließ ſich nämlich eine folge an derſelben
Küfte bliden und als fie farb, hörten Die Bewohner weithin ihr Fläge
liches Gewimmer ; auch dem göttlichen Auguflus ſchtieb der Legat in
Gallien, daß mehrfach tobte Nereiden an ber Küfte vorfämen. 2. Bor
ausgezeichneten Männern aus dem Nitterftande habe ich die Der
ficherung , daß fie in dem gaditanifchen Ocean einen Meermenfchen,
der am ganzen Körper vollfommen einem wirklichen glich, fahen und
daß diefer zur Nachtzeit die Schiffe befteige und den Theil derfelben,
woranf er fich feße, fogleich niederbrüde und, wenn er länger. verweile,
auch verfenke.***) Unter dem Kaifer Tiberius ließ auf einer ber
*) Arbor; wahrfcheinlich irgend eine Art von Meerfternen (aste-
rias); daß die Größe hier auf lächerliche Weife übertrieben if,
braucht foum bemerkt zu werden. BE
**) Rotae; man barf wohl annehmen, daß Quallen gemeint find,
2. obgleich fich feine Spur von Augen an denfelben findet, rum
) Alle diefe albernen Sagen von Meerweibchen u. dergl. tauchen
— von Zeit zu Zeil immer wieder auf und finden auch ſtets noch
. „dei bem unwillenden Volke Glauben. > *
nd fi a) — 2 — —* Er
Zu 7 BR - y ,
WELTE) — —— — —— Pa ,/
4 > sie, .
I - |
—
-
Neuntes Bud. 1041
“
Küfte der Tugbunenflicien . ‚Provinz gegenüberliegenden Infel*) ber
Ocean bei ver Ebbe auf einmal mehr als dreihundert Seethiere von
wunderbarer Verſchiedenheit und Größe zurüd, und nicht weniger an _
der Küfte der Santonen,**) unter andern auch Clephanten ***) und
Widder, +) die jedoch flatt der Hörner nur ähnliche weiße Flecken
zeigten, und viele Nereiven. 3. Turranius berichtet, daß ein Sees
thier F}) an die gabitanifche Küfle geworfen worben fey, deſſen
Schwanzende zwifchen den beiden Finnen fechzehn Ellen gemeflen
habe und von deffen hundertundzwanzig Zähnen bie größten breis
viertel, die Heinften einen halben Fuß lang gewefen feyen. M. Scaus
rus zeigte während feiner Verwaltung bes Aebilenamts zu Rom unter
andern Wunderdingen auch die aus Joppe [Iaffa], einer Stadt Zus
däas, gebrachten Knochen des Seeungethüms, ++}) welchem nach ber
Sage Andromeba ausgeſetzt gewefen feyn\foll; es war vierzig Fuß
ang, die Rippen überragten an Höhe die indifchen Elephanten und
der Rückgrad hatte eine Dicke von anderthalb Fuß.
Vem. 4. Die Wale dringen auch bis in unfere Meere. *T
*) Das Iugbunenfiihe Gallien umfaßte zur Zeit des Tiberius das
Land zwifchen der Loire, dem Dcean, der Seine und der Marne;
die nicht näher bezeichnete Infel ift vielleicht eine der norman⸗
niſchen.
**) Saintonge (Deyart Niever-Charente).
+) Vielleicht dad Walroß (trichechus rosmarus Linn. )»- welches
in alter Zeit wohl weiter nach Süden fam, als jegt. '
. DD) Der Butzkopf oder Echwertwal (delphinus — welcher
wirklich über jedem Auge einen wie ein Horn gebogenen weißen
Bleden hat.
Tr) Wahrfcheinlich ein Pottwal (physeter macrocephalus Linn.).
+rr) Bermuthlich nichts weiter als das Skelett eines großen Wald.
*}) In das mittellänvifche Meer nämlich, in welchem übrigens jest
.
L }
t
1042 C. Plinius Naturgeſchichte.
In dem gaditaniſchen Ocean ſollen ſie ſich nicht vor dem kürzeſten
Tag ſehen laſſen, ſich aber zu beſtimmten Zeiten in einem ruhigen und
geräumigen Buſen verbergen, da ſie außerordentliches Gefallen baran
finden, bier zu gebären: dieß wiſſen die Schwertwale,*) ein ihnen
feinbliches Seethier, deſſen Ausfehen man nicht anders fchilvern kann,
als daß man es einem ungehenren, die Zähne fletfchenden Fleiſchklum⸗
pen vergleicht. Diefe brechen alſo in die Schlupfivinfel herein,
zerfleifchen die Jungen oder die Mutter, oder auch die Trädtigen
duch Biſſe und durchbohren fie gleich Schiffsſchnaͤbeln durch ihren
- Anlauf. 2. Jene, zu unbehülflih zum Answeichen, zu träge zum
Widerſtand, durch ihr eigenes Gewicht erdrückt und jegt auch träde
tigen Leibes oder durch Geburtsſchmerzen entfräftet, Eennen nur eine
Hülfe, indem fie fi nach der hohen See flüchten und den ganzen
Deean zu ihrer Bertheidigung benügen. Die Schwertiwale ſuchen
dagegen bieß zu verhindern, ſich ihnen entgegenzuftemmen und bie in
bie Engen eingefeilten zu zerfegen, auf. Untiefen zu brängen und an
Felſen zu zerfchellen. Dieſe Kaͤmpfe Iaflen fich anfehen, als wenn
das Meer gegen fich ſelbſt zürne, da in der Bucht Fein Wind weht,
bei dem Schnauben und den Stößen aber ſich folche Fluthen erheben,
wie felbft Stürme fle nicht emporwälzgen. Auch in dem Hafen Oflie
wurbe ein Schwertwal**) gefehen und von dem Kaifer Claudius ans
‚gegriffeny ***) er war, als biefer damals den Hafen ausbaute, darch
nur noch fehr felten Wale erfcheinen , ba fie fih immer. mehr
nach ben Polarmeeren zurüdziehen.
*) Orca, auch, delphinus aries ober gladiator, von den Wallfſiſch⸗
fängern Mörder (Killer) genannt.
*) Scheint, nad) feiner Größe zu urtheilen, fein Schwertwel,
fondern ein Pottfiſch gewefen zu feyn.
Vergl. die Einleitung zu diefer Ueberfegung ©. 12.
+)
—
Neuntes Buch. 1043
ven Schiffbruch einer Ladung aus Ballien gebrarhter Hänte gelockt,
hereingefommen und- hatte, während er fich mehrere Tage hindurch
fättigte, eine Furche in den Grund gewühlt, fo daß er, von den Wo⸗
‚gen überfchüttet, fich auf feine Weife umwenden fonnte und, während
er feinen Fraß verfolgte, durch die Fluthen an bad Ufer geworfen
wurde, wo er gleich einem umgebrehten Schiffsfiele weit Aber das
Waſſer hervorragte. Der Kaifer befahl vielfache Nee zwifchen bie
Mündung des Hafens zu fpannen, brach ſelbſt mit den prätorianifchen
Eohorten auf und gab dem römifchen Volke ein Schaufpiel, indem
Die Soldaten ihre Speere aus den angreifenden Fahrzeugen ſchleu⸗
derten, von denen wir eines, durch das Gegenblafen des Thiered mit
- Wafler gefültt, ſinken fahen.
v1. 1. Die Wale haben Deffnungen [Naslöcher] an der Stirne,
weßhalb fle, wenn fie auf der Oberfläche des Meeres ſchwimmen,
Waſſerwolken in die Hoͤhe blaſen.
wm. Sie athmen aber nach der Uebereinſtimmung Aller, fo wie
auch noch fehr wenige andere Seethiere, welche bei ihren Bingeweis
‘den eine Lunge haben, *) weil ohne. biefelbe, wie man glaubt, Fein
Thier athmet. Diejenigen, welche diefer Meinung find, nehmen auch
an, daß weder die ınit Kiemen verfehenen Fiſche abwechſelnd Athen
aushauchen und wieder fehöpfen, noch auch viele andere Arten, denen
die Kiemen fehlen, welcher Anſicht, wie ich fehe, auch Ariftoteles **)
beipflichtete und durch viele gelehrte Unterfuchungen Eingang vet⸗
ſchaffte. 2. s verhehle nicht, daß ich nicht geradezu dicſer Meinung
. Alle nämlich, die zu dem Geſchlechte ver Wale gehören.
“) In feiner Naturgefehichte der Thiere VIII. 2. Plinius wider⸗
8 übrigens dieſer Anficht mit Recht und mit guten
ründen.
⸗
1044 C. Plinius Neturgefhiäte.
huldige, da ſich ja in manchen Thieren ftatt der Zungen andere zum
Athmen geeignete Eingeweide befinden fönnen,*) wenn ed die Mater
fo will, wie denn aud viele flatt des Blutes eine andere Flüffigfeit
haben.) Wer möchte fich indefien wundern, daß diefer Lebens:
hauch in dad Wafler eindringt, wenn man wahrnimmt, daß er auch
aus demfelben ausflrümt und fogar in die Erbe, einen um fo Bieles
dichteren Naturtheil, eindringt, wofür die Thiere zum Beweife dienen,
welche ſtets darin vergraben leben, wie die Maulwürfe? 3. Dazu
fommt bei mir jedenfalls noch Anderes, was mich zu dem Blauben
beftimmt, daß im Wafler Alles, je nach der Befchaffenheit feiner
Natur athmet, einmal nämlich). die oft gemachte Beobachtung eines
gewiffen Keuchens ber Fiiche während der Sommerhige und gleichſam
eines Bähnens bei ruhigem Weiter, ferner das Eingeflänpniß ber:
jenigen,, welche entgegengefegter Meinung find, daß die Fiſche ſchla⸗
fen, denn wie könnte ohne Athmen ein Schlaf fattfinden, ***) außer:
dem das Aufblähen des brudelnden Waſſers und die Körperzunahme
fogar der Schalthiere durch den Einfluß des Mondes; +) über Alles
geht aber die nicht zu bezweifelnde Bewißheit, ++) dag die Fiſche Ges
hör und Geruch haben, beides Durch ben Luftfloff, denn ben Geruch
9 Die Kiemen find.eden fo gut Athemwerkzeuge ald die Lungen
und die Inſekten haben an den Teibesringen Luftlöcher, welche
durch Spiralröhren zu den Eingeweiden gehen.
) Mie die Mollusfen (Weichthiere). .
»5 Die Fifche athmen mittelft der Luft, welche mit dem Wafler
verbunden iſt oder die fie an der Oberfläche veflelben fchöpfen.
7) Nach ber Anficht, daß der Mond die Feuchtiafeit auflöfe und
vermehre (B. II, Kap. 6, $.'14 und Kay. 104, 6. 3); das
Athmen alfo erleichtere und das Wachsthum beförbere.
TI) Die Beweife folgen B. X, Kap. 89 u. 90,
,
Ed
Neuntes Buch. 1045
wentgftens kann man für nichts anderes als verfeßte*) Luft an-
fehen; Jeder mag übrigens davon halten, was ihm beliebt. — Weber
die Wale, noch die Delphine haben Kiemen; dieſe beiden Mattungen
athmen durch Röhren, welche bis zur Lunge reichen und fich bei den
Malen an ber Stirne, bei den Delphinen auf dem Rüden befinden; **) -
andy die Seefälber, welche man Phoken nennt, athmen und frhlafen
auf dem Lande; ebenfo die Schildfröten, von denen bafd mehr. ***)
VII wm. 1. Das fchnellfie nicht nur von den Seeihieren,
fondern von allen if der Delphin; f) er if rafcher als der Vogel,
ſchärfer als der Pfeil, und wenn er nicht dad Maul weit unter der
Schnauze, faft mitten auf dem Bauche hätte, fo würde fein Fiſch
feiner Gefchwindigfeit entfommen; die Vorſicht der Natur jeboch ſetzt
bier ein Hinderniß, denn fie koͤnnen nur auf dem Rüden liegend und
umgedreht haſchen, welcher Umftand befonders ihre Schnelligfeit be
weist, denn wenn fie vom Hunger getrieben, eimen fliehenven Fiſch
bis auf den tiefen Grund verfolgen und längere Zeit den Athem an
fih gehalten haben, fo fchnellen fle, um zu athmen, wie von einem
Bogen abgefchoffen empor und fpringen mit folcher Gewalt auf, daß
fie meift über die Segel der Schiffe hinwegfliegen. 2. Sie ſchweifen
gewoͤhnlich in Paaren umher, gebaͤren zur Sommerzeit im zehnten
*) Mit fremdartigen Steffen heſchwängerte.
**) Die Delphine haben die Nasloͤcher weiter hinten am Kopfe als
bie Wale, feineswegs aber auf tem Rüden.
+) Kap. 12; von den Phofen f. Kap. 15.
+4) Delphinus delphis. Plinius verwechfelt übrigens in feiner
Beichreibung öfter den Delphin (Tümmler), welcher weder das
Maul auf dem Bauche, noch Stadheln an den Finnen hot, mit
bem Dornhay (squalus acanthias) und dem Stachelhay (squa-
Jus centrina), welchen diefe Gigenfhaften aufommen.
N
- S
1046 C. Plintud Naturgeſchichte
Monat Junge, zuweilen zwei, nähren fle durch Euter, wie der Wal,
und tragen auch ihre Sprößlinge, fo lang fie Hein und ſchwach find,
ja begleiten fogar noch lange die erwachſenen aus großer Liebe zu
ihrer Leibesftucht. Sie wachfen ſchnell, follen in zehn Jahren ihre
volle Groͤße erreichen und leben dreißig Sabre, was man baburdh
wahrgenommen hat, daß man, um es zu erfahren, ihnen ben Schwanz
abfchnitt.*) Sie verfihwinden um bie Aufgangszeit des Hundöfterng
und verbergen fich auf eine unbefannte Weife, was um fd mehr aufs
fallend ift, wenn fle im Wafler nicht‘ athmen können. Cie pflegen
auch aus einer ungewiflen Urfache auf das Ufer zu flürzen,**) flerben‘
indeflen nicht ſogleich, wenn fle das Land berühren, viel ſchneller aber,
wenn man ihnen bie. Luftröhre verfchließt. Ihre Zunge ift, abmwer
hend von der Beichaffenheit der Waſſerthiere, beweglich, kurz und
breit und von der Zunge des Schweines nicht verfchieden; ihre Stim=
me gleicht dem menfhlichen Aechzen, der Rüden ift auswärts ge
bogen und die Schnauze platt, weßhalb fle auch alle wunderbarer
Weiſe auf den Namen Simo ***) (Siumpfnafe) hören und fo bar
diefen Laut fich gerne herbeiloifen laffen. Ä
‚ VAL. 1: Der Delphin ift nicht nur ein Freund des Menfchen
fondern auch der Tonkunſt; er ergoͤtzt fih an mehrflimmigem Geſange
und ganz befonders am Klange der Waflerorgel. Er fürchtet ven
Menfchen nicht als ein ihm fremdes Mefen, kommt den Schiffen ent:
gegen, umfpielt fie fpringend, wetteifert auch mit ihnen und überholt
fie beim ſchnellſten Segeln. 2. Zur Zeit des göttlichen Auguflus
) Wenn fie noch Hein waren, und bann ſie wieder in's Waſſer ließ.
) Wenn fle entweder allzueiftig ihre Beute verfolgen oder wenn
Yon fle von gewiflen Infeften bis zur Verzweiflung geplagt werben.
) Bon simus platt. Die Delphine hören auf diefen Namen, weil
er einem zifchendpfeifenden Tone gleicht.
‘
Neuntes Buch. ie 1047
liebte einer, ber in den lucriniſchen See gekommen war, den Knaben
ejnes armen Mannes, welcher aus dem Bajaniſchen nach Puteoli in
bie Schule ging,) nachdem dieſer ihnen während feiner Mittagsraſt
. öfter mit dem Namen Siwo gerufen md mit Stücken Brod, das
er deßhalb bei fich trug, ſie herbeigeloct Hatte, mit wunderbarer. Ans
Hänglichfeit. Ich würde mich ſcheuen, weiter zu erzählen, wenn hie
Thatſache nicht in den Schriften des Mäcenad, bes Fabianus, des
Flavius Alfius und vieler Anderer aufgezeichnet wäre. 3. Zu wels
her Zeit des Tages er von dem Knaben angerufen wurbe, flog er, fo
verſteckt und entfernt er auch feyn mochte, aus der Tiefe herbei, fraß
aus feiner Hand, bot ihm, während er dic Stacheln der Finne wie in
einer Scheide barg, den Rürfen zum Aufſitzen und trug ben aufge⸗
nommenen.burdh die weite See nach Buteoli in die Schule und brachte
ihn auf gleiche Weiſe zurüd mehrere Jahre lang; nachdem der Knabe
durch eine Krankheit hingerafft worden war, Fam er noch fortwährend an
ben gewohnten Ort, betrüht und einem Trauernden ahnlich, und flarb
dann, wie'Niemand zweifelte, felbft aus Sehnſucht. — 4. Ein ans
derer, welcher in den lebten Jahren an der afrifanifchen Küfte zu Hippo
Diarchytus [Den Zert] auf gleiche Weife den Menfchen aus der
Hand frag, fich betaflen ließ, die Schwimmenden umfpielte und die
fich auf ihn Setzenden trug, mied, als er von Flavianus, dem Pros
fonful Afrika's, mit Salbe befirichen und, von der Neuheit des Ge⸗
ruchs, wie es fchien, betäubt, wie tobt herumgeflößt wurde, einige
"Monate, als wäre er durch die Mißhandlung verfeheucht, den Um⸗
gang mit den Menſchen; als er zurüdfehrte, erregte er bald wieber
diefelbe Bewunderung, aber die Ungerechtigfeiten der Herıfchaften,
welche, um ihn zu fehen, herbeifamen, gegen ihre Wirthe, nöthigten
*) Ueber die Sofalitäten vergl. B. HL, Kap. 9, 8. 9.
1048 C. Plinius Naturgeſchichte.
die Hipponenſer, ihn zu toͤdten. — 5. Aehnliches wird aus früherer
Zeit von einem Knaben in. der Stadt Jaſſus ) erwähnt, welchen
ein Delphin lange Zeit feine Liebe bewährte, bis er einmal, als er
dem fich nach dem Ufer wegbegebenden haſtig folgte, auf der Sand
gerieth und flarb. Alexander der, Große machte den Knaben zum
DOberpriefter des Neptun zu Babylon, da er jene Liebe ald das Zei⸗
en einer gnädigen Gottheit veutete. 6. Hegeſidemus fcreibt, daß
in derfelben Stadt Jaſſus ein anderer Knabe, Namens Hermiad. auf
ähnliche Weife dad Meer durchritten habe und, nachdem er durch bie
Zluthen eines plöglichen Sturmes umgelommen, zurückgetragen wor⸗
den, ber Delphin aber, welcher fich als die Urfache feines Todes bes
- trachtete, nicht wieder in das Meer gegangen, fondern. auf dem Trode
nen geftorben fey. Theophraftus berichtet, daß daſſelbe auch zu Nau⸗
pactus**) norgefommen. Und ſolcher Beifpiele gibt ed eine Unzahl.)
Daflelbe erzählen die Amphilochier 7) und Tarentiner von Knaben
und Delphinen. 7. Wodurch man fich bewogen fühlt, zu glauben,
daß auch Arion, der Zitherfpieler , nachdem er von ben Schifferm, bie
ihn, um fich feinen Erwerb anzueignen, auf bem Meere tübten woll:
ten, die Erlaubniß, noch vorher auf der Zither fpielen zu dürfen, er-
ſchmeichelt, von ben durch fein Spiel herbeigezogenen Delphinen, fo
wie er fi in's Meer geftürzt hatte, aufgenommen und von einem
derſelben nach der tänarifchen Küfte ++) gebracht worden fey.
IX. 41. In der narbonenfifchen Provinz im Gebiete von Res
7) In Catien, ſ. B. V, Kap. 29, $. 5.
) Iept Ainabachti im Golf von Lepanto.
**) In neuerer Zeit fennt man fein einziges,
- 7) In Afarnanien, vergl. B. III. Kap. 2, $. 2.
TI) Bei dem Vorgebirge Taͤnatum, f. B. IV, Kap. 7.
J
21
Neunted Buch. 1049
mauſus [Nimes] iſt ein See, Latera genannt, wo bie Delphine in:
Gefellſchaft mit dem Menfchen fifchen.*) Eine unzählige Menge von
Meeräfchen bricht zur beftimmten Zeit aus den engen Mündungen des
See's in das Meer hinaus und beobachtet tabei den Zurücktritt derFluth,
weßhalb fich auch feine Netze vorfpannen laffen, da diefe auf feine
Meife ten Andrang der Wucht aushalten würden, wenn auch vie Lift
Ger Fiſche) die Zeit nicht gut wählte. 2. Mit gleicher Klugheit
gehen fle fofort nach der Tiefe, welche durch einen nahen Strudel ges
bildet wirb, und beeilen fi} von. der. einzigen zur Ausbreitung ber
Rebe geeigneten Stelle wegzufommen. Sobald die Fifcher (welche,
da fe der Zeit Fundig und noch mehr, weil fle nach dieſem Bergnügen
begierig find, in Menge zufammenftrömen) dieß bemerfen und das
ganze Bolf vom Ufer aus mit. möglichft ſtarkem Geſchrei den Simo
zum Ausgange des Schaufpiels herbeilockt,“) erhören die Delphine-
ſchnell den Wunſch, wenn der wehende Nord die Stimme fortleitet,
während der entgegengefegte Süd fle ihnen fpäter zuführt; aber auch
dann fliegen fle unvermuthet zur Hülfe herbei. 3. Offenbar eilt die
Schlachtreihe, welche fich fogleich an der Stelle ordnet, wo der In:
fammenftoß des Kampfes iſt; fie flemmen fich von der See her ent⸗
gegen und brängen bie furchtfamen auf bie Untiefen. Alsdann ziehen
die Fiſcher ihre Nepe herum und heben fle-mit Gabeln in die Höhe;
) Noch jebt if in dem Gtang de Lattes ber Bang ber Meeräfchen
(mugil cephalus), welche früher die gewoͤhnlichſte Faftenfpeife in
Südfranfreich waren, fehr bedeutend; von der Hülfe, der Del-
⸗
phine, welche ſich in älterer Zeit vielleicht in größerer Anzahl
hier aufhielten und durch ihre Verfolgung die Fiſche in die
Netze jagten, weiß man heut zu Tage nichts.
) Etwas pretioͤs ausgedrückt, ſtatt: mit dem Lockrufe Simo den
Delphin herbeizieht.
1050 C. Plinius Naturgeſchichte.
nichtsdeſtoweniger ſpringen die hurtigen“ Meeraͤſchen darüber, die
Delphine aber nehmen fle in Empfang und ſich damit begnügend, fle
zu töbten, verfchieben fie die Ayınng bis zum Siege. 4. Durch bie
Anftrengung wird das Treffen hitzig und fle laflen fi, während fie
aufg Tapferfle andrängen, gert in die Netze einſchließen; damit fle
aber nicht eben dadurch den Feind zur Flucht ſtacheln, ſchlüpfen ſie
zwiſchen den Schiffen, den Netzen und den ſchwimmenden Menfchen
fo unvermerkt durch, daß fie feinen Ausweg-öffnen; durch Springen,
was ihnen fonft das Liebfte iſt, ſucht fich Feiner Ios zu machen, wenn
nicht grabe die Nebe unter ihn fommen ; ift er berans, fo fämpft er
fogleich wieder vor der Umzäunung. Iſt der Fang auf biefe Wrife
vollbracht, fo nehmen fle diejenigen, welche fle getöbtet haben, hin⸗
weg; ba fle aber überzeugt find, daß ihrer angeſtrengten Arbeit mehr
als für einen Tag Belohnung gebührt, fo warten ſie bis zum folgen-
den und werben alddann nicht nur mit Fiſchen, fondern auch mit in
Wein eingebrodtem Brode gefüttert.
X. Was Mucianus von derfelben Art des Fiſchfangs im jaffl-
fehen Meerbufen erzählt, ift in fo fern verſchieden, daß fle freiwillig
und ungerufen zugegen find, ihren Antheil aus der Hand empfangen
und jeder Kahn einen befonderen Delphin zum Begleiter hat, obſchon
man bei Nacht und Fadelfchein fifcht. Sie haben auch unter fi eine
gemeinfame Verbindung ; als einer von dem Könige von Carien ges
fangen und im Hafen [von Jaffus] angebunden wurde, famen bie
übrigen in fehr großer Menge herbei und baten mit einer gewiſſen
nicht zu verfennenden Traurigfeit um Mitleid, bis der König ihn
loszulaſſen befahl. Ja die Fleineren begleitet ſtets ein größerer als
Beſchützer und man fah fie ſchon einen todten tragen, bamit er nicht
von den Seeungelhümen zerrifjen würde.
"Tax. Mit den Delphinen Haben bie fogenannten Meere
⸗
. x |
Neuntes Bub. 1051
fchweine*) Aehnlichkeit; indeſſen unterfcheiden fle ſich, da ihnen jene
Munterfeit fehlt, durch die Traurigkeit ihres Ausſehens und gleichen
Doch. durch ihre Schnauzen am meiften ben bösartigen vunds⸗
hayen. **)
XII (X). 1. Schildkroͤten wirft das indiſche Meer von folcher
Größe aus, daß man mit den Echilden der einzelnen bewohnbare
Hütten bedacht und die Infeln beſonders des rothen Meeres auf ihnen
wie auf Kähnen befchifft.***) Sie werden wohl auf viele Arten ge:
fangen, meift aber, wenn fie bei Tieblicher Bormittagszeit auf die
Oberfläche des Meeres fteigen und mit völlig hervorragendem Rüden
auf dem ruhigen Waffer treiben, bei welchem Vergnügen, frei zu
athmen, fie fich fo fehr felbft vergefien, daß fie, wenn ihre Schale
durch die Sonnenhige ausgetrocknet ift, nicht mehr untertauchen koͤn⸗
nen und wider Willen ſchwimmen müffen ‚ den Jaͤgern eine bequeme
Beute. 2. Sie ſollen auch, wenn ſie des Nachts heraus auf die
Weide gehen und ſich gierig ſättigen, müde werben und ſobald fie des
Morgens zurückkehren, auf ber Oberfläche des Waſſers einfchlafen,
was durch ihre Schnarchen verrathen wird, worauf zu je einer brei
Leute leife heranfchtwimmen; zwei wenden fle auf den Rüden, ber
dritte wirft der rüclingsliegenden einen Stri um und mehrere ziehen
fie vom Land her herbei. Im phönizifchen Meere werben fie ohne
alle Schwierigfeit gefangen und’ fie kommen zur beftimmten Jahres⸗
— —
*) Tursio, Delphinus phocaena.
**) Canicula, vergl. unten Kap. 70.
*++) Da wir dag, indifche Meer jebt genau fennen, fo fann von die⸗
* fen lächerlichen Uebertreibungen weiter feine Rede ſeyn; das
Schild der größten bis jetzt befannten Schildkroͤten ift hoͤchſtens
5 Buß lang und 4 Fuß breit,
,
L
⸗ *
1052 €. Plinius Naturgeſchichte.
zeit in übermäßiger Menge von ſelbſt in den Fluß Elentherus.)
3. Die Schildfräte Hat feine Zähne; aber die Ränder der Schnauze
ind fcharf und der obere Theil fchließt den unteren, wie an einer
Buͤchſe. Im Meere leben fle, da ihr Maul fo hart ift, daß fle Steine
zermalmen, von Mufcheln, wenn fle aber an’d Land gehen, von Kräus
tern. Sie legen @ier, welche ven Vogeleiern gleichen, bis hundert
an ber Zahl, vergraben fle außerhalb des Waſſers und bebrüten fle,
nachdem fle Erde darüber gedeckt und biefe mit der Bruft fegenrudt
und geebnet haben, ded Nachts. Die Jungen bringen fie in Jahres⸗
friſt Jum Vorſchein.“) Manche glauben, daß die Eier von ihnen
mit den Augen und durch Anbliden ausgebrütet werden und bie Weib:
chen fo lange die Begattung fliehen, bis das Männchen von Hinten
einen Halm auf fie legt. 4. Bei ven Troglodyten***) gibt es aud
gehörnte, an denen, wie an einer Leyer, Breite aber beivegliche Hoͤrner
ſitzen, die fle beim Schwimmen als Ruder zur Hülfe nehmen; ihre
Schale, die man Chelyon +) rennt, ift ausgezeichnet, aber felten,
weil die fehr fcharfen Felſen die Chelonophagen +7) zurüdjchreden ;
*) Vergl. B. V, Kap. 17, F. 4.
**) Nach der Behauptung der neueren Naturforſcher bebrüten die
Schildkroͤten ihre Gier gar nicht, fondern überlaflen dieſes
Gefchäft der Sonne; die Eier follen fich in etwa ſechs Wochen
entwideln. Daß das übrige von ber Bebrütung und Bes
gatfung Geſagte Fabel.ift, braucht wohl kaum bemerft zu
werden. ' N
») Vergl. B. VI, Rap. 34. Bon gehörnfen Schildkröten weiß
"die Naturgefchichte nichts; man Hielt wahrfcheinlich die fangen
Vorderfüße ber Meerfchildfröten für Hörner. j
T) Xeivov, Schildfrötenfchale; chelyon testadinum fagt Plinins
B. VI, Kap. 34,$. 4.
1) Schilofrötenefler (vgl. B. VI, Kap. 28, $. 3); fle gehen wegen
der fpigen Felſen im Meere nicht gern auf den Fang aus,
-
, Neuntes Bud. | 1053
die Troglodyten aber, zu denen fle ſchwimmen, verehren ſle a" Heilig.
68 gibt auch Lanbfcilbfröten, welche deßhalb an den Schildkrotarbei⸗
ten Eherfinä*) heißen, in den Wüſten Afrika's, da wo dieſe am meis
fen mit dürrem Sande bedeckt find, und leben, wie man glaubt,
von ber Feuchtigfeit des Thaus; auch kommt daſelbſt kein anderes
Thier fort.
XIII ıxn., Die Schalen der Schildkroöten in Blättchen zu zer-
fehneiden und damit Ruhebänfe und Schüſſelringe **) zu befleiten, ers
fand Garvilius Pollio, ***) ein für Geräthichaften der Meppigfeit ver:
ſchwenderiſcher und erfindungsreicher Geift.
XIV un. Die Bekleidung der Waſſerthiere iſt verſchieden;
einige ſind mit Haut und Haar bedeckt, wie die Seefälber und die _
Blußpferbe, andere nur mit Haut, wie die Delphine, mit einer Schale,
wie die Schilbfröten, mit einer fleinharten Hülle, wie, die Auflern und
Müfheln, mit Kruften , wie bie Heuſchreckenkrebſe, 7), mit Kruſten
und Stacheln, wie die Meerigel, mit Schuppen, wie bie Fiſche, mit
einer rauhen Haut, wie der Engelhay, +4) womit man Holz und El⸗
fenbein glättet, mit einer weichen, wie die Muränen, tm) oder mit
‚gar Seiner, wie die Armfraden. *+)
XV xım. 4, Diejenigen, welche mit Haar Beffeibet find, ges
bären lebendige Junge, wie der Site, ber Wal und das Sees
x
‚*) Kogamvan, auf dem feſten Lande lebente.
*5 m die Schüßeln auf dem Tifche darauf au Belle.
“ee, Vergl. B. XXXIII. Ray. 49 und 51.
+) Locustae, vergl. weiter unten Kap. 50, $. 1,
+7) Squatina, vergl. weiter unten Kap. 40 und B. xxxu, Kap.
» ⸗ 7.
717) Veral. weiter unten Kap. 39.
- *4) Polypi vergl. weiter unten Kap, 46 ff.
. &. Plinius Naturgeſch. 9. Bochn, 3
1054 C. Plinius Naturgeſchichte.
kalb; ) dieſes wirft auf dem Rande, gibt: wie die Vierfüßler, eine Nach⸗
geburt von ſich, haͤngt bei der Begattung, wie die Hunde, zuſammen,
gebiert zuweilen mehr als zwei Junge, ernährt die Brut an den Brü⸗
fen und führt fle nicht vor dem zwölften Tage in das Meer, gewöhnt
fle ober von da an aflmälig daran. Sie find fh wer zu töbten, wenn
man ihnen nicht den Kopf zerfchmettert; ihr Gefchrei if eine Art
Blöcken, weßhalb fie auch Seefülber genannt werben. Ste laſſen ſich
indeffen abrichten **) und begrüßen mit Stimme und Blid zugleich
das Volk; bein Namen gerufen, antworten fie mit einem garfligen
Brummen. Kein Thier verfinft in einen tieferen Schlaf; auf ben
Finnen, deren fie ſich im Meere bedienen, Friechen fie auch auf dem
Lande, wie auf Füßen. Ihre Selle follen, auch wenn fle vom Körper
abgezogen find, eine Empfindung vom Meere bebalten und beim 3x
rüc:veichen der Fluth ſich borften; außerdem ſoll die rechte Finne
eine fehlaferregende Kraft enthalten und, unter ven Kopf gelegt, ben
Schlaf herbeizichen. ia
av.) Bon den haarloſen Waſſerthieren gebären in Allem nur
zwei lebendige Sunge, der Delphin und die Viper. ***)
XVI. Es gibt vierundfiebenzig Arten +) Fiſche, ohne die mit
— —
*) Der Sägefiſch und der Wal haben feine Haare; was Plinins
von dem Seefalbe fagt, ift (die Eigenfchaften der Haut und der
Floßen freilih ausgenommen) ziemlich genau und richtig.
Das Seefalb (vitulus marinus) iſt die Moͤnchsrobbe (Phoca
monachus). ®
**) Auch in neuerer Zeit hat man’ in Menagerien abgerichtete
Robben gefehen, welche auf Befehl ihrer Wärter mancherlei
Kunſtſtücke machten.
**) Die Biper hat Eier, aus denen ſich aber ſchon vor dem Legen
. ,, die Jungen entwideln. Vergl. B. X, Kap. 82.
- DD Die naturhiftoriiche Sammlung in Paris beflst deren an 6000.
Neuntes Bub. 41055
Kruſten bebeitten Seethiere, deren es dreißig gibt. Von den einzel⸗
nen werten wir anderswo ſprechen, bemm jetzt ſoll nur die Beſchaffen⸗
heit der bedeutendſten erörtert werden.
XVII (xv). 1. Bon. befonderer Größe find die Thumne;*) wir
finden, daß ein felcher fünfzehn Talente [772 Pfund] gewogen md
fein Schwanz eine Breite von zwei**) Een und einer Hand [3*/,
Buß] gehabt habe.***) Es gibt auch in einigen Flüſſen Fifche, vie
nicht Feiner find: der Wels 7) im Nil, der Efor im Rhein, der Ats
tilus }}) im Padus [Po], welcher Tegtere durch feine Trägheit fu fett
wird, daß er eine Schwere von taufend Pfund erreicht, F}F) in einem
mit Ketten verfchenen Depe gefangen werben. muß und nur dureh
*) Der gemeine Thunn (svomber thynaus); hauptſaͤchlich im
Mittelmeer.
») Nach der Uekereinftimmung faft aller Handſchriften; Harbuing
Aenderung des Zablworts duo in quingue, weil bei Ariſtoteles
(Bist. Animal. VII, 34), add welchem Plinius Hier fchöpft,
tövee fteht, fcheint nicht Sinlänglich begründet, ba ja Plinius
eine beſſere Handſchrift des Artſtoteles, worin bie richtige und
der Wirklichfeit entfprechende Lesart ftand, benügt haben fann.
Ein Schwanz von fünf Ellen B:eite würde einen Fifch von
wenigſtens 25 Fuß Länge vorausſetzen.
+) Der Thunn iſt gewoͤhnlich zwei Fuß lang und fleben Pfund
fchwer, doch foll es im Mittelmeere noch jegt ungeheure Thunne
von 15 bid 18 Fuß Fänge unb und 10 bis 18 Gentnern Gewicht
neben.
+) Siluras gladis L.; ber Wels (oder die Schilbe) des Nils ift
von dem europäifchen etwas verichieden.
+) Ih halte vem Efer und den Attilus für den ſelben Fiſch und
zwar für ven Stör (acipenser stario), weicher im Rhein und
‚im Bo vorfommt und nur verfchiedene Namen führt.
+9 dech une hoͤchſt feifen, oft wiegt aber ber, er ‚einige
Gentn wo
’ \ ⸗
3%
1056 C. Plinius Naturgeſchichte.
Joche Ochſen herausgezogen werden kann. 2. Und doch koͤdtet ihn
ein winzig kleiner Fiſch, welcher Duerber *) heißt, indem biefer mil
wunderbarer Gier auf eine Arer an feinem Schtunde losfährt. Der
Wels reift, wo er ſich auch befindet, verfolgt jedes Thier und zerrt
oft ſchwimmende Pferde unter dad Wafler. Er wird Hauptfächlich im
Main, einem Fluſſe Germaniens, mit Ochfengefpannen und in der
Donau mit Hafen..herausgezogen und, iſt dem Meerfchweinhen ſehr
ähnlich; auch eines Fifches im Boryſthenes [Dnieper] von beionderer
Größe **) geichieht Erwähnung , in welchem ſich feine Knochen over
Graͤten befinden und ber ein fehr ſüßes Sleifh Hat. 3. Plataniften
nennt man Fiſche im Ganges, welche die Schnauze und ven Schwan
bes Delphins, aber eine Länge von fünfzehn Ellen Haben. ***) Sm
vemſelben Fluffe find, wie Natius Seboſus zu nicht geringer Ber:
wunterung.-berichtet, Würmer mit zwei Kiemen, fech8 Elfen lang und
von bläulicher Farbe, welche ihren Namen von ihrer Gefalten er:
halten haben; fle follen von ſolcher Stärfe feyn, daß fie die zur Tränfe
kommenden Blephanten mit einem Biffe am Rüffel ergreifen und hin⸗
abziehen. +)
XVII. 41. Die männlichen Thunne haben feine Floßen unten
am Bauche; tr) fie geben zur Frühlingezeit in Schaaren aus dem
*) Clupen = petromyzon branchialis L. -
*) Des Haufen (accipenser huso).
eee) Mohricheinlich ift hier der gangetifche Delphin (deiphines
gangeticus), von den Bewohnern der Gangesuier Eufu ges
nannt, gemeint: er wid aber nur fieben Schuh lang.
1) Kteflae (ind. 27) erzählt aͤhnliche lächerliche Kabeln von
einem Wurme (Hate). über deren Entſtehung nachzuforſchen
überflüffig if.
iD) ar falfche Bemerkung; ber Augenfihein beweist das Gegen⸗
Neuntes Buch. 1097
großen [miftelländifchen] Meere in den Pontus [das ſchwarze Meer]
und feichen anderwärts nicht. Die Jungen, welche im Herbfte die in's
„Meer zurüdtehrenden Mütter begleiten, heißen Cordylen, ) im Frühe
linge nennt man ſie Schlämmlinge oder Pelamiden, **) was daſſelbe
bedeutet, und wenn fie über ein Jahr alt find, Thunne. Man fchneidet
diefe in Stüde und preist beſonders den Hals und den Bauch an,
wohl auch vie Kehle. fo lange fie nämlich friſch iſt, obgleich fie auch
fo ſchon ſchweres Aufſtoßen verurſacht; bie übrigen Theile werben in
ganzen Fleifchflumpen im Salze aufbewahrt. 2. Man nennt fie Mes
landryen, ***) weil fle aus der Eiche gehauenen Bohlen ſehr ähnlich
find; als die fchlechteflen derjelben gelten die nach dem Schwanze hin,
weil fle fein Wett Haben, als die vorzüglichften die nach dem Schlunbe
bin, während bei andern Fifchen gerade bie Schwanzſtücke am meiſten
gefucht find. Die Belamiden werden in auserlefene Stüde +) und,
theilweife zerichnitten, in würfelartige Stüdichen +7) zerlegt.
XIX. Das gefammte Fifchgefchlecht wächst mit ausnehmender
Schnelligkeit, befonders im Pontus; die Urfache liegt in der Menge
der ihm füße® Waſſer zuführenden Flüſſe. Bonittrt) heißt ber
Fiſch, deſſen Wachsthum an jebem einzelnen Tage wahrzunehmen iſt;
*) Bielleiht von nogduiy (Reule), wegen ihrer Geſtalt.
**) Bon anAög, Schlamm; limosae, .
*) Vom gelag (ihwarz) und Sovs (Eiche); ueravögıoy nennen
bie Griechen den inneren Theil (das Mark) der Eiche.
+) Apolecti, anzudexros (nämlich Töne). Plinius nennt auch
(B. 32, Kap. 53) die arößeren Pelamiden ſelbſt Apoleeti,
weil fie fi) beſonders eignen, um in Stüde gerfchnitten zu
werben.
+f) an xußia. Diefe Würfel hatten ungeführ bie Dide eines °
ers.
+) Ani ber mittellänbifche Bonit (scomber sarda),
1058 C. Plinius Naturgeſchichte.
er und die Pelamiden ziehen mit den Thunnen in Schaaren, jede mit
ihren Führern, zur ſüßeren Nahrung in den Pontus und allen voran
die Makreelen,) welche im Waſſer ſchwefelgelb ausſehen, außerhalb
deſſelben aber wie die andern. Dieſe füllen die Fiſchbehaͤlter Hispas
niend, da die Thunne nicht bis dahin gehen.
XX. 1. Sn den Pontus aber fommt außer Seefälben und
fleinen Delphinen kein den Fiſchen ſchädliches Thier; die Thunne
gehen am rechten Ufer hinein, am linfeu heraus, weil fie, obgleich
ihre beiden Augen von Natur blöde find, doch am rechten befler fehen.
In der Straße des thrazifchen Bosphorus [Meerenge von Konflens
tinopel], welche vie Propontis [pad Marmormeer] mit dem Gurimb
[ſchwarzen Meere] verbindet, gerade in ber Enge des Europa und
Aften trennenden Sundes ift bet Chalcedon [Kadifdi] auf der Seite
Aftens ein Felfen von wunderbarer Weiße, der vom Grunde bis zum
Maflerfviegel durchleuchtet. 2. Durch den Anblick deflelben crfchreit,
wendet fi immer ver Zug etligft nach dem gegenüber liegenden Vor⸗
gebirge von Byzantium, welches daher das goldene Korn **) heißt,
deshalb ift auch der ganze Bang zu Byzantium und u Chalcedon
großer Mangel, obgleich nur eine Straße Von taufend Schritten das
zwiſchen hinzieht. Sie warten aber auf das Wehen des Norbofled,
am mit günftiger Strömung den Pontus zur verlaffen, und werben
erft, wenn fie in den Hafen von Byzantium kommen , gefangen.
3. Im Winter. ziehen fle nicht und wo ſie von bemfelben uͤberraſcht
werben, ba überwintern fie bis zur Tagundnachtgleiche. Man ffeht
ihnen oft vom Steuerruder aus mit befonderem Vergnügen zu, wie
*) Scomber — Scomber Scombrus L. Maquereau.
) Das maraebirg, auf welchem Konſtantinopel liegt; vgl. B. IV,
Kap. 18, 6. 8
x
* ⸗
Reunted Vuch. 1059
fe einige Stunden lang und einige taufend Schritte weit die unter
Segel befindlichen Bahrzeuge begleiten, ohne ſich ſelbſt durch einen
wiederholt nad ihnen geworfenen Dreizack abſchrecken zu laſſen.
Ginige nennen’ die Thunne, welche dieß than, Lootſen.“) Viele
überfommern in der. Propontis und gehen nicht in den Pontus; fo
auch die Zungenfehollen ,**) während bie Dornbutten *) hinein⸗
gehen; auch iſt die Dintenſchnecke +) nicht darin, während man bie
Eeefage Tr) dafelbft findet. A. Bon den Klippenfiſchen 77) fehlen
die Meeramfel*}) und die Seemerle,**F) fo wie auch die Mufcheln,
während die Auftern im Ueberfluffe vorhanden find, alle aber übers.
wintern im agaͤiſchen Deere [Archipel] und von den in den Pontus
gehenden Fehren nur die Trichien ***+) (Spraiten) nicht zurüd. (E84
bürfte angemefien feyn, bier meiſtens griechifche Benennungen zu ges
brauchen, da man denfelben Fiſchen in. verfchienenen Gegenden andere
und wieder andere Namen beigelegt hat). 5. Aber diefe (Trichien)
allein gehen den Fluß Ifter [die Donau] hinauf und ſchwimmen aus
ihm durch feine unterirdifche Gänge in das abriatifche Meer; t*) deß⸗
halb fieht man ſie auch dort herabfommen , aber nie aus dem Meere
‘*) Pompili (IToumiroı), Begleiter; der wahre Lootfe (pompilus)
x der Alten heißt jegt gasterosteus duetor (Lootsmann).
*2) Solene — Pleuronectes solga L.
***) Rhombi — Pleuronectes maximus L, Turbot.
+) Sepia — Sepia officinalis L., gemeine Dintenfchnede. -
tt) Loligo — Sepia loligo L. ‚ tautenförmige Dintenfchnede;
Salmar.
Tr) Saxatiles, die an Klippen und Geflein ſich aufhalten.
) Turdus — Labrus turdus L.
**7) Merula — Lacrus merula L,
+) Trichiae ⸗ elupea sprathus L.
1°) Cine Annahme, vie fich nicht leicht beweifen laſſen dürfte. _
N
'
1060 C. Plinius Naturgeſchichte.
herauffteigen. — Der Bang ber Thunne findet ſtatt vom Aufgange
des Siebengeflirns bia zum Untergange des Arcturus; ) während
der übrigen in den Winter faflenden Zeit liegen fle in den tiefften Ab⸗
gründen verborgen, wenn nicht laued Wetter ober ber Vollmond fle
herauslockt. Sie werben fo fett, daß fie berfien; ihre Längfle Lebens⸗
zeit Dauert zwei Jahre.
XXI 68 gibt ein Heined Thier**) von ber Geftalt des Scors
piond und der Groͤße der Spinne; dieſes heftet fih dem Thunn un
dem fogenannten Schwertfifche, ***) welcher nicht felten den Delphin
an Größe übertrifft, mit feinem Stachel unter die Finne und verur⸗
fact ihnen einen ſolchen Schmerz, daß fie häuflg in die Schiffe aufs
fpringen; was auch fonft die Filche thun, wenn fie die Gewaltthaͤtig⸗
feit anderer fürchten, am meiften aber die Meeräfchen +) und mit fo
außerorbentlicher Springfraft, daß fle zuweilen über die Fahrzenge
binmegichnellen. J
XXI (Xxvij. Auch in dieſem Theile der Natur gibt es Vorbe⸗
beitiungen ‚und auch bie Bifche Haben Ahndungen. Als Augufus
während bes fleilifchen Krieges am Ufer Iuftwandelte, fprang ein Fifch
aus dem Meere'zu feinen Füßen; auf welches Zeichen Hin die Wahr:
fager, da damals Sertus Pompejus fih ven Neptun zum Bater an
nahm (fo groß war fem Ruhm im Seewefen), den Ausspruch thaten
daß die, welche zu jener Zeit die Meere beberrfchten, unter Cäfars
Füße fommen würben. +}) |
2 Alſo vom Mai bis zum November.
) Die Seefedern (pennatula), beſonders die Pennella. Oken's
Naturgeſchichte V, 5R4,
) Gladius — xiphias gladius L. , ”
MD Mugiles; veral. weiter. unten Kan. 28.
Tt) So wie ver Fiſch als ein Kind des Meeres au den Füßen bes
Neunted Buch. 1061
XXI. 1. Die Weibchen ver Fiſche find größer als die Maͤm⸗
chen: in einer gewiſſen Gattung gibt es gar feine Männchen, dahin
gehören vie Buchftabenfifche*) und die Saͤgbarſche; **) venn alle wer⸗
den mit Biern trächtig gefangen. ***) Die Schuppenfifche far jeder
Gattung ziehen ſchaarenweiſe; man fängt fie vor Sonnenaufgang,
aledann trägt das Geflcht die Fifche am meiften; bei Nacht ruhen fle
und bei heitern Nächten fehen fle eben fo gut wie am Tage. 2. Man
behauptet, daß es zum Fange vienlich fey, wenn man die Tiefe aufs
rühre, und daß daher bei dem zweiten Zuge mehr gefangen werten,
als bei dem erfien, Am meiften lieben fle ven Giſchmack des Dels
und dann mäßige Regen und nehmen baburch zu, wie denn auch bie
Rohre, obgleich fie Sumpfgewächfe find, ohne Regen nicht gebeihen,
und die Fiſche, ſtehen fogar überall ab, wo fle in demfelben Wafler
bleiben und kein anderes zufließt.
XXIV. Einen ſehr falten Winter ſpuͤren alle, am meiſten aber
Auguftus fprang , fo werde Bompejus, der damals die Ober⸗
Hand zur See hatte und nach feinem Siege im flcilifchen Kriege
(34 vor Chr.) fih übermüthig einen Sohn des Neptuns nannte
(vgl. Appian, von den Bürgerfriegen, V, 100), alsbald ebens
falld dem Auguſtus unterworfen feyn.
*) Erythinus (von feiner fehönen rothen Farbe) = perca scriba;
der Scheitel, ift feuerroth mit hHimmelblauen Wellenftrichen, wie
Schriftzüge, woher er auch feinen Namen hat.
**) Channe (von gaivsıv gäbnen, weil erimmer mit offenem Maule
ſchwimmt) = peroa cabrille, gemeiner Sügbarich.
**) (a ift wirklich fonderbar, daß man bis jetzt nur Roogper ges
funden hat. Naturforfcher der neueren Zeit, welche an einigen
Fiſchen von der Gattung der Sägbarfche unten an dem Cier⸗
ſtocke einen Milchlappen bemerften, glauben, daß Ieber einzelne
Gier Hervorbringe und fle auch befruchte.
x
1062 C. Plinius Naturge ſchichte.
diejenigen, welche einen Stein im Kopfe haben’ follen, *) wie bie
Molföbärfche,**) die Seeraben,***) vie Bartumbern, }) die Roths
braſſen. +) Nach ſtrengen Wintern werben viele blinde gefangen;
auch liegen fle während diefer Monate in Höhlen verborgen, welche
Bemerkung wir bereits 171) bei dem Gefchlechte der Landihiere ges
macht haben. Am feltenften werden im Winter. der Etugfepf*+)
und der Rabenflich **7) gefangen, einige wenige Tage, welde immer
biefelben find, ausgenommen, ebenfo die Muräne *7) und ver Rälhs
ling, t*) der Meeraal, }**) die Sägbärfhe r*’*) und alle Klippen
ſiſche; der Krampfrochen, *$) der Gtatibutt**g) und die Zungen
feholte ***S) follen fich während des Winters in der Erde, d. h. in dem
ausgehöhlten Meeresgrunde, verbergen.
XXV. Andere dagegen bleiben, weil fie die Hige nicht vertra-
gen füntten, in der Mitte des Sommers ſechszig Tag lang verkedt,
*) Die Ohrſteine finden fich bei allen Fiſchen, find aber bei eini⸗
gen Gattungen, beſonders bei den Schattenfifchen, größer und
bemerkbarer.
**) Lupus Peroa labrax L.
***) Chromis — Sciaena nigra L.
+) Scinena —= eirrosa L. 0.
+) Pagrus = Sparus erythrinus L.
+tt) 3. VIIL Kap. 54 und 55.
*?) Hippurus =? Coryphaona hipparus L. Dorabo.
**+) Coracinus = Sparus chromis L. ”
**+) Muraena — Muraena helena L.
t°) Orpheus =? Labrys anthias L.
t**) Conger = Muraena conger L.
7T?7) Perone, vergl. Ray. 23, $. 1.
„s) Torpedo — Raia torpedo L.
...9) Psetta — Pleuroneotes rhombus L.
©) Salea, vergl. Kap. 20, 8. 93,
—
Neuntes Buch. | " 4063
wie der Shhalenfiſch, 2) die Meertrüfchen, **) die Solbbraffen. .,
Bon ben Flußfiſchen erfranft der Wels beim Aufgange des Hundes
ſterns, auch wird er ſtets vom Blige betäubt. Daſſelbe foll auch im
Meere dem Karpfen }) widerfahren. Und überhaupt fpürt das ganze .
Meer den Aufgang diefes Geſtirns, was ſich am meiften im Bosphos
rus [Ranal von Konſtantinopel] fund gibt, denn dad Seegras und-bie
Fiſche fommen herauf und Alles wird vom Grund aus umgewühlt. -
XXVI. Cine läherliche Eigenfihaft haben tie Meeräfchen, 177)
welche, wenn fle fich fürchten, den Kopf verſtecken und fo ganz vers
Borgen zu ſeyn glauben ; die Geilheit derſelben ift übrigens fo groß,
daß in Phönizien und in ber narbonenfifchen Provinz Fr}) die Weib⸗
hen zur Zeit der Begattung einem Männchen, welches man einer
langen durch die Schnauze und die Kiemen gezogenen Schnur. in’s
Meer läßt und an ihr wieder anholt, bis zum Ufer folgen; zur Leich⸗
zeit dagegen folgen die Männchen dem Weibchen.
XXVII. Der Stör,*+) welcher bei den Alten als der edelſte
-
*) Glaucus — Sciaena aquila Cuv.
**) Aselli = Gadus mustela L.
***) Auratae —— Sparus auratae L.
» Der Karvfe (eyprinus) befindet fih nur im fügen Waffer und
hoͤchſtens am Strande, nicht aber auf dem Hohen Meere.
+1) Die hier angeführten Sigenfchaften ver Meeräfche (mugil ce-
phalus L. haben neuere Praturforfiger noch nicht beobachtet.
711) Vergl. oben Kap. 9, $. 1
-
*7) Acipenser. Hier ift indeffen keineswegs der gemeine Stoͤr |
(acipenser sturio), ſondern der feltenere Sterlet (adipenser
ruthenus) oder Scherg (aCipenser stellatus, helops) gemeint.
Uebrigens find fo wenig hei dem Stör, als bei allen übrigen
Fiſchen die Schuppen nach dem Kopfe hin nefehrt, aber die
Störe haben nicht ziegelartig übereinanverfchlagende, fonbern
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Neuntes Buch. „1065
Meber das Vorgebirg Leeton [Ray Baba] in Troas ) geht er nicht
feeiiwiflig hinaus. Bon daher brachte folche unter dem Kaifer Tis
berius der Beichlehaber ter Flotte, Optatus Elipertius, und vers
fheilte fle bie und an ver Küfte zwifchen Oſtia und Campanien [Terra
Di Savoro]. 2. Fünf Jahre lang forgte man dafür, daß die gefan⸗
genen wieder in's Meer geworfen wurden; fräter findet man fle
häufl an dem Geſtade Italiens, wo nıan vorher Feine fing. So hat
die Echlemmetei durch Verpflanzung von Fifchen ihre Leckerbiſſen
vermehrt und dem Meere einen neuen Bewohner geneben; verwundere
ſich alfo Niemand, vaß fremte Vögel zu Mom fich fortpflanzen. —
Den nächften Rang anf der Tafel behauptet ficher die Leber der Trüs
ſchen,“) welche, wunderbar genug, auch zwiichen den Alpen der bris
gantiniſche See [Bodenfee] in Rhätien ebenfo vorzüglich, wie das
Meer hervorbringt.
XXX. 1. Bon den übrigen im Rufe ftehenden Fifchen find
die Meerbarben ***) die belichteften und haͤufigſten; fle find nur von
mäfiger Groͤße und wiegen felten mehr ald zwei Pfund; auch wache
fen fle in Behältern und Teichen nicht. Der Diean bringt fle nur in -
feinem nördlichen und zunächſt nach Welten hin liegenden Theile her:
vor: übrigens gibt es mehrere A.ten derſelben, denn fie nähren ſich
fowobl von Seegras, als von Auftern, von Echlamm und von dem
Fleiſche anderer Fifche. Gin doppelter Bart an der untern Lippe
macht fie kenntlich. 2. Die geringfle Act derfelben nennt man
9 Val. B. V, Kap. 32, 6. 2, Kay. 33, $. 1.
' ) Mustela = gadur lota; Piirius ver vechfelt Hier dieſen Fiſch,
weicher in * Flüſſen und See'n Curopa's lebt, mit ver Meer⸗
"trüfche (gadus mustela).
m) Mullus == mullus barbatus L.
1064 ° C. Plinius Naturgeſchichte.
ver Fiſche galt und bei dem allein die Schuppen nach der Schname
hin gefehrt find, fo daß er im Schwimmen gegen biefelben geht. findet
jetzt feine Beachtung mehr, worüber ich mich wundere, ba er felten
angetroffen wird ; manche nennen ihn Elops. *)
XXVIH. Gpäter flanden, wie Cornelius Nepos und der Mi⸗
menbichter Laberius berichten , der Wolfsbärich*") und die Meerirüs
fen ***) im befondern Anſehen; unter den Molfsbärfchen find bie,
“welche wegen der Weiße und ber Zartheit ihres Fleiſches vie wols
ligen }) beißen, die beliebteften. Don den Meertrüfchen gibt es zwei
Hirten, die Gallarien, welche Feiner find, und die Bacchen, ++) welche
nur auf der hohen See gefangen und deßhalb den erfteren vorgezogen
werden; von den Wolfsbärfegen aber zieht man bie im Fluſſe gefan⸗
genen vor.
XXIX. 1. Jetzt gibt man dem PapageifiihetTrt) den Worraug,
welcher unter ven Fiſchen allein wieberfäuen, Kräuter und feine andere
Fiſche freſſen ſoll und im karpathiſchen Meere*}) am hänfigften if.
— —
zerſtreute, ſehr verdickte und oben zugeſpißte Schuppen (Nägel),
dydurch bei fluͤchtiger Anſicht der Irrthum mag entſtanden
eyn.
*) Bon Fadou, ſtumm; man bezeichnet im Griechiſchen mit dieſem
Worte überhanpt einen Fiſch.
*) Vergl. oben Kay. 24.
++) Vergl. oben Rav. 25.
+) Lanatj; wahrſcheinlich ift bier der Mittling oder Weißling
(gadus merlangus)-gemeint.
TD Es dürfte nicht leicht zu beftimmen feyn, welde Arten bier ges
meint; vielleicht ift der Callarias qudacoiac) der Zwergdorſch
(gadus minutus) und ber Bacchus (Acixxot) der Etvckfiſch
(adus merlucius): beide Arten fommen im Mittelmeere vor.
T1T) Soraus — 'ecarus cretious, scarus antiguorum.
H Bel. Bo. 0, Kap. 112, 9.2, 8, V, Kap. 28, 8. 3.
Neunte Buch. ‚1065
Meber das Vorgebirg Leeton [Ray Baba] in Troas*) geht er nicht
freiwillig hinaus. Bon daher brachte ſoiche unter dem Kaiſer Ti⸗
berins der Befehlshaber der Flotte, Optatus Elipertius, und vers
theilte fle hie und an der Küſte zwiſchen Oſtia und Campanien [Terra
di Lavoro]. 2. Fünf Jahre lang forgte man dafür, daß die gefan⸗
genen wieber in's Meer geworfen wurden; fräter findet man fle
häufiz an dem Geſtade Italiens, wo man vorher feine fing. So hat
die Echlemmerei durch MVerpflanzung von Fifchen ihre Leckerbiſſen
vermehrt und dem Meere einen neuen Bewohner geneben; verwundere
fich alfo Niemand, daß fremte Bögel zu Mom ſich fortpflanzen. —
Den nächften Rang anf der Tafel behauptet ficher die Leber der Trüs
ſchen,“) welche, wunderbar genug, auch zwifchen den Alpen ber bris
nantinifhe See [Bodenfee] in Rhätien ebenfo vorzüglich, wie da6
Meer hervorbringt.
XXX. 1. Bon ten übrigen im Rufe ftehenden Fiſchen find
die Meerbarben ***) die belichteften und häufigften; fle find nur von
mäfiger Größe und wiegen felten mehr als zwei Pfund; auch wach⸗
fen fle in Behältern und Teichen nicht. ° Der Ocean bringt fle nur in
feinem nörplichen und zunächft nach Welten Hin liegenden Theile Herz
vor; übrigens gibt es mehrere A ten derfelben,, denn fie nähren ſich
fowobl von Seegras, als von Auflern, von Echlamm und von dem
Fleiſche anderer Fifche. Ein doppelter Bart an der untern Lippe
‚ madt fie fenntlih. 2. Die geringfle Ach derfelben nennt man
8
*) Val. B. V, Rap. 32, 6. 2. Kap. 33, $. 1.
' 9) Mustela — gadur lota; Pirius ver vechfelt Hier diefen Fiſch,
welcher in Ran Blüffen und See'n Europa’s Iebt, m mit der Meer⸗
trüfche (gadus mustela).
**) Nuilus mullus barbatus L.
1066 C. Blintus Naturgeſchichte.
Schlammbarben; dieſen begleitet ſtets ein anderer Fiſch, welcher
Geißbrafſen ) heißt und, wenn jener im Unrathe wühlt, bie aufge
ſtoͤrte Atzung verſchlingt. Die am Ufer ſich aufhaltenden liebt man
nicht; am Meiſten gefucht find bie, melche einen Muſchelgeſchmack
haben. Ihren Namen erhielten fie, wie Feneſtella glaubt, von ber
Farbe ver rothen Schuhe. *') Sie leihen dreimal im Jahre; fo oft
wenigfiend erfcheint ihre Brut. 3. Der fterbende Meerbarbe zeigt,
wie Haupiſchlemmer verfihern, wenn er nämlich in einem Glaſe ein-
gefchlofien betrachtet wird, ein buntes und oft fich aͤnderndes Karben
Spiel und die rothen Schuppen werden nach vielfachen Wechfel weiß.“)
M. Apicius, ein in allen Gegenfländen der Schwelgerei wunderber
erinderifcher Kopf , hielt ed für das Befte, fie in Bundesgenoſſen⸗
garum +) (denn auch diefe Sache fand einen Beinamen) zw töbten,
und forderte auf, eine Tunfe tt) aus ihrer Leber zu ervenfen. Dieb
AR indeſſen leichter zu berichten, alö wer den Sieg davon trug.
XXXI. Aftnius Geler, ein gewefener Conſul +++), welcher für
diefen Fiſch viel verſchwendete, bezahlte unter der Regierung des Ca⸗
jus [Caligula] einen folgen mit achttaufend Sefterzien [660 Guldenl,
welche Rechnung ven Geiſt zu einem Seitenblide auf Diejenigen vers
anlaßt, welche bei ihren Klagen über die Ueppigfeit jammerien, daß
man einzelne Köche theurer Taufe als Pferde, denn jetzt koſten bie
”) Sargus — sparus sargus L.
**) Mullea caleiamenta, wie fie bie Magiftrat&perfonen trugen;
diefe Schuhe jcheinen übrigens eher ihren Namen von ber ſchoͤ⸗
nen Purpurfarbe ded Barben zu haben, ald umgelehrt.
3 zul Seneca, Quaest. natur. III, 17, 18, .
'T) Ueber dad Garum (eine Fifchbrühe), feine Bereitung u. fi w.
vgl. B. XXXT, Kap. 43. “ vo u
TP) Mlec, ebenfalls eine Fifchbrühe, wol, B. XXXL Kap. 44.
TIr) Die Zeit feines außergewöhnlichen Conſalats ift unbekmet:
!
PA EEE... .
Neuntes Bud. i . 1067.
Köche fo viel wie Triumpfe und die Fiſche fo viel wie die Köche, und
faſt wird bereits kein Menſch höher geichägt als der, welcher bag Vers
mögen feines Heren vergeubet. - -
(xvm.) Licinius Mucianus erzählt, daß im voten Merre ein
Barbe von achtzig Pfund gefomgen worden fen; wie thener wuͤrde
biefen die Schmelgerei bezahlt Haben‘, wenn er an ber Küfte in der
Nähe der Stadt erhafcht worden wäre.
- KXXIL: Eine natürliche Erſcheinung ift es auch, dag an ae
Bern Orten andere: Fifche den Vorrang haben, fo der Nakenfifch* in
Aegypten, ver- Sonnenflfch,, auch der Schmid genannt, **),.zu Gades
[Kadix], bei Ebufus [Iviza] der Goldſtriemen, “) welcher ander
wärts garflig iſt und ſich nirgends gar kochen läßt, wenn man ihn
nicht erſt mit einer Ruthe fchlägt; in Aquitanien +) wird der Fluß
ſalm allen Seeflfchen vorgezogen.
XXXIII. Einige Fiſche Haben vielfache, andere einfache, an⸗
dere doppelte Kiemen; +7) durch diefe laſſen fie das mit ber Schnauze
eingeſchluckte Wafler wieder fort. Gin Zeichen des Alters. ift vie
Härte der Schuppen, welche aber nicht bei allen gleich find. In
Stalien am Fuße der Alpen find zwei Seen, welche der larifche [Lago
di Eomo] und der verbanifche LLago maggiore] heißen, in denen jedes
Sahr beim Aufgange des Siebengeſtirns 1717) Fiſche zum Vorſchein
*) Nämlich der weiße Rabenfiſch ober Bolty (labrus niloticus).
**) Zeus idem faber. appellatus = Zeus faber L. Schmid oder
Meerfchmid heißt er noch, weil man in der Geſtalt feiner Kno⸗
chen alle Werfjeuge eined Schmides finden fol. .,
***) Salpa = sparus salba L.
4) Bol. Bo. IV, Kay. 31, 8.1.
+r) Dan kennt feinen Fiſch, welcher weniger ale drei Kiemen bat.
+tr) Beim main bed Sommers, Vgl. DB. XV u, 8.68, 8. 1.
. 1066 - €. Plinius Naturgeſchichte.
Sälammbarben; viefen begleitet fletd ein anderer Fiſch, welcher
Geißbraffen*) heißt und, wenn jener im Unrathe wühlt, tie aufge
ſtoͤrte Atzung verfchlingt. Die am Ufer ſich aufhaltenden liebt man
nicht; am Meiften gefucht find die, melde einen Muſchelgeſchmack
haben. Ihren Namen erhielten file, wie Beneftella glaubt, von der
Farbe der rothen Schuhe. **) Sie leichen preimal im Sahre; fa oft
wenigflend erfcheint ihre Brut. 3. Der flerbende Meerbarbe zeigt,
wie Hauptſchlemmer verfichern, wenn er nämlich in einem Glaſe ein⸗
gefchloffen betrachtet wird, ein buntes und oft ſich aͤnderndes Yarben-
fpiel und die rothen Schuppen werden nach vielfachem Wechfel weiß.“)
M. Apicius, ein in allen Gegenfländen der Schwelgerei wunberber
erinderiicher Kopf , hielt e8 für das Befte, fie in Bundesgenoſſen⸗
garum +) (denn auch diefe Sache fand einen Beinamen) zw töbten,
und forderte auf, eine Tunketr) aus ihrer Leber zu erdenken. Dies
iſt indeſſen leichter zu berichten, ald wer den Sieg davon trug.
XXXI Aſinius Eeler, ein geweſener Conful Fr), weldger für
diefen Fiſch viel verſchwendete, bezahlte unter der Regierung des Ga⸗
jus [Caligula] einen folgen mit achttaufend Sefterzien [660 Gulden].
welche Rechnung den Geift zu einem Seitenblicke auf Diejenigen vers
anlaßt, welche bei ihren Klagen über die Ueppigfeit jammerten, daß
man einzelne Küche theurer kaufe als Pferde, denn jetzt koſten die
) Sargus = sparus sargus L. |
**) Mullea oalciamenta, wie fie dig Magiftrat&perfonen trauen;
diefe Schuhe fcheinen übrigens eher ihren Namen von ber ſchoͤ⸗
nen Purpurfarbe des Barben zu haben, ald umgelehrt.
Val. Seneca, Quaest. natur. IIE, 17, 18. ·
7) Ueber dad Garum (eine Fiſchhrühe), feine Bereitung u. w.
vgl. B. XXXI, Kap.43. .
TT) Aliee, ebenfalls eine Fiſchbrühe, wat. B. xxxi Kay. 4.
++) Die Zeit feines außergewähntichen Confalats ift nbehwmat:
*
Neuntes Bud. . 1067.
Köche fo viel wie Triumpfe und die Fifche fo viel wie Die Köche, und
faſt wird bereits ein Menſch höher geichägt als der, welcher bad Vers
mögen feines Heren vergendet. —
ixvm Licinius Mucianus erzählt, daß im rothen Merre ein
Barbe von achtzig Pfund gefangen worden ſey; wie theuer wuͤrde
dieſen die Schwelgerei bezahlt Haben, wenn er an der Küfle in der
Nähe der Stadt erhafcht worden wäre.
XXXIL ine natürliche Erfcheinung ift es auch, daß an am
dern Orten andere Fifche den Vorrang haben, fo ber Rabenfiſch“ in
Aegypten, der Sonnenfifch, auch der Schmid genannt, **),.zu Gades
[Sadir] , bei Ebufus [Iviza] der Goldſtriemen, ) welcher auder-
warts garflig iſt und ſich nirgends gar Tochen läßt, wenn man ihn
nicht erft mit einer Ruthe fchlägt; in Aguitanien +) wied ber Fluß
falm allen Seefiſchen vorgezogen.
XXXIII. Einige Fiſche Haben vielſache, andere einfache, an⸗
dere doppelte Kiemen; +7) durch dieſe laſſen ſie das mit der Schnauze
eingeſchluckte Waſſer wieder fort. Gin Zeichen des Alters iſt vie
Härte der Schuppen, welche aber nicht bei allen gleich find. In
Stalien am Fuße der Alpen find zwei Seen, welche der larifche [Lago
di Eomo] und der verbanifche [Lago maggiore] heißen, in Denen jenes
Jahr beim Aufgange des Siebengeſtirns Fr) Fiſche zum Borfchein
*) Mämlich der weiße Rabenfiſch ober Bolty (labras niloticus),
**) Zeus idem faber appellatus — Zeus faber L. Schmid oder
Meerfchmid heißt er noch, weil man in der Geſtalt feiner Kno⸗
‚hen alle Werkzeuge eined Schmides finden foll.
***) Salpa = sparas salba L.
+) Bel. Br. 1V, Kap. 31, 8. 1.
+r) Dan kennt feinen Fiſch, welcher weniger ald drei Kiemen hat.
+t7) Beim Beginn des Sommers, Vgl. B. XV, 8,66, 8.1.
1068 C. Plinius Naturgeſchichie.
kommen, welche durch Ihre dichten und ſehr ſcharfen, den Schuhnageln
Shnlichen Schuppen *) auffallen und fich nicht weiter, als um biefen
"Monat fehen laſſen.
XXXIV. xX. Auch Arcadien *) bewundert feinen Crocoetus
[Auswärtsfchläfer] , welcher deßhalb fo genannt wird, weil er des
Schlafes wegen auf bad, Trodene geht; ***) in ber Gegend des
Elitorius [Garbifi] ſoll er einen Laut von fi) geben und keine Kies
men haben; ) bei einigen heißt er Adonis.
XXXV. Die fogenannten Sremäufe T}) gehen ebenfalld auf
das Land, fo wie guch die Armkraken F}}) und bie DMiuränen;*+) auch
in ben Zläflen Indiend thut dieſes eine gewiſſe Gattung von Bis
fchen **+) und fpringt dann wieder [ind Wafler] zurüd, denn bie meis
ſten haben offenbar feinen andern Beweggrund, warum fle in die
See'n und Flüffe gehen, als daß fle ihren Laich in Sicherheit legen,
*) Mehrere Karpfenarten, beſonders aber das Rothauge (oypri-
nus rutilus), in Italien Pigo nenannt, befommen zur Laichzeit
auf den Schuppen wizllich ſpitzige Knötchen.
e) Val. Bd. 1 ‚ Kap. 10.
..) Wahrfcheinlich ein Schleimfiſch GBlennius) oder eine Meer⸗
grundel (Gobius), welche Gattungen einige Zeit im Trockenen
aushalten, aber keineswegs des Schlafes wegen.
+) Alle Fiſche Haben Kiemen, aber bei manchen iſt die Deffnung
derſelben eng.
++) Marini mures; ; wahrfcheinlich bie Lederſchilokröte (Ephargis
coriacen).
+) Bolypi, vol. weiter unten Kap. 46, $.1.
*+) Dal. Kap. 24.
*4) Die Schlangenföpfe (ophicephali) , ben Karpfen: ähnliche Fi⸗
fche, welche an ber Küfte von Malabar in fügem Waſſer leben,
dag fie zu Seiten verlaffen, um über’ Land zu reifen, wobei fle
den Kindern und Gauklern zum Spiele dienen.
Neuntes Bud. Ä 1069
weil fich baſelbſt keine Thiere finden, die ihre Brut verſchlingen und
die Fluthen weniger toben. Daß ſie dieſe Gründe kennen und den
Wechſel der Zeiten wahrnehmen, wird man noch mehr bewundern,
wena man erwägt, wie viele Menfchen denn wiflen, daß der Fang am
ergiebigften ift, wenn die Sonne durch das Zeichen der Fiſche geht.
AXXVI (xx) Bon ben Eeefifchen find einige glatt, wie bie
Dornbutten , die Zungenfchollen,* die Platteige,**) welche ſich von
den Dornbutten nur durch die Lage bed Körpers umterfcheiden; jene
beugen ſich auf bie rechte, ber Platteis auf die linke Seite; ***) andere
find lang, wie die Muräne, der Meeraal. })
XXXVI. Daher finden auch Berfchienenheiten in den Finnen
ſtatt, welche den Fifchen ſtatt der Füße gegeben find; Feine haben
mehr ald vier, einige zwei, manche gar Feine; +7) nur in dem fucinis
ſchen See [ago di Celano] iR ein Fiſch, INt) der mit acht Finnen
ſchwimmt; zwei Haben indgefammt die langen und fhlüpfrigen, wie
die Flußaale und die Meeraale; Feine z. B. die Muränen, denen auch
bie Kiemen fehlen; *+) alle dieſe bewegen ſich durch ſchiebende Kruͤm⸗
mung ihres Körpers im Meere ebenfo, wie bie Schlangen auf bem
Lande; fig kriechen zugleich auf dem Trocknen; auch haben folche veß-
. *) Rhombi, soleae, vgl. Kap. 20, $. 3.
* Passer = pleuronectes platessa L.
“) Die Scholten haben beide Augen auf einer Seite, und zwar
die Dornbutten auf der linken und die Platteiße auf ber rechten;
biefe ſchwimmen auf der linfen und jene auf ber rechten.
+) Conger, vgl. Kap. 24.
Tr) Blinius zählt nur bie Bruß- und Bauchfloßen, und in biefer
Beziehung ift feine Bemerkung richtig.
+9 en Fiſch kann es nicht feyn‘, wohl aber ein weia⸗ pber
+) Bäl. d Be Bemerkung zu Rap. 17 u N |
G. Plinius Naturgeſch. 9. Bdqhn. 4
1070 „G. Plinlus Naturgefhiäte.
Halb ein zäheres Leben. Bon den platten haben einige ebenfalls:
feine Finnen, wie bie Stechrochen,*) denn fle ſchwimmen ſchon
- burdh ihre Breite, ferner die fogenannten Weichthiere , wie die Arm⸗
£rafen, weil bei diefen die Füße die Stelle der Finnen vertreten. *)
XXXVIII. axı) 4. Die Flußaale***) leben acht Jahre, auch
bauern fe ſechs Tage ohne Wafler aus, wenn ber Morboft weht, beim
Süpdwinde nicht fo lange; den Winter aber halten fie weder in fpär-
lichem, noch in trübem Wafler aus, deßhalb werben fle auch meift beim
Aufgange des Siebengeftiend }) gefangen, weil alsdann die Flüſſe
beſonders trühe find; fle fuchen des Nachts ihre Nahrung und treiben
allein von allen Fifchen, wenn fle todt find, nicht auf dem Waſſer.
axır.) 2. In Italien, im veronenfifchen Gebiet, liegt der bena-
cifche See [Lago‘di Garda}, durch welchen der Fluß Mincius Min⸗
cio] firömt; nach der Stelle hin, wo biefer heraustritt, werben fe
jährlich ‚ etwa im Monat Oftober, wenn e8, wie befannt, durch ben
Einfluß des Herhfigeflivne +}) auf dem See wintert, durch die Fluthen
lumpenweife hingewälzt, und zwar in fo erfiaunlicher Menge, daß
man fe in ven zu dieſem Zwecke im Fluſſe heigerichteten Aalfängen
in Anäueln von taufend Stüd findet.
XXXIX. axım) 1. DieMuräne tft) laicht in jedem Monate,
während die übrigen Fifche nur in einem Bbeflimmten laichen; ihre
Gier wachfen Außerft fchnell; da fie auf das trockene Ufer fpringen, fo
*) Pastinaca = Raja pastioa L. Die breiten Bruftfloßen liegen
fo dicht an dem Leibe, daß fle bei flüchtiger Beobachtung nit
vorhanden zu feyn fcheinen.
**) Sp nennt Plinius bie großen Fühlfaͤden der Armfrafen.
.***) Anguilla — Maraena anguilla L.
+) Vgl. oben Kap. 23. ° " .
TP) Der untergehenden Pleiaden. Vgl. 3b. I, Kap. 47, $.4.
'nena helena L. u '
Neunted Buch. 4074
llentt dad Volk, daß ſie durch die Begattung mit Schlangen be⸗
fruchtet werden. Ariſtoteles *) nennt dad Männchen, welches zeugt,
Smyrus;“) der Unterſchied ſoll darin beſtehen, daß die Muräne bunt
und ſchwach, der Smyrus aber einfarbig. und ſtark iſt und die Zähne
außerhalb der Schnauze hat.***) Im.nörblichen Gallien Haben alle
Muränen auf der rechten Rinnlade fieben Flecken Son der Geftalt des
großen Bären, +) welche, fo lange fle leben, in Goldfarbe ſchimmern,
aber. zugleich ‘mit dem. Athem erlöfchen. 2. Der römifche Ritter
Vedius Pollio, einer der Freunde des göttlichen Auguſtus, ) ent
deckte in dieſen Thieren ein Mittel, feine Grauſamkeit zu beweifen,
indem er in ihre Behälter verurtheilte Sklaven verfenkte, nicht als ob
dad Wild des Landes dazu nicht ausgereicht Hätte, fondern weil man
bei Feiner andern Thieratt den ganzen Menfchen zugleich zerreißen
fehen konnte. FF) Ste follen befonderd durch den Genuß tes Eſſige
in Wuth verfegt werden. Eie haben eine äußerſt dünne Haut, bie
Aale dagegen eine dickere, und man pflegte damit, wie Verrius be
richtet, die Bürgersfinder zu fchlagen und «8 war deßhalb nicht e einge⸗
führt, ihnen Geldſtrafe aufzulegen.
‘*) Histor. Animal. I, V, o. 10.
*) So und nicht Myrus beſe ich mit beſonderer Rüuckſicht auf
B. XXXIL, Kap. 53, 6.7.
e) Man nahm wahrfcheinlich eine größere Muränenart (vielleicht
bie muraena christini, welche durchaus braun ift und flärfere
Zähne hat) für das Männdyen der gewöhnlichen Muräne. -
+) Diefed an fleben hellen Sternen Eenntliche Geſtirn wird. auch
- mit einem Wagen verglichen. An den Muränen ſucht man
übrigens dieſe Flecken ner bene. -
+7) Welchem er aber wenig Ehre machte; vgl. Dio Gaffut LIV,
23. Tacitus Jahrb. IL, 10; XII, 60,
+rd Dal. Senesa, de ira IH, 48; de elementia I, 18. un
4*
1072 E. Plinius Naturgeſchichte.
. XL. (axıv.) Tine andere Gattung bilden die platten Fiſche,
welche flatt der Gräte Knorpel haben, mie die Rochen, ) die Stech⸗
zothen, **) vie Engelhayen, ***) der Krampfrochen, +) und viejenigen,
welche die Griechen mit dem Namen Ochs, +7) Here, +++) Abler*})
und Zrofch""+) bezeichnen. Dazu werben auch Die Hayen*""f) ges
zählt, obgleich‘ fle nicht platt find. "Alle zufammen Hat Arifloteles
zuerft im Griechifchen mit dem für fie erdachten Namen Selahät*)
bezeichnet, wir Eönnen fle nicht unterfcheiden, wenn wir fle wit
Knorpelfliche nennen wollen. Alle ſolche aber find fleiſchfreſſend und
nehmen ihre Nahrung auf dem Rücken liegend zu ſich, wie wir Bei
den Delphinen bemerkt haben, +*”) und während die übrigen Fifche
Eier legen, gebiert dieſe Gattung allein, fo wie die, welche Wale +***)
*) Die Gattung der Rochen (rajae) überhaupt.
**) Pastinaca — Raja pastinaca L.
***) Squatina = Squalus squatina L.
+) Torpedo = Raja torpedo L. | -
ir) Bos; wahrfcheinlich der Hornroche (raja sephaloptern), wegen
feiner wie Hörner vor dem ſtumpfen Kopfe hervorragenden
Brufiflogen auch Meerteufel genannt; Plinius verſteht
(B. XXXII, Kap. 53, $ 3) unter cornuta benfelben Fiſch.
+4) Lamia, bei den Alten eine Here, die junge Leute verlodt und
mit Haut und Haar auffrißt ; wahrfcheinlich ift der nach leben-
ben und todten Menichen ſehr Tüflerne Menichenhay (equalus
.esrcharias L.) gemeint. -
*}) Der Adlerrochen (raja aquila).
9 Der Frofchfifch (lophius piscatorius L.).
) Squali, befonbers die norpelfifchartigen Hayen. |
1°) Zeiayg, von oéaac und Eyeır, Glanz Haben, weil ihre Haut
bei ver Nacht glänzt; Kriftoteles Hist, animal V, 5.
en Shen ’
ıte, cetacka, vgl. Rap. 74, 5,1.
Neuntes Buch. 1073
Heißen, lebendige Iunge, mit Ausnahme des fogenannien Fro⸗
ſches.)
XLI. sy.) 1. Es gibt einen ſehr Heinen Fiſch, ver gewoͤhn⸗
lich an Felſen lebt und Schifföhalter**) heißt; wenn er ſich an die
Kiele der Schiffe anhängt, fo gehen diefe, wie man glaubt, langfamer,
woher er auch feinen Namen befommen hat; and derfelben irfache***)
iſt er auch bei Zaubertränten und Verfchleifang der Rechtshaͤndel und
Streitfachen übel berüchtigt, welche Schänblichkeiten ex aber durch die
einzige loͤbliche Eigenfchaft ausgleicht, daß er den Blutfluß der
‚Schwangeren ftillt und die Leibesfrucht bis zur Niederfunft fefthält;
unter die Speifen nimmt man ihn übrigend nicht auf. 2. Ariftoteles
‚glaubt, daß er Füße habe, weil feine Finnen auf ähnliche Weile ges
ftellt find. }) Mucianus fpricht von einer Leiſtenſchnecke ++), melde
Breiter fen als bie Purpurfchnede , und die weder einen rauhen, noch
zunden Mund, noch eine in Winfeln vortretenbe Schnauze, fondern
eine einfache, auf beiden Seiten ſich fließende Schale habe; als
folche-fi) an das mit vollem Winde ſegelnde Schiff fefthängten,, wel-
ches von Periander geſchickte, eble Knaben, die. verfchnitien werben
*) Der Froſchfiſch legt alferbinge Gier, aber keineswegs gebären
alle übrigen Knorpelfiſche lebendige Junge.
**) Eoheneis — Echeneis remora L. Daß die ihm hier beige-
legten Gigenfchaften Maͤhrchen find, Braucht Taum bemerkt zu
werben.
“er, Meil er nämlich Alles aufhält.
+) Arifoteles (Hist. anim. II, 17) glaubt viefes nicht, ſondern
fagt nur, daß Andere ed faiſchli glauben. Die Finnen des
————— gleichen auch nicht im entfernteſten Füßen.
+}) Murex. Nah Anden foll Plinius bier unter Murex eine
Borcellainefchnede (erpren) verfiehen; jedenfall? ift das über:
R Mitgetheilte Babel. .
‘
1074 €. Plinius Naturgeſchichte.
follten, *) trug, habe es ſtille geſtanden und die Mufcheln, welche dieß
bewirkt hätten, würden bei der Venus der Gnidier verehrt. Trebus
Niger ſagt: fle ſey einen Fuß lang und fünf Finger dick und halte die
Exhiffe auf; außerdem wohne ihr felbit dann noch, wenn fie im Salze
aufbewahrt werde, eine folche Kraft bei, daß ſie Gold, welches in bie
tiefften Brunnen gefallen, fo wie man fie baran bringe, herausziehe.
XLII (xxvn. Ihre weiße Farbe verändern die Larierfiiche *)
und werden im Sommer fhwärzer; auch vie Meergrundel*"*) vers
ändert fie und während fie zur übrigen Seit weiß if, wird fie im
Herbfte bunt; diefelbe macht fich aflein von ben Fiſchen ein Neft aus
Seegras und leicht in dem Nefle.
XLIII. Die Seefchwalbe,T) welche wirklich der Landſchwalbe
fehr ähnlich if, fliegt, eben fo der Meerweih. ++)
(xx). DerFifch, welcher wegen feiner Eigenſchaft Leuchteftt)
heißt, fteigt auf die Fläche des Meeres und leuchtet mit feiner aus
der Schnauze. hervorgeſtreckten feurigen Zunge in ruhigen Nächten;
*) Periander, Tyrann von Korinth, fchickte um das I. 580 vor
Ehr. preihuntert Knaben, Sühne.der erften Männer von der
ihm unterworfenen Infel Corcyra (Gorfu) an Tlyattes, König
von Sardes, zur Verfchneidung. Herodot III, 48.
:**) Maena = eparus maena L. R
.. %°%) Phycis = Gobius L. Die von ihr hier mitaetheilten Cigen⸗
fhaften hat man befonderg an ber ſchwarzen Meergrundel (go-
bius niger L ) beobachtet. _
+) Hirundo — Trigla volitans I.., ber fliegende Seehahn.
7TDh Milvus = Trigla hirundo L., der große Seehahn.
7TTT) Lucerun. Da die Fiiche nur im Zuftande der Faͤulniß leuch⸗
ten, fo ift bier wohl eine Krafe, vielleicht die Feuerſcheide
(Pyrosema) gemeint; von dem Hervorſtrecken einer fenrigen
Bunge fann natürlich feine Rede ſeyn. "
4
—
!
Neuntes Bud. 1075
ein anderer *) erhebt aus dem Meere feine faft ſechs Fuß lange Hörner
und hat davon Namen befommen ; dagegen wühlt der Seebracdhe, *”)
- wenn er gefangen und auf den Sarıd geworfen wird, fich in wunder:
barer Schnelligfeit mit der Schnauze ein Loch.
XLIV «xxven. Ginige Fiſche haben Tein Blut; von diefen wol⸗
len wir jetzt ſprechen; es gibt deren drei Arten; zuerſt kommen die,
welche weiche heißen, dann die mit dünnen Kruſten bedeckten und zus
legt die in harten Schalen eingefchloffenen ***) Weiche find bie Sees
Tage, ) die Dintenfchnede, rt) die Spruttettr) und die übrigen
dieſer Art. Der Kopf liegt bei ihnen zwifchen den Füßen und dem
Bauche; alle haben acht Füßchen.*+) Bei der Dintenfchnede und
der Seekatze fin zwei von biefen Füßen fehr lang und rauh; fie fühs
‚ xen damit bie Nahrung zum Munde und Iegen ſich an ihnen in ben
- Zluthen, wie an Anfern, fehl; die übrigen find Fäden, deren fie fich
‚zum Fange bevienen.
f XLV xxıx), Die Seefape fliegt auch, indem fie fich über das
Waſſer erhebt; daſſelbe thun die Kemmmuſchein *+) mit ber Schnel⸗
) Der Horntochen (raja cephaloptera), welcher an einer andern
Stelle (B. XXXII. Kap. 53, $. 3) unter feinem Namen Cor-
nata vorfommt. Dal. auch weiter oben Kap. 40.
**) Draco marinus — Trachinus draco L. Dueife.
***) Alſo nach der jehigen Ausdendömeile Mollusken, Cruſtaceen
"und Teſtaceen.
») Loligo, vgl. oben Sad 20, $. 3.
77) Sepie, vgl. a. demſ. O
ttr) Polypus; bie große Sprutte (sepia ootopedia L).
*4) Die zehn Fangarme find Hier gemeint, von denen die zwei groͤ⸗
Beren (pedes) die Fuhlfaͤden vorfteflen,, die andern acht (pedi-
euli) aber Eleiner find und Bartfäden (cirri) heißen.
*+) Pectunculi, noch Petongles an der Weſtküſte von Frankreich
1076 CGC. Plinius Naturgeſchichte.
ligkeit des Pfeiles. Die Maͤnnchen von dem Geſchlechte der Dinken⸗
ſchnecken find bunt und ſchwaͤrzer, fo wie auch von größerer Stand⸗
haftigkeit; fie fommen dem vom Dreizade verwundeten Weibchen zur
Hülfe, dad Weibchen aber flieht, wenn dad Männchen getroffen iR;
Heide indeften laffen, wenn fle merfen, daß fle erhaſcht werben follen,
eine ſchwarze Flüfftgkeit von ſich, die bei ihnen die Stelle des Blutes
vertritt, *) und verbergen fich in dem baburch verbanfelten Wafler.
XLVI. 1. &86 gibt viele Arten von Armfrafen;; **) die am Lande ſich
aufhaltenden find größer als die des hohen Meeres; alle bedienen ſich der
Bangarme flatt der Füße und Hände, des Schwanzes aber, welcher ges
fpalten und ſpitz ift, ***) zur Begattung. Die Armkraken haben auf ven '
Rüden eine Roͤhre, }) wodurch ſie das Seewaſſer gehen laffen und die ſie
bald auf die rechte, bald auf die linke Seite bringen. Sie ſchwimmen
fchräg mit dem Kopfe, welcher, fo lange ſie leben, durch Aufblaͤhung ſehr
hart iR. Mebrigens hängen fie ſich mittelft einer Art von Näpfen,
die über die Arme zerfireut find, durch ein gewiſſes Schluden an und
genannt, fie ſchwingen ſich durch einen eigenthümlichen Mecha⸗
nismus in bie Höhe und befchreiben eine furze Wurfkrümmung.
*) Diele Schwärze ift weder Blut noch, wie andere meinten, Galle,
fondern eine in einer an der Leber liegenden befonderen Drüſe
entſtehende Abſonderung.
*9) Polypi (Vielfüßler). Die Alten verſtehen darunter nur bie
Armfrafen; jegt hat man mit Unrecht diefen Ramen den Darm
thieren beigelegt.
**) Die neueren Beobachter wiffen nichts von dieſem Körbertheile
ber Sprutten. . .
+) Die trichterförmige Röhre, durch welche das Thier beim Athmen
. das Waſſer einzieht und wieder von ſich gibt, liegt nicht auf
dem Rüden, fondern zwifchen Bauch und Mantel und oͤffnet
ſich oorn unter dem Haiſe.
Neuntes Buch. 1077
4
‘
Halten rüdlings fo fe, daß man fie nicht losreißen kann. Auf Uns
tiefen”) fallen fie nicht an, auch haben die größeren geringere Halt:
kraft. 2. Bon: den Weichthieren gehen fle allein auf den trockenen
Boden, vorausgefept, daß biefer rauh ift; die Glaͤtte haften fie. Sie
‚nähen ſich von dem Fleiſche der Muſcheln, deren Schalen fle durch
Umfpannung mit ihren Fühlfäden zerbrechen, weßhalb ſich auch ihr
LEager durch bie davorliegenden Scherben verräth. Und obgleich man
dieſes Thier fonft für dumm hält, weil es zu der Hand des Menfchen
heranſchwimmt, fo ift e8 doch gewiffermaßen in feinem Haushalte
Hung; es trägt Alles in feine Wohnung zufammen, dann fehafft e& Die
Schalen, nachdem es das Fleifch Herausgenagt hat, hinaus und fängt
die zu ihnen heranfchwimmenden Fifche. Die Farbe wechfelt es nach
der entfprechenden des Ortes **) und befonders in der Angſt. Daß
es feine Arme abnage, iR eine irrige Meinung, denn dieß widerfährt
ihm von den Meeraalen, daß fle ihm aber wieder wachſen, wie ben
Sterngätern***) und Cidechſen die Schwänze, ift nicht irrig.
XLVIL Zu den Hauptwundern gehört aber der fogenannte
Nautilus, }) welcher bei andern auch Pompilos [Rootfe] heißt. Rück⸗
wärts liegend kommt er auf den Meeresipiegel, indem er fich allmälig
fo erheBt, daß er alles Waſſer durch eine Möhre von ſich läßt und
gletchfam der Grumbbrähe ledig leicht daherſchifft. Alsdann beugt
er die beiben erſten Arme zurüd und ſpannt zwifchen denſelben ein
*) Wo Sand oder Schlamm iſt.
*) Der Farbenwechſel wird nicht durch den Aıtfenthaltsort, ſon⸗
bern durch eine Menge in ver Haut fipender Heiner Höder,
welche fich beflänbiy erweitern und verengern, hervorgebracht.
+) Oolota — stellio, Geo, Tarantola.' Bl. B. XI, Kap. 31.
+) Gewöhnlich Bapiernautilus (argonauta argo) auch Slasboot
und Schiffsboot genannt.
x
1078 C BPlinius Naturgeſchichte.
Haäutchen ) von wunderbarer Dünne aus. Waäͤhrend er damit vor
dem Binde ſegelt, rudert er mit ben übrigen Armen und lenkt ſich mit
dem mittleren Schwange, **) wie mit einem Steuer. So gleitet er,
in feinem Spiele den Jachtfchiffen ähnlich, auf dem Meere hin unb
taucht, wenn irgend Furcht ihn anwandelt,- indem er Waffer ſchluckt,
‚unter. . 1r
XLVIII xxx). 1. Zu dem Geſchlechte ber Armkralen gehört
auch die Ozäna,***) fo genannt von dem flarfen Geruche ihres Kos
pfes, weßhalb fle auch Hauptfächlich von den Muränen verfolgt wird.
Die Armkraken }) verbergen ſich zwei Monate hindurch; fie leben
nicht über gwei Jahre und zwar gehen fie immer durth Verweſung zu
Grund, die Weibchen ſchneller und gewöhnlich, nachdem fle geboren
Gaben. Auch die unter 2. Lucullus, F}) dem Proconful in ber bätis
ſchen Provinz, +4) über die Armfrafen gemachten Beopachtungen,
welche Trebius Niger, einer feiner Begleiter, mitgetheilt Hat, dürfen
) Nicht zwifchen den beiden Armen (Fühlfäden), fonbern au der
Spitze eines jeden derfelben.
) Oper vielmehr Fühlfaden. "
***) Ozaena (ofama), die riechende, vielleicht die Bifamfprutte
(sepia moschata). j
7) Die hier über die Armfrafen mitgetbeilten. Bemerfungen haben
fih durch neuere Beobachtungen noch nicht beflätigt, doch darf
man bie Nichtigfeit derfelben deßhalb nicht in Abrede Aellen,
\ weil die Alten diefe an den Küften des Mittelmeeres häufigeren
Thiere und.ihre Lebensweife genau kennen zu lernen Gelegen⸗
heit hatten.
17) Diefer durch feine Habſucht berüchtigte Feldherr ging im
Jahre 151 vor Ehr. nad) Spanien. und Fam ungefähr drei
Jahre fpäter, mit der Beute der verheerten Städte bereichert,
nach Rom zurüd. |
Tr) Bol. B. III, Rap. 3, $. 1.
.v
Neuntet Buch. 4079
!
nicht äbergangen werden: fle feyen nämlich Außerit luſtern nach Mu⸗
Segeln; dieſe aber ſchloͤßen ſich bei der Berührung, ſchneiden ihnen die
Arme ab und gewinnen fo überbieß von dem bentegierigen Atzung.
2. Die Mufcheln entbehren des Geſichts und jebed andern. Sinnes,
als des für Nahrung und Gefahr; die Armkraken fiellen deßhalb ven
offenen nach und legen ein Steinchen hinein und zwar außer dem Bes
reiche des Körpers, damit es nicht durch das Zappeln befielben Her:
ausgeworfen, werde ; fo greifen fie ficher an und ziehen tas Fleiſch
heraus jene fuchen zwar ſich zu fchließen, aber vergebens, ba fie vons
einander gefeilt find. Eine ſolche Klugheit zeigen felbft die Rumpffinnige
ſten der Thiere! Außerdem ſtellt er [Trebiud Niger] in Abrebe, daß
irgend ein anderes Thier graufamer den Menfchen Im Wafler um:
bringe. 3. Denn unternimmt er auf Schiffhrüchige ober Taucher
einen Angriff, fo umſpannt er fle wie im Ringkampfe und ſchlürft fle
aus, während er fie fortzerrt,. mit feinen Näpfen und durch vielfaches
Saugen.?) Wenn man ihn aber umdreht, erfchlafft feine Kraft,
denn auf den Rücken gelegt ſtrecken fie Alles von ſich. Was derfelbe
ſonſt noch erzählt, dürfte an das Abenteuerliche zu grenzen ſcheinen.
Sn ven Tiſchteichen zu Carteia**) pflegte naͤmlih einer aus dem .
Meere in die offenen Behälter zu gehen und daſelbſt das Eingefalzene
zu plündern (wie denn merfwürbiger Weife alle Geethiere dem Ge⸗
ruche deſſelben nachgehen, weßhalb man auch die Reuſen damit be⸗
ſtreicht) und zog ſich durch feine unausgeſetzte Dieberei den Unwillen
der Auffeber zu. Man errichtete vor den Behältern unmäßige Ver⸗
zaͤunungen; er überftieg aber biefelben mittelft eines Banmes und
fonnte nicht anders als durch die Spurkraft der Hunde entdeckt wer⸗
. a.‘ *
*) Daflelbe behaupten jetzt noch die hiſcher und Taucher.
=) Bol. B. III, Kap. 8, 8.2. .
1080 u C. Plinius Naturgeſchiche.
den. 4. Diefe umringten ihn bed Nachts, als er zurückkehrte, med
die zufammengerufenen Wächter entfegten ſich vor der neuen Erſchei⸗
nung; vor Allem war bie Größe unerhört, dann die Farbe bes Salz⸗
lacküberzugs und der abicheuliche Getuh! Wer hätte da einen Arm⸗
frafen erwartet oder fo erfannt? Mit einem Ungehener glaubten fle
zu fämpfen, denn er trieb auch die Hunde durch feinen entießlichen
Hauch von ſich, während er fie bald mit den Enden feiner Fühlfähen
peitfchte,, bald mit den flärferen Armen wie mit Keulen ſchlug, und
man fonnte ihn nur mühfam und mit vielen Dreizaden erlegen.
5. Man zeigte dem Lucullus feinen Kopf, welcher die Große eines
fünfzehn Ampboren [drei Ohm] haltenden Faſſes hatte, und (um wich
ber eigenen Worte des Trebius zu bevienen) bie Bärte,*) welche kaum
mit beiden Armen zu umfpannen, knotig wie Keulen und dreißig Fuß
lang waren, mit Näpfen oder berfenartigen, eine Urne [zwei Maaß]
fafienden Bechern;**) die Zähne entiprachen feiner Größe. Die
Ueberbleibfel, welche ald Merkwürdigkeit aufbewahrt wurden, wogen
fiebenhunbert Pfund. ***) Daß auch Dintenfchneden und Seefagen 7)
von derſelben ae an jenes Ufer geworfen wurden, berichtet der⸗
—
*) Die um ben Mund ſitzenden Fangarme,
**) An Irem Arme befinden fich über Hundert Paare ſolcher Saug⸗
naͤpfe
““) ahnen von ſolchen ungeheueren Armkraken findet man
auch noch in der neueren Zeit; man erinnere ſich nur an den
eigentlich ſogenannten Krafen, welcher ſich bisweilen an der
Küfte von Norwegen wie eine große, mit Geſtrüpp bewachſene
Inſel aud dem Meere erheben und fich, wenn die Fifcher Fener
barauf anmachen,, wieder fenfen fol. — Die große Sprutte
(sepia octopedia) wird ſo lang und did mie ein Mann und
hat bei diefem Umfange armödidke, zwölf Fuß Tange Fangarme.
I Bol, weiter oben Kap 4 44.
Neunted Buch. | 1081
felße; in unferem Meere werben nur Seekatzen von fünf, und Dintens
ſchnecken von zwei Ellen gefangen. Auch diefe leben nicht länger als
zwei Jahre.
XLIX. ine andere hiffähnfiche Erfcheinung behauptet Mus
cianns in der Propontis [im Marmormeert] gefehen zu haben, näm⸗
fich eine wie der Kiel eines Paketbootes gewölbte Mufchel, mit ges
bogenem Hintertheil und gefchnäbeltem Vordertheil, in welche ſich
der NRanplius,*) ein der Dintenſchnecke ähnliches Thiet, berge, bloß
um fich in Gefellfhaft zu vergnügen; dieß gefchehe auf zweierlei
Weiſe, denn bei ruhigem Wetter 'arbeite ber Faͤhrmann mit den her⸗
abgelaffenen Haͤndchen“) wie mit Rudern; fen aber der Wind eins
ladend, fo ſtrecke er dieſelben aus, um den Dienft des Steuerd zu vers
fehen, und Breite die Backenhoͤhlen ber Mufchel dem Windzuge ents
gegen; diefer mache ed Vergnügen zu tragen, jenem zu Ienfen, und
fo werde daſſelbe zwei ver Bernunft ermangelnden Weſen zu Theil;
wenn nur nicht auch Hier wieber dadurch, daß fie den Seefahrern, wie
befannt, von trauriger Vorbedeutung find, *’”) das menfchliche Blend
im Spiel iſt. —
L. 4. In derjenigen Gattung, welche des Blutes entbehrt, find
die Heuſchreckenkrebſe +) mit einer zerbrechlichen Krufte verſehen; fle
*) Ein und daſſelbe Thier mit dem Nautilus (Kap. 47); Plinius
betrachtet es hier nicht als Bewohner, ſondern ale Lenker der
Muſchel; diefer Irrthum, welcher dadurch entfland, daß es leicht
aus der Schale gefchleudert und dieſe allein gefunden wird, hat
ſich auch bis auf die neuere Zeit fortgepflanzt, man findet aber
nie den Nautilus in einer andern Mufchel.
) Den Enden der Arme.
***) Wenn nämlich der Nautilus auf der Meereöfläche Reuert, tollen
fürchterliche Stürme im Anzuge ſeyn.
. 2) Locusta = Palinurus quadricornis; Langouste,
\
2
1082 C. Plinius Naturgeſchichte.
bleiben fünf Monate verſteckt; eben fo die Krebſe, welche zu derſelben
Zeit verborgen liegen; beide flreifen mit dem Beginne des Frühlings
durch Erneuerung der Rückenbedeckung das Alter ab. Die übrigen
Waſſerthiere fhwimmen in den Wogen, die Heufchredenfrebfe aber
treiben daher, als ob fle fröchen, und zwar, wenn feine Furcht fle ans
wandelt, in arader Richtung, indem fle bie Hörner, welde vorn auf
eine eigenthümliche Weife wie Ballen abgerundet find, nach ven Geis
ten ausſtrecken; in der Angft richten fle dieſe empor und bewegen fi
ſchief nach der Seite voran. 2. Mit den Hoͤrnern fämpfen fie unters
einander. Bon allen Thieren hat dieſes allein, wenn es nicht lebendig
in ſiedendem Waffer gekocht wird, in feinem flüffigen: Fleiſche nichts
Derbes. . \
(xxxi. Sie leben an fleinigen Orten, die Krebſe an weichen.
Im Winter ſuchen ſie fonnige Ufer, im Sommer ziehen fe ſich in den
Schatten ver Tiefen zurück. Alle Thiere dieſer Art leiden durch den
Winter; im Herbſte und im Frühling werben ſie fett und meiſt beim
Vollmonde, weil dieſes Geſtirn fie bei der Nacht mit feinem lazen
Scheine erweicht. *)
LI. 1. Krebsarten find die Krabben, **) die. Sunmer,***) bie
Spinnenfrebfe, +) die Tafchenkrebfe, 177) die herakleotiſchen, tt) bie
*) Vgl. über dieſe Anſicht B. II, Kap. 41.
**) Carabus (xdoaßos) ift nichts andere als die ſchon beichriebene
Locusta (der Heuſchreckenkrebs) wie aus der hier benüßten
Stelle des Ariftoteles (Hist. Animal. IV, 2) Elar hervorgeht.
***) Astacus = astadus marinus, gammarus L.
T) Maia = Maja sginado. J
7T) Pagurus — oancer spinifrons. "
TI So genannt von der Stadt Heraklea; nach Ariſtoteles (de part.
"nimal. IV, 8) haben fle fürgere Füße als die Epinnenfrebfe;
Neuntes Buch. 108883
Löwenfrebfe ) und andere minder befannte. Die Krabhen underſchei⸗
den fich von den übrigen Krebien durch den Schwanz ; in’ Phönizien
heißen fie Reuter, **) weil ſie fo ſchnell ſind, daß ihnen nicht nachzu⸗
kommen iſt. Die Krebſe haben ein langes Leben und acht Füße, die
alle ſchief gebogen find; bei dem Weibchen iſt der erſte Fuß doppelt,
bei dem Männchen einfach. Außerdem haben fle zwei Arme mit ge⸗
zahnten Scheeren; der obere Theil an diefen Vorderarmen bewegt
ſich, während der untere unbeweglich if; der rechte Arm ift größer
als die übrigen. Manchmal verfammeln fie ſich afle; die Mündung
des Pontus [fchwarzen Meeres] vermögen fle nicht zu überwältigen,
weßhalb fle zurückkehren, um biefeibe [zu Land] zu umgeben, wie benn
der.von ihnen betretene Weg ſichtbar if. — 2. Der fogenannte Ein
ſiedlerkrebs »e) indeſſen iſt der kleinſte ber ganzen Gattung und deß⸗
halb Angriffen ausgeſetzt; er hat aber die Klugheit, ſich in leeren
Aufterfchalen zu bergen und, wenn er größer wird, in geräumigere
überzuziehen. — 3. In der Angft gehen die Krebfe mit gleicher
Schnelligkeit auch ruͤckwaͤrts; fle kämpfen mit einander, indem fie,
wie die Widder, mit vorgeftrediten Hörnern anlaufen. Gegen: die:
Biſſe ver Schlangen bieten fie ein Heilmittel.}) Wenn die Sonne
durch das Zeichen des Krebſes geht, foll, wenn fle tobt find, ihr Körper
vielleicht if die gemeine Seeftabbe (portunus maenas) dar⸗
unter zu verſtehen.
*) Leo — Galathea leo.
**) Innsic. Ohne Zweifel if bier der an ber afrifanifchen und
ſyriſchen Küſte häufige Krebs, welcher jegf noch Reuter (ooy-
pode curtor) genannt wird, gemeint.
”) Pinnotheres = Pagurus. Blinind verwechſelt hier den Ciu⸗
fleblerfreb8 (oamcellus) mit dem Mufchelwächter (pinnotheres).
+) Bgl. B. XXX, Kap. 19.
108 C. Plinius Naturgeſchichte.
ſich auf dem Trocknen in Scorpione umgeftalten.*) — 4. In der⸗
ſelben Gattung gehören die Seeigel, welche ſtatt der Füße Stacheln
haben ;**) gehen iſt bei ihnen fo viel als im Kreite fich fortwälgen,
deßhalb werben fie auch häufig mit abgenügten Stacheln gefunden.
Diejenige von ihnen, welde die laͤngſten Stacheln und die fleinfen
Bälge haben, heißen Igelmütter. **) Nicht alle find von gleicher
glasägnliher Farbe, um Torene 7) gibt es weiße mit kleinen
Stacheln. 74) Alle haben bittere Eier-und fünf an ber Zahl; ver
Mund fist in der Mitte des Körpers nach der Erde hin. Men
fagt,, daß fie rad Wüthen des Meered voraus anzeigen nub fih
mit zufammengerafften Steindyen bedecken, indem fle durch dieſes
Gewicht ihre Beweglichkeit hemmen und die Stacheln durch Umwäl:
zung nicht abreiben wollen. Wenn die Schiffer diefes fehen, legen
fie fonleich mehr Anfer vor. die Fahrzeuge.
. (zn). 5. Bei berfeiben Gatiung find die Waffer« und Lands
ſchnecken, welche ſich aus ihrem Haufe herausfireden und gleichſam
zwei Hörner vorfchieben und wieder einziehen; fie enibehren bes Au⸗
gen t}7) und unterfuchen aljo mit den Hörnchen vorher den Weg.
cxzuum., 6. Zu derſelben Gattung zählt man die Kämme im
5) ine vielverbreitete alte Babel, vgl. B. xx, Kap. 48. Ovid,
Verwandl. XV, 369
e) Nicht Fie Stacbeln dienen ihnen als Füße, fondern die Fühl⸗
fäven, welche länger find, als die Stacheln.
***) Echinometrae (exvoujroa); wahricheinlich die Meerturbane
(oydaris). welche fehr ange Stacheln und fleine Körper, bie
Blinius bier Bälge oder Hüllen (calyces) zent, baben.
PD In Maceronien; val. B. IV, Rav. 17, 6.4
tr) Wie der Rofenigel (echiaus epatangus L).
tr —e— ; die Augen ſiben an der nie ober = Bwgelder
üblfäven.
J
Neuntes Vuch. 1085
Meere, ) welche fich ebenfalls bei großer Kälte und großer Hitze vers
bergen, umb bie Fingermufcheln,**) welche im Dunfeln wie Feuer
Leuchten, fogar im Munde der fie Speifenden.
LAII. 1. Eine ſchon feftere Schale haben bie Leiſtenſchnecken )
und die Mufchelarten, an denen die fpielende Natur eine große Mans
nigfaltigfeit zeigt; wie verfchieden find die Karben, wie vielerlei bie
Geſtalten! — platt, hohlrund, lang, halbmondfoͤrmig, zirfelrund ges
dreht, im Halbkreiſe gefhnitien, budelartig echaben, glatt, gerhngelt,
gezahnt, gerieft, mit Leiflenfehmedenförmig gewundenem Wirbel, mis
fpig vorſtehendem, nach außen hängendem oder einwärts gefaltetene
Rande; 2. auch fcheiben fie fich. in geflsiemte, ſtrackhaarige, krauſe,
ſtollenartig oder kammartig abgeiheilte , wellenfürmig abgebadhie,
dnetzfoͤrmig gegittexte, ſchief oder grad gedehnte, gedrungene, geſtreckte,
gebogene, ferner mit einem kurzen Knoten verbundene, an der ganzen
Seite zuſammengeheftete, wie zum Klatſchen geoͤffnete, wie zur Pos
ſaune gefrümmte. Von dieſen fchiffen die Bennsmufcheln?) und
fegeln,, indem fle ihren hohlrunden Theil jehen laflen und dem Luft⸗
‚zuge entgegenftellen, über bie Meeresfläche.+}) Die Kammmufchelat
foringen aus dem Waſſer und fliegen darüber Hin; +17) auch machen
fie füch ebenfalls zu Fahrzeugen.
-
. *) Die Kammmuſcheln (pectines).
**) Ungues, auch dactyli (Kap. 87) = Pholas. -
***) Murices, auch Felſenſchnecken genannt. “
y) Venerias; vielleicht die Porzellanfchnede (oypraca, concha "
veneren
+4) Biele einfchalige Mufcheln ſchwimmen auf dem Waſſer; aber
nur von dem Nautilus kann man- eigentlich Tagen, daß er
chifft.
+47) Bgl. weiter oben Kap. 45. \
&. Plinius Naturgefh, 9. Bon. | 5
1086 C. Plinius Naturgefchichte.
LIN axım. : 1. Doch warum eriwähne ich diefer fo lleinlichen
Dinge, da die Sittenverberbniß und die Ueppigkeit durch nichts mehr
gefördert werben, als durch das Mufchelgefchlecht? Zwar bringt vor
dem ganzen Naturreiche das Meer ſchon durch fo viele Arten, fo viele
Gerichte, fo viele Leckereien von Fifchen, deren Preiſe ver mit dem Fauge
verbundenen Gefahr entfprechen, ben meiften Schaben ;
(xxxv). aber was will dieß beveuten, wenn man die Purpur⸗
arten, die Konchylienfarben,) die Perlen in Erwägung zieht?! Es
war keineswegs genug, das Meer. die Kehle hinabzufagen, es mußte
auch an den Händen, den Ohren, dem Kopfe und dem ganzen Körper
son Frauen ſowohl ald von Männern getragen werben. 2. Was bat
as Meer mit den Kleidern zu Ihun, was bie Wogen und Fluthen
mit dem Wollenzeuge? Nimmt uns doch diefer Theil der Natur in
ber Regel nur nat auf. Mag immerhin ber Bauch fich mit dem
Meere fo eng verbündet Haben, muß es auch die Haut? Gs iſt freie
lich nicht genug, daß wir und mit Gefahren nähren, wir müflen uns
auch damit bekleiden, and fo gefällt am ganzen Körper das am mei⸗
Ken, was mit Lebensgefahr des Menſchen Herbeigefchafft wird.
: LIV. 1. Den Vorrang alfo und bie erſte Stelle von aller
werthvollen Dingen behaupten die Perlen. Meiſt ſchickt dieſe ber
indiſche Dcean, woher fle mitten durch jene fo gewaltige und große
Seeungethüme, von benen wir gefprochen haben, **) über fo viele
Meere, durch eine fo weite Länberfirede und aus einer fo großen
Sonnengluth fommen; und auch bie Inder fehon holen fle auf Inſeln
» ) Man verfieht unter conchylium eine von der Achten, aus bem
= Safte der Purpurſchnecke bereiteten Purpurfarbe verſchiebene,
durch Miſchung hervorgebrachte Farbe. Vgl. unten Kap. 61.
"Reiter oben Kap. 2.
IN
Neunted Bud. 1087
und zwar nur auf wenigen... Die erglebigften find Taprobane [Cey⸗
Kon] und Etoivis ſHormus], wie mir in der Meberficht der Welt‘)
‚gefagt haben, ferner Berimula, **) ein Borgebirg Indiens; hauptfaͤch⸗
lich aber werben die in dem. perfifchen Bufen des rothen Meeres *)
um Arabien herum gefifchten gepriefen. — 2. In der Entſtehung und
Zeugung ift die Mufchel }) nicht viel von den Auflermufcheln verfchies
den. Diele öffnen fh, twie man fagt, ſobald die zur Zeugung geeigs
nete Stunde bes Jahres fle flachelt, durch ein gewiſſes Gähnen, em⸗
pfangen durch das Zuthun des Thaues, gebären dann nach der
Schwangerſchaft und die Frucht ver Mufcheln find die Perlen, welche
der Befchaffenheit des empfangenen Thaues entſprechen; floß er rein
ein, fo zeichnen fle fich durch Weiße aus, war er aber-trübe, fo wirb
auch die Brut ſchmutzig; diefe iſt bfeich, wenn die Empfängniß bet
drohendem Himmel ſtattfand, wodurch es dann auch feſt ſteht, daß fle
"mehr Gemeinſchaft mit dem Himmel Haben als mit dem Meere, wer
Halb fie je nach der Heiterfeit des Morgens eine wolfige oder eine klare
Barbe erhalten. 3. Wenn fle rechtzeitig gefättigt werden, fo wird
auch die Frucht groß; wenn es bist, fo fchließen ſich bie Muſcheln
und nehmen nach dem Grabe des Faftend ab; wenn es aber donnert,
fo fchließen fie fich furchtfam und fchnell und bringen die fogenannten.
Mindperlen, von Luft aufgeblafene Hüllen ohne Kern, hervor; dieſe
find die Fehlgeburten der Mufcheln. 7) Die gefunden Erzeugniffe
*) B. VL Kap. 24, 7 und Kap. 28, 6.3,
*) Bol. B. VI, KappPꝛa, $. 2.
see) Die Alten betrachten ben perfifchen Golf als einen Theil bes
rothen Meeres; vgl. B. VI, Kay. 28, 6. 1.
7) Nämlich die Berimufihel (mytilus margaritifera). Die Berls
muſchel und die Aufter gehören Beide zu der Zunft der Hüfte
muſcheln ohne Athemlächer.
Tr) Diefe ganze Theorie der Verlenerzeugung iſt, wie man kaum iR
5°
.
—
1088 €. Plinius Naturgeſchichte.
aber befiehen aus einer vielfachen Haut, die man nicht uneigentlih
als eine Schwiele betrachten fünnte, und deßhalb werden fie au von
Kundigen gereinigt. 4. Mich wundert es, daß fie fich fo fehr bed
Himmels erfreuen und doch durch die Sonne rot werben und ihre
Weihe verlieren, wie der menfchliche Körper, weßhalb die im hohen
Meere fi aufhaltenden diefe am beften bewaßren, weil fietiefer unter
Waſſer liegen, als daß bie Strahlen zu ihnen dringen fünnen. —
Doch auch fle vergilben im Alter und flarren von Runzeln, und wur
in der Jugend bleibt ihnen jene Srifche, welche gefucht wird. Im
Alter werben fie auch dick, hängen ſich am die Mufcheln und man fann
fie von denfelben nur mit ver Felle ablöfen; fie haben nur eine Ant-
ligfeite und find nur auf diefer rund, auf der entgegengelepten aber
flach, weßhalb fle Paufenperlen heißen. Wir fahen: folche, bie noch
in Nufcheln fefthingen, worin man wegen biefer Mitgabe Salben
aufbewahrte. Webrigens ift die Perle im Waſſer weich, wirb aber, fo .
wie fie herauskommt, hart. *) ‘
LV. 1. Die Mufchel felbft ſchließt fi, wenn fle eine Hand
gewahrt, und verbirgt ihre Schäße, wohl wiſſend, baß ihr wegen der⸗
felben nachgeftellt wird; kommt fle der Hand zuvor, fo kneipt fle bies
felbe durch ihre Schneide ab und Feine Vergeltung ift gerechter; übers
Dieß wird fle noch durch andere Strafmittel geſchüͤtzt, ba fle ſich größe
tentheils nur zwifchen Felſen findet; aber auch auf dem hohen Meer
bemerken braucht, Phantaſie; pie Pllen find eine Ergiefung
bes zut inneren Bekleidung und zur Vergroͤßerung der Mu:
ſchel Beflimmten Saftes, mithin eine Krankheit: alle Mufcheln
x Eömen alfo Perlen enthalten, fie find aber nicht fo ſchon und
verthvoll, wie bie ber eigentlichen Berimufcheln. \
9 —* anrietige Behauptung; bie Perle wird in ber Ruſchel
ubart. '
Neuntes Bud. 1088
begleiten fie Seehunde*) und doch koͤnnen die Ohren der Frauen fie
nicht eutbehren. 2. Manche erzählen: wie den Bienen, fo dienten
aud den Schwärmen ber Mufcheln einzelne buch Groͤße und Alter
andgezeichnete gleichiam als Führer und wüßten ſich mit wunderbarer
Klugheit in Acht zu nehmen; dieſe fuchten die Taucher zn hafchen,
weil, wenn fle gefangen ſeyen, die andern umherirrten und leicht in
Die Netze gebracht würden; alsdann überfcätte man fle in irdenen
BGefäßen mit vielem Salz, und wenn alles Fleiſch abgebeizt ſey, fo
fielen. gewifle Körperferne, d. h. Perlen zu Boben,
LVI. 1. @8 unterliegt feinem Zweifel, daß fle durch den Ge⸗
Hrauch abgenügt werden und durch Bernachläßigung die Farbe ändern,
Ihr ganzer Werth befleht in der Weiße, Größe, Rundung, Bläfte
und Schwere, Dingen, die fo wenig vorfommen, daß nie zwei völlig
gleiche gefunden werben; weßhalb ihnen auch die römifche Taͤndelei
den Namen „Einzige“ **) beigelegt hat, denn bei den Griechen kommt
diefer nicht vor und auch hei ven Barbaren, welche file finden, fein
anderer als Margariten, 2. Auch in der Weiße felbft iſt ein großer
Unterſchied; bei den im rothen Meere gefundenen iſt ſie heller, den
indiſchen, welche übrigens durch ihre Größe den Vorrang behaupten,
ähnelt die Schuppe ber Spiegelſteine; ***) kann man fie alaunweiß
nennen, fpendet man ihrer Farbe daB hoͤchſte Lob. Auch bie längs
lichen finden Beifall; Elenchen }) heißen diejenigen, welche oben ſich
*) Der Hundshay (squalus galeus), fonft von Plinius canioula
genannt, iſt wohl bier gemeint.
**) Uniones; nrargarita ift das indifche manäaritä (die reine).
») Vgl. B. XXXVE Rap. 45.
D) Elenchi von Eisyyog (Beweis); wahrfcheinlich,, weil fle ale
* Zeichen des Anſehens und Reichthums getragen wurden; C.A.
Boͤttiger (Sabina IL, 131, 156) nennt fle Refpeftövermelver,
Reſpeltsperlen.
10% € Blinlus Naiurgeſchichte.
Yänglich zuſpihen uud unten eine vollere Rundung, wie bie Salben-
Yüchschen, [zeigen. Diefe an die Finger und je zwei unb brei an bie
Ohren zu hängen, ift der Stolz der Frauen. 3. Mir fallen wohl bie
Namen diefes Aufwandes ein, find mir aber zum Gfel, da eine heil⸗
lofe Verſchwendung fle erfonnen hat; denn diejenigen, welche biefen
Schmuck tragen, nennen ihn Klapperchen, als ob fie fich auch an dem
lange und an dem Sufammenfchlagen der Perlen ergögten; auch
vie Armen fireben bereits darnach, indem fle fagen, bie Berle ſey
auf der Straße ber Lictor der Frau.) Sa man bringt fie fogar an ben
Füßen und zwar nicht nur anden Sohlenbänbern, fondern an der ganzen
SBeſchuhung an, denn man begnügt fich nicht damit, die Perlen zu
tragen, fondern will auch auf ihnen gehen und zwifchen ben „Eins
zigen“ wandeln. — 4. Man pflegte in unſerm Meere, am häufigfen
än ber Begend des thrazifchen Boophotus [ver Straße von Konflans
*inopel], in den Mufcheln, welche Miesmufcheln**) heißen, rothe,
Heine Perlen zu finden; in Acarnanien ***) aber erzeugt fle die foge-
naunte Pinne, }) woraus erhellt, daß fie nicht in einer Mufchelart
allein entſtehen; wie denn auch Juba berichtet‘, daß die Mufchel der
arabifchen einem gezinkten Kamme ähnlich und wie die Meerigel
ſtachlicht FF) und die einem Hagelforne ähnliche Perle ſelbſt in dem
Ä
*) Die man nämlich an dem vortretenden Lictor (Platzmacher) die
hohen Staats beamten erkenne, fo erkenne man an den Perlen
die vornehme und reiche Dame.
**) Mya — mytilus; vielleicht die Schwalbenmufchel (mytilus
hirundo).
») Dem weßlichften Theile Griechenlands von ber Mündung bes
Aspropotamo bis zum Golfe von Arta.
T) Pinna, aud Stedmufcel genannt.
717) Warſcheinlich eine Klappmuſchel (spondylus).
Neuntes Bud. . - 104
-Zleifche ſey. Soldye Muscheln werben nicht zu uns gebracht. Auch
in Acarnanien werben feine preidwürdigen Perlen gefunden; fie find
angefchlacht und roh und haben eine Marmorfarbe ; befier find bie
aus der Gegend von Actium [Azio], aber ebenfalls Hein, fo wie auch
Die von den Küften Mauritaniend.*) Alexander der Polyhiſtor und.
Subines glauben, daß fie altern und die Farbe einbüßen.
LVII. Daß ihr Kern feft fey, geht daraus hervor, daß fle durch
Leinen Fall zerbrechen. Sie werben aber nicht immer mit im Pleifche
geiunden, fondern auch an andern und wieder andern Stellen und wir
-fahen deren fogar ſchon am äußerften. Rande, als wollten fie and der
Mufchel heraus und bisweilen je vier und fünf beifammen. Bis auf
die Jetztzeit haben nur wenige. dad Gewicht einer halben Unze um ein
Sctupel überftiegen. . Daß ed Heine und matte in Britannien gebe,
iR gewiß,**) weil der göttliche Julius ***) einen Brufiharnifch, den
er der Mutter Venus in ihrem Tempel weihte, ald ein Machwerk von
britanniſchen Berlen betrachtet wiſſen wollte.
LVIII. 1. Lollia Paulina, }) die gewefene Ehefrau des Kaiſers
Bal. B. V, Kap. 1, $. 2,
*) Sn ber Flußperlmuſchel margaritifere L.), welche ſich
auch in verſchiedenen Bächen Mitteldeutſchlands findet; die
Perlen ſind aber klein und unanſehnlich.
ee) (C. Julius Caͤſar ſoll ſogar in der Abſicht, Perlen zu erhalten,
nach Sitennien „gegangen feyn. Sueton in der Biographie
deffelben Kap. 4
DD Die Enfelin dee Teuine Paulinus, von dem ſogleich die Rede
ſeyn wird, war zuerſt mit Memmius Regulus verheirathet,
wurde aber mit der Einwilligung ihres Mannes die Gemahlin
Caligulas, der ſie jedoch bald wieder verſtieß. Als ſpaͤter
Glaubins fie heiraten wollte, wurde fie von ihter Nebenbubs
lerin Agrippina ermordet. Tacitus Jahrb. XII. 1, 22,
\
1092 C. Plinius Naturgeſchichte.
Cajus [Cafigula], ſah ich, und zwar nicht bei irgenb-einem ernfles
_ umb feierlichen Feſtgepränge, fondern nur bei einem gewößmlichen
Berlobungsichmaufe mit Smaragden und Berlen bedeckt, welche abe
wechſelnd an einander gereibt am ganzen Körper, in ben Haaren, um
.Sopfgewinde, an den Ohren, am Halſe, an ben Halsbaͤndern und au
den Fingern glänzten und einen Gefammiwert von vierbunbertmal
Hunderttanfend Seflerzien [3,570,000 Gulden] hatten; welden Kauf⸗
preis mit den Mechnungen zu befegen, fle fogleich bereit war. Cie
waren feine Bejchenfe des verſchwenderiſchen Fürften , fondern groß
väterliche, und zwar durch tie Plünderung ber Provinzen erlangte
Schaͤtze. 2. Das iſt das Loos des Raubes! Darum trank M. Lol⸗
lius, nachdem er durch die Geſchenke ber Könige im ganzen Morgens
Lande in übeln Ruf gekommen war und ihhm Kajus Eäfar, der Soßn
des Auguſtus, die Freundſchaft gefünbigt hatte, @ift,*) damit feine
Enfelin fi mit vierhundertmal hunderttauſend Seſterzien bededt
beim Lampenfchein fehen laflen fonnte! Erwaͤgt nun Einer auf ber
einen Seite, was Curius oder Fabricius**) bei ihren Triumpfen au
ſich trugen, vergegenwärtigf er fich die mitgeführte Beute, und auf der
andern Seite die Lollia, ein einziges Weiblein des Reiches, bei Tiſch—
möchte er dann nicht wünfchen,, daß jene lieber vom Wagen herabge⸗
zifien worben wären, als daß ihre Siege zu ſolchem Biele gefkhrt
hätten. — 3. Und diefes find nicht einmal die hauptfächlichften Beis
fpiele von Ueppigkeit; zwei Perlen galten von jeher als die größten;
) M. Lollius Baulinus, im Jahr 21 vor Chr. Conſul, begleitete
im Jahr 2 ald Hofmeilter ven zum Statthalter des Drients
ernannten Cajus, Adoptivfohn des Auguſtus, nach Armenien,
a wo er ſich durch unerſättliche Habfucht in's Verderben flürzte.
J Iwei durch ihre Siege berühmte romiſche Feldherrn aud dem
dritten Sahrhundert vor Chr.
Meuntes Buch. 1093
Beide beſaß Cleopatra, die letzte der Königinnen Aegyptens, an welche
fie durch die Hände der Könige des Morgenlandes gelangt waren.
Diefe antwortete dem Antonius, der ſich täglich mit ausgefuchten
Speifen mäftete und beflen ganze Pracht und Herrlichkeit fle.mit eben
fo flolgem als frecdem Mebermuthe, wie eine fönigliche Hure, befpäts "
telte, auf feine Trage, was denn feinem Glanze noch Jugefügt werden
Tönne, ſie wolle bei einer einzigen Mahlzeit Hundertmal hunderttaufend
Sefterzien [951,028 Gulden] verzehren. 4. Antonius wünfchte ſich
zu überzeugen, glaubte aber nicht an die Mögkichfeit ver Ausführung;
es wurde älfo eine Wette eingegangen und am folgenden Tage, an
welchem die Schlichtung des Streites flattfand, ſetzte fle dem Anz
tonius eine, um den Tag nicht unbenügt vorühergehen zu laflen, zwar
prächtige, aber alltägliche Mahlzeit vor, worüber biefer lachte und die
Rechnung verlangte; fle aber verſicherte, dieß fey nur eine Beigabe,
die Mahlzeit werbe die feſtgeſetzte Summe foften und fie allein hun⸗
dertmal hunderttaufenb Seßerzien verfpeifen,, worauf fle den Nach⸗
tiſch aufzutragen befahl. Nach ihrer Weifung fleflten die Diener
nur ein einziges Gefäß mit Eſſig ihr vor, deflen Schärfe und Kraft
die Berlen in Siüffigfeit auflöfen. 8. In ihren Ohren trug fle jene
überaus feltene und wirklich einzige Schöpfung der Natur; während
alfo Antonius in Grwartung war, was fle thun würde, 308 fle die
Eine Berle aus, tauchte fle ein, Tieß fle zergehen und verfchlucte fle.
An die andere, welche fle auf gleiche Weile zu verzehren fich anſchickte.
legte, L. Plancus,*) der S hiederichter bei biefer Wette, die Hand und
ı 9)8% Munetius Plancus, ein durch ſeine Bedenbaftigfeit und
mehriache Aenrerung feiner volitiſchen Anflchten befännter
Mann, weldier noch vor ver Beflegung des Antonins dieſen
verließ und zu Oet avian üderging.
“
4
1094 - €. Plinius Naturgeſchichte.
erklaͤrte ben Antonius für beflegt, — eine Vorbebeutung, bie ſich be⸗
wäßrte.*) Zur Berühmtheit gelangte auch das Gegenſtüͤck zu biefer
Berle, welches nach ber Befangennehmung jener in einer fo wichtigen
Ftage flegreichen Königin **) zerfehnitten wurde, um in bie beiden
Ohren der Benus im Bantheon zu Ron bie Hälfte vom ver Mahlzeit
diefer Menfchen zu hängen.
LAX. 41. Und doch werden fle nicht einmal diefen Preis davon⸗
tragen und fogar des Ruhmes der Berfchwendung verluftig geben,
denn daſſelbe hatte vor ihnen ſchon zu Rom mit Berlen von hohem
Werthe Clodius, der Sohn des Tragoͤdienſpielers Aeſopus, ) von
dem er als Erbe bebeutender Schaͤtze hinterlaſſen worden mar, ge⸗
Shan; Antonius poche alſo nur nicht zu ſehr auf fein Triumpirat, bs
ex faft einem Boflenreiffer gleich ſteht, der nicht einmal durch eine
Weite dazu veraulaßt wurbe, wodurch ex noch mehr königlich erfcheint,
fondern nur, weil er zum Ruhme feines Gaumend erfahren wolle,
wie Perlen fchmeden, und der, als fie ihm wunderbar behagten, auch,
um ed nicht allein zu willen, feinen Bäften einzelne Perlen zu ver⸗
ſchlucen gab. 2. Daß fle zu. Rom nach der Unterjochung Mexans
driens in allgemeinen und häufigen Gebrauch gekommen feyen, zuerft
*) Durch den Berluft der Seefchlacht bei Actium (31 vor Chr.),
die feine gänzlihe Niederlage und feinen Tod zur Yolge
"hatte j
») Cleopatta gerieth nach dem Tode des Antonius in die Gefan⸗
genfchaft Detapiand und tödtett ſich, nachdem fle diefen ver
gebens in ihre Nepe zu ziehen verfucht hatte, (in Jahr 30 vor
&hr.) dur Gift. - So
»9 Eines berühmten Zeitgenoffen Cicero's, der mit ihm in freund:
fchaftlichen Berhältnifien ftand; die unſinnige Verſchwendung
feines Sohnes erwähnen auch Horatius (Satyr. I, 3, 239 f)
und Balerius Marimus, IX, 1,2.
J Neuntes Buch. 1095
aber um bie Zeit Sulla’8*) nur Heine und geringe den Anfang ges
macht hätten, berichtet Feneſtella, offenbar irrthümlich, da Aelius
Stilo erzäpft, daß man im ipguribinifchen Kriege **) hauptſaͤchlich
den großen Perlen ven Namen „Binzige“ beigelegt habe. 5
LX. 1. Und fie find doch noch Gegenftand eines faſt ewigen
Beſites— der auf ben Erben übergeht und zum Berfanfe kommt, wie
irgend ein Gut; die Konchylien⸗ und Purpurfarben aber, für welche
dieſelbe Mutter, die Ueppigfeit, beinahe eben fo Hohe Preiſe, wie für
die Perlen angelegt hat, nüßt jede Stunde ab.
cxxvi. Die Burpurfchneden leben hoͤchſtens fleben Jahre.
Sie bleiben, wie die Leiſtenſchnecken, ***) beim Aufgange bed Hunds⸗
ſterns dreißig Tage verborgen; zur Frühlingszeit kommen fle zuſam⸗
‚men und geben durch wechfelfeitige Reibung einen wachsartigen kle⸗
berigen Speichel von ſich; auf ähnliche Weife auch die Leiſtenſchnecken.
2. Die. PBurpurfchneden ) aber: haben jene zum Färben ber Kleider
gefuchte Blüthe mitten im Schlunde; ++) Hier befindet fle fich in einer
weißen Ader als eine äußerſt fpärliche Flüſſtgkeit, woraus jene koſt⸗
bare, wie eine fchwärzliche Roſe ſchimmernde Farbe gerogen wird;
der übrige Körper liefert nichts. Man fucht fie lebendig zu fangen, weil
*) Sulla’8 Blüthezeit fallt in bie legten Sabrießenhe des erften
Jahrhunderts vor Ehr.; er farb im Jahr 78 vor Ehr.
**) Gr dauerte vom Jahr 111 bis 106 vor Chr.
“) Vol. Rap. 41,6. 2, Kap. 52, 8. 1.
PD Man kennt jegt vie Schueckenarten, woraus bie Alten die Pur⸗
purfarben zogen, nicht genau, boch ift gewiß, daß fle unter ben
Leiſtenſchnecken und Kinkhörnern zu ſuchen ſind; man kümmert
ſich jetzt nicht mehr um die wenigen Burpurtropfen dieſer
Sbregepaten da die Schildlaͤuſe einen weit reichlicheren
Faͤrbeſtoff liefern.
Tr) Keineswegs, fondern in den Mantelraͤndern.
—
106 E. Plinlus Raturgeſchichte
fie mit dem Leben dieſen Saft von ſich geben; und zwar nimmi man
ihn den größeren Purpurfchneden , nachdem man ihnen bas Gehaͤns
abgeftreift bat, tie fleineren aber zerdrückt man mit der Schale und
laͤßt fie fo diefen Thau ausfpeien. — 3. Am vorzüglichkien if er in
Aften zu Tyrus, in Afrifa anf Meninx [Dijerbi] und am gätulifchen
Ufer des Dceand,*) in Burova im Lafonifchen.**) Ihm bahnen bie
xömifchen Fasces und Beile den Weg, ***) auch gibt er dem Knaben⸗
alter Anfeben ; +) er unterfcheidet ben Rath von dem Ritter, +) wird
zur Hülfe genommen- bei ber Berfühnung bes Bätterttr) und ziert
jedes Kleid ; am Triumphgewande gejellt er fi zum Golve.*}) Dep
halb mag auch noch die Sucht nach Purpur entfchulbigt werden, we
ber haben aber die Konchylienfloffe ihren Werth, mit ihrer fcharfen
Jauche in der Färbung und ihrem dunfelgrauen, dem tobenven Meere
ähnlichen Anfcehen? — 4. Die Purpurſchnecke hat eine fingerlange
Zunge, womit fle ihre Nahrung fucht, indem fle andere Mufcheln
durchbohrt, ſo hart if der an berfelben befindliche Stachel. Im füßen
Waſſer flerben fie, ebenfo, wo ein Fluß mündet, fonft leben fie in ber
Betangenfiatt fünfzig vi von ifrem Speichel. Alle Ruſchela
*) An ber fadlichen Küſten trede von Marocco; vgl. B. VL, Kap.
38, $. 4, wo die Bemerfüng über das Färbemoog zu reichen
ift, da nur von der Rurpurſchnecke die Rede ſeyn kann.
“Bel. B. IV, Kap. 8.
“) Die Toga.der Sonfuln, vor denen die Lictoren hergingen, war
mit Purpur verbrämt.
1) Auch die Knaben trugen bis atwa zu ihrem fechzehnten Jahre
ein mit einem Purpurſtreifen verbrämtes Kleid.
+) Die Magiſtratsperſonen trugen breitere Purpurſtreifen an ber
Tunica als die Ritter.
mM Wenn die Confuln oder Priefter Sühnopfer Barbringen.
1.3. VI, Ray. 74, $. 2.
,
Neuntes Buch. 1097
warhfen äußerft ſchnell, beſondets die Purpurfehneden; fie erreichen
im einem Jahre ihre völlige Größe.
LXI. 1. Ginge bier die Darftellung zu einem andern Gegen⸗
Mande über, fo fönnte ſich in der That bie Ueppigfeit. beeinträchtigt
glauben, und und der Nachlaͤßigkeit bezüchtigen; deßhalb wollen wir
auch die Werfflätten- betrachten, damit, fo wie man im gewöhnlichen
Leben mit der Befchaffenheit ver Früchte vertraut ift, auch alle, welche
an ſolchen Dingen Gefallen finden, die Genüſſe ihres Lebens lennek
lernen. Die Mufcheln zu den Purpurs und Kondylienfarben (ber.
Stoff ift nämlich derfelbe und nur durch die Miſchung verfhieden)
aerfallen in wei Arten: bie Heinere Mufchel iR dad Rinfforn, *) ahn⸗
lich demjenigen, worauf der Hömerton hervorgebracht wird, wodurch
auch, da es am Ranbe einen runden munbartigen Einſchnitt Hat, fein
Name entſtand; 2. die andere Heißt Purpurſchnede und bat einen
zöhrenartig Hervortretenden Schnabel und an der Eeite ber Röhre
nach innen hin einen Gang zum Herauöftredten der Zunge; **) außer⸗
dem if fle bis zum Wirbel benagelt, fo daß auf die Windung etwa
fieben Stacheln fonmen, welche dem Kinkhorn fehlen; beide aber
Haben eben fo viele Windungen, als fle Jahre alt find.) Das
Kinfyorn Hängt nur an Geflein und wirb bei Klippen gefammelt,
*) Buceinum. Die angegebenen Kenneichen paſſen auf mel
Buccinumarten, vielleicht ift aber in&befonbere dad Knotei
(buceinum echinophorum) gemeint; Andere wollen Kiel
Duallenboote (janthina) Barunter verftchen.
) Was Plinind für die Zunge Hält, ift nach Cusier
längerung bes antele, welche das zum Atmen
u ju den Kiemen führt.
=) Die — haßt am beten auf bad Ban A
brandaris), Vgl. unten bie Anmerfung zu Kal, -
1098 €. Plinius Naturgeſchichte.
aAuxm. 3. Die Vurpurſchneden heißen mit einem andern Na:
men Hochmeerfchneten ;*) eö gibt deren mehrere Arten, bie ſih durch
Mahrang und Boden unterfcheiden; bie Kothvarpurſchnece, welde
von faulem Schlamme und die Tangpurpnifchnedte, meldye von Tang
lebt, find die fehlechteften, beſſer ift bie Riffpurpurfchnecte, welche man
anf den Riffen im Meere einfammelt, doch ift dieſe immer noch zw
ſchwach und blaß; die Geroͤllpurpurſchnecke, fo genannt von dem Ge⸗
rolle ꝰ) des Meeres, eignet ſich vorzüglich zu Konchylienfarben, un
die Dei weitem beſte zu Burpurfarben in bie Wanderpurpurfehneie,
d. h. diejenige, welche ſich von verſchiedenen Bobenarten näfrt.
4. Gefangen werben aber bie Purpurſchnecken in fleinen, mweitläufg
geflochtenen Reufen, die man auf dem hohen Meere auswirft; barin
befinden ſich ald Köder Muſcheln, welche, wie wir ed an den Mick
enufcjehn***) fehen, zuflappen und kneipen; fle find halbtodt, wenn fe
‚aber in’8 Meer zurücfommen und mit gierigem Klappen wieber aufs
deben, fo haſchen bie Purpurſchnecken nach ihnen und feinden fe mit”
Hervorgeftredtten Zungen an; jene aber, durch ten Stachel gereizt,
fögliepen fh und preffen ihr Beißwert zufammen; fo durch ihre Gier
Vefthängend werben bie Purpurſchneden heransgezogen.
LXIL (axıvım. 1.. Sie nach dem Anfgange des Gunböferne
ober vor der Frühlingöpeit zu fangen, iR am vortheiffafteften, beun
ſobald fle geſchleimt haben, }) zerfließt ihr Saft, Die Färberwer-
®) Pelagine; weil fie fih auf dem hohen Meere aufhalten:
**) Worauf fle ih aufhält. — Die ganze Stelle, weldie bie ver:
fehiebenen Arten der Purpurſchnechen (lutense,
niense, onloulense, dialutense) aufzählt, it in ben Danbfi
ten ſehr verdotben; bie Ueberſehung folgt ——
Yas ober Mytilus.
Rap. 60, $.1.
D
Neuntes Bud. 1099
ſtaͤtten wiſſen dieß wicht, obgleich es in der Hauptſache darauf anlommt.
Ban nimmt alsbald die Ader, von welcher wir geſprochen haben, )
Heraus, muß dann Salz dazuthun, etwa ein Sextarius [1/, Pfunb]
auf Hundert Pfund, läßt fle genau drei Tage beigen, weil ihre Kraft
um fo größers je frifcher fie if, 2. dann in Blei fleden und je hundert
Amphoren [20 Ohm] bis zu fünfgunvert Pfund Saft eingehen und
bei mäßiger Hige und deshalb in ber Möhre eines langen Ofens
ſchmoren. IR dann fo das Fleiſch, welches nothwendig an den Adern
Hängen blieb, abgefchäumt und Hat ſich am zehnten Tage etwa das
Gebräu geflärt, fo wird ausgewafchene Wolle zur Probe eingetaucht
nub die Brühe, bis fle der Erwartung entfpricht, fortgefoht. Die
Hochrothe Farbe it ſchlechter ald die in, das Schwarze fpielende. Die
Wolle weicht fünf Stunden und wird bann, nachdem fle gefrämpelt
iſt, wiederholt eingetaucht, bis fie die ganze Jauche ansfangf” 3. Das
Kinthorn für ſich taugt nichts, da es bie Farbe läßt, mit der Hoch⸗
meerſchnede hält es feſt und gibt ber/allguftarfen Schwaͤrze derſelben
jenes Duntkel und den Scharlachglanz, wie man ihn verlangt; fo heben
‚ober milbern ſich beide. durch die Miſchung der Kräfte wechfelfeitig.
Zur Saftmenge für fünfig Pfund Wolle gehören zweihundert Pfund
Kinthorn und Hundert und zehn Pfund Hocneerfchnesten; fo echält
man jene ausgezeich e
in Hochmeerſchnecke, ſol
unreifift, eingebränft ı
Lob wird ihr q
Anblide ſchwaͤr
1100 C. Blinius Naturgeſchichte.
LXUI (xxxıx, 1. Ich ſehe, daß. der Purvur zu Rom immer
getragen wurbe, von Romulus jeboch nur an ber Trabea, *) denn Daß
Tullus Hoſtilius ſich zuerſt unter den Königen nach der Beflegung der
Giruöfer der verbrämten Toga.**) und des breiteren Aufihlags ***)
bediente, ift fottfam bekannt, Nepos Cornelius, welcher während der
Gerrſchaft des göttlichen Auguſtus Rarb, fügt: „in meiner Jugend
war ber veildenblaue Purpur, von dem das Pfund Hundert Denare
137 Gulden] Foftete, im Schwange, und nicht lange nachher ver hoch⸗
zothe tarentinische. 4) 2. Auf dieſen folgte der Doppeltgetunfte
fyrifche, von welchem das Pfund noch nicht für taufend Denare [370
Gulden] gefauft werden fonnte. Man ihvelteden curulifchen Aedil 71)
3. Lentulus Spiniher, welcher folchen zuerft an ber verbrämten Toga
trug; wer,” fagt derfelbe Schriftſteller weiter, „bedient ſich deffelben
jeßt nice zu Speifeteppichen?" — Spinther war Aedil im Jahre
691 nad) Erbauung der Stadt [63 vor Ehr.] unter Cicero's Conſu⸗
late; doppelt getunkt hieß damals der Purpur, welcher, gleichfam mit
7) Ein purpurgefizeifter Umwurf,, der von den Königen, Rittern
und Augurn getragen wurde.
) Tota praetexte, weiße Toga mit einem Purpurſtreifen verbrämt.
:#°%) Clavus latior, ber breite Purpurftreifen, welcher vorn im ber
Mitte der Tunica vom, Halfe bis zum untern Saume herablief.
+) Der Monte teftaceo bei Tarent beſteht fah ganz aus zertrüms
merten Gehaͤuſen des Brandhornd (murex brandaris), woraus
I man fihließt, daß bie Färbereien zu Tarent aus ihm den Pur⸗
- purſaft zogen. \
71) Die curuliſchen Kedile fanden wahrſcheinlich in höheren Ans
ſehen als die plebejifdden. und die sella eurulis wer ihnen vers
gönnt, Doch wurden fie feineswegs zu den Höheren Magiſtrats⸗
perfonen gezählt, weßhalb man ben Lentulus Spinther wegen
F Jumaßuns eine mit Purpur verbraͤmte Toga zu tragen,
delte.
Neunted Bub. - 1101
großthueriſchem Aufiwande zweimal gefärbt war, wie jept faſt alle
gefälligeren Burpurfloffe gefärbt werden.
LXIV. Zu einem fonchylienfarbenen Kleide braucht man außer
dem Kinkhorn alles Andere; überdieß wird bie Brühe mit Waffer und
zu gleichen Theilen mit menſchlichem Harne verdünnt, auch wird noch
einmal bie Hälfte Saft beigefügt; fo entReht, nachdem man das
Dunfel verringert Hat, jene gepriefene Bläffe, welche nm fo matter
witd, fe mehr fich die Wolle fättigt.
at). Die Preife des Saftes find poar je nach ber Ergiebigfeit
ver Geſtade geringer, daß jedoch hundert Pfund Hochmeerſchnecken nie
weht als fünfzig Sefterzien [4*/, Gulden], und eben fo viel Kinthorn
nie mehr als hundert [9 Gulden] foften, mögen fidy diejenigen mer⸗
Ten, welche dergleichen zu ungeheurem Preife Faufen.
LXV. 1. Kaum ift aber Eines zu Ende, fo nimmt ſchon wie⸗
der etwas Anderes feinen Anfang; man liebt mit dem Aufwande zu
fpielen und die Spielereien durch Miſchung zu verdoppeln. und ſelbſt
die Faͤlſchungen der Natur noch einmal zu fälfchen; fo färbt mar
Säilefrötenfhalen,*) ſchmilzt Silber mit Gold zufammen, daß es
Glecttum, **) und fügt Erz Hinzu, daß es corinthiſches Gr} ***) gebe.
wur. Nicht zufrieden damit, einem Edelfteine den Namen Am
thyſt entzogen zu haben, tränft man biefe fertige Farbe +) noch AM
mal mit tyrifcher, fo daß aus beiden ein verborbener Name +F))
eine doppelte Verſchwendung erwächst, und macht vorher. Kouc
farbe, weil diefe, wieman glaubt, beffer in die tyrifche übergeht,
—
Bol B. XYL Kap. 84, $. 3. —
—* Fr B. XXX, Ray. 23.
“) Bol. 8. XRXIV, Rap. 3.8.2.
3) Die Amethyſtfarbe namlih. Bol, Ray. 62, $.:
FI) Tyriamethyũ.
@. Plinius Naturgiſch. 9. Boqhn. 6
4100 €. Plinius Naturgeſchichte.
LXU (xxx. 4. Ich ſehe, daß der Purpur zu Rom immer
getragen wurde, von Romulus jedoch nur an der Trabea,”) denn dab
Tullus Hoſtilius ſich zuerſt unter den Königen nach der Belegung der
Giruäfer ber verbrämten Toga.**) und des breiteren Anfihlags ***)
Sediente, ift fattfam befannt. Nepos Cornelius, welcher während ber
Herrſchaft des göttlichen Auguftus Rarb, fagt: „in meiner Jugend
war ber veildenblane Burpur, von dem das Pfund hundert Deuare
137 Bulden] Foftete, im Schwauge, und nicht lange nachher ber hoch⸗
zothe tarentinische. +) 2. Auf diefen folgte der Doppeltgetuntte
tyriſche, von welchem das Pfund noch nicht für faufend Denare [370
Gulven] gekauft werben fonnte. Man tüdelteden curulifchen Aebiltt)
3. Lentulus Spinther, welcher folchen zuerft an der verbrämten Toga
trug; wer,“ fagt derfelbe Schriftſteller weiter, „bedient ſich veffelben
jet nice zu Speifeteppichen " — Spinther war Aebil im Jahre
691 nach Erbauung der Stadt [63 vor Ehr.] unter Eicero’s Conſu⸗
late; doppelt getunft hieß damals der Purpur, welcher, gleichfam mit
- ..*) @in purpurgeftzeifter Umwurf,, der von den Königen, Ritiern
und Augurn getragen wurde,
+", Tota praetexte, weiße Toga mit einem Purpurftreifen verbrämt.
#**) Clavus latior, der breite Burpurftreifen, weicher vorm im der
Mitte ver Tunica vom, Halfe bis zum untern Saume herablief.
+ Der Monte teflaceo bei Tarent befteht fat ganz aus zertrüms
merten Gehäufen ded Brandhorns (murex brandaris), woraus
ik man fließt, daß die Färbereien zu Tarent aus ihm den Pur⸗
- purfaft zogen. \
+7) Die curuliſchen Kedile flanben wahrſcheinlich in Höheren Ans
fehen als die plebejiſchen und bie sella aurulis war ihnen vers
gönnt, doch wurden fie keineswegs zu den Höheren Magiſtrats⸗
perfonen gezählt, weßhalb man ven Lentulus Spinther wegen
ve Dinmaßung eine mit Purpur verbrämte Toga zu fragen,
elte.
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z
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Neuntes Bud. | 1101
Molthuctiſdem Aufwande zweimal gefaͤrbt war, wie jetzt faſt alle
gefaͤlligeren Purpurſtoffe gefärbt werden.
LXAIV. Zu einem konchylienfarbenen Kleive braucht man außer
dem Kinkhorn alles Andere; übervieß wird die Brühe mit Waller und
zu gleichen Theilen mit menfälidhem Harne verdünnt, auch wird noch
einmal die Hälfte Saft beigefügt; fo entſteht, nachdem man bad
Dunkel verringert hat, jene gebriefene Bläffe, welche um fo matter
wird, je mehr ſich die Wolle fättigt.
: 0). Die Breife des Saftes find zwar je nach der Ergiebigfeit
Der Beftade geringer, daß jedoch Hundert Pfund Hochmeerfchnerken nie
mehr ala fünfzig Sefterzien [4*/, Gulden], und eben fo viel Kinkhorn
nie mehr ald hundert [9 Gulden] koſten, mögen fich diejenigen mer⸗
Ten, welche dergleichen zu ungeheurem Preife faufen.
LXV. 1. Raum ift aber Eines zu Ende, fo nimmt ſchon wie⸗
Ber etwas Anderes feinen Anfang; man liebt mit dem Aufwande zu:
fpielen und die Spielereien durch Miſchung zu verdoppeln. und felbft
die Fälfchungen der Natur noch einmal zu fälfhen; fo färbt man
Schildkrötenſchalen,) fhmilzt Silber mit Gold zuſammen, daß ed
Blecttum, **) und fügt Erz hinzu, daß es corinthifches Erz ***) gebe.
Aui). Micht zufrieden damit, einem Evelfteine den Namen Ames
thyſt entzogen zu haben, tränft man biefe fertige Farbe }) nöch ein⸗
mal mit tyriſcher, fo daß aus beiden ein verdorbener Name tt) und
eine boppelte Verſchwendung erwaͤchst, und macht vorher Konchylien⸗
farbe, teil diefe, wie man glaubt, befler in die tyrifche übergeht. 2. Die
) Bol B. XVL Rap. 84,8. 3.
+) Bol. B. XXX, Kap. 23.
*) Bol. 8. XXKIV, Kap. 3. $. 2
-+) Die Amethyftfarbe nämlich, Dal, Kap. 82, $. ‘3.
- +7) Tyriamethyſt.
C. Plinius Naturgeſch. 9. Bohn. Bu
1102 C. Plinius Naturgeſchichte.
Neue muß dieß zuerſt erfunden haben, indem ein Künftler, was ihm
mißflel, umändert; fo entſtand eine Berfahrungsweife; auch machten
feltfame Köpfe aus dem Fehler einen Begenfland bed Verlangens,
und ber Verfchwendung wurde dadurch ein doppelter Weg gezeigt,
baß man eine Farbe durch die andere verdeckte, weil fle fo vorgeblich
angenehmer und fanfter werben follte. 3. Ja man miſchte auch Er⸗
zeugnifle des Landes bei und färbte das mit tyrifcher Farbe Gefärbte .
mit Kermes, um Karmefln*) zu erhalten. Der Kermes ift, wie wir
bei den Landgewächfen darthun werben, **) ein röthliches Kom, ***)
welches in Balatien +) und bei Emerita [Meriva] in Luſitanien am
vorzüglichften gedeiht; aber, um Hier zugleich Alles über die berühm⸗
ten Färheftoffe beizubringen, dad einjährige Korn gibt einen matten
Saft, der vor dem vierjährigen verblaßt und es hat alfo weber das
friſche noch das alternde Kraft. — Zur Genüge ift jetzt die Verfah⸗
wungsweife behandelt, wodurch Männer fowohl ald Frauen ihre Ge
Melt am anfehnlichften zu machen glauben. .
LXYI xım. Zu dem Mufchelgeflecht gehört auch bie Pins
" ne;tt) fle waͤchſt an ſchlammigen Stellen immer grabe empor 11)
*) Hysginum (voyıvov). Toyn ift der galatifhe Name der Ker⸗
meseiche (quercus coccifera), auf deren Blättern bie Kermes⸗
ſchildlaus (coccus ilieis) lebt. Vgl. Pauſanias (X, 36),
welcher fchon wußte, daß das Karmefin nicht aus Pflanzen:
ftoffen, fondern aus dem Blute Kleiner Infelten gewonnen wird,
**) 3, XVL Kap. 12. B. XXII, Rap. 3. B. XXIV, Kap. 4.
“+, Mir werben an den angeführten Stellen auf diefen Irrtum
des Pliniug, welcher den Kermes für einen Pflanzenſtoff Halt,
zurüdfommen.
al. DB. V, Kap. 42. ,
'nna, auch Stedmufchel und Schiufenmufchel genannt.
ie ftedit fenfrecht im Schlamme,
Neuntes Buch. 1108
und iſt nie ohne einen Begleiter, der Pinnenhüter, bei Anbern Pins
nenwaͤchter heißt; diefer iſt ein. Heiner Goger,“) zuweilen auch ein
Krebs, welcher der Nahrung nachgeht. Die Pinne thut fich auf und
Hietet inwendig den augenlofen Körper den Heinen Fifchen bar; dieſe
Tommen fogleich herbei und füllen fie, fo wie durch die Erlaubniß bie
Kühnheit wählt, an; diefen Zeitpunft nimmt der Aufpafler wahe
und deutet ihn durch einen leichten Biß an; jene tödtet durch Zuſam⸗
mendrücken, was fle eingefchloffen bat, und gibt dem Gefährten
feinen Theil.**)
LXVII. 4. Ich wundere mich deßhalb um fo mehr, daß Rande |
geglaubt haben, die Waflerihiere entbehrten jeded Sinnes. Der
Krampfrochen ***) kennt, obgleich er felbf feinen Krampf fpürt, feine
Kraft und im Schlamme verfenft, verbirgt er ſich und haſcht bie
Fiſche, welche, während fie forglos über ihm hinſchwimmen, vom
KRrampfe.ergriffen werben; nichts übertrifft feine Leber an Zartheit.
Nicht geringer ift die Klugheit des Froſches, welcher der Fifcher im
Meere heißt; }) er ſtreckt feine unter den Augen hervorragender
*) Rquilla; es gibt mehrere Arten; wahrfcheinlich ift der gemeine
Goger (squilla mantis) gemeint.
“) Man hat diefe Erzählung bis auf die neuere Zeit nacherzaͤhlt
und weiter ausgemalt; nach ſorgfaͤltigen Beobachtungen ver⸗
bergen ſich nicht nur in die Pinne, ſondern auch in Auſtern,
Mies: und Gienmuſcheln, Rrebschen, grade fo wie in den Loö⸗
chern der. Schwämme und Steine, ohne daß das Kreböchen ber -
MuihA nützt oder ſchadet, denn die Mufchel frißt weder Fleiſch
noch Fiſch, fondern lebt von dem, was fle durch das Waſſer
einzieht, und laͤßt das Krebschen ungefldrt in der Schale,
eee) Torpedo; auch Zitterrochen genannt; feine elektriſche Kraft iſt
in neuefler Zeit genügend unterfucht und beftätigt worden.
7) Rana piscatrix = Lophius pisoatorius L., Froſchfiſch.
N 6* \
1104 C. Blinius Naturgefihichte.
Hornchen ) aus dem aufgerührten Schlamme heraus und zieht bie
6 um ihn tummelnden Fiſchchen an, bis fie ihm fo nahe fommen,
daß er ſich auf fie Hürgen faun. 2. Auf ähnlid,e Weiſe bewegen ber
Gugelhay*’) und die Dorabuite***) verborgen liegend die hervorges
getreten Finnen wie Würmer; befgleichen auch die fogenannten
Nochen, +) denn ber Stechrochen ++) treibt von ſetnem Verſtecke aus
Mänberei, indem er die vorüberſchwimmenden Fifche. mit feinem Stas
bel, den ex als Geſchoß gebraucht, ſpießt. +++) Als Beweis vieler
Klugheit dient, daß man dieſe ſchwerfälligſten afler Fifche mit einer
Meeraͤſche, *}) die doch der fAhnellfte von allen iſt, im Bauche findet.
(un). 3. Die Bandafleln,”*+) welche den Landthieren, die mar
Hundertfüße neunt, ähnlich find, brechen, wenn fle eine Angel ver:
ſchluckt haben, alle Eingeweide von ſich, bis fie die Angel herand-
Zwei hornige Fäden, welche er wie Würmer fpielen läßt, wenn
er im Schlamme liegt und auf Beute lauert.
») Dal. Kap. 14, 6. 1. Kap. 40.
**e) Bel. Kap. 20, $. 3. Kap. 36, $. 1.
+) Bal Kay. 40.
+1) gl: Kap. 37 und 40,
td Der auf der Mitte des Schwanzes ſitzende doppelzaͤhnige Stachel
vermunbert gefährlich, weil er das Fleifch zerreißt. Vergl.
Kap
) Bil. Pe 21 und 26.
**+) Soslopendrae.' Man hat bartınter teineswege die Thiere, wel-
eben man jept diefen Namen beilegt und die nicht-3u den Waſ⸗
ferthieren gehören, zu verfleben, —* Nereiden, Deren fuß⸗
ahnliche —2 und Freßzang are dem Irrihnme leicht
. Beranlaffung geben konnten. reiden fhieben nach Bes
lieben ihren Schlund ge einen Küffel vor und ziehen ihn
vieder ein, wodurch Die Meinung entftand, daß fle ihre Einge⸗
deide herausbtechen und wieder verſchlucken.
Reunted Bud. 4105°
Bringen, und würgen dann biefelben wieder hinunter; bie Sees
füfe*) aber ſchlinzen bei ahnlicher Gefahr die Augelſchnur weiter
Yinab bis zu ſchwachen Stellen, wo fle biefelbe leicht durchnagen
tönnen, Noch vorſichtiger verfährt der fogenannie Blanis;*) er
Beißt an der Angel von hinten an und verfhlingt le nit, fondern
ſchnappt ben Köder weg. -
RLIV. Der Widder ***) reicht herum, wie ein Räuber, und
Hald lauert er. im Schatten größerer anf bem Meere liegender Schiffe
verborgen, bis Jemand die Luft zu ſchwimmen anwanbelt, bald hebt
er den Kopf aus dem Waſſer empor, um nach Fifcherfähnen zu fpäßen,
ſchwimmt verborgen zu ihnen Hin und verfenft Re.
LXVIN «xın. 1. Ich bin fogar der Anſicht, daß eine Empfins
dung ſelbſt denjenigen Weſen beiwohne, welche weber die Beſchaffen-
heit der Thiere,'noch die der Pflanzen, fondern eine britte von beiden...
‚entließene haben ; +) ich meine die Neſſeln und die Schwaͤmme. Die
Neflelntt) ſchweifen des Nacht umher und verändern des Nachts
ihren Ort. Sie beſtehen in einem feifdigen Gezweige und nähren
FG von Fleif. +r}) Gie-beflpt die Kraft, darch Jucken zu beiſſen.
grade fo wie bie Sandneflel; fle zieht ſich demnach fo flarr als möglich
aufammen, breitet, wenn ein Fiſchchen vor ihr ſchwimmt, ihr Gezweig
_—
*) Valpis marina, jedenfalls eine Hayart, vielleicht di
hay (equnlus oentrine). =
Son eine Weldart feyn. -
=") Aries, Schwertwal, vgl. Kan. 4, $. 2.
+ -Die Zoophyten, wie ſich die Naturforicher
. +) Urtiene. Blinius vermengt hier bie ig
weiſe ber feftfigenden Meernefjel (Actinin)
den Wurzelqualle (Bizostoma).
+1) Rur die ſchleimigen Theile des Waſſere
tung bienen,
1106 €. Plinius Naturgeſchichie.
aus, umfpanat es damit und verſchlingt es. 2. Gin anderes Mat
Acht fie welt aus, Läßt ſis gleich dem Zange von den Fluthen umher-
werfen *) und fällt die von ihr berührten Tiſche an, während biefe
durch Reiben am Geſtein das Juden abkrahen; auch fucht fie des
Nachts nach Kammmuſcheln und Seeigeln. Spürt ſie, daß eine
Sand ihr nahe fommt ſo ändert fle die Farbe und zieht fd zufams
men ; berührt verurſacht fle ein Brennen, und geminnt fle dadurch eim
wenig Seit, fo verbirgt fie fih. Den Mund foll fie an der Baryk,
Haben **) und den Umath ganz oben durch eine bünne Röhre ***) vor.
ſich geben.
LXIX. 1. Bon Schwämmen find und drei Arten befannt,})
eine feRe und dabei feht Harte und rauhe welche Tragos, +4) eine
fefte und zartere, welche Manon ++) und eine feine und dichte, woraus
man bie Bäufcgchen *+) macht, welche die achilleiſche **+) heißt. Sie
entfiehen alle an Felſen und naͤhren ſich mit Mufcheln, Fiſchen und
Schlamm. Daß ihnen Empfindung beiwohne, erhellt daraus, daß
le, wenn ſie einen, der. fle abreißen will, merken, ſich zufammenzichen
und bann viel ſchwerer abzulöfen find; baffelbe thun fie beim Ans
*) Befonders bie Mebufe und die Kammauolle.
**) Der Stiel der Wurzelqualle endigt in gezäßnelte Blätter und
jeber Zahn Hat ein Hanes Loch, worurc das Thier feine Rabs
rung einfaugt. weßhalb es auch das Murzelm
re) Gin Ringgefäß am Hute der Dualle, in well
welche den Rabrungsfaft aus den Magen rd
2) @o.gibt weit mehe Arten, Blin’-
im Haus halte vorfommenben.
+1) Teayos, Boll, Del. 8. XXI
HN Man uawög, 7, 67, nicht dicht,
li, vgl. B. XXXI. RO
wird nirgends gefagt
J Neuntes Buch. 1107
prallen der Fluthen. 2. Daß ſie von Epeife leben, zeigen offenbar
vie in ihnen gefundenen Heinen Mufcheln.*) Bei Torone'**) follen
fle, auch wenn fle losgeriſſen find, noch ſolche freſſen und aus dem
guräcdgeblichenen Wurzeln wieber hervorwachſen. An den Bellen -
Haftet aud ein Blutanftrih von ihnen, beſonders von ben aftifanis
fen, welche auf den Syrien ***) warfen. Am größten, aber um
weichſten werben bie Manät) um Lycien; tt) an tiefeh unb bem
Binde nicht ausgeſetzten Stellen finb ſie jedoch immer weicher, im
Gelleöpont [der Strafe bet Dardanellen] rauf und um Mala +}49
dicht; an fonnigen Orten faulen fle, deßhalb find bie beften in den
Abgründen. 3. So lange fte Icben, Haben fle diefelbe ſchwärzliche
Farbe, wie wenn fie eingeweicht werben. Sie Hängen weber bloß an
einem Zeile noch durchaus feft, denn dazwiſchen find einige leere
Nöhren, etwa vier ober fünf, durch welche fle, wie man glaubt, ihre
Nahrung zu ſich nehmen; es find auch noch andere Röhren vorhanz
den, aber oben geſchloſſen; auch bemerft man, daß ſich unter ihren
Wurzeln ein Häutchen befindet; daß fle fange Zeit Ieben,*t) feht
Schwaͤmme werben nur durch das Seewaſſer ernäßtt, bie
ie ifmen gefundenen Mufcpeln gerathen nur zufällig in fie
nein.
=) gl. B. IV, Ray. 17, 8. 4.
Bl. B. V, Rap. 4.
Manae nämlich spongine; val. den Anfang diefes Kapitels, wo
Mich auf genus bezieht.
‚3. V, Kay. 27 und 28.
va ernien, dent Spathi.
f °r Zeichen von thierifchem Lebe
Y . am müßte denn ben beftändigt
= » Aue mit bem Atmen zufar
J
1108 G. Plinius Naturgeſchichte.
feR. Als die ſchlechteſte Art von allen gelten diejenigen, welche
Aypinfien*) beißen, weil fie fi nicht auswaſchen laflen ; fle Haben
große Röhren und die übrige Mafle ift feft.
LXX (xıvn. 1. Sanytfädlicg bebroßt die Menge ber Hunbẽe⸗
haye **) die nach ihnen fuchenden Taucher mit ſchwerer Gefehr; biefe
ſelbſt geben vor, daß ſich über ihrem Haupte auch eine Art Thiers
wolfe wie uon platten Fifchen ***) zufammenziehe, welche fie nieder⸗
Drüde und am Wiederherauffommen hindere; fle führten veikatk
äußerfi Scharfe, an Leinen befekigte Pfriemen Bei fich, meil die Wels
fen nur, wenn man fle damit burchfleche, zurückwichen; wohl nur, wie
ich glaube, eine Wirkung der Dunfelheit und des Angſt, beuu eine
Wolke oder einen Nebel, wie man biefe Plage nennt, bat noch Mies
mand unter ben Thieren wahrgenommen. 2. Der Kampf mit ben
Hundehayen aber ift entfeplich; fle ſchnappen uach den Weichen, bem
Zerfen und jebem weißen Theile des Körpers ; das einzige Reitunge-
mittel it, ihnen entgegenzugehen und fie wegzufchreden, deun ber
Hundehay fürchtet ven Menfchen ebenfofehr. als er ihn ſchreckt. In
der Tiefe iR der Vortheil gleich, wenn man .aber nach ber Ober⸗
flaääͤche des Waſſers kommt, wird die Gefahr doppelt, denn dem
Taucher iſt, während er anfzufteigen fucht, die Auskunft, darauf
loszugehen, genommen; fein Heil hängt ganz von den @efähr-
ten ab; dieſe ziehen an bem ihm um bie Schultern gebundenen
Strick, welchen er, fo wie er fich in Noth befintet, mit der linfen
ſchüttelt, während er mit der rechten ben Kampf führt. 3. Beim
Ziehen ift ſonſt fachte zu verfahren, fobald er aber in die Nähe bes
*) Bon a (nicht) und nAuves (malen).
**) Canicula — squalus galeus. Dgl. Kap. 11.
”) Dal. oben Kap. 36 und 40.
Neuntes Bud. 1109
Schiffoklieles gelangt iſt, müflen fle ihn mit überaus fegneller Kraft
plöglich heransreigen, wenn fie ihn nicht umfommen fehen wollen, oft
wurden fogar bereitd herausgezogene aus den Händen weggefchnanpt,
wenn fle nicht felbR die Bemühung der Ziehenden dadurch unterſtütz⸗
ten, daß fie den Körper gleich einem Balle zufammenfnäuelten. Andere
ſtrecken zwar Dreizade vor, aber das Ungethüm hat die Klugheit,
anter das Schiff zu gehen und fo and dem Verſtecke zu Tämpfen. Alle
Sorgfalt geht demnach dahin, den Feind zu erfpähen.
. av. Am gewifleften iR die Sicherheit, wenn man platte
Fiſche fleht,, weil diefe ſich nie da aufhalten, wo bösartige Thiere
ins, *) weßhalb die Taucher fie heilig nennen.
LXXI. Daß den in fleinharter Schale eingefchloflenen Wieren,
wie den Aufiern, feine Empfindung beiwohne, muß zugeſtauben wer⸗
"ven; viele Haben mit ber Pflanze eine und dieſelbe Beſchaffenheit, wie
Die Holothurien, **) Lungen und Sterne.) Es gibt miihin nichts,
*) Die Schollen (pleuronectes), welche hier gemeint feyn können,
halten ſich, weil fie nicht mit De heibin naöwaflen verfehen
find, wirklich nicht in der Nähe von Raubfifchen auf.
) Mas die Alten unter Holothurien verſtehen, iſt nicht recht far,
feinenfalld aber die Würmer, welche wir jebf Holothurien
(Sprigwürmer) nennen, denn Arifiotelee (Hist. animal. I, 1)
fagt, daß fie ſich nicht bewegen fünnien, obgleich fie nicht fch=
hängen und an.einer andern Stelle (de part. animal. IV, 5)
unterfiheibet er die Holothurien und bie Lungen durch dieſe
Binentebaft von den Schwämmen. Vielleicht find. die Meerz
forfe (aleyonium) gemeint; bie Eungen (paulmones) fünnten
dann wohl ver lappige Meerforf (aloyonium lobatum) feyn.
—* Stella, Meerſtern (asterias). Weder die Holothurien und
eungea noch die Meerſterne find Pflangen, ſondern haben eine
thieriſche Natur.
„ri
1110 - &. Plinius Naturgeſchichte.
was ſich nicht auch im Meere erzeugt, wie denn ſogar die Tihierchen,
welche während des: Sommers in den Herbergen durch behendes
Springen läftig werben, und bie, welche hauptfächlich das Haar birgt,
ih vorfinden und Häufig um ben Köder gebaflt herandgezogen wer:
den; ) fie gelten auch als die Urfeche, welche des Nachts den Schlaf
der Fische im Dieere ftört; einigen berfelben find fle jedoch eigenthüm⸗
ch und zu deren Zahl rechnet man die Binte. **)
LXXI uvm. Auch gräuliche Gifte fehlen nicht. wie bei dem
Meerhaſen, welcher im inbifchen Meere fchon durch die Berührung
verberblih wirkt und Erbrechung und Grichlaffung bes Unterleib⸗
verurfacht; in unferem Meere iſt er ein unförmlicher Klumpen unb
gleicht vem Hafen nur an Farbe, in Indien aber fowuhl an Größe
als am Haare, welches nur härter ift; auch wird er dort nicht lebendig
gefangen. Gin eben fo verberbliches Thier iſt die Spinne, +) melde
durch die Spitze ihres Rückenſtachels ſchadet; aber nichts iſt abſcheu⸗
cher, als der fünf Zoll große Dorn, weldyer auf dem Schwanze des
Trygon, der bei uns Paſtinaca +r) heißt, hervorragt; die Bäume
macht er Durch einen Stich in die Wurzel abſtehen; durchbohrt Waf⸗
*) Dieſe Thierchen, welche Plinius mit den Floͤhen und Läufen
vergleicht, find die Fiſchwürmer (lernaea) , die Meerfiſchlaus
(ealigus) und das Cinauge (monoculus pediculas),
**) Chaleis — clupen fiota L.
®**) Lepus == Aplyain L., auch Hafenfchnede genannt.
+) Araneus, wahricheinlich daflelbe Thier, welches meiter oben
(Kap. 43) draco marinus (Seedrache) Heißt, die Queife (tra-
‚ohinus drace).
TI Der Stechrochen (veral. Kap. 67, 6. 2), daß die kö'en Cigen⸗
ſchaften vefielben Hier bis zum Lächerlichen vergrößert And,
braucht faum bemerkt zu werben.
s
r
Neuntes Buch. 411t
fen, wie ein Geſchoß, da er bie Kraft des Ciſens und bie Bödartigteit
des Giftes Hat.
LXXIII aux). Ob ganze Gattungen von diſchen von Kranke
heiten befallen werben, wie die andern und ſelbſt die wilden Thiere,
Haben wir nicht in Grfahrung gebracht, *) daß aber einzelne Fränfeln,
beweist ſchon die Magerkeit mancher, während andere von berfelben
Gattung fehr fett gefangen werben,
LXXIV 1.) 1. Auf welche Weife fie ſich fortpflangen, Darf ich
der Wißbegierde und Verwunderung ber Menfchen nicht länger vor⸗
enthalten... Die Fiſche begatten ſich, indem fle ihre Baͤuche aneinans
der reiben, mit folder Schnelligkeit baß fle unjere Augen täufchen, **)
die Delphine und Wale auf gleiche Weife, nur etwas länger. *")
Zur Begattungdzeit folgt das diſchweibchen dem Männchen und-Rößt
mit der Schnauze an deſſen Bauch, beim Leichen folgen die Maͤnnchen
den Weibchen und freflen deren Gier. t) »2. Zur Boripflanzung ifk
aber bie Begattung für ſich allein nicht genügend, wenn nicht die
Männchen die gelegten Gier, ziifchen diefen hin- und Hertanbelnb,
mit ihtem belebenden Samen befprigen. Dieß fann bei der fo großen
Menge ber Gier nicht alle treffen, fonft müßten Meere und Seen volle
gepfropft fein, ba jeder Mutterleib deren unzählige empfängt. +1)
*) 8 find allerdings ſolche Seuchen unter ven Fifchen 8 vor⸗
gekommen.
Di Fifche ſchwimmen beim Laichen neben einander
zend bag Männchen die Milch unt das Weibchen
ins Wafferlät, wo beide er miteinander in Berührum
*) Daß die Delphine und Wale zu den Eäugethieren
fi wie diefe egaften, weiß jet Jeder,
+) Natürlich nur zum Theil,
41) Der Roogen eines einigen Haufen enthält am fe
Gier, der eines Kabeljaus an neun Mill
1112 C. Blinius Naturgefgiäte.
an. Die Fiſcheier ) wachten im Meere, manche mit der größten
Schnuelligkeit, wie die der Muränen, manche etwas langfamer. 3. Die
platten Fifche,**) welche keinen flacheligen Schwanz haben, fs mie
auch die Schilpfeöten, **°) fleigen bei der Begattung auf einauter;t)
bie Urmisaken hängen fih mit einem Fühlfaden an die Rafe des
Weibchens, die Dintenſchnecke und die Seelatze an bie Zunge, indem
fie die Arme ineinander fihlingen und gegeneinander Schwimmen ; +7)
fie laichen auch mit dem Munde; bie Armfrafen aber begatten fig mit
nach, dem Boden gefehrtem Kopfe, die übrigen Weichthiere FH) rad
wärs, wie bie Hunde; ebenfo die Henfchredenfrebfe*t) und die
Goger, *7) die Krebſe mit vem Munde. **+) Die Bröiche Reigen
aufeinander, indem das Mänuchen mit ben vorderen Fußen tie Ach⸗
*) Sie haben feine Schalen, fonbern nur ein bünnes Häntden
und wachfen durch die eindringende Feuchtigfeit, bis das zeitige
Zunge ausgeht.
“Mol Kap. 39, -
***) Ich lefe; quibus cauda non est aculeata aeque et testadines.
+) Die Bemerkung if, was die Schilofröten betrifft, richtig ; über
die anderen Fifche, weiche fich auf diefe Weife begatten follen,
fehlen noch genauere Beobachtungen.
+4) Neuere Beobachtungen haben biefe Ariftofeles (Mist. Animal.
V, 6) entnommene Behauptung noch nicht beſtätigt, wahrs
ſcheinlich iſt ſogar, daß die Armkraken, Dintenfchneden und
Seekatzen (val. Kay. 44-46), wie die meilten Fiſche, laichen.
TIP) Diele Bemerkung iſt zu allgemein: bie Begattung ver Weich⸗
thiere gefhieht auf verſchiedene Weiſe.
*) Dal. Kap. 5
4) Pol. Rap. 8*
**7) Ariſtoteles (Hist anim. V, 9. welchem Plinius hier *
— ſchreibt, ſagt dieß nicht, ſondern nur: mit dem Vordertheile, im
Gegenſahe zu der Begattung rüchwärts.
Neuntes Buch. 1118
feln und mit. den Hinteren die Keulen des Weibchens faft. 4. Cie
gebären äußerft Kleine fchwarze Bleifchktäde ,*) welche man Kaul⸗
quappen nennt und, woran mut bie Augen und ber "Schwanz tennt-
Yich find; alsbald bilden fich auch die Füße, indem fich der Schwanz in
Hinterbeine ſpaltet.*) Wunderbar ik, daß fie ſich nach einem halb⸗
jährinen Leben, ohne daß ed Jemand wahrnimmt, in Schlamm auf
Lõſen ***) und im Frühlingswafler wieder in ihrer früheren ‚Gehalt
entſtehen: wobei die Natur fehr geheim verfahren muß, da es doch
jedes Jahr Ratıfindet. — 5. Auch die Miesmufcheln und bie Kamm⸗
muſcheln entfliehen von ſelbſt an fandigen Stellen, +) die Thiere mit
Härterer Schale, wie bie Reiftenfchneden und Die Pupurfchneden, aus
einem fpeichelartigen Schleime, ebenfo die Schnafen aus faner ge-
wordener Flüfftsfeit, die Anſchovis 7) aus erwaͤrmtem Meerſchaum,
wenn Regen dazu kommt, die in eine ſteinharte Bedeckung gehüllten
aber, wie die Auſtern, aus fanlendem Schlamme oder aus dem
Schaume um bie länger flillliegenden Schiffe, eingerammte Pfähle und
Hol; tr) überhaupt. 6. Bor Kurzem hat man in den Auſtern⸗
*) Die Bröiche legen Eier und aus diefen fommen die Kaulquap⸗
pen (gyrini) hervor.
ee) Reineswegs, fondern wenn bie Hinterbeine gewachſen find, loͤst
ſich der Schwanz ab.
»9) Um Winterſchlaf zu halten, graben ſich die Froͤſche in ben
Schlamm, löfen fid aber nicht in ſolchen auf.
+) Kein lebenved Wefen entfteht von felbft; die Miesmufcheln
.(val. Kay. 56, $. 4) und die Kammmuſchein (vgl. Kap. 51, 8. 6)
legen Gier, fo wie auch bie Leiftenfchnedten, die Purpurſchnetken
(oa Kap. 60, $. 1) und die Schnafen (eulices).
+7) Apua = Engraulis L.; auch die Anſchovis laichen.
ft) Die Auſtern u. ſ. w. laichen gern’ in der Rohe ſolcher Stoffe,
entſtehen aber keineswegs aus denſelben.
1114 €. Plinius Naturgeſchichte.
Gehältern die Wahrnehmung gemacht, daß aus ihnen eine befrnd
tende milchartige Feuchtigkeit herausfließt. *) Die Aale reiben ſich
an Felſen und dieſes Abſchabfel wird lebendig; eine andere Fortpflan⸗
zung gibt es bei ihnen nicht. **) Fiſche von verſchiedenen Arten be⸗
gatten fich nicht, der Engelhay und der Rochen ausgenommen, trorans
ein Junges entfieht, welches am Borbertheile dem Rochen gleicht,
und bei den Griechen einen aus beiten zufammengefesten Ramen
Führt.) — 7. Wie auf dem Lande, fo werden auch im Waſſet
einige Arten zu einer beſtimmten Jahreszeit erzeugt, im Frühling die
Kammmuſcheln, die Schneden,}) die Seefchwalben; tr) dieſelben
verſthwinden auch zu einer beflimmten Zeit. Bon ben Fifchen ge:
bären der Wolfobaͤrſch 447) und ber Spratt *F) zweimal im Jahre,
Jo wie andy alle Klippenflfche, die Meerbarben **}) dreimal, wie bie
Binte,***+) der Karpfen }*) fechemal, die Sforpione zweimal, ebenfo
die Geißbraſen ++") im Srühling und im Herbſte; von ben platten
*) Zur Laichzeit ift dieß nicht unmöglich.
**) Man ift über die Fortpflanzuug der Aale noch nicht im Reinen,
wahrſcheinlich legen ſie aber Cier.
**o) Pivoſciroc (Squatinoraia). Der Engelhay (vgl. Kap. 14u. 40)
und der Rochen (Kap. 40) begatten ſich ebenſowenig, wie ans
dere Fifche verfchiedener Art und der ‚angebliche Zwitter if der
Engelrochen (raia rhinobatos L.), eine befondere Gattung.
+) Limaces, Landfchnecen.
tr) Bol. Kap. 43. Manche wollen hirudines (Biutegel) leſen.
+rr) Bal. Kav. 24 und 28,
*+) Dal. Kap. 20, 8. 4. .
*) Dal. Kay. 30, - 1
c4) Mol. Kay. 71. om
1’) Dal. Kap. 25.
1") Dot. Kap 30, s 2.
Reuntes Buch. 1115
Fiſchen ber Wagelhay zweimal, die Sungenfigofle *) im Herbſte beim
Untergange der Bergilien, 8. die meiflen Fiſche in den Monaten
April, Roi und Suni, die Goldftriemen”*) im Herbſte, die Geiß⸗
braſſen, der Krampfrochen, ***) die Hayen um die Tagunbnachtgleidhe,
Die Weichthiere im Frühling, bie Dintenfohnedet) in jedem Monat;
. ihre durch einen ſchwarzen Leim in Geſtalt einer Tranbe zufammens
Hängenden Gier begleitet dad Männchen mit feinem Hauche, fon
bleiben fle unfruchibar. Die Armkraken begatten fi im Winter,
Legen im Frühling ihre zu einer gewunbenen Raule gefräufelten Eier
uund find von folcher Sruchtbarkeit,, daß fle, wenn man fle töntet, bie
Menge der Gier nicht mehr in der Höhle des Kopfes faflen innen,
worin fle Diefelben während der Schwangerfchaft trugen;. fie brüten
diefelben am fünfzigften Tage aus, aber viele davon gehen wegen der
großen Zahl zu Grund. 9. Die Heufchredenkrebfe und übrigen
Thiere mit bünnerer Kruſte legen Eier auf Gier und bebrüten fie
f0.+}) Das Armfrafenweibchen ſitzt bald auf den @iern, bald fchliegt
es die Höhle durch gitterförmige Verflechtung der Arme. Die Dins
tenſchnecke laicht auf dem Lande zwifchen Rohren oder wo Tang her⸗
vorwaͤchſt und brütet am fünfzehnten Tage aus. Die Seekatzen legen
auf dem hohen Meere zuſammenhaͤngende Eier wie die Dintenſchne⸗
den; die Purpurſchnecken, die Leiftenfchnecden und andere dieſer Gat⸗
N ke leſe la vgl. Kap. 20 und 24.
“)
) Bi rg 87. $. 1.
+) Bol. Rap. 20 und 4.
Fr) Die Kreböweibchen haben am Schwanze kurze, nach innen ge⸗
fchlagene Füße, woran bie Gier zu hängen pflegen, daher d der
Glaube, daß ſie bieſelben d bebrüten,
1116 C. Plinius Naturgeſchichte.
tungen laichen im Wrühling ; die Seeigel ) bekymmen ihre Gier im
Binter ; auch die Schnecken ) entfliehen zur Winterzeit:
LXXV. Den Krampfrochen findet mar mit achtzig Jungen;
er legt in ſich ſelbſt ſehr weiche @ier, bringt fie dann an eine andere
Stelle der Baͤrmutter und brütet fle daſelbſt aus; Gleiches findet bet
allen Thieren ſtatt, die wir Knorpelthiere genannt haben, ) und je
kommt es, daß fie. allein fowohl Junge gebären ale auch Eier em⸗
pfangen. Das Welemänuchen hütet allein von allen bie gelegten
@ier, oft fogar fünfzig Tage lang. damit fle nidyt von andern vertilgt
werben; bie übrigen Weibchen brüten am britten Tage, nachdem fie
bad Männchen berührt hat, auk.
LXXVI. Der Nadelfikh +) ober die Belone laicht allein vor
deu Fifcheh, während ihre wegen der Menge der Eier die Bärmutier
berftet; nach der Geburt Heilt die Wunde wieder zu, was auch bei ben
blinden Schlangen der Ball ſeyn fpll. Die Seemaus Pſ) legt ihre
*) Bol, Ray. 14, 51, 56-ınıd 68. Ä
**) Cochlene, Waflerfhnedn. ©
“) Die Knorpelfiiche haben außer den Eierſtoͤcken noch Gierleiter,
deren unterer Theil ſich in eine Bärmutter erweitert, in welche
die Gier, wenn fle ihre nehörige Größe erreicht Haben, herab⸗
fleigen und wo fle auch audgehen, wenn der Yifch, dem fle ans
gehören, lebendige Junge gebiert.
7) Acus — Syngnathus acus L. Die griehifche Benennung
Berdvn heißt ebenfalld Nabel. Der Nadelfifch trägt den Roos
n unter dem Schwanze in einer mit bünnen Klappen vers
chloffenen Furche, in welcher er fle auch ausbrütet, worauf
diefed Organ wieder bis zur naͤchſten Laichzeit zuſammen⸗
ſchrumpft. Der Mangel an genauer Beobachtung lieg den
Blauben vom Berſten und Wieverheilen der Bärmmtter ats
| Reben.
TH) Bgl. Kap. 36.
‘
Reunied Dub. ' 41117
Ber in eine auf dem Lande gemachte Grube und bedeckt fie fohamı
zurit Erde; amı dreißigſten Tage gräbt fle dieſelben wieder aus, feet
fie uud führt die Brut in’d Wafler. |
LXXVH (um. Die Buchſtabenſtiſche und die Sägbarfche ſollen
sine Baͤrmuiter Haben; ) ber Fiſch, welcher bei den Griechen Tro⸗
chos) Heißt, fall fich mit ſich ſelbſtbegatten. Die Jungen aller
Maſſerihiere enthehren in der erften Zeit des Geſichts.
LXXVIH cum. Bon dem Alter der Fiſche haben wir. fine
Lich ein bemerkenswerihes Beifpiel erfahren. Pauftlypum [Bofllips]
iſt ein Landgut in Campauien nicht weit von Neapel; hier farb, wie
Annaͤus Seneca ſchreibt, in des Kaiſers Fifchteichen ein von Bebins
Bolio***) eingeſetzter Fiſch nach dem ſechzigſten Jahre, während
zwei andere gleich alte von derſelben Gattung damals noch lebten.
Diefe Erwähnung der Fiſchteiche mahnt mich, noch etwas mehr über
diefen Gegenfland zu fagen, ehe wir von den Fifchen ſcheiden.
LXXIX (um). 1. QAufternbehälter erbachte zuerft von Allen
Sergius Orata +) im Bajaniſchen tr) zur Zeit des Redners L. Craſ⸗
Naͤmlich alle Roogner ſeyn; vgl. Kap. 23.
*") Tooyog heißt Kreifel und auch Dachs; welches Waſſerthier hier
Plinius meint, laͤßt ſich ſchwerlich ermitteln: ; baß aber von
einer Selbftbegattung nicht die Rede feyn koͤnne, verfteht fich
von ſelbſt.
**) Bol. Kay. 39, $. 2. Er vermachta bem Auguſtus den größten
Theil feines Beſitzthums.
° +) Ein berühmter Feinfchmeder (Cicero de fin. II, 22, 70), wels
cher den Beinamen Drata oder Aurata von feiner befonderen
Liebhaberei für die Goldbrafſen (auratae, vol. Rap. 25) er-
balten haben foll (Benczobins IH, 1.16)
-+4) Bol. oben Kay. 8, $.2
C. Plinius Naturgeſch. 9. * | 7
1118 €. Plinius Naburgeſchichte.
ſus) vor dem marſiſchen Kriege?) und zwar nicht der Schlemmerei
wegen / ſondern aus Habſucht, indem er von feiner fo großen Grin
dungögabe beveutenbe Einkünfte 309, wie er denn and) zuerſt Die hän⸗
genden Bäder***) erfand und bie fo zugeflugten Lanbgüter wieber
verkaufie. 2. Derſelbe erfannte zuerſt den heften Geſchmack den lakri⸗
niſchen Auſtern }) zu, da biefelben Gattungen von MWaflertbieren ax
Diefem und jenem Orie beſſer ud, fo die Wulfsbärfche in dem Tiber-
fiufle zwiſchen ven Heiden Brüden, die Dornbutte F) zu NRavema,
die Muräne in Sicilien,, der Elopo +ir) zu Rhobus und ebenſo iR
ed, um bier fein Küchengericht zu halten, auch mit den anberen
Arten. Noch waren bie britannifchen Küſten nicht dienſtbar, al
Drata die lucriniſchen Auſtern in Ruf brachte; ſpaͤter ſchien es der
‚ Mühe werth, die Auſtern am Ende Italiens gu Brunbuflum [Bris-
Dirt] zu Holen, und damit fein Streit über ven Geſchmack beider eis
fiehe, kam man Fürzlich auf deu Einfall, bie auf der Iangen Fahrt von
Brunduflum ber auegehungerten im lucriniſchen See mit den andern
am füttern.
LXXX. Noch vorher in derſeiben Zeit erdachte Lieinius Ru-
‚räna*}) die Behälter für bie e übrigen Bifge und feinem Betipiele
) Der berühmteſte 9 Redner v vor Cicero; er lebte vom J. 240 -91
vor Chr. Von ſeinen Schriften iſt nichts mehr vorhanden.
*) Er begann im J. 91 vor Chr
e) Deren Fußboden auf Heinen Pfeifern ruhte, fo baß unter dem⸗
. felben bin bie Hitze ſich verbreiten fonnte.
+) Aus dem Incrinifchen See, sel 3. III, Kap. 9 s 9.
.Yr) Bgl. Kap. 20 und 35,
+) Del. Kap. 27.
*7) Er war im 3. 113 vor ae Bräter und erhielt den Beinamen
. Muväna wegen feiner kiethaberei für diefſen Fiſch.
Nenmntes Buch. . 4119
folgte darauf der Mel, die Philippus, die Hurtenftus *); Lucullus )
durchſtach fogar einen Berg bei Neapel mil‘ größerem Koſtenaufwande,
als der Bau feines Landhauſes verurſacht hatte, um einen Kanal und
vas Meer dahin zu führen, weßhalb ihn der ‘große Bompefus ben
romiſchen Xerxes nannte. Nach feinem Tode wurben bie Fiſche dieſes
Behälters für vierzigmal handerttauſend Gefterzien [371,090 @uls
ven] verfauft. e
LXXXI (v. Einen Mur anenbehalter erfann vor Anbern zu
feinem eigenen Gebrauch C. Hirtius, welcher für den Triumph⸗
ſchmaus des Diktators Caͤſar ſechſtauſend Stuck Muränen leihweiſe
darwog, venn er wollle ſie weder gegen Geld noch gegen andern
Werth verhandeln. Die Fiſchteiche halfen ihm einige Zeit darauf
fein’ Laudhaus für vierzigmal hunderttauſend Seſterzien verfanfen.
Hernach riß die Liebhaberei für einzelne Fifche ein. Bei Bauli [Bas
colo] im bajanifchen Gebiete Hatte der Redner Hortenfius **) einen
Fiſchteich ⸗ und darin eine Muräue, welche er fo ſehr lichte, daß er
über ihren Tob geweint ‚haben fol. Auf demſelben Landgute zog
Antonia, die Gemahlin des Drufus,t) einer Muraͤne, die fle liebte,
9 Die gens Marein, wozu bie Philippus gehörten, und Die gens
Hortensia zählten zu ben bebeutendften romiſchen Geſchlechtern
und lieferten viele berühmte Männer.
**) Befannt durch feine Siege über Mithridates und durch ſeine
verſchwenderiſche Ueppigkeit.
ꝛe) N, Hortenfius Hortalus, ein berühmter und einflußreicher
Redner und Staatsmann lebte vom J. 114 bis 50 vor Ehr.
und benüßte die erworbenen Reichthümer zu großem Auf
wande. Bon feinen Reden haben fi nur einige wenige
Bruchſtuͤcke erhalten.
DD. et B. VI, Rap. 18, J 3; Sie war eine Tochter bes Trlam⸗
[4
1120 C. Plinius eugeigiäte.
Ohrgehaͤnge an, anf welches Geruůcht hin manche Luſt bekamen,
Banli zu befuchen.
' LXXXII (uvm. Behälter für Schnecken richtete Fulvins Gir⸗
pinus im Tarquinienſiſchen ) kurg ‘vor dem Bürgerktiege, ber mit
bem großen Pompejus geführt wurde, ein und ſchied auch die einzelnen
Arten derſelben, fo daß die weißen, weiche auf dem reatiniſchen Ge⸗
biete *) wachfen, beſonders und die illyriſchen, welche ſich durch ihre
Größe, die afrifanifchen, welche ſich durch ihre Fruchtbarfeit, uns We
folitanifchen, **) welche ſich durch ihre Vorzäglichkeit auszeichnen,
ebenfalls beſonders waren. Ja er erfann fogar für fle eine Maſt vor
eiugelochtem Moft +) und Schrot und dergleichen mehr, fo daß jept
auch gemäftete Schneden zu einem vollkommenen Schmaufe gehörten,
und ber Ruhm in diefer Kunft gelangte zu einer folden Höhe, baf
Gehaͤuſe einzelner Schneden achtzig Duabrans [2 Maae] faßten
So erzählt M. Varro.
LXXXIII VMD. 1. Wunderbare Fiſcharten ſollen nach Theo⸗
phraſtus auch an den Marſchen Babylons beim Fallen der Flüffe in
den mit Waffer gefüllten Loͤchern zurückbleiben und von da aus einige
auf ihren Finnen mit Hülfe des ſich raſch bewegenden Schwanzes
nach Futter gehen, vor den fle verfolgenden Jägern in ihre Löcher
fliehen und fich daſelbſt zur Wehr flellen; an den Köpfen Hätten fe
virs M. Antonius und der Oktavia, einer Schwefter bed Au-
guſtus und wurbe im J. 38 2a Ehr. vergiftet.
*) Bol. 2. VIII, Kap. 78, 8. 2
**) Bol. B. U, Rap. 96,5.1.
**) Bon dem Promontorium Solis (Sonnenvorgebirg, B. V, Kap.
u N in Afcite Mal. B. XXX, Kap. 16, 8. 2.
Vai. 2. XIV, Kap. 11, 8.1.
Neuntes Bug, 1121
%
Aahnlichkeit mit dem Seefroſche,) an den übrigen Theilen mit den
Meergrundeln,“) die Kiemen feyen wie bei den andern Fiſchen; 2
bei Heraflen [Erefli] und Eromna,***) am Lykus ) und an vielen
Orten in Pontus tr) fey eine Art, welche dem äußerten Waflerrande
Dex Alüffe folge und fich Löcher in ben Boden mache und in denfelben
lebe, auch wenn durch das Zurückweichen des Stromes das Ufer
trocden werde; man grabe fie deßhalb aus und fie bewiefen dann erſt
Durch die Bewegung des Körpers, daß fie Ichendig feyen; bei dem⸗
felben Heraflen und bei dem Fallen deſſelben Eyfugflu fies entſtaͤnden
aus zurüdgebliebenen Eiern im Schlamme Fifche, * welche, um
SH ihre Nahrung zu verſchaffen, nur mit den Kiemen zappelten und
deßhalb keiner Feuchtigkeit bedürften, und daß ans derſelben Urſache
auch die Aale, nachdem ſie aus dem Waſſer genommen ſeyen, noch
längete Seit lebten ; die Cier aber zeitigten, wie die ber Schildkroͤten,
anf dem Trocknen; 3) in derfelben Gegend im Pontus würben Fiſche,
*) Dal. Kap. 67, 8.1.
*) Gobius oder gobio. Der Fiſch, welcher hier beſchrieben wird, iſt
wohl der zur Sippfchaft der Meergrundeln gehörende Schlamms
* fpringer (periophthalmus); er läuft mit Hülfe feiner harten
, en in den Bauchfloffen auf dem Strande wie eine
ide
» gl. 2. VL Kar. 3.
++) Die Landſchaft Bontus in Kleinaflen erſtreckte ſich längs ber
Nordküſte vom Halys bis Trapezunt.
+r}) Hier faun wohl nur der Schlammpeißger (cobitis fossilis L.)
hemeint feyn, welcher bei ablaufendem oder vexdunſtendem
Bafler im Schlamme zurückbleibt, wo er nicht ſelten von den
Schweinen ausgewuͤhlt wird. Kommt er nach mehreren Mos
naten wieber in’8 Waſſer, fo wird er fogleich munter. .
&
%
— — —4
1122 C Blinkos Natugeffigte.
meift Meergrunbeln, vom Eiſe eingeſchloſſen und verriethen erft auf
warmen Schüffeln ein Lebenszeichen. — Diefe Dinge haben indeſſen
irgend einen, wenn andh freilich wunderbaren ESrund.) — Derfelbe
(Barro) erzählt, daß man in Paphlagonien ) äußert angenehm
ſchmeckende Erdſiſche in Hefen,Bruben an ſolchen Orten, mo feine
Gewaͤſſer übertreten, ausgrabe, und während er fidh ſelbſt wunbert,
daß fle ohne Begattung enifichen, glaubt ex, dab hier wohl ber Feuch⸗
tigkeit eine andere Kraft beimohne, als in deu Brunnen, gleich ib
wenn ſich nirgends in denfelben Fiſche fanden. - Wie ſich diefe Sache
ber auch verhält, fo läßt fle doch gewiß das Leben der Mauliwärfe,
dieſes unterirbifchen Thieres, weniger wunderbar erfcheinen, wem’
wicht vielleicht auch jene diſche die Ligenſchaft der Erbwärmer
haben.
LXXXIV (avım. alle dieſe Dinge aber macht bie Ueberſchwem⸗
mung des Nils durch ein alles Andere überragenbed Wunder glaubs
würbig, denn man finbei, wenn er ben Boden wieder fehen läßt,
Mäufe, bei denen die Schöpfungskraft des Waſſers und der Erbe erſt
ihr Werf begonnen hat, indem fle au einem Theile des Körpers ſchon
leben, während die jüngfte Bildung noch aus Erde befteht: ***)
LXXXV qux). 1. Auch barf ich, wad, wie ich bemerfe, bie
*) Die meiften Fiſche, welche nur eite ſehr kleine Kiemenoͤffnung
und zur laͤngeren Aufbewahrung des Waſſers geeignete Or⸗
aane haben, wie die Aale, die Schlammſpringer, die Kroͤten⸗
flche; die Schlangenkoͤpfe und bie Kletterſiſche, koͤnnen laͤngere
Seit auf dem Trodenen ausbauern.
) Diefe alberne Kabel Äindet man auch bei Bomponiud- Mel
“ a9) und Ovidius (Berwanblangen I, — ). Bal. Diodor
zilien L,7 . ,
®
%
Reuntek Bu. 1128
Bike won bem Fiſche Anthiee geglaubt haben, nicht mit Stil,
ſchweigen übergeben. Wir haben von ben helivonifchen Inſeln im
Dfen, welche in einem Elippenteichen Meere vor einem Vorgebirge
Liegen, geſprochen; ) hier if biefer Fiſch Häufig und wird nur anf
eine Weife ſchnell gefangen. **) In einem Heinen Fahrzenge und
gleichfarbigen Kleide und.zu berfelben Stunde ſchifft der Filcher einige
Tage nacheinander eine beffimmte Strede weit Binaus und wirft
Köder aus. Was von ihm auch gereicht wird, gilt feiner Beute als
verdaͤchtiger Betrug, bis endlich irgend ein Anthias, wenn das, was
ex aus Furcht meidet, oft geſchieht, durch die Gewoͤhnung gelockt,
nach dem Köder ſchnappt. -2. Man merkt ſich dieſen mit genauer
Sorgfalt, als den Begründer der Hoffnung und den Vermittler bes
Ganges, was auch micht ſchwer fällt, ba er einige Tage hindurch allein
Herbeizufommen wagt. Gnblich findet er noch einige, wird allmälig
von mehreren begleitet und führt zuletzt unzählige Heerden herbei,
während die älteften insgefammt ſchon fu zahm find, daß fie den Fi⸗
‚jeher erkennen und Atzung aus jeiner Hand’ haſchen. Diefer wirft
jetzt ein wenig über feinen Fingern in dem Köder eine Angel aus
und packt fie einzeln mehr als er fle fängt, indem er fle, fo daß es bie
übrigen nicht merken, mit einem kurzen Rucke im Schatten des Schiffes
herausreißt ‚ währenb ein anderer in demſelben ben Raub in Lappen
*
*) 8. v Kap. 35, 8. 3.
*) Der Anthias (Blumenfiſch) wird gewöhnlich für den Roth⸗
ling Cabrus anthias L.) gehalten; bie Beichreibungen der
alten Raturforfcher feheinen jedoch eher. auf einen Thun und
namentlich auf den Langfiuner (soomber ala longa) zu beuten,
welcher in ungehenerer Menge zur beflimmten Zeit gefangen
wird, wenn auch nicht auf bie von Plinius angegebene fonders
bare Beife, ,
1124 6. Plinius Raturgeſchihte. |
auffaßt, damit fein Zappeln ober Gerauſch die übrigen verſcheuche.
3. Dabei iſt es erſprießlich, den Vermittler zu kennen, damit: men
ihn nicht fängt, weil ſonſt die Heerde für immer die inf ergreifen
würde. Man erzählt, daß einmal ein uneinig geworbener Theilgaber
dem Führer nachgeftellt und ihn in böslicher Abſicht gefangen, ber
andere Theilhaber aber, welchem das Unrecht geſchehen war, ihn auf
dem Speifemarfte erfannt Habe; Mucianus ſetzt hinzu, daß eine
Klage wegen Befchädigung erhoben und der Thäter zur Zahlımg ver
abgefchätten Erſatzſumme vernrtheilt wurde, - Diefelben Anthiet
follen, wenn fle einen an ver Angel fefthängen fehen, mit den fäge-
förmigen Strahlen, die fle anf dem Rüden haben, bie Schhnur zer:
ſchneiden, während ber, welcher feſthängt, fle anfpannt, damit fie
purchfchnitten werben fann; bei den Geißbraflen*) aber reibt der-
jenige, welcher fefthängt, felbft die Schnur an den Klippen durch.
. LXXXVI ıx. Ferner fehe ich, daß durch Verſtand ausge⸗
zeichnete Schriftſteller ſich über den Stern im Meere wundern, denn
es gibt eine folche Geſtalt mit einem gar winzigen Fleiſche inwenbig
und einer härteren Schwarte auswendig. 9 Er foll eine fo glühende
Hitze in fich Haben, daß er Alles, was im Meere mit ihm in Beräß-
rung fommt, verbrennt und jede Speife fogleich verbaut. Durch
welche Beobachtungen man dieß erfannt habe, dürfte ich nicht leicht
angeben können, auch möchte. ich das bei weitem merkwürdiger nennen,
was man täglich zu beobachten Gelegendeit hat.
) Bol. Kay. 30, $. 2, Kap. 74, 6.7.
*) Der Meerftern (asterias) hat inwendig fa nur @ingemweibe
und Gierflöde, Musfeln find nicht ſichtbar. Was übrigens
nr feinen oenſcheſuer hier geſagt wird, iſt alberne
—
Neunted Bud. 1125
"LXXXVU xy. Zu dem Muſchelgeſchlecht gehören auch die
Daktylen [Finger] , welche diefen Namen von ihrer Achnlichkeit mit
Den meufhlien Nägeln führen.) Sie haben die Gigenfchaft, daß
fle im Finftern , wenn man das Licht entfernt, felbft ala ſolches hell
glänzen, je nach der in ihnen befindlichen Feuchtigkeit im Munde der
fie Derfpeifenden leuchten und daß auf den Händen, ja fogar auf dem
Boden und auf den Kleidern die herabfallenden Tropfen leuchten, fo
"Daß ohne Zweifel feffteht, daß auch dem Safte jene Eigenſchaft beis
wohne, die wir fchon am Körper bewundern mußten.
LXXXVIII ax. 1. Es gibt and Wunberbinge fowohl von
Feindſchaften als von Eintracht; die Meeräfche**) und der Wolfs⸗
Bärfch "*) brennen von wechfelfeitigem Haſſe, ver Meeraal }) und die
Muräne 17) beißen einander die Schwänze ab; vor dem Arm⸗
kraken tr) Hat der- Heuſchreckenkrebs“7) eine ſolche Angſt. daß er
ſchon ſtirbt, wenn er ihn nur in der Nübe fleht; ben Heuſchrecken⸗
krebs fürchtet der Meeraal, dagegen zerfleifchen die Meeraale den
Armkraken. Nigidius bemerkt, daB der Wolfsbaͤrſch der Meeräfche
den Schwanz abnage und daß beide in gewiflen Monaten wieder einig
feyen, daß aber alle, denen die Schwänze fo verftümmelt würden,
*) Die Fingermuſcheln (vgl. aap. 51, 8. 6, wo ſie Vngues heißen)
leuchten wirklich im Dunfeln und zwar nicht nur, wenn fle ganz
find, fondern jedes Stüd, das man abſchneidet, und jeber Tro⸗
pfen, der ausfließt, leuchte.
»*) Mol. Kap. 9, 21, 26 und 67. 0
*9) Dal Rap. 24, 28 und 74. _
+) Bgl. Kap. 24 und 37.
11) Be. Kap. 14,35, 39, 74 und 79.
+7) Bol. Kay. 14 35, 37, 46 und 74.
*}) Bol. Kap. ? |
C. Plinius — 9, Bobn. 7
1126 C. Plinius Naturgefchiähte.
fortlebten. 2. Auf der andern Seite ſind (außer denjenigen, von
deren Zuſammenleben wir bereits geſprochen haben) der Wal und ber
Musculus”) Beiſpiele von Freundſchaft; wenn nämlich jenem durch
das allzugroße Gewicht ber Brauen die Augen zufallen, zeigt ihm
diefer voranfchwimmend die feiner Größe gefährlichen Untiefen und
verttitt ihm die Stelle ver Augen. — — Nun foll von den Cigen⸗
ſchaften der Bögel gefprochen werben.
*) Welchen Fifch Plinius unter diefer Benennung hier verficht,
dürfte um fo ſchwerer zu ermitteln feyn, da die neuere Natur⸗
geihichte von einem ſolchen Führer red Wales, w nach
anderen alten Naturforſchern (ogl. Aelian, Hist. animal. II, 13)
ein kleiner Fiſch feyn fol, nichts weiß und Plinius an andern
Stellen B.X, Kap. 62, $.3 und B. XXXII, 8.53, $.2) unter
Musculus einen Wal und zwar den Rorqual (Calaena Eoope),
welcher oft noch größer als ber gemeine Wal if, verficht. Eß
muß alfo bier eine bei ben alten Naturforfchern und befonders
Par Plinius nicht feltene Berwirrung der Nomenklatur flatts
nden. un
Drud ber J. B. Metz ler'ſchen Buchdruckerei in Stuttgart.
[X
Römifhe Proſaiker
| | in _ |
neuen Meberfegungen.
Herausgegeben
von
ER. v. Dfiander, Prälaten zu Stuttgart;
und Pe
G. Schwab, Ober⸗Confiſtorial⸗ und Studienrath zu Stuttgart.
! ' .
— —
Hundert acht und ſiebenzigſtes Bändgen.
x
Stuttgart,
Verlag der J. B. Metz le r'ſchen Buchhandlung.
1853, |
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Cajus Plinius Secundus
Naturgeſſchichte.
—
Ueberſetzt und erläutert
von
J
Dr. Ph. H. Külb,
Etadtbibliothekar zu Mainz.
8
Zehntes Bäaändchen.
Stuttgart,
Verlag der 3. B. Metz ler'ſchen Buchhandlung.
| 1853,
Plinius Secundus Raturgefchichte.
Zehntes Bud.
. Raturgefhihte der Bögel.
Inhalt.
Kap. I. Bon dem -Straufe. TI. Bon dem Phönir. IT.. Die
Arten ver Adler. IV. Beichaffenheit derſelben. V. Wann fie anfingem
Renionszeichen zu werden. VI. Won einen Adler, der fich auf. den
Scheiterhaufen einer Jungfrau ſtürzte. VII. Dom Geier. VII. Der
Vogel Sanqualis und der Jumuſſulus. IX. Die Habichte, der Busaar.
X. An welden Orten die Habichte und die Menſchen in Gemeinſchaft
Vogelfang treiben. XI. Welcher Vogel allein von feiner Art umge
bracht werde; welcher Vogel immer nur ein Ei lege. XI. Die Weihen.
xml. Eintheilung dee Vögel nach Arten. XIV. Bon ven Vögeln von
unglüdlicjer Vorbedentung. "Die KHrähen. In welchen Monaten fie
nicht von unglüflicher Vorbedeutung ſeyen. XV. Bon den Raben.
XV. Von dem Uhu. XVII. Vögel, vie jegt nicht mehr vorhanden
oder unbekannt find. XVIII. Welche mit dem Schwanze ‚uerfl aus⸗
friechen. XIX. Bon den Sumpfeulen. XX. Don dem. Marsfpecht.
XXL Bon den Vögeln, welche Frumme Klauen haben. XXI. Don
beuen, welche Zehen haben, Bon den Pfauen. XXIE Wer zuerſt
y
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132° €. Plintus Naturgeſchichte.
den Pfau tödtete, um ihn ale Speife zu verwenden, wer Abn flopfen
lehrte. XXIV. Von den Hähnen. XXV. Wie fie gefappt werben.
Bon einem fprechenden Hahne. XXVI. Die übrigen vom Gefchlechte
der Breitfüße. Bon der Gans. XXVI. Wer zuerft die Gänſeleber
einführte. XXVIII. Vom Commagenum. XXIX. Die Ghenalopeben
Fuchsgänſe], Cheneroten [Röffelenten], Birfhühner und Otis [Trappen].
Le Die Kraniche. XXXI. Bon den Störhen. XXXIL Bon ben
Schwänen. XXXIII. Bon den fremden Vögeln, welche aus der Berne
herbeikommen. Die Wachteln, die Pfuhlfchneppen, der Gartenammer,
sie Obreule. XXXIV. Die Schwalben. XXXV. Von unfern Vögeln,
welche fich entfernen und wohin fie geben; die Drofieln, die Amieln,
die Staare. Von den Vögeln, welche In ihrem Berftede bie Federn
verlieren; die Turteltaube, bie Ningeltaube. Der Flug der Staare und
der Echwalben. XXXVI. Welche Vögel das ganze Jahr da’ find, welche
ein halbes Jahr und welche ein Blerteljahr; die Goldammer und bie
Wiebhopfe. KXXVH. Die Memnoniven [Rampfhähne]. XXXVM.
. Die Melengriven [Perkhühner]). XXXIX. - Die Seleuciben [Rofen-
droffeln]. XL. Der Ibis. XLI Welche Vögel fih an beftimmten
Drten nicht finden. XLII. -Welche Farbe und Stimme ändern. Vom
Gefchlechte der .Singuögel.. XLII. Bon den Nachtigallen. XLIV.
Bon den Dielaneoryphus [Schwarzköpfen], Erithaeus | Schwanzichnels
lern] und Phönicurus ſRothſchwänzen). XLV. Die Denanthe [Bart-
meife] , der Ehlorio [die Goldamſel). [Die Amfeln; der Sbis.] XLVI.
Hedzeit ver Vögel. XLVN. Die Eisvögel; Tage verfelben, an denen
bag Meer Khifhar iſt. XLVIII. Andere aus dem Gefchlechte ver
Waſſervögel. XLIX. Gefchieklichfeit der Vögel im Nefterbasen.- Wun-
derbare Merke ver Schwalben. Die Uiferfihwalben: L. Die Acanthyllis
[der Diftelvogel]. LL Der Immenwolf. ‚Bon ven Felbhühnern. LIE
Bon den Tauben. LEI. Ihre wunderbaren Werke und ihre Preiſe.
LIV. Unterfchten tm Fluge und Gange dee Vögel. LV. Die Fußloſen
ober Lochſchwalben. LVI. Bon ver Nahrung ber Vögel. Die Geih-
melfer. Der Löffelreiher. . LVII. Von ben Naturtrieben ber Wögel.
‚Der Diftelfint, ver Stier, der Anthus. LVIII. Bon den nögeln, weilche
fprechen. Die Papageien. LIX. Die Geber. LXI. Ein Aufruhr des
römifchen Volkes wegen eines fprechenden Naben. LXI. Die diomedi-
ſchen Vogel. LXII. Welche Thiere nichts lernen. LXIII. Vom Trinfen
der Vögel. Vom Porphyrio. LXIV. Die Hämatopoden [Blutfäße].
LXV. Bon der Nahrung der Vögel. LXVI. Die Kropfgänfe. LXVI.
Don fremden Vögeln. “Die Phaleriden, die Faſanen, die Perlhühner.
LXVIIT. Die Slammbarte, die Hafelhühner, die Waflerraben, die Alpen⸗
ohlen. die Hafenfüße. LXIX. Von den nenen Vögeln. Die Bipient.-
| gehntes Bu. 4198
LXX. Bon fabelhaften Bögeln. LAXI Wer die Hühner $ mäften
Jehrte und welche Genforen dieß zuerſt verboten. LXXII. Wer zuerſt
Bogelhäufer einrichtete. Bon der Schüffel des” Aeſopus LXXIII. Die
Fortpflanzung der Vögel. Welche Thiege außer ven Vögeln Gier legen.
ILXXIV. Arten um Beichaffenheit der Eier. LXXV. Drängel der
DBrütenden. und Mittel dagegen. LIXVI. Vorherſagung einer Kaiferin
aus Eiern. LXXVIL Welche Hühner die beften find. LXXVIII. Ihre
Krankheiten und Heilmittel dagegen. LXXIX. [Wann und wie viel
Eier die Vögel legen.] Reiherarten. LXXX. Was Hundsfchwanzeier,
was-Windeier find, wie man am beften die Eier aufbewahrt. LXXXI.
Welcher von den Wögeln allein lebendige Junge gedient und mit Mildy
nähe. LXXXII. Welche von ben Lanpthieten Eier Iegen. Fortpflau⸗
um ber Schlangen. LXXXIH. Erzeugung aller Landthiere. LXXXIV.
Ihe Rage die Thiere im Miutterleibe haben. LXXXV. Welcher
Thiere Urforung noch ungewiß if. LXXXVI. Von den Erbmolchen.
LXXXVII Melche Thiere von nicht gegeugten Weſen entfteben, melde
girn werben, aber felbft nichts zeugen; welche Fein Geſchlecht haben.
XXXVIH. Bon ven Sinnen der Thiere; daß alle Gefühl und auch
Geſchmack haben; welche fich durch ihre Geſicht, durch ihren Geruch oder
durch ihr Gehör auszeichnen. Bon den Meaufmwürfen. Ob die Auftern
Gehör haben. LXXXIX. Welche Fifche am genauften hören. XC. Welche
Tische den beften Geruchsfinn haben, XCH Berfchievenheit der Thiere
in ber Nahrung, XCH. Welche von Giftkräutern leben, CXIII. welche
von Erde; welche durch. Hunger oder Durſt nicht umfommen. CXIV.
Bon dem Unterfchiede im Trinken. XCV. Welche Thiere mit einander
in Feindſchaft leben, daß es auch Freundfchaft unter den Ihieren gebe
und daß die Thiere Triebe haben. XCVI. Beifpiele von Zuneigung ber
Shlangen. CXVII. Vom Schlafe der Thiere. XCVII. Welche
men.
Summe aller Gegenſtände, Geſchichten und Bemerkungen: 794.
>
⸗
Quellen.
‚ [Rödmifche]: Manilius, Cornelins Valerianus, die Acten, Um⸗
brieius Melior, Maſſurins Sabinus, Antiſtius Laber, Trogus, Cremutius,
M. Varro, Macer Aemilins, Melifſus, Mucianus Nepos, Fabius Pil⸗
tor, T. Lucretius, Cornelius Celſus, Horatius, Deculo, Hoginus, die
Saſerna, Nigidius, Mamilins Sura.
13a C. Plinius Naturgeſchichte.
Fremde:? Homer, Phemonoe Philemoe, Boeus, welcher über bie
Fortpflaugung der Voͤgel, arlas, welcher über die Dogelbeutungen fchrieb,
Ariftoteles, Theophraftus, Callimachus, Aefchylus, der König Hiero, ver Kö⸗
nig Philometor, Archytas von Tarent, Amphilochus son Athen, Anaripolis
yon Thafus, Apollodorus von Lemnus, Ariftophanes von Miletns, An
tigonus von Eyme, Mgathociee vor Chios, Apollonius von Pergamum,
Ariftander von Athen, Bacchius von Miletus, Bion von Soli, Chäreas
von Athen, Diodorus von Priene, Div von Colophon, Demscritus, Dio⸗
phanes von Nicäãa, Epigenes von Rhodus, Enagones von Thafus, Eu⸗
rhronius von Athen, Suba, Androtion, welcher über ven Ackerbau ſchrieb,
efchrion veßgleichen, Lyſimachus deßgleichen, Dionyſius, welcher ver
Mago überfehte, Diophanes, welcher einen Auszug aus dem Dionyfins
machte, Nicander, Onefieritus, Phylarchus, Hefiodus.
iii
Bemerkungen über die in diefem Bude von
Plinius benügten oder angeführten Schrift
fteller.”
— Acten (Acta); vergl. die Bemerkungen zum zweiten and
fiebenten Buch. Ans viefer Tageschronif, welche faſt unſern foges
nannten Intelligenzblättern entſprochen zu haben fcheint, ift Die Nach⸗
richt (Kap: 2, $. 3) entnommen, da ein angeblicher Phönix zu Rom
gezeigt worden fey. ER . ’
— Aemilius Macer! Diefer didaktiſche Dichter, welcher
über Bögel, Schlangen und Kräuter fihrieb und im 3. 17 vor Ehe.
ftarb, wird nur in dem DVerzeichnifle der benuͤtzten Schriftfleller ange:
führt, ohne Bezeichnung der ihm entuommenen Bemerkungen.
*) Der Strich (—) vor einem Artikel deutet an, baß von dem
Schriftſteller ſchon bei einem der vorhergehenden Bücher bie
ee bie griechifchen Autoren find mit einem Sternen
etchnet.
*
Zehntes Bud. 1135
— Aeſchrion, ein griechifcher Schriftfteller, von dem nichts
sueiter befannt ift, ald daß er über ven Aderbau ſchrieb, auch wirb
Das ihm Eutlehnte an keiner Stelle naher bezeichnet. |
»Aeſchylu s, der befannte griechifche Tragoͤdiendichter, wel⸗
cher von 525 bis 456 vor Chr. lebte und nach einer auch von Plinius
(Rap.-3, $. 2) angeführten Sage durch eine Schildkröte, welche ein
Adler aus der Höhe auf feinen Kahlkopf herabfallo, ließ, getödtet
worben feyn foll, wird in dieſem Buche (Kap. 44) ald Gewaͤhrsmann
für die Bemerfung angerufen, daß der Wiebhopf feine Geſtalt ver⸗
ändere. Die betreffende Stelle des Dichters findet fich bei Ariftoteles-
(Hist. animal. IX, 49), aber ohne Bezeichnung der nicht mehr vors
Handenen Tragödie, der fle entnommen ifl.
— Agathocles von Ehios, ein griechifcher Schriftfteller,
veſſen nicht mehr vorhandenes Werk über die Landwirthſchaft im
Alterthume ſehr geſchätzt war, wird auch in dieſem Buche nur in
dem Quellenverzeichnifle ohne nähere Angabe des ihm Entnommenen
genamnt.
— Amphilochus von Athen, von welchem mit mehr zu
bemerfen ift als von dem vorhergehenden.
— Anaxipolis von Thafog, ein ebenfalls nur durch Barro,
Bolumella und Plinius dem Namen nach befannter griechifcher Shrift⸗
ſteller über bie Landwirthſchaft.
— * Androtion, ein griechiſcher Schriftſteller über Land⸗
wirthſchaft, welcher im Alterthume eines großen Rufes genoß von
deſſen Schriften aber nichts mehr vorhanden iſt, weßhalb wir auch
nicht beurtheilen Finnen, wie und wo ihn Plinius benuͤßte.
— Annalen; vgl. die Benierfungen zum zweiten Buch und
die Realencytiopäbie ber. Haffifchen Alterthumswiſſenſchaft (Stuttgart
1839, 8.), Bo. IL, ©. 485 f. Diefen Annalen ſind in diefem Buche
FE
1136 C. PBlinius Naturgeſchichte.
die Bemerknngen entlehnt, daß die Stadt gereinigt worden ſey, weil
ſich ein brandſtiftender Vogel oder ein Uhu habe ſehen laſſen (Kap. 17,
$. 1) und daß ein Hahn geſprochen habe (Kap. 25).
— * Antigonus von Eyme in Xeolis, ein nicht näher be⸗
kannter Schriftfteller über die Landwirthſchaft; die ihm entlehnten
Bewertungen lafien ſich nicht nachweiſen.
Antiftig@kader, f. Laber Antiftius.
— Apicins (vgl. die Bemerkungen zum neunten Buche), „unter
allen Praffern das größte Leckermaul,“ wie. Plinind (Kap. 68, 8. 9)
fagt; von ihm if an des erwähnten Stelle die Bemerkung, daß die
unge des Flammbarts von ganz vorzüglichem Geſchmacke fey.
— *Apollodorus von Lemnus, ein nicht näher befannter
Schriftſteller über Landwirthfchaft, welchen Plinius auch bei dieſem
Buche unter feinen Quellen nennt, ohne an ben Stellen, wo er ihn
benüpte, auf Ihn hinzudeuten.
— Apollonius von Pergamum, ein griechiſcher Arzt, wel⸗
her über bie Heilfräfte der Kräuter und über den Landbau (vergl.
Barro, de re rust.],1,8) fchrieb; dad letztere Werk benüste Plinius
wahrfcheinlich in diefem Bude, obfchon er das ihm Entlehnte nit
näher bezeichnet.
— Archytas von Tareni. Welche Stellen in dem vors
liegendem Buche biefem Herühmten Schriftſteller und Feldherrn zu
verbanfen find, läßt ſich nicht angeben ‚ ba jede nähere Vezeich⸗
nung fehlt. |
— *Ariftander von Athen, von welchem nichts weiter be⸗
kannt iſt, als daß ex über Landwirthſchaft ſchrieb; Plinius benützt ihn
/ Än mehreren Büchern, ohne ihn jedoch bei den einzelnen Bemerfungen,
bie er feinen Schriften entnimmt, zu nennen.
— * Ariſtophanes von Miletus (ober vielmehr aus Rallus
’
Zehntes Buh. . = 4197
in Eilleien, vgl. Varro de ro rust. I, 1,8), ein nicht näher befannter
Schriftſteller, der über den Ackerbau fehrieb (Bchol. ad Theooriti
Ydyll. 1, 48). Plinius, welcher die Bemerkungen, die er ihm vers
Danft, nicht näher bezeichnet, ſcheint fih in der Angabe feines Bater«
Landes geirrt zu haben.
— * Ariſtoteles. Seine Naturgeſchichte der Thiere muß
auch bei dieſem Buche als die Hanptquelle betrachtet werben, obgleich .
Plinius ihn nur felten nennt; dieß gefchieht bei den Berufungen auf
feine Gewährfchaft, daß die Raben ebenfowenig mit dem Schnabel
Iegen ober ſich begatten, wie ber Ibis in Aegypten (Kap. 15, $. 2,
vgl. De generat. animal. III, 6), daß bie Cidechſen nicht mit dem
Manule legen (Kap. 85, $. 2, vgl. Hist. Animal. V, 4)-unb über bie
Kortpflanzumg der Mäufe (Kap. 85, $. 1, vgl. Mist. An. VI, 37).
Außerdem aber laſſen fih die von Ariflofeles geborgten Bemerfungen
faft bei jevem Kapitel nachweilen, fo über die Adler (Rap. 3, 4, vgl.
H. A. IX, 32, 41, 45. VI, 6), über die Geier (Kap. 7, vgl. H. A.
VI, 6. IX,'15), über den Habicht (Kap. 9, vgl. H. A. IX, 22, 47),
über den Guckguck (Kap. 11, vgl. H. A. VI, 6. IX, 37, 75), über
die Raben (Rap. 15, vgl. H. A. IX, 40), über den Ktanich (Kap. 30,
vgl. H. A. IX, 14), über den Eisvogel (Kap. 47, vgl. H. A. V, 9.
VIII, 7. IX, 21), über vie Feldhühner (Kay. 51, vgl. H. A. V, 5.
VI, 3. IX, 12), über die Eier (Rap. 74, vgl. H. A. VI, 1-4), über
das Legen und Brüten ver Vögel (Kap. 79, vgl. H. A. VI, 2,5—7),
‘
x
über die Windeier (Kap. 80, vgl. H. A. VL, 2) u. ſ. w. Die Stelle -
über die Kreuzung und Entartung der Adler (Kap. 3, $. 6) ift dem
Buche de mirab. auscult. (c. 61), welches: gewöhnlich Ariftoteles zus
gefchrieben wirb, enfnommen,
— Attalus LII. Philometor, König von Pergamus (138
bie 183 vor Chr.), fein Werk über Gärtnerei wurde in,biefem Buche:
1138 _ 6. Plinius Naturgeſchichte.
benũtzt, hoch ſind bie ihm entnommenen Bemerfungen nicht näher be⸗
zeichnet,
— Bacchius von Miletus, einer ber vielen von Plinius
nur dem Namen nach angeführten nicht näher befannten Schriftieller,
welche über Landbau fehrieben.
— *Bion von Soli, ein ‚Hiftorifer, welcher au über bie
Raturwiffenichaften und den Landbau (vgl. Varro de re rust. I, 1)
fegrieb. Welches feiner Werke Plinius in diefem Buche benükte,
laͤßt ſich nicht ermitteln. Ueberhaupt möchte es faft fcheinen, als habe
er bie vielen in dem Quellenverzeichniſſe genannten Schriftfteller über
Landwirthfchaft nicht alle felbft vor Augen gehabt, fonbern nur in
for fern benüßt, als der von ihnen behandelte Stoff in Varro's Werk
von der Landwirthſchaft überging, wo man am Anfang alle dieſe
griechifchen Autoren aufgezählt findet. |
Boeus, ein griechifcher Schriftfiellen, über deſſen Vaterſtadt
und Lebenszeit wir nichts wiſſen. Er ſchrieb ein von andern alten
Autoren öfter angefuͤhrtes und geruͤhmtes Lehrgedicht über bie Fort⸗
pflanzung der Voͤgel (opvı3oyorıak, Athenaei Deipnosoph. 1. IX,
p. 393, Antonii Liberalis Metamorph. 3, 7, 11). Plinius entlehnt
ihm in diefem Buche (Rap. 3, $.2) eine Bemerkung über eine
Adlerart.
— Callima Su 8. An welchen Stellen dieſes Buches sie
Werke diefes fruchtbaren Dichters und Hiſtorilers als Quelle dienen,
laͤßt ſich nicht beſtimmen.
Calvinus Egnatius, ſ. Eanatins Calbinus.
Caſſius Dionyſtus, ſ. Dionyfius Caſſtus.
Eelfus Cornelius, ſ. Cornelius Celſus.
Chäreas von Athen, ein in dieſem Buche benützter ober
“Mit nur im Ouellenderzeichniſe genannter Schriftſteller, von
Zehntes Buch. 1139
welchem wir nichts weiter wiſſen, als daß er über Landwirthſchaft
ſchrieb (vgl. Barro de re rust. I, 1). "
— Cordus Eremutius Aus feiner Gefchichte bed römis
ſchen Staates nimmt Plinius in diefem Buche (Kap. 37) die Bemer⸗
fung, daß gewifle Bögel alle fünf Jahre in Aethiopien bei der Sof
Burg des Memnon fümpfen..
— Cornelius Celſus. Die ihm entlehnte Bemerkung
. (Kay. 74, 8. 6), daß die Hühner zuweilen Zwillinge ausbrüten, findet
ſich nicht in den noch vorhandenen Büchern (613) des encyklopaͤdi⸗
schen Werfes de artibus biefes berühmten römifchen Arztes und fland
wohl in den fünf. erfien Büchern, welche won ber Landwirthſchaft
handelten.
— Cornelius Nepos. Seinen Schriften ſind in dieſem
Buche die Bemerkungen über das Mäften der Drofleln und daß man
die Störihe ben Kranichen zum Effen vorzog, entuommen (Rap. ‚30,
$. 3).
— Eorneliud Valerianus. Aus den naturhiſtoriſchen
Werken dieſes nicht näher bekannten Schriftſtellers iſt die Bemer⸗
kung (Rap. 2, $. 3). über bie Berfüngungöperiobe des Pointe ge
nommen. - _
Cremutius, f. Cordus Cremutius.
Deculo, ein Kunſtkenner (vgl. B. XXXV, Kap. 36, 5) und
vielleicht auch Hiſtoriker, wie es ſcheint, aus der Zeit des Tiberius.
Der Name kommt ſonſt nirgends vor, ſteht aber in den beſten Hand⸗
ſchriften. Die gewoͤhnliche Lesart iſt Decius Eruleo, Harduin und
nach ihm Chr. G. Heyne (Sammlung antiquariſcher Aufſaͤtze, Leipz.
4778, 8, II, 99) halten die Verbeſſerung Decimus Aeuleo für rath⸗
ſam; aber auch dieſe Namen finden ſich fonſt nirgends,
— Demoecritus. Den naturwiſſenſchaftlichen Schriften
1140 C. Plinius Naturgeſchichte
dieſes Philoſophen, von denen keine anf uniere Zeit gefommen if,
wird (Kay. 70, $. 2) das alberne Mährchen von Leuten, melde bie
Sprache ver Bögel verfiehen, entlehnt.
* Dino, „ber Bater bes gefeierten Schrififiellers Clitarchus
(Kap. 70, 6. 1), ein Zeitgenoſſe Philippe vor Macebonien, ſchrieb
eine perflfche Geſchichte (Hepoınz, vgl. Diogened Laertius IX, 50,
Gicero de divin. I, 23) in mehreren Abtheilungen, von denen die erſte
aus minbeßens 5 Büchern befand (Athen. Deipnosoph. X111, 9.808),
von welcher fich aber nichts erhalten bat. Wan rühmt feine Grün:
lichkeit und Glaubwürdigkeit, Eigenfchaften, die wenigſtens durch die
ihm von Plinins (Rap. 70, $. 1) entlehnte Bemerfung ‚ baß bie
Sirenen wirkliche, i in Indien vorhandene Voͤgel ſeyen, nicht beftätigt
werden.
— Diodorns von Priene, welcher über Landwirthſchaft
ſchrieb⸗ wird auch bei dieſem Buche i in dem Quellenverzeichniſſe nur
genannt.
Dioun von Colophon ‚ ein nicht näher befannter Schrift⸗
ſteller, von weichem wir nur wiflen, vaß er über den Landban ſchrieb
(Varro de re rust. 1,1, 8). Plinius benũtzt ihn in mehreren Büchern,
führt ihn aber bei feiner einzigen Stelle ausdrücklich an.
— *'Dionyfins Caffius aus Utice, ein nicht näher be⸗
kannter Schriftfieller des legten Jahrhunderts vor Chr., welder das
Werk des Karthagers Mago über die Landwirthſchaft aus ber punis
hen Sprache in die griechifche überſetzte, aber dabei auch abfürzte.
— !Diophanes von. Nicka, vielleicht ein Zeitgeneffe Ci⸗
cero's, brachte bie Neberſetzung des Dionyflus Cafflus in einen Aus⸗
zug von ſechs Büchern. Plinius nennt ihn in dem Quellenverzeich⸗
niffe zu dieſem Buche zweimal. . Weber. das vollfländige Wert, noch
ber Auszug Hat fich erhalten.
Zehntes Buch. 4141
— Disciplin (Hetrusciſche), vgl. bie Bemerkungeh zum
zweiten Buche. In den Schriften der Hetruscifchen Disciplin waren,
wie Plinius (Kap. 17, $. 2) fagt, die Vogelarten, die zur Wahr⸗
ſagung dienten, abgebildet (depiota); man hat dieß gewiß in eigent⸗
lichen Sinne des Wortes zu nehmen, wie auch K. O. Müller, („die
Etrusker“ (Berlin 1828, 8), Bb. II, ©. 30 behauptet.
G@culeo, Decinß, f. Deculo.
Bognatins Calvinue, M., in der erfien Zeit bes Kaiſer⸗
reiche Bräfekt in den Alpen (pnaefectus Alpium), fehrieb auch, wie
es ſcheint, ein Werl über biefe Gegend, worin er, wie es in dieſem
Bache (Kap. 68, 8. 2) Heißt, berichtet, daß er in den Alpen ben in
Aegypten einheimifchen Ibis geichen habe.
Epigenes aus Rhodus, ein nicht näher bekannter Schrift
ſteller über Landwirthſchaft (Varro de re rast, I, 1, 8), welcher von
dem Aſtronoinen Epigenes ans Rhodus (vgl. die Bemerkungen zum
zweiten und fliebenten Buche) verfchieden zu feyn ſcheint.
— Cuagoras von Thafus, ein Schriftfleller über Lands
wirtäfthaft, von welchem wir ebenfoiwenig wiſſen.
— *Euphronind von Athen, von weldgem ebenfalls nichts
weiter zu fagen ift, als daß er über Landwirthſchaft ſchrieb.
Fabins Pictor, Quintus, ber ältefte unter den roͤmi⸗
ſchen Hifloritem (Livius I, 44, 55. IL, 40), diente im gaflifchen
Kriege (225 vor Ehr.) und flarb wahrſcheinlich um das J. 167 vor
Chr. Seine in griedifcher Sprache (Dionys. Halicarn. Ant. rom.
1, 6) gefchriebene roͤmiſche Befchichte begann mit der Ankunft des
Aeneas auf italifchem Boden und reichte bis auf feine Seit, welche
wohl ausführlicher behandelt war. Die jebt noch vorhandenen
und am beflen von E, Baumgart (De Q. Fabio Pietore, antiquiss.
Rom. hist, Wretislav. 1842, 8) gefammelten Fragmente find zu
6
1142 C. Plinius Naturgeſchichte.
unbedeutend, als daß ſich ein richtiges Urtheil über den Werth dieſes
Geſchichtwerkes darauf gründen ließe. Plinius führt es (Kap. 34, 6.2)
umter dem Titel Annales an und entlehnt ihm bie Nachricht, daß ber
Berfafler deſſelben einer belagerten römifchen Befagung durch Knoten
. in einem au den Juß einer Schwalbe gebundenen Faden den Tag des
Entſatzes angezeigt habe.
FigulusMigibius, f. Nigivius Figulas. |
— Heſiodus. Seinem Gedichte „Werke und Tage“ (586)
iſt bie e Bemerkung (Kap. 83, & 1) entlehnt, daß Die Männer im
Winter, die Weiber aber im Sommer mehr zu Wolluſt geneigt ſeyen
— *Hiero Il, König von Sicilien (289 — 215 vor Ehr.),
wandte dem Aderbau, der Hauptquelle des Reichthums ber von ihm
beberrfchten Infel, große Aufmerffamfeit zu und verfaßte mehrer:
- Schriften über Landwirthſchaft. Plinius nennt ihn in dem Quellen⸗
verzeichniſſe zu dieſem Buche, ohne bei irgend einer Stelle näber auf
ihn hinzudeuten.
—Homer. 86 wird in biefem Bude bemerkt, daß der
Morphnos (dunfelbraune Adler) bei Homer auch Berfnos (ſchwarz⸗
gefleckt) Heiße (Kap. 8, $. 1, vgl. Il. XXIV, 316) und daß Bei ihm
die Bögel, welche man Scopen (Spötter) nennt, vorfommen (Kay.
70, $.'2, vgl. Odyſſ V, 66).
Horatins Flaccus, Duintus. Plinius nennt dieſen
berühmteften aller römischen Lyrifer, über welchen wir hier nichts
weiter zu fagen brauchen, in feinem ganzen Werke nur einmal bei
ber Bemerkung ‚. daß bie Iänglichen Gier einen feineren Geſchmack
Haben (Kap. 74, $. 2, vgl. Satyr. IL, -4, 12 f.), ald feinen Ge
währsmann. !
— Hyginus, C. Inline Diefer berühmte Grammatiker |
ans ber Zeit des Auguſtus ſchrieb auch. über Landwirthſchaft (Tolu⸗
gehntet Buch. 1143
| mella I, 1, 13. IX, 2, 1 und 13, 8) und auf tee Werk fcheint in
dieſem Buche Rückſicht genommen zu ſeyn.
—Hylas, ein ſonſt völlig unbekannter Schriftflefler, der über
Bogeldeutungen fehrieb und zwar, wie Plinius (Say. 18) fagt, am
gründlichften. Plinius führt von ihm an ber erwähnten Stelle die
unfinnige Behauptung an, daß manche Bögel mit dem Schwanze zus
erit ang dem, Ei Friechen.
— Juba (vgl. die Bemerkungen zum fünften Buche). Welcher
feiner zahlreichen Schriften in biefem Buche (Kap. 61, $. 1) die Bes“
merfung über die biomedifchen Vohet: entnommen iR, dürfte nicht leicht
zu beſtimmen ſeyn.
Laber Antiſtius, Q., ein berühmter roͤmiſcher Mechtoge⸗
lehrter und Schriftſteller aus der Zeit des Auguſtus, welcher es zur
Praͤtur brachte, aber die ihm angetragene Conſulwurde ausſchlug.
&r lebte abwechſelnd ſechs Monate in Rom, wo er feine Geſchaͤfte
beforgte, und ſechs Monate auf dem Lande, wo er ſich bloß mit wiſſen⸗
ſchaftlichen Arbeiten befaßte. Von feinen vielen Schriften, deren
Zahl ſich ſogar auf vierhundert belaufen haben ſoll, ſind nur noch
Fragmente in den Digeſten vorhanden, Auch die Vogeldeutungen
fcheinen Gegenfiand ſeiner Forſchungen geweſen zn ſeyn, denn Plinius
(Kap. 17, 8. 2) ſagt, daß Laber den Vogel Clivia den, Verhinderer
nenne.
— Licinius Mucianus. Die Stellen, wo die Schriflen
dieſes berühmter Staatsmannes und Geſchichtforſchers benägt wur⸗
den, find nicht bezeichnet.
Zucretius Carus, Titns, der berühmte philoſoephiſch
didaktiſche roͤmiſche Dichter, welcher in bem legten Jahrhundert vor
Chr. (95—51) blühte, über deſſen Lebensverhältniſſe aber faft nur
Sabelhaftes bekannt if, Sein noch vorhandenes Geditt uvon der
G. Blintus Maturgeſch. 10. Bochn.
S
⸗
1144 | C. Plinius Naturgeſchichte.
Natur der Dinge“ hatte Plinius vor ſich, bezeichnet aber die von ihm
berädfichtigten Stellen nicht näher. Hierher [gehört vielleicht bie
Bemerkung (Kap. 62), daß die Gemfen und Krähen von Giftfräutern
fett werben (vgl. de nat. rer. IV, 642).
— Lyſimachus, ein Schriftfleller, von welchem wir nichts
weiter wiflen, als daß er über Landwirthfchaft fchrieb; daß ver Bota-
nifer Lyſimachus (B. XXV, Kap. 35). eine und diefelbe Perſon mit
ihm if, wie Manche glauben, dürfte nicht leicht zu beweifen feyn.
Macer Memilius, |. Aemilius Macer.
Mago, f. Divnyfius Caſſins.
— Mamilius Sura, ein nicht näher befannter Säriftfele
über Landwirthſchaft, über deſſen Namen man nicht einmal gewiß iR,
vielleicht iſt es verfelbe, welcher bei Duintilian (Instit. or. VL, 3,54.
xı, 3, 126) Mallins Sura Heißt.
Manilins, ein Senator und gelehrter Hiſtoriker, welcher
wahrſcheinlich zu Anfang des erſten Jahrhunderts vor Chr. lebte; ob
er eine und diefelbe Perfon mit dem Senator T. Manilius ift, wels
cher in dem Prozefle des Schaufpielers Roscius ald Zeuge auftrat
(Eicero, pro Roscio Com, 14, 43 ff.), fo wie mit demjenigen, wel:
cher Inhaltöverzeichnifie über die Luftfpiele des Plautus anfertigte
(Gellius, N. X. IN, 3), Laßt ſich nicht mit Deftimmtheit begaupten.
(Bgl. A. Kraufe Vitae et Fragmenta veterum historicorum Roma-
norum, Berolin. 1833, 8., p. 297 sq.) Plinius entlehnt ihm (Kap. 2)
einige Bemerkungen über ben Tod und bie Miedererzeugung bed
Vogels Phönix und die damit in Verbindung flehende Phönixperiode.
— Haffurius Sabinns Aus welcher Schrift diefes an⸗
gefehenen Rechtsgelehrten in biefem Buche (Ray. 9) die Bemerfung
über die nicht näher befannten Vögel Sanqualis und Immuſſulus
enbinmen iſt duͤrfte ſich nicht leicht beſtimmen laſen.
4
I Zehntes Buch. 1145
Melior Umbriciug, ſ. Umbricius Melior.
— Meliffus (vgl. die Bemerkungen zum ſiebenten Buche),
Die Stellen, an welchen er in biefem Buche berůcſchtigt wurde, ſind
nicht naͤher bezeichnet.
Mucianus Licinius, ſ. Licinius Mucianus.
Nepos Cornelius, ſ. Fornelius Nepos.
— Nicander. Plinius nennt ihn nur im Onellenverzeich-
niſſe, ohne in diefem Buche ſelbſt anzugeben, wo er ihn benützte.
— Nigidius Figulus Den Schriften dieſes berühmten
Naturforſchers und Philofopken find einige Bemerfungen über den
Vogel Subis, welcher die Bier des Adlers zerbricht (Kap. 17, 8. 2),
über die Sampfeulen (Ray. 19) und über bie Ringeltaube (Kap. 62,
$..4) entlehnt.
— *"Dneficritud. Nur im Quellenverzeichniſſe aufgeführt:
wahrſcheinlich iſi ihm irgend eine Bemerkung über bie Naturgeſchichte
Indiens entnommen. |
Pictor Fabius, f. Fabius Pictor.
"Bhemonve, „Apollo’8 Toter genannt“ (Kap. 3, 6 2)
und beflen erſte Priefterin zu Delphi, foll den Herameter erfunden
haben (Paufanias X, 5) und ſchrieb eine Abhandlung über die Zucht
der Bögel (opveosogıoy), welcher in dieſem Buche einige Worte über
die Eigenfchaften einer Adlerart (Kap, 3, $. 2) und über die. Vorbe⸗
beutungen durch den Habicht (Kap. 9, $. 1) entlehnt find. '
— Philemon (vgl. die Bemerkungen zum vierten Buche).
Er wird nur im Quellenverzeichnifie angeführt und es laͤßt ſich
nicht beſtimmen, an welcher Stelle viefes Buches Plinins Ruaſcht
“auf ihn nahm. |
— Bbilometor,f. Attalns, ne
’ 3 hilarchus sl. die Bemerkungen zum fiebenten Bude).
y . 2 ®
.
J
1146 GC6C.. Plinius Naturgeſchichte.
Ihm entlehnt Plinius in dieſem Buche eine wunderbare Geſchichte
von einer Viper (Kap. 96) und wohl auch die Erzaͤblung (Rap. 6)
: 9on einem Mbler, der ſich auf den Scheiterhaufen einer Sungfran
ftürgte, denn Tzetzes, welcher (Chiliad. IV, hist. 134 v. 288) dieſelbe
Geſchichte mittheilt, nennt ven Phylarchus als feine Duche.
Sabinus Mafurius, ſ. Mafurius Sabinus,
Saferna, Bater und Sohn, fchrieben beide über Landwirth⸗
ſchaft (Barro de re rust. I, 2) und lebten im zweiten Jahrhundert
vor Chr. Man weiß von ihnen nichts weiter, als daß ihre Arbeiten
in großem Anfehen fanden und ven ben ſpaͤteren Schriftſtellern in
dieſem Fache fleißig benuͤtzt wurden.
Sura,f. Mamilius Sura. \
— Theophraſtus. Plinius benützt die Werke dieſes Natur⸗
forſchers ſehr fleißig, nennt ihn aber ein einziges Mal bei ver Be
. merfung (Kap. 41, $. 4)-über die Voͤgel, welche in Aſien einge⸗
führt ſind.
— Trebin 8 Ni 8 er. Rlinius nennt diefen Raturforfcher,
von welchem ſchon bei dem vorhergehenden Buche geſprochen wurde.
in dem Quellenverzeichniſſe zu dieſem nicht, entlehnt ihm aber eine
einfaͤltige Bemerkung (Kap. 20, $. 1) über bie Spechte.
— Trogus Pomp ejus. Seiner Naturgeſchichte erzaͤhlt
Plinius in dieſem Buche (Kap. 51, 8. 3) nach, daß ſich die Maͤnuchen
der Feldhühner und Wachteln und die Hähne einander felbft treten.
Umbricius Melior, einrömifcher Sarusper, welchen Blinius
ben erfahrenfien Zeichendenter feiner Zeit nennt und dem er eine alberne
Bemerfung (Kap. 7) über die Beier entlehnt. Ob es derfelbe Ha⸗
rusper iſt/ welcher dem Kaiſer Galba ſeinen nahen Tod vorausfagte
acitus Hist. I, 27) un® welchen O. Müller (Etrusker II. 14) für
mn Eiruöfer Bält, Tapt ns nicht ermitteln:
-
Zehntes Bud. 1147
PBalerianne Cornelius, f. Cornelius Balerianns.
Barro, Marcus Terentius. Plinins benüpt in biefem
Bude vielfach deffen Werl über die Landwirihfchaft, vennt aber dem
Berfaffer nur eiimal (Kap. 53), wo von dem hohen Preifeder Tauben
bie. Rede ift, ald Gewährsmann (de re rust. II, 7), doch laſſen ſich
auch andere benüßte Stellen nachweifen,, fo über die Bebrütung der
Hühnereier (Kap. 75; vgl. de re rust. III, 9) und über das Brüten
der Sänfe (Kap. 79, $. 4, 5; vgl. de re rust. IM, 10).
Ä
La) .1. 68 folgt nun die Naturgefchichte der Vögel, unter
denen bie afrifanifchen oder vielmehr äthiopifchen*) Strauße; welche
die größten und faft zu den Säugethieren zu zählen find, **) einen zw
Pferd fipenden Reiter an Höhe überragen und an Schnelligfeit über⸗
treffen; die Bebern find wohl nur eine Zugabe, um fle beim Laufen zu
unterflüßen; übrigens find fie fein eigentliches Geflügel und erheben
ſich auch nicht von dem Boden. 2. Ihre wie bei dem Hirſche geftals
teten Klauen, womit fie kaͤmpfen, find gefpalten und ihnen zum Er⸗
greifen der Steine dienlich, die fle auf der Flucht mit den Füßen gegen
ihre Berfolger ſchleudern. Ihre Cigenſchaft, alles ohne Unterfchieb
*):Der Strauß (struthio camelus) findet fi nicht an der Nords
küſte von Afrifa (dem eigentlichen römifchen Afrifa), fondern
nur weiter nah bem Innern im wilden Zuftande, deßhalb er:
- Härt fih Plinius genauer.
») Diefe Bemerfung ift richtig, denn der Strauß nähert ſich wirk⸗
li in Manchem, was aber hier nicht weiter aufgeführt werden
kann, dem Säugethiere. ' oo
1148 C. Plinius Naturgeſchichie.
Verſchlungene zu verbauen, ) iſt wunderbar, nicht weniger aber ihre
Dummheit, indem ſie bei einer ſolchen Hoͤhe ihres übrigen Koͤrpers
ſich ſchon für verſteckt halten, wenn ſie nur ben Hals im Geſtraͤuche
verborgen haben. Der Hauptgewinn von ihnen find die Gier, welche
man ihres Umfanged wegen zu manchen Gefäßen verweubet, **)
und die Federn, womit man die Kriegehelme und Bidelhauben
ſchmuͤckt.
II cm. 1. Die Aethiopen und Inder haben meiſt verſchieden⸗
farbige und unbeſchreibbare Vogel und Arabien den vor allen be
rühmten Phönix, der — ob ‚nur nach der Sage, weiß ich nicht —
einzig auf der ganzen Erde und nicht oft gefehen worden ifl. Er Hat,
wie man erzählt, die Größe des Adlers, einen Goldſchimmer um ben
Hals, ift fonft purpurfarben, rofenrothe Federn zeichnen den bläulichen
Schwanz, Kämme die Kehle aus und ein Flaumbuſch ſchmückt dem
Kopf.) Bon den Römern berichtet zuerfi und am fleißigfien Das
nilius, jener ohne Hülfe eines Lehrers durch überaus große Belehr=
famfeit auögezeichnete Nathöherr, von ihm: noch Niemand habe ihn
freſſen fehen, in Arabien ſey er der Sonne geheiligt, er lebe fünf-
*) Die Strauße verfchlingen, was ‚ihnen vorfommt, Gifen,
Steine, Glas, verbauen diefe unverbaulichen Gegenftände
aber keineswegs. |
*) Kin Straußenei enthält fo viel als dreißig Hühnereie und
bietet eine fehr wohlſchmeckende und nahrhafte Speife.
*#) Vergleicht man diefe Befchreibung mit der Herodots (II, 73),
fo kann man nicht Yeicht auf einen andern Vogel fchließen.. als
auf ven Boldfafan (Phasianus piotus), deſſen Vaterland China
if. — Der Name Phonix ſoll übrigens nichts weiter ſeyn als
das Agyptifche Pi⸗Gnech oder Fenech (Zeit, Zeitalter). "
n:
J
Zehntes Buch. 1149
Hundert und vierzig Jahre, *) baue, wenn er allere,. aus Zweiglein
von Mutterzimmet*’) und Weihraud ein Neft,-fülle e8 mit Wohlges
rüchen und flerbe auf demſelben; 2. aus feinen Knochen und aus feinem
Marke entftehe zuerſt eine Art Würmchen, daraus werde dann einjuns
ger Vogel; diefer erweife vor Allem feinem Vorgänger bie gebührende
letzte Ehre, trage das ganze Neft bei Panchaia in die Sonnenftabt “)
und lege es daſelbſt auf dem Altare nieder. Derfelbe Manilius bes
richtet, daß mit dem Leben diefes Vogel auch die Ummwälzung des
‚großen Jahres) flattfinde und biefelben Bedeutungen der Zeitab⸗
fchnitte und Geſtirne wieder zutüdfehren; 3. daß dieß aber an dem.
Tage, an welchem die Sonne in das Zeichen des Widder trete, um
*) Diefe Zahl Haben die meiſten Handfehriften, andere haben 511
und 560; da man über die Phoͤnixveriode nicht im Klaren ift,
| 4 —* ſich ſchwer beſtimmen laſſen, welche Saht, die rid⸗
ige i
**) Casia, vgl. B. XII, Rap. 43. |
"+, Heliopolis in Unterägypten an ber Grenzen von Arabien und
an dem Theile dieſes Landes, welcher Panchaia (Sandwüſte)
heißt. Die Stadt, von welcher man jetzt noch Ruinen bei
dem Dorfe Matarah findet, war als. Sig des ägyptifchen Sons
nenbienftes berühmt.
+) Ueber die Dauer giefed großen Jahres uber der Bhönirperiode,
welche jebenfalls ein Symbol eines großen Zeitkreifes, der mit
dem Laufe der Sonne in irgend einem Zufammenbange fand, *
ſeyn foll, iſt man nicht einig, obſchon Herodot (II, 73) fle nach
ber von ihm felbft in Heliopolis eingezogenen Erfundigung zır
fünfhundert Jahren anfebt und Tacitus (Jahrb. VI, 28) mit
ihm übereinftimmnt. ine Zufammenftellung der verfchiedenen
Anfichten. findet man in 2. Ideler's Handbuch der mathema⸗
| ülden und technifchen Chronologie (Berlin 1825, 8.) Bd. I,
.183—191. .
4
1150° E. Plintus Naturgeſchichte.
Mittag beginne und daß das Jahr, in welchem er unter dem Conſu⸗
late des P. Licinius und des En. Cornelius [97 vor Ehr.] ſchrieb,
das zweihundertundfünfzehnte dieſer Umwälzung gewefen fey. Cor⸗
nelius Balerianus berichtet, daß der Phoͤnix unter dem Confulate des
D. Plautius und des Ser. Bapintus [36 nach Ehr.] nad; Aegypten
geflogen fey. Es wurde auch einer im Sabre 800 ber Gtabf [47
nach Ehr.], während der Jürſt Claudius dad Cenforamt befleivete,
in die Stadt gebracht und auf dem Berfammlungsplage *) ausgeftellt,
wie die Acten bezeugen, „Niemand zweifelte. aber, daß es ein fal⸗
fer war.
IH cam. 1. Bon den Vögeln, welche wir fennen, bat ber Adler
das gröftte Anfehen und auch die größte Kraft. Es gibt ſechs Ar
ten: *”) der Melanaetos [Schwarzatler] , wie er bei den Griechen
heißt, auch Baleria [ver Starke] genannt, ***) ift der am wenigfien
- große, der vorzüalichfte an Kräften und von ſchwaͤrzlicher Farbe; allein Ä
von den Adlern füttert er feine Brut auf, während bie übrigen, wie
*) Comitium, ein Platz zwifchen dem Forum und der Curia, für
- bie Bolfsverfammlungen beftinmt.
**) Nach der nicht hinlänglich genauen Beichreibung des Ariflo=
teled (Hist. Animal. IX, 32) und veggihn benügenden Plinius
u laffen fich die hier namhaft gemachten Aolerarten um fo weniger
mit Zuyerläßigfeit beflimmen, als die Naturforſcher erfl in der
neueren Seit die Entdeckung gemacht haben, daß bie Adler mit
bem Alter die Farbe ändern und. daß man befhalb eine und
dieſelbe Zettung faͤlſchlich für verſchiedene Battungen ge⸗
halten hat.
— Wahrſcheinlich ber Entenadler (falco naevius, Aquila ana-
| Bee welcher um ein Dritttheil kleiner iſt als der Stein-
er, — . j
%
[\
m nm
Zehntes Bud... 1158
wir bemerken werben, *) fle fortfcheuchen ; er allein laͤßt fein Geſchrei,
fein Gemurmel hören und Hält ſich in den Gebirgen auf. Die zweite
Art, der Pygargus [Weißfteip],**) haust in den Städten und auf
den Felder und hat einen weißlichen Schwanz. Die dritte Art, der -
Morphnos [dunfelbraune], welcher bei Homerus***) auch Percnos
Iſchwarzgefleckt), bei Cinigen auch Plancus [Plattfuß] und Enten»
flößer. beißt, ſteht zunächſt an Größe und Kraft und Iebt in der Um⸗
gegend von Seen. 2. Phemonoe, Apollo's Tochter genannt, bes
richtet: er habe Zähne, fey jedoch ſtumm und entbehre der Zunge;
auf fey er der fchwärzefte der Adler und fein Schwanz mehr. hervor-
zagend; damit flimmt auch Boeus überein. Ihm wohnt der Naturs
"trieb bei, die geraubten Schildkroͤten dadurch, daß er fle aus der Höhe
herabwirft, zu zerbrechen, und ein folcher Iufalk tödtete den Dichter
Aeſchylus, während er einem ihm (wie man 'fagt) von, dem Schickſale
auf benfelben Tag vorausverfünbeten Einſturze im ficheren Vertrauen
auf den Himmel ausweichen wollte. }) 3. Sur vierten Art gehört ber
Perenopterus [Schwarzfchedfittig], auch Dripelargug [Bergftorch]
genannt; ft) er-ift geierartig, mit fehr Heinen Flügeln, obgleich fonft
durch Groͤße hervorragend, aber feig und entartet, ſo daß ihn der
Rabe Ichlägt, auch kenntlich an feiner ftetd nüchternen Freßgier und
*) Ray. 4,$. 2
%) Wahrfcheinlich iſt hier die Gattung der Waſſeradler (Haliastos)
- überhaupt gemeint.
ee) SL. XXIV, 316,
: 7) Daburh daß er unter freien Simmel ging. Der Adler hielt
den Kahlfopf des Dichters für einen Stein. Vergl. Aelian
Hist. anim: VH, 16. Balerius Marimus IX, 12,”
a eintig der große weißföpfige Adler (falco leucocepha-
us L.). N
[3
4152 €. Plinius Naturgefichte.
an feinem Häglichen Semurmel, Er allein von.den Ablern trägt bie
Veblofen Körper davon, die übrigen bleiben, wenn fie etwas "getötet
haben, dabei ſitzen. Bon ihm kommt es, daß man die fünfte Art
Gneſion [bie ächte] nennt”) als fey fie bie wahre und allein von unvers
faͤlſchtem Urfprung;; fle ift von mittlerer Größe, von röthlicher Farbe
und felten zu ſehen. 4. Noch ift zu nennen ber Haliäelos [Meers
adler]; *) mit überaus klarer Schärfe der Augen wiegt er ſich aus
der Höhe herab und fo wie er einen Fifch im Meere fleht, Runter
ſich mit dem Kopfe voran auf benfelben und raubt ihn, indem er taß
Waſſer mit der Bruſt theilt. Sener, den wir als den britten bezeichnet
haben, flellt an den Teichen den Waflervögeln nach, welche fortwäh:
rend untertauchen, bis er fle, wenn fie betäubt und müde find, raubt.
Der Kampf ift fehenswerth, wenn ber Vogel an den Ufern, befonders
wenn bafelbft das Rohr dicht iſt, Zuflucht fucht, der Adler ihn von
da mit dem Schlage der Flügel vertreibt und, während er nach ihm
haſcht, in den See fällt, dadurch vom Ufer aus feinen Schatten dem
unter dem Wafler ſchwimmenden Vogel zeigt, und biefer in anderer
Richtung und wo er am wenigften erwartet zu werden glanbt, wieder
auftaudt. 5. Die Vögel ſchwimmen deßhalb ſchaarenweiſe, weil
. mehrere zugleich nicht angegriffen werben, da fie burch das Sprigen
der Federn den Feind Blenden; oft finfen auch die Adler ſelbſt, wenn
fle Die ergriffene Laſt nicht tragen koͤnnen, mitunter. Nur der Haliaͤetus
zwingt fogleich feine noch unbefleberten Jungen, indem er fle fchlägt,
grade in die Sonnenftrahlen zu. ſchauen, und bemerft er eines, welches
blinzelt oder näßt, fo flürgfer es gleichfam als unaͤcht und entartet aus
dem Neſte, dasjenige aber, deſſen Augenſcharfe feft bagegen aushielt,
*) Der Goldadler (falco chrysaëẽtos eint emeint au ſeyn.
. **) Falco albicella L. 7 ) 1 8 ’ ſey
Zehntes Bud. 1153
zieht er auf. 6. Die Haliaͤetus bilden keine eigene Art, ſondern ents
ſtehen and ber Begattung verfchiedener Adler; das aber, was ans
ihnen entſteht, aehört zur Art der Knochenbrecher; von diefen werben
die Heineren Geier erzengt und von diefen bie großen, welche ſich gar
nicht fortuflanzen.*) Manche fügen noch eine Molerart hinzu, welche
fle den bärtigen, bie Tuscer aber den Knochendrecher nennen. **)
IV. 1. Bon den drei erflen Arten und ber fünften wird der
Adlerftein,***) von Manchen auch Gangites genannt, welcher zu vie
Ien Heilmitteln dient und durch das Feuer nichts verliert, in dag Neſt
eingebaut. Es ift aber dieſer Stein geſchwängert und wenn man ihn
rüttelt, klappert inwendig, wie im Mutterleibe, ein anderer. Nur
die jedoch haben Heilkraft, ‚welche man aus dem Nefle nimmt. Die
Adler niften auf Felſen und Bäumen, legen. drei @ier und brüten zwei
unge aus; zuweilen hat man auch drei bemerft. 2. Das eine wers
- fen fie, weil ihnen beflen Ernährung zu viel ifl, heraus, denn zu biefer
Zeit Hat ihnen felbft die Natur die Nahrung verfagt, aus Vorſicht,
daß nicht die Brut aller wilden Thiere geraubt würde, Auch ihre
Klauen kehren fih in diefen Tagen um, ihre Federn werden durch
Faſten weiß, fo daß fie mit Recht ihre Sprößlinge haflen; die von
U
.
) Die neueren Naturforfcher laſſen dieſe Anfichten von Kreuzung
und Entartung nicht zu.
Ohme Zweifel ber Laͤmmer⸗ oder Bartgeier (falco barbatus) ;
er trägt feine Bente in die Höhe und wirft fie herab, um fie
zu, zerfchmettern, weßhalb er mit Recht der Knochenbrecher
heißt.
***) Lapis actites (devteng Aöoc). Schaliger Thoneiſenſtein
(Eiſenniere); vol. B. XXXVI, Kap. 39 und B. XXX, Kap.
44. Diefe, Steine gerathen übrigens nur ‚zufällig in die
Adlerneſter.
1154 C. Plinius Naturgeſchichte.
ihnen berausgeworfenen nimmt jedoch das verwandte Geſchlecht der
Knochenbrecher auf und erzieht fle mit den ſeinigen, doch auch bie er:
wachſenen verfolgt noch der Erzeuger und fcheucht fie ald Nebenbußler
um ben Raub weit hinweg. 3. Uebrigens braucht auch ein einziges
Adlerpaar, um fich zu fättigen, eine große Etrecke zum Plündern > fie
grenzen alſo die Räume ab und gehen felbft in dem nächften nicht auf
Beute aus. Das Beräubte tragen fie nicht fogleich tavon, ſondern
legen ed vorher nieder und erſt bann, wenn fle dad Gewicht geprüft
haben, entfernen fie ſich. Sie kommen nicht durch Alter und auf
nicht durch Rrankheit um, fondern durch Hunger, indem Per Ober
ſchnabel fo fehr anwaͤchſt, daß die Umkrümmung nicht mehr geöffnet
werben fann. Erf von der Mittagszeit, an find fie befehäftigt und
fliegen, in ben früheren Tageöftunden fipen fie müßig, bis fich bie
Märkte durch das Zufammenkommen der Menfchen füllen. Die
Adlerfedern verzehren bie ihnen beigemifchten Federn der übrigen
Bögel. Man flellt in Abrebe, daß dieſer Vogel je vom Blitze getörtet
worben ſey, weßhalb auch das Herfommen ihn zum Waffenträger
-Supiterd erflärt Hat.
V av. 1. Den römifgen Legionen beftimmte ihn eigend E. Mas
rind während feines zweiten Gonfulats fim 3. 104 vor Ehr.]. Auch
früher hatte er nebft vier andern Thieren den Borrang und Wölfe,
Minotauren, Pferde und Eber gingen vor den einzelnen Reihen Her.
Schon einige Jahre vprher fing man an, ihn allein in die Schlacht
zu tragen und ließ bie übrigen im Lager zurüd; Marius ſchaffte diefe
gänzlich ab, Fortan hat man bemerkt, daß faſt nie eine Legion in
einem Lager überwinterte, wo fich nicht auch ein Molerpaar befand.
— 2. Der Abler ber erfteu und zweiten Art raubt nicht nur kleinere
Bierfüßler, fondern Fämpft fogar mit Hirfchen; indem er ſich auf ihr
Beweis fegt, ſchüttelt er ihnen eine Menge Staub, ben er durch
-
Zentes Bug. | 4155
Wotjen aufgeſammelt hat, in die Augen nub peitfcht ifnen mit den
Flügeln dad Geſicht, bis er fle in die Felfen hinabſtürzt. Doch ein
Feind genügt ihm nicht einmal; fein Kampf mit vem Drachen ift noch
heftiger und, obgleich er in ver Luft ſtattfindet, weit ungewifler: dieſer
ſtrebt mit boshafter Gier den Ciern des Adlers nach, jener aber faßt
ihn deßhalb überall, wo er ihn zu Geſicht bekommt; dieſer feſſelt jenem
Durch yielfache Umſchlingung die Flügel und verwickelt fi fo, daß er
zugleich mit ihm herabfaͤllt.
VI.) Bei der Stabt Seftoß*) io der Ruhm eines Aplers ſehr
gefeiert; von einer Jungfrau erzogen, bewies er ſeinen Dank dadurch,
daß er ihr zuerſt Vogel und bald auch Jagdbeute zutrug; ads ſie end⸗
lich ſtarb, ſtürzte er ſich auf ihren Scheiterhaufen und verbrannte mit
ihr; weßhalb die Bewohner an rerſelben Stelle ein ſogenanntes
Herdum [Heldendenkmal] errichteten und es dad Heroum Jupiters
und der Jungfrau nannten, weil, man, dieſen⸗ Gotte den Vogel
zutheilt.
VII cm. : Unter den Geiern behaupten die ſchwarzen“) deu
Vorzug. Zu ihren Neftern ift noch Niemand gelangt; deßhalb bben
Manche geglaubt, daß fie von ber entgegengefepten Seite der Erde F
herbeiflogen, aber fäljchlich, denn fle niften auf ben-Höchtien Selfen,
wie ja oft Sunge, gewöhnlich zwei, gefehen werden. Umbricius, ber |
erfahrenfte ber Zeichendeuter unſerer Zeit, bemerkt, daß fle dreizehn
Bier legen, mit einem berfelben die fibrigen Bier und das Neſt rei⸗
nigen und es dann wegwerfen, daß ſie aber drei vorher dahin
Biegen, wo es Leichen geben wird. ".). .
| alfe iz Er
*) Bol. B. W. Kap. 18, $. 11.
**) Der graue Beier (vultur einereus) iR hier gemeint.
”) Der Seitjenbenter berichtet hier kob ſeiner Erfahrung uf.
1156 C. Plinius Naturgefhläte.
VII m. Der Vogel Sanqualis und der Immuſſulus ) find
den roͤmiſchen Auguren Gegenſtand einer großen Streitfrage; einige
halten den Immuſſulus für Dad Junge des Geiers und den Sanqualis
für das des Knochenbrechers. Mafiurius fagt, der Sanqualis ſey
ein Knochenbrecher, der Immuffulus aber das Junge Des Ablers, ehe
fein Schwanz weiß werde. **) Mande behaupten, daß keive nad
denm Zeichendenter Mutius nicht mehr zu Rom gefehen worden feyen ;
ich aber halte dafür (mas auch wahrfcheinlicher if), bag man fie bei
der Bleichgültigfeit gegen Alles nicht erkannt bt...
IX vım. 1. Wir finden fechzehn Arten von Habichten, Darunter
den Aegithus, welcher an dem einen Fuße hinkt, und von der günflig:
fen Vorbedentung bei Heirathsangelegenheiten und bei ber Viehzucht
iß,***) und ben Triorches foreihodigen], fo genannt von ber Zahl
feiner Hoden, welchen Phemonoe den Vorrang bei den Borbe
beutungen einräumtd; die Römer nennen ihn Buteo }) unb von
ibm Hat auch eine Familie ihren Beinamen, F}) weil ex ſich als
gänftiges Anzeichen auf das Schiff ihrers Führers ſetzte. Epileusttt)
’
®) Weber beide Vögel Täßt fich nichts Beftimmtes fagen; der Sans
qualis fol feinen Namen von dem Gotte Eancus (Herkules),
dem er geweiht war, haben (vgl. B. VIIL, Kay. 74, $. 1), ber
Immuſſulus fo genannt feyn, weil er plöglich und unvermuthet
herbeifomme (se immittat). —
»e) Der braungefleckte Schwanz des Meeradlers (falco albicella)
wird, wenn der Vogel altert, weiß.
») Man kennt keinen Habicht und überhaupt keinen Vogel, welcher
von Natur hinkt.
1) Die deutſchen Busaar (faleo buteo); bie brei Hoden find aber
als abgefchmadte Fabel zu betrachten.
‚19 Die Familie Buteo- gehörte zu dem Fabiſchen Gefchlecht.
? Diefes Wort Tommt ſonſt nirgends vor; vielleicht darf man es
x
‘
\
Behntes Bud. 5 1157
nennen bie Griechen‘ benjenigen, welcher aflein zu jeder Zeit erfcheint;
die übrigen entfernen ſich während des Winters. 2. Die Unterfchei-
dung der Arten richtet fich nach ihrer Freßgier; einige rauben ben
Bogel nar von der Erbe, andere nur, wenn er um bie Bäume flatterk,
andere, wenn er in ber Höhe ſitzt, und einige, wenn er im Freien
fliegt. Die Tauben femnen deshalb die ihnen von venfelben droßens
den Gefahren und wenn fie einen fehen, ſetzen fie fich nieder over
fliegen auf und helfen fich fo gegen den Naturtrieb deſſelben. Auf
der afrifanifchen Infel Gerne *) im Deean hecken die Habichte von
ganz Mafäfylien**) und pflanzen ſich anderwärts nicht fort, ba fie
an jene Voͤlker gemöhnt find.
X.. In einem Theile Thraziens jenfeitd Amphipolis * be⸗
treiben die Menſchen und die Habichte gewiſſermaßen in Gemein⸗
ſchaft ven Vogelfang. +) Jene ſcheuchen die Bögel aus den Wäldern
and Rohrdickichten auf, diefe drängen fle darüber hinfliegend wieber
herab und dann theilen die Vogelfteller die gefangenen mit ihnen.
Es wird erzaͤhlt, daß fle diefe, fobald man fle ihnen in bie Höhe werfe,
auffaffen und daß fie, wenn die Fangzeit da fey, durch Gefchrei und
eine eigene Art Flug zur Benügung der Gelegenheit einladen. Etwas
Aehnliches thun die Wölfe am maͤotiſchen Sumpfe [afowfchen Meere],
denn wenn fle von den Fifchern nicht ihren Antheil erhalten, zerreißen
(wenn ed. überhaupt richtig if) als eine anbere Benennung
des Busaars, welchen man ebenfalls zu jeber Zeit fieht,
nehmen.
9 Bol. B. VI, Kap. 36, 8. 2.
“2 Bol. DV. Rip. 1.8.19.
,27 Bil. 3. IV, Kap. 17, $.5
= +) Bir fehen bier die Anfänge» ber im, Mitte fo ſehr ausge⸗ |
bildeten Falknerei.
\ r\ 0 )
4158 G. Plinius Naturgeſchichte
fie die von denſelben ausgeſpannten Netze. Die Habichte freffen
nicht die. Herzen der Dögel.*) Der Nachthabicht **) Heißt Cymindis,
iſt ſelbſt in den Wäldern felten und fieht bei Tag fchlechter; er führt
mit dem Adler einen mörberifchen Krieg und oft werben beide in eins
anber verbiſſen ertappt. — +
XI ax. 1. Der Gudaud***) ſcheint aus dem Habicht zu ewts
ſtehen und nur eine zur beftimmten Jahreszeit veränderte Gehalt
deffelben zu ſeyn, weil alödann die andern, mit Ausnahme fegr we
niger Tage, nicht zum Borfchein fommen ; auch er felbft iR nur wäh
rend einer kurzen Zeit des Sommers ſichtbar und wird fpäter nicht
mehr wahrgenommen. Er hat aber allein yon den Habichten Feine
frummen Krallen, noch gleicht er ihnen aın Kopfe oder an fonft etwas
als an Farbe und hat vielmehr den Schnabel bed Taubers; ja er
wird fogar von dem Habicht, wenn einmal beide zuſammen erſcheinen,
mweggefangen und ift alfo der einzige von allen Bögeln, der von feiner
eigenen Art getödtet wird. 2. Er ändert aber auch feine Stimme,
kommt im Frühling zum Vorfchein und verbirgt fich beim Anigange
des Hundeſterns; +) er legt immer in fremde Nefler, meift in die ber
*) Angeftellte Verfuche beweiſen das Gegentheil.
**) Habichtseule (strix uralensis).
***) Coccyx — cuoulus canorus. Der bei den Landleuten nod
niicht völlig verfchwundene Wahn, daß der Guckguck nur ein
verwandelter Habicht fey, hat feinen Grund darin, dag das
Erſcheinen des Guckgucks grade in bie Brütezeit des Habichts,
ber ſich befanntlich dann in das Innere der Wälder zuräd-
zieht, fällt. | "
7) Der Guckguck kommt im April bei ung an und zieht ſchon ın
- ynfang bed Auguſts über das Mittelmeer na Hiriia
ur m P = . '
, an Nee ma Be! wur Im —B 9
6 nm ). ‘ EN
Zehntes Bud. 1159
Ringeltauben,*) größtenteils einzelne Eier, was fein anderer Vogel
thut, felten zwei. Man ift der Meinung, daß er deßhalb feine Jungen
unterfchiebe, weil er weiß, daß er allen Vögeln verhaßt ift und biefe
auch feine Kleinen anfeinden; er glaubt fonach, daß feiner Art die
Nachlkommenſchaft nicht geflchert fey, wenn ex feinen Betrug übe; ex -
baut deßhalb Fein Neft und ift überbieß wein -fcheued Thier. 3. Das.
Weibchen zieht alfo nach ter in ihrem Nefle verübten Faͤlſchung den
Untergeſchobenen auf. Diefer, gierig von Natur, ſchnappt den übrigen
Zungen die Akung weg, wird auf biefe Weife fett und macht durch
fein glänzendes Ausfehen die Pflegemutter auf ſich aufmerffam; fle
freut ſich über feine ®eftalt, bewundert ſich ſelbſt, daß fle einen ſolchen
Sprößling erzeugt hat, vernachläffigt ihre eigenen Jungen wie frenide
und duldet fogar, daß er fie unter ihren Augen umbringt, bis er, ſo⸗
bald er fliegen fann, auch fle ſelbſt packt.“) Zu viefer Seit iſt das
Fleiſch Feines Vogels mit dem feinigen an Eüßigfeit zu vergleichen.
XH (x). Die Weihen gehoͤren ebenfalls zu vem Gefchlechte der Ha⸗
bichte, unterfcheiden ſich aber durch ihre Größe; in Bezug auf fle wird ans
gemerkt, daß diefer äußert räukerifche und immer Hungrige Vogel nie
etwas Gßbares weder von den Leichengerichten noch von dem Altare
zu Olympiaraubt, und ebenfowenig ausden Händender Darbringenden,
es müßte denn dieß als traurige Vorbedeutung für Die opfernden Muni⸗
®
*) Bol, Kay. 52. $.3. Die Lebensweiſe der Ringeltaube widers
Spricht diefer Annahme, denn der Guckguck legt feine Eier in
die Nefter Infe'tenfreffiender Vogel, beſonders der Grasmücke
und der Bachftelze.
**) Die Undanibarfeit des Guckgucks gegen feine Pflegemutter ift
nur fcheinhar, denn nur zuweilen geräth, wenn fle flein ift, ihr
Kopf bei per Agung in ten weiter Rachen des geiräßigen Bud:
gucks und wird zerquetfcht.
_G. Plinius Naturgeſch. 10. Bochn. 3
-
1160 C. Plmius Naturgeſchichte.
eipalſtaͤdte geſchehen. — Sie ſcheinen auch Durch die Beugungen ihres
Schwanzes die Steuerkunſt gelehrt zu Haben, indem bie Natur im ber
Luft zeigte, was man auf dem Meere thun ſolle. Die Weiher ver-
bergen fich ebenfalls in den Wintermonaten, verfchwinden jedoch nicht
vor der Schwalbe; von ben Sonnenwenden an follen fle auch mit der
Fußgicht behaftet ſeyn.
XII h. Die zunaͤchſt liegende Unterſcheidung der Bögel be⸗
ruht Hauptfächlich anf den Füßen, denn entweder haben fle iramme
Klauen oder Zehen oder gehören zu dem Geſchlechte der Breitfüße,
wie die Bänfe und fat ſammtliche Waflernögel; vie, welche frumme
Klauen haben, nähren ſich großentheild nur von Fleifch,
XIV (xm. bie Krähen*) auch von anderm Futter, wie fie dem
wenn die Härte einer. Nuß ihrem Schnabel wiberfieht, ſich im bie
Höhe ſchwingend, dieſelbe einigemal und öfter auf Steine oder Dad:
ziegel werfen, bis fie zerſchmettert if und fich zerbrechen läßt. Diefer
Vogel hat eine unheilbedentende Befchwägigfeit, wirb jedoch vor
Binigen gepriefen. Es wird bemerkt, daß er vom Aufgauge des Arc
turus bis zur Anfunft der Schwalben **) in ben Hainen und auf ben
Tempeln der Minerva felten, und an manchen Orten, wie zu Alben,
gar nicht zu ſehen fey. Außerdem füttert er.allein feine Jungen noch
eine Weile, wenn fie ſchon fliegen koͤnnen, und ift von ber ufiglädlichs
fien Borbebeutung zur Hedzeit, nämlich nad} der Sonnenwende.
XV. 4. Alle übrigen Bögel von derfelben Gattung ***) ſtoßen
ihre Jungen aus dem Neſte und zwingen ſie zu fliegen, ſo wie auch
2) Cornix, beſonders bie Rabenkraͤhe oder gemeine Kraͤhe (dorvus
ooronso.
ee) Alſo vom 5. September bis zum 22, Februar. Bel B. XVIII,
Kap. 65 und 7
»NBD. 5. welde Fromme Klauen haben.
|
Zehntes Bud. —
die Maben,*) welche ebenfalls ſich nicht allein von Fleiſch naͤhren,
ſondern auch ihre Brut, ſobald ſie kraͤftig genug iſt, weit fortſcheuchen;
es befinden ſich deßhalb in kleinen Flecken nicht mehr als zwei Paare,
in der Umgegend von Eranon**) in Theſſalien fogar immer nur eines,
va die Alten ihrer Nachlommenfchaft das Feld räumen. 2. Bei bie
fem Bogel!ift Manches anders als bei dem vorhergenannten. Die
Raben hecken vor der Sonnenwende; auch Fränfeln fie, meift vor
Durſt, Sechzig Tage bevor die Feigen im Herbfte reifen; bie Kraͤhe
wird von biefer Zeit an von Krankheit befallen. Die Raben habey
meiſt fünf Junge. Das Volk glaubt, daß fle mit dem Schnabel legen
oder fich begaiten, und daß deßhalb Schwangere, wenn fie ein Rabenet
eflen, die Frucht durch den Mund von ſich geben, und überhaupt
ſchwer gebären, wenn man ſolche in's Haus bringe. Ariftoteles ***)
behauptet, daß dieß bei ihnen in Wahrheit ebenfowenig ber Ballfey,T)
als bei dem Ibis ++) in Hegypten, daß aber jenes Schnäbeln, welches
man häufig bemerfe, +77) fich grade fo verhalte, wie bei den Tauben.
Die Raben fcheinen bei ver Vogelſchau allein Binficht in ihre Bedeu⸗
tung zu haben, denn als die Baflfreunde ded-Mediad*T) ermorbet
®) Corvus = corvus corax, Rolftabe.
*) Bol. B. IV, Kap. 15, 8. 1.
eee) De generät. animal. III, 6.
+) Daß fle mit dem Schnabel legen oder fich begatten.
+) Bon ihm wird weiter unter (Kap. 40) die Rede feyn. Vergl.
Selian, Hist. Animal X, 29.
+1) In neuerer Zeit hat man diefe Beobachtung noch nicht gemacht,
auch ift der Schnabel des Raben ganz anders. befchaffen, als
jener ber Taube,
*4) Bines fonft nicht näher befannten Mannes zu Pharfalus, Ari⸗
ftoteles, Hist, anim, IX, 40.
3°
- 41162 C. Plintus Naturgeſchichte.
wurden, flogen fle fämmtlich aus dem Peloponnes und dem 'attiſchen
Gebiete fort. Ihre fchlimmfte' Borbedentung ift, wenn file, wie ges
"würgt, ihre Stimme verfehlacten.‘”)
XVI. Krumme Klauen haben auch die Nachtvögel, wie bie
Sumpfeulen, **) der Uhn,***) die Waldenlen;t) fte alle fehen am
Tage fchlecht. Der trauerverfündende und am.meiften, beſonders bei
Sffentlicher Bogelfchau verabfgeute Uhu bewohnt einfame, und zwar
nicht nur oͤde, fondern auch granenvolle und unzugängliche Orte; ein
Unbold ver Nacht, wird er nicht Durch irgend einen Gefang, fondern
nur dur Stöhnen laut. Er gilt deßhalb, wenn er fidh in Städten
oter überhaupt am Tage fehen läßt, als eine fchredliche Vorbeden⸗
tung, doch weiß ich, daß er fich fehr oft auf Privathäuſer fepte, ohne
einen Sterbfall anzuzeigen. Er fliegt nie dahin, wohin er will, fon:
dern wirb quer fortgetrieben. Unter dem Gonfulate des Ser. Bal:
pellus Hifter und L. Pebanius ++) flog er fogar in das Heiligthum
des Capitoliums, weßhalb in demfelben Jahre an den Ronen bed
Märzes [7. März] die Stadt gereinigt wurde. +F})
XVII ıxım. 3. Von ungfüdlicher Vorbedentung ift auch ber
Brandftiftende Bogel,*}) wegen beffen, wie wir in den Jahrbüchern |
.
*) Bgl. 3. XVII, 87,
**) Noctua — strix brachyotos Gmel.
***) Bubo — stryx bubo L.
7) Ulula = stryx alaco L.
Tr) Das Jahr dieſer ſubſtituirten Conſuln ift unbefannt.
TT7) Die Reinigungen gefchahen bekanntlich durch feierliche Umzüge,
Opfer und Gebete, ”
*7) Incendiaria avis; vielleicht bie Beradohle (corvus pyrrho-
corax), welche ein: fo feltfames Gelüſte zum Feuer bat, daß fle
. ‚brennende Dochte aus den Lampen zieht und Papier, Lappen
Zehntes Buch. 1163
finden, man bie Stadt Häufig reinigte, fo unter dem Conſulate des
2. Gafflus und C. Marius. [107 vor Chr.], in welchem Jahre fie
auch, weil ein Uhn.fich fehen ließ, gereinigt wurde. Was jener für-
ein Vogel fey, fagt uns weder fhriftliche noch mündliche Ueherlies
ferung. Manche erflären es fo, daß jeder ein brandfliftender fey, ven
man eine Kohle von Opferheerden oder Altären forttragen ſehe.
2. Andere nennen ihn Spinturnir [Bunfenfprüher], aber ich habe
ebenjowenig Jemand gefunden, der wiflen wollte, welcher Vogel dar⸗
unter zu verſtehen fey.
cxıv). Ich bemerfe, daß auch ber Dogel, welcher bei ven Alten
den Ramen Clivia [Berbieter] führt, nicht weiter befannt fey; Manche
nennen ihn Schteier, Laber Verhinderer, und bei Nigivius heißt ein
Vogel, der die Gier der Adler zerbricht, Subis.
(xy). Außerdem find noch mehrere Arten in dem etruskiſchen
Lehriyftem*) abgebildet, aber nie hat fle Jemand gefehen; es ift wun-
derbar, daß dieſe jegt ausgegangen find, da man doch an benjenigen,
‚unter welchen die menfchliche Schlemmerei Ver heerungen anrichtet,
Ueberfluß Hat.
XVIII (vn. Don ten Auswärtigen ſoll ein gewiſſer Hylas
am gründlichſten über die Vogeldeutungen geſchrieben haben; dieſer
berichtet, daß die Sumpfeule, der Uhu, der Specht, welcher die Baͤume
aus hoͤhlt, die Turteltaube und die Kraͤhe mit dem Schwanze aus
und Epyaͤhne i in glhende Kohlen trägt, um fih an der aufs
lodernden Flamme zu ergößen.
) Ueber das betrudffche Lehrſyſtem (Etrusca discipline) vergl.
die Borbemerfungen zum zweiten Buche, ©. 81, und zu dieſem
Buche unter Disciplin.
) — ſo heißt wenigſtens die Turteltaube im Grie⸗
chiſch
w
1164 ° C. Plinius Naturgefhichte.
dem @ie kriechen, ) weil bie durch das Gewicht ber Köpfe umgelehr⸗
ten Gier den hinteren Theil der Körper der Mutter zum Bebrüten
darbieten.
"XIX (wvır) Die Kampfweiſe der Sumpfeulen gegen die andern
Voͤgel ift gefchickt; von einer größeren Menge umgeben, wehren fie
fi, auf dem Rüden liegend, mit den Füßen und decken ſich, eng zu⸗
fammengebrängt, ganz mit dem Schnabel und den Klauen. Der
Habicht fteht Ihnen gemäß einer natürlichen Freundſchaft bei wd
nimmt Theil an dem Treffen. Daß die Sumpfeulen im Winter fechzig
Tage ſchlafen ) und daß fle neun verfchiedene Stimmen haben, be
richtet Nigidius. a
XX wvım. 1. &8 gibt auch Heine Bögel mit Frummen Klauen,
wie die Spechte, welche mit dem Namen Marsfpechte ***) bezeichnet
und bei der Vogelſchau wichtig find. Zu diefer Gattung gehören die
Baumaushöähler, +) welche nad) Art der Katzen fchleichend Binauf:
fleigen und rückwaͤrts hängend an dem Klange ber angefchlagenen
Rinde merken, ob Futter darunter if. Allein von den Vögeln erziehen
‘
*) Diefer Unfinn gibt genügended Zeugniß von den Kenntniffen
des Auguren in den Naturmwiffenfchaften: ebenfo einfältig iſt,
was Plinins in den beinen folgenden Kapiteln den Anguren
nacherzaͤhlt.
"**) Sie ziehen nach Süden.
»ee) Meil fie dem Mars geweiht waren; unter pious martius ver-
fieht man jet den Schwarzfpecht.
7) Zunaͤchſt ift wohl der Grünfyecht (picus viridis) gemeint; das
bier Ditgetheilte gilt aber von ven Spechten überhaupt, da fie
: alle an den Bäumen bHinauffletiern und mit dem Schnabel
klopfend ſuchen, bis fle eine hohle Stelle finden, welche fle dann
aufhämmern, um bie Zargen herauszuhoien.
,
[4
Bu Zehntes Buch. 1465
fie ihre Jungen in Baumlöchern.*) Keile, welche etwa-ein Hirt in’
ihre Höhlen treibt, fallen, wie man gewöhnlich glaubt, heraus, wenn
fle ein gewifled Kraut daran halten. Trebius bemerkt, daß ein mit
jeder möglichen Kraft in einen Baum, worin ein folcher fein Neft hat,
eingetriebener Nagel oder Keil fogleicy herausfpringe, fobald der
Vogel fi) auf den Nagel oder Keil ſetze. 2. In Latium fpielen fie
feit dem Könige,**) welcher ihnen feinen Namen gegeben bat, die
Hauptrolle. Gine Borherfagung derſelben kann ich nicht übergehen.
Huf das Haupt des Stadtprätors Aelius Tubero ſetzte ſich, als er auf
dem Forum vom Tribunale Recht ſprach, einer fo ruhig, daß er mit
Der Hand ergriffen wurde. Die Wahrfager gaben den Befcheib, daß
er, wenn man ihn fortlafle, dem Reiche, wenn man ihn aber töbte,
dem Prätor Verberben bedeute; biefer zerriß fogleich den Vogel und
nicht lange nachher ging die Voransfagung an ihm in Erfül⸗
Yung. ***) =
XXI wıx). Viele Bögel diefes Gefchlechts freffen auch Eicheln
und Obſt, jedoch nur bie, welche nicht allein von Fleifch leben, mit
Ausnahme der Weihe, mas ebenfalls wieder bei ven Bogelveutungen
unbeilbringend ift.}) Die, welche frumme Klauen haben, ſchaaren
fich nie, fondern jeder beutet für ſich; faft afle aber, außer den Nacht⸗
vögeln, fliegen, hoch und beſonders bie größeren. Alle haben große
Flügel‘ und einen Eleinen Körper; das Gehen fällt ihnen ſchwer
*) Und ohne Neft.
»e) Picus, der Sohn des Saturnus und König ber Latiner „war
zugleich ein berühmter Bogelveuter.
*#) Er verlor fiebenzehn tapfere Eeute feiner Zamilie in der Schlacht
bei Bannd. Balerius Marimus V, 6.
+) Wenn nämlich die Weihe Obſt frißt.
1166 €. Plinius Naturgeſchichte.
und auf Felfen ſetzen fle fi felten, weil ibnen bie Krümmung ber
Klauen hinderlich if.
IXII. 1. Nun wollen wir von dem zweiten Geſchlechte ſpre⸗
chen,*) welches in zwei Gattungen, die Singvoͤgel und die Flug⸗
vogel ) zerfällt; bei jenen bedingte ver Geſang ber Kehle, bei dieſen
die Groͤße den Unterschied; deßhalb mögen auch die Tebteren im ber
Reihenfolge vorangehen, |
(xx). unter ihnen aber allen übrigen das Gefchlecht der Pfanen,
ſowohl wegen ihrer Schönheit, als auch weil fle Diefelbe fennen und
barauf ftolz find. 2. Wird er gelobt, fo entfaltet er feine gleich @pels
feinen funfelnden Farben und zwar meift der Sonne gegenüber, weil
fie noch glaͤnzender ſtrahlen; zugleich bewirkt er durch feinen muſchel⸗
fdrmig ausgebreiteten Schwanz für die übrigen, welche im Halbbnnfel
noch heller ſchimmern, einige Schlagfchatten und zieht alle Federn⸗
angen, die er gerne ſehen läßt, in ein Bündel zufammen. Wenn ihm
bei dem jährlichen Wechſel mit ven Blättern der Bäume der Schwanz
ausfällt, fucht er vol Scham und Trauer einen Schlupfmwinfel, bis er
ihm wieder mit den Blüthen wäh. 3. Er lebt fünfundzwanzig
Fahre; im dritten fängt er an feine Farben zu zeigen. Wie bie
Sans als verfchämt, fo wird dieſes Thier von den Schriftftellern nicht
nur als ſtolz, fondern auch als boshaft gefchildert, weßhalb auch
Manche diefe Merfmale, die mir nicht ald erwiefen gelten, bei ifnen
hinzugeſetzt haben. - F
*) Bon benen, melche Zehen haben; vgl: Kap. 13.
*) Die Eintheilung der Vögel in Eingvögel (osoines), deren
Stimme, und in Flugvögel (alitee), deren Klug vorbebentend
war, rührt von den Auguren her. Vgl. O. Müller, die Ctrue⸗
fer, Br. II, ©. 189.
Zehntes Vuch. 1167
XXI. Den Pfau töbtete zuerfi, um ihn als Speife zu ver⸗
wenben, zu Rom der Rebner Hortenflus”), als er beim Antritte des
Prieſteramtes einen Schmaus gab; zu mäften lehrte ihn zuerft zur
Beit ded legten, Seeräuberfrieged *) M. Aufivins Lurco ***) und zog
aus biefem Geſchaͤfte ein Einkommen von fechzigtaufend Sefterzien
15729 Gulden]. |
XXIV ıxxn. 1. Sunächft fühlen auch Stolz unfere nächtlichen
Wächter, welche die Natur gefchaffen hat, um die Sterblichen zum
Tagwerk aufzuweden und ben Schlaf zu bredien. Sie fennen bie
Geſtirne und untericheiden bei Tag je.drei Stunden durch ihr Krähen;
fie begeben fich mit der Eonne zur Ruhe und rufen bei der vierten
Lagerwache 7) wierer zu Sorgen und Arbeit. Cie dulden nicht,
daß die aufgehende Sonne uns unvorbereitet befgleiche, und kündigen
den fommenden Tag durch Krähen, das Krähen aber ſelbſt dadurch,
daß fie fih die Seiten fchlagen, an. 2. Sie gebieten ihrem Gefchlechte
und üben in jedem Haufe, wo fie find, die Herrſchaft; diefe wird auch
unter ihnen felbfi durch Kampf errungen, gleichfam als wüßten fie,
daß deßhalb ihren Füßen Waffen angeboren find, und oft laſſen fle
nicht nach, Bis fie zufammen flerben. SIR die Oberhand erlangt, fo
krähen fle fogleich im Eiegesgefühl und erflären ſich ſelbſt als Herr⸗
ſcher; der Beflegte verbirgt fich fchweigend und fügt fi mit Unmuth
in die Dienſtbarkeit. Doch auch das Volk ift gleich ſtolz, fehreitet
*) Bol. B. IX, Kap. 81.
**) Welchen Vompejus im I. 67 vor- Chr. mit dem günftigften
Brfolge führte.
**) Er war im I. 60 vor Chr. Bolfätribun.
7) Die Römer zählten vier Nachtwachen, jede zu etwa drei Stun
den ; fie begannen mit Sonnenuntergang und waren im Soms
mer "fürger,
168 . 6. Plinius Naturgeſchichte.
mit emporgereeftem, durch den Kamm gehobenen Kopfe einher unb
ſchaut allein von allem Geflügel häufig nady dem Himmel, wäßrend
es zugleich feinen ficheliöymigen Schwanz in die Höhe richtet, unb fo
find fe fogar den Löwen, den großmächtigften ber wilden Thiere, zum
Schrecken. Manche von ihnen find ſchon nur zum Kriege und zu
fteten Kämpfen geboren und haben dadurd) auch ihrem Baterlanbe,
Rhodus oder Tanagra,") Ruhm gebracht. 3. Den zweiten Rang tium!
man den melifchen **) und chalcipifchen ***) ein und dieſes Gefkgel
iR alfo durchaus würdig, daß ihm der römifche Burpur}) fo große
Ehre erweist, Bon ihnen Hat man ben rollländigen Bobenfchlag; 17)
fie leiten täglich unfere Obrigfeiten und verfchließen ober entriegeln
*) Rhodus und Tanagra (vgl. B.IV, Kap. 12, $.2) lieferten die
muthigften Streithähne, wie Culumella (de re rust. VIII, 2)
und Barro (de re rust. IE, 9) berichten.
**) Von der Inſel Melos (vgl. B. IV, Kap. 23, $. 3); nad Eo-
Iumella (a. a. DO.) aber fol es „mebifche” heißen und nur das
unwiflende Volk das Wort verunftaltet haben.
»ee) Vgl. B. V. Kap. 19, 8. 1.
+) D. 5. die hoͤchſten roͤmiſchen Magiſtrate, welche Purpurſtreifen
an ber Toga trugen.
+4) Man verzeihe diefe Berbeutfchung bes bei der Vogelſchan üblis
hen Kunflausbruded tripudium solistimum. Sollten bei
wirhtigen Angelegenheiten, bei Kriegderklärungen,, bei ber
Lieferung einer Schacht, die Hühner befragt merden, fo öffnete
der Wüärter ven Behälter und gab ihnen Futter; ließen fle das
‘von etwas auf den Boden fallen, fo hieß dieſes tripudiam (ent:
ftanden aus terripavium, Bodenfchlag) und war ein nünftigeö
Zeichen, fiel das ganze Stüd bes aus einem Teige beftehenten
Futters dem Hubne aus dem Schnabel, fo war ed ein tripadium
solistimum (vollftändiger Bodenſchlag) und von hoͤchſt günfiger
Vorbedeutung. Bgl. Cicero de divin. 1,11. IE, 34. -
a
GZehntes Buch. \ 1169
it nen ihre eigenen Haͤuſer; ſie treiben die roͤmiſchen Fasces an oder
Halten ſie zurück, ſie befehlen oder verbieten Schlachten und ſind die
Votausverkündiger aller auf der ganzen Erbe errungenen Siege, ſie
Hhauptſachlich beherrfchen das Weltreich und fogar ihre Cingeweide
and Fafern ſind den Göttern nicht minder angenehm als bie fetteften
Dpferthiere. Auch ihr Krähen zur unrechten Zeit und am Abend
Hat feine Bedeutung, denn als fie ganze Nächte hindurch Frähten,
Tagten fle den Böotiern jenen herzlichen Sieg über die Lacedämonier*)
voraus und man fihloß anf eine ſolche Auslegung, weil biefer Bogel,
wenn er beflegt iſt, nie kraͤht.
XXV. Sie hören auf zu krähen, wenn man fle kappt, was auf
zweierlei Weife gefchieht, indem man fie mit einem glühenben Eifen
an den Lenden oder unten an den Schenteln brennt**) und alsbald
‘Die Wunde mit Töpferton überftreicht ; fo werben fle leichter fett. Zu
Pergamum ?“) wird. jedes Jahr äffentlich ein Schaufpiel mit Hähe
nen, wie anderwaͤrts mit Fechtern, gegeben. }) Man findet in den
Jahrbüchern, daß unter dem Confulate des M. Lepidus und O. Ca⸗
tulus [78 vor Chr.] in dem ariminifchen Gebiete tt) auf dem Lands
gute des Galeriug ein Hahn geſprochen. habe, der einzige Fall, ſo viel
ich wenigfend weiß.
*) Bei Beuchra (374 vor Chr) Val. Gicere, a. a. O. I, 34.
**) Jetzt kappt man die Hähne auf eine ganz andere Weiſe, indem
. man ihnen die Hoden aus ber Bauchhähle nimmt. Vergl. €.
W. &. Butfche, Gnchfiopäbie ber Landwirthfchaft (Leipz. 1830,
. 8), Bd. Xx, ©. 827 f.
**) Vgl. DB. V, Kap. 33, $. 3.
».Wie fehr man jetzt noch in China, Indien und England die
Hahnenfämpfe liebt, ift befamnt.
+7) Del. 2. I, Kap. 20, & 1. '
1170 G. Pliniud Naturgeſchichte
XXVIıxxm. Aunch der Gans iſt eine wache Sorgſamkeit eigen,
wie die Vertheidigung des Capitoliums zu einer Zeit, wo ber Staat
durch das Schweigen ber Hunde bereits verraten war,) bezeugt,
weßhalb die Genforen vor Allem das Gaͤnſefuttet verdingen.) Das
Gerücht erzählt ſogar von der Liebe einer Gans zu Aegium***) zu
einem oleniſchen Kraben von ausgezeichneter Schönheit und zu Olauce,
der Zitherfpielerin des Königs Ptolemäus, welche zu gleicher Zeit
auch ein Widder geliebt haben fol, +) Es fönnte fcheinen, als ob fie
auch Sinn für Weisheit Hätten; fo foll eine als Gefährtin dem Phi⸗
loſophen Lacydes beftänbig zur Seite geweſen und nirgenbs, weber
auf der Straße, noch in den Bädern, weder bei Nacht, noch bei Tag,
von ihm gewichen feyn. ++)
XXVII. 4. Unfere Leute find klüger und kennen fle nur durch
die Guͤte ihrer Leber; diefe wächft den geflopften zu einem großen
Umfange an und wirb, wenn fle herausgenommen iſt, noch burd
Milchmeth aufgetrieben. 447) Nicht ohne Grund wurde die Frage
aufgeworfen,, wer vier eine fo ‚große Berferei erfand, ob Ecipio
*) Als die Gallier ſchon bie Stadt erobert hatten umb des Nachts
das Gapitolium überrumpeln wollten. Livins V
*) Zum Andenken an das merfiwürbige Creigniß wurben auf bem
Capitolium Gaͤnſe auf Staatskoſten gefüttert. Cicero pro
» Sex. Rosscio, 20.
eee) Giner Stadt in Achaia; ebenſo Olenenum; vgl. B. IV, Rap. 6,
$. 1 und 2.
+) Diefe Geſchichtchen erzaͤhlt auch Aelian (Hist. animal. V, 29);
der Knabe hieß Amphilochuß.
iD Ge ließ fie deßhalb auch nach ihrem Tode ebenfo glänzend wie
einen Blutsverwandten begraben. Melian a. a. O. VII, 41.
Der Bhllofopb ſelbſt ftarb im J. 257 vor Ghr..
N Böttiger’s Sabina, U, 45 f.
Zehntes Bud. m
Metelius, geweſener Gonful,*) ober M. Seins, *") ein römifcher
Ritter aus derfelben Zeit; daß aber Meffalinus Cotta, der Eohn des
Redners Meflala, ***) die Erfindung machte, die Batichen ihrer Füße
zu braten und in Schüfleln mit Hahnenkämmen anzmichten, ſteht fer
und ih will getreulich der Küche eines jeden die ihr gekührende Balme
zeichen. 2. Wunderbar ift an diefem Geflügel, daß es von den Mos
rinern }) bis nah Rom zu Fuß kommt. Die müben werben voran
zu den erflen gebracht und bie übrigen fchieben fle durch ein ihnen an⸗
geborenes Drängen fort. - Ein anderer Ertrag ber weißen beſteht in
. ben Federn. An manchen Orten werden fie ded Jahres zweimal ges
rupft und beffeiden fich wieder mit Flaum; der dem Körper zunächkt
befindliche ift weicher, der aus Germanien ber gepriefenfte. 3. Sie
find daſelbſt, weiß, aber. feiner, und heißen Ganten; 77) ter Preis
ihres. Flaums beträgt fünf Denare+rt) für das Pfund. Daher
meiſt die Vorwürfe welche fd bie Befehlshaber ber Hülfatruppen
) Er war im g. 53 vor Chr. Conſal mit ſeinem Tochtermanne
Pompeius, an deſſen Schickſal er gefnüpft blieb, bis er nach
dem Verluſte der Schlacht, Bei Thapſus (46 vor Chr.) fein
Leben durch Selbſtmord endete.
**+) Gin Freund Eicero’8 und Varro's, welcher hei Oſtia ein Land:
gut befaß und Schweine, Fifche und Vögel mättete, wodurch
& einen bedeutenden Gewinn zog. Varro de re rust. III,
.7.
eee) Eines Zeitgenoſſen Eicero’s, von defien Reden nur noch wenige
unbedeutende Bruchflüde übrig find. Sein leiblicher Sohn,
Eotta Meflalinus, war ald Schlemmer berüchtigt und genoß
auch fonft feines guten Rufes.
P Bal. B. VL, Kap. 31, 9.2.
7) Offenbar das deutfche Wort. Bond,
‚ttr) Sinen Gulden und vierundfünfzig Kreuzer.
1172 €. Plinius Naturgeſchichte.
auzogen, weil fle ganze Gohorten von, dem Wachpoſten anf biefen
Bogelfang ausfchidten, und fo weit ift bie Weichlichkeit gebichen, daß
der Nacken ſelbſt der Männer ohne biefes Seräth *) nicht mehr aus⸗
balten fann.
XXVII Etwas Anderes erfand der Theil Syriens, welcher
Commagene *°) Heißt, nämlich das Bänfefett, nachdem es 'nebf
Zimmt in einem ehemen Gefäße in vielen Schnee vergraben durch
eiflge Kälte geronnen if, als ein berühmtes Heilmittel zu be
nügen, welches von feinem Bereitungsorte Commagenum beißt. ***)
XXIX. 1. Zum Guaͤnſegeſchlecht gehören die Chenalopefen
ſFuchsgaͤnſe] }) und die Cheneroten FF), welche letztere etwas Fleiner
find ald die Gans, aber ein vorzüglicheres Bericht kennt Britannien
nit. Die Birkhühner tr) verichönert ihr Glanz, Die vollfom:-
mene Schwärze und das Scharlachroth an den Augenlievern. ine
andere Sattung berfelben*+) übertrifft die Geier an Größe und zeigt
auch ihre Farbe. Kein anderer Vogel, den Strauß ausgenommen,
fällt mit jeinem Körper fo fehr in’d Gewicht und er nimmt fo zw,
bag er fi auch auf dem Boden nicht mehr bewegen kann und gefangen
wird, 2. Ihr Baterland find, die Alpen und die nörhliche Gegend.
*) Ohne Feberfifien auf dem Bette; vgl. W. A. Becker's Gallus
(Reipz. 1849, 8.), Bo. 11, ©. 241.
N) Bol DB. II, Kay, 108. B, V, Kay. 13 und 20.
+) Bon dem Gommagenum wird B. XXIX, Kap. 13 ausführlicher
gefprochen.
1) Die Nilgand (anas aegyptinca); Fuchegans heißt fie wegen
ber Lift, womit fle ihre Jungen vertheibigt (Aelian, Hiet. anim.
V, 30); bie Aegypter hielten fie für heilig (Herobot IE, 72).
Tr) Die Löffelente (anas olypeata). ‚
it) Tetrao = Tetrao tetrix L.
1) Der Auerhahn (tetrao urogallus L.).
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Zehntes Buch. 1173
In den Bogelbehältern verlieren fie den Geſchmack und flerben, indem
fie vorfäglich den Athem am ſich halten. Ihnen zunaͤchſt ſtehen die
Wögel, welche in Spanien träge Vögel, in @riechenlond Otis hei⸗
Ben*) und ald Speife verrufen find, denn fobald dad Mark aus den
Knochen fommt, entfleht augenblicklich ein efelhafter Geruch. **)
XXX (axın. 1. Das PBygmäenvolf bat nach dem Abzuge ber
(wie wir”) erzählt Haben) mit ihnen fämpfenden Kraniche 7) Waf-
Tenftilifiand. Die Stredte, welche fie zurüdlegen, iR unermeßlich,
wenn man bebenft, daß fie vom öfllichen Meer kommen. Gie
einigen ſich, wann fie abreifen wollen, fliegen, um weithin fehen zu
köonnen, hoch, wählen einen Führer, dem fle folgen, und haben am
Ende des Zuges abwechſelnd einige vertheilt, welche den andern zu⸗
fehreien und die Heerbe durch ihren Ruf zufammenhalten. 2. Zur
Nachtzeit ſtellen fie Wachen aus, welche in der Klaue ein Steinchen
tragen, bamit, ed, wenn ed beim Ginfchlafen loder wirb und herab»
fällt, die Nachläffigfeit verrathe; die übrigen fchlafen mit unter dem
Flügel verborgenem Kopfe und abwechfelnd auf dem einen und dem
andern Beine fiehend. Der Führer Hält mit emporgeſtrecktem Halfe
Umſchau und ordnet an. Im zahmen Zuftande gebärben ſie fidh-
muthwillig und treiben fich, felbft wenn fle vereinzelt find, mit unge:
bührlihem Laufen öfter im Kreife herum. +7) Gewiß ift,.daß fie,
*) Avis tarda, der Trappe (otis tarda L.).
*) Da die Knochen der Vögel hohl und ohne Marf find, fo kann
fein folches ausfließen, auch wird das Fleiſch des Trappen als
| wohlichmedend gerühmg,
“) 9, IV, Kap. 18, 69.6. B. VII, Rap. 2, $. 19.
+) Grus = Ardea grusL.
+}) Das muthwillige, närrifche Treiben gezähmter Kraniche wird
" auch durch neuere Beobachtungen befätigt.
u
. -
1174 C. Plinius Naturgeſchichte.
wenn fie über den Pontus fliegen wollen, ſich vor Allem nach ber
Meerenge zwifchen den beiden Borgebirgen Griumetopon und Gerams
bi8*) begeben, fi dann mit Ballaſt befchweren ; wenn fle über bie
Mitte gelommen find, die Steinchen aus den Klauen , und wenn fie
das Feftland erreicht haben, den Saub aus dem Schlunde fallen
laflen. **) 3. Cornelius Nepos, welcher während der Regierung beö
göttlichen Auguflus farb, fügt da, wo er fchreibt, daß man karz vor⸗
ber Drofieln***) zu mäften angefangen habe, hinzu, daß bie Störche
mehr behagen als die Kraniche }). während jetzt biefer Bogel zu ven
beliebteften gehört, jenen aber nicht leicht Semand berühren mödhte.
XXXI. 1. Woher die Störche tr) kommen und wohin fie fi}
. wiieder begeben, bat man noch nicht in Erfahrung gebracht; feinem
Zweifel unterliegt e8, daß fle weit berfommen, auf Diefelbe Weite,
wie die Kraniche, doch erfcheinen jene im Winter, biefe im Sommer.
Wenn fle abziehen wollen , verfammeln ſie ſich an einem beftimmten
Orte, und wenn fie alle beifammen find, fo bag feiner, der nicht ges
fangen ober gezaͤhmt iſt, won dem ganzen Gefihlecht fehlt, entfernen |
fie fi, gleich als wäre ihnen ber Tag durch ein Geſetz vorgefchrieben.
*) Vgl. B. IV) Kap. 26, 6.7.
*) Man glaubte, fle verſchluckten Sand und nähmen Steinden
in die Klauen, um ſich bei Gegenwind im Gleichgewicht zu
halten, obaleich Schon Ariftoteled (Hist. anim. VIII, 15) dieſe
Eage in Abrede ftellt.
***) Turdas, befonder& wurde bie Beitofbertrofie ober ber Kram⸗
metövogel (turdus pilaris) gemäftet.
7) Der Kranich gilt im oͤſtlichen Gropa, wo er fig Häufig findet,
als eire gute Speife.
+7) Ciconia — Ardea ciconia L. Sie finden fih, England and:
genommen, in ganz Europa und stehen | im Winter nach Italien,
Griechenland und Afrika.
-
Zehntes Bud. ' 1175
Niemand ſieht den Zug ſcheiden, obſchon es merkbar iſt, daß er ſchei⸗
den wird; auch ſehen wir nicht, wie ſie kommen, ſondern nur, daß ſte
da find, denn beides geſchieht zur Nachtzeit; und ob fle hin⸗ oder her⸗
fitegen, fo follen fle doch noch nirgends anders als hei Nacht angefom-
men feyn. 2. Pythonoscome [Schlangendorf] Heißt in den weiten
Gefilden Aftens der Ort,*) wo fie, wenn fle ſich verfammelt haben,
unter fih Happern, ben, welcher zuletzt kommt, zerreiſſen und dann
abziehen. Man bat die Bemerfung gemacht, daß fie daſelbſt nicht
Leicht mehr nach den Idus des Auguſts [13. Auguſt] zu fehen find.
Manche behaupten, die Störche hätten Feine Zungen. **) Ste ges
nießen wegen ber Bertilgung der Schlangen eine ſolche Achtung, daß
man in Theſſalien den Kopf wagte, wenn man einen töbtete, und
in den Gefegen eben fo große Strafe darauf fand, wie auf Mens
Tchenmorb.
XXXIMI. Auf ähnliche Meife zicheh auch die Gänfe und
Schwäne, ***) doch flieht man, wie diefe fliegen. Sie fchweben, nach
Art der Jachtichiffe mit dem Schnabel andringend, daher, weil fie fo
Leichter die Luft durchſchneiden, ald wenn fle mit der Borberfeite grabe.
gegen dieſelbe ſtießen; rückwaͤrts dehnt ſich der Zug in einen aflmälig
zunehmenben Keil aus und bietet ſich in ber Breite dem forttreibens
ven Winde dar. Die Hälfe legen fle auf den vorayfliegenden und
nehmen dann. die ermübenden Führer Hinter ſich. Die Störche fachen
diefelben Nefter wieder auf und füttern ihrerfeits ihre Erzeuger im
*) Man hat Schlangendorf mit fehr, überflüffiger Gelchrfamfeit
- in Sibirien geſucht; die Auffindung, deſſelben dürfte ebenfo
fchwierig ſeyn, als die Beweisführung, daß die Störche den
zulegt kommenden zerreißen.
*) Bom Gegentheil kann man ſich Teicht überzeugen.
+) Olor = cygnus olor, der flumme Schwan.
C. Plinius Naturgeſch. 10. Bohn, ‚4
176° €. Plinius Naturgeſchichte.
ter. Man erzählt nach einigen Beobachtungen (aber irrthümlich
wie ich glaube), daß. die Schwäne beim Tobe einen kläglichen Ge
fang hören laffen.*) Sie frefien auch wechfelfeitig unter ſich ihr
Fleiſch. —
XXXIII. 4. Doc dieſe Wanderäng ber über Meere und Län:
ber ziebenden Dögelerlaubt nicht, die fleineren länger unberührt
zu laffen, denen ein ähnlicher Raturtrieb beiwohnt, obgleich Größe
und Körperkräfte uur die obengenannten bazu einzuladen ſcheinen
koͤnnten. Die Wachteln**) langen fogar immer noch eher an als die
Kraniche; es find Feine Bögel, die fich, wenn fie zu und fommen,
lieber auf der Erbe als in der Höhe aufhalten. Auch fie fliegen auf
gleiche Meife herbei und nicht ohne Gefahr für die Schiffer, wenn fie
ſich dem Lande nähern, denn fle fallen oft und zwar immer des Nachts
in die Segel und verfenfen die Fahrzeuge. 2. Auf der Reiſe haben
fie ihre beftimmten Raſtorte; mitdem Süd fliegen fle nicht, weil dieſer
Wind feucht und ſchwer ift, und doch wollen fle von dem Luftzuge ge
tragen feyn, wegen der Laft ihres Körpers und ihrer geringen Kräfte;
‚ daher auch jenes Klaggefchrei, welches ihnen die Anſtrengung beim
liegen auspreßt. Sie fliegen daher meift mit dem Nordoſt unter
Anführung der Wachtelmutter. ***) Die erſte von ihnen, welche ih
%) Diefee wirklich bei dem wilden Schwane (anas cygaus)
- der Fall. |
**) Coturnix — Tetrao ooturnix L. Man hat früher gezweifelt,
ob die fehwerfälligen und ungern fliegenden Wachteln wirklich
Ana ervögel feyen,. neuere Beobachtungen ſcheinen dafür zu
preden. un
*") Ortygometra; wahrſcheinlich if eine Wachtel, die größer als
bie übrigen iſt, darunter zu verſtehen, nicht aber, wie man
glaubt, der fogenannte Wadhtellönig (rallus orex), deſſen Flügel
zu einem weiten Fluge über das Meer zu furz find.
Zehntes Bud. | 1177
bem Lande naht, erhaſcht der Habicht; deßhalb fuchen fle immer,
wenn fie zurückkehren, Begleitung und von ihnen verleitet ziehen die
Pfuhlſchneppe,) die Ohrenle**) und die Gartenammer ***) zugleich
ab. — 3. Die Pfuhlſchneppe (Glottis) ſtreckt ihre Zunge ſehr lange
heraus, woher ſie auch ihren Namen Hat.) Sie zieht, du die Wan⸗
derung fie ergögt, Anfangs begierig mit, während bed Fliegens bes
Schleicht fle jedoch mit ver Müdigkeit tie Reue und es ift ihr ebenfo
verdrießlich, ohne Begleitung zurlidzufchren ale zu folgen; auch ſetzt
fie den Weg nie länger als einen Tag fort und macht fih am naͤchſten
Raſtorte davon; doch hier findet fich eine anbere, welche im vergan- .
genen Jahre zurückgeblieben iſt, und auf gleiche Weiſe auch an jedem
folgenden Tage. Die beharrlichere Gartenammer eilt dagegen nad)
den erſehnten Ländern zu kommen; fie weckt deßhalb des Nachts die
Wachteln auf und mahnt zur Abreife. 4. Die Ohreule ift Heiner als ,
der Uhu und größer ald die Sumpfeulen, mit heroorragenden Feder⸗
ohren, woher fie auch den Namen hat; manche nennen fie im Latei-
nifchen Aſio; übrigens ıft fie. ein nachäffender, fchmarogender und
gewifiermaßen tanzluftiger Vogel. Sie ift, wie die Sumpfeulen,
nicht ſchwer zu fangen und während fle auf einen ihre Aufmerkfamteit
richtet, ‚umgeht fie der andere. Wenn etwa ein entgegenwehenber
Mind die Schaar aufzuhalten beginnt, fo ergreifen ſie Fleine Stein-
laften oder” füllen den Schlund mit Sand und geben dadurch ihrem °
Zluge Feſtigkeit. Den Wachteln ift Giftſaame das angenehmſte
*) Glotiis — = s0olopaz glottis; fie zieht weit nach Süben und bis
nah A
*) Otus — otus L., auch Horneule.
9) Cychramus = Emberiæa hortulana; Ortolam. Sie zieht
ebenfalls im Winter nach Süben, j
»Er Aorzig, unge. .
4*
1178 6. Plinius Naturgeſchichte.
Butter, ) und fle ſind ſowohl deßwegen von den Tafeln verbauni,)
als auch wegen der Fallfucht, vor der man auszuſpeien pflegt")
und au der fle außer dem Menfchen allein von allen Thieren leiben.
XXXIV am) 41. Auch die Schwalben,.}) der einzige fleiſch⸗
freſſende von den Bögeln, welche feine krummen Klauen haben, ziehen
in den Wintermpnaten fort, fie ziehen aber nach nahen Orden une,
folgen den fonnigen Bergfeßluchten, wo man fle auch ſchon nedt und?
federlos gefunden hat. Zu Thebä follen fie igren Aufenthalt nit»
nehmen, weil biefe Stadt öfter eingenbmmen wurbe, auch nicht zw.
Bizya in Thrazien wegen den Schandthaten des Tereus. ++) 2. Eäs
eina, ein Ritter von, Volaterraͤ [Bolterra] und Beflper eined Biers
gefpannes, +++) fing welche, nahm fie mit fich i in die Stabt”’F)
ſchickte fie, da fie ſtets in daſſelbe Neft zurüdfehren, mit der Yarbe
des Siegeö**r) beftlichen , feinen Freunden als Siegesboten. Auf
Fabius Pictor erzählt in feinen Jahrbüchern, daß man ihm, als eine
zömifche Befagung von ven Ligufinern"**}) belagert wurde, eine
*) Nämlich der Saame von Mieſewurz, Schierling und Wolfs⸗
kraut, wie die Alten behaupten. Man theilt jetzt dieſe Anficht
nicht und betrachtet die Daqhteln als eine egelunbe ledere Speife.
*) Vgl. B. XXVIN, Kap. 7
“), Ebendaſelbſt.
+) Hirundo. Sie bleiben aber feineötwegg i in der Nähe, fondern
ziehen nach Afrifa, und zwar bis zum Gap.
+) Bol. B. IV, Kay. 18, $.9.
tr) Wahrfcheinlich derfelbe, von welchem B. XI, Kay. 77 die Rebe
ifl. Bol. K. O. Müller, die Etrusker, B. I, S. 416.
*4) Su den Wetitennen nach Rom:
**) Der flegenden Partei; vgl. B. VIL, Kap. 54, $. 7.
*) Galliern; Fabius Victor diente im galliſchen Kriege; vgl. die
Bemerkungen über bie in biefem Due benübten Ouellen.
_ gehntes ud. 1179
Don ihren Jungen genommene Schwalbe gebracht habe, damit ex an
einem. an ihren Fuß gebundenen Faden durch Knoten andeuten möge,
am wie vielften wage t man bei Ankunft der Hülfe einen Ausfall
machen folle.
XXXV. Auch die Amſeln,“) die Droſſeln“) und bie Staare ee)
ziehen auf dieſelbe Weiſe nach nahen Orten, ſie verlieren aber die
Federn nicht und verbergen ſich auch nicht, denn man fieht ſte dort
oft, wo ſie ihr Winterfutter ſuchen; deßhalb werden auch in Germa⸗
nien die Drofjeln meiſt im Winter wahrgenommen. Wohl aber vers
birgt fich die Turteltaube F) und verliert Die Federn; auch die Ringel-
tauben +) entfernen fih, wohin, ift ebenfalls unbefannt. Das
Staarengefchlecht Hat das Gigenthümliche,: daß fie ſchaarenweiſe
fliegen und fich wie ein Freifender Ball drehen, indem alle nach der
Mitte des Haufend drängen. Bon allem Gefieder zeigt allein bie
Schwalbe im vielgefrümmten Fluge eine reißende Schnelligkeit, weß⸗
Halb fie auch den andern Vögeln nicht zur Beute wird; endlich ift fie
der einzige Bogel, welcher nur im Fluge frißt.
XXXVLexwv) In der Zeit der Anwefenheit der Vögel herrſcht
große Verſchiedenheit; fle find das ganze Jahr ta, wie bie Tau⸗
‚ben, ttt) ein halbes Jahr, wie bie Schwalben, ein Vierteljahr, wie
! ı
9 Merula = turdus merula L.
*) Bol. Kap. 30, $. 3.
**) Stummus = sturnus vulgaris L.
+) Turtur — columba turtur L.
+r) Palumbes — eolumba palumbas L. Die Turteltaube und die
Ringeltaube ziehen nach. Afrika.
1) Fe bie zahmen oder ſogenannten gel und Hof
s
r
1480 - €. Plinius Naturgeſchichte.
die Droſſeln und Turteltauben, und ziehen fort, ſobald fie ihre Jungen
ausgeführt haben, wie die Bolbammer *) und die Wiebhopfe. **)
XXXVI awı. Man findet bei Schriftftellern, daß jedes Jahr
Vögel aus Aethiopien nach Ilium fliegen und am Grabmale des
Memnon***) fämpfen, weßhalb fle Memnonident) heiten. Das fie
daflelbe afle fünf Jahre in Aethiopien bei der Hofburg des Mem-
non ++) tun, will Cremutius in Erfahrung gebracht Haben.
. XXXVIII. Auf gleiche Weife Fämpfen in Böotien bie Melea-
griben, 717) eine Höcferige mit bunten Federn gefprenfelte Hühnerart
aus Afrifa; fie wurden wegen ihres unangenehmen Geruch zulegt
von den fremden Vögeln zu ben Tafeln zugelaffen, aber das Grabmal
des Meleager*+) hat fie berühmt gemacht.
XXXIX (xxvm: Seleuciven **r) heißen die Bögel, deren Ar:
*) Galgulus (Ixregos, vgl. B. XXX, Rap. 28); Gelbling (em-
beryza citrinella).
**) Vpupa — upupa epops
**) Er hatte dem Priamus Bütfevstter zugeführt und wurde von
Achilles getöbtet. -
+) Wahrſcheinlich der Kampfhahn (trynga pugnax), welcher fü
im gemäßigten Europa, Aſien und Afrika findet.
4) Bol 8. V, Kap. 11, 9.1... VI, Kap. 35, $. 5. |
+++) Meleagris, das Perlhuhn (Mumida meleagris). |
» Gines Helden aus dem älteften griechifchen Sagenfreife; an
feinem Grabe weinten feine Schmeftern fo lange, bis fle Ar:
temis in Bögel (Berlhühner) verwandelte, deren Berlen ale
Spuren der Thränen gelten.
*1) Kann nicht wohl ein —** Vogel ſeyn als die Rofendrofiel
.. (turdus roseus), a Heufchredtenvogel genannt; er wirb als
Halten ber Heufehreden von den Türken faſt für Heilig ges
.-
Zehntes Bug. U 1181
funft die Bewohner bes Berges Gaflıs *) vom Jupiter durch Gebete
erflehen, wenn die Heufchreden ihre Feldfrüchte zu Grund richten;
man weiß weder woher fle kommen, noch wohin fie ziehen, da ſte ſich
nur dann ſehen laſſen, wenn man ihrer Hülfe bedarf.
XL (xxvnni. Auch die Aegypter rufen ihre Ibis **) gegen die:
anfommenden Schlangen an und die Elger***) ihren Gott Myiagros
[Tliegenfänger], wenn die Menge der Fliegen Seuchen bringt; fle.
kommen um, fobald man dieſem Gotte geopfert hat. })
"XLI axız). 1: Beim Abzuge der Bögel ſollen fich jedoch auch
bie Suinpfeulen einige wenige Tage verbergen; ihr Gefchlecht findet
fich nicht auf der Infel Creta, und wenn man elwa eine einführt,
ftirbt fle.4}) Auch hierin zeigt nämlich die Natur eine wunderbare
Mannigfaltigkeit und einem Orte verfagt-fle Diefed, einem andern
Jenes; daß Arten ſowohl von Früchten und Sträuchen, als aud) von
Thieren irgendwo nicht vinheimifch find, fällt nicht auf, daß fie aber,
wenn fie eingeführt werben, abfterben, if wunderbar. Woher dieſes
Widerſtreben gegen das Gebeihen einer Art? Wohet hiefer Neid ber
Natur? Oder warum find den Bögeln Ländergrenzen angewiefen ?
2. Rhodus hat den Adler nicht; Stalien jenfeits des Padus [Po]
*) Zwei Berge biefes Namens werben von Plinius erwähnt, ber
eine in Unteränypten (8. V, Kap. 14, $. 1), der andere in
Syrien (Rap. 18,$.3) in ver Nähe der Stadt Seleucia, woher
vielleicht die Vögel ihren Namen haben.
**) Ibis — Tantalus sacer (Ibis religiosa), der heilige Sichler.
ee) Die Bewohner von Elis, vgl. B. IV, Kap. 6, $. 3
7) Dal. B. XXIX. Kap. 34. Der Sliegengott ift wahrſcheinlich
nur ein perſonificirter Vogel, vielleicht eine Droſſel.
+1) Es fehlt an neueren Unterfuchungen, um die in biefem Kapitel
zufammengeftellten Merkwürdigkeiten zu beflätigen oder zu
widerlegen.
\
1182 C. Plinius Naturgeſchichte.
führt feinen durch bie ihn umgebenden Beaumſtũcke teizenben See 2a:
zius [Lago di Como] am Fuße der Alpen an, zu welchem die Stoͤrche
ebenſowenig kommen, als bis zum achten Meilenſteine von ihm die
ſonſt im benachbarten Landſtriche ber Infubrer*) unzähligen Schwärme
von Steinfrähen**) und Dohlen, ***) welcher Ießtere Vogel allein ein
überaus wunderbares Diebögelüft nach Gold und Silber zeigt. Der
Marsſpecht }) fol fich im tarentinifchen Gebiete nicht finden. Bor
Kurzem ließen fi, jedoch noch felten, vom Apenninus bis zur Stedt
hin Yelfternarten tt) fehen, welche an ihrem langen Schwanze fennt-
lich find und gefcheekte genannt werden. 3. Sie haben das Eigen⸗
thuͤmliche, daß fie flch jedes Jahr, wenn bie Müben gefäet werben,
manfen. +}}) Die Repphühner*+) fliegen in Attika nicht über bie
Grenzen Böotiens und Fein Vogel auf der Infel im Pontus, wo
Achilles begraben ift,**}) über den bemfelben geweihten Tempel bins
aus. Im Fidenatifhen Gebiete***+) befommen in der Nähe ber
Stabt die Störche weder Junge, noch machen fie ein Nefi; dagegen
fliegt jebed Jahr eine Menge Ringeltauben von dem Meere her in
das Volaterranifche Gebiet. In den Herkuledtempel auf dem Ochſen⸗
‚ marfte}”) zu Rom kommen weder Tliegen noch Hunde. 4. Anker
*) Del, B. III, Kap. 21, $.2.
**) Graoulus = corvus graculus L.
***) Monedula = corvus monedula L.
+) Vgl. oben Kap. 201
+}) Pica = oorvus pica, and) Atzel.
1m Bel. 3. XVII, Kap. 35.
*t) Dgl. unten Kap. 51.
*4) Bol. B. IV, Kap. 26, $. 2 Kap. 27, 8. 1.
) Bol. B. TIL Rap. 17, 8. 1
+9 Dgl. B. XXXIV, Rap. 5.
- Zehntes Buch. 4183
biefem gibt es noch viel Achnliches bei den einzelnen Gefchlechtern,
was ich aber fortan übergebe, um Ueberdruß zu erfparen; fo berichtet
Theophraftus, daß in Aflen auch die Tauben, die Pfanen und die
Raben, und im Cyrenäiſchen die fehreienden Froͤſche eingeführt
feyen. *) , |
XLII: Bei den Singvögeln erregt Anderes Bewunderung; fle
ändern faft alle. bie Farbe und die Stimme zu. einer beſtimmten
Jahreszeit und werben plößlich umgeftaltet, was jedoch bei ber groͤ⸗
Beren Art von Vögeln nur von den Kranichen gilt, denn dieſe werben
im Alter ſchwarz. Die Amfel geht aus dem Schwarzen in's Roͤth⸗
liche über, fingt im Sommer, fiammelt im Winter und ift zur Zeit
der Sonnenwende flumm. Much der Schnabel gefaltet ſich bei den
einjährigen, jebach nur bei den Männchen, in Elfenbein um.”*)
Die Drofieln find im Sommer am Halfe bunt, im Winter eins
farbig.
XL. 1. Die Nachtigallen ***) laſſen, wenn das fprofiende
Laub dichten wird, fünfzehn Tage und Nächte nach einander ohne
Unterbrechung einen fchmetiernden Sefang Hören und biefer Bogel
hat nicht den lebten Anfpruch auf Bewunderung. Vor Allem dieſe
Stimme, diefer ausdauernde Athem in einem fo Kleinen Koͤrperchen,
dann der Schlag, welcher ſich, wie mit einer volllommenen Kenntniß
der Mufll durchgeführt, entwidelt und bald duch Aushalten bes
Athems in die Länge gezogen, bald durch Trillern gewechlelt, balp
duch Abſetzen gebrochen, durch Schleifen yerbunben, durch Einziehen
gebehnt und unvermuthet gedämpft wird; zuweilen if es nur ein
) 2gl. 3. VII, Kay. 83, $. 2.
“) Nimmt die Farbe des Elfenbeins an,
+) Luscinia — Sylvia luscinia,
1184 C. Plinius Naturgeſchichie.
Zwiiſchern, dann voll, kräftig, gellend, ſchnell, langſam, nach Bes
lieben ſchwirrend, ganz hoch, die Mitte haltend, ganz tief; kurz, in
einer fo winzigen Kehle ift Alles, was die Kunſt der Menfihen au
den vorzüglichften Pfeifenwerfen erbacht hat, und ed unterliegt dem-
nach feinem Zweifel, daß dieſe Anmuth durch eine bewaͤhrte Borbes
deutung vorausgefagt wurde, als auf dem Munde des Steſichorns, *)
ba er noch ein Kind war, eine Nachtigall fang. 2. Und damit Nie
mand zweifle, daß Kunft babei fey, fingt jede einzelne mehrere Weiſen
und diefe find nicht bei allen dieſelben, fondern jede Hat ihre eigenen.
Sie flreiten miteinander und ihr hartnädiger Kampf findet äffentlidy
fatt; nur durch den Tob beflegt, endet oft ihr Leben, da ihr ber Atem
eher als ber Geſang ausgeht.”*) Die andern jüngeren lernen ***)
und erhalten die Lievabfäße, welche fie nachahmen follen; die Schü:
Ierin Hört mit großer Aufmerkfamfeit zu, fingt nach, und fo ſchweigen
fie abwechfelnd fill. Man merkt der zurechtgewieſenen an, daß fle
verbeffert, und der lehrenden, baß fie tadelt. 3. Sie flehen deßhalb
mit deu Sklaven in gleichen Preifen und fogar noch in höheren, als
fon für die Waffenträger bezahlt wurden. Mir it befannt, daß
eine, welche übrigens, was faft nie vorfommt, weiß war umb ber
Agrippina , ver Gemahlin des Fürften Claudius, zum Geſchenke ges
macht wurbe, ſechstanſend „Sefterzien [572 Gulden] foftete. Man
hat ſchon oft gefehen, daß fle auf Befehl zu fingen anfingen mb mit
der Mufif abwechfelten; fo wie ſich auch Leute fanden, welche igren
*) Er war befanntlich einer ber ausgezeichneten Dichter Griechen⸗
ß. “
J land
) Auch nach neueren Beobachtungen ſuchen fle ich im Belange fo
barinädig zu überbieten, daß fle oft Blutgefäße zerreiffen und
u nie vom Schlage gerührt niederfallen.
) Man fagt jet, fle fangen an gu dichten.
Zehntes Bud. | 1185
Schlag dadurch, daß fie in eine Duerrohrpfeife Wafler goſſen und
während fie in das Loch Bliefen, der Zunge irgend ein Feines Hinder⸗
niß entgegenſetzten, bis zur täufchenden Aehnlichkeit nachahmten. *)
4. Aber viefe fo große und fo kunſtreiche Zungenfertigfeit hört nach
fünfzehn Tagen allmälig auf, ohne daß man Mübigfeit oder Ueber⸗
drug vorausfepen fünnte. Bald wird bei zunehmender Hitze bie
Stimme eine völlig andere und ift ohne Wohlklang und Mannigfals
tigfeit; auch ihre Farbe ändert fih und im Winter endlich läßt die
fi nicht mehr fehen. Die Zunge ift bei ihnen vorn nicht fo dünn,
wie bei den übrigen Nägeln. Zu Anfang des Frühlings legen fle
und zwar höchftend ſechs Gier. |
XLIV. Anders verhält es fich mit den Feigenpickern, **) denn
diefe verändern Geſtalt und Narbe zugleich; fie führen diefen Namen
im Herbfle, fpäter aber nicht und heißen alddann Melancoryphus
[Schwarzföpfel.*) So Heißt auch ein und derfelbe Vogel im
Minter Erithakus [Schwanzfchneller] und im Sommer Phönifurue
[Rotbfehtwang], ) Es verändert ſich auch, wie der Dichter Aeſchylus
*) Solche Leute aibt es noch und ſie bedienen ſich dabei einer
ee irlenrinde geſchnittenen ſogenannten Klutter (Bogel:
pfeife
.**) Ficedula = Sylvia fioedula, Garten-Örggmücte.
“) Plinius läßt ſich hier wieder durch den Glaͤuben, daß ſich Vögel
verwandeln, irre führen. Der Schwarzkopf iſt der Fliegen⸗
ſchnapper (muscicapa atricapilla), welcher dadurch, daß er ſich
zweimal, im Frühjahre und im Herbfie, mandt, zu der Ber:
wechſelung der beiden Vögel Veranlaſſung gab.
+) Hier waltet wieder derſelbe Irrthum ob; der Grithafus ift der
Haus-Rothfchwanz (sylvia erithacusL. ), welcher beftänbig ben
Schwanz ſchnellt, und der Phoͤnikurus ber Garien⸗Rothſchwanz
(eylvia phoenicurus L.).
Eu
1184 C. Plinius Naturgefhiäie.
Zwiiſchern, dann voll, kräftig, gellend, ſchnell, langſam, nach Bes
lieben ſchwirrend, ganz hoch, die Mitte haltend, ganz tief; kurz. in
einer fo winzigen Kehle ift Alles, was die Kunft der Menſchen an
den vorzüglichfien Pfeifenwerken erbacht hat, und es unterliegt dem-
nach feinem Zweifel, dag dieſe Anmuth burch eine bewährte Vorbe⸗
deutung vorausgefagt wurde, ald auf dem Munde des Steftherns, *)
da er noch ein Kind war, eine Nacktigall fang. 2. Und damit Rie⸗
mand zweifle, daß Kunſt dabei ſey, ſingt jede einzelne mehrere Weilen
und biefe find nicht bei allen biefelben , fondern jede Hat ihre eigenen.
Sie fireiten miteinander und ihr Hartnädiger Kampf findet öffentlich
ftatt; nur durch den Tob beflegt, endet oft ihr Leben, da ihr der Athem
eher als ber Gefang ausgeht. **) Die andern jüngeren Iernen**")
und erhalten die Lievabfäbe, welche fie nachahmen follen; die Schi:
lerin ört mit großer Aufmerkfamfeit zu, fingt nad), und fo fehweigen
fie abwechfelnd Hill. Man merkt der zurechtgewiefenen an, baß fle
verbeflert, und der lehrenden, baß fie tabelt. 3. Sie ftehen deßhalb
mit deu Sklaven in gleichen Breifen und fogar noch in Höheren, als
font für die Waffenträger bezahlt wurben. Mir it befaunt, daß
eine, weldhe übrigens, was faſt nie vorfommt, weiß war nub der
Agrippina , ver Gemahlin des Fürften Claudius, zum Geſchenke ges
macht wurde, fechstaufend „Sefterzien [572 Gulden] foftete. Han
bat ſchon oft gefehen, daß fle auf Befehl zu fingen anfingen mb mit
der Muſik abwechfelten; fo wie ſich auch Leute fanden, welche ihren
*) Gr war befanntlich einer ber außgezeichneten Dichter Griechen⸗
ande. ”
**) Much nach neueren Beobachtungen fuchen fle fich im Belange fo
bartnädig zu überbieten, daß fle oft Blutgefäße zerreiffen und
ua wie vom Schlage gerührt nieberfallen.
>) Man fagt jest, fie fangen an zu dichten. .
j Zehntes Bud. - 18
Schlag dñ fe in eine Duerroßepfeife Waffer goflen und
weälhrenb fie in bad Loch blicfen, der Zunge irgenb ein Meined Hinbers
iS entgegenfepien, bis zur tünfehenden Mchnlichfeit nechahınten. *)
4. Aber viele fo große und fo Eunftreiche Zungenfertigkeit hört mach
Fürmfzchn Tagen elmilig anf, ofae haf man Mütigfeit ober Uebers
wrmß voramöfegen fünnte. Bald wird bei zuuchmenter Hide bie
Stimme eine völlig andere and iR ohne Wofltiang und Mannigfals
tüigfeit; amd ihre Farbe ändert ſich und im Winter endlich läßt die
5 wicht miche fehen. Die Zunge if bei ihnen vorn nicht fo dünn,
wie bei ben übrigen Bögeln. Zu Anfang des Prüßlings legen fie
und zwar hoͤchſtens ſechs Gier.
XLIV. Anders verhält es fich mit den Feigenpidern, *) dem
Diefe verändern GeRalt und Farbe zugleich; fie führen diefen Ramen
im Herbſte, fpäter aber nicht und Heißen alddann Melaucorpphas
1Schwarzföpfel."") So Beist aud cin und berjelbe Mi
Winter Grithalas [Schwanziäneller] und im Sor
IEothſchwani]. Es verändert ſich auch, wie der
Solche Leute gibt es noch und fie bediene
ann ionie geſchnittenen fogenannte:
**) Ficedula = Sylvia ficcduln, Garten-Or,
5 Blinins läßt ſich Bier wieder vurch den Ol
verwandeln, irre führen. 6
— (muscioapa atricapi
‚im Srähjahre md
Beelung der Biken Alcal
7) Hier waltet wieder derfeibe
—8* *—
— Cl in
(eylvia phoenicarus L.).
fänellt, und der P
1186 -6. Plinius Naturgeſchichte.
ſagt, der Wiedhopf,“) ein übrigens in feiner Nahrung unſauberer
Bogel, **) doch feheyswerth wegen feiner biegfamen Haube, bie er
nach der ganzen Ränge des Kopfes zufammenzieht und aufrichtel,
XLV. Die Denanthe ***) hat zwar auch ihre beſtimmten Ber-
ftedtage, indem ſie ſich bei dem Aufgange bed Hundsſterns verbirgt
und mit dem Untergange befielben wieder herbeifommt, verwunbern
müflen wir und aber, daß beides grabe an benfelben Tagent) ges
fhiebt. Der Ehlorion, +}) welcher ganz gelb ift, läßt ſich ebenjals
im Winter nicht fehen und .erfcheint zur Zeit der Sonnenwenben.
xxx). Nur um den Eyllene+tt) in Arkadien und fonft nirgends
gibt ed weiße Amfeln.*}) Der Ibis ift nur bei Belufium [Tinieh]
fehwarz,*"+) an allen übrigen Oxten weiß.
*) Bol. oben Kap. 36.
ee) Er fucht Infekten und Larven aus dem Mifte und Maden aus
dem Aafe.
+), Woͤrtlich Weinblüthe; Plinius nennt denfelben Vogel weiter
- unten (Kap. 50, $. 1) vitiparra und (B. XVII, Kap. 69,
6. 11) parra, befchreibt ihn aber nirgends genauer; ba oısardy
auch der fprofiende Sünglingsbart heißt und die Bartmeiſe
(parus piarmious) durch ihren fonderbaren Backenbart auffällt,
fo iſt wohl dieſe gemeint. ‚
+) An welchen der Hundsflern aufs und untergeht.
+) Woͤrtlich Grihling, Tann aber Fein anderer Vogel feyn als bie
Goldamſel (oriolus Iuteus), denn der Grünling (loxia chloris)
ift nicht größer als der Sperling, der Chlorion hat aber nad
Ariftoteles (Hist. anim. IX, 28) bie Größe der Turteltaube.
t1t) Pol. 8. IV. Kay. 10, $. 1.
*T) Die Amfeln werben nur durch Krankheit weiß, es fünnen alfo
überall folche vorfommen. ' _
) Der ſchwarze Ibis ober Sichler (scolopax faloinellus), welcher
im füdlicden @uropa lebt und im Auguf mit feinen Jungen
x
Zehntes Buch. | 1187
XLVI xxyi. Alle Singvögel, außer ven bereits ald Ausnahme
genannten,*) befommen nicht leicht vor der Frühlingsnachtgleiche
ober nach der Herbfinachtgleiche Zunge; vor der Sonnenwenbe ift
ihr Aufkommen zweifelhaft, nach ber‘ Sonnenwende bleiben ſie am
Leben.
XLVII axım. 1. Hierin find die Eisvögel**) ganz befonders
merkwürdig. Ihre Hecktage kennen die Meere und die, welche fie bes
fchiffen. Der Vogel ſelbſt if ein wenig anfehnficher als der Sper⸗
ling, hat eine größtentheils waflerblaue, nur mit purpurnen und
weißen Federn untermifchte Farbe und einen dünnen, langen Hals.
Eine Art derfelben unterfcheivet fich durch Größe und Gefang; die
Heineren fingen im Rohrbidicht. Man befommt äußerſt felten einen
Eisvogel zu fehen ***) und nur beim Untergange des Siebengeflirnd
und bei ben Sonnenwenden ober am fürzeften Tage, wenn er zuweilen
ein Schiff umflattert und ſich dann fogleich nad feinen Schlupfwin:
keln entfernt. 2. Sie hecken an den fürzeften Tagen, }) welche Eisvogel⸗
tage heißen und während welcher bad Meer, befonders das ſiciliſche,
ruhig und ſchiffbar iſt. [Auch an andern Orten ift die See ftiller, die
fteilifche jedoch am beften zu befahren] Sie bauen Nefter +F) in ben
nad) Aenypten geht, if von dem weißen. oder heiligen Ibis
(Kap. 40) völlig verfchieden.
*) Nämlich den Lerchen, Kay. 43, $. 4.
**) Halcyon = Alcedo hispida L.
**) Er ift im ganzen gemäßigten Europa an ben Flußufern und am
Geſtade des Meeres häufig anzutreffen. Die ſich an ihn knũͤ—
pfenden Fabeln, welche Plinius mittheilt, bebürfen Feiner
Widerlegung.
7) Keineswegs, ſondern im Mat.
+47) Sie baden mit dem Schnabel Löcher In die Ufer und machen
darin ein Neft von den Fifchgräten, welche fie auswuͤrgen.
+
18 6. Blinius Naturgeſchichte.
fieben Tagen vor dem fürzeflen und legen in ben fleben folgenden.
Ihre Nefter, welche die Geſtalt eines etwas nad) oben verlängerten
Balles, eine fehr enge Oeffnung und Aehnlichfeit mit großen Schwän-
men haben, erregen Bewunderung; fle laſſen ſich mit Gifen nicht zer⸗
fihneiden, wohl aber durch einen Eräftigen Schlag zerbrechen, wie
teodener Meerſchaum.“) Woraus fie Diefelben formen , if nicht zu
- ermitteln, man glaubt, aus flacheligen Gräten, denn fie leben von
Fiſchen. Sie gehen auch in Sie Flüſſe. Sie legen fünf Eier.
XLVII. Die Möven**) niften auf ben Felfen, Die Taucher ***)
auch auf den Bäumen; fle legen meift drei Gier, aber die Moͤven im
Sommer, bie Taucher zu Anfang des Frühlings.
XLIX aaxımm. 4. Die Geſtalt des Eisvogelneſtes erinnert and
an bie Geſchicklichkeit der übrigen Vögel und in feinem andern Stüde
verdient der Kunfttrieb derfelben mehr Bewunderung: Die Schwal:
Bent) bauen mit Koth und befefigen mit Strob; if etwa Mangel
an Roth, fo machen fie ſich mit vielem Waſſer naß und befprigen mit
den Federn den Staub. Das Neft felb aber füttern fie mit weichen
Federn und Flocken aus, damit die Gier warm bleiben und damit es
auch für die Fleinen Jungen nicht zu hart fey. 2. Bei der Fütterung
der Brut halten fle mit der hoͤchſten Gewifienhaftigfeit bie Reihe;
den Auswurf der Jungen fehaffen fie mit bemerfenswerther Meinlichfeit
hinaus und lehren diefe, ſobald fle größer geworben find, ſich herum
*) Maß Blinins Gier als Eisvogelneft beſchreibt, ift offenbar ein
Meerforf (aloyonium), denn die Gißnögel bauen feine für ſich
beſtehenden Nefter.
**) Gavin — Larus.
**) Mergus — Colymbas.
) Hier iſt bie Rauchſchwalbe (hirundo rustion) gemeint; fle baut
mit Schlamn und Stroh,
, Behntes Bud. ° 1189
sbrehen und ben Unrath herauslaſſen. Eine andere Art find die Land⸗
und Feldfchwalben*), welche ihre Nefter felten in den Haͤuſern und in
verſchiedener Geflalt, aber aus demſelben Stoffe bauen und zwar ganz
rückwärts bängend, mit eng zulaufendem Cingang, geräumigem
Bauche und mit wunderbarer Einficht fo eingerichtet, Daß fle zur Ber:
Bergung der Jungen und zum weichen Lager berfelben dienen. In
Aegypten an der berakleotifchen Mündung ey) ſtellen fie durch Aneinan⸗
derbauen ihrer Neſter dem austretenden Nil einen unüberwindlichen
Damm von der Länge faſt eines Stadiums J' /.Meile] entgegen,
was durch menſchliche Arbeit nicht vollbracht werden könnte. In dem⸗
ſelben Lande ift bei der Stadt Coptos [Ruft] eine ber Iſis heilige
Sufel, welche fie, damit derfelbe Flug fie nicht zerreifie, durch ein
Bollwerk ſchützen, indem fie beim Beginne der Frühlingätage bie
Spibe derfelbeg mit Spreu und Stroh befeftigen und damit brei
Tage und drei Nächte mit folcder Anfirengung fortfahren, daß, wie
man ſicher weiß, viele bei der Arbeit ſterben, und mit jedem Jahre
kehrt ihnen dieſer Frohndienſt wieder. Es gibt noch eine dritte Art
Schwalben, ***) welche bie Ufer aushöhlen und fo bazwifchen niften. '
Ihre Jungen, gu Afche verbrannt, heilen cin töbtliches Halsübel und
viele andere Krankheiten des menfchlichen Körperd.}) Diefe machen
. Teine Nefter und wandern, wenn zu erwarten fteht, daß ber anſchwel⸗
lende Fluß ſie erreiche, viele Tage vorher fort.
L. 1. Zu dem Geſchlechte der Bartmeiſen t}) gehoͤrt ein Vogel,
) Die Fenſterſchwalbe (hiraudo urbioy); fie bauen bloß mit
Schlamm. . ,
“) Bol. B. V, Kap. 11, $. 5.
*) Die Uferſchwalbe (hirundo riparia L).
7) Bol. B. XXX, Kap. 12, 8. 1.
11) Vitiparra; vgl, oben Kap. 45.
’
t \
1190 €. Plinius Naturgeſchichte.
welcher fein Neſt aus trockenem Mooſe zu einem fo vollkommenen
Balle ausarbeitet, daß man den Eingang nicht finden kann; Acan⸗
thyllis) heißt ein anderer, welcher es in derſelben Geſtalt aus Flachs
zufammenflicht; einer von dem Spechtgeſchlechte ) hängt es becher⸗
artig an einen Zweig vorn an bie Aeſte, fo daß fein Vierfüßler baran⸗
kommen kann; die Goldammern ***) ſchlafen ſogar ſelbſt, wie man vers
fichert, an den Füßen hängend, meil fle ſo ſicherer zu feyn hoffen.
2. Bekannt ift aber von allen, daß fle die Aeſteverbindungen zur Sti-
gung des Neſtes vorfihtig auswählen, fle gegen den Regen über
wölben oder durch dichtes Laub ſchützen. Ein Bogel in Arabien,
welcher Ginnamologos [Zimmtiammler] heißt, baut fein Neft aus
Zimmtzweiglein; bie Gingeborenen fchießen biefe des Gewinnes
wegen mit bleiernen Pfeilen herab. }) - Im Scythenlanbe brütet ein
Vogel von der Größe eined Trappen tr) immer in einem an ben
| Spipen der Aefle hängenden Hafenfelle zwei Junge and. Wenn bie
Eiftern bemerken, ++}) daß ihr Neſt aufmerkſam von einem Menſchen
-*) Diſtelvogel; iſt wohl derſelbe, gzelcher weiter unten (Kap. 95,
6. 3) Acanthis (Diftelfink) Heißt.
++), Die Soldamfel (oriolus galbula) fann hier nur ‚gemeint fen.
Man fleht, fagt man in Sranfreich aweibeutig, ein Goldamſel⸗
neft nur hängen.
*#) Galgulus; vgl. oben Kap. 36.
+) Man fuchte durch diefe Zabel (vgl. Herodot IN, 111) wahr:
ſcheinlich das Vaterland des Zimmts, welcher von Eeylon aus
über Arabien in ben Handel fam, zu verheimlihen. Bol. 4.
H. 8. Heeren, Ideen u. f. w. (Göttingen 1815, 8.) 3b. L
Abthl. 2, ©. 111 u. 231 ff.
Tr) Otis; vgl. oben Kap. 29, $. 2. Cine Erflärung biefer Sage
läßt fich nicht auffinden.
"Bel. weiter oben Rap. 41, $.2.
Zehntes Buch. 111901
Betrachtet wird, fo bringen fle tie Gier anderswohin. Dieß ſoll bei
denjenigen Vögeln, deren Zehen zum Umfaflen und Kortfchaffen der
Eier nicht geeignet find, auf eine wunderbare Weile gefcheben, indem
fle auf je zwei Eier ein Zweiglein legen, es durch ihre zaͤhe Aus⸗
leerung daran feflffeben, dann den Ropf in der Mitte darunter ſtecken
und es, wenn bas Gewicht auf beiden Seiten gleich ift, anderswohin
tragen. \
LI. 1. Nicht geringer aber ift die Gefchicflichkeit derjenigen,
welche ihr Lager in den Boden machen, da die Echwere ihres Körpers
fie hindert, in die Höhe zu fliegen. Der fogenannte Immenwolf, *)
welcher feine verborgenen Alten füttert und deſſen Federn an ber uns
tern Eeite blaß, an der obern waflerblau und an der Spige roͤthlich
find, niftet in einer fech8 Bug tief gegrabenen Höhle. 2. Die Feld⸗
hühner**) befeftigen ihren Aufenthaltsort fo ehr mit Dornen und
Geſtraͤuch, daß fie hinlänglich gegen die wilden Thiere verſchanzt find.
Zür die Gier häufen fle ein weiches Lager von Staub auf; fle be-
brüten fle nicht, wo fie diefelben gelejt haben, und tragen fie, damit
Niemand ihr häufiger Verkehr verdächtig werde, anderswohin. Sie
Hintergehen auch ihre Männchen, weil diefe aus ungezügelter Wolluft
ihre Gier zerbrechen, damit fle nicht durch das Brüten von ihnen ab⸗
gehalten werden. Die Münnchen kämpfen alsdann unter ſich aus
. Mangel an Weibchen und das beſiegte läßt fich, wie man ſagt, treten. .
*) Merops = merops apiaster L. Die Jungen bleiben [ehe fange
bei den Alten und_daher mag der Glaube entflanden feyn, daß
die erften die legteren füttern.
. ) Perdix. Man hat hier hauptfächlich das Rothhuhn (tetrao
rufus L.) darunter zu verſtehen; vgl. weiter unten Kap. 69,
» .
C. Plinius Naturgeſch. 10, Born, 5
1192 C. Plinlus Naturgeſchichte.
3. Trogus berichtet, dieß fen ebenſo der Fall bei den Wachteln und
zuweilen auch bei den Haͤhnen, von den zahmen Feldhühnern aber
würden die wilden, neu angekommenen und beflegten ohne Unterſchied
getreten. Sie werben auch durch ihre Rampfhegierbe wäßrend dieſer
Wolluſt gefangen, indem ber Anführer ber ganzen Schaar gegen den
Leithahn des Vogelers in den Kampf geht; ift diefer gefangen, fo
tritt ein zweiter vor und fo einer nad) dem andern. Die Weibchen
Dagegen werben um bie Tretzeit gefangen, weil fle alsbann auf va
Meibchen des Bogelers losgehen, um es burch Habern zu verfchenden.
4. Auch äußert fich bei feinem andern Thiere die Brunft auf gleiche
Weife. Wenn die Weibchen den Männchen gegenüberftehen, werben
fle durch die von diefen herwehende Luft fchwgnger und um diefe Zeit
fperren fle vor Hiße den Schnabel auf und ſtrecken die Zunge herane.
Sie empfangen aud) ‚durch ven Anhauch der über fle Binfliegenden
und oft ſchon, wenn fle nur die Stimme des Männdyens hören. Sa
die Wolluft bekommt fo fehr die Oberhand über die Liebe zu der Nach⸗
Tommenfchaft, daß die heimlich und im Verborgenen brüfende, wenn
fie bemerft,, daß das Weibchen des Vogelers ſich ihrem Männchen
nähert, bafjelbe zurücklockt und herbeiruft und ſich freiwillig ſeiner
Begierde preisgibt. Auch werten fie von ſolcher Wuth Hingerifien,
daß file ſich, vor Beforgniß ganz blind, auf den Kopf des Bogelers
fegen. 5. Wenn diefer ſich anſchickt, nach dem Nefte zu gehen, fo
läuft die Mutter vor feine Füße, ftellt ſich, als fey fie übermübet ober
gelähmt, füllt nach plößlichem: Fortlaufen ober einem furzen Fluge
nieber, läuft dann wieder fort, entfchlüpft ihm, wenn er fle ſchon zu
ergreifen glaubt, und täufcht. feine Hoffnung , bis fle ihn nach einer
dem Refte entgegengefepten Richtung führt. Iſt fie der Furcht ledig
und von ber mülferlihen Sorge befreit, fo legt ſie ſich rücklings in
eine Furche, ergreift mit ben Füßen eine Erdſcholle und bebeitt ſich
Zehntes Buß. 1193
damit. Man glaubt, dag die Feldhühner ihr Leben bis auf fechezehn
Jahre bringen. R
L III caxım). 1. Nach ihnen äußern fich hanptfächlich bei den
Tauben auf gleiche Weife biefelben Sitten, doch geht dieſen Schams -
Haftigfeit über Alles und feinem Theile ift Unzucht befannt, Die
eheliche Treue verlegen fle nicht und bewohnen ein gemeinſchaftliches
Haus; feine verläßt anders als ehelos oder verwittwet das Nefl. Die
Männden, fagt man, feyen herrfihfüchtig und demnach auch unge:
recht, denn fie hegen den Verdacht des Ehebruchs, obgleich die Anlage
dazu fehle. Alédann if die Kehle voll Klage und es folgen heftige
Schläge mit dem Schnabel, bald aber zur Genugthunng Schnäbeln
und bei häufigem Umdrehen auf den Füßen Schmeicheln um die Gunſt
der Liebe. 2. Bei beiden ift die Liebe zur Nachkommenſchaft gleich
und oft findet aus diefer Urfache eine Züchtigung flatt, wenn das
Weibchen träger die Jungen beſucht; der legenden wird von bem
Männchen Troft und Dienflleiftung zu Theil. Den Jungen flößen
ſie zuerft eine im Schlunde gefammelte falzige Erde in den Schnabel,
um fo die Berbauung des Futters vorzubereiten. Cine Eigenthüm-
lichkeit dieſer Gattung, ſo wie auch der Turteltauben *) iſt, daß fie,
wenn fie frinfen, den Hals nicht zurückbeugen, fondern reichlich trin⸗
fen, wie das Zugvieh.
(xxxvy. 3, Mir haben Gewährdmänner, daß die Ningeltauben
an dreißig ,, manche fugar an vierzig Jahre leben, ohne eine andere
Unbequemlichkeit ald an ven Klauen, die deßhalb auch ihr Alter ver=
vathen, aber ohne Gefahr yerfchnitten werben Können. Der Gefang
ift bei allen gleich und derſelbe beſteht aus drei Abfägen und ühber-
) Leber die Bnennungen ver verfchiebenen Taubenarten, vergl
weiter oben Kap. 35 und 36,
5*
-
119 €. Blinius Naturgeſchichte.
dieß einem Seufzer zum Schluſſe; im Winter find fle ſtumm, mit bem
Frühling werben fie laut. Nigidius glaubt, daß die Ringeltaube,
während fle ihre Bier bebrüte,, ihr Neft verlaffe, wenn man ihr im
Haufe zurufe. 4. Sie legen aber nach der Sonnenwende. Die Tauben
und Zurteltauben leben at Jahre.
(xxxvi. Dagegen ift dem Sperling, *) der gleiche Geilheit be:
fißt, ein äußerft kurzes Leben beſchieden; man behauptet, daß die
Männchen nicht über ein Jahr auspauern und führt ald Beweis au,
daß von der Schwürze des Schnabele, welche mit dem Sommer be:
ginnt, zu Anfarig des Frühlings nichts mehr zu fehen ift; die Weib:
chen haben eine etwas längere Zrift. — 5. Den Tauben wohnt aber
auch ein !gewifler Einn für Ruhm bei; man follte glauben, fie
Tennten ihre Farben und die bunte Bertheilung berfelben; ja auch
beim Fluge fuchen fle in der Luft zu klatſchen und biefe in verfchie:
dener Richtung zu durchfurchen, bei welchem Gepränge fle fi mie
gebunten dem Habicht überliefern, ba durch das Geräufch, welches
nur durch die Schultern der Flügel hervorgelockt wird, ſich die Federn
verwirren, während fie fonft bei loſem Fluge bei weiten fchneller
find. Der Dieb lauert im Laube verftedt und hafcht fie, wenn fle
fich grade ihres Ruhmes freuen.
(xxxvm). 6. Man muß deßhalb mit ihnen den Vogel halten.
welcher Wanrenweher**) heift, denn er vertheibigt fie und ſchreckt die
Habichte durch die ihm angeborene Macht fo fehr, daß ſte ſchon feinen
4
*) Passer — Tringilla de mertica L.
**) Tinnunculus — Falco tinnunculus L., auch Thurmfalfe ges
nannt. Plinius nennt ihn weiter unten (Kap. 73) cenchris,
wie er bei ven Griechen heißt. Der Wannenweher ſtößt nicht
auf Tauben, weil fie ihm zu ſchnell find, alles Uebrige if Fabel.
-
Zehnted Bud. 1195
Anblick und feine -Stimme fürchten. Aus diefer Urſache find die
Tauben ihnen mit befonderer Liebe zugethan und man fagt, daß, wenn
man folche in ven vier Ecken in neuen verfchmierten Toͤpfen ver
grabe, die Tauben ihren Aufenthaltsort nicht wechfeln, was Andere
Dadurch zu bewirken fuchten, daß fie ihnen in die Gelenke ber
Flügel mit einem goldenen Werfzeuge (denn fonft find die Wunden
wicht ungefährlih) Einſchnitte machten. Webrigens fchweift dieſer
Wogel gern üherall herum, denn fle verftchen die Kunft, einander zw
ſchmeicheln und andere zu verführen und dann heimlich mit großer Bes
gleitung zurüchzufehren.
LIII. Sie dienten fogar auch ald Boten in wichtigen Angelegen⸗
heiten und Decimus Brutug ſchickte während der Belagerung von
Mutina [Modena] an ihre Füße gebundene Briefe in das Lager ber
Conſulũ.) Was nügten da Wall, wachfame Einſchließung und noch
überbieß in ven Fluß geſpannte Netze dem Antonius, wenn ber Bote
durch die Luft ging? Diele treiben auch ihre Liebhaberei für fle bis
zum Unfinn, bauen ihnen Thürme auf die Dächer und zählen den
Adel und den Urfprung der einzelnen ber, wie man fchon alte Bei-
fpiele bat. Der römifche Ritter 2. Arius verkaufte vor dem pom⸗
pejanifchen Bürgerfriege, wie Barro erzählt, einzelne Paare zu vier:
Hundert Denare 452 Gulden] , ja die in Campanien einheimifchen,
welche als die größten gelten, haben ihr Vaterland berühmt gemacht.
LIV Xxxvmyj. 1. Ihr Flug veranlagt und, auch den der übrigen
Dögel zu erwaͤgen. Alle anderen Thiere haben einen beſtimmten, ein⸗
*) Diefe im Bürgerkriege nach Gifars Tede berühmte Belage:
tung dauerte vom December 44 bis zum 14. April 43 vor Chr. ,
aber ohne Erfolg.
*) Gin fonft unbefannter Mann.
4196 C. Plinius Naturgeſchichte.
förmigen und ihrer Gattung eigenthümlichen Gang; nur die Böge
bewegen ſich fowohl auf der Erbe als in der Luft auf verſchiebene
Meife. Ginige fchreiten, wie die Krähen, andere hüpfen, wie die
Sperlinge, die Amfeln, laufen, wie die Felphühner, die Walnfchnes
den, werfen die Füße von einander, wie die Stördhe, die Kraniche;
andere breiten die Flügel und ſchwingen fie ſchwebend in langen Zwi⸗
fehenräumen, andere häufiger, aber doch and) nur an ben -Wnben des
Gefieders, andere wieder entfalten fie in ihrer ganzen Breite; andere
prefien fie beim Fluge größteniheils zufammen , durchichneiden mit
einem, manche mit doppeltem Schlage die Luft und fehnellen ſich glei:
fam durch den Druck der eingefchloffenen Luft fort, in fenfrediter,
wagerechter oder geneigter Richtung; bei manchen fdheint es fa, als
würden fle fortgefloßen, bei diefen wieder, als fielen fie von oben her:
ab und bei jenen, als hüpften fie. 2. Nur die Enten und was zu
ihrem Befchlechte gehört, erheben fich fogleich fenfrecht und fleigen
von der Stelle, fogar aus dem Wafler, in die Höhe, weßhalb fle auch
allein, wenn fle in die Gruben, worin wir dad Wild fangen, fallen,
wieder entkommen. Der Beier und die ſchwereren Raubvögel Riegen
nur nach einem Anlaufe oder von einer höheren Stelle anfepend fort
und Ienfen ſich mit bein Schwanze. 3. Ginige fehen ſich um, anbere
beugen den Hals, manche verzehren, was fle mit ben Füßen geranbt
haben. Biele fliegen nie ohne Sefchrei ober fchweigen während des
Fluges immer ſtill. Sie ſchweben aber aufrecht, geneigt, quer, mit
ter Seite oder bem Kopfe voran, manche auch auf dem Rücken liegend,
— —
*} Rusticula — Scolopax rustioula L.
) Anas; es gibt drei Haupfformen: bie eigenffichen @Gnten, die
Ganſe und die Schwäne. °
⸗
Zehntes Bud. 1197
fo daß, wenn man mehrere Arten zugleich beobachtet, fle ſich nicht in
demſelben Elemente zu beivegen fcheinen.
LV (xxx. Am meiften fliegen diejenigen, welche, weil fie ihre
Füße nicht gebrauchen fönnen, Yußlofe,*) von Andern wegen ihrer
Hehnlichfeit mit den Schwalben Lochfehmalben**) genannt werden
Sie niften auf Klippen. Sie find e8, welche man auf dem ganzen
Meere wahrnimmt und entfernen fich die Schiffe auf ihrer Fahrt noch
fo weit und noch fo lange vom Lande, fo find fie doch von Fußloſen
umflattert. Die andern Gattungen feßen ſich nieder over ftellen ſich;
dieſen ift Feine andere Ruhe als im Neſte vergönnt; fle ſchweben oder
liegen. —
LVI (X. Auch if fonft der Naturtrieb ver Vögel ebenfo vers
fchieden, am meiften jedoch in Bezug auf die Nahrung. Die foge:
nannten Geißmelfer,***) welche wie eine größere Amfel auefehen,
fehlen bei Nacht, denn bei Tag fehen fle nichts. Sie gehen in bie
Ställe der Hirten und fliegen an die Euter der Geißen, um die Milch
auszuſangen, durch welche Gewaltthätigfeit dad Guter abflirht und
die Geißen, welche fie auf diefe Weife gemolfen haben, von Blindheit
Ppefallen werden. Der fogenannte Loͤffelreiher +) fliegt auf bie Vögel,
welche in das Meer tauchen und hält ihnen fo lange durch Beißen die
*) Apodes. Die Mauerſchwalbe (hirundo apee) iſt geeint; ihre
- kurzen Füge find faſt ganz in den Federn verſteckt, ſo daß fie
auf ber Erde kaum gehen fünnen. Alles Hebrige iſt Ueber⸗
reibung.
) Cypsellus (xuwsAog), weil file in Mauerlöchern. niftet.
**) Caprimulgus = Caprimulgus europaeus L. Die Sage, daB
er den Geißen und Kühen die Milch ausfange, fcheint ſehr alt |
au ſeyn.
- 7) Platea — Platalex lemorhodia L.
1198 €. Plintus Naturgeſchichte.
Köpfe fe, bis er ihnen den Fang abjagt. Derſelbe bricht die ver
fhlungenen Muſcheln, nachdem fle durch die Hige bes Magens er:
weicht find, wieder von fich, furht fo das Eßbare heraus und fondert
die Schalen ab.
LVIL <xıy. Den Hofhühnern?) ift auch eine gewille Frommig⸗
feit eigen; ſte ſchaudern, wenn fie ein Ei gelegt haben und ſchütteln
ſich, und indem fle ſich herumdrehen, reinigen fle ſich und putzen ſich
und die Gier'mit irgend einem Halme.
(XLV). Die Diftelfinfen.**) die Fleinften unter den Vögeln, than,
was man ihnen befiehlt und nicht nur mit der Stimme, fondern auf
mit den Füßen und mit dem Schnabel, die ihnen flatt Der Hände
dienen. Im Arelatiſchen Gebiete ***) gibt es einen Vogel, welder
das Gebrüll ver Ochfen nachahmt und deßhalb, obichon er Hein ifl,
Stier genannt wird. Gin anderer, welcher Anthus 7) heißt, ahmt
auch dad Wichern der Pferde nach, wenner durch die Ankunft derfelben
von feinem Grasfutter vertrieben wird, und rächt fih auf dieſe Weife-
LVIH. Bor Allem ahmen die Vögel tie menfhlihe Stimme
nach und die Papageien 71) ſchwaben fogar. Indien ſchickt dieſen
*) Gallina villaris, Saushuhn (phasianus gallas).
**) Carduelis = Tringilla carduelis L.
***) Bei der jegigen Stadt Arles. Plinius fann nur bie Rohr⸗
dommel (ardea stellaris), welche ein dumpfes, fchauerliches
Gebrüll hören läßt, meinen; obfchon biefer Vogel grade nicht
| Hein, fondern faft drei Schuh lang ift; am Bodenſee heißt er
0:Rind.
+) Wörtlic „Blüte“ foll die graue Bachſtelze (motacilla boarula
eulphurea) ſeyn: das Wiehern ift jedenfalls eine Nebertreibung.
17) Psittacus, befonders if der Aleranderspapagei (prittacns ale-
xandri), welcher durch Alexander des Gropen Züge aus Inbien
zuerſt nach Europa fam, gemeint. Der indifhe Name ift sukäs.
Zehntes Bud. - 14199
amı ganzen Körper grünen und nur mit einem zinnoberrothen Ring
um den Hals gefhmücten Vögel und nennt ihn Sittace. Er grüßt
die Kaiſer und fpricht die Worte, welche er lernt; befonders muth⸗
willig macht ihn der Mein. Sein Kopf bat dieſelbe Härte wie fein
Schnabel und man klopft ihm, wenn er fprechen lernt, mit einem
eifernen Stabe darauf, denn anders fühlt er Heinen Echlag. Menn
er ſich im Fluge nieberläßt, fängt er fi mit dem Schnabel, ſtützt
fich auf denfelben und Eommt dadurch der Schwäche feiner Füße
zu Hülfe.
LIS. 1. Weniger Berühmtheit, weil es nicht aus der Ferne
kommt, aber eine beutlichere Redefertigkeit hat dad Geſchlecht ber
Eifern: Sie gewinnen die Worte lieb, welche fie fprechen follen ;
fie lernen nicht nur, fondern haben auch Gefallen daran, und wenn fle
ſich bei fish üben, fo ift an der Sorgfalt und an dem Nachdenken ihre
Anftrengung nicht zu verkennen. Es iſt gewiß, daß fie fterben, wenn
fle die Schwierigfeit eines Wortes überwältigt, daß fie, wenn fie nicht
fortwährend daſſelbe hören, dad Gedaͤchtniß verläßt und daß fie fich,
wenn file dad Wort, welches fie fuchen, indeſſen hören, auf merkwür⸗
dige Weife freuen. 2. Ihre Geſtalt, obgleich nicht auffallend, iſt doch
auch nicht gemein und Zierde genug für fie ift ver Schmud ver menſch⸗
fichen Sprache. Man behauptet jedoch, daß nur diejenigen fle lernen
tönnen, welche zum Geſchlechte der Eichel frefienden gehören, *) und
unter diefen weit leichter die, welche fünf Zehen an den Füßen haben,
aber felbft diefe nur in den beiden erften Lebensjahren. Sie haben
‚eine breitere Zunge, fo wie alle in jeder befonderen Gattung, welche
*) Nämlich der fogenannte id oder Heher (corvus glandarias); 3
er letnt Worte ſprechen, aber die fünf Zehen, welche ohnehin
nur eine ſehr feltene Ausnahme find, tragen nichts dazu bei.
x.
1200 &. Plinius Naturgeſchichte.
die menſchliche Sprache nachahmen, obgleich dieß faſt kei allen Gav
tungen der Fall iſt. 3. Agrippina, die Gemahlin des Claudins
Caͤſar hatte eine Droſſel, welche (was früher nie geſchah) zur Zeit,
alsich dieß ſchrieb, die Reden der Menfchen nachahmte; auch Die jungen
Gäfaren*) hatten einen Staar, ferner Nachtigallen, welche die grie⸗
chiſche und lateinifche Sprache begriffen; außerbem übten fle ſich von
Tag zu Tag und fprachen befländig Neues und fogar in längerem
Zufammenhange. Sie werden an einem abgefonderten Orte und we
fi keine andere Stimme einmifcht, gelehrt, indem Jemand bei ihnen
figt, der häufig, was er behalten wiſſen will, fagt und ihnen mit |
Futter fchmeichelt.
LX xuM). 1. Auch ven Raben muß ihr Verdienſt eingeräumt
werben, da es nicht nur durch die Anerfennung. fondern auch nur durch
den Unwillen des römifchen Volkes bezeugt wird. Unter der Sen:
fchaft des Tiberius flog ein junger Rabe von einer auf dem Tempel
der Caftoren**) ausgefchlüpften Brut herab in eine gegenüber befinb:
liche Schuſterei und war alſo dem Herrn der Werkſtätte ſchon durch
die Religion empfohlen. Frühzeitig an's Sprechen gewöhnt, flog er
jeden Morgen nach dem Forum auf die Rednerbühne, grüßte den Ti⸗
berius, ferner bie Caͤſaren Germanicus und Druſus bei ihren Namen,
darauf auch das vorübergehende römifche Volk, begab fich dann wieder
nach der Bude zurüd und erregte durch die mehrere Jahre fortwäh-
rende Erfüllung diefer Obliegenheit Bewunderung. 2. Ihn töbtete,
entweber aus Nachbarneid oder, wie er wollte glauben machen, im
Jaͤhzorn, weil er durch feinen Mnrath einen Flecken auf die Schuhe
*) Britannicus und Nero.
: %) Des Gaftor und Pollur; ber Tempel lag an ber füblichen Seite
des Sorumß.
Zehntes Bud. | 1201
gemacht hatte, der Inhaber der nächften Schufterei; zu folder Bes
Hürzung des Volks, daß er zuerfi aus diefer Stadtgegend vertrieben
and bald darauf ermordet, die Beftattung des Vogels aber mit einem
unũberſehbaren Leichenzuge gefeiert wurde, wobei zwei Mohren dad
für ihn zubereitete Bett unter Bortritt eines Flötenfpielers und mit
Kränzen jeder Art auf ven Schultern bis zum Scheiterhanfen trugen,
welcher zur rechten Seite des appiſchen Weges am zweiten Meilen-
feine auf dem fogenannten Felde des Rediculus*) errichtet war.
3. Die Naturgabe eines Mogels ſchien alfo dem römischen Volle ein
hinreichend gerechtfertigter Beweggrund zu Beltattungsfeierlichfeiten
ober zur Hinrichtung eines römifchen Bürgers, in derfelben Stadt,
wo für viele audgezeichnete Männer Niemand einen Leichenzug ver:
anflaltet, wo wirklich Niemand den Tod des Scipio Aemilianne, **)
der doc; Barthago und Numantia zerftörte, gerächt hatte. Dieß ge⸗
ſchah unter dem Confulate des M. Servilius und C. Ceſtius [im
3.35 nach Chr.] vor dem fünften Tage der Kalenden des April
f27. März]. Auch jest, während ich dieſes fchreibe, befindet ſich in
der Stadt Rom im Beflge eines römifchen Ritters eine Krähe aus
der bötifchen Provinz, ***) welche erſtens durch ihre überaus fchwarze
Farbe Berwunderung erregt und dann mehrere Worte im Zufammen:
hange ausfpricht und Häufig andere dazu lernt. 4. Auch lief noch
jüngft das Gerücht um, ein gewiffer Craterus mit dem Beindmen
*) Des Gottes der Umkehr, von redire, weil Hannibal an diefer
Stelle umkehrte.
**) (ir wurde, wahrſcheinlich auf Antrieb der ihn ale entfcjiebenen
ı + Gegner des Adergefeßes haſſenden Voltopartei, im Jahre 129
vor Chr. ermordet.
») Pol. B. II, Kap. 3, 8. 1.
1202 C. Plinius Naturgeſchichte.
Monoceros [Ginhorn] babe in dem Erizeniſchen Gebiete") in Aflen
mit Hülfe der Raben gejagt, indem er biefelben auf feinen Hoͤruchen **)
und Schultern ſitzend in die Wälder führte, wo fle nachipürten und
auftrieben, und durch burch die Gewohnheit ſey ed dahin gefommen,
daB ihn, wenn er wieder berausging, auch die wilden Raben begleis
teten. Man hat auch der Nachwelt überliefern zu müſſen geglaubt,
daß ein Rabe gefehen wurde, ber von Durft getrieben, in die Urne
eines Denfmale, worin Regenwafler Rand, das er aber nicht erreichen
fonnte, Steinchen trug und es, da er fih fürchtete Hinabzufleigen,
durch Anhäufung derſelben fo weit in die Höhe brüdte, bis es ihm
hinreichenden Trank bot.
LXI (ıxv). 1. Auch die diomebifchen Vögel er.) will ich nicht
übergehen; Juba nennt fle Catarracten }) und fagt: fie Hatten Zähne
und Augen von feuriger Farbe, ſeyen fonft aber weiß; man fehe bei
ihnen ſtets zwei Führer, von denen ber eine die Schaar anführe, ber
andere fie fchließe; fie hoͤhlten mit dem Schnabel Löcher aus, legten
eine Hürde darüber und bedeckten fie mit ber Erde, tie fle vorher ber:
ausgeſchafft, und darin heckten fte; Alle Löcher hätten zwei Ausgänge,
ber eine, durch welchen fie ſich zu den Futterplaͤtzen begäben, liege
aa B. V, Kap. 32. $. 2
3 Die gewoͤhnliche Frilerung daß darunter Hoͤrnchen am Halme
zu verſtehen feyen, will nicht recht einleuchten; vielleicht hatte
Craterus auf dem Kopfe einen Stor mit Zacken, worauf bie
Raben. faßen und ‚von welchem er auch leicht den Beinamen
@inborn befommen haben fünnte.
***) Diomedene aves; obgleich die Beichreibung nicht vollſtaͤndig
paßt, fo fann man doc nur bie Höhlen: oder Brand⸗Ente (anas
tadorna) darunter verſtehen.
7) Herunterfallende; vielleicht‘ weil fle auf ihre Beute von oben
verabfipießen,
|
d
Zehntes Buch. 1203
gegen Morgen, der andere, durch welchen fle zurückkehrten, gegen
Abend; wollten fie ſich des Unrathes entledigen, fo flögen fle immer
aufwärts und gegen den Wind. 2. Rur an einem Otte der ganze
Erde, nämlich auf der Inſel, welche duch das Grabmal und den
Tempel bed Diomedes berühmt ift und der Küfte Apuliens gegenübers
Liegt,*) laſſen fich diefe den Blaßhühnern“) ähnliche Vögel fehen.
SBarbarifche Ankoͤmmlinge feinden ſie mit Gefchret an und zeigen ſich
und den Griechen hold, gleichfam als zollten fle durch eine wunderbare
Anterfcheidungsgabe nur dem Geſchlechte des Diomedes diefe Rück⸗
ſicht; auch den Tempel deſſelben waschen und reinigen fie täglich mit
vollem Kropfe und triefenden Federn, woher die Fabel entftand, daß
Die Gefährten des Diomedes in ihre Geftalt verwandelt worden
feyen. ***) . |
‚LXH (1. Da wir von den Naturgaben handeln, fo ſoll nicht
unerwähnt "bleiben, daß unter ven Vögeln die Schwalben und unter
den Landthieren die Mäufe ungelehrig find, F) während doch die Ele⸗
phanten das ihnen Befohlene thun, die Löwen fi unter das Joch
beugen und die Seefälber F7) und fo viele andere Fiſcharten zahm
werben.
LXIII xLvim. Die Vögel trinfen ſaugend und diejenigen von
ihnen, welche lange Hälfe haben, in Abſätzen und ſich mit zurückge⸗
beugtern Kopfe das Wafler gleichfam eingießend ; das Purpurs
huhn rt) allein trinkt beißend; es hat auch die befondere Eigenſcheft
9) Vgl. B. IN, Ray. 30, 8. 1.
*e) Fulica — Fulica chloropus.
— Bol. Virgil, Aen. XI. 271 ff.
7) Beides iſt bekanntlich unrichtig.
71) Val. B. IXx, Kap. 13. |
ttt) Porphyrio —Falica porphyrio, auch Sultanbhenne ger
124° 6. Plinius Naturgeſchichte.
daß es alle Speife öfter in's Waffer taucht und dann mit dem Fuße,
wie mit einer Hand, nach dem Schnabel führt. Die gepriefenften
gibt ed in Kommagene;*) ihre Schnäbel und fehr langen Beine
find roth.
LXIV uvm. Eben ſolche Hat auch der Hämalopus [Blut-
fuß]. **) welcher viel kleiner ift, obzleich feine Füße eben fo hoch find.
Er ift in Aegypten einheimifch,, ſteht auf drei Zehen und nährt Ed
hauptſaͤchlich von Fliegen; in Italien lebt er nur wenige, Tage.
LXV. Alle fchwereren Vögel freffen Früchte, die hochfliegenden
nur Fleifch; unter den MWaffervögelh find die Taucher bemüht, das zu
verfehlingen, was die ändern von ſich geben. ***)
LXVI. Mit den Schwänen haben die Kropfgänfe +) Aehnlich⸗
feit und man würbe gar feine Verschiedenheit finden, wenn fich nicht
in ihrem Schlunde eine Art zweiter Bauch befände. Darin fammelt
das unerfättliche Thier Alles, fo daß die Geräumlichfeit Bewunderung
erregt. Bon da fihiebt es, fobald es feinen Raub vollbracht Hat,
allmälig @inzelnes in den Schnabel zurüct und ſchlingt es dann nach
Art der Wieverfäuer in den wirklichen Magen. hinab. Das an den
nördlichen Ocean grängende Gallien ſchickt dieſe Vögel.
LXVII. Bir haben auch von ungewöhnlichen Bögelarten im
—
=
*) Bol. oben Kap. 28. "
“) Wahrfcheinlich ein Negenpfeifer (charadrius); nach Andern
ber Aufternfammler (haematopus ostralegus) ; beide haben einen
- rothen Schnabel undırothe Füße.
***) Befunders glaubte man dieß von den Raubmöven und fie beißen
deßhalb Etruntjäger (Kothjäger); fle jagen aber den andern
‚_ Meervögeln ihren Fang ab.
* Onocrotalus = Pelecanus onocrotalas L.
Zehntes Bub. 1205
hercyniſchen Walde) in Germanien gehört, deren Gefieder des
Nachté wie Feuer’ leuchten fol, von denen aber übrigens aufer der
durch ihre Entfernung erlangten Berühmtheit nichts Merkwürdiges
vorfommt.
xy. Die Paleriven**) find in der Partherſtadt Geleucia*"*)
und in Aſien die gepriefeniten unter den Waflervögeln ; Dagegen ſenken
und heben in Colchis }) die Faſanen F}) ihre beiden Ohrbüfchel und
in Numidien, einem Theile Afrika's, gibt es Perlhühner ; Ttr) alle
aber hat man bereits in Stalien. | /
LXVIII. 1. Daß die Zunge des Flammbarts 7) von vorzũg⸗
lichem Geſchmacke ſey, hat Apicius, unter allen Praſſern das größte
Leckermaul, gelehrt. Am meiſten rühmt man das joniſche Haſel⸗
huhn, 3 welches, obgleich es fonft feine Stimme Hören läßt, in der
Gefangenfhaft verftummt und früher zu den feltenen Bügeln gezäplt
wurbe; jebt fängt man es auch in Gallien und Hisyanten und fogar
in den Alpen, wo ſich auch die Wafferraben, **+) den balearifchen -
2) Vgl. B. IV, Kap. 25, $.1. Der Bogel, auf welchen Plinius
bindeutet, full der Seidenſchwanz (ampelis garrulus) feyn;
das hornartige Blättchen am Ende der hintern Schwungfedern
iſt ſcharlachroth und kann wohl bei Nacht leuchten, doch keinen⸗
falls wie Feuer.
*5) Soll die Mandarin⸗Ente (anas galericulata L.) ſeyn.
) Vgl. B. V, Kap. 21, 8. 3.
4) De. Bd. VI, Kap. 4, $. 4.
+7) Phasiana — Phasianus colchicus L.
+}7) Numidioa = Numida meleagris L.
*}) Phoenicopterus (Rothflügel) = Phoenicopterus ruber; Bi
mingo, Schartenfchnäbler.
*) Attagen — Tetrao bonasia L.
"et, Phalacrocorax (Kahlrabe) = Pelecanus graculus I. Bol.
B. XL, Rap, 47, 8. 1.
1206 8. Plintud Naturgeſchichte.
Snfeln angehörende Vögel, finden, fo wie auch die Alpendohle, *) mi
gelblichem Schnabel, fonft aber von ſchwarzer Farbe, und der vorzüg:
lich fihmedtende Hafenfuß,**) welcher dieſen Namen von dem Hafen-
Baare an feinen Büßen ***) bat, übrigens aber weiß und von der
Größe der Taube if. 2. Man befommt ihn außerhalb des Landes
nicht leicht zu efien, denn lebendig wird er nicht zahm, und wenn er
getödtet iſt, verbirbt fein Körper fogleih. Es gibt auch noch einen
andern Vogel deſſelben Namens, +) der fih von den Wachteln nu
durch die Größe unterfcheidet und mit einer Safranbrühe eine ſeht
angenehme Speife if. Egnatius Galvinus, der Präfekt ber Alpen, |
berichtet, daß er dafelbft auch den in Aegypten einheimiſchen Ibis ge⸗
feßen habe. ++)
LIVXIX (u). Während ber bebriacenſiſchen Bürgerkriegett)
kamen auch die neuen Voͤgel“) (denn fo heißen ſie immer noch) über
den Padus [Bo] nach Italien; fie gleichen den Droffeln, find etwas
tveniger groß als die Tauben und von angenehmen Geſchmacke. Die
balearifchen Inſeln liefern ein Burpurhuhn, das noch edler iſt als dat
*) Pyrrhocorax — Corvus pyrrhocorax L.
*) Lagopus — Tetrao lagopus L. ‚am haͤufigſten Schneehuhn
enannt.
*r) Die Füße fammt den Zehen find befiedert.
+) u. ift derſelbe Vogel in feinem graulich roſtgelben Eommer⸗
eide. |
+4) Cr fah nicht den eigentlichen ober heiligen Ibis, fondern ven
fhwarzen; vgl. Kay. 45. -
Tr) Zwiſchen den Anhängern der Begenfaifer Otho und Biteflius;
ber erfle wurde im Jahr 69 nach Chr. bei Bebriacum (Ganeto)
. nelchlagen.
Reprhübner (tetrao perdix L.). '
Zehntes Buch. 1207
oben*) genannte. Daſeclbſt tft auch der Buteo,*”) eine Habichtert,
auf den Tafeln beliebt, ebenfo der Vipio, wie man einen fleineren
Kranich nennt.
LXX.. 1. Die Begafus, Bögel mit einem Bferbefopf, und bie
Greife mit einem ohrförmig eingebogenen Schnabel, jene in Scy⸗
thien, dieſe in Nethiopien, Halte ich für fabelhaft; deßgleichen den
Tragopan [Bockpan], von welchen Manche behaupten, er-fey größer
als der Adler, habe gefrümmte Hörner an den Schläfen und fey roſt⸗
farben und nur am Kopfe purpurroth. Auch die Sirenen dürften
feinen Blauben verdienen, obgleih Dino, ber Vater des gefeierten
Schrififtellerd Clitarchus, nerfichert, daß fie in Indien vorhanden
feyen und die Leute durch ihren Gefang bezauberten, um fle, fobalb
fie vom Schlafe befallen würden, zu zerreißen. 27 Wer dieſes glaubt,
“ wird auch nicht in Abrede ſtellen, daß die Drachen wirklich dem Mes
lampus dadurch, daß fle ihm die Ohren leckten, die Gabe verliehen,
die Sprache der Vögel zu verftehen, ober was Democritus von nam=
Haft gemachten Bügeln behauptet, daß nämlich aus der Vermiſchung
ihres Blutes ſich eine Schlange erzeuge und daß Jeder, welcher dieſe
verſpeiſe, die Unterredungen des Gefieders verſtehe, und was er noch
insbeſondere von einem Haubenvogel***) erwähnt, da doch ſchon ohne⸗
dieß in Beziehung auf die Vogeldeutung des Räthfelhaften. im Leben
fein Ende it. — Auch Homer fpricht von einer Bögelgattung,, den
Scopen [Spöttern]; weder vermag ich aber die von den Meiften er⸗
wähnten fpöttifchen Gebärden berfelben, wenn ihnen nachgeftellt wird,
⸗
Kap. 63
e) Bol. 9,8.1
***) Avis galerita, vielleicht die Haubenlerche (alandr oristata L.).
%. Plinius Naturgeſch. 10. Bochn. ‚6
1208 C. Plinius Naturgeſchichte.
mit meinem Geiſte zu faſſen, noch find die Vögel ſelbſt jetzt bekaunt;)
weßhalb es beſſer ſeyn durfte, von Zuverlaͤßigem zu handeln.
LXXI cn. 1. Das Mäften der Hühner begannen die Delier; )
daher ſtammt die Sucht, fette und mit ihrem eigenen Schmalze be:
tränfelte Bögel zu verfchlingen. Ich finde, daß in den alten Gaſterei⸗
verboten ſchon durch ein Geſetz des Conſuls C. Fannind elf Jahre
vor dem dritten punifchen Kriege [161 vor Ehr.] vornehmlich uuters
fagt wurde: „irgend welches Geflügel aufzutifchen, außer einem
Huhne, das nicht gemäftet fey,“ welcher Abſchnitt dann immer über:
tragen murbe, und durch alle Geſetze fortlief. 2. Um fie ju umgehen,
hat man den Ausweg erfonnen, auch die Hähne mit Futter, welches
man in Milch einweicht, zu nähren und fie bewähren ſich fo weit
fhmadhafter. Zum Mäften nimmt man jedoch nicht alle Henuen,
fondern nur die, weldde im Naden eine fette Haut haben. Dann
fommen bie Küchenkünſte, daß ihre Keulen in die Augen fallen, daß
man fie längs des Rückens zerlegt und daß fie, wenn man fie au einem
Fuße audeinanderzieht, Sie Auftragtefler ganz einnehmen. Auch den
Köchen Haben die Barther ihre Sitten mitgeteilt; ») doc gefällt
bei diefer Zuftugung nicht ein für alle Mal daſſelbe, indem man hier
nar bie Keule und anderwärts nur die Bruſt anpreist.
LXXU. Bogelhäufer richtete zuerft ein und verfchloß darin
Bögel jeder Art M. Länius Strabo, ein Ritter von Brundaflum
*) Homer (Obyff. V, 86) meint wahrfcheinlich den roten Kauz
(strix otus), deffen fonderbare Gebärden allgemein befaunt
find; baber die Redensarten: närrifcher Kauz und faire ia
ohouette (einen verhöhnen). .
) Bel. B. IV, Kap. 22, 8. 2.
Amlich ihre überfeine Ueppigkeit.
\
Zehntes Bu. | 1209
IBrindiſi]; ſeitdem fingen wir an, die Thiere, welchen die Ratır bie
Zuft angewiefen hat, in Kerfer einzufperren.
cum. Hauptſaͤchlich ift aber in diefer Rüdficht bie auf hundert⸗
taufend Sefterzien [8042 Gulden] gefhägte Schüſſel des tragifchen
. Scthaufpielers Clodius Aefopus merkwürdig, worin er Vögel, die ſich
durch einen befondern Gefang oder durch Nachahmung der menfch-
lichen Stimme anszeichneten und von denen er einzelne für ſechsſstau⸗
fend Seflerzien [492 Gulden] gekauft hatte, auftifchte, von feinem.
andern Reiz verleitet, als um in ihnen eine Nachahmung des Menfchen
zu verfpeifen ; und fo vergeubete er ohne Schen feine fetten Einfünfte,
die er doc; auch mit der Stimme verdient hatte, ganz feines Sohnes
würbig, ber, wie wir erzählt haben,*) Perlen verfchlang. 8 dürfte
jedoch, um die Wahrheit zu geſtehen, nicht leicht zu entfcheiden feyn.
wer von beiden die größte Schänblichfeit beging, es müßte benn
weniger auf fich haben, die größten Schäße der Natur zu verzehren,
ald Menfchenzungen. **)
LXXIII im. Die Fortpflanzung der Vögel fcheint einfach zu _
ſeyn, obgleich fie ebenfalls ihre Wunder Hat, denn auch Bierfüßler
legen Eier, wie die Chamäleone, ***) die Eidechſen 7) und die, welche
wir bei ven Echlangen genannt haben. ++) Bon dem Gefieder iſt
das, welches krumme Klauen bat, nicht fruchtbar, nur allein der
MWannenweher rt) legt über vier Bier. Die Natur Hat es bei dem
) B. IX, Kap. 59.
*) Dögelzungen, welche dadurch, daß fie die menfchliche Stimme
nachahmen, gleihfam Menfchenzungen werben.
“*) Bol. B. VIII, Kap. 51.
4) Bgl. 8. VII, Kay. 60. BE \
.D ® VIIL Rap. 37.
+41) ‚Cenohris; vgl. Kap. 52, $. 6.
6°
1210 €. Plinlus Naturgeſchichte.
Voͤgelgeſchlechte fo eingerichtet, daß bie ſcheuen fruchtbarer find ale
die tapfern. Am meiſten legen die Strauße, bie Hühner und bie
Feldhühner. Bei ven Bögeln findet die Begattung nur auf zwei Arten
flatt, indem nümlich das Weibchen auf dem Boden hockt, wie bei ben
Hühnern, oder indem es fteht, wie bei den Kranichen.
LXXIV. 41. Bon den Biern find manche weiß, wie bei ben
.Zanben und Felbhühnern, andere blaß, wie bei den Waffernögeln,
andere bepunftet, wie ‘bei dem Perlhühne, und andere von rother
Farbe, wie bei ven Fafanen und dem Wannenweher. Inwendig aber
iſt jedes Vogelei zweifarbig. In Yen MWaflervögeleiern iſt mehr
Gelbes ale Weißes und dieſes Gelbe ſelbſt matter als in den andern;
die Fiſcheier Haben nur eine Farbe und es iſt nichts Weißes darin.
2. Die Eier der Vögel find wegen ihrer Hiße zerbrechlich, bie ber
Schlangen wegen ihrer: Kälte zäh und bie ber Fifche wegen ihrer
Feuchligkeit weich; die ber Waſſervoͤgel find rund, die übrigen meiſt
nach oben zugeſpitzt. Beim Legen freien fle mit ihrer ganz runden
Seite zuerft hervor und ‚haben eine weiche Schale, welche aber fogleich
hart wird, fo wie fle theilmeile zum Vorſchein fommen. Die längs
lichen Gier find nach der Meinung des Horatius Flaccus*) von an
genehmerem Gefchmade. Die mehr abgerundeten geben ein Männ-
Ken, die übrigen ein Weibchen... Der Nabel**) befindet ſich oben in
der Spige der Gier, wie ein in ber Schale hervorragender Tropfen.
uıv). 3. Einige begatten fich zu jeber Zeit, wie die Hühner
*) Satyr. II, 4,12 ff. = |
.) Bas Plinius für den Nabel hält, ift das gallertartige Bänd⸗
en, Durch welches ber Dotter an den beiden Bolen des Eies
bängt; der Nabel wird in bemfelben exft ſichtbar, wenn es einige
aae bebrütet ift. v u
4
Zehntes Buch. 1211
und legen nur während ber beiden Wintermonate, in welche bie kuͤr⸗
zeften Tage fallen. nicht. Die jungen Hühner legen mehr Gier, aber
ffeinere, eben fo find bei derſelben Brut bie erſten und letzten Heiner.
Ihre Fruchtbarkeit ift aber fo groß, dab manche fogar fechzig legen,
manche täglich, manche zweimal des Tages und mandye fo oft, vaß fe
erſchoͤpft fterben. Am meiften werben bie abrianifchen*) geichäßt.
A. Die Tauben legen des Sahres zehnmal, mandje auch elfmal, in
Aegypten fogar auch im Winterfonnenwendemonat. Die Schwalten.
die Amfeln, die Ringeltauben und vie Turteltauben legen zweimal
des Jahres, die übrigen Vögel meift nur einmal, Die Drofleln,
welche in den Gipfel der Bäume ihre Nefter aus Koth und fall zus
fammenhängend bauen, hecken im Verborgenen. 5. Zehn Tage nad
der Begattung reifen die Eier in der Bärmutter, bei einer Henne aber
oder Taube, welche durch das Ausreiffen einer Feder ober durch eine
ähnliche Berlegung geängftigt wird, dauert e8 länger. In jedem
Gie befindet fich in der Mitte des Dotters eine Art. Kleiner Bluts⸗
tropfen, **) den man für dad Herz des Vogels Hält, weil man glaubt,
daß diefes in jenem Körper zuerft entſtehe; gewiß ift, daß diefer Tro-
pfen im Gie fpringt und Schlägt. Das Thier felbft entfieht aus dem
Meißen, und zieht feine Nahrung aus dem Belben des Gies. ***)
*) Die Hühner aus der Stadt Adria (vergl. B. III, Kay. 18, 8. 1)
tollen ſehr Hein gewefen feyn, aber des Tages zweimal gelegt
asen. .
**) Diefer Tropfen, gewöhnlich das Auge oder ber Hahntrikt ge
nannt, von welchem die Entwiclung des Keims ausgeht, zeigt
fih in dem ie erſt dann, wenn es bebrütet wird.
**) Die Entwicklung des Reims beginnt oben auf dem Dotter, aus
welchem vorzüglich der Darm auswaͤchſt, die anderen Organe
entfiehen aug dem Eiweiß.
⸗
1212 C. Plinius Naturgeſchichte.
Bei allen iſt, ſo lange ſie darin ſind, der Kopf größer als der ganze
Körper und bie zufammengebrüdten Augen find größer als ber Kopf.
So wie das Iunge wählt, zieht ſich dad Weiße nach der Mitte und
das Gelbe fliegt um daffelbe herum. Am zwanzigſten Tage läht fh,
wenn das Ei bewegt wird, ſchon die Stimme des innerhalb der
Schale lebenden Küchleins hören; von berfelben Zeit an befommt «3
Federn und liegt fo, daß es den Kopf über dem rechten Fuße, den
zechten Flügel aber über dem Kopfe Hat. Der Dotter verſchwindet
alfmälig.*) 6. Alle Bögel fommen mit den Füßen zuerfl zur
Melt, **) während bei den übrigen Thieren grade dad Gegentheil der
Fall iſt. Manche Hühner legen lauter Imillingdeier und brüten zu⸗
weilen auch, wie Gornelius Celſus berichtet, Zwillingäfiichlein aus,
von denen das eine größer if. Manche flellen in Abrede, daß je
Zwillinge ausgebrütet werden.“) Man will nit, daß man mehr
als fünfundzwanzig Eier ten Hühnern zun Bebrüten unterlege. +)
Sie fangen nach dem fürzeflen Tage an zu legen. Die beſte Brut ift
vor der Frühlingstagundnachtgleiche; was nach der Sonnenwende
ausſchlüpft, erreicht Die gehörige Größe nicht und zwar um fo weniger,
je fpäter es andfommt. '
LXXV ııv). 1. Am vortheilhafteften if es, bie Gier Änner-
halb der erften zehn Tage, nachdem fie gelegt find, bebrüten zu laffen,
alle oder frifchere find unfruchtbar; fle müflen in ungrader Zahl unter=
*) Er tritt vielmehr in ben Darm, weßhalb die Küchlein in den
erfien Tagen nichts zu freſſen brauchen.
) Keineswegs, ſondern mit dem Kopfe, wie bie übrigen Thiere.
*) Mit Unrecht, denn folche Zwillinge fommen wirflidy vor.
7) Nach der Anſicht guter Landwirthe fol 'man nur 15 bie 20
unterlegen. ' j
a Zehntes Buch. - 1213
gelegt werden. Schimmert, wenn man am vierten Tage nach dem
Beginne des Bebrütens die Eier mit der einen Hand an der Spipe
gegen das Licht Hält, eine reine, gleichartige Farbe durch, fo werben
fie als taub betrachtet und find durch andere zu erfeßen. Man fann
fie auch im Wafler prüfen; ein leeres ſchwimmt, man foll alfo die
unterfinfenden, das heißt die vollen, unterlegen. Die Prüfung durch
Schhütteln dagegen verwirft man, weil fle, wenn die Lebensabern fich
verwirren, nichts erzeugen. Mit dem Brüten läßt man nad) dem
Neumond den Anfang machen, denn wenn man früher damit beginnt,
gelingt ed nicht. 2. Bei warmen Tagen werben die Bier ſchneller
ausgebrütel und fie bringen deßhalb die Küchlein im Sommer am
einundzwanzigfien, im Winter aber am fünfundzwanzigften Tage.
Donnert es während des Brütens, fo find die Bier verloren, auch vera
derben fie, wenn fich die Stimme eines Habichts Hören laͤßt.) Ein
Mittel gegen den Donner ift ein eiferner Nagel, unter das Strohneſt
der Bier gelegt, ober Erde von einem Pfluge. Manche Eier aber erzeugen
auch ohne Bebrütung von felbft, wie in den Miftgruben Aegyptens.’*)
Bon einem Manne zu Syracus findet fich die Merfwürbigfeit, daß
er fo lange, zu trinfen pflegte, bis Eier, die man mit Erde bebedite,
die Brut hervorbrachten. ü "
LXXVI civo. 1. Sa auch vom Menfchen werben fie zur Reife
gebracht. Als die Kaiferin Livia in ihrer frühen Jugend mit dem
Cäfar Tiberiug vom Nero fhwanger ging und fehr einen männlichen
s
*) Unwahre Behauptungen; über die abergläubifchen Gegenmittel
ift Fein Wort zu verlieren.
») Die fünflliche Ausbeutung der Eier findet jebt noch in Negyps
“ten un, anderwärts flatt und man bedarf dazu nur einer Wärme
von 30°,
1214 C. Plinius Raturgefchichte.
Nachkommen zu gebären wünſchte, nahm fie zu einer maͤbchen haften
Vogeldeutung ihre Zuflucht, indem fie ein Ei in ihrem Bufen baäͤhete
und es, wenn fie es weglegen mußte, einer Amme in den Buſen gad,
damit die Srwärmung nicht unterbrochen würde, und fie joll Ah in
ber Deutung nicht betrogen haben. *) Daber vielleidzt die neue Er
findung, die Gier an einem warmen Orte in Spreu gelegt mit mäßi:
gem Feuer in bähen und von einem Menfchen wenden au laflen, wo⸗
durch zu gleicher Zeit und an einem beflimmten Tage die Brut auf
riecht. 2. Man erwähnt der Kunft eines gewiflen Hühnerwärters, web
s
her fügen fonnte, von welcher Henne jedes Bi gelegt war. Es wird
auch erzählt, daß man fehon gefehen habe, wie nach bem Tode einer
Henne die Hähne ſich werhfelfeitig ablösten, auch im Uebrigen ſich
wie eine Brütende gebäbrdeten und fich des Kraͤhens enthielten. Bor
Allem erregt es Bewunderung, wenn eine Henne, welche ihr unter⸗
gelegte Enteneier ausgebrütet hat, zuerſt die Nachfommenfhaft nicht
recht anerkennen will, alsbald die zweifelhafte Brut bekümmert zu⸗
ſammenruft und zuletzt an dem Rande des Teiches Klaggeſchrei er⸗
hebt, wenn die Kuͤchlein nach ihrem Naturtriebe untertauchen.
LXXVH (Lvin. Die Borzüglichfeit der Hühner zeigt fih an dem |
aufgerichteten, zuweilen doppelten Kamme, ben ſchwarzen Flügeln,
dem rohen Schnabel, den ungraben Sehen und manchmal aud an
einer quer über bie vier andern liegenden Zehe. Zum gottesdienſt⸗
lichen Gebrauche werben die Hühner mit gelbem Schnakeb und gelben
*) Da fie ein Hähnchen ausbrütete und einen Cohn gebar. Livia
Druſilla war die Gemahlin des angefehenen Feldherrn und
Staatsmannes Tiberius Claudius Nero, wechem fle Tiberius,
ben fyäteren römifchen Kaiſer gebar; im Jabhr 39 vor Chr.
‚wurde fle von ihrem Gemahl an den Triumvir Octavian abge-
treten. Vgl. Suetonius im Leben des Tiberius, Kap. 14.
Zehnted Bu. ‚1215
Füßen, zum Geheimbienfte*) die ſchwarzen nicht als rein betrachtet.
Bei ihnen ift auch das Zwerggeſchlecht nicht unfruchtbar, was bei
feiner andern Battung von Vögeln yorfommt, da aber ihre Frucht:
Barkeit felten. zuverläßig ift, fo fchabet ihr Brüten den Eicrn.t*)
LXXVIH uvm. Am verberblichften jedoch ift allen Gattungen
Der Pipps, befonders während der Zeit ter Ernte und der Meinlefe,
Heilmittel find der Hunger und das Liegen im Rauche, befonders
wenn biefer mit Lorbeer oder Sevenfraut***) gemacht wird, eine Fe⸗
‚ber quer durch die Naſe geſteckt, welche man jeden Tag rüdt, Sutter
entweder aus Knoblauch mit Mehl, oder mit Wafler angefeucdhtet,
worin eine Sumpfeule eingeweicht worden ift, pder mif dem Samen
der weißen Zaunrübe }) gefocht und manches Andere. ++)
-LXXIX (um. 4. Die Tauben fehnäbeln fi nach einer ihnen
eigenthümlichen Gewohnheit vor der Begattung; fle legen gewöhne
Lich zwei Gier, da es die Natur fo eingerichtet hat, daß bei einigen
Pögeln die Brut häufiger und bei andern zahlreicher if. Die Ringel
tauben und bie Turteltauben legen meift trei und zwar nicht mehr als
zweimal im Frühjahre und auch dieß nur, wenn bie erfte Brut umge⸗
kommen iſt, und obgleich ſie drei legen, ſo bringen ſie doch nie mehr
als zwei aus; das dritte, welches taub ift, nennt man Windei. Das
*) Der guten Göttin (bona den);, deren Feſt befanntlich im Ge:
heimen und nur von Frauen mit Ausfchluß eines jeden Mannes
am 1. Mai gefeiert wurbe.
+) Meil fie nicht alten Eiern gleihe Wärme mitteilen und fle
deßhalb auch nicht gleichmäßig ausbrüten.
***) Herba Sabina; yal. B. XXIV, Kap. 61.
+) Vitis alba, ogl. B. XXXIII, Kap. 16.
+7) Das einfachſie Mittel ift die Ablöfung der verhärteten Haut,
welche fich bei dem Pipps an der Spitze der Zunge bildet. @&
>
1216 C. Plinius Naturgefihichte.
Weibchen ber Ringeltaube ſitzt vom Nachmittage bis zum Morgen,
während ber übrigen Zeit das Männchen. 2. Die Tauben brüten
immer ein Männchen und ein Weibchen aus, zuerfi das Mämden
und ani nächften Tage das Weibchen. Bei diefer Gattung figen beide,
am Tage dad Männchen und bei Nacht dad Weibchen ; fie brüten am
zwanzigften Tage aus. Sie legen am fünften Tage nach ver Begat:
tung. Im Sommer bringen fie zuweilen in zwei Monaten drei
Paare aus, denn fie brüten am achtzehnten Tage and und empfangen
fogleich wieder; weßhalb fh auch oft Gier unter ven Küchlein finden
und einige von dieſen fortfliegen und andere erfi außfriechen. Sc: |
dann hedfen die Jungen, wenn fle fünf Monate alt find, ſchon feld.
Die Weibchen aber treten, wenn fein Männchen vorhanden iſt, einan⸗
“ ber auch felbft und legen taube Eier, aus denen nichts entficht und
die bei den Griechen Winbeier*) heißen. °
X). 3. Der Pfau legt won feinem dritten Jahre an, im erſten
Sabre ein ober zwei Gier, im nächfien vier ober fünf, in.den folgenden
zwölf und nicht mehr; er Legt in Zwifchenräumen von zwei ober drei
Tagen und dreimal ded Jahres, wenn man feine Bier Hennen zum
Bebräten unterlegt. - Die Männchen zerbrechen diefelben aus Be:
gierbe nach den Brütenden, weßhalb diefe bei Nacht und in Schlupfs
winfeln oder in der Höhe fipenh legen; daher zerbrechen bie Gier,
wenn fie nicht in einem weichen Mefte aufgefangen werben. Jedes
einzelne Männchen reiht für fünf Weibchen hin und wenn ed nur
eines oder zwei hat, fo wird die Fruchtbarkeit durch die Geilheit zer⸗
fört, Die Brut ſchlüpft nach Dreimal neun Tagen and ober ſpäteſtens
'*) Blinius gebraucht zur Bezeichnung der fogenannten Windeier |
verichiedene griechifche Yusbrüde (ova urina, eynosura, hype-
nemia, zephyria), welche aber alle diefelbe Sache bebeuten.
4
\
Zehntes Bud. a 1217
camt dreißigſten. 4. Die Gaͤnfe begatten ſich im Waſſer und legen im
Frühjahre ober, wenn fie ſich zur Zeit der kürzeſten Tage begattet
Haben, etwa vierzig Tage nach ber Sonnenwende, und zweimal des
Jahres, wenn Hühner\ihre erfle Brut ausbringen, übrigens hoͤchſtens
fechzehn und wenigftens feben Gier. *)' Wenn man fle ihnen meg-
ſtiehlt, fo legen fie fo lange bis fie berften ; fremde brüten ſie nicht
aus. Am räthlichften ift, ihnen neun oder elf zum Bebrüten unterzu-
Tegen.® Nur die Weibchen brüten und zwar dreißig, und wenn fle
Higiger find, fünfundzwanzig Tage. 5. Ihren Jungen ift die Be⸗
rührung der Neffel töbtlich**) und nicht weniger bie, Freßgier, mag es
nun durch Moberfättigung ſeyn ober durch ihre Anſtrengung, indem
fie oft, wenn fie eine angefaßte Wutzel mit Beißen loszuziehen fire
ben, ſich cher den Hals abreigen. Gin Mittel gegen die Nefiel if
Die Wurzel derfelben beim Beginne des Brütens unter das Strohneſt
gelegt.
ax. 6. Man hat drei Arten von Reihern, den Silberreiher, in
ven Sternreiher }) und den grauen Reihen. }) Diefe quälen fich bei
der Begattung ab und den Männchen trieft fogar unter Gefchrei Blut
aus den Augen; nicht weniger mühfam legen bie Trächtigen. Der
Adler brütet dreißig Tage, wie faft alle größeren Voͤgel, die Fleineren,
wie ber ri und ber Habicht, nur zwanzig. Gr heit meift ein
Junges und nie mehr als brei, der Vogel, welcher Schleier:
*) Die Gänfe legen, wenn fie zwei Jahre alt find, zwölf bis vier⸗
undzwanzig Eier.
**) Unfere Landwirthe füttern die jungen Gänfe fogar mit Neffeln!
*#) Leucon — arden alba L. Weißer Reiber.
7) Asterias = ardes stellaris L. auch Robröommel.
ir). Pellos — ardea oineren L. Gemeiner Reiher.
1218 C. Plinius Naturgeſchichte.
eule*) heißt, vier, der Nabe zuͤweilen auch fünf; fie brüten eben fe
viele Tage.”*) Die brütende Krähe füttert das Männden. 7. Die
Gifter Hedkt neun Junge, der Schwarzfopf***) über zwanzigt) und
immer in ungrader Zahl, Fein anderer Vogel aber mehr; um fo viel
größer iſt die Fruchtbarkeit der Kleinen! Die. Iungen der Schwal:
ben und faft aller übrigen Vögel mit zahlreicherer Brut ſind Anfangs
blind.
LXXX. Die tauben Gier, welche wir Winteier genamt
haben, ++) empfangen die Weibchen entweder Durch. eingebildete Be:
friebigung der Wolluſt unter ſich oder duch den Staub, und zwar
nicht nur die Tauben, fondern audy die Hühner, die Feldhühner, die
Pfauen, bie Bänfe, die Fuchsgaͤnſe. +r}). *Sie find aber unfruchtbat
unb fleiner, fo wie von weniger angenehmem Geſchmacke und mehr
wäflerig.. Manche glauben, daß fle durch ben Wind erzeugt würden,
weßhalb fie auch Zephyreier heißen; diefe fommen jedoch nur im
Frühjahre vor,*}) wenn die Brütende Dad Neft verläßt, und werben
von Andern Hundsſchwanzeier *7) genannt. — Gier mit Eſſig ge:
beizt, werben fo weich, daß fie burch Fingerringe geben. Am beften
*) Aegolios —-stryx fammea L. Sie it ohne Zweifel Die Eule
—5 von welcher die Alten ſo viele abergläubifige Dinge
erzählen
*.) Nämlich warzi, ie alle kleinere Bögel.
*) Bol. oben Kay. 4
+) Unrichtig; er legt nur ſechs Gier.
+r) Im vorhergehenden Kapitel $. 2.
16) Bol. Kap. 29, $. 1.
*7) Weil im Srübjahre der Zephyr (Weſtwind) weht.
**7) Bermuthlich brachte fle der Aberglaube mit dem Geſtirne, wels
ches Hundsſchwanz (oynosura), gewöhnlich aber der kleine Bär
beißt, in irgend eine Verbindung.
#6
-
nn)
Zehntes Bud: | 1219
ew ahrt man fle in Bohnenmehl, oder im Minter in Spren, im Som:
ner in Kleien auf; im Salze, glaubt nlan, werben fle leer.
LXXXI (ı.xın. Bon den Bögeln gebiert nur die Fledermaus *)
ebendige Junge und nur fie. hat Häutige Flügel; fle nährt allein von
»en DVögeln mit Mil und reicht die Brüfte. Die Mutter umfaßt
beim Fluge ihre beiden Jungen unb trägt fie mit ſich fort. Sie ſoll
nux ein Hüftbein haben und als Speife find ihr die Müden am
lĩe bſten.
LXXXH cıxun. 1. Dagegen legen unter, den Landthieren die
Schlangen, , von denen noch nicht gefprochen worden ift, Gier, Sie.
begatten fi durch Umfchlingung und wickeln fich fo um einander her:
um, daß man fie für eine einzige mit zwei Köpfen halten Tönnte. Das
Mäunnchen der Biper ſteckt ihr den Kopf in das Maul und ſie nagt ihn
in der Süßigfeit der Wolluſt ab.“) Sie allein von den Landthieren
Legt in fich ſelbſt einfarbige und weiche Eier, wie die Fiſche. 2.- Am
dritten Tage bringt fle innerhalb der Bärmutter die Jungen aus und
gebiert dann an jedem Tage eines und gewöhnlich zwanzig an der
Zahl; die legten durchbrechen deßhalb, des Wartens überbrüßig, bie
Seiten und tödten dadurch ihre Mutter. ***) Die übrigen Schlangen
bebrüten ihre zufammenhängenden Eier auf der Erbe +) und bringen
die Brut im folgenden Jahre aus. Bei den Krofodilen brüten Männ⸗
chen und Weibchen abwechfelnd. — Doch wir müſſen auch die Fort:
pflanzung der Übrigen Landthiere darthun.
) Sie gehört bekanntlich nicht zu den Vögeln.
**) Alte Babeln, die feiner Widerlegung betürfen.
++) Neuere Natürforfcher haben von diefer gewaltfameh Selbſt⸗
entbindung noch nichts bemerkt.
+) Die Schlangen und. die Krokodile überlaſſen bekanntlich das
Ausbrüten ihr ter Gier der Sonne und der Wärme ber Luft. .
*
1220 G. Plinius Naturgeſchichte.
LXXXIII (CLAN). 1. Bon den Zweifißlern gebiert der SZenſcq
- allein lebendige Zunge. Nur der Menſch fühlt nad, der erſten Be:
gattung Reue und eine Borbeveutung für dad Leben if wahrlich ſchon
ver bereuungdtvürbige Urfprung deffelben. Die übrigen Thiere begat-
ten ſich nur zu beflimmten Zeiten des Jahres, der Menſch, wie ſchon
* bemerft wurbe,”) zu jeder Stunde bed Taged un) der Naqht: auch
findet bei ihnen eine Sättigung in der Begatiung flatt, Bei dem Ben:
fchen faft feine. Meflalina, die Gemahlin des Claudius Cäſar. wel&e
die Siegespalme hierin einer Fürſtin würdig erachtete, mwäglte ſich
zum Wettlampfe unfer den Luſtdirnen die berüchtigtſte Lohnhurenmagd
und beflegte fle, indem fie während des Zeitraumes einer Nacht un:
eines Tages fünfundziwanzigmal den Beifchlaf aushielt.**) Bei dem
Menichengefchlecht Haben die Männer Abwege in der Liebe, und zwar
alle zum Hohne ber Natur, die Weiber aber die Abtreibung ber Lei⸗
besfrucht erbacht. Um wie Vieles find wir in diefer Beziehung Aral:
licher als die wilden Thiere? Daß die Männer im Winter, die
Weiber im Sommer begieriger nach dem Liebeöwerfe find, berichte:
Heflodus. ***) — Rückwaͤrts begatten ſich die Elephanten, die Ka:
meele, die Tiger, bie Luchfe, dad Nashorn, der Löwe, der Hafe und die |
Kaninchen, weil ihre Zeugungstheile rückwärts gelehrt find. Tu
Kameele fuchen auch Cinöden oder wenigftend abgelegpne Orte und
ohne Gefahr ift nicht dazu zu Tommen. }) Ihre Begattung dauert
*) B. VIE, Rap. 4. | ' '
..**) Die Audfchweifungen diefer Kaiferin,, einer Tochter ded Eon:
ſuls Meſſala Barbatus, fchildert Juvenal (Satyr. VI, 116 f.)
mit den grellften Karben. Sie wurde im Jahr 48 vor Ehr.
Hingerichtet.
***) Werke und Tage, 586, \
) Die Kameele find bekanntlich während ber Brunſtzeit fehr
.
— —
Zehntes Bub. 1221
irren ganzen Tag und dieß iſt bei ihnen allein von allen Thieren mit
asıgefpaltenem Hufe der Fall. Bei dem Geſchlecht der Vierfüßler
-eizt die Männdyen der Geruch. ' Die Hunde, die Robben und bie
283 51fe drehen ſich mitten in der Degattung um und bleiben auch wiber
ihren Willen zufammenhängen. Bei den meiften ber oben genannfen
Thiere mahen bie Weibchen beim Befpringen den Anfang, kei den
Brigen die Maͤnnchen. 3. Die Bären liegen, wie ‚fchon geſagt
zWaurde, *) nach menſchlicher Weife hingeſtreckt, Die Igel ſtehen beibe
zznd umſchwingen einander, bei den Raben fteht das Männchen und
Das Weibchen liegt unter ihm, vie Füchfe liegen auf der Seite und
Das Weibchen umfaßt das Männchen. Die Weibchen der Stiere und
Hirſche ertragen die Gewalt nicht und fehreiten deßhalb Bei der Ems
pfängniß. Die Hirfche gehen abwechfelnd von einem Meibchen zum
andern und fehren dann zu dem erfien zurück; die @ibechfen , fo wie
afle Thiere ohne Füße verrichten dad Liebeswerk, indem fie fih um
einander herumfchlingen. — 4. Je größer fämmtliche Thiere dem
Körper nach find, deſto weniger fruchtbar find fie; die Elephanten, bie
Kameele und die Pferde befommen jedesmal nur ein Junges, der
Diftelfink, **) der Heinfle Vogel, zwölf; am ſchnellſten gebüren die⸗
jenigen, weldje die meiften befommen. Ie größer ein. Thier ift, defto
länger dauert feine Bildung im Mutterleibe; länger werden die ge⸗
tragen, welche eine längere Lebensbauer haben, und fo lange fie wach⸗
ſen, iſt ihr Alter nicht reif zur Fortpflanzung. Die Thiere mit feften
Hufen werfen ein Junges, bie mit gefpaltenen auch Zwillinge. Dies
wild: doch begatten fich wenigftend | die zahmen in Gegenwart
des Menfchen.
*) 3. VII, Ray. 54.
**) Acanthis, weiter oben (Ray! 57) carduelis genannt. «
1222 C. Plinius Naturgeſchicht.
jenigen, deren geſpaltene Füße in Zehen getheilt ſind, haben eine
zahlreichere Nachkommenſchaft. 5. Die erfleren*) bringen jedoch
fämmtlich ihre Jungen ausgebiltet zur Welt, biefe**) nur ange-
fangen; zu dieſer Gattung gehören die Löwinnen und die Bärinnen;
die Füchſin wirft noch unförmlichere,”**) als die vorher genannten,
und es ift felten, fie beim Werfen zu fehen. Sie alle erwärmen und
geftalten darauf ihre Jungen durch Lecken; fie werfen meiit vier. —
6. Blinde Zunge befommen die Hunte, die Wölfe, die Banther ur
die Schakals. Es gibt mehrere Arten von Hunden; bei ben lafoni-
ſchen +) find beite Gefchlechter im achten Monate zeugungsfähig:; fie
tragen fechzig Tage, Höchftend drei Tage mehr. Die übrigen Hün:
dinnen dulden fchon die Begattung wenn fie Balbjährig find, alle wer:
den durch eine Begattung trächig. Wenn fie vor der gehörigen Zeit
empfangen, bleiben ihre Jungen blind, do nicht alle gleich viele
Tage. Man glaubt, daß fie, wenn fle etwa ein halbes Jahr alt find,
beim Harnen dad Bein aufheben, und dieß ift das Zeichen der voll:
Rändigen Entwicklung ihrer Kräfte, die Weibchen boden fich dabei
7. Die Zahl ter Jungen beläuft fish bei denen, welche deren am mei:
ften befummen, auf zwoͤlf; fonft haben fle fünf, feche, zuweilen nur
.eined, was jedoch eben fo gut als ein Wunderzeichen gilt, als wenn
afle nur Meibchen oder alle nur- Männchen find. Auch w fen fle zu⸗
erft nur Männchen, in der Folge wechfeln fie ab; ſechs Me nate, nach⸗
*) Welche ungefpaltene Hufe haben.
”*) Mit gefpaltenen Hufen.
***) ine ſehr irrige Behauptung.
1) Wahrfcheinlih von ihrer Heimath Laconien fo genann
Buffon heißen fle lafonifch ‚weil fie wenig und furz bau ..
sindet deßhalb in ihnen unfern Schäferhund.
2! ’ Zehnied Bud. | 1223
dem fie geworfen, laffen fle fich wieder belegen. Die Iafonifchen wers
fen acht; die Männchen diefer Art zeigen bei der Arbeit eine eigens
thũmliche Munterfeit; fle leben zehn Jahre, die Weibchen zwölf; bie
übrigen Arten fünfzehn, zuweilen auch zwanzig; fle zeugen nicht ihr
ganzes Leben hindurch , fondern hören etwa mit dem zwölften Jahre
auf. Bei den Kaben und Pharaondratten*) verhält fich ſonſt Alles
wie bei.den Hunden, doch leben fle nur ſechs Jahre. **) — 8. Die
Kaninchen) feßen jeden Monat und werben überfruchtet, wie
die Hafen; fie laflen ſich, wenn fle gefeht haben, fogleich wieder
ſchwängern und empfangen, obgleich die Jungen noch an den ditzen
ſaugen; ſie ſetzen aber blinde Junge. Die Elephanten werfen, wie
wir geſagt haben, }) ein Junges von der Groͤße eines vierteljährigen
Kalbes. Die Kameele tragen zwölf Monate, werfen in ihrem britten
Jahre im Krühling und werden ein Jahr, nachdem fie geworfen Haben,
wieder trächtig; die Stuten aber glaubt man fchon am britten oder
auch am erften Tage, nachdem fie gefüllet, wieder befchälen laſſen zu
fönnen und zwingt-fle dazu. Auch das Weib fol am flebenten Tage
*) Pr vgl. 3. VII, Kap. 35.
**) (ine -Talfche Behauptung , weninftend was’bie Rate betrifft,
denn;fle wird über zwölf Jahre alt; da die Pharaondratte zwei
Jahre zu ihrem Wachsthum braucht, fo feheint auch ihre Lebens
zeit zu kurz angeſetzt zu feyn.
⸗es) Bi:ins bleibt fich in der Anwendung bed Worted dasypus
nicht gleich und braucht es bald für Kaninchen, das fonft bei
ihm oanioulus heißt, bald für Hafe (fonft lepas) nach Ariftos
teles, welcher das Kaninchen nicht kannte und den Hafen bald
Aayöc, bald Saavnovs nennt. Kommt alfo dasypus mit lepus
vat, fo muß man es mit Kaninchen und fleht eö neben oani-
EAlus, mit Hafe überfehen. |
+) In dieſem Kapitel $. 4, und B. VIII, Kay. 10.
s Plinius Naturgeſch. 10. Bon. . U
1224 C. Plinius Naturgeſchichte.
wieber ſehr leicht empfangen. 9. Man räth am, den Stutm die
Mähnen abzufcheeren, damit fle die Eruiebrigung, fich von Eſch be-
fpringen zu laſſen, dulden, denn fo lang fie die Mähne Haben, fin
auf diefen Schmud ſtolz. Sie allein von allen Thieren laufen nat
ber Begatiung gegen den Nordwind ober ben Südwind, je naddem
fle ein Männchen oder ein Weibchen empfangen Haben. *) Sie ändern
fogleich die Farbe und das Haar wird röther oder, wie biefes ar
fonft ſeyn mag, dunkler; auf dieſes Zeichen hin läßt man fle, auch gegen
ihren Willen, nicht mehr befpringen. Das Füllen hindert Manche
nicht an der Arbeit und man merft nicht, daß fie traͤchtig find. So
- finden wir, daß eine trächtige Stute des Thefialierd Gchecrates zu
Olympia geflegt habe. 10. Fleißige Beobachter bemerken, daß die
Pferde, die Hunde und bie Schweine des Morgens nach ver Begats
tung lüftern find, die Weibchen aber am Nachmittage liebkoſen, daß
* die zahmen Stuten fechzig Tage früher roflen ald die zu einer Heerde
gehörenden, daß nur die Schweine bei der Begattung Schaum aus
dem Rüflel fließen Iaflen, daß ber Cber, wenn er die Stimme ber
brünſtigen San hört und nicht zu ihr gelaffen wird, ſich des Fraßes
enthält bis zur Abmagerung, die Weibchen aber fo wilb werben, dag |
fie den Menichen zerfleifchen, beſonders wenn er.ein weißes Kleid an
Hat. Diefe Muth läßt nach, wenn man die Gefkhlechtätheile mit
Effig beſprengt. Die Begierde zur Begattung foll auch durch Rab:
zungsmittel entftehen, fo bei bem Manne durch die Raute, **) bei dem
Viehe durch die Zwiebel. Wunderbar iſt es, daß die wilden Thiere,
wenn man fie zähmt, ſich entweder gar nicht fortpflanzen, wie bie
Gänfe, ober doch nur fpät, wie die Eher und Hirſche, und auch nur
„) Alter Aberglaube,
» Bol. B. XIX, Kay. 44.
Zehntes Buch. | 1225
dann, wenn man fie von Kleinem vuferzogen hat. Die Weibchen‘
der Vierfüßler weifen, wenn fle traͤchtig find, die Begattung ab, mit
Ausnahme der Stute und der Sau; aberfruchtet werden aber nur das
Kaninchen und der Haſe.
.LXXXIV av). Alle Thiere, welche lebendige Junge gebären,
Eommen mit dem Kopfe zuerft zur Welt, da ſich die Frucht, welche
vorher in der Bärmutter ausgeſtreckt war, bei der Geburt umdreht.
Die Vierfüßler liegen im Mutterleibe mit der Länge nach geſtreckten
und an den Bauch angefchloffenen Beinen; der Menfch ift in fich felbft
zufammengeballt und die Nafe ſteckt zwifchen ven beiden Knieen.
Mondkälber, wovon wir ſchon früher *) gefprochen haben, entitehen,
glaubt man, wenn das Weib nicht vom Manne, fondern nur von ſich
felbft empfangen Habe; fle feyen deßhalb auch nicht befeelt, ſondern
Hefäßen nur durch fich felbft jenes ernährende Leben, welches ven
Bilanzen und Bäumen eigen fey. Bon allen Thieren, welche ausge⸗
Kildete Junge befommen , werfen nur die Säue deren auch fehr viele
und ebenfo mehrere auf einmal, ganz gegen bie Natur ber Vierfaßler
mit feſtem und mit geſpaltenem Hufe.
LXXXV (ıxvi,- 4, Ueber Alles gebt aber die Fruchtbarkeit der
Mäufe und man fann nur mit Zurückhaltung davon fprechen, obgleich
man den Ariftoteles**) und die Krieger Aleranders des Großen als
Gewaͤhrsmaͤnner hat. Man fagt, daß ihre Fortpflanzung durch
Lecken und. nicht durch Begattung flattfinde, und erzählt, daß eine ein=
zige hundert und zwanzig Junge gehabt und daß mar in Perflen
folche ſchon trächtig im Mutterleibe gefunden Habe. Auch durch ben
58 VIE Kap. 10,8. .
**) Hist. animai. Vi, 37 en
7*
12265 6. Plinius Naturgefchichte.
Genuß des Salzes follen fie trächtig werben.) Gs hört alfo auf
wunderbar zu feyn, warum eine folche Unzahl von Felomäufen **) bie
Ernten verwüftet; doch bleibt ed und immer noch verborgen, auf
welche Weife diefe Menge ylöglih umfommt,***) denn man findet
weder tobte, noch kann Jemand aufireten, der im Winter eine Maus
auf dem Feld ausgegraben hätte. 2. Die meilten kommen inbeflen
bei Troas }) zum Vorſchein und fle haben fchon die Einwohner von
vort vertrieben. Am meiften nehmen fie bei der Dürre überhanp;
auch foll, wenn fle fierben wollen, in ihrem Kopfe ein Würmchen ent
Reben. Die aͤgyptiſchen Mäufett) haben hartes Haar, wie bie
Igel; fie gehen auf zwei Füßen, wie auch die Alpenmäufe. ++F) —
Wenn THiere verfchiebener Art ſich begatten, fo zeugen fie nur, wenn
fle eine gleiche Tragzeit Haben. Daß von ben Gier legenden Bier:
füßleen die Eidechſen mit dem Maule legen, wie man gewöhnlid
glaubt, ftelit Ariftoteles*+) in Abrede; auch brüten fle nicht, weil fle
vergefien, an welchem Ort fie gelegt haben, denn dieſes Thier Hat
fein Gedächtniß;**}) die Jungen Friechen alfo von ſelbſt aus.
*) Daß alle diefe Behauptungen weit von der Wahrheit entfernt
And, braucht kauni bemerkt zu werben. ’
**) Mus agrestis = mus sylvaticus LO
9) Dan weißt jept, daß fle nad) der Ernte weiter wanbern.
+) Bel 8. IV, Kay. 33, 8.1. - ’
+7) Mus aegyptius' — Dipus aegyptius, Jerboa.
Ttt) Mus alpinus, Murmeltbier, welches Wort übrigens doch wohl
nur ir anfaliung der Benennung mure montano (Berg»
maus) if. . |
°f) Hist animal. V, 4.
”p) Der Mangel an Gedaͤchtniß kann Hier nicht in Anſchlag ge
ee, bie @ier der meiſten Amphibien entwickeln fh
Zehntes Bud. 1227
LXXXVI axvm. Daß eine Schlange aus dem Rückenmarke
Des Menſchen fi erzeuge, vernehmen wir von Bielen,*) denn das Reiſte
entſteht aus einem verborgenen und unſichtbaren Urſprung, ſogar bei
dem Geſchlechte ver Vierfüßler,
xviij). fo der Erdmolch, **) ein wie die Eidechſe geſtaltetes und
fernartig gezeichneted Thier, welches nur bei großen Regengüffen zum
Vorſchein Sommt und bei heiterem Wetter verſchwindet; es hat eine
ſolche Kälte in fih,, daß es das Feuer durch feine Berührung , grade
fo wie Eis, austöfcht. Wenn fein Geifer, der mildartig aus dem
Munde läuft, irgend einen Theil des menfchlichen Koͤrpers berührt,
fo fallen alle Haare aus und bie berührte Stelle ändert die Farbe in
„in DMaal.**) \ |
LXXXVII (xx). 4. Manche Tiere aber entfliehen aus nicht
gezeugten Wefen und ihr Urfprung iſt in keiner Weife dem der andern
ähnlich, welche oben genannt wurden und bie eine beftimmte Jahres:
zeit Hervorbringt!: inige von diefen zeugen nichts, wie bie Erd⸗
*) Und doch ift es lächerlicher Unſinn.
**) Die Entftehung des Erdmolchs (Salamanders) ift fein Geheim⸗
ib; oo Weibchen gebiert lebendige Junge und zwar in großer
nzahl
») Der Saft, welchen der Erdmolch, wenn er gereizt wird, aus
den Drüſenwülſten hinter dem Kopfe und aus den Warzen auf
dem ganzen Leibe austreibt, tft Scharf und flinfend und wirkt in
den Eingeweiden buch Entzündung toͤdtlich, hat aber auf die
Haut wenig oder feinen Einfluß. Sept man ihn auf glühenbe
Kohlen, fo läßt er ebenfalld den Saft und diefer mag audy
- manchmal das Feuer, wenn ed unbedeutend id, auloͤſchen.
Alte übrigen hier und weiter unten (B. XXIX, Kap. 23)
dem Salamander sugefhriebenen Gigenfhaften find Ueber⸗
treibung. |
—— [BE En — — — —
1228 C. Plinius Naturgeſchichte.
molche,) amd ſie find weder männlichen noch weiblichen Geſchlechts,
fo wie auch die Aale**) und alle, welche ſich weder dureh ein lebens
diges Junges, noch durch ein Ei fortpflanzen; auch die Aufern*"*)
und die übrigen auf dem Meereögrund oder am @eflein haͤngenden
Thiere Haben fein Geſchlecht. 2. Diejenigen aber, welche durch fi
ſelbſt entfliehen, zeugen zwar, wenn fle in Männchen und Weibchen
zerfallen, etwas durch die Begattung, was jedoch unvollfonmen und
ihnen unäßnlich if und woraus nichts weiter gezengt wird, fo bie
Müde die Moden. +) Dieß wird noch klarer durch bie natürliche Bes
fchaffenheit der fogenannten Inteften, welche alle ſchwer zu befchreiben
find und in einer ihnen befonders gewidntefen Arbeit 47) behandelt
werben mäflen; deßhalb foll Hier noch zum Schluffe der Raturanlage
ber vorher genannten Tiere und was fonft noch von ihnen zu bes
merfen ifl, erörtert werden. — ,
LXXXVII cıxx). Unter den Sinnen iR das Gefühl und dann
der Geſchmack bei dem Menſchen vorzüglicher als bei den andern
Thieren, in den übrigen wird er von vielen übertroffen. Die Adler
fehen fchärfer, die Geier haben einen feineren Geruch und die Maul:
würfe hören genauer, obgleich fie in ber Erbe, dieſem fo dichten und
tauben Naturfloffe, vergraben find, und obfchon außerdem jeder Laut
aufwärts ſtrebt, fo hoͤren fle es doch, wenn man fpricht, und follen
) Das Gegentheil wurde bereits bemerkt.
*) Man ift jetzt noch nicht über vie Fortpflanzung der Yale ganz
im Klaren, doch laichen fie wahrfcheinlich.
**) Ob e8 Männchen und Weibchen unter den Anflern gebe, if
noch nicht entſchieden, doch ift es unwahrfcheinlih,, ba fie fi
nicht beivegen fünnen. .
T) Daß aus der Mate die Mücke entficht, iſt jet befannt.
11) Im naͤchſtfolgenden Buche. |
Behntes Bud). 1229
auch merken, wenn von ihnen die Rede iſt, und enlfliehen. Dem
Menſchen, welchem zuerſt das Gehoͤr verſagt iſt, entgeht auch die
Gabe der Sprache und keiner iſt von Geburt taub, der nicht auch
ſtumm wäre. Daß unter den Seethieren die Auſtern Gehoͤr haben,
iR nicht wahrſcheinlich; die Meflerfcheiden”) aber follen bei einem
Geraͤuſch untertauchen,, deßhalb ‚beobachten auch die Fifcher auf dem
Meere Stillfchiweigen.
LXXXIX (2x1). Die Fifche Haben zwar weber Gehoͤrwerkzeuge
noch Ohrlöcher **) und doch ift offenbar, daß fle Hören, wie ſchon aus
der Wahrnehmung hervorgeht, daß in manchen Behältern vie unge:
zähmten gewöhnt find, fich beim Klatfchen zum Fraße zu verfammeln
und daß in den Fifchteichen des Caͤſars die verfchiedenen Arien von
Fiſchen und auch manche einzelne, went man fie beim Namen ruft,
herbeikommen. So follen auch die Meeraͤſche, der Wolfobaͤrſch, ber
Goldſtriemen und der Seerabe.***) ſehr genau hören und beßhalt auf
Den Untiefen leben.
XC. 1. Daß fie Geruch Haben, liegt Har zu Tage, benn nicht
alle laſſen fi mit demfelben Köder fangen und fie riechen daran, ehe
fle anbeißen. Manche, welche in Höhlen verborgen liegen, treibt der
Fiſcher dadurch heraus, daß er bie Zugänge bes Felſens mit Salzſiſch
beftteicht, vorwelchem fle, als ob fle ihr Aas erfenneten, fliehen. Auch
aus der Tiefe kommen fie bei gewiffen Gerüchen, wie von gebrannten
*) Sole, befonders solen vagina, welche ſich bei annähernder
Gefahr fogleich zurüdzieht und durch Lift gefangen werben
**) Gehörwertzeuge find allerdings vorhanden und flatt der Pau⸗
kenhoͤhle dient dad Kiemenlodh.
.»* neber diefe Fiſche vgl. B. XI, Kap. 9, 24 und 32,
4
1230 G. Plinius Naturgeſchichte.
Dintenſchnecken and Armkraken,“) zuſammen, weßhalb man ſolche in
die Reufen wirft. Vor dem Geruch der Grundſuppe in den Schiffen
fliehen ſie zwar weit hinweg. am meiſten jedoch vor Fiſchblut. 2. Der
Armkrale läßt ſich von den Felſen nicht losreißen, wenn man aber
Pfefferkraut?“) an ihn bringt, fährt er fogleih vor dem Seruche
zurüd. 9: die Purpurfchneden werben mit flindlenden Dingen ge-
fangen... Und wer möchte diefen Sinn bei den übrigen Thierarten in
Abrede ſtellen? Der Geruch des Hirſchhorns und noch weit mehr
des Storar ***) jagt die Schlangen in die Flucht; der Geruch bes
Wohlgemuthes +) oder des Kalks oder des Schwefels toͤdtet bie
Ameiſen; die Schnaden gehen dem Sauern nach, nach Süßem fliegen
ſie nicht.
axxın. Den Gefühlöfinn haben alle, ſelbſt die, welchen jeder
Andere fehlt, denn er zeigt ſich fogar an den Auſtern und bei ben
Landthieren an den Würmern. >
XCI. Ich möchte glauben, daß afle audy den Gefchmadöflun
befißen, denn marum gehen die einen hiefer, und bie andern jener
Lieblingsfpeife nah? Sogar hierin zeigt ſich die befonzere Macht
der allichaffenden Natur. inige faſſen ihre Beute mit den Zähnen,
andere mit ven Klauen; einige mit krummem Schnabel pflüden, andere
mit breitem reißen um, andere mit fpigem höhlen aus; einige faugen,
andere lecken, fchlürfen, Eauen, ſchlingen. Nicht geringer iſt die Ver⸗
ſchiedenheit im Gebrauche ihrer Füße, womit fie hafchen, zerreiſſen,
fefthalten, treten, füch anhängen und ohne Aufhören den Boben fragen. "
*) Bol. B. IX, Kap. 44.
) Cunila, Saturei, vgl. B. XIX, Ray. 50. B. XX, Kar. 61.
*) Styrax, vgl. B. XII, Kay. 40.
1) Origanum, vgl. 8. XX, Kay. 67. \
Zehntes Bu. 1231
_XCH xxim. Die Gemfen und, wie wir ſchon gefagt haben,*)
Die Wachteln, gewiß die frieblichften Thiere, mäften ſich mit Gift:
fräutern, die Schlangen aber mit Eiern und befonbers iſt dabei die
Kunſt der Draden bemerkenswert; denn entmeber verfchlucen fle
diefelben, wenn ihr Schlund fie ſchon zu faſſen vermag, ganz, zerbrüs
* een fie dann, indem fle fi um fich felbft wideln, in ihrem Innern
und huſten die Schalen Heraus, oder halten fie, wenn fle in ihrer
Jugend noch zu zart find, mit einer Kreiswintung feft, drücken fie
allmalig, aber kräftig, fo daß dereine Theil fich wie durch ein eifernes
Werkzeug abldst, und fchlürfen dann den andern, welchen fle um⸗
ſchlungen halten, aus. Auf ähnliche Weiſe brechen fie, wenn ſie
ganze Bögel virfchlungen haben, vie mit Aftrengung heraufgewůrg⸗
ten Federn wieder aus.
XCIII. 1. Die Scorpione leben von Erde; bie Schlangen find,
wenn ſich Gelegenheit dazu bietet, befonders füfern nach Wein, ob:
gleich fie fonft nur wenig Tranf bedürfen, auch nehmen fie, wenn fle
eingefchloflen gehalten werden, nur äußerſt wenig und faft feine Speiſe
zu ſich, fo wie auch die Spinnen, welche fonft vom Sangen Teben;
deßhalb kommt auch Fein giftiges Thier durch Hunger oder Durft um;
denn fie haben weder Hige, noch Blut, noch Schweiß, welche die
Freßgierde durch das ihnen eigenthümliche Salz fhärfen. 2. Alle
Thiere diefer Gattung find weit verberblicher, wenn fie ihres Gleichen
gefreflen haben, ehe fle ſchaden. Das Gefchlecht der Sphingen und
Satyım**) birgt die Speife In den Barentafchen, von da holen fle
"dann biefelbe mit den Händen, allmätig zum Kauen hervor und thun
u‘
*) Rai. 33, $. 4.
) Affenarten, vol. ® vii, Ray. 30 und
1232 G. Plinius Naturgeſchichte.
fo, was bie Ameiſen für das ganze Jahre thun, für jeden Tag und
jede Stunde.
xzıv). Bon den Thieren, welche Zehen haben, nährt ich nur
ein einziges, nämlich der Hafe, von Kraut davon und von Felbfrücdhten
leben die Thiere mit fehlen Hufen und von denen mit gefpaltenen
frefien die Schweine Alles, fogar Wurzen. Den Thieren mit feſten
Hufen if das Wälzen eigenthümlich. 3. Fleiſchfreſſend find alle mit
fägenartigen Zähnen; bie Bären leben auch von Feldfrüchten, Blät:
tern, Weintrauben und Obſt, auch von Bienen und fogar von Krebfen
und Ameiſen, die Wölfe, wie wir ſchon gefagt baben,*) wenn fie
Hungrig find, auch von Erbe. Das Schaafvich wird durch Saufen
fett, deßhalb ift ihm Salz am zuträglichften, ebenfo das Zugvieh, ob:
ſchon es dazu auch Felvfrüchte und Kraut braucht, aber je nachdem es
fäuft, frißt es auch. Außer den ſchon genannten kauen unter den
Waldthieren auch die Hirfche wieder, wenn fle von und anfgejüttert
werben; alle aber lieber liegend als fiehend und mehr im Winter ala
im. Sommer , etwa fleben Monate lang, Die pontifden Mäufe**)
fänen auf gleiche Weife wieder. .
XCIV. 1, Beim Saufen aber. leden bie Thiere mit ſaͤgeartigen
Zähnen, ebenſo unfere gemeinen Mäufe, obſchon ſie zu einer andern
Gattung gehören, die mit zufammenhängenden Zähnen fhlürfen, wie
die Pferde und die Ochfen; die Bären thun weber das Bine noch das
Andere, fondern fchlingen auch dad Wafler mit einem Big hinunter.
In Afrika fäuft der größte Theil der Thiere aus Mangel an Regen _
nicht, weßhalb die gefangenen libyfchen Mäufe, ***) wenn ſie fanfen,
*) 38. VII, Ray. 34.
u) Pol. B. VIII. Kap.
*9 Sind wohl — Zeanſe, welche weiter oben (Kap. 85)
Zehntes Bud. 1233
terben. Die ewig waſſerarmen Gegenden Afrika's bringen bie Spies⸗
zemfe *) hervor, welche durch die Beſchaffenheit ihrer Heimath bes
Trankes entbehrt und doch wunderbarer Weiſe den Dürftenden als
Befriebigungsmittel dient; denn nur mit dieſer Hülfe halten es bie
zätuliſchen Räuber**) aus, indem fie in ihrem Körper Blafen mit
Außerft gefunber Flüſſigkeit finden. 2. In demfelben Afrifa ſitzen die
Barder***) auf einem dichten Baum in den Neften verſteckt, ſpringen
auf die vorübergehenden Thiere herab und rauben vom Eige ber
Bögel aus. Und mit welchem Schweigen, mit wie leifen Tritten bes
fchleichen die Kapen die Vögel! Wie verborgen lauernd fpringen fle
auf die Mänschen los! Ihren Unrath bedecken fie mit aufgeſchaxtter
Erde, weil ſie wiſſen, daß dieſer Geruch ihr Verraͤther iſt.
XCV (ıxxv). 1. Daß es alſo noch einige andere Sinne als die
oben genannten gebe, wird ohne Schwierigkeit klar, denn es zeigen
fich unter ven Tihieren auch Kriege und Freundfchaften, daher auch
Triebe noch außer denjenigen, welche wir von den einzelnen an den
betreffenden Steffen angeführt haben. In Zwietracht leben bie
Schwäne und die Adler, der Rabe und der Grünling, }) welche bei
Nacht gegenfeitig ihre Cier auffpüren, auf gleiche Weife der Rabe
and ber Weib, indem jener biefem das Futter wegichnappt, bie
ägyptiſche heißen und wirflich weder fäufen, noch irgend ein mit
Waſſer getränktes Kutter berühren.
*) Bol. 8. VIIL Kay. 79.
*) Die Bätuler, die Vorfahren der jegigen Berbern, waren ein
fehr rohes, wildes Volk und - wohnten füdlich von Marocco,
Algier und Tunis,
se) Bol. 8. VIEL, Rap. 17. | |
+) Chloreus — Loxia chloris L. | '
1234 C. Plinius Voeturheſchiht.
Kräben und die Sumpfenle, die aAdler und der Zaunkoͤnig ) un
zwar, wenn wir es glauben wollen, weil biefer der König der VBöge
genannt wirb, die Sumpfenlen und die übrigen Fleineren Bögel.
2. Auch zwiſchen den Vögeln und ben Landthieren ift Feindſchaft, Ic
zwifchen der Wiefel und der Krähe, der Turteltaube und ber Bora:
{i8,**) den Jchneumonwespen ***) und den Walzenfpinuen,t) ber
Maflernögeln und ven Möven, dem Roſtweih +) und tem Bus:
aar, 77 7) den Spitzmäuſen und den Reihern, welche wefelfeitig ihren
Jungen nachftellen, ver Blaumeife, *+) einem fehr Heinen Bogel, un:
dem Gel, denn wenn der letztere, um ſich zu kratzen, an den Dorr:
hecken Hinftreift, zerſtoͤrt er bie Nefter bes andern, was diefer fo ſehr
fürchtet, daß er, wenn er ihn nur frhreien hört, die Eier Herauswir':
and bie Jungen felbft vor Furcht herausfallen ; ex fliegt deßhalb ani
ihn und pickt ihm mit dem Schnabel die Gefhwüre aus. Die Füchſe
find den Sperbern **+) verhaßt, die Schlangen ven Wieſeln und den
Schweinen. 3. Schmetlins +) heit ein Heiner Vogel, welcher dir
) Bol. B. VII, Kay. 37, . 2.
**) Nach B. XL, Kap. 42 cin vierfüßiges seflügeltes hier von
der Groͤße einer ftarken Muͤcke, welches angeblich im Feuer lebt,
woher es auch feinen Namen Byralis (Feuerthier) Hat; es
bürffe in ber Wirflichfeit ſchwer nachzuweifen feyn. |
**) Ichneumon respa; ſehr wahrſceinuch bie Sandwespe (ammo-
phila sabulosa). Vgl. B. XL, Kap. 2
+) Phalangion araneus — phalangium Araneoides, Vgl. 3. XL
Kay. 28.
t}) Harpe = Falco rufus L.
f) Bal. oben Kap. 9, 8.1.
: *F) Aegithus = parus oneruleus.
*+) Nisus = Falco nisus L.
7) Aesalon = falco nesalonL., der Heinfte unter den inlaͤndiſchen
Balfen, daher auch Swergfalfe genannt. . |
gehnies Buch. 4295
kier des Naben zerbricht und deſſen Brut von dem Fuchſe angefeindet
»ird; dagegen zaust er die Jungen befielben und ihn ſelbſt; ſobald
ie Raben bieß fehen, eilen fie zur Hülfe herbei, wie gegen einen ges
weinfchaftlicden Feind. Auch der Diftelfinf*) lebt im Dorngefträudg,
eßhalb Haft auch er vie Cſel, weil fie die Dornblüthen abfreſſen.
Die Blaumelfe aber haft der Anthus**) fo fehr, daß, wie man glaubt,
»as Blut beiver-fich nicht vermifcht und deßhalb vielfach als Zaubers
mittel verſchrieen if. Ginander abgeneigt find aud die Schafals
und die Löwen, und fo ift es bei den größten wie bei den Fleinflen
Thieren. Die Roblraupen***) meiden den Baum, woran Ameifen
niften; die Spinne ſchwebt an einem Faben auf das Haupt der im
Schatten ihres Baumes 7) ausgeſtreckten Schlange herab und beißt
ihr mit folder Gewalt in das Gehirn, daß fie fogleich zifchend und
vom Schwindel befallen fich im Kreife dreht und nicht einmal den
Faden ber über ihr hängenden zu zerreißen und fo zu entfliehen vermag ;
auch wird nicht eher Ruhe, bis fle tobt ift.
XCVI. Dagegen find Freunde die Pfauen und die Tauben, die
Zurteltauben und die Papageien, die Amfeln und die Turteltauben,
die Kraͤhe und die Reiher, haben aber eine gemeinfhaftliche Feind⸗
ſchaft gegen das Befchlecht der Füchſe, fo wie ber Roftweih und ber
Weih gegen den Busaar. Und gibt es,nicht Beweife von Zuneigung
ſogar bei den Schlangen, ber graufamften Thierart? Erwähnt wurde
fon, TD) was Mrfadien von einem Drachen erzaͤhlt, der feinen
*) Acanthie, vgl. Kap. 67. |
“) Pol. Kap. 57. |
*°) Eruca, val. B. XI, Kay. 37.
+) Auf dem fle wohnt und ben fie als ihr Eigenthum betrachtet.
+}) B. VIII, Kay. 2
—
ARAB
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THE UNIVERSITY OF MICHIGAN \
GRADUATE LIBRARY
4 |
JOAN —